Als Personal von Alitalia Juden vor einem Pogrom rettete

Als in Libyen zu Beginn des Sechstage-Kriegs Krawalle ausbrachen, kam unerwartete Rettung

Yossi Melman, Ha’aretz, 6. Juni 2022

Ein Kämpfe gegen Gaddafi schaut sich die Dar Bischi-Synagoge in Tripolis an, 2011 (Foto: Reuters / Suhaib Salem)

Rom – Rund zwei Dutzend Männer und Frauen in ihren Siebzigern und Achtzigern, alle voller Emotionen, stiegen nacheinander die  Bühne hinauf. Einige hatte Probleme mit dem Gehen und ihnen wurde von jungen Familienmitgliedern geholfen. Es handelte sich um Mitarbeiter der Alitalia, die einst im Büro der Fluggesellschaft in Tripolis in Libyen arbeiteten, samt ihren Familien.

Bei der Feier, die von der Vereinigung Libyscher Juden in Italien gefördert wurde und im Mai in einem Hotel in Roms Villa-Borghese-Park stattfand, erhielten alle Urkunden der Anerkennung dafür, dass sie während des Pogroms und der Krawalle in Libyen während des Sechstage-Kriegs vor 55 Jahren 2.500 gefährdete Juden retteten.

Die meisten der Geehrten hatten nie jemandem etwas von den Ereignissen erzählt, nicht einmal der engsten Familie, die jetzt bei der Feier zum ersten Mal von ihren anteilnehmenden und mutigen Taten hörten, mit denen sie ihr eigenes Leben riskierten.

Eine Straße in der Altstadt von Tripolis, Libyen 1949. Rechts ist eine jüdische Frau, die ein Barakanas und ein Taschentuck um den Kopf trägt. (Foto: Freer / AP)

„Wir taten, was getan werden musste. Wir glaubten damals nicht und wir glauben heute nicht, dass wir Helden sind. Es war für uns alle eine offensichtliche humanitäre Tat“, sagte Umberto Vaccarini, nachdem er die Bühne verließ, in der Hand die Anerkennungs-Urkunde mit seinem Namen.

Der heute über 80-jährige Vaccarini war damals stellvertretender Manager des Alitalia-Büros in Tripolis. Jeder einzelne der jetzt nicht mehr anonymen Alitalia-Helden erhielt eine Urkunde mit seinem oder ihrem Namen und dne Worten „mit besonderer Wertschätzung“.

Die Urkunden wurden von Dr. Sileno Candelaresi überreicht, dem Präsidenten der Stiftung Goldener Löwe von Venedig, die auch die Preise beim renommierten Filmfestival der Stadt verleiht.

Dr. Sileno Candelaresi, Präsident der Stiftung Goldener Löwe (2. v.l.) neben Walter Arbib und Umberto Vaccarini bei der Feier zur Ehrung des Alitalia-Personals, das Juden half im Juni 1967 aus Libyen herauszukommen. (Foto: Yossi Melman)

Jahrelanger Kampf

Die ersten Juden kamen nachweislich vor rund 2.800 Jahren nach Libyen und ließen sich an der Mittelmeerküste nieder. Im Lauf der Jahre fanden weiter Juden ihren Weg dorthin, als die Region nacheinander von den Römern, den Byzantinern, den Spaniern, den Arabern, den Türken und die Italienern erobert wurde. Jeder Eroberung hinterließ ihr Zeichen bei der örtlichen jüdischen Gemeinschaft – aber der größte Eindruck wurde von der italienischen Besatzung hinterlassen, die 1911 begann.

Unter italienischer Herrschaft  erweiterte die jüdische Gemeinschaft sich und blühte auf; viele Juden wurden wohlhabende Grundbesitzer. Jedenfalls bis 1936.

Die Urkunde mit der Anerkennung des Muts des Alitalia-Mitarbeiters Umberto Vaccarini. (Foto: Yossi Melman)

Unter Benito Mussolini erließ das damals faschistische Italien die Rassengesetze, die Juden verbot Universitäten zu besuchen, Arbeitsplätze bei der Regierung zu haben und bei Ausschreibungen Gebote abzugeben; Juden, die ausländische Staatsbürgerschaft hatten, was bei vielen der Fall war, wurde verboten das Land zu verlassen.

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs verschlimmerte ihre Lage sich und die libyschen Juden lebten in sehr harten Umständen. Juden, die die Staatsbürgerschaft alliierter Länder hatten, wurden ausgewiesen und andere wurden in Internierungslager, Arbeitslager und Konzentrationslager gesteckt. Rund 500 starben im Lager Giado (alias Jado) im westlichen Libyen und hunderte weitere wurden nach Italien geschickt und von dort in die Konzentrationslager Bergen-Belsen in Deutschland und Reichenau in Österreich deportiert.

Erst im Oktober 2010, nach einem Jahre dauernden Kampf, stimmte die israelische Regierung endlich zu Holocaust-Überlebenden aus Libyen Entschädigungen im Rahmen der Beihilfefähigkeits-Kriterien gemäß des Gesetzes für die Opfer von Nazi-Verfolgung von 1957 zu gewähren.

Ein Alitalia-Flugzeug rollte auf dem internationalen Flughafen von Rom. Die nationale Fluggesellschaft Italiens spielte eine nicht bekannt gemachte Rolle bei der Rettung vieler 1967 in Libyen festsitzender Juden. (Foto: Alessia Pierdomenico / Bloomberg)

Im Dezember 1942 befreiten die Briten und Alliierten Libyen und Tunesien von der deutsch-italienischen Besatzung und das Leben der Juden war schienbar wieder in geordneten Bahnen. Aber nicht lange. 1951 wurde Libyen unabhängig und wurde zu einer konstitutionellen und vererblichen Monarchie erklärt. Noch davor, besonders nach Beginn des israelischen Unabhängigkeitskriegs von 1948/49, hatten die Beziehungen zwischen Juden und den libyschen Behörden allerdings eine Wende zum Schlimmeren genommen und von Zeit zu Zeit gab es Krawalle und Ausbrüche von Gewalt gegen Juden.

Libyen wurde für Juden allmählich zu einem gefährlichen Ort. Rudn 38.000 Juden wohnte 1948 in Libyen, aber sieben Jahre später waren nur 7.000 übrig. Die meisten derer, die weggingen, waren nach Israel ausgewandert, während eine Minderheit nach Italien zog. Die Juden, die in Libyen blieben, wurden von den Regierungen von König Idris regelmäßig schweren Schikanen ausgesetzt.

Am 5. Juni 1967, dem Tag des Ausbruchs des Sechstage-Kriegs, versammelten sich hunderte Araber auf den Straßen von Tripolis und setzten jüdische Geschäfte und Wohnhäuser in Brand.

Zivile Gefangene mit erhobenen Armen, als die israelische Armee im Juni 1967 die Altstadt von Jerusalem betrat. (Foto: Fondation Gilles CARON/Gamma-Rapho via Getty Images)

Die Polizei war nicht in der Lage die Mobs zu kontrollieren und der Ausnahmezustand wurde ausgerufen. Es war nicht ungewöhnlich festzustellen, dass Polizisten mit den Randalierern kollaborierten oder nicht eingriffen, um sie vom Wüten abzuhalten. An diesem Tag wurden 60 Prozent der privaten und öffentlichen Aktiva abzuhalten. Die Synagoge Bet El und ihre 10 prachtvollen, mit Silber und Elfenbein dekorierten Thora-Rollen wurden zusammen mit hunderten religiöser Bücher und Judaica am Tag der Krawalle komplett zerstört.

Während des Pogroms, das mehrere Tage anhielt, wurden mindestens zehn Juden getötet und Dutzende weitere verletzt. Aus Angst um ihr Leben versteckten sich die Juden ihren Häusern. Sie wagten sich nicht herauszukommen und ihre Vorräte schwanden stetig dahin.

Juden mit ausländischer Staatsbürgerschaft flehten die Botschaften und Konsulate dieser Länder um Hilfe an, aber diese konnten nicht viel tun. Und dann, auf der Höhe des Terrors, kam die Rettung aus einer unerwarteten Quelle. Sein Name war Renato Tarantino – ein nichtjüdischer Italiener, der das Alitalia-Büro in Tripolis leitete und echten Adel und Mitgefühl an den Tag legte, als er wah, was in der Stadt geschah.

Überlebende Mitglieder der Familie Tarantino nehmen für Renato Tarantino die Urkunde im Empfang; er leitete in den 1960-er Jahren das Alitalia-Büro in Tripolis (Libyen). (Foto: Yossi Melman)

Vor Hass schäumend

Tarantino und sein Stellvertreter, Vaccarini, machten sich sofort daran so viele Juden wie möglich zu retten, zusammen mit anderen Alitalia-Mitarbeitern, die beeindruckende Kreativität zeigten. Unter Verwendung ihres Status und ihrer Verbindungen im Land führten sie eine Reihe Listen, direkt unter der Nase der libyschen Behörden.

Sie retteten verzweifelte Juden, die es irgendwie in der Hoffnung zum Flughafen geschafft hatten ein Flugticket zu kaufen, nur um festzustellen, dass sie von libyschen Gepäckträgern umgeben waren, die vor Hass schäumten und sie verfluchten und anspuckten. Die Alitalia-Mitarbeiter schirmten die Juden körperlich ab, schlugen die Randalierer zurück und setzten die Juden in ihre Autos und fuhren sie in Sicherheit.

Bei anderen Gelegenheiten setzten sie die Juden in die erste Reihe. „Wir erfanden Ausreden, um Passagiere von Flügen zu nehmen und wir setzten die Juden an Bord, weil wir wussten, dass ihr Leben wirklich in Gefahr war“, sagte Vaccarini.

Im Inneren der Synagoge Dar al-Bischi in der ummauerten Altstadt von Tripolis in Libyen (Foto. Diaa Hadid / AP)

Er schätzte, dass die Alitalia-Mitarbeiter in diesen dramatischen Tagen rund 2.500 Juden retteten, indem sie sie nach Rom flogen.

Eine weitere List der Alitalia-Mitarbeiter ermöglichte es Juden einiges von ihrem Eigentum aus Libyen hinauszuschmuggeln. Einer dieser Juden war Victor Magiar, der heute in Rom lebt. „Die Leute von Alitalia ermöglichten es mir und meiner Familie Dutzende Tickets zu den am weitesten entfernten Zielen zu kaufen, die man sich vorstellen kann: New York, Rio de Janeiro, Miami. Als wir sicher in Rom landeten, nehm die Firma die Tickets schnell zurück und erstattete großzügig das Geld“, erinnerte er sich bei der Feier.

Ein anderes Mal beschloss das Personal, als ein Flugzeug sich auf den Start vorbereitete, zögerten sie das hinaus. Dann öffneten sie die Tür des Frachtraums, entfernten eine Menge Gepäck und brachen jüdische Passagiere an Bord, die keinen Sitz für den Flug bekommen hatten bekommen können.

„Wir sind wegen Ihres Vaters hier“, sagte Magiar der Frau, Tochter und den Enkeln des verstorbenen Renato Tarantino. „Wir werden das nie vergessen.“

Zur Vervollständigung: Der Abend wurde vom libysch-italienisch-israelisch-kanadischen Geschäftsmann und Philantropen Walter Arbib organisiert. Sein Familienheim wurde bei dem Pogrom niedergebrannt und er und seine Mutter Yolanda wurden Dank Tarantino gerettet.

Kenne deine Geschichte – AmYisrael Chai

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Die jüdischen Flüchtlinge aus arabischen Ländern

Nach Israels Wiedergeburt 1948 flohen mehr als 850.000 Juden vor zunehmender Verfolgung aus arabischen Ländern oder wurden vertrieben. Sie wurden heimatlos, obwohl einige ihrer Gemeinschaften mehr als 2.000 Jahre alt waren. Als junger Staat mit rund 650.000 Einwohnern begann Israel trotzdem nicht nur Holocaust-Überlebende aufzunehmen, sondern auch Juden, die aus arabsichen Ländern flohen.

Abnehmende jüdiche Bevölkerung in Ländern des Nahen Ostens:

 19482016
Algerien140.00050
Ägypten 75.000100
Iran100.0009.000
Irak150.0000
Libanon 20.000200
Marokko265.0002.300
Syrien 30.000100
Tunesien105.0001.100
Jemen 55.00050
Gesamt978.00012.900

In der Folge des Kriegs von 1948 waren mehr als 850.000 Juden gezwungen arabische Länder zu verlassen, in denen Juden seit zwei Jahrtausenden lebten.

Die Krawalle in Aleppo 1947 zwangen fast alle Juden zur Flucht

Bataween, Point of No Returen, 29. Juli 2022

Es ist 75 Jahre her, dass der Ausbrauch grausamer Krawalle in Aleppo (Syrien) den Exodus fast aller seiner jüdischen Einwohner innerhalb von fünf Jahren erzwang. Joel D. Parker traf einen Überlebenden des Krawalls. Geschichtsbücher behaupten, 75 Juden seien getötet worden, aber der Zeuge scheint einen zeitgenössischen Bericht zu bestätigen, dass es umfangreiche Schäden an Eigentum gab, aber kein Jude starb.

Der Hof der Großen Synagoge von Aleppo. Das Bebäude wurde bei den Krawallen 1947 niedergebrannt (Foto: Diarma)

Joel D. Parterr twitterte den folgenden Bericht eines Überlebenden:

Ich konnte gestern mit einem 88-jährigen jüdischen Mann aus Aleppo sprechen und es war staunenswert. Er konnte Einzelheiten der Krawalle vom 29. November 1947 berichten, als hätten sie erst gestern stattgefunden. Er war etwa 13 und seine Schule wurde niedergebrannt.

Auf seinem Schulhof, der direkt neben der Hauptsynagoge im jüdischen Viertel lag, war er Zeuge zerrissener und verbrannter Thora-Rollen und gibt an, als einer der ersten in der Synagoge gewesen zu sein, um nach dem Aleppo-Codex (Keter Aram Tzova) zu sehen.

Er erinnerte sich, dass er und seine Familie sich während der Krawalle unbewaffnet in ihrem Haus versteckten und versuchten die Vordertür mit ihren Möbeln zu blockieren. Er sagte, sie wussten, das würde nicht halten. Sie konnten die Mobs der Leute draußen hören.

Er schätzte, dass es 100.000 Menschen [wahrscheinlich eine Übertreibung] aller politischer Strömungen gab, hauptsächlich, aber nicht nur Muslime, die herumrannten und skandierten: „Filastine Biladna, wa’al-Yahud Kalabna“ (Palästina ist unser Land und die Juden sind unsere Hunde.“)

Obwohl praktisch jede jüdische Institution bei den Krawallen beschädigt wurde, darunter 13 Synagogen, drei moderne Oberschulen und weitere jüdische Clubs usw., wurde kein einziger Jude von den Randalierern getötet [glaubt er]. Nur ein alter Mann hatte einen Herzinfarkt.

Er sagte, die Regierung befahl auf höchster Ebene [d.h. Präsident Quwatli] persönlich die Protestler sollten Blutvergießen vermeiden. Sie wollte eine Botschaft vermitteln, wollte aber nicht ihre neugewonnene Unabhängigkeit verspielen.

Leider wurde diese sehr deutliche Botschaft von der jüdischen Gemeinschaft als Warnung verstanden das Land zu verlassen, weil das nächste Mal nicht gewaltfrei sein könnte. Rund 6.000 der 10.000 Juden sollten in den folgenden Monaten weggehen und bis 1954 gab es in Aleppo praktisch keine Juden mehr.

Abraham Elmaleh berichtet in Had HaMizra vom 12. November 1948:

„Im Monat Kislew 5578, eine Weile nach Beginn der traurigen Ereignisse in Israel, brachen bei den Juden von Aleppo furchtbare Krawalle aus. Und diese berühmte biblische jüdische Siedlung wurde komplett zerstört. Mehr als hundert jüdische Häuser, fünf jüdische Lager und Geschäfte, fünf jüdische Schulen, der jüdische Jugendclub, das jüdische Waisenhaus und mehr als zehn Synagogen wurden ihre Möbel und Hausrat genommen. Einhundertfünftausend Thora-Rollen wurden zusammen mit ihren Kronen und den Silber- und Goldkronen darauf, rund 4.000 Gebetbücher, Talmud und Kommentare wurden allesamt von arabischen Randalierern verbrannt und zerstört.

A page from the ‘Keter’

Der größte Schaden wurde an der uralten Synagoge verursacht, die vor rund 1.500 Jahren gebaut wurde und sie wurde in Brand gesetzt. Tausende Forscher und Gelehrte sowie berühmte Orientalisten sollten sich an sie wenden, um ihre kostbare Sammlung an Büchern und Thora-Rollen zu untersuchen. Unter den wertvollen alten Schätzen, die die Randalierer in Aleppo in dieser Synagoge zerstörten, ist besonders das antike, als „Keter“ bekannte, Thora-Buch zu erwähnen, das dem Schriftgelehrten Esra zugeschrieben wird und in goldenen Buchstaben geschrieben war; sein Preis wurde auf tausende Pfund geschätzt. (Das Keter wurde tatsächlich gerettet, obwohl einige seiner Seiten fehlten, nach Israel geschmuggelt und befindet sich jetzt in Jerusalem – red.). Dasselbe Keter wurde zu Professor Kasuto von der Hebräischen Universität geschickt, damit er Originalverse daraus kopieren konnte. Hunderte jüdische Schüler sind ohne Thora unterwegs, ohne Bildung, weil die Regierungen Syriens und des Libanon die Schulgebäude der Alliance Israelite Universelle und anderer Institutionen beschlagnahmten, um hunderte aus Israel geflohene  arabische Flüchtlinge zu beherbergen.

Witwen, die auf alles mit Nächstenliebe reagierten, sind in zu trostlosen Armen geworden, die sich auf Laubhaufen wälzten, ohne ihre Haut zu bedecken und ohne einen Fetzen, um ihren Köpfen Schatten zu geben. Hunderte anderer Juden sind jetzt nackt, durstig und barfuß, sie warten auf das Erbarmen des Himmels. Das sind die schwersten Schläge, die den Oberhäuptern der syrischen Juden zugefügt wurden.“

Was hat die „Nakba“ mit den vielen Malen gemeinsam, bei denen Juden vertrieben oder aus ihren Häusern gezwungen wurden? Das ist offensichtlich!

Elder of Ziyon, 17. Mai 2022

Judenvertreibungen (1100 bis 1600) – Vertreibungsbereich, Wiederansiedlungsbereich

Mit all dem Gerede vom „Nakba-Tag“ diese Woche wollte ich sehen, wie viele Male Juden in der Geschichte zu Flüchtlingen wurden.

Eine Wikipedia-Seite führt nicht weniger 70 verschiedene Gelegenheiten an, zu denen Juden Flüchtlinge wurden. Und sie listet wirklich nicht alle auf – sie fasst z.B. alle Juden aus arabischen Ländern, die von 1948 bis 1972 gezwungen wurden diese zu verlassen, zu einer einzigen Vertreibung zusammen.

Es gibt viele, die nicht sonderlich bekannt sind, so das Mawza-Exil von 1679, als fast alle Juden im Jemen in eine Wüstenstadt verbannt wurden (ein Jahr lang, bis ihre arabischen Nachbarn, die auf sie angewiesen waren, den König anbettelten ihnen die Rückkehr zu erlauben).

Was haben also diese vielen Vertreibungen von Juden mit der sogenannten „Nakba“ gemeinsam?

Für alle verantwortlich gemacht werden – Juden.

Ein wiederkehrendes Motiv in westlicher wie arabischer antisemitischer Rhetorik lautet, das Verhalten von Juden dafür verantwortlich ist, dass sie aus so vielen Ländern geworfen wurden. Selbst Mahmud Abbas sagte das in einer öffentlichen Rede.

Juden haben die einzigartige Unterscheidung nicht nur für jeden der Missstände der Welt und die Verfolgung anderer verantwortlich zu sein, sondern sie sind auch für ihre eigene Verfolgung verantwortlich!

Vor 955 Jahren: Ermordung der Juden im Massaker von Granada

Der jüdische Wesir wurde gekreuzigt und tausende Juden in der Stadt getötet; das wird weithin als antisemitisches Pogrom betrachtet, das als das Ende des Goldenen Zeitalters des spanischen Judentums bewertet wird.

Aaron Reich, Jerusalem Post, 30. Dezember 2021

Alandalusische Architektur in Granada, Spanien (Beispielbild –Foto: PIXABAY)

Am 30. Dezember war das Massaker von Granada 955 Jahre her, ein brutales Ereignis, bei dem ein muslimischer Mob den königlichen Palast in Granada im muslimisch beherrschte Spanien stürmte, den jüdischen Wesir kreuzigte und tausende jüdische Einwohner der Stadt abschlachtete.

Granada war die Hauptstadt eines muslimischen Berber-Königreichs desselben Namens im modernen Spanien, das damals als al-Andalus bekannt war, als es sich unter muslimischer Herrschaft befand. Damals wurde es von der Zirid-Dynastie regiert; die Kontrolle über das Königreich wechselte zwar mehrere Jahrhunderte über die Hände, aber Granada sollte letztlich als die letzte Bastion muslimischer Herrschaft in al-Andalus bekannt werden, bevor es 1492 als Höhepunkt der Reconquista unter spanische Herrschaft fiel.

Die jüdische Präsenz in Granada ist allerdings weit älter. Tatsache ist, dass einige Legenden sogar postulieren, dass Juden seit der Zerstörung des ersten Tempels in der Stadt lebten; die ersten bekannten Nachweise gehen ins Jahr 711 zurück. In der Tat ist die jüdische Präsenz in Granada so alt und bewiesen, dass die Stadt einst als Garnāta-al-Yahūd bekannt war, was heißt „Granada, Stadt der Juden“. Obwohl einige Forscher diese weit verbreiteten Mutmaßungen jüdischer Geschichte in der Stadt anzweifeln, lebt das traditionelle Vermächtnis weiter, so wie ihre Bedeutung in der jüdischen Geschichte.

Wie in vielen Teilen von al-Andalus blühte die lokale jüdische Bevölkerung auf, wobei die muslimische Herrschaft über die Iberische Halbinsel weithin als das „Goldene Zeitalter“ für das sephardische Judentum betrachtet wurde. Während dieser Zeit genossen Juden mehr Freiheiten und Reichtum als mehr als tausend Jahre zuvor und jüdische Kultur, Philosophie und Wissenschaften florierten.

Die Lage war allerdings nicht immer gut. Fakt ist, dass nach dem Fall des Kalifats von Córdoba und al-Andalus in kleinere muslimische Königreiche zerbrach, Juden nicht immer denselben Wohlstand hatten. Aber in Granada war das nicht der Fall; dort blühte jüdisches Leben unter der Herrschaft der Ziriden.

Blick auf die Ziriden-Mauern Granadas von Aussichtsturm des Dar la-Hurra-Palasts (Foto: Wikimedia Commons)

In der Tat kann der Einfluss der jüdischen Gemeinde in Granada nicht untertrieben werden, da sie nicht nur denselben Status als Dhimmi – Nichtmuslimen mit geschütztem Status – inne hatten, der im Fall muslimischer Herrschaft üblich war. Ein Forscher ging sogar so weit, den Ziridenstaat als „jüdisches Königreich außer dem Namen nach“ zu beschreiben.

Das ist besonders im Fall eines bestimmten Juden zu sehen: Samuel ibn Naghrillah, besser bekannt als Samuel HaNagid oder Schmuel HaNagid, ein prominenter Talmud-Forscher, Dichter und Philosoph, der von manchen als einflussreicher Jude in al-Andalus beschrieben wird. Er war seine ganze Karriere hindurch kolossal erfolgreich und wurde sogar der Oberste Wesir und General der Ziriden, mit Letzterem der erste Juden, der muslimische Armeen auf dem Schlachtfeld kommandierte. Tatsächlich widersprachen beide Positionen dem Pakt des Omar, einem uralten muslimischen Vertrag, der den Dhimmistatus einführte und sicherstellte, dass Dhimmis unter muslimischer Herrschaft kein öffentliches Amt bekleiden durften.

Nach seinem Tod ersetzte ihn Josef ibn Naghrela als Wesir. Leider sollte er nicht den Erfolg seines Vater haben.

Manche beschreiben Josef als stolz und unbescheiden, andere sagen, dass ihm Glaube fehlte. Während diese Anschuldigungen unwahr sein könnten, da viele andere Berichte ihn preisen, waren viele Berber mit ihm unzufrieden.

Das selbst ist Folge der vielen möglichen Gründe wie Groll, dass Josef eine solch herausragende Position inne hatte oder dass er angeblich geplant habe ein feindliches Königreich in die Stadt zu lassen, wenn dieses ihn als König einsetzen würde.

Ebenfalls recht bekannt ist die Verbreitung von Gedichten, die Josef und die Juden als Ganzes verleumden. Eines dieser Gedichte, geschrieben von einem Ibrahim ibn Masud Saad al-Tujibi, auch bekannt als Abu Ischaq, war besonders bösartig und beinhaltete die folgenden Verse, wie der Historiker Bernard Lewis erzählt:

Betrachtet sie zu töten nicht als Verletzung des Glaubens,
die Verletzung des Glaubens bestünde darin sie weitermachen zu lassen.
Sie haben unseren Bund mit ihnen verletzt, wie könnt ihr gegen die Übertreter für schuldig gehalten werden?
Wie können sie ein Bündnis haben, bei dem wir unbedeutend und sie herausragend sind?
Jetzt sind wir niedrig neben ihnen, als wenn wir unrecht hätten und sie recht!

Was sich letztlich daraus ergab, war das Massaker.

Am 30. Dezember 1066 stürmte ein wütender Mob den Palast und kreuzigte Josef, bevor er seine Wut gegen die Juden der Stadt richtete und tausende von ihnen abschlachtete.

Die genaue Zahl der Todesopfer ist unklar und heiß umstritten. Zwar haben viele die Zahl in die Tausende schätzen, besonders Zahl 1.500 Haushalte wird angegeben, aber die genaue Anzahl ist unbekannt. Trotzdem ist das Blutvergießen gut dokumentiert und wird weithin als Beispiel für ein antisemitisches Pogrom betrachtet.

Nicht alle Juden wurden getötet, aber viele andere waren gezwungen zu fliehen, ihre Häuser und Land zu verkaufen, um Granada zu verlassen.

Die Juden sollten später in die Stadt zurückkehren. Es sollte jedoch nie wieder den Höhepunkt von einst erreichen. Juden wurden unter den folgenden Herrscherdynastien der Almoraviden, Almohaden und Naseriten anders behandelt, manchmal besser, manchmal schlimmer. Letztlich sollte aber die lange Geschichte des jüdischen Lebens in Granada 1492 zu Ende gehen, als die Juden aus Spanien vertrieben wurden.

Das Massaker wird von vielen als Ende des Goldenen Zeitalters des sephardischen Judentums in al-Andalus betrachtet, ein Auftakt zum tragischen Schicksal, das die Juden auf der Iberischen Halbinsel heimsuchen sollte.

Obwohl sie einst die Stadt der Juden gewesen ist, sind Spuren des alten jüdischen Lebens in Granada heute fast völlig verschwunden.

Yom HaGirusch: Das Innere der Geschichte des „Tags der Vertreibung“

Die weithin vergessene ethnische Säuberung, für die es in der Geschichte der Menschenrechtsverletzungen fast keine Parallele gibt.

Edwin Black, FrontPage Mag, 3. Dezember 2021

Sprechen wir über eine weithin vergessene ethnische Säuberung, die in der Geschichte der menschlichen Missstände kaum eine Parallele hat. Erinnern Sie sich an die koordinierte internationale Vertreibung von rund 850.000 Juden aus arabischen und muslimischen Ländern, wo sie volle 27 Jahrhunderte lang friedlich gelebt hatten? Wie manche wissen, legte die israelische Regierung 2014 den 30. November als Gedenktag dieser Massen-Gräueltat fest. Er hat keine wirkliche Identität oder einen Namen wie „Kristallnacht“. Aber ab heute werden wir ihn als Yom HaGirusch kennen – den „Tag der Vertreibung“.

Es ist ein Jahre dauernder Weg gewesen, um diese Identität zu identifizieren und festigen. Es begann in dem Augenblick, in dem Hitler 1933 an die Macht kam. Die internationale panarabische Gemeinschaft, von Palästina aus koordiniert und vier Kontinente umspannend, bildete eine lebhafte politische und später militärische Allianz mit den Nazis. Diese Partnerschaft funktionierte in der dünnen Luft der Regierungsflure, auf den von Krawallen zwiegespaltenen Straßen vieler Städte auf beiden Seiten des Ozeans und schließlich den schießpulergeschwängerten Gräbern und Fronten des von Krieg erstickten Europas. Der Vorarbeiter dieser Allianz war Haddsch Amin al-Husseini, der Großmufti von Jerusalem, aber er führte eine begierige Koalition arabischer Führer, die im Hohen Arabischen Rat organisiert waren, zusammen mit populären Anhängern von der arabischen Straße. Sie hatten sich mit der Ideologie und den Zielen der Nazis eins gemacht, wozu die Vernichtung der Juden und der Sieg über britischen Einfluss gehörten.

Nachdem der Mufti im Oktober 1937 der Strafverfolgung im jüdischen Palästina entkam, siedelte er nach Bagdad über. Der Irak wurde zum neuen Gravitationszentrum der Kollaboration der Araber mit den Nazis. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 hatten die irakischen Araber unter der Anleitung des Muftis alle möglichen Arten Nazi-Ideologie und Bündnisse in den Irak importiert. Am 1. Und 2. Juni 1941, als Deutschland kurz davor war Russland anzugreifen und arabisches Öl brauchte, begannen Nazi-Araber ein blutiges zweitätiges Pogrom gegen ihre jüdische Gemeinschaft, die dort seit 2.700 Jahren wohnte – eintausend Jahre vor Mohammed. Die Zusammensetzung arabisch-nazi trifft nicht nur zu, weil diese Araber in Wort und Tat Faschisten waren, sondern weil sie sich tatsächlich mit Deutschlands Nazi-Partei identifizierten. Einige der Randalierer trugen Hakenkreuze; viele waren sogar ei den Nürnberger Fackelmärschen mitmarschiert. Die Syrische Nationalsozialistische Partei legte sich eine Flagge zu, die der Nazideutschlands nachempfunden war.

In diesen Albtraum-Krawallen vom 1./2. Juni wurden Juden auf der Straße gejagt. Fand man sie, wurden jüdische Mädchen vor ihren Eltern vergewaltigt, Väter wurden vor ihren Kindern geköpft, Mütter wurden öffentlich wie Tiere behandelt, Babys wurden durchgeschnitten und in den Tigris geworfen. Die Mobs in Bagdad brannten Dutzende jüdischer Geschäfte nieder, drangen in jüdische Häuser ein und plünderten sie.

Wir werden nie erfahren, wie viel Hunderte ermordet und verstümmelt wurden, weil bei den folgenden Ermittlungen viele Angst hatten auszusagen. Aber dieses blutige Ereignis wurde als „Farhud“ bekannt, was gewalttätige Enteignung bedeutet. Der Farhud beschreibt den Anfang des Endes des irakischen Judentums – mehr als 140.000 Seelen.

Kurz bevor der Staat Israel 1948 seine Unabhängigkeit erklärte, versprach die Arabische Liga der Welt, sie werde eine Massenvertreibung all ihrer Juden durchführen. Die Arabische Liga koordinierte tatsächlich Formen und Vorgehensweisen in mehr als einem Dutzend Länder. Im Irak zum Beispiel wurde das Gesetz 51 zu Kriminalität modifiziert, um „zionstisch“ einzubeziehen – das als jeder Jude definiert werden konnte, der mit hebärischer Schrift auf einem Gebetsbuch gefunden wurde. Das Gesetz 1 zur Ausbürgerung wurde geändert, um Juden ihre lange schon gehaltene Staatsbürgerschaft abzuerkennen und dann erlaubte Gesetz 5 die Beschlagnahe jüdischen Vermögens.

Ähnliche Entrechtung wurde überall in der arabischen und muslimischen Welt wiederholt. Rund 2.000 Nazis führten und unterstützten diese Prozesse – ehemalige KZ-Wachen, Gestapo, SS-Offiziere und Wehrmacht-Kommandeure, die den Nürnberger Prozessen entkommen waren, um Hitlers Krieg gegen die Juden fortzusetzen – jetzt aber im Nahen Osten.

Gleichzeitig versprach die Arabische Liga in den neuen Staat Israel einzumarschieren. „Das wird ein Vernichtungskrieg und ein bedeutendes Massaker werden, von dem man wie von den mongolischen Massakern sprechen wird“, versprach Azzam Pascha, der Generalsekretär der Arabischen Liga.

Vier Monate lang bettelte der World Jewish Congress die Vereinten Nationen an, die damals in Lake Success (New York) zusammentraten, man möge die ethnische Säuberung aufhalten. War das ein Geheimnis? Kaum. Die New York Times war damals die führende Zeitung in den USA. Ihre fett gedruckte Überschrift mit Weckrufcharakter erklärte: „Juden in allen muslimischen Ländern in gravierender Gefahr“. Der Artikel führte markant die vertreibenden Länder auf und wie viele tausend Juden ethnische gesäubert werden würden. Französisch-Marokko: 190.000; Irak: 130.000; Algerien: 120.000, und so weiter, bis die Gesamtzahl die dunkle Summe von 900.000 erreichte.

In vielen Ländern wurde den Juden deutlich gemacht, dass sie, sollten sie Widerstand leisten, weiteren Farhuds unterzogen und dann in naziartige Konzentrationslager deportiert werden würden. Immerhin unternahmen arabische Regime während des Zweiten Weltkriegs, angeführt vom Mufti, Anstrengungen Juden nach Auschwitz zu schicken. Der Mufti war durch mehrere Lager geführt worden, darunter den Hauptsitz des SS-Lagersystems. Während des Krieges bauten lokale Vertreter überall in der arabisch beeinflussten Welt Konzentrationslager als Zentren für Sklavenarbeit und Folter auf. Von den Dutzenden Lagern in arabischen Ländern sind Namen wie Im Fout in Marokko, Djelfa in Algerien und Giado in Libyen als verblasste Fußnoten verloren gegangen.

Ende der 1940-er Jahre wurden den Farhud heraufbeschwörende Lieder populär und zahlreiche Mini-Farhud-Pogrome waren bereits durch die jüdischen Gemeinden gelaufen. So wurden die Juden eine Gemeinde nach der anderen an entlegene Orte gekarrt, wo heimliche Lufttransporte – oft von der Firma organisiert, die zu Alaska Airlines wurde – die Juden dann, gepackt wie die Sardinen, nach Israel ausflogen.

Die Araber glaubten, sie würden dem neuen Staat Israel eine demografische Bombe verschaffen. Aber Israels Flüchtlingslager waren recht temporär und die meisten der Hundertausende wurden komplett in den jüdischen Staat absorbiert. Diese Verbrechen gegen die Menschheit ließ Israels Bevölkerung fast um die Hälfte anschwellen, was die weitgehend europäische Bevölkerung des frisch unabhängigen Israel in eine verwandelte, die zur Hälfte sephardisch/mizrahisch war – die im Wesentlichen aus arabischen Staaten stammte. Diese von den arabischen Staaten betriebene Vertreibung straft die Verleumdung Lügen, dass Israelis ein Haufen gut situierter Juden aus London, Los Angeles und Lwiw sei. Und sie sie konzentriert und fokussiert die Frage der arabischen Flüchtlinge von 1948 neu.

1948 marschierte der neu gebildete und erschaffene Staat Jordanien in die Westbank ein und schuf sie erst. In drei offiziellen Konferenzen in Ramallah, Jericho und Hebron stimmten die Araber dafür keine eigene nationale Identität zu schaffen, sonder lieber Untertanen Jordaniens zu werden.

Als Israel 1964 bewiesen hatte, dass es nicht ins Meer getrieben werden konnte, half der sowjetische KGB die Gründung der Palästinensischen Befreiungsorganisation zu arrangieren. Die Araber nahmen dann den Zionisten den Namen „Palästinenser“ weg – womit sie im Grunde Identitätsdiebstahl begingen. Niemand kann mir vor 1964 irgendeine Identifizierung von Arabern als Palästinenser zeigen. In The Edwin Black Show habe ich öffentlich um wenigstens ein einziges Beispiel gebeten. Dennoch ist für die Sache der „Palästinenser“ … auf Grundlage gefälschter Geschichte, gefälschter Fakten, jüdischer Ignoranz und den vergessenen Realitäten von 850.000 vertriebenen Juden eingetreten worden. Es hat in der Geschichte viele Vertreibungen und Zwangsmigration gegeben. Die Spanische Inquisition deckt im Großen und Ganzen einen einzelnen Bereich der Vertreibung ab. Der Tränenweg bezeichnet eine Kategorie der Zwangsmigration, nämlich die der amerikanischen Ureinwohner. Aber nie seit dem Römischen Reich hat die Welt erlebt, dass 15 Länder offen die Aberkennung und Vertreibung seiner Bürger einzig aufgrund ihrer Religion koordinieren.

Obwohl dieser gewichtige Akt immer eine Flamme war, die in den Familien der Enteigneten brannte, wurde er von der Welt vergessen. Der „Scha-Scha“-Virus kann ein gesamtes Volk infizieren, was beweist, dass es sowohl ein kollektives Gedächtnis als auch kollektives Vergessen gibt.

Ich selbst stolperte bei der Recherche für mein Buch Banking on Baghdad 2003 über den Farhud. Das weckte die Fackel der Erkenntnis neu. Das „Projekt Farhud-Anerkennung“, aktiviert von Sephardim in den USA, forderte lediglich, dass an den Massenmord erinnert wird. Ich tauchte tiefer in das Thema ein, was 2010 mein Buch The Farhud—Roots of the Arab-Nazi Alliance in the Holocaust zur Folge hatte; dieses verfolgte die arabisch-nationalsozialistische Allianz, die entsetzlichen Pogrome und die Nachkriegs-Vertreibung nach. Im Juni 2015 waren ich und eine Gruppe engagierter kommunaler Leiter in der Lage das zu tun, was viele von der Erinnerung versengte Familien als unmöglich bezeichnet hatten: In einer historischen Veranstaltung bei der UNO den Internationalen Farhud-Tag auszurufen, was von der UNO selbst weltweit gestreamt wurde.

Aber ich wollte immer mehr tun und der Massenvertreibung Identität und Hommage verleihen. Im November 2021 rief ich am 30. November mit Unterstützung meiner Kollegen in vielen Ländern in einer Sonderausgabe der Edwin Black Show den 30. November für immer als Gedenktag namens Yom HaGirusch aus.

Dieser Name, Yom HaGirusch, kennzeichnet den Punkt, an dem jüdische Gemeinden in vielen Ländern wieder einmal enteignet wurden, aber in der freien Nation Israel wieder Besitz erlangten. Der jüdische Staat ist jetzt im Besitz dieser Menschen und ihrer Nachkommen – und die wiederum besitzen jetzt den Staat. Besitz macht 90% des Überlebens aus. Israel ist zur Endstation der Juden geworden.

Von Marokko bis Indien  und vom Jemen bis Afghanistan wurden das Leben und Jahrhunderte Erbe verbrannt. Das geschah am hellichten Tag und mit kaum einem Murmeln der Welt. Es geschah nicht einmal fünf Jahre, nachdem die Welt erfuhr, dass sechs Millionen Juden vernichtet und weitere Millionen zu Flüchtlingen gemacht wurden. Schreiben Sie sich das auf. Yom HaGirusch. YomHaGirusch.com befindet sich jetzt noch in embryonaler Form, wird aber bald eine lebendige, weltweite Ressource und eine Warnung an die Welt sein, dass wir, wenn wir „Nie wieder“ sagen, das auch meinen.

Erinnerung an den „Zweiten Exodus“ am 30. November

Lyn Julius, Jewish News (blogs), 18. November 2021

Ägyptisch-jüdische Flüchtlinge besteigen ein Schiff.

Am 29. Oktober 1956 schwamm Lilian Abda im Suezkanal; dann kamen ägyptische Soldaten und verhafteten sie. Abda wurde angeklagt versucht zu haben dem Feind Informationen zukommen zu lassen. „Ich wurde in meinem Badeanzug zur Polizeiwache gebracht“, erinnert sie sich. „Am nächsten Tag vertrieben sie mich und meine gesamte Familie aus dem Land.“

Diesen Herbst vor 65 Jahren war Lilian Abda eine von 25.000 Juden, die von Präsident Nasser nach der Suez-Krise aus dem Land geworfen wurde. Nasser rächte sich an den 60.000 Juden – ein Viertel war bereits nach 1948 geflohen – weil Israel mit Großbritannien und Frankreich konspiriert hatte in die Halbinsel Sinai einzumarschieren um terroristische Überfälle auf sein Territorium zu stoppen.

Unter Anführung von Notstandsgesetzen begann Nasser britische und französische Staatsbürger, einschließlich Juden, zu auszuweisen. Sie wurden in zwei Wellen vertrieben: Den ersten wurden 24 Stunden gegeben, um das Land zu verlassen. Den zweiten wurde befohlen das Land mit ihren Familien innerhalb von sieben Tagen zu verlassen.Die Brhöden stigmatisierten dann alle Juden als Zionisten, verhafteten sie wahllos und internierten sie.

Edna Anzarut-Turner, die einen britischen Reisepass besaß, hat immer noch Albträume wegen ihrer Vertreibung. Jedem Mitglied ihrer Familie wurde erlaubt eine Decke, einen Koffer und ein Pfund mitzunehmen. Ihre Cousine Myra und deren Verlobter Benny wurden interniert und in Handschellen aus dem Gefangenenlager für „kriminelle Zionisten“ in Moascar bie Aboukir geholt, um in der Nebi Daniel-Synagoge in Alexandria zu heiraten. Der Rabbiner lehnte es ab die Hochzeitszeremonie durchzuführen, wenn die Handschellen nicht abgenommen würden. Es folgte ein gewaltiger Streit  mit den arabischen Wachen. Die Handschellen wurden während der Trauzeremonie abgenommen; und Myra und Benny wurden zu einem Schiff gebracht, das Ägypten verließ.

Britische und französisch Staatsbürger waren nicht die einzigen, die verjagt wurden. Clement Soffer erinnert sich: „Ich wurde im Alter von 15 Jahren mit 24 Stunden Vorwarnung ausgewiesen, gezwungen meine ägyptische Staatsbürgerschaft aufzugeben. Sie gaben mir ein Dokument mit dem  Stempel „Gefährder der öffentlichen Sicherheit“ und sagten mir, dass ich niemals zurückkommen dürfe. Mir wurde nicht erlaubt meine Familie zu sehen.“

An einem Tag im Dezember 1956 störte ein Klopfen an ihrer Haustür in Heliopolis (in Kairo) den Haushalt der Simsolos. „Zwei Offiziere des Militärs und zwei Polizisten forderten meinen Vater auf ihnen zu folgen“, sagt Gilbert Simsolo. „Drei Wochen lang hörten wir nichts von meinem Vater und wussten nicht einmal, wo er festgehalten wurde. Meine Mutter fand ihn schließlich in einem Militärlager bei Kairo. Uns wurde gesagt, dass er nur freigelassen würde, wenn wir ins Ausland gingen. Ein paar Wochen später waren wir mit meinem Vater auf einem Schiff nach Italien, ohne dass wir nach Ägypten zurückkehren durften.“

Geschichten vom, wie er bekannt wurde, „Zweiten Exodus“ werden am 30. November wieder erzählt, dem Tag, der in Israel zum Tag bestimmt wurde, an dem der Flucht von fast einer Million Juden aus arabischen Ländern und dem Iran im Zeitraum von 30 Jahren gedacht wird. Meine Organisation Harif, JW3 und Sephardi Voices UK werden sich auf die Zeit der Vertreibung nach der Suez-Krise konzentrieren. Aber wir werden auch die Tatsache feiern, dass die meisten Flüchtlinge Zuflucht in Israel fanden; der Rest wurde im Westen willkommen geheißen. So traumatisch er auch war, fast kein Jude bedauert den Abgang aus Staaten, in denen Toleranz gegenüber anderen nicht selbstverständlich war.

Es ist wichtiger als je zuvor die Erfahrungen jüdischer Flüchtlinge aus arabischen Ländern aufzuzeichnen, weil die Geschichte umgeschrieben wird, um die Juden für ihren eigenen Abgang verantwortlich zu machen oder ihr Leid herunterzuspielen. Ein typisches Beispiel ist der Amateurhistoriker Dr. Mohamed Aboulghar, dessen revisionistische Geschichte der Juden Ägyptens sich offensichtlich wie warme Semmeln verkauft.

Es reicht nicht um Gerechtigkeit zu kämpfen; wir müssen auch für die Wahrheit kämpfen.

Um am Gedenkabend am 30. November teilzunehmen oder online zuzusehen, siehe die  Internetseite von JW3 oder besuchen Sie www.harif.org/.