Wie die Westmauer zu einem der heiligsten Orte des Judentums wurde

Wann und iwe begannen Juden an der Westmauer zu beten?

Amit Naor, the Librarians, 28. Juli 2021

Ansicht der Westmauer und des Tempelbergs, Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels

Beim Lesen des Titels könnten die, die mit jüdischen Quellen vertraut sind, schnell mit einem Zitat aus der Midrasch antworten: „Die Präsenz Gottes ist nie von der Westmauer gewichen.“ Diese sehr sachkundigen Leute wissen aber mit Sicherheit, dass die von unseren Weisen erwähnte Westmauer  nicht dieselbe gewaltige Mauer ist, die wir  heute die Westmauer nennen. Wie wurde dann die westliche Umfassungsmauer des herodianischen Tempelbergs zur bekanntesten national-religiösen Stätte für Juden weltweit?

Jüdische F rauen mit Gebetschals beten vor der Westmauer. Aus der Postkarten-Sammlung in der Nationalbibliothek Israels.

Beginnen wir ganz am Anfang. Wie erwähnt ist die Westmauer, an der die Menschen heute beten, eine der vier Umfassungsmauern, die von König Herodes als Teil der Erweiterung und Renovierung des Tempelberggeländes und des Tempels gebaut wurde, der in seinem Zentrum stand. Ein weiteres Zitat der Weisen zum herodianischen Tempel behauptet: „Wer den Tempel des Herodes nicht gesehen hat, hat nie ein schönes Gebäude gesehen“ (Babylonischer Talmud Baba Batra 4a). Und während die meisten Weisen vermutlich nie eine Chance bekamen einen Blick auf das Taj Mahal oder den Palast von Versailles zu werfen, scheint es akkurat zu sein, wenn man sagt, dass der Tempel des Herodes nicht allzu schäbig gewesen sein kann. Dieser Tempel fand in dem berüchtigten Jahr 70 n.Chr. sein Ende, als die römischen Legionen ihn während der Eroberung Jerusalems und der Unterdrückung der Großen Revolte niederbrannten.

Als die Weisen von der „Westmauer“ (Hebräisch: HaKotel HaMa’aravi) schrieben, waren sie vermutlich immer noch in der Lage die Überreste der Westmauer des eigentlichen Tempelgebäudes zu sehen, zusätzlich zu den Umfassungsmauern des Tempelbergs-Platzes. Das war ein eindrucksvolles Relikt, das anscheinend nach dem Feuer der Römer noch stehen geblieben war. Es handelte sich um die Mauer, die sich am nächsten am Allerheiligsten befand und ihr übernatürliches Überleben trug vermutlich weiter zum Gefühl der Ehrfurcht und Heiligkeit des Ortes bei. Nach Angaben historischer Schätzungen ereignete sich seine endgültige Zerstörung spätestens gegen Ende des siebten Jahrhunderts, als die gerade angekommenen Muslimen an derselben Stelle den Felsendom bauten. Wir werden später zu dieser verloren gegangenen Westmauer zurückkehren.

Die Westmauer und Jerusalem auf einer Karte der heiligen Orte des Landes Israel. Klicken Sie hier, um sich die gesamte Karte der kartografischen Sammlung Eran Laor der Nationalbibliothek anzusehen.

Irgendwann wurde die Westmauer des Tempelgebäudes zerstört und was übrig blieb, war die Westmauer des Tempelbergs – die Umfassungsmauer des Platzes von Herodes. Allerdings muss jeder, der jemals einen Blick über die Altstadt geworfen hat, festgestellt haben, dass diese nicht die einzige stehen gebliebene Mauer des Tempelbergs ist. Die südliche und die östliche Mauer von Herodes mächtigem Bauprojekt sind ebenfalls übrig und stützen immer noch den Platz des Tempelbergs. Nur die nördliche Mauer ist nicht vollständig erhalten geblieben. Die südliche und die östliche Mauer wurden dann in die Mauern der Altstadt integriert. Das berühmte Gnadentor, auch als Goldenes Tor bekannt, durch das gemäß der Tradition der Messias in Jerusalem einziehen wird, wurde in die östliche Mauer gehauen.

In der Tat erwähnen Zeugenberichte von Reisenden, die das Land Israel schon in der byzantinischen Zeit besuchten, nicht unbedingt die Gebete, die auf der westlichen Seite des Tempelbergs stattfanden. Der Bericht des „Pilgers von Bordeaux“, bezeugte im Jahr 333, dass Juden immer noch einmal im Jahr auf den Tempelberg gingen (vermutlich am 9. Av) „und weinten und trauerten über einen Stein, der von ihrem Tempel übrig geblieben ist und den sie mit Öl salbten“. Könnte dies der Grundstein gewesen sein, der sich heute im Inneren des Felsendoms befindet? Ob es nun aus halachischen Gründen oder wegen der Einwände verschiedener Herrscher war, die Juden hörten auf, auf den Tempelberg selbst zu gehen und gaben sich mit dem Besuch der angrenzen Bereiche zufrieden.

Gebet an der Westmauer. Aus der Postkarten-Sammlung in der Nationalbibliothek Israels.

Spätere Zeugenaussagen erwähnen die Westmauer, aber nicht zwangsläufig den Ort des Gebets, den wir heute kennen. Ein Text aus der Kairo-Genizah, geschrieben im 11. Jahrhundert, vermerkt die Gebete nahe der Westmauer, allerdings weiter nördlich, ein Ort direkter am zerstörten Allerheiligsten. Der berühmte jüdische Reisende des 12. Jahrhunderts Benjamin von Tudela führt die Westmauer namentlich an; er erklärt, dass dort Juden beteten. Er beschrieb allerdings das Gnadentor als in derselben Mauer befindlich, obwohl sich dieses Tor wie erwähnt in Wirklichkeit in der östlichen Mauer befindet. Dem muss die Tatsache hinzugefügt werden, dass Juden in dieser Zeit allgemein das Betreten der Stadt verboten war und es daher unwahrscheinlich ist, dass er persönlich Zeuge betender Juden in der Nähe der Westmauer war.

Die Westmauer ziert eine Landkarte Jerusalems aus dem 19. Jahrhundert. Nur wenige Landkarten der Stadt zeigen den wichtigen Ort markant, das die Stadt zumeist aus östlicher Richtung dargestellt wurde. Klicken Sie hier, um eine komplette Landarte aus den Kartografischen Sammlung Eran Laor-der Nationalbibliothek zu sehen.

Andere zeitgenössische Reisende erwähnen die Westmauer, aber nicht den Brauch daran zu beten. Manche stellen sogar heraus, dass die Westmauer alleine steht, dass niemand kommt um zu beten oder ihre massiven Steinblöcke zu sehen. Im 14. Jahrhundert schreib Ischtori Haparchi, ein weiterer berühmter Geograf der Region, von Juden, die an irgendeiner der Tempelberg-Mauern beteten, zu denen sie Zugang fanden, ohne eine besondere Präferenz für die im Westen. Diese Beschreibung wird von Inschriften verstärkt, die von Pilgern an den verschiedenen Mauern (einschließlich der Westmauer) eingeritzt wurden – in der Vergangenheit eine übliche Vorgehensweise von Besuchern heiliger Stätten.

An der Westmauer betende Männer und Frauen, Mitte des 19. Jahrhunderts. Foto: Felix Bonfils; die Priztker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Erst im 17. Jahrhundert begannen klare Belege für jüdisches Gebet an dieser bestimmten Stelle aufzutauchen. Anfangs waren es einzelne, die dort beteten und langsam sehen wir im Lauf der Jahre zunehmend Berichte, dass an der Stelle öffentliche Gebete abgehalten wurden. Zuerst waren das besondere Gebete am 9. Av und später bildete sich eine allgemeine Gebetsstätte, die im Herzen aller Juden tief verwurzelt wurde. Was stärkte die Position der Westmauer gegenüber den anderen Umfassungsmauern des Tempelbergs? Es scheint zwei Hauptgründe zu geben: Einer ist, dass es sich um dieselbe Westmauer handelt, die von den jüdischen Weisen erwähnt wird. Selbst wenn es bei der Identifizierung der fraglichen Westmauer zu einer Verwechslung gekommen ist, ist die aktuelle Westmauer in der Tat immer noch dem Allerheiligsten am nächsten, zu dem hinaufzugehen einmal verboten war. Der zweite Grund ist vielleicht prosaischer: Mitte des 15. Jahrhunderts verließen die Juden ihr Viertel auf dem Berg Zion und ließen sich stattdessen dort nieder, wo heute das jüdische Viertel ist. Die Nähe dieses neuen Viertels zur Westmauer half dabei sie zu dem bevorzugten Gebetsort der Jerusalemer Juden zu machen. Ein Erdbeben im 16. Jahrhundert legte offenbar weitere Teile der Westmauer frei, was die Schaffung des Gebetsortes ermöglichte, der uns heute bekannt ist. Es scheint so, dass die alleinige Heiligung der Westmauer bis ins aktuelle Jahrhundert nachverfolgt werden kann.

Gebet an der Westmauer, frühes 20. Jahrhundert. Es ist möglich die in die Mauer geritzten Inschriften zu sehen. Foto: Zadok Basan, aus dem Archiv Mosche David Gaon.

Das ist also die Geschichte der wichtigsten national-religiösen Stätte des heutigen Judentums. So wurde die Mauer zum Symbol der Sehnsucht des jüdischen Volks nach Zion. Und das war die Geschichte, die die Repräsentanten der jüdischen Gemeinschaft im Land Israel der britischen Untersuchungskommission erzählten, die nach den Krawallen von 1929 eingesetzt wurde und die nach einem Streit wegen Gebet an der Westmauer ausbrach. Und was ist mit den Zetteln, die in die Spalten zwischen den Steinen gesteckt werden? Das scheint ein „junger“ Brauch zu sein, der erst im 19. Jahrhundert eingeführt wurde. Er etablierte sich erst richtig, nachdem die Briten verboten Namen in die Westmauer zu ritzen, eine Gepflogenheit, die auch heute nicht länger akzeptiert wird. Andere Gebetsbräuche an der Westmauer haben sich im Verlauf der Zeit ebenfalls verändert: Heute werden z.B. von den orthodoxen Rabbinern der Stätte gemischte Gebete von Männern und Frauen nicht mehr erlaubt, obwohl das während der osmanischen Zeit üblich war. Es stellt sich heraus, dass Bräuche, die uns zeitlos erscheinen mögen, eigentlich auf Traditionen gründen, die die Gewohnheit haben sich im Lauf der Zeit zu verändern und weiter zu entwickeln.

Die Geschichte des Davidsterns

Der sechszackige Stern steht im Buddhismus für Frieden und Harmonie, während Alchemisten glaubten, er symbolisiere die Natur – wie kam der Davidstern im Judentum zu seiner Bedeutung?

Sharon Cohen, the Librarians, 19. Mai 2021

„in diese Symbole geht etwas vom Geheimnis der Menschen ein.“ (Gerschom Scholem)

Der Davidstern entstand lange bevor er vom jüdischen Glauben und der zionistischen Bewegung übernommen wurde; er tauchte vor tausenden von Jahren in den Kulturen des Ostens auf, Kulturen, die ihn bis heute verwenden. In der Vergangenheit war, das wissen wir heute, der Davidstern ein beliebtes Symbol in heidnischen Traditionen wie auch als dekoratives Mittel, das in Kirchen des ersten Jahrhunderts und sogar in der muslimischen Kultur verwendet wurde.

Aber wie ist der Davidstern mit dem Schicksal des jüdischen Volks verbunden?

Im hebräischen Kontext wird der Davidstern eigentlich „Schild Davids“(magen David) genannt, ein Ausdruck, der erstmals im Babylonischen Talmud erwähnt wird, aber nicht als Symbol, sondern als Beiname Gottes [Pesachim 117b]. Eine weitere Verbindung zum Schild-Konzept ist eine jüdische Legende, gemäß der das Emblem den Schild der Armee König Davids zierte; darüber hinaus wählte sogar Rabbi Akiva den Davidstern als Symbol für Bar Kochbas Revolte gegen den römischen Kaiser Hadrian (Bar-Kochbas Name bedeutet „Sohn des Sterns“).

Der Davidstern wurde erst Mitte des 14. Jahrhunderts zu einem eindeutig jüdischen Symbol, als der Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Karl IV. den Juden von Prag das Recht gewährte eine Flagge zu tragen; sie wählten den sechszackigen Stern. Von Prag aus verbreitete sich die Verwendung des Davidsterns als offiziellem Symbol des Judentums und so begann die Bewegung jüdische Quellen zu finden, die das Symbol bis zum Haus Davids zurückverfolgten.

Der Davidstern an der Alten Synagoge in Prag.

Andererseits behauptete der berühmte Kabbalah-Gelehrte Gerschom Scholem, dass der Davidstern keinesfalls aus dem Judentum stammt. Obwohl er festhielt, dass das Symbol auf einem in Sidon gefundenen jüdischen Siegel aus dem 7. Jahrhundert v.Chr. identifiziert wurde, ebenso in Synagogen-Verzierungen aus dem 3. und 4. Jahrhundert, wurde der Stern neben anderen Symbolen gefunden, die als nicht jüdischer Herkunft bekannt sind.

Wo können wir also Darstellungen des Hexagramms (ein sechszackiger Stern) in anderen Kulturen finden?

Das Hexagramm ist tausende Jahre lang auch in Indien in Gebrauch gewesen und es ist auf antiken Tempeln sowie im alltäglichen Gebrauch zu finden; im Buddhismus wird er als Meditationshilfe verwendet, um ein Gefühl des Friedens und der Harmonie zu erreichen und im Hinduismus ist er ein Symbol der Göttin Lakschmi – der Göttin des Glücks und des materiellen Überflusses.

Hexagramme sind in der Alchemie zuhauf vorhanden, in der Theorie und dem Studium von Materialien, aus dem sich die moderne Wissenschaft der Chemie entwickelte; Alchemisten nahmen den sechszackigen Stern für ihre graphische Sprache der Zeichen und Symbole: ein aufrechtes Dreieck symbolisierte Wasser, ein umgekehrtes Dreieck symbolisierte Feuer und zusammen beschrieben sie die Harmonie zwischen gegensätzlichen Elementen. In alchemistischer Literatur repräsentiert das Hexagramm zudem die „vier Elemente“ – die Theorie, dass alle Materie der Welt sich aus den vier Elementen zusammensetzt: Luft, Wasser, Erde und Feuer – praktisch alles, was existiert. Man könnte sagen, dass der Stern das ultimative alchemistische Symbol ist.

Die Alchemie borgte sich aus der klassischen griechischen Tradition die Idee, dass Maskulinität Weisheit bedeutet, während Feminität die Natur symbolisiert; der Mann ist Philosophie und die Frau ist die physische Welt. Die folgende Illustration, die in einem alchemistischen Text des 18. Jahrhunderts erschient, zeigt einen Mann, der eine Laterne hält und einer Frau folgt, die ein Hexagramm hält –  Weisheit ist der Schlüssel, der die Geheimnisse der Daseins offenbart.

„Der Philosoph bei der Untersuchung der Natur“ – eine Illustration, die in einem alchemistischen Text von 1749 erscheint (Sidney Edelstein Collectioni in der Nationalbibliothek Israels)

Im Islam wird das Hexagramm als „Siegel Salomons“ bezeichnet und es schmückt viele Moscheen rund um die Welt. Bis 1945 war das Emblem auch auf der marokkanischen Flagge zu finden. Es wurde zum fünfzackigen Stern (Pentagramm) geändert, als der sechszackige Stern zum Emblem der zionistischen Bewegung wurde. In der islamischen Welt hat die Verwendung dieses Symbols aus demselben Grund nachgelassen. Das Hexagramm ist zudem in mittelalterlichen und frühmodernen Kirchen zu finden – wenn auch nicht als christliches Symbol, sondern als dekoratives Motiv.

Das Hexagramm im Islam

Trotz der Verwendung in anderen Kulturen schmückt der Davidstern die israelische Flagge und wird folglich als unumstrittenes Symbol des Staates Israel betrachtet, ungeachtet seiner Herkunft. Die Kraft eines Symbols liegt immerhin in der Bedeutung, die wir ihm geben.

[Quellen für diesen Artikel mit freundlicher Genehmigung durch Chaya Meier Herr, Direktorin der Edelstein Collection for History and Science, sowie Dr. Ziv Leschem, Direktor der Gerschom Scholem Collection in der Nationalbibliothek Israels.]

Jüdisch sein ist, was immer du es sein lassen willst – außer jüdischem Nationalbewusstsein

Elder of Ziyon, 8. April 2021

Ich twitterte neulich das hier:

„Ich drücke mein Jüdisch sein über tikkun olam aus!“

„Klasse!“

„Ich drücke meines über alte jiddische Theaterstücke aus.

„Fantastisch!“

„Bei mir Jüdische Küche!“

„Sagenhaft!“

„Meines läuft über Zionismus!“

„Wie kannst du es wagen Zionismus mit Judentum zu verbinden!“

Mein Punkt ist, dass die Anti-Israel-Truppen es lieben von ihrem jüdischen Erbe zu reden, das alles vom Essen von Bagels bis zur Erforschung des Feuers in der Triangle-Shirtwast-Fabrik sein kann. Das ist für sie alles Teil der Darstellung des Judentums.

Aber für Leute, die jüdisches Nationalbewusstsein als integralen Bestandteil ihres Judentums betrachten, hat ihre ausgedehnte Definition dessen, was Jüdisch sein bedeutet, hier seine Grenze.

Sie würden jeden, der irgendeinen Aspekt ihres Jüdisch seins attackiert, als antisemitisch bezeichnen, aber den jüdischen Staat oder jüdisches Nationalbewusstsein angreift, ist nicht antisemitisch – im Gegenteil, sie finden das lobenswert.

So sehr sie versuchen vorzugeben, dass der Zionismus irgendwie nichts mit dem Judentum zu tun hat, können sie scheinbar nicht erklären, was ihre Grenzen dafür sein, was jüdisch ist. Und für Leute, die andere beschuldigen sie als Juden zu auszugrenzen, ist das mehr als ein wenige scheinheilig.

Wie und warum landete ein Talmud-Traktat in Hitlers Bunker?

Der Daf Yomi, die tägliche Talmud-Seite, die diese Woche gelesen wird, könnte die Antwort auf eine 75 Jahre alte Frage geben. Op-ed.

David Bedein, Israel HaYom, 18. Februar 2021

Talsmud-Studium (Foto: iStock)

Eine der Nazi-Täuschungen beinhaltete die Vereinnahmung der Bräuche und Tragödien der jüdischen Geschichte.

In diesem Zusammenhang kam am Ende des Krieges ein Rätsel um die Entdeckung des Traktats Pesachim des Talmuds in Hitlers Bunker auf. Gefunden wurde es kurz nachdem der Bunker in die Hände der Alliierten fiel.

Wie kam es dazu, dass ein Traktat des Talmuds in den Händen der Nazis war? Und warum dieses Traktat? Was hätte die Nazis an diesem Traktat interessieren können?

Warum unterscheidet sich dieses Traktat von allen anderen?

Während dieses Zeitraums, als die Juden den täglichen Talmud-Studienzirkel Dav Yomi lernen, ist das studierte und gelehrte Traktat kein anderes als Pesachim, das sich um alle möglichen Aspekte von Pessah dreht, zusammen mit wichtigen Aspekten der jüdischen Überlieferung und Geschichte.

Am 16. Februar 2021 wurde im Lernzirkel Daf Yomi die Seite 87 des Traktats Pesachim gelehrt. Und ich denke, ich habe die Antwort gefunden.

Auf Seite 87b erinnert der Talmud an die Verfolgung, unter der die Juden in jeder Generation leiden, gefolgt von einer berühmten Talmduc-Beobachtung, dass Gottes Gnade den Juden gegenüber darin besteht, dass die Juden nicht nur nicht an einen Ort verbannt wurden, so dass die sie, wenn sie irgendwo verfolgt wurden, an einem anderen aufblühen können.

Der Schluss der Diskussion gibt die Worte eines prominenten Römers wieder, der sagte, er träume, dass sie in eines Tages in der Lage sein werden tatsächlich alle Juden zu töten.

Genau das war die „Vision“ der Wannseekonferenz, die vor achtzig Jahren stattfand, als Führer des Dritten Reichs zu einer Konferenz zusammenkamen, um einen Plan zur Ermordung aller 11 Millionen Juden Europas in Gang zu setzen.

Könnte es angesichts der Vorliebe der Nazis tatsächlich von jüdischen Texten zu lernen, um „den Feind zu kennen“, sein, dass es Deutsche im Bunker gab, die Pesachim 87b studierten? Wir werden es nie erfahren, aber das scheint zu passen.

Der Band des im Nazi-Bunker gefundenen Pesachim-Traktats wurde von den Alliierten an Rabbi Isaac Herzog übergeben, damals der Oberrabbiner Palästinas.

Dieser Band ist heute im Besitz seines Namensvetters Yitzhak Herzog, des Leiters der Jewish Agency for Israel, der den Auftrag hat die Juden aus den vier Enden der Erde zu sammeln und für ihre Rückkehr in ihr Heimatland in Israel zu sorgen.

Volle Offenlegung: Ich habe in den letzten 35 Jahren jeden Tag an einer frühmorgendlichen Daf Yomi-Sitzung teilgenommen.

Wenn ein Reporter, der über Antisemitismus und das Schicksal der Juden berichtet, die Gelegenheit wahrnimmt Daf Yomi zu lernen, bevor er jeden Tag zur Arbeit geht, ist Perspektive unerlässlich. Und man weiß nie, welche Geheimnisse der Talmud offenbaren kann.

Der ignorante Antisemitismus der obersten Richter Europas

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Dass der Europäische Gerichtshofs in Luxemburg es auf die Liste der Top Ten der schlimmsten antisemitischen Vorfälle 2020 des Simon Wiesenthal Center (SWC) geschafft hat, ist eine höchst negative Leistung. Das ist umso bemerkenswerter, als sich die Auflistung des Gerichts auf ein fehlerhaftes Urteil stützte, das eine bedeutende Lüge beinhaltet.

Das höchste Gericht der EU entschied, dass ein Beschluss der flämischen Regierung, das rituelle Schlachten von Tieren nur nach einer Betäubung zu erlauben, einen „fairen Ausgleich zwischen dem Wohlergehen der Tiere und der freien Religionsausübung“ ermögliche.[1] Warum ist das eine Lüge? Weil für religiöse Vorschriften einhaltende Juden – wie auch für viele Muslime[2] – das Fleisch von vor der Schlachtung betäubten Tieren zu essen verboten ist. Daher kann es keinen „fairen Ausgleich“ zwischen Tierwohl und dem Verbot des Gebots einer Religion geben, wie das Gericht fälschlich behauptet.[3]

Das Urteil des Gerichts widersprach damit auch einer Empfehlung seines Generalanwalts, der das flämische Gesetz annullieren wollte. Er sagte, strengere Tierwohl-Gesetze könnten zugelassen werden, wenn der „Kern“ des religiösen Brauchs nicht beeinträchtigt wird. Das Urteil des Gerichts tastete allerdings diesen „Kern des religiösen Brauchs“ an.

Es gibt viele Aspekte im Hintergrund, wenn man diese juristische Entscheidung betrachtet. Nachdem Hitler 1933 an die Macht kam, führte die Nazi-Regierung in Deutschland ähnliche Maßnahmen ein. Das passte in ihre antisemitische Politik. Obwohl sie für ihre Entscheidung einen anderen Grund angaben, stellten sich die Richter des Europäischen Gerichtshof hinter Hitlers Ansatz.[4] Das SWC erwähnt in seinem Dokument ausdrücklich die Verbindung zwischen den Entscheidungen des Gerichts und Hitlers. Die Europa-Richter haben den antisemitischen Charakter und die Geschichte ihrer aktuellen Entscheidung möglicherweise nicht erkannt. Antisemitismus aus Unwissen ist nur einer der vielen Stränge des Hasses.

Die Richter in Luxemburg sind in ein antisemitisches Thema mit langer Geschichte gewatet. Das am wenigsten Negative, das angenommen werden kann, ist, dass sie zu diesem Thema keinerlei Grundkenntnisse über die Vergangenheit hatten, ansonsten wäre es ein noch schlimmeres Fehlurteil, als es das ohnehin schon ist.

In der Vergangenheit erfolgte ein Großteil der Gesetzgebung gegen rituelles Schlachten in Europa auf selbstherrlich-antisemitischer Grundlage. In der Schweiz wurde das rituelle Schlachten ohne Betäubung 1893 über einen Verfassungszusatz verboten.[5] Damit sollte den Juden signalisiert werden, dass sie im Land nicht sonderlich willkommen waren.[6] Außer während des Zweiten Weltkriegs, als es in der Schweiz zahlreiche jüdische Flüchtlinge gab, war die jüdische Gemeinschaft immer klein geblieben. Nach dem Krieg unternahm die schweizerische Regierung beträchtliche Anstrengungen die jüdischen Flüchtlinge dazu zu bringen das Land zu verlassen.[7]

Norwegen, ein Land mit kleiner Bevölkerung und einer langen antisemitischen Tradition, verabschiedete 1929 ein Gesetz, das das Töten von Tieren ohne Betäubung verbot, also noch bevor Deutschland das unter der Naziherrschaft machte. Es ist bis heute in gültig. Demgegenüber haben Norweger seitdem weiter Wale auf eine grausame Weise getötet, bei der das Tier auf viele Weisen leidet.[8]

Neben Deutschland war auch in den während des Zweiten Weltkriegs deutsch besetzten Ländern wie den Niederlanden jüdisches Schlachten ohne Betäubung verboten. Das wurde nach Deutschlands Niederlage zurückgenommen. Seit einigen Jahren ist im niederländischen Parlament eine kleine Partei vertreten, die Partei für Tiere. Tierrechte und -Wohlergehen sind zentraler Teil ihres Programms. Sie brachte 2011 ein Gesetz ins niederländische Abgeordnetenhaus ein, das religiöse Schlachten ohne Betäubung zu verbieten.

Dieses Gesetz war nicht hauptsächlich durch Antisemitismus motiviert – allerdings weiß man das in Europa nie – sondern durch die selektiven emotionalen Elemente eines zum Teil irrationalen Umfelds. Es gab dafür viel Unterstützung aus der Bevölkerung, was andeutet, dass viele Niederländer sich einfacher in das eingebildete Gemüt einer Kuh versetzen können als in das eines religiösen Juden. Das Gesetz wurde der Zweiten Kammer des Parlaments, verabschiedet, schaffte es aber in der ersten Kammer nicht.

Zu den Parteien, die das Gesetz unterstützten, gehörte die populistische, islamfeindliche Partei PVV. Diese war von den Problemen motiviert, die damit Teilen der religiösen Muslime bereitet würden. Dennoch sagte einer ihrer Abgeordneten, Dion Graus, in der zweiten Kammer, er könne jeden widerlegen, der behauptet seine Partei sei nur gegen Muslime: „Wir sorgen uns um die Tiere. Wir sind auch gegen jüdisches rituelles Schlachten.“[9]

Halal-Schlachten durch Muslime macht nicht mehr als 1 bis 2 Prozent der massiven Gesamt-Tierschlachtung in den Niederlanden aus. Ein Teil der Muslime isst kein Halal-Fleisch, wenn das Tier vor der Schlachtung betäubt wurde. Die Gesamtzahl der gemäß jüdischen Ritualen in den Niederlanden geschlachteten Kühe beläuft sich auf etwa 3.000, eine für die Gesamtbranche marginale Anzahl.

In der allgemeinen Schlachtindustrie in den Niederlanden gibt es enorme Verstöße gegen das Tierwohl. Viele Fälle fallen auch beim Transport der Tiere zum Schlachthof an. Es ist jedoch eine recht bekannte politische Taktik, seine Attacken gegen die Bräuche relativ kleiner Minderheiten zu richten.

Derweil erhalten gewaltige Skandale in Sachen Tierwohl in Europa nicht gerade massive internationale Öffentlichkeit. 2014 trat in Dänemark ein Verbot rituellen Schlachtens ohne Betäubung in Kraft.[10][11] Im November 2020 waren Tiere in einen dänischen Nerz-Framen mit dem Covid-Virus infiziert.[12] Daraufhin wurden auf Anweisung der Regierung mehr als zehn Millionen Nerze gekeult.

Die dänische Regierung gab hinterher zu, dass ihr der rechtliche Rahmen für eine landesweite Verfügung fehlte und sie nur die Zuständigkeit hatte infizierte Nerze oder Herden innerhalb eines Sicherheitsradius zu keulen. „Das ist ein Fehler. Es ist ein bedauerlicher Fehler“, sagte die sozialdemokratische Premierministerin Mette Frederiksen im Parlament. „Selbst wenn wir in Eile sind, hätte uns völlig klar sein müssen, dass neue Gesetze erforderlich sind und das war uns nicht klar. Ich entschuldige mich dafür.“

Auch die Beerdigung der Nerze führte zu einem riesigen Umweltskandal. In eine paar Monaten – wenn es kein Covid-Risiko mehr gibt – wird man vier Millionen Nerz-Leichen wieder ausgraben und neu beerdigen müssen.[13] Ein Teil der Tiere in einem Massengrab auf einem Militärgelände im Westen des Landes sind wegen durch ihre Verwesung produzierten Stickstoff- und Phosphorgasen wieder an die Oberfläche gekommen. Zwei Grabstätten sind höchst umstritten, weil eine sich in der Nähe eines Badesees befindet, die andere nicht weit entfernt von einer Trinkwasser-Quelle. Anwohner haben sich über die potenzielle Kontaminationsgefahr beschwert.

Jüdische Organisationen könnten gegen das Urteil des Europäischen Gerichtshofs beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Berufung einlegen. Wie dem auch sei: Dieser Akt des Gerichts dürfte weitere Länder anspornen ähnliche antisemitische Gesetze zu beschließen. Der Französisch sprechende Teil Belgiens, die Wallonie, hat das 2017 bereits getan.[14]

Es gibt bei diesem Thema einen weiteren wichtigen Aspekt. Die Europäische Union hat angekündigt, dass sie in ihrem Arbeitsprogramm 2021 der Bekämpfung des Antisemitismus viel Zeit widmen wird. Als Einleitung dazu hat der Europäische Gerichtshof es geschafft ein antisemitisches Urteil zu fällen, das gut in die mehr als tausend Jahre alte europäische Tradition des Judenhasses passt. Die EU wird eine überzeugende Antwort darauf finden müssen, wenn sie irgendeine Glaubwürdigkeit in ihrem Kampf gegen den Antisemitismus haben will.

[1] www.bbc.com/news/world-europe-55344971

[2] ebenda

[3] ebenda

[4] http://www.loc.gov/law/help/religious-slaughter/europe.php

[5] http://www.swissjews.ch/en/religion/kosher-meat/the-ban-on-shechita-in-switzerland/

[6] https://jcpa.org/article/muslims-and-jews-in-switzerland/

[7] jcpa.org/phas/phas-erlanger-s06.htm

[8] www.jpost.com/Opinion/Op-Ed-Contributors/Norway-a-paradigm-for-anti-Semitism

[9] Parlamentarische Debatte, Tweede Kamer, 17. Februar 2011 [Niederländisch].

[10] http://www.foodnavigator.com/Article/2014/02/20/Denmark-bans-halal-and-kosher-slaughter

[11] http://www.theguardian.com/commentisfree/andrewbrown/2014/feb/20/denmark-halal-kosha-slaughter-hypocrisy-animal-welfare

[12] http://www.bbc.com/news/world-europe-54890229

[13] http://www.bbc.com/news/world-europe-55391272

[14] http://www.neweurope.eu/article/as-ramadan-starts-wallonia-bans-ritual-slaughter/

Metropolitan Museum of Art bezeichnet Tefillin als “ein ägyptisches Amulett”

Elder of Ziyon, 26. Juli 2020

Das ist die Internetseite des Metropolitan Museum of Art [New York City – spotplenni], auf der es seine Sammlung zeigt:

Dieses Objekt ist offensichtlich Tefillin schel rosch, im Neuen Testament „Gebetsriemen“ genannt, die jüdische Männer jeden Tag zum Gebet (und in den Zeiten des Talmud den ganzen Tag über) tragen.

Es ist schon erstaunlich, das Tefillin in dem Museum seit 1962 als Amulett der islamischen Zeit eingeordnet werden konnte, ohne dass jemand das erkannte.

Diese Tefillin schel rosch sehen erstaunlich modern aus, selbst mit dem vierfach verzweigten Schin auf der Seite.

Tefillin schel rosch scheinen zwar mindestens seit der Zeit der Schriftrollen vom Toten Meer würfelförmig gewesen zu sein, aber es gibt in derGenzia von Kairo kegelförmige Tefillin schel yad und zylindrische Tefillin schel yad schon seit 1725, graviert von dem französisch-niederländsichen Künstler Bernard Picart, sowie bogenartig geformte  Tefillin schel yad (anscheinend)im 19. Jahrhundert.

Rabbi Adin Steinsaltz sagt, dass die talmudische Vorschrift, dass Tefillin schel yad quadratisch sein müssen, sich nur auf den Boden bezieht, nicht auf das Kästchen, wie es in all diesen Fällen ist.