Glaube. Und sei mutig. Und komm heim.

Daniel Gordis, 22. Juni 2007 (Link: Canadian Institute for Jewish Research)

„Hast du den Artikel über Avram Burg in Ha’aretz gelesen?“

Das war natürlich DIE Frage der Woche. Es war dieselbe Woche, in der Shimon Peres gewählt wurde (also DAS war ein Satz, von dem wenige von glaubten, wir würden ihn jemals hören), zu Israels nächstem Präsidenten. Und die Woche, in der der Gazastreifen zu Hamastan wurde. Es war auch die Woche, in der Ehud Barak zum Verteidigungsminister ernannt wurde. Aber wenige Leute, mit denen ich mich so rumtreibe, sprachen über Peres, Gaza oder Barak. Jedermann, so schien es, redete über Burg und den überragenden Job, den Ari Shavit – einer der führenden Journalisten Israels – mit seinem Interview erledigt hatte.

Diesmal aber kam die Frage von meinem Sohn, auf dem Weg zurück von der Synagoge.

„Ich habe es gelesen“, sagte ich ihm. „Du auch?“
„Ich habe es zweimal gelesen“, sagte er.
„Zweimal?“
„Ja, Ich las es einmal und dann, als alle meine Freunde anfingen darüber zu diskutieren, las ich es noch einmal.“
„Und was denkst du?“, fragte ich ihn.
„Nein, was denkst du?“

Die Wahrheit ist, dass ich schon an etwas anderes dachte. Ich versuchte mich zu erinnern, ob, als ich im letzten Jahr vor dem Abitur war, nur Wochen vor dem Abschluss, ein Artikel über Nationalismus, Ideologie oder irgendetwas dieser Art meine Oberstufenfreunde und mich derart aufgeregt hätte. Und ich konnte mir nichts derartiges vorstellen. Wir wuchsen in einer Welt auf, so scheint es mir heute, über die wir nicht viel nachdenken mussten.

Nicht so unsere Kinder. Sie wachsen in einer Welt auf, in der schon die Existenz des Landes, in dem sie leben, eine Frage ständiger Diskussionen ist. Sie begreifen, dass der arabische Hass auf Israel so tief eingegraben ist, dass er blühen wird, auch wenn er jede Hoffnung auf eine bessere Zukunft der Palästinenser vernichtet. Sie sind noch nicht einmal sonderlich überrascht, wenn die britische akademische Welt sich entschließt alle israelischen Akademiker zu boykottieren. Aber wenn jemand wie Avram Burg, ein ehemaliger Parlamentspräsident der israelischen Knesset und ehemaliger Kopf der Jewish Agency, sagt, dass es an der Zeit ist, dass Israel aufgibt ein jüdischer Staat zu sein oder dass der jüdische Staat keine Seele hat, dann nimmt selbst diese junge, aber übersättigte Generation davon Notiz.

Aber Avi verdiente eine Antwort. „Ich fand nicht, dass seine Kritik völlig falsch war“, sagte ich und fragte mich, was er zu so etwas sagen würde.
„Ich auch nicht“, sagte er.
„Aber ich fand, er lag in den meisten Dingen falsch. Und ich fand, seine Schlussfolgerungen waren völlig fehl geleitet.“ Und dann fingen wir an zu reden.

Obwohl man versucht ist Burg und seine Kritik Israels einfach abzutun, würden wir es uns damit etwas zu leicht machen. Burg hat deutlich nicht Unrecht, dass ein Dreiviertel-Jahrhundert ununterbrochener Kriegsführung und Verluste die israelische Gesellschaft in eine recht militaristische verwandelt hat, was einige unangenehme Folgen hat. „Die Israelis verstehen nur Gewalt“, sagte er. Übertrieben, denke ich, aber keine Kritik, die irgendjemand, der sich um diese Gesellschaft sorgt, unbekümmert abtun sollte.

Aber die Frage ist nicht, ob er Recht hat. Die Frage ist, was wir deswegen unternehmen.

Burg hat nicht Unrecht, dass es rassistische Elemente in der israelischen Gesellschaft gibt. Seine Vorhersage, dass die Knesset eines Tages sexuelle Beziehungen zwischen Juden und Arabern verbieten wird, ist lächerlich, hoffe ich; aber es wäre wiederum zu leicht, sich auf Burgs Übertreibungen zu konzentrieren und die Teile seiner Argumentation zu leugnen, die nicht falsch sind. Ein Fünftel dieses Landes besteht aus arabischen Staatsbürgern und die meisten Freunde meiner Kinder sind nie einem begegnet, außer diese Person erledigte irgendeine Arbeit in ihrem Haus. Auch hier liegt Burg nicht völlig falsch. Wir sind (wie viele andere Gesellschaften) der Beweis, das Generation um Generation unter feindseligen Nachbarn zu leben, Xenophobie züchten kann.

Aber wiederum ist auch die Frage, was deswegen unternommen werden kann. Burgs Vorschlag? Übernehmt Gandhis Strategie und entsorgt Israels Atomwaffen. Oh, Israel sollte aufhören ein jüdischer Staat sein zu wollen. Und dann sollte jeder Israeli, dem das möglich ist, sich einen zweiten Pass beschaffen.

Timing ist alles, heißt es. Burgs Buch (das bisher nur auf Hebräisch erhältlich ist) kam heraus, als der Iran unerbittlich atomaren Möglichkeiten näher kommt. Es wurde weniger als ein Jahr herausgegeben, nachdem die Hisbollah – ein Strohmann der Iraner – demonstrierte, dass die IDF nicht länger die unüberwindliche Macht ist, die sie unserer Vorstellung nach war. Und es kam genau in dem Moment heraus, als die Hamas den Gazastreifen übernahm, womit sie die Reichweite der konventionellen Waffen des Iran so weit ausdehnte, dass sie jeden Punkt vieler israelischer Städte erreichen können.

Und angesichts des Iran, Syriens, der Hisbollah und der Hamas findet Burg, wir sollten Gandhi werden.

Dieses Rezept macht natürlich Sinn, wenn man das ganze Unternehmen aufgeben will. Und Burg hat das eindeutig vor. Er besteht darauf, dass wir psychologische Krüppel sind, verwundet von Hitler und nicht in der Lage uns davon zu erholen; und dass unsere Wunden alles färben, was diese Gesellschaft angeht.

Er hat Recht, dass wir verletzt sind. Was die jüdische Welt nicht nur von 1938 bis 1945, sondern auch Jahrzehnte lang davor durchgemacht hat, hat deutlich unsere Weltsicht geformt. Und 60 Jahre Krieg seit 1947 haben da nicht geholfen.

Burg will wissen, wohin wir flüchten sollten. Und ich würde statt dessen fragen, wie wir Heilung erfahren sollten.

Burg glaubt, dass es uns in Brüssel besser gehen würde. Wir brauchen diesen Ort nicht länger, glaubt er. „Ich betrachte die Europäische Union als ein biblisches Utopia. Ich weiß nicht, wie lange sie zusammenhalten wird, aber sie ist erstaunlich. Sie ist komplett jüdisch.“ (Wörtliches Zitat)

Das klingt sehr nach den Juden von Córdoba 1485 oder den Juden Berlins 1920. Oder den heutigen Juden von West Los Angeles, Newton und der Upper West Side in New York.

Was Europa angeht, so finde ich, dass Burg völlig daneben liegt. Aber man kann immer noch hoffen, dass Amerika weiterhin ein Ort lebensprühenden, vitalen kulturellen jüdischen Lebens sein wird.

Und selbst, wenn das eintritt, was ist falsch daran, dass Burg die Hoffnung für unser Überleben an einen anderen Ort bindet und was Burg weiß, aber nicht zugeben will, ist, dass außerhalb dieses Ortes die Wahl, die die Juden zu treffen haben, auf eine sehr bestimmte Gruppe von Gebieten beschränkt ist. Außerhalb dieses kleinen Streifens dieses Planeten muss die überwiegende Mehrheit der Juden ihre außenpolitischen Ansichten nicht mit dem Leben ihrer Söhne und Töchter untermauern. In Amerika können Juden so oder so über die Amnestie für illegale Einwanderer abstimmen, aber nur hier erhält die Frage ausgeprägt jüdische Qualitäten.

Ich glaube nicht, dass ich der einzige war, der dankbar hörte, dass Justizminister Daniel Friedmann darauf bestand, dass Israel die Darfur-Flüchtlinge schlichtweg aufnehmen muss, die sich bis an Israels Grenzen durchschlagen. Die Bibel, sagte er, lässt uns keine andere Wahl. Hätte irgendjemand mich gefragt (was natürlich niemand tat), dann hätte ich hinzugefügt,d ass ein Land, das zum großen Teil auf dem Rücken von Menschen geschaffen wurde, die nirgendwo sonst hin konnten, als die Welt ihre Grenzen schloss und weg sah, darf es nicht einmal wagen diesen Teil seiner Geschichte zu vergessen. Mich interessiert weniger, warum den Juden gewisse Dinge zustießen, als daran, was die Juden, angesichts der Dinge, die passiert sind, zu sein haben.

Ist es fünfundsechzig Jahre, nachdem ganze Schiffsladungen von Juden von einer Küste nach der anderen zurückgewiesen wurden, wirklich eine Frage, was wir tun müssen, wenn Menschen, die aus Darfur fliehen, an unsere Grenze kommen? (Klingt das Wandern durch die Wüste auf dem Weg von Ägypten nach Israel bekannt?)

Natürlich begreift jeder hier, dass dies zu einem großen Problem werden könnte, wenn Abertausende anzukommen beginnen. Das ist nicht zu leugnen. Und es stimmt, dass Israels jüdische Mehrheit (die notwendig ist, damit Israel jüdisch und demokratisch ist) nicht sicher ist, weil 20% der Bevölkerung arabisch ist, viele der russischen Immigranten praktisch nicht jüdisch und die Kinder von Gastarbeitern Petitionen auf Bleiberecht einreichen usw. Und diese Komplexheit, denke ich, ist genau das Problem, das mit staatlicher Souveränität entsteht; und es ist genau das Problem, das wir feiern sollten, denn es ist der Schlüssel dazu, dass das Land eine Seele hat.

Einige Leute stimmen dem nicht zu. Der Oberrabbiner von Hebron, Dov Lior, bestand kürzlich darauf, dass Israel diese Flüchtlinge nicht aufnehmen muss. „Die Armen der eigenen Stadt haben Vorrang vor den Armen anderer Völker“, beharrte er, womit er sich auf das berühmte talmudische Prinzip in Bava Metzia bezog. „Wir haben genug eigene Probleme mit der Eingliederung der Einwanderer. Wir müssen uns um unsere eigenen Flüchtlinge aus Sderot kümmern und wir haben nicht genug Reserven im Staatshaushalt. Wir haben genug arme Menschen in Israel. Es gibt außer uns jede Menge Staaten, die diesen Flüchtlingen helfen können.“

Ich stimme dem nicht zu und ich finde es ironisch (um es milde auszudrücken), dass Liors eigene Eltern verhungerten, nachdem seine Familie aus Polen ausgewiesen wurde und durch die Sowjetunion wanderte. Aber die Ironie ist nicht der wichtige Teil. Bedeutend ist, dass wir einen Disput haben zwischen einem (sehr säkularen) Justizminister, der die Bibel zitiert, und einem recht bekannten Rabbi, der den Talmud zitiert. Und unterdessen nehmen Kibbutzim im gesamten Süden diese Familien aus Darfur auf, ebenso die Stadt Beer Sheva.

Ist das Problem gelöst? Offensichtlich nicht. Aber die Tatsache einer Auseinandersetzung und der Beginn wirklichen Handelns machen es für mich schwierig Burgs Argument zu akzeptieren, dass Israels Seele verloren ist. Schmerz? Absolut. Hartherzig? Vermutlich.

Aber verloren? Niemals.

Burg ist ebenfalls betrübt über die Qualität israelischer Schriften und sieht wiederum die Lösung in der Diaspora. „Es gibt keine wichtige Schriften in Israel. Wichtige jüdische Schriften werden in den USA verfasst.“

Was wirklich wichtige Schriftstücke darstellt, könnte offensichtlich eine interessante Diskussion bilden. Aber vielleicht ist es kein Zufall, dass Burgs Buch in der Hebräischen Buchwoche in Israel heraus kam, dem jährlichen Fest hebräischen Schreibens und Veröffentlichen, das Unterbrechung seit 1926 jedes Jahr statt gefunden hat. Und dieses Jahr, vermerkte die Presse, wurden mehr als 6.000 neue Bücher in Israel verlegt. Nicht schlecht für ein Land mit einer Bevölkerung, die geringer ist als die von Los Angeles.

Quantität ist sicherlich keine Garantie für Qualität und selbst, wenn es ein paar sehr gute Bücher dort gegeben hat, kann man darüber diskutieren, ob wirklich etwas „wichtiges“ dort aufkam. Aber was ist in der letzten Zeit in den USA aufgekommen, das so „wichtig“ ist? Großartige Fiktion, sicher, wie u.a. die Arbeiten von Nicole Kraus, Michael Chabon, Jonathan Safran Foer und dem nimmermüden Philip Roth.

In der Welt der Non-Fiction jedoch, welche wirklich „großen“ Ideen sind dort in der jüngsten Zeit in die jüdische Diskussion eingebracht worden? Um ehrlich zu sein, mir fällt nichts ein. Aber ich bin nicht überrascht. Wir leben in einer verwirrenden Zeit. Obwohl dieses Jahr sehr viele gute Bücher in den beiden Ländern veröffentlicht wurden, ist vielleicht der Grund, dass nichts von wirklich das Denken verbessernder Bedeutung kommt, dass niemand von uns genau weiß, was über die zusammenbrechenden Ideologien gesagt werden soll, in denen viele von uns aufgezogen wurden.

Diejenigen, die von der klassischen zionistischen Sichtweise Israels als einem sicheren Hafen für die Juden genährt wurden, ist es von nicht geringer Bedeutung, dass Israel wahrscheinlich der gefährlichste Ort für einen Juden ist. Mit Ahmadinedschad im Osten, der Hisbollah im Norden, der Hamas im Südwesten und einem ganzen Trupp anderer Mitspieler ist nicht einmal Paris vergleichbar mit der lauernden Bedrohung, mit der die Israelis fertig werden müssen. Dieser Teil der frühen zionistischen Ideologie ist klar zusammengebrochen.

Und was die angeht, die glaubten, der israelische Sieg im Sechstage-Krieg kündigte das Kommen des Messias an, hat Israel dieser messianischen Möglichkeit den Rücken gekehrt. Zugegeben, viele von uns mögen nicht in diesen theologischen Begriffen denken (was das angeht, so ich glaube nicht, dass die meisten Juden überhaupt in theologischen Begriffen denken, da die Theologie eine ex post facto-Sprache für Verpflichtungen ist, die wir bereits anderen Gründen getroffen haben), aber einige Leute hier taten das. Und diese Leute, muss angemerkt werden, waren die Vorreiter des Zionismus. Man mag über die Siedlungen sagen, was man will (und Gershom Gorenbergs Buch über die Siedlungen, Accidental Empire, verdient es von den Menschen auf beiden Seiten des politischen Grabens gelesen zu werden), die Menschen, die sie bevölkerten, waren das neue Blut und die Energie für den Zionismus. So wie diese Ideologen die Welt betrachten, hat Israel sie im Stich gelassen. Als Israel den Sinai und Gaza zurückgab und Schritte unternahm auch noch die Westbank loszuwerden (indem es Olmert wählte), wandten sich die Israelis auch vom Messias ab. Von Gott.

Sind angesichts dessen die Sprünge im ideologischen Engagement der religiös-zionistischen Jugend schwer zu verstehen?

Und was ist mit der „anderen“ Jugend? Sie sind natürlich die Kinder der Peaceniks, derer, die glaubten, alles, was nötig sei, sei ein bisschen territorialer Kompromiss and zwei vernünftige Leute würden dieses Land teilen und Seite an Seite in Frieden leben. Aber dieser Traum von Juden und Arabern, die in den Hügeln der judäischen Wüste sitzen, die Friedenspfeife rauchen und „Kumba-ya“ singen, ist wahrscheinlich weiter entfernt denn je. (Es ist vielleicht ein Zeichen des tief eingegrabenen israelischen Optimismus, dass in derselben Woche, in der die Eroberung des Gazastreifens durch die Hamas das Ende jeder möglichen Übereinkunft mit den Palästinensern für die voraussehbare Zukunft kennzeichnete, wählte die Knesset die einzige lebende Person zu Israels nächstem Präsidenten, der immer noch an die Möglichkeit des „Neuen Nahen Ostens“ glaubt.)

Auch diese Kinder machen gehen ohne den ideologischen Unterbau in die Zukunft, den ihre Eltern im gleichen Alter hatten.

Die Juden der Welt sind nicht länger sicher, an was sie glauben sollen. Die Theologie ist tot. Die Geschichte schmerzt. Der Zionismus ist erschüttert. Israel lebt – „hält durch“ ist wahrscheinlich angemessner – in einer postideologischen Ära mit einer ungewissen und nicht definierten Zukunft. Es wäre schön, wenn einige authentisch wichtige jüdische Bücher heraus kommen, aber ist es, da die Voraussetzungen der jüdischen Welt derart auf den Kopf gestellt sind, überraschend, dass sie spät dran sind?

Also liegt Burg nicht völlig falsch. Diese Gesellschaft wird von vielen Missständen geplagt.

Aber noch einmal: Die Frage ist, was man deswegen unternimmt. Einige Israelis (und viele der Unterstützer Israels in der Diaspora) würden lieber vorgeben, dass die Probleme nicht existieren. Andere Israelis sind bereit das Handtuch zu werfen; sie zeigen, wie Burg, auf die Missstände, die uns plagen und ziehen es vor zu fliehen statt an die Arbeit zu gehen.

Einige von uns jedoch wollen sich immer noch durchhalten und daran arbeiten, weil wir glauben, dass es einen jüdischen Staat, der nicht jüdisch und anständig ist, nicht geben sollte, aber dass ein jüdisches Volk ohne einen jüdischen Staat keine Chance hat zu überleben. Um also nicht nur den Staat zu retten, sondern auch das Volk, werden wir bis zum Ende durchhalten und sehen, was wir aufbauen können. Wir werden versuchen um unser Überleben zu kämpfen und gleichzeitig anständig zu bleiben. Und wir werden versuchen einen Weg zu finden eine weitere Generation Kinder auszubilden – vor wie nach dem Wehrdienst – die sich intelligent über Judentum, Zionismus, Humanismus und Geschichte äußern können, ob sie nun links oder rechts stehen, religiös sind oder säkular. Das ist es, was vermutlich mehr als alles andere, was diesen Ort retten wird.

Aber die Lösungen zu Burgs Liste der Missstände sind langfristige Reparaturen und das hier wird noch eine sehr lange Zeit ein verletzter, gebrochener Ort sein. Deshalb war es eine willkommene Erleichterung – angesichts der letzten Wochen – dass gestern Abend Avis Abschlussfeier in der Schule statt fand. Angesichts der praktisch religiösen Verpflichtung, die die meisten jüdischen Eltern dafür empfinden auf den Schulen ihrer Kinder herumzuhacken, sollt ich anmerken, dass Avi eine der besten Oberschulen absolvierte, die ich je kennen lernte. Ich ging in eine exzellente Oberschule in Baltimore, aber diese war unendlich besser.

In der informellen Zeremonie gestern Abend (ein paar der Kids trugen Krawatten, aber viel mehr trugen Turnschuhe und Shorts – das ist Israel) gab es einen „Refrain“ bei praktisch jedem, der sprach. Lehrer, Schulleitung, ein Elternteil – sie alle sprachen von der Kombination von Offenheit und Engagement, die diese Kids charakterisiert. Die intellektuelle und religiöse Offenheit. Das zionistische und religiöse Engagement. Das Bestehen darauf selbst zu denken. „Unsere Generation hat versagt“, sagte der Elternteil, der sprach, im Grunde genommen, „und es liegt an euch diesen Ort in das zu machen, was wir uns erträumten, wie er sein könnte.“

Und obwohl die Reden alle sehr unterschiedlich waren, endete jede mit einem impliziten Hinweis auf das, was den ganzen Abend über niemand ausdrücklich sagte – einige dieser Kids werden jetzt gleich in die Armee gehen, aber alle werden innerhalb des nächsten Jahres in der Armee sein und es ist heutzutage nicht einfach eingezogen zu werden. Daher endete jeder, der sprach, mit praktisch denselben Worten: Tze’u le-shalom, ve-schuvu scheleimim u-vri’im – „Geht in Frieden und kommt zu Besuch wieder, ganz und gesund.“ Weil angesichts dessen, was diese Kids bald tun werden, nichts davon für selbstverständlich genommen werden kann.

Professor David Hartmann, Schlüsselperson der Gründung der Schule vor rund zwanzig Jahren, sprach auch zu den Kids. „Gebt nicht auf, an was ihr glaubt“, sagte er und erinnerte sie an die Werte, um die es in der Schule geht. Und dann schloss er: „Seid mutig da draußen. Seid mutig, aber seid nicht unvorsichtig. Nehmt euch in Acht. Und kommt wieder, gesund und in Frieden.“

Und während ich sah, dass ein paar Eltern eine Träne wegwischten und ihre jüngeren Kinder neben sich in den Arm nahmen, da war es klar. Die Ideologien sind verwundet und genauso unsere Seelen. Hier hat Burg eindeutig recht. Aber das ist der Grund, dass die Menschen bei der Feier gestern Abend – und ihre Söhne – das Handtuch nicht werfen. Denn sie begreifen, dass Heilung an keinem anderen Ort statt finden kann außer hier.

Avram Burg kann sich seines zweiten Passes erfreuen. Und er kann kurzsichtig Europa ein „jüdisches Utopia“ nennen. Er kann sich ein Leben in Frankreich aufbauen. Das klingt für sein Wohlergehen großartig, ich bin froh, dass er etwas gefunden hat, an das er glaubt.

Aber unsere Kinder, denke ich, sind aufgezogen worden, um der Wirklichkeit direkt ins Auge zu sehen sowie – gleichzeitig – zu verstehen, dass dieser Ort hier die einzige Chance dafür ist, dass das jüdische Volk jemals Heilung erfahren und gedeihen kann. Sie begreifen das und sie sind an Bord. Gestern Abend war klar, dass trotz Burg dieser Ort hier nicht so schnell den Bach runter gehen wird.

Die Kids haben Burgs Interview gelesen und darüber diskutiert. Einige haben wahrscheinlich mehr, andere wahrscheinlich weniger zugestimmt. Am Ende jedoch war es nicht Burg, einst ein aufstrebender Star der israelischen Politik, der ihnen sagte, was sie hören mussten. Es war ein Rabbi, ein Professor, einer der wichtigsten zeitgenössischen jüdischen Denker des Judentums (der, was Burg bemerken könnte, sich entschloss Nordamerika zu verlassen und hier zu leben) in einer Schule, der ihnen – ziemlich wörtlich – „lebt wohl“ wünschte.

„Erinnert euch, an was ihr glaubt. Seid mutig da draußen. Seid mutig, aber nicht unvorsichtig. Nehmt euch in Acht. Und kommt wieder, gesund und in Frieden.“

Dazu ein Amen.

Das Oslo-Syndrom: Der Irrglaube eines belagerten Volkes

Kenneth Levin, Middle East Forum, 26. September 2005

Ausgerechnet am Abend des Handschlags zwischen Yitzhak Rabin und Yassir Arafat auf dem Rasen des Weißen Hauses im September 1993 ging Letzterer ins jordanische Fernsehen und sagte seiner Anhängerschaft, dass sie die Oslo-Vereinbarungen als die erste Phase des Stufenplans verstehen sollte, den die PLO 1974 ausgearbeitet hatte und dessen Endziel die Vernichtung Israels ist. Arafat wiederholte seine Aussage mindestens ein Dutzend Mal während der ersten Monate von Oslo. Warum bestand Israel auf dem Oslo-Prozess, obwohl es nach Arafats Ankunft in den Gebieten im Juli 1994 die schlimmsten Terroranschläge seiner Geschichte erlebte?

Der Oslo-Prozess hätte am Ende einen echten Frieden zwischen den Arabern und Israelis erreichen sollen; statt dessen ergab sich daraus der schlimmste Terror, den Israel je erlebt hat. Wir müssen fragen, warum das so ist. Warum ging Israel vielfache Vereinbarungen mit Arafat ein, obwohl er offen erklärte, dass sein Ziel die Auslöschung Israels sei?

Nach Angaben von Ari Shavit, der für Ha’aretz schreibt, waren aufgeklärte Israelis während der Oslo-Vereinbarungen von einer messianischen Idee beeinflusst – sie glaubten, dass das Ende des alten Nahen Ostens, das Ende der Geschichte, das Ende der Kriege und das Ende von Konflikten nahe war. Sie täuschten sich selbst mit Wahnvorstellungen, so geblendet, dass sie einen Akt messianischer Trunkenheit begingen.

Um das Warum dieser Situation zu verstehen, müssen wir einen Blick auf die Psychologie chronisch belagerter Bevölkerungen werfen. Fast unvermeidlich gibt es Teile der Bevölkerung, die die Anklagen der Belagerer in der Hoffnung akzeptieren, dass sie damit Erlösung und Frieden gewinnen können. Das ist eine psychologische Antwort auf das Belagert werden und die Juden sind seit 2000 Jahren belagert worden. Max Nordau schrieb vor mehr als 100 Jahren, dass der größte Erfolg der Antisemiten war, dass sie die Juden dazu gebracht hatten sich selbst durch antisemitische Augen zu sehen. Nordau sah die Idee eines jüdischen Staates als Zuflucht für alle Juden, ungeachtet ihrer politischen Ansichten, Sprache oder Nationalität.

In den 1920-ern und 1930-ern wurde in der zionistischen Bewegung der „neue Jude“ als säkularer Sozialist entworfen, ohne die Ausstattung, die die weitere nichtjüdische Welt erzürnte. Deutsche jüdische Intellektuelle wie Martin Buber setzen ihre Missbilligung in moralische Begriffe und argumentierten, dass Juden sich über die Notwendigkeit eines Staates hinaus bewegt hätten, waren aber auch besorgt, dass sie ihre neu erworbenen Nationalitäten verlieren könnten, wenn ein jüdischer Staat gegründet würde.

Seit der Gründung des jüdischen Staates bis 1977 wurde Israel von sozialistischen Zionisten geführt. Das änderte sich 1977, als erstmals eine nicht sozialistische Regierung gewählt wurde. Von 1977 bis 1992 begann die Wählerschaft der Arbeitspartei die Idee zu akzeptieren, dass, wenn Israel sich auf die Linien von 1967 zurückzog, die Araber ihnen erlauben würde in Frieden zu existieren. Die Bewegung der neuen Historiker unterstützte ebenfalls die Idee, dass Israel, um Frieden zu erreichen, seine Schuld anerkennen und einem Rückzug zustimmen müsse. Mehr noch: Sie bot die Sichtweise an, das Israel die Hauptverantwortung für den Hass trug, mit dem es von seinen Nachbarn gesehen wurde. Die pro-zionistische Bewegung argumentierte, dass Israel zu jüdisch sei und dass es das Rückkehrgesetz aufgeben und die Flagge und die Nationalhymne ändern müsse, weil diese den Arabern gegenüber unfair seien.

Innerhalb eines Jahres nach den Wahlen von 1992 hatte die Arbeitspartei einige dieser Ideen akzeptiert. Trotzdem ging die „Friedensbewegung“ gegen Premierminister Yitzhak Rabin auf die Straße, mit dem Argument, dass er nicht schnell genug Zugeständnisse machte. Diese Bewegung machte weiter Druck, mehr Konzessionen zu machen, trotz Arafats Äußerungen, dass dies die erste Phase im Plan zum Auslöschen Israels sei und trotz der Terroranschläge, die gegen Israel verübt wurden.

Die Koalition der Arbeitspartei wurde 1996 geschlagen, als Benjamin Netanyahu zum Premierminister gewählt wurde. In seinen drei Jahren als Kopf der Regierung war Netanyahus Ton weniger konziliant, aber er setzte die Führung einer Reihe von Verhandlungen fort, die auf dem Prinzip der israelischen Zugeständnisse im Austausch für palästinensische Zusicherungen gründete. Die Terroranschläge nahmen nicht ab.

Ehud Barak und eine von der Arbeitspartei geführte Koalition folgten 1999 Netanyahu nach. Baraks Ansatz war rhetorisch und praktisch dem von Rabin gleich, dessen Nachfolger er zu sein schien. Eine Serie intensiver Verhandlungen wurde unternommen, so z.B. in Scharm el-Scheikh, aber mit jedem Schritt kamen die Anschläge häufiger und schrecklicher.

Der Barak-Ansatz der Hinzufügung schrittweiser Zugeständnisse schlug furchtbar fehl. Im September 2000, als Arafat seinen Terrorkrieg gegen Israel begann, wurde einem zunehmenden Prozentsatz der Bevölkerung Israels klar, dass weder Rückzug noch Zugeständnisse ihnen den Frieden bringen würden, den sie so ernsthaft wünschten. Der Prozess kulminierte Anfang 2001 in der Wahl Ariel Scharons zum Premierminister. Der folgende Terrorkrieg und die Schlacht in Jenin überzeugten viele in der israelischen Öffentlichkeit, dass Zugeständnisse ein Auslaufmodell waren.

Obwohl es fast 60 Jahre belagert wird, hat Israel eine freie, Leben sprühende und kreative Gesellschaft geschaffen. Die Frage ist, ob Israel weiter fördern kann, was es als Mittel für echten Wandel in der arabischen Welt aufgebaut hat, oder ob die Israelis bei ihrer Suche nach wahrem Frieden weiterhin nach Täuschungen von Frieden greifen, die alles bedrohen, was sie geschaffen haben?

Zur neuen „Friedensinitiative“, genannt „Genfer Vereinbarung“ (5/6): „Die Lügen von Genf“

Shlomo Avineri, Yedioth Ahronot, 1. Dezember 2003

„Die Initiatoren des Genfer Abkommens haben selbstverständlich das Recht, ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen und zu veröffentlichen, und zwar auf jede denkbare Art, die sie für richtig halten. Aber haben sie das Recht, die Öffentlichkeit in bezug auf den Inhalt des Abkommens frech zu belügen?

Hier einige Beispiele:

Die Initiatoren beider Seiten bezeichnen sich als Politiker und selbständige Intellektuelle. Das stimmt nicht. Auf israelischer Seite tauchen freilich einige aus der Opposition und selbständige Intellektuelle auf: andererseits steht auf palästinensischer Seite der frühere palästinensische Informationsminister an deren Spitze und sagt, dass das Abkommen von Arafat gutgeheißen werde. Der palästinensische Ministerpräsident (Ahmed Qureia) sagt, dass er dem Abkommen nur auf einer persönlichen Ebene zustimmt. Unter den palästinensischen Initiatoren sind keine Vertreter der Opposition – denn in den Palästinensischen Autonomiegebieten gibt es keine echte Opposition (außer dem Hamas und dem Islamischen Jihad, die bekanntlich nicht an der Initiative teilhaben). Es ist ein Abkommen zwischen einem Teil der israelischen Opposition und der offiziellen palästinensischen Führung.

Bevor der Text des Abkommens veröffentlicht wurde, sagten die Initiatoren, dass die Palästinenser darin den Staat Israel als den „Staat des jüdischen Volkes“ anerkennen würden. Das stimmt nicht. Das jüdische Volk wird im Abkommen nicht anerkannt. Was gesagt wird, ist, dass die Seiten Palästina und Israel als nationale Heimstätten ihrer Völker anerkennen. Wer will, kann Israel tatsächlich als den „Staat eines jeden seiner Bürger“ bezeichnen. Es ist die nationale Heimstätte des „israelischen Volkes“, das Juden und Araber umfasst. Es ist kein Zufall, dass das Wort „Jude“ im Abkommen nicht auftaucht. Unter den Unterzeichnenden gibt es niemanden, der der Meinung ist, dass es ein jüdisches Volk gibt.

Die Initiatoren behaupten, dass die Palästinenser auf das Recht auf Rückkehr verzichtet hätten. Das ist falsch. Es wurde gesagt, dass die Resolution 194 der Vereinten Nationen sowie die anderen Resolutionen die Grundlage für die Lösung des Flüchtlingsproblems bilden werden. Allerdings spricht die Resolution 194 nicht über das „Recht“ auf Rückkehr, – sie legt lediglich fest, dass die Flüchtlinge an ihre Orte zurückkehren werden. Nach arabischer Auffassung ist die Resolution 194 die Grundlage für eine internationale Anerkennung des Rechts auf Rückkehr.

Die Initiatoren des Abkommens sagten, dass die meisten israelischen Siedler an ihren Orten bleiben werden. Dies trifft nur zu, wenn dazu nicht nur die Siedler in der Westbank und dem Gazastreifen gerechnet werden, sondern auch die 200.000 Israelis, die in Jerusalem hinter der Grünen Linie leben. Wenn in den Erläuterungen gesagt wird, dass 300.000 Israelis jenseits der Grünen Linie an ihren Orten bleiben werden, dann ist es selbstverständlich, dass die meisten Siedlungen in der Westbank und dem Gazastreifen geräumt werden. Wie viele? Das sollte man wissen, doch mit keinem Wort wird die Zahl der Siedler erwähnt, die ihre Siedlung verlassen werden müssen. Es ist klar warum. Liest man das Abkommen aufmerksam durch, erkennt man, dass Israel zukünftig in bezug auf das Flüchtlingsproblem und alle weiteren Themen unter der Aufsicht der „Gruppe für Durchführung und Konfrontation“ und des internationalen Kommissariats stehen soll, das nicht nur die Vereinten Nationen, Russland und die Europäische Union umfasst, sondern auch die arabischen Staaten. Sollte dies der Fall sein, wird Israel aufhören, in bedeutenden Angelegenheiten ein selbständiger Staat zu sein und sich in eine Art internationales Mandatsgebiet wandeln. Es ist klar, dass das nicht der Öffentlichkeit gesagt wird.

Nicht nur die arabischen Flüchtlinge werden ein Recht auf Entschädigung haben, sondern auch die arabischen Staaten für deren Unkosten als Folge der Aufnahme von Flüchtlingen seit 1948. Darüber hat man der israelischen Bevölkerung nichts erzählt. Auch nicht, dass es sich bei diesem Abkommen um die Entwicklung von „passenden Wegen zum Andenken an Dörfer und Gemeinden, die vor 1949 entstanden sind“ handelt.

Wer würde diesen Leuten von Genf einen Gebrauchtwagen abkaufen? Ich nicht.

 

Zur neuen „Friedensinitiative“, genannt „Genfer Vereinbarung“ (2/6): So viel zur Demokratie

Jonathan S. Tobin, Jewish World Review, 17. Oktober 2003

Die blanke Frechheit der Ablehnungspolitiker und der „Wir-wissen-es-besser“-Juden

Der Tumult um die Verhandlungen in Genf zwischen Typen aus der Palästinensischen Autonomie und einigen gescheiterten israelischen Politikern, finanziert durch das schweizerische Außenministerium, wird ein ausgezeichnetes Licht auf einen merkwürdigen Widerspruch der Wahrnehmung Israels durch die meisten Menschen der Welt.

Einerseits werden selbst viele von denen, denen Israels Schicksal gleichgültig ist, im Allgemeinen anerkennen, dass es eine Demokratie ist und beklagen, dass es in der arabischen Welt kein Gegenstück dazu gibt. Andererseits wird der größte Teil der Welt jedes Mal applaudieren, wenn irgendwelche abtrünnigen Israelis Israels demokratisch gewählte Regierung untergraben, so lange das Ergebnis nur ihre bestehenden Vorurteile über den Nahen Osten bestätigt.

Diese Genfer „Vereinbarung“ ist ein Beispiel genau dafür.

Lassen wir einen Moment lang die Motive und Geschichte der Schweiz außer Acht, genauso die Vorschriften der Vereinbarung, die vom früheren Vorsitzenden der israelischen Arbeiterpartei, Amram Mitzna und früheren israelischen Regierungsmitglieds Yossi Beilin ausgehandelt wurden.

Einige von uns mögen denken, dass die Idee, die Souveränität über den Tempelberg aufzugeben und eine Teilung Jerusalems zuzugestehen, damit die Palästinenser ihr „Rückkehrrecht“ aufgeben, eine gute Idee ist und ein notwendiger Schritt in Richtung Frieden. Andere werden auf die Gefahren solcher Abgaben hinweisen, auf die Tatsache, dass frühere Abkommen mit anderen extravaganten Konzessionen an die Palästinenser nur zu mehr Terrorismus und Blutvergießen geführt haben.

Wir wollen statt dessen ein wenig an einer offensichtlichen Tatsache herumschleifen, die Mitzna und Beilin scheinbar vergessen haben: Das Volk von Israel hat die Verantwortung für Verhandlungen mit den Palästinensern denen anvertraut, die sie gewählt haben; nicht den Männern, die es abgelehnt hat.

In den Vereinigten Staaten– sogar im Zeitalter selbstdarstellerischer Parlamentarier und 24-Stunden-Nachrichtenkanälen, die ihnen die Bühne dafür liefern – gibt es Grenzen für das, was Oppositionspolitiker sich erlauben können um das Weiße Haus zu untergraben.

Diese Grenzen werden vom Logan Act definiert – das Bundesgesetzt, das es für amerikanische Staatsbürger zu einem Verbrechen macht, Verhandlungen mit feindlichen Kräften zu führen. Tatsache ist, dass die bloße Andeutung, dass Ronald Reagan während des Wahlkampfs Gespräche mit den Iranern führte, während Präsident Jimmy Carter noch im Weißen Haus war, als Skandal gewertet wurde. Obwohl die Vorwürfe sich als falsch erwiesen, spricht der Schrecken, mit dem die Öffentlichkeit diese Gespräche betrachtete, Bände über die Ernsthaftigkeit eines solchen Verhaltens. Die Jerusalem Post wies diese Woche darauf hin, dass es lange über der Zeit sein könnte, dass Israel sich überlegt, ein eigenes Gesetz wie den Logan Act einzuführen.

Was das Handeln Mitznas und Beilins besonders unerhört macht, ist, dass vor erst acht Monaten diese Männer das israelische Volk aufforderten, Premierminister Ariel Sharons Führung zurückzuweisen und ihnen die Verantwortung für den Friedensschluss mit den Palästinensern zu übergeben. Die Antwort, die sie in einem Wahlkampf erhielten, der über genau dieses Thema ausgefochten wurde, war ein eindeutiges „nein“.

Mitzna führte die Arbeitspartei in die schlimmste Niederlage ihrer Geschichte. Beilin, dem ein Platz auf der Liste der Arbeitspartei verweigert worden war und der deshalb für die extrem linke Meretz-Partei kandidierte, wurde nicht einmal in die Knesset gewählt.

Was gibt diesen Männern die Dreistigkeit, das Urteil der Wähler zu ignorieren? Ohne Zweifel ist es ein Gefühl Recht zu haben und dass ihre Pflicht sie nötigt, sich ohne Regierungsgewalt für den Frieden einzusetzen, wie sie es auch in der Regierung getan hätten.

Manche mögen ihre Motive als Entschuldigung für ihr Verhalten betrachten und sie ihren Bemühungen beipflichten, ihre „Vereinbarung“ als Waffe gegen Scharon und seine Politik zu benutzen. Insbesondere werden sie versuchen – und nicht zum ersten Mal – einen Keil zwischen Jerusalem und Washington zu treiben. Aber jedermann mit etwas Anständigkeit und Respekt für die Demokratie und einem Bisschen Menschenverstand sollte wissen, dass solche „Vereinbarungen“ nur Scharons Lage unmöglich machen.

Es gibt einen weiteren Punkt in diesem traurigen Durcheinander, der untersucht werden sollte. Die Diaspora-Juden haben keine kleine Rolle dabei gespielt, in der Vergangenheit israelische Regierungen zu untergraben. Es kann als selbstverständlich angenommen werden, dass Beilin und Mitzna hoffen, dass einflussreiche amerikanische Juden ihre Sache aufnehmen und ihre Vereinbarung auf Kosten der Regierung Israels fördern werden.

Das ist derselbe Geist, in dem einige Gruppierungen Gelder sammeln, um denen in Israel zu helfen, die israelische Soldaten zu überreden versuchen, ihre Pflicht zur Teilnahme an Verteidigungsmaßnahmen gegen den Terrorismus zu verweigern.

In beiden Fällen ist die Grundsatzfrage – Israels andauernde Präsenz in den Gebieten – eine, die das Volk von Israel weiter führen wird. Das ist auch eine Frage, die Diaspora-Juden natürlich diskutieren können. Aber in jeder Demokratie, selbst in einer so aufgesplitterten wie der in Israel, gibt es eine Zeit, wo die Stimmen gezählt werden und die, die an der Macht sind, die Entscheidungen treffen. Es ist eine Sache, öffentlich nicht mit der Regierung überein zu stimmen. Aber zu sagen, dass man mit Privatdiplomatie oder Desertation diese Entscheidungen lächerlich machen darf, grenzt an Opposition gegen die Einhaltung der Gesetze.

Und genau das ist es, was Beilin und Mitzna getan haben und was sie von den amerikanischen Juden, durch die Unterstützung ihrer „Vereinbarung“ verlangen.

Diejenigen, die das tun, werden behaupten, sie würden für den Frieden arbeiten. Aber die Wahrheit ist, dass sie damit auch Geringschätzung für die israelische Demokratie und das israelische Volk demonstrieren.

Führender israelischer Intellektueller: Israels Linke lehnt es ab, den Fehlschlag Oslo und Arafat zuzugeben, wie die europäische Linke es beim Kommunismus und Stalin machte

MEMRI, Sonderbericht Nr. 266, 3. September 2001 (Link ist leider nicht mehr zu finden)

In einem Kommentar in Ha’aretz beschreibt Shlomo Avineri – ein führender Professor der Hebrew University, früherer Direktor in Israels Außenministerium und bekannte Leitfigur aus Israels Friedensbewegung, der Verhandlungen mit der PLO lange vor Beginn des Olso-Prozesses befürwortete -, dass die Probleme der israelischen Linken zuzugeben, dass der Oslo-Prozess und Arafats Führungsversagen ein ideologischer Fehler waren, in vieler Hinsicht ähnlich den Problemen der europäischen Linken sind, die Idee aufzugeben, dass Kommunismus, das sowjetische System und Stalins Führung ein neues Zeitalter einleiteten, selbst nachdem die Schrecken des Kommunismus und Stalins ans Tageslicht kamen. Es folgen Auszüge aus Avineris Kommentar: (1)

Wenige Bücher über die intellektuelle Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind so beeindruckend wie „Der Gott, der versagte“ [deutscher Titel: Ein Gott der keiner war] – eine Sammlung von Abhandlungen, in denen die besten Philosophen und Schriftsteller des Westens den schmerzhaften Prozess der Emanzipation vom falschen Charme des stalinistischen Traums beschreiben. Die Autoren – Arthur Koestler, Ignazio Silone, Richard Crossman, Richard Wright und andere, einige ehemalige Kommunisten, andere lediglich Bewunderer der Sowjetunion – schreiben jeder in seinen eigenen Worten und eigenem Stil darüber, wie schwer es war die Idee aufzugeben, dass das Sowjet-System eine neue Ära der Menschheit einleitete. Sogar als die Schrecken der Zwangskollektivierung, der Hitler-Stalin-Pakt, die sowjetischen Zwangsarbeitslager und die Lügen und der Betrug der stalinistischen Schauprozesse ans Tageslicht kamen – selbst dann blieb die emotionale Trennung schwierig.

Die meisten Autoren sagten, dass am schwierigsten nicht war mit den Tatsachen klarzukommen, sondern mit ihrem eigenen Glauben, ihrem Selbstverständnis als Soldaten des Kampfes für eine bessere Welt; wie schwierig es war, dass ihr Traum der Errettung eine Fata Morgana war, dass Stalin, die „glänzende Sonne“, ein Mörder war; dass die sowjetische Ideologie ein Netz aus Lügen war; dass die neue Gesellschaft, die frei und befreiend sein sollte, nichts als eine riesige Gefängniszelle war, gegründet auf Terror, die den unschuldigen Glauben einiger der besten westlichen Intellektuellen zynisch ausbeutete.

Etwas Ähnliches passiert heute mit der israelischen Linken, was man besonders in der Ablehnung einiger Mitglieder dieses Lagers bezüglich der einseitigen Trennung sieht. Warum Nationalisten und religiöse Rechte sich vor der einseitigen Trennung fürchten, scheint deutlich: damit würde der Traum eines Groß-Israel ein für allemal zerschlagen. Es gibt keine einseitige Trennung ohne die Evakuierung der Siedlungen.

Der Widerwille der Linken ist schwieriger zu verstehen. In einer so prekären Situation wie der heutigen sollte man denken, dass die Linksextremen noch diejenigen sind, die die einseitige Trennung freudig begrüßen würden. Wenn der Weg zu Kompromiss tatsächlich versperrt ist, warum sollte ein Linksextremer die Trennung ablehnen? Ein solcher Schritt würde letztlich zum Ende der israelischen Besatzung führen. Die meisten Palästinenser würden von den Ketten einer Besatzungsarmee befreit. Sie werden nicht länger von der Gnade israelischer Soldaten und Offiziere abhängig sein, die sich manchmal wie Herren und Meister benehmen. Die Siedlungen werden mit tausenden, sogar zehntausenden Siedlern aufgelöst. Offensichtlich wäre eine Verhandlungs-Vereinbarung besser. Aber man muss blind wie ein Maulwurf sein, um nach Camp David, der Intifada und den letzten Wahlen zu glauben, dass es ein großzügigeres israelisches Angebot geben könnte als das, das in Camp David und Taba gemacht wurde.

Der Hauptgrund für diese Ablehnung der Idee der einseitigen Trennung ist in keiner Weise mit der politischen Realität verbunden. Sie hat mit dem Problem des Eingeständnisses eines ideologischen Fehlschlags zu tun. Die Logik von Oslo war der Glaube, dass wir uns am Scheitelpunkt eines historischen Kompromisses befanden.

Als Arafat den Clinton-Plan ablehnte, das Rückkehrrecht zu einer Sache des Prinzips erklärte und leugnete, dass Israel irgendein Recht am Tempelberg hat, wurde klar, dass die Palästinenser nicht auf einen historischen Kompromiss vorbereitet waren. In ihren Augen waren die Verhandlungen nur ein Mittel zu bekommen, was sie wollten – nicht ein schmerzhafter Prozess des Gebens und Nehmens. Dass die palästinensische Öffentlichkeit und ihre Führer breite Zustimmung zu Terrorismus gegen israelische Bürger äußern, zeigt einmal mehr, dass die universellen Werte, die die israelische Linke hoch hält, der anderen Seite nichts bedeuten. Wer immer erwartete, dass Yassir Arafat sich in Nelson Mandela verwandelt, dem wurde das Gegenteil bewiesen, aber dies zuzugeben ist hart. Unglaublich hart.

Aus diesem Grund gibt es Mitglieder der israelischen Linken, die es vorziehen, unter der Illusion weiter zu arbeiten, dass ein Kompromiss erreicht werden kann. Es fällt ihnen schwer zuzugeben, dass „Frieden jetzt“, so wünschenswert auch immer, in der heutigen Zeit nicht möglich ist. Wenn die andere Seite nicht einen einzigen Intellektuellen auftreiben kann, der vorbereitet ist klar und deutlich zu erklären, ohne zu herumzudrucksen, dass der Mord von Kindern in einer Pizzeria ein Verbrechen ist, dann hat die israelische Linke keinen Verbündeten. Wer immer den kaltblütigen Mord an Kindern und die Errichtung von Siedlungen als in dieselbe moralische Kategorie gehörig ansieht, hat selbst allen Sinn für Moral verloren.

Es war hart für die vom Charme der Sowjetunion Verführten zu erkennen, dass diese ein skrupelloses, unterdrückerisches Land war, aber das war die Wahrheit. So wie die intellektuelle Ehrenhaftigkeit den führenden Intellektuellen der westlichen Welt es ermöglichte, betroffen von der Idee einer Morgendämmerung in Moskau zuzugeben, dass „Gott (Stalin) versagt hatte“, so hofft man, dass der quälende Prozess der Begegnung mit der Wahrheit der israelischen Linken ermöglichen wird, eine Lösung zu akzeptieren, die die Beendigung eines Großteils der heutigen Besatzung ermöglicht.

Wenn nicht, dann sind sie in Gefahr, sich – dialektisch, wenn man das so sagen kann – unter denen wiederzufinden, die die Besatzung fortsetzen. Für die Lösung, die sie vorschlagen, gibt es auf der anderen Seite keinen Partner. Das schmerzt, aber es ist die Wahrheit.
Fußnote:
(1) Ha’aretz, 24. August 2001

Anmerkung:
Ich bin nicht der Meinung, die der Autor anscheinend vertritt: dass eine einseitige Trennung und Abgrenzung Israels von den Palästinensergebieten eine Lösung darstellt.
Die Befürworter dieser Regelung haben ihre Lehre aus dem Libanon nicht gezogen. Der einseitige (und überstürzte) Rückzug der israelischen Armee aus der Pufferzone im Südlibanon hat Hizbollah (und Syrien) nur angestachelt, ihren Terror weiter zu betreiben. Um dem ganzen „Legitimität“ zu verleihen, wurden – in Ablehnung aller betreffenden UN-Beschlüsse – die „Shebaa Farmen“ zu libanesischem (statt syrischem) Staatsgebiet erklärt. Ihre „notwendige Befreiung“ und der „nicht vollständige Rückzug der Israelis von libanesischem Staatsgebiet“ rechtfertigt den fortgesetzten Terror der Hizbollah. Das zeigt, dass die arabische Seite eigentlich immer wieder „Gründe“ findet, den Kampf gegen Israel fortzusetzen. Ähnlich wird es mit den Palästinensern aussehen. Die „ungelösten Fragen“ werden zum Anlass genommen werden, den Krieg gegen den jüdischen Staat nicht zu beenden. Und wenn Arafat und Kumpane die „Palästinensergebiete“ zur freien Verfügung erhalten, können sie von dort ungehindert agieren. Es wird zum offenen Krieg zwischen Israel und den Palästinensern kommen, in den eventuell die arabischen Staaten ebenfalls eintreten werden. Dann haben wir genau das, was vermieden werden sollte! (Update 2016: Interessant, wie sich diese Einschätzung der Folgen einer Trennung nach der „Abkoppelung“ vom Gazastreifen 2005 bestätigt hat!)

Nissans Notes and Quotes Corner: Hat Sternhell einen Anschlag inspiriert?

Nissan Ratzlav-Katz, 26. September 2008

Am Mittwochabend gab es einen Rohrbomben-Anschlag auf Prof. Zeev Sternhell im Herzen des „israelisch besetzten Jerusalem“. Der linksextremistische Professor der Hebräischen Universität wurde leicht verletzt und es gab von links und rechts Verurteilungen.

Das einzige Problem: Niemand weiß wirklich, was passiert ist. Aber ich glaube, dass ich es weiß.

Sehen Sie, die Angreifer waren Leser der Zeitung Ha’aretz und sie entschieden sich Sternhells eigenem Rat zu folgen. Er muss meines Wissens irgendwo in einem seiner Artikel geschrieben haben: „Es gibt bezüglich der Legitimität des bewaffneten Widerstands in den Gebieten selbst keinen Zweifel. Wenn die Siedler nur ein klein wenig Verstand hätten, würden sie sich in ihren Kampf auf die Linken konzentrieren…“

Uups. Moment. Entschuldigung. Ich habe da einen Artikel Sternhells aus Ha’aretz (vom 11. Mai 2001). Es scheint so, dass er tatsächlich schrieb: „Es gibt bezüglich der Legitimität des bewaffneten Widerstands in den Gebieten selbst keinen Zweifel. Wenn die Palästinenser ein klein wenig Verstand hätten, würden sie sich in ihrem Kampf auf die Siedlungen konzentrieren…“

Nun, DAS ist natürlich etwas GANZ ANDERES. Was habe ich nur gedacht?

Viel, viel ernster: Ich glaube, dass die Linke, zu der Sternhell gehört, tatsächlich arabischen Terrorismus im Dienste gewisser Ziele, denen sie zustimmt, legitimiert. Daher könnten einige auf der Rechten von der ständigen linksextreme Hetzte – Rechtfertigung aller Gewalt im Dienste hoher Ideale – überzeugt worden sein und das beherzigen. Was können wir tun, wenn die Ziele und Ideale der Rechtsextremen anders aussehen als die der Linksextremen?

Also, Prof. Sternhell, wenn die, die Sie angegriffen haben, gefangen werden, können sie sich für ihre Verteidigung auf Sie als Sachverständigen berufen?

 

Nach dem Libanonkrieg 2006 – Kommentar (3): Die Voraussetzungen für die Katastrophe schaffen

Am 12. Juli überfiel ein Kommando der Hisbollah aus dem Libanon heraus eine israelische Patrouille, tötete 8 Soldaten und entführte zwei. Zur Ablenkung beschoss die Hisbollah Israel massiv mit Katjuscha-Raketen. Israel reagierte mit einem Einmarsch in den Südlibanon. Die Kämpfe dauerten etwa einen Monat, dann ließ sich die israelische Regierung von der UNO, Westeuropa und den USA zu einem Waffenstillstand überreden. Es wurde versprochen, im Südlibanon eine Schutztruppe von 15.000 UNO-Soldaten zu stationieren, die dafür sorgen sollte, dass die Hisbollah entwaffnet wird und keine Bedrohung für Israel mehr darstellt. So viel zur Vorgeschichte.

Was nach dem Beginn des Waffenstillstands geschah und wie dieser sowie die Versprechen an Israel einzuschätzen sind, dazu folgen einige Kommentare. Ich habe auch den von Charles Krauthammer übersetzt, obwohl ich denke, dass er völlig falsch liegt. Ich stelle ihn an den Anfang, weil die übrigen Texte aufzeigen, dass die bei Krauthammer beschriebenen Voraussetzungen nicht erfüllt werden – im Gegenteil: Die Erfahrungen aus diesem Krieg führen sogar dazu, dass anderer Feind Israels seine strategischen Planungen ändert.

Hier der dritte von insgesamt 5 Kommentaren zur damals aktuellen Lage:

Caroline Glick, The Jewish World Review, 1. September 2006

Am Dienstag warnte Shin Bet-Direktor Yuval Diskin vor der wachsenden Bedrohung der Sicherheit Israels, die aus dem Gazastreifen und dem nördlichen Samaria seit dem Ende des letzten Krieges ausgeht. Wenn die richtigen Schritte nicht unternommen werden, um die massiven Transfers fortschrittlicher Waffen in den Gazastreifen zu stoppen, warnte er, wird dieser sich in ein paar wenigen Jahren in einen zweiten Südlibanon verwandeln.

Im Libanon selbst schafft die Hisbollah gerade die Illusion einer Zusammenarbeit mit der libanesischen Armee im Süden, um uns alle einzuschläfern, während sie still und heimlich ihre Streitkräfte in Erwartung des iranischen Befehls, den Krieg gegen Israel wieder aufzunehmen, erneut aufbaut. Ohne Zweifel zielten die Behauptungen von Hisbollah-Häuptling Hassan Nasrallah in der letzten Woche, die Hisbollah habe nicht die Absicht eine zweite Runde zu beginnen und dass man sich nicht vorstellen konnte, dass Israel auf die Entführung von Ehud Goldwasser und Eldad Regev am 12. Juli so massiv antworten würde, darauf ab Israel zu verwirren und die Libanesen zu beruhigen. Wenigstens soweit es Israel angeht hat er sein Ziel erreicht. Premierminister Ehud Olmert und die israelischen Medien stürzten sich auf Nasrallahs Äußerungen, diese seien der Beweis, dass Israel den Krieg gewonnen habe.

Inzwischen macht die Ayatollah-Republik stetig weitere Fortschritte beim Erwerb atomarer Fähigkeiten. Die konzilianten internationalen Reaktionen auf die Ankündigung des iranischen Präsidenten Mahmud Amadinedschad am Donnerstag, der Iran lehne die Forderung des UNO-Sicherheitsrats ab, es solle alle Urananreicherungsaktivitäten gingen sogar Ahmadinedschads unverschämter Äußerung voraus. Am Mittwoch war EU-Außenpolitikchef Javier Solana schwer damit beschäftigt die Gespräche mit dem Iran wieder in Gang zu bringen.

Die UNO ihrerseits verhält sich nicht wie ein internationaler Polizist, sondern wie der Anwalt des Iran. Während seines Besuchs in Israel am Mittwoch klang UNO-Generalsekretär Kofi Annan wie ein arabischer Führer mit seinen zügellosen, anstößigen Verurteilungen Israels wegen jeder Verteidigungshandlung, die es im Gazastreifen und im Libanon unternommen hatte, auf der einen und seiner scheinbar endlosen Toleranz für die Drohungen mit dem atomaren Holocaust des Iran gegen Israel auf der anderen Seite.

Während seiner Pressekonferenz mit Olmert gestand Annan, dass aus seiner Sicht das Problem mit den Drohungen des Iran Israel auszulöschen nicht darin besteht, dass sie illegal oder moralisch unentschuldbar sind. Die Drohungen des Iran seien eher einfach deshalb falsch, weil Israel ein Mitgliedsstaat der UNO ist. In surrealistischer Ignorierung der Anstrengungen des Iran Atomwaffen zu erwerben sowie seine Oberbefehlsgewalt im jüngsten Krieg im Libanon und dem Gazastreifen sagte Annan diesen bizarren Satz: „Man kann Israel nicht mit Worten wegwischen.“

Heute steuert die Regierung Olmert-Livni-Peretz, ohne dass die israelische Öffentlichkeit das weiß, einen Kurs, der, sollte er nicht schnell verlassen werden, unser Recht auf Selbstverteidigung – und in Erweiterung unsere Unabhängigkeit – von anderen abhängig machen. Die Vermehrung der Bedrohungen der Sicherheit Israels durch die Regierung verschlimmert, die ein diplomatisches Angebot der UNO und der EU fördert, Israels Recht sich gegen die Hisbollah, die Palästinenser und den Iran zu verteidigen Stück für Stück abzubauen.

Die gegenwärtige Gefahr entstammt dem Text der Resolution 1701 des UNO-Sicherheitsrats, die die Richtlinien der Feuereinstellung im Libanon vorgab. Diese Entscheidung stellte einen beispiellosen diplomatischen Sieg der Hisbollah dar, da sie die subnationale, jihadistische, illegale Miliz mit Israel auf eine Stufe stellt.

Mehr noch: Die Resolution 1701 setzte die Bedingungen für die Verstärkung der UNIFIL-Truppen auf eine Art und Weise, die es der Hisbollah ermöglicht die Wiederaufrüstung ihrer Einheiten fortzuführen und ihre Präsenz im Südlibanon zu behalten, während Israel davon abgehalten wird sein Recht auf Selbstverteidigung gegen die wachsende Bedrohung auszuüben.

Abgesehen von der Sprache zur Rollen von UNIFIL verschreibt 1701 die Handlungsfreiheit Israels auf drei zusätzliche Weisen. Erstens nannte die Resolution Ahmadinedschads Anwalt, Kofi Annan, als Richter über die Befolgung der Resolution durch die jeweilige Seite. Annan offenbarte vor zwei Wochen, wie der diese Autorität nutzen will, als er die IDF-Stoßtrupp-Aktion in Baalbek verurteilte, während er seine Aufrufe an Israel begann, die Luft- und Seeblockade des Libanon aufzuheben und damit der Hisbollah zu ermöglichen sich nicht nur auf dem Landweg, sondern auch dem Luft- und Seeweg wiederzubewaffnen.

Zweitens ist Tatsache, dass die Entscheidung die EU zu ermächtigen die UNIFIL zu beherrschen für Israel katastrophal, obwohl Olmert und Livni laut die im Libanon zu stationierenden europäischen Truppen als wichtige diplomatische Errungenschaft Israels verfechten. Während die Europäer ihre „Liebe“ zu Israel demonstrieren, machen sie kein Geheimnis aus der Tatsache, dass ihre Entscheidung die UNIFIL zu führen, von ihrer Absicht motiviert ist Israel davon abzuhalten sich zu verteidigen.

Italiens kommunistischer Außenminister Massimo D’Alema stellte diesen Punkt in seinem Interview vom letzten Freitag mit Ha’aretz klar. Er erklärte dort, dass das Ziel der EU im Libanon sei „Israel zu beweisen, dass es seine Sicherheit durch die Politik des Friedens besser sicherstellen kann als durch Krieg“.

D’Alema beleidigte dann die USA, als er hinzufügte: „Die amerikanische Politik, die auch Israel unterstützte, schuf eine unmögliche Situation. Man dachte, dass es möglich sei die Welt über die Macht einer hegemonialen, liberalen Macht zu kontrollieren. Diese Philosophie hat schweren Schaden verursacht und nun suchen die USA nach einem logischen Ausweg.“

Mit der Stationierung der UNIFIL wollen die Europäer also zeigen, dass der einzige Weg mit Feinden zu kämpfen, die uns vernichten wollen, Appeasement und immer mehr Appeasement ist.

Die Europäer und Annan verbergen die Tatsache ebenfalls nicht, dass sie planen ihre Stationierung im Libanon als Sprungbrett zur Gewinnung größeren Einflusses auf Israel in seinem Umgang mit den Palästinensern zu nutzen. In dieser Stimmung erklärte D’Alema: „Ich denke, wenn die Dinge im Libanon gut laufen, wird auch ein gleicher positiver Prozess im Gazastreifen beginnen: die Freilassung von [Unteroffizier Gilad] Shalit, eine palästinensische Einheitsregierung, die die von der internationalen Gemeinschaft gesetzten Kriterien erfüllt, und die Anwesenheit einer UN-Streitmacht, um die palästinensische Regierung zu stärken.“

Hier schließt sich die EU offen den Kräften der radikalen, linksextremistischen israelischen Politikern, an die von Meretz-Chef Yossi Beilin angeführt werden, der seit zwei Jahren in aller Stille die Vorstellung der Internationalisierung des Konflikts voran treibt. Nachdem Israels Verhandlungen wie seine einseitige Übergabe von Land an die Palästinenser jeweils zu Krieg führten, wird gedacht, dass die Palästinenser Israel akzeptieren werden, nachdem die UNO dem jüdischen Staat die Fähigkeit geraubt hat sich zu verteidigen.

Wenn das oben Angeführte nicht ausriecht uns zu überzeugen, dass die UNIFIL-Truppen, deren Ankunft von Olmert-Livni-Peretz so sehnsüchtig erwartet wird, für Israel nichts Gutes ist, dann gibt es da noch das islamische Element der angekündigten Streitmacht. Annan wie die Europäer bestehen darauf, dass eine Streitmacht von bis zu 7.000 Soldaten aus muslimischen Ländern zur UNIFIL-Truppe gehört. Diese Soldaten werden aus Bangladesch, Indonesien, Malaysia und der Türkei kommen. All diese Länder werden allgemein als „moderate muslimische Länder“ bezeichnet. Diese Beschreibung muss hinterfragt werden.

Ein Koalitionsmitglied der Regierung Bangladeschs ist die jihadistische Partei Jamaat-e-Islami. Ihre Studentenaktivisten verschickten vor kurzem Todesdrohungen an zwei prominente Intellektuelle, weil die die Jugend des Landes die Werte des Säkularismus, der Demokratie und der Wissenschaften lehrten.

Außerdem wurde im November 2003 der bengalische Journalist Salah Uddin Shoaib Choudhury verhaftet, als er darauf wartete ein Flugzeug nach Bangkok zu besteigen, um dann nach Tel Aviv weiterzufliegen. Choudhary, der in Israel an einer Konferenz darüber teilnehmen sollte, wie die Medien zum Frieden betragen könnten, wurde Volksverhetzung und Spionage für Israel vorgeworfen. In den 17 Monaten seiner Einkerkerung wurde er wiederholt gefoltert. Bangladesch will 2.000 Soldaten in den Libanon schicken.

Dann gibt es Indonesien, den größten muslimischen Staat. Als Strafe für die Aufhetzung zu den Terror-Bombenanschlägen in Bali 2002, durch die 202 Menschen getötet wurden, verurteilte die nicht allzu unabhängige indonesische Justiz Jemaah Islamiyah-Führer Abu Bakar Bashir zu 30 Monaten Gefängnis, von denen die letzten fünf im Juni ausgesetzt wurden.

Im Mai wurde Ahmadinedschad bei seinem Besuch in Jakarta von jubelnden Massen empfangen. In einem Interview mit dem Wall Street Journal vom Dienstag (29. August) sagte der indonesische Verteidigungsminister Juwono Dudarsono, dass er glaube, der beste Weg den Libanon sicher zu machen sei die Hisbollah-Truppen in der libanesischen Armee aufgehen zu lassen.

Als der Krieg im Libanon tobte, rief die malaysische Regierung alle Nationen der Welt auf ihre diplomatischen Beziehungen zu Israel zu kappen. Diese Woche sagten malaysische Offizielle, es gebe keine Rechtfertigung dafür, dass der Westen gegen das Atomprogramm des Iran sei.

Unter allen muslimischen Ländern, die planen Soldaten zu UNIFIL beizusteuern, ist die Türkei das einzige, das diplomatische Beziehungen zu Israel hat. Die Folge ist, dass ihre Soldaten bis jetzt die einzigen sind, die die Regierung Olmert-Livni-Peretz bereit ist, im Libanon eingesetzt zu sehen. Vor zwei Wochen sagte Olmert bei einem Besuch des türkischen Außenministers Abdullah Gul: „Die Türkei spielt eine wichtige Rolle im Nahen Osten und wird das weiter tun.“ Er fügte hinzu: „Israel hat Vertrauen zur Türkei.“

Während es bis zur Bildung der islamistischen Regierung der AKP 2002 Sinn machte, dass israelische Premierminister solche Dinge sagten, sind solche Äußerungen heute nicht gerechtfertigt. In den letzten Jahren hat sich die Türkei von einem festen Verbündeten der USA und Israels zu einem der offenstens antiamerikanischen und antisemitischen Staaten der Welt gewandelt. Überdies hat die Türkei große Anstrengungen unternommen, ihre Beziehungen zur arabischen Welt und dem Iran zu verbessern.

Im Verlauf des Krieges entdeckte der IDF-Militärgeheimdienst, dass der Iran Waffen für die Hisbollah durch die Türkei transportierte. Nach dem Wahlsieg der Hamas im Januar war der türkische Premierminister Recip Erdogan der erste internationale Führungspolitiker, der bei einem offiziellen Besuch Gastgeber für die Terrorführer der Hamas war. Während des Krieges kündigte Erdogan Unterstützung für die Hisbollah an und erklärte: „Niemand sollte von uns erwarten neutral und unparteiisch zu sein.“

Aus all dem wird offensichtlich, dass die Beteiligung muslimischer Armeen in der UNIFIL-Truppe – selbst, wenn sie nur aus der Türkei kommen – leicht zu einer Lage führen kann, in der die IDF sich in einem Kampf gegen UNO-Truppen wieder findet. Alternativ, so wie es die UNO und die EU voraussehen und eingeschüchtert von der „internationalen Gemeinschaft“, könnte die Regierung Olmert-Livni-peretz einfach Israels Recht auf Selbstverteidigung angesichts der wachsenden Bedrohung durch die Hisbollah, die Palästinenser und den Iran aufgeben.

Was Amerika angeht, so zeigt die Regierung Bush, wie die Regierung Olmert-Livni-Peretz, akute Zeichen eines Politik-Zusammenbruchs. In einem unerklärlichen Zug gab das Außenministerium dem früheren iranischen Präsidenten Mohammed Khatami ein Visum. Obszönerweise ist der ehemalige Führer und Regime-Presseagent eingeladen worden in der National Cathedral in Washington D.C. eine Rede zu halten.

Wie sie das zu Beginn des Krieges im Libanon machte, hat die Regierung Olmert-Livni-Peretz die richtigen Ziele für das Management des Waffenstillstands gesetzt. Aber wie es während des Krieges ebenfalls getan hat, hat sie alle möglichen Schritte unternommen um sicherzustellen, dass diese Ziele nicht erreicht werden.

Gegenwärtig hofft die Troika, dass Israel über die UNIFIL eine Koalition gegen die Hisbollah zusammenschustern wird, während sie in Wirklichkeit die Formierung einer Koalition erleichtert, die die Hisbollah vor Israel schützen wird. Sie haben darin versagt anzuerkennen, dass Israel für die Sicherstellung der nationalen Sicherheitsinteressen nicht verhandeln, sondern handeln muss. Der einzige Grund, dass die EU und die UNO sich wohl damit fühlen Israel herumzukommandieren, ist der, dass die Regierung Olmert-Livni-Peretz ihnen gehorcht.

Das muss so nicht sein. Kein Land der Welt lässt sich von Außenstehenden seine Politik zu grundlegenden Fragen der nationalen Sicherheit diktieren. Israel darf nicht das erste sein, das dies tut.