Den Feind beim Namen nennen

Daniel Pipes, New York Post, 17. August 2004

In einem erstaunlichen Eingeständnis sagte George W. Bush neulich: „Wir haben dem Krieg gegen den Terror eigentlich einen falschen Namen gegeben. Er sollte Kampf gegen ideologische Extremisten genannt werden, die nicht an freie Gesellschaften glauben und zufällig Terror als Waffe benutzen, um das Bewusstsein der freien Welt zu erschüttern.“

Dieses wichtige Eingeständnis folgt wachsender Kritik an dem fehl leitenden Begriff „Krieg gegen den Terror“ (wie kann man eine Taktik bekämpfen?) und ersetzt ihn durch den genaueren des „Kriegs gegen ideologische Extremisten“. Mit dieser Veränderung kann die Schlacht der Ideen beginnen.

Wer genau sind aber diese ideologischen Extremisten? Präsident Bush muss sie im nächsten Schritt beim Namen nennen.

Tatsache ist, dass er sich seit dem 11. September gelegentlich offen zu ihrer Identität geäußert hat. Bereits im September 2001 beschrieb er den Feind als „eine Randerscheinung des islamischen Extremismus“, der versucht „Christen und Juden zu töten, alle Amerikaner zu töten und der keinen Unterschied zwischen Soldaten und Zivilisten, einschließlich Frauen und Kindern macht“. Dieser islamische Extremismus ist auch Erbe „all der mörderischen Ideologien des zwanzigsten Jahrhunderts“, einschließlich „Faschismus, Nationalsozialismus und Totalitarismus.“

Im Januar 2002 wurde Präsident Bush noch genauer und fügte an, dass die terroristische Unterweltgruppen wie Hamas, Hisbollah, den Islamischen Jihad und Jaish-i-Mohammed“ einschließt. Im Mai 2002 stellte er heraus, dass eine „neue totalitäre Bedrohung“ existiert, deren Anhänger „durch ihren Hass definiert sind: sie hassen … Juden und Christen und alle Muslime, die nicht ihrer Meinung sind“ (voraus gesetzt sie sind Muslime). Diese Anhänger, sagte er, fühlen sich ermächtigt „im Namen einer falschen religiösen Reinheit“ zu töten.

Ein Jahr später, im Mai 2003, lieferte der Präsident Details zu den Zielen der Islamisten; er stellte fest, dass „neunzehn üble Männer – Stoßtrupp einer Hass erfüllten Ideologie – Amerika und der zivilisierten Welt eine Ahnung von ihren Zielen vermittelten. Sie stellten sich vor – wie es Ramzi Binaldschib ausdrückte, der Al-Qaida-Führer, dem vorgeworfen wird die Operation am 11.9. geleitet zu haben – dass der 11. September der ‚Anfang vom Ende Amerikas‘ sein würde.“

Die Terrorakte der letzten zwei Jahrzehnte, führte Bush im April 2004 an, sind das Werk fanatischer, politischer Ideologen, die „im Mittleren Osten und darüber hinaus die Tyrannei haben wollen. Sie wollen Frauen unterdrücken und verfolgen. Sie wollen den Tod von Juden und Christen und jedem Muslim, der Frieden dem theokratischen Terror vorzieht.“

Letzten Monat benutzte Bush zum ersten Mal den Begriff „islamische Militante“, vielleicht die bisher deutlichste Bezugnahme auf die islamistische Bedrohung; da sagte er, dass die Benevolcence International Foundation, eine so genannte islamische Wohlfahrtsorganisation aus Illinois, habe bis zu ihrer Schließung „Geld an islamische Militante weiter geleitet“.

Wenn man diese Kommentare in ein einzelnes Statement zusammenfasst, zeigt sich, wie Präsident Bush – und damit die gesamte US-Regierung – den Feind sehen: Eine falsche Doktrin islamischer Reinheit inspiriert eine totalitäre Ideologie der Macht und Dominierung. So erbarmungslos und mörderisch sie ihre Ziele verfolgt, erinnert sie an die Ideologien der Nazis und der Kommunisten. Die Extremisten, die diese Doktrin vertreten, betrachten Amerika als Haupthindernis für das Erreichen ihrer Ziele. Um Amerika zu besiegen, streben sie erst einmal Washingtons Rückzug aus der Außenwelt an. Letztendlich hoffen sie, dass sie den Zusammenbruch Amerikas herbeiführen, wie es ist. Um das zu erreichen sind sie bereit, jede beliebige Zahl an Amerikanern umzubringen.

Das ist eine gute Beschreibung des Islamismus, seiner Mentalität, Vorgehensweise und dazu benutzten Mittel. Sie zeigt auch, dass Präsident Bush die feine Unterscheidung zwischen persönlichem islamischem Glauben und der politischen Ideologie des Islamismus (oder militanten Islam) zieht.

Damit geht er mit dem konform, was eine Reihe muslimischer Führer sagten, darunter sogar einige Saudis. Nach Terroranschlägen in Riyadh im Mai 2003 schrieb Innenminister Prinzi Naif öffentlich diese Gewalt „Ideologie“ und „fanatischen Ideen“ zu. Und wenn Naif – selbst ein Islamist – das Problem letztlich nicht den Gewaltakten zuschreibt, sondern den hinter diesen stehenden Ideen, dann brauchen Amerikaner sich sicher nicht zurückhaltender zu äußern.

Präsident Bush hat bereits darauf angespielt, dass die Vereinigten Staaten sich der Konfrontation mit der dritten totalitären Ideologie stellen müssen. Jetzt muss er diese Ideologie beim Namen nennen. Ich hoffe, er wird sich mit einer Gruppe hervorragender antiislamistischer Muslime aus dem In- und Ausland umgeben und formell verkünden, dass Amerika die Führung im Krieg gegen den Islamismus annimmt.

Nur mit solcher Bestimmtheit kann die zivilisierte Welt anfangen den Weg zum Sieg über diese jüngste Manifestation der Barbarei zu gehen.

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Wer ist der Feind?

Daniel Pipes, Commentary, Januar 2002

Gegen wen oder was führen die Vereinigten Staaten Krieg? Die Antwort auf diese Frage hat weit reichende Auswirkungen auf Strategie, Diplomatie und Außen- wie Innenpolitik. Man könnte meinen, die Antwort liege auf der Hand; das tut sie aber nicht.

Wann immer Präsident George W. Bush in den ersten Wochen nach dem 11. September von Feinden sprach, bestand er darauf, dass sie keine Afghanen, noch etwa Muslime waren, sondern Leute, die er „Übeltäter“ oder „die Bösen“ nannte. Diese sonderbare, seltsam klingende Wortwahl scheint ausdrücklich gewählt worden zu sein, um weder Personen noch Gruppierungen auf die Füße zu treten. Sie erlaubte Bush auch, eine Reihe von Ereignissen zusammen in einen Topf zu werfen, bevor man wusste, wer für welches verantwortlich war. Als mysteriöse Anthrax-Briefe aufzutauchen begannen, machte er wieder diese gesichtslosen „Übeltäter“ dafür verantwortlich, „weiterhin Amerika und die Amerikaner schädigen zu wollen“.

Was sind die Ziele dieser Übeltäter? Auch hier gab Busch mit Bedacht Floskeln von sich. Es waren „von Hass motivierte“ Leute oder etwas genauer „Leute, die kein Land“ hatten; bei anderer Gelegenheit „Leute, die versuchen können, ein Land zu übernehmen, Parasiten, die sich in einem Gastland einzunisten versuchen“. In Bezug auf die geplante Antwort der USA war der Präsident einmal mehr sehr vorsichtig und sprach meistens davon, „die Übeltäter zu jagen und vor Gericht zu bringen“.

Nicht einmal nach dem Beginn des Krieges Anfang Oktober bemühte sich Bush um präzisere Aussagen, sondern neigte eher dazu, die Feindseligkeiten als „gemeinsamen Versuch, das Böse auszumerzen, wo wir es finden“ zu bezeichnen. Einzige Neuerung war die Einführung des Konzepts des „Kriegs gegen den Terrorismus“, manchmal auch als „Krieg gegen Terrorismus und das Böse“ bezeichnet. Das machte aber noch weniger Sinn. Terrorismus ist eine militärische Taktik, die von unterschiedlichen Gruppen und Individuen auf der ganzen Welt zur Erreichung verschiedener Ziele eingesetzt wird. Von einem „Krieg gegen den Terrorismus“ zu sprechen ist in etwa so, als spräche man von einem Krieg gegen Massenvernichtungswaffen. Man muss wissen, wer diese Waffen besitzt oder einsetzt und mit welcher Zielsetzung.

Was sind die Ziele des Krieges? Diese waren ähnlich unklar (und sind es noch). Als Bush am 7. Oktober den Beginn der militärischen Aktionen verkündete, definierte er das Ziel als „die Zerschlagung … und den Sieg über das globale Terrornetzwerk“, eine sprachliche Neuschöpfung, die auch wieder Fragen aufwirft: Was ist z.B. das weltweite Terrornetzwerk? Welche Organisationen, außer Al Qaida, gehören dazu? Schließt das militant-islamische Gruppen wie Hisbollah und Hamas ein? Nicht muslimische Gruppen wie die Irisch-Republikanische Armee und die Tamil Tigers? Staaten wie den Irak?

Verteidigungsminister Donald H. Rumsfeld schien – nicht als einziger – durch das verschwommen formulierte, hoch gesteckte Ziel besorgt zu sein. Zu einem frühen Zeitpunkt tat er die „Idee, den Terrorismus von der Erdoberfläche verbannen“ zu wollen, als unrealistisch ab. Er schlug allerdings ein nicht weniger fassbares Ziel vor: Die Amerikaner seien ein Freiheit liebendes Volk, sagte er, daher müsse der Sieg so definiert sein, dass ein Umfeld geschaffen würde, in dem sie „tatsächlich diese Freiheiten vollenden und leben können“ und in dem andere davon abgehalten werden würden, „unseren Lebensstil nachteilig zu beeinflussen“. Das war zwar – besonders der letzte Teil – bewundernswert, aber kaum ein Ziel, das man einem General mit den Worten „Machen Sie das!“ als Auftrag überträgt.

Die Eröffnung des „Kriegs gegen den Terrorismus“ hat auch nichts dazu beigetragen, diesen Mangel an Klarheit auszuräumen. Anfangs war das erklärte Ziel in Afghanistan nicht, das Taliban-Regime zu beseitigen, sondern es nur dazu zu bringen Osama bin Laden und seine Kollegen auszuliefern. Erst, als die Taliban sich weigerten, ging die volle Wucht des amerikanischen Militärs auf sie nieder. Die gleiche Geschichte könnet sich in Bezug auf den Irak wiederholen. Ende November forderte der Präsident Saddam Hussein auf, die Wiederaufnahme der Waffeninspektionen zu erlauben oder die Konsequenzen zu tragen. Als er auf einer Pressekonferenz gefragt wurde, was diese Konsequenzen sein könnten, antwortete Bush rätselhaft: „Das wird er heraus finden.“

Wenigstens ein gut informierter Beobachter verstand darunter, dass Bush selbst nicht wusste, was er als nächstes tun würde.* In der Tat konnte man Anfang Dezember schien es sicher, dass über die Kämpfe in Afghanistan hinaus die Regierung noch keine Entscheidung über das zukünftige Vorgehen getroffen hatte.

All dies mag verständlich erscheinen. Konzeptionell ist der Konflikt, den die USA ausfechten, Neuland. Er wird gegen Schatten geführt; z.B. hat niemand bisher die volle Verantwortung für die Gräueltaten vom 11. September übernommen. Und dies hat so konventionelle Kriegsziele wie das Besiegen einer Armee oder die Eroberung von Land bedeutungslos gemacht. Außerdem wurden die völlig unvorbereiteten USA am 11. September überrascht. Egal, wie oft sie von Terrorschlägen getroffen worden waren – und es hat viele solche Fälle gegeben -, die Amerikaner rechneten niemals damit, sich in der Lage wieder zu finden, einen regelrechten Krieg gegen diesen Feind zu beginnen.

Darüber hinaus können Worthülsen in Kriegszeiten nützlich sein, besonders wenn man sozusagen im Nebel stochert. Als sie am 11. September das Krisenmanagement begann, scheute die Regierung instinktiv vor genauen Aussagen zurück, um sich nicht selbst die Hände zu binden. „Übeltäter“ und „Terrorismus“ ins Visier zu nehmen, außer Osama bin Laden keine Namen zu nennen, bietet größtmögliche Flexibilität. Indem man niemandem auf die Füße trat, konnte Washington einfacher um mögliche Partner für die von ihnen geführte „Koalition gegen den Terror“ umwerben. Gleichzeitig könnte die Administration zumindest theoretisch neue Ziele je nach Bedarf hinzu fügen oder streichen: Ein Partner von heute – z.B. Syrien – könnte der Übeltäter von morgen sein.

Mangelnde Klarheit kostet aber auch. Wenn Politiker ihren Militärs ungenaue oder widersprüchliche Zielsetzungen auftragen, schrieb Carl von Clausewitz in „Vom Kriege“ (1832), werden deren Anstrengungen so gut wie sicher vor große Probleme gestellt. Die Kriegsgeschichte bestätigt durch alle Zeitalter hindurch diese eiserne Regel, wie auch die Amerikaner in den letzten Jahrzehnten zur Genüge feststellen konnten (von Eisenhower, der Europa nicht schnell genug durchquerte, um das sowjetische Vordringen im Zweiten Weltkrieg abzuwehren, bis zu Norman Schwarzkopf, der Saddam Husseins Republikanische Garde in der Operation Desert Storm nicht eliminierte). Auch sind Generäle nicht die einzigen, die wissen müssen, gegen wen sie kämpfen und wofür sie kämpfen; auch andere in der Regierung, befreundete und feindliche Staaten müssen das wissen und natürlich das amerikanische Volk.

Wer also ist der Feind? Die Botschaft des 11. September war laut und deutlich und erlaubt keinerlei Doppeldeutigkeit: Der Feind ist der militante Islam. Kein Wunder daher, dass die Regierung zögerte, darüber zu sprechen, bevor sie wusste, wer genau dafür verantwortlich war. Zusätzlich zu den aufgezählten Überlegungen, gab es einen Vorfall in der jüngsten Geschichte, der das verhindert.

Als sich im Februar 1995 die erschreckende Gewalt zwischen bewaffneten und brutalen Islamisten-Gruppen und der repressiven Regierung in Algerien auf ihrem Höhepunkt befand, erklärte NATO-Generalsekretär Willy Claes, dass seit dem Ende des Kalten Krieges sich „islamische Militanz als vielleicht die größte Einzelbedrohung der NATO-Allianz und der westlichen Sicherheit erhoben hat“. Tatsächlich, sagte Claes, stelle der militante Islam nicht die gleiche Bedrohung des Westens dar, wie vor ihm der Kommunismus; sondern die Bedrohung sei noch größer, da der militante Islam Elemente des „Terrorismus, religiösen Fanatismus und die Ausbeutung sozialer und wirtschaftlicher Ungerechtigkeit einschließt“.

Claes hatte vollkommen Recht. Aber seine Aussagen stießen in der gesamten muslimischen Welt auf empörte Ablehnung, so dass er schnell einen Rückzieher machen musste und sie zurück nahm. „Religiöser Fundamentalismus“, so seine lahme Erklärung, „ob islamisch oder eine andere Variante, bereite der NATO keine Sorgen.“

In den Nachwirkungen des 11. September könnte es etwas einfacher sein zu sagen, was Claes damals nicht zu sagen erlaubt war; aber nur unwesentlich, und nicht für jeden in einer hochrangigen Position. Sicher ist, dass niemand Claes‘ peinlichen Rückzieher wiederholen möchte. Und doch, auch wenn es noch so unangenehm ist, dies zu sagen, gibt es keine Möglichkeit, dieser Tatsache aus dem Weg zu gehen.

Mindestens seit 1979, als Ayatollah Khomeini die Macht im Iran mit dem Kriegsruf „Tod den Amerikanern“ übernahm, ist der auch als Islamismus bekannte militante Islam der selbst ernannte Feind der USA. Inzwischen ist er der größte Feind. Ob es nun die Terror-Organisationen und einzelnen Terroristen sind, die Washington ins Visier nimmt, die Immigranten, die es befragt oder die Staaten, die es verdächtigt, alle sind sie Islamisten oder haben mit solchen Verbindung. Washington mach das zwar nicht sagen, aber seine Taten sprechen Bände.

Den militanten Islam als den bedrohlichsten langfristigen Feind der USA zu bezeichnen, bedeutet nicht, das Vorhandensein anderer Feinde zu bestreiten. Den Vereinigten Staaten mangelt es nicht an nicht-islamistischen Feinden: kommunistische Tyrannen in Nordkorea und Kuba, säkulare arabische Diktatoren in Irak, Syrien und Libyen, dazu weniger gewichtige Feinde in der ganzen Welt. Aber diesen Gegnern, sogar einschließlich Saddam Hussein, fehlen mehrere Eigenschaften, die den militanten Islam so bedrohlich machen: seinen ideologischen Eifer, seine Ausbreitung, sein Ehrgeiz und sein Durchhaltevermögen. Obwohl die potentielle Gefolgschaft des militanten Islam sich auf Muslime beschränkt, machen diese doch insgesamt rund ein Sechstel der menschlichen Rasse aus, die eine hohe Geburtenrate aufweist und in praktisch jedem Winkel der Welt zu finden ist.

Zu einem Zeitpunkt, in dem die aus Europa stammendenden Extreme der kommunistischen Linken und faschistischen Rechten ermüdet und insgesamt kraftlos sind, hat der militante Islam sich als die einzig wirklich bedeutende totalitäre Bewegung der heutigen Welt erwiesen. Einer seiner Führer nach dem anderen hat deutlich gemacht, dass der Islamismus sich als der einzige Rivale und der unvermeidliche Nachfolger der westlichen Zivilisation betrachtet. Obwohl eine Reihe von (falsch gepolten) westlichen Beobachtern ihn als im Aussterben begriffen betrachten**, wird er wahrscheinlich eine Kraft sein, mit der man noch für Jahre, wenn nicht Jahrzehnte zu kämpfen haben wird.

Lassen Sie mich versuchen, die „Kundschaft“ des militanten etwas genauer zu beschreiben. Sie kann in drei Hauptelemente unterteilt werden.

Den harten Kern bilden Typen wie Osama bin Laden gehören, die neunzehn Flugzeugentführer, al-Qaida, die Führer des Taliban-Regimes in Afghanistan und der Rest des Netzwerks gewalttätiger Gruppen, die von der militant-islamischen Ideologie beseelt sind. Diese Gruppen sind zum großen Teil in den 1970-er Jahren entstanden. und seitdem ein immer wichtigerer Faktor in der muslimischen Welt geworden. Zu diesem Netzwerk, das von manchen Moslem-Kritikern als „Islamintern“ bezeichnet wird, beinhalten schiitische und sunnitische Elemente, die an Reiche und Arme gleichermaßen ansprechen und in so weit auseinander gelegenen Gebieten wie Afghanistan, Algerien und Argentinien aktiv sind. 1983 begannen einige ihrer Mitglieder eine gewalttätige Kampagne gegen die USA, deren größter Triumph bisher die spektakuläre Aktion am 11. September war. Alles in Allem ist die Zahl der Anhänger dieses Netzwerks so lein, wie ihr Fanatismus groß ist. Es handelt sich vielleicht um ein paar Tausend.

Der zweite Kreis umfasst eine weit größere Zahl von Militanten, die mit Al-Qaidas radikal-utopischer Vision sympathisieren, ohne ihr selbst anzugehören. Ihre Gesinnung zeigte sich täglich seit dem Moment des Ausbruchs der Feindseligkeiten in Afghanistan: Zehntausende von Demonstranten und Mujaheddin brachten ihren entschiedenen Hass auf die Vereinigten Staaten und ihren Enthusiasmus für weitere Gewaltakte zum Ausdruck. Länder, von denen man normalerweise nichts hört und die kaum als Brutstätten des Radikalismus gelten können, machten sich auf um gegen die US-Kampagne zu protestieren.

Das Geschrei dieser Islamisten auf der ganzen Welt hatte eine gewisse, familiäre Ähnlichkeit:

Indonesien: „USA, fahr zur Hölle“.
Malaysia: „Fahr zur Hölle, Amerika“ und „Zerstört Amerika“.
Bangladesch: „Tod Amerika. Tod Israel. Taliban, Taliban, wir grüßen euch.“
Sri Lanka: „Bin Laden, wir sind auf deiner Seite.“
Jemen: „Amerika ist der Große Satan.“
Ägypten: „USA, fahr zur Hölle, die Afghanen werden siegen.“
Sudan: „Nieder, nieder, USA.“
Bosnien: „Lang lebe bin Laden.“
Großbritannien: „Tony Blair möge in der Hölle brennen.“

Die beste Schätzung, die ich aus Wahlresultaten, Umfragen, anekdotischem Material und den Meinungen informierter Beobachter heraus vornehmen kann, ist, dass dieses islamistische Element aus ca. 10 bis 15% der gesamten muslimischen Weltbevölkerung von rund einer Milliarde besteht – also rund 100 bis 150 Millionen Menschen weltweit.

Der dritte Kreis besteht aus Muslimen, die das militant-islamische Programm zwar nicht in allen Einzelheiten akzeptieren, aber mit seinem krassen Antiamerikanismus überein stimmen. Diese Haltung findet sich in praktisch der gesamten politischen Bandbreite. Ein säkularer Faschist wie Saddam Hussein teilt einen Amerika-Hass mit den extrem Linken der kurdischen PKK, die sie wiederum mit einer exzentrischen Figur wie Muammar Gaddafi gemein haben. Verlässliche Meinungserhebungen gibt es in der muslimischen Welt nicht, aber nach meinem Gefühl ist es die Hälfte der Muslime weltweit – also etwa 500 Millionen Menschen -, die mehr mit Osama bin Laden und den Taliban sympathisieren als mit en USA. Dass eine derart riesige Zahl von Menschen die USA Hassen, ist schlichtweg ernüchternd.

Das bedeutet nicht, dass Antiamerikanismus unter Muslimen universell ist, denn es gibt wichtige Bollwerke mit pro-amerikanischer Haltung. Dazu gehört das Offiziers-Korps des türkischen Militärs, die die eigentlichen Herren des Schicksals ihres Landes sind, einige Führer von Staaten mit muslimischer Mehrheit in der früheren Sowjetunion, die sich langsam zu Erkennen gebenden Dissidenten in der Islamischen Republik Iran und – etwas allgemeiner – die Muslime, die den militanten Islam aus erster Hand erfahren haben.

Aber diese „Gemäßigten“ bilden eine Minderheit. Ansonsten erhebt der Antiamerikanismus das Haupt: unter den abgeschirmten Frauen der saudischen Elite und den männlichen Einwohnern der riesigen Slums von Kairo, unter den Alten in den abgelegenen Gebieten Pakistans und den Studenten an muslimischen Schulen von Washington D.C. Auch ist Feindseligkeit nicht auf Gefühle beschränkt. Seit Vietnam – und noch vor dem 11. September – starben mehr Amerikaner durch die Hände von radikalen Muslimen als durch irgend einen anderen Feind.

Die Lage ist daher sehr düster. Aber sie ist nicht hoffnungslos, wie auch die Lage auf der Höhe des Kalten Krieges mit der Sowjetunion nicht hoffnungslos war. Wie damals ist auch heute nicht nur Genauigkeit und Ehrlichkeit in der Definition des Feindes notwendig, sondern eine konzeptionelle Klarheit, wie ihm zu begegnen ist. Und vielleicht ist der erste Schritt in dieser Richtung die Einsicht, dass – so paradox es im Licht der dargestellten Daten erscheinen mag – die Amerikaner nicht in einen Großkampf zwischen dem Islam und dem Westen verwickelt ist oder das, was „Zusammenprall der Zivilisationen“ genannt worden ist.

Diesem berühmten Begriff wurde von dem Polit-Theoretiker Samuel Huntington ein hoher Bekanntheitsgrad verschafft. Auf seine eigene, teuflische Art, hat Osama bin Laden ihn unterstützt. Der Gedanke übt einen unbestreitbaren Reiz aus, er ist aber nicht genau. Viele islamistische Elemente suchen tatsächlich eine solche Konfrontation; sie sind überzeugt, dass der Islam sich durchsetzen und die weltweite Vorherrschaft erreichen wird. Aber mehrere Faktoren sprechen gegen eine solch weit gehende Sicht der objektiven Lage.

Zum einen ist Gewalt gegen Amerikaner – und gegen Israelis, Abendländer und nicht-muslime überhaupt – nur ein Teil der Geschichte; die islamistische Feindschaft gegen Muslime, die ihre islamistischen Ansichten nicht teilen, ist nicht weniger erbittert. Machte die Taliban-Herrschaft in Afghanistan das nicht deutlich? Ihre vielfältigen Gräueltaten und mutwilligen Gewaltakte gegen ihre Mit-Muslime unterstellt eine Gewissenshaltung, die an Völkermord grenzt. Was es bedeuten muss, von dieser unterdrückenden Grausamkeit befreit zu werden, wurde in einem Bericht der New York Times aus einer Stadt in Afghanistan am 13. November gut eingefangen:

In den zwölf Stunden, seit die Taliban-Soldaten die Stadt verließen, breitete sich eine freudige Stimmung aus. Die Bevölkerung von Taliquan, die zwei Jahre unter der bedrückenden Herrschaft der Taliban-Herrschaft lebten, strömten in die Straßen, um die Beschränkungen abzuwerfen, die in bis die privatesten Bereiche ihres Lebens hinein gereicht hatten. Männer waren ihre Turbane in die Gosse. Familien gruben ihre lange versteckten Fernseher aus. Restaurants spielten laute Musik. Zigaretten flammten auf und junge Männer sprachen davon ihr Haar lang wachsen zu lassen.

Die Taliban sind auch keine Ausnahme: überall, wo er Macht errang und wo immer er nach Macht gestrebt hat, hat der militante Islam Muslime brutalst behandelt. Ich habe Algerien bereits erwähnt, ein Land, das Dank eines Jahrzehnts der Barbarei von Islamisten mit ungefähr 100.000 Toten (die Zahl steigt weiter) ein Synonym für Gewalt gegen Glaubensbrüder geworden ist. Kleiner, aber vergleichbare Tötungs-Orgien haben in Ägypten, dem Libanon und der Türkei statt gefunden. Und was kann über den Krieg des islamistischen Iran gegen den nicht-islamistischen Irak ab 1982 gesagt werden, der hunderttausende Muslime tot zurück ließ? Der militante Islam ist eine aggressive, totalitäre Ideologie, die letztlich kaum, wenn überhaupt Unterschiede bei denen macht, die ihm im Weg stehen.

Ein weiterer Grund dien Begriff des Zusammenpralls der Kulturen in Frage zu stellen: Er führt unvermeidlich dazu, die wichtigen und möglicherweise entscheidenden Unterschieden innerhalb der Kulturen selbst zu ignorieren. Diese Unterschiede tauchten mit besonderer Schärfe 1989 auf, als eine beträchtliche Minderheit der Muslime weltweit das Todesurteil des Ayatollah Khomeini gegen den Schriftsteller Salman Rushdie anprangerte – im Iran unterschrieben 127 Intellektuelle einen Protest gegen Khomeinis Erlass – während eine Reihe (säkularer wie religiöser) Prominente des Westens dieses Urteil entschuldigten oder Wege entschuldigten es zu „verstehen“. (In einer typischen Stellungnahme erklärte der Präsident der französischen Bischofskonferenz, dass die „Satanischen Verse“ eine „Beleidigung der Religion“ wären – als ob das auf irgendeine Weise die Bedrohung von Rushdies Leben angemessen rechtfertigen würde.)

Ein zeitlich und räumlich näher liegendes Beispiel liefern Umfragen im katholischen Italien nach dem 11. September; darin zeigte sich, dass ein Vierteil der Italiener der Ansicht sind, dass die Amerikaner bekamen, was sie verdienten. Sogar einige Amerikaner stellten sich auf die Seite der Angreifer oder zumindest hinter die Wahl ihres Ziels: „Jeder, der das Pentagon in die Luft jagen kann, hat meine Stimme“, verkündete ein Professor für Geschichte an der Universität von New Mexico. Macht das diese Leute Teil der Muslimischen Welt? Und wo stehen die hunderttausende Muslime, die von den Selbstmord-Flugzeugentführungen entsetzt waren? Gehören sie nicht zur muslimischen Welt?

Dies bringt uns zu einer großen und eng damit in Zusammenhang stehenden Frage: Liegt das „Problem“ im Islam selbst begründet? Wie alle großen Religionen ist der Islam einer Reihe von Interpretationen unterworfen, von der mystischen bis zur militanten, von der stillsten zur revolutionären. Seine Grundideen lassen höchst unterschiedliche Erklärungen zu. Gleichzeitig unterscheidet sich der Islam von anderen Religionen darin, dass er eine große Anzahl von Bestimmungen über das öffentliche Leben und die Beziehungen zu Nichtgläubigen einschließt; diese widersprechen recht stark modernen Empfindlichkeiten und wurden noch nicht zurück gelassen. Kurz gesagt: Die harte Arbeit, den Islam an die gegenwärtige Welt anzupassen, muss erst noch richtig angefangen werden – eine Tatsache, die beinahe die Attraktivität der militant-islamischen Ideologie erklärt.

Diese Ideologie ist kein völlig neues Phänomen. Seine Wurzeln reichen bis auf die Bewegung der Wahabiten im 18. Jahrhundert zurück, auf die Schriften des Ibn Taymiya im 13. Jahrhundert, sogar zu den Kharijjiten des siebten Jahrhunderts. Aber, wie es sich für eine moderne Ideologie gehört, umfasst die heutige Version mehr Lebensbereiche (einschließlich z.B. die wirtschaftliche Dimension), als alle vormodernen Vorgänger. Er hat auch weitaus größeren politischen Erfolg erlebt. Ein radikalisiertes Verständnis des Islam hat Fuß gefasst, wahrscheinlich in einen größeren Ausmaß als jemals zuvor in den vierzehnhundert Jahren muslimischer Geschichte; und er hat jede ernst zu nehmende Alternative vertrieben oder ruhig gestellt.

Dieser Radikalismus ist die wütende Antwort auf die Frage, die die Muslime seit 200 Jahren verwirrt, da die Macht und der Reichtum, mit denen die Welt des Islam einst gesegnet war, in den fünf Jahrhunderten vor 1800 tröpfchenweise verschwanden und sich andere Völker und Nationen vor drängten. Was war falsch gelaufen? Wenn der Islam, wie weitgehend angenommen, Gottes Gnade bringt, warum schneiden Muslime so schlecht ab? Muslime wandten sich in der Zeit der Moderne einer Reihe von extremistischen Ideologien zu – vom Faschismus und Leninismus bis zum panarabischen und pansyrischen Nationalismus -, immer im Versuch, auf diese Frage eine Antwort zu finden – durch fast alle Mittel außer der Selbstprüfung, Mäßigung und Selbsthilfe. Der militante Islam hat sich als die populärste, täuschendste und verhängnisvollste dieser Ideologien erwiesen.

Aber die beispiellose Natur seiner Dominanz bietet ironischerweise auch Grund zur Hoffnung. So erfolgreich die militante Interpretation gegenwärtig auch sein mag, in der Zukunft muss das nicht genauso sein. Der terroristische Heilige Krieg gegen den Westen ist eine Lesart des Islam, aber nicht sein ewig währendes Wesen. Vor 40 Jahren, auf dem Höhepunkt des sowjetischen Ansehens und während der Blüte des panarabischen Nationalismus, hatte der militante Islam kaum politischen Einfluss. Was dann passierte, um ihn in die erste Reihe zu bringen, ist zwar eine faszinierende Frage, aber der zentrale Punkt für unsere Zwecke ist, dass, da der militante Islam vor kaum 40 Jahren keine einflussreiche Kraft war, es absolut vernünftig ist anzunehmen, dass er in weiteren 40 Jahren seinen Einfluss eingebüsst haben könnte.

Wenn der heutige Extremismus tatsächlich nicht aus dem Islam herauszubringen wäre, dann gäbe es keine Lösung außer dem Versuch ein Sechstel der Weltbevölkerung entweder in Quarantäne zu nehmen oder zu bekehren. Keiner dieser Vorschläge ist realistisch.

Wenn der Welt erschütternde Zusammenprall unserer Zeit nicht zwischen zwei Zivilisationen statt findet, dann muss es einer zwischen dem Mitgliedern einer Zivilisation sein – also zwischen den Islamisten und denen, die wir mangels besserer Begriffe gemäßigte Muslime nennen wollen (wobei „gemäßigt“ nicht im Sinne von liberal oder demokratisch, sondern lediglich anti-islamistisch bedeutet). Ähnlich wie die extremen westlichen Ideologien des Faschismus und des Kommunismus den Westen herausforderten, erschütterten und ausgetrieben wurden, ist es mit dem militanten Islam und der muslimischen Welt. Die Schlacht um die Seele des Islam wird zweifellos viele Jahre dauern und viele Leben kosten; sie wird wahrscheinlich die größte ideologische Schlacht der Zeit nach dem Kalten Krieg sein.

Welche Rolle bleibt dabei für uns? Die Vereinigten Staaten, ein überwältigend nicht muslimisches Land, kann zweifellos nicht die Probleme der muslimischen Welt lösen. Sie können weder das Trauma des modernen Islam lösen, noch viel dazu beitragen, den in der muslimischen Welt blühenden Antiamerikanismus zu verringern. Während der Kampf unter den Muslimen sich entfaltet, werden sich Nicht-Muslime hauptsächlich in der Rolle des außen vor Stehenden wiederfinden.

Die außen Stehenden und besonders die USA können jedoch maßgeblich zur Beschleunigung des Kampfs beitragen und zur Beeinflussung seines Ausgangs beitragen. Das können sie tun, indem sie die militante Seite schwächen und der gemäßigten helfen. Tatsächlich hat dieser Prozess mit dem sogenannten Krieg gegen den Terrorismus schon begonnen und im Kleinen sind dessen Ergebnisse in Afghanistan auf dramatische Weise sichtbar geworden. Solange Washington abseits stand, waren die Taliban im Lande and er Macht und die Nordallianz schien und war eine glücklose Kraft. Sobald das US-Militär beteiligt war, brachen die Taliban zusammen und die Nordallianz stürmte in wenigen Wochen durch das Land. Bezogen auf die Gesamtschau ist die Aufgabe dieselbe: die Islamisten schwächen, wo sie an der Macht sind, sie von ihrer Ausdehnung abhalten und die gemäßigten Elemente ermutigen und unterstützen.

Um den militanten Islam zu schwächen, wird eine phantasiereiche und anspruchsvolle Politik notwendig sein, die auf die Bedürfnisse der jeweiligen Länder zugeschnitten ist. Der Stempel amerikanischer Macht hat sich bereits an einigen Orten aufgedrückt, von Afghanistan, wo sie die Regierung stürzte, bis zu den Philippinen, wo 93 Millionen Dollar in Militär- und Sicherheitshilfen samt einem Beraterstab der Regierung helfen, den militant-islamischen Aufstand zu besiegen. In Pakistan bildet das FBI Einreise-Beamte in der Entdeckung verdächtiger Terroristen aus, die aus Afghanistan einsickern. Die anarchistischen Gegenden Somalias könnten als nächste an der Reihe sein.

In einigen Fällen könnten die Veränderungen dramatisch und schnell herbeizuführen sein; in anderen wird die Entwicklung langsam voran schreiten und lange andauern. In Pakistan muss der Staat gezwungen werden, die Kontrolle über die berüchtigten Madrassas (religiösen Schulen) zu übernehmen, die Extremismus lehren und Gewalt befürworten. Im Iran und Sudan werden weitaus energischere und vielfältigere Anstrengungen notwendig sein, um die Herrschaft des militanten Islam zu beenden. In Qatar, Heimat des al-Jazira-Senders – bin Ladens Sprachrohr -, muss auf die Regierung Druck ausgeübt werden, die Lehren eines moderaten Scheichs zu fördern, statt jene des tief im Schützengraben eingegrabenen Extremisten Yussuf Al-Qaradawi („Am Jüngsten Tag werden Muslime die Juden bekämpfen und sie töten“).

Saudi Arabien ist ein besonderer Fall. Es ist die Heimat von Osama bin Laden selbst und fünfzehn der neunzehn Selbstmord-Entführer, die Brutstätte der Grundideen, die für das Herz der Taliban stehen und die Finanzierungsquelle des weltweiten islamistischen Netzwerks. Obwohl die saudischen Behörden es geschafft haben, mit dem Westen seit Jahrzehnten funktionierende Beziehungen zu pflegen, haben sie es auch zugelassen, dass der öffentlichen Diskurs vom militanten Islam übernommen wurde. Es muss dringend von einem Schulsystem befreit werden, in dem beispielsweise Schulbücher der zehnten Klasse warnen: „Die Muslime schulden sich gegenseitig Loyalität und haben die Ungläubigen als ihren Feind zu betrachten.“ Für die Medien, ganz zu schweigen von anderen Bereichen des öffentlichen Lebens, gilt das Gleiche.

An anderer Stelle müssen Finanzzentren auf der ganzen Welt, von den Vereinigten Arabischen Emiraten bis nach Hong Kong dazu gezwungen werden, die Geldwäsche durch „islamische Wohlfahrtsorganisationen“ für Al Qaida und andere Terror-Organisationen zu unterbinden. Frankreichs Präsident Jacques Chirac hat zugegeben, dass „Europa ein Zufluchtsort“ für islamistische Extremisten geworden ist. Dieses Problem muss ernst genommen werden und dem müssen Taten folgen.

Der Krieg gegen den militanten Islam hat auch innenpolitisch Konsequenzen, denn die Gefahr im Inland ist nicht weniger unheilvoll als die von außen. Das Ziel ist, Schaden durch radikal antiwestlich Eingestellte unter uns zu verhüten; die Mittel dazu müssen Ausweisung, Gefängnis oder andere Einschränkungen einschließen. Das beinhaltet eine Änderung der Einwanderungsgesetze und besonders ein Ende der unbedarften Annahme, dass alle, die zu Besuch oder als Immigranten in die USA einreisen wollen, es gut mit dem Land meinen. Es bedeutet die Aufnahme eines ideologischen Filters in die Einreisebestimmungen und in den Worten des Präsidenten: „Es müssen viele Fragen gestellt werden die vorher nicht gestellt wurden.“ Es bedeutet, scharf gegen islamische „Wohlfahrtsorganisationen“ vorzugehen, die Gelder an islamistische Gruppierungen schleusen. Außerdem werden Militärgerichte notwendig sein. Die Anwalt-Klient-Beziehung wird unter Umständen gewisse Einschränkungen hinnehmen müssen. Wo angemessen, muss ernsthafter Gebrauch der Rasterfahndung zur Entdeckung von Schläfern und anderen Terroristen eingesetzt werden. Und vor allem muss der Präsident aufhören, sich mit militant-islamischen Führern zu treffen, wie er das vor und nach dem 11. September getan hat***, da er diese damit legitimiert.

Wir sollten uns aber nicht vormachen. Wenn die USA mehr als 100 Millionen islamistische Feinde haben (ganz zu schweigen von der noch größeren Zahl der Muslime, die uns aus den verschiedensten anderen Gründen Schlechtes wünschen), dann können sie nicht alle ausgeschaltet werden. Statt dessen muss das Ziel sein, sie abzuschrecken und im Zaum zu halten. Der militante Islam ist zu populär und zu weit verbreitet, um militärisch ihn militärisch zu vernichten. Er kann nur abgewehrt werden.

Um die Worte George Kennens in „Die Quellen der Sowjetischen Haltung“ (sein berühmter Artikel über die Bedrohung durch den sowjetischen Kommunismus von 1947) zu übernehmen: „Das Hauptelement jeder US-Politik gegenüber dem militanten Islam muss die einer langfristigen, ruhigen, aber strengen und wachsamen Eindämmung seiner expansiven Tendenzen sein“. Ziel muss sein, ihre Anhänger zu überwinden, dass der Gebrauch von Gewalt gegen Amerikaner bestenfalls fruchtlos und schlimmstenfalls kontraproduktiv ist – dass Algerier und Malaysier ein Recht auf ihre antiamerikanische Meinung haben, aber nicht aus ihnen heraus handeln und Amerikanern Schaden zufügen. Sie das Fürchten zu lehren ist der einzige Weg, dieses Ziel zu erreichen. Und dazu braucht es Härte, Entschiedenheit – und Durchhaltevermögen – von einer Art, die Amerikaner seit langem nicht aufgeboten haben. Außerdem werden Verbündete benötigt.

Das ist der Punkt, an dem die moderaten Muslime ins Spiel kommen. Wenn rund die Hälfte der muslimischen Bevölkerung Amerika hasst, tut es die andere Hälfte nicht. Unglücklicherweise sind sie unbewaffnet, unorganisiert und praktisch ohne Stimme. Die USA brauchen sie nicht wegen ihrer Macht. Sie brauchen sie wegen ihrer Ideen und der Legitimität, die sie verleihen, und diese Aspekte ihrer Stärken ergänzen die Washingtons sehr gut.

Der US-Regierung fehlt die religiöse Autorität, um über den Islam zu reden, obwohl sie das nicht zu merken schient. Hier steht Osama bin Laden und behauptet, dass die Welt sich in die guten Moslems und die bösen Nichtmoslems teilt und dann zum Heiligen Krieg gegen den Westen aufruft. Wie kann eine säkulare und mehrheitlich christliche Regierung möglicherweise antworten? Mit Sicherheit nicht direkt – obwohl die Regierung ohne Erfolg genau das zu tun versuchte.

So sprach am 3. November Christopher Ross, ehemaliger US-Botschafter, für die US-Regierung auf Arabisch 15 Minuten lang im Al-Jazira-Fernsehen. Seine Aufgabe bestand aus nicht weniger als der Entkräftung der Beschuldigung Osama bin Ladens, dass Amerika der Feind des Islam sei. Ross ging auch in die Offensive und erzählte den Zuschauern, dass die, „die die Verbrechen durchführten, menschliches Leben nicht respektieren, nicht einmal unter Muslimen“ und dass bin Laden der wirkliche Feind des Islam sei.

Ross‘ Auftritt bei Al-Jazira war nur eine von vielen Schritten, die von Charlotte Beers entwickelt wurde, der Staatssekretärin im Außenministerium, die mit damit beauftragt wurde, Amerikas Botschaft zur muslimischen Welt zu bringen. Beers, mit dem Spitznamen „Königin der Markennamen“ und ehemalige Leiterin von J. Walter Thompson und Ogilvy & Mather, ist teilweise verantwortlich für die Eröffnung des Coalition Information Center (CIC), einem für Public Relations-Kampagnenzentrum. Es bietet mit seinen zwei Dutzend Mitarbeitern tägliche und wöchentliche Gesprächsthemen für Journalisten und hat eine Kampagne entwickelt, um Muslime von der freundlichen amerikanischen Haltung ihnen und ihrem Glauben gegenüber zu überzeugen. Es sorgte dafür, dass zu Beginn des Fastenmonats Ramadan mehr humanitäre Hilfspakete über Afghanistan abgeworfen wurden, verschickte einen „Katalog der Lügen der Taliban“ an pakistanische Zeitungen und arrangierten Treffen von Journalisten aus mehrheitlich muslimischen Ländern mit amerikanischen Politikern. Es ist auch für die Nutzung der Populär-Kultur zur Verschiebung der Wahrnehmung in der muslimischen Welt verantwortlich, indem – so (das Magazin Variety – zum Dialog zwischen jungen Amerikanern und jungen Zuschauern des Nahen Ostens auf dem Musikkanal MTV ermutigt wird.

In Bezug auf den Islam selbst, versucht das CIC nach Beers, es unmissverständlich klar zu machen, dass Amerikaner die Religion anerkennen und respektieren. Das heißt, dass Beamte darüber sprechen, dass amerikanische und islamische Werte vereinbar sind und dazu Bänder eines muslimischen Imam versenden, der das Bittgebet vor dem Kongress hielt sowie Poster der „Moscheen Amerikas“ druckt. Besonders herausgestellt wurde die Einladung des Präsidenten an 50 muslimische Botschafter zum Fastenbrechen im Weißen Haus am Ende des Ramadan, eine Beispiel, dem Außenminister Colin Powell und US-Botschafter weltweit folgten. Ein ranghoher Beamter des Außenministeriums erklärte das nicht einleuchtende Ziel dieser Aktion damit, dass der muslimischen Welt demonstriert werden sollte, dass „Amerikaner (islamische) Feiertage genauso ernst nehmen wie die christlichen und jüdischen Feiertage“. Zukünftige Vorhaben sind ehrgeiziger und drehen sich um ein Nahost-Radio, das im Februar auf Sendung gehen soll; es ist geplant, ein Programm in 26 Sprachen zu bringen und sich an jugendliche Muslime wendet.

Werden diese Programme den gewünschten Erfolg haben? Wahrscheinlich nicht. Lassen wir die eher absurden Teile außer Acht – MTV zum Brückenbau zwischen Zivilisationen nutzen oder Eid ul-Fitr (Fastenbrechen) für Amerikaner ebenso wertvoll wie Weihnachten machen zu wollen. Sogar die Aktion mit Christopher Ross war ein Rohrkrepierer: „Sein Auftritt war furchtbar… Er wirkte wie ein Roboter, der Arabisch spricht“, kommentierte ein arabischer Kritiker. Etwas tiefer gehend: Obwohl die Zielsetzung des CIC gut und richtig ist – es handelt sich schließlich um einen Krieg der Ideen -, sind seine Voraussetzungen vom Grundsatz her mangelhaft. Man muss andere Typen haben als die der Madison Avenue, gar keine Amerikaner, um die anti-bin-Laden-Botschaft zu konzipieren und an den Mann zu bringen, jemanden mit dem nötigen islamischen Ansehen und einem tiefen Verständnis der Kultur. Dieser Jemand ist ein moderater Muslim, der Muslim, der die Aussicht auf ein Leben unter der Herrschaft des militanten Islam hasst und sich etwas besseres vorstellen kann.

In Bezug auf den Islam ist die Rolle der USA weniger, ihre eigenen Ansichten anzubieten, als denjenigen Muslimen zu helfen, die vereinbare Ansichten haben, besonders in Fragen wie den Beziehungen zu Nichtmuslimen, Modernisierung und den Rechten der Frauen und Minderheiten. Das heißt, den Moderaten dabei zu helfen, ihre Ideen von US-finanzierten Rundfunkstationen wie dem neu geschaffenen Radio Free Afghanistan zu verbreiten und, wie Paula Dobriansky (Staatssekretärin für Außenbeziehungen im Außenministerium) vorschlug, sicher zu stellen, dass tolerante islamische Persönlichkeiten (Gelehrte, Imame und andere) in von den USA finanzierten akademischen und Kultur-Austauschprogrammen eingebunden werden.

Anti-Islamisten sind heute schwach, gespalten, eingeschüchtert und generell ohne Einfluss. Die Aussichten für eine Wiederbelebung der Muslime sind selten schlechter erschienen als in dieser Zeit des Radikalismus, Jihad, extremistischer Rhetorik, Verschwörungsdenken und Todeskult. Aber es gibt Moderate und sie haben den Vereinigten Staaten in ihrer eigenen Schlacht gegen den militanten Islam viel zu bieten, nicht zuletzt ihre intimen Kenntnisse des Phänomens und seiner möglichen Schwachpunkte. Zudem ist die Legitimität unbezahlbar, die sie im Kampf gegen den militanten Islam einbringen. Allein durch ihr Mitwirken wird der Vorwurf der „Islamophobie“ einfach unhaltbar.

In Afghanistan haben die USA zuerst das Taliban-Regime zerschlagen und dann das Land in die Hände der gemäßigteren Nordallianz übergeben. Es liegt nun an der Allianz, diese durch die USA eröffnete Chance zu nutzen. Das gleiche gilt für den Islam insgesamt. Weiter kann Washington nicht gehen. Ob aus seinen militärischen Siegen politische werden, hängt letztlich von den Muslimen ab. Der Kampf gegen den militanten Islam wird gewonnen werden, wenn Amerika den Willen und das Durchhaltevermögen hat, ihn durchzustehen und begreift, dass seine Botschaft letztendlich durch andere als die amerikanischen Hände getragen werden muss.

Anmerkungen:
* Robert Kagan, „On to Phase II“, Washington Post, 27. November 2001.
** vgl. meine Rezension von Oliver Roys „The Failure of Political Islam“ im Commentary, Juni 1995.
*** vgl. meinen Artikel „The Danger Within: Militant Islam in America“ in der Novemberausgabe des Commentary.

Der Krieg gegen den Terror: Was können wir erkennen?

Micah Halpern, 13. Juli 2004 (direkt vom Autor)

Wie können wir wissen, ob der Krieg gegen den Terror wirklich gewonnen wird?

Nach mehreren Monaten der Ruhe schoss der Explosionsknall einer Bombe durch die Innenstadt von Tel Aviv – seit langer Zeit der erste erfolgreiche, tödliche Anschlag in einer größeren Stadt in Israel. Zum Glück kostete er nur ein Leben und die Zahl der Verletzten war „niedrig“ – Dutzende, nicht Hunderte.

Was war das Ungewöhnliche – dieser Anschlag oder die Einstellung der Anschläge? Was ist für die israelische Gesellschaft die Normalität?

Unter Benutzung der israelisch-palästinensischen Lage als Modell ist es an der Zeit einige wichtige, populäre falsche Vorstellungen zu analysieren, die in der freien, d.h. westlichen Welt, über die Natur des Kriegs gegen den Terror herumgeistern.

Falsche Vorstellung Nr. 1: Da es keine schweren Terroranschläge gegeben hat, müss es so sein, dass die Palästinenser aktiv daran arbeiten den Terror zum Schweigen zu bringen.

Die Wirklichkeit: Nichts könnte von der Wahrheit ferner entfernt sein. Die Wahrheit ist, dass Israel in diesen letzten Monaten sehr erfolgreich dabei gewesen ist, die Terroristen aufzuhalten, bevor sie in die Stadtzentren gelangten und unschuldige Zivilisten ermorden konnten. SEHR erfolgreich.

Im Verlauf einer einzigen Woche gehen Dutzende von Terrorwarnungen über meinen Schreibtisch. Jeder bedroht das Leben unschuldiger israelischer Zivilisten, Touristen, Gastarbeiter. Jede Person, die in Israel lebt, es besucht oder durch es hindurch reist, ist in Gefahr. Und unausweichlich sind unter den Verletzten oder Toten fast jeden Anschlags Araber – Männer, Frauen oder Kinder, die auch israelische Staatsbürger sind.

Falsche Vorstellung Nr. 2: Weil es keine öffentliche israelische Ankündigung eines beabsichtigten Anschlags gegeben hat, haben die Palästinenser aufgehört, Anschläge durchzuführen.

Die Wirklichkeit: Das ist überhaupt nicht der Fall. Es gibt viele Gründe dafür, dass die Behörden sich entscheiden, nicht alle Informationen, die sie haben, öffentlich zu machen und nicht jedes Mal an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn sie jemanden in Haft haben.

Zusätzlich zu den Dutzenden Warnungen und Alarmen gibt es Dutzende von vereitelten Anschlägen. Manchmal werden die Anschläge gestoppt, während sie sich noch in der Planung befinden. Bei anderen Gelegenheiten werden die terroristischen Angreifer oder die Werkzeuge ihres Handwerks erst im letzten Moment entdeckt, entschärft und beseitigt – wenn sie auf dem Weg zur Ausführung ihres Anschlags sind, um ihre Bombe auszulösen und sich selbst und andere in Stücke zu reißen.

Es ist wirklich nicht weniger als ein Wunder, dass so viele Terroristen aufgehalten und gefangen werden, dass so viele Terroristen abgefangen werden. Aber es ist kein Grund für öffentliches Feiern. Es bedeutet einfach, dass Israel im Kampf gegen den Terror erfolgreich gewesen ist und dass man viele Schlachten erfolgreich bestritten hat. Jedesmal eine Pressekonferenz einzuberufen, wenn man erfolgreich ist, würde die Öffentlichkeit auf eine von zwei Möglichkeiten täuschen. Es ist wie mit dem Optimisten und dem Pessimisten – ist das Glas halb voll oder halb leer? Ist es ein gutes, sicheres Zeichen, dass so viele Anschläge verhindert werden, oder ist es ein gefährliches Signal, weil es so viele Anschläge hätten geben können?

Die Wirklichkeit ist, dass man in diesem Geschäft hundertprozentigen Erfolg anstrebt. Die Wirklichkeit ist aber auch, dass ein solches Ziel einfach nicht erreichbar ist.

Egal, wie gut wir also sind, wie genau unsere Quellen sind, wie erfolgreich man gewesen ist, es wird immer etwas oder jemanden geben, der durch die Maschen schlüpft. Immer und unvermeidlich. Die einzige Hoffnung besteht darin, dass das nicht zu vernichtend sein wird.

Und doch gibt es wenig Zweifel, dass wichtige Fortschritte im Kampf gegen den Terror in Israel und, ja, auch in der westlichen Welt gemacht wurden. Israel hat einen Krieg geführt, der schon viele Jahre andauert und viel zu viele Leben gekostet hat, aber es sieht so aus, als würden es anfangen seinen Krieg zu gewinnen.

Es gibt verschiedene Variablen, einfache Bezugspunkte, die Experten und Analysten benutzen, um zu bestimmen, wie der Krieg gegen den Terror läuft:

  • Das Erfolgslevel beim Aufhalten der Terroristen bewegt sich im Bereich über 90%
  • Psychologisch fühlen sich die Bürger nicht belagert; sie gehen aus, sie reisen, sie essen in der Öffentlichkeit und erlauben ihren Kinder, das auch zu tun
  • Die Sicherheitskräfte können die Züge der Terroristen antizipieren und sie deutlich vor der Ausführung ihrer Tat fangen
  • Es gibt Informationsquellen vor Ort, so dass man aus vielerlei Quellen die Richtung kennt, die die Terroristen einschlagen
  • Man fängt auch, zufällig und versehentlich eine große Anzahl von Terroristen, die ins Netz gehen, weil man die richtigen Dinge unternimmt
  • Man fragt sich sogar selbst, warum es in letzter Zeit so ruhige geblieben ist und warum es in zuletzt keine Terroranschläge gegeben hat

Es gibt im Kampf gegen den Terror keinen perfekten Schutzschild. Das Beste, was man tun kann, ist sein Bestes zu geben.

Islamische Kriegsführung studieren

Um den Feind zu kennen, muss man erst einmal zugeben, dass es ihn gibt

Raymond Ibrahim, National Review online, 11. September 2008

Auf der Eröffnungskonferenz der Association for the Study for the Middle East and Africa (ASMEA – Vereinigung für die Studien des Nahen Ostens und Afrikas) im April wies ein Sprecher, LTC Joseph Myers, auf einen interessanten Punkt hin, der weiterer Betrachtung wert ist. Obwohl militärische Studien traditionell die Texte klassischer Kriegsführungs-Doktrin hoch schätzten – so Clausewitz’ „Zum Kriege“, Sun Tsus „Die Kunst des Krieges“ und sogar die Leistungen Alexanders des Großen, wie sie von Arrian und Plutarch aufgezeichnet wurden – wird die islamische Kriegsdoktrin, als würde sie nicht mehr auf Texten basieren, völlig ignoriert.

Erst 2006 beklagte William Gawthrop vom Pentagon, dass „die hochrangigen Dienstkollegen im Verteidigungsministerium in ihren Lehrplan keine systematische Studie Mohammeds als militärischem und politischem Führer eingegliedert hatten. Die Folge ist, dass wir immer noch kein tief gehendes Verständnis der Kriegsführungs-Doktrin haben, wie sie von Mohammed festgelegt wurde, wie sie heute von einer zunehmenden Zahl islamischer Gruppen angewendet werden könnte oder wie man sie kontern könnte.“ [Hervorhebung hinzugefügt] Heute, volle sieben Jahre nach dem 11. September, ist das Verständnis der islamischen Art Krieg zu führen kaum besser.

Das ist noch ironischer, wenn man bedenkt, dass, während klassische Militärtheorien (Clausewitz, Sun Tzu, Machiavelli et.al.) weiterhin in den Vorlesungsverzeichnissen der Kriegsschulen steht, kann argumentiert werden, dass sie für die heute weit anders geartete Kriegslandschaft und Diplomatie wenig praktischen Wert haben. Man vergleiche das mit den Kriegsdoktrinen des Islam: Ihre „theologische“ Qualität – wo, wie sie in einer Religion gegründet sind, deren „göttliche“ Gebote in Zeit und Raum überschreitet und als unveränderlich geglaubt – machen es unwahrscheinlich, dass die Kriegsdoktrinen des Islam jemals außer Mode kommen werden. Man kann zwar argumentieren, dass zu lernen, wie Alexander seine Kavallerie bei der Schlacht von Guagamela 331 v.Chr. manövrierte, sowohl akademischer Natur als auch anachronistisch war, aber die Taten und Kriegslisten des Propheten Mohammed – seine „Kriegs-Sunna“ – dienen den modernen Jihadisten immer noch als Beispiel.

Beispielsweise stimmen, gegründet auf den Worten und Taten Mohammeds, die meisten islamischen Rechtsschulen überein, dass das Folgende im Krieg gegen den Ungläubigen alles legitim ist: der wahllose Gebrauch von Flugkörper-Waffen, auch wenn Frauen und Kinder anwesend sind (in Mohammeds Kontext des siebten Jahrhunderts waren das Katapulte; heute sind es entführte Flugzeuge oder Massenvernichtungswaffen); die Notwendigkeit den Feind immer zu täuschen und sogar formelle Verträge wann immer möglich zu brechen (s. Sahim Muslim 15,4057); und die einzige Aufgabe eines Friedensvertrages – oder „hudna“ – ist es den islamischen Armeen Zeit zur Umgruppierung für eine neue Offensive zu geben und sollte – theoretisch – nicht mehr als zehn Jahre dauern.

Die Koranverse 3,28 und 16, 106 wie auch Mohammeds berühmte Erklärung „Krieg ist Täuschung“ haben alle zur Formulierung einer Reihe von Doktrinen der Verstellung geführt – die berüchtigtste von ihnen die Doktrin der „taqiyya“, die es Muslimen erlaubt zu lügen und sich zu verstellen, wann immer sie sich unter Autorität der Ungläubigen befinden. Irreführung spielt eine so große Rolle, dass der berühmte muslimische Gelehrte Ibn al-Arabi erklärt: „In den Hadithen wird die Praktizierung der Täuschung im Krieg gut demonstriert. Ihre Notwendigkeit wird sogar stärker betont als [die Notwendigkeit von] Mut.“

Zusätzlich zur Ignorierung dieser gut dokumentierten islamischen Strategien bereitet noch mehr Sorge, dass das Verteidigungsministerium weiterhin darin versagt angemessene „ewige“ Doktrinen des Islam zu würdigen – so die Zweiteilung in den Ort des Krieges und den Ort des Islam, die behauptet, dass der Islam sich immer in einem Zustand der Feindschaft gegenüber der Welt der Ungläubigen befinden und, wo wann immer möglich, Krieg führen muss, bis alles Territorium der Ungläubigen unter islamische Herrschaft gebracht worden ist. Tatsache ist, dass diese Zweiteilung der Feindseligkeit unzweideutig in der islamischen Weltsicht kodifiziert ist und als fard kifaya erachtet wird – das heißt, als Verpflichtung für die gesamte muslimische Welt, die nur erfüllt werden kann, so lange einige Muslime – sag: „Jihadisten“ – sie aktiv hoch halten.

Trotz dieser problematischen – aber aufschlussreichen – Doktrinen, trotz der Tatsache, dass eine schnelle Durchsicht der islamistischen Webseiten und Bücher immer wieder demonstrieren, dass die derzeitigen und kommenden Jihadisten ständig diese doktrinalen Aspekte des Krieges zitieren und ernst nehmen, tun das ranghohe US-Regierungsvertreter nicht, die mit der Verteidigung Amerikas beauftragt sind.

Warum? Weil die „Flüsterer“ – Walid Phares’ passendes Attribut für die Mehrheit der Gelehrten zum Nahen Osten und zum Islam sowie ihre willigen Apologeten in der Presse – jeden mit einem Bann belegt haben, der es wagt eine Verbindung zwischen islamischer Doktrin und modernen islamistischem Terror aufzuzeigen – worüber das Steven Coughlin-Debakel Zeugnis ablegt. Das ist für alle jene in diesem Feld (s. Martin Kramers Ivory Towers on Sand: the Failure of Middle Eastern Studies in America) eine nur zu bekannte Geschichte.

Es gibt zwar heutzutage viele Nahost-Studienfakultäten, aber man müsste doch arg suchen (besonders an den Universitäten mit mehr Prestige), um irgendwelche Kurse zu finden, die sich mit dem zentralsten und wichtigsten Themen des Tages beschäftigen – so der islamischen Rechtsprechung und dem, was sie über den Jihad sagt oder dem Konzept des Hauses des Islam gegen das Haus des Krieges. Diese Themen, wird uns versichert, haben internaitonal für Ärger sorgende Folgen und sollten am besten begraben werden. Statt dessen wird der angehende Studierende mit Kursen überschwemmt, die sich mit den Bösartigkeiten des „Orientalismus“ und des Kolonialismus, den Gender Studies und der Zivilgesellschaft beschäftigen.

Die größere Ironie – wenn man über den Islam und den Westen redet, dann gibt es zahlreiche Ironien – ist die, dass ausgerechnet am Tage der ASMEA-Konferenz, bei der es auch eine direkte Ansprache des obersten Islamgelehrten Bernard Lewis („Es scheint mir eine gefährliche Situation zu sein, in der jede Art gelehrter Diskussion über den Islam, um es vorsichtig auszudrücken, gefährlich ist“), das Außenministerium verkündete, es würde al-Qaida-artige Radikale weder „Jihadisten“ oder „Mudschaheiddin“ nennen, noch irgend ein anderes arabisches Wort mit islamischem Anklang verwenden („Kalifat“, „Islamo-Faschismus“, „Salafi“, „Wahhabi“ und „Ummah“ sind ebenfalls außen vor).

Aber ach, weit davon entfernt, den grundlegendsten und einfachsten Rat bezüglich der Kriegsführung – Sun Tsus altes Diktum: „Kenne deinen Feind“ – hat die US-Regierung Probleme zuzugeben, dass es diesen Feind überhaupt gibt.