Sammlung zu Uri Avnery (2): Brief an einen Piloten

von Uri Avnery, ArabNews.com, 27. August 2002 (Kommentare: heplev)

Ich habe das Interview Ihres Kommandeurs, Generalmajor Dan Halutz, gelesen und wie viele andere in Israel und außerhalb war ich geschockt.

Am 23. Juli warf einer Ihrer Kameraden (oder vielleicht Sie selbst?) eine 1000kg-Bombe auf ein Haus in einem eng besiedelten Viertel in Gaza. Das Ziel war, ohne Gerichtsverfahren [wie sollte er vor Gericht gestellt werden – er wurde von der PA und anderen geschützt, Israel konnte ihn nicht festnehmen und er plante weitere Massaker!] Salah Shehadeh, einen Hamas-Aktivisten [Uri, Aktivisten schwingen Plakate und verteilen Flugblätter, sie planen keinen Massenmord!], zu exekutieren. Neben ihm wurden 16 Nachbarn, darunter 11 Kinder getötet. Dutzende anderer Männer, Frauen und Kinder wurden verwundet.

In der Schule lernten Sie mit Sicherheit die Worte des berühmten Gedichts von Bialik, unserem Nationalpoeten: „Sogar Satan hat die Rache an einem kleinen Kind nicht erfunden.“ [Aber offensichtlich die Palästinenser – siehe die Opfer in der Sbarro Pizzeria und andernorts. Und offensichtlich hat Satan die Maßnahme erfunden, Jugendliche zu „Märtyrern“ werden zu lassen; ein Volk einer Gehirnwäsche zu unterziehen, damit es aus lauter „Shahiden“ besteht und Menschen loszuschicken, damit sie sich unter Frauen und Kindern selbst in die Luft jagen.]

Ich nehme an, dass Sie nach diesem Akt von Gewissensbissen geplagt sind, dass Sie sich Ihre Kinder ansehen und sagen: „Kinder sind Kinder. Wie können ihre Kinder für die Lage verantwortlich sein?“ [Ich vermute, dass diese Annahme richtig ist. Wie sieht es bei den Palästinensern aus? Sind sie „von Gewissensbissen geplagt“, nachdem ihre Kinder sich unter Kindern und Jugendlichen selbst sprengen?]

Und jetzt kommt Ihr Kommandeur daher und sagt, Sie hätten keine Probleme mit Ihrem Gewissen. Ich weiß nicht, ob er die Wahrheit sagt oder Sie verleumdet.

Der General sagt, dass er Ihnen erzählte: „Sie haben Ihre Aufgabe perfekt ausgeführt… Sie taten genau das, was man Ihnen sagte… Sie sind nicht einen Zentimeter nach rechts oder links abgewichen… Sie haben kein Problem.“

Diejenigen, die mit dieser Aktion Probleme haben und gegen sie protestierten (so wie ich), werden von dem General „herzblutende Menschen“ und „eine unbedeutende und lärmende Minderheit“ genannt… [Ich denke, er liegt mit dieser Annahme richtig.]

Er beschuldigt uns, wir würden „es wagen Mafia-artige Erpressung unseren Kämpfern gegenüber zu benutzen… Verrat ist verboten… Im Gesetz muss nach einem Paragraphen gesucht werden, der sie in Israel vor Gericht bringt… das erinnert mich an die dunklen Zeiten des jüdischen Volks, als eine Minderheit unter uns andere Juden bespitzelte.“ [Wie hätten wir jemals annehmen können, dass du dein eigenes Volk unterstützt, Uri?]

Er verurteilt auch die „Besessenheit einiger Journalisten… ihnen ist langweilig… als springen sie auf jede Kleinigkeit an…“

Diese extremen Äußerungen belegen nicht die geistige Nüchternheit des Generals, der sagt, dass er „ein tiefes Gefühl der Gerechtigkeit und Moral“ hat. Ich würde sagen, dass auf dem Kopf des Generals die blaue Mütze brennt.* Jedes Wort verrät Hysterie. [Höchstens die Hysterie derer, die gegen jede Militäraktion hetzen und jede israelische Aktion zum Kriegsverbrechen stempel, wie du es tust, Uri.]

Aber dieser Stil muss tiefe Angst verursachen. Die Worte hätten natürlich geklungen, wären sie von einem General in Argentinien oder Chile während der Militärdiktaturen geäußert worden oder von einem türkischen Offizier, der dabei ist die zivile Regierung zu stürzen. Wenn ein Israeli solche Worte gegen die Medien und die Zivilgesellschaft benutzt [Hat er nicht, er hat sie gegen eine winzige Gruppe von Extremisten benutzt], dann geht ein Warnlicht an. Und das um so mehr, als er nicht fristlos entlassen, sondern im Gegenteil, öffentlich gelobt wurde. [Mach weiter, Junge, die Palästinenser sind die Engel und die Juden die Teufel! Wie wäre es, wenn du dich mit ein paar Neonazis zusammen tust? Sie würden dir absolut zustimmen!]

Die israelische Demokratie verliert ihr Maß. Aber ich will mit Ihnen nicht über Dan Halutz sprechen, sonder über Sie selbst. [Na, das war ja wohl kein Gespräch, sondern eine Verleumdungstirade!]

Wer sind Sie? Was sind Sie?

Einer der Piloten erklärte einem Interviewer, Vered Levy-Barzilai: „Es gibt die Einzigartigkeit und die Schönheit der Pilotenwelt. Du sitzt da oben, in Ruhe, mit einem weiten Raum. Es gibt keine Geräusche, keinen Krach, kein Geschrei. Du bist ganz auf das Ziel konzentriert, du hast weder den Schmutz noch den Schrecken des Schlachtfelds. Du erledigst deinen Auftrag und machst dich auf den Nachhauseweg.“

Dan Halutz beschreibt diese Gefühle ebenfalls [Ich dachte, Uri wollte nicht mehr von Dan Halutz reden?]: „Wenn Sie wirklich wissen wollen, was ich fühle, wenn ich eine Bombe werfe, dann will ich es Ihnen sagen: Ich spüre einen leichten Hüpfer des Flugzeugs als Ergebnis des Lösens der Bombe. Eine Sekunde später ist sie weg und das war’s. Das ist es, was ich fühle.“

„Das war’s.“

Da unten geschehen furchtbare Dinge, verstümmelte Körper fliegen durch die Luft, verwundete Menschen winden sich in Schmerz, Menschen sind unter Schutt begraben und krächzen ihre letzen Töne, Frauen weinen über den Leichen ihrer Kinder, eine Szene aus der Hölle, nicht zu unterscheiden von einem Selbstmordanschlag – und „das war’s.“ [Ist es dir jemals in den Sinn gekommen, Uri, dies könnte eine verärgerte Reaktion auf ständige Belästigung sein, durch tendenziöse Fragen, wie du sie immer stellst – bei denen immer geleugnet wird, dass Israel ein Recht auf Selbstverteidigung hat und immer gesagt wird, die Palästinenser hätten ein Recht Juden zu terrorisieren?]

Ein leichter Hüpfer des Flugzeugs und dann ab nach Hause zu einer warmen Dusche und einem Bett. Ich muss zugeben, dass es mir schwer fällt, mir diese Erfahrung vorzustellen. [Mir nicht. Es ist nicht viel anders als eine Last fallen zu lassen, um dann ohne sie weiter zu gehen. Die Ergebnisse erfahre ich später. Dann werden sie mir durch den Kopf gehen.]

Ich diente in der Infanterie, ich sah, auf wen ich schoss und wer auf mich schoss; ich konnte jederzeit verwundet (was auch passierte) oder getötet werden. Es fällt mir schwer mir die Erfahrung einer Person vorzustellen, die sich oben am Himmel befindet und Tod und Zerstörung sät, ohne selbst in Gefahr zu sein. [Das ist halt der Unterschied: Du weißt nicht, wie das ist und willst es nicht wissen. Du willst lieber weitere Juden tot sehen als solche Erfahrungen als Einsatzerfahrung werten.]

Ist dieser Pilot – Sie! – Zweifeln ausgesetzt? Stellt er sich manchmal selbst in Frage? Fragt er sich, ob eine bestimmte Aktion erlaubt ist, moralisch richtig? Oder wird er – Sie! – ein Roboter, ein „Profi“, der stolz auf seine perfekte Kontrolle der ihm anvertrauten atemraubenden Todesmaschine ist und auf die „exakte“ Ausführung seiner Befehle? [Hast du je einem Palästinenser eine solche Frage gestellt, Uri?]

Ich weiß, dass nicht alle Piloten Roboter sind. Ich sehe immer noch Oberst Yigal Shohat vor mir, wie er von einem Blatt abliest, seine Stimme von Gefühlen zitternd, bei seinem historischen Aufruf an seine Piloten-Kollegen und die Auszubildenden der Luftwaffe, dass sie offenkundig illegale Befehle verweigern sollten, genau solche wie diese Aktion in Gaza. [Oh, er hat die Gaza-Aktion erwähnt? – Natürlich nicht. In welchem Zusammenhang stand dieser Aufruf? Rechtfertigt er, dass praktisch jede Verteidigungsmaßnahme des israelischen Militärs als Kriegsverbrechen bezeichnet wird?] Shohat, ein Kriegsheld, der über Ägypten abgeschossen wurde und dessen Bein von einem ägyptischen Chirurgen amputiert wurde, ist das genaue Gegenteil von Halutz.

Sie müssen sich entscheiden – ein menschliches Wesen wie Shohat zu sein, sensibel gegenüber den Leiden der anderen, oder ein Roboter wie Halutz, der einen kleinen Hüpfer spürt, wenn er Dutzende menschlicher Wesen umbringt. [Ich denke, er muss sich anders entscheiden, Uri – etwas, das du nie in deinem Leben bereit sein wirst anzuerkennen: Er hat sich zu entscheiden, ob er Befehlen folgt, die Israel am Leben erhalten oder ob er sein Volk vergisst und es dem Untergang überlässt.]

Die Regeln des Krieges wurden nach dem Dreißigjährigen Krieg geschaffen, einem der fürchterlichsten in den Annalen Europas, einem Holocaust, indem ein Drittel der deutschen Nation ausgelöscht und zwei Drittel Deutschlands verwüstet wurde. Die internationalen Konventionen gründen auf der Überzeugung, dass selbst in einem harten Krieg, wenn jede Seite um ihre Existenz kämpft, die Gebote der menschlichen Moral eingehalten werden müssen. [Hast du das je von den Palästinensern verlangt? Ich habe nie davon gehört. Nur, dass du gesagt hast, ihr Terror sei kein Terror.]

Machen Sie es sich nicht leicht, indem Sie die primitiven Sprüche von Halutz übernehmen, der alles damit rechtfertigt, dass Shehadeh eine „bösartige Inkarnation“ war, Worte, die seine ultrarechte Sichtweise verraten. Shehadeh wurde nicht vor Gericht gestellt. [Hey, Uri, warum hast du ihn uns nicht geholt, damit er vor Gericht gestellt werden konnte?] Keine seiner angeblichen Taten wurde bewiesen. Aber sogar, wenn bewiesen worden wäre, dass er ein gefährlicher Feind war, rechtfertigt das in keiner Weise die Tötung seiner Nachbarn. Das Argument, dass diese Massentötung die Ermordung von Juden verhinderte, zieht nicht. [Wirklich? Wie kommt es dann, dass Israel diese Aktionen nur dann ausführt, wenn es absolut sicher ist, dass es sich um mehr als eine angenommene Gefahr handelt? Für Uri Avnery reicht es nicht aus, dass der Massenmörder mehr als ein Schreibtischtäter ist. Es reicht nicht aus, dass er sich mit seinen Plänen brüstete. Nein, für Uri Avnery ist ein Täter erst dann erwiesenermaßen ein Täter, wenn er sich selbst gerade in die Luft gesprengt hat. Vorher könnte es ja sein, dass er den Sprengstoff nur transportiert!] Als der Pilot die Bombe warf, war er sicher, dass er viele Menschen umbrachte, während Shehadehs Fähigkeit zu töten nur eine Vermutung war. [Uri, glaubst du wirklich immer noch, dass dieser „Kommandeur von Freiheitskämpfern“ nichts plante? Nach dem, was er schon geplant hatte und wofür seine Organisation steht?] Andererseits war sicher, dass diese Tötung zu weiteren Racheakten führen würde und dass viel jüdisches Blut deshalb fließen würde. [Klar, Hamas wartet immer erst, dass ihre Leute umkommen, bevor die Terrorkampagne fortgesetzt wird!]

Außerdem besteht ein himmelweiter Unterschied zwischen einer Guerillagruppe und einer mächtigen Armee, die im Auftrag eines Staates agiert. [Ja, Uri, genau! Eine „Guerillagruppe“ handelt durch Terror. Du glaubst, dass Terror gerechtfertigt ist. Aber wenn Juden sich verteidigen, ist das nicht gerechtfertigt.]

Hätten Sie ihrem Kommandeur unter diesen Umständen gesagt. „Ich weigere mich diesen Befehl auszuführen, denn er ist offensichtlich illegal“? Das israelische Gesetz und die menschliche Moral verpflichten Sie dazu. Aber Dan Halutz sagt: „Weigerung einen Einsatz zu fliegen gehört nicht zu den Regeln meines Spiels.“ Wie sehen IHRE Spielregeln aus? [Nun, DEINE Spielregeln kennen wir inzwischen, Uri: Liebe Palästinenser, bringt so viele Juden um, wie ihr wollt, ich werde das immer rechtfertigen! Wenn es einen jüdischen Antisemiten gibt, dann bist du die am besten entwickelte Ausgabe davon!]

* Eine Anspielung auf ein jüdisches Sprichwort: „Auf dem Kopf des Diebes brennt der Hut“ – was heißt, dass sein Verhalten seine Schuld verrät.

„Nur Überdruss kann in Nahost Frieden bringen“

Dass auch wohl meinende Kommentare richtig falsch liegen können, zeigt dieser Artikel von Walter Laqueur in DIE WELT. Er strotzt vor Missverständnissen und falschen Vorstellungen dessen, was im Nahen Osten abläuft und wie die Geschichte des Nahen Ostens aussieht.

Zehn Beobachtungen zum Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern
Walter Lacqueur, DIE WELT, 18. März 2002 (nicht mehr online)

Originaltext Kommentar
Washington – Die Gewalt im Nahen Osten nimmt kein Ende, und es ist noch keineswegs ausgemacht, wann die blutige Reihe aus Schlägen und Gegenschlägen unterbrochen werden. Zehn Beobachtungen könnten helfen, die Auseinandersetzung zu verstehen und den Konflikt vielleicht sogar zu beenden.
1. So unmenschlich es auch klingen mag: Die Phase der Gewalt wird erst dann beendet sein, wenn beide Seite so viele Opfer zu beklagen haben, dass sich die Erkenntnis durchsetzt, nur über Gespräche ein Ende des Konfliktes zu erzielen. Weder Israelis noch Palästinenser haben diesen Punkt bislang erreicht. Der Autor scheint zu vergessen, dass auch eine Seite so geschwächt sein könnte, dass sie endlich einsieht, dass sie ihre Ziele aufgeben muss. Es kann durchaus einen Sieg-Frieden geben – das ist (leider) der normale Zustand.
2. Alle Bemühungen von außen, die Kämpfe zu beenden, werden keinen oder nur einen kurzfristigen Erfolg haben. Dennoch ist die Ausweitung des Konfliktes zu einem Krieg eher unwahrscheinlich. Kaum ein Staat der Region ist an einer Eskalation interessiert. Darüber hinaus bemühen sich die meisten arabischen Staaten, alles zu vermeiden, was zu einer Schwächung ihrer eigenen Macht führen würde. Ein Krieg mit Israel aber brächte sie. Nur Irak und Iran haben ein gezieltes Interesse daran, einen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu verhindern. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass Teheran oder Bagdad deswegen erwägen, einen Krieg gegen Israel vom Zaun zu brechen. Hier stimme ich dem Autor vollkommen zu.
3. Die Palästinenser haben einen entscheidenden Fehler begangen: Sie haben 1947 den Beschluss der Vereinten Nationen abgelehnt, einen eigenen Staat zu gründen. Die Folgen sind bekannt: Krieg gegen Israel, Sieg des jüdischen Staates, Hunderttausende von Flüchtlingen, die ihre Heimat verlassen mussten, um sich unter jordanische, ägyptische und später israelische Herrschaft zu begeben. Die arabischen Staaten ihrerseits taten nichts, um die Flüchtlinge aufzunehmen. Anstelle die Palästinenser im eigenen Land zu integrieren, steckte man sie in Flüchtlingslager. Der Gaza-Streifen, der heute im israelischen Einflussgebiet liegt, ist ein Ergebnis dieser Politik, und es ist nicht verwunderlich, dass gerade er den Boden für Terroristen und Selbstmordattentäter bietet. Den Fehler haben nicht die Palästinenser begangen – sie gab es damals noch nicht! Den Fehler begingen die Araber/arabischen Staaten, die sich daraufhin alles einverleibten, was sie vom ehemaligen Mandatsgebiet nicht den Juden überlassen mussten.
Die Formulierung „die ihre Heimat verlassen mussten“ ist missverständlich. Es hört sich an, als seien sie dazu von den Israelis gezwungen worden. In diesem Zusammenhang MUSS unbedingt darauf hin gewiesen werden, dass die „Flüchtlinge“ von der arabischen Seite zum Verlassen des Gebiets angestachelt, teilweise auch gezwungen wurden; der von Israelis „vertriebene“ Anteil an Flüchtlingen ist verschwindend gering.
4. Der entscheidende Fehler auf israelischer Seite wurde 1967 nach Ende des Sechs-Tage-Krieges begangen. Damals versäumte Israel, die eroberten Gebiete sofort wieder zurückzugeben. Zwar weigerten sich die arabischen Staaten nach dem Sechs-Tage-Krieg mit Israel zu verhandeln, immerhin aber begannen sie zu begreifen, dass sie den jüdischen Staat auf absehbare Zeit nicht mehr zerstören konnten. Dieser Lernprozess, der mehrere Jahre dauerte, hätte von Israel durch die Rückgabe des Gaza-Streifens und Westjordanlandes verkürzt werden können. Stattdessen aber erlaubte die israelische Regierung, Siedlungen zu gründen, ohne dass dies notwendig gewesen wäre. Die Siedlungen sollten, so hoffte man damals, die Sicherheit Israels erhöhen. In Wirklichkeit jedoch stellten sie von Anfang an eine untragbare Belastung für die israelische Armee dar. Mehr als das: Die Herrschaft über die Palästinenser in jenen Gebieten wirkte sich politisch verheerend aus. Denn in den besetzten Gebieten litt der demokratische Charakter des jüdischen Staates, von seinem Ansehen in der Welt ganz zu schweigen. Die Erfahrung aus dem Sinaikrieg (Rückzug aus den eroberten Gebieten mit den entsprechenden Folgen: militärischer Aufbau und erneute Kriegsvorbereitung durch Ägypten) spricht bezüglich eines Rückzugs aus dem Westjordanland nach dem Sechs-Tage-Krieg eine andere Sprache. Im Übrigen scheint der Autor zu meinen, dass es dann eine „Rückgabe“ an die Palästinenser gegeben hätte. Das wage ich zu bezweifeln. Und die PLO kämpfte zu dieser Zeit nicht um einen eigenen Staat, sondern für die Vernichtung Israels (was sie bis heute nicht aufgegeben hat!). Und ob die Jordanier und Ägypter die Gebiete den erst kurz vorher erfundenen „Palästinensern“ überlassen hätten, steht in den Sternen.
Die Schlussfolgerung, die Herrschaft über diese Gebiete wirkte sich verheerend aus, ist nur eine – aber nicht unbedingt die richtige. Denn die Verheerung stellte sich real erst mit der Rückkehr der PLO in die Autonomiegebiete ein – ab da nahm der Terror zu und die Hetze wurde ins Unermessliche gesteigert. Der Westen und die israelische Linke haben Israel mit den Verträgen von Olso ein Kuckucksei ins Nest gelegt, das sich verheerend auswirkt.
5. Viele Israelis lehnten die Siedlungspolitik ihrer Regierung ab, gerieten nach dem Sieg im Sechs-Tage-Krieg und dem sich ausbreitenden, oft religiös motivierten Nationalismus aber zunehmend in die Enge. Die Idee, die eroberten Landesteile aufzugeben, wurde politisch immer brisanter. Aber nicht nur deshalb – es war vor allem auch die Erfahrung aus dem Krieg von 1956. Israel musste davon ausgehen, dass die „Drei Nein“ der Araber galten. Bisher gelten sie bei den meisten weiter – und wie ernst es Ägypten und Jordanien mit dem Frieden meinen, den sie jeweils unterzeichnet haben, kann man u.a. an den Lehrplänen und Schulbüchern feststellen: Sie erziehen zum Hass auf Israel!
6. Besonderen Schaden richtete das israelische Verhalten im Umgang mit Jerusalem an. Der Gedanke, die Hauptstadt vollständig unter israelische Kontrolle zu bringen, führte nicht nur zu einem dauernden Konflikt mit den Palästinensern, sondern auch zu einer Konfrontation mit der gesamten islamischen Welt. Vor dem Sechs-Tage-Krieg war den Israelis die Idee fremd, Jerusalem vollständig unter die eigene Herrschaft zu stellen. Erst mit dem Erstarken der religiös-chauvinistischen Kräfte wurde der Glaube an ein vereintes Jerusalem unter jüdischer Herrschaft Teil der offiziellen Ideologie. Mehr allerdings auch nicht. Bis heute ist Jerusalem eine geteilte Stadt. Wie gerechtfertigt diese Konfrontation ist, wagt der Autor nicht zu erörtern. Dass der Hass der Araber sie verblendend gegen Israel hetzen lässt, spielt offensichtlich keine Rolle. Dass nach 1967 jedermann Zugang zu den Heiligtümern auf dem Tempelberg hatte, während er bis 1967 judenfrei gehalten wurde, anscheinend auch nicht. Das hat aber mächtig dazu beigetragen, dass Israel ihn nicht wieder aufgeben wird – zurecht! Von der offiziellen israelischen-jüdischen Ideologie zu reden, die hetzerische, arabische aber außer Acht zu lassen und eine objektive Abwägung der beiden vorzunehmen, sollte gerade von einem wohl meinenden Schreiber nicht vergessen werden! Der Unterschied der Behandlung des Tempelbergs vor und nach 1967 darf erst recht nicht außen vor gelassen werden. Wäre es umgekehrt gewesen, dann würden die jüdischen religiösen Gebäude auf dem Tempelber von den Arabern sofort geschleift und durch Moscheen ersetzt worden sein. Israel hat nicht so gehandelt, sondern den Moslems sogar die Verwaltung des Tempelbergs überlassen. Großzügiger kann man kaum sein. Das alles wieder in den Zustand von vor 1967 zurück zu versetzen, ist nicht erforderlich, sondern wäre ein fataler Fehler.
7. Über Jahrzehnte hinweg hörten die Palästinenser von ihren Führern, dass eine Lösung des Konfliktes mit Israel nur erreicht werden könne, wenn alle Flüchtlinge zurückkehren könnten. Als ob das in einem kleinen, dicht bewohnten Staat möglich ist! Doch niemand innerhalb der palästinensischen Elite wagte es, diese bittere Wahrheit aussprechen. Jahrzehnte lang hörten die „Palästinenser“ nicht, die Lösung sei nur erreichbar mit einer Rückkehr aller Flüchtlinge – sondern nur mit der Auslöschung des „zionistischen Gebildes“!
Die „bittere Wahrheit“ nicht auszusprechen hat wohl weniger damit zu tun, dass es niemand wagte, sondern dass es vor allem keiner wollte. Das Thema war auch nicht mehr so exponiert auf der Tagesordnung, bis Arafat die Angebote Baraks in den Wind schlug. Damals brauchte er einen Grund um „Nein“ sagen zu können und holte das angebliche „Rückkehrrecht“ aus dem Hut. Es wird gezielt eingesetzt. Es wäre nicht so schwer gewesen, wie der Autor meint, über Jahrzehnte hinweg – oder auch nur über die letzten 10 Jahre hinweg – den Palästinensern klar zu machen, dass ein eigener Staat in der „Westbank“ und dem Gazastreifen ausreichen kann. Aber es wurde in Schulen, Medien, öffentlichen Reden immer nur gezielt das Gegenteil verkündet – trotz aller Friedensschwüre.
8. Viele Israelis gehen noch immer davon aus, dass sie die besetzten Gebiete behalten könnten. Und auch die Mehrheit der Palästinenser glaubt, ein plötzliches Verschwinden des jüdischen Staates sei noch möglich. Der fundamentalistische Islam macht ihnen bis heute weis, dass es keinen Frieden mit den Juden geben kann. Doch selbst der Prophet Mohammed erklärte sich bereit, mit seinen Feinden einen Waffenstillstand zu schließen – eine Tatsache, die viele Vertreter des „Heiligen Krieges“ nicht gerne hören. Es ist leider nicht nur der fundamentalistische Islam, sondern fast alle islamischen Kräfte. Und weshalb ein Waffenstillstand ausreichen soll, ist nicht so recht einzusehen. Waffenstillstand bedeutet, das vorläufig nicht geschossen wird – eine Vorbereitung der nächsten Runde. Der Krieg kann aber jederzeit wieder aufgenommen werden. (Na ja, einen Frieden kann man auch jederzeit wieder brechen.)
Im Übrigen hat der Autor offenbar keine Ahnung von der Art des Waffenstillstands, die der Prophet des Islam schloss. Es handelte sich nicht um wirklichen Frieden, sondern „Hudna“ – den vorläufigen Waffenstillstand, der nur deshalb vereinbart wurde, weil der Feind zu stark war; sobald aber der Herr Mohammed sich stark genug fühlte, brach er den Friedensvertrag ohne Vorwarnung und vernichtete seine Feinde. Da braucht es nicht der Vertreter des „Heiligen Krieges“, um festzustellen, dass ein Waffenstillstand den Israelis nicht genügen kann – ein einfacher Friedensschluss mit den Arabern übrigens auch nicht! Es sind viel mehr Garantien und tatkräftige Maßnahmen des Westens nötig, nicht die leeren Worte, die Israel bis 1967 immer zu hören bekam und denen niemand mehr folgte, als sich die arabischen Nachbarn daran machten, den Staat einmal mehr anzugreifen.
9. Wie viel Leid ist noch nötig, um zu Verhandlungen zu kommen? Eine Aussage darüber ist gegenwärtig nicht möglich. Denn das tägliche Leben geht trotz der Gewalt auf beiden Seiten seinen gewohnten Gang. Die Geschichte lehrt, dass beide Parteien nur in Erwartung eines totalen Zusammenbruchs die Gespräche wieder aufnehmen werden. Wie recht er hat! Darauf läuft es hinaus: Wer bricht zuerst zusammen? Das hört sich allerdings anders an als der Punkt 1.
10. Lässt sich eine Waffenruhe durch die USA oder Europa erzwingen? Bislang sind weder Amerikaner noch Europäer gewillt, sich wirklich zu engagieren. Dies nämlich würde bedeuten, 50.000 bis 80.000 Soldaten in die Region zu entsenden, verbunden mit einer Aufbau- und Entwicklungshilfe für den Gazastreifen in Milliardenhöhe. Bislang aber ist die vom Nahen Osten ausgehende Gefahr nicht so groß, dass Washington oder Brüssel ein solches Engagement wagen würden. Mit anderen Worten: Amerika wie Europa sind nicht dazu bereit, einzugreifen. Ohne diesen Willen wird eine Waffenruhe nicht einmal eine Woche halten.

 

Süddeutsche Zeitung: „Quartett des Erfolgs“

Kommentar zu einem Artikel aus der Süddeutschen Zeitung (heplev, 22. April 2002)

Originaltext Kommentar
Die Lehre aus den vergeblichen Friedensbemühungen im Nahen Osten heißt: Der Druck auf die Konfliktparteien muss so weit erhöht werden, bis die Schmerzgrenze beider überschritten ist

Von Martin Winter

Das ist ungefähr so, als würde man der UdSSR von 1941 sagen, es müsse so viel Druck ausgeübt werden, dass bei ihnen und Hitlerdeutschland die Schmerzgrenze überschritten ist.

 

 Mit dem Vorschlag an den Weltsicherheitsrat, eine Friedenstruppe nach Palästina zu schicken, hat Kofi Annan, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, den Abschied von den bisherigen Strategien für den Nahen Osten eingeläutet. Die handlungsleitende Idee, dass Israelis und Palästinensern nur Vermittlungsdienste geleistet, der Friedensschluss ihnen aber selber vorbehalten bleiben müsse, hat sich als Illusion erwiesen. Mit diesem Ansatz war selbst der mutige und beharrliche Moderator Bill Clinton gescheitert. Sein letzter Versuch, bei dem im Jahre 2000 der Frieden schon greifbar nahe schien, endete in der zweiten Intifada. Seitdem versinken Palästinenser und Israelis in einem Meer von Gewalt, aus dem sie sich selber nicht werden retten können. Die Aufgabe der internationalen Gemeinschaft heißt darum nicht mehr Moderation, sondern politische Intervention.

 

 

 

 Der Autor hat keine Lust, sich mit Verantwortung bei den Konfliktparteien auseinander zu setzen. Schreibt er beiden die gleiche „Schuld“ zu (wenn nicht sogar den Israelis mehr)?Die politische Intervention, die der Autor verlangt, kann keine Wirkung erzielen, weil sie das Problem nicht angehen. Und wenn eine Partei nicht ihre bösartigen und rassistischen Ziele aufgibt (nämlich die palästinensische), dann kann noch so viel politische Intervention stattfinden, es wird weiter Gewalt geben. Wenn die Selbstmord-Attentäter nicht gestoppt werden (wozu ihnen die Grundlage auch physisch entzogen werden muss), dann gibt es keine Möglichkeit, die Gewalt zu beenden.

Wenn schon der Clinton-Versuch an Arafat scheiterte, was soll denn dann noch Druck auf BEIDE Seiten?

Dabei geht es um das Wie. Das Was ist bekannt. Frieden gibt es im Nahen Osten nur, wenn Israel sich auf die Grenzen von 1967 zurückzieht und alle illegalen Siedlungen auflöst. Im Gegenzug müssen die Palästinenser alle Gewalt einstellen, Israel anerkennen und ihre Forderung nach einer Rückkehr der Flüchtlinge auf israelisches Staatsgebiet zur Verhandlung stellen. Und dies alles muss am Ende durch internationale Garantien und mit einer Anerkennung Israels durch die arabische Welt abgesichert werden. Aber dies steht am Ende. Jetzt muss erst ein trittsicherer Einstieg in eine politische Intervention gefunden werden.

 

 

Also: Erst muss Israel was tun, dann die Palästinenser. Womit Arafat wieder mal einen Schritt weiter kommt. Er bekommt, was er immer schon als Minimum haben wollte. Dann kann er das ganze abwürgen und seinen Stufenplan wieder angehen.

Es ist auch nett, dass von den Israelis Taten als Vorleistungen verlangt werden (die durch UN-Resolutionen so nicht vorgegeben sind!), von den Palästinensern aber nur die Bereitschaft, über etwas zu reden. Kompromisse werden vorher von ihnen noch nicht einmal erwartet!

Die Lehre aus den vergeblichen Friedensbemühungen heißt: Der Druck auf die Konfliktparteien muss so weit erhöht werden, bis die Schmerzgrenze beider überschritten ist. Die liegt, ähnlich wie in Nordirland, vermutlich da, wo die Gegner die kollektive Erkenntnis überkommt, dass sie sich in eine aussichtslose Lage gebracht haben. Nach außen isoliert und geächtet. Und nach innen sinnlos selbstzerstörerisch. Diesen Prozess der Erkenntnis zu beschleunigen, bedarf es einer Strategie, die auf drei Säulen ruht: zum einen Einigkeit. Die Idee des „Quartetts“ aus USA, EU, Russland und den UN ist der richtige Ansatz. Er funktioniert aber nur dann, wenn die ganz unterschiedlichen Gewichte der Beteiligten zu einem einzigen addiert werden und einen rissfreien politischen Willen signalisieren. Zum Zweiten Unparteilichkeit. Es muss jeder Versuchung widerstanden werden, sich auf eine der beiden Seiten zu schlagen. Das würde gefährliches Misstrauen produzieren. Umgekehrt muss Jerusalem und Ramallah jeder Weg verbaut werden, Keile in das Quartett treiben zu können. Zum Dritten internationale Garantien. Israel und Palästina müssen darauf bauen können, dass ihr Lohn für eine Beendigung der Kämpfe und für die Respektierung der jeweiligen Grenzen in der politischen, ökonomischen und militärischen Garantie ihrer staatlichen Existenz durch die mächtigsten Mitglieder der internationalen Gemeinschaft liegt. In Nordirland rüstet die IRA wieder auf; sie haben nur mal Pause gemacht. Warum sollte es im Nahen Osten anders sein? Dort wird ja von den Palästinensern noch nicht einmal BEHAUPTET, sie würden eine dauerhafte Lösung anerkennen!

Ich sehe – besonders in Europa – nirgendwo, dass BEIDE Seiten isoliert und geächtet werden. Während die EU über Sanktionen gegen Israel nachdenkt, schiebt sie Arafat wieder mal Millionenbeträge in den Hintern. Wo bleibt die Ächtung Arafats?

So weit die Theorie. In der Praxis fehlt noch eine wichtige Voraussetzung. Das Quartett existiert in Wahrheit noch gar nicht. Die USA, ohne die es keinen Frieden im Nahen Osten geben kann, die aber auch nicht stark genug sind, ihn allein herbeizuzwingen, befinden sich gerade auf einem Einsame-Wolf-Trip. Es kann noch einige Zeit verstreichen, bis Washington auf den Pfad der multilateralen Logik zurückkehrt. Die EU ist sich zwar im Prinzip einig, aber Frankreich, Großbritannien oder auch Deutschland schweben ständig in Gefahr, aus historischen Gründen auf verschiedenen Seiten Partei zu nehmen. Russlands Muskeln sind noch ein wenig schwach. Und die UN stehen im Ruf, im Nahen Osten mit unterschiedlichem Maß zu messen.

 

 

 

 

Hier kommt endlich mal eine annehmbare Analyse. Wie soll aber bei dieser Einseitigkeit – die europäische ist nur angedeutet und entspricht nicht dem, wie es tatsächlich aussieht – eine Unparteilichkeit möglich sein? Und wer definiert diese? Die Franzosen sehen sich nicht als parteiisch, die Dänen und Schweden ohnehin nicht. Belgien und Spanien sind auch offen gegen Israel. Aber behaupte jemand, sie seien parteiisch! Die starke Einseitigkeit der USA beruht wenigstens noch weitgehend auf geraden Ansichten zum Nahostkonflikt. Und die UNO? Der Ruf ist noch viel zu gut, die Handlungsweisen der UNO sprechen eine völlig andere Sprache.

Aber auch hier wieder die Blauäugigkeit, dass die Palästinenser/Araber das Spiel mitmachen.

Aber da es zum Quartett keine aussichtsreiche Alternative gibt, müssen sich die vier schnell quartettfähig machen. Jedes Zögern gibt nur Raum für weitere Gewalt und weiteres Blutvergießen. Es gibt eine Alternative: Lasst die Israelis gewinnen! Wenn die Palästinenser so am Boden sind, wie es Deutschland bzw. Japan 1945 waren, dann gibt es wirklich eine Chance.
Das „Quartett des Erfolgs“ ist ein Quartett der Einseitigkeiten, der Blauäugigkeit und der Blindheit. Die Europäer wollen Appeasement – was das bringt, haben sie selbst nach 1945 nicht gelernt. Die Amerikaner sind in der Gefahr, dieselbe Richtung einzuschlagen, damit ihre „Koalition gegen den Terror“ nicht auseinander fällt (als ob da noch jemand ernsthaft mitmacht!).Herr Winter, das ist leider großer Stuss, den Sie da von sich gegeben haben!

Im Vorfeld von Annapolis (2): Ist der Kaiser verrückt geworden?

Die USA (unter Außenministerin Rice) hatten für November ein Friedenskonferenz in Annapolis angesetzt, um den Nahost-Konflikt endlich zu lösen oder eine Lösung zumindest wieder in den Bereich des Möglichen zu bringen. Wie viel Sinn macht es, diese Konferenz zu führen? Kann sie ein positives Ergebnis bringen? Was sind die Motive der Veranstalter und Teilnehmer diese Konferenz abzuhalten? Wie realistisch ist die Erwartung, dass eine Lösung wenigstens ansatzweise auf den Weg gebracht wird? Was ist dazu nötig? Dazu hier der zweite von neun Texten, die vor der Konferenz eine Einschätzung gaben.

Michael Freund, 02. November 2007

Heute hat Ha’aretz eine große Schlagzeile in der Zeitung; es ist die Art von Schlagzeile, bei der man sich am Kopf kratzt und sich den Geisteszustand der Inhaber der Stühle der Macht in Frage stellt.

„Olmert will zu ‚Kernfragen’ innerhalb eines Jahres Übereinkunft erzielen“, schreibt die Zeitung; in ihrem Bericht führt sie an: „Premierminister Olmert hofft innerhalb eines Jahres eine Übereinkunft in allen Kernfragen des israelisch-palästinensischen Konflikts zu erzielen, sagte der Premier in Gesprächen mit Vertretern Israels und ausländischen Diplomaten während der letzten Tage.“

Hinter dem eher unschuldig klingenden Begriff „Kernfragen“ verstecken sich natürlich einige Themen wie die Zukunft Jerusalems und das Schicksal der palästinensischen Flüchtlinge. Wenn entschiedene Friedensprozessler wie Yossi Beilin, Shimon Peres und Ehud Barak in dem Jahrzehnt nach den Oslo-Vereinbarungen nicht in der Lage waren die „Kernfragen“ zu lösen, was lässt dann Olmert glauben, dass er das in gerade einmal 12 Monaten schaffen kann?

Darüber hinaus erstaunt, wie Herrn Olmerts Optimismus so radikal von der Wirklichkeit vor Ort getrennt sein kann. Selbst während er eifrig damit beschäftigt war diese Gespräche mit israelischen und Auslands-Vertretern zu führen, fuhren die Palästinenser ihre täglichen Raketenangriffe auf die Städte im Süden Israels hoch.

Und mit wem plant Olmert überhaupt einen Handel zu schmieden? Er verhandelt mit Mahmud Abbas, dessen Kontrolle über die Palästinenser nicht weit über den Schreibtisch seines Sekretärs hinaus geht. Selbst wenn Olmert die Dinge mit Abbas zu Ende bringen sollte, welchen Wert hätte ein solcher Handel überhaupt?

Manchmal scheint es wirklich, ehrlich so, dass der Kaiser verrückt geworden ist, wie manche Bürger Roms – da bin ich sicher – von Zeit zu Zeit vor sich hin murmelten. Das einzige Problem ist, dass er, während er ihn den Wahnsinn abgleitet, das Risiko eingeht die Zukunft Israels mit sich zu nehmen.

Im Vorfeld von Annapolis (1): Anormal in Annapolis

Die USA (unter Außenministerin Rice) hatten für November ein Friedenskonferenz in Annapolis angesetzt, um den Nahost-Konflikt endlich zu lösen oder eine Lösung zumindest wieder in den Bereich des Möglichen zu bringen. Wie viel Sinn macht es, diese Konferenz zu führen? Kann sie ein positives Ergebnis bringen? Was sind die Motive der Veranstalter und Teilnehmer diese Konferenz abzuhalten? Wie realistisch ist die Erwartung, dass eine Lösung wenigstens ansatzweise auf den Weg gebracht wird? Was ist dazu nötig? Dazu neun Texte, die vor der Konferenz eine Einschätzung gaben.

Scott Johnson, PowerLine blog, 20. November 2007

Letzten Juli kündigte Präsident Bush an, dass Außenministerin Rice den Vorsitz der regionalen Friedenskonferenz führen sollte, an der Repräsentanten von Nationen teilnehmen sollten, die eine Zweistaaten-Lösung, die Ablehnung von Gewalt, die Anerkennung des Existenzrechts Israels und die Verpflichtung aller auf alle vorherigen Vereinbarungen zwischen den Parteien unterstützen. Ich dachte, das würde ein Treffen mit extrem wenig Teilnehmern werden.

Wir wussten, dass die Konferenz in Annapolis stattfinden sollte. Jetzt ist endlich ein Termin festgelegt worden und das Außenministerium hat eine Ankündigung ausgegeben:

Am 27. November werden die Vereinigten Staaten Gastgeber für eine Konferenz an der US Naval Academy in Annapolis (Maryland) mit Premierminister Olmert, den PA-Präsidenten Abbas und die Mitglieder des Quartetts, der Mitglieder des Nachfolgekomitees der Arabischen Liga, die G-8, die ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates und weiterer international Handelnder mit Schlüsselfunktion sein.

Ministerin Rice wird am Vorabend hier in Washington ein Abendessen geben, bei dem Präsident Bush sprechen wird. Präsident Bush und die Führer Israels und der Palästinenser werden Reden halten, um die formale Konferenz in Annapolis zu eröffnen.

Und Ministerin Rice hat genug Einladungen verschickt, um das zu einem großen Fest zu machen:

Algerien
Arabische Liga, Generalsekretär
Bahrain
Brasilien
Kanada
China
Ägypten
EU-Kommission
EU-Präsidentschaft Portugal
Frankreich
Deutschland
Griechenland
Indien
Indonesien
Irak
Italien
Japan
Jordanien
Libanon
Malaysia
Mauretanien
Marokko
Norwegen
Oman
Pakistan
Polen
Qatar
Russland
Saudi-Arabien
Senegal
Slowenien
Südafrika
Spanien
Sudan
Schweden
Syrien
Sondergesandter Tony Blair vom Nahost-Qaurtett
Tunesien
Türkei
Vereinigte Arabische Emirate
Großbritannien
UNO-Generalsekretär
Jemen

Als Beobachter
Internationaler Währungsfont
Weltbank

Ich lag nicht falsch damit zu sagen, dass eine regionale Konferenz, die auf diejenigen beschränkt ist, die Gewalt ablehnen, Israels Existenzrecht anerkennen und sich allen bisher zwischen den Parteien getroffenen Vereinbarungen verpflichten, ein kleines Treffen wäre. Zwischen Juli und November passiert etwas. Syrien z.B. befindet sich noch immer im Kriegszustand mit Israel. Die palästinensische Autonomie selbst erkennt Israels Recht als jüdischer Staat zu existieren nicht an. Bret Stephens führt an:

Zu den stark strittigen Prinzipien gehört, ob Israel ein jüdischer Staat ist. „Wir werden nicht zustimmen Israel als jüdischen Staat anzuerkennen“, sagt der palästinensische Unterhändler Saeb Erekat und fügt hinzu: „Es gibt kein Land in der Welt, wo die religiöse und nationale Identität verflochten ist.“

Noah Pollak kommentiert das (und wundert sich):

Es erleichtert, wenn man sieht, dass Pakistan eingeladen worden ist – natürlich ist die pakistanische Regierung gerade ideal positioniert, um Palästina ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen. Wenn Al-Qaida Islamabad zwischen jetzt und der Konferenz erobert, wird Condi dann die Einladung zurückziehen? Und vielleicht wird Syrien versprechen im verbleibenden Kalenderjahr nur drei libanesische Politiker zu töten. Könnte man den Irak auffordern ein paar ihrer Vertragspartner zum Wiederaufbau von Schulen in Anbar umzuleiten, damit sie Schulen in Nablus bauen, so dass man dort eines Tages wieder Neunjährige darin unterrichten kann Selbstmord-Mord anzubeten? Werden die Sudanesen anbieten, dass Angehörige ihrer Janjawid-Trupps in der Westbank Seminare zur Terrorbekämpfung geben?

Lasst die Bearbeitung beginnen.

PAUL fügt hinzu: Scotts Eintrag hebt die Vergeblichkeit von „Annapolis“ heraus. Aber sein Unheil erstreckt sich weit über die verschwendete Zeit hinaus. Wie Bret Stephens aufzeigt, fürchten die Palästinenser wie die Israelis zu recht, dass ein Treffen, das keine Vereinbarung ergibt (was hier fast sicher der Fall sein wird), wird „das palästinensische Lager schwächen, die Hamas stärken und Gewalt verursachen“.

Nach dem Libanonkrieg 2006 – Kommentar (4): Hisbollahs Wiederbewaffnung hat begonnen

Am 12. Juli überfiel ein Kommando der Hisbollah aus dem Libanon heraus eine israelische Patrouille, tötete 8 Soldaten und entführte zwei. Zur Ablenkung beschoss die Hisbollah Israel massiv mit Katjuscha-Raketen. Israel reagierte mit einem Einmarsch in den Südlibanon. Die Kämpfe dauerten etwa einen Monat, dann ließ sich die israelische Regierung von der UNO, Westeuropa und den USA zu einem Waffenstillstand überreden. Es wurde versprochen, im Südlibanon eine Schutztruppe von 15.000 UNO-Soldaten zu stationieren, die dafür sorgen sollte, dass die Hisbollah entwaffnet wird und keine Bedrohung für Israel mehr darstellt. So viel zur Vorgeschichte.

Was nach dem Beginn des Waffenstillstands geschah und wie dieser sowie die Versprechen an Israel einzuschätzen sind, dazu folgen einige Kommentare. Ich habe auch den von Charles Krauthammer übersetzt, obwohl ich denke, dass er völlig falsch liegt. Ich stelle ihn an den Anfang, weil die übrigen Texte aufzeigen, dass die bei Krauthammer beschriebenen Voraussetzungen nicht erfüllt werden – im Gegenteil: Die Erfahrungen aus diesem Krieg führen sogar dazu, dass anderer Feind Israels seine strategischen Planungen ändert.

Hier der vierte von insgesamt 5 Kommentaren zur damals aktuellen Lage:

Daveed Gartenstein-Ross, counterterrorismblog, 31. August 2006

Bei der Zusammenfassung der Gewinner und Verlierer des Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah hat mein Kollege Bill Roggio das Folgende geschrieben, als er die Hisbollah zum Gewinner erklärte:

Während das israelische Militär der Hisbollah im Südlibanon allgemein eine taktische Niederlage beigebracht haben wird, eine erkleckliche Zahl von Hisbollah-Soldaten getötet hat, den Nachschub an weitreichenden Raketen herabgesetzt hat und in der Lage war am Ende des Feldzugs zum Litani vorzudringen, überlebte die militärische und politische Organisation Hisbollah, um später weiterzukämpfen. Der Nachschub an Raketen mittlerer und großer Reichweite durch die iranischen und syrischen Unterstützer wird sofort beginnen und die syrischen Nachschublinien ins Bekaa-Tal bleiben weit offen… Die Hisbollah wird jetzt alle Bemühungen ihrer Hilfsorganisationen darauf verwenden, die beschädigte Infrastruktur wieder aufzubauen und die hilfsbedürftigen Libanesen unterstützen. Die Kombination von militärischem Sieg zusammen mit der Möglichkeit für die Libanesen auf eine Art zu sorgen, die der Staat nicht bieten kann, wird ihre Stellung und Unterstützung nur verstärken.

Ich stimmte dieser Bewertung damals zu. Und trotz Hassan Nasrallahs Beteuerungen, dass er den Konflikt mit Israel bedauert, glaube ich, dass die Ereignisse Bills Einschätzung als richtig erweisen. Auch eine neue Stratfor-Analyse zur Wiederbewaffnung der Hisbollah deutet darauf hin.

Als erstes berichtet Stratfor, dass die Wiederbewaffnung der Hisbollah bereits begonnen hat – aber die Terrorgruppe benutzt Mulis statt Fahrzeuge, um die Waffen zu transportieren:

Mulis statt Fahrzeuge transportieren die kleinen Waffen, Munition und einige Panzerbekämpfungsmunition über die Berge des Antilibanon entlang der libanesisch-syrischen Grenze, durch das Bekaa-Tal und hinein in die westlichen Berge, insbesondere durch das griechisch-orthodoxe Bergdorf Bteggrine. Von hier können die Lieferungen mit Hilfe der syrischen Sozial-Nationalistischen Partei die Hisbollah in den südlichen Vororten von Beirut erreichen, von wo aus sie in den Süden verteilt werden können.

Es hat bis jetzt keine Berichte über Lieferungen von Artillerie-Raketen in den Libanon gegeben, was nach Stratfor andeutet, dass „Israel die großen Waffenlieferungen in den Libanon effektiv unterbindet“.

Darüber hinaus ist die Hisbollah in einer exzellenten Position Vorteile aus dem Wiederaufbau im Südlibanon zu ziehen:

Die Hisbollah ist in einer bemerkenswert guten Position, da Wiederaufbau-Gelder einströmen und die militante Gruppe praktisch den gesamten Südlibanon wieder aufbaut, womit sie de facto der Grundbesitzer wird und eine neue Quelle substanziellen Einkommens hat: Mieten. Dazu unternimmt die Hisbollah alles, um Provokationen Israels zu vermeiden sowie die innenpolitische Unterstützungsstrukturen wieder aufzubauen, während man sich gleichzeitig die nächste Konfrontation vorbereitet.

An diesem Punkt scheinen die Vorbereitungen der Terrorgruppe für den nächsten Konflikt so gut zu laufen, wie sie es nur erwarten konnte.

Im Irrenhaus UNO regiert der Wahnsinn

Die einzige Erklärung für die UNO-Resolutionen der letzten Novemberwoche ist eine psychiatrische

Barry Shaw, Israel National News, 29. November 2015

Es mag Ihrer Aufmerksamkeit entgangen sein, aber die Welt wurde in der letzten Novemberwoche komplett irre.

Im Gefolge der islamischen Gewalttaten in Paris, bei denen mehr als 130 Menschen getötet und mehr als 300 schwer verletzt wurden, nach dem Blutbad in einem Hotel in Mali, nach dem Abschuss russischer Passagier- und Kampfflugzeuge über dem Sinai und Syrien und dem nie enden wollenden Chaos im Nahen Osten mit seinen daraus folgenden mehr als einer Million Flüchtlingen, die verzweifelt versuchen Unterschlupf in einem Europa und Amerika zu finden, die ihre Türen schließen, fuhren die Vereinten Nationen mit ihrem blinden Hass auf Israel fort, indem sie weitere SECHS Resolutionen verabschiedeten, die den jüdischen Staat wegen aller möglichen angeblichen Vergehen verurteilten.

Kein anderes Land wurde abgestraft, einzig Israel.

Die Verdorbenheit ihrer antiisraelischen Entscheidungsfindung wurde in einer Resolution zusammengefasst, die „einmal mehr feststellt, dass die fortgesetzte Besatzung der syrischen Golanhöhen und ihrer de-facto-Annektierung einen Stolperstein auf dem Weg zur Erreichung eines gerechten, umfassenden und dauerhaften Friedens in der Region darstellen“.

Bei der UNO sind sie nicht nur blind fehlinformiert, sie sind nachweisbar geistesgestört.

Jemand muss an ihrer Tür klopfen und ihnen vom Islamischen Staat, der Jibhat al-Nusrah, dem Abschlachten von Christen, Muslimen, Jesiden und Kurden durch internationale Wichtigtuer erzählen, aber am meisten auch vom mörderischen Regime Assad.

Wenn es irgendwo an der syrischen Grenzen einen Ort gibt, an dem Frieden und Gerechtigkeit herrschen, dann ist es Israels Präsenz auf den Golanhöhen.

Als würde die Amoral dieser Resolutionen nicht reichen, stimmte nicht ein einziger europäischer Staat gegen die Friedensresolution Syrien-Golan. Nicht einer!

Während die Welt also den Bach runter geht, ist es nach Angaben der UNO so, dass Israel, weil es einen friedlichen Golan behält, das sie dorthin treibt und das liberaldemokratische Europa ist der Navigator.

Die Vereinten Nationen sind das Irrenhaus der internationalen Diplomatie geworden und seine Insassen beweisen immer und immer wieder, dass sie nachweisbar geistesgestört sind.