Ehemaliger Premier Malaysias: Juden „mussten immer wieder massakriert werden“

Marisol Seibold, Jihad Watch, 24. Januar 2010

Vorbemerkung: Mahathir Mohammed ist der malaysische Ministerpräsident, der 2003 die muslimische Welt aufrief, sich ein Beispiel an den Juden zu nehmen, um erfolgreich sein zu können. Dazu zählte er alle „Verbrechen“ auf, denen er die Juden bezichtigen konnte. Es gab (nicht nur) in Deutschland eine ganze Reihe Israel freundlich gesinnter Leute, die glaubten, mit dieser Rede habe sich Mahathir als moderat und judenfreundlich erwiesen. Ich hatte damals eine Auseinandersetzung mit einem pensionierten Bundeswehroffizier mit verklinkertem Haus im Hamburgischen, der meinte, er sei erfahren und ich junger Schnösel sollte gefälligst auf ihn und seine Erfahrung hören und sich empörte, dass ich Mahathir als Antisemiten bezeichnete und nicht auf seine Erfahrungen hören wollte. Vielleicht bekommt dieser erfahrene Mann ja diesen Text auch mal zu Gesicht. Und eventuell, ganz eventuell kommt dieser gute, erfahrene Mann mit nicht blauen Augen dann doch noch auf den Trichter…

Mahathir Mohammed ist für Äußerungen wohlbekannt, die für westliche Ohren empörend sind. Andrew Bolt stellt aber fest, dass Mahathir nicht im leeren Raum zu diesen Ansichten gekommen ist. Werden wir unzweideutige Verurteilungen Mahathirs erleben (und zwar nicht nur durch engagierte Holocaust-Leugner) oder die üblichen Behauptungen, dass seine Worte aus dem Zusammenhang gerissen wurden?

Andrew Bolt: Mahathir: „Jews had to be periodically massacred“, in: Courier Mail, 23. Januar:

Dieser Juden hassende, Terroristen rechtfertigende Verschwörungstheoretiker war tatsächlich der gewählte Regierungschef Malaysias – und sprach auf einem muslimischen Zusammentreffen, bei dem er erwartete, dass seine Ansichten Unterstützung erhalten würden:

Malaysias ehemaliger Premierminister Mahathir Mohammed sagte Mittwoch, es gebe „starke Beweise“ dafür, dass die USA die Terroranschläge vom 11. September gefaket hätten, um eine Ausrede zu haben, gegen die Muslime in den Krieg zu ziehen.

„Es gibt starke Beweise dafür, dass die Anschläge inszeniert haben. Wenn sie Avatar machen können, können sie alles machen“, sagte Mahathir der Konferenz zur Unterstützung von Al-Quds (Jerusalem); so wurde in den örtlichen Medien zitiert. [Wahrscheinlich das seltsamste Kompliment, das James Cameron jemals erhalten hat. – M.]

Der ehemalige Premier machte außerdem die Juden für die Verhinderung von Fortschritten in der US-Außenpolitik verantwortlich. Er äußerte seine Enttäuschung darüber, dass Barack Obama den Krieg in Afghanistan noch nicht beendet und das US-Terror-Gefangenenlager in Guantánamo geschlossen hat; dazu erklärte er: „Es gibt in den Vereinigten Staaten Kräfte, die verhinderten, dass der Präsident einige Dinge erledigte. Eine dieser Kräfte ist die jüdische Lobby.“

Jude seien „immer schon ein Problem in europäischen Ländern gewesen. Sie mussten in Ghettos gesperrt und immer wieder massakriert werden. Aber trotzdem blieben sie, sie gediehen und sie erpressten ganze Regierungen“, sagte Mahathir.

„Selbst nach dem Massaker der Nazis von Deutschland an ihnen überlebten sie, um weiterhin eine Quelle noch größerer Probleme für die Welt zu sein.“

Bolt fährt fort:

Hier die beängstigende Frage: Für wie viele Muslime spricht Mahathir?

Und vielleicht sollten wir endlich einmal fragen, in welchem Ausmaß der schändliche Fanatismus und das Opfertum dieses Mannes vom Islam getrieben ist, statt einmal mehr uns für seine Widerwärtigkeit verantwortlich zu machen, wie in diesem kürzlich unternommenen Versuch in The Age:

Malaysias Beziehung zu Canberra war bestenfalls gereizt und Diplomaten konnten nicht verstehen, warum Dr. Mahathir eine solch verbitterte Haltung einnimmt. Barry Wain, ein australischer Journalist, der Dr. Mahathir seit 37 Jahren beobachtet, bietet einige Antworten auf das Geheimnis.

1969 wurde Dr. Mahathir, Politiker in erster Amtszeit und aufsteigender politischer Star, auf eine voll vom Außenministerium in Canberra bezahlte Reise nach Australien eingeladen. Er verlor allerdings bei den Wahlen desselben Jahres seinen Sitz und ein paar Tage vor seiner geplanten Abreise bat Australien ihn den Trip zu verschieben…

Zwei Jahre später akzeptierte Dr. Mahathir das Angebot der australischen Regierung Canberra nach einem Seminar an der Monash-Universität zu besuchen, zu dem er auf eigene Kosten anreiste, nur um die Gastfreundschaft in der Hauptstadt so kalt zu befinden wie das Wetter. In seinem Buch „Malaysian Maverick: Mahathir Mohammed in Turbulent Times“ gibt Wain an, dass Dr. Mahathir nie vergaß, wie er all die Jahre behandelt wurde.

Erklärt also kaltes Gastgeberverhalten in Canberra auch, warum Mahathir glaubt Juden hätten „in Ghettos gesperrt und immer wieder massakriert“ werden müssen? Oder hat irgendein Glaube oder eine Ideologie ihn zu diesem Schluss getrieben?

Viele sind nur allzu bereit umständliche und unlogische Erklärungen statt einer unangenehmen zu akzeptieren.

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Und die wollen ernsthaft keine Antisemiten sein?

Es ist keine Frage, dass die gestriegen Terroranschläge in Paris natürlich von gewissen Leuten auf die einzig mögliche Weise benutzt werden, die Israelhassern möglich ist. Vielleicht ist es diesmal besonders wichtig den Menschen etwas ins Hirn zu pflanzen, bevor die Beweise auf zu überwältigenden Weise die Schuldzuweisung verunmöglichen – es muss schnell noch vorher der Same des Hasses auf Israel gesät werden.

Im Gefolge der Mordanschläge vom 13. November in Paris mit mindestens 127 Toten hat es wieder einmal bezeichnende Äußerungen der Free Gaza-Mitbegründerin Mary Hughs-Thompson gegeben. Auf twitter schrieb sie:

Screenshot_Mary Hughs-Thompson_BDS_1Ich habe Israel nicht beschuldigt beteiligt zu sein.
Aber Bibi ist empört wegen des europäischen Siedlungsboykotts.
Also wer weiß?

Es ist nicht das erste Mal, dass Frau Thompson nach einem Terroranschlag in Frankreich Israel als Täter ins Spiel bringt. Diesmal gibt sie sich etwas zurückhaltender als im Januar (Charlie Hebdo). Damals schrieb sie:

„Hebdo-Tötungen unentschuldbar. Kann aber nicht anders als zu denken: Täuschungsmanöver von JSIL-Mossad…“

(JSIL ist das Akronym für „Jüdischer Staat in der Levante“, ein Begriff, der von Antiisrael-Aktivisten benutzt wird, um Israel mit ISIS gleichzusetzen.)

Natürlich verwahrt sich Hughs-Thompson gegen den Vorwurf des Antisemitismus – sie ist nur „gegen Zionisten“, egal ob jüdische oder christliche. Da ist sie ja fein raus. Daniel Clyden schreibt aber zurecht: „Sie verweigern den Juden – und nur den Juden – das Recht auf Selbstbestimmung.“ Judenhass kann man kaum besser beschreiben.

Sie macht in einem weiteren tweet klar, wie sie denkt:

Screenshot_Mary Hughs-Thompson_BDS_2Israel erfand den Terrorismus. Israel ist verantwortlich für einen Großteil heutigen des Terrorismus rund um die Welt, zusammen mit den USA.

Herzlichen Glückwunsch. DAS kann ja gar nicht antisemitisch sein, da sind die USA dabei. Auch wenn es weiter gegen Israel geht – womit immer die Juden Israels gemeint sind, nicht die Araber:

Wäre nicht überrascht, wenn Israels dreckige Finger da irgendwo drin steckten. Tun sie gewöhnlich.

Sie geht also nicht so weit wie ihre Kumpanin Greta Berlin (ebenfalls Free Gaza); die befand zum Massaker bei Charlie Hebdo: „MOSSAD beschoss grade das Pariser Büro von Charlie Hebdo in einem Täuschungsmanöver, das der Vereinbarung zwischen Palästina und Frankreich schaden soll. [Es gab damals gerade einen Beschluss des französischen Parlaments, mit der die Regierung aufgefordert wurde „Palästina“ anzuerkennen – von einer Vereinbarung konnte nicht die Rede sein.] … Israel sagte Frankreich, es würde ernste Konsequenzen geben, wenn sie für Palästina stimmen. Ein Vierjähriger kann durchschauen wer für diesen furchtbaren Anschlag verantwortlich ist.“

Leute, die derart besessen davon sind, dass nur Juden (die Juden Israels) für alles Übel der Welt, für Terror und Mord verantwortlich sein können, kann man nur als eins bezeichnen: absolute Judenhasser. Und wenn sie in führenden Positionen bei irgendwelchen Organisationen tätig sind, können diese Organisationen nicht anders sei als die, die in ihnen das Sagen haben. Free Gaza ist ein Haufen antisemitischer Hetzer. Basta.

Aus die Maus: BDS ist das Gesicht des modernen Antisemitismus

Der Versuch Matisyahu zu boykottieren hat einen unbezahlbaren Blick in die einzigartige Struktur des zeitgenössischen Antisemitismus geboten – und zeigt uns, wie er bekämpft werden kann.

Ari Soffer, Israel National News, 23. August 2015

Die Debatte darüber ob die BDS-Bewegung – die Boykotte, De-Investitionen und Sanktionen gegen den Staat Israel fordert – antisemitisch ist, tobt seit deren Gründung vor etwa einem Jahrzehnt.

Als Beweis ihres Antisemitismus deuten die BDS-Gegner auf die Tatsache, dass sie den jüdischen Staat (eigentlich besonders die israelischen Juden und jüdische Institutionen/Firmen in Israel, nicht israelische Araber) aussondert, während sie massive Menschenrechtsverletzungen anderswo in der Region ignoriert – selbst wenn sie, wie z.B. in Syrien, an anderen Palästinensern verübt werden.

Sie führen weiterhin die schaurigen Ähnlichkeiten zwischen den Kampagnen zum Boykott (von Juden) im jüdischen Staat und früheren antisemitischen Boykottkampagnen in Europa (z.B. die von Nazi-Deutschland verübten) an. Und natürlich ist da die Frage der vielen offenen Antisemiten, die vom BDS und breiteren antiisraelischen Bewegungen aus allen Ecken des politischen Spektrums angezogen werden.

Die BDS-Unterstützer begegnen diesem Argument weitgehend damit, dass sie auf die nicht unbedeutende Handvoll Juden zeigen, die eine – manchmal herausragende – Rolle in ihrer Kampagne spielen, ebenso auf die Tatsache, dass (in ihren eigenen Worten) sie öffentlich jede Form von Rassismus ablehnen. Wie kann eine Kampagne, an der Juden beteiligt sind und die Rassismus ablehnt, eine antisemitische sein?

Die jüngste Saga zu Matsyahus Auftritt beim Rototom Sunsplash-Festival sollte diese Debatte ein für alle Mal beenden. Nach den Ereignissen der letzten Wochen sollte es mehr als klar sei, dass BDS nicht nur völlig antisemitisch ist, sondern sie und die breitere Antiisrael-Bewegung sind in der Tat gerade das Symbol des modernen Antisemitismus.

Es geht nicht um das „Warum-Geeiere“

Es geht nicht darum, dass BDS Matisyhau aufgrund der fadenscheinigen Grundlage der Sorge um „Menschenrechte“ ins Visier nahm, während die extrem homophoben Künstler ignoriert werden, die auf demselben Festival auftraten. Sicher, diese Scheinheiligkeit ist ein Kennzeichen der Schande für die Festival-Organisatoren; die Wiedereinladung Matisyahus macht die Tatsache nicht ungeschehen, dass sie ihn als „Verdächtigen“ behandelten, weil er ein pro-israelischer Jude war, während mit Homophoben, die das Verbrennen von Schwulen befürworten, nicht ebenso unter Druck gesetzt wurden.

Das ist ein wichtiger Punkt: Die BDS ist nicht antisemitisch, weil sie „sich nicht auf andere Menschenrechtsverletzung konzentriert“. Dieses Argument, das von pro-israelischen Gruppen oft angeführt wird, ist ineffektiv. Fakt ist, dass BDS eine der zahllosen Ein-Thema-Kampagnen rund um die Welt ist, die sich auf eine bestimmte Frage/Ort/angebliche Ungerechtigkeit fokussiert während andere ignoriert werden. So funktioniert eine Ein-Thema-Kampagne nun mal. Um Antisemitismus zur Rechenschaft zu ziehen und zu bekämpfen, müssen wir ihn unbedingt genau identifizieren – und die dass BDS sich auf ein einziges Thema konzentriert, spielt keine Rolle.

(Die einzige Ausnahme ist, wenn BDS – eine Gruppe, die behauptet sich zutiefst wegen der Rechte der Palästinenser zu sorgen – „palästinensischem Leid“ vergleichsweise wenig bis keinerlei Aufmerksamkeit widmet, wenn Israel nicht beteiligt ist. Zum Beispiel, wenn in Syrien das Regime und ISIS gleichermaßen Palästinenser abschlachtet oder an Hunger sterben lässt; oder im Libanon und Jordanien, wo ihnen grundlegende Rechte wie das Recht auf Arbeit, die Staatsbürgerschaft oder andere grundlegende Freiheiten verweigert werden. Aber selbst dann, obwohl diese Heuchelei ein Indikator ist, dass etwas an der Kampagne stinkt, ist das an sich noch kein Antisemitismus.)

Um zu verstehen, wieso BDS den modernen Antisemitismus im Westen verkörpert (die arabisch-muslimische Welt ist ein völlig anderer Fall), müssen wir zuerst die genaue Natur dieser eigenartigen Unterart der Bigotterie untersuchen. Antisemitismus tendiert wie ein Virus dazu sich zu wandeln und dadurch zu entwickeln, dass er sich die vorherrschenden Gewohnheiten und Diskurse der Gesellschaft nutzbar macht, um der Art von „Fortschritt“ gegenüber resistent zu bleiben, der unausweichlich anderer Formen der Engstirnigkeit aus dem Mainstream-Diskurs hinauswirft.

Als der christliche Fundamentalismus der letzte Schrei war, waren Juden „Christusmörder“. Als die Theorien der Rassenüberlegenheit als Mainstream galten, „verunreinigten/zerrütteten/ Juden die weiße Rasse“ oder wirkten gegen sie. Im Zusammenhang mit dem Kommunismus waren Juden Teil der „Bourgeoisie/Eliten/globalen Banker“ – im Gegensatz zu faschistischen Regimen, für die wir Hand in Hand mit den Kommunisten arbeiten.

Es kann verwirrend sein einem derart verworrenen Mix aus oft diametral entgegengesetzten Beschuldigungen zu folgen – aber so sieht das Wesen des Antisemitismus aus.

Wie andere Formen des Fanatismus ist er irrational. Wie andere Formen des Fanatismus wird es immer solche geben, die sich ihm anschließen und in seinem Namen sogar abscheuliche Verbrechen begehen. Aber anders als andere Formen des Fanatismus ist er „Fortschritt“ gegenüber resistent; seine Anhänger werden immer eine Möglichkeit finden ihn nicht nur für sich selbst zu rechtfertigen, sondern – was entscheidend ist – ihn selbst im Mainstream-Diskurs „akzeptabel“ und „gerechtfertigt“ zu halten.

Um zeitgenössischen Antisemitismus zu erkennen ist es daher entscheidend sich neben die früheren Paradigmen zu stellen, innerhalb derer er einst agierte, die er aber seitdem preisgegeben hat. Innerhalb solcher veralteter Paradigmen zu agieren – z.B. nach Beweisen für auf Rasse oder Religion basierenden Fanatismus zu suche – stärkt die zeitgenössischen Antisemiten sogar darin für ihre neue Version des Hasses zu werben, indem sie die echten Unterschiede zwischen sich und ihren Vorgängern als Beweis aufzeigen, dass sie „nicht wie die“ sind. Und doch ist es ein Fehler, den wir immer und immer wieder machen.

Um das zu illustrieren gib es eine gemeinsame Haltung, die von vielen Gegnern der BDS zu hören bekommen habe: „Während die Bewegung selbst nicht per se antisemitisch ist, gibt es gewiss einige/viele Antisemiten, die darin involviert sind.“ Was diese Leute tatsächlich sagen, ohne es zu erkennen: Es gibt Leute innerhalb der BDS und der breiteren Antiisrael-Bewegung, die einigen der alten, diskreditierten Versionen des Antisemitismus beipflichten, auch wenn die Bewegung selbst – damit erkennt man ihren Giftgehalt – manchmal versucht sich von ihnen zu distanzieren. In diesem Sinne haben sie recht; man musst innerhalb der Antiisrael-Gruppe nicht weit sehen, um eine kunterbunte Auswahl rechtradikaler Holocaustleugner, islamistische Fanatiker, Anhänger der christlichen Ersetzungstheologie und Neomarxisten zu finden, die allerlei „weniger akzeptable“ antisemitische Verschwörungstheorien und Ideen speien.

Doch wieder kann zwar die Tatsache, dass solche Einzelpersonen von der Antiisrael-Bewegung angezogen werden, ein Indikator ihrer antisemitischen Natur sein, aber das ist kein eindeutiger Beweis, solange solche Gruppen sich offen und öffentlich von solchen Vorstellungen distanzieren (so voller Ungereimtheiten solche Distanzierungen auch klingen mögen).

Antizionismus as Antisemitismus

BDS und andere antiisraelische Gruppen im Westen glauben – als Bewegung – nicht, dass alle Juden getötet oder bekehrt werden sollten (obwohl viele Einzelne innerhalb der Bewegung solche Überzeugungen hegen mögen und die Bewegung selbst offen andere völkermörderische Gruppen wie die Hamas unterstützt). Das ist keine spezifische Form des Antisemitismus, dem sie sich anschließen. Sie sind jedoch sehr offen, was die Version des Antisemitismus angeht, der sie beipflichten, obwohl sie die typischerweise so abstreiten: Antizionismus.

Dieser kommt zwar in vielen Schattierungen daher, aber der Zionismus in seinem grundlegendsten Sinn ist schlicht der Glaube, dass das jüdische Volks das Recht auf Freiheit und politische Unabhängigkeit in seinem uralten, historischen, angestammten Heimatland, Eretz Yisrael hat. Antizionismus oder „gegen Israel“ zu sein ist damit der Glaube, dass – während jede andere Nation dieses Recht besitzt – wir Juden es nicht haben oder an uns zumindest ein anderes Maß angelegt werden sollte, wenn wir es einmal haben, erbarmungslos unter die Lupe genommen gepiesackt werden sollten, wobei jeder Mangel (ob real oder imaginär) unter ein Mikroskop gelegt wird.

Noch tiefer sitzt, dass diese Überzeugung auf der perversen Vorstellung des Juden als „edlem Opfer“ basiert. Das ist der Grund, warum so viele antiisraelische Typen betonen, dass sie den Holocaust verurteilen (das ist natürlich sehr großzügig von ihnen) oder keine Mühen scheuen zu sagen, dass sie großes Mitgefühl für die Erfahrung der Juden haben, die ihn durchmachten. In den meisten Fällen tun sie das wirklich aufrichtig – denn Holocaust-Opfer sind genau die Art von tragisch schönen, „reinen“, verfolgten Juden, mit denen sie leben können. Jüdische Schwäche ist für zeitgenössische Antisemiten „attraktiv“, während jegliches wie auch immer geartetes Anzeichen jüdischer Stärke automatisch für „provokativ“ gehalten wird.

In diesem Sinne ist der zeitgenössische Antisemitismus eher mit dem Rassismus gegen Schwarze der Apartheid, des Jim Crow und der anschaulichsten Sklaverei vergleichbar als mit – sagen wir – dem Antisemitismus der Nazis.

Viele oder sogar die meisten Sklavenhalter zum Beispiel „hassten“ schwarze Menschen nicht in dem Ausmaß, dass sie sie alle tot sehen wollten. Viele von ihnen mögen sogar Zuneigung zu „ihren“ schwarzen Sklaven gehabt und sie gut behandelt haben. Aber das machte sie nicht zu Nichtrassisten, denn sie waren weiter der fundamental rassistischen Überzeugungssystem verschrieben, dass Schwarze Weißen rassisch unterlegen waren und dass ihre Status innerhalb der Gesellschaft das daher spiegeln sollte (entweder als Sklaven oder zumindest als Bürger zweiter Klasse). Schwarze, die für eine Veränderung agitierten, wurden als Unruhestifter oder Schlimmeres betrachtet – weil sie „kein Recht hatten“ frei zu sein.

Im zeitgenössischen Diskurs betrachten Antisemiten Juden auf die gleiche Weise.

Während andere Nationen frei sind, sogar ermutigt und unterstützt werden für ihre nationalen Rechte zu kämpfen, werden Juden dazu aktiv demotiviert und dafür schlecht gemacht. Während in jedem anderen Zusammenhang ein indigenes Volk, das seine angestammte Heimat physisch befreien will und gleichzeigt die durch die erobernden imperialistischen Mächte geänderte Ortsnamen zurückfordert – egal, wie lange es her ist, dass sie ihnen genommen und sie kolonisiert wurde – Wohlwollen gewinnen würde, werden Juden, die das tun, verhöhnt und verdammt, beschuldigt „auf uralter Geschichte herumzureiten“.

Es ist schon erstaunlich, dass wir Juden gleichzeitig der Unterdrückung des „uralten“ palästinensischen Volks – die angeblich „uralte“ Geschichte ist unerklärlich relevanter und weniger absurd als unsere eigene wachzurufen – über unseren modernen Nationalstaat beschuldigt werden. Diese schamlose logische Widersprüchlichkeit dienst als grafische Illustration der Schlüpfrigkeit des Antisemitismus und seiner Fähigkeit selbst in einem zeitgenössischen Kontext sein Aussehen zu ändern – manchmal innerhalb eines einzigen Atemzugs.

Das ist der Grund, dass Matisyahu zu boykottieren absolut auf einer Linie mit den Haltungen der BDS. Es spielt keine Rolle, dass er kein Israeli ist, worauf es ankommt ist, dass er ein jüdischer „Unruhestifter“ ist, denn auch wenn er nie politische Aussagen auf der Bühne macht, ist er klar pro-Israel und schämt sich dafür nicht.

Mit denjenigen, die dagegen vorgehen – bestimmt können sich nur die extremsten, Schaum vor dem Mund habenden, randständigen Antisemiten innerhalb der BDS-Bewegung möglicherweise einem solch offenen antisemitischen Standpunkt verschreiben – würde ich gerne einen Tweet teilen, den ich von jemandem erhielt, den sie vielleicht erkennen:

Ari Soffer:
Die Weigerung der BDS gegenüber zu katzbuckeln diente als Vorbild für junge Juden. Bei jüdischem Stolz geht es nicht um gefühlte Notwendigkeit „sich selbst zu beweisen“.
Jim Clancy:
Jeder trifft seine Wahl.
Poster:
Matiyahu und David Broza werden life auf der AIPAC-Politik-Konferenz 2015 auftreten.
Air Soffer:
Alter Schwede! Ein Jude, der Israel mag. Schnell, zwing ihn zur Unterwerfung!

Sagen Sie über Jim Clancy, was Sie wollen, aber der Mann betrachtet sich gewiss nicht als antisemitisch. Doch er suggeriert – als ehemaliger Rundfunksprecher eines der am stärksten zum „Mainstream“ gehörenden Senders, den man sich vorstellen kann – offensichtlich, dass die Tatsache, dass ein Juden es wagt Israel zu unterstützen, wenn auch nur auf sehr allgemeine Weise, ihn dies zu Freiwild für Boykotte und Attacken macht.

Natürlich ist das nur ein Tweet. Aber er ist ein genauer Spiegel der vielen Botschaften, die in Verteidigung der BDS-Entscheidung zirkulierten Matisyahu ins Visier zu nehmen und dass Rototom ihn dann auslud, als die Story noch ganz neu war: „Das ist nicht, weil er Jude ist – das ist, weil er Zionist ist!“

Zerlegt man jedoch die Terminologie, dann wird die fundamentale Bigotterie einer solchen Äußerung offensichtlich: „Natürlich ist es inakzeptabel einen jüdischen Künstler zu boykottieren, nur weil er eine jüdische Einzelperson ist. Aber das Problem mit Matisyahu besteht darin, dass er sich mit den nationalen Rechten seines Volks und dessen Erscheinungsformen identifiziert und dass macht ihn natürlich zu Freiwild.“

Mit anderen Worten: Juden, israelisch oder nicht, sollten ihren Platz kennen.

Dass es Juden gibt, die sich antizionistischen Ideen verschreiben, beweist nichts. In Wirklichkeit spiegelt es genau die Reaktion der stark assimilierten Juden einerseits und der hareidischen Antizionisten andererseits während der letzen großen Welle des europäischen Antisemitismus.

Der Judenhass der Nazis, darauf bestanden viele assimilierte deutsche Juden, war für die „Ostjuden“ reserviert – den primitiven, religiösen, unkultivierten Juden Osteuropas. Selbst als der Antisemitismus der Nazis auch sie anvisierte, geschah das nur, weil einige Europäer nicht zwischen „guten“ assimilierten Juden und „schlechten“ primitiven unterscheiden konnten.

Nach Ansicht der hareidischen/religiösen Antizionisten war der Antisemitismus eine Strafe Gottes für den „Zionismus“, den sie (fälschlich) sowohl als inhärent säkulare Idee, als auch als „Provokation der Nationen“ betrachteten – dieses unterwürfige letztere Argument wurde aus einer eigenartigen Interpretation talmudischer Schriften abgeleitet und besagt, dass man versuchen soll jüdische Unabhängigkeit bis zur Ankunft des Messias zu verhindern. Als solche würde Gott sie sicherlich schützen, während die zionistischen „Sünder“ untergehen würden.

Wie falsch sie lagen! Und wie falsch ihre ideologische Nachkommenschaft doch auch heute falsch in dem Glauben liegt – von der assimilierten jüdischen Linken bis zur Naturei Karta – sie hätten Liebe, Akzeptanz und Schutz gewonnen, weil sie sich von nationaler Unabhängigkeit fernhalten. In Wirklichkeit haben sie lediglich ihren Status als zweitklassige menschliche Wesen akzeptiert.

Renitenz als Lösung

Wenn Matisyahu anzuvisieren der BDS die Maske herunterriss und das Gesicht des modernen Antisemitismus offenlegte, hat seine Reaktion eine wichtige Lektion geboten, wie man zurückschlägt.

Er kapitulierte vor ihren Forderungen nicht und demütigte sich nicht vor dem bellenden Mob in der vergeblichen Hoffnung sie würden besänftigt werden; aber genauso wichtig ist, dass er keine Ausreden für seine Unterstützung Israel machte. Er ging nicht einmal auf die völlig haltlosen, beleidigenden Beschuldigungen des Staates Israel ein – obwohl er natürlich nicht mit ihnen übereinstimmte – denn das zu tun würde ihnen eine Legitimität einräumen, die sie nicht verdienen. Er ist kein Unterstützer von Bigotterie (anders als andere, die auf derselben Veranstaltung auftraten), sonder der legitimen Recht des jüdischen Volks; warum also sollte er sich gegen haltlose Anschuldigungen verteidigen?

Stattdessen war seine Reaktion eine der Verachtung – Verachtung gegenüber den Beschuldigungen und Beschuldigern und Verachtung gegenüber dem empörenden Ultimatum, das ihm gestellt wurde; die Art von Verachtung, die nur mit Selbstvertrauen und Sicherheit bezüglich der Richtigkeit der eigenen Sache kommt.

Die BDS-Bewegung und jeder andere antiisraelische Bewegung wie sie, will nicht den Juden ihre Leben oder ihre Religion rauben, sondern ihre Würde – ob durch Kapitulation oder durch gestammelte Ausflüchte. Das ist das Gesicht des modernen Antisemitismus.

Genau die Tatsache, dass in einer Diskussion über den arabisch-israelischen Konflikt die Stange dafür, nicht total bigott zu sein, oft in der „Anerkennung des Existenzrechts Israels“ liegt – eine Äußerung, die absolut bizarr, sogar beleidigend wäre, würde sie über irgendein anderes Land getätigt – ist ein Hinweis darauf, dass dieses Vorurteil zwar nicht durchgängig akzeptiert ist, aber den Diskurs des Mainstreams infiltriert und infiziert hat und dies weiter tut.

Die Reaktion muss daher darin bestehen, dass wir die uns Angreifenden verachten und auf das Wissen um die Richtigkeit unserer Sache stolz sind.

Für das zu kämpfen, von dem wir wissen, dass es richtig ist, ohne Ausflüchte und ohne Angst.

Etwa so: