Wen der Hodentöter gut findet

Gefunden auf Facebook – Jürgen Todenhöfer pries ein Buch an:

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Wer ist Sigrig Hunke? Eine Facebook-Userin hat mal ein ganz klein wenig recherchiert:

Sigrid Hunke wurde an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin bei dem einflussreichen Rassentheoretiker des Dritten Reichs Ludwig Ferdinand Clauß mit einer Dissertation über Herkunft und Wirkung fremder Vorbilder auf den deutschen Menschen 1941 promoviert. 1940 bis 1941 war sie zusammen mit ihrer Schwester Waltraud Hunke im „Germanischen Wissenschaftseinsatz“ der SS tätig; sie erhielt ein Stipendium des SS-Ahnenerbes und veröffentlichte in dessen Zeitschrift Germanien.

Das Christentum wurde von ihr als „artfremd“ und „orientalistisch“ bzw. „jüdisch“ abgelehnt; sie suchte nach eigenen europäischen Weltdeutungsmustern und germanischer Mystik. Nach der Eheschließung mit dem Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS (SD) Peter H. Schulze lebte sie ab 1942 zwei Jahre in Tanger, damals Spanisch-Marokko, wohin Schulze abgeordnet worden war. Dort wurde ihr Sohn Hagen Schulze geboren. Zuletzt lebte sie als freie Schriftstellerin in Bonn. Bekannt wurde sie insbesondere durch ihr Werk Allahs Sonne über dem Abendland, das 1960 erschien und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Für dieses Buch ehrte sie der Oberste Rat für islamische Angelegenheiten in Kairo, dessen Mitglied sie wurde. (Quelle Wiki)

Man sollte ergänzen (dieselbe Quelle):

Ab 1986 war Hunke ständige Mitarbeiterin im Thule-Seminar. Laut Felix Wiedemann war sie auch Mitglied dieser rechtsextremen Vereinigung. Sie publizierte auch in Elemente zur Metapolitik, der Zeitschrift des Thule-Seminars.

Wir sehen: Eine Frau, die alle Merkmale des Antisemitismus vor sich herträgt. Eine hervorragende Quelle, wenn Herr Todenhöfer beweisen will, dass er ein objektiver Mensch ist, nicht wahr?

Wenn Herr Todenhöfer das Buch dieser Autorin empfiehlt, dann kann er weder behaupten objektiv noch kein Judenfeind zu sein.

(s. auch Gerd Buurmanns ausführliche Ausführungen zum Thema)

Noch nie wurde in Deutschland ein Deutscher von „muslimischen“ Terroristen ermordet

Jürgen Todenhöfers hat wieder eine Tirade über Rechtsradikale und wen er alles dazu erklärt abgelassen. Die sind die Pest, alle – PEGIDA, Sarrazin gehören alle dazu. Die aktuelle SA, die unsere Demokratie zerstört. Ach was, unsere Demokratie zerstört – das ganze Europa mit seinen ausschließlich friedlichen Muslimen! Deshalb muss man ihnen – Sarrazin, PEGIDA usw. – das Demonstrieren verbieten, für sie gibt es kein Recht auf freie Meinungsäußerung, weil sie Volksverhetzung und Aufstachelung zum Hass betreiben, diese „braune Pest“, die ja ständig „Ausländer, Muslime, Juden oder Asyl suchende Flüchtlinge egal welcher Religion“ angreifen und ermorden. Und orientieren tut er sich dabei an „der von den Nazis ermordeten kleinen Jüdin Anne Frank“, wenn er „den Nachtwächtern in Berlin“ zuruft: „Stoppt die Rechtsradikalen! Stoppt den Ausländerhass! Stoppt den Fremdenhass! Stoppt die Islamophobie! Jetzt!“

Wir nehmen uns mal zwei Perlen aus diesem Geschwurbel vor:

Noch nie wurde in Deutschland ein Deutscher von „muslimischen“ Terroristen ermordet. Nie!

Und:

Damals demonstrierten die Rechtsradikalen gegen Juden, heute gegen Flüchtlinge, Ausländer, Muslime. Und wieder gegen Juden. 95 Prozent aller antisemitischem Übergriffe kommen von Rechtsextremen.

Der erste Satz ist sehr intelligent gewählt, denn er enthält eine (fast) richtiger Aussage – mit der der Mann trotzdem lügt, dass die Schwarte kracht.

Ja, es wurde IN Deutschland noch nie EIN DEUTSCHER von muslimischen (ohne Gänsefüßchen!) Terroristen ermordet. Warum?
a) weil es nicht geklappt hat – die Polizei konnte z.B. den Anschlag der „Sauerlandgruppe“ verhindern und die Bahn-Bombe zündete nicht, weil die Täter – Gott sei Dank – zu blöde waren sie richtig zusammenzubauen.
b) weil die von Muslimen ermordeten Muslime ausgeklammert werden.
c) weil ausschließlich von „‘muslimischen‘ Terroristen“ die Rede ist – was besagt, dass z.B. Ehrenmorde und Bandengewalt nicht Terrorismus sind (auch wenn sie als schlimmes Beispiel den Terror anderen in die Knochen jagen, damit die kuschen – aber das ist jetzt spitzfindig).
d) weil die Opfer der Gewalt von Muslimen mit Migrationshintergrund nicht als Deutsche definiert werden oder diese Gewalt per se nicht Terror sein wird, sondern Kriminalität – aber da spekuliere ich wohl, wenn auch auf recht fester Grundlage.
e) weil die deutschen Opfer muslimischer Gewalt und muslimischen Terrorismus im Ausland ausgeklammert werden.

Herr Todenhöfer beliebt sich die Fakten so hinzudrehen, dass seine Propaganda wieder passt. Er klammert aus, dass muslimische Terroristen es zur Genüge versucht haben. Es muss wohl erst ein Anschlag mit Dutzenden Toten geschehen, damit er Terror eingesteht – um ihn dann umgehend als nicht muslimisch zu deklarieren, weil der wahre Islam…

Kommt Herr Todenhöfer vielleicht auch auf den Gedanken – wir nehmen mal ein muslimisches Lieblingsverbrechen – die Kreuzzüge als nicht christliche Kriegszüge/Verbrechen zu bezeichnen, weil das mit der Bibel nicht vereinbar ist? Ich bin mir sicher, auf diese Idee käme er wohl nicht. Nur im Fall der Muslime, da darf nichts mit Gewalt in Zusammenhang gebracht werden. Alles Pazifisten und wer nicht friedlich ist, ist halt kein Muslim. So einfach ist das.

„Noch nie wurde in Deutschland ein Deutscher…“ – IN DEUTSCHLAND. Alles andere gilt nicht. Auch damit kann man den Leser in die Irre führen. Alles, was außerhalb Deutschland an muslimischer Gewalt abläuft, ist für das Inland unerheblich. Gilt das für andere Ereignisse auch? Ist alles, was außerhalb Deutschland geschieht, für uns irrelevant? Betrifft es uns nicht, wenn islamische Mörder in Afghanistan einen Deutschen entführen und ermorden? Oder im Jemen eine ganze Familie? In Saudi-Arabien? In Algerien, in Mali, … Hat a) alles nichts mit dem Islam zu tun und b) nichts mit dem, was hier in Deutschland ist!

Kommen wir zu den „95 Prozent aller antisemitischen Übergriffe“, die von Rechtsradikalen verübt werden. Nun, da haben wir ja auch ein Definitionsproblem. Wenn Muslime auf Demonstrationen „Juden ins Gas“ brüllen – ist das kein Antisemitismus oder sind das dann nur die restlichen 5 Prozent und zudem nicht muslimisch? Wenn Rabbiner oder sonstige Juden auf der Straße von Muslimen beschimpft, angepöbelt, gestoßen, geschlagen und mit (manchmal improvisierten) Waffen in Mordabsicht angegriffen werden, dann ist das alles Teil der 5%? Das rechnet sich nicht. Da muss man zu anderen Mitteln greifen. Und die sehen dann so aus:

Wenn muslimische junge Männer in Wuppertal eine Synagoge mit Molotowcocktails bewerfen und das Gebäude nur zufällig nicht abbrennt, dann ist das per Gerichtsurteil nicht antisemitisch.

SO kann man ganz prima auf 95% rechtsradikale Taten kommen – oder auch nicht, denn das hilft nicht wirklich. Da muss noch mehr dazu kommen. So wie der „Aufstand der Anständigen“, der vom damaligen Bundeskanzler Schröder zu Beginn unseres Jahrtausends ausgerufen wurde, weil es in Düsseldorf einen Anschlag auf Juden gab, dem sofort einen Rechtsradikalen-Hintergrund zugeordnet wurde. Es stellte sich zwar (viel später) heraus, dass es zwei arabische/arabischstämmige Muslime waren, die den Anschlag verübten, aber das zählt nicht mehr und das weiß kaum einer, weil DAS dann nicht in die Welt posaunt wurde, sondern weiter hinten ganz unauffällig in den Medien zu finden war. Ähnlich beim Mord an einem Asyl suchenden Afrikaner, der von einem anderen Asylbewerber ermordet wurde – aber bis der ermittelt war, war die Mär vom ausländerfeindlichen, deutschen Mörder schon wieder in den Köpfen der Menschen verankert. Und davon gibt es haufenweise weitere Beispiele.

SO kann man ganz wunderbar auf 95% rechtsradikaler antisemitischer Taten kommen. Statistik gilt nur, wenn die Multikultis und Islamophoben sie selbst in die richtige Richtung gefälscht haben. Und der Hodentöter ist einer der besten Fälscher überhaupt, denn er weiß seine charakterlosen Schweinereien gut zu verpacken. Das jubelnd geifernde Publikum ist ihm sicher. Auf seiner Facebookseite kann man sich das wunderbar reinziehen. Die größte Frechheit ist dann aber, dass jeder, der mit Fakten kommt und die Fälschungen auch nur ansatzweise infrage stellt, sofort ganz tolerant beschimpft, ausgegrenzt und im Lager des Bösen verortet wird.

Die selbsternannten Guten sind es, die die Demokratie gefährden. Die Todenhöfers dieser Republik. Nicht die paar Dreckskerle mit dem nazi-rassistischen Weltbild. Warum? Weil die Nazis erkennbar sind und gar nicht erst behaupten können die Guten zu sein. Im Gegensatz zu den selbsterklärten Guten, die nicht weniger rassistisch sind, mindestens genauso schlimm ausgrenzen wie die Nazis und auch noch die Medien und einen Großteil der Politik im Rücken haben, deren Unterstützung sie sich sicher sein können. Den selbsterklärten Toleranten, die aber keine Meinungen, keine Lebenskonzepte dulden, die nicht die ihre (oder muslimisch) ist.

Charakterschweine. Hetzer. Todenhöfers halt. Nicht nur. Lieder sehr viele andere mehr, sonst könnten sie sich nicht derart in ihrer Jauche suhlen und auch noch behaupten, das wäre alles in Ordnung.

Jürgen Todenhöfers übermäßig gewalttätiges Christentum

Johannes Hartl, Facebook, 7. März 2015

In einem viel beachteten Facebook-Post hat der als Nahostkorrespondent bekannte Jürgen Todenhöfer die Christen letzte Woche aufgefordert, doch nicht ständig dem Islam vorzuwerfen, gewalttätig zu sein. Seine Begründung: das Alte Testament sei grausamer als der Koran.

Christen, die ihm erwiderten, das AT gelte doch seit dem NT nicht mehr oder doch zumindest nicht mehr so ganz, entgegnete er – übrigens theologisch korrekt – dass das AT nach wie vor integraler Bestandteil der als geoffenbart geltenden heiligen Schriften der Christen sei. Hat Jürgen Todenhöfer also nun Recht?

Zunächst und ganz allgemein: Jürgen Todenhöfers Meinung zum Nahostkonflikt lässt sich sehr einfach in einem Satz darstellen. Und der lautet: der Westen und Israel sind an allem Schuld. Und die armen Bewohner der arabischen Staaten können überhaupt nicht anders, als in Scharen zu Terrorvereinigungen überzutreten, wenn die Jugendarbeitslosigkeit nunmal so hoch ist. Und die armen Palästinenser hätten auch keine Wahl: so böse wie Israels Siedlungsbau ist, wer wird da nicht zum Selbstmordattentäter? Ich überzeichne, doch der Trend ist klar.

Dem Islam an sich attestiert Todenhöfer grundsätzlich große Friedlichkeit. Es muss sich um einen verblüffenden Zufall handeln, dass beinahe alle Terroranschläge weltweit von radikalen Muslimen ausgeübt werden. Doch nein, es ist ganz anders: Bushs Angriff auf den Irak war ein viel schlimmerer terroristischer Akt als alle 9/11s zusammen. Denn wenn die USA den Irak nicht angegriffen hätte und Saddam noch immer im Amt wäre, dann wäre im ganzen Nahen Osten jetzt Frieden. So wie in Syrien, wo der despotische Regierungschef Assad nicht vom Westen gestürzt wurde. Und nun alles gut ist, oder? Und im Irak wäre sicherlich kein arabischer Frühling ausgebrochen, der das Land in einen Bürgerkrieg wie jetzt in Syrien gestürzt hätte, oder… Äh… OK. Ooops, ich hab mich schon wieder beim Spötteln erwischt.

Aber da haben wir es wieder: der Westen ist noch viel schlimmer als die islamische Welt. Und Bush beruft sich auf die Bibel. Deshalb liegt ja auch die These nahe: Die Bibel ist genauso gewalttätig wie der Koran und das Christentum war genauso gewalttätig wie der Islamismus jetzt. Und dann kam die Aufklärung. Und die wird in der muslimischen Welt auch irgendwann kommen. Das Problem ist nur: es gab schon viel aufgeklärtere Phasen im Islam, doch irgendwie scheint die Entwicklung eher rückläufig zu sein.

Doch nun der Reihe nach. Zunächst zu der These, das AT sei genauso grausam wie oder grausamer als der Koran. Dieser Satz ist etwa genauso sinnvoll wie die Aussage: im Telefonbuch der Stadt Neckarsulm befinden sich genauso viele Buchstaben wie im in einer Riesenpackung Buchstabensuppe. Will meinen: der Koran und das AT unterscheiden sich in literarischer Hinsicht sehr entschieden. Im AT werden gewalttätige Akte beschrieben, die von Menschen auf Gottes Geheiß hin verübt wurden. Und es werden gewalttätige Akte beschrieben, von denen klar ist, dass Gott sie nicht wollte. Oder von denen unklar ist, ob sie nötig waren. Oder die nur ein einziges Mal gebilligt waren, dann nicht mehr. Darüber hinaus gibt es Gesetze, die das Zusammenleben des Volkes Israels regeln sollten. Darunter auch viele, die mit unseren heutigen Strafgesetzen nicht mehr vereinbar sind. Diese Texte des AT erstrecken sich über einen Zeitraum von vielen Jahrhunderten. Erkennbar darin ist eine Entwicklung, eine Pädagogik. Rein kulturell entwickelte sich das Volk Israel in dieser Zeit ganz entscheidend weiter: von einem Nomadenvolk hin zu einer gebildeten, sesshaften Schriftkultur. Und Gott scheint auf dem Weg mit seinem Volk die Offenbarung entsprechend der kulturellen Entwicklungsstufe zu geben. Ist das „Auge um Auge“ des Pentateuch bereits ein deutlicher Fortschritt gegen das in vielen alten Kulturen übliche Vergeltungsrecht („beleidigst Du mich, bringe ich Deine ganze Familie um“), zeigen die späteren Bücher eine viel ausgefeiltere Reflexion auf Moral und Ethik. In den weisheitlichen Büchern der Schrift und bei den Propheten finden wir Kulturkritik, Kritik an den Herrschenden und eine sehr differenzierte Sicht auf die Gewalt.

Ich behaupte: bereits diese Reflexionsstufe auf bestehende Ethik und Moral ist für die damalige Zeit beispiellos und übertrifft alles Vergleichbare im Koran deutlich.

Und entschieden muss gesagt werden: Zwar gibt es im AT in wenigen einzelnen Büchern tatsächlich göttliche Befehle zur Auslöschung bestimmter Stämme (das ist für uns heute erschreckend genug), doch nirgends wird auch nur angedeutet, dass das Volk Israel die grundsätzliche Erlaubnis oder den Auftrag hätte, Kriege zu führen, um den jüdischen Glauben auszubreiten. Genau das ist auch niemals passiert: Juden haben keine anderen Nationen angegriffen, um sie jüdisch zu machen.

Und genau das ist in der Geschichte des Islams ständig passiert. Und der Koran ließ sich wunderbar dafür zitieren.

Natürlich haben sich freilich auch Christen auf die Bibel BERUFEN und schreckliche Dinge getan. Nichts daran darf kleingeredet werden. Allerdings wurden schreckliche Dinge auch in Berufung auf die Demokratie oder den Kampf gegen den Faschismus verübt. Entscheidend ist deshalb der Blick auf den Text selbst: Mit welchem Recht beruft sich wer auf welche Stellen? Und welche Person gilt als Vorbild in rechter Nachfolge? Hier wird es gleich etwas deutlicher.

Deutlich verschieden vom Koran ist das positive Menschenbild des AT. Er ist mehr als Diener Gottes: Er ist sein personales Gegenüber. Gott ist ihm gegenüber nicht nur barmherzig, sondern emotional involviert wie ein Hirte, ein Vater, ein Bräutigam. Gott krönt den Menschen (Psalm 8).

Schließlich – und nicht zuletzt: Die menschliche Vernunft wird gerade in den späteren Schriften des AT positiv gewertet. Wissenschaft und Philosophie florierten in Israel. Und dieser Trend setzte sich im NT und in der Kirche fort. In der kritischen Auseinandersetzung mit dem Glauben und der Reflexion auf die Offenbarung wurde im breiten Strom der Geschichte des Christentums keine Gefährdung des Glaubens gesehen, sondern eine Chance. Und nicht umsonst brachten sowohl das Judentum als auch das Christentum bis heute eine riesige Zahl höchst gebildeter Menschen und Forscher hervor, die Erfindungen machten, Nobelpreise bekamen etc.

Oft wird gesagt, dass erst die Aufklärung die gewalttätigen Seiten des Christentums gebändigt habe. Daran ist manches wahr. Ebenso wahr ist aber die Erkenntnis, dass die Aufklärung eine direkte Frucht des hohen Levels der kritischen Wissenschaften des Hochmittelalters und der Renaissance war. Sie konnte wachsen und gedeihen in einem jüdisch-christlichen Europa. Es waren die Klöster, die nach dem Chaos der Völkerwanderung Bildung und Wissenschaft in Europa etablierten. Und ja: Es gab auch Reaktionen wie die Lehrverurteilung Galileis. Doch was der große Mainstream war, kann am Verlauf der Geschichte leicht erkannt werden: Die Aufklärung setzte sich in Europa friedlich durch, weil Christentum und Vernunft bereits von der Bibel zwar nicht als deckungsgleich, aber als miteinander verbunden gedacht werden.

Nicht wenige schrieben Jürgen Todenhöfer, für Christen sei das Alte Testament nicht mehr verbindlich. Er widersprach. Was sie wohl meinten: Durch das Neue Testament erfährt das AT eine radikal neue Auslegung. Und hier kommt der entscheidende und niemals änderbare radikale Unterschied zwischen der Bibel und dem Koran ins Spiel. Er heißt: Jesus.

Für Christen ist nicht nur einfach die Bibel das Wort Gottes, sondern Jesus ist DAS Wort. ER ist der Ausleger der Schrift. Jesus fügt dem Kanon der biblischen Bücher nicht nur ein paar interessante Randglossen hinzu, er ist die ganze Pointe. In ihm ist die Fülle der Offenbarung. Deshalb kann ein Christ mit großer Zuversicht sagen: Nein, die Steinigung von Ehebrechern hat für uns Christen heute keine Relevanz mehr, weil Jesus einen anderen Weg des Umgangs damit zeigte. Nein, das Ausrotten der Feinde hat für uns Christen heute keine Relevanz mehr (auch wenn sie im AT beschrieben ist), weil Jesus die Feindesliebe lehrte. Und eigentlich hat sich das schon herumgesprochen, lieber Herr Todenhöfer.

Das Beispiel des Lebens Jesu und seine Lehre sind unvergleichbar mit jeder anderen menschlichen Philosophie. Sie sind völlig verschieden vom Leben und Lehren jedes anderen religiösen Lehrers und etwas komplett anderes als jedes andere „heilige“ Buch.

Dass Gott Menschen radikal und vollständig liebt – und zwar sosehr liebt, dass er Mensch wird um an ihrer Statt zu sterben; dass das dem Menschen einen kompletten, rein auf Gnade basierenden Neustart und vollständige Vergebung gibt; dass das den Menschen zum Kind Gottes macht, zum Geliebten Gottes; dass Gott ein Vater ist; dass er uns Vergebung, Feindesliebe, Versöhnung und selbstlose Hingabe und Liebe auch gegen „Ungläubige“ und Sünder lehrt. All das findet sich kein bisschen im Koran.

Natürlich finden sich im Koran auch jede Menge schöne und friedliche Stellen (viele davon stammen ja auch aus der Bibel). Das Problem ist aber, dass der Koran auf so verschiedene Weise ausgelegt werden kann. Und mit gutem Recht behaupten viele dann das Beispiel des Lebens Mohammeds. Doch leider gibt gerade dieses nicht so viel her für eine friedliche Auslegung des Korans. Und im Gegensatz zur Bibel liefert der Koran kein inhärentes Auslegungsprinzip mit. Es gibt verschiedene Auffassungen über die „Abrogation“, also die Frage, welche Stelle welche Stelle „sticht“. Eine parallele Diskussion für die Bibel wäre schnell beendet.

Matt 5:43:
Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen. (Jesus)

Was also gilt hier? Natürlich das, was Jesus gesagt hat. Hier gibt es garkeine Frage: Jesus ist die höchste Autorität und seinem Beispiel nachzufolgen, das nennt man Christentum.

Christentum bedeutet nicht, allen Geboten des Alten Testaments zu folgen oder allen Taten Josuas nachzueifern (welcher Christ käme denn auf so eine Idee?), sondern bedeutet: Jesus nachfolgen.

Die Autorität des Korans gründet sich auf die Glaubwürdigkeit einer Person: der Person Mohammeds. Er empfing den Koran – wer dem Islam glaubt, muss glauben, dass dem Mohammed wirklich der Erzengel Gabriel erschienen ist, denn es gibt ansonsten keine Beweise dafür.

Die Autorität der Bibel gründet sich auf die jahrhundertelange Glaubensgeschichte eines ganzen Volkes mit seinem Gott: des Volkes Israel. Es gründet sich schließlich auf die Glaubwürdigkeit und auf die historische Auferstehung Jesu Christi und die Zuverlässigkeit der Augenzeugen, die im NT über diese Auferstehung berichteten und der frühen Kirche. Doch sie steht und fällt mit der Person Jesu. Und der kritisierte nämlich genau die jüdischen Strömungen seiner Zeit, die sich mit Berufung auf das AT für einen gewalttätigen Aufstand gegen Rom aussprachen.

Wenn ein Christ wie Jürgen Todenhöfer* deshalb also das AT zitiert, dann möge er bitte auch Jesus dazu zitieren und sagen: Was für ein Schatz und was für ein Geschenk, dass wir Christen nicht nur ein „heiliges Buch“ haben. Sondern eine lebendige, auferstandene Person, die diese Schrift uns erschlossen und eine auf Gewalt basierende Auslegung des AT ein für allemal unmöglich gemacht hat. Und DIESER PERSON gilt unser Glaube, nicht einfach nur einem Buch.

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Anmerkung heplev: Für mich ist Todenhöfer KEIN Christ. Vielleicht hält er sich für einen. Mehr aber auch nicht.

Mit dem IS reden…

Der Herr Hodentöter hat wieder zugeschlagen: Er war beim IS zu „Besuch“ und prahlte damit herum:

Liebe Freunde, heute Nachmittag bin ich aus dem „Islamischen Staat“ zurückgekehrt. Die erforderlichen Sicherheitsgarantien hatte ich in monatelangen Skype-Gesprächen mit der Führung des ‚Kalifats‘ ausgehandelt. Angeblich war ich der erste westliche Publizist der Welt, der den „Islamischen Staat“ besuchen konnte. Dem IS war bekannt, dass ich mich mehrfach sehr kritisch zum „Islamischen Staat“ geäußert hatte. Hier auf Facebook und in der deutschen Presse. Ich habe die Gefahren dieser Reise daher nie unterschätzt.

Die Gespräche und Erlebnisse im irakischen und syrischen Teil des „Islamischen States“ waren dramatisch. Die Sicherheitslage auch. Darüber mehr in den nächsten Tagen. Als ich gestern Abend mit meinem Gepäck in der Nähe eines türkischen Schießturms zu Fuß über einen Schmugglerpfad in die Türkei rannte, fiel eine gefühlte Last von 1000 Tonnen von meinen Schultern. Ich bin sehr glücklich, dass ich wieder heil in Deutschland bin. Meine Familie auch. Es hat viele Tränen gegeben.

Ich habe diese schwierige Reise nicht unternommen, weil Papst Franziskus kürzlich gefordert hatte, man müsse auch mit dem IS sprechen. Sondern weil ich seit über 50 Jahren immer mit allen Seiten spreche. In Syrien sprach ich – von einigen Schreibtischstrategen heftig kritisiert – mit Präsident Assad, aber auch mit Al Qaida und der FSA. In Afghanistan mehrfach mit Präsident Karsai und mit Führern der Taliban. Und während des Irakkrieges mit der schiitischen Regierung des Irak und mit dem sunnitischen Widerstand.

Die Katastrophen, in die die USA in Afghanistan, im Irak, in Libyen und in anderen Ländern hineingeraten sind, sind auch deshalb entstanden, weil die USA nicht mit ihren Gegnern sprechen wollten und sie oft überhaupt nicht kannten. Unwissenheit darf jedoch nicht das traurige Markenzeichen der westlichen Mittel-Ost-Politik bleiben. Wer seine Feinde besiegen will, sollte sie kennen. Der IS ist mächtiger und gefährlicher als viele westliche Politiker ahnen.

In den nächsten Tagen werde ich Euch nähere Einzelheiten meiner zehntägigen Recherchen im „Islamischen Staat“ mitteilen. Jetzt aber bin ich erst einmal hundemüde.

Euer JT

Fällt euch die Selbstbeweihräucherung auf? Der „ich-t“ beinahe noch mehr als der Superpräsi! Aber mal zum Gesamtbild. Da hatte Cahit Kaya voll getroffen:

Todenhoefer-Krieg-reden-IS

Leider wieder Todenhöfer, aber das ist derzeit aktuell.

In seinen ersten Statements lässt er durchsickern, dass er immer für Verhandlungen statt für Krieg ist. Klingt ja sehr löblich, aber worüber genau will er mit dem IS verhandeln?

Der IS gibt sogar schon Anleitungen heraus, wie Sklaverei richtig zu handhaben ist. Der IS hat Tausende Mädchen und Frauen verschleppt und versklavt und gedenkt nicht, dies zu unterbinden, sondern gibt sogar noch vor, wie dies korrekt abzulaufen hat.

Der IS hat sich zum Ziel gesetzt alle Minderheiten, die er als „unislamisch“ betrachtet auszurotten.

Der IS gibt an, auch den Westen anzugreifen, was er tun wird, sobald er die militärisch Stärke dafür hat. Jeder normal denkenden weiß, dass der IS gefährlich ist, musste Todenhöfer erst die Gastfreundschaft des IS genießen, um uns das mitzuteilen?

Worüber will er also verhandeln?

Es wird kommen wie immer: am Ende wird er den Blick vom IS weglenken und auf den Westen richten. Während die Minderheiten dort weiter vor ihrer Ausrottung stehen, wird Todenhöfer behaupten, (nur) der Westen sei schuld und jede Hilfe des Westens als unzulässigen Eingriff brandmarken und verurteilen, die erst die Ursache aller Probleme der Region sei, wie er es bereits tat, als die Kurden Waffen forderten.

Ja, der Westen ist schuld, wenn solche Dinge passieren. Nämlich Typen wie Todenhöfer, die die islamistischen Mörder immer in Schutz nehmen und solche Verbrechen nicht nur zulassen, sondern verteidigen. Wenn solche Typen also auf den Westen zeigen, dann meinen sie nur sich. Denn sie sind es immer, die jede Hilfe sabotieren und Menschen elendig verrecken lassen, die außer dem Westen niemanden hätten, der sie schützen würde, weil „ihre“ Leute sie sofort umbringen. Den Todenhöfer ist genau dieser Westen, den er so verachtet. Der Westen ist so, weil solche Gestalten hier das Sagen haben. Schon zu lange.

Es ist Zeit neue Verhältnisse zu schaffen und diese Gutmenschen endlich zu entmachten. Mit anderen Personen an der Spitze wäre der IS längst Geschichte.

Aber unsere Gutmenschen sind eher dafür, dass nichts getan wird. Nur um dann dem Westen die Schuld für jeden Mord auf der Welt in die Schuhe zu schieben, während sie die Völkermörder selbst immer als tapfere Freiheitskämpfer bezeichnen, aber jene wie die Kurden, die es wirklich sind, einfach sterben lassen und sich gegen jede Unterstützung aussprechen. Denn das sei eine Einmischung des Westens. Aber sie selbst mischen sich immer ein und schreiben jedem einzelnen vor, wie er zu denken und zu leben hat. Das Gutmenschentum ist der neue Faschismus und Todenhöfer ist der Schlimmste von allen.

Muss man nichts mehr hinzufügen, außer vielleicht die Frage, worüber er mit den Schlächtern reden will. Über die Verwendung von schärferen Messern oder Schwertern beim Köpfen? Dass die Vollverhüllung der Frauen auch in anderen Farben als Schwarz erfolgen darf? Dass Steinigungen mit größeren Felsbrocken durchgeführt werden?

Worüber soll mit denen also geredet werden? Die wollen die Welt beherrschen – dass sie sich mit Arabien begnügen? Werden sie sicher nicht. So ist das nun mal mit totalitären Ideologien: Man muss sie bekämpfen, man muss sie bzw. ihre Vertreter aus der Welt schaffen. Notfalls durch ihre physische Beseitigung. Und das ist etwas, das friedensbesoffene Vollpfosten wie Todenhöfer niemals begreifen wollen und sich dann noch wundern, wenn sie am Ende selbst von den Schlächtern beseitigt werden.

Ergänzung: Hamed Abdel-Samad schreibt auf Facebook:

Warum ließ der IS Todenhöfer ins Kalifat ein und ausreisen, während die Amerikaner James Foley und Peter Kassig enthauptet wurden? Ganz sicherlich nicht weil er nette Sachen über den Islam schreibt. Foley war auch ein sehr islamophiler Journalist, und Kassing betreute in Syrien humanitäre Projekte und konvertierte sogar zum Islam!

Der IS mag Todenhöfer weil er für die Gotteskrieger ein nützlicher Idiot ist. Nach seiner Rückkehr tut er nun alles was sie von ihm erwarten. Während die Kurden auf dem Vormarsch sind und die vom IS eroberten Gebiete Stück für Stück zurückerobern, behauptet Todenhöfer der IS ist viel stärker und cleverer als man denkt. Während viele junge Muslime in Europa merken, dass das Kalifat langsam schrumpft und nicht mehr aus Welteroberern besteht, kommt der Islamisten-Flüsterer zurück und spricht von der ungebrochenen Euphorie und Siegeszuversicht der IS-Kämpfer. Er spricht von der Schuld der Amerikaner und der Begeisterung der irakischen Sunniten für den IS, weil er sie angeblich von der schiitischen Tyrannei befreit hatte. Er plappert nach was sie ihm diktiert haben, z.B., dass der IS bald den gesamten Nahen Osten erobern und die größte religiöse Säuberungsaktion der Geschichte vornehmen würde.

So wird Tödenhöfer unfreiwillig ein Teil der Rekrutierungstrategie und der psychologischen Kriegsführung des IS. Und alle Medien, die ihm ein Forum bieten, machen den gleichen Fehler!

Ein Friedenshetzer unterwegs

Jürgen Todenhöfer – von Herbert Wehner immer gerne als „Herr Hodentöter“ angesprochen, der wusste schon damals, warum – ist im Gazastreifen. „Fassungslos“ sitzt er dort fest, samt Sohnemann Frederic. „Die Grenzen sind zu“, schreibt er.

Er sitzt – im wahrsten Sinne des Wortes und beweist es mit einem Foto auf seiner Facebookseite.

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Wieso sitzt er da? Weil das die beste Propaganda ist. Er beschreibt ja noch ganz andere Sachen. Zum Beispiel, dass er sich abends das Feuerwerk ansieht: Wie die Rakete der Hisbollah mit langem Rauschweif in den Himmel steigt; dann das „durch Mark und Bein gehende Zischen einer israelischen Rakete, gefolgt von einer Ohren betäubenden Explosion. Die Erde bebt.“

Man erkennt als kundiger Leser sofort: Das arme Raketchen der Hamas oder des Islamischen Jihad ist völlig harmlos, unscheinbar, kann nichts tun. Die israelische Abwehrrakete dagegen ist bedrohlich, gefährlich, macht Angst. Lässt die Erde erzittern, so böse ist sie.

Und erst die Raketen, mit denen Israel angreift: „Um drei Uhr nachts wird unser Hotel so niedrig von einer israelischen Rakete überflogen, dass das Hotel in seinen Grundfesten wackelt. Wie bei einem schweren Erdbeben… Die Rakete zerstört ein Wohnhaus 200 Meter von uns entfernt. Wir gehen in unsere Zimmer zurück.“

Merkt der geneigte Leser etwas? Zwischen der ganzen Emotionen erzeugenden Schilderung kann man etwas erkennen das die Geistesgröße nicht beabsichtigt hat: Wieso kann der Mann so einfach auf dem Dach stehen und dem Raketenkampf zusehen? Doch wohl nur, weil er eigentlich sicher sein kann, dass die Israelis sein Hotel nicht bombardieren werden – jedenfalls nicht, solange sich dort keine Terroristen stationieren, die auf Israel schießen.

Die Angriffsrakete der Israelis war auch so gut gezielt, dass er keine Sorge haben musste. Sie flog niedrig ein, aber sie traf das beabsichtigte Ziel. „Ein Wohnhaus“, schreibt der mutige Mann. Ohne zu erwähnen, warum Israelis wohl ein Wohnhaus beschießen könnten. Das ergibt sich aus der Böswilligkeit der Juden. Denn dieser Krieg ist eine Schande. Die dreifache Schande führt er ausführlich an: 1. Die ermordeten israelischen Jugendlichen; 2. Der ermordete arabische Junge; 3. „nach wahllosen und brutalen Hausdurchsuchungen und Massenverhaftungen in der Westbank – in der völlig hemmungslosen Bombardierung der 1.8 Mio Ghettobewohner von Gaza. Durch israelische Kampfjets, Raketen, Hubschrauber, Schiffe und Drohnen.“

Klar, nicht? Oder könnte es sein, dass da etwas fehlt? Der einsetzende Raketenterror der Hamas und ihrer Genossen? Ach, das zählt ja nicht, die selbstgebastelten Dinger kann man doch nicht ernst nehmen! Haben wir in der Schilderung oben ja schon gesehen: „weißer Rauchschweif“ und so, im Gegensatz zum fiesen Zischen und drohenden Knallen der israelischen Abwehrrakete (oder der erdbebenden Bombe auf das Wohnhaus „nebenan“).

Doch halt. Herr Todenhöfer attackiert: Er „verurteilt auch ausdrücklich“ die „wirkungslose und dilettantische Schießerei der Hamas und des ‚Islamischen Jihad‘“. Boa ey, jetzt aber! Jetzt kriegen die Terroristen aber – den Zeigefinger gezeigt: „Wirkungslos und dilettantisch“! So geht es aber nicht, bitte! Wie können die es wagen ineffektiv Krieg zu führen? Wenn schon Krieg, dann bitte richtig. Da müssen tote Juden her!“

Die Geistesgröße vergisst geflissentlich: Wenn die Israelis die Eiserne Kuppel“ nicht hätten, das Raketenwarnsystem Teva Adom (Roter Alarm) die Menschen nicht warnen würde und die Bunker und Sicherheitsräume in den Häusern nicht wären, dann könnte er nicht so einen Schwachsinn von „wirkungslos und dilettantisch“ von sich geben! Ist der Mann so verblödet oder so boshaft?

Die „Verurteilung“ hält sich aber auch in Grenzen. Denn sie ist nur ein Feigenblatt gegen Kritik, da Herr Todenhöfer sie nur dafür nutzt weiter gegen Israel zu hetzen. An dieser Stelle mit seiner heroenhaften Schilderung, wie dumme Israelis völlig unnötig wie gehetzt in die Bunker rennen, weil: „Die Geschosse waren wie meist, ohne Schaden anzurichten, im Umland zerschellt.“ Oder: „Ein etwa ein Meter großes Kassam-Geschoss hatte wieder einmal sein Ziel verfehlt. Verbogen lag es auf einer Straßenkreuzung.“ Man kann es nicht ernst nehmen, das Bastelzeugs. Warum sind die blöden Juden solche Angsthasen?

Für seine „Argumentation“, dass die Israelis wahllos schießen und morden, während die „Palästinenser“ zu blöde sind etwas Anständiges anzurichten, müssen natürlich Opferzahlen herhalten: „193 : 0“ steht es für die Juden. Da ist es natürlich „völlig realitätsfremd“, wenn die Israelis behaupten sie würden sich verteidigen. Wer so viele Tote macht, der ist der Aggressor, der überreagiert. Israel steht nicht unter schwerem Beschuss. Sagt der Fachmann im Gazastreifen. Oder: Seit Beginn der 2. Intifada steht es 7.000 : 1110 gegen die Araber. Das ist keine Selbstverteidigung, sagt der Wissende, der sich auf einfache Arithmetik spezialisiert hat. Kontext?

Um Himmels willen, bitte nur solchen, der ins Bild passt! Auf keinen Fall, dass die Hamas die Leute auffordert sich als menschliche Schutzschilde zur Verfügung zu stellen! Oder dass sie aus Wohngebieten schießt, um bei Gegenschläge möglichst viele Menschen zu Opfern zu machen, die der Propaganda dienen. Dass die eine Seite – Israel – alles unternimmt, um die Bevölkerung zu schützen, während die andere – arabische – alles unternimmt, damit es möglichst viele Opfer gibt. Hat Herr Todenhöfer den Schneid zu erzählen, wo es im Gazastreifen Bunker gibt? Wer diese Bunker nutzt (wenn er sich nicht gerade in Luxushotels am Persischen Golf vergnügt)?

Nein, das hat Herrn Todenhöfer nicht zu kümmern. Denn dann müsste er ja tatsächliche Kritik an der Hamas üben, statt seine Feigenblättchen für Attacken gegen Israel zu setzen. Der Mann macht sich – ich unterstelle: bewusst und gewollt, nicht aus Dummheit und Verblödung – zum Propagandainstrument der Terroristen. Ein kleiner Beleg dafür sei gestattet. Ist jemandem in dem Foto oben etwas aufgefallen? Dort, wo der Herr Journalist so schön auf dem Trümmerhaufen sitzt?

Nicht. Dann bitte noch einmal genau hinschauen (Foto von hier):

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Pallywood, wie es leibt und lebt: Kinderspielsachen, die so offensichtlich dort extra für Fotos platziert wurden, sollen an die Betrachter appellieren, dass Israel ein Kindermörder ist. Fragt sich nur, wie sich in einem solchen Schutthaufen die sauberen Kuscheltiere, Puppen, Bücher und der Kinderwagen oben auf den Trümmern befinden können, wo das Haus doch von oben nach unten zusammenbrach?

Kann Herr Todenhöfer das übersehen haben? Man könnte auch etwas böser fragen, ob er die Sachen selbst aufgestellt/hingelegt hat, um sich dazwischenzusetzen oder ob es jemand anderes gemacht hat.

Außer natürlich, der Mann ist doch so strunzdumm, dass er das nicht gemerkt hat…

UPDATE:

Der prima Mensch, der in Facebook die Aufmerksamkeit auf den Progaganda-Terz von Todenhöfer aufmerksam machte, hat sich des Hetzers mit einem Grafikprogramm angenommen und ihn dahin gesetzt wo er besonders noch hin gehört:

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Der Blender

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Markt in Gaza

Robin Renitent (direkt vom Autor)

Der Blender ist ein Mensch, der vorgibt kompetent zu sein, sich mit schönen und gesetzten Worten in die Herzen seiner Mitmenschen schummelt und ihnen sein Halbwissen als Wahrheit verkauft. Die Sicherheit seines Auftretens, die blumige und effektheischende Eloquenz seiner Aussagen beeindruckt seine Umwelt, besonders unbedarfte, unkritische und schlichte Gemüter und es verschafft unserem Blender eine fast orgiastische Lust, wenn eben diese Simpel an seinen Lippen hängen. Natürlich gelangt er in der Wiederholung seiner Worthülsen und der Verwendung eingängiger Satzbausteine und vorgefertigter Stereotype zu einer gewissen Fertigkeit, die den Aufbau seiner Vortragsergüsse und zwischen Buchdeckel gegossenen „Originalerlebnisse“ dem unkritischen Zuhörer plausibel erscheinen.

Jürgen Todenhöfer, von Herbert Wehner, der sich nicht blenden ließ und den seicht daherkommenden Zeitgeisthansel durchschaute, treffend-polterig „Hodentöter“ genannt, beherrscht diese Techniken wie kaum ein anderer umtriebiger Jürgen-Dampf-an-allen-Brennpunkten. Und die eigene Lust sich im Licht berühmter Zeitgenossen zu sonnen strahlt anerkennungssuchend durch die Brillengläser. Blender sind immer von ihrer eigenen Größe beeindruckt und sie dekorieren sich gerne mit Zitaten anderer Großer, sofern sie denn ins Konzept passen. Genauigkeit ist dabei nur hinderlich, lächerliche Stolpersteine auf dem Wege zum Ziel.

Eine geistig Verwandte Jürgens ist übrigens Claudia Roth, obwohl sie ihm intellektuell nicht gewachsen ist, wollte sagen, noch eine Qualitätsstufe tiefer rangiert. In ihrer Empathie aber ähneln sie sich, bauchgesteuert und den Verstand als hinderlich ausschaltend. Insbesondere, und das erzähle ich meinen Kindern als abschreckendes Beispiel, vermarkten sie ihre Kurzeindrücke als situationsverbindliche Kompletterfahrungen. Uns Claudia also hatte ihr Urteil über die DPRK (Nordkorea) nach 3 Tagen fertig und ihre Aussage gipfelte in dem erstaunten Ausruf:

Ich habe noch kein Land erlebt, das mir so geschlossen vorgekommen ist, so in sich verbarrikadiert. Die Distanz ist so unendlich groß zu den Menschen. Du kannst nicht auf sie zugehen, weil es für die Menschen möglicherweise auch eine Gefährdung wäre.

Zu dieser Aussage kommt jeder TV-Glotzer wenn er sich der Erfahrungen der 2. Hand, den Aussagen Anderer, transportiert über den Fernseher, bedient, zwischen Umschalten von Big Brother nach DSDS.

Doch zurück zu Todenhöfer. Er kann das noch toppen. Er war 1 Tag in Gaza. In Worten: EINEN. Meine Familie ist schwer beeindruckt. Um unseren Kindern einen umfassenden Eindruck der politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Eigenheiten eines Landes zu geben waren wir mit ihnen wochen-, ja monatelang in den anvisierten Ländern. Danach erst hatten wir eine schwache und immer noch keine umfassende Ahnung. In China waren das beispielsweise 5 Monate, in der DPRK 2 Wochen, in Israel 3 Monate, in Australien, Indien, Kambodscha, Vietnam, Korea, Japan etc. pp. mindestens jeweils 2 Monate. Insgesamt haben wir das bei 50 Ländern durchgezogen (indem wir natürlich das deutsche Schulsystem unterlaufen haben) und wenn wir uns heute äußern, immer noch mit Vorbehalt.

Ja und auch in der Westbank und in Gaza und in Ägypten waren wir. Übrigens mit öffentlichen Verkehrsmitteln und ohne Delegation. Was Todenhöfer da gesehen hat, in 24 STUNDEN (!!!) ist uns entgangen, komplett entgangen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir kein Buch verkaufen wollten und keine Interviews und keine TV-Dokumentationen drehen. Es liegt daran, dass wir nicht von uns selbst und unserem Mut beeindruckt sind, sondern von den realen Gegebenheiten die wir, zeitgeistunabhängig und frei von ideologischer Aufarbeitung, ungefiltert wahrgenommen haben.

Uns Jürgen aber geilt sich an den Rezensionen der grenzdebilen Lohnschreiber auf:

„Wer an einer persönlichen Haltung zu den weltpolitisch relevanten Konflikten der vergangenen Jahre interessiert ist, kommt an dem Mann nicht vorbei. Irak, Iran, Tunesien, Ägypten, Libyen, Afghanistan, Syrien: Jürgen Todenhöfer berichtet auf eigene Rechnung.“

Jau, dieser mutige Deutsche, Vorbild für alle Sesselpupser, ist von sich selbst und seinem Mut nachhaltig beeindruckt:

Angeblich war meine „Einreise“ durch einen kleinen, dunklen Erdtunnel illegal. Darauf stehen mehrere Jahre Gefängnis. Aber wirklich illegal ist nur die Art und Weise, wie in Gaza zwei Millionen Menschen in einem großen Käfig eingesperrt sind. Gefährlich war der Tunneltrip nach Gaza und zurück auch. Weil die Tunnels regelmäßig von Israel bombardiert oder von Ägyptern zugeschüttet oder gewässert werden. Über zweihundert Menschen sind hier seit 2007 ums Leben gekommen.

Und Todi-tralala hat es gerade noch mal geschafft. In 24 Stunden hin- und zurück. Zu Jules Vernes Zeiten wäre er in nur 50 Tagen statt 80 um die Welt. Wetten daß?

So also ticken sie die Blender. Und haben auf Facebook 57658 „Freunde“. Na denn!

Wir haben, sorgsam ausgewählt, nur 100. Wir wollen ja auch niemanden blenden. Wir wollten ja auch keine Verkaufserlöse erzielen. Auch eine Anhängerschar und Claqueure brauchen wir nicht. Unser selbstgewähltes Erziehungs- und Wahrnehmungsziel für unsere halbwüchsigen Kinder war und ist die Erfahrung der 1. Hand. Sehen, erleben und verarbeiten. Aber nicht in 24 Stunden.

Derlei unterhaltsame Scharlatanerie überlassen wir den Schaumschlägern und eitlen Blendern.

In Jürgen Todenhöfer haben die ihren Meister gefunden. Nein Jürgen, wir werden Dein Buch nicht kaufen.