Die negativen Interaktionen von Soros mit der jüdischen Welt

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Aus jüdischer und israelischer Perspektive gibt es zwei bedeutende Themen, die man sich ansehen sollte, wenn man die Aktivitäten des amerikanisch-jüdischen Milliardärs George Soros analysiert. Das erste sind seine größtenteils schädigenden Äußerungen und Taten gegen Juden und Israels. Das zweite sind antisemitische Attacken auf Soros.

Darüber hinaus gibt es eine wichtige allgemeine Diskussion zu Soros‘ weltweiten Aktivitäten. Viele davon haben keinen besonderen Einfluss auf Jüdisches und es gibt für Juden keinen Grund als Juden in diese Diskussion einzugreifen. Es ist nicht unsere Aufgabe Soros hauptsächlich als großen Philanthropen oder den König der Spekulanten zu bezeichnen.

Soros fördert Lügen über Antisemitismus. Bei einem seltenen Treffen in einer jüdischen Umgebung sprach Soros 2003 vor der Jewish Founders Network Conference in New York. Er wurde nach Antisemitismus in Europa gefragt. Soros sagte, europäischer Antisemitismus sei das Ergebnis der Politik Israels und der Vereinigten Staaten. Er fügte hinzu: „Es gibt ein Wideraufleben und die Regierung Sharon trägt dazu bei.“[1]

Soros merkte auch an: „Das ist nicht konkret antisemitisch, sondern es offenbart sich auch in Antisemitismus. Ich kritisiere diese Politik…“[2] Er machte für das „Wiederaufkommen von Antisemitismus in Europa“ Israel verantwortlich und bestand darauf: „Wenn wir diese Richtung ändern, dann wird auch der Antisemitismus abnehmen.“[3]

Es war offenbar niemand anwesend, der ihn für seine extreme und falsche Beschuldigung des Opfers zur Rede stellte. Soros ignorierte die Grundzüge der extrem antisemitischen Verhältnisse Europas, die seit mehr als 1.500 Jahren existieren.

Soros fügte als typischer jüdischer Masochist hinzu, dass auch er einige Verantwortung für den neuen Antisemitismus trägt; dazu zitierte er Malaysias Premierminister Mahathir Bin Mohamad, der sagte: „Juden beherrschen die Welt über Stellvertreter.“ Soros reagierte: „Als unbeabsichtigte Folge meines Handelns trage auch ich zu diesem Image bei.“[4]

Abraham Foxman, damals nationaler Direktor der Anti-Defamation League (ADL) bezeichnete Soros‘ Kommentare zum Antisemitismus hinterher als „absolut obszön“.[5] Foxman sagte, die Opfer für alle Missstände Israels und des jüdischen Volkes verantwortlich zu machen, sei bigott und voreingenommen.

Damals reagierte Malcolm Hoenlein, Executive Vice Chairman der Conference of Major Jewish Organizations: „Antisemiten brauchen keine Ausreden. Wenn das Zitat stimmt, dann spiegelt es ein fundamentales Missverständnis von Antisemitismus. Es ist lächerlich und inakzeptabel zu sagen, dass Angriffe auf Juden mit Bushs oder Sharons Politik in Zusammenhang stehen, während man den wahren Grund ignoriert: eine tief sitzende Abneigung gegen Juden in der arabischen Welt und die gelegentliche Gleichgültigkeit seitens der europäischen Regierungen. Der Antisemitismus erreichte in Europa während der Regierung Barak, während der Verhandlungen von Camp David 2 und von Taba einen Höchststand.“[6]

Man könnte das zusammenfassen, indem man sagt, dass Soros‘ Worte zu Antisemitismus ein typisches Beispiel für eine seiner Eigenschaften war. Er hat ein großes Maul zu Themen, von denen er wenig bis nichts versteht.

Die Stiftungen von Soros finanzieren eine Vielzahl von Gremien. Darunter befinden sich auch viele jüdische und antiisraelische Organisationen. NGO-Monitor hat einen Bericht über diese Spenden geschrieben.[7] Sie variieren stark. Zum Beispiel erhielt das Simon Wiesenthal Center nach Angaben dieses Textes $450[8] und die antiisraelische Human Rights Watch erhielt einhundertmillionen Dollar.[9]

Ein allgemeines Thema, zu dem Soros von vielen heftig kritisiert wird, ist das Eingreifen in die internationalen Angelegenheiten vieler Länder. Das erklärte Ziel von Soros‘ Open Society Foundation (OSF) besteht darin „daran zu arbeiten lebendige und tolerante Demokratien aufzubauen, deren Regierungen verantwortlich und für die Partizipation aller Menschen sind.“[10] Das ergibt die oft einmischenden Aktivitäten der OSF sowohl in geschlossenen wie auch in demokratischen Gesellschaften. Dazu gehört die groß angelegte Finanzierung politischer NGOs.[11]

Die OSF bewilligt politischen NGOs über ihre Abteilung „Arabisches Regionalbüro (ARO) – Palästinensische Bürger Israels“ in Israel Geld. Die von Ammar Abu Zayyad geführte ARO ist eine von einer ganzen Reihe Finanzierungsmechanismen für israelische und palästinensische NGOs im Netzwerk der OSF.[12]

Außerhalb Israels ist Soros ebenfalls in Aktivitäten involviert, die Organisationen helfen, die gründlich von Antisemitismus durchsetzt sind. Caroline Glick behauptete 2016 in der Jerusalem Post, dass Black Lives Matter „im Verlauf des letzten Jahres $650.000 von durch Soros kontrollierte Gruppen erhielt“.[13]

Der republikanische US-Senator Tom Cotton beschuldigte das Quincy Institute for Responsible Statecraft, einen neuen, von den Milliardären George Soros und Charles Koch finanzierten Thinktank, Antisemitismus zu nähren.[14] Details lieferte er keine.

Die Attacken auf Soros‘ Aktivitäten zu vielen anderen Themen gehen weit über das hinaus, was hier gesagt worden ist. Die OSF machte am Schwarzen Mittwoch 1992 mehr als £1 Milliarde mit einer Wette gegen das britische Pfund. Diese spekulative Handlung zwang die britische Regierung sich aus dem europäischen Wechselkursmechanismus (ERM) zurückzuziehen.[15] Ein weiteres Beispiel einer höchst problematischen Aktivität war die Finanzierung einer Pro-EU-Gruppe, um zu helfen das Ergebnis der Brexit-Abstimmung rückgängig zu machen.[16] Ihr wurden mehr als £400.000 gegeben.[17]

Sein sehr anderer Fall ist, dass Soros oft beschuldigt wird den erfolgreichen Wahlkampf einer Vielzahl radikaler Kandidaten zu Bezirksstaatsanwälten in den USA zu finanzieren.[18]

Es gibt jedoch ein weiteres Thema, das die jüdische Welt nicht ignorieren kann. Viele Artikel zu Soros greifen ihn als Juden an. Der spanischsprachige Radio- und Fernsehsender Martí, der USA-freundliche Inhalte nach Kuba ausstrahlt, brachte einen Bericht, der Soros als „Multimilliardärs-Juden“ mit „flexibler Moral“ bezeichnete, der „der Architekt des Finanzkollaps von 2008“ war.[19]

In Europa ist der Versuch ihn zu dämonisieren von Nationalistenführern wie Premierminister Viktor Orbán in Ungarn[20] und Politikern in ehemals kommunistischen Ländern wie Mazedonien, Albanien und Russland sowohl geschürt wie gezügelt worden.[21]

„Antisemitismus funktioniert durch Umkehrung. Er funktioniert durch Lüge. Er funktioniert durch Verschmelzung“, sagt Ruth Wisse, eine emeritierte Professorin für jiddische Literatur an der Harvard University und konservative Autorin. „Und es ist sehr schwierig einige der Fäden auseinanderzupuhlen. Das ist eine der schwierigsten Situationen, in der man sich befinden kann: Wenn du einen jüdischen Judenfeind hast, der von Antisemiten attackiert wird.“[22]

Für Juden erfordern die Probleme, die rund um diese Attacken auftauchen, Feinschliff. Eine Person, die darüber in Schwierigkeiten geriet, war der israelische Botschafter in Budapest, Yossi Amrani, der eine ungarische Plakatkampagne gegen Soros verurteilte. Er sagte, diese ermutige Antisemitismus.[23]

Am nächsten Tag gab das israelische Außenministerium eine Erklärung aus, die höchst negativ über Soros war, aber nicht explizit sagte, dass sein Botschafter falsch gelegen habe.[24] Das war eine Übung in Verbalakrobatik.

Die Äußerung des Ministeriums besagte, dass Soros ein legitimes Ziel für Kritik sei und dass der Botschafter die Kampagne nur verurteilen wollte, soweit sie als antisemitische Stimmung schürend betrachtet werden könnte. Die Erklärung kritisiert dann Soros scharf als antiisraelisch; sie besagt: „Auf keine Weise sollte die Erklärung George Soros delegitimieren, der ständig Israels demokratisch gewählte Regierung durch die Finanzierung von Organisationen untergräbt, die den jüdischen Staat diffamieren und anstreben sein Recht auf Selbstverteidigung zu bestreiten.“[25]

Diese Erklärung charakterisiert in wenigen Worten Soros‘ Aktivitäten sehr gut. Man kann das erforderliche jüdische Handeln zusammenfassen, indem man sagt, es bedeutet, dass Juden diesen vielen negativen Einflüssen betreffs Israels, dummen Bemerkungen zu Antisemitismus und so weiter entgegentreten müssen.

[1] http://www.urielheilman.com/soros.html; https://en.globes.co.il/en/article-739696

[2] www.jta.org/2003/11/10/archive/in-rare-jewish-appearance-george-soros-says-jews-and-israel-cause-anti-semitism

[3] ebenda

[4] ebenda

[5] ebenda

[6] https://en.globes.co.il/en/article-739696

[7] https://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/170654; https://www.ngo-monitor.org/funder/open_society_institute_osi_/

[8] NGO-Monitor. Bad Investment: The Philanthropy of George Soros and the Arab Israeli Conflict. How Soros-funded Groups Increase Tensions in a Troubled Region. May 2013.

[9] https://www.hrw.org/news/2010/09/07/george-soros-give-100-million-human-rights-watch

[10] http://www.opensocietyfoundations.org/who-we-are

[11] https://www.ngo-monitor.org/funder/open_society_institute_osi_/

[12] http://www.ngo-monitor.org/soros.pdf

[13] www.jpost.com/opinion/our-world-soross-campaign-of-global-chaos-464770

[14] www.jta.org/2020/01/08/politics/sen-tom-cotton-accuses-soros-funded-think-tank-of-fostering-anti-semitism

[15] https://www.thebalance.com/black-wednesday-george-soros-bet-against-britain-1978944

[16] https://uk.reuters.com/article/uk-britain-eu-soros/soros-backed-anti-brexit-group-targets-lawmakers-in-push-for-new-referendum-idUKKCN1J32W6

[17] www.theguardian.com/politics/2018/feb/07/billionaire-george-soros-backs-campaign-to-reverse-brexit

[18] https://www.washingtontimes.com/news/2020/aug/20/george-soros-funded-das-oversee-big-cities-skyrock/

[19] https://www.nytimes.com/2018/10/31/us/politics/george-soros-bombs-trump.html

[20] https://www.tabletmag.com/jewish-news-and-politics/274870/the-truth-about-george-soros

[21] ebenda

[22] https://www.jta.org/2020/09/08/united-states/george-soros-is-a-leading-target-of-anti-semitism-these-jews-openly-criticize-him-anyway

[23] www.dw.com/en/israel-shifts-stance-on-hungarys-soros-criticism-ahead-of-visit/a-39633266

[24] ebenda

[25] ebenda

Was, wenn es keine „Besatzung“ geben würde? Die Antizionisten der 1950-er liefern die Antwort

Elder of Ziyon, 4. August 2020

Laura Adkins schreibt auf Twitter: „Das Wildeste an der Kontroverse um @Sethrogen ist für mich, dass seine Bemerkungen aus dem Zusammenhang gerissen wurden oder dass jeder sich beeilt, um seine Worte ins eigene Narrativ einzupassen (was nicht anders zu erwarten war). Das Wilde ist, dass die organisierte jüdische Gemeinschaft Dutzende Millionen für den Versuch ausgibt Juden wie [Seth] Rogen (links, ungebunden, unter 40, kinderlos, nach oben mobil) für sich zu gewinnen, die im Allgemeinen ähnliche Ansichten zum Judentum und Israel haben. Und trotzdem wird er weithin verunglimpft. Das ist ja mal eine Rekrutierungsstrategie!“

Da hat sie Recht und es muss eine Diskussion darüber geben, wie man Juden erreicht, die überhaupt nichts von der Realität Israels (oder des Judentums) wissen.

Aber IfNotNow fügt hinzu: „Was, wenn – hört bis zu Ende zu – sie aufhörten die Besatzung zu unterstützen und aufrecht zu erhalten? Stark für Freiheit und Würde für alle einzutreten, statt unsere offensichtlich gemeinsamen progressiven Werte durch einen Häcksler zu schicken, würde auf viele junge Juden Eindruck machen.“

Wie würden linke antizionistische Gruppen handeln, würde Israel zwangsweise 600.000 Juden aus ihrer historischen Heimat entfernen? Würden Gruppen wie IfNotNow verdorren und absterben?

Natürlich nicht. Die „Besatzung“ ist ein Vorwand, kein Grund, für wilden antiisraelischen Hass. Und der einfachste Beweis dafür ist ein Blick auf die Antizionisten der 1950-er Jahre – vor der „Besatzung“.

Die prominenteste antizionistische Gruppe war das American Council for Judaism, geleitet vom Reform-Rabbiner Elmer Berger. Er bekämpfte Israel schon vor 1948 und kämpfte dagegen, dass jüdische Holocaust-Opfer sich in Israel niederließen. Nachdem Israel zum Staat wurde, machte er weiter, veränderte nur seine Argumentation. Der ACJ verbrachte einen Großteil der 1950-er Jahre damit zu argumentieren, dass Israels Rückkehrrechts-Gesetz amerikanische Juden irgendwie automatisch den USA gegenüber illoyal machte.

In einer Broschüre mit dem Titel „Four Articles on the Law of Return“ (Vier Artikel zum Rückkehrrecht) schrieb Berger: „Die These des American Council for Judaism lautet, dass die zionistisch-israelische Achse den Juden außerhalb Israels, einschließlich Amerikanern jüdischen Glaubens, einen Status doppelter Nationalität aufzwingt.“

Dieses Argument ist lachhaft und die einzigen Leute, die es heute verwenden, sind randständige Araber. Aber der ACJ, wie auch IfNotNow und andere antizionistische Gruppen, sind nicht an Logik interessiert – nur daran irgendwelche Argumente zu finden, die helfen können Israel zu vernichten.

Alfred Lilienthal war ein weiterer prominenter Antizionist. Sein Buch „What Price Israel“ (Welchen Preis, Israel) von 1953 verdreht das Argument der „doppelten Loyalität“ nicht so, als sei es eine Tatsache, sondern dass es eine Waffe ist, die Antisemiten gegen amerikanische Juden nutzen können – und er nutzte diese angebliche Sorge darüber, wie Antisemiten handeln würden, als Grund Israel ein Ende zu setzen.

Dann fuhr er damit fort seine eigenen antisemitischen Redewendungen von sich zu geben, wie diese Buch-Rezension im Political Research Quarterly schreibt:

Nach Angaben von Lilienthal war die Gründung Israels „von einem Strategie-Vorstand mit immensem internationalen Einfluss ausgeführt“ worden, der auf Einschüchterung und hinterhältige Methoden zurückgriff. Die „amerikanischen Strippenzieher“ waren Joseph Proskauer, Robert Nathan und David Niles, unterstützt von Bernard Baruch, Drew Pearson, A. A. Berle Jr., Harvey Firestone und dem vestorbenen Senator Robert F. Wagner. Mit einem derartigen Aufgebot an Einfluss war es kein Wunder, klagt Lilienthal an, dass die amerikanische Presse der Seite des jüdischen Nationalismus komplett unterworfen war und dass politische Kandidaten Angst hatten die Teilung Palästinas zu unterstützen.

Wir erkennen dies heute als antisemitische Verschwörungstheorie an, genauso wie denkende Menschen heute dasselbe von vielen der Argumente der heutigen Antizionisten denken.

Und genauso wie die heutigen jüdischen Antizionisten machte Lilienthal Israel für arabischen Hass verantwortlich:

Die Politik der Vereinigten Staaten die Teilung Palästinas zu bevorzugen und ihre Unterstützung Israels, ruft Lilienthal aus, spielte direkt in der Hände der UdSSR und verprellte die arabischen Länder. Friedliche Beziehungen zwischen Israel und den arabischen Ländern hängen nicht davon ab, dass beide Seiten ihre Streitigkeiten per Vertrag und hinterheriger Kooperation beilegen, sondern einzig daran, dass Israel sein Verhalten ändert. Die Existenz eines arabischen Boykotts Israels ignorierend erklärt Lilienthal: „Um einen vertrauensvollen Frieden im Nahen Osten anzunehmen, muss Israel sich auf friedlichen und gegenseitig nützlichen Handel mit seinen arabischen Nachbarn einlassen.“

Lilienthals lächerliche Argumente endeten hier nicht. Er erklärte, wenn die Israel-Hilfe der USA stattdessen an die arabische Welt gegangen wäre, würden die Araber enorme Fortschritte in Sachen Demokratie machen. Seitdem hat die arabische Welt Billionen Dollar an Öleinkünften erhalten – und die Demokratie ist genauso weit weg, wie sie es vor siebzig Jahren war.

Im Nachhinein können wir sehen, dass die Argumente der politischen Vorgänger von IfNotNow und Jewish Voice for Peace und anderer Gruppen entweder lächerlich falsch oder buchstäblich antisemitisch waren. Aber ihre Argumente waren schlicht Vorwände, Haken, um ihre Hasshüte daran aufzuhängen.

Das hat sich nicht geändert.

Intelligenz zermalmt

Melanie Phillips, 28. Januar 2005 (nicht mehr online)

Am Dienstagabend hatte ich das Pech an einer Diskussion mit prominenter Besetzung und viel Publikum in London teilzunehmen. Sie gehörte zur Serie „Intelligence Squared“ (Intelligenz im Quadrat). Das angeregte Thema lautete: „Der wahre Feind der Juden heute ist der Zionismus.“ Es wurde von drei Juden vertreten: Avi Shlaim, „revisionistischer“ israelischer Historiker, Jacqueline Rose, Englisch-Professorin und Amira Hass, Ha’aretz-Journalistin in den umstrittenen Gebieten. Dagegen sprachen drei Juden aus: ich, Shlomo Ben Ami, ehemaliger Außenminister der Arbeitspartei, und Raphael Israeli, Professor für islamische, Nahost- und chinesische Geschichte an der Hebräischen Universität.

Meine Seite verlor mit 355 zu 320 Stimmen. Es ist schwer, die krank machende Natur dieser Veranstaltung zu vermitteln – und das nicht nur, weil wir verloren. Unterschwellig unterstellte das Thema, dass die Juden für ihre Vernichtung selbst verantwortlich sind; die wahre Gefahr, in der sie schweben, geht weder vom islamischen Terrorismus aus, noch von dem Versuch, die Juden Israels ethnisch zu säubern, auch nicht in antijüdischen Gefühlen in Großbritannien und Europa, sondern von den Juden selbst, weil sie die Israelis in Monster verwandelt haben. Daher werden die Angriffe auf sie, weit davon entfernt beklagt zu werden, implizit begrüßt; und, um das zu seinem logischen Ende zu denken, der Weg, die Juden zu verteidigen, ist die Quelle der Krankheit zu beseitigen – mit anderen Worten, den Staat Israel zu vernichten.

Diese groteske Verleumdung, die die Juden zu doppelten Opfern macht – zuerst dadurch, dass der wahre Terror, dem sie sich ausgesetzt sehen, ignoriert und sogar dazu aufgestachelt wird; und zweitens dadurch, dass sie dafür verantwortlich gemacht werden – ist natürlich in Großbritannien inzwischen ein Gemeinplatz. Was diese Diskussion noch umso Besorgnis erregender machte: Dieses schockierende Thema wurde von drei Juden vertreten. Die Juden, die dem widersprachen, waren daher in der unerträglichen Lage, das jüdische Volk gegen eine Verleumdung der Juden zu verteidigen, die aus dem Mund anderer Juden kam.

Dieser Sport des Juden prügeln ist inzwischen in den britischen Medien in Mode gekommen; diese nutzen Juden dazu die unverhohlensten Unwahrheiten und boshaftesten Lügen und Verleumdungen über Israel loszulassen, damit die Medien jeden Vorwurf antijüdischen Vorurteils leugnen können – auf der Grundlage, dass Juden nicht antijüdisch sein können. Wäre es doch nur so. Ohne zu behaupten, ich verstünde die Motive der drei jüdischen Ankläger Israels, die sich am Dienstagabend mit ihrem abstoßenden Zeugs brüsteten, ist die Geschichte des jüdischen Volks immer mit Juden versehen gewesen, die eine problematische Beziehung zu ihrer eigenen ethnischen Identität hatten, die den Anstiftern diabolischer Verleumdungen gegen ihr eigenes Volk folgten oder sogar selbst zu solchen wurden (so z.B. Marx oder Freud).

Sie selbst sehen das natürlich anders. Und einer der erstaunlichsten und abstoßendsten Aspekte ihres Verhaltens ist die Art und Weise, wie sie moralische Überlegenheit behaupten. Israel, sagen sie, hat den Moralkodex des jüdischen Volkes verraten. Um zu dieser Analyse zu gelangen, verlassen sie sich auf offenkundige Lügen, Auslassungen und Verdrehungen zur Geschichte und der gegenwärtigen Lage der Juden im ehemaligen Palästina und heutigen Israel. Sie suchen und konzentrieren sich auf Beispiele schlechten Verhaltens seitens Israel – was unzweifelhaft passiert und abgelehnt werden sollte – während sie sie derart aus dem Zusammenhang reißen, dass die Seltenheit solcher Ereignisse nicht anerkannt wird; an Israel Verhalten wird ein unmöglich erreichbarer Perfektionsstandard angelegt, wie er von keinem anderen Land in einer derart furchtbaren Lage erwartet wird; Selbstverteidigung wird in Aggression verdreht; dass Israel sich unendlich besser verhält als die meisten anderen Länder, die sich einer ähnlichen Situation gegenüber sehen, wird hartnäckig ignoriert. Sie nehmen die lebensbedrohliche Bedrohung Israels und verdrehen sie ins Gegenteil, damit in der umgekehrten Darstellung Israels als lebensbedrohlich für die Palästinenser dargestellt wird. Sie verweilen besessen, niederträchtig und unmäßig bei den „Verbrechen“ Israels – die zum größten Teil in Wirklichkeit Beispiele für Israels Versuch sich zu verteidigen sind – während sie alle wahren Verbrechen ignorieren: die Massaker und Aggression und Tyrannei, die gegen die Völker der arabischen Staaten, einschließlich der Palästinenser, durch arabische Staaten begangen werden.

Die Juden auf diese Weise zum Sündenbock zu machen, die moralische Umkehrung, die sie für ihre eigene Vernichtung verantwortlich macht, ist eine Verleumdung, die sich im Lauf der langen Geschichte des ältesten Hasses immer und immer wieder wiederholt hat. So ist diese alt hergebrachte, durch Juden selbst vorgenommene Verleumdung, wie ich schon sagte, nicht neu. Trotzdem ist es unsäglich schockierend, sie im Großbritannien des 21. Jahrhunderts in Aktion zu erleben. Aus dieser Diskussion ging ich mit der Art von Gefühlen heraus, die man – in einem völlig anderen Zusammenhang – empfindet, wenn man gezwungen wird die Details pädophiler Angriffe auf Kinder zu hören oder sogar zu sehen. Es ist eine körperliche Taubheit, ein Gefühl der tiefsten Verzweiflung; ein Gefühl, dass ein wirklich großes Übel losgelassen wurde, das die Tiefen der pathologischen Boshaftigkeit, in die menschliche Wesen absinken können, aufdeckt – um sich zu einer Zeit gegen sich selbst zu richten, wenn sie bereits unter mörderischen Angriffen stehen. Es erscheint wie eine Zurückweisung nicht nur ihres jüdischen Seins, sondern ihrer Menschlichkeit.

Und all das wird eingewickelt in die höchsten Ebenen der Scheinheiligkeit, des Humbugs und der schieren, lachhaften intellektuellen Unehrlichkeit und Geistlosigkeit. So interpretierte Professor Avi Shlaim – dessen „Forschung“ von Ephraim Karsh und anderen umfassend auseinander genommen wurde – schamlos das Thema um, damit er Israel dadurch diffamieren kann, dass er behauptet, der „Zionismus heute“ sei ein und dasselbe wie die Politik von Ariel Sharon in den umstrittenen Gebieten. Er verdrehte nicht nur extrem die Geschichte und die derzeitigen Umstände von Israels Anwesenheit in diesen Gebieten, seine Herangehensweise bettelte nach der Frage, was um Himmels Willen – wenn Sharonismus der „Zionismus heute“ wäre – die Massen politischer Parteien in Israel sind, die gegen den Scharonismus sind. Wären diese auch keine Zionisten?

Tatsache war, dass Shlaim durch die Unterstützung dieser These sich – trotz aller Dementis – mit einer Haltung eins macht, die die Juden als einzige aussondert, die kein Recht auf einen eigenen Staat haben; und Israel als einziges Land der Welt, dessen Existenz nicht legitim ist. Zionismus ist heute, wie es immer gewesen ist, die nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes und Israel ist sein territorialer Ausdruck. Es gibt heute, wie schon immer, viele unterschiedliche Varianten des Zionismus; Sharons Version ist nur eine davon. Das Thema verurteilte den Zionismus von heute, Punkt. Im Ergebnis wird diese Diskussion von den Feinden Israels und des jüdischen Volks benutzt werden und ihnen weiter Schaden zufügen – und Shlaim, Rose und Hass haben das ermöglicht.

Leserbrief an Ha’aretz

Samstag, 5. April 2003

Betr.: Artikel „Unsung Heroes“ (Unbesungene Helden) in Ha’aretz, 03.04.03

Schalom,

ich möchte einige Gedanken und Eindrücke bezüglich Aviv Lavies Artikel „Unbesungene Helden“ (Ha’aretz Magazin, 03.04.03) äußern. Ich las diesen Artikel mit großem Interesse, denn vor nicht langer Zeit (am 22. März) hörte ich den Vortrag einer israelischen Friedensaktivistin, Menschenrechtsaktivistin und Empfängerin des Alternativen Nobelpreises. Ihr Name ist Felicia Langer. Sie war auf Einladung einer linken Partei namens „Linke Liste/Friedensliste“ in Freiburg. Der Vortrag mit dem Titel „Quo vadis, Israel?“ fand in einer Kirchengemeinde statt.

Wegen des Titels, wegen der Beschreibung Langers (Friedensaktivistin, Menschenrechtsaktivistin usw.), wegen der Organisatoren (einer politischen Partei, die das Wort „Frieden“ in ihrem Namen und in ihrem Programm trägt) und wegen des Veranstaltungsortes (einer christlichen Kirche, die als Ort des Friedens und der Versöhnung betrachtet wird) ging ich mit folgenden Erwartungen in diesen Vortrag: Langer würde eine kurze, objektive Darstellung der geschichtlichen und gegenwärtigen Lage in Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten geben und – gegründet auf dieser Darstellung – einen konstruktiven, praktischen, pazifistischen Ausblick auf Israels Zukunft geben, unter Einbeziehung der arabischen Nachbarn Israels.

Entgegen meiner Erwartungen präsentierte Langer allerdings folgendes: eine Anklageschrift gegen den Staat Israel und die meisten seiner Bürger (sie ließ die verschiedenen israelischen Friedensgruppen außen vor)!

Meiner Meinung nach war es eine Anklageschrift, die einer Juristin (die Langer angeblich ist) unwürdig ist, denn sie war angefüllt mit Lügen, Indizien, äußerst einseitigen geschichtlichen und gegenwärtigen Fakten und vielen Emotionen. Deswegen erinnerte mich Langers Anklageverfahren sehr stark an eine Art Schauprozess, in dem der Ankläger eine starke Abneigung gegen den Beschuldigten hegt (aus diesem oder jenem Grund, der nur dem Ankläger selbst bekannt sein mag). Und dieses Gefühl der Abneigung lässt den Ankläger wünschen, dass der Beklagte unbedingt verurteilt wird, also führt der Ankläger – in niederträchtiger Weise – nur diejenigen Punkte an, die gegen den Angeklagten sprechen!

Ich könnte Dutzende Beispiele anführen, die zeigen, warum ich mich während dieses Vortrags an einen Schauprozess erinnert fühlte. Lassen Sie mich bitte wenigstens drei erwähnen (sie entstammen einem Protokoll, das ich während des Vortrags schrieb):

  1. Am Anfang ihres Vortrags sagte Langer, sie verurteile palästinensischen Terror, aber jedermann müsse diesen Terror verstehen und denjenigen, die ihn noch nicht verstünden, wolle sie an diesem Abend beweisen, dass der palästinensische Terror nur durch die israelische Politik der Zerstörung, der Folter und der Zermürbung der Palästinenser verursacht werde. Langer erwähnte, dass palästinensische Kinder den Wunsch haben Israelis zu töten, eine Tatsache, die als Beweis gewertet werden müsse – so sagte sie -, dass israelische Politik den Weg zu Hass und Gewalt ebne. (Sie sagte kein einziges Wort über die jahrelang andauernde Hetze gegen Israel in palästinensischen Schulbüchern, Moscheen usw.!)
  2. Langer erklärte, dass es keinen arabischen Antisemitismus gebe! Es gebe arabischen Hass auf Israel, aber keinen arabischen Antisemitismus, wiederholte sie. Und wenn die israelische Besatzung vorbei ist, wird auch der arabische Hass vorbei sein. (Kein einziges Wort zu der Tatsache, dass es arabischen Hass gegen Israel schon vor der israelischen Besatzung gab! Und kein einziges Wort über Dutzende antisemitischer Karikaturen in arabischen Zeitungen!)
  3. Langer listete die jüngsten palästinensischen Opfer der Intifada auf und informierte die Zuhörer, dass sie die israelischen Opfer nicht auflisten könnte, weil es – nach ihren Worten – keine Statistik über die israelischen Opfer gäbe! Sei fügte hinzu, dass sie keine Statistik dazu habe, weil keine Statistik veröffentlicht sei!

Ich muss zugeben: Ich war tief erschüttert über all diese Lügen und einseitigen Fakten. Langers Erklärungen verursachten – fast von Beginn an – eine aufgeladene und gespannte Atmosphäre unter den Zuhörern (rund 130 Personen), was sich durch viele Zwischenrufe bemerkbar machte. Während bei der Mehrheit Hass und Aggression gegen Israel wuchsen, wuchsen bei der Minderheit Hass und Aggression gegen Langer. Was mich aber noch mehr als Langers Äußerungen schockierte, war die Diskussion, die dem Vortrag folgte:

In dieser aufgeheizten Atmosphäre wagten etwa zehn Personen Langers tendenziösen Vorwürfen zu widersprechen. Sie versuchten, dies durch die Anführung objektiver Fakten und durch Fragen zu diesen Fakten zu tun. Ich kann sagen, dass ich bereits bei mehreren Vorträgen, Diskussionen und Foren zum Thema „Nahost-Konflikt“ war. Aber bei keinen, die von einer Friedenspartei und einem Friedensaktivisten veranstaltet wurden. Ich muss betonen, dass ich bei keinem bisherigen Vortrag ein Verhalten erlebt habe, wie dieses furchtbare einer sogenannten Friedenspartei und einer sogenannten Friedensaktivistin, das den kritischen Fragen dieser etwa zehn Personen folgten. Lassen Sie mich dieses Verhalten – wieder an drei Beispielen – beschreiben:

  1. Bezüglich Langers Erklärung, dass Israel UN-Resolutionen genauso wie der Irak verletze, stellte ein Mann aus dem Publikum eine Frage zu den unterschiedlichen Arten der UN-Resolutionen. Zur Erklärung seiner Frage sagte er, er habe gehört, dass es verschiedene Arten gibt; die UN-Resolutionen bezüglich des Irak gehörten unter Paragraph VII, was bedeutet, dass sie bindend sind, während diejenigen bezüglich Israel andere UN-Resolutionen seien, die nicht verbindlich sind wie im Fall des Irak. Der Mann wollte noch etwas hinzu fügen, aber die Mehrheit des Publikums begann ihn so laut auszubuhen, dass er schlicht und einfach nicht in der Lage war weiter zu sprechen. Langer ignorierte seine Frage und beantwortete sie nicht.
  2. Ein anderer Mann begann seine Frage an Langer, indem er sagte: „Entschuldigen Sie, Frau Langer, aber ich bin der Meinung, dass Sie emotional argumentieren und nicht historisch…“ Langer unterbrach ihn und sagte: „Sie sind frech und arrogant!“ Und sie ließ ihn – unterstützt von den Zwischenrufen der Mehrheit des Publikums – seine Frage nicht zu Ende führen.
  3. Ein dritter Mann (und lassen Sie mich hinzu fügen, dass er ein Israeli ist, der in Freiburg studiert) sagte Langer: „Während Ihres Vortrags erwähnten sie nur, wie schlecht die Israelis sich gegenüber den Palästinensern verhalten. Ich kann bestätigen, dass Israelis eine Menge schlechter Dinge taten und tun. Aber nicht nur schlechte. Warum haben Sie z.B. nicht mit einem einzigen Wort erwähnt, dass viele Palästinenser seit dem Beginn der israelischen Besatzung auch zu einigem Wohlstand gelangten, dass sie eine Infrastruktur bekamen, Universitäten und mehr, was sie vor 1967 unter arabischer Besatzung nicht hatten?“ Langer antwortete zynisch: „Was wollen Sie mit dieser Frage sagen? Mir scheint, Sie wollen sagen, die Palästinenser seien vor 1967 ein primitives Nomadenvolk gewesen!“ Der Mann wollte dem widersprechen, konnte aber kein einziges Wort sagen, weil die Mehrheit des Publikums Langer applaudierte und den Fragenden dann auszubuhen begann. Dem Mann war es nicht möglich etwas anderes zu tun als zu rufen: „Nennen Sie mir den Namen einer palästinensischen Universität vor 1967!“ Langer antwortete nicht; stattdessen sagte sei, nachdem das Publikum sich etwas beruhigt hatte: „Wir müssen am Anfang beginnen. Bevor die Juden nach Palästina kamen, war es ein fruchtbares Land…“ Eine Frau rief dazwischen: „Das ist eine Lüge!“ Langer ignorierte diesen Zwischenruf und sagte zu dem Israeli: „Sie wissen überhaupt nichts!“ Der Mann wiederholte: „Nennen Sie mir den Namen einer palästinensischen Universität vor 1967!“ Lange nannte keine und die Mehrheit des Publikums begann wieder den Frager auszubuhen. Schließlich erklärte Langer: „Früher war die Lage in Palästina gut, heute ist sie eine Katastrophe. Wenn Sie etwas über die Lage wissen wollen, können Sie folgende Bücher lesen“ Und sie empfahl verschiedene Bücher von palästinensischen Autoren (nicht ein einziger israelischer Autor war dabei).

Ich könnte viele weitere Dinge anfügen, die in diesen zweieinhalb Stunden passierten, z.B. dass Langer Fragen der „antiisraelischen“ Seite auf ganz andere Art beantwortete, nämlich höflich und nicht auf erniedrigende, arrogante Art… Aber ich möchte hier enden und nur noch einen Abschnitt anfügen.

Ich kenne all die anderen Friedensaktivisten nicht, die Lavie in seinem Artikel angeführt hat. Das heißt, ich habe natürlich dies und das über sie gehört/gelesen, besonders über und von Uri Avnery, aber ich bin nie auf einem Vortrag gewesen, den sie gegeben haben. Daher kann ich nicht sagen, ob sie in ihrem Verhalten ähnlich sind wie Langer oder nicht. Aber die Erfahrung, die ich mit der Friedensaktivistin Langer und einer deutschen Friedenspartei in einer christlichen Kirche in Deutschland gemacht habe, sind bereits ausreichend, um mir sehr deutlich zu machen, warum die israelische Öffentlichkeit diese sogenannten Friedensaktivisten und Menschrechtsaktivisten ignoriert! Abgesehen von dem Eindruck, dass diese deutsche Friedenspartei „Linke Liste/Friedensliste“ von Frieden und friedlichem Gespräch weit entfernt zu sein scheint; und abgesehen von der Feststellung, dass eine christliche Kirche viel mehr ein Ort des Hasses und der Aggression war als ein Ort des Friedens und der Versöhnung, muss ich sagen, dass Langer es meiner Meinung nach nicht wert ist, die Titel „Friedensaktivistin“ und „Menschenrechtsaktivistin“ zu tragen; denn anstatt Frieden zu aktivieren, aktiviert sie Hass und Aggression; und die Art, wie sie Menschenrechte verteidigt, ist einseitig, denn in Bezug auf ihre Kritiker und in Bezug auf Israel und die meisten israelischen Bürger kennt sie offensichtlich nicht den ersten Paragraphen der Menschenrechtsgesetze, der besagt: die Würde aller Menschen muss respektiert werden (nicht nur die einiger weniger).

Last, but not least möchte ich meiner Besorgnis über die Tatsache Ausdruck geben, dass anti-israelische Israelis in aller Welt tatsächlich sehr willkommen sind. Die Menschen scheinen begierig zu sein, solche Lügen und tendenziösen antiisraelischen Fakten zu hören. Das ist etwas, was nachdenklich machen sollte – um in der Lage zu sein, auf dieses Phänomen angemessen reagieren zu können.

Mit freundlichen Grüßen

Andrea L., Freiburg

Auch Juden können Antisemiten sein!

Gilad Atzmon, das Musterbeispiel eines jüdischen Antisemiten, ist nicht allein

Manfred Gerstenfeld und Leah Hagelberg, Israel National News, 28. November 2016

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In einem weltweiten Antisemitismus-Wettbewerb für Juden würde Großbritannien vermutlich von Gilad Atzmon vertreten. Die von diesem Musiker, einem Israeli, der sagt er habe seinen Reisepass zerrissen,[1] veröffentlichten Verunglimpfungen sind derart heftig, dass selbst die palästinensische Internetseite Electronic Intifada sich von seinem Antisemitismus distanziert hat.[2]

Die Analyse seiner Äußerungen kann damit als Musterbeispiel für ähnliche Bewertungen trügerischer Verleumdungen durch jüdische Antisemiten dienen.

Die Antisemitismus-Definition der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA)[3] ist ein angemessenes Mittel die Veröffentlichungen dieses Serienverleumders Israels und der Juden zu analysieren. Die Definition benötigte die Zustimmung ihrer 31 Mitgliedsstaaten – darunter Großbritannien.

Die IHRA-Definition besagt, dass es antisemitisch ist „die Juden als Volk oder Israel als Staat der Erfindung oder Übertreibung des Holocaust“ zu beschuldigen. Die Definition schließt ein, dass es antisemitisch ist „Gleichsetzungen zeitgenössischer israelischer Politik mit der der Nazis vorzunehmen“. Atzmon verhöhnt den Holocaust und seine Überlebenden in einem Artikel mit dem Titel „After all, I am a proper Zionist Jew…I am a Holocaust Survivor“[4], in dem er schreibt: „Ja, ich bin ein Überlebender, denn ich habe es geschafft all die gruseligen Berichte vom Holocaust zu überleben.“[5]

Er fügt hinzu: „Ich bin zudem völlig gegen Holocaustleugnung. Ich hasse die, die den Völkermord bestreiten, der im Namen des Holocaust stattfindet. Palästina ist ein Beispiel dafür…“[6]

Atzmon reitet seine Attacken auch oft gegen sogenannte jüdische „Progressive“. Dazu gehört die jüdische antizionistische Linke.[7][8] Er greift zum Beispiel den Amerikaner Max Blumenthal an,[9] der wiederholt Israel mit den Nazis gleichsetzte.[10] In einem Artikel mit dem Titel „Goyim Must Obey“[11] beschuldigt Atzmon die jüdischen Antizionisten, sie würden Goyim und sogar Palästinensern sagen, was ihnen zu tun erlaubt ist und wem sie zuhören dürfen oder nicht“[12] – genauso wie das eigentlich die Welt kontrollierende erwählte Volk es macht.

Er fügt an: „Vielleicht muss Goyim aller Altersstufen und Reihen gesagt werden, was sie tun ‚müssen‘: das ist einfach Teil davon auserwählt zu sein – (Ich bin nicht mehr auserwählt, also kann ich das nicht sagen)“.[13] Das stellt sicher, dass niemand Atzmons Antisemitismus „in der Annahme, dass Antizionismus kein Antisemitismus ist“ mit legitimer Kritik verwechseln kann.

Atzmons Ansichten sind klassischer Antisemitismus in Übereinstimmung mit den Protokollen der Weisen von Zion, die er als wahr und richtig verteidigt.[14]

Atzmon greift sogar Juden an, die sich komplett von Judentum und den Zionismus distanzieren.[15] Einer davon ist Shlomo Sand – ein israelischer Historiker und selbsternannter ehemaliger Jude, der The Invention of the Jewish People[16] schrieb. Eine andere ist Avigail Abarbanel – eine ehemalige Israelin, die heute als pro-palästinensische Aktivistin und Autorin für die antiisraelische Internetseite Mondoweiss tätig ist; daneben ist sie Psychotherapeutin in Australien. Laut Atzmon sind sie immer noch von „koscherem Binärdenken“ infiziert und weiterhin dem jüdischen Stammessystem verbunden sowie vom Holocaust besessen.

Er behauptet auch, dass Abarbanel es ablehnt ausreichend selbstbeobachtend zu sein, um „in den Spiegel zu sehen und zu identifizieren, was an den Juden dran ist, das so viele Anfeindungen zu so vielen unterschiedlichen Zeiten und an so vielen unterschiedlichen Orten hervorruft… etwas, das Bernard Lazare, ein früher Zionist, sehr wohl machte…“[17] Lazare, der vor mehr als hundert Jahren starb, gab in seiner Analyse des Antisemitismus viele selbsthassende Kommentare ab.[18]

Die IHRA-Definition besagt: „Unwahre, entmenschlichende, dämonisierende oder stereotypische Beschuldigungen gegen Juden als solche oder die Macht der Juden als Kollektiv zu erheben – so z.B. besonders, wenn auch nicht ausschließlich den Mythos einer jüdischen Weltverschwörung oder dass Juden die Medien, Wirtschaft, Regierung oder soziale Institutionen kontrollieren – ist ein Beispiel für Antisemitismus.“

Äußerungen Atzmons fallen in diese Kategorie der IHRA-Definition, wenn er fragt: „Warum haben die Juden, ein Volk, das von seiner eigenen Vergangenheit besessen ist, so viel Angst vor anderen Völkern, zum Beispiel ‚weißen‘ Menschen, die bezüglich ihrer eigenen Vergangenheit wehmütig sind?“[19] Er beantwortet seine eigene Frage so: „Der progressive Jude versteht, dass die Arbeiterklasse sehnsüchtig auf eine Gesellschaft blickt, wie sie war, bevor Jerusalem dominierte; das heißt auf eine Zeit, bevor die amerikanische Politik von Typen wie Saban, Soros, Goldman Sachs und anderen globalen Kapitalisten kontrolliert wurde, die von Produktion, Herstellung und Landwirtschaft abgeschirmt waren.“[20]

Jüdische Verschwörung und jüdische Macht sind eine Klammer der verlogenen Verleumdungen Atzmons. Er schreibt: „Jüdische Macht ist die Macht Kritik an jüdischer Macht zum Schweigen zu bringen“, und erklärt weiter: „Für Leute, die in den USA, Großbritannien und Frankreich leben, ist jüdische Macht das Medium über das unsere Politik stattfindet.“[21]

In einem Artikel über George Soros, einen extrem antizionistischen amerikanischer Kritiker Israels, den er ständig als „den jüdischen Milliardär“ und „den jüdischen Oligarchen“ bezeichnet, schreibt Atzmon: „Soros‘ E-Mail wirft ein Licht darauf, wer im Westen tatsächlich den Ton angibt.[22] Eindeutig sind es nicht unsere sogenannten ‚demokratisch gewählten‘ Politiker. Stattdessen ist es „ein kleiner Kader an Oligarchen, Leute wie Soros und Goldman Sachs.“[23] Das ethnische Erbe dieser „Oligarchen“ ist unausgesprochen Teil davon.

Atzmons Artikel „For Goy Hatred on Speed Subscribe to the Forward”[24] ist voll von diesen Verschwörungstheorien, einschließlich der, dass “Wilhelm Reich, Marcuse und die Kulturmarxisten ihre sexualisierte Interpretation des ‚Sozialismus‘ nutzten, um den Westen zu schwächen und die Einheit der Arbeitsbewegung irreparabel zu vernichten“. In demselben Artikel macht Atzmon zudem den Bolschewismus, Kulturmarxismus, zionistische Konservative und den Zionismus für „jüdische Ideologien und politische Methoden“ verantwortlich, die zu einem „Jahrhundert der weltweiten Katastrophen“ geführt haben.[25]

In der IHRA-Definition heißt es: „Juden als Volk zu beschuldigen, für die realen oder eingebildeten Verbrechen verantwortlich zu sein, die eine einzelne jüdische Person beging oder sogar für Taten, die von Nichtjuden begangen werden, ist antisemitisch.“ Atzmon schreibt: „Wenn wir schon von Entschuldigungen reden, dann muss das Board of Deputies[26] sich immer noch für Lord Janner entschuldigen, der angeblich britische Waisen vergewaltigt hat, als er ihr Präsident war und daher mehr oder weniger die britischen Juden repräsentierte.“[27]

Ein weiteres Beispiel für Antisemitismus laut der IHRA-Definition ist die Beschuldigung jüdischer Bürger, sie seien Israel loyaler ergeben als ihrer eigenen Nation. Atzmon schreibt: „Die sogenannten ‚Antisemiten‘ – diejenigen, die Juden hassen, weil sie Juden sind – sprachen von Juden als Chamäleons. Sie konnten einfach die fehlende Integrität im Herzen der jüdischen Politik nicht verstehen. Sie konnten nicht begreifen, wie Juden so schnell die Verbündeten wechseln können.“[28]

Dieser Artikel trägt die Überschrift „Is Bibi a Lizard?“[29], was sich eindeutig auf die übliche Verschwörungstheorie von Reptilien-Hybriden bezieht, die die Welt kontrollieren, wie sie von David Icke vorgebracht wird.[30] Atzmons Artikel bezieht sich auf diesen britischen Fußballer und Sport-Ansager, der sich in einen Autor, öffentlichen Redner und Verschwörungstheoretiker verwandelte.[31]

Warum sollte Atzmon, der hauptsächlich auf seiner Internetseite veröffentlicht, Aufmerksamkeit gewidmet werden? Es gibt dafür mehrere Gründe. Einer ist, dass in einem teilweise antisemitischen Klima selbst eine Randfigur bei der Förderung der Aufstachelung gegen Juden und Israel helfen kann. Im Vereinten Königreich stimmen laut einer Studie der Universität Bielefeld von 2011 42% der Erwachsenenbevölkerung der irren Aussage zu, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führt.[32]

Atzmon hat in der britischen Linken einigen Einfluss gewonnen, darunter bei der Sozialistischen Arbeitspartei und Indymedia.[33] Einer seiner Artikel ist von der extrem antiisraelischen Baroness Tonge[34] verbreitet worden. Artikel über Atzmon sind im The Atlantic[35] und im Guardian[36] erschienen. Sein Buch The Wandering Who[37] ist vom antizionistischen John Mearsheimer, R. Wendell Harrison Distinguished Service Professor für Politikwissenschaften an der University of Chicago und mit Stephen Walt aus Harvard Co-Autor von Die Israel-Lobby begrüßt worden.[38]

Oft ist das unsinnige Argument zu hören, dass Juden keine Antisemiten sein können. Darüber hinaus hat Atzmon aus irgendeinem Grund eine Aura der Legitimität, weil er Jude und Ex-Israeli ist, der einst in der IDF diente und heute diese heute kritisiert. Der Fall Atzmon, eines großen jüdisch-antisemitischen Hetzers, ist nicht der einzige. Einer unter vielen anderen ist der schon erwähnte Max Blumenthal. Er ist der Sohn von Sidney Blumenthal, einem engen Berater Hillary Clintons, von dem man weiß, dass er Artikel seines den Holocaust umkehrenden Sohnes an die geschlagene Präsidentschaftskandidatin weitergab.[39]

In den Niederlanden verstarb 2014 der führende jüdische, antisemitische Hetzer Hajo Meyer. Er ging sogar nach Deutschland, um an einer Schule in Gütersloh – die von einer Holocaust-Gedenkstiftung eine Beihilfe erhielt – zu sprechen; den Schülern dort sagte er, dass Israel ein Nazistaat ist.[40] Atzmon scheint ihn noch nicht entdeckt zu haben.

[1] http://ericwalberg.com/index.php?option=com_content&view=article&id=635:renouncing-jewishness-shlomo-sand-and-gilad-atzmon&catid=41:culture-and-religion&Itemid=94

[2] https://electronicintifada.net/blogs/ali-abunimah/palestinian-writers-activists-disavow-racism-anti-semitism-gilad-atzmon

[3] https://www.holocaustremembrance.com/sites/default/files/press_release_document_antisemitism.pdf

[4] Immerhin bin ich ein anstängier zionstischer Jude … ich bin ein Holocaust-Überlebender

[5] http://www.rense.com/general88/afterall.htm

[6] ebenda

[7] http://www.gilad.co.uk/writings/2016/9/30/jewish-bigotry-on-speed-just-check-out-rabbi-jonathan-sacks

[8] http://www.gilad.co.uk/writings/2014/11/26/the-pathology-of-max-blumenthal

[9] http://www.wiesenthal.com/atf/cf/%7B54d385e6-f1b9-4e9f-8e94-890c3e6dd277%7D/TOP-TEN-2013.PDF

[10] http://www.gilad.co.uk/writings/2016/9/27/goyim-must-obey

[11] Nichtjuden müssen gehorchen

[12] ebenda

[13] http://www.thejc.com/comment-and-debate/columnists/149209/life-termite-colony

[14] http://www.gilad.co.uk/writings/2016/10/12/can-jews-ever-leave-their-cult

[15] ebenda

[16] Die Erfindung des jüdischen Volkes

[27] Robert S. Wistrich: A Lethal Obsession: Anti-Semitism from Antiquity to the Global Jihad. New York (Random House) 2010, S. 16-17.

[18] http://www.gilad.co.uk/writings/2016/8/28/utopia-nostalgia-and-the-jew

[19] ebenda

[20] http://www.gilad.co.uk/writings/2016/7/30/jewish-power-in-decline

[21] http://www.gilad.co.uk/writings/2016/8/18/george-schwartz-soros-the-oligarch-who-owns-the-left

[22] ebenda

[23] http://www.gilad.co.uk/writings/2016/8/24/for-goy-hatred-on-speed-please-subscribe-to-the-forward

[24] Für auf Nichtjuden gerichteten Hass auf Speed abonnieren Sie den Forward

[25] ebenda

[26] der Vorstand der jüdischen Dachorganisation Großbritanniens

[27] http://www.gilad.co.uk/writings/2016/9/12/is-bibi-a-lizard http://www.theatlantic.com/national/archive/2013/10/how-spot-reptilians-runing-us-government/354496/

[28] http://www.gilad.co.uk/writings/2016/9/12/is-bibi-a-lizard

[29] Ist Bibi eine Eidechse?

[30] library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf.

[31] http://www.theguardian.com/commentisfree/2011/sep/25/gilad-atzmon-antisemitism-the-left

[32] http://jewishnews.timesofisrael.com/baroness-tonge-shares-article-about-jewish-power/

[33] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/19290

[34] http://www.theguardian.com/commentisfree/2011/sep/25/gilad-atzmon-antisemitism-the-left

[35] http://www.theatlantic.com/national/archive/2011/09/john-mearsheimer-endorses-a-hitler-apologist-and-holocaust-revisionist/245518/

[36] http://www.theguardian.com/commentisfree/2011/sep/25/gilad-atzmon-antisemitism-the-left

[37] Der wandernde Wer

[38] http://www.theatlantic.com/national/archive/2011/09/john-mearsheimer-endorses-a-hitler-apologist-and-holocaust-revisionist/245518/

[39] http://www.jpost.com/Opinion/No-Holds-Barred-Hillarys-Clintons-troubling-relationship-with-Israel-hating-adviser-441158

[40] http://www.jpost.com/Jewish-World/Jewish-Features/Germans-use-anti-Israel-Jews-to-soothe-Holocaust-guilt

Kiefern-Verleumdung

Elder of Ziyon, 26. November 2016

Antiisraelische und arabische Internetseiten veröffentlichen den Kommentar des antisemitischen Gilad Atzmo zu den Bränden in Israel, in dem er die Brände – wem sonst? – den Juden zur Last legt. Insbesondere macht er die Kiefern dafür verantwortlich, die der Jewish National Fund pflanzte:

Israels ländliche Landschaft ist vollgestopft mit Kiefern. Diese Bäume sind für die Region neu. Die Kiefern wurden Anfang der 1930-er Jahre vom Jüdischen Nationalfond (JNF) in Palästina eingeführt; es handelte sich um einen Versuch „das Land zurückzugewinnen“. Bis 1935 hatte der JNF 1,7 Millionen Bäume auf einer Gesamtfläche von 1.750 Morgen Land gepflanzt. Im Verlauf von 50 Jahren pflanzte der JNF mehr als 260 Millionen Bäume, weitgehend auf beschlagnahmtem Palästinenserland. Das alles machte er in einem verzweifelten Versuch die Trümmer der ethnisch gesäuberten Palästinenserdörfer und ihrer Geschichte zu verbergen.

Im Verlauf der Jahre unternahm der JNF einen kruden Versuch palästinensische Zivilisation und Vergangenheit auszulöschen, versuchte aber auch Palästina wie Europa aussehen zu lassen. Der palästinensische Naturwald wurde ausgerottet. Gleichermaßen wurden die Olivenbäume entwurzelt. Die Kiefern nahmen ihre Platz ein. Im südlichen Teil des Carmel nannte die Israelis einen Bereich „Kleine Schweiz“. Inzwischen ist nicht mehr viel von er „kleinen Schweiz“ übrig geblieben.

… Ungeachtet seiner nuklearen Fähigkeiten, seiner kriminellen Armee, der Besatzung, des Mossad und seiner Lobby überall auf der Welt scheint Israel verletzbar zu sein. Es ist verheerend vom Land entfremdet, das es als sein eigenes beansprucht und zu pflegen vorgibt. Wie die Kiefer sind der Zionismus, Israel und der Israeli in der Region fremd.

Die Kiefer, die der JNF so viele Jahre lang pflanzte, ist die Aleppo-Kiefer, pinus halepensis (in Israel als Jerusalem-Kiefer bekannt). Sie ist im gesamten Mittelmeerraum zu finden, von Marokko bis Syrien. Der JNF wählte diesen Baum nicht, um Israel wie Europa aussehen zu lassen; diese Lüge wird von Mondoweiss nachgeplappert. Einheimische Aleppokiefer-Wälder gibt es auf dem Karmel und in Galiläa.

Zudem wurden Kiefern in Palästina von Reisenden im 19. Jahrhundert beobachtet. In der von The Popular Cyclopædia of Biblical Literature 1856 steht:

Die große Zypresse gibt es nur in Palästina, wird von Menschen in Gärten und auf Friedhöfen sowie anderen offenen Plätzen in den Städten kultiviert. Aber als Spontangewächs des Landes finden wir auf den Gipfeln und Hügelketten den Walnussbaum, die Baumerdbeere, den Lorbeerbaum usw., während auf den ehemals bewaldeten Höhen verschiedene Kiefernarten, kleine und große, immer noch die Stellung behaupten.

Was besonders den Carmel betrifft, so schreibt die Jewish Encyclopedia von 1907, er sei „von Helmeichen und Kiefern bedeckt“.

Damit hat Atzmon auf gewisse Weise recht: Juden sind in der Region genauso einheimisch wie die Aleppokiefer.

„Deutschland betreibt die Zerstörung Israels“

Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 3. Februar 2014 (direkt vom Autor)

Ein Abteilungsleiter des deutschen Bundeskanzleramtes hat sich am 27. Januar, dem internationalen Holocaustgedenktag. mit Rabbi Yisroel Dovid Weiss getroffen, dem Sprecher der radikalen ultraorthodox jüdischen Neturei Karta Sekte, die aktiv die Zerstörung des Zionismus und des Staates Israel betreibt. Ein deutscher Regierungssprecher bestätigte schriftlich: „Rabbi Yisroel Dovid Weiss führte letzte Woche im Bundeskanzleramt ein Gespräch auf Arbeitsebene, dies allerdings persönlich und nicht als Vertreter einer Organisation.“

Aus einem inzwischen im Internet gelöschten Bericht der Zeitung „Neues Deutschland“, geht hervor, dass neben Weiss auch deren Reporter Christoph Hörstel an dem Treffen teilnahm. Der Regierungssprecher konnte oder wollte keine weiteren Einzelheiten nennen. „Arbeitsebene“ könne ein Referatsleiter unter 600 Mitarbeitern des Bundeskanzleramtes sein. Weiss als „Vertreter der Neturei Karta Sekte“ zu bezeichnen, sei eine „politische Einordnung“, die der Sprecher zurückwies. Selbst nach dem Hinweis, dass dieses Treffen in Israel schon Schlagzeilen beim Massenblatt Jedijot Achronot mache, sagte der Sprecher, dass das Kanzleramt sich nicht zu jedem Thema oder Treffen äußern wolle.

Der Berliner Korrespondent der Zeitung Jedijot Achronot, Eldad Beck, berichtete, dass in den vergangenen Jahren mehrere Beamte in Merkels Amt darauf hinarbeiten, die besonderen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland zu untergraben, um Deutschland von seiner historischen Verpflichtung für den Holocaust zu befreien. Nach Angaben von Jigal Palmor, dem Sprecher des israelischen Außenamtes, habe die israelische Botschaft in Berlin die Anweisung erhalten, vom Kanzleramt „Aufklärung“ zu dem „fragwürdigen Treffen“ mit dieser „winzigen extremistischen Randgruppe“ einzuholen, die sich mit Holocaustleugnern wie Irans Präsident Ahmadinedschad getroffen habe und selbst unter den Ultraorthodoxen als „eigentümliche und gewalttätige Gruppe“ gesehen werde. „Die sind es nicht wert, ernst genommen zu werden. Es verwundert, dass es in Merkels Kanzleramt jemanden gibt, sie auch nur mit einer Prise Ernsthaftigkeit zu beehren.“

Die Neturei Karta Sekte betrachtet den Holocaust an 6 Millionen Juden als „Strafe Gottes“ wegen der Errichtung eines jüdischen Staates durch Zionisten. Einen solchen Staat dürfe es nur nach dem Willen Gottes geben und nicht von Menschenhand geschaffen werden. Adolf Hitler und die Deutschen seien ein „Werkzeug Gottes“ gewesen, um die sündigen Juden zu strafen.

Der inzwischen verstorbene legendäre Sektenführer Mosche Hirsch war zeitweilig „Minister für jüdische Angelegenheiten“ in der ersten Autonomieregierung unter Jassir Arafat. Hirsch sagte damals, dass er sich der PLO in der Hoffnung angeschlossen habe, dass sie Israel zerstören möge. Ähnliche Ansichten demonstrierten Delegationen der Sekte beim iranischen Präsidenten Ahmadinedschad, als der den Holocaust verleugnet hatte. Laut „Neues Deutschland“ taten sie das jetzt wieder am Holocaustgedenktag vor dem Kanzleramt.

Neturei Karta behauptet von zehn Prozent des jüdischen Volkes unterstützt zu werden. Doch mutmaß zählt ihre Anhängerschaft bestenfalls 200 Familien. Die Sektenmitglieder sind an gestreiften Kaftanen zu erkennen. Ihre Frauen erscheinen in der Öffentlichkeit völlig verhüllt, was ihnen den Spitznamen „Taliban-Frauen“ eingetragen hat.

(C) Ulrich W. Sahm