Der verbockte Anschlag, der den Ersten Libanonkrieg auslöste

Der gescheiterte Anschlag auf das Leben von Botschafter Shlomo Argov führte zu einer der kompliziertesten und schwierigsten Episoden in Israels Geschichte

Zack Rothbart, the Librarians, 17. August 2022

Botschafter Shlomo Argov und Ruinen aus dem Libanonkrieg (Argov-Foto veröffentlicht in Hadaschot, 6. Juli 1984 / Libanon-Foto: Emanuel Dudai. Aus der Dan Hadani Collection, The Pritzker Familiy National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels)

Das Dorchester Hotel in London – eines der protzigsten weltweit. Jahrzehnte im Besitz von modernen Sultanen und Nahost-Magnaten, ist das Dorchester ein beliebter Treff kultureller Ikonen von Hitchock bis Streisand. Prinz Philip, der Duke of Edinburgh, veranstaltete hier einen legendären Junggesellen-Abschied vor seiner Hochzeit mit der zukünftigen Queen Elizabeth II.

Der britische Premierminister Harold Wilson und seine Frau Mary mit dem israelischen Premierminister Levi Eschkol und dessen Frau Miiriam im The Dorchester, März 1965 (Foto: lizenzfrei)

Das Dorchester befindet sich so weit entfernt von den schlammigen Wäldern des Südlibanon, wie es möglich ist, doch dort begann der Erste Libanonkrieg. Gewissermaßen.

Eines Abends im Juni 1982 versammelten sich Dutzende Diplomaten im Dorchester zu einem jährlichen Gala-Event. Vor Mitternacht verließ Shlomo Argov – der eloquente, in Jerusalem geborene und in Georgetown und an der LSE ausgebildete israelische Botschafter beim Vereinten Königreich – das Hotel und war auf dem Weg zu seinem Wagen.

Momente zuvor hatte ein Treffen in der Männertoilette des nahe gelegenen Hotels Hilton stattgefunden, das die Geschichte des Nahen Ostens verändern würde. Dort holte Marwan al-Banna eine braune Tasche hervor, die er aus seinem Auto geholt hatte. Er zeigte eine polnische W.Z.63 Maschinenpistole mit zwei Magazinen Munition und übergab sie seinem Kameraden Hussein Sa’id.

Sa’id verließ das Hotel gegen 23 Uhr und wartete nervös vor einem BMW-Schaufenster; er ging los, als Argov sich zu seinem Volvo begab, schoss auf ihn und floh.

In The Master Terrorist: The True Story Behind Abu Nidal gibt der Journalist Yossi Melman, der über den fehlgeschlagenen Mord und die folgenden Gerichtsverfahren berichtete, einen Bericht aus erster Hand über die Ereignisse, wie sich Colin Simpson an den Abend erinnert, der für Argov abgestellte Leibwächter:

„Er bückte sich leicht und wollte gerade in den Wagen steigen. Als er seinen Kopf hineinsteckte, hörte ich hinter mir ein Geräusch. Der Botschafter fiel auf den Gehweg. Ich blickte auf ihn hinab und sah, was eine extrem schwere Verletzung zu sein schien.“

Simpson verfolgte Sa’id, schoss ihm direkt unter das Ohr, aber nicht bevor auf ihn selbst geschossen wurde, wobei eine der Kugeln des Angreifers knapp seinen Kopf verfehlte. Laut Melman „fand die Polizei später heraus, dass die Maschinenpistole auf Einzelschüsse eingestellt war, sonst wäre Simpson wahrscheinlich mehrere Male von den 24 Kugeln getroffen wurde, die sich noch in dem Magazin befanden.“

Argov hatte weniger Glück. Eine Kugel ging direkt durch sein Gehirn. Er war Monate lang im Koma und sollte den Rest seines Lebens gelähmt bleiben; er verbrachte Jahrzehnte bettlägerig, hauptsächlich in Jerusalems Hadassah-Krankenhaus.

Botschafter Victor Harel, der eng mit Argov zusammenarbeitete, erinnerte sich an ihn als einen „diplomatische Giganten“, Jerusalemer in der siebten Generation, der nach seiner Verletzung in Israels Unabhängigkeitskrieg weiter kämpfte, einer der höchstgeschätzten Aktivposten des Außenministeriums wurde. Argov wurde Berichten zufolge von Premierminister Menachem Begin für den Posten in London handverlesen, obwohl die beiden gegnerischen politischen Lagern angehörten. Solch eine Entscheidung, kurz nach Begins historischem Aufstieg an die Macht nach Jahrzehnten in der politischen Wüste, deutete das Vertrauen und den Respekt an, den Argov sich als Mann verdient hatte, dessen Dienst für sein Land seine persönliche politische Ideologie ersetzte.

Der israelische Botschafter Shlomo Argov (hier 1979 auf dem Weg zum Buckingham Palace zur Vorlage seiner Beglaubigung, wurde in London von einem Schützen schwer verletzt. Argov wurde mit Kopfwunden eilig ins Krankenhaus gebracht und befand sich nach einer Gehirnoperation in kritischem Zustand.

Gegenschlag und Terroristen

Innerhalb von Stunden nach dem Mordversuch wurde eine Krisensitzung des israelischen Kabinetts mit einem Beschluss beendet elf PLO-Ziele im Libanon zu beschießen, zwei davon in Beirut. In dem Treffen betonte Begin sehr deutlich die Dringlichkeit zu handeln. Nach Angaben des Militärhistorikers Shimon Golan, dem Autor des bis heute umfangreichsten Werks über den Entscheidungsfindungsprozess auf höchster Ebene während des Krieges, bestimmte Begin, dass „Israel nicht abwarten konnte einen Bericht von Scotland Yard zu erhalten [was die organisatorische Zugehörigkeit der Terroristen betrifft]; es musste ohne Verzug, am selben Tag, im Zentrum des internationalen Terrors im Libanon zuschlagen…“

IDF-Generalstabschef Rafael „Raful“ Eitan empfahl die ursprünglich geplanten Ziele zu treffen. Begin akzeptierte die Empfehlungen und betonte, dass Israel darauf achtgeben musste zivile Opfer zu vermeiden, während es auf die unvermeidliche Reaktion vorbereitet sein musste, einschließlich PLO-Angriffen auf israelische Zivilisten.

Laut offiziellen Quellen und Dokumenten entnommenen Berichten, einschließlich der von Golan und Melman weitergegebenen, gab es bei dem Treffen an diesem Morgen keinen größeren Widerstand, Streit oder hitzige Diskussionen. Interessanterweise und obwohl dem damaligen Verteidigungsminister Ariel Sharon weitgehend der Entwurf und das Durchsetzen der Pläne für den Libanon-Krieg zugeschrieben wird, befand dieser sich damals in Rumänien und war in diesem kritischen Augenblick nicht einmal anwesend.

Vergeltungs-Raketen kamen kurz nach den ersten Luftangriffen und die Diskussion der israelischen Führung verschob sich davon, wie man reagiert, auf den günstigsten Zeitpunkt um eine Bodenoffensive zu beginnen. Der folgende Krieg, der als Operation Frieden für Galiläa oder der Erste Libanonkrieg bekannt ist, führte unter anderem zu Dezimierung der PLO-Kräfte im Libanon und ihrer Vertreibung nach Tunis.

Der Flughafen Beirut wurde von israelischen Streitkräften eingenommen – 21. Juni 1982. (Foto: Dan Hadani). Aus der Dan Hadani Collection, Teil der Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels

Dennoch hatte die PLO nichts mit dem Angriff auf Botschafter Shlomo Argov zu tun. Am Tag nach dem Mordversuch hatte Schin Bet-Chef Avraham Shalom der israelischen Führung bereits berichtet, dass die Täter wahrscheinlich zur sogenannten Abu Nidal-Organisation (ANO) gehörten, einer rivalisierenden palästinensischen Terrorgruppe, die erpicht darauf war die PLO zu Fall zu bringen.

Raful Eitan stichelte bekanntlich: „Abu Nidal, Abu Schmidal. Wir müssen die PLO angreifen!“

Die ANO wurde von Sabri Khalil al-Banna gegründet, dem Nachkommen einer der reichsten Familien des Mandats Palästina, der besser als „Abu Nidal“ bekannt war; die Gruppe beging rund um die Welt Dutzende Entführungen, Morde, Mordanschläge und andere Terroranschläge, beginnend in den 1970-er Jahren, weitgehend nach Gutdünken ihres stürmischen Führers. Obwohl die ANO israelische und jüdische Menschen und Orte angriff, richteten sich die meisten ihrer Anschläge gegen Palästinenser oder andere Araber, insbesondere Diplomaten, Journalisten und verschiedene Personen des öffentlichen Lebens.

„Er glaubte nicht an Religion oder Ba’athismus oder Marxismus oder sonst irgendetwas“, erzählte einmal ein Bekannter von Abu Nidal dem Autor einer Biografie des Terroristen Patrick Seale. „Die Schusswaffe war seine Ideologie und seine Ideologie war die Schusswaffe.“

Man glaubt, dass dieses Foto von Abu Nidal und einem nordkoreanischen Militäroffizier in Nordkorea aufgenommen wurde. Es wurde 1974 in einer libanesischen Zeitung veröffentlicht und dann wieder in der Ausgabe der israelischen Zeitung Hasahot vom 11. September 1986. Aus der digitalen Sammlung der Nationalbibliothek Israels.

Fragen und Verschwörungen

Fast ein Jahr lang vor dem Mordversuch war die israelisch-libanesische Grenze nach einer von den USA vermittelten Vereinbarung zwischen Israel und der PLO überwiegend ruhig gewesen. Dennoch setzte Letztere ihre Anschläge gegen Israel und israelische Ziele international fort. Israels politisches und Verteidigungsestablishment stimmte allgemein zu, dass der Libanon nicht weiter als Ausgangspunkt für die PLO dienen konnte und tatsächlich waren detaillierte Pläne für den als „Operation Oranim“ bekannten Einmarsch bereits lange vor dem fehlgeschlagenen Mordversuch und die folgende Bodenoffensive fertig; sie wurden von Parteien in der Knesset bis auf eine mit überwältigender Mehrheit genehmigt.

IDF-Soldaten auf ihrem Weg in den Libanon, 6. Juni 1982 (Foto: Yosi Elmakis). Aus der Dan Hadani Collection, Teil der Pritzker Family National Photography Collection at the Nationalbibliothek Israels.

Der genaue Grund, dass Abu Nidal beschloss an diesem Abend im Juni 1982 Argov in London anzugreifen, bleibt schwer fassbar, aber viele Theorien, einschließlich einer, die weitgehend von Abu Nidals palästinensischen Feinden verbreitet wird, haben nahegelegt, er habe für den Mossad gearbeitet und den Mordversuch befohlen, um Israel eine Rechtfertigung für den Angriff auf die PLO im Libanon zu geben.

In einem seltenen Interview wurde Abu Nidal einmal vom Spiegel gefragt, warum er den Anschlag befahl, insbesondere angesichts der Tatsache, dass dieser letztlich – und recht vorhersehbar – zu Israels Einmarsch in den Libanon führte. In charakteristisch paranoider Weise antwortete der Terrorführer:

„Der zionistische Botschafter in London war einer der Köpfe und Gründer des israelischen Geheimdienstes, des Mossad. Wir griffen den Botschafter an, als er gerade eine wichtige Rolle beim Mossad in Europa übernommen hatte. Unsere Kämpfer handelten überaus korrekt in Begrifflichkeiten meines strikten Befehls keinen anderen Botschafter zu schädigen.“

Er gab zu, dass damals „jeder Blinde die zionistischen Pläne für den Einmarsch im Libanon sehen konnte“, obwohl er die Rolle des Mordversuchs bei der Initiierung des Krieges kategorisch abstritt: „… in meinen Augen ist es nicht bewiesen und es stimmt nicht, dass der Anschlag auf das Leben des Botschafters der Funke war, der den Krieg auslöste.“

Während die Erklärung, Abu Nidal sei selbst eine israelische Marionette fast mit Sicherheit die Erfindung seiner politischen Rivalen ist, sind die Motive hinter dem Argument wahrscheinlich nicht so weit von der Wahrheit entfernt. Nach Angaben vieler, darunter Ze’ev Schiff und Ehud Ya’ari, altgedienten israelischen Journalisten und Co-Autoren von Israel’s Lebanon War, wurde der Anschlag von Abu Nidal in enger Koordination mit den irakischen Behörden befohlen, um einer Reihe strategischer Ziele zu dienen.

Erstens wussten sie, dass der Mord wahrscheinlich zu einem erheblichen israelischen Angriff auf die PLO im Libanon führen würde – etwas, das nach Abu Nidals Geschmack und zu seinem Nutzen war. Der Irak hatte zudem ein klares Interesse daran, dass Israel den Libanon angreift, nicht zuletzt, weil das die syrischen Streitkräfte schwächen oder zumindest von der irakischen Grenze ablenken würde.

In The Master Terrorist nennt Melman das irakische Szenario „extrem glaubwürdig“. Er fügt hinzu, dass die Iraker, die sich damals internen Konflikten gegenüber sahen und in dem langen und blutigen Iran-Irak-Krieg steckten – den sie verloren – ein weiteres Interesse daran hatten den israelischen Angriff zu provozieren.

„Wenn die Israelis tatsächlich einmarschierten, konnte der Irak einen Waffenstillstand fordern oder einseitig erklären, während er an die Notwendigkeit muslimischer und arabischer Solidarität gegen den zionistischen Feind appellierte.“

Der Irak machte genau das, verkündete: „Wir glauben an die dringende Notwendigkeit all unsere Energie und Ressourcen auf eine Konfrontation mit der zionistischen Aggression gegen die arabische Welt, das palästinensische Volk und den Libanon zu richten.“

Dummerweise für Saddam Hussein widmete niemand – einschließlich der Iraner – dem Vorschlag viel Beachtung.

Hinterher

Obwohl der Mordversuch natürlich einigen Interessen Abu Nidals diente, konnte er nicht im Voraus gewusst haben, wie die Folgen für seine eigenen Organisation und besonders ihre Aktivitäten in London sein würden.

Die Angreifer, darunter Abu Nidals Cousin Marwan al-Banna, wurden schnell gefasst und später vor Gericht gestellt und verurteilt. Während der Ermittlungen kamen einige Einzelheiten zur Planung und Umsetzung des Anschlags ans Licht. Der ausdrückliche Befehl den Anschlag an diesem Abend zu verüben kam nicht vor dem Nachmittag desselben Tages, als Na’if Rosan, einer der Angreifer, einen Anruf in einer öffentlichen Telefonzelle vor seiner Wohnung im Londoner Viertel Kensington annahm und Instruktionen von einem „Genossen al-Sayf“ erhielt. Rosan wies al-Banna und Hussein Sa’id an sich mit ihm im Hotel Hilton zu treffen, wo er ihnen sagte, dass Argov, der sich zu diesem Zeitpunkt immer noch im Dorchester unter die Leute mischte, an diesem Abend ihr Ziel war. Er gab Sa’id die Schusswaffe, der führte den Anschlag aus, während Rosan und al-Banna in der Nähe herumlungerten.

Alle drei wurden innerhalb weniger Stunden gefasst.

Die Polizei fand in al-Bannas Hostelzimmer eine Liste von 300 Namen – die meisten davon israelische und britische jüdische Persönlichkeiten und Organisationen, darunter der Oberrabbiner von Großbritannien Sir Immanuel Jakobovits, der Vorstandsvorsitzende des Jewish Chronicle und eine lokale Chabad-Schule, samt der Autokennzeichen der Fahrzeuge, die zum Transport ihrer Schüler verwenden. Die Adressen der Botschaften von Jordanien, Marokko, Saudi-Arabien, Ägypten, Kuwait und den VAE standen ebenfalls auf der Liste.

Die Botschaft Saudi-Arabiens in London (Foto: Prebano66 / CC BY-SA 2.0)

Laut eines von Melman angeführten Verhör-Protokolls erklärte al-Banna, als er zum Zwecks der Liste und den zugehörigen Informationen befragt wurde: „Wir wollten diesen Institutionen und Orten die Maske abziehen. Wir wissen, dass viele davon eigentlich Fassaden für den Mossad sind, den israelischen Geheimdienst oder potenzielle Zentren für den israelischen Geheimdienst. Wir wollten nur ihre wahre Identität offenlegen und veröffentlichen, um die Araber vor diesen Leuten und Orten zu warnen…“

Zu arabischen diplomatischen und anderen Institutionen auf der Liste sagte al-Banna: „Es gibt viele Gruppen, die scheinbar auf unserer Seite stehen, aber in Wirklichkeit gegen uns sind, so wie Saudi-Arabien.“

Der Staatsanwalt in diesem Fall, der das Verfahren als die „Bagdad-Connection“ bezeichnete, gab zu, dass viele Fragen offen blieben, behauptete aber: „Wir haben es geschafft ein Fenster – wenn auch nur ein kleines – in die geheime Welt dieser terroristischen Geheimorganisation zu öffnen.“

Die Verhaftungen und Urteile markierten praktisch das Ende aller größeren ANO-Aktivitäten auf britischem Boden, obwohl die Organisation weiterhin Terror säte und etwa ein weiteres Jahrzehnt lang hauptsächlich jordanische, palästinensische, israelische, jüdische und andere Institutionen und Persönlichkeiten weltweit ins Visier nahm. 1984 versuchte Abu Nidal sogar Königin Elizabeth II. während ihres Besuchs in Amman zu ermorden.

Trotzdem hatte die Zeit nach dem Mordversuch an Argov natürlich beträchtliche Folgen für Abu Nidals Aktivitäten in Großbritannien und international, die nichts mit dem Konflikt im Libanon zu tun hatten, die nie man ganz verstehen werden wird.

Aus einer umstandsgegebenen historischen Perspektive scheint recht klar zu sein, dass es früher oder später einen Krieg im Libanon gegeben hätte, auch wenn Shlomo Argov nicht angeschossen worden wäre. Vielleicht ist das der Grund, warum die historische Rolle des fehlgeschlagenen Mordversuchs als Funke, der den Krieg auslöste, in den vergangenen vier Jahrzehnten weitgehend ignoriert worden ist.

Das zugespitzte Ereignis wurde natürlich auch sehr schnell durch den Krieg selbst und seine sofortigen und langfristigen Auswirkungen überschattet, einschließlich der tausenden Toten und zerrütteten und ruinierten Leben.

Obwohl anfangs überwältigend populär, sollte der Krieg am Ende israelische Truppen fast 20 Jahre im Libanon belassen, ein Vakuum schaffen, das seitdem von der Hisbollah gefüllt wurde und die bedeutendste Antikriegs-Bewegung in der Geschichte Israels aufkeimen zu lassen. Einiges von dem Gefühl wurde durch Begins politische Feinde verstärkt und ausgenutzt, doch die Tatsache bleibt, dass die Volksbewegung gegen den Krieg und zugunsten bewusster Kriegsdienstverweigerung in Israel nie in diesem Ausmaß zu sehen gewesen war. Der Konflikt spaltete das Land und, so sagten viele, hat seitdem das Vertrauen in gewählte und militärische Amtsinhaber getrübt.

Israelische Reserve-Kampfsoldaten demonstrieren gegen die Besetzung des Libanon, Juli 1984 (Foto: Yoni Salinger). Aus der Dan Hadani Collection, Teil der Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Etwa ein Jahr nach dem versuchten Mord und dem Ausbruch des Krieges, gab Argov selbst – physisch gelähmt, aber intellektuell scharfsinnig – erstmals öffentlich seinen persönlichen Gedanken zum Krieg Ausdruck, als er einen kurzen Brief an einen engen Freund diktierte. Er betrauerte den enormen Verlust an Leben und verglich den Krieg mit dem existenziell zwingenden Sechstage-Krieg 15 Jahre zuvor. Argov legte eine Kritik an Israels politischer und militärischer Führung vor, während er diplomatisch davon absah Namen zu nennen.

Hätten die Planer des Krieges vorher mehr über die möglichen politischen Folgen nachgedacht, argumentierte Argov, „hätten sie das Leben hunderter unserer besten Söhne gerettet.“

Vom Krankenhausbett, wo er die nächsten zwei Jahrzehnte schmachten sollte, argumentierte Argov:

„Wir sind eine Nation, die wenig menschliche Ressourcen hat. Wir haben nicht die Fähigkeit in der Hoffnung Experimente durchzuführen, dass eines davon gut gehen wird. Selbst wenn eines von ihnen erfolgreich ist – was ist Gutes an amputierten Armen und Beinen?“

Er beklagte die Tatsache, dass in Israel in seiner kurzen Geschichte aufgrund der Entscheidungen seiner Nachbarn ständig und gerechtfertigt durch das Schwert leben musste; Argov betonte die immerwährende Sehnsucht nach Frieden, der für Israel „mehr als für jede andere Nation keine inhaltsleere Parole ist, sondern der höchste Kern und eine Wahrheit des Lebens“.

Argovs Rolle beim Ausbruch des Libanonkriegs war nicht entscheidend. Aber im Nachhinein gab es vielleicht keinen geeigneteren Auslöser für diesen tragischen und verwirrenden Konflikt, als dass die „falsche“ Terrororganisation einen Anschlag auf einen Mann verpatzte, der in einer Zeit eine toxische politische Kluft überbrückte, als nur wenige andere das taten.

David zieht in den Krieg

Ein persönlicher Bericht zum 40. Jahrestag des Ersten Libanonkriegs 1982

David E. Kaplan, Lay of the Land, 27. Juli 2022

Als Israel vor 40 Jahren, am 6. Juni 1982, die Operation Frieden für Galiäa (Schlom HaGalil), auch bekannt als Erster Libanonkrieg, gegen palästinensische Terroristen im Südlibanon begann, war der 27-jährige David David bei seinen Eltern in Holon; er hatte gerade seinen Abschluss in Ingenieurswissenschaften am renommierten Technion in Haifa gemacht. Als Reservist der Armee, der „lange vergessen hatte, wie es ist die Uniform zu tragen“, war Krieg „für mich so weit weg wie irgendwas“. Ja, wie jeder in Israel war er aus den Nachrichten nach dem Mordversuch am israelischen Botschafter in London durch eine der Terrororganisationen, die aus dem Libanon heraus arbeiteten, auf dem aktuellen Stand. Nur ein Jahr zuvor, am 10. Juli 1981, begann die im Libanon sitzende PLO den Norden Israels mit Katjuscha-Raketen und 130mm-Artillerie zu beschießen. Es folgten Perioden, in denen die Zivilisten im Norden in Bunkern leben mussten oder, wie viele es machten, in den Süden zogen, um dem Terror zu entkommen.

Israelische Truppen im Libanon 1982 (Foto: Michael Zarfati/IDF-Sprechereinheit)

Es war einen unhaltbare Situation!

All das hatte der junge Diplom-Ingenieur allerdings nicht im Sinn. Statt sich bezüglich der Nachrichten auf dem Laufenden zu halten, fing er Wellen beim Surfen am Strand von Tel Aviv.

Es mitten im Sommer, was hieß, dass es Zeit für Spaß war.

Die Wirklichkeit traf – buchstäblich und im übertragenen Sinne – als er vom Strand zurückkam, kam seine aufgelöste Mutter mit Papieren in der Hand zu ihm:

„Du bis einberufen.“

Sowohl Davids Vater als auch seine Mutter hatten den „Farhud“ überlebt – das gewalttätige Pogrom, das im Irak am 1. und 2. Juni 1941 an der jüdischen Bevölkerung von Bagdad verübt wurde. Sie ließen alles zurück – ihr Leben und ihren Lebensunterhalt, sie entkamen in den neuen Staat Israel – einen Ort der Rettung von Juden. Aber wo immer es Juden gibt, ist es nie ganz sicher und ihr Sohn David war weg, in den Krieg.

Haarsträubende Erfahrung

„Es war lustig; wenn du einberufen wirst, wird erwartet, dass du dir die Haare schneiden lässt. Ich nicht; ich war argwöhnisch, was das Kürzen meiner Locken  angeht, bevor ich in den Krieg zog; vielleicht war es das Samson-Syndrom, als zog ich in Uniform in den Libanon, aber mit einer schwarzen, afro-hippie-artigen Frisur“, erzählt David, dessen Eltern auf ihren biblischen Nachnamen so stolz waren, dass er eine Wiederholung verdiente – daher David David!

Auf der Straße nach Beirut „versuchte ein CNN-Korrespondent mich zu interviewen. Er merkte an, er fände es seltsam, dass in der israelischen Armee einige keine Haare haben und du hast so viel. Ich erklärte, dass ich Reservesoldat war und direkt vom Strand käme. Hautsächlich sagte ich ihm, ‚ich bin hier, mit der ohne Haare.“

David David, der es ablehnte sein langes Haar abzuschneiden, 1982 im Libanon.

Krieg ist zwar hässlich, aber David ist stolz darauf, wie er und seine Kameraden sich verhielten. Er bringt Beispiele:

„Unser Essenslaster wurde auf dem Weg nach Beirut bombardiert und da waren wir, 30 von uns, ohne Essen und wir kamen an einen Supermarkt. Alles, was ich wollte, war Milch und etwas Schokolade. Wir rechneten kollektiv laut den Wechselkurs aus, weil wir nur israelisches Geld hatten. Der Ladeninhaber hatte Angst; all diese Soldaten mit Schusswaffen, die laut auf Hebräisch redeten; er erwartete das Schlimmste. Er war überwältigt, als der Buchhalter in unserer Gruppe mit dem ganzen Geld, das wir gesammelt hatten, zu ihm ging und auf Arabisch sagte: ‚Wir haben nichts in deiner Währung, aber das ist gleich viel in unserer, das kannst du wechseln.‘ Er konnte es nicht glauben. Brach in ein Lächeln aus, so erleichtert war er. Ich bezweifle, dass irgendwelche Soldaten früherer einmarschierender Armeen die Jahrtausende hindurch sich je so verhalten haben.“

Bei einer anderen Gelegenheit war David in seinem gepanzerten Fahrzeug und fuhr durch ein palästinensisches Flüchtlingslager. Das war während eines späteren Reservedienstes im Libanon und im Winter. „Uns war es wichtig, wenn wir Kinder sahen, dass wir anhielten und ihnen Essen anboten, wenn wir etwas hatten. Bei einer Gelegenheit kamen wir an einen Kindergarten und plötzlich fing es an heftig zu regnen. Alle Kinder wurden wegen des Wolkenbruchs hineingebracht, aber auch, weil sie uns Soldaten sahen und in dem Tumult blieb ein kleines Mädchen weinend allein draußen im Regen zurück. Obwohl es gefährlich war so exponiert in einem ungeschützten Gebiet anzuhalten, machten wir das und ich sagte: „Passt gut auf, ich bringe das Mädchen rein.“ Ich stieg aus, nahm die kleine Hand des zitternden und frierenden Mädchens und klopfte an die Tür des Kindergartens. Die Erzieherin öffnete etwas, sah erschrocken aus und dann überrascht, als sie mich sah – ein Soldat, der das Mädchen an der Hand hielt. Sie griff das Kind und schloss die Tür, als versuchte sie gleichzeitig die Komplexität des Krieges draußen zu lassen. Ich denke oft an das kleine Mädchen, das heute rund 44 Jahre alt sein dürfte, selbst Mutter und möglicherweise Großmutter. Würde sie sich überhaupt an den Vorfall erinnern und wenn ja, was würde sie denken?“

David David (Mitte) während des Kriegs im Libanon mit seinen Kameraden.

Die Frage, welche Auswirkungen der Krieg hatte, beantwortet David: Jedes Jahr am Yom Ha’atzmaut (Unabhängigkeitstag) während des festlichen Feuerwerks „denke ich an den Libanon. Das Wumm Wumm des Feuerwerks erinnert mich an den Lärm von Artilleriegranaten, die um mich herum fielen. Dieses Jahr erlebte ich das nicht und dann erkannte ich, dass das Feuerwerk dieses Jahr aus Rücksicht auf die Hunde, die traumatisiert werden, still war.“

David David und ein Kamerad auf seinem Panzerfahrzeug im Libanon.

David hat Grund an einen Schutzengel zu glauben, der über ihn wacht. In der zweiten Kriegswoche erhielt er einen kurzen Fronturlaub, um an einer Hochzeit in der Familie teilzunehmen.

David war kaum in den Egged-Bus gestiegen, den das Militär abgestellt hatte, als ihm vom Fahrer gesagt er solle auszusteigen. Er durfte nur 25 Passagiere mitnehmen, David war Nummer 26. „Ich versuchte zu argumentieren; bot an mich auf den Boden zu setzen, aber der Fahrer lehnte ab.“ David stieg aus dem Bus und war aufgebracht, dass er die Hochzeit verpassen könnte, als er einen Militärlaster bemerkte, der gerade nach Rosch Hanikra abfahren wollte, der nördlichsten israelischen Stadt an der israelisch-libanesischen Grenze. Er hatte große Reifen auf der Landefläche. „Ich bettelte den Fahrer an mich mitzunehmen; er antwortete, wenn es mir nichts ausmachen würde mich zu den Reifen zu kauern.“

Das rettete David möglicherweise das Leben!

„Wir fuhren los und nach rund 500 Metern trafen zwei Raketen den Bus, in dem ich gesessen hätte, was viele Opfer verursachte. Die Reifen schützten mich vor dem größten Teil der Druckwelle mit Splittern, die in mein Gesicht und die Finger eidrangen. Ich habe immer noch ein Stück im Finger und jedes Mal, wenn das weh tut, erinnert es mich an den Krieg.“

David schaffte es noch zu der Hochzeit zu kommen und kehrte einen Tag später in einem IDF-Militärhubschrauber zurück. „Sobald wir im libanesischen Luftraum waren, gab es heftiges Feindfeuer und Raketen, aber die Crew unternahm all die notwendigen Ausweichmanöver, um die anfliegenden Raketen abzulenken und wir landeten sicher. Es war sehr furchteinflößend. Das war eine irre Hochzeit – sowohl dorthin und wieder zurück zu kommen!“

Die Straße nach Damaskus

Es gab für David Momente auf dieser Straße, aber kaum das, was man mit biblischen Offenbarungen ähnlich beschreiben kann. David kann ehrlich behaupten 25 syrische Soldaten gefangen genommen zu haben, ohne eine einzige Kugel zu verschießen oder irgendjemanden zu verletzen. Er war zuständig für einen wichtigen machsom (eine militärische Straßensperre) in Bhamdoun, östlich von Beirut. „Jeder auf dem Weg nach Syrien musste da durch. Ich untersuchte alle Ausweispapiere und Reisedokumente und meine guten Arabischkenntnisse, weil ich es in der Schule gelernt hatte, leisteten mir gute Dienste. Eines Tages kam eine Gruppe von 25 Männern an der Straßensperre an und jeder legte mir seine Papiere vor. Sie erklärten, sie seien im Libanon gewesen und kehrten jetzt nach Syrien zurück. Ich bemerkte in jedem ihrer Auseise dasselbe Wort, جندي (jundi), von dem ich wusste, es bedeutet ‚Soldat‘. Ich folgerte, dass dies eine syrische Kommandoeinheit war, hinter unseren israelischen Linien zurückgeblieben und sie versuchten auf ihr Gebiet zurückzukommen. Sie hatten offensichtlich ihre Waffen und Uniformen weggeworfen und zivile Kleidung gefunden. Ohne Alarm zu schlagen rief ich über Funk Leute vom Schabak (Geheimdienst) dazu, der schnell ankamen und die Gruppe als gefangengenommene Syrer wegführte.“

Auf der Straße nach Damaskus: David und dahinter ein Konvoi.

Wenn er nicht mit dem Feind zu tun hatte, war Bhamdoun voller Überraschungen. „Wir hatten keinen Zugang zu Duschen, kamen aber an eine Villa mit einem Swimmingpool mit Wasser aus einer natürlichen heißen Quelle. Das war echter Genuss.“

Ebenfalls verlassen war „eine Synagoge, die wir entdeckten. Sie wurde einst von Juden genutzt, die den Ferienort besuchten. Wir ehrten ihre Vergangenheit damit, dass einige von uns außerhalb ihrer Mauern beteten.“

Etwas weniger ernst: „Ein IDF-Bulldozer hatte gerade einen Graben in der Nähe unseres Checkpoints fertiggestellt, als der Fahrer einen nahe gelegenen Hügel hochsah, einige Soldaten erblickte und sagte. ‚Ich bin hier fertig; ich fahre dorthin.‘ Ich sagte ihm scherzend: ‚Vielleicht kommst du zurück, vielleicht aber auch nicht.‘ Er fragte: ‚Was redest du da?‘ Ich sagte, dass seien Syrer. ‚WAS?‘, brüllte er. Er hatte nie gemerkt, wie nahe an der Front er sich befand. Er sagte: ‚Ich bin weg hier.‘ Er drehte seinen Bulldozer um und machte sich in Richtung Beirut davon.“

David David (2. v. links) und seine Soldatenkameraden entdeckten in Bhamdoun, östlich von Beirut, eine verlassene Synagoge.

Gedrängt zu sagen, was ihm durch den Krieg half, antwortete David:

„Das war Humor – oft sehr schwarzer Humor. Schau, wir hatten kein richtiges Essen; keinen Ort zum Duschen; mussten richtig schlafen, aber was wir machten, taten wir mit sehr hoher Moral und Humor. Wir erzählten immer Witze und lustige Geschichten und über alles lachten wir laut. Das ist das, wie wir den Krieg überstanden. Außerdem auch Geschichten aus unserem Leben zu erzählen.“

Ohne Zugang zu Duschen fanden David David und seine Kameraden eine verlassene Villa mit einem privaten Swimmingpool.

In Verbindung der beiden erklärt David, wann immer jemand ein Paket von seinen Lieben erhielt, war das „etwas grosses, das mit allen geteilt wurde. Es wurde vor allen anderen geöffnet. Eines Tages erhielt einer von uns ein Paket von seiner Freundin. Wir saßen in einer Kirschplantage; der ganze Libanon schien eine große Kirschplantage zu sein – sie waren überall. Jedenfalls öffnete er sein Paket von seiner Lieben und darin befand sich nichts außer einer Schachtel Kirschen mit einer Notiz ‚Weil ich so süß bin, weiß ich, dass wird dich an mich erinnern.‘ Wir konnten nicht aufhören zu lachen; sogar die Syrer müssen uns gehört haben.“

Seine Lieben zu vermissen wurde bei einer Gelegenheit gemildert, als aus heiterem Himmel ein IDF-Mobilfunk-LKW an Davids Basis ankam und „wir einen Tag lang Zugang zum ihm hatten, um unsere Familien, Freunde und Mädchen anzurufen. So abgeschnitten, wie wir waren, war es wunderbar und wir wollten den LKW nicht verlassen. Und dann geschah ein Wunder. Am Ende des Tages konnte der Laster nicht wegfahren, es gab ein Problem mit dem Motor, aber natürlich kein Problem mit den Telefonen. Drei Tage lang konnten wir die Telefone nutzen. Bis heute bin ich überzeugt, dass es kein ‚Wunder‘ war, sondern ein talentierter Soldat unserer Einheit, der listig den Motor des Lasters außer Betrieb setzte. Schließlich sind wir Israelis!“

„Die Stimmung war echt gut“, sagt David David, der hier mit seinen Kameraden irgendwo im Libanon entspannt.

Epilog

Vierzig Jahre später gibt es für Israel immer noch keinen Frieden mit dem Libanon. Früher wurde fälschlich angenommen, der Libanon würde „das zweite Land sein, das mit Israel Frieden schließt“. Das hat sich als nicht zutreffend erwiesen. Unter dem Zugriff der Hisbollah und des Iran könnte es sich als das Letzte erweisen.

Aber auf die Frage, ob es eines Tages Frieden geben wird, lautet die die Antwort meines guten Freundes David David, der mit seiner in Südafrika geborenen Ehefrau Henrietta (geborenen Wolffe) aus Kapstadt in Rischon LeZion lebt:

„Ich hoffe es; und wenn es ihn gibt, wird das erste sein, was ich tun werde, meine Familie dorthin zu bringen, um all die Orte zu sehen, wo ich war. Das Land ist wunderschön – Bäume, Wasser, Berge. Es ist atemberaubend. Das ist das Paradox, dass es dort auch einen Krieg mit der Schönheit gibt. Nicht nur mit Israel, sonder mehr mit sich selbst. Wenn der Krieg ganz vorbei ist, werde ich zurückkehren.“

Das Dienstabzeichen der Soldaten der Operation Frieden für Galiläa („Schlom HaGalil“) (1982)

Die 5 größten israelischen Kriegsverbrechen, die nie stattfanden

Adin Haykin, 22. August 2021

IDF-Soldat mit einem syrischen Kriegsgefangenen 1967

1. Das Tantura-Massaker

Der israelische Journalist Amir Gilat veröffentlichte in Ma’ariv einen Artikel zu einem Massaker in Tantura, der sich hauptsächlich auf eine Magisterarbeit stützt, die von dem Studenten Theodore Katz bei der Universität Haifa eingereicht wurde. In der Abhandlung Der Exodus der Araber aus den Dörfern am Fuß des Bergs Karmel sagte Katz, israelische Streitkräfte hätten im Zeitraum 1947 bis 1949 während des Palästina-Kriegs 1948 240 Araber aus Tantura getötet.

Bei der Entdeckung, dass sie öffentlich auf den Seiten von Israels größter Zeitung Kriegsverbrechen beschuldigt wurden, waren Veteranen des 33. Bataillons der Alexandroni-Brigade empört. Sie behaupteten, dass die Schlacht um Tantura eine strategische war, ein Versuch den Waffenschmuggel über das Meer und Lebensmittel zu stoppen und zu verhindern, dass die Straße von Haifa nach Tel Aviv abgeschnitten wurde; und dass während des gesamten Überlebenskampfes in einem blutigen Krieg, den die Araber anfingen, die striktesten ethischen Standards eingehalten wurden. Während der Kampf um Tantura schwierig war – 14 Mitglieder des IDF-Bataillons und rund 40 Araber wurden bei den Straßenkämpfen getötet – bestanden die Veteranen darauf, dass Katz wegen des Massakers gelogen hatte.[1]

Am Ende des Prozesses, den Katz mit Geldern der palästinensischen Autonomiebehörde bezahlte, wurde er verpflichtet auf seine eigene Kosten Zeitungsanzeigen zu veröffentlichen, in denen er sich von den Lügen über das Massaker komplett distanziert und jede Möglichkeit ausschloss sie großzügig als „umstrittene Version“ zu bezeichnen.

Katz‘ Anzeigen erklärten:

Nach mehrfacher Überprüfung der Beweise bin ich jetzt über allen Zweifel hinaus sicher, dass es keine Grundlage für all die Anschuldigungen gibt, dass nach der Kapitulation von Tantura von der Alexandroni-Brigade oder einer anderen Einheit der IDF Einwohner getötet wurden. Ich möchte klarstellen, dass das, was ich schrieb, missverstanden wurde und dass ich nicht nahelegen wollte, es hätte in Tantura ein Massaker gegeben, auch glaube ich nicht, dass es in Tantura je ein Massaker gab.

2. Massenexekution an ägyptischen Kriegsgefangenen in El-Arisch

Nicht zufrieden mit diesen lange widerlegten Mythen, führte Norman Finkelstein

„unanfechtbare Augenzeugenberichte israelischer Soldaten sowie die Aussage eines israelischen Militärhistorikers, dass die IDF während des Juni-Kriegs zig ägyptische Kriegsgefangene hinrichtete.“

ins Feld.

26. Juni 1967: Verletzter Kriegsgefangener wird im Krankenhaus des Atlit-Kriegsgefangenengeländes in Israel medizinisch versorgt.
links: 31. Juli 1967: Nach der medizinischen Behandlung durch Israel werden verletzte ägyptische Kriegsgefangene für die Reise nach Kairo zu einem Krankenwagen des Roten Kreuzes gebracht.
rechts: 31. Juli 1967: In einem Ambulanz-Flugzeug des Roten Kreuzes verabschiedet sich ein ägyptischer Kriegsgefangener einem Israel.

Es werden keine weiteren Beweise geliefert, aber seine Fußnote führt Presseberichte zur Zeugenaussage des „Augenzeugen“ Gabi Bron und des „Militärhistorikers“ Aryeh Yitzhaki an. Beide Quellen haben diese ihnen zugeschriebenen Äußerungen ausdrücklich als Erfindungen der Medien bestritten. Ägyptische Kriegsgefangene „wurden nicht erschossen und es gab keine Massenmorde“, bestätigte Bron. „Tatsächlich halfen wir den Gefangenen, gaben ihnen Wasser und in den meisten Fällen schickten wir sie in Richtung des [Suez]-Kanals.“ Yitzhaki, der kein Militärhistoriker war, sondern Bürokraft in einem Militärarchiv, war noch deutlicher: „In keinem Fall initiierte Israel Massaker“, schrieb er. „Im Gegenteil, es unternahm alles in seiner Macht stehende, um sie zu verhindern.“ Die in Finkelsteins Berichten erwähnten konkreten Beispiele erwiesen sich als legitime Kriegshandlungen; so stellte sich eine angebliche Massentötung hunderter Kriegsgefangener in El-Arisch im Sinai als eine Schlacht mit Feindkräften heraus, die einen israelischen Konvoi angriffen. Und all das war schon Jahre bekannt, bevor Finkelstein sich entschied die Anschuldigungen zu wiederholen. Die Schlussfolgerungen sollten offensichtlich erscheinen.[2]

3. Das Lydda-Massaker

Ldyya, 1948“ (The New Yorker, 21. Oktober 2013), wurde von dem bekannten und talentierten israelischen Journalisten Ari Shavit geschrieben. In Shavits sehr irreführender und sogar widersprüchlicher Schilderung schlossen sich israelische Soldaten, geführt von einem gewissen Oberstleutnant Mosche Dayan und bewaffnet mit

einem gigantischen gepanzerten Fahrzeug, auf dem eine Kanone montiert ist, drohenden Halbkettenfahrzeugen und mit Maschinengewehren ausgerüsteten Jeeps

anderen israelischen Kräften beim Angriff auf Lydda (und das benachbarte Ramle) in Israels Unabhängigkeitskrieg an. Geführt von Dayans marodierenden Streitkräften übernahmen die Israelis die Kontrolle von „Schlüsselstellungen“ in der Stadt, aber am nächsten Tag flammten die Kämpfe wieder auf und

innerhalb von 30 Minuten wurden 250 Palästinenser getötet. Der Zionismus hatte in der Stadt Lydda ein Massaker vollführt.

Ist das wirklich das, was passierte?

Der Oberkommandierende der Operation in Lydda, Mosche Kelman, traf sich mit den Führern der Stadt, um die Kapitulationsbedingungen auszuhandeln, angefangen mit Simon Garfeh, dem griechisch-orthodoxen Archimandrit von Lydda. Garfeh gab den folgenden Bericht, wie er vom Historiker Dan Kurzman aufgezeichnet wurde:

„Ich bin der Archimandrit von Lydda“, verkündete er. „Ich hoffen, ihr seid in Frieden gekommen.“

„Wenn es der Wunsch des Volks dieser Stadt ist mit uns in Frieden zu leben“, versicherte ihn Kelman, „dann werden wir sehr glücklich sein. Sie können ihre Geschäfte öffnen und das normale Leben weiterführen. Können Sie die Kapitulation veranlassen?“

„Ich werde es versuchen“, antwortete der Prälat… „Ich werde die Führer der muslimischen und der christlichen Gemeinschaft bitten sich sofort mit uns in meiner Wohnung oben zu treffen.“

Dann wies er eine Hilfskraft an zur Großen Moschee zu laufen, um die Muslimführer zu holen und schickte einen weiteren zu seiner eigenen Kirche, um die christlichen Führer zu bringen, die dort Zuflucht gefunden hatten.

Etwa eine Stunde später saßen ein Dutzend arabischer Honoratioren in Garfehs Wohnzimmer, nippten Kaffee und plauderten mit den Geistlichen der Kirche, Kelman und anderen israelischen Offizieren. Schließlich setzte Kelman seinen Kaffee ab und sprach zu ihnen:

„Meine Herren, die Stadt ist erobert und wir wollen eure Kooperation. Wir schlagen vor, dass ihr die Bürger findet, die die Versorgungsunternehmen betrieben haben, damit eure Leute ohne Verzögerung wieder Wasser und Strom haben. Aber zuerst müsst ihr unsere Friedensbedingungen akzeptieren: Übergabe aller kämpfenden Personen und aller Waffen innerhalb von 24 Stunden. Wenn diese Bedingungen nicht erfüllt werden, müssen wir handeln.“

„Wir stimmen zu“, sagte einer der Araber in stiller Resignation. „Dürfen die Einwohner hierbleiben, wenn sie das wünschen?“

„Ja, das dürfen sie“, antwortete Kelman, „wenn sie hier friedlich leben.“
(Genesis 1948. Dan Kurzman, S. 514)

Es schockiert, dass Shavit das nicht einmal andeutet. Warum ließen Shavit und seine Lektoren die entscheidende Tatsache aus, dass Lydda sich ergeben und zugestimmt hatte sich zu entwaffnen und in Frieden zu leben und dass die Israelis zugestimmt hatten, dass sie dort bleiben konnten? Warum ignorierten Shavit und die berühmten „Faktenchecker“ des New Yorker Kurzmans entscheidendes Interview?

Shavit verschweigt seinen Lesern auch die Tatsache, dass die bedrängten Israelis nach der Kapitulation von Lydda einen beträchtlichen Teil ihrer Streitkräfte abzogen, weil sie woanders gebraucht wurden. Dayans Bataillon zum Beispiel begab sich nach Süden, um am Kampf um den Negev teilzunehmen. (Mosche Dayan: Story of My Life. S. 112)

Schon am nächsten Tag, dem 11. Juli, schickten die Jordanier eine Patrouille in die Außenbezirke der Stadt, die aus einem Panzer und zwei gepanzerten Autos bestand, um die Stärke der Israelis zu sondieren. Shavit erwähnt das – er sagt, es waren „zwei jordanische gepanzerte Fahrzeuge“.

Aber aus irgendeinem Grund bezeichnet er sie weder als „gigantische gepanzerte Fahrzeuge“ noch als „bedrohlich“. Vielleicht haben nur Israelis gigantische gepanzerte, bedrohliche Fahrzeuge.

Shavit sagt, dass die „zwei Fahrzeuge keine militärische Bedeutung hatten“. Also war eines dieser Fahrzeuge in den Händen der Israelis von großer Bedeutung, aber zwei in den Händen der Jordanier aus irgendeinem Grund irrelevant.

Wie auch immer die Erklärung für diese Widersprüche aussehen mag, die jordanische Patrouille geriet in Schwierigkeiten und musste sich den Weg aus dem Dorf freischießen. Die Einwohner, die offenbar dachten, das sei ein jordanischer Angriff zur Rückeroberung der Stadt, fingen an die verbliebenen israelischen Soldaten zu attackieren. Fünf israelische Wachen vor der Dahmasch-Moschee waren die ersten Getöteten und fast sofort brachen in der gesamten Stadt Schießereien aus. (Kurzman, S. 515)

Trotz der Kapitulationsvereinbarung und dem Versprechen die Waffen zu übergeben mussten die Israelis, die jetzt nur 500 Mann zählten, die Stadt in einer weiteren verzweifelten Schlacht erneut erobern.

Bei Kämpfen von Haus zu Haus um Heckenschützen auszumerzen und diesmal ohne Pardon war ein Großteil der Stadt innerhalb einer Stunde wieder unter Kontrolle und geschätzte 200 Araber waren tot.

Aber die Dahmasch-Moschee kämpfte immer noch, gehalten von geschätzten 70 Kämpfern und mit einer unbekannten Zahl weiterer Personen im Inneren. Statt einen verlustreichen Frontalangriff zu starten, beschloss Oberstleutnant Kelman die Mauern der Moschee mit einer als PIAT bekannten panzerbrechenden Waffe zu durchbrechen und dann sollte ein Zug in das Gebäude eindringen.

Nachdem die PIAT gefeuert war, stellten die Männer, die das Gebäude stürmten, fest, dass die Verteidiger tot waren, getötet von der Wirkung des panzerbrechenden Projektils im engen Raum der Moschee. (Kurzman S. 515/16)

Die zweite Schlacht zur Eroberung von Lydda war vorbei, aber jetzt stellte sich den Israelis die schwierige Frage, was sie mit den Einwohnern tun sollten. Die zwei Führer der Stadt fürchteten im Wissen, dass sie ihr Wort zu kapitulieren und sich zu entwaffnen gebrochen hatten und besonders im Wissen, dass die fünf israelischen Soldaten vor der Moschee massakriert und ihre Leichen verstümmelt worden waren, dass die Israelis sich jetzt revanchieren würden.

Es überrascht kaum, dass die Israelis nicht in der Stimmung waren den Einwohnern eine weitere Chance zu geben ihr Versprechen in Frieden zu leben zu brechen. Aber natürlich richteten die Israelis sie nicht hin und verübten kein „Massaker“ an ihnen. Stattdessen wurden die Einwohner angewiesen die Stadt zu evakuieren und in Richtung der jordanischen Linien und Ramallah zu ziehen.[3]

4. Das Massaker von Jenin

Zu den am umstrittensten und am stärksten falsch dargestellten Fakten über die Kämpfe in Jenin gehören die Zahl der getöteten Palästinenser und das Ausmaß der Zerstörung. Ursprünglich behaupteten die offiziellen Vertreter der Palästinenser, im „Massaker von Jenin“ seien hunderte getötet worden. Zum Beispiel erklärte der damalige PA-Minister für Lokalregierungen Saeb Erekat am 10. April auf CNN, eine Woche nach Beginn des achttägigen Einsatzes: „Ich fürchte, ich muss sagen, dass die Zahl der palästinensischen Toten bei den israelischen Angriffen jetzt die Zahl von mehr als 500 erreicht hat.“ (Eine tiefgehende Übersicht über die PA-Desinformation finden Sie im Hintergrundbericht auf CAMERA On Campus vom Herbst 2002.) Als internationale Arbeiter später das Lager untersuchten und keine Beweise für ein Massaker fanden, setzen die palästinensischen Offiziellen die Todesrate drastisch niedriger auf 56 an, eine Zahl, die mit dem übereinstimmt, was Israel geschätzt hatte. (Washington Times, 1. Mai)[4]

5. Deir Yassin

Viele Jahrzehnte lang wurde auf Grundlage der falschen Schätzung von Raanan geglaubt, die Zahl der Opfer liege bei 250. Moderne Forschung setzt die Zahl etwa bei der Hälfte davon an. Sharif Kan’ana von der Universität Bir Zeit interviewte Überlebende und veröffentlichte 1988 Zahlen; 107 Dörfler waren gestorben, 11 davon bewaffnet; es gab 12 Verwundete.[5] Der israelische Forscher Eliezer Tauber schreibt, dass insgesamt 101 Menschen getötet wurden, 61 davon definitiv unter Kampfbedingungen (darunter 24 bewaffnete Kämpfer, die übrigen Familienmitglieder, die bei ihnen waren); bei 18 konnte die Todesursache nicht festgestellt werden; bei etwa 10 war der Tod in einer „Grauzone“, deren Beschreibung diskutiert werden kann; und weitere 11 waren Mitglieder einer einzigen Familie, die von einem einzelnen Irgun-Mitglied niedergeschossen wurden.[6]


[1] https://blog.camera.org/2015/06/debunking_the_lies_focus_on_ta.html

[2] Paul Bogdanor: The Jewish Divide Over , S. 142

[3] What Happened at Lydda

[4] https://www.camera.org/article/palestinian-spokesmen-jenin-lies-and-media-indifference/

[5] https://www.ee.bgu.ac.il/~censor/katz-directory/05-12-14gelber-palestine-1948-appendix-II-what-happened-in-deir-yassin-english.pdf

[6] https://www.inn.co.il/news/351252


[1] https://blog.camera.org/2015/06/debunking_the_lies_focus_on_ta.html

Radikale Muslime betrachten den Ramadan als den Monat der „islamischen Eroberung“

Salah Uddin Shoaib Choudhury, Weekly Blitz, 20. April 2022

Radikale Muslime überall auf der Welt, auch in den euopäischen Staaten, haben eine neue Propaganda mit dem berüchtigten Ziel gestartet, Muslime dazu aufzuhetzen Jihad gegen Juden, Christen und „Nichtmuslime“ zu führen und ein Kalifat zu gründen. Muslime, besonders die Migranten, planen den Ramadan und den „Monat der islamischen Eroberung“ und ermutigen ihre Mit-„Brüder“ den Jihad gegen die „Feinde Allahs“ fortzusetzen und ein Kalifat in den „Ländern der Ungläubigen“ zu gründen.

Am 12. April 2022 betonte Ali Al-Salabi, ein prominenter libyscher Salafi-Kleriker und der Internaitonalen Union Muslimischer Gelehrter (IMUS) in einem Artikel auf der Website der von Qatar und der Türkei gestützten IMUS mit dem Titel „Die islamische Eroberung von Al-Andalus war Teil von Siegen, die im Ramadan erzielt wurden“, dass wichtige islamische Eroberungen während des Monats Ramadan stattfanden, darunter die Eroberung von Al-Andalus (Spanien). In seinem Artikel beschrieb er die muslimische Invasion der Iberischen Halbinsel als „natürliches Ergebnis der Strategie, der die Muslime während ihrer Eroberungen folgten: Ihre Grenzen zu sichern, um für ihre Religion zu werben und denJihad über diese Grenzen hinaus zu führen, damit die Religion des Islam verbreit werden kann – was notwenidigerweise das Vorantreiben des Islam bedeutete, solange es eine treibende Kraft gab.“

Muslime verteilen einige Informationen in Broschüren und Online-Propaganda, die das Ziel haben Mitmuslime für den jihadistischen Wahn und die Verbreitung von religiösem Hass zu gewinnen.

Hier einige Hinweise aus der laufenden Propaganda:

„Der Ramadan ist als der Monat der Eroberungen bekannt, der den Kurs des Islam veränderte und ihn gewaltig voranbrachte, so wie auch die Schlacht von Badr und die Eroberung Mekkas. Die Schlacht von Badr war eine offizielle Erklärung der Gründung des neuen Staates des Islam. Die Eroberung von Mekka ein paar Jahre später hingegen war der große Sieg für den islamischen Staat gegen diejenigen, die 20 Jahre Krieg gegen ihn geführt hatten – die Menschen aus Mekka und ihre Verbündeten. Nach der Eroberung Mekkas traten die Menschen in Massen zum Islam über. Zu den muslimischen Siegen, die im Monat Ramadan stattfanden, gehörte die Schlacht von Guadalete, nach der die Muslime Al-Andalus in Besitz nahmen und ein Kapitel der Unterdrückung und Tyrannei beendete sowie ein neues Kapitel der Fortenwicklung und Zivilisation begann.“ (The History of Al-Andalus, S. 43-44)

Die Islamische Eroberung von Al-Andalus

„Die Eroberung der Iberischen Halbinsel (Spanien und Portugal) durch den Islam war ein natürliches Ergebnis der Strategie, der die Muslime während ihrer Eroberungen folgten: ihre Grenzen zu sichern, um ihre Religion zu fördern und weiterhin Jihad jenseites dieser Grnezen zu führen, um die Religion des Islam zu verbreiten – was notwendigerweise das Vorantreiben des Islam bedeutete, solange es eine Triebkraft gab. Zusätzlich war der nächste natürliche Schritt, nachdem Musa Ibn Nusayr und seine Gefährten diese Botschaft des Islam mit ihren Anstrengungen im Groß-Maghreb festigten, die Eroberung von Al-Andalus.

Musa vervollständigte die Bemühungen seiner Vorgänger – der Soldaten, Prediger, Kommandeure und Armeen – zur Stärkung des Islams in Nordafrika. Er konzentrierte ich auf die Stabilisierung des Islam in den Herzen der Menschen und lehrte und bildete sie aktiv zu den Prinzipien des Islam. Seine Bemühungen waren, da die Berber in Nordafrika zu den dem Islam gegenüber loyalsten Gruppen gehörten, erfolgreich darin Menschen dazu einzuladen zum Islam zu konvertieren und Jihad zur Verbreitung seiner Lehre zu führen. Die Mehrheit der Soldaten in Tariq Ibn Ziyads Armee, die auf der Iberischen Halbinsel eingesetzt wurde, waren muslimische Berber, die für den Islam eiferten, ihn bewunderten und bereit waren sich für ihn zu opfern. Sie gehörten nicht dazu, um Beute zu machen oder Anerkennung zu gewinnen. Das war da Ziel aller islamischen Eroberungen und von ihnen zu lesen und von ihrem Wesen zu lernen würde für eine Ablehnung der Anschuldigungen und Widerlegung falscher Behauptungen ausreichen, die zeigen wollen, dass diese Eroberungen, ob direkt oder indirekt, dem Zweck dienten Kriegsbeute zu erlangen. Es gibt keine Belege, die diese Behauptung stützen, die eine Illuison ohne wissenschaftlichen oder historischen Rückhalt ist. (The History of Al-Andalus, S. 45)

Es wäre vernünftig zu sagen, dass die Idee der Eroberung der Iberischen Halbinsel eine ausschließlich islamische war. Fakt ist, dass erzählt wurde, es handele sich um eine uralte Idee, die auf die Zeit des Rechtgeführten Kalifen Othman Bin Affan zurückgeführt wird und dass [der Kommandeur] Uqba Ibn Nafi Al-fihri überlegt hatte die Meerenge nach Spanien zu überqueren, wenn das möglich gewesen wäre. In der Vergangenheit führten Muslime Aktivitäten an den östlichen Küsten Spaniens und der nahe gelegenen Inseln Mallorca, Menorca und Ibiza aus. Nach Angaben des [muslimischen Historikers] Al-Dhahabi rüstete [der Kommandeur] Musa ibn Nusayr im Jahr 89 des islamsichen Kalenders seinen Sohn Abdollah militärisch aus und der eroberte Mallorca und Menorca. Was die Kontaktaufnahme zu Julian, dem Gouverneur der Stadt Ceuta, oder anderen spanischen Gouverneuren angeht, so scheint es so, dass dies während der Zeit geschah, als Musa ibn Nusayr darüber nachdachte den Eroberungsplans auch auszuführen.

Wie kontaktierte er die spanische Seite – Julian, die Anhänger des abgesetzten Königs und andere? Es gibt unterschiedliche Berichte darüber, ob das per Post oder persönlich stattfand und wo. Wenn die Kommunikation tatsächlich stattfand und das auf dieser Ebene geschah, dann könnte der Kontakt zwischen der spanischen Seite und Musa und ihre Unterstützung während der Eroberungsaktion zur Ermöglichung oder Beschleunigung der Eroberung beigetragen haben. Aber der Beginn der Angriffe und die Leitung und Umsetzung der Operation wurde von den Muslimen gemacht, die machtvoll und schnell mit der Eroberung voranschritten, während sie sich auf Allah verließen, zu erreichen, dass Menschen zur Rechtleitung geführt werden.

Musa hatte Al-Walid Ibn Abd Al-Malik [den sechsten Omajjaden-Kalifen] konsultiert, bevor er Julian kontaktierte oder als Julian ihn kontaktierte. Zuerste zögerte der Kalif diesen großen Plan zu verfolgen; er befürchtete die Muslime zu gefährden, aber Musa konnte den Kalifen überzeugen und sie stimmten überein, dass die Eroberung begonnen werden sollte, nachdem man zahlreiche Brigaden und Erkundungsexpeditionen losgeschickt hatte.

Musa führte Al-Walids Befehle aus und bereitete eine Erkundungsexpedition aus 500 Soldaten vor, darunter 100 Ritter, die von Tarif Ibn Malik alias Abu Zur’ah geführt wurden, einem muslimischen Berber. Die Armee schaffte es die Straße von Ceuta auf Schiffen zu überqueren, die Julian oder jemand anderem gehörten und [die Truppen] gingen auf der spanischen Seite in oder nahe Paloma Isla an Land. Später wurde diese als Insel Tarif bekannt. Die Erkundungsexpedition segelte im Ramadan des Jahres 91 des islamischen Kalenders (Juni 710) von Ceuta ab und Tarif durchstreifte die Stadt und ihre Umgebung und untersuchte die Feindpositionen. Dann kehrte die Expedition mit beruhigenden und ermutigenden Nachrichten über die Fortsetzung der Eroberungsoperation fort. Tarif studierte die Region und schickte Gruppen in zahlreiche Bereiche, darunger Gibraltar, für die Eroberungsoperation und die gesammelten Informationen waren wertvoll für die Planung der Eroberung und den Marsch von Tariqs Armee auf Gibraltar.

Als Musa vom Ausgang der Expedition Tarifs erfuhr, die ihm weiter bestätigte, was ihm über Al-Andalus berichtet worden war, schickte er Tariq ibn Ziyad 7.000 Muslime, deren Mehrheit Berber und befreite Sklaven waren, dazu eine kleine Zahl Araber. Und als Tariq weitere Kämpfer brauchte, versorgte er ihn mit 5.000 und Tariqs Armee baute Schiffe, um die Soldaten ins Land Al-Andalus zu bringen. Um die Verladung zu komplettieren, stellten die für den Feldzug Verantwortlichen sicher die Nachrichten darüber vor dem Volk geheim zu halten. Daher brachte Julian die Schiffe nachts nach Ceuta und sie begannen die Soldaten nacheinander zu transportieren. Es schien so, dass die Soldaten zu transportieren mehr als eine Nacht dauerte und es wurde berichtet, dass die ausgestiegenen Soldaten sich den Tag über versteckten, damit die Menschen ihre Anwesenheit nicht bemerkten. Die Schiffe fuhren zwischen Ceuta nach Al-Andalus hin und her und die Menschen in Al-Andalus glaubten, es handele sich um gewöhnliche Handelsschiffe; als sie von dem Feldzug erfuhren, war die Transport-Operation im Morat Rajab des islamischen Jahres 92 völlig friedlich abgeschlossen worden. (Nafh At-Tib I, S. 226/27)

Tariq marschierte mit den Soldaten nach Mons Calpe; dieser Berg wurde später nach ihm benannt und wurde als Gibraltar bekannt. Es wurde auch berichtet, dass beim Fall von Al-Andalus unter die Kontrolle des Kalifen von Almohad, dem Kalifat Abd Al-Mu’min und als er nach Gibraltar übersetzte, er den Bau einer Stadt auf dem Gipfel des Berges befahl und sie den „Berg der Eroberung“ nannte. Aber der Name wurde nicht berühmt und Gibraltar blieb der üblichste Name. Tariq marschierte mit der Armee gegen die grüne Insel und nahm sie in Besitz. Damals war Roderich im Norden von Al-Andlus damit beschäftigt die Basken zu bekämpfen. Es wurde berichtet, dass er gegen die Franzosen kämpfte. Sein Stellvertreter Theodomir informierte ihn über die islamische Invasion und er kehrte um, um sie aufzuhalten. Auf seinem Weg zur Bekämpfung der Muslime kam er an der Hauptstadt Toledo vorbei und versöhnte ich mit der Familie von Wittiza und lud sie zusammen mit den Goten ein sich ihm bei der Bekämpfung eines gemeinsamen Feindes anzuschließen, was sie machten. Berichtet wurde, dass Roderich die zwei Söhne Wittizas dazu ernannte die rechte und die linke Flanke seiner Armee zu führen.

Als Tarik von den Armeen erfuhr, die Roderich aufgestellt hatte, schrieb er an Musa Ibn Nusayr um ihn über ihre gewaltige Größe zu informieren und bat ihn um zusätzliche Kämpfer; im wurden 5.000 Kämpfern zugeführt. In der Beschreibung von Tariqs Armee schrieb Al-Maqqari [ein muslimischer Historiker], der weitere Historiker zitierte, dass sie in Kettenhemden und weißen Turbanen auf den Köpfen vorwärts marschierten, arabische Bögen haltend und Schwerter und Pfeile mit sich führend. Als Roderich sie sah, bekam er Angst.

Ibn Al-Athir [ein muslimischer Historiker] erwähnte, dass Tariq, als er sich auf See befand, kurz einschlief und vom Propheten träumte, wie er von seinen örtlichen und Migranten-Gefährten begleitet wurde, die Schwerter und Bögen trugen. Der Prophet sagte ihm dann vorwärts zu marschieren, den Muslimen gegenüber gütig zu sein und ihre Verpflichtungen zu erfüllen. Tariq sah dann den Propheten und seine Gefährten Al-Andalus vor ihm zu betreten. Dann wachte er auf und übermittelte die frohe Kunde seinen Gefährten; danach hatte er nie einen Zweifel an seinem Sieg.

Diese Eroberung wurde durch die muslimische Macht und die solide Ideologie erreicht, deren Bedeutung in den Herzen der Muslime eingegraben worden ist. Die Überlegenheit der Muslime ist immer aus ihrem Glauben an ihre Ideologie hergeleitet worden, nicht aus dem schlechten Zustand der anderen. Die Überlegenheit des Islam und seine Entwicklung entstammten seinem starken Wesen, seiner reinen Ideologie und seinen starken Gesetzen, denn er ist eine Offenbarung von Allah.“

Forderung nach dem Verbot von Lebensmitteln während der Tageszeit im Ramadan

Während der radikale Islam und der Jihadismus in westlichen Ländern zunimmt, hat gerade eine am 12. April 2022 von der in Privatbesitz befindlichen, arabsichsprachigen Zeitung Al-Masry Al-Youm veröffentilchte, umstrittene Fatwa [Edikt], die fordert, dass das servieren von Esse vor der Iftar-Zeit [Sonnenuntergang] an „Ungläubige“ im islamischen Monat verboten wird, Schockwellen durch das Land geschickt.

Die Fatwa wurde vom Prediger Mohamed Saleh El-Munajjid veröffentlicht, einem Syrer palästinensischer Herkunft, der in Saudi-Arabien lebt, der Brutstätte des Wahhabismus, einer extremistischen Interpretation des Islam.

Im Islm ist einem Muslim es aus verscheidenen Gründen nicht erlaubt im Ramadan zu fasten, darunter, wenn er lange Distanzen reist, während der Schwangerschaft, des Stillens, chronischer Krankheit, der Menstruation und nachgeburtlichen Blutungen.

El-Munajids Fatwa lötse in Ägypten einen Aufruhr aus; dort folgen etwa 10 Prozent der Bevölkreung dem Christentum und viele glauben, dass der extremistische Priester mit „Ungläubigen“ sie meinte.

Inzwischen hat der Oberste Rat für Medienregulierung den Rechtsberater von Al-Masry Al-Youm zur Befragung wegen der veröffentlichten Fatwa einbestellt. Der Rat ist ein unabhängiges Gremium, das für seine Loyalität gegenüber dem derzeitigen Regime bekannt ist und hat den Auftrag die Auftritte der lokalen Medien zu überwachen.

Später an diesem Tag veröffentlichte die Zeitung auf ihrer Internetseite eine Entschuldigung und einen Widerruf. In der Erklärung sagte die ägyptische Zeitung: „Al-Masry Al-Youm schuldet seinen Lesern eine ehrliche Entschuldigung für die … bizarre Fatwa, die von einem der Journalisten gebracht wurde …in klarer Verletzung [der redaktionellen Ausrichtung der Zeitung] ohne sie zu überprüfen… Die Fatwa bezeichnete wer immer ein andere Religion hat, als ‚ungläubig‘, eine Beschreibung, die von Al-Masry Al-Youm niemals verwendet oder genehmigt wurde.“

Die öffentliche Empörung wegen der veröffentlichten Fatwa kommt nach einer weiteren Auseinandersetzung während der zweiten Aprilwoche 2022, in der eine koptische Christin namens Selvia Botros auf ihrer Facebookseite eine negative Erfahrung postete, die sie mit ihren Kindern in einem berühmten lokalen Koschary-Restaurant in Kairo hatte.

Botros schrieb, dass der Kellner sie zurechtwies, nachdem ihr Kind vor der Iftar-Zeit ein kleine Menge Essen zu sich nahm; als Vorwarnd diente, dass dies „die Regeln der Örtlichkeit“ seien, obwohl sie ihm sagte, dass sie nicht fasten.

„Ist Fasten für uns als Christen verpflichtend?“, schrieb sie.

Obwohl Fasten für keinen Nichtmuslim verpflichtend ist, sind radikale Muslime weltweit, einschließlich der muslimischen Migranten in den westlichen Staaten, bereits begeistert und fordern lauter das Verbot in allen Restaurants oder Food Courts während des Ramadan am Tag Essen zu servieren.

Hier sollte erwähnt werden, dass muslimische Migranten in den westlichen Staaten Nichtmuslime für „Ungläubige“ und „Feinde Allahs“ halten. Sie bürden in den westlichen Ländern, darunter Großbritannien, allmählich die Schariaregeln auf, als Teil des Traums diese Nationen unter die „Flagge des islamischen Kalifats“ zu bringen. Das heißt, dass sie mit der gefährlichen Agenda der Verbreitung der giftigen Samen von Kalifat und Scharia in den westlichen Staaten vorankommen. Da es kein oder nur ein sehr geringes Bewusstsein bei der Mehrheit der Bevölkerung dieser Länder gibt, halten Imame in den Moscheen und islamischen Zentren bei Freitagsgebeten Predigten, die die Muslime aufrufen Jihad zu führen und den „Ungläubigen“ maximalen Schaden zuzufügen. In Britannien haben Muslime in mehreren Teilen von London Schariaregeln angeordnet, womit sie insbesondere nichtmuslimische Einwohner zwingen dieser islamischen Praxis zu folgen. Es gibt zudem einen massiven Anstieg von an der Scharia befolgenden Finanzbetrieben und Versicherungsfirmen. Nach Angaben von Medienberichten werden Scharia-Finanzen allmählich ein wichtiger Wettbewerber und Herausforderer des regulären Bank- und Versicherungssektors.

Der Islamische Staat beansprucht den ersten Raketenangriff aller Zeiten in Usbekistan

Während es beunruhigende Informationen über eine alarmierende Zunahme des radikalen Islam in westlichen Ländern gibt, gewinnt die Terroristengruppe Islamischer Staat allmählich an militärischer und Cyber-Stärke; sie stellt eine viel größere Bedrohung der globalen Sicherheit und des Friedens dar. Vor kurzem beanspruchte der Islamische Staat (ISIS) seinen allerersten Raketenangriff. Laut Informationen beanspruchte die Provinz Khorasan des Islamischen Staats (ISKP), die aus Afghanistan und Teilen Zentralasiens besteht, am 18. April 2022 die Verantwortung für das Schießen von zehn Katjuscha-Raketen auf usbekische Streitkräfte, die in der Stadt Termez stationiert waren, direkt auf der anderen Seite der Grenze Afghanistas zu Usbekistan.

Die Beanspruchung der Verantwortung wurde von einem Foto eines maskierten, vor den Raketen stehenden Mannes und eine ISIS-Flagge begleitet, dazu von einem 30 Sekunden langen Video, das die Verschießung der Raketen aus einem Werfer zeigt, der in einer ländlichen Gegend auf dem Boden steht.

Der Angriff ist eine der ersten Operationen, die ISIS unter seiner, „Rache-Kommandounternehmen für die zwei Scheiks“-Kampagne geltend macht, die ISIS-Sprecher Abu ’Umar Al-Muhajir am 17. April in einer Audio-Botschaft ankündigte. Wie der Name nahelegt, erfolgt diese Kampagne als Vergeltung für die Tötung von ISIS-Führer Abu Ibrahim Al-Haschemi Al-Quraschi in Syrien am 3. Februar 2022 und die mutmaßliche Tötung von ISIS-Sprecher Abu Hamzah Al-Quraschi; die Tode wurden von ISIS am 10. März öffentlicht gemacht.

Der Pressesekretär des usbekischen Präsidenten Schersod Asadow gab eine Erklärung aus, mit der der Angriff bestritten wurde und hielt fest: „Laut des usbekischen Ministeriums für Verteidigung und die Grenztruppen Usbekistans gibt es keine miltiärischen Aktivitäten an der usbekisch-afghanischen Grenze.“ Er fügte hinzu, dass „die Lage stabil ist“ und drängte darauf Provokationen nicht zu beachten“.

Der Islamische Staat hat den Angriff auf usbekisches Territorium nie offiziell für sich beansprucht. Den einzigen von ihm beanspruchten Angriff in der Gegend gab es am 5. November 2019, als 10 Menschen bei einem ISIS-Überfall auf einen tadschikischen Sicherheitscheckpoint an der usbekisch-tadjikischen Grenze getötet wurden, der nach stundenlangen Kämpfen mit Sicherheitskräften erfolgte. Kurz nachdem er die Verantwortung übernahm, veröffentlichte ISIS ein kurzes Video der maskierten Agenten, die den Angriff ausgeführt hatten, mit dem sie dem neu ernannten ISIS-Kalifen Abu Ibrahim Al-Haschemi Al-Quraschi die Treue schworen, dessen Tod die jüngste Kampagne rächen will.

Die Ukraine zeigt: Beim Israel hassen geht es nicht um die Palästinenser

An jedem Krieg, wo auch immer, ist immer Israel schuld

Daniel Greenfield, FrontPage Mag, 31. März 2022

Dreitausend Meilen von Jerusalem entfernt tobt ein Krieg zwischen zwei Staaten, die keine Grenzen mit Israel haben und an denen es keine Truppen, keine Interessen hat und an dem es nicht beteiligt ist.

Und doch ist es inzwischen so, dass es im Krieg zwischen Russland und der Ukraine irgendwie um Israel geht.

„Israel muss sich in Sachen Ukraine entscheiden“, plärrt das Foreign Policy Magazine, als ob der jüdische Staat irgendwie ein wichtiger Spieler in einem Krieg zwischen zwei viel größeren Ländern in tausenden Kilometern Entfernung sei. Das ist so absurd wie zu fordern, die Dominikanische Republik (die immer noch größer ist als Israel) müsse wegen Grenzvorfällen zwischen Indien und China zu einer Entscheidung gelangen.

„Israels Reaktion auf die Ukraine wird Auswirkungen auf zukünftige Hilfe aus den USA für Israel haben“, warnte der Abgeordnete Adam Kinziger auf Twitter. Welche „Auswirkungen“ auch immer das hat, wird nicht vom Never-Trumper-Republikaner kommen, der nicht mehr antritt, nachdem er unwählbar wurde. Aber das hat ihn oder allerlei andere Politiker und Medienorgane nicht aufgehalten Israel trotzdem zu drohen.

„Die Ukraine bat Israel – gibt keinen größeren Israel-Fan als Lindsey Graham – um Stinger-Raketen gebeten und offenbar hat Israel Nein gesagt“, sagte Senator Graham. „Also werde ich mit Israel telefonieren – Sie wissen, wir stehen mit der Eisernen Kuppel für Israel ein.“

Das Einzige, was noch mehr verblüfft, als warum Graham es für nötig findet von sich in der dritten Person zu reden, ist, warum der Senator fordert, dass Israel US-Raketen an die Ukraine liefern soll. Wäre das nicht sein Job?

Obwohl Israel 230t humanitärer Hilfe lieferte (darunter kugelsichere Krankenwagen), ein Feldlazarett aufbaute und tausende Flüchtlinge aufnimmt, wird mit einer Kampagne Druck ausgeübt, die darauf besteht, dass das nicht ausreicht. Und dass der Krieg nicht nur Israel involviert, sondern der Ausgang von ihm abhängt.

Bemerkenswerterweise gibt es an Indien, einem Land von 1,3 Milliarden, das russisches Öl kauft, enge Verbindungen zu Russland hat und es ablehnt den Einmarsch zu verurteilen, weit weniger Interesse als an Israel, einem Land von knapp 9,5 Millionen, das kein russisches Öl kauft und in der UNO für die Verurteilung des Einmarschs stimmte.

Egal, wie man zum Krieg steht, der Konsens lautet, dass Israel das Falsche tut.

Das Quincy Institute for Resonsible Statecraft, ein Soros-Koch-Projekt, das Amerika attackiert, es sei zu hart gegenüber China, dem Iran und Russland, forderte: „Wie kommt es, dass Israel in der Ukraine-Russland-Krise fehlt?“ Die Empörung gegenüber Israel, weil es sich nicht genug in die Ukraine-Krise einbringt, wird von derselben linksliberalen Gruppe gelenkt, die mit Artikeln wie „Washington sollte es sich zweimal überlegen, bevor es einen neuen Kalten Krieg beginnt“ davor warnt, dass Amerika involviert wird.

Die zwickmühlenartige Scheinheiligkeit ist so offensichtlich wie der Hass. Wenn Israel in einem Krieg involviert ist, ist es böse, aber wenn es nicht in einem Krieg involviert ist, ist es auch böse. Was immer Israel tut oder nicht tut, ist ein Skandal.

Der Hass auf Israel hat nie etwas mit den sogenannten „Palästinensern“, den Arabern, Muslimen oder irgendwem im Nahen Osten zu tun. Das ist der Grund, dass dieselben politischen Interessen in der Lage sind einen Krieg tausende Kilometer weit weg in der Ukraine zu nehmen und mit ihm komplett den jüdischen Staat zu thematisieren.

Der Krieg in der Ukraine hat die vertraute Werkzeugkiste der Sprachbilder aufgetischt, zu der gehört, dass man darauf besteht, dass Israel irgendwie die Fähigkeit hat einen Krieg beizulegen, den es nicht herbeiführte, auch wenn Israels Premierminister Bennett sich mit der unmöglichen Mission abmüht Leuten Frieden zu bringen, die ihn nicht wollen.

Es gibt die Holocaust-Umkehrung, mit der Selenski und allerlei Kritiker die Ukraine als den vor einem neuen Holocaust stehenden Juden darstellen, wobei die Juden jetzt als die gefühllosen Zuschauer neu erfunden werden. Und das führt zu der antizionistischen Behauptung Israels nationale Identität stehe im Widerspruch zu „jüdischen Werten“.

„Der Krieg in der Ukraine löst Israelische Debatte über den Sinn des jüdischen Staates aus“, argumentierte die New York Times und beschwerte sich, Israel habe mit 15.000 nicht genug Flüchtlinge aufgenommen.

(Die Zahl der von der New York Times aufgenommenen ukrainischen Flüchtlinge wird auf null geschätzt.)

Vergleichen Sie das mit Frankreich, das 26.000 ukrainische Flüchtlinge aufnahm, obwohl es zehnmal so groß ist wie Israel. Aber Frankreich ist, wie Indien, nicht voller Juden. Und so gibt es keinen Streit, dass Frankreich, das im Verhältnis viel weniger Flüchtlinge aufnahm als Israel, einfach aufhören sollte zu existieren.

Die magische Fähigkeit sich jeden Krieg irgendwie mit denselben vertrauten antizionistischen Sprachbildern um Israel drehen zu lassen zeigt, dass diese Argumente niemals kontextuelle Reaktionen auf regionale Konflikte sind, sondern einen allgemeine Gegnerschaft zur Existenz Israels, unabhängig von allem andere,

Welcher Krieg auch immer, wo auch immer im Gang ist, er ist Israels Fehler und Beweis dafür, dass es nicht existieren sollte.

Die Versuche der Medien Israel mit dem Krieg in der Ukraine in Verbindung zu bringen, sind oft derart dünn, dass sie eine eigene Form surrealer Absurdität annehmen.

NPR fand es äußerst wichtig eine ganze Story auf Grundlage und um die Tatsache herum zu schreiben, dass es in Jerusalem eine Bar namens Putin Pub gab (die ist inzwischen umbenannt). Wenn ein Medienorgan so verzweifelt handelt, um Israel negativ mit dem Krieg in der Ukraine zu verknüpfen, dann ist die Agenda klar.

(Das ist dasselbe Medium, das behauptete, es wolle nicht über Hunter Bidens Laptop berichten, weil: „Wir wollen nicht unsere Zeit auf Storys verschwenden, die keine wirklichen Storys sind.)

Die Regierung der Ukraine hat bei der internationalen Hasskampagne gegen Israel mitgemacht.

Selenski und seine Regierung haben Israel beschimpft, den Holocaust ausgebeutet und alles Mögliche gefordert, von der Eisernen Kuppel (entworfen, um von Terroristen geschossene, krude Raketen aufzuhalten, nicht einen umfassenden Angriff einer Weltmacht) und dem Cyberkriegs-Mittel Pegasus (das wird russische Panzer nicht aufhalten), auf israelische Sanktionen gegen Russland gedrängt, obwohl seine Regierung es ablehnt die Geschäfte mit dem Iran einzustellen.

Mit dem jüngsten Gesuch fordert die Ukraine Sicherheitsgarantien von Israel, trotz der Tatsache, dass Israel ein Land von 22.000 km2 ist, während die Ukraine 600.000 km2 groß ist. Die Ukraine ist nicht nur gewaltig größer als Israel, sie hat auch siebenmal Israels Bevölkerung. Das ist so, als verlange Kanada Sicherheitsgarantien von Zypern.

Aber das ist nur der ehemalige Komiker, der tut, was er tut. In seinem Vortrag vor dem Kongress beschwor Selenski Pearl Harbor und den 9/11, als er zu den Arabern sprach, brachte er Syrien auf, während er zum japanischen Parlament sprach, bezeichnete er den russischen Einmarsch als einen „Tsunami“ und verwies auf Japans Atomkatastrophe. Die oberflächliche Formel große Traumata in anderen Ländern namentlich zu erwähnen, während er sie mit der Ukraine verknüpft und sich beschwert, dass sie nicht genug tun, damit die Geschichte sich nicht wiederholt, ist für jeden, der tatsächlich hinsieht, eine einfallslose Übung.

Es ist der Fehler der Medien, dass sie Selenskis Druck fröhlich als Waffe einsetzen und unverblümt Antisemitismus von Linken und Islamisten verstärken, die das Narrativ freudig ausbeuten.

Bei der Fortsetzung seiner virtuellen Weltreise telefonierte Selenski mit Qatars Doha Forum. Der Emir des islamischen Terrorstaats Qatar hatte die Veranstaltung damit eröffnet die „Palästinenser“ mit der Ukraine zu vergleichen.

Der mit dem Iran und der Hamas verbündete Al-Thani-Spross beschwerte sich dann: „Die Anschuldigung des Antisemitismus wird heute fälschlich gegen jeden verwendet, der Israels Politik kritisiert.“

Oder er sendet, wie Qatars Propagandsender Al-Jazira, groben, ungeschliffenen Antisemitismus.

Wieder Zuhause wird die Propaganda-Kampagne gegen Israel mit waffenfähigem Niveau an Heuchelei ausgeglichen, während schlechte Autoren versuchen totalitäre Regime Israel wegen Russland und der Ukraine schelten.

William Cohen, Bill Clintons Verteidigungsminister, ließ auf CNN bei Christine Amanpour eine Tirade los, er sei „zutiefst enttäuscht“ von Israel. Cohen (er ist trotz seines Nachnamens Unitarier) und Amanpour haben beide eine lange Geschichte des Hasses auf Israel. Und schießen ganz billig gegen den jüdischen Staat.

„Ist man auf Seiten der Russen oder auf der der USA und des Westens? Sie müssen hier eine Entscheidung treffen“, schimpfte Cohen.

Amanpour versäumte es zu erwähnen, dass die Cohen-Gruppe ein Büro in Peking hat, dass Cohen im Vorstand des U.S. China Business Council sitzt und dass zu dieser Gruppe „chinesische Staatsbürger mit umfangreicher Erfahrung in chinesischen Regierungsministerien“ gehören.

Die Cohen-Gruppe prahlt auch mit „Jahrzehnten Erfahrung in der Arbeit mit offiziellen Vertretern Moskaus“ und dem „Aufbau von Beziehungen zu Entscheidungsträgern der Regierung“.

Vor zwei Jahren behauptete Cohen, „Präsident Putin versucht hier einzuschreiten und Friedensstifter“ zwischen Amerika und dem Iran zu sein.

„Ich bin etwas optimistischer, dass die Russen als Friedensstifter kommen werden“, sagte er gegenüber CNBC.

Bei diesem aufregenden neuen Hass auf Israel geht es nicht um die Ukraine, nicht mehr, als es mit der alten Variante um die „Palästinenser“ ging. Israel zu hassen ist am Ende immer das Eine und nur das Eine:

Juden zu hassen.

Wie Russlands Einmarsch in die Ukraine Holocaust-Verzerrung schürt

Gidon Ben-Zvi, HonestReporting, 10. März 2022

Russlands Einmarsch in die Ukraine und die furchtbare humanitäre Krise, die das verursacht, sind weltweit seit zwei Wochen das Top-Thema gewesen. Prominente Nachrichtenorganisationen haben über die sich schnell entwickelnden Entwicklungen vor Ort sowie ihre möglichen langfristigen geopolitischen Auswirkungen berichtet. Dabei ist ein beunruhigender Trend aufgetaucht: die Verwendung von Analogien zum und Bildern vom Holocaust in Bezug auf diesen Konflikt.

Die Zerstörung, die von Europas heftigster militärischer Krise seit dem Zweiten Weltkrieg verursacht wird, ist unbestreitbar schrecklich.

Aber in der Ukraine findet derzeit kein Völkermord – wie die systematische Auslöschung von rund 6 Millionen Juden durch die Nazis – statt.

Entsprechend zeichnen die Medien, in den meisten Fällen ungewollt, ein verzerrtes Bild der aktuellen Lage und verringern damit das Ausmaß, die Erinnerung und die Lektionen aus dem Holocaust, indem sie unkritisch den Sprachgebrauch verbreiten, der von Führungspolitikern weltweit verwendet wird.

Bedenken Sie das folgende Zitat aus einem Artikel der Washington Post vom 6. März mit der Überschrift: Israelischer Premierminister Bennett sagt, zwischen Ukraine und Russland zu vermitteln ist eine „moralische Verpflichtung“.

Der Botschafter der  Ukraine in Israel, Jevgeni Korniytschuk ging weiter … und beschuldigte [Israel] die Geschichte der Ukraine bei der Hilfe für Juden während des Holocaust zu vergessen.

Ein weiteres Beispiel findet sich in einem Text von CNN vom 5. März mit der Überschrift Israels angespannter Balance-Akt zwischen Russland und der  Ukraine:

Gleichzeitig muss Israel andere kritische Interessen schützen. Als Staat, der infolge des Holocaust als sichere Zuflucht für das Weltjudentum geschaffen wurde, zahlt Israel einen Preis dafür, dass es angesichts einer raubtierhaften Macht zu schwanken scheint, die Jagd auf einen schwächeren Staat macht.

Derweil veröffentlichte Business Insider am 8. März Chuck Shumer sagt „in der Ukraine ist ein Holocaust im Gang“ während Milliarden Hilfe ins Land geschickt werden sollen:

Den Ukrainern fehlen Lebensmittel, ihnen fehlt es an allem, ihnen fehlen Bunker, Strom, Medikamente – wir müssen ihnen diese Dinge besorgen. Da ist ein Holocaust im Gang. Wenn du siehst, dass Menschen an Bussen Schlange stehen, nur um eine Konfliktzone zu verlassen, und Putins Artilleriegranaten diese Busse beschießen, dann ist das untermenschlich, unter jeder Würde.“

Außerdem haben die Führer sowohl Russlands als auch der Ukraine den Holocaust beschworen. Ein Text in der New York Times vom 23. Februar zitierte unkritisch wie folgt eine der Rechtfertigungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin dafür den Krieg zu beginnen:

„Ich habe die Entscheidung getroffen eine militärische Sonderoperation auszuführen“, sagte Putin. „Ihr Ziel wird sein Menschen zu verteidigen, die seit acht Jahren Verfolgung und Völkermord durch das Regime in Kiew erleiden. Dafür werden wir die Entmilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine anstreben…“

Der ukrainische Präsident Wolodymir Selensky seinerseits wurde in einem Artikel des Guardian vom 2. März mit dem Titel Ukraines Präsident bittet Juden weltweit sich gegen Russland zu äußern folgendermaßen zitiert:

„Ich spreche jetzt zu allen Juden der Welt – seht ihr nicht, was passiert? Es ist gerade jetzt sehr wichtig, dass Millionen Juden weltweit nicht weiter schweigen. Nazitum wird in Schweigen geboren…“

Warum der Holocaust anders ist

Die humanitäre Krise, die sich in der Ukraine entwickelt, ist katastrophal und ein Großteil der Welt tut zurecht seinen Teil das weit verbreitete Leiden zu lindern.

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat zudem eine Ermittlung zu möglichen russischen Kriegsverbrechen eröffnet.

Wie dem auch sei, der Holocaust war grundlegend anders. Nazi-Deutschlands mörderisches Handeln gegen das jüdische Volk war von einer Vernichtungsideologie getrieben.

Hitlers Endlösung strebte an jeden Juden überall auszurotten.

Und das so sehr, dass der Begriff „Völkermord“ in direkter Reaktion auf den Holocaust geprägt wurde. Danach wurde eine juristische Definition des Begriffs in der Konvention zur Verhinderung und Bestrafung des Verbrechens des Völkermords von 1948 formuliert und kodifiziert

Warum Holocaust-Verzerrung so gefährlich ist

Laut der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA), deren Arbeitsdefinition für Antisemitismus von Dutzenden Ländern, einschließlich der USA, übernommen wurde, sind Holocaust-Leugnung und -Verzerrung moderne Formen des Judenhasses. Der Ernst des Themas ist im Kontext rapide steigenden Antisemitismus besonders akut geworden.

Entsprechend verurteilte das Holocaust-Gedenkmuseum Yad Vashem in Jerusalem am 27. Februar Vergleiche zum Holocaust aus Propagandazwecken im Kontext von Russlands Militäreinmarsch in die Ukraine. Dani Dayan, der Vorsitzende von Yad Vashem, machte deutlich, dass der Diskurs zum Konflikt „von unverantwortlichen Äußerungen und völlig inakkuraten Vergleichen mit der Nazi-Ideologie und -Taten vor und während des Holocaust durchtränkt“ ist.

Die Notwendigkeit den Holocaust korrekt zu beschreiben und sich korrekt auf ihn zu beziehen ist heute besonders wichtig, angesichts der Existenz eines Regimes im Iran, das einmal mehr eine völlige Auslöschung von mehr als 6 Millionen Juden verfolgt. Ali Khamenei, der oberste Revolutionsführer des Iran, hat ausdrücklich zu Israels Vernichtung aufgerufen und für eine offizielle Politik der Holocaust-Leugnung und -Verzerrung geworben, die diese Vorstellung normalisieren soll.

Mit diesem Ziel finanziert und bewaffnet Khamenei weiter von den USA als Terrororganisationen eingestufte Palästinenser und andere Terrorgruppen, die eine „Achse des Widerstands“ gegen den jüdischen Staat bilden.

Der Iran arbeitet daran Atomwaffen zu erlangen, was die Islamischen Republik mit den Mitteln versorgt einen weiteren Holocaust auszuführen.

Die Rolle der Medien beim kontern von Holocaust-Verzerrung

Nach Angaben des US-Außenministeriums bedroht die Verzerrung des Holocaust „unsere Fähigkeit aus seiner Geschichte zu lernen“. In einem Schritt hin zur Sicherstellung, dass nie wieder ein Völkermord zugelassen werden soll, nahm die UNO im Januar eine von Israel vorgeschlagene Resolution an, die die Leugnung und Verzerrung des Holocaust verurteilt.

Die UNO-Vollversammlung nahm die Resolution im Konsens an – was bedeutet, dass sie ohne Einzelabfrage der Länder angenommen wurde.

Einzig der Iran stimmte dagegen.

Massengräuel wie die noch relativ frischen Völkermorde z.B. in Kambodscha, Ruanda, Bosnien und Darfur heben die Notwendigkeit hervor Vernichtungsregime und Doktrinen eindeutig zu identifizieren und zu bekämpfen.

Indem sie es versäumen dem falschen Narrativ entgegenzuwirken, dass der russisch-ukrainische Konflikt irgendwie gleichbedeutend mit einem neuen Holocaust sei, manipulieren Nachrichtenorgane praktisch die Definition von Völkermord und verringern so die Notlage derer, die im Lauf der Geschichte das  Ziel der totalen Vernichtung waren.

Der Völkermord an den Armeniern: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft?

Das Massaker an 1,5 Millionen Christen war letztlich ein heftiges Segment eines uralten und fortdauernden Kontinuums.

Raymond Ibrahim, 8. September 2021 (Doc Emet Productions)

Am 24. April 2021 wurde Joe Biden zum ersten amtierenden US-Präsidenten, der formell den Völkermord an den Armeniern anerkannte. Worum ging es bei diesem Völkermord und welche Bedeutung hat er heute?

Das Genocide Education Project [Bildungsprojekt Völkermord] bietet eine Zusammenfassung dieses tragischen Ereignisses, das sich während des Ersten Weltkriegs abspielte, nämlich von 1915 bis 1917:

Mehr als eine Million Armenier starben als Ergebnis von Hinrichtungen, Verhungern, Krankheiten, der brutalen Umwelt und körperlichem Missbrauch. Ein Volk, das seit fast 3.000 Jahren in der östlichen Türkei lebte [mehr als doppelt so lange wie die eindringenden islamischen Türken Anatolien besetzt hatten, das man heute als „Türkei“ kennt] verlor seine Heimat und wurde im ersten groß angelegten Völkermord des zwanzigsten Jahrhunderts tiefgreifend dezimiert. Anfang 1915 gab es rund zwei Millionen Armenier in der Türkei; heute sind es weniger als 60.000… Trotz der gewaltigen Menge an Beweisen, die auf die historische Realität des Völkermords an den Armeniern deutet – Berichte von Augenzeugen, offiziellen Archiven, fotografischen Beweisen, die Berichte von Diplomaten und die Aussagen von Überlebenden – ist die Leugnung des Völkermords an den Armeniern von nachfolgenden Regimen in der Türkei ab 1915 bis heute weiter gegangen.

Die Beweise sind in der Tat überwältigend. Schon 1920 hörte Resolution 359 des US-Senats Augenzeugenberichte zu „Vergewaltigung, Verletzung, Folter und Tod, die ihre unvergesslichen Erinnerungen in hundert schönen armenischen Tälern und der Reisende in der Region ist selten frei von Beweisen dieses gewaltigsten Verbrechens aller Zeiten.“

In ihren Memoiren Ravished Armenia beschreibt Aurora Mardiganian, wie sie vergewaltigt und in einen Harem gesteckt wurde (in Übereinstimmung mit den Kriegsregeln des Islam). Anders als tausende anderer armenischer Mädchen, die nach ihrer Schändung weggeworfen wurden, schaffte sie es zu entkommen. In der Stadt Malatia sah sie 16 gekreuzigte chirstliche junge Frauen: „Jedes der Mädchen war lebend an ihr Kreuz genagelt worden“, schrieb sie, „Nägel durch ihre Füße und Hände, nur ihr Haar wehte im Wind, bedeckte ihre Körper.“ (Solche Szenen wurden im Dokumentarfilm Auction of Souls von 1919 festgehalten, der sich in Teilen auf Mardiganians Memoiren stützt.)

Kurz gesagt: Dass die Türken im Ersten Weltkrieg einen vorsätzlichen Völkermord an den Armeniern inszenierten und ausführten, ist – für diejenigen, die sich noch um Fakten kümmern – eine unbestrittene Tatsache, ungeachtet dessen, wer ihn anerkennt und wer nicht (die Türkei selbst verkörpert die zweite Kategorie).

Trotzdem gehen die von den Türken an den Armeniern begangenen Gräueltaten weit über den Völkermord an den Armeniern hinaus. Fakt ist, dass es angemessener ist letzteres nicht als Einzelereignis zu betrachten, sondern als besonders heftiges Segment eines uralten und andauernden Kontinuums.

Der Völkermord vor dem Völkermord

Der anfängliche Völkermord an den Armeniern begann etwas mehr als tausend Jahre früher, als muslimische Stammesangehörige erstmals begannen in ein damals viel größeres Armenien zu strömen und es in das zu verwandeln, was es heute ist: der östliche Teil der modernen Türkei.

1019 „drang mit dem ersten Erscheinen der blutrünstigen Bestien die brutale Nation der Türken nach Armenien ein … und metzelte die christlichen Gläubigen gnadenlos mit dem Schwert nieder“, schreibt Matthäus von Edessa (gest. 1144), ein führender Chronist für diese Zeit. Drei Jahrzehnte später gingen die Überfälle praktisch nonstop weiter. 1049 erreichte der Gründer des Seltschuken-Reichs, Sultan Tughril Bey (regiert von 1037 bis 1063) die nicht ummauerte Stadt Arzden westliche des Vansees und „übergab die gesamte Stadt dem Schwert, was heftiges Gemetzel verursachte, ganze hundertfünfzigtausend Menschen“.

Nach der gründlichen Plünderung der Stadt befahl er, dass sie – einschließlich der 800 Kirchen – in Brand gesetzt und in eine Wüste verwandelt wird. Arzden war „voller Leichen“ und niemand „konnte die zählen, die in den Flammen umkamen“. Achthundert Ochsen und vierzig Kamele waren nötig, um die gewaltige Beute hinauszukarren, zumdeist aus den Kirchen Arzdens geholt. „Wie hiervon berichten, mit einer von Tränen erstickten Stimme?“, fährt Matthäus fort, von den vielen abgeschlachteten Armeniern, die „ohne Gräber zurückgelassen“ und „Beute der Aas-Bestien wurden, dazu „der Exodus der Frauen … die mit ihren Kindern in die Sklaverei und zu ewiger Knechtschaft verurteilt wurden! Das war der Anfang der Unglücksserie Armeniens“, klagt der Chronist, „also hört diesem melancholischen Vortrag zu.“

Andere Zeitgenossen bestätigen die Zerstörung, die Arzden heimsuchte. „Wie ausgehungerte Hunde“, schreibt Aristakes (gest. 1080), ein Augenzeuge; die Türken „warfen sich auf unsere Stadt, umzingelten sie und drängten hinein, massakrierten die Männer und mähten alles nieder wie Schnitter in den Feldern, machten die Stadt zu einer Wüste. Ohne Gnade verbrannten sie alle, die sich in den Häusern und Kirchen versteckt hatten.“

Elf Jahre später, während der türkischen Belagerung von Sabastia (dem heutigen Sivas) im Jahr 1060 wurden 600 Kirchen zerstört und „viele [weitere] Jungfrauen, Bräute und Damen wurde in Gefangenschaft geführt.“ Ein weiterer Überfall auf armenisches Territorium erlebte „viele und zahllose Menschen, die [zu Tode] verbrannt wurden.“ Die Gräuel sind zu zahlreich, als dass Matthäus sie noch erzählen könnte und er resigniert in Klagen:

Wer kann das Geschehen und die ruinösen Ereignisse berichten, die über die Armenier kamen, denn alles war mit Blut bedeckt… Wegen der großen Zahl der Leichen stank das Land und ganz Persien war angefüllt mit unzähligen Gefangenen; so betrank sich die gesamte Nation der Bestien am Blut.

Dann belagerte von 1064 bis 1065 Tughrils Nachfolger, Sultan Mohammed bin Dawud Chagrhi – der Nachwelt als Alp Arslan bekannt, einer der meistgefeierten Helden der mordernen Türkei – Ani, die befestigte Hauptstadt Armeniens, damals eine große und bevölkerungsreiche Stadt. Das donnernde Bombardement der Belagerungsmaschinen Mohammeds ließ die gesamte Stadt erbeben und zahllose zu Tode erschrockene Familie werden in den Erinnerungen als zusammengedrängt und weinend beschrieben.

Einmal eingedrungen begannen die Türken – Berichten zufolge bewaffnet mit zwei Messern in jeder Hand und einem weiteren im Mund – „gnadenlos die Einwohner der Stadt abzuschlachten … und ihre Leichen aufeinander zu häufen… Unzählige und zahllose Jungen mit aufgeweckten Gesichtern und schöne Mädchen wurden zusammen mit ihren Müttern weggeschafft.“

Nicht nur etliche christliche Quellen dokumentieren die Plünderung der armenischen Hauptstadt – eine zeitgenössische hält bündig fest, dass Mohammed „durch Massaker und Feuer aus Ani eine Wüste machte“ – das tun auch muslimische Quellen, oft in apokalyptischen Worten: „Ich wollte die Stadt betreten und mit meinen eigenen Augen sehen“ erklärte ein Araber. „Ich versuchte eine Straße zu finden ohne über die Leichen gehen zu müssen. Aber das war unmöglich.“

So gewinnt man eine Vorstellung davon, wie die armenisch-türkischen Beziehungen begannen – fast ein Jahrtausend vor dem Völkermord an den Armeniern 1915 bis 1917. Die Türken setzten die Armenier in den Jahrhunderten dazwischen natürlich weit mehr aus – Sultan Abdulhamid massakrierte von 1894 bis1896 bis zu 300.000 Armenier im Namen des Islam – aber das sollte als kurzer Blick in die Vergangenheit reichen.

Ein heiliger Hass

Zwar sind menschliche Eroberungszüge so alt wie die Zeit selbst, aber warum war die anfängliche türkische Eroberung Armeniens derart überschwemmt mit überzogen grausamen Tagen? Die Antwort lautet, dass für die Türken und andere muslimische Völker die Eroberung „der anderen“ mit einem frommen Grundprinzip durchtränkt ist – einer Ideologie, die eine notwendige Zutat für sadistischen Hass und seinen natürlichen Höhepunkt ist: Völkermord. Juden und Christen wurde gelehrt, dass Mord und Vergewaltigung „Sünde“ ist, genau das nahm für die bereits raublustigen Türken eine edle und heilige Rolle an, solange ihre Opfer Nichtmuslime waren, was sie von Haus aus zu Feinden machte – „Ungläubige“, für die das islamische Recht fordert, dass sie getötet, unterworfen oder versklavt werden müssen.

So schrieb Gregory Palamas, ein Geistlicher, der von den Türken gefangen genommen wurde, 1354: „Sie leben vom Bogen, dem Schwert und Ausschweifungen, finden Vergnügen daran Sklaven zu nehmen, widmen sich Mord, Plünderung, Beute … und sie begehen nicht nur diese Verbrechen, sondern sie glauben sogar – was für eine Verirrung – dass Gott ihnen das absegnet!“ Die Armenier waren sich schon bewusst, was die türkische Feindschaft antrieb: „Sie griffen uns wegen unseres christlichen Galubens an und sie sind erpicht darauf den christlichen Glauben auszulöschen“, erklärte ein David, ein armenischer Stammesführer, seinen Landsleuten während der Invasionen der Muslim im elften Jahrhundert.

Genauso vielsagend ist, dass der brutalste Umgang immer für diejenigen reserviert war, die sichtbar ihr Christentum verkünden. Während der erwähnten Plünderung von Arzden „verbrannten die muslimischen Invasoren Priester, die sie in den Kirchen gefangen nahmen und metzelten diejenigen nieder, die sie außerhalb fanden. Sie gaben den nicht Toten Schweinefleisch-Stücke in die Hände, um uns zu beleidigen“ – Muslime halten das Schwein für unrein – „und machten sie zu Objekten von Gespött für alle, die sie sahen.“

Gleichermaßen wurden während der Einnahme von Ani Geistliche und Mönche „verbrannt, während andere bei lebendigem Leib von Kopf bis Fuß enthäutet wurden“, schreibt Matthäus. Jedes Kloster und jede Kirche – davor war Ani als „die Stadt der 1001 Kirchen“ bekannt – wurde geschändet und in Brand gesetzt. Ein eifersüchtiger Jihadist kletterte auf die Hauptkatedrale der Stadt „und riss das schwere Kreuz herunter, das auf der Kuppel stand und warf es zu Boden.“ Das aus reinem Silber gefertigte, zerbrochene, „mannshohe“ Kreuz – und jetzt symbolisch für die Macht des Islam über die Christenheit – wurde als Trophäe in das heutige Aserbaidschan geschickt, um dort eine Moschee zu schmücken.

Der Völkermord an den Armeniern und Religion

Trieb dieselbe frühe muslimische Feindschaft gegen „Ungläubige“ auch den Völkermord an den Armeniern 1917 bis 1917 an? Leider hat der Westen seit diesem Vorkommnis in der Regel durch eine einzige, säkulare Weltanschauung artikuliert, das einzig Faktoren wie Territorialstreit und Nationalismus berücksichtigt. Dieser Ansatz hat zwar einen gewissen Wert, projiziert aber auch ausnahmslos westliche Motivation auf enorm andere Völker und Projekte.

Tatsächlich war es die religiöse Identität der Armenier, die letztlich zum Völkermord an ihnen führte. Das wird von der oft übersehenen Tatsache unterstrichen, dass die Türken, zusammen mit der Tötung von 1,5 Millionen Armeniern im Ersten Weltkrieg auch schätzungsweise 750.000 Griechen und 300.000 Assyrer – alles Christen – systematisch massakrierten. So fragte ein Professor für Armenien-Studien rhetorisch: „Wenn er [der Völkermord an den Armeniern] eine Fehde zwischen Türken und Armeniern war, wie erklärt sich dann der gleichzeitig von den Türken an den christlichen Assyrern verübte Völkermord?“ Aus türkischer Sicht war das hauptsächliche Gemeinsame von Armeniern, Assyrern und Griechen, dass sie alle christliche „Ungläubige“ und daher existenzielle Feinde waren.

Der Völkermord als solcher kann als Höhepunkt des Jihad des Osmanischen Reichs gegen seine christliche Bevölkerung betrachtet werden. Nach Angaben des Buchs Year of the Sword: The Assyrian Christian Genocide [Das Jahr des Schwertes: Der assyrisch-christliche Völkermord] aus dem Jahr 2017 „wurde die Politik der ethnischen Säuberung von pan-islamischem und religiösem Fanatismus geschürt. Christen wurden als Ungläubige [kafir] betrachtet. Der Aufruf zum Jihad, am 29. November 1914 erlassen und aus politischen Gründen inszeniert, war Teil des Plans … sie zu kombinieren und über das Land der Christen hinwegzufegen und sie auszulöschen.“ So wie mit Armeniern und Greichen erzählen Augenzeugen-Berichte vom Ausstechen von Augen bei Assyrern und der Gruppenvergewaltigung ihrer Kinder auf Kirchenaltären – Kennzeichen von jihadistischem Sadismus. Nach Angaben von Schlüsseldokumenten war all dieses Teil eines „osmanischen Plan zum Auslöschen der Christen der Türkei“.

Was das Argument angeht, dass all diese völkermörderischen Gräueltaten, weil sie während des Ersten Weltkriegs stattfanden, letztlich ein Spiegel genau dessen waren – Krieg mit all seinen tödlichen Zerstörungen – so sieht die Realität anders aus. Krieg war nur ein Faktor, weil er für die Türken der Deckmantel war um das zu tun, was sie ohnehin schon lange tun wollten. Nach Beschreibung der Massaker als „administrativer Holocaust“ stellte Winston Churchill korrekt fest: „Die Gelegenheit [Erster Weltkrieg] bot die Lichtung des türkischen Bodens von einer christlichen Rasse.“ Oder mit den klaren Worten von Talaat Pascha, dem de facto-Führer des osmanischen Reichs während des Völkermords an den Armeniern von 1915 bis 1917: „Die Türkei nutzt den Krieg, um seine internen Feinde, d.h. die indigenen Christen, gründlich zu beseitigen, ohne dabei von äußerer Intervention gestört zu werden… Die Sache ist geklärt. Es gibt keine Armenier mehr.“

Der Krieg in Nargony-Karabach

Leider deuten aktuelle Ereignisse an, dass die Türken, weit davon entfernt Reue wegen des Völkermords an den Armeniern zu zeigen, diese immer noch mit völkermörderischer Absicht betrachten.

Im Oktober 2020 brach zwischen Armenien und seinem anderen muslimischen Nachbarn Aserbaidschan ein Krieg um das umstrittene Gebiet aus, das wir als Nagorny-Karabach kennen. Obwohl es tausende von Jahren armenisch und als Artsakh bekannt war und nach der Auflösung der UdSSR überwiegend armenisch blieb, wurde es Aserbaidschan zugewiesen, was Probleme verursachte und in dem aktuellen Krieg gipfelte. (Siehe: „15 Artsakh War Myths Perpetuated By Mainstream Media – 15 Kriegsmythen zu Artsakh, die von den Mainstream-Medien perpetuiert werden.)

Die Türkei schloss sich rasch ihren Religionsbrüdern in Aserbaidschan an und führte den Krieg gegen Armenien wohl sogar an, obwohl der Streit sie eindeutig nicht betraf. So fragte Nikol Paschinyan, Armeniens Premierminister, am 1. Oktober 2020 rhetorisch: „Warum ist die Türkei 100 Jahre nach der Auflösung des Osmanischen Reichs in den Südkaukasus zurückgekehrt?“ Seine Antwort: Um den Völkermord an den Armeniern fortzusetzen.“

Unter anderem finanzierte die Türkei „Jihadistengruppen“, die die Scharia duchsetzen, um den französischen Präsidenten Macron zu zitieren, die in Syrien und Libyen agiert hatten – einschließlich der Hamza-Division, die auf Seiten der Muslimbruderschaft steht und nackte Sexsklavinnen in Gefängnissen hielt – um die Armenier zu terrorisieren und abzuschlachten.

Einer dieser gefangenen Söldner gestand, dass ihm „eine monatliche Vergütung von $2.000 für den Kampf gegen die ‚Kafir‘ in Artsakh versprochen wurde, dazu 100 Dollar extra für jeden geköpften Kafir.“ (Kafir, oft als „Ungläubiger“ übersetzt, ist Arabisch für jeden Nichtmuslim, der es verfehlt sich dem Islam zu unterwerfen, was sie automatisch zu Feinden macht.)

Neben anderem ISIS-artigen Verhalten, das von dieser islamischen Söldner-Koalition aus Türken und Aserbaidschanern begangen wurde, folterten sie eine Intellektuelle, behinderte 58-jährige Frau bis zur Unkenntlichkeit, indem sie ihr sadistisch die Ohren, Hände und Füße abhackten, bevor sie sie schließlich hinrichteten. Ihre Familie konnte sie nur über ihre Kleidung identifizieren. Gleichermaßen zeigt Videomaterial getarnte Soldaten, die einen alten armenischen Mann überwätligen und zu Boden zwingen, der schreit und sie um Gnade anfleht, bevor sie ihm lässig die Kehle mit einem Messer durchschneiden. Bei einem Vorfall – und wie es im Verlauf der Zeiten unzählige Male geschehen ist – stand ein Jihadist auf einer armenischen Kirche, nachdem deren Kreuz abgebrochen wurde und brüllte triumphierend „Allahu Akbar“.

Zufälligerweise und wie man hätte erwarten können, teilt Aserbaidschen die islamische Feindlichkeit der Türkei gegenüber Armeniern. Nach Angaben eines Berichts vom 27. März 2021, wurden im Verlauf von nur zwei Wochen mindestens drei armenische Kirchen in der Region Nagorny-Karabach verwüstet oder zerstört – obwohl im November ein Waffenstillstand erklärt wurde. Videoaufzeichnungen zeigen aserbaidschanische Truppen, die eine der Kirchen betraten, lachten, spotteten, traten und darin befindliche christliche Gegenstände verunstalteten, darunter ein Fresko des letzten Abendmahls. Die Flagge der Türkei taucht auf den Uniformen aserischer Soldaten auf, was diesen Staat weiter hineinzieht. Als sie herankommen, sagt einer der Soldaten: „Lasst uns jetzt in die Kirche gehen, dort werde ich Namaz verrichten.“ Namaz ist ein Bezug auf muslimisches Gebet; wenn Muslime in nichtmuslimischen Tempeln beten, werden diese Tempel sofort zu Moscheen. In Reaktion auf dieses Video veröffentlichte Arman Tatoyan, ein armenischer Menschenrechtsaktivist, eine Erklärung:

Der Präsident Aserbaidschans und die Obrigkeit des Landes haben seit Jahren eine Politik des Hasses, der Feindschaft, ethnischen Säuberung und des Völkermords gegenüber Armenien, die Bürger von Armenien und dem armenischen Volk eingeführt. Die türkische Obrigkeit hat dasselbe getan oder offen zur selben Politik ermutigt.

Zum Beispiel sagte er, dass Aserbaidschans Präsident Alijew Anfang März stolz erklärte: „Die junge Generation ist mit Hass auf den Feind aufgewachsen“. Mit Feind meinte er Armenier.

Ein angeborener Hass

Der erwähnte Hass, der immer ein Vorläufer von Völkermord ist, ist in der modernen Türkei überall offensichtlich. Man muss nur der religiös aufgeladenen Tirade eines Türken dazu zuzuhören, dass alle Armenier „Hunde“ sind und dass jeder, der in der Türkei gefunden wird, für eine Idee abgeschlachtet werden sollte:

Was macht ein Armenier in meinem Land? Entweder der Staat wirft sie raus oder wir töten sie. Warum lassen wir sie leben? … Wir werden sie abschlachten, wenn es an der Zeit ist… Das hier ist türkischer Boden. Wie können wir osmanische Enkel sein? … Das Volk der Türkei, das Ehre, Würde hat und Allah muss die Köpfe der Armenier in der Türkei abschneiden. Es ist für jeden unehrenhaft einen Armenier zu treffen und ihn nicht zu töten… Wenn wir Menschen sind, lasst uns das tun – lasst es uns für Allah tun… Jeder, der  zuhört: Wenn du Allah liebst, bitte verbreite dieses Video von mir an alle…

Genauso sagte eine Frau in Antwort auf eine Frage, die zufällig befragte Passanten in der Türkei auf der Straße gestellt wurde– „Wenn Sie etwas ungestraft tun können würden, was würden Sie tun?“ – vor der Videokamera: „Was ich tun würde? 20 Armenier köpfen.“ Dann blickte sie direkt in die Kamera und lächelte, wobei sie mit dem Kopf nickte.

Mancher dürfte argumentieren, dass diese beiden genannten Beispiele nur Indizien sind – heißt, sie spiegeln türkische Wut, die durch den Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan herbeigeführt wurde. Aber wenn das der Fall wäre, was hat das mit der Tatsache zu tun, dass der türkische Hass und Gewalt gegen Armenier Jahre vor den Nagorny-Karabach-Konflikt zurückreicht?

Beachten Sie ein paar Beispiele – die alle vor dem aktuellen Konflikt auftraten und daher keine Verbindung dazu haben – ohne besondere Sortierung:

2013 wrude eine 85-jährige Armenierin in ihrer Wohnung in Istanbul erstochen. Nur für den Fall, dass irgendjemand das Motiv missverstehen könnte, ritzte der türkische Mörder ein Kreuz in ihre nackte Leiche. Nach Angaben des Berichts „markiert dieser Angriff den fünften auf alte armenische Frauen (eine hat ein Auge verloren) in den letzten zwei Monaten.“ In einem Fall wurde eine achtzigjährige armenische Frau von einem maskierten Mann auf den Kopf geboxt und, nachdem sie auf den Boden kollabierte, wiederholt getreten.

Am Sonntag, 23. Februar 2019 wurden drohende Graffiti-Botschaften auf der Haupteingangstür der Armenischen Kirche der Heiligen Mutter Gottes in Istanblu gefunden. Das armenische Patriarchat von Konstantinopel sagte in einer Erklärung: „Es wurden rassistische und Hass-Reden sowohl in Englisch als auch in Arabisch geschrieben, die sagte: Ihr seid erledigt!“ Ein armenisches Parlamentsmitglied twitterte: „Jedes Jahr werden jede Menge Hass-Attacken gegen Kirchen und Synagogen ausgeführt. Nicht nur die Täter, sondern auch die Menschen, die hinter ihnen stehen, sollten angesprochen werden. Vor allem sollte die Politik, die den Hass produziert, beendet werden.“

Im August 2020 wurden ein armenischer Friedhof und eine Kirche geschändet. Nach Angaben des Berichts „wurden die Überreste aus den Gräbern geholt und die Knochen der Verstorbenen wurden überall verstreut“ (hier gibt es Bilder).

Am 22. Mai 2020 kletterte ein Mann am hellichten Tag auf den Zaun einer historischen armenischen Kirche in Istanbul, riss ihr Metallkreuz ab und warf es zu Boden, was auf einem Überwachungsvideo eingefangen wurde. Zwei Wochen zuvor brach ein weiterer Türke in die Heiligkreuz ein, eine historische armenische Kathedrale in der Osttürkei; er sagte die adhan auf – das islamische Gebet, das traditionell von Moscheen ausgerufen wird, durchsetzt mit „Allahu Akbar“-Rufen.

An diesem Punkt scheint es zunehmend so, dass, wenn es den völkermörderischen Hass der Türkei auf Armenier betrifft, Religion nicht nur ein Faktor ist, sondern der entscheidende Faktor. Dies zeigt sich offensichtlich darin, dass so, wie die Türkei einen Völkermord gegen andere Christen außer den Armeniern beging – insbesondere Griechen und Assyrer – sich auch die zeitgenössische türkische Feindschaft gegen alle Christen, nicht nur Armenier, richtet. Bedenken Sie die folgenden Beispiele, die nichts mit Armeniern zu tun haben und die vor dem Nagorny-Karabach-Konflikt auftraten.

2009 brach eine Gruppe junger Türken – darunter der Sohn eines Bürgermeisters – in einen Bibelverlag in Malatya ein. Sie fesselten seine drei christlichen Angstellten, folterten sie sadistisch Stunden lang und schlachteten sie schließlich ab; einer von ihnen war Deutscher. „Wir machten das nicht für uns, sondern für unsere Religion“, sagte einer der Beschuldigten später. „Lasst das den Feinden unserer Religion eine Lehre sein.“ Sie wurden später alle aufgrund einer Formalität freigelassen.

Ende 2019 stach ein 16-jähriger muslimischer Junge einem koreanischen christlichen Evangelisten mehrmals ins Herz; der 41 Jahre alte Ehemann und Vater starb kurz darauf. Monate zuvor wurde ein „86 Jahre alter Grieche in seinem Haus mit gefesselten Händen und Füßen ermordet aufgefunden“; Berichten zufolge wurde er „gefoltert“.

2019 schlugen zwei muslimische Männer einen christlichen Teengar auf der Straße, nachdem sie feststellten, dass er ein Kruzifix um den Hals trug. Die Protestantische Kirchenvereinigung sagte in Reaktion drauf: „Dieser Angriff ist das Ergebnis des zunehmenden Hasses auf Christen in der Türkei. Wir laden Regierungsvertreter ein gegen Hassreden zu handeln.“

Viel üblicher als die gezielten Schläge gegen oder das Töten von Christen – aber nicht weniger repräsentativ für den Hass – sind Angriffe, die mit Kirchen zu tun haben. Als ein Mann 2018 das Feuer auf die katholische Kirche der Heiligen Maria in Trabzon eröffnet, war das nur der jüngste von mehreren Anschlägen auf diese Kirche. Nur Wochen zuvor wurde eine improvisierte Bombe in ihren Garten geworfen; 2016 verwüsteten „Allahu Akbar“ brüllende Muslime die Kirche, auch mit Vorschlaghämmern; 2011 wurde die Kirche ins Visier genommen und wegen ihrem sichtbaren Kreuz bedroht; und 2006 wurde ihr katholischer Priester, Andrea Santoro, erschossen, während er beim Gottesdienst betete.

Ebenfalls mit „Allahu Akbar“-Rufen und „für die Al-Aqsa-Moschee wird Rache genommen“ warf ein weiterer Muslim 2015 einen Molotowcocktail auf die orthodoxe Kirche Aya Triada in Istanbul, was sie teilweise in Brand setzte. Bei einem weiteren Vorfall schlugen und traten 2016 vier Türken an die Tür der Agape-Kirche in der Schwarzmeer-Region – wieder mit „Allahu Akbar“-Rufen, mit denen sie ihre jihadistischen Motive bewiesen.

2014 störte eine zufällige Bande einen Taufgottesdienst in Istanbul. Sie drängten sich in die Kirche, brüllten Obszönitäten; einer bedrohte mit einem Messer die Anwesenden. „Das ist nicht das erste Mal und es wird nicht das letzte Mal sein“ antwortete ein lokaler Christ.

Ende 2019 waren Christen in der Kirche des Heiligen Paulus in Antalya versammelt; ein Mann, der Beleidigungen brüllte und die Gottesdienstbesucher physisch bedrohte, sagte, er würde „großes Vergnügen daran haben Christen zu vernichten, da er sie als eine Art Parasitentum an der Türkei betrachtete“.

Einer der alarmierendsten Vorfälle ereignete sich 2015: Volle 15 Kirchen erhielten Morddrohungen wegen „Leugnung Allahs“. „Pervertierte Ungläubige“, hieß es in einem Schreiben, „Die Zeit, da wir eure Hälse treffen, kommt bald. Möge Allah die Ehre und das Lob erhalten.“ „Drohungen sind für die protestantische Gemeinde, die in diesem Land lebt, nichts Neues; sie wollen ihrer Kinder hier groß ziehen“, kommentierte ein Kirchenleiter.

Im März 2020 wurden auf nur einem christlichen Friedhof in Ankara rund 200 zerstörte Grabsteine gefunden. Getrennt davon, aber etwa zur gleichen Zeit, zerbrachen Schänder ein Kreuz vom Grab einer kürzlich verstorbenen Katholikin; nur Tage davor wurde ihr Beerdigungsgottesdienst von „Allahu Akbar“-Schreien unterbrochen.

Bei der Diskussion all dieser Anschläge auf alles und jedes Christliche – Menschen, Gebäude und sogar Gräber – machte der türkische Journalist Seyfi Genç dafür ein „Milieu des Hasses“ verantwortlich:

Aber dieses hasserfüllte Umfeld kam nicht aus dem Nichts. Die Samen dieses Hasses werden verbreitet, angefangen in Grundschulen, über vom nationalen Bildungsministerium gedruckte Bücher, die Christen als Feinde und Hochverräter darstellen. Die Indoktrination geht über Zeitungen und Fernsehsender weiter, die auf einer Linie mit der Staatspolitik liegen. Und natürlich schüren die Predigten in Moscheen und das Gerede in Kaffeehäusern diesen Hass weiter.

All das ist eine Erinnerung daran, dass die Hauptzutat – religiös inspirierter Hass – die zum Völkermord an Christen (Armeniern, Griechen, Assyrern) von 1915 bis 1917 führte, nicht nur gesund und munter ist, sondern zunimmt – und zweifellos darauf wartet umgesetzt zu werden, sobald sich die nächste Gelegenheit bietet.

In seiner Stellungnahme zum Gedenktag an den Völkermord an den Armeniern am 24. April 2021 sagte Präsident Biden: „Jedes Jahr an diesem Tag gedenken wir den Leben all derer, die in der osmanischen Zeit beim Völkermord an den Armeniern starben und verpflichten uns erneut zu verhindern, dass solch eine Gräueltat jemals wieder geschieht.“ [Hervorhebung hinzugefügt]

Das klingt zwar vielversprechend, aber bis die Zeit kommt, dass die Wurzel des Völkermords an den Armeniern – die Wurzel für die anhaltende Verfolgung hunderter Millionen von Christen heute –erkannt und angegangen wird, müssen alle derartigen Behauptungen der Wachsamkeit als bloßes Theater betrachtet werden.