Vor 955 Jahren: Ermordung der Juden im Massaker von Granada

Der jüdische Wesir wurde gekreuzigt und tausende Juden in der Stadt getötet; das wird weithin als antisemitisches Pogrom betrachtet, das als das Ende des Goldenen Zeitalters des spanischen Judentums bewertet wird.

Aaron Reich, Jerusalem Post, 30. Dezember 2021

Alandalusische Architektur in Granada, Spanien (Beispielbild –Foto: PIXABAY)

Am 30. Dezember war das Massaker von Granada 955 Jahre her, ein brutales Ereignis, bei dem ein muslimischer Mob den königlichen Palast in Granada im muslimisch beherrschte Spanien stürmte, den jüdischen Wesir kreuzigte und tausende jüdische Einwohner der Stadt abschlachtete.

Granada war die Hauptstadt eines muslimischen Berber-Königreichs desselben Namens im modernen Spanien, das damals als al-Andalus bekannt war, als es sich unter muslimischer Herrschaft befand. Damals wurde es von der Zirid-Dynastie regiert; die Kontrolle über das Königreich wechselte zwar mehrere Jahrhunderte über die Hände, aber Granada sollte letztlich als die letzte Bastion muslimischer Herrschaft in al-Andalus bekannt werden, bevor es 1492 als Höhepunkt der Reconquista unter spanische Herrschaft fiel.

Die jüdische Präsenz in Granada ist allerdings weit älter. Tatsache ist, dass einige Legenden sogar postulieren, dass Juden seit der Zerstörung des ersten Tempels in der Stadt lebten; die ersten bekannten Nachweise gehen ins Jahr 711 zurück. In der Tat ist die jüdische Präsenz in Granada so alt und bewiesen, dass die Stadt einst als Garnāta-al-Yahūd bekannt war, was heißt „Granada, Stadt der Juden“. Obwohl einige Forscher diese weit verbreiteten Mutmaßungen jüdischer Geschichte in der Stadt anzweifeln, lebt das traditionelle Vermächtnis weiter, so wie ihre Bedeutung in der jüdischen Geschichte.

Wie in vielen Teilen von al-Andalus blühte die lokale jüdische Bevölkerung auf, wobei die muslimische Herrschaft über die Iberische Halbinsel weithin als das „Goldene Zeitalter“ für das sephardische Judentum betrachtet wurde. Während dieser Zeit genossen Juden mehr Freiheiten und Reichtum als mehr als tausend Jahre zuvor und jüdische Kultur, Philosophie und Wissenschaften florierten.

Die Lage war allerdings nicht immer gut. Fakt ist, dass nach dem Fall des Kalifats von Córdoba und al-Andalus in kleinere muslimische Königreiche zerbrach, Juden nicht immer denselben Wohlstand hatten. Aber in Granada war das nicht der Fall; dort blühte jüdisches Leben unter der Herrschaft der Ziriden.

Blick auf die Ziriden-Mauern Granadas von Aussichtsturm des Dar la-Hurra-Palasts (Foto: Wikimedia Commons)

In der Tat kann der Einfluss der jüdischen Gemeinde in Granada nicht untertrieben werden, da sie nicht nur denselben Status als Dhimmi – Nichtmuslimen mit geschütztem Status – inne hatten, der im Fall muslimischer Herrschaft üblich war. Ein Forscher ging sogar so weit, den Ziridenstaat als „jüdisches Königreich außer dem Namen nach“ zu beschreiben.

Das ist besonders im Fall eines bestimmten Juden zu sehen: Samuel ibn Naghrillah, besser bekannt als Samuel HaNagid oder Schmuel HaNagid, ein prominenter Talmud-Forscher, Dichter und Philosoph, der von manchen als einflussreicher Jude in al-Andalus beschrieben wird. Er war seine ganze Karriere hindurch kolossal erfolgreich und wurde sogar der Oberste Wesir und General der Ziriden, mit Letzterem der erste Juden, der muslimische Armeen auf dem Schlachtfeld kommandierte. Tatsächlich widersprachen beide Positionen dem Pakt des Omar, einem uralten muslimischen Vertrag, der den Dhimmistatus einführte und sicherstellte, dass Dhimmis unter muslimischer Herrschaft kein öffentliches Amt bekleiden durften.

Nach seinem Tod ersetzte ihn Josef ibn Naghrela als Wesir. Leider sollte er nicht den Erfolg seines Vater haben.

Manche beschreiben Josef als stolz und unbescheiden, andere sagen, dass ihm Glaube fehlte. Während diese Anschuldigungen unwahr sein könnten, da viele andere Berichte ihn preisen, waren viele Berber mit ihm unzufrieden.

Das selbst ist Folge der vielen möglichen Gründe wie Groll, dass Josef eine solch herausragende Position inne hatte oder dass er angeblich geplant habe ein feindliches Königreich in die Stadt zu lassen, wenn dieses ihn als König einsetzen würde.

Ebenfalls recht bekannt ist die Verbreitung von Gedichten, die Josef und die Juden als Ganzes verleumden. Eines dieser Gedichte, geschrieben von einem Ibrahim ibn Masud Saad al-Tujibi, auch bekannt als Abu Ischaq, war besonders bösartig und beinhaltete die folgenden Verse, wie der Historiker Bernard Lewis erzählt:

Betrachtet sie zu töten nicht als Verletzung des Glaubens,
die Verletzung des Glaubens bestünde darin sie weitermachen zu lassen.
Sie haben unseren Bund mit ihnen verletzt, wie könnt ihr gegen die Übertreter für schuldig gehalten werden?
Wie können sie ein Bündnis haben, bei dem wir unbedeutend und sie herausragend sind?
Jetzt sind wir niedrig neben ihnen, als wenn wir unrecht hätten und sie recht!

Was sich letztlich daraus ergab, war das Massaker.

Am 30. Dezember 1066 stürmte ein wütender Mob den Palast und kreuzigte Josef, bevor er seine Wut gegen die Juden der Stadt richtete und tausende von ihnen abschlachtete.

Die genaue Zahl der Todesopfer ist unklar und heiß umstritten. Zwar haben viele die Zahl in die Tausende schätzen, besonders Zahl 1.500 Haushalte wird angegeben, aber die genaue Anzahl ist unbekannt. Trotzdem ist das Blutvergießen gut dokumentiert und wird weithin als Beispiel für ein antisemitisches Pogrom betrachtet.

Nicht alle Juden wurden getötet, aber viele andere waren gezwungen zu fliehen, ihre Häuser und Land zu verkaufen, um Granada zu verlassen.

Die Juden sollten später in die Stadt zurückkehren. Es sollte jedoch nie wieder den Höhepunkt von einst erreichen. Juden wurden unter den folgenden Herrscherdynastien der Almoraviden, Almohaden und Naseriten anders behandelt, manchmal besser, manchmal schlimmer. Letztlich sollte aber die lange Geschichte des jüdischen Lebens in Granada 1492 zu Ende gehen, als die Juden aus Spanien vertrieben wurden.

Das Massaker wird von vielen als Ende des Goldenen Zeitalters des sephardischen Judentums in al-Andalus betrachtet, ein Auftakt zum tragischen Schicksal, das die Juden auf der Iberischen Halbinsel heimsuchen sollte.

Obwohl sie einst die Stadt der Juden gewesen ist, sind Spuren des alten jüdischen Lebens in Granada heute fast völlig verschwunden.

Yom HaGirusch: Das Innere der Geschichte des „Tags der Vertreibung“

Die weithin vergessene ethnische Säuberung, für die es in der Geschichte der Menschenrechtsverletzungen fast keine Parallele gibt.

Edwin Black, FrontPage Mag, 3. Dezember 2021

Sprechen wir über eine weithin vergessene ethnische Säuberung, die in der Geschichte der menschlichen Missstände kaum eine Parallele hat. Erinnern Sie sich an die koordinierte internationale Vertreibung von rund 850.000 Juden aus arabischen und muslimischen Ländern, wo sie volle 27 Jahrhunderte lang friedlich gelebt hatten? Wie manche wissen, legte die israelische Regierung 2014 den 30. November als Gedenktag dieser Massen-Gräueltat fest. Er hat keine wirkliche Identität oder einen Namen wie „Kristallnacht“. Aber ab heute werden wir ihn als Yom HaGirusch kennen – den „Tag der Vertreibung“.

Es ist ein Jahre dauernder Weg gewesen, um diese Identität zu identifizieren und festigen. Es begann in dem Augenblick, in dem Hitler 1933 an die Macht kam. Die internationale panarabische Gemeinschaft, von Palästina aus koordiniert und vier Kontinente umspannend, bildete eine lebhafte politische und später militärische Allianz mit den Nazis. Diese Partnerschaft funktionierte in der dünnen Luft der Regierungsflure, auf den von Krawallen zwiegespaltenen Straßen vieler Städte auf beiden Seiten des Ozeans und schließlich den schießpulergeschwängerten Gräbern und Fronten des von Krieg erstickten Europas. Der Vorarbeiter dieser Allianz war Haddsch Amin al-Husseini, der Großmufti von Jerusalem, aber er führte eine begierige Koalition arabischer Führer, die im Hohen Arabischen Rat organisiert waren, zusammen mit populären Anhängern von der arabischen Straße. Sie hatten sich mit der Ideologie und den Zielen der Nazis eins gemacht, wozu die Vernichtung der Juden und der Sieg über britischen Einfluss gehörten.

Nachdem der Mufti im Oktober 1937 der Strafverfolgung im jüdischen Palästina entkam, siedelte er nach Bagdad über. Der Irak wurde zum neuen Gravitationszentrum der Kollaboration der Araber mit den Nazis. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 hatten die irakischen Araber unter der Anleitung des Muftis alle möglichen Arten Nazi-Ideologie und Bündnisse in den Irak importiert. Am 1. Und 2. Juni 1941, als Deutschland kurz davor war Russland anzugreifen und arabisches Öl brauchte, begannen Nazi-Araber ein blutiges zweitätiges Pogrom gegen ihre jüdische Gemeinschaft, die dort seit 2.700 Jahren wohnte – eintausend Jahre vor Mohammed. Die Zusammensetzung arabisch-nazi trifft nicht nur zu, weil diese Araber in Wort und Tat Faschisten waren, sondern weil sie sich tatsächlich mit Deutschlands Nazi-Partei identifizierten. Einige der Randalierer trugen Hakenkreuze; viele waren sogar ei den Nürnberger Fackelmärschen mitmarschiert. Die Syrische Nationalsozialistische Partei legte sich eine Flagge zu, die der Nazideutschlands nachempfunden war.

In diesen Albtraum-Krawallen vom 1./2. Juni wurden Juden auf der Straße gejagt. Fand man sie, wurden jüdische Mädchen vor ihren Eltern vergewaltigt, Väter wurden vor ihren Kindern geköpft, Mütter wurden öffentlich wie Tiere behandelt, Babys wurden durchgeschnitten und in den Tigris geworfen. Die Mobs in Bagdad brannten Dutzende jüdischer Geschäfte nieder, drangen in jüdische Häuser ein und plünderten sie.

Wir werden nie erfahren, wie viel Hunderte ermordet und verstümmelt wurden, weil bei den folgenden Ermittlungen viele Angst hatten auszusagen. Aber dieses blutige Ereignis wurde als „Farhud“ bekannt, was gewalttätige Enteignung bedeutet. Der Farhud beschreibt den Anfang des Endes des irakischen Judentums – mehr als 140.000 Seelen.

Kurz bevor der Staat Israel 1948 seine Unabhängigkeit erklärte, versprach die Arabische Liga der Welt, sie werde eine Massenvertreibung all ihrer Juden durchführen. Die Arabische Liga koordinierte tatsächlich Formen und Vorgehensweisen in mehr als einem Dutzend Länder. Im Irak zum Beispiel wurde das Gesetz 51 zu Kriminalität modifiziert, um „zionstisch“ einzubeziehen – das als jeder Jude definiert werden konnte, der mit hebärischer Schrift auf einem Gebetsbuch gefunden wurde. Das Gesetz 1 zur Ausbürgerung wurde geändert, um Juden ihre lange schon gehaltene Staatsbürgerschaft abzuerkennen und dann erlaubte Gesetz 5 die Beschlagnahe jüdischen Vermögens.

Ähnliche Entrechtung wurde überall in der arabischen und muslimischen Welt wiederholt. Rund 2.000 Nazis führten und unterstützten diese Prozesse – ehemalige KZ-Wachen, Gestapo, SS-Offiziere und Wehrmacht-Kommandeure, die den Nürnberger Prozessen entkommen waren, um Hitlers Krieg gegen die Juden fortzusetzen – jetzt aber im Nahen Osten.

Gleichzeitig versprach die Arabische Liga in den neuen Staat Israel einzumarschieren. „Das wird ein Vernichtungskrieg und ein bedeutendes Massaker werden, von dem man wie von den mongolischen Massakern sprechen wird“, versprach Azzam Pascha, der Generalsekretär der Arabischen Liga.

Vier Monate lang bettelte der World Jewish Congress die Vereinten Nationen an, die damals in Lake Success (New York) zusammentraten, man möge die ethnische Säuberung aufhalten. War das ein Geheimnis? Kaum. Die New York Times war damals die führende Zeitung in den USA. Ihre fett gedruckte Überschrift mit Weckrufcharakter erklärte: „Juden in allen muslimischen Ländern in gravierender Gefahr“. Der Artikel führte markant die vertreibenden Länder auf und wie viele tausend Juden ethnische gesäubert werden würden. Französisch-Marokko: 190.000; Irak: 130.000; Algerien: 120.000, und so weiter, bis die Gesamtzahl die dunkle Summe von 900.000 erreichte.

In vielen Ländern wurde den Juden deutlich gemacht, dass sie, sollten sie Widerstand leisten, weiteren Farhuds unterzogen und dann in naziartige Konzentrationslager deportiert werden würden. Immerhin unternahmen arabische Regime während des Zweiten Weltkriegs, angeführt vom Mufti, Anstrengungen Juden nach Auschwitz zu schicken. Der Mufti war durch mehrere Lager geführt worden, darunter den Hauptsitz des SS-Lagersystems. Während des Krieges bauten lokale Vertreter überall in der arabisch beeinflussten Welt Konzentrationslager als Zentren für Sklavenarbeit und Folter auf. Von den Dutzenden Lagern in arabischen Ländern sind Namen wie Im Fout in Marokko, Djelfa in Algerien und Giado in Libyen als verblasste Fußnoten verloren gegangen.

Ende der 1940-er Jahre wurden den Farhud heraufbeschwörende Lieder populär und zahlreiche Mini-Farhud-Pogrome waren bereits durch die jüdischen Gemeinden gelaufen. So wurden die Juden eine Gemeinde nach der anderen an entlegene Orte gekarrt, wo heimliche Lufttransporte – oft von der Firma organisiert, die zu Alaska Airlines wurde – die Juden dann, gepackt wie die Sardinen, nach Israel ausflogen.

Die Araber glaubten, sie würden dem neuen Staat Israel eine demografische Bombe verschaffen. Aber Israels Flüchtlingslager waren recht temporär und die meisten der Hundertausende wurden komplett in den jüdischen Staat absorbiert. Diese Verbrechen gegen die Menschheit ließ Israels Bevölkerung fast um die Hälfte anschwellen, was die weitgehend europäische Bevölkerung des frisch unabhängigen Israel in eine verwandelte, die zur Hälfte sephardisch/mizrahisch war – die im Wesentlichen aus arabischen Staaten stammte. Diese von den arabischen Staaten betriebene Vertreibung straft die Verleumdung Lügen, dass Israelis ein Haufen gut situierter Juden aus London, Los Angeles und Lwiw sei. Und sie sie konzentriert und fokussiert die Frage der arabischen Flüchtlinge von 1948 neu.

1948 marschierte der neu gebildete und erschaffene Staat Jordanien in die Westbank ein und schuf sie erst. In drei offiziellen Konferenzen in Ramallah, Jericho und Hebron stimmten die Araber dafür keine eigene nationale Identität zu schaffen, sonder lieber Untertanen Jordaniens zu werden.

Als Israel 1964 bewiesen hatte, dass es nicht ins Meer getrieben werden konnte, half der sowjetische KGB die Gründung der Palästinensischen Befreiungsorganisation zu arrangieren. Die Araber nahmen dann den Zionisten den Namen „Palästinenser“ weg – womit sie im Grunde Identitätsdiebstahl begingen. Niemand kann mir vor 1964 irgendeine Identifizierung von Arabern als Palästinenser zeigen. In The Edwin Black Show habe ich öffentlich um wenigstens ein einziges Beispiel gebeten. Dennoch ist für die Sache der „Palästinenser“ … auf Grundlage gefälschter Geschichte, gefälschter Fakten, jüdischer Ignoranz und den vergessenen Realitäten von 850.000 vertriebenen Juden eingetreten worden. Es hat in der Geschichte viele Vertreibungen und Zwangsmigration gegeben. Die Spanische Inquisition deckt im Großen und Ganzen einen einzelnen Bereich der Vertreibung ab. Der Tränenweg bezeichnet eine Kategorie der Zwangsmigration, nämlich die der amerikanischen Ureinwohner. Aber nie seit dem Römischen Reich hat die Welt erlebt, dass 15 Länder offen die Aberkennung und Vertreibung seiner Bürger einzig aufgrund ihrer Religion koordinieren.

Obwohl dieser gewichtige Akt immer eine Flamme war, die in den Familien der Enteigneten brannte, wurde er von der Welt vergessen. Der „Scha-Scha“-Virus kann ein gesamtes Volk infizieren, was beweist, dass es sowohl ein kollektives Gedächtnis als auch kollektives Vergessen gibt.

Ich selbst stolperte bei der Recherche für mein Buch Banking on Baghdad 2003 über den Farhud. Das weckte die Fackel der Erkenntnis neu. Das „Projekt Farhud-Anerkennung“, aktiviert von Sephardim in den USA, forderte lediglich, dass an den Massenmord erinnert wird. Ich tauchte tiefer in das Thema ein, was 2010 mein Buch The Farhud—Roots of the Arab-Nazi Alliance in the Holocaust zur Folge hatte; dieses verfolgte die arabisch-nationalsozialistische Allianz, die entsetzlichen Pogrome und die Nachkriegs-Vertreibung nach. Im Juni 2015 waren ich und eine Gruppe engagierter kommunaler Leiter in der Lage das zu tun, was viele von der Erinnerung versengte Familien als unmöglich bezeichnet hatten: In einer historischen Veranstaltung bei der UNO den Internationalen Farhud-Tag auszurufen, was von der UNO selbst weltweit gestreamt wurde.

Aber ich wollte immer mehr tun und der Massenvertreibung Identität und Hommage verleihen. Im November 2021 rief ich am 30. November mit Unterstützung meiner Kollegen in vielen Ländern in einer Sonderausgabe der Edwin Black Show den 30. November für immer als Gedenktag namens Yom HaGirusch aus.

Dieser Name, Yom HaGirusch, kennzeichnet den Punkt, an dem jüdische Gemeinden in vielen Ländern wieder einmal enteignet wurden, aber in der freien Nation Israel wieder Besitz erlangten. Der jüdische Staat ist jetzt im Besitz dieser Menschen und ihrer Nachkommen – und die wiederum besitzen jetzt den Staat. Besitz macht 90% des Überlebens aus. Israel ist zur Endstation der Juden geworden.

Von Marokko bis Indien  und vom Jemen bis Afghanistan wurden das Leben und Jahrhunderte Erbe verbrannt. Das geschah am hellichten Tag und mit kaum einem Murmeln der Welt. Es geschah nicht einmal fünf Jahre, nachdem die Welt erfuhr, dass sechs Millionen Juden vernichtet und weitere Millionen zu Flüchtlingen gemacht wurden. Schreiben Sie sich das auf. Yom HaGirusch. YomHaGirusch.com befindet sich jetzt noch in embryonaler Form, wird aber bald eine lebendige, weltweite Ressource und eine Warnung an die Welt sein, dass wir, wenn wir „Nie wieder“ sagen, das auch meinen.

Erinnerung an den „Zweiten Exodus“ am 30. November

Lyn Julius, Jewish News (blogs), 18. November 2021

Ägyptisch-jüdische Flüchtlinge besteigen ein Schiff.

Am 29. Oktober 1956 schwamm Lilian Abda im Suezkanal; dann kamen ägyptische Soldaten und verhafteten sie. Abda wurde angeklagt versucht zu haben dem Feind Informationen zukommen zu lassen. „Ich wurde in meinem Badeanzug zur Polizeiwache gebracht“, erinnert sie sich. „Am nächsten Tag vertrieben sie mich und meine gesamte Familie aus dem Land.“

Diesen Herbst vor 65 Jahren war Lilian Abda eine von 25.000 Juden, die von Präsident Nasser nach der Suez-Krise aus dem Land geworfen wurde. Nasser rächte sich an den 60.000 Juden – ein Viertel war bereits nach 1948 geflohen – weil Israel mit Großbritannien und Frankreich konspiriert hatte in die Halbinsel Sinai einzumarschieren um terroristische Überfälle auf sein Territorium zu stoppen.

Unter Anführung von Notstandsgesetzen begann Nasser britische und französische Staatsbürger, einschließlich Juden, zu auszuweisen. Sie wurden in zwei Wellen vertrieben: Den ersten wurden 24 Stunden gegeben, um das Land zu verlassen. Den zweiten wurde befohlen das Land mit ihren Familien innerhalb von sieben Tagen zu verlassen.Die Brhöden stigmatisierten dann alle Juden als Zionisten, verhafteten sie wahllos und internierten sie.

Edna Anzarut-Turner, die einen britischen Reisepass besaß, hat immer noch Albträume wegen ihrer Vertreibung. Jedem Mitglied ihrer Familie wurde erlaubt eine Decke, einen Koffer und ein Pfund mitzunehmen. Ihre Cousine Myra und deren Verlobter Benny wurden interniert und in Handschellen aus dem Gefangenenlager für „kriminelle Zionisten“ in Moascar bie Aboukir geholt, um in der Nebi Daniel-Synagoge in Alexandria zu heiraten. Der Rabbiner lehnte es ab die Hochzeitszeremonie durchzuführen, wenn die Handschellen nicht abgenommen würden. Es folgte ein gewaltiger Streit  mit den arabischen Wachen. Die Handschellen wurden während der Trauzeremonie abgenommen; und Myra und Benny wurden zu einem Schiff gebracht, das Ägypten verließ.

Britische und französisch Staatsbürger waren nicht die einzigen, die verjagt wurden. Clement Soffer erinnert sich: „Ich wurde im Alter von 15 Jahren mit 24 Stunden Vorwarnung ausgewiesen, gezwungen meine ägyptische Staatsbürgerschaft aufzugeben. Sie gaben mir ein Dokument mit dem  Stempel „Gefährder der öffentlichen Sicherheit“ und sagten mir, dass ich niemals zurückkommen dürfe. Mir wurde nicht erlaubt meine Familie zu sehen.“

An einem Tag im Dezember 1956 störte ein Klopfen an ihrer Haustür in Heliopolis (in Kairo) den Haushalt der Simsolos. „Zwei Offiziere des Militärs und zwei Polizisten forderten meinen Vater auf ihnen zu folgen“, sagt Gilbert Simsolo. „Drei Wochen lang hörten wir nichts von meinem Vater und wussten nicht einmal, wo er festgehalten wurde. Meine Mutter fand ihn schließlich in einem Militärlager bei Kairo. Uns wurde gesagt, dass er nur freigelassen würde, wenn wir ins Ausland gingen. Ein paar Wochen später waren wir mit meinem Vater auf einem Schiff nach Italien, ohne dass wir nach Ägypten zurückkehren durften.“

Geschichten vom, wie er bekannt wurde, „Zweiten Exodus“ werden am 30. November wieder erzählt, dem Tag, der in Israel zum Tag bestimmt wurde, an dem der Flucht von fast einer Million Juden aus arabischen Ländern und dem Iran im Zeitraum von 30 Jahren gedacht wird. Meine Organisation Harif, JW3 und Sephardi Voices UK werden sich auf die Zeit der Vertreibung nach der Suez-Krise konzentrieren. Aber wir werden auch die Tatsache feiern, dass die meisten Flüchtlinge Zuflucht in Israel fanden; der Rest wurde im Westen willkommen geheißen. So traumatisch er auch war, fast kein Jude bedauert den Abgang aus Staaten, in denen Toleranz gegenüber anderen nicht selbstverständlich war.

Es ist wichtiger als je zuvor die Erfahrungen jüdischer Flüchtlinge aus arabischen Ländern aufzuzeichnen, weil die Geschichte umgeschrieben wird, um die Juden für ihren eigenen Abgang verantwortlich zu machen oder ihr Leid herunterzuspielen. Ein typisches Beispiel ist der Amateurhistoriker Dr. Mohamed Aboulghar, dessen revisionistische Geschichte der Juden Ägyptens sich offensichtlich wie warme Semmeln verkauft.

Es reicht nicht um Gerechtigkeit zu kämpfen; wir müssen auch für die Wahrheit kämpfen.

Um am Gedenkabend am 30. November teilzunehmen oder online zuzusehen, siehe die  Internetseite von JW3 oder besuchen Sie www.harif.org/.

Arabische Misshandlungen von Juden in Nordafrika Mitte des 19. Jahrhunderts

Elder of Ziyon, 1. August 2021

Fortsetzung meiner Auszüge aus den Reisen von Israel Joseph Bejamin, über die er in „Eight years in Asia and Africa from 1846-1855“ schrieb, sind hier einige Beobachtungen jüdischen Lebens in Tripoli und Tunis, die heute in Libyen und Tunesien liegen.

In all den oben erwähnten Dörfern sind die meisten Häuser erbärmlich. In den Wohnungen liegen Matten aus Palmzweigen auf dem Boden ausgebreitet und darauf ruhen die Einwohner; Teppiche sind nirgendwo zu finden. Ihre Kleidung ist schmutzig; sie besteht aus einem Fes, der mit einem Tuch rund gebunden ist, einem Gewand, das bis zu den Knien reicht und Hosen derselben Länger. Die tragen dieselben Kleidungsstücke weiter, bis sie zu Lumpen geworden sind, am Samstag jedoch wechseln sie die Wäsche. … Ihr Feiertagskleidung wird aber selten gewaschen; ihre Alltagskleidung nie, man kann sich daher leicht vorstellen, dass sie sehr schmutzig sind.

Ich nutzte die passende Gelegenheit nach meinen Glaubensbrüdern zu fragen, wie es kam, dass weder der Reinheit der Person noch der Kleidung so wenig Bedeutung gegeben wurde; denn neben dem unangenehmen Eindruck, den ihre Unreinheit auf jedermann machte, handelten sie darüber hinaus gegen das Gesetz, da die Bibel an mehreren Stellen Anweisung gibt die Kleidung zu säubern und zu waschen. Darauf wurde mir als Antwort gesagt, dies sei durch Angst vor den Arabern bedingt, die, wenn sie sie anders sehen, glauben würden, sie seien reich und sie dann tagtäglich ausplündern würden. Diese Rechtfertigung schien plausibel.

[In Djerba, Tunesien] hatte die Synagoge keine Fenster, wie es bei allen Synagogen an allen Orten in Tripoli der Fall ist. Mir wurde mitgeteilt, dass diese Arrangement getroffen worden war, um die Araber davon abzuhalten von außen Feuer ins Gebäude zu werfen.

Misshandlung von Juden in arabischen und muslimischen Ländern wird auf sachliche Weise das gesamte Buch hindurch übermittelt, als sei das die normalste Sache der Welt.

Und das war sie wahrhaftig, lange bevor der Zionismus dafür verantwortlich gemacht werden konnte.

So schwer ist das nicht: Die muslimischen Länder ohne Juden sind die, die am antisemitischsten sind

Elder of Ziyon, 5. April 2021

Eien Reihe Geschichten der letzten Wochen hebt das Ende der jüdischen Gemeinden in verschiedenen muslimischen und arabischen Staaten heraus.

Heute sind im Irak nur noch vier Juden übrig, von denen keiner möchte, dass seine Identität bekanntgemacht wird. Es waren einmal 150.000.

Im Jemen verbleiben nur noch sechs Juden, nachdem gerade 13 zwangsweise weggingen – obwohl sie Berichten zufolge stramm dagegen waren nach Israel zu ziehen. Es waren einmal mehr als 60.000.

Der letzte Jude Afghanistans verlässt das Land; er wachte über die leere Synagoge, die jetzt für immer schließt. Diese Gemeinschaft reicht bis ins 7. Jahrhundert zurück.

In Ägypten gibt es noch rund 10 alte Juden (1948 waren es 75.000). Weniger als 200 in Algerien (140.000). Geschätzte 30 im Libanon, 1948 waren es 24.000. fast Null in Syrien (30.000). Null in Libyen (früher 38.000). Null in Jordanien. Fast keine mehr in der PA.

Marokko, das seine Toleranz gegenüber Juden feierte, hat nur noch rund 3.000 Juden, die im Land verbleiben, es waren einmal 250.000. Gleichermaßen ist Tunesiens jüdische Bevölkerung von mehr als 100.000 auf 1.500 gefallen und auch dieses Land gilt als judenfreundlich. Der Iran posaunt seine Toleranz gegenüber Juden hinaus, aber 75% der Juden flohen nach der islamischen Revolution 1979.

Die Beziehung zwischen muslimischem Antisemitismus und Freundlichkeit gegenüber Israel kann unmöglich ignoriert werden. Einige muslimische Länder, die warme Beziehungen zu Israel haben, wie Aserbaidschan und Kasachstan, haben auch blühende jüdische Gemeinschaften. Die jüdischen Gemeinden im Golf beginnen nach den Abraham-Vereinbarungen wieder öffentlich in Erscheinung zu treten.

Ich sehe mit Juden sympathisierende Artikel, die gelegentlich in Ländern wie Irak und Ägypten veröffentlicht werden, was bis vor nicht allzu langer Zeit undenkbar war. Trotzdem ist di Beziehung zwischen dem, wie muslimische Länder mit ihren Juden umgehen und wie sie Israel betrachten zu stark, als man sie ignorieren kann.

Die Leute, die gerne vorgeben, dass es in der arabischen und muslimischen Welt keinen Antisemitismus gibt, müssen sich nur ansehen, wie es den jüdischen Gemeinden in der Welt ergangen ist.

Wie die Juden des Kaukasus eine Epidemie nutzten, um die Nazis auszutricksen

Während der Besatzung durch die Nazis halfen Muslime bei den Bemühungen die Herkunft der lokalen Juden zu verbergen, was die Ausrottung einer Gemeinschaft verhinderte

Alissa Abramov, the Librarians, 27. Janaur 2021

Deutsche Soldaten bei der Eroberung des Kaukasus (Foto: Bundesarchiv der BRDeutschland)

Im Juli 1942 begann die deutsche Wehrmacht Gebiete im nördlichen Kaukasus zu besetzen. Auch wenn diese Besatzung nur ein paar Monate andauerte, hatte das starke Auswirkungen auf die jüdischen Gemeinden des Gebiets. In Dörfern wie Bogdanowka und Menschinsky, in denen es Kolchosenkollektive von Kaukasus-Juden (oder „Bergjuden“) sowie aschkenasische Juden gab, wurden von Erschießungskommandos groß angelegte Massaker verübt.

Anfangs behandelten die Nazis die lokale jüdische Bevölkerung nicht anders. Sie glaubten, ihr Schicksal solle dem der europäischen Juden ähneln. Der Begriff „Bergjuden“, von den Russen allgemein verwendet, gab die Herkunft der Gemeinschaften preis. Aber als deutsche Streitkräfte die Stadt Naltschik eroberten, gab es Leute, die in einem verzweifelten Versuch sie zu retten die jüdische Identität infrage stellten.

Damals gab es in der Stadt tausende Juden. Während des heftigen Beschusses befahlen die Nazis den Juden sich bei der SS-Einheit zu registrieren, die das deutsche Militär begleitete. Die angesehenen Familien Efraimow und Schaulow waren die ersten, die hingerichtet wurden. Eine Gruppe lokaler jüdischer Leiter, angeführt von Markl Schaulow, versuchte die Gemeinde vor der drohenden Ausrottung zu retten, indem sie probierten die Nazis davon zu überzeugen, dass die Bergjuden in Wirklichkeit kein Teil der jüdischen Rasse waren. Sie behaupteten stattdessen zum Volk der Tat zu gehören, einer der vielen im Kaukasus lebenden ethnischen Gruppen.

Als Teil dieses Einsatzes für wohlwollende Täuschung nutzten die jüdischen Leiter ihre ausgezeichneten Beziehungen zur lokalen muslimischen Gemeinschaft. Der Leiter des Kabardino-Balkarischen Nationalrats appellierte an die Nazi-Kommandeure und forderte, dass sie die Bergjuden als eine der ethnischen Gemeinschaften des Kaukasus behandeln.

Aus politischen und militärischen Gründen ging die deutsche Armee gegenüber der örtlichen muslimischen Bevölkerung vorsichtiger vor und verschob die Anweisung zur Hinrichtung der Juden der Stadt um zwei Monate. In dieser Zeit studierten deutsche Forschungsinstitute unter Leitung des Reichsahnenamts den Fall. Es wurden Fragen zu gemeinsamen Herkunft mit europäischen Juden aufgeworfen, während religiöse Symbole, Literatur, traditionelle Kleidung, Bräuche und die gesprochene Sprache ebenfalls untersucht wurden. Die gesamte jüdische Gemeinschaft versuchte jeden Hinweis auf ihre wahre Identität zu verschleiern. Viele Juden versteckten sich und vergruben Bücher und heilige Objekte in den Höfen ihrer Häuser.

Rabbi Nachmiel Amirow

Während dieser Zeit ereignete sich ein berühmter Vorfall, der in mehreren autobiografischen Berichten der Zeit erwähnt wird. Diese Berichte behandeln einen Versuch Thora-Rollen heimlich aus der örtlichen Synagoge zu entfernen. Eine Gruppe Männer, angeführt von Nachmiel Amirow, dem Oberrabbiner der Stadt, veranstaltete eine Beerdigung, um die Thora-Rollen zu verstecken und sie, eingewickelt in Beerdigungstücher, zu vergraben. Der fingierte Beerdigungszug bewegte ich auf einen Friedhof zu, der nahe des deutschen Hauptquartiers lag. Um die Nazi-SS-Offiziere fernzuhalten überzeugten die Organisatoren der Beerdigung sie, dass die Toten einer Typhus-Epidemie zum Opfer gefallen seien, die im Zweiten Weltkrieg tatsächlich weit verbreitet war. Diese Seuchengerüchte sorgten dafür, dass die SS-Soldaten auf Abstand blieben und die Thora-Rollen wurden erfolgreich beerdigt.

Die Anstrengungen zur Lösung der Frage, ob die Gemeinschaft jüdisch ist, retteten schließlich die meisten Juden der Stadt. Es dauerte nicht lange, bis die deutsche Armee sich nach der Niederlage in der Schlacht von Stalingrad aus dem Kaukasus zurückziehen musste. Während dieser kurzen Besatzungszeit waren die Nazis allerdings in der Lage zu plündern, Juden zu drangsalieren und viele in die Zwangsarbeit zu schicken.

Juden und die Krawalle vom Mai/Juni in Los Angeles

Manfred Gerstenfeld interviewt Rabbi Abraham Cooper (direkt vom Autor)

Die meiste Gewalt und Plünderungen während der Demonstrationen gegen Rassismus in Los Angeles Ende Mai und Anfang Juni 2020 fanden am zweiten Tag von Schawuot statt, dem 31. Mai, der zudem ein Sabbat war. Es gab einen fast friedlichen Protest im Pan Pacific Park im Bezirk Fairfax, ausgelöst durch den Mord an George Floyd. Das ist in der Nähe eines von vielen Juden bewohnten Gebiets.

Nach dem Protest verließen einige den Park und griffen Geschäfte und Gebäude auf der Melrose Avenue, dem Beverly Boulevard und der La Brea Avenue an. Manche Randalierer erreichten Stellen auf dem La Cienega Boulevard, wo sie zumeist Einkaufszeilen angriffen.

Rabbi Abraham Cooper
Rabbi Abraham Cooper

Rabbi Abraham Cooper, geboren 1950 in New York, ist Associate Dean beim Simon Wiesenthal Center in Los Angeles. Etwa vierzig Jahre lang hat er den Bereich Internationale soziale Aktionen des SWC geleitet, der sich mit allem vom weltweiten Antisemitismus, über Nazi-Kriegsverbrechen und Entschädigungen, Extremistengruppen bis zu Toleranzerziehung beschäftigt.

Am nächsten Tag gab es Ausschreitungen in Santa Monica, das direkt an Los Angeles grenzt. In dieser Gegend wurden hunderte Geschäfte geplündert und niedergebrannt. Die Polizei wurde ein paar Blocks entfernt zusammengezogen und beobachtete einen zumeist friedlichen Protest. Mit der Kamera wurden Szenen von Vorfällen eingefangen, in denen die Polizei nicht eingriff. Schließlich wurden während der folgenden Woche Ausgangssperren verhängt und hunderte Menschen verhaftet. Dennoch sind die meisten Plünderer nicht gefasst worden. Die Auswirkungen einer offenbar hilflosen Polizei, die sich in Los Angeles und an anderen Orten in den USA zurückhält, werden noch lange zu spüren sein.

Das Los Angeles Police Department (LAPD) war Tage lang überfordert und ineffektiv. In erster Linie deshalb, weil der Bürgermeister es ablehnte sich auf die Gewalt zu konzentrieren. Er entschied sich stattdessen sich ausschließlich auf die friedlichen Protestierenden und die Themen soziale Gerechtigkeit und Gleichheit zu konzentrieren, während er Black Lives Matter begrüßte. Trotz der Krawalle und anhaltenden Proteste befürwortete der Bürgermeister eine Kürzung des Polizei-Budgets um $150 Millionen und drückte diese durch. Eine ähnliche Summe wurde dem Büro des Sheriffs von Los Angeles entzogen. Die politische Elite von Los Angeles war im Grunde den gesamten Polizeidienst den Wölfen zum Fraß vor. Einzig der Stadtrat Paul Kortz, der Jude ist, erwähnte Bedenken wegen der Hass-Graffiti, mit der eine Synagoge markiert wurde.

Viele der geplünderten und zerstörten Geschäfte gehörten Angehörigen von Minderheiten. Fast 200 Apotheken waren Ziel, vermutlich von organisierten Banden, die nach Narkotika suchten. Im Bezirk La Brea/Hancock gehörte eine große Zahl der betroffenen Geschäfte Juden. Darunter befanden sich eine koschere Bäckerei und eine Apotheke, die ihren Verkauf koscherer Produkte markant bewarb. Mehrere jüdische Einwohner der Gegend sagten, dass einige offensichtlich jüdische Einrichtungen angegriffen wurden, während andere Geschäfte in dem Bereich unversehrt blieben.

Eine Reihe Synagogen und jüdische Institutionen wurden mit Graffiti „getaggt“. Diese waren nicht unbedingt antisemitisch. Eine Synagoge, von der viele Mitglieder Holocaust-Überlebende waren, wurde mit antiisraelischen und propalästinensischen tags besprüht. Dem LAPD war das nicht bekannt, bis ein paar Tage später ein Foto geliefert wurde. Die große konservative Synagoge Beth Am in La Cienega entging auf wundersame Weise Schäden, obwohl beidseitig Einkaufzentren am Strip ausgeplündert wurden.

Ich glaube nicht, dass man die Krawalle als Pogrom an der jüdischen Gemeinde bezeichnen kann. Trotzdem wurden, als die Krawalle begannen und das Ausmaß sowie die Richtung noch unklar waren, als Vorsichtsmaßnahme die Sifrei Torah [Thora-Rollen] aus den Synagogen entfernt.

Wir haben unter dem furchtbaren Handicap des fortgesetzten Lockdowns wegen der Coronavirus-Pandemie gearbeitet. Es ist schwierig gewesen ein absolut genaues Bild zu bekommen, ob Juden spezifische Ziele der ersten Unruhen waren. Viele Protestierende hatten an diesem Sabbat ihre Autos in orthodoxen Vierteln geparkt und gingen zu Fuß zur Demonstration. Ihre Interaktionen mit jüdischen Nachbarn waren an diesem Tag ereignislos, sogar freundlich. Was an diesem Abend während des Krawalls geschah, wer ihn organisierte und in welchem Ausmaß organisierte Banden daran beteiligt waren, sind Fragen, die immer noch nicht kmplett beantwortet worden sind.

Das Simon Wiesenthal Center und sein Toleranzmuseum wurden nicht angegriffen oder auf andere Weise attackiert. Unsere Einrichtungen – einschließlich des Museums – sind jetzt seit mehr als drei Monaten geschlossen. Es hat antisemitische Schmähungen und Drohungen in sozialem Medien gegeben. Eine davon sah wie eine Drohung der Antifa gegen jüdische Viertel aus. Sie wurde allerdings zu Neonazis in Europa zurückverfolgt.

Die Proteste am 1. Juli gegen die mutmaßliche Annexion von Teilen des Westjordanlandes durch Israel, die in den sozialen Medien angekündigt und stark beworben wurden, verstärkten das Gefühl von Angst und Unsicherheit. Propalästinensische Demonstranten vor dem israelischen Konsulat trafen auf Flaggen schwenkende proisraelische Gegendemonstranten. Beide Seiten waren laut, aber es gab keine Gewalt und keine Verhaftungen. In San Diego posteten Palästinenser ein Flugblatt, auf dem alle großen jüdischen – nicht israelischen – Einrichtungen samt ihren Adressen und einer zugesagten, von Antiisrael-Aktivisten angeführten Auto-Karawane auflistet waren.

Der Lockdown hat es der jüdischen Gemeinschaft schwer gemacht sich angemessen zu organisieren, um sicherzustellen, dass unsere Sorgen gehört werden. Es gibt keine Einmütigkeit. Die örtliche jüdische Föderation konzentriert sich darauf denen zu helfen, die von den Krawallen oder dem Covid-19-Virus betroffen sind. Sie haben in der Öffentlichkeit keine solide Pro-Polizei-Haltung.

Mehr als einen Monat lang hat Los Angeles‘ Bürgermeister Eric Garcetti kein Interesse gezeigt sich mit Repräsentanten der jüdischen Gemeinde zu treffen. Er stimmte schließlich zu im Juli ein solches Treffen mit jüdischen Leitern anzusetzen. Die meisten Mitglieder des Stadtrats haben den Lockdown genutzt, um jede ernsthafte Diskussion des drakonischen Budgets zu vermeiden, das sie beschließen. Vertreter der jüdischen Gemeinde haben sich mit dem Polizeichef des LAPD und Befehlshabern aus den Bereichen getroffen, in denen die meisten unserer Gemeinschaft wohnen. Die Polizei hat das Gefühl im Stich gelassen zu werden. Unsere Bemühungen haben sich darauf konzentriert unsere Gemeinden während der anstehenden hohen Feiertage abzusichern.

Es gibt eine Reihe jüdischer Selbstverteidigungsgruppen. Einige sind legal bewaffnet. Es gibt auch eine jüdische Dachorganisation, die versucht jüdische Leiter über die Entwicklungen informiert zu halten, außerdem Hatzalah, die Gemeindemitgliedern hilft, die Krisenreaktionen oder medizinische Notversorgung benötigen.

Viele Juden zögern Black Lives Matter zu kritisieren, da sie zustimmen, dass das Wichtigste ist sich für „soziale Gerechtigkeit und Gleichheit“ einzusetzen. Sehr wenige äußern öffentlich Sorge um die „öffentliche Sicherheit“.

Eine neue Meinungsumfrage deutet an, dass nur 17% der Protestierenden Afroamerikaner sind. Menschen, die in Bereichen mit hoher Kriminalitätsrate leben, wollen nicht, dass der Polizei Gelder entzogen werden. Aktivisten, die eine andere Vision für Amerika haben, nutzten den Mord an Floyd George für ihre eigene Agenda. Influencer der sozialen Medien und aus Hollywood hängten sich eilig an und Corporate America zog nach.

Der Pandemie-Lockdown in Los Angeles und ein Großteil des Landes hat es sehr schwierig gemacht, effektive Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Liberale und Progressive machen sich das BLM-Narrativ zu eigen. Pastoren von Minderheitskirchen mögen gegen die Finanzkürzungen sein, müssen aber vorsichtig vorgehen, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, sich auf die Seite der „Weißen“ zu stellen.

Die Situation hier und in den gesamten USA wird durch die anstehenden nationalen Wahlen weiter verkompliziert. Im Moment herrscht bei den Medien eine Dämonisierungspolitik vor, die nicht einmal mehr vorgibt objektiv zu sein. Abgesehen von Fox News wollen die meisten führenden Medien, dass Trump verliert, die Berichterstattung zu wichtigen Themen ist verzerrt.