Die Auswirkungen der Schoah auf die Nachkriegskinder der Überlebenden

Manfred Gerstenfeld interviewt Prof. Sam Juni (direkt vom Autor)

„Angesichts des gewaltigen Ausmaßes der Erfahrungen der Überlebenden der Todeslager führten einige ihrer Anpassungen zum Erhalt ihrer geistigen Gesundheit in ihrem Leben zu beträchtlichen negativen Nachwirkungen auf die von ihnen großgezogenen Kinder. Daher ist die psychiatrische und Persönlichkeitspathologie in den Familien früherer Insassen von Todeslagern in der Regel schwerwiegender. Überlebende, die nicht in Todeslagern waren – und deren Familien – haben oft keine unerwünschten Anpassungsprobleme.

„Wenn Schoah-Überlebenden ihre Identität unangenehm ist, wird das ihre Kinder tangieren. Diese Menschen werden in der Literatur oft als Überlebende in der zweiten Generation bezeichnet, was auf der Tatsache gründen, dass sie wegen ihres Leidens und ihrer Erziehung tatsächlich Überlebende sind, selbst wenn sie beim eigentlichen Holocaust physisch nicht dabei waren. Eine beträchtliche Anzahl Überlebende der zweiten Generation leiden unter Identitätsproblemen, weil sie Teil eines verlorenen Erbes und nicht in der Lage sind, sich mit der Kultur zu identifizieren, in der sie tatsächlich leben.“

Dr. Sam Juni, Prof. emeritus an der New York University, ist ein bekannter Diagnostiker und Forscher zu psychopathologischen und psychiatrischen Erkrankungen. Er gründete das Psychology Graduate Program an der NYU Tel Aviv, das er fast ein Jahrzehnt lang leitete. Vor Jahren begann er bei Holocaust-Überlebenden der zweiten Generation ausgeprägte Muster pathologischer Syndrome festzustellen.

Wenn Holocaust-Überlebende der Identität ihrer Kinder Schaden zufügen, betrifft das in den meisten Fällen das älteste Kind, auch wenn die anderen Kinder unter Folgen leiden. Solche Probleme zeigen sich typischerweise früh im Leben.

Holocaust-Überlebende schützen ihre Kinder aufgrund der langwierigen Belastung wegen extremer Bedrohung und Notsituationen oft übermäßig stark. Klinische Praktiker haben gezeigt, dass Überlebende der zweiten Generation Probleme haben sich von übergriffigen, überbesorgten und aufdringlichen Eltern zu unterscheiden.

Es gibt verräterische Krankheitsbilder, die viele Kinder der zweiten Generation gemeinsam haben. Dazu gehören oft Probleme mit Autoritätspersonen, Religiosität, Geld ausgeben und der Umgang mit dem Druck durch Eltern Erfolg zu haben sowie mit Lebensmittel- und Ernährungsfragen. Wir bezeichnen diese Auswirkungen allgemein als pathologisch, wenn sie die „normale“ Schwelle so überschreiten, dass sie das tägliche Funktionieren der Person beeinträchtigen.

Paranoia ist bei Holocaust-Überlebenden ein wiederkehrendes Symptom. Das korreliert oft mit einem Bedürfnis sich zu Menschen mit ähnlichem Hintergrund zu halten und enge Beziehungen zu „Außenstehenden“ zu meiden. Einige Überlebende der zweiten Generation übernehmen eine ähnliche Haltung und praktizieren übertriebene Nähe zu anderen Kindern von Überlebenden. In einigen Fällen gibt es jedoch eine überzogene Offenheit für diejenigen, die als anders wahrgenommen werden. Der letztere Modus ist oft echt und stellt einen psychologischen Umkehrungs-Verteidigungsmechanismus dar, um den darunter liegenden paranoiden Tendenzen entgegenzuwirken.

Für viele Überlebende und ihre Familien passte das Verständnis der Rolle Gottes nicht mit dem Bild eines sich sorgenden Vaters zusammen. Es überrascht daher nicht, dass bei Schoah-Überlebenden regelmäßig religiöse Spannungen und Missklänge auftreten. Emotional ist die direkte Reaktion auf den Holocaust Wut und Enttäuschung, was zu offener Rebellion gegen Gott führen kann. Bei manchen kann sich das als Leugnen seiner Existenz zeigen. Es gibt aber auch eine andere Variante: Manche Überlebenden werden sogar als Ergebnis ihrer Holocaust-Erfahrungen religiöser. Das scheint widersprüchlich zu sein und ist wahrscheinlich das Ergebnis des psychologischen Abwehrmechanismus, den man als Reaktionsbildung kennt.

Ziemlich oft sind Kinder der zweiten Generation gezwungen sich früh im Leben ihrer Beziehung zu Gott zu stellen, selbst wenn sie von ihren Eltern nicht offen zum Ausdruck gebracht wird. Das kann zu bidirektionalen Ergebnissen führen: Manche folgen religiösen Prinzipien im Übermaß, während andere die Religion komplett aufgeben. Eine moderate Reaktion ist in diesem Bereich ungewöhnlich.

Die Entwicklungstheorie geht davon aus, dass das Gottes-Konzept, das Kinder internalisieren, stark mit ihrer prägenden Erfahrung durch Elternpersönlichkeiten zusammenhängt. Das gilt besonders für Überlebende der zweiten Generation, die oft ein nicht idealisiertes „Vaterbild“ haben; Grund ist die empfundene Schwäche ihrer Eltern während des Holocaust. Das verschärft die bereits problematischen Aspekte der Religiosität, die auf den Reaktionen auf den Holocaust an sich beruhen.

Überlebend sind oft knauserig. Auch hier übernehmen die Kinder der zweiten Generation oft eine ähnliche Haltung in ihrer Einstellung zu Geld, während manche sich genau gegenteilig verhalten und Verschwender werden. Einmal mehr ist Maßhalten ungewöhnlich.

Ein charakteristisches Kennzeichen der Eltern, die den Holocaust überlebten, ist der intensive Erfolgsdruck, den sie häufig auf ihre Kinder ausüben. Die meisten Überlebenden der zweiten Generation nehmen diese Einstellung auf und tendieren zu Leistungskarrieren mit hohem Status.

Oft bestehen innerhalb von Überlebenden-Familien besondere Probleme zwischen Kindern, die vor und die nach dem Krieg geboren wurden. Es gibt eine eindeutige Unterscheidung zwischen den Gruppen. Man könnte sie mit Kindern und Stiefkindern in wieder zusammengeführten Familien vergleichen.

Überlebende zeigen eine Bandbreite an Bewältigungs- und Versöhnungsstrategien, die in zwei Hauptverläufe eingeordnet werden können. Einer hat Selbstbeschuldigung und die Internalisierung eines Teils des Leidens zur Folge; bei dieser Strategie spielt die Schuld des Überlebenden eine herausragende Rolle. Der andere behält eine herausfordernde und anklagende Haltung gegenüber den Aggressoren wegen ihrer abscheulichen Taten bei; auch gegenüber der Gesellschaft, weil sie diese zuließen, billigten oder unterstützten; und sogar wegen Gott wegen seiner Rolle. Jede Kategorie beinhaltet eine No-Win-Strategie für die Überlebenden der zweiten Generation, die in diesem jeweiligen Familienstimmungen aufwuchsen.

Viele Holocaust-Überlebende hatten – weil sie damals Erwachsene waren – das große Glück einer emotional soliden Erziehung. Durch ihre Persönlichkeitsanlagen betrachteten sie den Vater als jemanden, auf den man sich verlassen kann und die Mutter als diejenige, zu der man gehen kann, wenn es weh tut. Im Wesentlichen hatten sie dann eine gewachsene Persönlichkeitsgrundlage und ein positives Weltbild. Als die Hölle losbrach und ihnen plötzlich der Teppich unter den Füßen weggezogen wurde, hatte ihr eingebettetes Gefühl der Menschlichkeit sich nicht verflüchtigt. Tief im Inneren gab es noch einen Grundglauben an eine gerechte Welt. Sie hatten viele Fragen und sogar Schuldzuweisungen, aber ihre wesentlichen Maximen wurden nicht ausgebootet.

Im Gegenteil: Von früher Kindheit an wurden Überlebende der zweiten Generation einer vermeintlich unfairen und feindlichen Welt ausgesetzt, die mit furchtbaren Aggressoren angefüllt ist. Ihre Persönlichkeit und Fähigkeit zu gesunden zwischenmenschlichen Beziehungen waren damit ihrer Natur nach mit Fehlern belastet. Es zeigt sich, dass Überlebende der zweiten Generation unter allgegenwärtigen Persönlichkeitsproblemen und verminderter Fähigkeit angemessene Beziehungen zu Menschen (zwischenmenschliche Objektbeziehungen) und zu Gott (theistische Objektbeziehungen) pflegen. Zu den hervorgehobenen Problemen von Überlebenden der zweiten Generation gehören ein negatives Weltbild, ein geschwächtes Elternbild und die Betrachtung der Welt als eines gefährlichen Ortes.

Kliniker sehen sich oft mit einer scheinbar paradoxen Situation konfrontiert, da wir es oft weit einfacher finden Überlebende zu behandeln als die Kinder der zweiten Generation. Das trifft trotz der Tatsache zu, dass Überlebende unter ausgeprägten – oder sichtbar „abnormen“ – psychiatrischen Symptomen leiden, während Überlebende der zweiten Generation in der Regel mildere Persönlichkeitsstörungen aufweisen.

Um dieses Paradox zu erklären, hält Dr. Juni fest, dass die moderne Psychiatrie medizinische und pharmakologische Mittel entwickelt hat, um mit klinischen Symptomen umzugehen, selbst wenn diese das normale Funktionieren extrem und merklich stören. Er merkt an: Persönlichkeitsstörungen – auch wenn sie für das grundlegende Alltagsleben weit weniger zerstörerisch sind – sind nur sehr schwer zu lindern. Daher fällt es Überlebenden der zweiten Generation schwerer störende Probleme zu beheben, als es bei ihren Eltern der Fall ist, obwohl diese häufig schwere psychiatrische Symptome aufweisen.

Überlebende der zweiten Generation leben in der Regel in einer Kindheit, in der Schuldgefühle sich mit einer negativen Weltanschauung in kaum kontrollierbare Entwicklungsherausforderungen verbinden. Darüber hinaus machen sie oft die Erfahrung eines ungesunden Rollentauschs, in dem sie sich nicht nur um sich selbst, sondern auch um ihre Eltern kümmern müssen.

Prof. Juni schließt, dass eine professionelle Behandlung diese Überlebenden der zweiten Generation – die häufig von ihrer unangepassten Familiengeschichte betroffen sind – oft nicht in die Lage versetzt, den Großteil ihrer Probleme loszuwerden. Es ist ratsamer Interventionen zu entwickeln, die ihnen helfen trotz ihrer inneren Turbulenzen klarzukommen und ein produktives Leben zu führen.

Monotheistische Religionen und die Coronavirus-Krise

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor; eine englische Version wurde vom BESA-Center veröffentlicht)

Die Coronavirus-Pandemie hat einen tiefgehenden Einfluss auf die Welt der Religion gehabt. Das ist sowohl ein komplexes als auch ein facettenreiches Thema. Als ersten Versuch der Analyse dieses Themas ist es nützlich sich auf drei Hauptthemen zu konzentrieren: die Einstellungen religiöser Leiter, der Einfluss auf die Gläubigen und ihre Rituale und Bemühungen, der Pandemie eine theologische Bedeutung zu geben.

Die größte Zahl von Coronatoten in Westeuropa sind in Italien, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Belgien und den Niederlanden aufgetreten. Das sind Länder, die in den letzten Jahrzehnten eine starke Zunahme an Säkularisierung erlebt haben.

Ist es eine zu kühne Idee zu glauben, dass die Corona-Pandemie religiösen Leitern eine einzigartige Gelegenheit geschaffen hat, alle ihre Gläubigen aufzufordern, eine Pioniergruppe bei der Unterstützung von Gesundheitspersonal, der Organisation von Wohltätigkeitsorganisationen, der Hilfe für Alleinstehende usw. zu werden? Dies mag zwar auf lokaler Ebene geschehen sein, war jedoch keine internationale Bewegung, die von religiösen Führern gefördert wurde. Ist diese Gelegenheit den Platz der Religion in der Gesellschaft zu stärken verspielt worden?

Der Säkularisierung ist von der weit verbreiteten Überzeugung enorm geholfen worden, dass der Einzelne seine Zukunft selbst bestimmt. Trotzdem hat der Coronavirus gewaltige Ungewissheiten geschaffen. Wie wird die Krankheit von einer Person an eine andere weitergegeben? Selbst diejenigen, die keine Symptome zeigen, können andere infizieren. Warum gibt es einen Unterschied im Grad der Krankheit, die die unterschiedlichen Opfer befällt? Wann wird es einen Impfstoff geben und wann wird die Pandemie enden?

Ein säkularer Mensch ist oft weitgehend spirituell allein, wenn er mit dem Tod konfrontiert wird. In monotheistischen Religionen ist in unterschiedlichem Grad Gemeinschaft wichtig. In einer Zeit solcher Ungewissheit hat Religion, zumindest theoretisch, eine neue Chance. Der amerikanische Theologieprofessor Marcellino D’Ambrosio verglich die aktuelle Seuche mit der, die im dritten Jahrhundert Rom verheerte. Er war davon inspiriert, wie die christliche Gemeinschaft sich in ein Bataillon an Krankenpfleger verwandelt hatte.[1]

Vielleicht ist die Antwort auf die Unfähigkeit christlicher Leiter die Gesellschaft zu führen, dass es lange her ist, dass religiöse Führer in Europa Meinungsführer waren. Sie haben sich seitdem auf die Rolle von Meinungsfolgenden reduziert. Als die Gelegenheit für ein Comeback entstand, waren sie nicht in der Lage einen schnellen Paradigmenwechsel vorzunehmen. Sie steckten in allgemeinen sozialen Debatten wie dem Klimawandel und Immigration fest.

Der Katholizismus ist die hierarchischste Religion Europas. Bei der Analyse der höchsten religiösen Persönlichkeiten macht es Sinn mit den Äußerungen des aktuellen Führers, Papst Frankziskus, zu beginnen. Er hielt seine Osterbotschaft in einem leeren Petersdom.[2] Er rief zu globaler Solidarität bei der Bekämpfung des Virus auf. Der Papst warnte, die Europäische Union riskiere den Zusammenbruch, drängte auf Schuldenerlass für arme Staaten und verlangte die Lockerung internationaler Sanktionen. Seine Autorität in diesen Bereichen ist bestenfalls schwach. Keines dieser Themen berührt religiöse Fragen.

UNO-Generalsekretär António Guterres forderte Ende März einen globalen Waffenstillstand.[3] Der Papst unterstützte diesen Aufruf in einem wöchentlichen Segen. Das war ein typisches Beispiel eines Meinungsfolgenden statt eines Meinungsführers. Es gab jedoch ein Anzeichen für ein besonderes Handeln. Der Papst gründete einen Notfallfonds der Päpstlichen Missionsgesellschaften. Dieser Fonds soll die Präsenz der Kirche in Missionsgebieten unterstützen. Diese Missionsgebiete befinden sich allerdings weit weg von den Ländern, die am härtesten vom Virus betroffen sind.[4] Der Papst schuf zudem ein Sondergebet.[5]

Die Äußerung des Papstes zur Sache der Pandemie war nicht theologisch, sondern vielmehr ökologisch. Er sprach von Katastrophen und sagte: „Ich weiß nicht, ob das Naturereignisse sind, aber sie sind sicherlich die Antworten der Natur.“[6] Er hätte aber betonen können, dass die Natur theologisch gesprochen eine Schöpfung Gottes ist.

Königin Elizabeth von England ist keine religiöse Führerin, auch wenn sie der symbolische Kopf der Church of England ist. Sie hielt zum ersten Mal überhaupt eine Rede aus Anlass der Osterfeiertage. Die Königin erwähnte, dass der wiederauferstandene Jesus Christus am Ostersonntag seinen Anhängern „neue Hoffnung und Zielsetzung gab und wir alle können daraus Mut schöpfen.“[7] Es war ein spiritueller Appell. Der Tenor Andrea Bocelli sang in der leeren Kathedrale von Mailand – als Symbol der Hoffnung – in einem Online-Konzert, dem weltweit Millionen zusahen.[8] Juden weltweit wurden aufgerufen beim Schreiben einer Einheits-Thorarolle mitzumachen.[9]

Das Weiße Haus rief die Glaubensgruppen und Kirchen auf sich mit dem Virus zu befassen.[10] Ein Großteil dieser Bemühungen bestand darin, den Gläubigen zu sagen, dass sie die Richtlinien befolgen sollen. Diese Anweisungen betreffen die Religionsfreiheit, darunter die ordnungsgemäße Durchführung von Ritualen. Es ist in der Tat wichtig, dass religiöse Führer ihren Gläubigen sagen, sie sollen die Richtlinien befolgen. Der weltweit führende sunnitische Geistliche Yusuf al-Qaradawi hat die Moscheen weltweit aufgefordert alle Gemeindetreffen auszusetzen, auch die wöchentlichen Freitagsgebete.[11]

Der amerikanische jüdisch-orthodoxe Soziologe Samuel Heilman wies darauf hin, dass das Judentum eine Religion ist, die so in das Gemeinschaftsleben eingebunden ist, dass physische Nähe zu anderen entscheidend ist, um eine spirituelle Verbindung zur Gemeinschaft und damit zu Gott zu spüren und dass die religiösen Gefahren der Quarantäne erheblich sind.[12] Es gibt sowohl in Israel wie auch außerhalb davon infolge ihrer Gewohnheiten und Bräuche einen überproportionalen Anteil ultraorthodoxer Opfer.[13] [14]

Man nimmt an, dass die Versammlung einer evangelikalen Megakirche in Frankreich der Ursprung des Großausbruchs der Pandemie im Land ist. In Bourtzwiller, einer Gemeinde der Stadt Mühlhausen, fand im Februar ein Treffen von mehr als 2.000 Gläubigen statt. Sie waren aus ganz Frankreich gekommen. Auch Deutsche nahmen teil. Diese Gläubigen trugen den Virus in alle Teile Frankreichs und nach Deutschland.[15]

Der Ausbruch des Coronavirus und die folgenden Regierungsmaßnahmen beeinflussen viele Gläubige auf sehr unterschiedliche Arten. Analysiert man den Einfluss des Virus auf den persönlichen Bereich, dann kann es für einen Teil von ihnen wichtig sein, wie ihre religiösen Aktivitäten beeinflusst werden. Muslime und Juden, selbst wenn sie nicht in ihre Moscheen oder Synagogen gehen, können ihre täglichen Gespräche Zuhause verrichten. Für gewisse Christen kann sonntags nicht in die Kirche gehen zu können problematischer sein. Kirchen, die hauptsächlich von der Sonntagskollekte der Gottesdienstbesucher abhängig sind, könnten sich finanziellen Schwierigkeiten gegenüber sehen. Doch es gibt noch viele andere Probleme, die von der Öffentlichkeit weit entfernt sind. Zum Beispiel erwarten viele nordafrikanischen Muslime in Frankreich, dass sie, wenn sie sterben, in ihrem Herkunftsland beerdigt werden. Ohne Flüge ist das extrem schwierig, wenn nicht unmöglich geworden.[16]

Es mag zu früh dafür sein, dass Persönlichkeiten des Mainstreams theologische Erklärungen abgeben. Stattdessen gab es einen Anstieg an Extremisten, die behaupten zu wissen, was Gott mit der Pandemie will. Ein muslimischer Prediger sagte im PA-Fernsehen, dass Corona einer der Soldaten des allmächtigen Allah sei und Allah die Sünder bestrafe. Das sind diejenigen, die seine Gläubigen angreifen.[17] Der israelische Gesundheitsminister Jaakow Litzman wurde von einer pakistanischen Internetseite fälschlich beschuldigt, den Ausbruch des Virus Homosexualität zugeschrieben zu haben.[18] Extremistische Pastoren und Rabbiner machen Homosexuelle für den Ausbruch des Virus verantwortlich.[19] Der Oberrabbiner der israelischen Stadt Safed sagte, die Pandemie finde statt, weil die Welt sich den Tagen des Messias nähere.[20]

Im Lauf der Zeit werden einige Gläubige anfangen den Medien zu berichten, wie der Lockdown und andere Maßnahmen ihre Spiritualität und ihre Beziehung zu Gott beeinflusst haben.

[1] www.crossroadsinitiative.com/blogs/cyprians-plague-and-the-insanity-of-christian-service/

[2] www.bbc.com/news/world-europe-52260241

[3] www.middleeastmonitor.com/20200329-pope-backs-un-chiefs-call-for-global-ceasefire-to-focus-on-coronavirus/

[4] www.vaticannews.va/en/pope/news/2020-04/coronavirus-pope-emergency-fund-pontifical-mission-societies.html

[5] www.sacredspace.ie/pope-francis-coronavirus-prayer

[6] https://edition.cnn.com/2020/04/08/europe/pope-francis-coronavirus-nature-response-intl/index.html

[7] www.reuters.com/article/us-health-coronavirus-britain-queen/easter-isnt-cancelled-uks-queen-elizabeth-says-coronavirus-will-not-overcome-idUSKCN21T0RG

[8] bbc.com/news/av/world-52266084/coronavirus-italian-tenor-bocelli-sings-at-milan-s-empty-cathedral

[9] www.google.com/search?q=chaba+unity+torah+scroll&sa=X&rlz=1C1CHBD_enIL744IL744&biw=1167&bih=695&tbs=qdr:w&sxsrf=ALeKk00JHQqGoodKH4sDK8wyhl0aKY2P3w:1587046230482&tbm=isch&source=iu

[10] www.mcclatchydc.com/news/coronavirus/article241279411.html

[11] http://www.freemalaysiatoday.com/category/nation/2020/03/15/prominent-muslim-cleric-qaradawi-calls-for-worldwide-suspension-of-friday-prayers/

[12] www.jta.org/2020/03/20/opinion/im-an-orthodox-sociologist-social-distancing-will-take-a-toll-on-the-orthodox-community

[13] http://www.jpost.com/israel-news/haredi-neighborhoods-in-jerusalem-have-higher-infection-rate-than-bnei-brak-623631

[14] http://www.jpost.com/diaspora/belgian-jews-concerned-about-large-haredi-population-and-coronavirus-623754

[15] https://www.welt.de/politik/ausland/plus207051021/Corona-in-Frankreich-Kirchentag-als-Einfallstor-des-Virus.html

[16] www.lemonde.fr/afrique/article/2020/04/13/coronavirus-les-africains-de-france-ne-savent-plus-ou-enterrer-leurs-morts_6036472_3212.html

[17] www.jpost.com/International/Religious-leaders-Coronavirus-is-punishment-sign-of-the-messiahs-coming-621339

[18] https://honestreporting.com/hr-prompts-correction-to-false-charge-against-israeli-health-minister/

[19] www.metroweekly.com/2020/03/religious-conservatives-are-blaming-gay-people-for-coronavirus/

[20] www.jpost.com/International/Religious-leaders-Coronavirus-is-punishment-sign-of-the-messiahs-coming-621339

Wenn Koexistenz ihren schönen Kopf hebt

Für die Einwohner Galiläas, Juden wie Araber, gab es während der Fluten von letzter Woche, nichts Seltsames daran, dass ein Araber einen Juden rettet oder umgekehrt.

Jalal Bana, Israel HaYom, 15. Januar 2020

Die Überschwemmungskatastrophe von letzter Woche, die einen Einwohner von Nahariya das Leben kostete, legte nicht nur die Infrastrukturprobleme und fehlerhafte Planung und Bautätigkeit in Israel offen, sondern auch die Realität des echten Lebens zwischen Juden und Araber in Galiläa.

Die arabischen „Traktoristen“ – die nahe Nahariya lebenden Fahrer schweren Geräts – sprangen in ihre Fahrzeuge, von sich aus, und eilten den Einwohnern von Nahariya zu Hilfe. Niemand bat sie das zu tun, ebenso wenig wurden sie von den Notfalldiensten auf den Plan gerufen. Sie traten einfach heran, um Freunden in Not zu helfen und diese Demonstration von Solidarität half Leben zu retten, in der Flut festsitzende Einwohner zu retten und Straßen frei zu machen.

Für alle Einwohner Galiläas, Juden wie Araber, gibt es nichts Seltsames daran, dass ein Araber einen Juden rettet oder umgekehrt. Es gibt viele arabische Gemeinden um Nahariya, deren Einwohner tagtäglich mit der Stadt interagieren, ihren Lebensunterhalt verdienen, ihre Dienste nutzen oder Freizeit verbringen. Für die Generation, die um die Zeit der Staatsgründung geboren und aufgewachsen war, war Nahariya immer eine Quelle des Lebensunterhalts. Für die zweite und dritte Generation war Nahariya die Stadt, die ihrem Dorf an nächsten lag, ein Ort für Arbeit, Konsum und eine gute Zeit – und für eine beträchtliche Anzahl Araber ein Ort, um in Grundstücke zu investieren.

Die Fahrer des schweren Geräts zeigten sich schnell mit einem instinktives Gefühl für lokale Solidarität der Lage gewachsen, aber auch aufgrund ihre persönlichen Beziehungen zu vielen der dort lebenden Menschen und den nahe gelegenen Moschawim und Kibbuzim. Trotz der Spaltungen, die Politiker mit beschränkten Interessen ständig zu verschärfen versuchen, ist das Gefühl der Verantwortung und Zuwendung für einander unter den Juden und Arabern Galiläas stark und greifbar. Araber und Juden sind miteinander in allen Aspekten des Lebens verknüpft. Betrachten Sie z.B. das Krankenhaus in Nahariya, das Galilee Medical Center. Juden werden von arabischem medizinischem Personal behandelt – und umgekehrt – und das Krankenhaus selbst wird von Dr. Masad Barhoum, einem Araber, geleitet.

Viele Jahre lang wurde Nahariya von rechten Politikern regiert, hauptsächlich vom Likud und nationalreligiösen Parteien, aber anders als einige ihrer ranghöheren Parteigenossen auf nationaler Ebene sprachen sie nie abfällig über die arabische Öffentlichkeit und stellten sie nie als Bedrohung dar. Ganz im Gegenteil, sie kultivierten ausgezeichnete Verbindungen zu den arabischen Einwohnern Galiläas.

Die Region Galiläa und alles, was sie umfasst, kann eine wichtige Lektion für die Führer und Abgeordneten des Landes bieten. Es ist eine Lektion in Koexistenz, Toleranz und gegenseitiger Hilfe. Der einst vor den „Scharen an Arabern“ warnte, die zu den Wahllokalen gingen, kam diese Woche in Nahariya an und sah mit seinen eigenen Augen die gute und schöne Seite der arabischen Bürger des Landes, die in Scharen ankamen, um ihren jüdischen Nachbarn aus einem Ort ernster Besorgnis und echter Angst um ihr Leben zu helfen. Sie hielten natürlich nicht an, um darüber nachzusinnen, ob die Menschen, denen sie halfen, Juden oder Araber waren.

Es gibt keine Zweifel, dass es hier auch Probleme und Spannungen gibt, die in Ideologie und Politik wurzeln, ganz zu schweigen von historischem Ballast. Aber die Menschlichkeit der Menschen scheint in den schwierigen Momenten durch. Es gibt in Galiläa soziale Probleme und Sicherheitsbedrohungen und es gibt benachteiligte Bevölkerungen, Juden wie auch Araber. Trotz allem sind die Einwohner des Gebiets zur Koexistenz entschlossen. Im Gegensatz zum Bild, das man sich infolge des polarisierenden und nicht hilfereichen politischen Diskurses vorstellen könnte, sind die aus Nahariya kommenden Bilder ein weit korrektere Spiegel der Wirklichkeit.

Arutz Sheva-Autor als führender Antisemitismus-Forscher anerkannt

Dr. Manfred Gerstenfeld schreibt regelmäßig auf Arutz Sheva (und abseits vom mainstream – heplev), ist Hauptredner der CIJR-Gala, listet Prioritäten im Kampf gegen Antisemitismus.

Israel National News, Redaktion, 8. Dezember 2019

Marchla Abramovitz überreicht Dr. Gerstenfeld die Auszeichnung (Foto: INN/MG)

Dr. Manfred Gerstenfeld, Autor für Arutz Sheva, wo er regelmäßig Beiträge veröffentlicht, war am 1. Dezember der Hauptredner auf der jährlichen Gala des Canadian Institute for Jewish Research (CIJR) in Montreal.

Auf der Gala wurde Gerstenfeld die Auszeichnung International Lion of Judah (Internationaler Löwe von Juda) des CIJR für „hervorragende Dienste für Israel und das jüdische Volk“ verliehen. Die Einladung zum Abend kündigte ihn als die anerkannte führende internationale Autorität auf dem Gebiet des Antisemitismus an.

In seiner Rede vermerkte Gerstenfeld drei strategische Prioritäten im Kampf gegen fast grenzenlose antisemitische Bedrohungen; zuvor erklärte er, dass es gemäß der globalen Studie der Anti-Defamation League, weltweit mehr als eine Milliarde Antisemiten gibt. Diese Zahl bezieht sich nur auf den klassischen religiösen und ethnisch-nationalen Antisemitismus. Nicht eingerechnet sind Menschen, die sich nur als antiisraelisch betrachten. Er merkte an, dass diese Erkenntnis sich in rund 75 Antisemiten auf jeden Juden übersetzt, Babys und selbsthassende Juden eingeschlossen.

Gerstenfeld definierte seine drei Prioritäten wie folgt:

  • Er forderte die Bildung einer Agentur für Propagandabekämpfung, die für die israelische Regierung höchste Priorität haben sollte. Nur eine solche Organisation kann sich systematisch um die weit verbreiteten Hasskampagnen gegen Israel und die Juden weltweit kümmern. Israel hat die Gelder zur Verfügung, um eine solche Organisation zu gründen und zu unterhalten. Eine solche Agentur könnte den vielen proisraelischen Organisationen und Einzelpersonen unschätzbare Hilfe bieten. Gerstenfeld nannte Beispiele dafür, wie leicht es war Pro-BDS-Akademiker davon abzuschrecken diese antisemitische Aktivität zu unterstützen.
  • Die zweite Priorität nach Gerstenfeld besteht darin in erster Linie nichtjüdische Politiker und andere Prominente zu überzeugen, dass sie eingestehen, dass Antisemitismus mehr als tausend Jahre lang integraler Bestandteil westlicher Kultur gewesen ist. Wie sich die Kultur entwickelte, machten es auch der Antisemitismus und seine Mutationen.

Gerstenfeld führte als Beispiel dafür die horrende falsche Vorstellung an, dass Juden absolut böse sind. Im Christentum bestand solches Übel darin, dass Juden für den Tod des behaupteten Sohnes Gottes, Jesus, verantwortlich gemacht wurden. In der schlimmsten Erscheinungsform ethnischen Nationalismus, dem Nationalsozialismus, waren die Juden absolut böse, weil sie als Untermenschen betrachtet wurden. Als Ungeziefer oder Bakterien, entschieden die Nazis, sollten Juden ausgelöscht werden.

Im Weiteren hob Gerstenfeld heraus, dass der Nationalsozialismus und die Planung von Völkermord heute die Symbole des absolut Bösen sind. Im übelsten Antiisraelismus wird Israels Handeln gegenüber palästinensischen Arabern fälschlich dem der Nazis gegen die Juden gleichgesetzt. Er fügte hinzu, dass Israel zudem fälschlich beschuldigt wird Völkermord an den palästinensischen Arabern zu planen. Mehr als 150 Millionen von 400 Millionen erwachsenen EU-Bürgern glauben diese Verleumdung.

Gerstenfeld fügte hinzu, wenn erst einmal akzeptiert wird, dass westliche Kultur von Antisemitismus durchdrungen ist, dann wird es leichter viele zeitgenössische Fälle von Antisemitismus in historischer Perspektive aufzudecken. Wenn Juden und Nichtjuden erst einmal darin übereinstimmen, wird es möglich effektiver gegen diesen ältesten Hass vorzugehen.

  • Als dritte, aber nicht weniger wichtige Priorität als die beiden ersten, nannte Gerstenfeld die Notwendigkeit jüdische Masochisten zu entlarven. Er sagte, dass es in der jüdischen Tradition eine langjährige Strömung des Masochismus gibt. Zeitgenössische jüdische Masochisten in Israel und im Ausland behaupten, Israel müsse perfekt sein, während andere das nicht sein müssen. Sie werden selten, wenn überhaupt, jemandem sagen, dass Israels Feinde etwas falsch machen. Das ist gemäß der am meisten anerkannten Definition des Antisemitismus eine antisemitische Einstellung; diese Definition ist die der Holocaust-Gedenkallianz (IHRA).

Jüdische Masochisten, fuhr er fort, sind die idealen nützlichen Idioten, um von Israels Feinden manipuliert und benutzt zu werden. Diese können sich immer auf Äußerungen dieser Masochisten stützen, um Israel zu kritisieren. Ein Beispiel für einen prominenten jüdischen Masochisten, sagte Gerstenfeld, ist einer der  Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten Bernie Sanders. Sanders hat Netanyahu als Rassisten bezeichnet, während er zu Mahmud Abbas schwieg, der sagte, dass im zukünftigen Palästinenserstaat keine Israelis leben werden.

Gerstenfeld sagte, dass viele jüdische Aktivisten, die jüdische Masochisten kennen, diesen sagen, dass sie, indem sie Israel aussondern und zur Kriminalität der Palästinenser schweigen, antisemitisch handeln.

Er stellte weiterhin heraus, dass die zentralen Kräfte, die in der westlichen Öffentlichkeit Hass auf Israel verbreiten, aus der liberalen Linken kommen. Muslimische Fanatiker und Rechtsextremisten sind weit gewalttätiger, sind jedoch in Mainstream-Medien und Politik marginal.

Gerstenfeld sprach zudem das Thema freie Meinungsäußerung an. Freie Meinungsäußerung in sozialen Medien hat zu einer Explosion des Hassredens geführt. Diejenigen, die für unbegrenzte freie Meinungsäußerung sind, unterminieren indirekt die westliche Demokratie. Er fuhr fort, das die Interaktion von Juden mit der Gesamtgesellschaft es ermöglicht, dies und viele andere Probleme weit klarer zu erkennen.

Gerstenfeld wurde vom ehemaligen kanadischen Justizminister und führenden internationalen Menschenrechtsaktivisten Irwin Cotler vorgestellt, der zu seinen Ehren sprach und ihn einen Universalgelehrten nannte. Es gab zudem lobende Videos von Rabbi Abraham Cooper, dem Prodekan des Simon Wiesenthal Center in Los Angeles sowie Hillen Neuer, dem Direktor von UN Watch in Genf. Professor Alvin Rosenfeld, der Direktor des Institute for the Study of Contemporary Antisemitism an der Indiana University, schickte einen geschriebenen Text voll Lob, der von Professor Fred Krantz, dem Direktor des CIJR, vorgelesen wurde.

In früheren  Jahren wurde Gerstenfeld, der der emeritierte Vorsitzende des Jerusalem Center for Public Affairs ist, vom Journal for the Study of Antisemitism eine Auszeichnung für sein Lebenswerk sowie der International Leadership Award des Simon Wiesenthal Centers verliehen.