Seit Februar wurde kein Gazaner mehr vom israelischen Militär getötet

Elder of Ziyon, 19. Oktober 2020

Ich sah diese Karikatur des antisemitischen Carlos Latuff, die im August mit folgender Bildbeschreibung veröffentlicht wurde: „Tag um Tagt bombardiert Israel den Gazastreifen. Sehen Sie das in den Mainstream-Medien?“

Da es eine palästinensische Mutter und ihr totes Kind zeigt, fragte ich mich: Wann gab es den letzten Gaza-Toten infolge israelischen Handelns?

Das war am 24. Februar, als die IDF einen Terroristen des Islamischen Jihad tötete, der außerhalb des Gaza-Zauns Bomben am Straßenrand legte.

Nicht ein einziger Gazaner ist seitdem von Israel getötet worden. Es sind jede Menge bei „Arbeitsunfällen“ getötet worden, aber nicht einer durch israelisches Feuer.

Fast acht Monate ohne Todesfall.

Das ist mal etwas, was die Mainstream-Medien ignorieren. Ganz zu schweigen von der „pro-palästinensischen Gemeinschaft“, die routinemäßig behauptet, es würden tagtäglich Gazaner getötet.

Die dümmste Schlagzeile des Monats

gefunden bei DEIN e.V.

Begleitend dazu gab es folgende E-Mail:

Deutschlandradio
Herrn Stefan Raue

Die arabischen Staaten haben vor den USA kapituliert

Deutschlandradio Headline vom 15.09.2020

Hallo Herr Raue – und unter uns: Was um Himmels Willen hat sich Jasper Barenberg bei dieser Überschrift gedacht? Oder war er von allen guten journalistischen Geistern verlassen?

Zwei von 13 sind nicht „die arabischen Staaten.“ Und seit wann ist der lange ersehnte Friede eine Kapitulation vor wem auch immer?

Kapitulation bedeutet Niederlage nach einem Krieg. Gab es einen zwischen „den arabischen Staaten“ und den USA? Und was haben Lüders Meinung nach die arabischen Staaten durch den Vertrag verloren?

Lüders Aussagen sind ein Outing an kaum gezähmter Feindschaft zu Israel. Das reicht eher nicht aus, um sich als Nahost-Experte zu positionieren, wohl aber für eine Selbstdesavouierung.

Wie auch immer: den Preis für die Dümmste Headline haben Sie sich redlich verdient. Im Namen des Demokratie und Information e.V. übergebe ich Ihnen das Zertifikat im Anhang.

Mit freundlichen Grüßen

Leo Sucharewicz

Auf der Seite von DEIN e.V. gibt es außerdem noch folgende Information:

Gratulationen zum Preis sind zu richten an den Intendanten Stefan Raue hoererservice@deutschlandradio.de

Wer wissen will, wie plump das Interview durch Einseitigkeit, Konstruktionund Auslassungen manipuliert, hier geht’s zum Beitrag.

 

 

 

Die Palästinenser sehen, wie die arabische Welt sich gegen sie wendet – und lernen einfach nichts daraus

Elder of Ziyon, 11. September 2020

Countercurrents hat einen Kommentar von Jafar Ramini, einem Palästinenser, der in London lebt:

Ich glaube, dass wir Araber, damit wir überleben und Fortschritte machen können, mehr gemeinsam haben müssen als Religion, Sprache und Rhetorik. Wir brauchen Einigkeit, Transparenz und Ehrlichkeit.

Wir Palästinenser schwanken am Rande eines Abgrunds. Bis vor ganz Kurzem hätte jeder arabische Führer, Politiker, Kleriker und Experte, so er halbwegs die Chance bekommt, das Rednerpult erklommen und die Palästinenserflagge mit dem Versprechen gehisst, alles zu tun, was nötig ist, um das Land zu befreien und wiederherzustellen, was gerechterweise unseres ist. Dem ist nicht mehr so.

Der Sprachgebrauch hat sich komplett geändert, von der Unterstützung der Sache der Palästinenser zu Verurteilung von uns Palästinensern; wir werden beschuldigt undankbare Architekten unseres eigenen Untergangs zu sein. Die Spaltung zwischen einigen arabischen Regimen, besonders am Golf, und den Palästinensern ist immer größer geworden, seit die beiden Mohammeds – Bin Zayed in den VAE und Bin Salman in Saudi-Arabien – die Kontrolle übernahmen.

… Diese Spaltung wurde bei einem weiteren Treffen noch offensichtlicher, diesmal in Kairo vor zwei Tagen. Die Außenminister der Arabischen Liga waren gegen einen Vorschlag, der von der palästinensischen Seite vorgelegt wurde und den Friedensvertrag zwischen den VAE und Israel verurteilen sollte. Wo ist also die Einheit? Wo ist die Transparenz? Wo ist die Ehrlichkeit?

Es gibt sie nicht.

Man könnte glauben, dass dieser neueste Verrat und offene Ablehnung dazu dienen sollten die Palästinenserführer aller Überzeugungen zu der Erkenntnis zu bringen, dass Palästina nicht das Kernthema der meisten arabischen Regime ist.

Es klingt so, als könnte Herr Ramini nahe davor sein es zu begreifen. Aber nein, der Antisemitismus, mit dem er aufwuchs, ist mächtiger als tatsächliche Selbsteinschätzung.

Ich weiß nicht, was ich den Araberführern sagen soll, um sie davon zu überzeugen, dass jede Form von Vertrag mit den Israelis eine Torheit ist. Israel ist dafür alles in seiner Macht stehende zu tun, um jedes arabische Land zu verzerren oder zu pressen, wenn das für Israel nützlich ist oder es sich ausdehnen kann.

Glauben diese Araberführer auch nur einen Moment lang, dass Israel, wenn es in ihren Ländern einen festen Fuß in die Tür bekommt, fair mit ihnen umgehen wird?

Diese Karikatur in Felestin fängt das derzeitige Palästinenserdenken ein:

Sie sind sich so sicher, dass Israelis und Juden die schlimmsten Leute auf dem Planeten sind, dass sie sich zurücklehnen, um zu warten, dass Israel irgendwie den Golf vernichtet. Weil das das ist, was Juden tun.

Und derweil, statt daran zu denken, dass die arabische Welt, die sie so lange unterstützt hat, ein paar Erkenntnisse haben könnte, sind sie davon überzeugt, dass sie im Recht sind und werden sich fröhlich mit dem Iran verbünden, um ihre Einbildung aufrecht zu erhalten.

Merkels böswilliger Rat für Netanyahu

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung veröffentlichte eine Meldung zu einem Telefonat von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu. In dem Bericht hieß es, dass neben der Bewältigung der Covid-19-Pandemie auch regionale Themen diskutiert wurden. Die Kanzlerin begrüßte die fortdauernden Gespräche zur Normalisierung der bilateralen Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten. In diesem Zusammenhang unterstrich sie die Notwendigkeit der Wiederaufnahme der Beziehungen zu den Palästinensern mit dem Ziel einer Zweistaaten-Lösung.[1]

Letzteres war ein böswilliger Rat. Das Wort ist eher euphemistischen Begriffen wie fehlgeleitet, kontraproduktiv, antagonistisch, konfrontativ, aggressiv unaufrichtig, störend, verfehlt, fehlerhaft und so weiter vorgezogen. In der zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Textes noch anstehenden israelischen Vereinbarung mit den Vereinigten Arabischen Emiraten wird ein Palästinenserstaat gar nicht erwähnt. Was also geht das eine Bundeskanzlerin Deutschlands an, wo die Überbleibsel ihrer schrecklichen Vergangenheit immer wieder auftauchen?

In der Zukunft könnte eine Situation entstehen, in der es westlich des Jordan zwei Staaten gibt. Das ist allerdings keine Zweistaaten-Lösung. Aus den derzeitigen palästinensischen Gebilden einen Staat zu machen, in dem die stärkste Partei, die Hamas, den Völkermord an Juden befürwortet – mehr oder weniger wie die Großelterngeneration in Deutschland – wird kaum etwas lösen. Auch die zweitgrößte Palästinenserpartei, die Fatah, ist für Terrorismus und die von ihr kontrollierte palästinensische Autonomiebehörde belohnt potenzielle oder „erfolgreiche“ Mörder. Die Verherrlichung des Todes ist ein Kult, der große Teile der palästinensischen Gesellschaft durchzieht.

Es gibt mehrere weitere Gründe, warum Merkels Äußerung unverschämt war. Dennoch ist Deutschland eine Macht und Netanyahu musste es sich versagen Merkels Rat wie folgt zu beantworten. Weil es dennoch gesagt werden muss, veröffentlichen wir es hier:

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

Sie haben eine Reihe guter Dinge für Israel getan, die ich enorm schätze. Andererseits gibt es allerlei negative Aspekte im Verhalten der deutschen Regierung unter Ihrer Führung, die sowohl Israel als auch die deutschen Juden gefährdet.

Niemand hat im letzten Jahrzehnt indirekt mehr für Terrorismus im Nahen Osten geworben als der letzte US-Präsident Barack Obama. Dennoch hat er den Friedensnobelpreis bekommen, der ihm von unverantwortlichen Norwegern verliehen wurde. Die JCPOA-Vereinbarung von 2015, der Israel heftig widersprach, hat der iranischen Regierung – mit ihren völkermörderischen Absichten gegenüber Israel – die Hände befreit, um in vielen Teilen des Nahen Ostens Terrorismus Vorschub zu leisten. Deutschland hat diese Vereinbarung unterstützt. Selbst heute noch hat Deutschland eine viel zu nachgiebige Haltung gegenüber dem Iran.

Auch Ihr Botschafter bei den Vereinten Nationen nimmt dort an dem antiisraelischen Hass-Fest teil. Bei der UNO stimmt Ihr Land regelmäßig mit den Feinden Israels. Ihr Botschafter hat sich sogar negativ über Israel geäußert und Sie hätten ihn abberufen sollen.

Ihre Regierung ist der größte Importeur von Antisemitismus nach Europa. Ihre Willkommenspolitik hat ohne jegliche Überprüfung darauf, ob sie Antisemiten sind oder nicht, mehr als eine Million zusätzliche Muslime ins Land gelassen. Nach Angabe von Studien sind die Hälfte von ihnen Judenhasser. Angesichts seiner außergewöhnlich kriminellen Vergangenheit hätte Deutschland keine Antisemiten hereinlassen dürfen. Es gibt nichts Humanitäres daran Antisemiten nach Europa hereinzuholen, selbst wenn sie Flüchtlinge sind. Diese radikal falsche Entscheidung hat auch zu einer Stärkung von Aktivismus der deutschen Rechten geführt, auch gegen Juden. Heute sitzt eine rechte Partei, in der es antisemitische Mitglieder gibt, im Parlament Ihres Landes, dem Bundestag.

Ihr Vorgänger, Kanzler Helmut Kohl, gab sich große Mühe die Realität für Deutschlands Juden so weit wie möglich zu normalisieren. Er öffnete die deutschen Grenzen für Juden aus Russland, was zu einer starken Zunahme der Zahl der Juden und neuen jüdischen Gemeinden in mehreren deutschen Städten führte. Ihre Politik hat hingegen zum Gegenteil geführt. Deutsche jüdische Leiter sind extrem abgeneigt gewesen die Wahrheit zu sagen, aber im Mai 2020 gab Josef Schuster, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, endlich zu, das er die utopische Idee aufgegeben hatte, es könne ein Deutschland ohne Antisemitismus geben.[2]

Der nationale Antisemitismus-Beauftragte Felix Klein sagte: „Ich kann Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland Kippa zu tragen.“[3] Schuster riet Juden auch, in Großstädten keine Kippa zu tragen. Der Hauptgrund für diesen Rat war, dass Hass von Muslimen manchmal Gewalttaten zur Folge hat.[4] Einer von denen, die die diesem Rat anfangs nicht folgten, war der Münchener Rabbiner Schmuel Aharon Brodman. Er wurde im Juli von vier Arabisch sprechenden Männern belästigt.[5] Wir wissen nicht, ob die Angreifer Teil Ihrer Willkommens-Einwanderung waren oder vorher ins Land kamen. Rabbi Brodman hat sich jetzt entschieden in der Öffentlichkeit keine Kippa mehr zu tragen oder laut Hebräisch zu sprechen.[6]

Angesichts der damit verbundenen Risiken haben Juden in Deutschland beschlossen den Rat ihre Identität zu verbergen zu befolgen. Ein Arbeitsgericht hat hingegen entschieden, dass muslimische Frauen ihre Identität zeigen können, indem sie als Lehrerinnen in Schulen Kopftuch tragen.[7] Berlin ist heute Europas Hauptstadt des Antisemitismus. Ein besonderes Problem sind einige Fälle extremer Schikanierung jüdischer Schüler in Schulen, hauptsächlich durch Muslime.[8] Ihre Regierung manipuliert die Statistiken und versucht für fast alle antisemitischen Vorfälle die Rechten verantwortlich zu machen, obwohl nur die Hälfte der Täter bekannt ist.

Erlauben Sie mir eine weitere Anmerkung. Ihre Botschafterin in Israel ist Gast in unserem Land. Sie sollte die Meinung der deutschen Regierung zur Zweistaaten-Lösung für den palästinensisch-israelischen Konflikt für sich behalten. Angesichts des oben Gesagten sollte sie nicht öffentlich unaufgefordert und arglistig Empfehlungen zur „Zweistaaten-Lösung“ verbreiten. Gäste sollten ihre Gastgeber nicht beleidigen.

Da Sie mir einen Rat gaben, möchte ich mich meinerseits mit einem Rat revanchieren. Sie haben in Deutschland viele Probleme, darunter zunehmenden Antisemitismus. Also kehren Sie bitte erste einmal vor der eigenen Tür.

Netanyahu konnte das nicht sagen. Dennoch gibt es eines, das er in seinem Telefonat mit Merkel gewiss hätte sagen können: „Dutzende Millionen Deutscher glauben, dass Israel sich gegenüber den Palästinensern wie Nazis verhalten oder alternativ, dass Israel vor hat die Palästinenser auszulöschen.[9] Ich möchte Sie höflich, aber eindringlich auffordern diese Sache zu untersuchen und zu sehen, wie die deutsche Regierung gegen diese weit verbreiteten, extrem bösartigen Meinungen vorgehen kann.“

[1] www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/telefonat-von-bundeskanzlerin-merkel-mit-dem-israelischen-ministerpraesidenten-benjamin-netanjahu-1782466

[2] neuesruhrwort.de/2020/05/19/schuster-in-krisenzeiten-werden-schuldige-gesucht/

[3] https://rp-online.de/politik/deutschland/antisemitismus-beauftragter-felix-klein-warnt-juden-vor-tragen-der-kippa-in-deutschland_aid-39029439

[4] www.timesofisrael.com/man-attacked-in-berlin-for-wearing-kippa-is-israeli-arab/

[5] www.rnd.de/politik/munchen-rabbiner-versteckt-kippa-nach-antisemitischem-angriff-4SQX62MDIUR2WF43XOCPDPGXGE.html

[6] www.hallo-muenchen.de/muenchen/muenchen-rabbi-rabbiner-brodmann-attacke-kippa-isartor-israel-shmuel-aharon-juden-13847768.html

[7] https://www.tagesspiegel.de/berlin/reaktionen-von-paedagogen-auf-kopftuch-urteil-wir-haben-schueler-aus-gegenden-in-denen-unglaeubige-bekaempft-werden/26138130.html; https://www.tagesspiegel.de/berlin/reaktionen-von-paedagogen-auf-kopftuch-urteil-wir-haben-schueler-aus-gegenden-in-denen-unglaeubige-bekaempft-werden/26138130.html

[8] https://besacenter.org/perspectives-papers/berlin-antisemitism/

[9] http://library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf

Der Mythos Antizionismus

@americanzionism, Elder of Ziyon, 29. Juni 2020

Lasst mich ausreden. Ich weiß, dass einige der Dinge, die Sie hier lesen, für Sie schwer glaubhaft sein werden, denn Sie sind schon lange vorprogrammiert worden das Gegenteil zu glauben. Aber haben Sie etwas Geduld mit mir.

So etwas wie Antizionismus gibt es nicht, jedenfalls nicht so, wie Sie es kennen. Es gab einmal eine Intellektuellen-Bewegung namens Antizionismus, aber die gibt es nicht mehr. In den Tagen lange vor der Gründung des Staates Israel, als Juden unter furchtbarer Verfolgung litten, kam eine moderne Denkschule auf, die glaubte, der Weg zur Lösung des Antisemitismus-Problems sei, dass Juden ihr eigenes Land haben, wo sie als Juden leben können ohne den antisemitischen Launen ihrer Gastgeber ausgesetzt zu sein, die uns verfolgen; und der einzige gerechte und akzeptable Ort dafür ist die jüdische Heimat, die ihnen vor Langem genommen, die aber nie vergessen wurde. Diese Bewegung wurde als das bekannt, was wir politischen Zionismus (heute einfach Zionismus) kennen.

Fast so schnell, wie der Zionismus als eindrucksvolle politische Bewegung aufkam, stieg der Antizionismus auf. Es gab zwei Schulen des intellektuellen Antizionismus[1]. Die erste war der antizionistische Jüdische Arbeiterbund, eine jüdisch-sozialistische Bewegung, die glaubte, das Klassensystem habe den Antisemitismus geschaffen und wenn man sich mit den nichtjüdischen sozialistischen Bewegungen verbündet, dann könne man das Klassensystem eliminieren und dem Antisemitismus ein Ende setzen. Die andere waren die Assimilationisten. Sie glaubten, der Antisemitismus sei aufgekommen, weil die Juden sich von ihren Gastgebern abgesondert hätten. Wenn Juden z.B. wie Deutsche sprechen würden (statt des bäurischen Jiddisch) und wie Deutsche kleideten (statt wie Chassidim), dann würden sie von den Deutschen akzeptiert.

Die zwei Schulen des Zionismus versus Antizionismus existierten damals auf einer intellektuellen Ebene. Niemand wusste, wer richtig oder falsch lag und deshalb konnten beide Seiten ihren Standpunkt als den wahren propagieren. Aber sobald der Staat Israel gegründet und ein lebensfähiges jüdisches Heimatland verwirklicht war, erlosch der Antizionismus. Es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen „es sollte kein Heimatland für die Juden geben, weil das den Antisemitismus nicht lösen wird“ und „Ich will die Vernichtung des Heimatlandes der Juden sehen“. Die erste Äußerung ist Antizionismus, aber man kann das Argument nicht mehr anführen. Es gibt ein neues Heimatland für die Juden. Israel existiert, ob man es mag oder nicht. Die zweite Äußerung ist kein Antizionismus. Während also der Zionismus weiterging und immer noch weitergeht, von einer theoretischen, intellektuellen zu einer praktischen Bewegung, hörte der Antizionismus auf zu existieren.

Werfen Sie einen anderen Blick darauf. Während der Renaissance gab es zwei Denkschulen, die über unser Sonnensystem nachdachten, die Geozentristen, die glaubten, die Sonne und die Planeten umkreisen die Erde; und die Heliozentristen, die glaubten, die Erde und die anderen Planeten kreisen um die Sonne. Bis das bewiesen werden konnte, waren es einfach zwei konkurrierende intellektuelle Theorien. Die vorherrschende Theorie war der Geozentrismus. Aber sobald Kopernikus den Heliozentrismus bewiesen hatte, war es kein intellektueller Kampf mehr. Sicher, einige Leute waren weiter dagegen, lehnten naturwissenschaftliche Vernunft ab (mancher tut das heute noch), aber es stand nicht mehr wirklich zur Debatte. Dass die Erde um die Sonne kreist, war erfolgreich bewiesen. Der Heliozentrismus siegte.

Genauso wurde bewiesen, dass der Zionismus korrekt ist. Der Zionismus siegte. Er löste den Antisemitismus rund um die Welt nicht, aber er löste ihn für die Juden, die nach Israel zogen. Sicher, sie haben Völker um sich herum, die sie hassen, weil sie Juden sind und sie tot haben wollen, aber innerhalb Israels leben sie zumeist in seliger Ignoranz des Antisemitismus, den Juden in der Diaspora immer noch erleben. Es ist nicht unüblich für mich einem jungen Israeli zu begegnen, der zum ersten Mal außerhalb von Israel auf Reisen ist, der das Konzept des Antisemitismus befremdlich finden wird, weil er ihn nie selbst erfahren hat. Das ist der Triumph des Zionismus. Als freies Volk im eigenen Land zu leben, nicht abhängig von der Gnade der antisemitischen Launen anderer. Juden sind nie sicherer gewesen, selbst mit den ständigen Bedrohungen von Angriffen und den Raketen und den Terroristen, als sie es heute im Staat Israel sind. Der Zionismus geht nach der Gründung der jüdischen Heimat weiter, nicht als intellektuelles Konzept, sondern als praktische Bewegung. Wie bauen wir ein Land auf, wie verteidigen wir das Land, wie ernähren wir das Land? Die Lebensfähigkeit des Landes steht nicht länger in Frage. Es war ein Erfolg. Der Zionismus siegte. Nicht nur hat sich der intellektuelle Zionismus als richtig erwiesen, sondern der intellektuelle Antizionismus hat sich als falsch erwiesen.

Von den beiden Hauptzweigen des intellektuellen Antizionismus schlugen das Bund-System wie auch das assimilationistische fehl. Dier Jüdische Bund gab 1920 nach der bolschewistischen Revolution auf. Viele der jüdischen Bündler, die in Russland und Osteuropa blieben, schlossen sich der sowjetischen Revolution an. Die Revolution triumphierte, die Juden nicht. Der Antisemitismus blieb und schließlich wurden die Juden in Positionen von Macht oder Prestige von Stalin in den 1930-er Jahren eliminiert. Ein Überrest des Bundes überlebte an verschiedenen Orten noch eine Weile, unternahm aber nichts, um den Antisemitismus zu eliminieren. Das sozialistische System ließ die Juden der Sowjetunion im Stich. Das Versprechen den Antisemitismus zu beenden verwandelte sich für sowjetische Juden in den Albtraum eines gesteigerten Antisemitismus. Man muss nur einen Blick auf die Katastrophe zu werfen, die das autonome jüdische Oblast in Birobizhan und das Schicksal ihrer Gründer war. Sozialistisch-intellektueller Antizionismus wurde als falsch bewiesen. Sozialismus funktionierte für die Juden auf einigen Ebenen, aber nur in der jüdischen Heimat und nur unter dem Schutz des Zionismus.

Der andere Zweig der Antizionisten waren die Assimilationisten. Sie wollten sich voll in die europäische Gesellschaft integrieren. Sie glaubten, volle Integration reiche aus, um den Zionismus zu beenden und eine Heimat sei nicht nötig. Die Juden in Westeuropa begann sich wie Europäer zu kleiden, sprachen wie Europäer, handelten wie Europäer und einige hörten sogar komplett auf sich mit dem Judentum zu identifizieren. Aber sie wurden nie als Europäer akzeptiert, nicht einmal diejenigen, die das Judentum aufgaben und sich als Mitglieder ihrer Gastgeberländer identifizierten. Das Versprechen der Aufklärung galt für die Juden nicht oder zumindest wurden sie dabei ausgelassen. Assimilation tat nichts, um den Hass auf Juden in Europa zu verringern. Wenn, dann wurde er schlimmer. Theodor Herzl begann als Assimilationist, entdeckte aber schließlich, dass er das eine gescheiterte Ideologie war und wurde zum Zionisten. Selbst mit Assimilation nahm der Antisemitismus zu und nahm zu und nahm zu, gipfelte in der Tragödie des Holocaust, wo das Judentum aufzugeben dieses nicht rettete und sogar nur ein Viertel jüdisches Blut zu haben dich zum Tode verdammen konnte. Es war erwiesen, dass assimilationstischer Antizionismus falsch lag.

Wen der Zionismus nicht länger ein intellektuelles, sondern ein praktisches Konzept ist und wenn es den intellektuellen Antizionismus nicht mehr gibt (weil es die jüdische Heimat gibt und diese ein überwältigender Erfolg ist), was ist dann übrig? Ist es praktischer Antizionismus? Nun, denken wir darüber nach, was praktischer Antizionismus ist. Praktischer Antizionismus bedeutet die Auflösung des Heimatlandes der Juden, ein Projekt das über seine wildesten Vorstellungen hinaus Erfolg hatte, das seine Hauptziele erreicht. Es bedeutet, die Juden aus einer Position der Sicherheit und Selbstbestimmung zu nehmen und sie dahin zurückverzusetzen, wo sie vor mehr als 100 Jahren waren, eine Nation ohne ein Land, den Launen eines antisemitischen Gastgebers ausgeliefert. In der Diaspora erleben wir jeden Tag Antisemitismus. Angegriffene Juden, beschossene Synagogen, verwüstete Gräber, diskriminierte Schüler, dass Juden für die Schaffung und Verbreitung von Krankheiten verantwortlich gemacht werden, die Juden als Gemeinwesen zu Unrecht dämonisiert werden. Dieselben Lügen, derselbe Hass auf Juden, der seit dem Altertum in der Diaspora bis heute fortbesteht, aber nicht innerhalb Israels. Alles zurückzudrehen, was die Juden erreichten und die Juden 100 Jahre zurückzusetzen ist kein praktischer Antizionismus. Es gibt keine Beziehung zwischen „eine jüdische Heimat wird die Juden nicht beschützen“ zu sagen und zu sagen „Israel muss vernichtet werden“. Niemand kann heute ehrlich sagen: „Ich bin Antizionist, weil ein jüdisches Heimatland die Juden nicht schützen wird“, denn es wurde bewiesen, dass das falsch ist. Das ist nicht nur kein praktischer Antizionismus, sondern das ist nicht einmal praktisch, Punkt.

Da sie jetzt wissen, was Juden früher nicht wussten, werden die Juden keine Rückkehr zur Zeit der Hoffnungslosigkeit akzeptieren. Praktischen Antizionismus gibt es nicht. Intellektuellen Antizionismus gibt es nicht mehr. Antizionismus ist ein Märchen. Was Menschen heute Antizionismus nennen, ist in Wirklichkeit verschleierter Antisemitismus. Man kann heute genauso wenig ein intellektuelles Gespräch über Antizionismus führen, wie man es über Geozentrismus führen kann. Praktischer Antizionismus würde die Umkehr von etwas bedeuten, das bewiesen hat, dass es die Juden beschützt und den Juden mehr nutzte als jedes andere Ereignis in der modernen Geschichte. Wie anders soll man das sonst nennen außer Antisemitismus? Ich sage nicht, dass Israel perfekt ist. Bei Weitem nicht. Israel hat Fehler wie jedes andere Land. Und das ist gut. Das ist der Punkt. Es ist ein weiterer Triumph des Zionismus, dass die Juden ein Volk wie jedes andere in der Welt sein können, mit der Freiheit Fehler zu haben und nicht perfekt sein zu müssen.

Es gibt eine Form des intellektuellen Antizionismus, die immer noch existiert, wenn auch mit Unzulänglichkeiten; das ist der religiöse Antizionismus. Ich rede nicht von dem Kult der Schilder trägt und die Aushängeschilder eines jeden Judenhassers auf dem Planeten ist, das ist Antisemitismus; ich rede von den echten antizionistischen ultraorthodoxen Sekten, die mit der Interpretation heiliger Texte gegen den Zionismus opponieren. Sie wissen tief in ihrem Innern, dass Juden in Israel sicherer sind, aber sie sind aus religiösen Gründen dagegen. Allerdings unterstützen viele Mitglieder dieser Sekten innerlich Israel und fast alle von ihnen unterstützen ihre Mitjuden. Darüber hinaus wird oft übersehen, dass viele ultraorthodoxe Gruppen Israel aus genau demselben Grund unterstützen, aus religiösen Gründen. Sie finden die Rechtfertigung dafür, dass Juden das Land Israel besitzen, in genau denselben Abschnitten und Texten wie die andere Seite, die sie nutzt, um Juden zu verbieten das Land zu besitzen. Das ist keine eindeutige Sache. Zufällig sind die ultraorthodoxen Sekten, die behaupten Antizionisten zu sein, in Wirklichkeit Zionisten; es gibt nur ein Zeitproblem. Sie glauben, wenn der Messias kommt, werden alle Juden nach Zion zurückkehren. Ich sage nicht, dass religiöser Antizionismus richtig ist, das ist er nicht; nur: Er ist der einzige verbleibende realistische Antizionismus, der noch existiert.

Vielleicht lesen Sie dies und sagen: „Ich will nicht erleben, dass die Juden getötet werden. Ich will nicht erleben, wie sie aus dem Land vertrieben werden. Ich bin ein Antizionist, weil ich will, dass alle Barrieren fallen und dass alle ein gemeinsames Land haben.“ Damit gibt es zwei Probleme. Erstens forderst du damit, dass alles ungeschehen gemacht wird, was Juden in den letzten mehr als 100 Jahren erreicht haben und dass die Juden, historisch eine unterdrückte Minderheit, sich wieder in die Launen anderer begeben. Es hat Bereiche gegeben, in denen Juden relativ autonom waren, wie der Tscherta [der Ansiedlungsrayon im zaristischen Russland – heplev]. Aber das war keine echte Autonomie. Ohne eigenes Land mit eigener Verteidigung und Selbstbestimmung wurden sie ständig angegriffen und erlitten furchtbare Tragödien. Alles, was kein jüdisches Heimatland ist, ein Ort in der Welt, wo Juden keine Minderheit sind und sich verteidigen können, ist für Juden gefährlich.

Zweitens – und das ist wichtiger: Diese Lösung ignoriert Hunderte Jahre Geschichte, die gezeigt haben, dass die beiden Völker nicht als eines beieinander leben können. Die Briten versuchten das Mandat als Region für beide, Araber und Juden, aufzubauen. Jedes Straßenschild, jeder Pfund, jedes Regierungsdokument trug sowohl die Sprache der Juden als auch die der Araber. Jede Regierungsbehörde bestand aus Arabern und Juden. Das hatte zum Ergebnis, dass niemand glücklich damit war. Die Araber und die Juden kämpften schlimmer als je zuvor gegeneinander. Das ist so, als würde man verheiratetes Paar nehmen, das sich getrennt hatte, weil es ständig stritt – das sich auch getrennt weiter streitet, es ist klar, dass sie nicht für einander bestimmt waren – und ihnen zu sagen, dass die Lösung all ihrer Probleme nicht in einer Scheidung bestehen würde, sondern dass sie zusammenziehen müssten. Alles, was diese Lösung erreichen würde, wäre ein langer Bürgerkrieg und schließlich das Ende aller echten Anwesenheit von Juden in ihrer Heimat. Wenn du diese Haltung immer noch unterstützt, dann darfst du das, aber mach dir nichts vor: Das ist kein Antizionismus, das ist Antisemitismus.

Für Menschen, die sich Antizionisten nennen, weil sie irgendetwas meinen wie „Juden sind nicht aus dem Nahen Osten“, „Ihr seid nicht die echten, ursprünglichen Juden“, „Ihr seid konvertierte Khasaren“, „Das ist nicht eure Heimat“, „Das ist gegen die Thora“, „Ihr seid Eroberer, Kolonisten, Kolonialisten, Rassisten usw.“, „Israel hat wegen Netanyahu, der Regierung, Politik, Umgang mit den Palästinensern, weil ihr Frauen sterilisiert, weil ihr Babys verkauft, weil ihr Organe stehlt“ usw. kein Existenzrecht und das als Vorwand nehmen, um die Vernichtung Israels zu fordern, nun: Das ist nicht nur antisemitisch, sondern du bist ein Antisemit.

Wenn du nun sagst: „Israel hat kein Recht zu existieren, aber ich unterstütze eine Zweistaaten-Lösung und dass die Palästinenser auch ein Land haben“ – das ist nicht antisemitisch. Aber das ist auch kein Antizionismus, also hör auf dich als Antizionist zu bezeichnen und lass uns reden.

[1] Es gab andere zionistische und antizionistische Unter-Bewegungen. Das ist ein kompliziertes Thema jenseits des Umfangs dieses Artikels. Selbst innerhalb von Unter-Bewegungen gibt es Varianten.

Niederländische Journalisten verbergen palästinensische Gräueltaten

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Ein zentraler Begriff meines neuen Buchs De Misleidingsindutrie (Die Täuschungsindustrie) ist der Ausdruck „Kampagnen-Journalismus“. Dieser bezieht sich auf die Art, in der niederländische Mainstream-Medien über Israel, die Palästinenser und die Region aus den Niederlanden heraus berichten. Das ist das Ergebnis von „Kampagnen-Journalismus“, einer Art Journalismus, die auf persönlichem Engagement gründet und sich nicht in erster Linie mit Fakten beschäftigt.

Diese Berichterstattung ist in den niederländischen Mainstream-Medien sehr üblich. Das läuft auf Berichterstattung über die Palästinenser als machtlose Opfer Israels hinaus; es wird ein negatives Bild des jüdischen Staates präsentiert. Dennoch betone ich, dass ich nicht den Eindruck erwecken will, dass dies gewollt geschieht.

Els van Diggele wurde 1967 im niederländischen Dorf Warmond geboren. Nach ihrem Studium der Geschichte an der Universität Leiden absolvierte sie einen Postdoktoranden-Kursus an der Erasmus-Universität in Rotterdam. Sie hat drei Bücher über internationale Streitfälle in Israel und den Palästinensergebieten unter Juden, Christen und Muslimen geschrieben. Vor kurzem veröffentlichte sie ein Buch über einen der wenigen noch lebenden Holocaust-Überlebenden.

Van Diggele fährt fort: Ich bin nur Beobachter, nicht beteiligt. Um das klarzustellen: Ich bin weder Anhänger Netanyahus, noch Zionistin, auch keine Nakba-Leugnerin; ich arbeite auch nicht für die israelische Botschaft oder den Mossad. Sie fügt hinzu: Um es ganz klar zu sagen: Ich plädiere nicht dafür auf die Palästinenser einzuprügeln.

Diese Bemerkungen führten zu der Frage, warum sie notwendig sind oder warum der Interviewer sie für notwendig befindet. Van Diggle antwortet: Infolge der Polarisierung des Themas muss man diese Dinge klarstellen. Aus Erfahrung weiß ich, dass es am besten ist den Leuten voraus zu sein, die mir ein Etikett anheften wollen.

Der Begriff „Kampagnen-Journalismus“ wurde, soweit ich weiß, um 1970 von Jerome Heldring geschaffen, einem ehemaligen Redakteur der niederländischen Tageszeitung NRC Handelsblad. Er sagte, Kampagnen-Journalismus ist eigentlich Propaganda. Der Journalist hat die Pflicht die Realität an der Stelle zu berichten, an der er (oder sie) sich befindet.

Dieser Kampagnen-Journalismus findet in den meisten Fällen unbewusst statt. Er ist weitgehend eine Sache des Instinkts. Er scheint in der Regel das Ergebnis eines emotionalen Engagements zu sein. Aber wenn die Auslandsredaktion eines Mediums sich dieses Phänomens nicht bewusst ist, dann ist das vielleicht noch schlimmer als bewusst irreführende Leute.

In meinem Buch zeige ich, dass Leser der Mainstream-Medien, Zuschauer und Hörer öffentlich-rechtlicher Nachrichtensendungen, die Opfer von Kampagnen-Journalismus sind. Dieses Genre ist nicht auf Berichte über Israel und die Palästinenser beschränkt. Es ist tatsächlich ein weit verbreitetes Phänomen, das auch andere Themen betrifft – Kolonialismus, Srebrenica und das Klima. Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ist das beste und älteste Beispiel, das wir haben: Es zieht eine tiefe Kluft durch die niederländische Gesellschaft.

Der interne palästinensische, regelmäßig blutige Kampf um die Macht und die Unterdrückung der Alltagspalästinenser durch ihre eigenen Führer wird von den Mainstream-Medien weit weniger berichtet, als das, was auf der israelischen Seite geschieht. Geduld gegenüber den Palästinenserführern, die oft als Friedenstauben beschrieben werden, scheint ein Markenzeichen zu sein. Der Nachrichtenkonsument wird seit Jahrzehnten einseitig informiert. Der verursachte Schaden ist sehr schwer zu korrigieren. Die Tageszeitung NRC hat die Öffentlichkeit in diesem Bereich bereits seit Jahren betrogen. Diese Zeitung ist aber nur ein Beispiel dessen, was geschieht. Sie ist ein kommerzielles Produkt, deren Abonnement wir abbestellen können, Aber beim öffentlich-rechtlichen Nachrichtensender NOS geht das nicht.

Es werden in der Tat sehr selten Artikel veröffentlicht, die die Wahrheit sagen, insbesondere von einem Palästinenser geschriebene. Zum Beispiel erschien 2017 ein kritischer Artikel des palästinensischen Akademikers Sari Nusseibeh in der Tageszeitung De Volkskrant. Im selben Jahr veröffentlichte eine andere niederländische Tageszeitung, Trouw, einen objektiven Artikel des palästinensischen Journalisten Khaled Abu Toameh. Darüber hinaus ziehen von Zeit zu Zeit Publikationen von Human Rights Watch über die Verletzung der Menschenrechte in der palästinensischen Gesellschaft die Aufmerksamkeit niederländischer Journalisten auf sich. Noch seltener ist ein von einem eigenen Journalisten der Zeitung geschriebene Artikel mit Kritik an der palästinensischen Gesellschaft.

2017 entzog der Irak per Gesetz allen dort lebenden Palästinensern die Staatsbürgerschaft. Die europäischen Medien schenkten dem kaum Aufmerksamkeit. Das ist ein typisches Beispiel für die angelsächsische Formulierung „no Jews, no news“ [keine Juden, keine Nachrichten]. Die Besessenheit mit den Juden ist eine alte Abweichung vom europäischen moralischen Kompass. Konflikten, an denen Juden beteiligt sind, wird von den Redaktionen in der Regel höchste Priorität eingeräumt. Das führt zu einer Verzerrung der Nachrichten.

Die Palästinenser haben verstanden, dass sie keinen Nachrichtenwert haben, wenn sie nicht Juden darin verwickeln. Sie wissen, dass Demonstrationen im Gazastreifen an der israelischen Grenze immer Nachrichtenwert haben. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass niederländische Korrespondenten begreifen, dass die Palästinenser sie benutzen. Ihre instinktive Beteiligung überschattet ihr Urteilsvermögen.

Wenn die Liebe eines europäischen Journalisten für die Palästinenser der Aversion für die Juden und Israel entstammt, geschieht das ebenfalls unbewusst. Ich glaube, das spielt eine eher untergeordnete Rolle. Wichtiger ist die allgemeine, bewusste oder unbewusste europäische Obsession mit den Juden und Israel. Wir sollten uns bewusst sein, dass die Sympathie, die wir in den europäischen Mainstream-Medien für die Palästinenser sehen, damit in Verbindung steht. Diese Fixierung ist in westlicher Kultur seit Jahrhunderten Alltag. Was wir heute sehen, setzt diese Obsession unabsichtlich und vielleicht instinktiv fort.

Die Palästinenser haben in den Medien eine symbolische Funktion bekommen. Die Sympathie ist ein Zeichen moralischer Gerechtigkeit geworden. Andere Staaten, die gelitten haben, haben diese symbolische Funktion nicht. Symbolische Funktionen sind nicht verhältnismäßig.

Um ein typisches Beispiel aus den Niederlanden anzuführen: Menschen von den Molukken, einer Inselgruppe in Indonesien, sind die Opfer niederländischen Kolonialismus. Sie erlitten das grausamste Beispiel von Ausbeutung in der Geschichte. Ein Teil von ihnen sind Flüchtlinge, andere indigen und exotisch. Sie haben Jahrzehnte lang vergeblich für einen eigenen Staat gekämpft. Sie sollten für eine machtvolle Solidaritätsgeschichte qualifiziert sein. Diese gibt es nicht, weil ihre Hauptgegner, die Republik Indonesien, ebenfalls als Opfer von des Jahrhunderte alten niederländischen Kolonialismus betrachtet wird.

Ein weiteres großes Problem in den Niederlanden ist der NOS. Seit Jahrzehnten liefert dieser öffentlich-rechtlichen Sender irreführende Informationen. Es sollte eine unabhängige Ermittlung dazu geben, wie der NOS mit dem palästinensisch-israelischen Konflikt umgeht. Doch die Chancen, dass dies geschieht, sind sehr gering. Zweierlei ist in den niederländischen Mainstream-Medien nicht erlaubt: Die Palästinenser anzurühren und sie in den Medien zu kritisieren.

Van Diggele erklärt: In niederländischen Medien, Radio und Fernsehen kann alles erwähnt werden: versagende Politiker und Behörden, Ehebruch und Sex. Eines ist nicht erlaubt: Der Palästinenser darf keiner Kritik ausgesetzt werden. Er ist ein machtloses und unbestreitbares Opfer von fünfzig Jahren israelischer Besatzung. Er verdient Schutz, was uns automatisch zum Journalismus bringt: Journalisten dürfen über alles schreiben, aber wehe dem, der einen kritischen Blick auf den Zustand des Journalismus wirft.

Leser, Zuhörer und Zuschauer der Mainstream-Medien zahlen den Preis. Sie gaben dem Journalisten voller Vertrauen ihr Mandat. Dieses Vertrauen ist schwer beschädigt. Sie zählen darauf die ganze Geschichte zu erfahren, aber sie bekommen nur eine voreingenommene Version der Hälfte. Ist unter diesen Bedingungen ein ausgewogener Standpunkt überhaupt möglich? Wahrscheinlich nicht. Auf diese Ungerechtigkeit will ich die Aufmerksamkeit lenken.