Im Krieg gegen den Terror ist Europa kein Freund Israels

Es gibt etwas, das fundamental falsch läuft: Während Israel seine Sachkenntnis nutzt, um europäische Bürger vor Terrorismus zu retten, unterstützt und finanziert Europa arabischen Terrorismus gegen israelische Bürger.

Judith Bergman, MiDA, 7. Februar 2018

Terrorbekämpfungs-know-how in Europa (Foto: Wiki Commons)

Israel ist berühmt für sein Sicherheits-Know how und Länder überall in der Welt streben danach daran teilzuhaben, in dem Wissen, dass es praktisch unerreicht ist.

Indien, viele Länder Afrikas sowie Europas gehören zu denen, die von Israels Sicherheits-Know how und Geheimdiensterkenntnissen profitieren. Ja, dieselben Europäer, die – mit den Worten der außenpolitischen Chefin der EU, Federica Mogherini – die größten Gesamtspender der PA sind, dem Terrorgebilde, das weiterhin zu Terrorismus aufstachelt, ihn organisiert und finanziell belohnt.

Vor kurzem offenbarte ein Bericht in der deutschen Wochenzeitung DER SPIEGEL, dass Israel teil einer geheimen Terrorbekämpfungskoalition ist, die Informationen zu ISIS-Terroristen sammelt, die aus Syrien nach Europa zurückkehren. Der Kampagne zur Sammlung von Informationen und Terrorbekämpfung sollen 21 Staaten angehören. Benjamin Netanyahu sagte ebenfalls vor kurzem, dass Israel geholfen hatte mehrere Dutzend großer Terroranschläge in Europa zu vereiteln, sogar Anschläge, die „zivile Luftfahrt“ einschlossen.

Wenn wir von ISIS reden, dann ist es wichtig zu begreifen, dass Israel Europa auf zwei grundlegende Weisen hilft“, sagte Netanyahu. „Die erste besteht darin, dass wir durch unsere Geheimdienste Informationen zur Verfügung gestellt haben, die mehrere Dutzend große Terroranschläge aufgehalten haben, viele davon in europäischen Ländern. Einige davon hätte Massenanschläge sein können, der schlimmsten Art, die Sie auf dem Boden Europas erlebt haben und noch schlimmer, denn sie involvieren die zivile Luftfahrt. Israel hat das verhindert und damit geholfen viele europäische Leben zu retten.“

Staaten sollten einander aushelfen, das steht außer Frage. Terrorismus ist ein internationales Problem und musst grenzübergreifend bekämpft werden. Dennoch stimmt an diesem Bild etwas nicht. Nehmen wir dieses Beispiel: Im November 2015 führte eine genaue Geheimdienstwarnung aus Israel dazu, dass die deutschen Behörden ein Fußballspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden absagten. Um dieselbe Zeit entfernten aber deutsche Warenhäuser israelischen Wein aus ihren Regalen, weil die Europäische Union ihre neue Richtlinie zur Kennzeichnung israelischer Waren aus Judäa und Samaria, den Golanhöhen und Ostjerusalem ausgab.

Es läuft etwas grundsätzlich falsch durch die Tatsache, dass Israel sein Expertenwissen nutzt um europäische Bürger vor Terrorismus zu schützen, während Europa seine Steuerzahlergelder nutzt, um Terrorismus gegen israelische Bürger zu unterstützen und zu ermöglichen.

Europa scheint nicht einmal den Anschein zu haben den Terrorismus der PA noch als etwas zu betrachten, das verurteilt werden muss. Bei ihren letzten Treffen mit Abbas agierte Federica Mogherini vor kurzem, als sei Abbas Prinz Charming und nicht Dr. Tod; sie erwähnte nie den Terrorismus, der seine eigentliche Natur ist, und versprach noch stärker an seiner Seite zu stehen, während der versucht Israel zu vernichten.

Wäre es da für Israel nicht vernünftig, wenn es sich fragt, ob es Führungspolitikern helfen soll, die denjenigen, die es vernichten wollen, mit materieller und finanzieller Unterstützung helfen und anstiften? Darüber hinaus: Wie stark sollte Israel EU-Staaten helfen, die in internationalen Gremien wie der UNO ständig gegen es stimmen?

Wo oist die Grenze zwischen vernünftiger Politik, strategischen Interessen und dem Verdacht einem Fußabtreter zu gleichen? Vielleicht sollten die, die Israels Hilfe suchen, aufgefordert werden sich auf stärker materielle Weise erkenntlich zu zeigen, als sie es derzeit tun. Nur so ein Gedanke.

Allgemein haben Weltführer, von denen mehrere Israel nicht nur boykottieren wollen, sondern auch es verzweifelt von der Erdoberfläche verschwinden sehen wollen, kein Problem damit ihre verwöhnten Körper von in Israel erstellter Sicherheitsausrüstung schützen zu lassen, zum Beispiel die Überwachungsausrüstung, die die Teilnehmer des Pariser Klimagipfels 2015 schützte.

Gleichermaßen beliefert Israel die Welt mit erstaunlicher Technologie und Arzneimitteln, was dafür sorgt, dass Judenhasser überall in der Welt ihren Hass, solange es dauert ihr Leben zu retten, aussetzen.

Selbst Führer der PA und der Hamas suchen medizinische Hilfe in Israel, was die folgenden Fragen aufwirft: Kann ein Boykott wirklich selektiv sein? Sollte er nicht alles umfassen?

Leben zu retten ist eine heilige Pflicht und eine, die Israel sehr ernst nimmt. Es ist ehrenvoll und richtig, dass Israel geholfen hat europäisches Leben vor Terrorismus zu retten.

Aber ist es nicht an der Zeit, dass Europa sich wenigstens dadurch erkenntlich zeigt, dass es nicht für die Morde an israelischen Juden zahlt?

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Tod Amerika

Daniel Pipes, New York Post, 8. September 2002

(Vorbemerkung heplev: Persönlich denke ich, dass Amerikas Krieg gegen den Terror nicht schon 1979 begann; angesichts der Versäumnisse, die Daniel Pipes hier und in anderen Artikeln aufzeigt, begann 1979 der Krieg des militanten Islam gegen Amerika, aber noch nicht umgekehrt. Dieser findet erst seit dem Herbst 2001 statt.)

Amerikas Krieg gegen den Terrorismus begann nicht im September 2001. Er begann im November 1979.

Das war kurz nachdem Ayatollah Khomeini die Macht im Iran mit dem Slogan „Tod Amerika“ übernommen hatte – und prompt begannen bald darauf die Anschläge auf Amerikaner. Im November 1979 besetzte ein militant-islamischer Mob die US-Botschaft in Teheran und nahm 52 Amerikaner 444 Tage lang als Geiseln.

Das Rettungsteam, das die Geiseln im April 1980 befreien sollte, hatte acht Tote; das machte sie zu den ersten von vielen amerikanischen Opfern des militanten Islam. Andere folgten, darunter:

April 1983: 17 Tote in der US-Botschaft in Beirut.

Oktober 1983: 241 Tote in der Kaserne der US-Marines in Beirut.

Dezember 1983: 5 Tote in der US-Botschaft in Kuwait.

Januar 1984: Der Präsident der Amerikanischen Universität von Beirut wird getötet.

April 1984: 18 Tote in der Nähe einer US-Luftwaffenbasis in Spanien.

September 1984: 16 Tote in der US-Botschaft in Beirut (einmal mehr).

Juni 1985: Ein Toter bei einer Flugzeugentführung nach Beirut.

Nach einer Pause begannen die Angriffe erneut: 5 und 19 Tote in Saudi Arabien 1995 und 1996; 224 Tote bei den US-Botschaften in Kenia und Tansania im August 1998 und 17 Tote auf der USS Cole im Jemen im Oktober 2000.

Gleichzeitig fand der mörderische Angriff des militanten Islam auch auf amerikanischem Boden statt:

Juli 1980: ein iranischer Dissident in der Umgebung von Washington D.C. getötet.

August 1983: ein Führer der islamischen Ahmadiyya-Sekte in Canton, Michigan getötet.

August 1984: drei Inder in einem Vorort von Tacoma, Washington getötet.

September 1986: ein Arzt getötet in Augusta, Georgia.

Januar 1990: ein ägyptischer Freidenker getötet in Tucson, Arizona.

November 1990: ein jüdischer Führer in New York getötet.

Februar 1991: ein ägyptischer Islamist in New York getötet.

Januar 1993: zwei CIA-Mitarbeiter vor dem Hauptquartier in Langley, Virginia getötet.

Februar 1993: 6 Menschen im World Trade Center getötet.

März 1994: ein jüdisch-orthodoxer Junge auf der Brooklyn-Bridge getötet.

Februar 1997: ein dänischer Tourist im Empire State Building getötet.

Oktober 1999: 217 Passagiere der Egypt Air vor New York getötet.

Vor dem September 2001 verloren alles in Allem 800 Menschen durch Angriffe des militanten Islam auf Amerikaner ihr Leben – mehr als von jedem anderen Feind seit dem Vietnamkrieg getötet wurden. (Außerdem schließt diese Liste nicht die Dutzende Amerikaner in Israel mit ein, die von militant-islamischen Terroristen getötet wurden.)

Und trotzdem wurden diese Morde kaum wahr genommen. Erst mit den Ereignissen vor einem Jahr begriffen die Amerikaner endlich, dass „Tod Amerika“ wirklich ein Schlachtruf des gefährlichsten Feindes aus dieser Gegend ist – des militanten Islam.

Im Nachhinein betrachtet fing der Fehler an, als Iraner die US-Botschaft in Teheran angriffen und keinen Widerstand erlebten. Es ist interessant, dass ein Marine-Feldwebel, der sich an diesem schicksalsträchtigen Tag im November 1979 in der Botschaft befand, dieser Wertung zustimmt. Als der militant-islamische Mob die Botschaft stürmte, folgte Rodney V. Sickmann seinen Befehlen und schützte weder sich noch die Botschaft. Das Ergebnis war, dass er zur Geisel wurde und heute seine Geschichte erzählen kann. (Er arbeitet jetzt für Anheuser-Busch.)

In der Rückschau betrachtet, sieht er seine Passivität heute als Fehler an. Die Marines hätten ihren Dienst tun sollen, auch wenn es ihr Leben gekostet hätte. „Hätten wir das Feuer auf sie eröffnet, hätten wir vielleicht nur eine Stunde durchgehalten.“ Aber hätten sie das getan, dann „hätten sie die Geschichte verändert“.

Sich zu verteidigen hätte ein starkes Signal ausgesandt, dass die USA nicht straflos angegriffen werden können. Die Kapitulation der Botschaft sandte statt dessen das gegenteilige Signal – dass die Amerikaner Freiwild sind. „Wenn man zurück blickt, dann fing es 1979 an und eskalierte seitdem“, schlussfolgert Sickmann völlig zu Recht.

Dem kann der größte geostrategische Denker des Landes, Robert Strausz-Hupé nur seine Zustimmung geben. Kurz bevor er dieses Jahr im Alter von 98 Jahren starb, schrieb Strausz-Hupé seine letzten Worte und zwar über den Krieg gegen den Terrorismus: „Ich habe lange genug gelebt um das Gute mehrfach über das Böse gewinnen zu sehen, wenn auch zu einem Preis, der höher war als nötig. Diesmal haben wir bereits den Preis für den Sieg bezahlt. Es ist an uns, ihn zu gewinnen.“

Gegen wen kämpfen wir? Eine kurze Geschichte des militanten Islam

Jonathan Schanzer, Middle East Forum, Frühjahr 2002

Es ist ein „Krieg gegen den Terror“, sagt Präsident George W. Bush. Manchmal wird uns sogar gesagt, es sei ein Krieg gegen „das Böse“. Aber ungeachtet der Namengebung unternimmt die Bush-Administration große Anstrengungen zu betonen, dass dies auf keinen Fall ein Krieg gegen den Islam ist. Ist er das nicht?

Die kurze Antwort ist: Nein. Wir bekämpfen nicht den Islam, denn so etwas wie den einen Islam gibt es nicht. Ein einziger Islam kann nicht aus den vielen Abzweigungen, Seitenlinien und Sekten heraus geholt werden, die die 1,3 Millionen Muslime dieser Welt ideologisch, religiös und politisch aufspalten wie die anderen beiden monotheistischen Glauben, das Christentum und das Judentum.

Trotzdem waren alle 19 Flugzeugentführer des 11. September Muslime. Jeder einzelne auf der FBI-Liste der 22 meist gesuchten Terroristen ist Muslim. Fast alle Gruppen und Individuen, die in Präsident Bushs Anordnung zur Blockierung terroristischer Finanzquellen aufgelistet werden, sind auch muslimisch. Wie kann das also kein Krieg gegen den Islam sein?

Korrektur: gegen den militanten Islam

Der „Krieg gegen den Terror“ sollte eigentlich „Krieg gegen den militanten Islam“ genannt werden. Die Terroristen des 11. September, Osama bin Laden, Al Qaida und die Taliban halten alle an einer Ideologie fest, die wir als militanten Islam kennen gelernt haben – ein Minderheitszweig des Glaubens, der bitteren Hasse gegen westliche Ideen aussondert, zu denen auch Kapitalismus, Individualismus und Konsumgeist gehören. Er lehnt den Westen ab und das, je mehr er zu bieten hat (bis auf die Ausnahme von Waffen, Medikamenten und anderen brauchbaren Technologien) und sucht stattdessen die Einsetzung einer strikten Interpretation des Koran (des heiligen Buchs des Islam) und der Scharia (dem islamischen Gesetz). Amerika, wie radikale Muslime es sehen, ist das Haupthindernis beim Aufbau einer islamischen Weltordnung.

Entsprechend richtet der militante Islam sein Gift gegen Amerika und den Westen. Der oberste Führer der Taliban, Mullah Muhammad Omar, sagte nach dem 11. September, dass „der Plan (Amerika zu zerstören) voran geht und, wenn Allah es will, durchgeführt wird; es sei aber eine riesige Aufgabe, die über den Willen und das Verständnis menschlicher Wesen hinaus ginge. Wenn Allahs Hilfe mit uns ist, dann wird das innerhalb kurzer Zeit passieren.“

Scheik Ikarama Sabri, ein palästinensischer Mufti (islamische religiöse Autorität) sagte in einer Radio-Predigt, die 1997 ausgestrahlt wurde: „Oh Allah, zerstöre Amerika, seine Agenten und seine Verbündeten! Wirf sie in ihre eigenen Fallen und mache das Weiße Haus schwarz!“

„Das amerikanische Regime ist der Feind der (iranischen) islamischen Regierung und unserer Revolution“, sagte Irans religiöser Führer Ali Khamenei 1988. „Es ist der Feind eurer Revolution, eures Islam und eures Widerstands gegen amerikanisches Muskelspiel.“

Also sichern radikale Muslime ihre Worte mit Taten ab. Sie haben eine Geschichte der Gewalt gegen amerikanische, westliche und sogar muslimische Interessen. Aber die Bewegung kam nicht spontan auf. Sie hat 14 Jahrhunderte gebraucht sich zu entwickeln.

Von Eroberern zu Eroberten

Die Geschichte beginnt mit der Geburt des Islam im Jahr 610, als der Prophet Mohammed seine göttliche Mission empfing und Allahs Anweisungen für eine neue Religion akzeptierte, die den Glauben an einen einzigen Gott befahl. Die nächsten 22 Jahre diente Mohammed als Vermittler der Botschaft Allahs und sein muslimisches Reich wuchs so weit, dass es fast die gesamte arabische Halbinsel umfasste. Nach dem Tod des Propheten dehnte sich das muslimische Reich bis ins 17. Jahrhundert weiter aus, als die Muslime fraglos die größte Militärmacht der Welt waren; sie hatten ausgedehnte Gebiete erobert und Millionen im Nahen Osten und Südeuropa konvertiert. Der Islam hatte auch unvergleichliche Fortschritte in Architektur, Kunst, Gesetzgebung, Mathematik und den Wissenschaften gemacht.

Mit der Ausnahme der Kämpfe gegen die christlichen Kreuzfahrer hatten die meisten Muslime wenig mit dem Westen zu schaffen. Tatsächlich betrachtete die ottomanische Türkei, die dominante islamische Macht des 16. Jahrhunderts, den Westen mit dem, was der Islam-Experte Bernard Lewis in seinem Buch „Der Islam und der Westen“ eine „amüsierte Geringschätzung“ wegen ihrer unterlegenen Kultur und Religion nennt.

Im 17. Jahrhundert aber, als der Westen militärische Überlegenheit erreichte, schreibt Lewis, dass der Ton sich zu „alarmierter Abneigung“ verschob. 1967 hatten die Russen den Türken ihre erste schwere Niederlage beigebracht, was auf einen neuen und schwierigen Weg des Islam in die Zukunft deutete. Anstatt zu erobern, wurden die Muslime erobert.

Das Reich trennte sich bald auf. 1798 führte Napoleon Bonaparte seine Expedition nach Ägypten. 1830 übernahmen die Franzosen Algerien. Neun Jahre später verleibten die Engländer sich Aden (im heutigen Jemen) ein. 1881 besetzten die Franzosen Tunesien und 1882 festigten die Engländer ihren Zugriff auf Ägypten. 1911 eroberten die Russen Teile Persiens. Im gleichen Jahr verkündete Italien die Annexion von Tripolis, was später zur Schaffung des modernen Staates Libyen führte. 1912 dehnten die Franzosen ihren Einfluss auf Marokko aus. Am Ende des Ersten Weltkriegs hatte das ottomanische Reich den Nahen Osten verloren, als Frankreich und England das muslimische Reich als Kriegsbeute aufteilten. Die muslimische Welt konnte wenig mehr tun als hilflos zuzusehen.

Aber das schmerzlichste westliche Eindringen in die islamische Welt war unzweifelhaft die Einrichtung des Staates Israel im Jahr 1948. Zur Verwirrung der muslimischen Welt verlor die vereinigte Front der arabischen Armeen einen bitteren Krieg gegen das neu geformte Land von nur 600.000 Juden.

Während der Westen keine längerfristigen imperialistischen Vorstellungen zum Nahen Osten mehr haben mag, ist sein Einfluss allgegenwärtig. Das schließt Fortschritte in praktischen und physischen Wissenschaften ein, moderne Waffen und militärische Reformen, Massenkommunikation, Gesetz und politische Reform und ganz zu schweigen von seinem Anteil an McDonalds goldenen Bögen. Westliche Konzeptionen und Institutionen, wenn sie in die muslimische Welt versetzt werden, wirken oft destabilisierend. Sie bedrohen den Status quo und sind oftmals zu radikal anders, um in eine tief verwurzelte, traditionelle und gemeinhin statische muslimische Kultur hineinzupassen. Kurz gesagt: Die islamische Welt dürfte für einige dieser Veränderungen nicht bereit gewesen sein.

Der Aufstieg der Radikalen

Während viele Muslime sich an die schnellschrittigen Veränderungen anpassten, die in der westlichen Industrialisierung und Modernisierung üblich waren, einige Muslime lehnten sie ab. Statt dessen schufen sie eine rigide Ideologie, die in den traditionellen Werten und Gesetzen des Koran eingebettet war. Das ist das Phänomen, das heute als islamischer Fundamentalismus oder Islamismus bekannt ist.

Islamismus wurde im Lauf der Zeit als Kampf zur Rückkehr zu den ruhmreichen Tagen, als der Islam vorherrschend regierte, angesehen. Er repräsentiert eine Sehnsucht nach dem „puren“ Islam, wie er vom Propheten praktiziert wurde. Den amerikanischen Amish People nicht unähnlich, lehnt die Bewegung vieles ab, das innovativ ist. Islamisten aber führen die Ablehnung der Moderne einen Schritt weiter. Sie sehen diejenigen, die diese Innovationen einführten (den Westen), als ihren Feind an.

Der westliche Einfluss war aber unaufhaltbar. Konsequenterweise, schreibt der Experte für islamischen Fundamentalismus, Emmanuel Sivan, in seinem Buch „Radikaler Islam“ entwickelte sich unter religiösen Muslimen ein Gefühl von „Untergang und Schwermut“. Einige sahen nach Lewis diese Welt als „das Gefängnis der Gläubigen und das Paradies der Ungläubigen“ an. Für sie erklärte dies, warum islamische Werte dem Säkularismus des Westens unterliegen. Andere argumentieren, dass Allah den Muslimen böse war, weil sie vom richtigen Weg abwichen und sie deshalb wegen ihres Ungehorsams bestrafte.

Im Laufe der Zeit bekam die islamische Vision eine feste Form. Nicht nur der Einfluss des Westens wurde abgelehnt, auch die Legitimität der eigenen Regierungen in der arabischen Welt, die man als dem Westen untertan ansah. Auf diese Weise wurde der Sturz dieser Regime ein wichtiger Teil dem islamistischen Programm.

Das Entstehen einer Bewegung

Der größte Schub für dieses Programm kam 1928 mit der Gründung der Ikhwan al-Muslimun oder Moslembruderschaft in Ägypten. Diese Organisation wurde der Grundstein für die meisten der islamistischen Bewegungen, die für islamische Glaubensgrundsätze und Werte eintreten, wie sie vom gewöhnlichen Ägypter ausgedrückt werden. Die von Hassan al-Banna (1906-1949) gegründete Organisation lehnte westliche Herrschaft und Englands säkularen Einfluss in Ägypten ab. Ohne religiöse Regierung, glaubte al-Banna, würde die muslimische Welt eine „Gesellschaft kultureller Bastarde und spiritueller Halbblute“ werden.

„Politik ist Teil der Religion“, schrieb er. „Caesar und was Caesar gebührt ist für Gott, den Allmächtigen allein. Der Islam befahl die Einheit des Lebens; dem Islam die christliche Trennung von Kirche und Staat aufzudrücken, bedeutet ihm lebenswichtige Bedeutung und seine pure Existenz zu verweigern.“

Ägyptens Moslembruderschaft entwickelte schnell bewaffnete Zellen, die die Regierung und ihre Unterstützer angriffen. Dass die Bewegung verboten wurde, überrascht daher nicht. Das hielt die Gruppe aber nicht davon ab ihre Aktivitäten fortzusetzen. In einem Versuch, die Bewegung zu unterdrücken, wurde al-Banna 1949 in Kairo hingerichtet.

Al-Bannas Tod behinderte aber das Wachstum der Bewegung nicht. Die Moslembruderschaft fand in den 50-er und 60-er Jahren weitere Inspiration bei Sayyid Qutb (1906-1966), einem radikalen Ausleger, der koranische Rechtfertigungen für Angriffe auf säkulare arabische Spitzenpolitiker lieferte, die sich selbst Gläubige nannten, ihre Regierungen aber nicht entsprechend der Scharia oder den islamischen Gesetzen führten. In seinem berühmten Buch „Meilensteine“ propagierte er den Jihad oder heiligen Krieg als Mittel, die Fesseln der repressiven säkularen Regime abzuschütteln.

„Diese Bewegung … macht sich materielle Macht zunutze und beruft sich auf den Jihad um die Ordnung der Jahili (Ignoranten) und ihrer unterstützenden Beamtenschaft zu beseitigen, denn sie stören und verhindern die Bemühungen den Glauben und die Ideen der Menschheit als Ganzes zu reformieren und zwingt sie mittels seiner Reichtümer und abweichlerischen Methoden ihnen zu gehorchen und lässt sie sich vor den menschlichen Herren beugen statt vor dem allmächtigen Gott… Der genaue Zweck dieser Bewegung ist die Freisetzung der Menschen von dem Joch der menschlichen Versklavung und sie dazu zu bewegen, dem einen und einzigen Gott zu dienen.“

Qutb wurde vom ägyptischen Regime 1966 wegen der Propagierung islamischen Radikalismus und politischer Gewalt hingerichtet. Trotzdem überlebte die Bewegung. In der Tat hat sich die Moslembruderschaft seitdem global ausgebreitet. Die Organisation hat heute hunderte Zweige in über 70 Ländern weltweit.

Der militante Islam gewann nach den vernichtenden arabischen Verlusten der Araber im Sechs-Tage-Krieg vom Juni 1967 an Schwung. Aber die Muslime erlitten noch weitere Niederlage durch die Juden, ein Volk, das Muslime als religiös minderwertig ansehen. Schlimmer war die Tatsache, dass Jerusalem, die drittheiligste Stätte des Islam, erobert worden war. Auf der Suche nach Antworten wandten sich nahöstliche Muslime zunehmend ihren islamischen Wurzeln zu.

1969 übernahm Oberst Muammar Gaddafi Libyen die Macht durch einen Militärputsch. Gaddafi, merkt der Historiker Raphael Israeli an, begann bald „den Trend zu einer Vorherrschaft des Islam in der Gestaltung der Innenpolitischen und internationalen Politik der islamischen Staaten“ zu betonen. Mit dem riesigen Ölreichtum hinter sich finanzierte Gaddafi verschiedene Terroroperationen gegen das, was er als den imperialistischen Westen ansah. Gaddafi bleibt bis heute einer der größten Geldgeber des Terrors des militanten Islam.

Schließlich, ein Jahrzehnt später, passierte, was viele Historiker „das Erdbeben“ nennen. 1979 wurde der Iran die erste moderne islamische Republik, als Ayatollah Khomeini das säkulare Regime des Schah stürzte und eine neue Ordnung errichtete, in der die Scharia das Gesetz wurde. Plötzlich war der Islamismus nicht länger eine Ideologie der Bewegungen. Er hatte einen Staat angeregt.

Ein 23-jähriger Krieg

Amerikas erste Einführung in den militanten Islam kam kurz nachdem Khomeinis Islamische Republik 1979 gegründet wurde, als islamische Extremisten die US-Botschaft in der iranischen Hauptstadt Teheran besetzten. 444 Tage lang hielten die Militanten 52 Amerikaner als Geiseln. Nach einem misslungenen Rettungsversuch mit Hubschraubern stimmte Amerika der Abgabe von 8 Milliarden US-Dollar iranischer Werte zu, um die Geiseln frei zu bekommen. Die Geiseln wurden heraus gegeben und Amerika atmete erleichtert durch. Die meisten Menschen hatten das Gefühl, der Albtraum sei vorbei. In Wirklichkeit war das nur der Anfang.

Wir lernten bald, dass der Iran den radikalen Islam erfolgreich in andere Teile der islamischen Welt „exportierte“. Das einfachste Ziel von allen war der Libanon, ein kleiner, vom Krieg zerrissener Staat, der durch Jahre interner Konflikte ausgeblutet war.

Als amerikanische Soldaten zu einer Friedensmission im Libanon ankamen, schlug der militante Islam wieder zu. 1983 gab es zwei tödliche Anschläge auf Amerikaner. Der erste war eine Bombe an der amerikanischen Botschaft in Beirut. Sechs Monate später fand ein Selbstmordanschlag auf die Kaserne der US Marines am 23. Oktober mit 241 Toten.

Der Selbstmordanschlag war Amerikas erste Begegnung mit dieser Art Terror. Mit der Zeit erfuhr man, dass der Anschlag durch die von Iran gestützte Guerilla-Bewegung namens Hisbollah (Partei Gottes) gebilligt wurde. Der geistliche Führer der Gruppe, Mohammed Hussein Fadlallah, behauptete in einer hitzigen Rede, dass „die unterdrückten Nationen nicht die Technologie und zerstörerischen Waffen Amerikas und Europas haben. Sie müssen daher mit ihren eigenen, besonderen Methoden arbeiten.“ Diese besonderen Methoden waren offensichtlich zu viel für Amerika. Die US-Streitkräfte verließen den Libanon einige Monate später.

Von einem zwiespältigen Amerika ermutigt, folgte schnell weitere islamistische Gewaltakte. Zuerst wurde die amerikanische Botschaft in Beirut am 20. September 1984 erneut bombardiert. Dann folterten und ermordeten entführten islamische Terroristen im Dezember 1984 in einem in Teheran entführten Flugzeug zwei Amerikaner. Das passierte neben der Entführung von mehr als einem Dutzend Amerikaner in Beirut zwischen März 1984 und Januar 1985. Schließlich entführten im Juni 1985 islamische Militante noch ein weiteres Flugzeug mit mehr als 100 Amerikanern an Bord und töteten einen davon.

Der militante Islam tauchte am 21. Dezember 1988 wieder auf, als Pan Am Flug 103 über Lockerbie in Schottland explodierte, wobei alle 259 Menschen an Bord, wie auch 11 Einwohner am Boden ums Leben kamen, die vom Flugzeugrumpf auf dem Boden getroffen wurden. Der Flug war auf dem Weg von Frankfurt über London nach New York.

Die Bewegung fand 1989 weiteren Antrieb aus dem Aufruhr über Salman Rushdie und sein umstrittenes Buch „Die satanischen Verse“. Bei der Betrachtung des folgenden Absatzes sollte es nicht überraschen, dass das Buch weltweit Muslime vor den Kopf stieß:

„Unter den Palmen der Oase Gibreel erschien der Prophet und sprudelte Regeln, Regeln, Regeln hervor, bis die Gläubigen kaum noch die Aussicht auf mehr Offenbarungen ertragen konnten, sagte Salman, Regeln über jedes verdammte Einzelheit: Wenn ein Mann furzt, dann lass ihn sein Gesicht in den Wind richten; eine Regel darüber, welche Hand zum Reinigen des Gesäßes benutzt werden soll. Es war, als sollte kein einziger Aspekt der menschlichen Existenz ungeregelt, frei bleiben sollte. Die Offenbarung, die Rezitation sagte den Gläubigen, wie viel sie essen sollten, wie tief sie schlafen sollten und welche Sexstellungen göttliche Erlaubnis erhalten hatten, so dass sie erfuhren, dass Sodomie und die Missionarsstellung durch die Erzengel abgesegnet waren, während die verbotenen Positionen all jene einschlossen, in der die Frau sich oben befand.“

Statt lediglich zu erklären, dass das Buch anstößig war oder es aus den muslimischen Buchläden zu verbannen, verurteilte Ayatollah Ruhollah Khomeini Rushdie wegen Blasphemie zum Tode:

„Im Namen Gottes, des Allmächtigen. Wir gehören zu Gott und zu ihm werden wir zurückkehren. I möchte alle unerschrockenen Muslime in der Welt davon informieren, dass der Autor des Buches Satanische Verse …und die Verleger, die seinen Inhalt kannten, zum Tode verurteilt sind. Ich rufe alle eifrigen Muslime auf, sie schnell hinzurichten, wo immer sie sie finden, damit niemand es wagt die islamischen Heiligkeiten zu verunglimpfen. Wer immer dabei getötet wird, wird als Märtyrer gelten, so Gott will. Zusätzlich sollte jeder, der Zugang zu dem Autor des Buches hat und nicht die Kraft besitzt ihn hinzurichten, ihn den Menschen zeigen, damit er für seine Taten bestraft werden kann. Möge Gottes Segen mit euch sein. Ruhollah Musavi al-Khomeini“

Khomeinis Fatwa – oder Urteil – löste eine beispiellose Welle internationaler islamistischer Gewalt aus. Im folgenden Jahr wurden Buchhändler erstochen, Zeitungen mit Brandsätzen beworfen und Demonstrationen endeten regelmäßig in Blutbädern.

Der Kampf kommt nach Hause

Im Laufe der Zeit flaute die Rushdie-Affäre ab, aber der Krieg ging weiter. Am 23. Februar 1993 explodierte eine große Bombe im New Yorker World Trade Center, tötete sechs und verwundete 1.000. Geführt von Scheik Omar Abdel Rahman, dem „Blinden Scheik von New York“, wurde das Komplott der al-Gama’a al-Islamiyya zugeschrieben, einer radikalen ägyptischen Gruppe, von der gedacht wurde, dass sie sich auf dieses Land beschränkte. Die amerikanische Regierung machte hervorragende Arbeit und brachte die Schuldigen hinter Gitter, überließ aber die wirkliche und schmutzige Antiterrorarbeit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak, der die Schlacht gegen die aufständische Gruppe bis heute führt.

Aber vielleicht erschreckender als der erste Anschlag auf das World Trade Center selbst war die Erkenntnis, dass die Schuldigen seit Jahren in Amerika gelebt haben. Noch schlimmer, ihr Vorhaben sind lagen vor den Anschlägen deutlich gemacht worden. Früher im selben Jahr beschuldigte Rahman Amerika als den ersten Feind des Islam. „Wir müssen Terroristen sein“, sagte er, „und wir müssen die Feinde des Islam terrorisieren und sie das Fürchten lehren und sie beunruhigen die Erde unter ihren Füßen erschüttern.“ Als der Fall vor Gericht gebracht wurde, erfuhr man, dass die Bomber gehofft hatten das World Trade Center einstürzen zu lassen – ein Ziel, zu dessen Erreichung weitere acht Jahre gebraucht wurde.

Am 3. Oktober 1993 erlitt Amerika eine weitere Niederlage gegen den militanten Islam, diesmal in Somalia. Wie im neuen Film „Blackhawk Down“ dargestellt, wurden zwei Blackhawk-Hubschrauber der amerikanischen Armee in einer verpfuschten Aktion zur Gefangennahme eines radikal-muslimischen Warlords abgeschossen, ein dritter musste notlanden. Das Ergebnis war, dass 18 Amerikaner starben und 78 verletzt wurden.

1995 nahm ein Selbstmord-Autofahrer ein militärisches Trainingslager in Riyadh (Saudi Arabien) ins Visier und tötete fünf amerikanische Ausbilder. Ein Jahr später explodierte eine Lastwagen-Bombe, die einen Häuserkomplex zerstörte, der von amerikanischem Luftwaffenpersonal in Dahran in Saudi Arabien. Bei diesem Anschlag wurden 19 Amerikaner getötet und 240 verletzt. Die USA antworteten mit Sanktionen gegen das islamistische Regime im Sudan, wo ein Terrorist namens Osama bin Laden als Gast lebte.

Inzwischen machte 1995 eine vorher unbekannte Gruppe, die Taliban genannt wurden, Schlagzeilen, als sie mehr als die Hälfte Afghanistans nach Jahren blutiger, interner Konflikte eroberte. Während brutale Gewalt alltäglich wurden und Menschenrechte praktisch nicht existent waren, begann die Gruppe berüchtigt zu werden, als sie dem flüchtigen bin Laden 1997 Asyl gewährte. Im sicheren Hafen Afghanistan begann bin Ladens Al Qaida-Organisation mit zunehmender Wirkung zu agieren.

Al Qaida formiert sich

Trotz der ganzen medialen Aufregung ist Al Qaida (wörtlich: „Die Basis“) nur ein Dachverband, der die Operationen der islamischen Militanten weltweit fördert und leitet. Al Qaida ist eine Art Internet für Terroristen, durch das Informationen, Mittel und Menschen miteinander verbunden und durch ein Verteilzentrum geschleust werden. Mit anderen Worten: Osama bin Laden kann unmittelbar oder mittelbar für die Anschläge am 11. September, auf die USS Cole und die beiden Botschaften in Ostafrika verantwortlich sein. Wie auch immer, bin Ladens Organisation kann seit ihrer Entstehung 1988 mit der Planung dieser Operationen, wie auch anderer Komplotte in der ganzen Welt in Verbindung gebracht werden.

Al Qaidas Wurzeln liegen im von der CIA finanzierten afghanischen Krieg gegen die Sowjets (1980-1989). Während dieser Zeit kamen mit Hilfe der US-Waffen und -Finanzen radikale Muslime aus aller Welt nach Afghanistan um die sowjetische Besatzung zu bekämpfen. Darunter befand sich bin Landen, Sohn eines saudischen Millionärs. Allen Berichten zufolge gewann er die Herzen seiner Mit-Mujaheddin (Jihad-Kämpfer), indem er nicht nur heldenhaft kämpfte, sondern auch eine Rekrutierungsbüro für den afghanischen Jihad finanzierte.

Genauer gesagt: bin Laden und ein palästinensischer Militanter namens Abdallah Azzam eröffneten „Maktab al-Khidamat“ – das Streitkräfte-Büro. Berichten zufolge zahlte bin Laden, um die neuen Rekruten nach Afghanistan zu bringen und baute Trainingscamps für sie. Weiterhin importierte „der Prinz“, wie er gerufen wird, Experten, die die neuen Mujaheddin in Guerilla-Taktik und Terrorkrieg ausbildeten. Im Laufe der Jahre trainierten Tausende in diesen Camps.

Als 1988 der Krieg dem Ende zu ging, begann bin Laden ein offizielles Netzwerk aus diesen muslimischen Extremisten zu schmieden. Er nannte dieses Netzwerk Al Qaida. Obwohl diese Jihad-Kämpfer in ihre Heimatländer in der ganzen Welt zurückkehrten hat bin Laden seit jetzt vierzehn Jahren dieses Netzwerk mit Hilfe des Internets, Mobiltelefonen, Faxgeräten und anderen Hightech-Mitteln am Leben erhalten,.

Die Ziele der Al Qaida sind dreigeteilt. Erstens will die Organisation die, wie sie es sieht, korrupten und ketzerischen Regierungen der heutigen muslimischen Staaten stürzen, besonders in bin Ladens Heimatland Saudi Arabien. Bin Laden betrachtet das saudische Regime als amerikanische Lakaien, besonders seit die königliche Familie den US-Soldaten erlaubt hat, nach dem Golfkrieg von 1991 im Land zu bleiben. Entsprechend sieht Al Qaida die USA als den Hauptfeind des Islam and und will ihn zerstören.

Schließlich versucht Al Qaida, die Bemühungen der Jihad-Gruppen in der ganzen Welt zu unterstützen. Das schließt Algerien, Tschetschenien, Eritrea und Somalia mit ein, beschränkt sich aber nicht auf diese allein. Afghanistan und der Sudan, zwei Regime, die strikte islamistische Gesetze übernahmen, wurden auch stark von Al Qaida beeinflusst.

Bin Laden taucht auf

Zuerst wurde bin Ladens Name nur lose mit verschiedenen Terrorakten in Verbindung gebracht. Nach dem US-Außenministerium war sein Netzwerk in die Anschläge auf ein Hotel im Jemen im Dezember 1992 verwickelt, bei dem mehrere Touristen verwundet wurden, der aber wahrscheinlich auf amerikanische Soldaten zielte. Sein Name kam auch in Verbindung mit dem ersten Bombenanschlag auf das World Trade Center und die Anschläge 1993 gegen amerikanische Soldaten in Somalia. Von bin Ladens Netzwerk wurde zusätzlich gesagt, dass es den Terroristen half, die 1995 versuchten, den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak zu ermorden und auch denen, die für die Anschläge auf amerikanisches Ausbildungspersonal in Riyadh im November 1995. Er wurde auch in Verbindung mit dem Bombenanschlag gebracht, der rund 30 Menschen in Dahran in Saudi Arabien im Juni 1996 tötete.

Aber erst am 23. Februar 1998 begannen wird das wahre Gesicht von Osama bin Laden und seines terroristischen Netzwerks zu sehen, als die Organisation gegründet wurde, die er „Die islamische Weltfront für den Kampf gegen die Juden und Kreuzzügler“ nannte.

In einer Erklärung der Islamischen Weltfront rief die Gruppe die „muslimische Ulema, Führer, Jugend und Völker“ auf, die „Amerikaner und ihre Verbündeten Zivilisten und Militärs zu töten. Dies stimmt mit den Worten des allmächtigen Gottes überein.“

Mit der Schaffung des Dachverbandes wurde offensichtlich, dass Al Qaida eine größere Reichweite hatte als bis dahin angenommen. Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehörten Führer der radikalen ägyptischen Gruppen „al-Gama’a al-Islamiyya“ und „al-Jihad“, wie auch die pakistanische „Jamiat-ul-Ulema-e-Pakistani“ und die Jihad-Bewegung in Bangladesch.

Trotz all dieser Verbindungen und dem frisch entdeckten Terrornetzwerk konnte US-Bundesanwältin Mary Jo White Al Qaida nur indirekt mit der Ausbildung der Stammeskrieger in Verbindung bringen, die US-Soldaten in Somalia angriffen. Das änderte sich im August 1998, als der Al Qaida-Agent Sadiq Odeh in Pakistan verhaftet wurde. Beim Verhör durch das FBI lieferte Odeh Details über bin Ladens internationales Netzwerk, wie auch über seine Rolle in den Bombenanschlägen auf die Botschaften. Seitdem haben andere Verdächtigte gleich wichtige Informationen geliefert.

Im Juni 1999 wurde bin Laden auf die FBI-Liste der meistgesuchten Personen gesetzt. Einen Monat später belegte US-Präsident Bill Clinton die Taliban mit Sanktionen, weil sie ihn beherbergten. Trotz dieses Drucks fuhr bin Laden fort, Al Qaida mit zunehmender Effektivität aus den Höhlen Afghanistans zu leiten. Der US-Geheimdienst gelangte sogar in den Besitz einer Ausgabe des sechsbändigen Terrorismus-Handbuchs, das von bin Laden benutzt wurde um seine Rekruten für Al Qaida auszubilden.

Der US-Geheimdienst verhinderte seitdem viele Al Qaida-Komplotte, einschließlich eines auf die Milleniums-Feiern im Dezember 1999. Konnten unzählige Anschläge noch verhindert werden, beweisen die Anschläge auf die USS Cole und die auf das Pentagon und das World Trade Center vom 11. September, dass Al Qaida-Komplotte gegen amerikanische Interessen dem Radar immer noch entgehen können.

Mit der Zerschlagung des Taliban-Regimes und Osama bin Laden auf der Flucht musste sich Al Qaida neu strukturieren. Wenn bin Laden gefangen wird, wird Al Qaida einen weiteren schweren Schlag erleiden. Da sie aber nur ein Förder-Netzwerk für den militanten Islam ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Al Qaida lange überlebensfähig bleibt, mit größter Wahrscheinlichkeit gesichert. So ist die Aussicht auf einen langen und sich hin ziehenden Krieg gegen den militanten Islam so gut wie garantiert.

Eine kleine Perspektive

Angesichts dessen, dass der militante Islam Amerika 22 Jahre lang peinigt und dass bin Laden Amerika seit 14 Jahren terrorisiert, hätten die Anschläge vom 11. September nicht überraschen dürfen. Ein Trend wurde festgestellt. So war die größte Schock dieser Tragödie vielleicht die totale Überraschung der Nation. Psychologisch war Amerika auf diese Angriffe völlig unvorbereitet. Warum?

Der frühere CIA-Direktor James Woolsey hat eine Erklärung. In einem Referat vor dem Middle East Forum in New York am 7. März 2001 verglich er die 80-er und die 90-er Jahre in Amerika mit einem anderen Zeitabschnitt der US-Geschichte, den wilden 20-ern. In den 20-er Jahren war Amerika nach dem Nachklingen seines jüngsten Sieges im Ersten Weltkrieg euphorisch. Ein Gefühl der Unbesiegbarkeit fegte durch Amerika, das die Nation dazu verleitete, den Aufstieg Hitlers in Deutschland völlig zu übersehen. Als Europa dem Krieg entgegen sank, stand Amerika untätig und in einem Stadium der Verleugnung auf der anderen Seite des Atlantik. Schließlich war Amerika durch einen Überraschungsangriff auf Pearl Harbor geschockt, wütend und drängte widerwillig in den Krieg.

Das heutige Amerika ist nicht viel anders. Dank des exponentialen wirtschaftlichen Wachstums, eines beispiellosen Technologie-Booms und seines Status als einziger Supermacht der Welt wuchs Amerika in den 80-ern und 90-ern sprunghaft an und wurde verständlicherweise einigermaßen selbstgefällig. Unsere Regierung weigerte sich die ganze Zeit, dem neuen Feind ins Gesicht zu sehen. Der militante Islam hatte schon drei Länder des Nahen Ostens erobert: den Iran, den Sudan und Afghanistan. Die ganze Zeit kämpften mehr als ein Dutzend anderer Regime um die nackte Existenz gegen militante islamische Bewegungen, die Tag für Tag stärker wurden. Es war ein furchtbarer Tag wie der 11. September nötig, damit die Amerikaner begriffen, dass das Problem nicht länger ignoriert werden konnte.

Tatsächlich steckt unsere ständige Abneigung, auf frühere Anschläge zu antworten, hinter den Geschehnissen des 11. September. Bedenken Sie bin Ladens eigene Worte: „Wir haben im vergangenen Jahrzehnt die Niedergang der amerikanischen Regierung und die Schwäche des amerikanischen Soldaten gesehen. Er ist bereit, kalte Kriege zu führen, aber unvorbereitet heiße Kriege zu führen… Wir sind auf alle Fälle vorbereitet, wir vertrauen auf Gott.“

Was bin Laden damals, 1998, sagte: Amerika schreckte ihn nicht ab. Drei Jahre später fühlte er sich genug ermutigt, um Amerika anzugreifen, denn wir hatten bis dahin fast jede Auseinandersetzung gescheut. Amerika mochte zwar die stärkste Militärmacht der Welt haben, aber es hatte eine Geschichte der Kraftlosigkeit gegenüber dem militanten Islam. Ohne US-Vergeltungsmaßnahmen, ohne Abschreckung fand der militante Islam das Zutrauen, wieder zuzuschlagen.

Amerika schlägt zurück

Mit Beginn der Operation Enduring Freedom kämpft Amerika jetzt darum, diese Abschreckung wieder aufzubauen. Amerika nahm die Taliban in Afghanistan praktisch auseinander und wägt sorgfältig seine Optionen für das nächste Ziel ab. Das nächste Ziel ist allerdings nicht so einfach auszusuchen.

Zum einen ist das Ziel nicht einfach auszumachen. Von Marokko in Nordwestafrika bis Malaysia in Südostasien wächst der militante Islam heimlich weiter. Anhänger des militanten Islam machen nach Daniel Pipes, einem Experten hierzu, etwa 15-20 Prozent der muslimischen Welt aus Das bedeutet, dass mehr als 150 Millionen Menschen Teil des Problems sind. Was alles schlimmer macht: Sie verstecken sich unter den Moderaten. Sie tragen keine Uniform und weisen sich selten als Militante aus.

Zum Glück können wir einige ihrer Einflusszentren feststellen. Amerika hat dem entsprechend den Druck auf Länder wie Saudi Arabien und den Jemen erhöht, wo radikale Muslime seit Jahrzehnten frei agieren konnten. Um in der Grund der aufgewachten (und verärgerten) USA zu verbleiben, haben diese Staaten – wie auch andere – an der Koordination mit dem amerikanischen Geheimdienst gearbeitet, sind gegen Militante vorgegangen und amerikanischen Operationen vorgebeugt. Man könnte dies auch Operation Enduring Freedom, „Phase 1.5“ nennen. Nur die Zeit wird zeigen, ob diese Länder selbst effektiv gegen den Terror kämpfen können.

Ausblick

Amerika steht harten Entscheidungen gegenüber. In diesem neuen und lange überfälligen Krieg gegen die Kräfte des Terrors ist der vor ihm liegende Weg erschreckend. Der militante Islam hat Stützpunkte in Algerien, Ägypten, Somalia, Syrien, Saudi Arabien, dem Sudan, den Palästinensergebieten, dem Libanon, Jordanien, Jemen, Malaysia, den Philippinen, Indonesien, Nigeria und Pakistan, um nur einige wenige Länder zu nennen. Die Herausforderung wird nun sein, Wege zu finden, die Radikalen-Infrastruktur zu zerstören und die Militanten zu verhaften oder zu töten, während gleichzeitig der Einfluss der moderaten Muslime befördert wird. Wie das erreicht werden soll, ist unklar.

Zu ihren Gunsten muss gesagt werden, dass die Bush-Administration bisher alle richtigen Schritte unternommen hat. Im Moment scheint der radikale Islam sich auf dem Rückzug zu befinden. Aber die Schlacht ist noch nicht gewonnen. Die Wurzeln des militanten Islam liegen tief und es könnte Jahre dauern, sie auszumerzen. Entsprechend muss dieses Land [HE: die USA] sich auf zukünftige Konfrontationen vorbereiten. Noch wichtiger: Die Amerikaner müssen verstehen, dass dies kein Krieg gegen den Terrorismus (allgemein) ist. Terrorismus ist in Wirklichkeit nur eine Taktik. Der Kampf richtete sich gegen eine radikale, utopische Ideologie und diejenigen, die Gewalt in ihrem Namen ausführen.

Den Feind beim Namen nennen

Daniel Pipes, New York Post, 17. August 2004

In einem erstaunlichen Eingeständnis sagte George W. Bush neulich: „Wir haben dem Krieg gegen den Terror eigentlich einen falschen Namen gegeben. Er sollte Kampf gegen ideologische Extremisten genannt werden, die nicht an freie Gesellschaften glauben und zufällig Terror als Waffe benutzen, um das Bewusstsein der freien Welt zu erschüttern.“

Dieses wichtige Eingeständnis folgt wachsender Kritik an dem fehl leitenden Begriff „Krieg gegen den Terror“ (wie kann man eine Taktik bekämpfen?) und ersetzt ihn durch den genaueren des „Kriegs gegen ideologische Extremisten“. Mit dieser Veränderung kann die Schlacht der Ideen beginnen.

Wer genau sind aber diese ideologischen Extremisten? Präsident Bush muss sie im nächsten Schritt beim Namen nennen.

Tatsache ist, dass er sich seit dem 11. September gelegentlich offen zu ihrer Identität geäußert hat. Bereits im September 2001 beschrieb er den Feind als „eine Randerscheinung des islamischen Extremismus“, der versucht „Christen und Juden zu töten, alle Amerikaner zu töten und der keinen Unterschied zwischen Soldaten und Zivilisten, einschließlich Frauen und Kindern macht“. Dieser islamische Extremismus ist auch Erbe „all der mörderischen Ideologien des zwanzigsten Jahrhunderts“, einschließlich „Faschismus, Nationalsozialismus und Totalitarismus.“

Im Januar 2002 wurde Präsident Bush noch genauer und fügte an, dass die terroristische Unterweltgruppen wie Hamas, Hisbollah, den Islamischen Jihad und Jaish-i-Mohammed“ einschließt. Im Mai 2002 stellte er heraus, dass eine „neue totalitäre Bedrohung“ existiert, deren Anhänger „durch ihren Hass definiert sind: sie hassen … Juden und Christen und alle Muslime, die nicht ihrer Meinung sind“ (voraus gesetzt sie sind Muslime). Diese Anhänger, sagte er, fühlen sich ermächtigt „im Namen einer falschen religiösen Reinheit“ zu töten.

Ein Jahr später, im Mai 2003, lieferte der Präsident Details zu den Zielen der Islamisten; er stellte fest, dass „neunzehn üble Männer – Stoßtrupp einer Hass erfüllten Ideologie – Amerika und der zivilisierten Welt eine Ahnung von ihren Zielen vermittelten. Sie stellten sich vor – wie es Ramzi Binaldschib ausdrückte, der Al-Qaida-Führer, dem vorgeworfen wird die Operation am 11.9. geleitet zu haben – dass der 11. September der ‚Anfang vom Ende Amerikas‘ sein würde.“

Die Terrorakte der letzten zwei Jahrzehnte, führte Bush im April 2004 an, sind das Werk fanatischer, politischer Ideologen, die „im Mittleren Osten und darüber hinaus die Tyrannei haben wollen. Sie wollen Frauen unterdrücken und verfolgen. Sie wollen den Tod von Juden und Christen und jedem Muslim, der Frieden dem theokratischen Terror vorzieht.“

Letzten Monat benutzte Bush zum ersten Mal den Begriff „islamische Militante“, vielleicht die bisher deutlichste Bezugnahme auf die islamistische Bedrohung; da sagte er, dass die Benevolcence International Foundation, eine so genannte islamische Wohlfahrtsorganisation aus Illinois, habe bis zu ihrer Schließung „Geld an islamische Militante weiter geleitet“.

Wenn man diese Kommentare in ein einzelnes Statement zusammenfasst, zeigt sich, wie Präsident Bush – und damit die gesamte US-Regierung – den Feind sehen: Eine falsche Doktrin islamischer Reinheit inspiriert eine totalitäre Ideologie der Macht und Dominierung. So erbarmungslos und mörderisch sie ihre Ziele verfolgt, erinnert sie an die Ideologien der Nazis und der Kommunisten. Die Extremisten, die diese Doktrin vertreten, betrachten Amerika als Haupthindernis für das Erreichen ihrer Ziele. Um Amerika zu besiegen, streben sie erst einmal Washingtons Rückzug aus der Außenwelt an. Letztendlich hoffen sie, dass sie den Zusammenbruch Amerikas herbeiführen, wie es ist. Um das zu erreichen sind sie bereit, jede beliebige Zahl an Amerikanern umzubringen.

Das ist eine gute Beschreibung des Islamismus, seiner Mentalität, Vorgehensweise und dazu benutzten Mittel. Sie zeigt auch, dass Präsident Bush die feine Unterscheidung zwischen persönlichem islamischem Glauben und der politischen Ideologie des Islamismus (oder militanten Islam) zieht.

Damit geht er mit dem konform, was eine Reihe muslimischer Führer sagten, darunter sogar einige Saudis. Nach Terroranschlägen in Riyadh im Mai 2003 schrieb Innenminister Prinzi Naif öffentlich diese Gewalt „Ideologie“ und „fanatischen Ideen“ zu. Und wenn Naif – selbst ein Islamist – das Problem letztlich nicht den Gewaltakten zuschreibt, sondern den hinter diesen stehenden Ideen, dann brauchen Amerikaner sich sicher nicht zurückhaltender zu äußern.

Präsident Bush hat bereits darauf angespielt, dass die Vereinigten Staaten sich der Konfrontation mit der dritten totalitären Ideologie stellen müssen. Jetzt muss er diese Ideologie beim Namen nennen. Ich hoffe, er wird sich mit einer Gruppe hervorragender antiislamistischer Muslime aus dem In- und Ausland umgeben und formell verkünden, dass Amerika die Führung im Krieg gegen den Islamismus annimmt.

Nur mit solcher Bestimmtheit kann die zivilisierte Welt anfangen den Weg zum Sieg über diese jüngste Manifestation der Barbarei zu gehen.

Wer ist der Feind?

Daniel Pipes, Commentary, Januar 2002

Gegen wen oder was führen die Vereinigten Staaten Krieg? Die Antwort auf diese Frage hat weit reichende Auswirkungen auf Strategie, Diplomatie und Außen- wie Innenpolitik. Man könnte meinen, die Antwort liege auf der Hand; das tut sie aber nicht.

Wann immer Präsident George W. Bush in den ersten Wochen nach dem 11. September von Feinden sprach, bestand er darauf, dass sie keine Afghanen, noch etwa Muslime waren, sondern Leute, die er „Übeltäter“ oder „die Bösen“ nannte. Diese sonderbare, seltsam klingende Wortwahl scheint ausdrücklich gewählt worden zu sein, um weder Personen noch Gruppierungen auf die Füße zu treten. Sie erlaubte Bush auch, eine Reihe von Ereignissen zusammen in einen Topf zu werfen, bevor man wusste, wer für welches verantwortlich war. Als mysteriöse Anthrax-Briefe aufzutauchen begannen, machte er wieder diese gesichtslosen „Übeltäter“ dafür verantwortlich, „weiterhin Amerika und die Amerikaner schädigen zu wollen“.

Was sind die Ziele dieser Übeltäter? Auch hier gab Busch mit Bedacht Floskeln von sich. Es waren „von Hass motivierte“ Leute oder etwas genauer „Leute, die kein Land“ hatten; bei anderer Gelegenheit „Leute, die versuchen können, ein Land zu übernehmen, Parasiten, die sich in einem Gastland einzunisten versuchen“. In Bezug auf die geplante Antwort der USA war der Präsident einmal mehr sehr vorsichtig und sprach meistens davon, „die Übeltäter zu jagen und vor Gericht zu bringen“.

Nicht einmal nach dem Beginn des Krieges Anfang Oktober bemühte sich Bush um präzisere Aussagen, sondern neigte eher dazu, die Feindseligkeiten als „gemeinsamen Versuch, das Böse auszumerzen, wo wir es finden“ zu bezeichnen. Einzige Neuerung war die Einführung des Konzepts des „Kriegs gegen den Terrorismus“, manchmal auch als „Krieg gegen Terrorismus und das Böse“ bezeichnet. Das machte aber noch weniger Sinn. Terrorismus ist eine militärische Taktik, die von unterschiedlichen Gruppen und Individuen auf der ganzen Welt zur Erreichung verschiedener Ziele eingesetzt wird. Von einem „Krieg gegen den Terrorismus“ zu sprechen ist in etwa so, als spräche man von einem Krieg gegen Massenvernichtungswaffen. Man muss wissen, wer diese Waffen besitzt oder einsetzt und mit welcher Zielsetzung.

Was sind die Ziele des Krieges? Diese waren ähnlich unklar (und sind es noch). Als Bush am 7. Oktober den Beginn der militärischen Aktionen verkündete, definierte er das Ziel als „die Zerschlagung … und den Sieg über das globale Terrornetzwerk“, eine sprachliche Neuschöpfung, die auch wieder Fragen aufwirft: Was ist z.B. das weltweite Terrornetzwerk? Welche Organisationen, außer Al Qaida, gehören dazu? Schließt das militant-islamische Gruppen wie Hisbollah und Hamas ein? Nicht muslimische Gruppen wie die Irisch-Republikanische Armee und die Tamil Tigers? Staaten wie den Irak?

Verteidigungsminister Donald H. Rumsfeld schien – nicht als einziger – durch das verschwommen formulierte, hoch gesteckte Ziel besorgt zu sein. Zu einem frühen Zeitpunkt tat er die „Idee, den Terrorismus von der Erdoberfläche verbannen“ zu wollen, als unrealistisch ab. Er schlug allerdings ein nicht weniger fassbares Ziel vor: Die Amerikaner seien ein Freiheit liebendes Volk, sagte er, daher müsse der Sieg so definiert sein, dass ein Umfeld geschaffen würde, in dem sie „tatsächlich diese Freiheiten vollenden und leben können“ und in dem andere davon abgehalten werden würden, „unseren Lebensstil nachteilig zu beeinflussen“. Das war zwar – besonders der letzte Teil – bewundernswert, aber kaum ein Ziel, das man einem General mit den Worten „Machen Sie das!“ als Auftrag überträgt.

Die Eröffnung des „Kriegs gegen den Terrorismus“ hat auch nichts dazu beigetragen, diesen Mangel an Klarheit auszuräumen. Anfangs war das erklärte Ziel in Afghanistan nicht, das Taliban-Regime zu beseitigen, sondern es nur dazu zu bringen Osama bin Laden und seine Kollegen auszuliefern. Erst, als die Taliban sich weigerten, ging die volle Wucht des amerikanischen Militärs auf sie nieder. Die gleiche Geschichte könnet sich in Bezug auf den Irak wiederholen. Ende November forderte der Präsident Saddam Hussein auf, die Wiederaufnahme der Waffeninspektionen zu erlauben oder die Konsequenzen zu tragen. Als er auf einer Pressekonferenz gefragt wurde, was diese Konsequenzen sein könnten, antwortete Bush rätselhaft: „Das wird er heraus finden.“

Wenigstens ein gut informierter Beobachter verstand darunter, dass Bush selbst nicht wusste, was er als nächstes tun würde.* In der Tat konnte man Anfang Dezember schien es sicher, dass über die Kämpfe in Afghanistan hinaus die Regierung noch keine Entscheidung über das zukünftige Vorgehen getroffen hatte.

All dies mag verständlich erscheinen. Konzeptionell ist der Konflikt, den die USA ausfechten, Neuland. Er wird gegen Schatten geführt; z.B. hat niemand bisher die volle Verantwortung für die Gräueltaten vom 11. September übernommen. Und dies hat so konventionelle Kriegsziele wie das Besiegen einer Armee oder die Eroberung von Land bedeutungslos gemacht. Außerdem wurden die völlig unvorbereiteten USA am 11. September überrascht. Egal, wie oft sie von Terrorschlägen getroffen worden waren – und es hat viele solche Fälle gegeben -, die Amerikaner rechneten niemals damit, sich in der Lage wieder zu finden, einen regelrechten Krieg gegen diesen Feind zu beginnen.

Darüber hinaus können Worthülsen in Kriegszeiten nützlich sein, besonders wenn man sozusagen im Nebel stochert. Als sie am 11. September das Krisenmanagement begann, scheute die Regierung instinktiv vor genauen Aussagen zurück, um sich nicht selbst die Hände zu binden. „Übeltäter“ und „Terrorismus“ ins Visier zu nehmen, außer Osama bin Laden keine Namen zu nennen, bietet größtmögliche Flexibilität. Indem man niemandem auf die Füße trat, konnte Washington einfacher um mögliche Partner für die von ihnen geführte „Koalition gegen den Terror“ umwerben. Gleichzeitig könnte die Administration zumindest theoretisch neue Ziele je nach Bedarf hinzu fügen oder streichen: Ein Partner von heute – z.B. Syrien – könnte der Übeltäter von morgen sein.

Mangelnde Klarheit kostet aber auch. Wenn Politiker ihren Militärs ungenaue oder widersprüchliche Zielsetzungen auftragen, schrieb Carl von Clausewitz in „Vom Kriege“ (1832), werden deren Anstrengungen so gut wie sicher vor große Probleme gestellt. Die Kriegsgeschichte bestätigt durch alle Zeitalter hindurch diese eiserne Regel, wie auch die Amerikaner in den letzten Jahrzehnten zur Genüge feststellen konnten (von Eisenhower, der Europa nicht schnell genug durchquerte, um das sowjetische Vordringen im Zweiten Weltkrieg abzuwehren, bis zu Norman Schwarzkopf, der Saddam Husseins Republikanische Garde in der Operation Desert Storm nicht eliminierte). Auch sind Generäle nicht die einzigen, die wissen müssen, gegen wen sie kämpfen und wofür sie kämpfen; auch andere in der Regierung, befreundete und feindliche Staaten müssen das wissen und natürlich das amerikanische Volk.

Wer also ist der Feind? Die Botschaft des 11. September war laut und deutlich und erlaubt keinerlei Doppeldeutigkeit: Der Feind ist der militante Islam. Kein Wunder daher, dass die Regierung zögerte, darüber zu sprechen, bevor sie wusste, wer genau dafür verantwortlich war. Zusätzlich zu den aufgezählten Überlegungen, gab es einen Vorfall in der jüngsten Geschichte, der das verhindert.

Als sich im Februar 1995 die erschreckende Gewalt zwischen bewaffneten und brutalen Islamisten-Gruppen und der repressiven Regierung in Algerien auf ihrem Höhepunkt befand, erklärte NATO-Generalsekretär Willy Claes, dass seit dem Ende des Kalten Krieges sich „islamische Militanz als vielleicht die größte Einzelbedrohung der NATO-Allianz und der westlichen Sicherheit erhoben hat“. Tatsächlich, sagte Claes, stelle der militante Islam nicht die gleiche Bedrohung des Westens dar, wie vor ihm der Kommunismus; sondern die Bedrohung sei noch größer, da der militante Islam Elemente des „Terrorismus, religiösen Fanatismus und die Ausbeutung sozialer und wirtschaftlicher Ungerechtigkeit einschließt“.

Claes hatte vollkommen Recht. Aber seine Aussagen stießen in der gesamten muslimischen Welt auf empörte Ablehnung, so dass er schnell einen Rückzieher machen musste und sie zurück nahm. „Religiöser Fundamentalismus“, so seine lahme Erklärung, „ob islamisch oder eine andere Variante, bereite der NATO keine Sorgen.“

In den Nachwirkungen des 11. September könnte es etwas einfacher sein zu sagen, was Claes damals nicht zu sagen erlaubt war; aber nur unwesentlich, und nicht für jeden in einer hochrangigen Position. Sicher ist, dass niemand Claes‘ peinlichen Rückzieher wiederholen möchte. Und doch, auch wenn es noch so unangenehm ist, dies zu sagen, gibt es keine Möglichkeit, dieser Tatsache aus dem Weg zu gehen.

Mindestens seit 1979, als Ayatollah Khomeini die Macht im Iran mit dem Kriegsruf „Tod den Amerikanern“ übernahm, ist der auch als Islamismus bekannte militante Islam der selbst ernannte Feind der USA. Inzwischen ist er der größte Feind. Ob es nun die Terror-Organisationen und einzelnen Terroristen sind, die Washington ins Visier nimmt, die Immigranten, die es befragt oder die Staaten, die es verdächtigt, alle sind sie Islamisten oder haben mit solchen Verbindung. Washington mach das zwar nicht sagen, aber seine Taten sprechen Bände.

Den militanten Islam als den bedrohlichsten langfristigen Feind der USA zu bezeichnen, bedeutet nicht, das Vorhandensein anderer Feinde zu bestreiten. Den Vereinigten Staaten mangelt es nicht an nicht-islamistischen Feinden: kommunistische Tyrannen in Nordkorea und Kuba, säkulare arabische Diktatoren in Irak, Syrien und Libyen, dazu weniger gewichtige Feinde in der ganzen Welt. Aber diesen Gegnern, sogar einschließlich Saddam Hussein, fehlen mehrere Eigenschaften, die den militanten Islam so bedrohlich machen: seinen ideologischen Eifer, seine Ausbreitung, sein Ehrgeiz und sein Durchhaltevermögen. Obwohl die potentielle Gefolgschaft des militanten Islam sich auf Muslime beschränkt, machen diese doch insgesamt rund ein Sechstel der menschlichen Rasse aus, die eine hohe Geburtenrate aufweist und in praktisch jedem Winkel der Welt zu finden ist.

Zu einem Zeitpunkt, in dem die aus Europa stammendenden Extreme der kommunistischen Linken und faschistischen Rechten ermüdet und insgesamt kraftlos sind, hat der militante Islam sich als die einzig wirklich bedeutende totalitäre Bewegung der heutigen Welt erwiesen. Einer seiner Führer nach dem anderen hat deutlich gemacht, dass der Islamismus sich als der einzige Rivale und der unvermeidliche Nachfolger der westlichen Zivilisation betrachtet. Obwohl eine Reihe von (falsch gepolten) westlichen Beobachtern ihn als im Aussterben begriffen betrachten**, wird er wahrscheinlich eine Kraft sein, mit der man noch für Jahre, wenn nicht Jahrzehnte zu kämpfen haben wird.

Lassen Sie mich versuchen, die „Kundschaft“ des militanten etwas genauer zu beschreiben. Sie kann in drei Hauptelemente unterteilt werden.

Den harten Kern bilden Typen wie Osama bin Laden gehören, die neunzehn Flugzeugentführer, al-Qaida, die Führer des Taliban-Regimes in Afghanistan und der Rest des Netzwerks gewalttätiger Gruppen, die von der militant-islamischen Ideologie beseelt sind. Diese Gruppen sind zum großen Teil in den 1970-er Jahren entstanden. und seitdem ein immer wichtigerer Faktor in der muslimischen Welt geworden. Zu diesem Netzwerk, das von manchen Moslem-Kritikern als „Islamintern“ bezeichnet wird, beinhalten schiitische und sunnitische Elemente, die an Reiche und Arme gleichermaßen ansprechen und in so weit auseinander gelegenen Gebieten wie Afghanistan, Algerien und Argentinien aktiv sind. 1983 begannen einige ihrer Mitglieder eine gewalttätige Kampagne gegen die USA, deren größter Triumph bisher die spektakuläre Aktion am 11. September war. Alles in Allem ist die Zahl der Anhänger dieses Netzwerks so lein, wie ihr Fanatismus groß ist. Es handelt sich vielleicht um ein paar Tausend.

Der zweite Kreis umfasst eine weit größere Zahl von Militanten, die mit Al-Qaidas radikal-utopischer Vision sympathisieren, ohne ihr selbst anzugehören. Ihre Gesinnung zeigte sich täglich seit dem Moment des Ausbruchs der Feindseligkeiten in Afghanistan: Zehntausende von Demonstranten und Mujaheddin brachten ihren entschiedenen Hass auf die Vereinigten Staaten und ihren Enthusiasmus für weitere Gewaltakte zum Ausdruck. Länder, von denen man normalerweise nichts hört und die kaum als Brutstätten des Radikalismus gelten können, machten sich auf um gegen die US-Kampagne zu protestieren.

Das Geschrei dieser Islamisten auf der ganzen Welt hatte eine gewisse, familiäre Ähnlichkeit:

Indonesien: „USA, fahr zur Hölle“.
Malaysia: „Fahr zur Hölle, Amerika“ und „Zerstört Amerika“.
Bangladesch: „Tod Amerika. Tod Israel. Taliban, Taliban, wir grüßen euch.“
Sri Lanka: „Bin Laden, wir sind auf deiner Seite.“
Jemen: „Amerika ist der Große Satan.“
Ägypten: „USA, fahr zur Hölle, die Afghanen werden siegen.“
Sudan: „Nieder, nieder, USA.“
Bosnien: „Lang lebe bin Laden.“
Großbritannien: „Tony Blair möge in der Hölle brennen.“

Die beste Schätzung, die ich aus Wahlresultaten, Umfragen, anekdotischem Material und den Meinungen informierter Beobachter heraus vornehmen kann, ist, dass dieses islamistische Element aus ca. 10 bis 15% der gesamten muslimischen Weltbevölkerung von rund einer Milliarde besteht – also rund 100 bis 150 Millionen Menschen weltweit.

Der dritte Kreis besteht aus Muslimen, die das militant-islamische Programm zwar nicht in allen Einzelheiten akzeptieren, aber mit seinem krassen Antiamerikanismus überein stimmen. Diese Haltung findet sich in praktisch der gesamten politischen Bandbreite. Ein säkularer Faschist wie Saddam Hussein teilt einen Amerika-Hass mit den extrem Linken der kurdischen PKK, die sie wiederum mit einer exzentrischen Figur wie Muammar Gaddafi gemein haben. Verlässliche Meinungserhebungen gibt es in der muslimischen Welt nicht, aber nach meinem Gefühl ist es die Hälfte der Muslime weltweit – also etwa 500 Millionen Menschen -, die mehr mit Osama bin Laden und den Taliban sympathisieren als mit en USA. Dass eine derart riesige Zahl von Menschen die USA Hassen, ist schlichtweg ernüchternd.

Das bedeutet nicht, dass Antiamerikanismus unter Muslimen universell ist, denn es gibt wichtige Bollwerke mit pro-amerikanischer Haltung. Dazu gehört das Offiziers-Korps des türkischen Militärs, die die eigentlichen Herren des Schicksals ihres Landes sind, einige Führer von Staaten mit muslimischer Mehrheit in der früheren Sowjetunion, die sich langsam zu Erkennen gebenden Dissidenten in der Islamischen Republik Iran und – etwas allgemeiner – die Muslime, die den militanten Islam aus erster Hand erfahren haben.

Aber diese „Gemäßigten“ bilden eine Minderheit. Ansonsten erhebt der Antiamerikanismus das Haupt: unter den abgeschirmten Frauen der saudischen Elite und den männlichen Einwohnern der riesigen Slums von Kairo, unter den Alten in den abgelegenen Gebieten Pakistans und den Studenten an muslimischen Schulen von Washington D.C. Auch ist Feindseligkeit nicht auf Gefühle beschränkt. Seit Vietnam – und noch vor dem 11. September – starben mehr Amerikaner durch die Hände von radikalen Muslimen als durch irgend einen anderen Feind.

Die Lage ist daher sehr düster. Aber sie ist nicht hoffnungslos, wie auch die Lage auf der Höhe des Kalten Krieges mit der Sowjetunion nicht hoffnungslos war. Wie damals ist auch heute nicht nur Genauigkeit und Ehrlichkeit in der Definition des Feindes notwendig, sondern eine konzeptionelle Klarheit, wie ihm zu begegnen ist. Und vielleicht ist der erste Schritt in dieser Richtung die Einsicht, dass – so paradox es im Licht der dargestellten Daten erscheinen mag – die Amerikaner nicht in einen Großkampf zwischen dem Islam und dem Westen verwickelt ist oder das, was „Zusammenprall der Zivilisationen“ genannt worden ist.

Diesem berühmten Begriff wurde von dem Polit-Theoretiker Samuel Huntington ein hoher Bekanntheitsgrad verschafft. Auf seine eigene, teuflische Art, hat Osama bin Laden ihn unterstützt. Der Gedanke übt einen unbestreitbaren Reiz aus, er ist aber nicht genau. Viele islamistische Elemente suchen tatsächlich eine solche Konfrontation; sie sind überzeugt, dass der Islam sich durchsetzen und die weltweite Vorherrschaft erreichen wird. Aber mehrere Faktoren sprechen gegen eine solch weit gehende Sicht der objektiven Lage.

Zum einen ist Gewalt gegen Amerikaner – und gegen Israelis, Abendländer und nicht-muslime überhaupt – nur ein Teil der Geschichte; die islamistische Feindschaft gegen Muslime, die ihre islamistischen Ansichten nicht teilen, ist nicht weniger erbittert. Machte die Taliban-Herrschaft in Afghanistan das nicht deutlich? Ihre vielfältigen Gräueltaten und mutwilligen Gewaltakte gegen ihre Mit-Muslime unterstellt eine Gewissenshaltung, die an Völkermord grenzt. Was es bedeuten muss, von dieser unterdrückenden Grausamkeit befreit zu werden, wurde in einem Bericht der New York Times aus einer Stadt in Afghanistan am 13. November gut eingefangen:

In den zwölf Stunden, seit die Taliban-Soldaten die Stadt verließen, breitete sich eine freudige Stimmung aus. Die Bevölkerung von Taliquan, die zwei Jahre unter der bedrückenden Herrschaft der Taliban-Herrschaft lebten, strömten in die Straßen, um die Beschränkungen abzuwerfen, die in bis die privatesten Bereiche ihres Lebens hinein gereicht hatten. Männer waren ihre Turbane in die Gosse. Familien gruben ihre lange versteckten Fernseher aus. Restaurants spielten laute Musik. Zigaretten flammten auf und junge Männer sprachen davon ihr Haar lang wachsen zu lassen.

Die Taliban sind auch keine Ausnahme: überall, wo er Macht errang und wo immer er nach Macht gestrebt hat, hat der militante Islam Muslime brutalst behandelt. Ich habe Algerien bereits erwähnt, ein Land, das Dank eines Jahrzehnts der Barbarei von Islamisten mit ungefähr 100.000 Toten (die Zahl steigt weiter) ein Synonym für Gewalt gegen Glaubensbrüder geworden ist. Kleiner, aber vergleichbare Tötungs-Orgien haben in Ägypten, dem Libanon und der Türkei statt gefunden. Und was kann über den Krieg des islamistischen Iran gegen den nicht-islamistischen Irak ab 1982 gesagt werden, der hunderttausende Muslime tot zurück ließ? Der militante Islam ist eine aggressive, totalitäre Ideologie, die letztlich kaum, wenn überhaupt Unterschiede bei denen macht, die ihm im Weg stehen.

Ein weiterer Grund dien Begriff des Zusammenpralls der Kulturen in Frage zu stellen: Er führt unvermeidlich dazu, die wichtigen und möglicherweise entscheidenden Unterschieden innerhalb der Kulturen selbst zu ignorieren. Diese Unterschiede tauchten mit besonderer Schärfe 1989 auf, als eine beträchtliche Minderheit der Muslime weltweit das Todesurteil des Ayatollah Khomeini gegen den Schriftsteller Salman Rushdie anprangerte – im Iran unterschrieben 127 Intellektuelle einen Protest gegen Khomeinis Erlass – während eine Reihe (säkularer wie religiöser) Prominente des Westens dieses Urteil entschuldigten oder Wege entschuldigten es zu „verstehen“. (In einer typischen Stellungnahme erklärte der Präsident der französischen Bischofskonferenz, dass die „Satanischen Verse“ eine „Beleidigung der Religion“ wären – als ob das auf irgendeine Weise die Bedrohung von Rushdies Leben angemessen rechtfertigen würde.)

Ein zeitlich und räumlich näher liegendes Beispiel liefern Umfragen im katholischen Italien nach dem 11. September; darin zeigte sich, dass ein Vierteil der Italiener der Ansicht sind, dass die Amerikaner bekamen, was sie verdienten. Sogar einige Amerikaner stellten sich auf die Seite der Angreifer oder zumindest hinter die Wahl ihres Ziels: „Jeder, der das Pentagon in die Luft jagen kann, hat meine Stimme“, verkündete ein Professor für Geschichte an der Universität von New Mexico. Macht das diese Leute Teil der Muslimischen Welt? Und wo stehen die hunderttausende Muslime, die von den Selbstmord-Flugzeugentführungen entsetzt waren? Gehören sie nicht zur muslimischen Welt?

Dies bringt uns zu einer großen und eng damit in Zusammenhang stehenden Frage: Liegt das „Problem“ im Islam selbst begründet? Wie alle großen Religionen ist der Islam einer Reihe von Interpretationen unterworfen, von der mystischen bis zur militanten, von der stillsten zur revolutionären. Seine Grundideen lassen höchst unterschiedliche Erklärungen zu. Gleichzeitig unterscheidet sich der Islam von anderen Religionen darin, dass er eine große Anzahl von Bestimmungen über das öffentliche Leben und die Beziehungen zu Nichtgläubigen einschließt; diese widersprechen recht stark modernen Empfindlichkeiten und wurden noch nicht zurück gelassen. Kurz gesagt: Die harte Arbeit, den Islam an die gegenwärtige Welt anzupassen, muss erst noch richtig angefangen werden – eine Tatsache, die beinahe die Attraktivität der militant-islamischen Ideologie erklärt.

Diese Ideologie ist kein völlig neues Phänomen. Seine Wurzeln reichen bis auf die Bewegung der Wahabiten im 18. Jahrhundert zurück, auf die Schriften des Ibn Taymiya im 13. Jahrhundert, sogar zu den Kharijjiten des siebten Jahrhunderts. Aber, wie es sich für eine moderne Ideologie gehört, umfasst die heutige Version mehr Lebensbereiche (einschließlich z.B. die wirtschaftliche Dimension), als alle vormodernen Vorgänger. Er hat auch weitaus größeren politischen Erfolg erlebt. Ein radikalisiertes Verständnis des Islam hat Fuß gefasst, wahrscheinlich in einen größeren Ausmaß als jemals zuvor in den vierzehnhundert Jahren muslimischer Geschichte; und er hat jede ernst zu nehmende Alternative vertrieben oder ruhig gestellt.

Dieser Radikalismus ist die wütende Antwort auf die Frage, die die Muslime seit 200 Jahren verwirrt, da die Macht und der Reichtum, mit denen die Welt des Islam einst gesegnet war, in den fünf Jahrhunderten vor 1800 tröpfchenweise verschwanden und sich andere Völker und Nationen vor drängten. Was war falsch gelaufen? Wenn der Islam, wie weitgehend angenommen, Gottes Gnade bringt, warum schneiden Muslime so schlecht ab? Muslime wandten sich in der Zeit der Moderne einer Reihe von extremistischen Ideologien zu – vom Faschismus und Leninismus bis zum panarabischen und pansyrischen Nationalismus -, immer im Versuch, auf diese Frage eine Antwort zu finden – durch fast alle Mittel außer der Selbstprüfung, Mäßigung und Selbsthilfe. Der militante Islam hat sich als die populärste, täuschendste und verhängnisvollste dieser Ideologien erwiesen.

Aber die beispiellose Natur seiner Dominanz bietet ironischerweise auch Grund zur Hoffnung. So erfolgreich die militante Interpretation gegenwärtig auch sein mag, in der Zukunft muss das nicht genauso sein. Der terroristische Heilige Krieg gegen den Westen ist eine Lesart des Islam, aber nicht sein ewig währendes Wesen. Vor 40 Jahren, auf dem Höhepunkt des sowjetischen Ansehens und während der Blüte des panarabischen Nationalismus, hatte der militante Islam kaum politischen Einfluss. Was dann passierte, um ihn in die erste Reihe zu bringen, ist zwar eine faszinierende Frage, aber der zentrale Punkt für unsere Zwecke ist, dass, da der militante Islam vor kaum 40 Jahren keine einflussreiche Kraft war, es absolut vernünftig ist anzunehmen, dass er in weiteren 40 Jahren seinen Einfluss eingebüsst haben könnte.

Wenn der heutige Extremismus tatsächlich nicht aus dem Islam herauszubringen wäre, dann gäbe es keine Lösung außer dem Versuch ein Sechstel der Weltbevölkerung entweder in Quarantäne zu nehmen oder zu bekehren. Keiner dieser Vorschläge ist realistisch.

Wenn der Welt erschütternde Zusammenprall unserer Zeit nicht zwischen zwei Zivilisationen statt findet, dann muss es einer zwischen dem Mitgliedern einer Zivilisation sein – also zwischen den Islamisten und denen, die wir mangels besserer Begriffe gemäßigte Muslime nennen wollen (wobei „gemäßigt“ nicht im Sinne von liberal oder demokratisch, sondern lediglich anti-islamistisch bedeutet). Ähnlich wie die extremen westlichen Ideologien des Faschismus und des Kommunismus den Westen herausforderten, erschütterten und ausgetrieben wurden, ist es mit dem militanten Islam und der muslimischen Welt. Die Schlacht um die Seele des Islam wird zweifellos viele Jahre dauern und viele Leben kosten; sie wird wahrscheinlich die größte ideologische Schlacht der Zeit nach dem Kalten Krieg sein.

Welche Rolle bleibt dabei für uns? Die Vereinigten Staaten, ein überwältigend nicht muslimisches Land, kann zweifellos nicht die Probleme der muslimischen Welt lösen. Sie können weder das Trauma des modernen Islam lösen, noch viel dazu beitragen, den in der muslimischen Welt blühenden Antiamerikanismus zu verringern. Während der Kampf unter den Muslimen sich entfaltet, werden sich Nicht-Muslime hauptsächlich in der Rolle des außen vor Stehenden wiederfinden.

Die außen Stehenden und besonders die USA können jedoch maßgeblich zur Beschleunigung des Kampfs beitragen und zur Beeinflussung seines Ausgangs beitragen. Das können sie tun, indem sie die militante Seite schwächen und der gemäßigten helfen. Tatsächlich hat dieser Prozess mit dem sogenannten Krieg gegen den Terrorismus schon begonnen und im Kleinen sind dessen Ergebnisse in Afghanistan auf dramatische Weise sichtbar geworden. Solange Washington abseits stand, waren die Taliban im Lande and er Macht und die Nordallianz schien und war eine glücklose Kraft. Sobald das US-Militär beteiligt war, brachen die Taliban zusammen und die Nordallianz stürmte in wenigen Wochen durch das Land. Bezogen auf die Gesamtschau ist die Aufgabe dieselbe: die Islamisten schwächen, wo sie an der Macht sind, sie von ihrer Ausdehnung abhalten und die gemäßigten Elemente ermutigen und unterstützen.

Um den militanten Islam zu schwächen, wird eine phantasiereiche und anspruchsvolle Politik notwendig sein, die auf die Bedürfnisse der jeweiligen Länder zugeschnitten ist. Der Stempel amerikanischer Macht hat sich bereits an einigen Orten aufgedrückt, von Afghanistan, wo sie die Regierung stürzte, bis zu den Philippinen, wo 93 Millionen Dollar in Militär- und Sicherheitshilfen samt einem Beraterstab der Regierung helfen, den militant-islamischen Aufstand zu besiegen. In Pakistan bildet das FBI Einreise-Beamte in der Entdeckung verdächtiger Terroristen aus, die aus Afghanistan einsickern. Die anarchistischen Gegenden Somalias könnten als nächste an der Reihe sein.

In einigen Fällen könnten die Veränderungen dramatisch und schnell herbeizuführen sein; in anderen wird die Entwicklung langsam voran schreiten und lange andauern. In Pakistan muss der Staat gezwungen werden, die Kontrolle über die berüchtigten Madrassas (religiösen Schulen) zu übernehmen, die Extremismus lehren und Gewalt befürworten. Im Iran und Sudan werden weitaus energischere und vielfältigere Anstrengungen notwendig sein, um die Herrschaft des militanten Islam zu beenden. In Qatar, Heimat des al-Jazira-Senders – bin Ladens Sprachrohr -, muss auf die Regierung Druck ausgeübt werden, die Lehren eines moderaten Scheichs zu fördern, statt jene des tief im Schützengraben eingegrabenen Extremisten Yussuf Al-Qaradawi („Am Jüngsten Tag werden Muslime die Juden bekämpfen und sie töten“).

Saudi Arabien ist ein besonderer Fall. Es ist die Heimat von Osama bin Laden selbst und fünfzehn der neunzehn Selbstmord-Entführer, die Brutstätte der Grundideen, die für das Herz der Taliban stehen und die Finanzierungsquelle des weltweiten islamistischen Netzwerks. Obwohl die saudischen Behörden es geschafft haben, mit dem Westen seit Jahrzehnten funktionierende Beziehungen zu pflegen, haben sie es auch zugelassen, dass der öffentlichen Diskurs vom militanten Islam übernommen wurde. Es muss dringend von einem Schulsystem befreit werden, in dem beispielsweise Schulbücher der zehnten Klasse warnen: „Die Muslime schulden sich gegenseitig Loyalität und haben die Ungläubigen als ihren Feind zu betrachten.“ Für die Medien, ganz zu schweigen von anderen Bereichen des öffentlichen Lebens, gilt das Gleiche.

An anderer Stelle müssen Finanzzentren auf der ganzen Welt, von den Vereinigten Arabischen Emiraten bis nach Hong Kong dazu gezwungen werden, die Geldwäsche durch „islamische Wohlfahrtsorganisationen“ für Al Qaida und andere Terror-Organisationen zu unterbinden. Frankreichs Präsident Jacques Chirac hat zugegeben, dass „Europa ein Zufluchtsort“ für islamistische Extremisten geworden ist. Dieses Problem muss ernst genommen werden und dem müssen Taten folgen.

Der Krieg gegen den militanten Islam hat auch innenpolitisch Konsequenzen, denn die Gefahr im Inland ist nicht weniger unheilvoll als die von außen. Das Ziel ist, Schaden durch radikal antiwestlich Eingestellte unter uns zu verhüten; die Mittel dazu müssen Ausweisung, Gefängnis oder andere Einschränkungen einschließen. Das beinhaltet eine Änderung der Einwanderungsgesetze und besonders ein Ende der unbedarften Annahme, dass alle, die zu Besuch oder als Immigranten in die USA einreisen wollen, es gut mit dem Land meinen. Es bedeutet die Aufnahme eines ideologischen Filters in die Einreisebestimmungen und in den Worten des Präsidenten: „Es müssen viele Fragen gestellt werden die vorher nicht gestellt wurden.“ Es bedeutet, scharf gegen islamische „Wohlfahrtsorganisationen“ vorzugehen, die Gelder an islamistische Gruppierungen schleusen. Außerdem werden Militärgerichte notwendig sein. Die Anwalt-Klient-Beziehung wird unter Umständen gewisse Einschränkungen hinnehmen müssen. Wo angemessen, muss ernsthafter Gebrauch der Rasterfahndung zur Entdeckung von Schläfern und anderen Terroristen eingesetzt werden. Und vor allem muss der Präsident aufhören, sich mit militant-islamischen Führern zu treffen, wie er das vor und nach dem 11. September getan hat***, da er diese damit legitimiert.

Wir sollten uns aber nicht vormachen. Wenn die USA mehr als 100 Millionen islamistische Feinde haben (ganz zu schweigen von der noch größeren Zahl der Muslime, die uns aus den verschiedensten anderen Gründen Schlechtes wünschen), dann können sie nicht alle ausgeschaltet werden. Statt dessen muss das Ziel sein, sie abzuschrecken und im Zaum zu halten. Der militante Islam ist zu populär und zu weit verbreitet, um militärisch ihn militärisch zu vernichten. Er kann nur abgewehrt werden.

Um die Worte George Kennens in „Die Quellen der Sowjetischen Haltung“ (sein berühmter Artikel über die Bedrohung durch den sowjetischen Kommunismus von 1947) zu übernehmen: „Das Hauptelement jeder US-Politik gegenüber dem militanten Islam muss die einer langfristigen, ruhigen, aber strengen und wachsamen Eindämmung seiner expansiven Tendenzen sein“. Ziel muss sein, ihre Anhänger zu überwinden, dass der Gebrauch von Gewalt gegen Amerikaner bestenfalls fruchtlos und schlimmstenfalls kontraproduktiv ist – dass Algerier und Malaysier ein Recht auf ihre antiamerikanische Meinung haben, aber nicht aus ihnen heraus handeln und Amerikanern Schaden zufügen. Sie das Fürchten zu lehren ist der einzige Weg, dieses Ziel zu erreichen. Und dazu braucht es Härte, Entschiedenheit – und Durchhaltevermögen – von einer Art, die Amerikaner seit langem nicht aufgeboten haben. Außerdem werden Verbündete benötigt.

Das ist der Punkt, an dem die moderaten Muslime ins Spiel kommen. Wenn rund die Hälfte der muslimischen Bevölkerung Amerika hasst, tut es die andere Hälfte nicht. Unglücklicherweise sind sie unbewaffnet, unorganisiert und praktisch ohne Stimme. Die USA brauchen sie nicht wegen ihrer Macht. Sie brauchen sie wegen ihrer Ideen und der Legitimität, die sie verleihen, und diese Aspekte ihrer Stärken ergänzen die Washingtons sehr gut.

Der US-Regierung fehlt die religiöse Autorität, um über den Islam zu reden, obwohl sie das nicht zu merken schient. Hier steht Osama bin Laden und behauptet, dass die Welt sich in die guten Moslems und die bösen Nichtmoslems teilt und dann zum Heiligen Krieg gegen den Westen aufruft. Wie kann eine säkulare und mehrheitlich christliche Regierung möglicherweise antworten? Mit Sicherheit nicht direkt – obwohl die Regierung ohne Erfolg genau das zu tun versuchte.

So sprach am 3. November Christopher Ross, ehemaliger US-Botschafter, für die US-Regierung auf Arabisch 15 Minuten lang im Al-Jazira-Fernsehen. Seine Aufgabe bestand aus nicht weniger als der Entkräftung der Beschuldigung Osama bin Ladens, dass Amerika der Feind des Islam sei. Ross ging auch in die Offensive und erzählte den Zuschauern, dass die, „die die Verbrechen durchführten, menschliches Leben nicht respektieren, nicht einmal unter Muslimen“ und dass bin Laden der wirkliche Feind des Islam sei.

Ross‘ Auftritt bei Al-Jazira war nur eine von vielen Schritten, die von Charlotte Beers entwickelt wurde, der Staatssekretärin im Außenministerium, die mit damit beauftragt wurde, Amerikas Botschaft zur muslimischen Welt zu bringen. Beers, mit dem Spitznamen „Königin der Markennamen“ und ehemalige Leiterin von J. Walter Thompson und Ogilvy & Mather, ist teilweise verantwortlich für die Eröffnung des Coalition Information Center (CIC), einem für Public Relations-Kampagnenzentrum. Es bietet mit seinen zwei Dutzend Mitarbeitern tägliche und wöchentliche Gesprächsthemen für Journalisten und hat eine Kampagne entwickelt, um Muslime von der freundlichen amerikanischen Haltung ihnen und ihrem Glauben gegenüber zu überzeugen. Es sorgte dafür, dass zu Beginn des Fastenmonats Ramadan mehr humanitäre Hilfspakete über Afghanistan abgeworfen wurden, verschickte einen „Katalog der Lügen der Taliban“ an pakistanische Zeitungen und arrangierten Treffen von Journalisten aus mehrheitlich muslimischen Ländern mit amerikanischen Politikern. Es ist auch für die Nutzung der Populär-Kultur zur Verschiebung der Wahrnehmung in der muslimischen Welt verantwortlich, indem – so (das Magazin Variety – zum Dialog zwischen jungen Amerikanern und jungen Zuschauern des Nahen Ostens auf dem Musikkanal MTV ermutigt wird.

In Bezug auf den Islam selbst, versucht das CIC nach Beers, es unmissverständlich klar zu machen, dass Amerikaner die Religion anerkennen und respektieren. Das heißt, dass Beamte darüber sprechen, dass amerikanische und islamische Werte vereinbar sind und dazu Bänder eines muslimischen Imam versenden, der das Bittgebet vor dem Kongress hielt sowie Poster der „Moscheen Amerikas“ druckt. Besonders herausgestellt wurde die Einladung des Präsidenten an 50 muslimische Botschafter zum Fastenbrechen im Weißen Haus am Ende des Ramadan, eine Beispiel, dem Außenminister Colin Powell und US-Botschafter weltweit folgten. Ein ranghoher Beamter des Außenministeriums erklärte das nicht einleuchtende Ziel dieser Aktion damit, dass der muslimischen Welt demonstriert werden sollte, dass „Amerikaner (islamische) Feiertage genauso ernst nehmen wie die christlichen und jüdischen Feiertage“. Zukünftige Vorhaben sind ehrgeiziger und drehen sich um ein Nahost-Radio, das im Februar auf Sendung gehen soll; es ist geplant, ein Programm in 26 Sprachen zu bringen und sich an jugendliche Muslime wendet.

Werden diese Programme den gewünschten Erfolg haben? Wahrscheinlich nicht. Lassen wir die eher absurden Teile außer Acht – MTV zum Brückenbau zwischen Zivilisationen nutzen oder Eid ul-Fitr (Fastenbrechen) für Amerikaner ebenso wertvoll wie Weihnachten machen zu wollen. Sogar die Aktion mit Christopher Ross war ein Rohrkrepierer: „Sein Auftritt war furchtbar… Er wirkte wie ein Roboter, der Arabisch spricht“, kommentierte ein arabischer Kritiker. Etwas tiefer gehend: Obwohl die Zielsetzung des CIC gut und richtig ist – es handelt sich schließlich um einen Krieg der Ideen -, sind seine Voraussetzungen vom Grundsatz her mangelhaft. Man muss andere Typen haben als die der Madison Avenue, gar keine Amerikaner, um die anti-bin-Laden-Botschaft zu konzipieren und an den Mann zu bringen, jemanden mit dem nötigen islamischen Ansehen und einem tiefen Verständnis der Kultur. Dieser Jemand ist ein moderater Muslim, der Muslim, der die Aussicht auf ein Leben unter der Herrschaft des militanten Islam hasst und sich etwas besseres vorstellen kann.

In Bezug auf den Islam ist die Rolle der USA weniger, ihre eigenen Ansichten anzubieten, als denjenigen Muslimen zu helfen, die vereinbare Ansichten haben, besonders in Fragen wie den Beziehungen zu Nichtmuslimen, Modernisierung und den Rechten der Frauen und Minderheiten. Das heißt, den Moderaten dabei zu helfen, ihre Ideen von US-finanzierten Rundfunkstationen wie dem neu geschaffenen Radio Free Afghanistan zu verbreiten und, wie Paula Dobriansky (Staatssekretärin für Außenbeziehungen im Außenministerium) vorschlug, sicher zu stellen, dass tolerante islamische Persönlichkeiten (Gelehrte, Imame und andere) in von den USA finanzierten akademischen und Kultur-Austauschprogrammen eingebunden werden.

Anti-Islamisten sind heute schwach, gespalten, eingeschüchtert und generell ohne Einfluss. Die Aussichten für eine Wiederbelebung der Muslime sind selten schlechter erschienen als in dieser Zeit des Radikalismus, Jihad, extremistischer Rhetorik, Verschwörungsdenken und Todeskult. Aber es gibt Moderate und sie haben den Vereinigten Staaten in ihrer eigenen Schlacht gegen den militanten Islam viel zu bieten, nicht zuletzt ihre intimen Kenntnisse des Phänomens und seiner möglichen Schwachpunkte. Zudem ist die Legitimität unbezahlbar, die sie im Kampf gegen den militanten Islam einbringen. Allein durch ihr Mitwirken wird der Vorwurf der „Islamophobie“ einfach unhaltbar.

In Afghanistan haben die USA zuerst das Taliban-Regime zerschlagen und dann das Land in die Hände der gemäßigteren Nordallianz übergeben. Es liegt nun an der Allianz, diese durch die USA eröffnete Chance zu nutzen. Das gleiche gilt für den Islam insgesamt. Weiter kann Washington nicht gehen. Ob aus seinen militärischen Siegen politische werden, hängt letztlich von den Muslimen ab. Der Kampf gegen den militanten Islam wird gewonnen werden, wenn Amerika den Willen und das Durchhaltevermögen hat, ihn durchzustehen und begreift, dass seine Botschaft letztendlich durch andere als die amerikanischen Hände getragen werden muss.

Anmerkungen:
* Robert Kagan, „On to Phase II“, Washington Post, 27. November 2001.
** vgl. meine Rezension von Oliver Roys „The Failure of Political Islam“ im Commentary, Juni 1995.
*** vgl. meinen Artikel „The Danger Within: Militant Islam in America“ in der Novemberausgabe des Commentary.

Der Krieg gegen den Terror: Was können wir erkennen?

Micah Halpern, 13. Juli 2004 (direkt vom Autor)

Wie können wir wissen, ob der Krieg gegen den Terror wirklich gewonnen wird?

Nach mehreren Monaten der Ruhe schoss der Explosionsknall einer Bombe durch die Innenstadt von Tel Aviv – seit langer Zeit der erste erfolgreiche, tödliche Anschlag in einer größeren Stadt in Israel. Zum Glück kostete er nur ein Leben und die Zahl der Verletzten war „niedrig“ – Dutzende, nicht Hunderte.

Was war das Ungewöhnliche – dieser Anschlag oder die Einstellung der Anschläge? Was ist für die israelische Gesellschaft die Normalität?

Unter Benutzung der israelisch-palästinensischen Lage als Modell ist es an der Zeit einige wichtige, populäre falsche Vorstellungen zu analysieren, die in der freien, d.h. westlichen Welt, über die Natur des Kriegs gegen den Terror herumgeistern.

Falsche Vorstellung Nr. 1: Da es keine schweren Terroranschläge gegeben hat, müss es so sein, dass die Palästinenser aktiv daran arbeiten den Terror zum Schweigen zu bringen.

Die Wirklichkeit: Nichts könnte von der Wahrheit ferner entfernt sein. Die Wahrheit ist, dass Israel in diesen letzten Monaten sehr erfolgreich dabei gewesen ist, die Terroristen aufzuhalten, bevor sie in die Stadtzentren gelangten und unschuldige Zivilisten ermorden konnten. SEHR erfolgreich.

Im Verlauf einer einzigen Woche gehen Dutzende von Terrorwarnungen über meinen Schreibtisch. Jeder bedroht das Leben unschuldiger israelischer Zivilisten, Touristen, Gastarbeiter. Jede Person, die in Israel lebt, es besucht oder durch es hindurch reist, ist in Gefahr. Und unausweichlich sind unter den Verletzten oder Toten fast jeden Anschlags Araber – Männer, Frauen oder Kinder, die auch israelische Staatsbürger sind.

Falsche Vorstellung Nr. 2: Weil es keine öffentliche israelische Ankündigung eines beabsichtigten Anschlags gegeben hat, haben die Palästinenser aufgehört, Anschläge durchzuführen.

Die Wirklichkeit: Das ist überhaupt nicht der Fall. Es gibt viele Gründe dafür, dass die Behörden sich entscheiden, nicht alle Informationen, die sie haben, öffentlich zu machen und nicht jedes Mal an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn sie jemanden in Haft haben.

Zusätzlich zu den Dutzenden Warnungen und Alarmen gibt es Dutzende von vereitelten Anschlägen. Manchmal werden die Anschläge gestoppt, während sie sich noch in der Planung befinden. Bei anderen Gelegenheiten werden die terroristischen Angreifer oder die Werkzeuge ihres Handwerks erst im letzten Moment entdeckt, entschärft und beseitigt – wenn sie auf dem Weg zur Ausführung ihres Anschlags sind, um ihre Bombe auszulösen und sich selbst und andere in Stücke zu reißen.

Es ist wirklich nicht weniger als ein Wunder, dass so viele Terroristen aufgehalten und gefangen werden, dass so viele Terroristen abgefangen werden. Aber es ist kein Grund für öffentliches Feiern. Es bedeutet einfach, dass Israel im Kampf gegen den Terror erfolgreich gewesen ist und dass man viele Schlachten erfolgreich bestritten hat. Jedesmal eine Pressekonferenz einzuberufen, wenn man erfolgreich ist, würde die Öffentlichkeit auf eine von zwei Möglichkeiten täuschen. Es ist wie mit dem Optimisten und dem Pessimisten – ist das Glas halb voll oder halb leer? Ist es ein gutes, sicheres Zeichen, dass so viele Anschläge verhindert werden, oder ist es ein gefährliches Signal, weil es so viele Anschläge hätten geben können?

Die Wirklichkeit ist, dass man in diesem Geschäft hundertprozentigen Erfolg anstrebt. Die Wirklichkeit ist aber auch, dass ein solches Ziel einfach nicht erreichbar ist.

Egal, wie gut wir also sind, wie genau unsere Quellen sind, wie erfolgreich man gewesen ist, es wird immer etwas oder jemanden geben, der durch die Maschen schlüpft. Immer und unvermeidlich. Die einzige Hoffnung besteht darin, dass das nicht zu vernichtend sein wird.

Und doch gibt es wenig Zweifel, dass wichtige Fortschritte im Kampf gegen den Terror in Israel und, ja, auch in der westlichen Welt gemacht wurden. Israel hat einen Krieg geführt, der schon viele Jahre andauert und viel zu viele Leben gekostet hat, aber es sieht so aus, als würden es anfangen seinen Krieg zu gewinnen.

Es gibt verschiedene Variablen, einfache Bezugspunkte, die Experten und Analysten benutzen, um zu bestimmen, wie der Krieg gegen den Terror läuft:

  • Das Erfolgslevel beim Aufhalten der Terroristen bewegt sich im Bereich über 90%
  • Psychologisch fühlen sich die Bürger nicht belagert; sie gehen aus, sie reisen, sie essen in der Öffentlichkeit und erlauben ihren Kinder, das auch zu tun
  • Die Sicherheitskräfte können die Züge der Terroristen antizipieren und sie deutlich vor der Ausführung ihrer Tat fangen
  • Es gibt Informationsquellen vor Ort, so dass man aus vielerlei Quellen die Richtung kennt, die die Terroristen einschlagen
  • Man fängt auch, zufällig und versehentlich eine große Anzahl von Terroristen, die ins Netz gehen, weil man die richtigen Dinge unternimmt
  • Man fragt sich sogar selbst, warum es in letzter Zeit so ruhige geblieben ist und warum es in zuletzt keine Terroranschläge gegeben hat

Es gibt im Kampf gegen den Terror keinen perfekten Schutzschild. Das Beste, was man tun kann, ist sein Bestes zu geben.