Israels perfekte Bilanz der Vermeidung ziviler Todesopfer in Syrien 2022

Elder of Ziyon, 20. Dezember 2022

Das Syrian Observatory of Human Rights berichtet:

Zwei nicht identifizierte Bewaffnet, die wahrscheinlich der libanesischen Hisbollah angehören, wurden infolge des israelischen Angriffs nahe des internationalen Flughafens und in der Nähe von Damaskus getötet, wo die Angriffe auf ein Hisbollah-Lager mit Waffen und logistischem Material in einem Bauernhof zwischen Al-Saida Zainab und Al-Bajdaliyah zielten, die komplett zerstört wurden; es gibt Berichte von weiteren Opfern an der Stelle.

Israel schoss vier Raketen auf Positionen iranischer Milizen in der Umgebung des internationalen Flughafens von Damaskus und Bauernhöfe im Raum Al-Saida in Rif Dimaschq, wohin Krankenwagen eilten. Es wurden allerdings von keinen Opfern berichtet.

Das deutet zweierlei an: dass der Iran seine auf dem Weg zur Hisbollah befindlichen Waffen in Bauernhöfen versteckt – und dass der israelische Geheimdienst sie findet.

Aber das ist nicht die einzige Heldentat, die in diesem Artikel über israelische Geheimdienstinformationen erwähnt wird. Es gibt eine Zählung von durch ähnliche israelische Angriffe in Syrien dieses Jahr getötet wurden:

SOHR dokumentierte 32 Luftangriffe und Boden-Boden-Raketenangriffe seit Anfang 2022, bei denen Israel mehrere Positionen in Syrien angriff; dabei wurden fast 90 Ziele zerstört, darunter Gebäude, Lagerhäuser, Kommandozentralen und Fahrzeuge. Bei diesen Angriffen wurden 85 Militärs getötet und 115 weitere verletzt sowie 23 Zivilisten verletzt,d arunter ein kleines Mädchen und mindestens drei Frauen.
Die Toten sind Folgende:
* zwei iranische Offiziere, die unter dem Banner des Al-Quds-Korps agierten.
* zehn vom Iran unterstützte syrische Kämpfer.
* 29 vom Iran gestützte Kämpfer, die keine syrischen Staatsbürger waren.
* 36 Soldaten und Luftverteidigungsoffiziere der Streitkräfte des Regimes.
* 8 Kollaborateure der libanesischen Hisbollah.

Es ist eine perfekte Bilanz bei der Vermeidung von Todesfällen bei Zivilisten. Angesichts dessen, dass viele dieser Luftangriffe in Städten stattfanden, ist das ein weiterer Hinweis auf die Qualität der israelischen Informationen – und kein Zufall, da viele syrische Informanten nicht wollen, dass der Iran ihr Land übernimmt.

2021 wurden mehrere Zivilisten als Todesopfer israelische Luftangriffe berichtet, aber die meisten davon schienen von Trümmern syrischer Luftabwehr-Raketensystem getötet worden zu sein, die in bewohnten Gebieten niedergingen.

Der stille Krieg zwischen Israel und dem Iran

Jonathan Schanzer, Middle East Quarterly, Winter 2023

Im Nahen Osten ist ein wichtiger Krieg seit einem Jahrzehnt im Gang, obwohl er nur unregelmäßig Schlagzeilen macht. Monat um Monat, Woche um Woche und Nacht auf Nacht sind die Israelis in der gesamten Region gegen die Islamische Republik Iran vorgegangen; die israelische Regierung nennt das „den Krieg zwischen den Kriegen“ (oder „der Feldzug zwischen Kriegen“).

Der Ursprung dieses Krieges ist klar. Seit den frühen 1980-er Jahren] hat Teheran Terror-Stellvertreter finanziert, bewaffnet und ausgebildet, um Israel anzugreifen.  Das zu gehören die Hisbollah im Libanon, die Hamas und der Palästinensische Islamische Jihad im Gazastreifen und seit etwas kürzerem schiitische Milizen in Syrien und dem Irak. Historisch hat Israel viele dieser Stellvertreter in kurzen, aber schmerzhaften Grenzkriegen bekämpft. Teheran hat nie einen Preis dafür bezahl. Das islamistische Regime präferierte diese Dynamik und die Israelis änderten die Einsatzregeln nie.

Aber im Verlauf des letzten Jahrzehnts hat Jerusalem das Drehbuch gekippt. Es steht mehr auf dem Spile, weil das iranische Regime immer näher an eine Atomwaffe rückt. Teheran zielt darauf seine Stellvertreter mit zunehmend tödlichen und präzisen Waffen zu bewaffnen, während es danach strebt in einer Einkreisungsstrategie immer näher an Israels Grenzen zu rücken. Ohne andere Optionen haben die israelischen Verteidigungskräfte (IDF) iranische und vom Iran unterstützte Ziele angegriffen. Was als eine Ad-hoc-Serie an Operationen begann, hat sich in einen vollwertigen Feldzug entwickelt.

Die individuellen Angriffe dieses Feldzugs, oft ohne Zuordnung ausgeführt, waren ursprünglich so angelegt, dass sie regionalen Flächenbränden vorbeugten. Die Möglichkeiten des Iran und seiner Stellvertreter zu untergraben, so argumentierten israelische Offizielle, würde die Achse davon abhalten ausreichend Aktiva an für koordinierte Angriffe vorteilhaften Standorten zu stationieren. Verteidigungsminister Benny Gantz drückte das so aus: „Manchmal ist die Anwendung von Gewalt und eine Demonstration derselben in der Lage die Notwendigkeit für stärkere Gewaltanwendung zu vermeiden.“

Aber Konflikt zuvorzukommen ist auf Dauer keine zukunftsfähige Strategie. So wie das iranische Atomprogramm vorankommt und weil Teherans Stellvertreter an Israels Grenzen tödliche Waffen anhäufen, könnte dieser Schattenkrieg in einen breiteren Konflikt eskalieren, der Jerusalem in die Lage versetzen würde seine bedeutendsten Bedrohungen zu neutralisieren oder sogar zu eliminieren.

Cyber-Kriegsführung

Es gab zwar nie einen offiziellen Beginn des „Kriegs zwischen den Kriegen“, aber der erste Schuss wurde wohl 2010 mit dem Einsatz des „Stuxnet“-Wurms abgegeben, eine gemeinsame Cyber-Waffe der USA und Israels, die Teherans Atomprogramm um vielleicht zwei Jahre zurückwarf. Der Angriff erlangte spektakuläre Schlagzeilen, war aber natürlich nicht der letzte. Im Verlauf der letzten zehn Jahre haben die Israelis im Cyber-Space zunehmend gegen den Iran agiert. 2018 machte Teheran z.B. Jerusalem für einen Cyber-Angriff auf kritische iranische Infrastruktur verantwortlich und zwei Jahre später wurde Israel verdächtigt Cyber-Angriffe auf zwei iranische Regierungsbehörden und den iranischen Hafen Schahid Rajaee geführt zu haben. Dies sind nur ein paar der israelischen Cyber-Operationen, die öffentlich gemacht wurden. Im Oktober 2022 berichtete die Atomenergie-Organisation des Iran eine „illegale Infiltration“, von der weithin angenommen wurde, dass sie mit Israel in Verbindung stand.

Natürlich hat auch Teheran Israel im Cyber-Space geschlagen. 2018 drangen iranische Hacker in das Handy von IDF-Chef Gantz ein, der heute ein bekannter Politiker ist. Laut Nachrichtenberichten aus dem Jahr 2019 infiltrierten iranische Hacker beinahe Israels Raketen-Frühwarnsystem. Ende 2020 stahlen iranische Hacker Daten von mindestens 40 israelischen Firmen und erlangten sogar Zugang zu Israels Wassersystem. Anfang 2021 zielten iranische Hacker auf israelische medizinische Forscher, Regierungseinrichtungen, Universitäten und mehr.

Einige israelische Analysten haben auf Besorgnis wegen fehlenden Normen und Regeln in Verbindung mit Cyber-Kriegsführung hingewiesen. Ob das für Jerusalem ein ernstes Problem ist, muss abgewartet werden. Bisher dominiert Israel den Iran in diesem Bereich.

Psy-Ops

Res gibt in dieser Cyber-Kriegsführung auch eine psychologische Komponente. Im Juli 2021 z.B. erlangten Hacker Zugang zu den Anzeigetafeln des Zentralbahnhofs in Teheran und hießen Passagiere mit Aufrufen den Obersten Revolutionsführer Ali Khamenei anzurufen willkommen. Obwohl behauptet wurde, dass eine iranische Oppositionsgruppe dafür verantwortlich war, hatten wahrscheinlich die Israelis bei dieser Aktivität eine Hand im Spiel, womit sie die Fähigkeit demonstrierten, dass sie tief im Iran operieren können.

Noch erschütternder für das Regime war die Operation 2018, bei der der Mossad hunderttausende Dokumente aus einem geheimen Atomarchiv in den Außenbezirken Teherans heraus schleusten, was die laufenden Atomverhandlungen zwischen dem Iran und den P5+1-Weltmächten (USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien, dazu Deutschland) beeinflussten. Weil sie auf Fortschritte bei der Waffenherstellung hinwiesen, die das Regime vorher und energisch bestritten hatte, machten die Dokumente die Internationale Atomenergiebehörde auf Atomorte aufmerksam, die bis dahin vom Regime verschleiert wurden und schickten Atomexperten los, die sich drängelten Berge neuer Daten zu Teherans Atomprogramm zu beurteilen. Teheran hat seitdem seine interne Sicherheit verstärkt; die Paranoia hat entsprechend  zugenommen.

Attentate

Im November 2020 wurde der beste Atomwissenschaftler des Iran, Mohsen Fakhrizadeh, von einer ferngesteuerten Waffe in seinem Auto getötet; es besteht der Verdacht, dass das das Werk des Mossad war. Fakhrizadehs Ableben nahm Teheran kein institutionelles Atomwissen, aber es versetzte dem seit 1989 von Fakhrizadeh geleiteten Programm zweifellos einen bedeutenden Schlag. Tatsächlich war er der Kopf der Organisation für defensive Innovation und Forschung des Iran (das persische Akronym lautet SPND) und eines geheimen Programms namens „Projekt Amad“, das Forschung zu iranischen Atomwaffen betreibt.

Das Attentat auf Fakhrizadeh war kein isoliertes Ereignis. Der Mossad steckte wahrscheinlich hinter mindestens sechs anderen Anschlägen auf iranische Atomwissenschaftler seit 2007. Der vorzeitige Tod von Ardeshir Hosseinpou (2007), Masoud Ali Muhammadi (2010), Majid Shahriari (2010), Fereydoun Abbasi Davani (2010), Daryoush Rezaei Nejad (2011) und Mustafa Ahmadi Roshan (2012) erschienen allesamt dazu angelegt gewesen zu sein das Atomprogramm zu behindern, indem ihm institutionelles Wissen und menschlicher Ressourcen raubte.

Ohne Beziehung zum Atomprogramm steckten die Israelis 2020 hinter dem Attentat auf Abu Muhammad al-Masri, dem zweithöchsten Kommandeur von Al-Qaida, der in Teheran eine sichere Zuflucht genossen hatte. Seit den Anschlägen vom 9/11 haben Analysten die Natur der Verbindungen zwischen Teheran und Al-Qaida debattiert. Manche argumentieren, dass dies eine unbehagliche Beziehung zu vielen Al-Qaida-Agenten gewesen ist, die unter Hausarrest leben. Andere behaupten, dass das islamistische Regime die Terroraktivitäten der Gruppe ermöglicht hat. Das Attentat auf Masri, der sich frei im Iran bewegte, erweckte sicherlich den Anschein einer geheimen Absprache zwischen den beiden.

Auf hoher See

Israel und der Iran haben auch maritime Kämpfe geführt. Im März 2021 landete Israel einen Treffer auf einem Schiff auf dem Weg nach Syrien und im April traf es ein iranisches Spionageschiff im Roten Meer und einen iranischen Öltanker vor der Küste Syriens. Dann ereignetes sich im Mai eine Israel zugeschriebene Explosion auf einem weiteren iranischen Öltanker, wieder vor der syrischen Küste. Laut Wall Street Journal hatte Jerusalem seit 2019 eine Menge iranischer Schiffe ins Visier genommen.

Im Gegenzug wurden die Israelis getroffen. Im März 2021 steckte wahrscheinlich Teheran hinter einem Angriff auf einen israelischen Frachter nahe des Persischen Golfs und später im selben Monat wurde ein Schiff in israelischem Besitz vor der Küste des Oman von einer Rakete getroffen. Im April wurde ein Schiff in israelischem Besitz vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate angegriffen und später im selben Jahr wurde die von Israelis gemanagte Mercer Street in internationalen Gewässern von einer iranischen Drohne getroffen, was von Weltmächten verurteilt wurde.

Der Kriegsschauplatz Syrien

Unter all dem trat Syrien als das intensivste Schlachtfeld auf. Teheran hat den zehnjährigen Bürgerkrieg ausgenutzt, um sich militärisch im Land einzugraben und der Terrororganisation Hisbollah im Libanon große Mengen fortschrittlicher Waffen zu liefern. Jerusalem hat sich bemüht das zu verhindern.

Während die Ziele der Israelis wechseln, zielen die meisten Angriffe auf Präzisionsmunition auf dem Weg zur Hisbollah, von der Jerusalem sagt, sie seien „bahnbrechend“, weil sie die „statistischen Rakten“ der Gruppe beträchtlich verbessern, denen bisher Präzision fehlt. Ihre Flugbahn kann im Flug beeinflusst werden und sie treffen mit hoher Zielgenauigkeit. Israel hat die meisten davon zerstört, aber offizielle Vertreter geben an, dass „ein paar hundert“ Waffen im Libanon angekommen sind.

Ein Jahrzehnt lang hat es ungeschriebene Einsatzregeln zwischen den Iranern und den Israelis gegeben. Teheran hat bereitwillig schwere Verluste geschluckt, solange einige Waffen durchkamen. Eine weitere unausgesprochene Regel lautet, dass der Libanon, der Zielort der meisten dieser Waffen, für israelische Schläge nicht infrage kommt. Das Ergebnis sind tausende Angriffe in Syrien gewesen.

In den ersten fünf Jahren war Jerusalem eher verstohlen, behauptete nicht für das verantwortlich zu sein, was es traf. Doch Nachrichtenberichte lieferten klare Konturen des Kampfgebiets. Sie zeigten z.B. auf israelische Angriffe auf ein biologisches Forschungszentrum, auf wiederholte Angriffe auf fortschrittliche Waffen auf dem Weg zur Hisbollah und die Attentate auf Hisbollah-Kommandeure sowie die Tötung iranischer Offiziere.

2017 begann der Krieg aus dem Schatten hervorzutreten. Im April fing die IDF Hisbollah-Drohnen ab, die von Syrien aus in den israelischen Luftraum eindrangen; zwei Monate später wurden zehn Projektile nach Israel geschossen, was israelische Angriffe in ganz Syrien auslöste. Im Februar 2018, nachdem Teheran eine Drohne von der Luftwaffenbasis T4 nach Israel schickte, begann die IDF Luftangriffe auf iranische und syrische Ziele in Syrien, einschließlich der Luftabwehr. Zwei Monate später griffen die Israelis eine iranische Luftwaffenbasis in Syrien an, wobei sieben iranische Soldaten getötet wurden; und im Mai wurden fünfzehn iranische und irreguläre Kämpfer bei einem israelischen Angriff auf eine Einrichtung der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) getötet. Nicht viel später griff Israel mehr als fünfzig iranische Ziele in Syrien als Teil der „Operation Kartenhaus“ an und im Juni traf die IDF eine vom Iran unterstützte Miliz im Irak, was 20 Tote und die Zerstörung der militärischen Akiva zur Folge hatte.

Im Februar 2019 begann Jerusalem offen über diesen nicht eingestandenen Krieg zu reden, als der damalige Premierminister Benjamin Netanyahu mit einem Angriff auf syrische Ziele prahlte. Im März bestätigte der geschäftsführende Außenminister Israel Katz israelische Angriffe auf iranische Aktivposten in Aleppo und im April deutete Netanyahu an, dass Israel hinter einem Angriff auf eine iranische Waffenfabrik steckte. Im Mai beanspruchte die IDF den Verdienst dafür eine syrische Luftabwehr-Batterie beschossen zu haben.

Im Mai 2020 berichtete eine Nichtregierungsorganisation in Syrien von fast 40 Luftangriffen bis zu dem Punkt, die den Tod von 225 iranischen und Soldaten des Regimes Assad zur Folge hatten. Im Juni 2020 griffen die Israelis eine syrische Anlage zur Zwiebelverarbeitung und zur Viehfütterung an, die die Iraner zum Waffenlager gemacht hatten, während ein anderer Angriff einen Waffenkonvoi auf dem Weg zur Hisbollah im Libanon zerstörte. Im September traf die IDF einmal mehr die Luftwaffenbasis T4 und drei Monate später tötete ein israelischer Luftangriff einen hohen IRGC-Kommandeur. Die Israelis agierten zunehmend verwegener. Man konnte in vertraulichen gesprächen über die israelischen militärischen Erfolge in Syrien tatsächlich ein Gefühl von Stolz bei den hohen IDF-Militärs und Bediendern entdecken. Im Oktober 2022 gingen offizieller IDF-Vertreter so weit zu behaupten, dass 90 Prozent der iranischen Infrastruktur in Syrien zerstört war.

Unveränderte US-Politik

2020 wurde der Verlauf des „Krieges zwischen den Kriegen“ infrage gestellt. Die vier Jahre davor, also der Zeitraum, der den Großteil des Feldzugs darstellte, hatte die Administration Trump Jerusalems Anstrengungen die iranischen Aktivitäten an den israelischen Grenzen zu untergraben gestützt. Nach Trumps Abtritt war nicht bekannt, welche Politik Joe Biden verfolgen würde. Diese Unsicherheiten wurden im Januar 2021 abgeklärt, als die Israelis iranische und Hisbollah-Streitkräfte in Syrien beschossen. Dann trafen die Israelis im Oktober syrische Basen in Homs, drei Monate später gefolgt von einem Angriff auf Container in Syriens Seehafen Latakia. Keiner davon löste eine Reaktion des Weißen Hauses aus.

Satellitenbilder vom Februar 2022 zeigten Schäden an einer Drohnenbasis im westlichen iran, offenbar das Werk Jerusalems in Reaktion auf die versuchte  Lieferung von Waffen in die Westbank den Gazastreifen mit Hilfe von Drohnen im Jahr zuvor. Vier Wochen später startete Teheran Raketen auf ein Gelände in Erbil im Irak, von dem es sagte, es werden von Israel genutzt.

Im April griffen israelische Kampfflugzeuge syrische Waffenlager und Zentren an, in denen Raketen und unbemannte Flugobjekte entwickelt wurden. Ein weiterer Bericht etwas später im selben Monat bestätigte einen israelischen Angriff auf iranische Munitionsdepots bei Damaskus, während im Mai von einem ähnlichen Angriff auf Munition bei Damaskus berichtet wurde. Im August 2022 griffen israelische Jets im westlichen und zentralen Syrien an, töteten drei Soldaten und verletzten drei weitere. Die Israelis beschossen im Verlauf des Monats auch Damaskus und Aleppo in einem offensichtlichen Versuch iranische Flugzeuge davon abzuhalten Militärausrüstung zu liefern.

Wäre Washington wegen dieser Aktivitäten unglücklich, würde es das öffentlich sagen, selbst während die Administration Biden einen Atom-Deal mit Teheran anstrebte.

Der Faktor Russland

Die russischen Invasion der Ukraine im Februar 2022 brachte ein neues Problem in den Krieg zwischen den Kriegen ein. Seit 2015 war die Israelische Luftwaffe (IAF) aufgrund der militärischen Intervention Russlands im syrischen Bürgerkrieg gezwungen sich auf russische Kooperation zu verlassen, um im Himmel über Syrien agieren zu können. Das hatte sorgfältige Konflikt-Vermeidung erfordert, weil die Russen am syrischen Himmel mit Kampfjets und fortschrittlichen Luftabwehr-Systemen patrouillierten.

Um seinen Feldzug aufrecht zu erhalten hatte Jerusalem keine andere Wahl gehabt, als sich mit Putin und seinen Stellvertretern auseinanderzusetzen. Schon früh erreichten die beiden Seiten ein stillschweigendes Übereinkommen, dass „Russland nicht in Israels Luftangriffe in Syrien eingreifen wird“. Aber der Austausch ist nicht ohne Spannungen gewesen. Israelische Piloten müssen innerhalb der Reichweite respekteinflößender russischer Luftabwehrsysteme vom Typ S-400 agieren. Das hat israelische Operationen wahrscheinlich in einem gewissen Ausmaß belastet.

Nachdem die russische Armee 2022 durch entschlossenen ukrainischen Widerstand gebremst wurde, soll der Kreml beschlossen haben Streitkräfte und Aktivposten von Syrian in die Ukraine zu verlegen. Was das für Israel bedeutet, muss abgewartet werden. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie Moskau seine militärische Präsenz in Syrien beibehalten könnte. Sollten die Russen aber Luftabwehrsysteme  aus dem zentralen und östlichen Syrien abziehen, würde das den Israelis neue Möglichkeiten in dem nicht eingestandenen Krieg bieten. Sollten die kooperativen Verbindungen zwischen Moskau und Teheran sich im Gegenzug vertiefen, könnte Jerusalem es zunehmend schwierig finden an seiner Nordgrenze zu handeln.

Schlussfolgerung

Bisher ist der Krieg zwischen den Kriegen eine einigermaßen begrenzte Strategie zur Bekämpfung  zukünftiger Bedrohungen durch den Iran gewesen. Fragen bleiben zu seiner langfristigen Brauchbarkeit als Vehikel für größere Angriffe, um die sofortigen existenziellen und strategischen Bedrohungen durch Teheran und seine Stellvertreter anzugehen. Frühere Offizielle vermerken, dass die Strategie helfen mag das Problem in Syrien und sogar darüber hinaus einzugrenzen, aber dass Jerusalem davon abgeschreckt worden ist mit den wahren Bedrohungen umzugehen: die zunehmenden Lagerbestände der Präzisionsmunition der Hisbollah (PGMs) im Libanon, das Auftauchen weiterer PGM-Produktionseinrichtungen im Libanon und der Bau zusätzlicher geheimer iranischer Atomanlagen oder tatsächlich der Gesamtfortschritte von Teherans Atomprogramm

Solche Kritik negiert nicht den Einfluss auf die gewagten und erfolgreichen israelische Operationen im nicht erklärten Krieg im Verlauf eines Jahrzehnts. Aber diese Gefahren dürfen nicht ignoriert werden. So mag Jerusalem bald herausfinden, dass es die ungeschriebenen Regeln mit Teheran austesten muss. Es könnte riskantere, asymmetrische Operationen durchführen, besonders da die Hisbollah weiter PGMs anhäuft und Teheran sich Jerusalems rote Linien an der Atomfront nähert.

Bis dahin kann der Krieg zwischen den Kriegen nicht aufhören. Mit den Worten des ehemaligen IDF-Kommandeurs: Amikam Norkin: „Das ist kein 100-prozentiger Erfolg. Aber ohne unsere Aktivitäten könnte die Lage hier viel negativer aussehen.“

Der fehlgeschlagene doppelte Spiel der Briten mit Israel

Bisher übersehene Dokumente des britischen Imperial General Staff demonstrieren, dass die oft ausgegrenzte Bewertung der britischen Absichten gegenüber dem Mandat Palästina durch den Lehi-Anführer Avraham „Yair“ Stern richtig war.

Edward Luttwak, Tablet magazine, 29. November 2022

Avraham Stern 1942 (Foto: Israeli Government Press Office)

Als der Krieger-Poet Avraham „Yair“ Stern, Gründer und Anführer der Lohamei Cherut Israel (Lehi – „Kämpfer für die Freiheit Israels“), der glaubte, dass die Briten mit politischen Morden und mit Bomben vertrieben werden müssten und niemals freiwillig abziehen würden, nachdem der am 12. Februar 1942 getötet wurde, nachdem er gefangen genommen wurde und von britischen Kriminalbeamten Handschellen angelegt bekam, konnte kein Jude seinen Tod feiern.

Aber die Anführer der Juden des britischen Mandats Palästina, die damals schon von David Ben-Gurion geführt wurden, betrachteten Sterns Tod eher als Gewinn für die nationale Sache statt als Verlust – und nicht nur, weil der Poet und seine Anhänger unbesonnene politische Dilettanten waren: Einige fantasierten von Bündnissen mit Mussolini, sogar mit den Nazis sowie arabischen Nationalisten bei einer gemeinsamen antibritischen Sache.

In einer Zeit maximaler Gefahr – Rommel schien kurz vor der Eroberung Ägyptens zu stehen, Palästina käme als Nächstes – betrieben Ben-Gurion und seine Verbündeten trotz bitterer Enttäuschungen beharrlich die Kooperation mit den Briten. Die schlimmste war vielleicht das Weißbuch vom Mai 1939, das die Zuwanderung von Juden auf 75.000 über fünf Jahre begrenzte, was zahllose europäische Juden zum Tod durch die Hände der Nazis verurteilte. Trotzdem glaubte Ben-Gurion – zurecht – dass die Briten die am wenigsten schlimmen Verbündeten waren, die die Juden haben konnten.

Ben-Gurion hatte auch kaum eine andere Wahl. Die Amerikaner hatte es selbst dann abgelehnt in den Krieg einzutreten, nachdem die Deutschen den größten Teil Europas erobert hatten. Sie lehnten es immer noch ab zu handeln, als die Deutschen kurz davor zu stehen schienen Russland zu besiegen, was bald auch die Niederlage Britanniens bedeuten würde. Am 2. Dezember 1941 standen deutsche Panzer nur noch knapp 25km vor dem Roten Platz. Amerika war nur im Krieg als Stern 1942 starb, weil die Japaner es angegriffen hatten.

Es war unvorstellbar, dass die Amerikaner zugunsten der Juden um weit entfernten Nahen Osten eingreifen würden – in der Tat hoben die USA ihr totales Waffenembargo gegen Israel erst im August 1962 auf, um den Verkauf von defensiven Luftabwehrraketen zu gestatten, sieben Jahre, nachdem die Sowjets zugestimmt hatten Nassers Ägypten Bomber zu liefern (Teil eines gewaltigen sowjetischen Waffen-Geschenkpakets, das auf Beharren der CIA als „tschechisch“ falsch dargestellt wurde, um Feindschaft ihres eigenen Mannes, Nasser, zu vermeiden: Die immer falsch liegende Agency setzte auf Nassers mächtigen arabischen Nationalismus, statt auf das scheinbar schwächliche Israel.)

Als Avraham Stern getötet wurde, standen die Kommunisten noch völlig loyal an der Seite Stalins. Laut Ben-Gurion und der Mehrheit der jüdischen Anführer in Palästina war Churchill immer noch das Beste, was die Juden bekommen konnten, selbst nach der Aufdeckung ihres krassen doppelten Spiels gegenüber dem Jischuw. Churchill verurteilte vehement das Weißbuch vom Mai 1939, um seine jüdischen Gönner zufriedenzustellen, als er noch nicht im Amt war kaum Geld hatte, lehnte es dann aber ab die Politik zu ändern, als er Premierminister wurde – womit er Millionen verweigerte dem Tod zu entkommen und zufällig meinem Vater, meiner Mutter, zwei Brüdern und mir selbst verweigerte Arad in Rumänien zu verlassen u, nach einer komfortablen Fahrt mit dem Orientexpress nach Istanbul und dann nach Haifa in Sicherheit zu gelangen. Ein 7,5cm mal 5 Zentimeter großer Einreisezettel für Palästina reichte aus, um Transitvisa für Bulgarien und die Türkei zu bekommen, aber die Briten lehnte es ab sie auszustellen, selbst noch 1944 – zu einer Zeit, als detaillierte Augenzeugenberichte und fehlerfreie Dokumentation der Operation eines jeden Teils der Nazi-Tötungsmaschine London und Washington erreicht hatten.

Trotz all dem lag Ben-Gurion mit den damals verfügbaren Beweismitteln weiter größtenteils richtig und Avraham Stern lag größtenteils falsch. Die Briten stimmten irgendwann und sehr widerwillig der Beendigung der Mandatsherrschaft durch die UNO am 15. Mai 1948 zu, womit den Juden erlaubt wurde für ihren Staat zu kämpfen. Diese Anmerkung ist wichtig, weil ein Faktor bei der britischen Entscheidung die von Stern inspirierten Terroranschläge waren, darunter der vom 22. Juli 1946 der Bombenanschlag auf das britische Hauptquartier im King David Hotel, dessen 91 Tote ihn zum tödlichsten Anschlagsrekord machten, der noch Jahrzehnte nachwirkte.

Erst in den letzten Jahren kamen Dokumente ans Tageslicht, die beweisen, dass die Briten – heißt: der immens herrische Imperial General Staff, dessen Ansehen sogar noch zunahm, sobald Churchill am 5. Juli 1945 aus dem Amt gewählt war – entschlossen waren in Palästina zu bleiben, ganz im Widerspruch zu dem, was sie gegenüber den jüdischen Anführern und der UNO sagten. In der Tat hatten sie einen Operationsplan ausgearbeitet, um genau das zu tun: Sie rüsteten die ägyptische Armee ihres folgsamen Vasallenkönigs Farouk und die irakische Armee ihres folgsamen Vasallenkönigs Faisal II. mit Feldartillerie, Panzern und Kampfflugzeugen aus und schickten gepanzerte Autos, Feldartillerie und ausgezeichnete britische Offiziere als Kommandeure zur Arabischen Legion ihres Vasallenkönigs Abdallah von Jordanien. Den Juden wurden überhaupt keine Waffen gestattet – nicht einmal Revolver. Angesichts des unaufhaltsamen Vorteils der arabischen Armeen würden sie selbst um britischen Schutz betteln, womit sie die Verlängerung der britischen Herrschaft sicherstellen würden.

Die Dokumente des Generalstabs offenbaren systematische strategische Logik in Betrieb, ohne auch nur eine Spur von Antisemitismus. Britische Planer im Stab akzeptierten, dass Indien, Burma und Ceylon bald verloren sein würden, machten aber geltend, dass der Persische Golf behauptet werden müsse, weil seine Ölreserven notwendig seien, um Britanniens Wiederaufbau zu finanzieren (abgesehen von viel Wohnraum der durch Nazi-Bomber verloren ging, waren die Maschinenanlagen in britischen Fabriken durch die Kriegsproduktion abgenutzt).

Großbritannien Erholung nach dem Krieg, so glaubte der Generalstab, würde fortgesetzte Kontrolle einer Kette an Basen von Zypern und der britisch kontrollierten Kanalzone bis in den Irak und Bahrain über den Negev benötigen, die südliche Wüste, die den Großteil des von der UNO gezeichneten Karte des zukünftigen Israel ausmachte. Dem jüdischen Staat konnte daher nicht erlaubt werden am 15. Mai unabhängig zu werden, mit Ausnahme des schmalen Küstenstreifens über dem Negev, wo ein paar hunderttausend Juden unter britischem Schutz leben könnten.

Die Labour-Regierung, die Churchills Kriegskoalition folgte, war voll und ganz damit beschäftigt ein Land für Helden aufzubauen und hatte keine Zeit oder keine Lust sich in den Plan des Generalstabs einzumischen – und wenn sie interveniert hätten, hätte das kaum etwas geändert. Labour-Premierminister Clement Attlee (Churchills „zurückhaltender Mann mit viel, bei dem er zurückhaltend zu sein hätte“) war ein sehr stiller, aber kalt entschlossen und absolut antisemitisch sowie antizionistisch. Diese Tatsache war damals wenig bekannt, zum Teil, weil alle Aufmerksamkeit sich auf das Außenministerium konzentrierte, das vom früheren Gewerkschafter, Außenminister Ernest Bevin geführt wurde, der überhaupt kein ernsthafter Antisemit, sondern ein Großmaul war.

Mit seinen antisemitischen Ausbrüchen bot Bevin sowohl für Attlee als auch die Planer des Imperial General Staff Deckung. Aber der am häufigsten gegen Bevin angeführte Ausbruch vom 12. Juni 1946 – „Es hat in den USA … aus den reinsten Motiven Agitation gegeben … 100.000 Juden nach Palästina zu stecken. Sie wollten in New York nicht zu viele Juden haben.“ – kam in Wirklichkeit von James F. Byrnes, dem US-Außenminister. Burns‘ eigene Politik – grausam und sehr effektiv durchgesetzt – bestand ebenso darin den Juden jegliche Waffen zu verweigern, womit er die britischen Pläne förderte.

Byrnes‘ Politik bestand unter seinem nachweislich nicht antisemitischen Nachfolger George Marshall (der Druck ausgeübt hatte jüdischen Immigranten die Tore in die USA zu öffnen) selbst nach Israels Unabhängigkeit ab 15. Mai 1948, ungeachtet des ureigenen Rechts eines jeden souveränen Staates sich zu verteidigen, unverändert weiter. Wären keine Waffen mit Zustimmung Stalins, der das britische Empire in Verlegenheit bringen wollte, durch gewagte DC-3-Flüge aus der Tschechoslowakei über Jugoslawien angekommen, dann wäre der jüdische Staat besiegt und die Überlebenden nur gerettet worden, wenn die britische Herrschaft fortbestanden hätte.

Es ergab sich, dass die Juden sich als viel bessere Kämpfer herausstellten, als alle angenommen hatten, aber ihr Sieg 1949 an allen Fronten war für den Imperial General Staff nur kleiner Rückschlag; seine unumstrittene Vollmacht ließ bis zum Debakel der Suezkrise 1956 nicht nach.

Zwei Bündel bisher übersehener Dokumente beweisen, dass Avraham Stern recht hatte den britischen Erklärungen nicht zu trauen, sie würden das Mandat beenden und den Juden erlauben einen Staat zu gründen, selbst nicht in den geschrumpften Grenzen, die die UNO sich vorstellte.

Erstens gibt es die Dokumente zur „Operation Cordage“, die einen Terroranschlag auf Israel ins Auge fassten, der israelische Vergeltung gegen das haschemitische Königreich Jordanien provozieren würde. Die israelische Reaktion würde es Britannien erlauben seine Verpflichtung zu aktivieren das haschemitische Königreich gemäß des Vertrags von London von 1946 zu verteidigen. Das würde den Briten die Ausrede liefern die Royal Air Force von ihren Basen in Zypern aus und die Fleet Air Arm von Flugzeugträgern umfassende Luftangriffe beginnen zu lassen, um die gesamte israelische Luftwaffe und Armeebasen, Kommandozentralen und Lager zu vernichten. (Damals konnte die britische Luftwaffe das und mehr.) Sobald Cordage ausgeführt würde, wären die entwaffneten Israelis gezwungen um britischen Schutz zu betteln, weil sie so schwach wären, dass selbst die kleine Armee des Libanon einmarschieren könnte, ganz zu schweigen von den viel stärkeren Syrern, Irakern und immer noch von Briten kommandierten Jordaniern.

Der zweite Dokumentensatz beschreibt den 1955 von Francis Russell vom US-Außenministerium und dem führenden Arabisten des britischen Außenministeriums Evelyn Shuckburgh (der immer unter akuten Magenschmerzen litt, wann immer er dem israelischen Botschafter eine der seltenen Audienzen gewähren musste) ausgearbeiteten Plan Alpha der USA und Großbritanniens. Der von Premierminister Anthony Eden in seiner Guildhall-Rede vom November 1955 vorgelegte Plan Alpha sollte den Negev – ja, immer der Negev – von Israel abtrennen und ihn Ägypten übergeben, das damals, wenn auch nicht mehr lange, „britisches Ägypten“ war, komplett mit stationierten 70.000 britischen Soldaten von Armee und Luftwaffe auf Basen beiderseits des Kanals.

Erst Nassers Verrat an seinen CIA-Möchtegern-Führern mit der Übernahme des Suezkanals und dem folgenden Suez-Krieg 1956 (Israels Sinai-Feldzug) wendete das Blatt. Die Briten griffen stattdessen Ägypten an, was Edens Rücktritt, lebenslange Trauer Schuckburgs und den Beginn der Kriege zur Folge hatte, die zum ägyptisch-israelischen Friedensvertrag und der gegenwärtigen Kooperation führten, womit Stenrs Hoffnung verwirklicht wurde, dass arabische und jüdische Nationalisten Verbündete sein können.

Wer hatte also recht?

Die beigefügten Cordage-Dokumente wurden vom Historiker und herausragenden Rundfunk-Sprecher Dr. Isaac Noy (sel. A.) im Mai 2022 zur Verfügung gestellt. Anat Stern korrigierte Fehler eines früheren Entwurfs.

Der verbockte Anschlag, der den Ersten Libanonkrieg auslöste

Der gescheiterte Anschlag auf das Leben von Botschafter Shlomo Argov führte zu einer der kompliziertesten und schwierigsten Episoden in Israels Geschichte

Zack Rothbart, the Librarians, 17. August 2022

Botschafter Shlomo Argov und Ruinen aus dem Libanonkrieg (Argov-Foto veröffentlicht in Hadaschot, 6. Juli 1984 / Libanon-Foto: Emanuel Dudai. Aus der Dan Hadani Collection, The Pritzker Familiy National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels)

Das Dorchester Hotel in London – eines der protzigsten weltweit. Jahrzehnte im Besitz von modernen Sultanen und Nahost-Magnaten, ist das Dorchester ein beliebter Treff kultureller Ikonen von Hitchock bis Streisand. Prinz Philip, der Duke of Edinburgh, veranstaltete hier einen legendären Junggesellen-Abschied vor seiner Hochzeit mit der zukünftigen Queen Elizabeth II.

Der britische Premierminister Harold Wilson und seine Frau Mary mit dem israelischen Premierminister Levi Eschkol und dessen Frau Miiriam im The Dorchester, März 1965 (Foto: lizenzfrei)

Das Dorchester befindet sich so weit entfernt von den schlammigen Wäldern des Südlibanon, wie es möglich ist, doch dort begann der Erste Libanonkrieg. Gewissermaßen.

Eines Abends im Juni 1982 versammelten sich Dutzende Diplomaten im Dorchester zu einem jährlichen Gala-Event. Vor Mitternacht verließ Shlomo Argov – der eloquente, in Jerusalem geborene und in Georgetown und an der LSE ausgebildete israelische Botschafter beim Vereinten Königreich – das Hotel und war auf dem Weg zu seinem Wagen.

Momente zuvor hatte ein Treffen in der Männertoilette des nahe gelegenen Hotels Hilton stattgefunden, das die Geschichte des Nahen Ostens verändern würde. Dort holte Marwan al-Banna eine braune Tasche hervor, die er aus seinem Auto geholt hatte. Er zeigte eine polnische W.Z.63 Maschinenpistole mit zwei Magazinen Munition und übergab sie seinem Kameraden Hussein Sa’id.

Sa’id verließ das Hotel gegen 23 Uhr und wartete nervös vor einem BMW-Schaufenster; er ging los, als Argov sich zu seinem Volvo begab, schoss auf ihn und floh.

In The Master Terrorist: The True Story Behind Abu Nidal gibt der Journalist Yossi Melman, der über den fehlgeschlagenen Mord und die folgenden Gerichtsverfahren berichtete, einen Bericht aus erster Hand über die Ereignisse, wie sich Colin Simpson an den Abend erinnert, der für Argov abgestellte Leibwächter:

„Er bückte sich leicht und wollte gerade in den Wagen steigen. Als er seinen Kopf hineinsteckte, hörte ich hinter mir ein Geräusch. Der Botschafter fiel auf den Gehweg. Ich blickte auf ihn hinab und sah, was eine extrem schwere Verletzung zu sein schien.“

Simpson verfolgte Sa’id, schoss ihm direkt unter das Ohr, aber nicht bevor auf ihn selbst geschossen wurde, wobei eine der Kugeln des Angreifers knapp seinen Kopf verfehlte. Laut Melman „fand die Polizei später heraus, dass die Maschinenpistole auf Einzelschüsse eingestellt war, sonst wäre Simpson wahrscheinlich mehrere Male von den 24 Kugeln getroffen wurde, die sich noch in dem Magazin befanden.“

Argov hatte weniger Glück. Eine Kugel ging direkt durch sein Gehirn. Er war Monate lang im Koma und sollte den Rest seines Lebens gelähmt bleiben; er verbrachte Jahrzehnte bettlägerig, hauptsächlich in Jerusalems Hadassah-Krankenhaus.

Botschafter Victor Harel, der eng mit Argov zusammenarbeitete, erinnerte sich an ihn als einen „diplomatische Giganten“, Jerusalemer in der siebten Generation, der nach seiner Verletzung in Israels Unabhängigkeitskrieg weiter kämpfte, einer der höchstgeschätzten Aktivposten des Außenministeriums wurde. Argov wurde Berichten zufolge von Premierminister Menachem Begin für den Posten in London handverlesen, obwohl die beiden gegnerischen politischen Lagern angehörten. Solch eine Entscheidung, kurz nach Begins historischem Aufstieg an die Macht nach Jahrzehnten in der politischen Wüste, deutete das Vertrauen und den Respekt an, den Argov sich als Mann verdient hatte, dessen Dienst für sein Land seine persönliche politische Ideologie ersetzte.

Der israelische Botschafter Shlomo Argov (hier 1979 auf dem Weg zum Buckingham Palace zur Vorlage seiner Beglaubigung, wurde in London von einem Schützen schwer verletzt. Argov wurde mit Kopfwunden eilig ins Krankenhaus gebracht und befand sich nach einer Gehirnoperation in kritischem Zustand.

Gegenschlag und Terroristen

Innerhalb von Stunden nach dem Mordversuch wurde eine Krisensitzung des israelischen Kabinetts mit einem Beschluss beendet elf PLO-Ziele im Libanon zu beschießen, zwei davon in Beirut. In dem Treffen betonte Begin sehr deutlich die Dringlichkeit zu handeln. Nach Angaben des Militärhistorikers Shimon Golan, dem Autor des bis heute umfangreichsten Werks über den Entscheidungsfindungsprozess auf höchster Ebene während des Krieges, bestimmte Begin, dass „Israel nicht abwarten konnte einen Bericht von Scotland Yard zu erhalten [was die organisatorische Zugehörigkeit der Terroristen betrifft]; es musste ohne Verzug, am selben Tag, im Zentrum des internationalen Terrors im Libanon zuschlagen…“

IDF-Generalstabschef Rafael „Raful“ Eitan empfahl die ursprünglich geplanten Ziele zu treffen. Begin akzeptierte die Empfehlungen und betonte, dass Israel darauf achtgeben musste zivile Opfer zu vermeiden, während es auf die unvermeidliche Reaktion vorbereitet sein musste, einschließlich PLO-Angriffen auf israelische Zivilisten.

Laut offiziellen Quellen und Dokumenten entnommenen Berichten, einschließlich der von Golan und Melman weitergegebenen, gab es bei dem Treffen an diesem Morgen keinen größeren Widerstand, Streit oder hitzige Diskussionen. Interessanterweise und obwohl dem damaligen Verteidigungsminister Ariel Sharon weitgehend der Entwurf und das Durchsetzen der Pläne für den Libanon-Krieg zugeschrieben wird, befand dieser sich damals in Rumänien und war in diesem kritischen Augenblick nicht einmal anwesend.

Vergeltungs-Raketen kamen kurz nach den ersten Luftangriffen und die Diskussion der israelischen Führung verschob sich davon, wie man reagiert, auf den günstigsten Zeitpunkt um eine Bodenoffensive zu beginnen. Der folgende Krieg, der als Operation Frieden für Galiläa oder der Erste Libanonkrieg bekannt ist, führte unter anderem zu Dezimierung der PLO-Kräfte im Libanon und ihrer Vertreibung nach Tunis.

Der Flughafen Beirut wurde von israelischen Streitkräften eingenommen – 21. Juni 1982. (Foto: Dan Hadani). Aus der Dan Hadani Collection, Teil der Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels

Dennoch hatte die PLO nichts mit dem Angriff auf Botschafter Shlomo Argov zu tun. Am Tag nach dem Mordversuch hatte Schin Bet-Chef Avraham Shalom der israelischen Führung bereits berichtet, dass die Täter wahrscheinlich zur sogenannten Abu Nidal-Organisation (ANO) gehörten, einer rivalisierenden palästinensischen Terrorgruppe, die erpicht darauf war die PLO zu Fall zu bringen.

Raful Eitan stichelte bekanntlich: „Abu Nidal, Abu Schmidal. Wir müssen die PLO angreifen!“

Die ANO wurde von Sabri Khalil al-Banna gegründet, dem Nachkommen einer der reichsten Familien des Mandats Palästina, der besser als „Abu Nidal“ bekannt war; die Gruppe beging rund um die Welt Dutzende Entführungen, Morde, Mordanschläge und andere Terroranschläge, beginnend in den 1970-er Jahren, weitgehend nach Gutdünken ihres stürmischen Führers. Obwohl die ANO israelische und jüdische Menschen und Orte angriff, richteten sich die meisten ihrer Anschläge gegen Palästinenser oder andere Araber, insbesondere Diplomaten, Journalisten und verschiedene Personen des öffentlichen Lebens.

„Er glaubte nicht an Religion oder Ba’athismus oder Marxismus oder sonst irgendetwas“, erzählte einmal ein Bekannter von Abu Nidal dem Autor einer Biografie des Terroristen Patrick Seale. „Die Schusswaffe war seine Ideologie und seine Ideologie war die Schusswaffe.“

Man glaubt, dass dieses Foto von Abu Nidal und einem nordkoreanischen Militäroffizier in Nordkorea aufgenommen wurde. Es wurde 1974 in einer libanesischen Zeitung veröffentlicht und dann wieder in der Ausgabe der israelischen Zeitung Hasahot vom 11. September 1986. Aus der digitalen Sammlung der Nationalbibliothek Israels.

Fragen und Verschwörungen

Fast ein Jahr lang vor dem Mordversuch war die israelisch-libanesische Grenze nach einer von den USA vermittelten Vereinbarung zwischen Israel und der PLO überwiegend ruhig gewesen. Dennoch setzte Letztere ihre Anschläge gegen Israel und israelische Ziele international fort. Israels politisches und Verteidigungsestablishment stimmte allgemein zu, dass der Libanon nicht weiter als Ausgangspunkt für die PLO dienen konnte und tatsächlich waren detaillierte Pläne für den als „Operation Oranim“ bekannten Einmarsch bereits lange vor dem fehlgeschlagenen Mordversuch und die folgende Bodenoffensive fertig; sie wurden von Parteien in der Knesset bis auf eine mit überwältigender Mehrheit genehmigt.

IDF-Soldaten auf ihrem Weg in den Libanon, 6. Juni 1982 (Foto: Yosi Elmakis). Aus der Dan Hadani Collection, Teil der Pritzker Family National Photography Collection at the Nationalbibliothek Israels.

Der genaue Grund, dass Abu Nidal beschloss an diesem Abend im Juni 1982 Argov in London anzugreifen, bleibt schwer fassbar, aber viele Theorien, einschließlich einer, die weitgehend von Abu Nidals palästinensischen Feinden verbreitet wird, haben nahegelegt, er habe für den Mossad gearbeitet und den Mordversuch befohlen, um Israel eine Rechtfertigung für den Angriff auf die PLO im Libanon zu geben.

In einem seltenen Interview wurde Abu Nidal einmal vom Spiegel gefragt, warum er den Anschlag befahl, insbesondere angesichts der Tatsache, dass dieser letztlich – und recht vorhersehbar – zu Israels Einmarsch in den Libanon führte. In charakteristisch paranoider Weise antwortete der Terrorführer:

„Der zionistische Botschafter in London war einer der Köpfe und Gründer des israelischen Geheimdienstes, des Mossad. Wir griffen den Botschafter an, als er gerade eine wichtige Rolle beim Mossad in Europa übernommen hatte. Unsere Kämpfer handelten überaus korrekt in Begrifflichkeiten meines strikten Befehls keinen anderen Botschafter zu schädigen.“

Er gab zu, dass damals „jeder Blinde die zionistischen Pläne für den Einmarsch im Libanon sehen konnte“, obwohl er die Rolle des Mordversuchs bei der Initiierung des Krieges kategorisch abstritt: „… in meinen Augen ist es nicht bewiesen und es stimmt nicht, dass der Anschlag auf das Leben des Botschafters der Funke war, der den Krieg auslöste.“

Während die Erklärung, Abu Nidal sei selbst eine israelische Marionette fast mit Sicherheit die Erfindung seiner politischen Rivalen ist, sind die Motive hinter dem Argument wahrscheinlich nicht so weit von der Wahrheit entfernt. Nach Angaben vieler, darunter Ze’ev Schiff und Ehud Ya’ari, altgedienten israelischen Journalisten und Co-Autoren von Israel’s Lebanon War, wurde der Anschlag von Abu Nidal in enger Koordination mit den irakischen Behörden befohlen, um einer Reihe strategischer Ziele zu dienen.

Erstens wussten sie, dass der Mord wahrscheinlich zu einem erheblichen israelischen Angriff auf die PLO im Libanon führen würde – etwas, das nach Abu Nidals Geschmack und zu seinem Nutzen war. Der Irak hatte zudem ein klares Interesse daran, dass Israel den Libanon angreift, nicht zuletzt, weil das die syrischen Streitkräfte schwächen oder zumindest von der irakischen Grenze ablenken würde.

In The Master Terrorist nennt Melman das irakische Szenario „extrem glaubwürdig“. Er fügt hinzu, dass die Iraker, die sich damals internen Konflikten gegenüber sahen und in dem langen und blutigen Iran-Irak-Krieg steckten – den sie verloren – ein weiteres Interesse daran hatten den israelischen Angriff zu provozieren.

„Wenn die Israelis tatsächlich einmarschierten, konnte der Irak einen Waffenstillstand fordern oder einseitig erklären, während er an die Notwendigkeit muslimischer und arabischer Solidarität gegen den zionistischen Feind appellierte.“

Der Irak machte genau das, verkündete: „Wir glauben an die dringende Notwendigkeit all unsere Energie und Ressourcen auf eine Konfrontation mit der zionistischen Aggression gegen die arabische Welt, das palästinensische Volk und den Libanon zu richten.“

Dummerweise für Saddam Hussein widmete niemand – einschließlich der Iraner – dem Vorschlag viel Beachtung.

Hinterher

Obwohl der Mordversuch natürlich einigen Interessen Abu Nidals diente, konnte er nicht im Voraus gewusst haben, wie die Folgen für seine eigenen Organisation und besonders ihre Aktivitäten in London sein würden.

Die Angreifer, darunter Abu Nidals Cousin Marwan al-Banna, wurden schnell gefasst und später vor Gericht gestellt und verurteilt. Während der Ermittlungen kamen einige Einzelheiten zur Planung und Umsetzung des Anschlags ans Licht. Der ausdrückliche Befehl den Anschlag an diesem Abend zu verüben kam nicht vor dem Nachmittag desselben Tages, als Na’if Rosan, einer der Angreifer, einen Anruf in einer öffentlichen Telefonzelle vor seiner Wohnung im Londoner Viertel Kensington annahm und Instruktionen von einem „Genossen al-Sayf“ erhielt. Rosan wies al-Banna und Hussein Sa’id an sich mit ihm im Hotel Hilton zu treffen, wo er ihnen sagte, dass Argov, der sich zu diesem Zeitpunkt immer noch im Dorchester unter die Leute mischte, an diesem Abend ihr Ziel war. Er gab Sa’id die Schusswaffe, der führte den Anschlag aus, während Rosan und al-Banna in der Nähe herumlungerten.

Alle drei wurden innerhalb weniger Stunden gefasst.

Die Polizei fand in al-Bannas Hostelzimmer eine Liste von 300 Namen – die meisten davon israelische und britische jüdische Persönlichkeiten und Organisationen, darunter der Oberrabbiner von Großbritannien Sir Immanuel Jakobovits, der Vorstandsvorsitzende des Jewish Chronicle und eine lokale Chabad-Schule, samt der Autokennzeichen der Fahrzeuge, die zum Transport ihrer Schüler verwenden. Die Adressen der Botschaften von Jordanien, Marokko, Saudi-Arabien, Ägypten, Kuwait und den VAE standen ebenfalls auf der Liste.

Die Botschaft Saudi-Arabiens in London (Foto: Prebano66 / CC BY-SA 2.0)

Laut eines von Melman angeführten Verhör-Protokolls erklärte al-Banna, als er zum Zwecks der Liste und den zugehörigen Informationen befragt wurde: „Wir wollten diesen Institutionen und Orten die Maske abziehen. Wir wissen, dass viele davon eigentlich Fassaden für den Mossad sind, den israelischen Geheimdienst oder potenzielle Zentren für den israelischen Geheimdienst. Wir wollten nur ihre wahre Identität offenlegen und veröffentlichen, um die Araber vor diesen Leuten und Orten zu warnen…“

Zu arabischen diplomatischen und anderen Institutionen auf der Liste sagte al-Banna: „Es gibt viele Gruppen, die scheinbar auf unserer Seite stehen, aber in Wirklichkeit gegen uns sind, so wie Saudi-Arabien.“

Der Staatsanwalt in diesem Fall, der das Verfahren als die „Bagdad-Connection“ bezeichnete, gab zu, dass viele Fragen offen blieben, behauptete aber: „Wir haben es geschafft ein Fenster – wenn auch nur ein kleines – in die geheime Welt dieser terroristischen Geheimorganisation zu öffnen.“

Die Verhaftungen und Urteile markierten praktisch das Ende aller größeren ANO-Aktivitäten auf britischem Boden, obwohl die Organisation weiterhin Terror säte und etwa ein weiteres Jahrzehnt lang hauptsächlich jordanische, palästinensische, israelische, jüdische und andere Institutionen und Persönlichkeiten weltweit ins Visier nahm. 1984 versuchte Abu Nidal sogar Königin Elizabeth II. während ihres Besuchs in Amman zu ermorden.

Trotzdem hatte die Zeit nach dem Mordversuch an Argov natürlich beträchtliche Folgen für Abu Nidals Aktivitäten in Großbritannien und international, die nichts mit dem Konflikt im Libanon zu tun hatten, die nie man ganz verstehen werden wird.

Aus einer umstandsgegebenen historischen Perspektive scheint recht klar zu sein, dass es früher oder später einen Krieg im Libanon gegeben hätte, auch wenn Shlomo Argov nicht angeschossen worden wäre. Vielleicht ist das der Grund, warum die historische Rolle des fehlgeschlagenen Mordversuchs als Funke, der den Krieg auslöste, in den vergangenen vier Jahrzehnten weitgehend ignoriert worden ist.

Das zugespitzte Ereignis wurde natürlich auch sehr schnell durch den Krieg selbst und seine sofortigen und langfristigen Auswirkungen überschattet, einschließlich der tausenden Toten und zerrütteten und ruinierten Leben.

Obwohl anfangs überwältigend populär, sollte der Krieg am Ende israelische Truppen fast 20 Jahre im Libanon belassen, ein Vakuum schaffen, das seitdem von der Hisbollah gefüllt wurde und die bedeutendste Antikriegs-Bewegung in der Geschichte Israels aufkeimen zu lassen. Einiges von dem Gefühl wurde durch Begins politische Feinde verstärkt und ausgenutzt, doch die Tatsache bleibt, dass die Volksbewegung gegen den Krieg und zugunsten bewusster Kriegsdienstverweigerung in Israel nie in diesem Ausmaß zu sehen gewesen war. Der Konflikt spaltete das Land und, so sagten viele, hat seitdem das Vertrauen in gewählte und militärische Amtsinhaber getrübt.

Israelische Reserve-Kampfsoldaten demonstrieren gegen die Besetzung des Libanon, Juli 1984 (Foto: Yoni Salinger). Aus der Dan Hadani Collection, Teil der Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Etwa ein Jahr nach dem versuchten Mord und dem Ausbruch des Krieges, gab Argov selbst – physisch gelähmt, aber intellektuell scharfsinnig – erstmals öffentlich seinen persönlichen Gedanken zum Krieg Ausdruck, als er einen kurzen Brief an einen engen Freund diktierte. Er betrauerte den enormen Verlust an Leben und verglich den Krieg mit dem existenziell zwingenden Sechstage-Krieg 15 Jahre zuvor. Argov legte eine Kritik an Israels politischer und militärischer Führung vor, während er diplomatisch davon absah Namen zu nennen.

Hätten die Planer des Krieges vorher mehr über die möglichen politischen Folgen nachgedacht, argumentierte Argov, „hätten sie das Leben hunderter unserer besten Söhne gerettet.“

Vom Krankenhausbett, wo er die nächsten zwei Jahrzehnte schmachten sollte, argumentierte Argov:

„Wir sind eine Nation, die wenig menschliche Ressourcen hat. Wir haben nicht die Fähigkeit in der Hoffnung Experimente durchzuführen, dass eines davon gut gehen wird. Selbst wenn eines von ihnen erfolgreich ist – was ist Gutes an amputierten Armen und Beinen?“

Er beklagte die Tatsache, dass in Israel in seiner kurzen Geschichte aufgrund der Entscheidungen seiner Nachbarn ständig und gerechtfertigt durch das Schwert leben musste; Argov betonte die immerwährende Sehnsucht nach Frieden, der für Israel „mehr als für jede andere Nation keine inhaltsleere Parole ist, sondern der höchste Kern und eine Wahrheit des Lebens“.

Argovs Rolle beim Ausbruch des Libanonkriegs war nicht entscheidend. Aber im Nachhinein gab es vielleicht keinen geeigneteren Auslöser für diesen tragischen und verwirrenden Konflikt, als dass die „falsche“ Terrororganisation einen Anschlag auf einen Mann verpatzte, der in einer Zeit eine toxische politische Kluft überbrückte, als nur wenige andere das taten.

David zieht in den Krieg

Ein persönlicher Bericht zum 40. Jahrestag des Ersten Libanonkriegs 1982

David E. Kaplan, Lay of the Land, 27. Juli 2022

Als Israel vor 40 Jahren, am 6. Juni 1982, die Operation Frieden für Galiäa (Schlom HaGalil), auch bekannt als Erster Libanonkrieg, gegen palästinensische Terroristen im Südlibanon begann, war der 27-jährige David David bei seinen Eltern in Holon; er hatte gerade seinen Abschluss in Ingenieurswissenschaften am renommierten Technion in Haifa gemacht. Als Reservist der Armee, der „lange vergessen hatte, wie es ist die Uniform zu tragen“, war Krieg „für mich so weit weg wie irgendwas“. Ja, wie jeder in Israel war er aus den Nachrichten nach dem Mordversuch am israelischen Botschafter in London durch eine der Terrororganisationen, die aus dem Libanon heraus arbeiteten, auf dem aktuellen Stand. Nur ein Jahr zuvor, am 10. Juli 1981, begann die im Libanon sitzende PLO den Norden Israels mit Katjuscha-Raketen und 130mm-Artillerie zu beschießen. Es folgten Perioden, in denen die Zivilisten im Norden in Bunkern leben mussten oder, wie viele es machten, in den Süden zogen, um dem Terror zu entkommen.

Israelische Truppen im Libanon 1982 (Foto: Michael Zarfati/IDF-Sprechereinheit)

Es war einen unhaltbare Situation!

All das hatte der junge Diplom-Ingenieur allerdings nicht im Sinn. Statt sich bezüglich der Nachrichten auf dem Laufenden zu halten, fing er Wellen beim Surfen am Strand von Tel Aviv.

Es mitten im Sommer, was hieß, dass es Zeit für Spaß war.

Die Wirklichkeit traf – buchstäblich und im übertragenen Sinne – als er vom Strand zurückkam, kam seine aufgelöste Mutter mit Papieren in der Hand zu ihm:

„Du bis einberufen.“

Sowohl Davids Vater als auch seine Mutter hatten den „Farhud“ überlebt – das gewalttätige Pogrom, das im Irak am 1. und 2. Juni 1941 an der jüdischen Bevölkerung von Bagdad verübt wurde. Sie ließen alles zurück – ihr Leben und ihren Lebensunterhalt, sie entkamen in den neuen Staat Israel – einen Ort der Rettung von Juden. Aber wo immer es Juden gibt, ist es nie ganz sicher und ihr Sohn David war weg, in den Krieg.

Haarsträubende Erfahrung

„Es war lustig; wenn du einberufen wirst, wird erwartet, dass du dir die Haare schneiden lässt. Ich nicht; ich war argwöhnisch, was das Kürzen meiner Locken  angeht, bevor ich in den Krieg zog; vielleicht war es das Samson-Syndrom, als zog ich in Uniform in den Libanon, aber mit einer schwarzen, afro-hippie-artigen Frisur“, erzählt David, dessen Eltern auf ihren biblischen Nachnamen so stolz waren, dass er eine Wiederholung verdiente – daher David David!

Auf der Straße nach Beirut „versuchte ein CNN-Korrespondent mich zu interviewen. Er merkte an, er fände es seltsam, dass in der israelischen Armee einige keine Haare haben und du hast so viel. Ich erklärte, dass ich Reservesoldat war und direkt vom Strand käme. Hautsächlich sagte ich ihm, ‚ich bin hier, mit der ohne Haare.“

David David, der es ablehnte sein langes Haar abzuschneiden, 1982 im Libanon.

Krieg ist zwar hässlich, aber David ist stolz darauf, wie er und seine Kameraden sich verhielten. Er bringt Beispiele:

„Unser Essenslaster wurde auf dem Weg nach Beirut bombardiert und da waren wir, 30 von uns, ohne Essen und wir kamen an einen Supermarkt. Alles, was ich wollte, war Milch und etwas Schokolade. Wir rechneten kollektiv laut den Wechselkurs aus, weil wir nur israelisches Geld hatten. Der Ladeninhaber hatte Angst; all diese Soldaten mit Schusswaffen, die laut auf Hebräisch redeten; er erwartete das Schlimmste. Er war überwältigt, als der Buchhalter in unserer Gruppe mit dem ganzen Geld, das wir gesammelt hatten, zu ihm ging und auf Arabisch sagte: ‚Wir haben nichts in deiner Währung, aber das ist gleich viel in unserer, das kannst du wechseln.‘ Er konnte es nicht glauben. Brach in ein Lächeln aus, so erleichtert war er. Ich bezweifle, dass irgendwelche Soldaten früherer einmarschierender Armeen die Jahrtausende hindurch sich je so verhalten haben.“

Bei einer anderen Gelegenheit war David in seinem gepanzerten Fahrzeug und fuhr durch ein palästinensisches Flüchtlingslager. Das war während eines späteren Reservedienstes im Libanon und im Winter. „Uns war es wichtig, wenn wir Kinder sahen, dass wir anhielten und ihnen Essen anboten, wenn wir etwas hatten. Bei einer Gelegenheit kamen wir an einen Kindergarten und plötzlich fing es an heftig zu regnen. Alle Kinder wurden wegen des Wolkenbruchs hineingebracht, aber auch, weil sie uns Soldaten sahen und in dem Tumult blieb ein kleines Mädchen weinend allein draußen im Regen zurück. Obwohl es gefährlich war so exponiert in einem ungeschützten Gebiet anzuhalten, machten wir das und ich sagte: „Passt gut auf, ich bringe das Mädchen rein.“ Ich stieg aus, nahm die kleine Hand des zitternden und frierenden Mädchens und klopfte an die Tür des Kindergartens. Die Erzieherin öffnete etwas, sah erschrocken aus und dann überrascht, als sie mich sah – ein Soldat, der das Mädchen an der Hand hielt. Sie griff das Kind und schloss die Tür, als versuchte sie gleichzeitig die Komplexität des Krieges draußen zu lassen. Ich denke oft an das kleine Mädchen, das heute rund 44 Jahre alt sein dürfte, selbst Mutter und möglicherweise Großmutter. Würde sie sich überhaupt an den Vorfall erinnern und wenn ja, was würde sie denken?“

David David (Mitte) während des Kriegs im Libanon mit seinen Kameraden.

Die Frage, welche Auswirkungen der Krieg hatte, beantwortet David: Jedes Jahr am Yom Ha’atzmaut (Unabhängigkeitstag) während des festlichen Feuerwerks „denke ich an den Libanon. Das Wumm Wumm des Feuerwerks erinnert mich an den Lärm von Artilleriegranaten, die um mich herum fielen. Dieses Jahr erlebte ich das nicht und dann erkannte ich, dass das Feuerwerk dieses Jahr aus Rücksicht auf die Hunde, die traumatisiert werden, still war.“

David David und ein Kamerad auf seinem Panzerfahrzeug im Libanon.

David hat Grund an einen Schutzengel zu glauben, der über ihn wacht. In der zweiten Kriegswoche erhielt er einen kurzen Fronturlaub, um an einer Hochzeit in der Familie teilzunehmen.

David war kaum in den Egged-Bus gestiegen, den das Militär abgestellt hatte, als ihm vom Fahrer gesagt er solle auszusteigen. Er durfte nur 25 Passagiere mitnehmen, David war Nummer 26. „Ich versuchte zu argumentieren; bot an mich auf den Boden zu setzen, aber der Fahrer lehnte ab.“ David stieg aus dem Bus und war aufgebracht, dass er die Hochzeit verpassen könnte, als er einen Militärlaster bemerkte, der gerade nach Rosch Hanikra abfahren wollte, der nördlichsten israelischen Stadt an der israelisch-libanesischen Grenze. Er hatte große Reifen auf der Landefläche. „Ich bettelte den Fahrer an mich mitzunehmen; er antwortete, wenn es mir nichts ausmachen würde mich zu den Reifen zu kauern.“

Das rettete David möglicherweise das Leben!

„Wir fuhren los und nach rund 500 Metern trafen zwei Raketen den Bus, in dem ich gesessen hätte, was viele Opfer verursachte. Die Reifen schützten mich vor dem größten Teil der Druckwelle mit Splittern, die in mein Gesicht und die Finger eidrangen. Ich habe immer noch ein Stück im Finger und jedes Mal, wenn das weh tut, erinnert es mich an den Krieg.“

David schaffte es noch zu der Hochzeit zu kommen und kehrte einen Tag später in einem IDF-Militärhubschrauber zurück. „Sobald wir im libanesischen Luftraum waren, gab es heftiges Feindfeuer und Raketen, aber die Crew unternahm all die notwendigen Ausweichmanöver, um die anfliegenden Raketen abzulenken und wir landeten sicher. Es war sehr furchteinflößend. Das war eine irre Hochzeit – sowohl dorthin und wieder zurück zu kommen!“

Die Straße nach Damaskus

Es gab für David Momente auf dieser Straße, aber kaum das, was man mit biblischen Offenbarungen ähnlich beschreiben kann. David kann ehrlich behaupten 25 syrische Soldaten gefangen genommen zu haben, ohne eine einzige Kugel zu verschießen oder irgendjemanden zu verletzen. Er war zuständig für einen wichtigen machsom (eine militärische Straßensperre) in Bhamdoun, östlich von Beirut. „Jeder auf dem Weg nach Syrien musste da durch. Ich untersuchte alle Ausweispapiere und Reisedokumente und meine guten Arabischkenntnisse, weil ich es in der Schule gelernt hatte, leisteten mir gute Dienste. Eines Tages kam eine Gruppe von 25 Männern an der Straßensperre an und jeder legte mir seine Papiere vor. Sie erklärten, sie seien im Libanon gewesen und kehrten jetzt nach Syrien zurück. Ich bemerkte in jedem ihrer Auseise dasselbe Wort, جندي (jundi), von dem ich wusste, es bedeutet ‚Soldat‘. Ich folgerte, dass dies eine syrische Kommandoeinheit war, hinter unseren israelischen Linien zurückgeblieben und sie versuchten auf ihr Gebiet zurückzukommen. Sie hatten offensichtlich ihre Waffen und Uniformen weggeworfen und zivile Kleidung gefunden. Ohne Alarm zu schlagen rief ich über Funk Leute vom Schabak (Geheimdienst) dazu, der schnell ankamen und die Gruppe als gefangengenommene Syrer wegführte.“

Auf der Straße nach Damaskus: David und dahinter ein Konvoi.

Wenn er nicht mit dem Feind zu tun hatte, war Bhamdoun voller Überraschungen. „Wir hatten keinen Zugang zu Duschen, kamen aber an eine Villa mit einem Swimmingpool mit Wasser aus einer natürlichen heißen Quelle. Das war echter Genuss.“

Ebenfalls verlassen war „eine Synagoge, die wir entdeckten. Sie wurde einst von Juden genutzt, die den Ferienort besuchten. Wir ehrten ihre Vergangenheit damit, dass einige von uns außerhalb ihrer Mauern beteten.“

Etwas weniger ernst: „Ein IDF-Bulldozer hatte gerade einen Graben in der Nähe unseres Checkpoints fertiggestellt, als der Fahrer einen nahe gelegenen Hügel hochsah, einige Soldaten erblickte und sagte. ‚Ich bin hier fertig; ich fahre dorthin.‘ Ich sagte ihm scherzend: ‚Vielleicht kommst du zurück, vielleicht aber auch nicht.‘ Er fragte: ‚Was redest du da?‘ Ich sagte, dass seien Syrer. ‚WAS?‘, brüllte er. Er hatte nie gemerkt, wie nahe an der Front er sich befand. Er sagte: ‚Ich bin weg hier.‘ Er drehte seinen Bulldozer um und machte sich in Richtung Beirut davon.“

David David (2. v. links) und seine Soldatenkameraden entdeckten in Bhamdoun, östlich von Beirut, eine verlassene Synagoge.

Gedrängt zu sagen, was ihm durch den Krieg half, antwortete David:

„Das war Humor – oft sehr schwarzer Humor. Schau, wir hatten kein richtiges Essen; keinen Ort zum Duschen; mussten richtig schlafen, aber was wir machten, taten wir mit sehr hoher Moral und Humor. Wir erzählten immer Witze und lustige Geschichten und über alles lachten wir laut. Das ist das, wie wir den Krieg überstanden. Außerdem auch Geschichten aus unserem Leben zu erzählen.“

Ohne Zugang zu Duschen fanden David David und seine Kameraden eine verlassene Villa mit einem privaten Swimmingpool.

In Verbindung der beiden erklärt David, wann immer jemand ein Paket von seinen Lieben erhielt, war das „etwas grosses, das mit allen geteilt wurde. Es wurde vor allen anderen geöffnet. Eines Tages erhielt einer von uns ein Paket von seiner Freundin. Wir saßen in einer Kirschplantage; der ganze Libanon schien eine große Kirschplantage zu sein – sie waren überall. Jedenfalls öffnete er sein Paket von seiner Lieben und darin befand sich nichts außer einer Schachtel Kirschen mit einer Notiz ‚Weil ich so süß bin, weiß ich, dass wird dich an mich erinnern.‘ Wir konnten nicht aufhören zu lachen; sogar die Syrer müssen uns gehört haben.“

Seine Lieben zu vermissen wurde bei einer Gelegenheit gemildert, als aus heiterem Himmel ein IDF-Mobilfunk-LKW an Davids Basis ankam und „wir einen Tag lang Zugang zum ihm hatten, um unsere Familien, Freunde und Mädchen anzurufen. So abgeschnitten, wie wir waren, war es wunderbar und wir wollten den LKW nicht verlassen. Und dann geschah ein Wunder. Am Ende des Tages konnte der Laster nicht wegfahren, es gab ein Problem mit dem Motor, aber natürlich kein Problem mit den Telefonen. Drei Tage lang konnten wir die Telefone nutzen. Bis heute bin ich überzeugt, dass es kein ‚Wunder‘ war, sondern ein talentierter Soldat unserer Einheit, der listig den Motor des Lasters außer Betrieb setzte. Schließlich sind wir Israelis!“

„Die Stimmung war echt gut“, sagt David David, der hier mit seinen Kameraden irgendwo im Libanon entspannt.

Epilog

Vierzig Jahre später gibt es für Israel immer noch keinen Frieden mit dem Libanon. Früher wurde fälschlich angenommen, der Libanon würde „das zweite Land sein, das mit Israel Frieden schließt“. Das hat sich als nicht zutreffend erwiesen. Unter dem Zugriff der Hisbollah und des Iran könnte es sich als das Letzte erweisen.

Aber auf die Frage, ob es eines Tages Frieden geben wird, lautet die die Antwort meines guten Freundes David David, der mit seiner in Südafrika geborenen Ehefrau Henrietta (geborenen Wolffe) aus Kapstadt in Rischon LeZion lebt:

„Ich hoffe es; und wenn es ihn gibt, wird das erste sein, was ich tun werde, meine Familie dorthin zu bringen, um all die Orte zu sehen, wo ich war. Das Land ist wunderschön – Bäume, Wasser, Berge. Es ist atemberaubend. Das ist das Paradox, dass es dort auch einen Krieg mit der Schönheit gibt. Nicht nur mit Israel, sonder mehr mit sich selbst. Wenn der Krieg ganz vorbei ist, werde ich zurückkehren.“

Das Dienstabzeichen der Soldaten der Operation Frieden für Galiläa („Schlom HaGalil“) (1982)

Die 5 größten israelischen Kriegsverbrechen, die nie stattfanden

Adin Haykin, 22. August 2021

IDF-Soldat mit einem syrischen Kriegsgefangenen 1967

1. Das Tantura-Massaker

Der israelische Journalist Amir Gilat veröffentlichte in Ma’ariv einen Artikel zu einem Massaker in Tantura, der sich hauptsächlich auf eine Magisterarbeit stützt, die von dem Studenten Theodore Katz bei der Universität Haifa eingereicht wurde. In der Abhandlung Der Exodus der Araber aus den Dörfern am Fuß des Bergs Karmel sagte Katz, israelische Streitkräfte hätten im Zeitraum 1947 bis 1949 während des Palästina-Kriegs 1948 240 Araber aus Tantura getötet.

Bei der Entdeckung, dass sie öffentlich auf den Seiten von Israels größter Zeitung Kriegsverbrechen beschuldigt wurden, waren Veteranen des 33. Bataillons der Alexandroni-Brigade empört. Sie behaupteten, dass die Schlacht um Tantura eine strategische war, ein Versuch den Waffenschmuggel über das Meer und Lebensmittel zu stoppen und zu verhindern, dass die Straße von Haifa nach Tel Aviv abgeschnitten wurde; und dass während des gesamten Überlebenskampfes in einem blutigen Krieg, den die Araber anfingen, die striktesten ethischen Standards eingehalten wurden. Während der Kampf um Tantura schwierig war – 14 Mitglieder des IDF-Bataillons und rund 40 Araber wurden bei den Straßenkämpfen getötet – bestanden die Veteranen darauf, dass Katz wegen des Massakers gelogen hatte.[1]

Am Ende des Prozesses, den Katz mit Geldern der palästinensischen Autonomiebehörde bezahlte, wurde er verpflichtet auf seine eigene Kosten Zeitungsanzeigen zu veröffentlichen, in denen er sich von den Lügen über das Massaker komplett distanziert und jede Möglichkeit ausschloss sie großzügig als „umstrittene Version“ zu bezeichnen.

Katz‘ Anzeigen erklärten:

Nach mehrfacher Überprüfung der Beweise bin ich jetzt über allen Zweifel hinaus sicher, dass es keine Grundlage für all die Anschuldigungen gibt, dass nach der Kapitulation von Tantura von der Alexandroni-Brigade oder einer anderen Einheit der IDF Einwohner getötet wurden. Ich möchte klarstellen, dass das, was ich schrieb, missverstanden wurde und dass ich nicht nahelegen wollte, es hätte in Tantura ein Massaker gegeben, auch glaube ich nicht, dass es in Tantura je ein Massaker gab.

2. Massenexekution an ägyptischen Kriegsgefangenen in El-Arisch

Nicht zufrieden mit diesen lange widerlegten Mythen, führte Norman Finkelstein

„unanfechtbare Augenzeugenberichte israelischer Soldaten sowie die Aussage eines israelischen Militärhistorikers, dass die IDF während des Juni-Kriegs zig ägyptische Kriegsgefangene hinrichtete.“

ins Feld.

26. Juni 1967: Verletzter Kriegsgefangener wird im Krankenhaus des Atlit-Kriegsgefangenengeländes in Israel medizinisch versorgt.
links: 31. Juli 1967: Nach der medizinischen Behandlung durch Israel werden verletzte ägyptische Kriegsgefangene für die Reise nach Kairo zu einem Krankenwagen des Roten Kreuzes gebracht.
rechts: 31. Juli 1967: In einem Ambulanz-Flugzeug des Roten Kreuzes verabschiedet sich ein ägyptischer Kriegsgefangener einem Israel.

Es werden keine weiteren Beweise geliefert, aber seine Fußnote führt Presseberichte zur Zeugenaussage des „Augenzeugen“ Gabi Bron und des „Militärhistorikers“ Aryeh Yitzhaki an. Beide Quellen haben diese ihnen zugeschriebenen Äußerungen ausdrücklich als Erfindungen der Medien bestritten. Ägyptische Kriegsgefangene „wurden nicht erschossen und es gab keine Massenmorde“, bestätigte Bron. „Tatsächlich halfen wir den Gefangenen, gaben ihnen Wasser und in den meisten Fällen schickten wir sie in Richtung des [Suez]-Kanals.“ Yitzhaki, der kein Militärhistoriker war, sondern Bürokraft in einem Militärarchiv, war noch deutlicher: „In keinem Fall initiierte Israel Massaker“, schrieb er. „Im Gegenteil, es unternahm alles in seiner Macht stehende, um sie zu verhindern.“ Die in Finkelsteins Berichten erwähnten konkreten Beispiele erwiesen sich als legitime Kriegshandlungen; so stellte sich eine angebliche Massentötung hunderter Kriegsgefangener in El-Arisch im Sinai als eine Schlacht mit Feindkräften heraus, die einen israelischen Konvoi angriffen. Und all das war schon Jahre bekannt, bevor Finkelstein sich entschied die Anschuldigungen zu wiederholen. Die Schlussfolgerungen sollten offensichtlich erscheinen.[2]

3. Das Lydda-Massaker

Ldyya, 1948“ (The New Yorker, 21. Oktober 2013), wurde von dem bekannten und talentierten israelischen Journalisten Ari Shavit geschrieben. In Shavits sehr irreführender und sogar widersprüchlicher Schilderung schlossen sich israelische Soldaten, geführt von einem gewissen Oberstleutnant Mosche Dayan und bewaffnet mit

einem gigantischen gepanzerten Fahrzeug, auf dem eine Kanone montiert ist, drohenden Halbkettenfahrzeugen und mit Maschinengewehren ausgerüsteten Jeeps

anderen israelischen Kräften beim Angriff auf Lydda (und das benachbarte Ramle) in Israels Unabhängigkeitskrieg an. Geführt von Dayans marodierenden Streitkräften übernahmen die Israelis die Kontrolle von „Schlüsselstellungen“ in der Stadt, aber am nächsten Tag flammten die Kämpfe wieder auf und

innerhalb von 30 Minuten wurden 250 Palästinenser getötet. Der Zionismus hatte in der Stadt Lydda ein Massaker vollführt.

Ist das wirklich das, was passierte?

Der Oberkommandierende der Operation in Lydda, Mosche Kelman, traf sich mit den Führern der Stadt, um die Kapitulationsbedingungen auszuhandeln, angefangen mit Simon Garfeh, dem griechisch-orthodoxen Archimandrit von Lydda. Garfeh gab den folgenden Bericht, wie er vom Historiker Dan Kurzman aufgezeichnet wurde:

„Ich bin der Archimandrit von Lydda“, verkündete er. „Ich hoffen, ihr seid in Frieden gekommen.“

„Wenn es der Wunsch des Volks dieser Stadt ist mit uns in Frieden zu leben“, versicherte ihn Kelman, „dann werden wir sehr glücklich sein. Sie können ihre Geschäfte öffnen und das normale Leben weiterführen. Können Sie die Kapitulation veranlassen?“

„Ich werde es versuchen“, antwortete der Prälat… „Ich werde die Führer der muslimischen und der christlichen Gemeinschaft bitten sich sofort mit uns in meiner Wohnung oben zu treffen.“

Dann wies er eine Hilfskraft an zur Großen Moschee zu laufen, um die Muslimführer zu holen und schickte einen weiteren zu seiner eigenen Kirche, um die christlichen Führer zu bringen, die dort Zuflucht gefunden hatten.

Etwa eine Stunde später saßen ein Dutzend arabischer Honoratioren in Garfehs Wohnzimmer, nippten Kaffee und plauderten mit den Geistlichen der Kirche, Kelman und anderen israelischen Offizieren. Schließlich setzte Kelman seinen Kaffee ab und sprach zu ihnen:

„Meine Herren, die Stadt ist erobert und wir wollen eure Kooperation. Wir schlagen vor, dass ihr die Bürger findet, die die Versorgungsunternehmen betrieben haben, damit eure Leute ohne Verzögerung wieder Wasser und Strom haben. Aber zuerst müsst ihr unsere Friedensbedingungen akzeptieren: Übergabe aller kämpfenden Personen und aller Waffen innerhalb von 24 Stunden. Wenn diese Bedingungen nicht erfüllt werden, müssen wir handeln.“

„Wir stimmen zu“, sagte einer der Araber in stiller Resignation. „Dürfen die Einwohner hierbleiben, wenn sie das wünschen?“

„Ja, das dürfen sie“, antwortete Kelman, „wenn sie hier friedlich leben.“
(Genesis 1948. Dan Kurzman, S. 514)

Es schockiert, dass Shavit das nicht einmal andeutet. Warum ließen Shavit und seine Lektoren die entscheidende Tatsache aus, dass Lydda sich ergeben und zugestimmt hatte sich zu entwaffnen und in Frieden zu leben und dass die Israelis zugestimmt hatten, dass sie dort bleiben konnten? Warum ignorierten Shavit und die berühmten „Faktenchecker“ des New Yorker Kurzmans entscheidendes Interview?

Shavit verschweigt seinen Lesern auch die Tatsache, dass die bedrängten Israelis nach der Kapitulation von Lydda einen beträchtlichen Teil ihrer Streitkräfte abzogen, weil sie woanders gebraucht wurden. Dayans Bataillon zum Beispiel begab sich nach Süden, um am Kampf um den Negev teilzunehmen. (Mosche Dayan: Story of My Life. S. 112)

Schon am nächsten Tag, dem 11. Juli, schickten die Jordanier eine Patrouille in die Außenbezirke der Stadt, die aus einem Panzer und zwei gepanzerten Autos bestand, um die Stärke der Israelis zu sondieren. Shavit erwähnt das – er sagt, es waren „zwei jordanische gepanzerte Fahrzeuge“.

Aber aus irgendeinem Grund bezeichnet er sie weder als „gigantische gepanzerte Fahrzeuge“ noch als „bedrohlich“. Vielleicht haben nur Israelis gigantische gepanzerte, bedrohliche Fahrzeuge.

Shavit sagt, dass die „zwei Fahrzeuge keine militärische Bedeutung hatten“. Also war eines dieser Fahrzeuge in den Händen der Israelis von großer Bedeutung, aber zwei in den Händen der Jordanier aus irgendeinem Grund irrelevant.

Wie auch immer die Erklärung für diese Widersprüche aussehen mag, die jordanische Patrouille geriet in Schwierigkeiten und musste sich den Weg aus dem Dorf freischießen. Die Einwohner, die offenbar dachten, das sei ein jordanischer Angriff zur Rückeroberung der Stadt, fingen an die verbliebenen israelischen Soldaten zu attackieren. Fünf israelische Wachen vor der Dahmasch-Moschee waren die ersten Getöteten und fast sofort brachen in der gesamten Stadt Schießereien aus. (Kurzman, S. 515)

Trotz der Kapitulationsvereinbarung und dem Versprechen die Waffen zu übergeben mussten die Israelis, die jetzt nur 500 Mann zählten, die Stadt in einer weiteren verzweifelten Schlacht erneut erobern.

Bei Kämpfen von Haus zu Haus um Heckenschützen auszumerzen und diesmal ohne Pardon war ein Großteil der Stadt innerhalb einer Stunde wieder unter Kontrolle und geschätzte 200 Araber waren tot.

Aber die Dahmasch-Moschee kämpfte immer noch, gehalten von geschätzten 70 Kämpfern und mit einer unbekannten Zahl weiterer Personen im Inneren. Statt einen verlustreichen Frontalangriff zu starten, beschloss Oberstleutnant Kelman die Mauern der Moschee mit einer als PIAT bekannten panzerbrechenden Waffe zu durchbrechen und dann sollte ein Zug in das Gebäude eindringen.

Nachdem die PIAT gefeuert war, stellten die Männer, die das Gebäude stürmten, fest, dass die Verteidiger tot waren, getötet von der Wirkung des panzerbrechenden Projektils im engen Raum der Moschee. (Kurzman S. 515/16)

Die zweite Schlacht zur Eroberung von Lydda war vorbei, aber jetzt stellte sich den Israelis die schwierige Frage, was sie mit den Einwohnern tun sollten. Die zwei Führer der Stadt fürchteten im Wissen, dass sie ihr Wort zu kapitulieren und sich zu entwaffnen gebrochen hatten und besonders im Wissen, dass die fünf israelischen Soldaten vor der Moschee massakriert und ihre Leichen verstümmelt worden waren, dass die Israelis sich jetzt revanchieren würden.

Es überrascht kaum, dass die Israelis nicht in der Stimmung waren den Einwohnern eine weitere Chance zu geben ihr Versprechen in Frieden zu leben zu brechen. Aber natürlich richteten die Israelis sie nicht hin und verübten kein „Massaker“ an ihnen. Stattdessen wurden die Einwohner angewiesen die Stadt zu evakuieren und in Richtung der jordanischen Linien und Ramallah zu ziehen.[3]

4. Das Massaker von Jenin

Zu den am umstrittensten und am stärksten falsch dargestellten Fakten über die Kämpfe in Jenin gehören die Zahl der getöteten Palästinenser und das Ausmaß der Zerstörung. Ursprünglich behaupteten die offiziellen Vertreter der Palästinenser, im „Massaker von Jenin“ seien hunderte getötet worden. Zum Beispiel erklärte der damalige PA-Minister für Lokalregierungen Saeb Erekat am 10. April auf CNN, eine Woche nach Beginn des achttägigen Einsatzes: „Ich fürchte, ich muss sagen, dass die Zahl der palästinensischen Toten bei den israelischen Angriffen jetzt die Zahl von mehr als 500 erreicht hat.“ (Eine tiefgehende Übersicht über die PA-Desinformation finden Sie im Hintergrundbericht auf CAMERA On Campus vom Herbst 2002.) Als internationale Arbeiter später das Lager untersuchten und keine Beweise für ein Massaker fanden, setzen die palästinensischen Offiziellen die Todesrate drastisch niedriger auf 56 an, eine Zahl, die mit dem übereinstimmt, was Israel geschätzt hatte. (Washington Times, 1. Mai)[4]

5. Deir Yassin

Viele Jahrzehnte lang wurde auf Grundlage der falschen Schätzung von Raanan geglaubt, die Zahl der Opfer liege bei 250. Moderne Forschung setzt die Zahl etwa bei der Hälfte davon an. Sharif Kan’ana von der Universität Bir Zeit interviewte Überlebende und veröffentlichte 1988 Zahlen; 107 Dörfler waren gestorben, 11 davon bewaffnet; es gab 12 Verwundete.[5] Der israelische Forscher Eliezer Tauber schreibt, dass insgesamt 101 Menschen getötet wurden, 61 davon definitiv unter Kampfbedingungen (darunter 24 bewaffnete Kämpfer, die übrigen Familienmitglieder, die bei ihnen waren); bei 18 konnte die Todesursache nicht festgestellt werden; bei etwa 10 war der Tod in einer „Grauzone“, deren Beschreibung diskutiert werden kann; und weitere 11 waren Mitglieder einer einzigen Familie, die von einem einzelnen Irgun-Mitglied niedergeschossen wurden.[6]


[1] https://blog.camera.org/2015/06/debunking_the_lies_focus_on_ta.html

[2] Paul Bogdanor: The Jewish Divide Over , S. 142

[3] What Happened at Lydda

[4] https://www.camera.org/article/palestinian-spokesmen-jenin-lies-and-media-indifference/

[5] https://www.ee.bgu.ac.il/~censor/katz-directory/05-12-14gelber-palestine-1948-appendix-II-what-happened-in-deir-yassin-english.pdf

[6] https://www.inn.co.il/news/351252


[1] https://blog.camera.org/2015/06/debunking_the_lies_focus_on_ta.html

Radikale Muslime betrachten den Ramadan als den Monat der „islamischen Eroberung“

Salah Uddin Shoaib Choudhury, Weekly Blitz, 20. April 2022

Radikale Muslime überall auf der Welt, auch in den euopäischen Staaten, haben eine neue Propaganda mit dem berüchtigten Ziel gestartet, Muslime dazu aufzuhetzen Jihad gegen Juden, Christen und „Nichtmuslime“ zu führen und ein Kalifat zu gründen. Muslime, besonders die Migranten, planen den Ramadan und den „Monat der islamischen Eroberung“ und ermutigen ihre Mit-„Brüder“ den Jihad gegen die „Feinde Allahs“ fortzusetzen und ein Kalifat in den „Ländern der Ungläubigen“ zu gründen.

Am 12. April 2022 betonte Ali Al-Salabi, ein prominenter libyscher Salafi-Kleriker und der Internaitonalen Union Muslimischer Gelehrter (IMUS) in einem Artikel auf der Website der von Qatar und der Türkei gestützten IMUS mit dem Titel „Die islamische Eroberung von Al-Andalus war Teil von Siegen, die im Ramadan erzielt wurden“, dass wichtige islamische Eroberungen während des Monats Ramadan stattfanden, darunter die Eroberung von Al-Andalus (Spanien). In seinem Artikel beschrieb er die muslimische Invasion der Iberischen Halbinsel als „natürliches Ergebnis der Strategie, der die Muslime während ihrer Eroberungen folgten: Ihre Grenzen zu sichern, um für ihre Religion zu werben und denJihad über diese Grenzen hinaus zu führen, damit die Religion des Islam verbreit werden kann – was notwenidigerweise das Vorantreiben des Islam bedeutete, solange es eine treibende Kraft gab.“

Muslime verteilen einige Informationen in Broschüren und Online-Propaganda, die das Ziel haben Mitmuslime für den jihadistischen Wahn und die Verbreitung von religiösem Hass zu gewinnen.

Hier einige Hinweise aus der laufenden Propaganda:

„Der Ramadan ist als der Monat der Eroberungen bekannt, der den Kurs des Islam veränderte und ihn gewaltig voranbrachte, so wie auch die Schlacht von Badr und die Eroberung Mekkas. Die Schlacht von Badr war eine offizielle Erklärung der Gründung des neuen Staates des Islam. Die Eroberung von Mekka ein paar Jahre später hingegen war der große Sieg für den islamischen Staat gegen diejenigen, die 20 Jahre Krieg gegen ihn geführt hatten – die Menschen aus Mekka und ihre Verbündeten. Nach der Eroberung Mekkas traten die Menschen in Massen zum Islam über. Zu den muslimischen Siegen, die im Monat Ramadan stattfanden, gehörte die Schlacht von Guadalete, nach der die Muslime Al-Andalus in Besitz nahmen und ein Kapitel der Unterdrückung und Tyrannei beendete sowie ein neues Kapitel der Fortenwicklung und Zivilisation begann.“ (The History of Al-Andalus, S. 43-44)

Die Islamische Eroberung von Al-Andalus

„Die Eroberung der Iberischen Halbinsel (Spanien und Portugal) durch den Islam war ein natürliches Ergebnis der Strategie, der die Muslime während ihrer Eroberungen folgten: ihre Grenzen zu sichern, um ihre Religion zu fördern und weiterhin Jihad jenseites dieser Grnezen zu führen, um die Religion des Islam zu verbreiten – was notwendigerweise das Vorantreiben des Islam bedeutete, solange es eine Triebkraft gab. Zusätzlich war der nächste natürliche Schritt, nachdem Musa Ibn Nusayr und seine Gefährten diese Botschaft des Islam mit ihren Anstrengungen im Groß-Maghreb festigten, die Eroberung von Al-Andalus.

Musa vervollständigte die Bemühungen seiner Vorgänger – der Soldaten, Prediger, Kommandeure und Armeen – zur Stärkung des Islams in Nordafrika. Er konzentrierte ich auf die Stabilisierung des Islam in den Herzen der Menschen und lehrte und bildete sie aktiv zu den Prinzipien des Islam. Seine Bemühungen waren, da die Berber in Nordafrika zu den dem Islam gegenüber loyalsten Gruppen gehörten, erfolgreich darin Menschen dazu einzuladen zum Islam zu konvertieren und Jihad zur Verbreitung seiner Lehre zu führen. Die Mehrheit der Soldaten in Tariq Ibn Ziyads Armee, die auf der Iberischen Halbinsel eingesetzt wurde, waren muslimische Berber, die für den Islam eiferten, ihn bewunderten und bereit waren sich für ihn zu opfern. Sie gehörten nicht dazu, um Beute zu machen oder Anerkennung zu gewinnen. Das war da Ziel aller islamischen Eroberungen und von ihnen zu lesen und von ihrem Wesen zu lernen würde für eine Ablehnung der Anschuldigungen und Widerlegung falscher Behauptungen ausreichen, die zeigen wollen, dass diese Eroberungen, ob direkt oder indirekt, dem Zweck dienten Kriegsbeute zu erlangen. Es gibt keine Belege, die diese Behauptung stützen, die eine Illuison ohne wissenschaftlichen oder historischen Rückhalt ist. (The History of Al-Andalus, S. 45)

Es wäre vernünftig zu sagen, dass die Idee der Eroberung der Iberischen Halbinsel eine ausschließlich islamische war. Fakt ist, dass erzählt wurde, es handele sich um eine uralte Idee, die auf die Zeit des Rechtgeführten Kalifen Othman Bin Affan zurückgeführt wird und dass [der Kommandeur] Uqba Ibn Nafi Al-fihri überlegt hatte die Meerenge nach Spanien zu überqueren, wenn das möglich gewesen wäre. In der Vergangenheit führten Muslime Aktivitäten an den östlichen Küsten Spaniens und der nahe gelegenen Inseln Mallorca, Menorca und Ibiza aus. Nach Angaben des [muslimischen Historikers] Al-Dhahabi rüstete [der Kommandeur] Musa ibn Nusayr im Jahr 89 des islamsichen Kalenders seinen Sohn Abdollah militärisch aus und der eroberte Mallorca und Menorca. Was die Kontaktaufnahme zu Julian, dem Gouverneur der Stadt Ceuta, oder anderen spanischen Gouverneuren angeht, so scheint es so, dass dies während der Zeit geschah, als Musa ibn Nusayr darüber nachdachte den Eroberungsplans auch auszuführen.

Wie kontaktierte er die spanische Seite – Julian, die Anhänger des abgesetzten Königs und andere? Es gibt unterschiedliche Berichte darüber, ob das per Post oder persönlich stattfand und wo. Wenn die Kommunikation tatsächlich stattfand und das auf dieser Ebene geschah, dann könnte der Kontakt zwischen der spanischen Seite und Musa und ihre Unterstützung während der Eroberungsaktion zur Ermöglichung oder Beschleunigung der Eroberung beigetragen haben. Aber der Beginn der Angriffe und die Leitung und Umsetzung der Operation wurde von den Muslimen gemacht, die machtvoll und schnell mit der Eroberung voranschritten, während sie sich auf Allah verließen, zu erreichen, dass Menschen zur Rechtleitung geführt werden.

Musa hatte Al-Walid Ibn Abd Al-Malik [den sechsten Omajjaden-Kalifen] konsultiert, bevor er Julian kontaktierte oder als Julian ihn kontaktierte. Zuerste zögerte der Kalif diesen großen Plan zu verfolgen; er befürchtete die Muslime zu gefährden, aber Musa konnte den Kalifen überzeugen und sie stimmten überein, dass die Eroberung begonnen werden sollte, nachdem man zahlreiche Brigaden und Erkundungsexpeditionen losgeschickt hatte.

Musa führte Al-Walids Befehle aus und bereitete eine Erkundungsexpedition aus 500 Soldaten vor, darunter 100 Ritter, die von Tarif Ibn Malik alias Abu Zur’ah geführt wurden, einem muslimischen Berber. Die Armee schaffte es die Straße von Ceuta auf Schiffen zu überqueren, die Julian oder jemand anderem gehörten und [die Truppen] gingen auf der spanischen Seite in oder nahe Paloma Isla an Land. Später wurde diese als Insel Tarif bekannt. Die Erkundungsexpedition segelte im Ramadan des Jahres 91 des islamischen Kalenders (Juni 710) von Ceuta ab und Tarif durchstreifte die Stadt und ihre Umgebung und untersuchte die Feindpositionen. Dann kehrte die Expedition mit beruhigenden und ermutigenden Nachrichten über die Fortsetzung der Eroberungsoperation fort. Tarif studierte die Region und schickte Gruppen in zahlreiche Bereiche, darunger Gibraltar, für die Eroberungsoperation und die gesammelten Informationen waren wertvoll für die Planung der Eroberung und den Marsch von Tariqs Armee auf Gibraltar.

Als Musa vom Ausgang der Expedition Tarifs erfuhr, die ihm weiter bestätigte, was ihm über Al-Andalus berichtet worden war, schickte er Tariq ibn Ziyad 7.000 Muslime, deren Mehrheit Berber und befreite Sklaven waren, dazu eine kleine Zahl Araber. Und als Tariq weitere Kämpfer brauchte, versorgte er ihn mit 5.000 und Tariqs Armee baute Schiffe, um die Soldaten ins Land Al-Andalus zu bringen. Um die Verladung zu komplettieren, stellten die für den Feldzug Verantwortlichen sicher die Nachrichten darüber vor dem Volk geheim zu halten. Daher brachte Julian die Schiffe nachts nach Ceuta und sie begannen die Soldaten nacheinander zu transportieren. Es schien so, dass die Soldaten zu transportieren mehr als eine Nacht dauerte und es wurde berichtet, dass die ausgestiegenen Soldaten sich den Tag über versteckten, damit die Menschen ihre Anwesenheit nicht bemerkten. Die Schiffe fuhren zwischen Ceuta nach Al-Andalus hin und her und die Menschen in Al-Andalus glaubten, es handele sich um gewöhnliche Handelsschiffe; als sie von dem Feldzug erfuhren, war die Transport-Operation im Morat Rajab des islamischen Jahres 92 völlig friedlich abgeschlossen worden. (Nafh At-Tib I, S. 226/27)

Tariq marschierte mit den Soldaten nach Mons Calpe; dieser Berg wurde später nach ihm benannt und wurde als Gibraltar bekannt. Es wurde auch berichtet, dass beim Fall von Al-Andalus unter die Kontrolle des Kalifen von Almohad, dem Kalifat Abd Al-Mu’min und als er nach Gibraltar übersetzte, er den Bau einer Stadt auf dem Gipfel des Berges befahl und sie den „Berg der Eroberung“ nannte. Aber der Name wurde nicht berühmt und Gibraltar blieb der üblichste Name. Tariq marschierte mit der Armee gegen die grüne Insel und nahm sie in Besitz. Damals war Roderich im Norden von Al-Andlus damit beschäftigt die Basken zu bekämpfen. Es wurde berichtet, dass er gegen die Franzosen kämpfte. Sein Stellvertreter Theodomir informierte ihn über die islamische Invasion und er kehrte um, um sie aufzuhalten. Auf seinem Weg zur Bekämpfung der Muslime kam er an der Hauptstadt Toledo vorbei und versöhnte ich mit der Familie von Wittiza und lud sie zusammen mit den Goten ein sich ihm bei der Bekämpfung eines gemeinsamen Feindes anzuschließen, was sie machten. Berichtet wurde, dass Roderich die zwei Söhne Wittizas dazu ernannte die rechte und die linke Flanke seiner Armee zu führen.

Als Tarik von den Armeen erfuhr, die Roderich aufgestellt hatte, schrieb er an Musa Ibn Nusayr um ihn über ihre gewaltige Größe zu informieren und bat ihn um zusätzliche Kämpfer; im wurden 5.000 Kämpfern zugeführt. In der Beschreibung von Tariqs Armee schrieb Al-Maqqari [ein muslimischer Historiker], der weitere Historiker zitierte, dass sie in Kettenhemden und weißen Turbanen auf den Köpfen vorwärts marschierten, arabische Bögen haltend und Schwerter und Pfeile mit sich führend. Als Roderich sie sah, bekam er Angst.

Ibn Al-Athir [ein muslimischer Historiker] erwähnte, dass Tariq, als er sich auf See befand, kurz einschlief und vom Propheten träumte, wie er von seinen örtlichen und Migranten-Gefährten begleitet wurde, die Schwerter und Bögen trugen. Der Prophet sagte ihm dann vorwärts zu marschieren, den Muslimen gegenüber gütig zu sein und ihre Verpflichtungen zu erfüllen. Tariq sah dann den Propheten und seine Gefährten Al-Andalus vor ihm zu betreten. Dann wachte er auf und übermittelte die frohe Kunde seinen Gefährten; danach hatte er nie einen Zweifel an seinem Sieg.

Diese Eroberung wurde durch die muslimische Macht und die solide Ideologie erreicht, deren Bedeutung in den Herzen der Muslime eingegraben worden ist. Die Überlegenheit der Muslime ist immer aus ihrem Glauben an ihre Ideologie hergeleitet worden, nicht aus dem schlechten Zustand der anderen. Die Überlegenheit des Islam und seine Entwicklung entstammten seinem starken Wesen, seiner reinen Ideologie und seinen starken Gesetzen, denn er ist eine Offenbarung von Allah.“

Forderung nach dem Verbot von Lebensmitteln während der Tageszeit im Ramadan

Während der radikale Islam und der Jihadismus in westlichen Ländern zunimmt, hat gerade eine am 12. April 2022 von der in Privatbesitz befindlichen, arabsichsprachigen Zeitung Al-Masry Al-Youm veröffentilchte, umstrittene Fatwa [Edikt], die fordert, dass das servieren von Esse vor der Iftar-Zeit [Sonnenuntergang] an „Ungläubige“ im islamischen Monat verboten wird, Schockwellen durch das Land geschickt.

Die Fatwa wurde vom Prediger Mohamed Saleh El-Munajjid veröffentlicht, einem Syrer palästinensischer Herkunft, der in Saudi-Arabien lebt, der Brutstätte des Wahhabismus, einer extremistischen Interpretation des Islam.

Im Islm ist einem Muslim es aus verscheidenen Gründen nicht erlaubt im Ramadan zu fasten, darunter, wenn er lange Distanzen reist, während der Schwangerschaft, des Stillens, chronischer Krankheit, der Menstruation und nachgeburtlichen Blutungen.

El-Munajids Fatwa lötse in Ägypten einen Aufruhr aus; dort folgen etwa 10 Prozent der Bevölkreung dem Christentum und viele glauben, dass der extremistische Priester mit „Ungläubigen“ sie meinte.

Inzwischen hat der Oberste Rat für Medienregulierung den Rechtsberater von Al-Masry Al-Youm zur Befragung wegen der veröffentlichten Fatwa einbestellt. Der Rat ist ein unabhängiges Gremium, das für seine Loyalität gegenüber dem derzeitigen Regime bekannt ist und hat den Auftrag die Auftritte der lokalen Medien zu überwachen.

Später an diesem Tag veröffentlichte die Zeitung auf ihrer Internetseite eine Entschuldigung und einen Widerruf. In der Erklärung sagte die ägyptische Zeitung: „Al-Masry Al-Youm schuldet seinen Lesern eine ehrliche Entschuldigung für die … bizarre Fatwa, die von einem der Journalisten gebracht wurde …in klarer Verletzung [der redaktionellen Ausrichtung der Zeitung] ohne sie zu überprüfen… Die Fatwa bezeichnete wer immer ein andere Religion hat, als ‚ungläubig‘, eine Beschreibung, die von Al-Masry Al-Youm niemals verwendet oder genehmigt wurde.“

Die öffentliche Empörung wegen der veröffentlichten Fatwa kommt nach einer weiteren Auseinandersetzung während der zweiten Aprilwoche 2022, in der eine koptische Christin namens Selvia Botros auf ihrer Facebookseite eine negative Erfahrung postete, die sie mit ihren Kindern in einem berühmten lokalen Koschary-Restaurant in Kairo hatte.

Botros schrieb, dass der Kellner sie zurechtwies, nachdem ihr Kind vor der Iftar-Zeit ein kleine Menge Essen zu sich nahm; als Vorwarnd diente, dass dies „die Regeln der Örtlichkeit“ seien, obwohl sie ihm sagte, dass sie nicht fasten.

„Ist Fasten für uns als Christen verpflichtend?“, schrieb sie.

Obwohl Fasten für keinen Nichtmuslim verpflichtend ist, sind radikale Muslime weltweit, einschließlich der muslimischen Migranten in den westlichen Staaten, bereits begeistert und fordern lauter das Verbot in allen Restaurants oder Food Courts während des Ramadan am Tag Essen zu servieren.

Hier sollte erwähnt werden, dass muslimische Migranten in den westlichen Staaten Nichtmuslime für „Ungläubige“ und „Feinde Allahs“ halten. Sie bürden in den westlichen Ländern, darunter Großbritannien, allmählich die Schariaregeln auf, als Teil des Traums diese Nationen unter die „Flagge des islamischen Kalifats“ zu bringen. Das heißt, dass sie mit der gefährlichen Agenda der Verbreitung der giftigen Samen von Kalifat und Scharia in den westlichen Staaten vorankommen. Da es kein oder nur ein sehr geringes Bewusstsein bei der Mehrheit der Bevölkerung dieser Länder gibt, halten Imame in den Moscheen und islamischen Zentren bei Freitagsgebeten Predigten, die die Muslime aufrufen Jihad zu führen und den „Ungläubigen“ maximalen Schaden zuzufügen. In Britannien haben Muslime in mehreren Teilen von London Schariaregeln angeordnet, womit sie insbesondere nichtmuslimische Einwohner zwingen dieser islamischen Praxis zu folgen. Es gibt zudem einen massiven Anstieg von an der Scharia befolgenden Finanzbetrieben und Versicherungsfirmen. Nach Angaben von Medienberichten werden Scharia-Finanzen allmählich ein wichtiger Wettbewerber und Herausforderer des regulären Bank- und Versicherungssektors.

Der Islamische Staat beansprucht den ersten Raketenangriff aller Zeiten in Usbekistan

Während es beunruhigende Informationen über eine alarmierende Zunahme des radikalen Islam in westlichen Ländern gibt, gewinnt die Terroristengruppe Islamischer Staat allmählich an militärischer und Cyber-Stärke; sie stellt eine viel größere Bedrohung der globalen Sicherheit und des Friedens dar. Vor kurzem beanspruchte der Islamische Staat (ISIS) seinen allerersten Raketenangriff. Laut Informationen beanspruchte die Provinz Khorasan des Islamischen Staats (ISKP), die aus Afghanistan und Teilen Zentralasiens besteht, am 18. April 2022 die Verantwortung für das Schießen von zehn Katjuscha-Raketen auf usbekische Streitkräfte, die in der Stadt Termez stationiert waren, direkt auf der anderen Seite der Grenze Afghanistas zu Usbekistan.

Die Beanspruchung der Verantwortung wurde von einem Foto eines maskierten, vor den Raketen stehenden Mannes und eine ISIS-Flagge begleitet, dazu von einem 30 Sekunden langen Video, das die Verschießung der Raketen aus einem Werfer zeigt, der in einer ländlichen Gegend auf dem Boden steht.

Der Angriff ist eine der ersten Operationen, die ISIS unter seiner, „Rache-Kommandounternehmen für die zwei Scheiks“-Kampagne geltend macht, die ISIS-Sprecher Abu ’Umar Al-Muhajir am 17. April in einer Audio-Botschaft ankündigte. Wie der Name nahelegt, erfolgt diese Kampagne als Vergeltung für die Tötung von ISIS-Führer Abu Ibrahim Al-Haschemi Al-Quraschi in Syrien am 3. Februar 2022 und die mutmaßliche Tötung von ISIS-Sprecher Abu Hamzah Al-Quraschi; die Tode wurden von ISIS am 10. März öffentlicht gemacht.

Der Pressesekretär des usbekischen Präsidenten Schersod Asadow gab eine Erklärung aus, mit der der Angriff bestritten wurde und hielt fest: „Laut des usbekischen Ministeriums für Verteidigung und die Grenztruppen Usbekistans gibt es keine miltiärischen Aktivitäten an der usbekisch-afghanischen Grenze.“ Er fügte hinzu, dass „die Lage stabil ist“ und drängte darauf Provokationen nicht zu beachten“.

Der Islamische Staat hat den Angriff auf usbekisches Territorium nie offiziell für sich beansprucht. Den einzigen von ihm beanspruchten Angriff in der Gegend gab es am 5. November 2019, als 10 Menschen bei einem ISIS-Überfall auf einen tadschikischen Sicherheitscheckpoint an der usbekisch-tadjikischen Grenze getötet wurden, der nach stundenlangen Kämpfen mit Sicherheitskräften erfolgte. Kurz nachdem er die Verantwortung übernahm, veröffentlichte ISIS ein kurzes Video der maskierten Agenten, die den Angriff ausgeführt hatten, mit dem sie dem neu ernannten ISIS-Kalifen Abu Ibrahim Al-Haschemi Al-Quraschi die Treue schworen, dessen Tod die jüngste Kampagne rächen will.