Wenn Koexistenz ihren schönen Kopf hebt

Für die Einwohner Galiläas, Juden wie Araber, gab es während der Fluten von letzter Woche, nichts Seltsames daran, dass ein Araber einen Juden rettet oder umgekehrt.

Jalal Bana, Israel HaYom, 15. Januar 2020

Die Überschwemmungskatastrophe von letzter Woche, die einen Einwohner von Nahariya das Leben kostete, legte nicht nur die Infrastrukturprobleme und fehlerhafte Planung und Bautätigkeit in Israel offen, sondern auch die Realität des echten Lebens zwischen Juden und Araber in Galiläa.

Die arabischen „Traktoristen“ – die nahe Nahariya lebenden Fahrer schweren Geräts – sprangen in ihre Fahrzeuge, von sich aus, und eilten den Einwohnern von Nahariya zu Hilfe. Niemand bat sie das zu tun, ebenso wenig wurden sie von den Notfalldiensten auf den Plan gerufen. Sie traten einfach heran, um Freunden in Not zu helfen und diese Demonstration von Solidarität half Leben zu retten, in der Flut festsitzende Einwohner zu retten und Straßen frei zu machen.

Für alle Einwohner Galiläas, Juden wie Araber, gibt es nichts Seltsames daran, dass ein Araber einen Juden rettet oder umgekehrt. Es gibt viele arabische Gemeinden um Nahariya, deren Einwohner tagtäglich mit der Stadt interagieren, ihren Lebensunterhalt verdienen, ihre Dienste nutzen oder Freizeit verbringen. Für die Generation, die um die Zeit der Staatsgründung geboren und aufgewachsen war, war Nahariya immer eine Quelle des Lebensunterhalts. Für die zweite und dritte Generation war Nahariya die Stadt, die ihrem Dorf an nächsten lag, ein Ort für Arbeit, Konsum und eine gute Zeit – und für eine beträchtliche Anzahl Araber ein Ort, um in Grundstücke zu investieren.

Die Fahrer des schweren Geräts zeigten sich schnell mit einem instinktives Gefühl für lokale Solidarität der Lage gewachsen, aber auch aufgrund ihre persönlichen Beziehungen zu vielen der dort lebenden Menschen und den nahe gelegenen Moschawim und Kibbuzim. Trotz der Spaltungen, die Politiker mit beschränkten Interessen ständig zu verschärfen versuchen, ist das Gefühl der Verantwortung und Zuwendung für einander unter den Juden und Arabern Galiläas stark und greifbar. Araber und Juden sind miteinander in allen Aspekten des Lebens verknüpft. Betrachten Sie z.B. das Krankenhaus in Nahariya, das Galilee Medical Center. Juden werden von arabischem medizinischem Personal behandelt – und umgekehrt – und das Krankenhaus selbst wird von Dr. Masad Barhoum, einem Araber, geleitet.

Viele Jahre lang wurde Nahariya von rechten Politikern regiert, hauptsächlich vom Likud und nationalreligiösen Parteien, aber anders als einige ihrer ranghöheren Parteigenossen auf nationaler Ebene sprachen sie nie abfällig über die arabische Öffentlichkeit und stellten sie nie als Bedrohung dar. Ganz im Gegenteil, sie kultivierten ausgezeichnete Verbindungen zu den arabischen Einwohnern Galiläas.

Die Region Galiläa und alles, was sie umfasst, kann eine wichtige Lektion für die Führer und Abgeordneten des Landes bieten. Es ist eine Lektion in Koexistenz, Toleranz und gegenseitiger Hilfe. Der einst vor den „Scharen an Arabern“ warnte, die zu den Wahllokalen gingen, kam diese Woche in Nahariya an und sah mit seinen eigenen Augen die gute und schöne Seite der arabischen Bürger des Landes, die in Scharen ankamen, um ihren jüdischen Nachbarn aus einem Ort ernster Besorgnis und echter Angst um ihr Leben zu helfen. Sie hielten natürlich nicht an, um darüber nachzusinnen, ob die Menschen, denen sie halfen, Juden oder Araber waren.

Es gibt keine Zweifel, dass es hier auch Probleme und Spannungen gibt, die in Ideologie und Politik wurzeln, ganz zu schweigen von historischem Ballast. Aber die Menschlichkeit der Menschen scheint in den schwierigen Momenten durch. Es gibt in Galiläa soziale Probleme und Sicherheitsbedrohungen und es gibt benachteiligte Bevölkerungen, Juden wie auch Araber. Trotz allem sind die Einwohner des Gebiets zur Koexistenz entschlossen. Im Gegensatz zum Bild, das man sich infolge des polarisierenden und nicht hilfereichen politischen Diskurses vorstellen könnte, sind die aus Nahariya kommenden Bilder ein weit korrektere Spiegel der Wirklichkeit.

Arutz Sheva-Autor als führender Antisemitismus-Forscher anerkannt

Dr. Manfred Gerstenfeld schreibt regelmäßig auf Arutz Sheva (und abseits vom mainstream – heplev), ist Hauptredner der CIJR-Gala, listet Prioritäten im Kampf gegen Antisemitismus.

Israel National News, Redaktion, 8. Dezember 2019

Marchla Abramovitz überreicht Dr. Gerstenfeld die Auszeichnung (Foto: INN/MG)

Dr. Manfred Gerstenfeld, Autor für Arutz Sheva, wo er regelmäßig Beiträge veröffentlicht, war am 1. Dezember der Hauptredner auf der jährlichen Gala des Canadian Institute for Jewish Research (CIJR) in Montreal.

Auf der Gala wurde Gerstenfeld die Auszeichnung International Lion of Judah (Internationaler Löwe von Juda) des CIJR für „hervorragende Dienste für Israel und das jüdische Volk“ verliehen. Die Einladung zum Abend kündigte ihn als die anerkannte führende internationale Autorität auf dem Gebiet des Antisemitismus an.

In seiner Rede vermerkte Gerstenfeld drei strategische Prioritäten im Kampf gegen fast grenzenlose antisemitische Bedrohungen; zuvor erklärte er, dass es gemäß der globalen Studie der Anti-Defamation League, weltweit mehr als eine Milliarde Antisemiten gibt. Diese Zahl bezieht sich nur auf den klassischen religiösen und ethnisch-nationalen Antisemitismus. Nicht eingerechnet sind Menschen, die sich nur als antiisraelisch betrachten. Er merkte an, dass diese Erkenntnis sich in rund 75 Antisemiten auf jeden Juden übersetzt, Babys und selbsthassende Juden eingeschlossen.

Gerstenfeld definierte seine drei Prioritäten wie folgt:

  • Er forderte die Bildung einer Agentur für Propagandabekämpfung, die für die israelische Regierung höchste Priorität haben sollte. Nur eine solche Organisation kann sich systematisch um die weit verbreiteten Hasskampagnen gegen Israel und die Juden weltweit kümmern. Israel hat die Gelder zur Verfügung, um eine solche Organisation zu gründen und zu unterhalten. Eine solche Agentur könnte den vielen proisraelischen Organisationen und Einzelpersonen unschätzbare Hilfe bieten. Gerstenfeld nannte Beispiele dafür, wie leicht es war Pro-BDS-Akademiker davon abzuschrecken diese antisemitische Aktivität zu unterstützen.
  • Die zweite Priorität nach Gerstenfeld besteht darin in erster Linie nichtjüdische Politiker und andere Prominente zu überzeugen, dass sie eingestehen, dass Antisemitismus mehr als tausend Jahre lang integraler Bestandteil westlicher Kultur gewesen ist. Wie sich die Kultur entwickelte, machten es auch der Antisemitismus und seine Mutationen.

Gerstenfeld führte als Beispiel dafür die horrende falsche Vorstellung an, dass Juden absolut böse sind. Im Christentum bestand solches Übel darin, dass Juden für den Tod des behaupteten Sohnes Gottes, Jesus, verantwortlich gemacht wurden. In der schlimmsten Erscheinungsform ethnischen Nationalismus, dem Nationalsozialismus, waren die Juden absolut böse, weil sie als Untermenschen betrachtet wurden. Als Ungeziefer oder Bakterien, entschieden die Nazis, sollten Juden ausgelöscht werden.

Im Weiteren hob Gerstenfeld heraus, dass der Nationalsozialismus und die Planung von Völkermord heute die Symbole des absolut Bösen sind. Im übelsten Antiisraelismus wird Israels Handeln gegenüber palästinensischen Arabern fälschlich dem der Nazis gegen die Juden gleichgesetzt. Er fügte hinzu, dass Israel zudem fälschlich beschuldigt wird Völkermord an den palästinensischen Arabern zu planen. Mehr als 150 Millionen von 400 Millionen erwachsenen EU-Bürgern glauben diese Verleumdung.

Gerstenfeld fügte hinzu, wenn erst einmal akzeptiert wird, dass westliche Kultur von Antisemitismus durchdrungen ist, dann wird es leichter viele zeitgenössische Fälle von Antisemitismus in historischer Perspektive aufzudecken. Wenn Juden und Nichtjuden erst einmal darin übereinstimmen, wird es möglich effektiver gegen diesen ältesten Hass vorzugehen.

  • Als dritte, aber nicht weniger wichtige Priorität als die beiden ersten, nannte Gerstenfeld die Notwendigkeit jüdische Masochisten zu entlarven. Er sagte, dass es in der jüdischen Tradition eine langjährige Strömung des Masochismus gibt. Zeitgenössische jüdische Masochisten in Israel und im Ausland behaupten, Israel müsse perfekt sein, während andere das nicht sein müssen. Sie werden selten, wenn überhaupt, jemandem sagen, dass Israels Feinde etwas falsch machen. Das ist gemäß der am meisten anerkannten Definition des Antisemitismus eine antisemitische Einstellung; diese Definition ist die der Holocaust-Gedenkallianz (IHRA).

Jüdische Masochisten, fuhr er fort, sind die idealen nützlichen Idioten, um von Israels Feinden manipuliert und benutzt zu werden. Diese können sich immer auf Äußerungen dieser Masochisten stützen, um Israel zu kritisieren. Ein Beispiel für einen prominenten jüdischen Masochisten, sagte Gerstenfeld, ist einer der  Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten Bernie Sanders. Sanders hat Netanyahu als Rassisten bezeichnet, während er zu Mahmud Abbas schwieg, der sagte, dass im zukünftigen Palästinenserstaat keine Israelis leben werden.

Gerstenfeld sagte, dass viele jüdische Aktivisten, die jüdische Masochisten kennen, diesen sagen, dass sie, indem sie Israel aussondern und zur Kriminalität der Palästinenser schweigen, antisemitisch handeln.

Er stellte weiterhin heraus, dass die zentralen Kräfte, die in der westlichen Öffentlichkeit Hass auf Israel verbreiten, aus der liberalen Linken kommen. Muslimische Fanatiker und Rechtsextremisten sind weit gewalttätiger, sind jedoch in Mainstream-Medien und Politik marginal.

Gerstenfeld sprach zudem das Thema freie Meinungsäußerung an. Freie Meinungsäußerung in sozialen Medien hat zu einer Explosion des Hassredens geführt. Diejenigen, die für unbegrenzte freie Meinungsäußerung sind, unterminieren indirekt die westliche Demokratie. Er fuhr fort, das die Interaktion von Juden mit der Gesamtgesellschaft es ermöglicht, dies und viele andere Probleme weit klarer zu erkennen.

Gerstenfeld wurde vom ehemaligen kanadischen Justizminister und führenden internationalen Menschenrechtsaktivisten Irwin Cotler vorgestellt, der zu seinen Ehren sprach und ihn einen Universalgelehrten nannte. Es gab zudem lobende Videos von Rabbi Abraham Cooper, dem Prodekan des Simon Wiesenthal Center in Los Angeles sowie Hillen Neuer, dem Direktor von UN Watch in Genf. Professor Alvin Rosenfeld, der Direktor des Institute for the Study of Contemporary Antisemitism an der Indiana University, schickte einen geschriebenen Text voll Lob, der von Professor Fred Krantz, dem Direktor des CIJR, vorgelesen wurde.

In früheren  Jahren wurde Gerstenfeld, der der emeritierte Vorsitzende des Jerusalem Center for Public Affairs ist, vom Journal for the Study of Antisemitism eine Auszeichnung für sein Lebenswerk sowie der International Leadership Award des Simon Wiesenthal Centers verliehen.

Die die Juden verfluchen und die die Juden segnen

heplev, 22.10.2002

Vorbemerkung: In der US-Diskussion um Christen und Juden scheint es so zu sein, dass die jüdische Seite vor allem die Endzeit-Varianten der Christen als Grund für christliche Unterstützung Israels wahrnimmt. Bei meinen noch recht wenigen Diskussionen um die Gründe für die Unterstützung Israels durch evangelikale Christen ist mir die endzeitliche Begründung bisher nicht begegnet. Gerade unter diesem Aspekt scheint mir die Idee dieses Textes sehr viel mehr zur Begründung des christlichen Eintretens für Israel beizutragen und stärker der Motivation der Christen für ihre Haltung dem jüdischen Staat gegenüber zu entsprechen.

Es gibt in der Bibel im Ersten Buch Mose (Genesis) eine interessante Ankündigung Gottes an Abraham: „Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ (1. Mose 12,3)

Als ich in einem Artikel von David Parsons diesen Vers las, wurde ich schon etwas nachdenklich. War das ein Versprechen, das nur Abraham galt? Oder steckt da noch mehr dahinter? Galt das Versprechen für Abrahams („legitime“) Nachkommenschaft – die Juden? Gibt es ein ähnliches Versprechen auch an Jakob, den ersten mit dem Namen „Israel“? Und wie sieht es mit Ismael aus?

Für die Annahme, dass das Versprechen des Segens und des Fluchs für die Nachkommen in der Linie Abraham – Isaak – Jakob gilt, spricht z.B. auch, dass Abraham und seinen Nachkommen das Land Kanaan verheißen wurde. In 1. Mose 13,15 spricht Gott zu ihm: „Das ganze Land, das du siehst, will ich dir und deinem Samen geben auf ewig.“ Es besteht wohl Einigkeit, dass dieses Versprechen Israel gilt, nicht Ismaels Nachkommenschaft. Andernfalls wäre es nicht Jakob gegenüber wiederholt worden, wäre Israel nicht aus Ägypten in dieses Land zurück gekommen und hätte es vollständig erobert. Die Nachfahren Ismaels lebten in der Wüste, nicht in Kanaan.

In 1. Mose 31,9-15 werden alle Verheißungen an Abraham für Jakob/Israel bestätigt. Sie gelten für Jakob und seine Nachfahren. Ich denke, damit sind die Dinge klar: Die Verheißung des Fluches und des Segens gilt nicht nur Abraham, sondern auch den Israeliten/Juden insgesamt.

Das ist die Haltung evangelikaler Christen, die Gottes Wort ernst nehmen. Der amerikanische Pastor Jerry Falwell erklärte in einer „Fernsehpredigt“ aus seiner Kirche heraus bereits in den 1970-er Jahren, dass dieser Vers, 1. Mose 12,3, weiter gilt und er lieber sein Auto aufgeben und Fahrrad fahren würde, als der arabischen Erpressung durch die Ölkrise von 1973 nachzugeben und Israel zu verraten.

Seitdem ist der Vers immer wieder in christlichen Versammlungen angeführt worden, um damit die Unterstützung Israels biblisch zu begründen. Das geschieht sicher zurecht. Die Frage ist vielleicht, inwiefern man das nicht nur als Glaubensgrundsatz betrachtet, sondern auch belegen kann. Wie „objektiv wahr“ ist dieser Vers?

Ich bin überzeugt, dass das gezeigt werden kann. Deshalb einige kurze Gedanken und Beispiele. Man kann in der Geschichte weit zurück gehen und die Weltreiche betrachten und was aus ihnen geworden ist. Die Griechen, die Römer usw. haben ihre Weltreiche verloren. Andere ebenfalls. Was ist aus Ägypten geworden? Diese Hochkultur war spätestens mit der Eroberung Alexanders des Großen Vergangenheit. Seine griechischen Nachfolger wurden von den Juden gestürzt, als sie das Judentum vernichten und die Juden zwingen wollten griechisch zu leben, zu denken, zu glauben. Die Römer befanden sich spätestens nach dem Bar Kochba-Krieg um 130 n.Chr. auf dem absteigenden Ast, auch wenn das westliche Rom noch rund 300 Jahre und Byzanz bis ins 16. Jahrhundert bestanden.

Aber so weit müssen wir nicht einmal zurück gehen. Nehmen wir die letzten 500 Jahre. Im 15. Jahrhundert wurde Spanien zu einem der mächtigsten Staaten der Welt und hatte eine weit entwickelte Kultur. 1492 „entdeckte“ Kolumbus Amerika und in der Folge wurde der spanischen Krone ein die Welt umspannendes Reich geschaffen. Aber dieses Datum, 1492, ist dasselbe Jahr, in dem Spanien alle Juden auswies und die spanische Inquisition gegen sie verstärkte. Es zwang viele Juden zum Katholizismus zu konvertieren oder unter der Folter zu sterben. Nach einer kurzen Zeit als Weltmacht sank Spanien in einen Status des „kranken Mannes Europas“ ab. Aller Glanz und alle Macht waren dahin. Es verlor seine Vormachtstellung als Seemacht an England schon Ende des 16. Jahrhunderts; Napoleon eroberte Spanien, das ausgerechnet auf die Engländer zählen musste, um von diesem Joch befreit zu werden. Seine Kolonien verlor es früher als alle anderen europäischen Nationen. Geschichtlich spielte es keine Rolle mehr. Davon hat es sich bis heute nicht wirklich erholt. Und alles, nachdem es sich Jahrzehnte in Judenverfolgung geübt hatte.

Wie ist es mit Deutschland und Österreich im 20. Jahrhundert bestellt? Sie waren kulturelles und intellektuelles Zentrum Europas, wenn nicht sogar der Welt – bis zur Nazizeit und dem Zweiten Weltkrieg. Dann ging Deutschland unter Hitler dazu über, das fürchterlichste Massaker an den Juden anzurichten, das die Geschichte je gesehen hat. Dafür wurde es mit einer der vernichtendsten militärischen Niederlagen eines Staates in der Geschichte geschlagen und mit Jahrzehnten der Teilung seiner Nation. Das alles hat riesiges Leid über Deutschland gebracht. Und während es uns heute materiell wieder recht gut geht, ist unser Volk kulturell nicht mehr von großer Bedeutung. Deutsche Künstler und Intellektuelle sind im Ausland wenig bekannt. Die Jugendkultur ist von Amerika bestimmt. Eine führende Stellung Deutschlands in der Welt ist heute wenig denkbar.

Wie sieht es gegenwärtig aus? Wer segnet heute die Juden am meisten und wer verflucht sie am meisten?

Es sieht so aus, dass die USA der Staat ist, der am meisten für den jüdischen Staat – und damit für das jüdische Volk – tut und ihn gegen die unterstützt, die ihn vernichten wollen. Die USA sind der Staat in der Welt, der am meisten Wohlstand vorweisen kann, der zumindest die Kultur des Westens bestimmt und politisch DIE Führungsnation schlecht hin ist.

Im Gegensatz dazu ist die Sowjetunion, die die Juden ebenso verfolgte, wie vorher der russische Staat, in der Versenkung verschwunden; ihre Nachfolgestaaten vegetieren weitgehend vor sich hin. Das gilt auch für Russland, obwohl es (gnädigerweise) in den Club der G7 aufgenommen wurde, der 7 mächtigsten Industrienationen, die sich jetzt G8 nennen. Aber es ist dort eigentlich nur als potenzieller Markt vertreten und als Bittsteller, der wegen seiner Größe etwas mehr Respekt als andere Schuldnerstaaten bekommt.

Wenn es stimmt, dass Somalia und Jugoslawien die Staaten waren, die die meisten (der gehässigen) UN-Resolutionen gegen Israel einbrachten und wir sehen, was heute aus ihnen geworden ist, welche Schlüsse sollten wir daraus ziehen?

Am meisten werden die Juden – und ich schreibe hier bewusst „die Juden“ und nicht Israel! – aus dem arabisch-islamischen Lager verflucht. Dieses steht Nazideutschland in der Allgegenwart und Intensität des Judenhasses in nichts nach. Und wie geht es diesen Staaten?

Nach dem Bericht über den Zustand der arabischen Gesellschaft, den eine Gruppe arabischer Gelehrter für die UNO erstellte, liegt dieser Teil der Welt meilenweit hinter dem Rest der Menschheit zurück, egal, ob man soziale, moralische oder intellektuelle Indikatoren nimmt. Und es gibt keinen Zweifel, dass die über ein halbes Jahrhundert alte Beschäftigung mit dem Versuch der Zerstörung Israels die Leiden der arabischen Welt eigentlich nur verschlimmert hat.

Den Palästinensern ging es wirtschaftlich und sozial seit 1967 langsam besser – bis Arafat und seine Truppen 1994 zurückkehrten und das Regime in den „Palästinensergebieten“ übernahm. Seitdem ging es in allen Bereichen bergab. Ägypten hatte einen Aufschwung, als es Frieden mit Israel schloss; Jordanien auch. Aber beiden geht es inzwischen sehr schlecht. Die Haupteinnahmequelle, der Tourismus, ist bei beiden weitgehend am Boden, seit sie ihre Feindschaft gegen Israel wieder offen zur Schau stellen. Was ist mit dem riesigen Ölreichtum der arabischen Staaten? Er nutzt ihnen nichts, sie haben inzwischen alle Haushalts-Defizite und hängen zum Teil von Hilfen aus dem Ausland ab. Saudi Arabien kann nicht existieren, wenn es nicht sein Öl in den Westen exportiert. Es ist so abhängig von diesen Geldern, dass es eine Ölkrise wie in den 70-er Jahren unbedingt verhindern will (und das auch schon getan hat). Von Staaten wie Syrien, Irak usw. brauchen wir gar nicht erst zu reden.

Es ist nicht „objektiv“ oder wissenschaftlich beweisbar, dass Gott diejenigen segnet, die Israel segnen und die verflucht, die Israel verfluchen. Aber die Belege aus der Geschichte und der Zustand der Welt in unserer Zeit deuten an, dass es tatsächlich eine reale Verbindung zwischen dem Zustand einer Gesellschaft und ihrer Behandlung der Juden gibt. Ich denke, dass sollten wir äußerst ernst nehmen. Und das gilt vor allem für die Verfechter der Ersetzungstheologie, die glauben, dass alle Verheißungen an Israel auf die Christen über gegangen sind und Israel von Gott verlassen ist.

Wer nicht glauben will, dass Gottes Versprechen der Segnung und des Fluches gegen Abraham auch seinen (jüdischen) Nachfahren gilt, der sollte sich einmal die Geschichte Bileams durchlesen, wie er Israel segnen musste, obwohl der König der Moabiter ihn holen ließ, um es zu verfluchen. Dabei fällt in 4. Mose 24,9 folgender Satz: „Die dich segnen, sind gesegnet und die dich verfluchen, sind verflucht!“ (Elberfelder Übersetzung). Ein Versprechen Gottes praktisch wortwörtlich wiederholt, Jahrhunderte nachdem es an Abraham gegeben wurde. Die Bibel ist hier eindeutig.