Die die Juden verfluchen und die die Juden segnen

heplev, 22.10.2002

Vorbemerkung: In der US-Diskussion um Christen und Juden scheint es so zu sein, dass die jüdische Seite vor allem die Endzeit-Varianten der Christen als Grund für christliche Unterstützung Israels wahrnimmt. Bei meinen noch recht wenigen Diskussionen um die Gründe für die Unterstützung Israels durch evangelikale Christen ist mir die endzeitliche Begründung bisher nicht begegnet. Gerade unter diesem Aspekt scheint mir die Idee dieses Textes sehr viel mehr zur Begründung des christlichen Eintretens für Israel beizutragen und stärker der Motivation der Christen für ihre Haltung dem jüdischen Staat gegenüber zu entsprechen.

Es gibt in der Bibel im Ersten Buch Mose (Genesis) eine interessante Ankündigung Gottes an Abraham: „Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ (1. Mose 12,3)

Als ich in einem Artikel von David Parsons diesen Vers las, wurde ich schon etwas nachdenklich. War das ein Versprechen, das nur Abraham galt? Oder steckt da noch mehr dahinter? Galt das Versprechen für Abrahams („legitime“) Nachkommenschaft – die Juden? Gibt es ein ähnliches Versprechen auch an Jakob, den ersten mit dem Namen „Israel“? Und wie sieht es mit Ismael aus?

Für die Annahme, dass das Versprechen des Segens und des Fluchs für die Nachkommen in der Linie Abraham – Isaak – Jakob gilt, spricht z.B. auch, dass Abraham und seinen Nachkommen das Land Kanaan verheißen wurde. In 1. Mose 13,15 spricht Gott zu ihm: „Das ganze Land, das du siehst, will ich dir und deinem Samen geben auf ewig.“ Es besteht wohl Einigkeit, dass dieses Versprechen Israel gilt, nicht Ismaels Nachkommenschaft. Andernfalls wäre es nicht Jakob gegenüber wiederholt worden, wäre Israel nicht aus Ägypten in dieses Land zurück gekommen und hätte es vollständig erobert. Die Nachfahren Ismaels lebten in der Wüste, nicht in Kanaan.

In 1. Mose 31,9-15 werden alle Verheißungen an Abraham für Jakob/Israel bestätigt. Sie gelten für Jakob und seine Nachfahren. Ich denke, damit sind die Dinge klar: Die Verheißung des Fluches und des Segens gilt nicht nur Abraham, sondern auch den Israeliten/Juden insgesamt.

Das ist die Haltung evangelikaler Christen, die Gottes Wort ernst nehmen. Der amerikanische Pastor Jerry Falwell erklärte in einer „Fernsehpredigt“ aus seiner Kirche heraus bereits in den 1970-er Jahren, dass dieser Vers, 1. Mose 12,3, weiter gilt und er lieber sein Auto aufgeben und Fahrrad fahren würde, als der arabischen Erpressung durch die Ölkrise von 1973 nachzugeben und Israel zu verraten.

Seitdem ist der Vers immer wieder in christlichen Versammlungen angeführt worden, um damit die Unterstützung Israels biblisch zu begründen. Das geschieht sicher zurecht. Die Frage ist vielleicht, inwiefern man das nicht nur als Glaubensgrundsatz betrachtet, sondern auch belegen kann. Wie „objektiv wahr“ ist dieser Vers?

Ich bin überzeugt, dass das gezeigt werden kann. Deshalb einige kurze Gedanken und Beispiele. Man kann in der Geschichte weit zurück gehen und die Weltreiche betrachten und was aus ihnen geworden ist. Die Griechen, die Römer usw. haben ihre Weltreiche verloren. Andere ebenfalls. Was ist aus Ägypten geworden? Diese Hochkultur war spätestens mit der Eroberung Alexanders des Großen Vergangenheit. Seine griechischen Nachfolger wurden von den Juden gestürzt, als sie das Judentum vernichten und die Juden zwingen wollten griechisch zu leben, zu denken, zu glauben. Die Römer befanden sich spätestens nach dem Bar Kochba-Krieg um 130 n.Chr. auf dem absteigenden Ast, auch wenn das westliche Rom noch rund 300 Jahre und Byzanz bis ins 16. Jahrhundert bestanden.

Aber so weit müssen wir nicht einmal zurück gehen. Nehmen wir die letzten 500 Jahre. Im 15. Jahrhundert wurde Spanien zu einem der mächtigsten Staaten der Welt und hatte eine weit entwickelte Kultur. 1492 „entdeckte“ Kolumbus Amerika und in der Folge wurde der spanischen Krone ein die Welt umspannendes Reich geschaffen. Aber dieses Datum, 1492, ist dasselbe Jahr, in dem Spanien alle Juden auswies und die spanische Inquisition gegen sie verstärkte. Es zwang viele Juden zum Katholizismus zu konvertieren oder unter der Folter zu sterben. Nach einer kurzen Zeit als Weltmacht sank Spanien in einen Status des „kranken Mannes Europas“ ab. Aller Glanz und alle Macht waren dahin. Es verlor seine Vormachtstellung als Seemacht an England schon Ende des 16. Jahrhunderts; Napoleon eroberte Spanien, das ausgerechnet auf die Engländer zählen musste, um von diesem Joch befreit zu werden. Seine Kolonien verlor es früher als alle anderen europäischen Nationen. Geschichtlich spielte es keine Rolle mehr. Davon hat es sich bis heute nicht wirklich erholt. Und alles, nachdem es sich Jahrzehnte in Judenverfolgung geübt hatte.

Wie ist es mit Deutschland und Österreich im 20. Jahrhundert bestellt? Sie waren kulturelles und intellektuelles Zentrum Europas, wenn nicht sogar der Welt – bis zur Nazizeit und dem Zweiten Weltkrieg. Dann ging Deutschland unter Hitler dazu über, das fürchterlichste Massaker an den Juden anzurichten, das die Geschichte je gesehen hat. Dafür wurde es mit einer der vernichtendsten militärischen Niederlagen eines Staates in der Geschichte geschlagen und mit Jahrzehnten der Teilung seiner Nation. Das alles hat riesiges Leid über Deutschland gebracht. Und während es uns heute materiell wieder recht gut geht, ist unser Volk kulturell nicht mehr von großer Bedeutung. Deutsche Künstler und Intellektuelle sind im Ausland wenig bekannt. Die Jugendkultur ist von Amerika bestimmt. Eine führende Stellung Deutschlands in der Welt ist heute wenig denkbar.

Wie sieht es gegenwärtig aus? Wer segnet heute die Juden am meisten und wer verflucht sie am meisten?

Es sieht so aus, dass die USA der Staat ist, der am meisten für den jüdischen Staat – und damit für das jüdische Volk – tut und ihn gegen die unterstützt, die ihn vernichten wollen. Die USA sind der Staat in der Welt, der am meisten Wohlstand vorweisen kann, der zumindest die Kultur des Westens bestimmt und politisch DIE Führungsnation schlecht hin ist.

Im Gegensatz dazu ist die Sowjetunion, die die Juden ebenso verfolgte, wie vorher der russische Staat, in der Versenkung verschwunden; ihre Nachfolgestaaten vegetieren weitgehend vor sich hin. Das gilt auch für Russland, obwohl es (gnädigerweise) in den Club der G7 aufgenommen wurde, der 7 mächtigsten Industrienationen, die sich jetzt G8 nennen. Aber es ist dort eigentlich nur als potenzieller Markt vertreten und als Bittsteller, der wegen seiner Größe etwas mehr Respekt als andere Schuldnerstaaten bekommt.

Wenn es stimmt, dass Somalia und Jugoslawien die Staaten waren, die die meisten (der gehässigen) UN-Resolutionen gegen Israel einbrachten und wir sehen, was heute aus ihnen geworden ist, welche Schlüsse sollten wir daraus ziehen?

Am meisten werden die Juden – und ich schreibe hier bewusst „die Juden“ und nicht Israel! – aus dem arabisch-islamischen Lager verflucht. Dieses steht Nazideutschland in der Allgegenwart und Intensität des Judenhasses in nichts nach. Und wie geht es diesen Staaten?

Nach dem Bericht über den Zustand der arabischen Gesellschaft, den eine Gruppe arabischer Gelehrter für die UNO erstellte, liegt dieser Teil der Welt meilenweit hinter dem Rest der Menschheit zurück, egal, ob man soziale, moralische oder intellektuelle Indikatoren nimmt. Und es gibt keinen Zweifel, dass die über ein halbes Jahrhundert alte Beschäftigung mit dem Versuch der Zerstörung Israels die Leiden der arabischen Welt eigentlich nur verschlimmert hat.

Den Palästinensern ging es wirtschaftlich und sozial seit 1967 langsam besser – bis Arafat und seine Truppen 1994 zurückkehrten und das Regime in den „Palästinensergebieten“ übernahm. Seitdem ging es in allen Bereichen bergab. Ägypten hatte einen Aufschwung, als es Frieden mit Israel schloss; Jordanien auch. Aber beiden geht es inzwischen sehr schlecht. Die Haupteinnahmequelle, der Tourismus, ist bei beiden weitgehend am Boden, seit sie ihre Feindschaft gegen Israel wieder offen zur Schau stellen. Was ist mit dem riesigen Ölreichtum der arabischen Staaten? Er nutzt ihnen nichts, sie haben inzwischen alle Haushalts-Defizite und hängen zum Teil von Hilfen aus dem Ausland ab. Saudi Arabien kann nicht existieren, wenn es nicht sein Öl in den Westen exportiert. Es ist so abhängig von diesen Geldern, dass es eine Ölkrise wie in den 70-er Jahren unbedingt verhindern will (und das auch schon getan hat). Von Staaten wie Syrien, Irak usw. brauchen wir gar nicht erst zu reden.

Es ist nicht „objektiv“ oder wissenschaftlich beweisbar, dass Gott diejenigen segnet, die Israel segnen und die verflucht, die Israel verfluchen. Aber die Belege aus der Geschichte und der Zustand der Welt in unserer Zeit deuten an, dass es tatsächlich eine reale Verbindung zwischen dem Zustand einer Gesellschaft und ihrer Behandlung der Juden gibt. Ich denke, dass sollten wir äußerst ernst nehmen. Und das gilt vor allem für die Verfechter der Ersetzungstheologie, die glauben, dass alle Verheißungen an Israel auf die Christen über gegangen sind und Israel von Gott verlassen ist.

Wer nicht glauben will, dass Gottes Versprechen der Segnung und des Fluches gegen Abraham auch seinen (jüdischen) Nachfahren gilt, der sollte sich einmal die Geschichte Bileams durchlesen, wie er Israel segnen musste, obwohl der König der Moabiter ihn holen ließ, um es zu verfluchen. Dabei fällt in 4. Mose 24,9 folgender Satz: „Die dich segnen, sind gesegnet und die dich verfluchen, sind verflucht!“ (Elberfelder Übersetzung). Ein Versprechen Gottes praktisch wortwörtlich wiederholt, Jahrhunderte nachdem es an Abraham gegeben wurde. Die Bibel ist hier eindeutig.

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historische Fotos aus Israel (24): Kleidung

eine jüdische Familie in Jerusalem, ca. 1915 (gefunden auf Facebook):

Um das falsche Narrativ eines „einzigartigen palästinensischen Volks“  mit „Traditionen über Jahrhunderte“ zu untermauern, sind Tatsachenverdreher so weit gegangen zu behaupten, es gebe eine palästinensische lokale Kleidung.
Fotografen des frühen 20. Jahrhunderts machten Aufnahmen von Ortsansässigen, die sich mit der für alle üblichen Kleidung der Zeit zeigten; dieselben Kleider waren in Armenien, Bosnien, Syrien usw. zu finden.
Europäer, Araber und auch Juden kleideten sich in die wunderschön bestickten Kleidungsstücke der Zeit, um sich fotografieren zu lassen.
(gefunden auf Facebook)

Foto: Unter Schutz

The Jewish Press, 3. August 2017

Wisam Hashlamoun/Flash90

Schwer bewacht von der IDF am Tischa B’Av ultraorthodoxe Juden Hebron.

Juden ist es nur erlaubt 3% der uralten jüdischen Stadt zu betreten.

Die palästinensische Autonomiebehörde praktiziert in den 97% unter ihrer Kontrolle völlige Apartheid und Juden ist es verboten dorthin zu gehen.
Araber in dem kleinen von Israel kontrollierten Teil der Stadt haben mehr als üblich randaliert.

Bauern und Patriarchen

Annika Hernroth-Rothstein, Israel HaYom, 9. Juli 2017

Unsere Weisen lehrten uns, dass es drei Teile Israels gibt, zu denen die jüdischen Eigentumsrechte nicht bestritten werden können, selbst wenn man das göttliche Versprechen und das Band zwischen Gott und dem jüdischen Volk verneint. Diese Orte sind der Tempelberg in Jerusalem, den König David vom Jebusiter Araunah kaufte; der Teil von Schechem (Nablus), den Jakob der Familie von Hamor kaufte und das Feld und die Höhle Machpelah in Hebron, die Abraham von Ephron, dem Hethiter kaufte.

Die Ironie ist atemberaubend.

Abraham tätigte seinen Kauf und achtete sorgfältig darauf ihn legal bindend zu machen, damit er einen Vertrag über Landbesitz hatte, der niemals in Frage gestellt werden kann, unabhängig vom Glauben. Und trotzdem finden wir uns heute hier, werden – zumindest theoretisch – mit wenig Rücksicht auf Geschichte oder Recht bezweifelt.

Letzte Woche stimmte bei einem Treffen in Polen die UNESCO, eine UNO-Organisation mit dem Auftrag Welterbestätten zu bestimmen, dafür die Patriarchenhöhle in Hebron zu einer gefährdeten palästinensischen Welterbestätte zu bestimmen. Selbst nach UNO-Standards schockiert diese Entscheidung. Das auf den Gräbern unserer Patriarchen errichtete Gebäude wurde von Juden vor über 2000 Jahren gebaut, rund 700 Jahre vor dem Entstehen des Islam und weit länger bevor es die Idee eines Palästinenserstaats gab.

Ich habe dieses Gebäude oft besucht und was ich dort sehe sind Juden und Muslime, die zusammenleben, die gegenseitigen Rechte zu Gebet respektieren, einen Weg gefunden haben an einem der explosivsten Orte der Welt miteinander auskommen. Die jüngste Abstimmung der UNESCO ist ein direkter Angriff auf das Miteinander und eine Deklaration der Aggression, die versucht das zarte Gewebe Hebrons zu zerreißen.

Eines meiner Lieblingsfotos ist eines, das ich letztes Jahr beim Besuch des Tempelbergs mit einer Gruppe religiöser Juden aufnahm. Wir wurden von einer lauten Gruppe an Menschen belästigt, die uns ins Gesicht brüllten, uns einschüchterten, als wir herumgingen. Es war beängstigend, stressig und traurig, also gingen wir schweigend, um dorthin zu kommen, wohin wir gingen. Der Angriff hielt uns davon ab anzuhalten und das Wunder auf uns wirken zu lassen.

Dann, unmittelbar bevor ich den Berg verlassen wollte, sah ich einen muslimischen Mann, der sich auf einer höher gelegenen Stelle niedergelassen hatte, der sorgfältig in Koran las. Ein älterer Mann, der scheinbar den Tumult nicht bemerkte, der still seine Lippen bewegte, als er den Text durchging. Ich schoss ein Bild in dem Moment, als die Sonne auf seinen Rücken traf, denn das Bild fasste alles zusammen, von dem ich wünschte, dass wir es sein konnten. Diese Frauen, die mich jedes Mal, wenn ich auf den Tempelberg gehe, belästigen, sind weder gläubig noch fromm, sie nutzen diesen heiligen Ort um mich zu verletzen und mich mit wenig Rücksicht auf seine Heiligkeit zu verscheuchen. Aber dieser den Koran studierende Mann war ein Mann im Gespräch mit Gott und das war etwas, das ich nachvollziehen konnte. Mit ihm könnte ein Zusammenleben aufgebaut werden.

Die Menschen, die gefühlskalt die UNO benutzen, um Israel zu delegitimieren und die Lügen verbreiten, um historische Verbindungen auszulöschen, sind nicht die Männer die täglich in der Patriarchenhöhle betten. Es sind Menschen, die für ihre gefährliche Politik bezahlt werden und die bequem in Palästen sitzen, weit weg von den Konsequenzen ihrer Hass-Politik. Und es wird Konsequenzen geben.

Was mich in Sachen der jüngsten UNESCO-Abstimmung vielleicht am meisten aufbringt ist die absolute Gefühlslosigkeit, mit der sie vorgebracht wurde. Wir alle wissen, dass es kein Endspiel gibt. Wir wissen, wenn die dahinter steckenden Leute mit ihrer Machtergreifung erfolgreich sind, dann werden sie weder bereit noch in der Lage sein sich um ihre eigenen Leute zu kümmern. Das ist ein Spiel, ein grausames und gefährliches Spiel, in dem die Frommen die Bauern werden.

Ich nahm das Bild aus einem Grund auf – weil Männer wie er so selten sind. Nicht interessiert an Auseinandersetzungen und dem Text verschrieben; er sah tatsächlich die Schönheit des Berges. Die Männer, die behaupten für ihn zu sprechen, nutzen ihn in Wirklichkeit aus und das ist der Grund, dass ich mich so entmutigt fühle. Es gibt nicht nur keine Friedenspartner, es gibt in Wirklichkeit nur solche, die den Krieg verewigen und dafür scheint es keine Lösung zu geben.

Ein umfassender Blick auf Überlebende

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Mit dem anstehenden Yom HaSchoah wird regelmäßig eine fundamentale Frage gestellt: Wie relevant wird der Holocaust in einer Gesellschaft sein, in der einmal fast alle verbliebenen Zeugen – heute hauptsächlich solche, die als Kinder überlebten – verstorben sind? Elie Wiesel sagte, dadurch, dass die zweite Generation den Aussagen der Zeugen zuhört, wird sie zu Zeugen werden.[1] Das wirft eine weitere Frage auf: Sind einige Erinnerungen eines als Kind Überlebenden tatsächlich Erfahrungen, die sie durchlebten oder Dinge die sie hörten?

Der Fall der Holocaust-Zeugnisse wird noch aktueller, weil die Verwendung „Hitler“ oder „Nazi“ als Beleidigung zunehmend üblich wird. Solche Beleidigungen, um Aufmerksamkeit zu erregen, sind heute populär und werden sogar von nationalen Führungspersönlichkeiten verwendet. Drei mexikanische Präsidenten, einschließlich des aktuellen, Enrique Pena Nieto, verglichen Trump mit Hitler.[2]

Auf staatlicher Ebene ist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan der Hauptverwender solcher Beleidigungen. Er behauptet, er wisse nicht, ob Israel oder Hitler barbarischer seien.[3] Erdoğan hat auch die Niederlande als Naziüberbleibsel bezeichnet.[4] Er verwendet falsche moralischer Äquivalenz derart regelmäßig, dass der Atlantic Erdoğan-Äußerungen dieser Art einen ganzen Artikel widmete.[5]

Aber wenn alle Aspekte dessen, was man „das Frage der Überlebenden“ nennen könnte, diskutiert werden, müssen außer der oben angeführten viele weitere Fragen gestellt werden. Zum Beispiel, welche zusätzlichen wichtigen Informationen Überlebende immer noch bieten können und in welchen Bereichen.

Zu den Antworten gehören Erinnerungen an die Aufnahme der Überlebenden, die sie bei der Rückkehr in die Gesellschaften erlebten, aus denen sie flohen oder deportiert wurden. Es ist viel zu den meist extrem negativen Ereignissen geschrieben worden. Am bekanntesten ist das Pogrom von Kielce in Polen 1946, als polnische Soldaten und Polizisten 42 Juden töteten und 40 verletzten.[6] Es gibt jede Menge mehr, viele davon negativ, aber auch eine beträchtliche Anzahl positiver Erfahrungen.

Eine weitere wichtige Frage betrifft die Migration nach dem Krieg. Zu den großen Fragen für Überlebende gehörte, ob man versuchen sollte dahin zurückzukehren, wo man vor der Verfolgung lebte oder woanders neu anzufangen. Die Hilfe einiger amerikanischer Militärrabbiner und anderer, die bei illegaler Immigration nach Palästina halfen, ist ein interessanter Aspekt der Nachkriegs-Migration, von der viel mehr berichtet werden muss.

Ein weiteres mit den Überlebenden zusammenhängendes Thema von Bedeutung ist die Wiedergründung jüdischer Gemeinden und verschiedener Organisationen in den ehemals besetzten Gebieten. Das ist oft eine Geschichte unglaublichen Durchhaltevermögens. Ein Teil meiner Recherchen berührt ein kleines Gebiet, nämlich die Gründung jüdischer Nachkriegs-Jugendbewegungen in den Niederlanden. Mit der Aufzeichnung ihrer Geschichten erhält man einen Einblick in die Unverwüstlichkeit der jungen Leute, die aus ihren Verstecken kamen oder sogar aus den Lagern zurückkehrten. Zusätzlich ist die Rolle von Soldaten der Jüdischen Brigade in den ersten Nachkriegsmonaten erinnerungswert. Die erste Beschneidung in den Nachkriegsmonaten in den Niederlanden wurde von einem amerikanischen Rabbiner durchgeführt.[7] Zudem ist dokumentiert worden, dass amerikanische Militärrabbiner in einigen französischen Städten bei der Wiedergründung von Gemeinden halfen.[8]

Die Bemühungen von Überlebenden ihe gestohlenes Eigentum zurückzubekommen ist ein weiteres Thema, zu dem viel mehr persönliche Erfahrungen aufgezeichnet werden müssen. Bis zu einem gewissen Umfang wurde für Leiden während des Krieges Geldleistungen erbracht. Deutsche Zahlungen spielen eine dominierende Rolle, aber es gibt viele weitere Fälle von Rückerstattung. 2014 stimmte die französische Eisenbahn der Zahlung von 60 Millionen Dollar an Überlebende, die in deutsche Konzentrationslager transportiert wurden, zu.[9] Mehr als siebzig Jahre nach dem Krieg ist das Thema Entschädigung noch nicht abgeschlossen, vor allem in Osteuropa.

Es ist vorgeschlagen worden die Erfahrungen versteckter Kinder, die nach dem Krieg zwischen ihren Pflegeeltern und ihren echten Eltern pendelten, als Vorläufer von Erfahrungen in zeitgenössischen Gesellschaften zu betrachten.[10] Die komplexen Beziehungen von Kindern geschiedener Eltern und von Stiefeltern ist für viele zu einer Lebenserfahrung geworden.

Auch wie Holocaust-Überlebende mit ihren Kriegserfahrungen fertig wurden, kann denen dienen, die andere Völkermorde überlebt haben. Ein Treffen von Überlebenden der Morde in Ruanda vor zwanzig Jahren bleibt unvergesslich. Sie rangen mit vielen Fragen, die Holocaust-Überlebende gut kennen. Einige der Realitäten der Überlebenden in Ruanda sind sogar noch schlimmer: Sie leben in Dörfern quasi Tür an Tür mit den Mördern ihrer Familien.

Eine ganz andere Reihe Fragen betrifft medizinische, psychologische und soziale Aspekte. Bestimmte Krankheiten gibt es bei Holocaust-Überlebenden öfter als bei anderen Gruppen. Heute weiß man, dass es bei ihnen wahrscheinlicher ist, dass sie Osteoporose, Zahnprobleme, Sehbehinderungen und Herzprobleme haben, Folgen andauernder Mangelernährung in der Kindheit und als junge Erwachsene.[11]

Es gibt eine Notwendigkeit weiterer Forschung zu Übertragung der Traumata von Holocaust-Überlebenden an die nächste Generation.[12] Im Bereich der Epigenetik sollen einige Kinder von Überlebenden ausgeprägte Veränderungen ihrer Chromosomen zeigen, die das Ergebnis der Erfahrungen und Traumata ihrer Eltern sind.[13] Das Thema der epigenetischen Übertragung bleibt umstritten.

Es gibt noch viele weitere potenzielle Forschungsprojekte. Eines hat mit dem Beitrag der Überlebenden zu ihren Nachkriegsgesellschaften zu tun. Andere sollten sich mit der Geschichte und Rolle von Organisationen beschäftigen, die Überlebenden halfen. In Begriffen akademischer Debatte zu dem, was die größte Auswirkung auf das Leben einer Person, d.h. Erbanlagen oder Lebenserfahrungen usw. hat, ist Erfahrung für Holocaust-Überlebende in der Regel der dominierende Faktor gewesen.

All das oben Angeführte und mehr deutet darauf hin, dass eine allumfassend breite Analyse von Themen betreffs der Überlebenden unternommen werden muss. Und das sollte deutlich vor der Zeit gemacht werden, in der sie nicht mehr unter uns sind.

[1] http://www.nytimes.com/2000/01/17/us/the-second-generation-reflects-on-the-holocaust.html

[2] http://www.reuters.com/article/us-usa-canada-pena-nieto-idUSKCN0ZF2JD

[3] http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/erdogan-turkish-president-israel-hitler-more-barbarous-gaza-interview-palestinians-decide-holocaust-a7431311.html

[4] http://www.telegraph.co.uk/news/2017/03/11/erdogan-calls-dutch-fascists-row-turkey-netherlands-escalates/

[5] http://www.theatlantic.com/news/archive/2017/03/turkey-erdogan-nazis/519528/

[6] http://www.ushmm.org/wlc/en/article.php?ModuleId=10007941

[7] Persönliche Kommunikation mit Rafael Medoff

[8] Françoise S. Ouzan/Manfred Gerstenfeld (Hg.): Postwar Jewish Displacement and Rebirth 1945-1947. Leiden/Boston (Brill) 2014), S. 112-136.

[9] http://www.bbc.com/news/world-europe-30351196

[10] Diane L. Wolf, Beyond Anne Fank, Hidden Children and Postwar Families in Holland, (Berkeley: University of California Press, 2007), 336.

[11] http://www.socialworktoday.com/archive/012113p8.shtml

[12] https://yadvashem.org/yv/en/education/languages/dutch/pdf/kellermann.pdf

[13] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24029109