Trumps Friedensplan und 37 heuchelnde europäische Senioren

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Der Friedensplan von US-Präsident Trump ist noch nicht veröffentlicht. Das hat 37 europäische Politiker – vornehmlich „ehemalige“ – nicht davon abgehalten in der regelmäßig antiisraelischen britischen Tageszeitung Guardian am 15. April einen gemeinsamen Brief dagegen zu veröffentlichen. In ihrer Kritik an den USA schreiben die Unterzeichner: „Leider ist die aktuelle US-Administration von der langjährigen US-Politik abgewichen und hat sich von etablierten internationalen Rechtsformen distanziert. Sie hat bisher nur die Ansprüche einer Seite auf Jerusalem anerkannt und eine störende Gleichgültigkeit gegenüber der Ausdehnung israelischer Siedlungen demonstriert.“ Die Unterzeichner wollen, dass ein palästinensischer Staat neben Israel geschaffen wird und setzen voraus, dass dies nicht Teil von Trumps Plan ist. In dem Brief heißt es: „Trotz Ungewissheit darüber, wo und wann der Plan veröffentlicht wird, ist es entscheidend, dass Europa wachsam ist und strategisch handelt.“[1]

In der Überschrift des Artikels drängten die Unterzeichner die EU jeden US-Nahostplan abzulehnen, der den Palästinensern gegenüber nicht fair ist. Was Fairness Leuten bedeutet, die die Mörder von Zivilisten bejubeln und belohnen und Straßen, Sportanlagen und so weiter nach den am meisten verehrten Killern benennen, wird in dem Brief nicht erklärt.

Ein schneller Blick auf die Unterzeichner lässt eine Reihe wohlbekannter antiisraelischer Hetzer erkennen. Dazu gehört der ehemalige finnische sozialistische Außenminister Erkki Tuomioja. Er verglich in einem Interview israelische Verteidigungsmaßnahmen mit der Verfolgung der europäischen Juden durch die Nazis: „Es schockiert mich, dass jemand dieselbe Art von Politik gegenüber den Palästinensern vollzieht, deren Opfer sie selbst in den 1930-er Jahren waren.“[2]

Dänemarks ehemaliger Außenminister und Parlamentspräsident, der Sozialist Morgens Lyyketoft sagte im Fernsehen, als der israelische Tourismusminister Rehavam Ze’evi 2001 ermordet wurde: „Es gab keinen Unterschied zwischen dieser Ermordung und der Tötung von Terroristen durch Israel.[3] Ein weiterer Unterzeichner ist der ehemalige dänische Außenminister Martin Lidegaard, der Israel 2014 mit Sanktionen der Europäischen Union drohte, wenn die indirekten Gespräche zwischen der Hamas und Israel keine erheblichen israelischen Zugeständnisse ergeben sollten.[4]

Lena Hjelm-Wallén, eine ehemalige sozialdemokratische Außenministerin Schwedens, gehörte 2014 schon zu den Unterzeichnern eines antiisraelischen Briefs; diese nannten sich arroganterweise „bedeutende Europäer“. Ein Vorschlag des Briefs lautete, der 2002 verfasste arabische Friedensplan könnte eine Säule eines neuen EU-Ansatzes bilden.[5] Eine weitere Unterzeichnerin beider Briefe war die konservative Benita Ferrero-Waldner, ehemalige EU-Kommissarin für Außenbeziehungen und frühere Außenministerin Österreichs. Noch ein Doppelunterzeichner ist der sozialistische ehemalige NATO-Generalsekretär und spanische Außenminister Javier Solana.

Als Carl Bildt von der moderaten Partei 2009 schwedischer Außenminister war, veröffentlichte die größte Zeitung des Landes, Aftenbladet, einen Artikel von Donald Boström. Darin wurde behauptet die IDF töte Palästinenser und „ernte“ ihre Organe für Transplantationen in Absprache mit israelischen medizinischen Einrichtungen. Der Autor musste eingestehen, dass er keine konkreten Beweise für seinen Artikel hatte.[6] Als Bildt dazu aufgefordert wurde, diese Äußerung zu verurteilen, lehnte der das ab. Er sagte, die Pressefreiheit sei Teil der schwedischen Verfassung. Er wies den Botschafter seines Landes in Israel zudem an, dieser solle in der Sache schweigen.[7]

Der einzige deutsche Unterzeichner ist der ehemalige Außenminister und frühere Parteichef der Sozialisten Sigmar Gabriel. Er beschuldigte Israel ein Apartheidstaat zu sein. Gabriel entschuldigte sich erst Monate später für seine Äußerung. Die ehemalige irische Präsidentin Mary Robinson war 2014 Mitautorin eines Briefs zugunsten der Hamas, geschrieben mit dem früheren US-Präsidenten Jimmy Carter für den Guardian. Darin hieß es: „Nur durch Anerkennung ihrer Legitimität als politisch Handelnder – jemand, der einen beträchtlichen Teil des palästinensischen Volkes repräsentiert – kann der Westen beginnen die richtigen Anreize für die Hamas bieten, damit sie ihre Waffen niederlegt.“[8] Mit den erwähnten Namen ist die Liste antisemitischer Hetzer unter den Unterzeichnern noch lange nicht vollständig.

Einige der Unterzeichner nahmen auch Juden ins Visier. Im Januar 2002 war der große Ausbruch von Antisemitismus in Frankreich, weitgehend durch Muslime, bereits seit über einem Jahr im Gang. Der sozialistische Außenminister Hubert Védrine deutete Verständnis für die muslimische Gewalt gegen Juden an, als er erklärte: „Man muss nicht unbedingt schockiert sein, dass junge Franzosen mit Migrationshintergrund Mitgefühl für die Palästinenser haben und wegen dem extrem aufgeregt sind, was sie geschehen sehen.“[9]

Der belgische Liberale Karel de Gucht, ein ehemaliger belgischer Außenminister, sagte 2010: „Unterschätzen Sie nicht die Macht der jüdischen Lobby auf dem Capitol Hill… Sie sollten den Zugriff nicht unterschätzen, den sie auf die amerikanische Politik hat, egal ob es die Republikaner oder die Demokraten sind.“[10] Eine solche Unterzeichnerliste ist selten ohne einen Juden komplett. In diesem Fall handelt es sich um David Miliband, einen ehemaligen britischen Außenminister der Labour Party. Er hätte besser gehandelt, wäre er aktiver an der Bekämpfung des weit verbreiteten Antisemitismus in seiner Partei beteiligt gewesen, deren Vorsitzender er einmal werden wollte.

Die Unterzeichner des Briefes kommen allesamt aus Ländern, die die Entscheidung des Vorstands der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA) befürworteten die Arbeitsdefinition für Antisemitismus anzunehmen.[11] Dieser Text sagt, dass zu den Erscheinungsformen des Antisemitismus gehört, dass sie sich „auch gegen den Staat Israel richten können, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird.“ Die Definition besagt, dass zweierlei Maß zu verwenden, indem von Israel ein Verhalten gefordert wird, das man von keinem anderen demokratischen Staat fordert, antisemitisch ist.

Solch zweierlei Maß und Erscheinungsformen von Antisemitismus ereignen sich in der Vollversammlung der Vereinten Nationen tagtäglich. Es gibt keinen anderen Staat, der in den vergangenen Jahrzehnten auch nur annähernd von so vielen hunderten Resolutionen angegriffen wurde wie Israel. Das trotz der Tatsache, dass viele UNO-Mitglieder extremer Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen schuldig sind. Es hat nicht eine einzige Resolution gegen die Hamas gegeben.[12] Viele der Unterzeichner des Briefes im Guardian waren einmal Minister ihrer Länder. Eine ganze Reihe davon ist verantwortlich für das antisemitische Handeln ihrer Länder beim Abstimmen für die enorme Zahl antiisraelischer Resolutionen bei den Vereinten Nationen.

Fast alle Unterzeichner des Briefs kommen aus Ländern, in denen der Antisemitismus in den letzten fünf Jahren enorm zugenommen hat. Das ist in einer Studie von Eurobarometer zu erkennen, die von der Europäischen Kommission im Januar 2019 veröffentlicht wurde. Ihr Titel lautet Perceptions of Antisemitism.[13]

Man fragt sich, was die Unterzeichner des Briefs im Guardian getan haben, um den zunehmenden Antisemitismus in ihren eigenen Ländern zu bekämpfen. Wenn überhaupt, dann waren sie nicht erfolgreich. Stattdessen bleiben sie besessen davon für die Interessen der palästinensischen Autonomiebehörde zu werben, die die Mörder von Israelis – viele davon Zivilisten – belohnt. Es gibt wenig Grund zu glauben, dass die Palästinenser, wenn sie einen Staat bekommen, wie es die Unterzeichner wollen, die Ermordung von Israelis einstellen werden. Viele Jahrhunderte lang ist der Antisemitismus tief mit der europäischen Kultur verwoben gewesen. Der Brief der 37 ranghohen europäischen Heuchler im Guardian spiegelt diese Kultur.

[1] www.theguardian.com/world/2019/apr/14/europe-must-stand-by-the-two-state-solution-for-israel-and-palestine

[2] Efraim Karsh: European Misreading of the Israeli-Palestinian Conflict:  Finnish Foreign Minister Tuomioja – A Case Study. Jerusalem Issue Brief Nr. 27, 12. July 2005.

[3] Adam Chandler: The Times, The Guardian Misrepresent Conflict. Tablet Magazine, 16. November 2012.

[4] http://www.jpost.com/Israel-News/Politics-And-Diplomacy/Danish-foreign-minister-threatens-sanctions-against-Israel-376115

[5] http://www.voltairenet.org/article187598.html

[6] Donald Bostrom: Vara soner plundras pa sina organ. Aftonbladet, 17. August 2009

[7] https://books.google.co.il/books?id=ZKs0DwAAQBAJ&pg=PT71&lpg=PT71&dq=carl+bildt+israel&source=bl&ots=d0AsM4x2aU&sig=ACfU3U2AbXfn-CKFCWoNqiRgaK8l1AZmTA&hl=en&sa=X&ved=2ahUKEwjyrYecjNThAhVIK1AKHaKFDrc4ChDoATABegQICBAB#v=onepage&q=carl%20bildt%20israel&f=false

[8] www.theguardian.com/commentisfree/2014/aug/05/gaza-blockade-must-end-un-first-step-settlement

[9] http://jcpa.org/article/manfred-gerstenfeld-on-les-territoires-perdus-de-la-republique/

[10] 2010 Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israeli Slurs. Simon Wiesenthal Center

[11] http://www.holocaustremembrance.com/working-definition-antisemitism

[12] www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/deutschland-bei-der-uno-fdp-will-anti-israel-irrsinn-stoppen-59894948.bild.html

[13] Wahrnehmungsformen von Antisemitismus – ec.europa.eu/commfrontoffice/publicopinion/index.cfm/ResultDoc/…/85035

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Karikatur: Falaffel-Bällchen

gefunden bei The Jewish Press (13. Juli 2017) – nur mal, um die ganze Absurdität von Anti-Israel-Hetzern deutlich zu machen:

Ich habe gehört, dass Falaffel-Bällchen von Gazanern gemacht werden, die von Israel gefangen genommen wurden.

Das ist die harmlose Variante. Es könnte auch heißen: … dass Falaffel-Bällchen AUS Gazanern gemacht werden, die von Israel gefangen genommen wurden.

Wenn eine christlich-ökumenische Organisation Israels Sünden beichtet

Dexter Van Zile, Israel HaYom, 9. Oktober 2016

In ein paar Tagen werden sich Juden weltweit in Syngogen versammeln, um am Feiertag Yom Kippur für ihre Sünden zu büßen. Sie werden 25 Stunden lang fasten, beten und hoffen, dass, bis sie sich hinsetzen und ihre Fast mit einem feierlichen Mahl beenden, sie von ihren Sünden gereinigt und auf die Stufe von Engeln erhoben sind.

Dieses Jahr können Juden, die Probleme haben ihre Sünden zu identifizieren, für die sie Buße tun müssen, die Internetseite des Ökumenischen Rats der Kirchen [Weltkirchenrat] konsultieren; das ist eine der vielen christlichen Organisationen, die Geschichten und Bilder von sich im Heiligen Land schlecht verhaltenden Juden sammeln und dann diese Geschichten und Bilder an ihrer christlichen Anhänger weltweit versenden.

Der ÖRK tut diese Arbeit in einer erklärten Anstrengung, um Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu fördern, doch offiziellen Vertretern des Rats ist es reichlich egal, ob Juden in Israel und dem Rest der Welt ihr Material für Selbstgeißelung verwenden. Es würde sie glücklich – richtig glücklich – machen zu sehen, dass Juden in den Chor der Verdammung des jüdischen Staates einfallen.

Ein Ort, den man sich auf der Internetseite des ÖRK ansehen sollte, ist der Teil, der seine Weltwoche für Frieden in Palästina und Israel bewirbt, die jedes Jahr im September stattfindet.

Dieses Jahr hat der ÖRK sich selbst übertroffen und eine liturgische „Werkzeugkiste“ produziert, die Christen nutzen können, um den Fokus ihrer Aufmerksamkeit auf die Sünden des jüdischen Staates zu richten. Das nennt sich „Barrieren abbauen“ und ist eine offensichtliche Bezugnahme auf die Sicherheitsbarriere, die im Verlauf des letzten Jahrzehnts tausende Leben – sowohl israelisches wie palästinensisches – gerettet hat.

Das Eröffnungsgebet bitte, dass „unsere gemeinsamen Gebete um Frieden, Gerechtigkeit und Gleichheit die Kraft der Liebe sind, mächtig genug, um die Art zu verändern, wie wir mit unseren Nachbarn umgehen und die Trennmauer zu Fall zu bringen.“

Es gibt in dieser Liturgie nichts dazu die Klingen in den Händen von Terroristen zu bändigen, die während der aktuellen Messer-Intifada auf Männer, Frauen und Kinder einstachen, die jeer Menge Israelis das Leben kosteten. Auch gibt es keinen Verweis auf die antisemitische Hetze, die im palästinensischen Fernsehen sowohl im Gazastreifen als auch in der Westbank ausgestrahlt wird und die die palästinensischen jungen Leute ermutigt ihr Leben mit Selbstmordangriffe zu vergeuden.

Im „Wechselgebet der Beichte“ wird es nicht viel besser. Es ist keine wirkliche Beichte von Sünden seitens der Christen, die das Gebet lesen, sondern in Wirklichkeit eine Liste von Vorwürfen gegen Israel, verkleidet in eine christliche Beichte von Sünden.

Das Gebet beschuldigt Israel implizit palästinensisches Wasser zu stehlen, wenn es darin heißt: „Du gabst reichlich Wasser und Essen für alle, aber Menschen horten es für sich selbst.“ In diesem Zusammenhang wissen die Leser, dass „Menschen“ in Wirklichkeit „diese verdammten Israelis“ bedeutet.

Wenn das Gebet ehrlich wäre, würde es Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, dass die Israelis die Wasserproduktion und das Leitungssystem in die Westbank verbessert haben – und als Ergebnis davon der Wasserverbrauch pro Kopf für die Palästinenser in dieser Gegen seit 1967 zugenommen hat. Aber wie bei der Yom Kippur-Liturgie geht es in diesem Gebet um das Beichten der Sünden von Juden, nicht der von irgendjemandem sonst.

Zur Liturgie gehört auch ein Zeugnis palästinensischen Einwohners von Beit Jala, der von den Problemen spricht, die er hat um einen Checkpoint zu passieren, damit er zu seiner Arbeit in Jerusalem kommen oder seine Frau in ein Krankenhaus in Jerusalem bringen kann. „Ich kann mich noch daran erinnern, dass es keine Mauern gab“, berichtet Bassam. „Es war leicht für uns, uns frei zu bewegen, andere zu besuchen, an Gebeten in Kirchen teilzunehmen, Verwandte in Jerusalem oder Nazareth zu besuchen. Es war leicht diese Beziehungen aufrechtzuerhalten. Heute haben wir unsere Verwandten seit Jahren nicht gesehen.“

Es gibt eine Menge israelischer Juden, die ihre Verwandten seit Jahren nicht gesehen haben, weil sie während der zweiten Intifada von Selbstmordbombern getötet wurden, aber aus irgendwelchen Gründen werden diese Verluste nicht erwähnt.

Bei all ihrer Heuchelei für Frieden, Aussöhnung und Reue zu werben, ist die Liturgie des ÖRK nur ein weiteres Dokument, das Christen eine Vorwand liefert die Sünden des jüdischen Staates zu beichten, auch noch in der Kulisse einer Kirche.

Wir haben von dieser Art des Verhaltens im Verlauf der Kirchengeschichte genug gesehen und doch geht es weiter.

Manches ändert sich eben nie.
s. zum ÖRK und der Weltwoche des Friedens auch Dexter van Ziles Artikel „Die anhaltende Anti-Israel-Besessenheit des Weltkirchenrats

Warum wird die UNO immer noch ernst genommen?

Judith Bergman, Israel HaYom, 17. Juli 2015

Seit 1982 findet sich die Altstadt von Jerusalem kurioserweise auf der Liste des gefährdeten Welterbes der UNESCO wieder. Eines der Hauptziele der UNO-Organisation ist der „Aufbau interkulturellen Verständnisses durch Schutz von Erbe und Unterstützung von kultureller Vielfalt“.

Die Altstadt von Jerusalem wurde 2982 auf Veranlassung Jordaniens auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt. Das an sich war, wie die USA damals betonten, eine kontroverse Entscheidung, da das fragliche Eigentum (in diesem Fall die Altstadt) sich auf dem Gebiet des vorschlagenden Staates befinden muss – so die Vereinbarung zum Schutz des Weltkultur- und Weltnaturerbes der UNESCO.

Die größte Ironie der Nominierung der Altstadt durch Jordanien hätte viele weitere Länder die Begründung Jordaniens damals infrage stellen lassen sollen. Während seiner Besetzung der Altstadt Jerusalems von 1948 bis 1967 richtete Jordanien verheerenden Schaden dort an, dessen Ausmaß erst bekannt wurde, nachdem Israel sie während des Sechstage-Kriegs zurückeroberte. In der Altstadt hatte es 35 Synagogen gegeben, aber Jordanien hatte bis auf eine aller zerstört. Sie waren als Stallungen und Hühnerställe benutzt und mit Müll, Misthaufen und Tierkadavern gefllt worden. Darüber hinaus waren Grabsteine vom Friedhof auf dem Ölberg geschändet und zerschlagen worden; man hatte sich als Baumaterial benutzt. Hundert Thora-Rollen und Tausende heilige Bücher wurden zerstört. So viel also zu Jordaniens Sorge um Jerusalems Welterbe.

Auf der jüngst in Deutschland abgehaltenen 39. Sitzung der Welterbe-Kommission, die am 8 Juli beendet wurde, wurde eine neue Resolution zur Altstadt von Jerusalem verabschiedete, in der es hieß Jerusalem solle auf der Liste verbleiben. Das Komitee stimmte mit 13 zu 2 (bei fünf Enthaltungen) dafür.

Angesichts des originellen Hintergrunds der mehr als dubiosen Aufnahme der Altstadt auf die Liste der UNESCO sollte der fortgesetzte Verbleib dort nicht irgendwie ernst genommen, sondern als Fortsetzung des politischen Kriegs der arabischen Staaten gegen Israel unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen betrachtet werden. Gewiss, die Resolution dieses Jahres wurde von Algerien, dem Libanon und Qatar eingebracht, die Israel beschuldigen „die islamischen heiligen Stätten zu beschädigen“, was sich auf den Tempelberg als nur „muslimische heilige Stätte“ bezieht. Gleichermaßen wird der Platz vor der Westmauer nur mit seinem muslimischen Namen, den „Buraq-Platz“ erwähnt. Nach Angaben dieser Resolution haben die Juden also keinen Platz in ihrer eigenen Hauptstadt.

Die Resolution wurde als so wichtig betrachte, dass sie an der Spitze der Tagesordnung des Komitees stand, noch vor den Stätten, die in Syrien unmittelbar vor der Zerstörung stehen.

Die UNESCO soll eine unpolitische Organisation sein. Doch das hält sie nicht davon ab fleißig gegen Israel zu arbeiten. Während der zweiten Intifada, im Jahr 2000, war die UNESCO gespenstisch still, als Palästinenser skrupellos das Josephsgrab, eine wichtige heilige Stätte der Juden, und alles darin zerstörten, einschließlich Thora-Rollen und weiterer heiliger Bücher. 2009 ernannte die UNESCO zusammen mit der Arabischen Liga Jerusalem zur arabischen „Kulturhauptstadt“. 2010 stufte die UNEWCO das Rahelgrab als „muslimische Moschee“ ein und kritisierten Israels Entscheidung sowohl dieses als auch die Patriarchenhöhle in Hebron auf seine Liste der Stätten nationalen Erbes zu setzen. Darüber hinaus machte die UNESCO klar, dass sie beide Stätten als palästinensisch betrachtet. Das Rahlegrab ist der drittheiligste Ort des Judentums und eine jüdische Pilgerstätte. Es bedeutete der UNESCO nichts, dass das Rahelgrab nie einem Moschee gewesen ist. Einzig die USA stimmten gegen diese absurde Entscheidung.

Der Jüdische Weltkongress schrieb der UNESCO damals und betonte, dass „die Ursprünge wichtiger jüdischer religiöser und historischer Orte zu, an denen Juden seit Jahrtausenden beteten, zu politisieren und zu fälschen im Widerspruch zur wichtigen Rolle der UNESCO stehen, die gegründet wurde, um heilige Erbestätten überall in der Welt zu bewahren und zu schützen. Dem jüdischen Volk das biblische Erbe des Rahelgrabs und der Patriarchenhöhle zu verweigern bedeutet ihm seine Geschichte zu verweigern.“

Trotzdem arbeitet die UNESCO unermüdlich daran das zu rechtfertigen und Israel als den Usurpartor arabischen Landes hinzustellen, um zu beweisen, dass die Juden nicht das einheimische Volk des Staates Israel sind. Es handelt sich um einen hinterhältigen und bösartigen Prozess, der aber nicht mit der Aufnahme der Altstadt auf die Liste des gefährdeten Welterbes begann. Schon 1974 stimmte die UNESCO dafür „Unterstützung von Israel im Bereich der Bildung, Wissenschaft und Kultur zu verweigern, weil Israel hartnäckig die Charakterzüge Jerusalems verändert“. Interessanterweise hatte die UNESCO während Jordaniens 20-jähriger Herrschaft kein Interesse an der Altstadt gezeigt.

Was uns zu der Frage bringt, welche aktuelle Bedeutung die UNESCO in der Praxis spielt, vor Ort, wo es wirklich zählt. Im März 2001, noch vor dem 9/11, stand die Welt daneben und sah zu, während die Taliban zwei unschätzbare Buddha-Statuen des 6. Jahrhunderts in der Stadt Bamiyan in der Region Hazarajat in Afghanistan sprengten. Die UNESCO rettete diese Statuen nicht und vergoss anscheinend sehr wenige Tränen darüber.

Gleichermaßen hatte die UNESCO keine Eile die unschätzbaren archäologischen und kulturellen Artefakte zu retten, die in Syrien und dem Irak zerstört werden.

Wie alle anderen UNO-Instanzen ist die UNESCO nicht da, um sich um die Interessen zu kümmern, für deren Schutz sie eigentlich gegründet wurde. Unglücklicherweise ist die UNO ein Mittel in den Händen derselben Art totalitärer Kräfte geworden, gegen die sie als Bollwerk dienen sollte. Die entsprechende Frage, die eine Antwort verdient, lautet daher also: Warum nimmt irgendjemand immer noch irgendetwas ernst, das die UNO sagt oder tut?

Wo ist die Empörung wegen ermordeter Juden?

David Harris, The Algemeiner, 2. Juni 2015

Neulich hatte ich die Gelegenheit wieder einmal die großartige Rede des französischen Premierminister Manuel Valls an die Nationalversammlung in Paris an zu sehen, die er im Januar, direkt nach den tödlichen Angriffen in Paris hielt.

Seine leidenschaftlichen Ausführungen über den Anstieg des Antisemitismus und die Gefahr die dieser für Frankreich mit sich bringt, sollten regelmäßig angesehen werden. Ein Satz hat mich besonders bewegt. „Wir haben nicht genug Empörung gezeigt!“, verkündete der erste Mann Frankreichs.

Diese Aussage war an die politische Klasse Frankreichs und an das gesamte Publikum gerichtet. Aber aus meiner Erfahrung heraus könnte man diese Worte auch an einige Juden, vor allem in Amerika, richten. Natürlich sind sich die meisten der Entwicklung bewusst und besorgt. Doch gleichzeitig ist die jüdische Antwort auf die Gefahren wie immer ziemlich verzwickt.

Da sind die Juden, die versuchen, die Gefahr herunterzuspielen oder sie gleich ganz verleugnen. Andere überzeugen sich selbst, dass all das nicht gegen sie persönlich gerichtet ist; oder ihr spezifischer Platz im Leben sie vor all dem schützt, beziehungsweise sie glauben, als eine Variante des Stockholm-Syndroms, all das könnte irgendwie gerechtfertigt werden und es bräuchte, natürlich, nur eine Verhaltensänderung der (anderen) Juden. Andere hoffen, wenn sie nur der Welt erzählen, wie viel die Juden in den Wissenschaften, der Medizin, Kultur und Philanthropie für jeden tun, würden die Antisemiten ihre Gesinnung ändern. Andere lehnen die jüdische Ansicht ab, dass „alle Juden füreinander verantwortlich sind“ und so ist das, was in Paris oder Brüssel passiert absolut irrelevant für das Leben auf der anderen Seite des Ozeans oder sie beschwören das WdnI-Syndrom – „Wenn doch nur Israel“ anders handeln würde, dann wäre alles in Butter.

Es ist für uns, so glaube ich, allerhöchste Zeit mehr Empörung über einige Dinge die passieren zu zeigen.

Es ist inakzeptabel, dass die Juden in einigen europäischen Ländern sich darum sorgen, ob sie eine Zukunft dort haben, denn es ist nicht länger klar, ob die Regierungen, so sehr die das vielleicht möchten, sie schützen können.

Es ist inakzeptabel dass wir mörderische Angriffe auf Juden in Toulouse, Burgas, Paris, Brüssel und Kopenhagen, alle von Islamisten, erleben müssen.

Es ist inakzeptabel, dass Gläubige in der Pariser Synagoge Don Isaak Abravanel im letzten Sommer von einem tobenden Anti-Israel-Mob, der „Hitler hatte Recht“ und „Schlachtet die Juden“ grölte, umzingelt wurden und einige mutige jüdische Hilfskräfte und Polizisten sie daran hinderten, schwere Zerstörungen anzurichten.

Es ist inakzeptabel, dass sich jüdische Eltern in Frankreich, Belgien oder sonst wo fragen, ob sie es verantworten können, ihre Kinder in eine jüdische Schule zu schicken, welche eines Tages ins Fadenkreuz der Terroristen geraten könnte, ganz so wie die Ozar Ha Thora Schule in Toulouse.

Es ist inakzeptabel, dass, wie im letzten Jahr, die Synagoge der deutschen Stadt Wuppertal mit Brandbomben attackiert wird, derweil mit Keffiyehs vermummte Jugendliche in den Straßen von Berlin skandieren: „Jude, Jude, feiges Schwein! Komm heraus und kämpf allein“.

Es ist inakzeptabel, dass die Fans des holländischen Fußballvereins FC Utrecht „Hamas, Hamas – Juden ins Gas“ singen, um damit Fans eines anderen Fußballvereins, Ajax Amsterdam, welcher traditionell von der jüdischen Gemeinschaft unterstützt wird, zu beleidigen.

Es ist inakzeptabel, dass ein als Jude verkleideter Journalist in Malmö belästigt, verhöhnt und bedroht wird, während er durch die Straßen der drittgrößten Stadt Schwedens geht.

Es ist inakzeptabel, dass die offensichtliche Neo-Nazi Partei „Goldene Morgenröte“ im griechischen Parlament sitzt und jede nur denkbare Verschwörungstheorie gegen Juden verbreitet.

Es ist inakzeptabel, dass der Sprecher der fremdenfeindlichen Partei Jobbik im ungarischen Parlament dazu aufruft alle Juden zu registrieren, um damit in der Lage zu sein, festzustellen wer und wo jeder Jude ist.

Es ist inakzeptabel, dass die einzige jüdische Nation, Israel, das einzige Land ist welches das Ziel einer Vernichtung durch ein anderes Land, Iran, während Teheran dafür nicht nur durch die UN ungestraft davonkommt, sondern auch noch den 120 blockfreien Staaten vorsitzt.

Es ist inakzeptabel, dass Israel das einzige Land auf der Welt ist, dessen Existenzrecht täglich auf dem Prüfstand steht, während keine andere Nation Zielscheibe einer derartigen Delegitimierung ist.

Es ist inakzeptabel, dass Israel, die einzige liberale Demokratie im Nahen Osten, die einzige Nation auf der Erde ist, die von einer BDS-Bewegung angegriffen wird.

Es ist inakzeptabel, dass Israel, welches bei vielen Gelegenheiten versucht hat eine Zweistaaten-Lösung mit den Palästinensern zu finden, nur um jedes Mal zurückgewiesen zu werden, jetzt von vielen Regierungen, den Medien und der gelehrten Welt als „Haupthindernis“ für den Frieden dargestellt wird.

Es ist inakzeptabel, dass das Menschenrechtsgremium der UNO über 50% seiner landesspezifischen Resolutionen Israel widmet – eine Nation, die vom Recht regiert wird, das von forschenden Medien überwacht wird und das eine starke, lebendige Zivilgesellschaft hat – während andere Länder deren Menschenrechte haarsträubend und mehr sind, ungeschoren davonkommen.

Es ist inakzeptabel, dass das einzige Land, für das das Menschenrechtsgremium der UN eine eigene Agenda hat, nicht Syrien, Libyen, Sudan, Iran oder Nord-Korea ist, sondern Israel.

Es ist inakzeptabel, dass während des letzten Kriegs im Sommer, ausgelöst durch die Raketen aus dem von der Hamas kontrollierten Gazastreifen und der Ermordung der drei jungen Israelis, das gleiche Menschenrechtsgremium Israel mit einer Votierung von 29 zu 1 (Vereinigte Staaten) und 17 Enthaltungen kritisierte, während es ungeniert die Verantwortung der Hamas ignorierte.

Es ist inakzeptabel, dass fünf südamerikanische Länder, einschließlich Brasilien, Chile und Peru, ihre Botschafter im letzten Sommer abberiefen, wohingegen sich niemand daran erinnern kann, wann genau diese Länder eine solche diplomatische Aktivität irgendwo auf der Welt gezeigt hätten, trotz der Flut von Kriegen und Krisen.

Es ist inakzeptabel, dass die Präsidenten der Türkei und Venezuelas versuchten die örtlichen jüdischen Gemeinden dazu zu zwingen Israel zu verurteilen.

Es ist inakzeptabel, dass zwei UCLA-Studenten über Monate schikaniert und vor ein studentisches Gericht gezerrt wurden, weil sie Israel besucht hatten, womit sie sich für einige an der Teilnahme einer Abstimmung über BDS in der studentischen Verwaltung disqualifiziert hatten.

Es ist inakzeptabel, dass zwei Studenten an der UCLA und in Stanford darüber befragt wurden, ob die Tatsache, dass sie Juden sind, wesentlich dafür ist, dass sie sich um ein Amt auf dem Campus bewarben.

Und es ist absolut inakzeptabel, dass die Überlebenden des Holocausts, die sich nichts mehr wünschen, als dass die Welt von dem, was sie erleben mussten, etwas daraus gelernt habe, nun ihre restlichen Tage in der Angst verbringen müssen, dass die Juden wieder in Gefahr sind.

Wenn wir nicht empört sind, warum nicht?

Wenn wir jetzt nicht zur Tat schreiten, wie viel muss noch passieren?