Als der Koran Juden mit Eseln verglich

Elder of Ziyon, 10. September 2021

Akhbaten.com, eine in Ägypten und Syrien populäre arabische Nachrichtenseite, hat einen Artikel, der einen Koranvers erklärt:

Das Gleichnis derer, denen die Thora auferlegt wurde, und die ihr dann nicht nachlebten, ist wie das Gleichnis eines Esels, der Bücher trägt. Übel steht es um Leute, die Allahs Zeichen leugnen. Und Allah weist dem Volk der Frevler nicht den Weg. (Sure 62,5)

Der Artikel erklärt, dass genauso, wie ein Esel Bücher trägt, aber ihren Inhalt nicht versteht, so sind ie Juden mit einer Thora belastet, die sie nicht verstehen. Nur Muslime tun das.

Soweit ist das nur ein weiteres Beispiel dessen, wie man in arabischen Medien tagtäglich Beispiele für Antisemitismus finden kann.

Aber die den Vers erklärende Person versteht den Vers genauso wenig wie der Autor des Koran.

Die Geschichten des Koran kommen oft nicht aus der Thora selbst, sondern auch aus rabbinischen Quellen. Ihr Autor war mit rabbinischen Geschichten aus der Midrasch und dem Talmud vertraut.

Dieser bestimmte Vers scheint auf eine berühmte Midrasch zu verweisen, deren erster Teil jedem jüdischen Schulkind vertraut ist. Als Gott die Thora geben wollte, ging er zuerst zu den anderen Nationen und bot sie ihnen an. Sie fragten: „Was steht darin?“, und Gott antwortete: „Du sollst nicht töten“ oder stehlen oder Ehebruch begehen und die Nationen lehnten ab, indem sie sagten, eine dieser Sündern seiten Teil ihrer nationalen Kultur. Als Gott hingegen zu Israel kam, fragten sie nicht, was darin stand, sondern akzeptierten sie rückhaltlos.

Der zweite Teil der Midrasch sagt: „Das ist so wie ein Mann, der seinen Esel und seinen Hund zum Getreidespeicher schickte, wo fünfzehn Se’ah [Korn] auf den Esel geladen wurden und drei Se’ah auf den Hund. Der Esel ging und der Hund ließ [vor Erschöpfung] die Zunge heraushängen. Er warf ein Se’ah ab und legte es auf den Esel und machte dann dasselbe mit dem zweiten und mit dem dritten. So akzeptierte Israel die Thora, zusammen mit ihren Kommetnaren und Einzelheiten. Sogar diese sieben Gebote, die die Noahiden nicht einhalten konnten  und beiseite legten, nahm Israel auf und akzeptierte sie.“

Die Rabbiner selbst verglichen die Juden mit einem Esel, aber als Kompliment! Der Koran nahm diese Geschichte und kehrte sie ihn eine Beleidigung der Juden – eine Beleidigung nicht nur für ein muslimisches Publikum, sondern auch für ein gebildetes jüdisches Publikum!

Dieser Text vermerkt auch, dass ein späterer Koranvers die Juden direkter mit dem Heraushängen der Zunge des Hundes in dieser Midrasch vergleicht. (Er zeigt, dass die Verse, die die Midrasch kommentiert, einer der „Beweise“ dafür ist, die Muslime anführen, dass Mohammed auf die Thora anspielt.)

„Ramsch-Wissenschaft“: Aschkenasische Juden sind keine Nachkommen von chasarischen Konvertiten

Akiva Van Koningsveld, HonestReporting, 13. Juli 2021

Was haben Palästinenserführer, weiße Rassisten und Mitglieder der Black Hebrew Israelite-Bewegung gemeinsam? Es ist der Glaube an den sogenannten „Chasaren-Mythos“, der viele Antisemiten aus dem gesamten ideologischen Spektrum eint. Im Juni wiederholte PA-Premierminister Mohammed Schtayyeh diese Behauptung: „Es gibt keine Verbindung zwischen den Israelis und den Juden“, versicherte er. „Ohne in Details zu gehen – sie sind chasarische Juden, die im sechsten Jahrhundert n.Chr. zum Judentum konvertierten“, gab Schtayyeh an.

Versuchen Sie mal, das zu verstehen.

Seine Rede wiederholte frühere Äußerungen von PA-Präsident Mahmud Abbas, der 2018 fälschlich suggerierte, dass osteuropäische Juden – anders als Misrahi-Juden, deren Wurzeln in arabische Länder zurückverfolgt werden können – „keine Semiten sind und sie haben keine Verbindung zum Semitismus oder Abraham, Jakob“, da sie angeblich Nachkommen von Bekehrten aus dem „Königreich der Chasaren“ sind.

Antisemiten wie die ehemalige US-Kongressabgeordnete Cynthia McKinney, der Schütze von Jersey City und ein Moderator von Qatars Al-Jazira haben die Verleumdung ebenfalls verbreitet.

Mit dem Bestehen darauf, dass aschkenasische Juden in Wirklichkeit „Fake-Juden“ sind, versuchen sie die unbestreitbare, tausende Jahre alte Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und dem Land Israel zu widerlegen. In Wirklichkeit ist die Theorie um die Chasaren-Konversion zum Judentum von den meisten ernsthaften Wissenschaftlern verworfen worden – es war sogar von „Schrott-Wissenschaften“ die Rede.

Die „Chasaren-Hypothese“ wurde der allgemeinen Öffentlichkeit erstmals 1976 von Arthur Koestler bekannt gemacht, einem in Ungarn geborenen jüdischen Autor und Journalisten. Sein inzwischen widerlegtes Buch Der dreizehnte Stamm: Das Chasaren-Reich und sein Erbe, spekulierte: „Der Hauptteil der osteuropäischen Juden – und daher des Weltjudentums – ist chasarisch-türkischer statt semitischer Abstammung“, was impliziert, dass sie keine Nachkommen Abrahams sind – denen Gott nach Angaben der Bibel das Land Israel versprochen hat.

Das Chasarenreich war ein multiethnisches Königreich in der heutigen Ukraine und Russland, das von etwa 650 bis 969 n.Chr. bestand. Nach Angaben einer weithin für wahr gehaltenen Erzählung nahm die Herrscherklasse des Reichs irgendwann – im achten oder neunten Jahrhundert – das Judentum an; dem folgte eine weit verbreitete Bekehrung im Volk.

Springen wir ein paar Jahrhunderte weiter, in die Mitte des 13. Jahrhunderts. Die Mongolen besiegten das Chasarenreich, was dessen völligen Zusammenbruch zur Folge hatte. Hier kommt Koestlers Theorie ins Spiel: Die Chasaren, argumentierte er, verschwanden nicht einfach. Stattdessen endeten sie in Ländern wie der Ukraine, Polen, Ungarn und Deutschland, wo sie die bestehende jüdische Bevölkerung zahlenmäßig enorm übertrafen. Seine Theorie schlussfolgert, dass die Chasaren-Bevölkerung schließlich so zunahm, dass sie die Mehrheit des Weltjudentums stellte.

Schlecht recherchierte Chasaren-Theorie wird Werkzeug für Antisemiten

Von Anfang an diente diese schlecht recherchierte Hypothese Antisemiten als Werkzeug. Der Ku Klux Klan machte das schon 1926 zur Waffe, als die weiße Rassistengruppe lautstark jüdische Zuwanderung in die Vereinigten Staaten verdammte und behauptete, dass osteuropäische Juden „keine wahren Juden sind, sondern nur judaisierte Mongolen – Chazaren“.

Ironischerweise wollte Koestlers Buch ursprünglich dem Antisemitismus ein Ende setzen. Mit der Unterstellung, dass die meisten modernen Juden nichts mit der biblischen Nation zu tun haben, versuchte er die Rassenbasis für Judenhass zu beseitigen. So schrieb er in Der Dreizehnte Stamm:

Wenn dem so ist, würde das bedeuten, dass ihre Vorfahren nicht vom Jordan kommen, sondern von der Wolga, nicht aus Kanaan, sondern aus dem Kaukasus, von dem man einst annahm, dass er die Wiege der arischen Rasse ist; und dass sie genetisch näher an den Hunnen-, Uiguren- und Magyaren-Stämmen sind am Samen Abrahams, Isaaks und Jakobs. Sollte es sich herausstellen, dass dem so ist, dann würde der Begriff „Antisemitismus“ auf Grundlage einer Verkennung, die von Mördern wie auch ihren Opfern geteilt wird, jegliche Bedeutung verlieren.

Offenkundig schlug seine Mission fehl und Antisemiten wurden weiter ermutigt, als der israelische Molekulargenetiker Eran Elhaik 2012 eine Studie veröffentlichte, die die Theorie angeblich bewies. Elhaik verglich die DNA von Juden mit der von Armeniern und Georgiern, die er als Ersatz für die Chasaren benutzte. „Unsere Untersuchungsergebnisse unterstützen die Chasaren-Hypothese und porträtieren das europäisch-jüdische Genom als Mosaik nahöstlich-kaukasischer, europäischer und semitischer Herkunft“, lautete die Schlussfolgerung der Studie.

Allerdings wurde Koestlers wie auch Elhaiks Forschung von zahllosen anderen schnell widerlegt; einige der Experten verwiesen sogar auf Vertreter der Theorie als „Ausreißer … die eine Minderheitsansicht haben, die wissenschaftlich nicht gestützt wird“. Andere haben die Chasaren-Hypothese als „Ramsch-Wissenschaft“ bezeichnet.

Tatsächlich ist die Chasaren-Hypothese von praktisch jedem Bereich der Wissenschaften widerlegt worden. Historiker z.B. betonen, dass das Königreich höchstwahrscheinlich nie zum Judentum konvertierte. Archäologen fanden in ehemals chasarischem Land fast keine Artefakte, die jüdische Symbole hatten. Darüber hinaus stellen Linguisten heraus, dass Jiddisch – Jahrhunderte lang die von osteuropäischen Juden gesprochene Sprache – nicht einmal ansatzweise der im Chasarenreich verwendeten Sprach ähnelte; auch haben in den letzten 600 Jahren verwendete jüdische Nachnamen keine Verbindung zu dem Königreich.

Experten für jüdische Genetik griffen Elhaiks „Befunde“ an; sie argumentierten, dass er „die Statistik auf eine Art und Weise anzuwenden scheint, die ihm Ergebnisse bringt, die sich von dem unterscheiden, was alle anderen aus den im wesentlichen gleichen Daten holten“. Fakt ist, dass die meisten DNA-Forschung genau das Gegenteil beweist: nämlich dass die europäischen Juden eng mit den Bevölkerungen des Nahen Ostens verwandt sind.

Der größte Teil seiner Forschung ist schon lange offen verfügbar; führende Wissenschaftler haben Elhaiks Schrift innerhalb eines Jahres nach ihrer Veröffentlichung widerlegt. Trotzdem nutzen Judenhasser wie Antizionisten den Chasasren-Mythos, um die Jahrtausende alte jüdische Verbindung zum Land Israel zu leugnen.

Interessanterweise hat Elhaik – der sieben Jahre in der israelischen Armee diente – gesagt, es bereite ihm Sorge, dass Einzelpersonen seine Forschung für verachtenswerten Zwecke benutzen. Koestler seinerseits erklärte, dass das „Problem der Chasaren-Infusion vor tausend Jahren … für das moderne Israel irrelevant ist“, da die Existenz des jüdischen Staates aus seiner Sicht auf Entscheidungen basiert, die von der internationalen Gemeinschaft getroffen wurden.

Das antizionistische Argument ist aus weiteren wichtigen Gründen fehlerhaft: Heißt, die meisten jüdischen Israelis sind nicht europäischer Herkunft. 2018 identifizierten sich nach Angaben von Recherche der Universität Tel Aviv nur 31,8 Prozent der israelischen Juden als aschkenasisch (osteuropäisch). Ein beträchtlich größerer Anteil – rund 45 Prozent – identifizieren sich als Mizrahi – ein Oberbegriff für die Juden, die aus arabischen Ländern ins werdende Israel flohen. Israelis jemenitischer Herkunft z.B. verfolgen ihre Wurzeln in der Region bis in biblische Zeiten zurück.

Die Tatsache, dass Millionen israelischer Mizrahim im Nahen Osten indigen sind, ist nicht zu bestreiten.

Wie die Westmauer zu einem der heiligsten Orte des Judentums wurde

Wann und iwe begannen Juden an der Westmauer zu beten?

Amit Naor, the Librarians, 28. Juli 2021

Ansicht der Westmauer und des Tempelbergs, Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels

Beim Lesen des Titels könnten die, die mit jüdischen Quellen vertraut sind, schnell mit einem Zitat aus der Midrasch antworten: „Die Präsenz Gottes ist nie von der Westmauer gewichen.“ Diese sehr sachkundigen Leute wissen aber mit Sicherheit, dass die von unseren Weisen erwähnte Westmauer  nicht dieselbe gewaltige Mauer ist, die wir  heute die Westmauer nennen. Wie wurde dann die westliche Umfassungsmauer des herodianischen Tempelbergs zur bekanntesten national-religiösen Stätte für Juden weltweit?

Jüdische F rauen mit Gebetschals beten vor der Westmauer. Aus der Postkarten-Sammlung in der Nationalbibliothek Israels.

Beginnen wir ganz am Anfang. Wie erwähnt ist die Westmauer, an der die Menschen heute beten, eine der vier Umfassungsmauern, die von König Herodes als Teil der Erweiterung und Renovierung des Tempelberggeländes und des Tempels gebaut wurde, der in seinem Zentrum stand. Ein weiteres Zitat der Weisen zum herodianischen Tempel behauptet: „Wer den Tempel des Herodes nicht gesehen hat, hat nie ein schönes Gebäude gesehen“ (Babylonischer Talmud Baba Batra 4a). Und während die meisten Weisen vermutlich nie eine Chance bekamen einen Blick auf das Taj Mahal oder den Palast von Versailles zu werfen, scheint es akkurat zu sein, wenn man sagt, dass der Tempel des Herodes nicht allzu schäbig gewesen sein kann. Dieser Tempel fand in dem berüchtigten Jahr 70 n.Chr. sein Ende, als die römischen Legionen ihn während der Eroberung Jerusalems und der Unterdrückung der Großen Revolte niederbrannten.

Als die Weisen von der „Westmauer“ (Hebräisch: HaKotel HaMa’aravi) schrieben, waren sie vermutlich immer noch in der Lage die Überreste der Westmauer des eigentlichen Tempelgebäudes zu sehen, zusätzlich zu den Umfassungsmauern des Tempelbergs-Platzes. Das war ein eindrucksvolles Relikt, das anscheinend nach dem Feuer der Römer noch stehen geblieben war. Es handelte sich um die Mauer, die sich am nächsten am Allerheiligsten befand und ihr übernatürliches Überleben trug vermutlich weiter zum Gefühl der Ehrfurcht und Heiligkeit des Ortes bei. Nach Angaben historischer Schätzungen ereignete sich seine endgültige Zerstörung spätestens gegen Ende des siebten Jahrhunderts, als die gerade angekommenen Muslimen an derselben Stelle den Felsendom bauten. Wir werden später zu dieser verloren gegangenen Westmauer zurückkehren.

Die Westmauer und Jerusalem auf einer Karte der heiligen Orte des Landes Israel. Klicken Sie hier, um sich die gesamte Karte der kartografischen Sammlung Eran Laor der Nationalbibliothek anzusehen.

Irgendwann wurde die Westmauer des Tempelgebäudes zerstört und was übrig blieb, war die Westmauer des Tempelbergs – die Umfassungsmauer des Platzes von Herodes. Allerdings muss jeder, der jemals einen Blick über die Altstadt geworfen hat, festgestellt haben, dass diese nicht die einzige stehen gebliebene Mauer des Tempelbergs ist. Die südliche und die östliche Mauer von Herodes mächtigem Bauprojekt sind ebenfalls übrig und stützen immer noch den Platz des Tempelbergs. Nur die nördliche Mauer ist nicht vollständig erhalten geblieben. Die südliche und die östliche Mauer wurden dann in die Mauern der Altstadt integriert. Das berühmte Gnadentor, auch als Goldenes Tor bekannt, durch das gemäß der Tradition der Messias in Jerusalem einziehen wird, wurde in die östliche Mauer gehauen.

In der Tat erwähnen Zeugenberichte von Reisenden, die das Land Israel schon in der byzantinischen Zeit besuchten, nicht unbedingt die Gebete, die auf der westlichen Seite des Tempelbergs stattfanden. Der Bericht des „Pilgers von Bordeaux“, bezeugte im Jahr 333, dass Juden immer noch einmal im Jahr auf den Tempelberg gingen (vermutlich am 9. Av) „und weinten und trauerten über einen Stein, der von ihrem Tempel übrig geblieben ist und den sie mit Öl salbten“. Könnte dies der Grundstein gewesen sein, der sich heute im Inneren des Felsendoms befindet? Ob es nun aus halachischen Gründen oder wegen der Einwände verschiedener Herrscher war, die Juden hörten auf, auf den Tempelberg selbst zu gehen und gaben sich mit dem Besuch der angrenzen Bereiche zufrieden.

Gebet an der Westmauer. Aus der Postkarten-Sammlung in der Nationalbibliothek Israels.

Spätere Zeugenaussagen erwähnen die Westmauer, aber nicht zwangsläufig den Ort des Gebets, den wir heute kennen. Ein Text aus der Kairo-Genizah, geschrieben im 11. Jahrhundert, vermerkt die Gebete nahe der Westmauer, allerdings weiter nördlich, ein Ort direkter am zerstörten Allerheiligsten. Der berühmte jüdische Reisende des 12. Jahrhunderts Benjamin von Tudela führt die Westmauer namentlich an; er erklärt, dass dort Juden beteten. Er beschrieb allerdings das Gnadentor als in derselben Mauer befindlich, obwohl sich dieses Tor wie erwähnt in Wirklichkeit in der östlichen Mauer befindet. Dem muss die Tatsache hinzugefügt werden, dass Juden in dieser Zeit allgemein das Betreten der Stadt verboten war und es daher unwahrscheinlich ist, dass er persönlich Zeuge betender Juden in der Nähe der Westmauer war.

Die Westmauer ziert eine Landkarte Jerusalems aus dem 19. Jahrhundert. Nur wenige Landkarten der Stadt zeigen den wichtigen Ort markant, das die Stadt zumeist aus östlicher Richtung dargestellt wurde. Klicken Sie hier, um eine komplette Landarte aus den Kartografischen Sammlung Eran Laor-der Nationalbibliothek zu sehen.

Andere zeitgenössische Reisende erwähnen die Westmauer, aber nicht den Brauch daran zu beten. Manche stellen sogar heraus, dass die Westmauer alleine steht, dass niemand kommt um zu beten oder ihre massiven Steinblöcke zu sehen. Im 14. Jahrhundert schreib Ischtori Haparchi, ein weiterer berühmter Geograf der Region, von Juden, die an irgendeiner der Tempelberg-Mauern beteten, zu denen sie Zugang fanden, ohne eine besondere Präferenz für die im Westen. Diese Beschreibung wird von Inschriften verstärkt, die von Pilgern an den verschiedenen Mauern (einschließlich der Westmauer) eingeritzt wurden – in der Vergangenheit eine übliche Vorgehensweise von Besuchern heiliger Stätten.

An der Westmauer betende Männer und Frauen, Mitte des 19. Jahrhunderts. Foto: Felix Bonfils; die Priztker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Erst im 17. Jahrhundert begannen klare Belege für jüdisches Gebet an dieser bestimmten Stelle aufzutauchen. Anfangs waren es einzelne, die dort beteten und langsam sehen wir im Lauf der Jahre zunehmend Berichte, dass an der Stelle öffentliche Gebete abgehalten wurden. Zuerst waren das besondere Gebete am 9. Av und später bildete sich eine allgemeine Gebetsstätte, die im Herzen aller Juden tief verwurzelt wurde. Was stärkte die Position der Westmauer gegenüber den anderen Umfassungsmauern des Tempelbergs? Es scheint zwei Hauptgründe zu geben: Einer ist, dass es sich um dieselbe Westmauer handelt, die von den jüdischen Weisen erwähnt wird. Selbst wenn es bei der Identifizierung der fraglichen Westmauer zu einer Verwechslung gekommen ist, ist die aktuelle Westmauer in der Tat immer noch dem Allerheiligsten am nächsten, zu dem hinaufzugehen einmal verboten war. Der zweite Grund ist vielleicht prosaischer: Mitte des 15. Jahrhunderts verließen die Juden ihr Viertel auf dem Berg Zion und ließen sich stattdessen dort nieder, wo heute das jüdische Viertel ist. Die Nähe dieses neuen Viertels zur Westmauer half dabei sie zu dem bevorzugten Gebetsort der Jerusalemer Juden zu machen. Ein Erdbeben im 16. Jahrhundert legte offenbar weitere Teile der Westmauer frei, was die Schaffung des Gebetsortes ermöglichte, der uns heute bekannt ist. Es scheint so, dass die alleinige Heiligung der Westmauer bis ins aktuelle Jahrhundert nachverfolgt werden kann.

Gebet an der Westmauer, frühes 20. Jahrhundert. Es ist möglich die in die Mauer geritzten Inschriften zu sehen. Foto: Zadok Basan, aus dem Archiv Mosche David Gaon.

Das ist also die Geschichte der wichtigsten national-religiösen Stätte des heutigen Judentums. So wurde die Mauer zum Symbol der Sehnsucht des jüdischen Volks nach Zion. Und das war die Geschichte, die die Repräsentanten der jüdischen Gemeinschaft im Land Israel der britischen Untersuchungskommission erzählten, die nach den Krawallen von 1929 eingesetzt wurde und die nach einem Streit wegen Gebet an der Westmauer ausbrach. Und was ist mit den Zetteln, die in die Spalten zwischen den Steinen gesteckt werden? Das scheint ein „junger“ Brauch zu sein, der erst im 19. Jahrhundert eingeführt wurde. Er etablierte sich erst richtig, nachdem die Briten verboten Namen in die Westmauer zu ritzen, eine Gepflogenheit, die auch heute nicht länger akzeptiert wird. Andere Gebetsbräuche an der Westmauer haben sich im Verlauf der Zeit ebenfalls verändert: Heute werden z.B. von den orthodoxen Rabbinern der Stätte gemischte Gebete von Männern und Frauen nicht mehr erlaubt, obwohl das während der osmanischen Zeit üblich war. Es stellt sich heraus, dass Bräuche, die uns zeitlos erscheinen mögen, eigentlich auf Traditionen gründen, die die Gewohnheit haben sich im Lauf der Zeit zu verändern und weiter zu entwickeln.

Die Geschichte des Davidsterns

Der sechszackige Stern steht im Buddhismus für Frieden und Harmonie, während Alchemisten glaubten, er symbolisiere die Natur – wie kam der Davidstern im Judentum zu seiner Bedeutung?

Sharon Cohen, the Librarians, 19. Mai 2021

„in diese Symbole geht etwas vom Geheimnis der Menschen ein.“ (Gerschom Scholem)

Der Davidstern entstand lange bevor er vom jüdischen Glauben und der zionistischen Bewegung übernommen wurde; er tauchte vor tausenden von Jahren in den Kulturen des Ostens auf, Kulturen, die ihn bis heute verwenden. In der Vergangenheit war, das wissen wir heute, der Davidstern ein beliebtes Symbol in heidnischen Traditionen wie auch als dekoratives Mittel, das in Kirchen des ersten Jahrhunderts und sogar in der muslimischen Kultur verwendet wurde.

Aber wie ist der Davidstern mit dem Schicksal des jüdischen Volks verbunden?

Im hebräischen Kontext wird der Davidstern eigentlich „Schild Davids“(magen David) genannt, ein Ausdruck, der erstmals im Babylonischen Talmud erwähnt wird, aber nicht als Symbol, sondern als Beiname Gottes [Pesachim 117b]. Eine weitere Verbindung zum Schild-Konzept ist eine jüdische Legende, gemäß der das Emblem den Schild der Armee König Davids zierte; darüber hinaus wählte sogar Rabbi Akiva den Davidstern als Symbol für Bar Kochbas Revolte gegen den römischen Kaiser Hadrian (Bar-Kochbas Name bedeutet „Sohn des Sterns“).

Der Davidstern wurde erst Mitte des 14. Jahrhunderts zu einem eindeutig jüdischen Symbol, als der Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Karl IV. den Juden von Prag das Recht gewährte eine Flagge zu tragen; sie wählten den sechszackigen Stern. Von Prag aus verbreitete sich die Verwendung des Davidsterns als offiziellem Symbol des Judentums und so begann die Bewegung jüdische Quellen zu finden, die das Symbol bis zum Haus Davids zurückverfolgten.

Der Davidstern an der Alten Synagoge in Prag.

Andererseits behauptete der berühmte Kabbalah-Gelehrte Gerschom Scholem, dass der Davidstern keinesfalls aus dem Judentum stammt. Obwohl er festhielt, dass das Symbol auf einem in Sidon gefundenen jüdischen Siegel aus dem 7. Jahrhundert v.Chr. identifiziert wurde, ebenso in Synagogen-Verzierungen aus dem 3. und 4. Jahrhundert, wurde der Stern neben anderen Symbolen gefunden, die als nicht jüdischer Herkunft bekannt sind.

Wo können wir also Darstellungen des Hexagramms (ein sechszackiger Stern) in anderen Kulturen finden?

Das Hexagramm ist tausende Jahre lang auch in Indien in Gebrauch gewesen und es ist auf antiken Tempeln sowie im alltäglichen Gebrauch zu finden; im Buddhismus wird er als Meditationshilfe verwendet, um ein Gefühl des Friedens und der Harmonie zu erreichen und im Hinduismus ist er ein Symbol der Göttin Lakschmi – der Göttin des Glücks und des materiellen Überflusses.

Hexagramme sind in der Alchemie zuhauf vorhanden, in der Theorie und dem Studium von Materialien, aus dem sich die moderne Wissenschaft der Chemie entwickelte; Alchemisten nahmen den sechszackigen Stern für ihre graphische Sprache der Zeichen und Symbole: ein aufrechtes Dreieck symbolisierte Wasser, ein umgekehrtes Dreieck symbolisierte Feuer und zusammen beschrieben sie die Harmonie zwischen gegensätzlichen Elementen. In alchemistischer Literatur repräsentiert das Hexagramm zudem die „vier Elemente“ – die Theorie, dass alle Materie der Welt sich aus den vier Elementen zusammensetzt: Luft, Wasser, Erde und Feuer – praktisch alles, was existiert. Man könnte sagen, dass der Stern das ultimative alchemistische Symbol ist.

Die Alchemie borgte sich aus der klassischen griechischen Tradition die Idee, dass Maskulinität Weisheit bedeutet, während Feminität die Natur symbolisiert; der Mann ist Philosophie und die Frau ist die physische Welt. Die folgende Illustration, die in einem alchemistischen Text des 18. Jahrhunderts erschient, zeigt einen Mann, der eine Laterne hält und einer Frau folgt, die ein Hexagramm hält –  Weisheit ist der Schlüssel, der die Geheimnisse der Daseins offenbart.

„Der Philosoph bei der Untersuchung der Natur“ – eine Illustration, die in einem alchemistischen Text von 1749 erscheint (Sidney Edelstein Collectioni in der Nationalbibliothek Israels)

Im Islam wird das Hexagramm als „Siegel Salomons“ bezeichnet und es schmückt viele Moscheen rund um die Welt. Bis 1945 war das Emblem auch auf der marokkanischen Flagge zu finden. Es wurde zum fünfzackigen Stern (Pentagramm) geändert, als der sechszackige Stern zum Emblem der zionistischen Bewegung wurde. In der islamischen Welt hat die Verwendung dieses Symbols aus demselben Grund nachgelassen. Das Hexagramm ist zudem in mittelalterlichen und frühmodernen Kirchen zu finden – wenn auch nicht als christliches Symbol, sondern als dekoratives Motiv.

Das Hexagramm im Islam

Trotz der Verwendung in anderen Kulturen schmückt der Davidstern die israelische Flagge und wird folglich als unumstrittenes Symbol des Staates Israel betrachtet, ungeachtet seiner Herkunft. Die Kraft eines Symbols liegt immerhin in der Bedeutung, die wir ihm geben.

[Quellen für diesen Artikel mit freundlicher Genehmigung durch Chaya Meier Herr, Direktorin der Edelstein Collection for History and Science, sowie Dr. Ziv Leschem, Direktor der Gerschom Scholem Collection in der Nationalbibliothek Israels.]

Jüdisch sein ist, was immer du es sein lassen willst – außer jüdischem Nationalbewusstsein

Elder of Ziyon, 8. April 2021

Ich twitterte neulich das hier:

„Ich drücke mein Jüdisch sein über tikkun olam aus!“

„Klasse!“

„Ich drücke meines über alte jiddische Theaterstücke aus.

„Fantastisch!“

„Bei mir Jüdische Küche!“

„Sagenhaft!“

„Meines läuft über Zionismus!“

„Wie kannst du es wagen Zionismus mit Judentum zu verbinden!“

Mein Punkt ist, dass die Anti-Israel-Truppen es lieben von ihrem jüdischen Erbe zu reden, das alles vom Essen von Bagels bis zur Erforschung des Feuers in der Triangle-Shirtwast-Fabrik sein kann. Das ist für sie alles Teil der Darstellung des Judentums.

Aber für Leute, die jüdisches Nationalbewusstsein als integralen Bestandteil ihres Judentums betrachten, hat ihre ausgedehnte Definition dessen, was Jüdisch sein bedeutet, hier seine Grenze.

Sie würden jeden, der irgendeinen Aspekt ihres Jüdisch seins attackiert, als antisemitisch bezeichnen, aber den jüdischen Staat oder jüdisches Nationalbewusstsein angreift, ist nicht antisemitisch – im Gegenteil, sie finden das lobenswert.

So sehr sie versuchen vorzugeben, dass der Zionismus irgendwie nichts mit dem Judentum zu tun hat, können sie scheinbar nicht erklären, was ihre Grenzen dafür sein, was jüdisch ist. Und für Leute, die andere beschuldigen sie als Juden zu auszugrenzen, ist das mehr als ein wenige scheinheilig.

Wie und warum landete ein Talmud-Traktat in Hitlers Bunker?

Der Daf Yomi, die tägliche Talmud-Seite, die diese Woche gelesen wird, könnte die Antwort auf eine 75 Jahre alte Frage geben. Op-ed.

David Bedein, Israel HaYom, 18. Februar 2021

Talsmud-Studium (Foto: iStock)

Eine der Nazi-Täuschungen beinhaltete die Vereinnahmung der Bräuche und Tragödien der jüdischen Geschichte.

In diesem Zusammenhang kam am Ende des Krieges ein Rätsel um die Entdeckung des Traktats Pesachim des Talmuds in Hitlers Bunker auf. Gefunden wurde es kurz nachdem der Bunker in die Hände der Alliierten fiel.

Wie kam es dazu, dass ein Traktat des Talmuds in den Händen der Nazis war? Und warum dieses Traktat? Was hätte die Nazis an diesem Traktat interessieren können?

Warum unterscheidet sich dieses Traktat von allen anderen?

Während dieses Zeitraums, als die Juden den täglichen Talmud-Studienzirkel Dav Yomi lernen, ist das studierte und gelehrte Traktat kein anderes als Pesachim, das sich um alle möglichen Aspekte von Pessah dreht, zusammen mit wichtigen Aspekten der jüdischen Überlieferung und Geschichte.

Am 16. Februar 2021 wurde im Lernzirkel Daf Yomi die Seite 87 des Traktats Pesachim gelehrt. Und ich denke, ich habe die Antwort gefunden.

Auf Seite 87b erinnert der Talmud an die Verfolgung, unter der die Juden in jeder Generation leiden, gefolgt von einer berühmten Talmduc-Beobachtung, dass Gottes Gnade den Juden gegenüber darin besteht, dass die Juden nicht nur nicht an einen Ort verbannt wurden, so dass die sie, wenn sie irgendwo verfolgt wurden, an einem anderen aufblühen können.

Der Schluss der Diskussion gibt die Worte eines prominenten Römers wieder, der sagte, er träume, dass sie in eines Tages in der Lage sein werden tatsächlich alle Juden zu töten.

Genau das war die „Vision“ der Wannseekonferenz, die vor achtzig Jahren stattfand, als Führer des Dritten Reichs zu einer Konferenz zusammenkamen, um einen Plan zur Ermordung aller 11 Millionen Juden Europas in Gang zu setzen.

Könnte es angesichts der Vorliebe der Nazis tatsächlich von jüdischen Texten zu lernen, um „den Feind zu kennen“, sein, dass es Deutsche im Bunker gab, die Pesachim 87b studierten? Wir werden es nie erfahren, aber das scheint zu passen.

Der Band des im Nazi-Bunker gefundenen Pesachim-Traktats wurde von den Alliierten an Rabbi Isaac Herzog übergeben, damals der Oberrabbiner Palästinas.

Dieser Band ist heute im Besitz seines Namensvetters Yitzhak Herzog, des Leiters der Jewish Agency for Israel, der den Auftrag hat die Juden aus den vier Enden der Erde zu sammeln und für ihre Rückkehr in ihr Heimatland in Israel zu sorgen.

Volle Offenlegung: Ich habe in den letzten 35 Jahren jeden Tag an einer frühmorgendlichen Daf Yomi-Sitzung teilgenommen.

Wenn ein Reporter, der über Antisemitismus und das Schicksal der Juden berichtet, die Gelegenheit wahrnimmt Daf Yomi zu lernen, bevor er jeden Tag zur Arbeit geht, ist Perspektive unerlässlich. Und man weiß nie, welche Geheimnisse der Talmud offenbaren kann.