Es ist an der Zeit das „Palästinensertum“ zu entnormalisieren

Juden können es sich nicht länger leisten die Auslöschung unserer Identität, unserer Ethnie, unseres Volks und unserer Nation zu tolerieren.

Karen Lehrman Bloch, Israel National News, 11. Juli 2022

להחרים את ישראלצילום (Foto: istock)

Letztes Jahr gab es in den USA fast 3.000 antisemitische Übergriffe, eine Zunahme um 34% gegenüber 2020. In New York City nahmen die Angriffe um 409% zu. Das spiegelt sich in den täglichen Vorfällen an Universitäten mit unverhohlen israelfeindlichen Professoren, Rednern, Studenten und Resolutionen. Und es nahm damit Eingang in die Politik, dass die Abgeordnete Rashida Tlaib einen „Nakba“-Beschluss in den Kongress einbrachte, mit dem in Gesetz gegossen werden sollte, dass die Gründung Israels eine „Katastrophe“ war.

Das dramatische Anschwellen des Antisemitismus ist weitgehend ohne Gegenwehr erfolgt, weil er sich in der wirksamen Form des „Palästinensertums“ an verschiedene woke Anliegen angehängt hat. Diese neue Form des alten Hasses ist eine Ideologie der Lügen über das Land Israel in Kombination mit einer völligen Auslöschung der jüdischen Identität der Juden. „Palästinensertum“ baut zwar auf uralten antisemitischen Motiven der Weltbeherrschung auf, hat sich aber mühelos mit den aufkommenden woken Ideologien von heute verschmolzen. Obwohl sie absolut  genauso gewalttätig, betrügerisch und gefährlich ist, wie ältere Formen von Judenhass, ist sie in einem schockierenden Ausmaß unbehelligt geblieben.

Das ist die einzige Möglichkeit das Fehlen bedeutender Gegenreaktionen zu erklären, als am 2. Juni eine interaktive Landkarte von 483 jüdischen und weiteren Institutionen in Massachusetts – darunter eine jüdische Highschool, eine jüdische Behindertengruppe und eine Synagoge – online ging. Die harmlos „Mapping Project“ [Kartierungsprojekt] genannte Internetseite erklärt ungeniert: „Unser Ziel bei der Verfolgung dieser kollektiven Kartierung bestand darin die lokalen Instanzen und Netzwerke offenzulegen, die Verwüstung inszenieren, damit wir sie demontieren können. Jede Einheit hat eine Adresse, jedes Netzwerk kann zerschlagen werden.“

Unter Zuhilfenahme Jahrtausender alter antisemitischer Sprachbilder zu jüdischer Manipulation und politischer Strippenzieherei ist die Karte (gespenstisch ähnlich den Nazi-Kartierungen von Juden; um sie leichter zusammentreiben zu können – Red.) im Wesentlichen eine Version des 21. Jahrhunderts der Protokolle der Weisen von Zion; diese waren eine Fälschung aus dem Jahr 1903, die einen jüdischen Plan zur Beherrschung der Welt behauptete, der half brutale russische Pogrome und den Holocaust zu befeuern.

Juden sind laut dieser Landkarte für alles Schlechte in der Welt verantwortlich und haben andere Gruppen dahingehend manipuliert bei ihren ruchlosen Plänen zu kollaborieren.

Die Landkarte ist ein natürlicher nächster Schritt für die internationale Bewegung Boykott, De-Investitionen und Sanktionen (BDS), die anstrebt Israel zu „entnormalisieren“ und seine Existenz zu beenden. Die Landkarte, veröffentlicht von einer anonymen Gruppe BDS-Anhänger, identifiziert ein „Spinnennetz an Verbindungen“, darunter die Namen und Adressen jüdischer und nichtjüdischer Leiter. Das Projekt will demonstrieren, dass „institutionelle Unterstützung für die Kolonisierung Palästinas“ hier, wo wir leben, strukturell mit der Politik und systemischen weißen Vorherrschaft und imperialistischen Projekten der USA in anderen Ländern verbunden ist. Die Karte ist „eine Ressource zur Sammlung von Informationen unter den Aspekten der [sogenannten] Unterdrückung“, einschließlich „Medizinapartheid“ und „Landraub“.

Hätte eine Landkarte, die zeigt, wo all die Juden sind und sie als feindliche Unterdrücker ins Visier nimmt, die „demontiert“ werden müssen, nicht sofort angeprangert und dichtgemacht werden müssen?

Leider hat das Palästinensertum bisher Erfolg gehabt. Das BDS-Nationalkomitee gab eine nicht überzeugende und belanglose Kritik an der Seite aus; sie ist aber aktiv und wird von BDS Boston immer noch beworben. In einem Brief vom 20. Juni wies Generalkoordinator Mahmoud Nawajaa BDS Boston an die Landkarte zu entfernen oder „das BDS-Akronym von eurem Namen zu nehmen“. Nawajaa schrieb, dass das Nationalkomitee „schwere Bedenken“ wegen des Projekts hat, weil es „unstrategisch Namen und ‚physische Adressen‘ von Institutionen und Personen als Ziel vorgibt und zur Verfügung stellt und Botschaften bewirbt, die Formulierungen wie ‚Widerstand in all seinen Formen‘ beinhalten“.

Es ist traurig, dass dieser Brief irreführend ist, denn das Palästinensertum des Mapping Projects ist die Grundlage der BDS-Bewegung an sich, deren Endziel darin besteht Israel auszugrenzen und letzten zu „demontieren“. Nerdeen Kiswani von der Gruppe Within Our Lifetime [zu unseren Lebzeiten] behauptete zum Beispiel vor kurzem, dass jüdische Gemeindeorganisationen „zionistische Organisationen sind, die sich hinter dem Judentum verstecken. Also ist jede einzelne Organisation auf dieser Liste ein legitimes Ziel.“

Zahra Billoo, Exekutivdirektorin der Ortsgruppe San Francisco des Council on American-Islamic Relations, sagte: „Wir müssen auf die zionistischen Synagogen achtgeben. Das sind unsere Feinde.“ Die New Yorker Gruppe Decolonize This Place war noch deutlicher und postete online: „Findet Ziele in eurer Nähe, findet heraus, wo diese zionistischen Pappnasen leben und wo ihre Büros sind und handelt!“

Die BDS-Kampagne hat intersektionales Palästinensertum enorm effektiv eingesetzt. BDS Boston twitterte: „Imperialismus, Rassismus, Militarismus & Zionismus sind in unseren Gemeinschaften systemisch verbunden.“ Die Kartierer sprachen von „hoch militarisierten Kräften, die Ressourcen und Informationen teilen, um die zusammenlaufenden Systeme der weißen Vorherrschaft und des Kapitalismus durchzusetzen“.

Wird das, nachdem das Mapping Project jetzt gründlich Antizionismus als unverhohlenen Antisemitismus entlarvt ist, ein Wendepunkt im endlosen Kampf zur „Entnormalisierung“ Israels darstellen? Leider nein. Die Karte ist immer noch online und die meisten nationalen Medien haben sich nicht einmal die Mühe gemacht darüber zu berichten.

Berichten zufolge beobachtet das FBI das Projekt, obwohl sie noch „keinerlei direkte Drohungen mit Gewalt“ gefunden haben, die der Karte entstammen. Am 21. Juni drängte eine überparteiliche Gruppe von 37 Abgeordneten des Repräsentantenhauses die Bundes-Gesetzeshüter die potenzielle Verwendung des von ihnen als „gefährliche Aufstachelung“ bezeichneten Projekts durch Extremistengruppen zu untersuchen, auch wenn unklar ist, ob es solche Ermittlung geben wird.

Das Mapping Project ist aber eindeutig nur die jüngste – wenn auch krasseste – Erscheinungsform eines Stroms an bösartigen Ideen, die mit dem überwältigenden Anstieg tatsächlicher antisemitischer Angriffe verbunden ist.

Was passieren muss: die Entnormalisierung des „Palästinensertums“

Ehrliche Journalisten, Professoren und Politiker müssen anfangen herauszustellen, dass es nie ein Land namens „Palästina“ gab. Israel ist kein „Siedler- und Kolonial“-Staat „weißer Europäer“. Juden stammen aus Judäa und sind Einheimische im Land Israel. Trotz Jahrhunderten Verfolgung sind wir ein Volk geblieben, eine Nation, eine Ethnie – und nicht „weiß“, europäisch oder „privilegiert“.

Fakt ist: Vor 1948 bezog sich der Begriff „Palästinenser“ auf Juden. Im 2. Jahrhundert schlugen die Römer eine jüdische Revolte nieder, kolonisierten Jerusalem und Judäa und benannten das Land in Syria Palaestina“ um – ein Name, der wahrscheinlich den Philistern entlehnt wurde, einem Volk aus der Ägäis, das absolut keine Verbindung zu Arabien hatte. Wegen einer ständigen jüdischen Präsenz im und Verbindung zum Land wurden in der Region lebende Juden bis zur Wiedergeburt des Staats Israel „Palästinenser“ genannt. 1950 erfanden jedoch der KGB und später der Ägypter Yassir Arafat ein „palästinensisch“-arabisches Volk als Mittel zur Vernichtung Israels. Das wurde vom arabischen Professor Edward Said von der Columbia University in den 1970-er Jahren „akademisch“ formalisiert.

Und jetzt hat dieses „Palästinensertum“ endgültig, katastrophal über die Woke-Ideologie seinen Höhepunkt erreicht.

Juden haben keinen Wunsch in der Woke-Opfer-Olympiade zu wetteifern. Aber unsere Identität wird nicht länger gelöscht werden. Im „White Rose Magazine“ haben wir das Judean Ethnicity Project geschaffen, um die jüdische Identität sowie unsere indigenen Verbindungen zum Land Israel zurückzuholen. Wird das den Hass und die Verfolgung beenden, die das Palästinensertum schürt? Leider nein. Aber es wird jedem Judäer einen Grund geben für unser Land und unser Volk zu kämpfen.

Vor „Palästina“: Erkundung der ungebrochenen jüdischen Verbindung zum Tempelberg

Akiva Van Koningsveld, HonestReporting, 2. Juni 2022

Vermeintliche israelische Bedrohungen der Al-Aqsa-Moschee, der drittheiligsten Stätte des Islam, gebaut auf den Ruinen des antiken jüdischen Tempels in der Altstadt von Jerusalem, sind schon lange ein Schlachtruf für palästinensischen Terrorismus gewesen. Beispielsweise wurde das Massaker von Hebron 1929, bei dem Araber 67 jüdische Einwohner der Stadt ermordeten, von Gerüchten ausgelöst, Juden würden planen die Kontrolle über die Moschee an sich zu reißen.

In jüngerer Zeit, nachdem der palästinensische Bewaffnete Raad Hazem am 7. April 2022 in Tel Aviv drei Israelis tötete und mehr als ein Dutzend weitere verletzte, waren Terrorgruppen schnell dabei den Anschlag mit der Behauptung in Verbindung zu bringen, die Heiligkeit der Al-Aqsa sei bedroht.

Internationale Medien perpetuierten in den letzten Wochen das palästinensische Narrativ, indem sie jüdische Besucher, die über den Tempelberg schlenderten, als „ultra-rechtsextreme israelische Nationalisten“ (VICE), „rechtsgerichtete jüdische Nationalisten“ (NPR) und „religiöse Extremisten“ (Associated Press) beschrieben.

Aber während Religionsfreiheit für Juden auf dem Tempelberg innerhalb der israelischen Gesellschaft ein heißes Thema ist, ist die Andeutung, der Tempelberg sei nur für „Extremisten“ (Agence France Presse) heilig, völlig ahistorisch.

Tatsächlich haben Juden den Berg seit Jahrhunderten besucht und dort gebetet.

Laut jüdischer mündlicher Mainstream-Tradition sowie auch mystischen Quellen gehört zum Tempelberg (Hebräisch: „Har HaBayit“) der Grundstein („Even HaSchetiya“), von dem aus Gott die Welt schuf. Die Midrasch und der Jerusalemer Talmud erklären weiterhin, dass Adam, der erste Mann, aus dem Staub des Plateaus von Jerusalem geschaffen wurde. Dann brachten Kain, Abel und Noah auf demselben Berg Opfer. In Genesis (1. Mose) 22 wird dem jüdischen Patriarchen Abraham befohlen seinen Sohn Isaak als Opfer darzubringen – auf dem Berg Moria, der als weiterer Name für dieselbe Stätte identifiziert wird.

Später kaufte König David dem Jebusiter Arauna den Dreschboden ab (2. Samuel 24, 24, 1. Chronik 21, 22-30) um einen Altar zu bauen. Sein Sohn Salomo baute schließlich um 950 v.Chr. auf dem Even HaSchetiya den ersten Tempel, den Mittelpunkt der jüdischen Verehrung, mit dem Allerheiligsten und seiner Bundeslade.

Bei Ausgrabungen gefundene archäologische Schätze scheinen den Bericht der hebräischen Bibel aus dieser Periode im antiken Israel zu bestätigen.

Die zentrale Bedeutung des Tempelbergs: Die Westmauer ist NICHT der heiligste Ort des Judentums

Obwohl der Tempel jetzt in Ruinen liegt – Salomos Tempel wurde 586 v.Chr. von den Babyloniern und der zweite Tempel von den Römern 70 n.Chr. zerstört – hat sich der religiöse Status des heiligsten Ortes des Judentums nie geändert. Der jüdische Weise Maimonides (1138 bis 1204) kommt in seinem Hauptwerk Mischne Thora zu dem Schluss, dass „ein Mensch [den Ort] in so Ehrfurcht halten sollte, wie es gemacht würde, wenn der Tempel noch stünde.“

Die zentrale Rolle des Tempelbergs für das Judentum ist über jeden Zweifel erhaben. Während der Gebete haben sich Juden seit undenkbaren Zeiten dreimal täglich der heiligen Hügelkuppe in Jerusalem zugewandt. Im Gegensatz zu dem, was einige Nachrichtenorgane gerne suggerieren (siehe z.B. hier, hier and hier), ist die Westmauer nicht der „heiligste Ort“ des Judentums. Typisches Beispiel: Die Mauer – der letzte verbleibende Teil des Geländes des zweiten Tempels – wurde erst im 16. Jahrhundert zu einem wichtigen Ort.

Während einige religiöse Juden dabei bleiben, dass auf den Tempelberg zu steigen an sich derzeit wegen Fragen ritueller Unreinheit und ohne das Vorhandensein der roten Färse verboten ist, betete Maimonides vermutlich im Herbst 1165 auf dem Har HaBayit. Ein weiterer jüdischer Weiser, der Chatam Sofer (1762 bis 1839) gab sogar ein Urteil zum jüdischen Recht aus, in dem er erklärte, dass es immer noch möglich ist das Pessah-Opfer auf dem Tempelberg darzubringen – wenn die herrschende Obrigkeit das erlaubt.

Führende Rabbiner haben festgehalten, dass Juden mit Gebet auf dem Berg Moria fünf Gebote gleichzeitig erfüllen.

Ist das legal? Das Status quo-Abkommen von 1967

Seit Israel in einem Verteidigungskrieg 1967 die Kontrolle über Ostjerusalem gewann, ist ein informelles Regelwerk in Kraft, das als der „Status quo“ den Stand der Dinge an dem heiligen Ort geregelt hat. Aus Angst vor einem breiteren religiösen Konflikt nach dem Sechstage-Krieg stimmte Verteidigungsminister Mosche Dayan zu, die von den Jordaniern geleitete islamische Waqf den Tempelberg weiter verwalten zu lassen.

Unter dieser Status quo-Vereinbarung, die Premierminister Naftali Bennetts Regierung aufrechtzuerhalten zugesagt hat, dürfen Juden und andere Nichtmuslime den Tempelberg besuchen, aber nicht dort beten. Gerichte haben aber bisweilen die Rechtmäßigkeit des Verbots angezweifelt (siehe hier und hier). Das Gesetz zum Erhalt der Heiligen Orte von 1967 stellt freien Zugang und Schutz für alle heiligen Stätten unter israelischer Zuständigkeit fest, auch denen im östlichen Teil seiner Hauptstadt.

Es lohnt sich festzuhalten, dass derselbe Status quo das Zeigen von Flaggen jeglicher Art an dem heiligen Ort verbietet. Dennoch sind Journalisten, die sich auf Juden konzentrierten, die an ihrem heiligsten Ort Worte des Gebets aussprachen, scheinbar desinteressiert in der unablässigen Zurschaustellung der Flaggen der von den USA als Terrororganisationen eingestuften Gruppierungen an der angeblich drittheiligsten Stätte des Islam.

Während die Regierung in Jerusalem ständig daran arbeitet die Ruhe zu bewahren und Gewalt zu verhindern, ermutigen die palästinensische Autonomiebehörde, die Hamas und Jordanien ständig zu Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften, die versuchen die Pilger aller Religionen zu schützen.

Es ist klar, dass trotz des Beharrens arabischer Führer darauf, friedliche Besuche von Israelis würden auf die Entweihung des heiligen Bergs hinauslaufen, die jüdische Verbindung zum Tempelbergareal – und tatsächlich Gesamt-Jerusalems – mindestens eintausend Jahre älter ist als der Begriff „Palästina“.

Die Krone der „Riesen“-Königin von Tonga und der Davidstern

Wie wurde ein glänzender Davidstern zum Kernstück der königlichen Krone und Staatssymbol eines pazifischen Inselstaates? Was hat das Königreich Scheba mit Beschneidung zu tun? Folgen Sie uns auf eine Reise rund um den Globus, während wir dem sechseckigen Stern zu den überraschendsten Orten folgen…

Amit Naor, the Librarians, 3. Mai 2022

Königin Sālote Tupou III. mit ihrer Krone, die von einem Davidstern geschmückt ist. (Quelle: Wikimedia, Koloration: MyHeritage)

Tonga, ein kleines Insel-Königreich im Südwesten des Pazifischen Ozeans machte Anfang 2022 Schlagzeilen, als ein Unterwasser-Vulkan nahe an seinen Küsten einen Tsunami auslöste. Dem folgte weniger als zwei Wochen später ein starkes Erdbeben. Wie es manchmal geschieht, wenn etwas, das an einem weit entfernten Ort passiert, plötzlich in den Nachrichten auftaucht, war unsere Neugier geweckt und wir wollten mehr erfahren.

Die Stadt Nejafu in Tonga (Quelle: Wikimedia)

Was wissen wir über Tonga? Nun, nicht viel. Wir wissen, dass es ein Inselstaat im Südpazifik ist; dass der Flaggenträger bei den Eröffnungsfeiern der Olympischen Spiele dazu tendiert einen Strohrock zu tragen; und dass der Disney-Film Moana in etwa in dieser Region spielt. Die Tonga-Inseln – davon gibt es etwa 150 – werden manchmal als die „Freundlichen Inseln“ genannt, ein Name, der ihnen von Captain James Cook gegeben wurde, der ihn ausgesucht haben soll, weil er auf den Inseln mit Freundlichkeit empfangen wurde, nachdem er mit seinem Schiff dort während eines großen lokalen Festes anlandete.

Die Einwohner gehören zu den polynesischen Völkern, die sich über die Inseln des riesigen Pazifischen Ozeans von Fidschi bis Hawaii erstecken. Zugegebenermaßen ist die an Halbgöttern und Volkssagen zu Dingen wie der Schaffung der Kokosnuss reiche polynesische Kultur weit von der jüdischen und israelischen Kultur entfernt. Was der Grund ist, dass ich sehr überrascht war, als ich kurz nach Beginn meiner Suche nach Informationen zu diesem weit entfernten Königreich auf ein sehr vertrautes Symbol stieß.

Ein Krönungsfoto der verehrten Tonga-Königin Sālote Tupou III., die 1918 den Thron bestieg, zeigt sie mit einem weißen Umhang mit einer Schleifenschärpe über der Brust und einem Hermelin-besetzten Gewand in bester europäischer Tradition. Um den Hals liegt eine aufwändige Kette mit einem Anhänger in der Form eines Kreuzes. Das überraschendste Detail von allen ist jedoch ihre Krone, die im Zentrum einen sechszackigen Davidstern trägt, ein uraltes Symbol, das normalerweise nicht mit den Pazifikinseln in Zusammenhang gebracht wird.

Die 47-jährige Herrschaft von Königin Sālote Tupou III. (sie starb 1965) ist die längste aller Monarchen Tongas. Man könnte sie als ihre „Queen Elizabeth“ bezeichnen. Aber anders als Queen Elizabeth II. von England war Sālote für ihre Körpergröße berühmt – sie war 1,91 groß – und wurde von den Weltmedien die „Riesenkönigin“ genannt.

„Die Zeitungen von New York berichten von der größten Königin der Welt, obwohl ‚ihr Land eines der kleinsten der Welt ist‘“.  – die hebräischen Presse berichtet über die Berichterstattung der New Yorker Presse über Tonga und seine Königin, Davar, 27. März 1932.

Ihr Ruhm reichte bis nach Israel, als sie 1953 bei der Krönungsfeier von Queen Elizabeth II. in London Reportern erzählte, dass ihre Großmutter bei der Krönung von Queen Victoria anwesend war. Tongas Königin gewann die Massen bei der Krönung, als sie es bei heftigem Regen ablehnte das Dach ihrer Kutsche zu schließen und der Menschenmenge an den Straßen trotz des Regengusses zulächelte und zuwinkte.

Wir können diesen Abschnitt nicht beenden ohne diese kleine Anekdote hinzuzufügen: Während ihres Besuchs fragten Journalisten, wie sie zu ihrem perfekten englischen Akzent kam, worauf Königin Sālote lächelnd antwortete: „Was ist daran so überraschend? In meinen Venen fließt englisches Blut, denn mein Großvater hatte damals zwei englische Missionare verschlungen, die auf unsere Insel kamen, um den christlichen Glauben zu verbreiten.“

Königin Sālote Tupou III. trägt ihre Krone, die mit dem Davidstern geschmückt ist (Quelle: Wikimedia)

Zurück zu Königin Sālotes Krönungsfoto: Wie fand sich dieses mutmaßlich jüdische Symbol in Polynesien wieder, insbesondere in einem Land, das seit dem 19. Jahrhundert als streng christlich bekannt ist? Bei meiner Suche das herauszufinden erkannte ich, dass der sechseckige Stern auch mehrfach auf Tongas Staatswappen auftaucht! In der Mitte befindet sich ein weißer Davidstern, in den ein rotes Kreuz eingebettet ist, während oben links drei kleinere Davidsterne erscheinen. Manche sagen, die Gruppe Sterne symbolisiert die drei Hauptinselgruppen, die das Königreich bilden. Andere sagen, sie stehen für die drei königlichen Dynastien, die die aktuelle Monarchie bilden. Dasselbe Design erscheint auch auf Tongas Königsflagge. Darüber hinaus ist der Davidstern gelegentlich auf offiziellen Briefmarken und Münzend es Königreichs aufgetaucht.

Tongas Nationalwappen (Quelle: Wikimedia)

Ich wollte wissen, warum Tongas Volk dieses spezielle Symbol verwendet, aber es stellte sich heraus, dass es in Israel nicht viele Historiker gibt, die Experten für die Geschichte und Kultur der Pazifikinseln sind. Ich versuchte einen anderen Weg und schickte meine Frage an den israelischen Botschafter in Neuseeland, der auch für Israels Beziehungen zu Tonga zuständig ist und gerade die Inseln besuchte; doch selbst, als er seine Gastgeber fragte, konnte er keine präzise Antwort bekommen.

Tatsächlich erscheint der sechseckige Stern in vielen Kulturen und hat nicht notwendigerweise etwas mit dem jüdischen Davidstern zu tun. Das Symbol wird oft als zwei übereinanderliegende Dreiecke dargestellt, wie in der israelischen Flagge, und er ist in östlichen Kulturen seit Jahrtausenden bekannt; von den Juden wurde er erst zu einem relativ späten Zeitpunkt übernommen. Der Historiker Dr. Ian C. Campbell, der die Geschichte Tongas erforschte, sagte mir, dass die Pastorin Shirley Waldemar Baker, eine christliche Missionarin, die Ende des 19. Jahrhunderts rund dreißig Jahre im Königreich Tonga lebte, das oben genannte Wappen entwarf. Andere Quellen behaupten, ein lokaler Prinz habe es geschaffen. Auf jeden Fall sind die Symbole eindeutig westlich und entstanden vermutlich unter dem Einfluss externer Faktoren, höchstwahrscheinlich durch christliche Missionare.

Die Freie Kirche Tongas in der Hauptstadt Nuku’alofa. Ein Davidstern schmückt das zentrale Rosenfenster (Quelle: Wikimedia)

Es scheint so, dass die Geschichte nicht mit dem Wappen endet. Das Rosenfenster der Freien Kirche von Tonga in Nuku’alofa, der Hauptstadt des Staates, weist ebenfalls einen großen Davidstern auf und der höchste Gipfel in Tonga wird „Berg Zion“ genannt. Es stellt sich heraus, dass dieselben Missionare wahrscheinlich weitere Geschichten eingeführt haben, die das Volk von Tonga mit den antiken Völkern des Nahen Ostens verbinden, als Möglichkeit eine emotionale Verbindung der Insulaner zu den Geschichten der Bibel zu fördern.

Ein englischer Priester namens James Egan Molton, im frühen 20. Jahrhundert Leiter der Methodistischen Kirche in Tonga, schrieb einen Artikel, in dem er behauptete, dass die Menschen von Tonga vom Persischen Golf stammten. Nach Angaben der Historikerin Dr. Paula Latu, einer Eingeborenen von Tonga, schrieb Molton einen weiteren Text, der die interessante Behauptung beinhaltete, der König von Scheba und seine Untertanen hätten sich in Tonga, Hawaii, Neuseeland, Tahiti und Samoa niedergelassen. Das Königreich Scheba soll sich am Golf von Aden, im Jemen oder in Äthiopien befunden haben. Die Missionare, die „mit der Bibel in der Hand“ auf die Tonga-Inseln kamen, stützten ihre Behauptung von der Verbindung zwischen Tonga und dem Königreich Scheba allerdings vermutlich auf Psalm 72, Vers 10, in dem es heißt: „Die Könige von Tarschisch und den fernsten Inseln bringen ihm Geschenke. Die Könige von Scheba und Saba bringen Tribut.“ Die Fantasien der christlichen Missionare wurden vermutlich von der Erwähnung der Inseln im Zusammenhang mit den Königen von Scheba und Saba geweckt.

Der lokale Theologe Dr. Ma’afu Palu ging auf diesen Punkt näher ein. Er behauptete, in dem Vers aus den Psalmen ging es um Geschenke, die die Könige dem Messias geben werden. „Das sind Qualitäten, die die Tonganer überall charakterisieren. Sie sind bekannt für ihre Großzügigkeit“, sagte er von den Menschen, die – wie wir uns erinnern – die „Freundlichen Inseln“ bevölkern. „Laut dieser Theorie gab der Sohn der Königin von Scheba den Thron auf und er segelte vom Mittelmeer los, kam schließlich in Tonga“, sagt er.

Ein Porträt der biblischen Königin von Scheba. Aus der Sammlung Joseph and Margit Hoffman Judaica Postcard, Nationalbibliothek Israels.

Laut Palu fanden die Missionare weitere Gemeinsamkeiten zwischen den Geschichten der Bibel und der Wirklichkeit, der sie in Tonga begegneten. „Kapitel 22 des ersten Buchs der Könige erzählt von Heidenführern, deren Verehrung der unseren hier in Tonga vor der Verbreitung des Christentums im 19. Jahrhundert ähnelte. Darüber hinaus war in Tonga seit uralten Zeiten die Beschneidung üblich. Die Überzeugung lautete, dass derselbe Prinz von Scheba, der – vermeintlich – die Besiedlung von Tonga begann, diese Bräuche herbrachte.“ Zum geläufigen Brauch der Beschneidung fügt Palu hinzu, dass die Leichen der Könige von Tonga als heilig betrachtet wurden, also waren sie die einzigen Männer im Königreich, die nicht beschnitten wurden.

Diese Geschichten und der Davidstern stammen alle eindeutig von den christlichen Missionaren, die versuchten die Einheimischen zu bekehren, indem sie sie mit den Geschichten der Bibel verbanden. Der Inselstaat übernahm sie begeistert zusammen mit einer Verbundenheit zu den antiken Hebräern, dem Davidstern und dem Namen Zion. Trotzdem haben Tonga und Polynesien neben ihrer mysteriösen Verbindung zu biblischen Symbolen, auch ihre eigene Faszination für uralte lokale Traditionen mit einem breiten Pantheon an Göttern und Mythen.

Und was ist mit Königin Sālotes schöner Krone? Wir haben immer noch viele Fragen, zu denen wir keine Antworten finden konnten. Wir waren nicht in der Lage irgendeine Erwähnung der Krone zu finden, die auf dem Krönungsfoto erschien oder wann oder wo es gemacht wurde. Wir waren nicht in der Lage herauszufinden, ob andere Könige sie davor oder seitdem benutzten oder wo sie sich heute befindet. Vielleicht können unsere Leser Licht auf weitere Themen werfen, die den Nahen Osten mit den Völkern des Pazifiks verbinden.

Im 21. Jahrhundert bedeutet Antizionismus Antisemitismus

Vor 1948 waren Diskussionen über einen jüdischen Staat üblich. Heute bedeutet es, wie bei einer Synagoge in Chicago, die ihre Feindseligkeit gegenüber dem Zionismus verkündet, sich auf die Seite derer zu stellen, die Israelis massakrieren.

Jonathan S. Tobin, Israel HaYom, 10. April 2022

Wie viele Terroranschläge müssen innerhalb Israels stattfinden, bevor man anfängt von einer weiteren Intifada zu reden? Der Vorfall von Donnerstag, bei dem ein palästinensischer Schütze in der Innenstadt von Tel Aviv drei Menschen tötete und mehrere andere verletzte, ließ die Israelis sich fragen, ob die vierte solche Gräueltat in den letzten Wochen nur der Beginn einer neuen Sicherheitskrise ist. Aber wie diese Mordserie genannt wird, ist weniger wichtig als die Frage, ob die Welt so reagiert, wie sie immer auf Gewalt gegen Israel reagiert hat: mit mehr Mitgefühl für die Killer als für ihre Opfer.

Doch selbst in Zeiten wie diesen haben einige amerikanische Juden weder Mitgefühl mit den Menschen Israels, noch unterstützen sie ihr Recht auf Selbstbestimmung oder Selbstverteidigung. Die dem Entschluss der Synagoge in Chicago gegebene Öffentlichkeit. ihr Gotteshaus offiziell als der Sache des Antizionismus gewidmet zu erklären, könnte sie zum Ausreißer gegenüber den mehr als 80% des amerikanischen Judentums machen, von denen Umfragen sagen, sie denken „sich um Israel zu sorgen“ sei unerlässlich dafür jüdisch zu sein. Aber die der Tzedek Chicago, so heißt die Synagoge, gegebene Aufmerksamkeit ist nur der jüngste Vorfall, mit dem die Feindschaft von Juden der extremen Linken gegenüber Israels Existenz veranschaulicht wird.

Ihre Mitglieder und diejenigen, die ihre Ansichten teilen, behaupten, die Existenz Israels sei eine Ungerechtigkeit. Sie bekennen sich zu einer Form des Judentums, das nicht nur einige der religiösen Überzeugungen und Praktiken verwirft, die den meisten Juden seit langem heilig sind – wie im Fall der Mehrheit der amerikanischen Juden, die sich mit den liberalen Konfessionen identifizieren. Sowohl das Reform- als auch konservative Judentum bekennt sich offiziell zum Zionismus. Aber Teile der Rekonstruktionismus-Bewegung und andere Ableger des nicht orthodoxen Judentums gehen weiter und machen aus der Diaspora einen Fetisch. Ihrem Judentum fehlt seine Besonderheit und seine Wurzeln im Land Israel und jüdischem Volkstum und das besteht einzig aus universalistischen Überzeugungen, die bizarrerweise zu glauben scheinen, dass alle Völker Grundrechte haben, nur die Juden nicht.

Während die „Pittsburgher Plattform“ der Reformisten von 1885 offiziell antizionistisch ist, entwickelte sich die Bewegung im 20. Jahrhundert weiter und die zwei größten Leiter des amerikanischen Zionismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren Reform-Rabbiner – Abba Hillel Silver und Stephen Wise (an den man sich leider besser wegen seines Schweigens und seiner Opposition zur Rettung europäischer Juden während des Holocaust erinnert).

Antizionismus hatte bis 1948 beträchtliche Unterstützung, weil viele Juden fürchteten, die Gründung eines jüdischen Staates würde ihr Recht auf gleichberechtigte Staatsbürgerschaft untergraben. Aber der Holocaust bewies die Notwendigkeit eines jüdischen Staates und statt jüdische Rechte zu untergraben ließ die Gründung Israels alle Juden aufrechter stehen, während außerdem die meisten Amerikaner zu mehr Respekt für ihre jüdischen Nachbarn angeregt wurden.

Unterstützung für den Zionismus wurde bei jungen amerikanischen Juden zur Norm; sie sich während der Krisen von 1948, 1967 und 1973 schützend zur Verteidigung um den jüdischen Staat scharten. Das Problem war aber, dass das Stammes- und konfessionelle Wesen den universalistischen und nicht konfessionellen Idealen vieler Amerikaner zu widersprechen schien. Das traf besonders auf amerikanische Juden zu, deren politischer Liberalismus es wahrscheinlicher machte, dass sie eine dunkle Sicht auf ein Land haben, das auf der Vorstellung gegründet wurde ein bestimmtes Volk zu verteidigen, statt eines, das seinen Auftrag in breiteren Begriffen betrachtete.

In diesem Licht betrachtet überrascht das kleine, aber überhaupt nicht unbedeutende Comeback des Antizionismus in der letzten Generation nicht.

Obwohl antizionistische Gruppen wie Jewish Voice for Peace und IfNotNow kein großes Gefolge haben, hat ihr Fuß in der Tür angefangen sich in den Rest der Gemeinschaft auszudehnen. Unterstützung in der linken Basis der Demokratischen Partei für toxische Ideen wie Intersektionalität, mit der Analogien zwischen dem palästinensischen Krieg gegen Israel und dem Kampf um Bürgerrechte in den USA gezogen werden, nimmt zu. Die Fähigkeit der Ideologien für die Indoktrination mit der kritischen Rassentheorie in Schulen und Unternehmen zu werben, bietet ebenfalls eine Plattform für Antizionisten. Das Konzept kennzeichnet Juden und ihren Staat unlogisch als Nutznießer von „weißem Privileg“ und damit per Definition als Unterdrücker.

In der Praxis schafft das eine Rechtfertigung für Antizionismus und diejenigen, die daran glauben den jüdischen Staat für diskriminierende BDS-Boykotte herauszugreifen. Es bietet auch eine Begründung dafür, zu bestreiten, dass Juden dieselben Rechte haben, bei denen niemand daran denken würde sie irgendeinem anderen Volk zu verweigern, womit Verhalten durchgeht, das von Antisemitismus nicht zu unterscheiden ist.

Das ist wichtig, weil Juden, die Antizionismus unterstützen, denen intellektuelle Deckung und Legitimität bieten, die nicht damit zufrieden sind nur von einer Welt ohne Israel zu reden, sondern Gewalt zu verüben, die darauf abzielt dieses pervertierte Ziel voranzutreiben. Und das ist der Grund, warum der Kontrast zwischen den jüngsten Ereignissen in Israel und dem Signalisieren von Tugend in Chicago heraussticht.

In der Vergangenheit haben die internationale Presse und angeblich befreundete westliche Regierungen, selbst wenn sie Terrorakte gegen Israel verurteilten, immer darin geendet auf die eine oder andere Weise die Opfer verantwortlich zu machen. Aber diejenigen, die behaupten, wie manche es jetzt tun, dass das Handeln der Mörder eine verständliche, wenn auch bedauerliche Reaktion auf die „Besatzung“ oder einen anderen Punkt auf der Wäscheliste angeblicher israelischer Sünden sei, missverstehen wieder einmal das Wesen des Konflikts.

Wie die Palästinenser das letzte Jahrhundert hindurch deutlich gemacht haben, haben sie kein Problem mit dem, was Israel tut, sondern mit der bloßen Tatsache seiner Existenz. Weil sie erlebt haben, wie sie im Verlauf der letzten Generation zahlreiche Zweistaaten-Angebote abgelehnt haben, ist die Unterstützung für seinen solchen Plan unter Israelis dahingeschwunden.

Die Vorstellung, dass mehr als 7 Millionen israelische Juden den souveränen Staat aufgeben, der ihre nationale Existenz beschützt, ist Wahnsinn. Und das nicht nur, weil der Einmarsch in die Ukraine illustriert, was passiert, wenn feindliche Nachbarn sich stark genug fühlen den Versuch zu unternehmen ein Land zu zerstören. Es ist auch eine Lektion, die schon nur flüchtige Kenntnis jüdischer Geschichte vermittelt. 20 Jahrhunderte lang war jüdische Machtlosigkeit und das Fehlen von Souveränität über ihr antikes Heimatland ein Rezept für Erniedrigung, Unterdrückung und Abschlachten, das im Holocaust gipfelte.

Im Nachhinein betrachtet erscheinen Diskussionen unter Juden über den Wert eines jüdischen Staates vor dem Holocaust töricht. Weil aber viele glauben, dass ein jüdischer Staat ein Tagtraum sei, während der Aufbau von Rechten für religiöse Minderheiten in Ländern, in denen Antisemitismus vorherrschte, Priorität hatte, machen diese Argumente mehr Sinn. Aber das Massaker an 6 Millionen Männern, Frauen und Kindern war der endgültige Beweis, dass jüdische Machtlosigkeit nicht länger toleriert werden konnte und dass das Recht der Juden auf ihr angestammtes Heimatland wieder geltend gemacht werden musste.

Dennoch starben Antisemitismus und Intoleranz gegenüber jüdischer Macht mit dem Nazi-Regime nicht aus; sie bleiben untrennbar mit der palästinensischen nationalen Identität und der islamistischen Ideologie verbunden. Sie haben auch in der intersektionalen Linken eine Heimat gefunden. Wie sie immer und immer wieder bewiesen haben, besteht das Ziel der Palästinenser nicht darin Israel die Gebiete abzunehmen, die es 1967 in einem Verteidigungskrieg gewann. Sie werden die Legitimität eines jüdischen Staates nicht anerkennen, egal, wo seine Grenzen gezogen sind.

Diese Juden, die sich jetzt Antizionisten nennen, treten nicht, wie manche behaupten, für eine gerechtere Welt ein oder für Wiedergutmachung arabischer Beschwerden. Eine Welt ohne Israel kann nicht mit irgendwelchen Mitteln erreicht werden, sondern nur durch Krieg gegen seine Bürger und damit, ihnen Freiheit und Rechte mit Gewalt wegzunehmen. Ob sie es nun zugeben oder nicht, diese Antizionisten stellen sich auf die Seite derer, die den einzigen jüdischen Staat auf dem Planeten mit denselben gewalttätigen Mitteln und hasserfüllten Ideen eliminieren wollen, die immer der Werkzeugsatz der Antisemiten gewesen sind. Die Mitglieder der Tzedek Chicago mögen behaupten ihre Synagoge stehe für Gerechtigkeit, aber weit davon entfernt eine idealistische Strömung des Judentums oder Anhänger von Menschenrechten zu sein, ist der Krieg der Linken gegen Israel ein Ausdruck von Judenhass.

Während Israelis ihre Toten betrauern und sich weiterhin verteidigen, sollte der Rest des amerikanischen Judentums auf diese antizionistische Synagoge und alle, die ihre Ansichten teilen, in Verachtung, nicht in Neugier oder Toleranz bestehen.

Konvertierten die Chasaren zum Judentum? Neue Forschungsergebnisse sagen: Nein

Konvertierten die Chasaren zum Judentum? Die Ansicht, dass einige oder alle Chasaren, ein Volk in Zentralasien, im 9. oder 10. Jahrhundert Juden wurden, ist weithin akzeptiert. Aber nach ausgiebiger Analyse ist der Forscher Prof. Shaul Stampfer von der Hebräischen Universität in Jerusalem zu dem Schluss gekommen, dass ein solcher Übertritt „zwar eine prächtige Geschichte“ ist, aber niemals stattfand.

Science Daily, 26. Juni 2014 (Quelle: Hebräische Universität Jerusalem)

Prof. Shaul Stampfer ist der Inhaber der Rabbi Edward Sandrow-Professur für sowjetisches und osteuropäisches Judentum in der Fakultät für die Geschichte des jüdischen Volks am Mandel Institut für Jüdische Studien der Hebräischen Universität. Die Forschungsarbeit ist gerade erst im Jewish Social Studies Journal, Band 19 Nr. 3 veröffentlicht worden (online auf http://bit.ly/khazars).

Ab etwa dem 7. bis 10. Jahrhundert herrschten die Chasaren über ein Reich, dass die Steppen zwischen dem Kaspischen Meer und dem Schwarzen Meer umfasste. Über die Kultur der Chasaren und ihre Gesellschaft ist nicht viel bekannt: Sie hinterließen keine schriftlichen Überlieferungen und die archäologischen Funde sind dürftig gewesen. Das Chasaren-Reich wurde von Swatoslaw von Kiew um das Jahr 969 überrannt und danach hörte man nur noch wenig von ihnen. Dennoch hält sich eine weit verbreitete Überzeugung, dass die Chasaren oder ihre Führer irgendwann zum Judentum konvertierten.

Berichte darüber, dass die Chasaren Juden waren, erschienen erstmals in muslimischen Arbeiten Ende des 9. Jahrhunderts und in zwei hebräischen Berichten im 10. Jahrhundert. Die Geschichte erreichte ein breiteres Publikum, als der jüdische Denker und Poet Yehuda Halevi sie als Rahmen für sein Buch Die Kuzaris verwendete. Dem Thema wurde in den folgenden Jahrhunderten wenig Aufmerksamkeit gewidmet, aber eine Schlüsselsammlung hebräischer Quellen zu den Chasaren erschien 1932, gefolgt von einer wenig bekannten, sechsbändigen Geschichte der Chasaren, die vom ukrainischen Gelehrten Ahatanhel Krymski geschrieben wurde. Henri Gregoire veröffentlichte skeptische Kritiken der Quellen, aber 1954 brachte Douglas Morton Dunlop das Thema mit The History of the Jewish Khazars in den Mainstream akzeptierter historischer Forschung. Arthur Koestlers Bestseller The Thirteenth Tribe (Der dreizehnte Stamm, 1976) machte die Erzählung einem breiteren westlichen Publikum bekannt; er argumentierte, dass das osteuropäische aschkenasische Judentum weitgehend chasarischer Herkunft sei. Viele Studien folgten und die Geschichte hat auch beträchtliche nichtakademische Aufmerksamkeit gewonnen; z.B. beförderte Schlomo Sands Bestseller von 2009, The Invention of the Jewish People (Die Erfindung des jüdischen Volks), die These, dass die Chasaren Juden wurden und ein Großteil des osteuropäischen Judentums von den Chasaren abstammte. Aber trotz all des Interesses gab es keine systematische kritische Besprechung der Belege für die Konversionsbehauptung, außer einen stimulierenden, aber sehr kurze und eingeschränkten Text von Mosche Gil von der Universität Tel Aviv.

Stampfer hält fest, dass Forscher, die zum Thema beigetragen haben, ihre Argumente auf einem eingeschränkten Corpus an Texten und numismatischen Belegen stützen. Physische Belege fehlen: Archäologische Ausgrabungen im Chasarenland haben fast keine Artefakte oder Grabsteine gefunden, die eindeutig jüdische Symbole zeigen. Er begutachtet auch verschiedene Schlüssel-Beweisstücke, die in Bezug auf die Konversionsgeschichte angeführt wurden, darunter historische und geografische Berichte sowie dokumentarische Belege. Zu den Schlüsselartefakten gehören ein scheinbarer Briefwechsel zwischen dem spanischen jüdischen Leiter Hasdai ibn Shaprut und Joseph, König der Chasaren; ein scheinbar historischer Bericht der Chasaren, der oft das Cambridge-Dokument oder Schechter-Dokument genannt wird; verschiedene Beschreibungen von Historikern, die auf Arabisch schrieben; und viele andere.

Zusammengenommen, sagt Stampfer, bieten diese Quellen ein Hupkonzert an Verfälschungen, Widersprüchen, Kapitalinteressen und Anomalien in einigen Bereichen und nichts als Schweigen in anderen. Eine sorgfältige Untersuchung der Quellen zeigt, dass einige fälschlich ihren angeblichen Autoren zugeschrieben werden und andere sind von fragwürdiger Zuverlässigkeit und nicht überzeugend. Viele der verlässlichsten zeitgenössischen Texte, wie der ausführliche Bericht des Übersetzers Salim, der von Kalif al-Wathiq 842 geschickt wurde, um nach der mythischen Alexander-Mauer zu suchen; und ein um 914 geschriebener Brief des Patriarchen von Konstantinopel Nicolas, der die Chasaren erwähnt, sagt nichts über ihren Übertritt.

Unter Berufung auf das Fehlen jeglicher verlässlicher Quellen zur Konversion und dem Fehlen glaubwürdiger Erklärungen für Quellen, die etwas anderes vermuten lassen oder unerklärbar still sind, kommt Stampfer zu dem Schluss, dass die einfachste und überzeugendste Antwort lautet, dass die Konversion der Chasaren eine Legende ohne Faktenbasis ist. Es gab nie eine Konversion des Chasaren-Königs oder der Chasaren-Elite, sagt er.

In diese Arbeit sind Jahre der Forschung gesteckt worden und Stampfer hielt reumütig fest: „Der größte Teil meiner Forschung drehte sich bis jetzt darum zu entdecken und klarzustellen, was in der Vergangenheit geschah. Ich hatte keine Vorstellung davon, wie schwierig und herausfordernd es sein würde zu beweisen, dass etwas nicht geschah.“

In Begriffen historischer Konsequenzen sagt Stampfer, das Fehlen einer glaubwürdigen Grundlage für die Konversions-Geschichte bedeutet, dass viele Seiten der jüdischen, russischen und Chasaren-Geschichte neu geschrieben werden müssen. Wenn es nie einen Übertritt gab, müssen Fragen wie der jüdische Einfluss auf das frühe Russland und ethnische Kontakte überdacht werden.

Stampfer beschreibt die Hartnäckigkeit der Legende der Konversion der Chasaren als faszinierende Anwendung der These Thomas Kuhns über wissenschaftliche Revolution der historischen Forschung. Kuhn wies auf den Widerwillen von Forschern hin sogar angesichts von Anomalien die vertrauten Muster aufzugeben, statt Erklärungen zu finden, die, wenn auch erfunden, es nicht nötig machen bekannte Denkstrukturen aufzugeben. Nur dann, wenn sich „zu viele“ Anomalien anhäufen, ist es möglich ein völlig anderes Paradigma zu entwickeln – so wie die Behauptung, dass die Konversion der Chasaren niemals stattfand.

Stampfer schließt: „Wir müssen eingestehen, dass nüchterne Studien von Historikern nicht immer gut zu lesen sind und dass die Geschichte des Chasarenkönigs, der zum frommen und gläubigen Juden wurde, eine prächtige Geschichte war.“ Seiner Meinung nach „gibt es jedoch viele Gründe, warum es nützlich und notwendig ist Fakt von Fiktion zu trennen – und das ist ein solcher Fall.“


Quelle:
von der Hebräischen Universität Jerusalem zur Verfügung gestellte Materialien. Hinweis: Inhalte können aus stilistischen Gründen und wegen der Länge bearbeitet sein.


Fachzeitschrift: Did the Khazars Convert to Judaism? Schaul Stampfer, Jewish Social Studies, 2013; 19 (3), S. 1-72. DOI: 10.1353/jss.2013.0013

Manchmal muss man einfach über die Dinge staunen, die bei Übersetzungen falsch rüberkommen

David Lange, Israellycool, 18. Februar 2022

In der israelischen Supermarkt-Kette Oscher sind zum Verkauf ausgestellte Ironman-Puppen gesehen worden. Allerdings mit einer kleinen Verdrehung.

Das Schild lautet übersetzt „Roter Spiderman“ (Spinnenmann).

Oscher Ad ist hauptsächlich auf Kundschaft bei den Charedim („Ultraortodoxe“ wem ein besserer Begriff fehlt), denen wahrscheinlich die Avengers oder Ironman nicht allzu vertraut sind. Aber irgendwie haben sie von Spiderman gehört. Ich bin nicht sicher weshalb, aber vielleicht haben sie ihn irgendwo gesehen.

In Fotos: das jüdische Afrika

Jono Davids „unendliche jüdische Foto-Reise“ führte ihn dazu, eine vielfältige Sammlung der oft übersehenen jüdischen Gemeinden – neue wie alte – des afrikanischen Kontinents zu dokumentieren.

Jono David, the Librarians, 19. Mai 2021

Gemeindemitglieder von Lemba. Manavhela, Provinz Limpopo, Südafrika © Jono David

Im Juli 1997 begab ich mit auf eine sechswöchige Eisenbahn-Odyssee von Peking in China nach London in England.

Die Reise war die Umsetzung eines lange gehegten Traums. Dessen Versprechungen waren größer als ich mir hätte vorstellen können.

Aufenthalte in der ländlichen Mongolei und am Baikal-See, dem tiefsten und größten Süßwasser-See der Welt in Sibirien, waren keine Enttäuschung. Im weiteren Verlauf hatte ich Stopps in Moskau, St. Petersburg, in jedem der baltischen Staaten und Warschau, bevor ich in Londons Waterloo Station einfuhr, einen Steinwurf entfernt von den schäbigen Ausgrabungen, die ich einst als Zuhause bezeichnete.

Aber bei diesem großen Abenteuer geschah etwas Unerwartetes.

Unerwartete Kursänderung

In Irkutsk hielt ich an, besuchte die Synagoge und wurde von ein paar Leuten vor Ort und einem amerikanischen Besucher willkommen geheißen, der sich dort für ein Forschungsprojekt aufhielt. Die Begegnung setzte unbeabsichtigt einen völlig anderen gedanklichen Ansatz zu der Reise in Gang.

Die Synagoge von Irkutsk in Russland, August 1997. © Jono David

Während ich alles komplett in Anspruch nahm, was die Zugreise selbst zu bieten hatte, wurde ich gleichermaßen auf meine russisch-jüdischen Wurzeln väterlicherseits konzentriert. Als ich in Polen ankam, fragte ich mich, wie mein polnisch-jüdisches Erbe mütterlicherseits aussah, besonders wo die Heimatstadt meiner Urgroßmutter sein könnte. Ich kannte sie – und ihre Latkes – gut. Sie verstarb, als ich 18 war.

Als ich im September wieder in Osaka in Japan Zuhause ankam (wo ich seit 1994 lebe), hatte ich mich bereits entschlossen: Ich würde im Februar/März wieder nach Zentraleuropa reisen, mit dem einzigen Ziel so viele „jüdische Fotos“ wie möglich zu machen.

Meine erste „offizielle“ Jüdische Foto-Reise

Ich flog nach Frankfurt und nahm dann einen Zug nach Prag. Von dort brachte mich die planlose Reise in mehrere Ecken der Tschechischen Republik, der Slowakei, Ungarns, Polens und Österreichs.

Das Ganze war völlig unorganisiert. Keine Verabredungen. Keine Termine. Keine Internetnutzung. Und kaum Kenntnisse in Fotografie.

Ich konnte es damals nicht wissen, aber die Reise war meine erste „offizielle“ Jüdische Foto-Reise. Sie löste eine lebenslange Hingabe zur Dokumentation der jüdischen Welt in Fotos aus.

Bei der ersten „offiziellen“ Jüdischen Foto-Reise des Autors In Auschwitz im Februar 1998 aufgenommenes Foto. © Jono David

Im Verlauf der Jahre und viele Reisen eines Lebens später erkannte ich, dass es an der Zeit für etwas Größeres, Besseres und Kühneres war. 2010 richtete sich mein Blick auf das jüdische Afrika. Vorher hatte ich zwar einige Teile des nördlichen Afrika besucht und das südliche Afrika durchquert, aber diese Reisen – wie die mit der Transsibirischen Eisenbahn – waren in erster Linie Tourismus mit ein paar eingesprenkelten jüdischen Fotogelegenheiten. Mit anderen Worten: Es waren keine Foto-Reisen an sich und sie waren gewiss nicht strukturiert.

Ich hatte lediglich eine Bildersammlung zusammengetragen. Aber das jüdische Afrika sollte etwas anderes sein.

Afrikanisch-jüdische Gemeinden entwickeln

Von August 2012 bis April 2016 begab ich mich auf acht einzigartige Foto-Reisen ins jüdische Afrika, die rund 60 Reisewochen in 30 Länder und Gebiete umfassten. Am Ende archivierte ich rund 65.000 Fotos des jüdischen Afrika und ich machte das mit dem Ziel eine grundlegende Frage zu beantworten: Wer sind die Juden Afrika?

Der geistliche Leiter der jüdischen Gemeinde Beth Yeshourun, Serge Etele (lniks) prüft eine neue Mesusa im Haus der Familie Ambomo in Douala (Kamerun). © Jono David
Matze-Bäckerei in Hara Kebira auf Dscherba in Tunesien © Jono David

Ich war besonders an den entstehenden schwarz-jüdischen Gemeinden an Orten wie Uganda, Kenia, Ghana, Madagaskar, Gabun und Kamerun interessiert. Im Verlauf der letzten 20 Jahre hat das Phänomen des religiösen Verzichts und Selbstkonversion zum Judentum – in einigen Fällen wie in Ghana, Kamerun und Gabun – mit der Aufkommen der Internetverbindungen dort zugenommen: Echtzeit-Verbindungen verflechten die schwarz-jüdische Komplexität auf dem gesamten Kontinent.

Kinder der jüdischen Gemeinde Kasuku, Ol Kalou, Nyandarua, Kenia. © Jono David

Bislang werden diese kleinen, aber leidenschaftlichen Gemeinden von offiziellen Instanzen in Israel und der jüdischen Mainstream-Welt weiter weitgehend ignoriert – die 100 Jahre alte Abayudaya-Gemeinschaft in Uganda wird vom konservativen Judentum offiziell anerkannt, aber das ist eine Ausnahme.

Verbindungen außerhalb jüdischer Organisationen und Rabbiner nehmen allerdings zu und offizielle jüdische Anerkennung bleibt ein wichtiges Ziel.

Europäische Wurzeln auf dem gesamten Kontinent

Auf meinen Reisen besaßen diese Gemeinden eine besondere Faszination, aber ich achtete genauso auf die Gemeinden mit europäischen Wurzeln. Ich war nicht nur auf ihre Geschichte neugierig, sondern auf ihre Ausprägung des jüdischen Lebens im Vergleich zu den vertrauten Gepflogenheiten in Europa.

Die Gemeinschaft in Südafrika z.B. begann hauptsächlich unter britischer Herrschaft im 19. Jahrhundert. Es handelte sich bei ihnen um vorwiegend aschkenasische Juden, die von litauischen Juden vor und nach dem Holocaust abstammten. Zwischen 1880 und 1940 war die Gemeinschaft auf rund 40.000 angeschwollen (sie erreicht ein den 1970-er Jahren mit 120.000 ihren Höchststand).

Ketubbah (jüdischer Ehevertrag), Benoni, Südafrika 1922 (aus Sammlung der Nationalbibliothek Israels)

Man könnte sogar sagen, dass ein jüdischer Einfluss in der Region bis ins 15. Jahrhundert und die portugiesische Erkundung mit jüdischen Kartographen zurückreicht, die den Entdeckern Bartolomeu Dias und Vasco da Gama halfen. Aber erst in den 1820-er Jahren hatten Juden eine signifikante Präsenz. 1841 bauten sie ihre erste Synagoge in Kapstadt. In den 1880-ern lockte ein Goldrausch tausende weitere Juden an, hauptsächlich aus Litauen.

Im Verlauf der Jahre hatten Juden aus der gesamten Region Südafrikas einen unverhältnismäßig großen Einfluss auf die lokale Gesellschaft, Politik, Geschäftswelt und Geschichte gehabt. Fakt ist, dass dasselbe auch von jüdischen Siedlungen von Kenia bis in die nordafrikanischen Nationen gesagt werden kann.

Upscherin in der Northcliff Hebrew Congregation, Northcliff, Johannesburg, Gauten, Südafrika. © Jono David

Jüdische Kolonien im heutigen Simbabwe, Mosambik, Sambia und Namibia gediehen allesamt. Sie bauten ihre Synagogen, Schulen und sozialen Zentren sehr oft in europäischen Architekturstilen – mit einigen bemerkenswerten Ausnahmen in Südafrika mit niederländischem Kap-Design und im Maghreb mit islamischen und maurischen Linien – und beinhalteten allen Schmuck, Traditionen, Bräuche und kulinarischen Geschmäcker ihrer Heimatländer. Ich stellte diese Beschaffenheiten als überzeugende Beweise der Bande fest, die die Juden in der ganzen Welt verbinden.

Die Synagoge der Hebräischen Gemeinde Windhoek, Namibia. © Jono David
Die Synagoge Rabbi Bisal El. Hara Kebira, Dscherba, Tunesien. © Jono David
Die Synagoge der jüdischen Talmud Thora-Schule in Sefrou, Marokko. © Jono David

Trotz ihrer Erfolge in diesen entlegenen Ländern gab es jede Menge Entbehrungen. Frühe Siedler in der Region Südafrika kämpften sich über trockenes und staubiges Land, um neue Siedlungen zu schaffen. Manche suchten Reichtümer durch Diamanten, Robbenjagd, Walfang und Staußenzucht. Andere bekleideten derweil führende politische und juristische Posten. Dennoch war der Antisemitismus nicht völlig in Europa zurückgelassen worden.

Obwohl allen Einwohnern Südafrikas 1870 freie Religionsausübung gewährt wurde, verbot z.B. es ein Gesetz aus dem Jahr 1894 Juden militärische Positionen und verschieden politische Posten zu bekleiden. 1937 zielte der Aliens Act darauf den Zustrom jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland einzudämmen. Juden sahen sich auch dem Widersand pro-deutscher Afrikaner gegenüber. Und sie wateten durch das emotionale wie moralische Minenfeld der Apartheid.

Heute schrumpfen die jüdischen Gemeinden der Region Südafrikas und uralte im Maghreb halten so gerade eben durch (besonders in Marokko und Tunesien); schwarz-jüdische Gruppen nehmen an Zahl, an Orten, an Hingabe zu. Nach Jahrhunderten der Unterjochung durch politische wie religiöse Invasoren haben die Motivationsfaktoren dieses jüdischen Erwachens ihre Wurzeln im Streben nach Wahrheit und Identität: Eine Wahrheit, die in den Grundsätzen des Judentums und der Thora wurzelt, ist eine in Selbstbestimmung gründende Identität.

Der Buchdeckel von The Jews of Africa: Lost Tribes, Found Communities, Emerging Faith

Meine Fotografien bemühen sich diesen komplexen Teppich der jüdisch-afrikanischen Völker zusammenzuweben, die durch historische, kulturelle, linguistische und regionale Unterschiede getrennt und doch vom Glauben an HaSchem vereint sind.

Seit den späten 1990-er Jahren ist der in Großbritannien geborene Fotograf Jono David um den Globus gereist, hat ein umfangreiches Archiv zeitgenössischer Bilder jüdischen Erbes und Erbestätten der Welt zusammengetragen – ein wachsendes Kompendium aus mehr als 120.000 Fotos aus 116 Ländern und Territorien. Sein aktuelles Buch The Jews of Africa: Lost Tribes, Found Communities, Emerging Faiths [Die Juden Afrikas: Verlorene Stämme, gefundene Gemeinden, entstehender Glaube] hat Jahre der Reisen in rund 30 afrikanische Länder und Territorien zur Grundlage. Es beinhaltet 230 Fotografien und 14 Aufsätze von Forschern, Rabbiner und Mitgliedern der jüdisch-afrikanischen Gesellschaft.