Die Nazis konnten den Künstler David Friedmann nicht zerstören

Jetzt sucht seine Tochter nach seinen von den Nazis geplünderten und verlorenen gegangenen Kunstwerken

Miriam Friedman Morris, the Librarians, 22. Juli 2020

David Friedmann 1936 in seiner Wohnung in der Paderborner Straße 9 in Berlin-Wilmersdorf. Im Hintergrund sein Gemälde des Berliner Doms. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es in der Wohnung seiner Schwägerin gefunden. Friedmanns Gemälde von Schlossbrücke und zeugnaus, heute im Deutschen Historischen Museum, erscheint ebenfalls. Diese Gemäldoe gehören zu den hunderten von den Nazis geplünderten und verloren gegangenen Kunstwerken.

Seit ich ein Kind war, sah ich meinen Vater mit einer Intensität und Leidenschaft malen, die etwas in mir berührte. Ich war fasziniert von seiner erfolgreichen Vorkriegs-Karriere und dem Schicksal seiner von den Nazis geplünderten Kunst. Er hatte weniges, das er aus einer Sammlung hunderter Gemälde, Zeichnungen, Lithografien und Radierungen zeigen konnte. Das verstärkte meine Leidenschaft diese Arbeiten zu finden und vor dem Vergessen zu retten.

David Friedmann wurde am 20. Dezember 1893 in Märisch-Ostrau (Österreich-Ungarn) geboren, dem heutigen Ostrava in der Tschechischen Republik. Er studierte Radierungen bei Hermann Struck und Malerei bei Lovis Corinth in Berlin. Er malte einige der wichtigsten Ereignisse der modernen Geschichte, überlebte den Ersten und den Zweiten Weltkrieg als Künstler. Friedmann schuf spätimpressionistische Landschaften, Stillleben, Innenräume, Akte und erhielt Applaus als Maler, der für seine Porträts bekannt war, die aus dem Leben gezeichnet waren. Er stellte an der Akademie der Künste, in der Berliner Secession und zahlreichen Galerien in ganz Deutschland und der Tschechoslowakei aus. Seine Verwendung von Hell und Dunkel, seine Fähigkeit Gesichtsausdrücke zu vermitteln, die Komposition sind alle Kennzeichen seiner Arbeit. Mit Bleistift und Papier fing er die großen Schachmeister der 1920-er Jahre ein. 1924 brachten ihm seine Schnellzeichner-Fertigkeiten eine zweite Karriere als freier Pressekünstler ein. Er skizzierte hunderte berühmte zeitgenössische Persönlichkeiten aus den Künsten, Musik, Theater, Sport,  Politik und Industrie, veröffentlichte hauptsächlich in den Berliner Zeitungen und in der Radio-Programmzeitschrift Der Deutsche Rundfunk. Zu den porträtierten Berühmtheiten gehörten Albert Einstein, Arnold Schönberg, Thomas Mann, Max Liebermann und Emaunel Lasker.

„Richard Réti am Schachbrett“, Lithografie, 1923. Diese erschien in einem Portfolio mit dem Titel „Das Schachmeister-Turnier in Mährisch Ostrau“ und alternativ „Köpfe berühmter Schachmeister“. Fünf Portfolios sind gefunden worden. (© Miriam Friedman Morris; Bild zur Verfügung gestellt von der Nationalbibliothek der Niederlande)

Friedmanns blühende Karriere in Berlin wurde 1933 durch das Naziregime beendet. Während sich alle seine Optionen einschränkten, produzierte er weiterhin Kunst, die Ereignisse illustrierte, sowie seine persönlichen Erfahrungen in der damaligen Zeit.1938 floh Friedmann mit seiner Familie nach Prag, entkam den Nazis einzig mit seinem künstlerischen Talent als Mittel zum Überleben. Er stellte das menschliche Schicksal als Flüchtling in Prag, als Gefangener im Ghetto von Lodz, im Auschwitz-Außenlager Gleiwitz I und als Überlebender bildlich dar. Seine Frau Mathilde und die kleine Tochter Mirjam Helene wurden in Auschwitz ermordet.

1941 plünderte die Gestapo sein hinterlassenes Werk in Berlin. Er verlor seine Ateliermöbel und -materialien, hunderte Ölgemälde, Wasserfarben, Zeichnungen, Radierungen und Lithografien. Nach Friedmanns Deportation ins Ghetto Lodz plünderten die Nazi-Behörden seine Kunstproduktion in Prag. 1946, als die Post von Berlin nach Prag endlich wieder eingerichtet war, erhielt Friedmann Porträt-Drucke und Fotos seiner Arbeit in einem Album. Die Prager Porträts waren auf 1940/41 datiert und geben zahlreichen bekannten und unbekannten Opfern ein Gesicht – historisch bedeutende Beweise einer dynamischen jüdischen Gemeinschaft, die vom Nazi-Regime vernichtet wurde. Weitere Porträts wurden im Nationalmuseum in Prag, Beit Theresienstadt in Givat Haim (Ihud) in Israel und in zwei der Familie gehörenden Sammlungen gefunden. Zahlreiche Arbeiten, darunter Porträts und Landschaften, tauchten im jüdischen Museum im Prag auf.

Überlebende Fotos von Stillleben, die David Friedmann 1939 und 1940 in Prag malte. Sein letzter Wohnort vor der Deportation ins Ghetto Lodz war die Dušní 10 im jüdischen Viertel der Stadt.
Diese Porträt-Drucke David Friedmanns von Jakob Edelstein, František Weidmann und Herbert Langer wurden 1940/41 in Prag produziert. Das Album wurde später dem Kunstmuseum von Yad Vashem gestiftet.

Kunstwerke wurden vom Nazi-Regime systematisch beschlagnahmt und auf Auktionen versteigert. Der Verbleib der restlichen geplünderten Kunst Friedmanns ist unbekannt.

Anschaulicher Titel: „Am Ufer“, Öl auf Holz, signiert von David Friedmann unten links und datiert auf 1932.
Das war eines von mehreren Gemälden, das später in Frankreich mit der roten Zahl „6198“ auftauchte, was nahe legt, dass es sich um eine Auktions-Verkaufsnummer handelt.

Aus seiner Haftzeit wurde eine Porträt-Zeichnung eines polnischen Gefangenen in Gleiwitz I im Staatsmuseum Auschwitz-Birkenau in Polen entdeckt. Es tauchten auch Beweise von Friedmanns Arbeit im Ghetto auf. Seine Radierung der Ghettobrücke von Lodz aus dem Jahr 1942 erschien als Kopfteil auf Seiten des The Chronicle of the Lodz Ghetto, 1941-1944 auf. Ein handgemachtes Album mit 33 Zeichnungen, die die Aktivitäten eines Hutmacher-Geschäfts („ressort“) im Ghetto Lodz 1943 dokumentieren, wird zudem in der Sammlung des Jüdischen Historischen Instituts in Warschau aufbewahrt.

Diese kolorierte Zeichnung stammt aus einem Album von 1943 von David Liebermann, das die Aktivitäten der Hutmacher-Werkstatt („ressort“) im Ghetto Lodz dokumentiert. (Foto: E. Ringelblum, Jüdisches Historisches Institut Warschau, Inventarnummer MZIH B-419/24)

Im Alter von 51 Jahren wurde Friedmann befreit – beträchtlich älter als die meisten anderen Überlebenden; er glaubte, es habe einen Grund gegeben, dass er überlebte. Die Verantwortung Zeugnis abzulegen lastete schwer auf seinem Gewissen, schon vor der Deportation. Sein brennender Wunsch war der Welt die skrupellose Verfolgung und Unmenschlichkeit zu zeigen, wie sie von den Nazis praktiziert wurde, in der Hoffnung, dass eine solche Barbarei niemals wieder geschehen würde. Friedmann fing die Szenen ein, die er nicht aus seinem Gedächtnis löschen konnte – Zwangsarbeit, Folter, Tötungen und der Todesmasch. Er nannte die Reihe „Weil sie Juden waren!“

„Todesmarsch vom Lager Gleiwitz I ins Lager Blechhammer“, Öl, 1947. David Friedmann zeigt sich selbst als Gefangener mit Brille als Erinnerung daran, dass seine Kunst ein Zeugnis des Bösen aus erster Hand ist. Er wurde von der Roten Armee am 25. Januar 1945 in Blechhammer befreit. (© Miriam Friedman Morris)

Friedmann malte seine Nachkriegsreise hindurch weiter. 1948 in Prag heiratete er Hildegard Taussig, eine Überlebende mehrerer Konzentrationslager. Ihre Ehe begann der Geschwindigkeit von  Flüchtlingen. Ein Jahr später floh das Paar aus der kommunistischen Tschechoslowakei nach Israel, wo ihre Tochter, erneut Miriam genannt, geboren wurde. Er arbeitete in einem Schilderladen und trug zur Gründung von Israels kommerzieller Kunstindustrie bei.

In jeder freien Minute zeichnete er für sich selbst. Friedmanns Farbpalette veränderte sich zu helleren, sonnendurchfluteten Tönen, weil er seine alte, dunkle Welt hinter sich ließ, um sein neu angenommenes Land zu erkunden. Nach zwei Jahren gründete er seine eigene Werbefirma und war Freischaffender für die Zeitungen, was ihm mehr Zeit für künstlerische Vorhaben erlaubte. Neben Porträts malte er Landschaften des Sees Genezareth, von Jaffa, Haifa, Tel Aviv, Netanya, Naharia und Tiberias. Einige Werke signierte er mit „Dfri“, die hebräischen Buchstaben für Daled, Peh, Resch, Jod.

Er genoss es auch Ansichten des Flusses Yarkon und von Hadar Yosef zu malen, wo er lebte. Mit Verständnis für die verarmten Juden, die aus dem Jemen eimigriert waren, porträtierte er Bettler auf den Straßen, um ihr Leid auszudrücken. David Friedmann hatte die Landschaft des Beginns des jüdischen Staates eingefangen. Jahrzehnte später hatte ich das enorme Vergnügen die dramatisch veränderte Szenerie aufzuspüren, die er malte, die heute schwer zu finden oder nicht mehr existent ist.

„Jemenitischer jüdischer Bettler“, Öl, 1950. Aus einer Privatsammlung.
„Straße zwischen Tel Aviv und Jaffa“, Ö, ca. 1950. Aus der Sammlung von Miriam Friedman Morris.

Israel war ein neuer Staat in armseligen wirtschaftlichen Verhältnissen. Unbeirrt davon, dass er 61 Jahre alt war, richtete Friedmann seine Ambitionen auf Amerika; 1954 kam er in New York an. Er musste vergessen, was in seinem Herzen verborgen war, die Gemälde aus den Konzentrationslagern und seinen Lebensunterhalt bestreiten. Direkt vom Schiff kommend sprach er bei der Werbetafel-Firma General Outdoor Advertising (GOA) vor. Er malte so schnell wie möglich, weil nur das unsere Familie vor der Armut retten würde. GOA kümmerte weder sein Alter, noch dass er kaum Englisch sprach.

Sie waren beeindruckt von einem fähigen Künstler, der mit erstaunlicher Geschwindigkeit malte – dieselben Fertigkeiten, die ihm 1994 in Gleiwitz I das Leben retteten, wo Friedmann mit primitiven Materialen improvisiert hatte, seine eigenen Farben und Pinsel aus Mitteln des Lagers herstellte, um ein Wandbild auf der Mauer einer Baracke zu malen, um den SS-Offizieren seine künstlerische Fähigkeit zu zeigen und ihn vor dem Tod zu bewahren. Was konnte er produzieren, um sie zu beeindrucken? Er dachte an die Havel, gemalt in Berlin mit „weißen Wolken am blauen Himmel, Bäumen und dazwischen ein paar kleine Häuser mit roten Dächern, Wasser, weißen Segelbooten und ihren Spiegelungen im Wasser“.

„Havel-Landschaft, Berlin“, Öl, 1923. Dieses Gemälde hing Jahrzehnte lang im Haus von Andrea Kress, die neugierig auf David Friedmann wurde. Sie erfuhr davon, dass die Tochter des Künstlers nach verlorener Kunst suchte und schickte dieses Foto.

Die GOA ließ die Familie zuerst nach Chicago und dann nach St. Louis umziehen. Nach nur fünfzehn Monaten in Amerika wurde Friedmann in die höchste künstlerische Position seiner Branche ernannt worden. Statt Bildern aus den Konzentrationslagern malte er die kultigen Schönen und fröhliche Leute, die auf zwei Stockwerke hohen Reklametafeln Bier verkauften. Die neue Karriere brachte Anerkennung und Zufriedenheit mit dem Leben in Amerika. 1960 wurde die Familie Friedmann zu stolzen Staatsbürgern der USA und ließ symbolisch das zweite „n“ im Nachnamen fallen.

Nach seiner Pensionierung 1962 sollte seine Kunst nicht schweigen. Er produzierte eine zweite Serie Holocaust-Kunst, um gegen den Antisemitismus und Rassenhass aller Menschen zu kämpfen. Die Ausstellung David Friedmann eröffnete 1965 in Baltimore (Maryland), beging 20 Jahre seit der Befreiung; darüber wurde sogar in der israelischen Presse berichtet.

David Friedmann legt letzte Hand an seine Kohlezeichnung „Befreiung?“ an. Der Künstler stellt sich selbst als den Gefangenen mit Brille dar. (Foto: Peter Rosvik, St. Louis, Missouri, 1964)

Friedmann starb im Alter von 86 Jahren am 27. Februar 1980. Er ist international mit Arbeiten anerkannt, die dauerhaft im Museum der Holocaust- Geschichte in Yad Vashem in Jerusalem, im Holocaust Museum & Learning Center in St. Louis und dem Sokolow-Museum in der Tschechischen Republik ausgestellt sind. Seine Arbeiten befinden sich in Sammlungen im Staatsmuseum Auschwitz-Birkenau in Polen, und im United States Holocaust Memorial Museum in Washington DC sowie anderen Institutionen und Museen. Weitere Ausstellungsorte sind die Halle der Berliner Philharmonie, das Terezin-Mahnmal in der Tschechischen Republik, der Hauptsitz der Vereinten Nationen und das deutsche Konsulat in New York.

1954 gehörte Friedmann zu den ersten, die von Deutschland wegen von den Nazis geplünderter Kunst entschädigt wurden. Die damit verbundene Summe beinhaltete Ansprüche für all seinen geplünderten Besitz. Er setzte seinen Kampf um Gerechtigkeit fort. 1961 erkannte ihm das oberste internationale Entschädigungsgericht in Berlin eine höhere Anpassung zu.

Dieses Gemälde von David Friedmann wurde 2002 in einem Katalog für das Auktionshaus Joseph Weiner gefunden. Obwohl es „Stillleben“ heißt, lautet der angemessene Titel „Vase mit Anemonen“, Öl, 1923. Letzte bekannte Ortsangabe war Haidhausener Kunst- und Antiquitäten GmbH, München.
„Liegender Häftling“, Kohle, 1945. Zuletzt gesehen in Israel, der Ort der Zeichnung aus dem Häftlingslager Gleiwitz I ist unbekannt. Die Zeichnung – eine von acht der Sammlung von Ze’ev Schek – war als Spende seiner Witwe Alisa Schek an das Kunstmuseum Yad Vashem in Jerusalem gedacht. Drei  Zeichnungen aus dieser Sammlung sind dauerhaft im Museum der Holocaust-Geschichte in Yad Vashem ausgestellt.

David Friedmann war ein erfolgreicher Künstler mit sowohl jüdischer als auch nichtjüdischer Klientel. Die Kunst wurde privat, in Galerien, Ausstellungen und bei Auktionen verkauft. Bei ihrer Flucht aus dem Deutschen Reich stellten die meisten Emigranten fest, dass sie ihre Kunst verkaufen mussten, um ihre Flucht zu finanzieren. Andere schafften es mit ihrer Kunst zusammen zu fliehen.

Kunstwerke finden weiterhin oft neue Eigentümer – verkauft auf Auktionen oder privat – und wird von Menschen gekauft, die nicht als Sammler bekannt sind. Stücke werden Generationen lang an Wänden von Familienheimen ausgestellt und die Tochter des Künstlers sucht nach ihnen. Kunstwerke von David Friedmann sind überall in der Welt aufgetaucht – den Niederlanden, Dänemark, Österreich, Belgien, England, Frankreich, Deutschland, Italien, der Tschechischen Republik, Polen, Israel, Australien, China, Kanada und in den Vereinigten Staaten. Während der letzen zwei Jahrzehnte habe ich angefangen seine Vorkriegs-Kunst zu finden.

Jedes Gemälde, das auftaucht, ist ein Sieg gegen das Deutsche Reich. David Friedmann trug Wichtiges sowohl im Rahmen der Kunst des 20. Jahrhunderts als auch im Schaffen von Materialien bei, die eine machtvolle menschliche Rolle in der Bildung von Menschen über die Realität des Holocaust spielen.

Mein Ziel ist es einen Katalog seiner Werke zu veröffentlichen, Beweise der brillanten Karriere, die die Nazis nicht zerstören konnten.

Gemalt von David Friedmann 1915 im Studentenatelier von Professor Lovis Corinth in Berlin, ist dies eines der seltenen überlebenden Werke aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Nach einer Jahrzehnte dauernden  Suche hatte die Autorin das Glück mit der Familie des Eigentümers in Verbindung zu treten und das Originalgemälde 2012 in Israel zu sehen.

Um mehr über David Friedmann und Informationen, die sie über bestehende Werke erhalten wollen, besuchen Sie bitte www.davidfriedmann.org oder die Facebook-Seite David Friedmann—Artist As Witness.

Dieser Artikel ist als Teil der Gescher L’Europa veröffentlicht worden, der Initiative der Nationalbibliothek Israels Geschichten zu teilen und mit Menschen, Institutionen und Gemeinschaften in Europa und darüber hinaus in Verbindung zu treten.

Die unbekannte heldenhafte Künstlerin, die half Israels Wildblumen zu retten

Schon in sehr jungem Alter verband Bracha Avigads ihre Wurzeln mit dem Land Israel und seiner Flora.

Zack Rothbart, Land of Israel, 27. Januar 2021

„Bei mir geht alles sehr tief und ich bleibe dem treu, was ich als Kind internalisiert habe.“ (Bildquelle: „Blumen des Karmel“ & die Sammlung Bracha Avigad, Nadav Mann / Bitmuna via Digitale Sammlung der Nationalbibliothek Israels)

In Israels frühen Jahren gab es die sehr reale und präsente Gefahr, dass die geliebten Wildblumen des Landes bald aufgrund von übermäßigem Pflücken aussterben würden.

1963 wurde ein Gesetz verabschiedet, das dies verbietet und eine folgende, sehr erfolgreiche Öffentlichkeitskampagne veränderte alles; im gesamten jungen Land schossen Poster aus dem Boden, die die Öffentlichkeit aufforderten Wildblumen nicht zu pflücken, auszureißen, zu kaufen oder zu verkaufen.

Einfache Wortwahl und schöne Illustrationen machten die Kampagne zu einer der erfolgreichsten ihrer Art in der Geschichte des Landes und sorgten dafür, dass die Wildblumen, die die biblische Landschaft sprenkelten, das bis heute tun.

„Es ist verboten sie zu pflücken! Reißt sie nicht aus! Kauft sie nicht! Verkauft sie nicht!“ Ein Poster der Gesellschaft für den Schutz der Natur zeigt Illustrationen von Bracha Avigad, 1968. (Veröffentlicht von Levin Epstein) Aus dem Archiv der Nationalbibliothek Israels.

Für diese Illustrationen war Bracha Avigad verantwortlich und obwohl viele ihren Namen nie erfuhren, sind Generationen aufgewachsen, die Brachas Werk von Plakaten, Büchern, Postkarten und sogar Dekor-Tellern kennen, die ihre ikonischen Blumen tragen.

Illustration von Bracha Avigad in dem Buch Blumen des Karmel, 1958. Aus der Sammlung der Nationalbibliothek Israels.

Als Beatrix Guttman 1919 in Lettland geboren, wuchs Bracha in einer relativ bürgerlich-städtischen Umgebung in Darmstadt auf, aber einige ihrer frühesten Erinnerungen – in einem Interview aus dem Jahr 2014 als Teil der Initiative Toldot Yisrael erzählt – offenbaren tief sitzende Verbindungen zu drei Leidenschaften, die sie ihr Leben lang begleiten sollten: das Land Israel, die Natur und die Kunst.

Früher Bilder der Natur

Väterlicherseits stammte Bracha aus einer Familie französischer Winzer, mütterlicherseits von Verwaltern lettischer Anwesen, die abwesenden deutschen Landbesitzern gehörten.

Das Deutschland ihrer Kindheit war gekennzeichnet von galoppierender Inflation und gewaltiger Armut, das Ergebnis der Niederlage des Landes im Ersten Weltkrieg und der folgenden Reparationen, die ihm von den Siegern des Krieges auferlegt wurden. Trotzdem wuchs Bracha in relativem Komfort auf.

Sie erinnerte sich, dass sie sich als Kind in dem Wissen unbehaglich fühlte einen Mantel zu tragen, dass verarmte Stadtbewohner in der ländlichen Umgebung Erdbeeren und Pilze hamsterten. Manche benutzten Eicheln als Ersatz für den Kaffee, den sie sich nicht leisten konnten.

Zeichnung von Bracha Avigad, 1930 Henrietta Szold geschenkt. Aus der Sammlung Bracha Avigad, Nadav Mann/Bitmuna; erhältlich über die digitale Sammlung der Nationalbibliothek Israels

Obwohl sie wohl nicht so hamstern musste wie andere, war Bracha sehr vertraut mit genau demselben Landstrich, den sie mit ihren Nachbarn besuchte, einer der wenigen Familien, die ein Auto hatten. Die zum „Nationalismus“ neigenden Nachbarn und ihre „grausame“ Einstellung waren der jungen Bracha zwar unangenehm, aber die doppelte Verlockung des Automobils und der deutschen Landschaft außerhalb der Stadt erwiesen sich als unwiderstehlich.

Künstlerische Samen

Andere Nachbarn in ihrem Gebäude boten Kinderbetreuung für die junge Bracha an, während ihre Eltern arbeiteten. Der Mann in dieser Familie war professioneller Künstler – der erste, den Bracha überhaupt traf – der von der Stadt Darmstadt für seine Kunstwerke alle drei Monate eine Zahlung erhielt.

Zeichnung von Bracha Avigad, Geschenk für Henrietta Szold, 1930. Aus der Sammlung Bracha Avigad, Nadav Mann / Bitmuna, erhältlich über die digitale Sammlung der Nationalbibliothek Israels.

Brachas positive Erinnerungen an viele in ihrem Zuhause verbrachte Zeit pflanzte zweifelsohne einen künstlerischen Samen in den Geist des leicht beeindruckbaren jungen Mädchens.

Obwohl sie sicherlich ihre künstlerischen Talente ihre Kindheit hindurch zum Ausdruck brachte, wusste Bracha nicht, wie begabt sie war, bis ein der Nazipartei angehörender Lehrer sie im sechsten Schuljahr in die Wange zwickte und ihr sagte, welche Schande es sei, dass sie als Jüdin geboren wurde, weil er sie ansonsten auf die renommierte Münchener Akademie der Bildenden Künste geschickt hätte.

Zeichnung von Bracha Avigad, Geschenk für Henrietta Szold, 1930. Aus der Sammlung Bracha Avigad, Nadav Mann/Bitmuna, erhältlich über die digitale Sammlung der Nationalbibliothek Israels.

Brachas unternehmungslustiger Vater war um die Welt gereist, bevor er nach Deutschland zurück kam, um im Ersten Weltkrieg für das Vaterland zu kämpfen. Er erhielt einen Tapferkeitsorden für seinen Dienst in der Marine-Luftwaffe, eine Ehre, die ihm später genommen wurde, weil er Jude war.

Nicht lange nach seiner Rückkehr aus dem Krieg wurde ihm wegen seiner „Rasse“ eine Stelle beim Pharmagiganten Merck verweigert, aber er blieb ein stolzer Deutscher. Tatsächlich waren die meisten seiner Freunde und viele, wenn nicht alle Leute, mit denen Bracha in ihren frühesten Jahren zu tun hatte, keine Juden.

Erst als sie zur Schule ging, begegnete sie erstmals Antisemitismus.

Nachdem ein Klassenkamerad sie abfällig als Jüdin bezeichnete, kehrte Bracha nach Hause zurück und fragte ihre Mutter, was ein „Jude“ sei. „Sie sind nur neidisch auf dich“, erklärte ihre Mutter. „Schau, ich kaufe dir Kirschen … Sie können sich keine kaufen, also hassen sie …“

Sie ließ die Kirschen neben den Ohren ihrer Tochter baumeln – ein Bild das Bracha den Rest ihres Lebens blieb; ein botanisches Bild im geistigen Auge, das mit Sicherheit später auf die eine oder andere Art seinen Weg auf die Leinwand fand.

Aufblühen im Land Israel

Innerhalb von nur wenigen Jahren, nachdem ihr Lehrer das Talent der jungen Künstlerin „entdeckte“, wurde Bracha aus der Schule geworfen, weil sie Jüdin war. Sie zog bald ins Land Israel, wo sie sich der zweiten Klasse von Neu-Bezalel anschloss, dem Nachfolger von Boris Schatz‘ legendärer Jerusalemer Kunstschule, die in großen Teilen künstlichen Ausdruck zionistischer Kultur definierte.

Sie erhielt von niemand anderem als Henrietta Szold ein Stipendium für das Studium an der Bezalel, nachdem Bracha ihr eine Sammlung einiger ihrer Arbeiten schenkte.

Mohnblumen wie diese (Hebräisch: Kalaniyot) sidn eine der verbreitetsten und sehr geliebten Zeichen dafür, dass in ganz Israel der Frühling kommt. Zeichnung von Bracha Avigad, Geschenk für Henrietta Szold, 1930. Aus der Sammlung Bracha Avigad, Nadav Mann/Bitmuna, erhältlich über die digitale Sammlung der Nationalbibliothek Israels.

Zwar war ihre Abreise aus Deutschland 1935 offensichtlich sehr stark das Ergebnis des zunehmend unerträglichen Antisemitismus, aber Brachas Verbindung zum Land Israel – und seiner Flora – hatte sehr tiefe Wurzeln.

Als sie auf die 100 zuging, konnte Brache immer noch ein Lieblingslied über Orangenbäume und Dattelpalmen im Land Israel singen, das ihre Mutter für sie gesungen hatte, als sie ein kleines Kind war.

Zeichnung von Bracha Avigad, Geschenk an Henrietta Szold, 1930. Aus der Sammlung Bracha Avigad, Nadav Mann/Btimuna, erhältlich über die digitale Sammlung der Nationalbibliothek Israels.

Etwa im Alter von fünf Jahren besuchte Bracha mit ihrer Familie ihre Großeltern mütterlicherseits in Lettland. Als sie in ihrem Haus einen großen Stock sah – den sie als die Art erkannte, der zur Bestrafung ungezogener Kinder in Märchen verwendet wurde – fragte sie ihren Großvater, wofür er da sei. Er antwortete: „Meine Kleine, wenn der Messias kommt, werde ich den Stock in die Hand nehmen und uns alle ins Land Israel führen.“

Was ihr Großvater sie lehrte, sowie seine blaue tzedaka-Schachtel des Jüdischen Nationalfonds und die Lieder ihrer Mutter erfüllten Brache mit einem tief sitzenden Gefühl des Zionismus, während sie davon träumte eines Tages ins Land Israel zu kommen, wenn auch nicht notwendigerweise zu Fuß.

Kapernpflanzen wie diese wachsen aus der Westmauer in Jerusalem. Illustration von Bracha Avigad im Buch Blumen des Karmel, 1958. Aus der Sammlung der Nationalbibliothek Israels.

Bracha erinnerte sich, dass sie nicht lange, bevor sie aus der Schule geworfen wurde, weil sie Jüdin war, sie von einer Ausstellung mit Gemälden von Wasserblumen enorm beeindruckt war, die in einer deutschen Galerie ausgestellt wurden. Als sie diese sah, versprach sie sich selbst: „Wenn ich ins Land Israel komme, werde ich die Blumen des Landes Israel malen.“

Sieben Jahrzehnte lang hielt sich Bracha an ihr Kindheits-Versprechen; sie malte nicht nur die Blumen des Landes Israel, sondern spielte auch eine bedeutende Rolle dabei sie vor der Ausrottung zu retten.

Die sexuelle Versklavung weißer Frauen durch den Islam

Und sie wird in Bildern dargestellt.

Raymond Ibrahim, FrontPage Magazine, 6. Oktober 2020

Letztes Jahr provozierte eine politische Partei in Deutschland Streit, als sie in ihrem Wahlkampf das folgende Gemälde nutzte, um einen der Gründe zu illustrieren, dass sie gegen Immigration sind.

1866 in Frankreich gemalt und mit dem Titel „Sklavenmarkt“ wurde das Bild so beschrieben: Es zeigt „einen schwarzen, offenbar muslimischen Sklavenhändler, der eine nackte junge Frau mit viel hellerer Haut einer Gruppe Männer zu Begutachtung zeigt“, vermutlich in Nordafrika.

Die Alternative für Deutschland (AfD) stellte mehrere Poster dieses Gemäldes samt dem Slogan „Damit Europa nicht Eurabia wird“ auf. Viele auf beiden Seiten des Atlantiks waren von seiner Verwendung „getriggert“; selbst das amerikanische Museum, in dem das Originalgemälde zu finden ist, schickte der AfD einen Brief, in dem darauf „bestanden wurde, dass sie es unterlässt dieses Gemälde zu benutzen“ (obwohl es sich in öffentlichem Besitz befindet).

Objektiv gesagt: Das fragliche Gemälde „Sklavenmarkt“ porträtiert eine Realität, die sich im Verlauf der Jahrhunderte zahllose Male abspielte: Muslime aus Afrika, Asien und dem Nahen Osten haben es lange Zeit auf europäische Frauen abgesehen – so sehr, dass im Verlauf er Jahrhunderte Millionen von ihnen versklavt wurden (s. Sword and Scimitar für umfassende Dokumentation).

Tatsächlich gibt es etwas anderes – ein weiteres Medium neben dem Schreiben – das diese Realität dokumentiert: Zahllose weitere Gemälde, neben dem fraglichen zu Entführung, Menschenhandel und sexueller Versklavung europäischer Frauen; alle zusammen unterstreichen sie die Allgegenwart und Bekanntheit dieses Phänomens. In der Tat war dies ein so bekanntes Thema, dass viele Künstler und Maler des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sich darauf spezialisierten, oft auf Grundlage ihrer eigenen Augenzeugenberichte. (Eine Galerie drückte es so aus: „Viele der wichtigsten Maler reisten selbst [in die muslimische Welt] und was sie malten, hatte die Skizzen zur Grundlage, die sie in ihrer Zeit dort anfertigten…)

Unten folgen 20 solcher Gemälde (es gibt viele weitere). Neben der Angabe des Namens des Künstlers, des Jahres der Entstehen des Bildes und, wo möglich, des Titels – Informationen, die oft schwer zu ermitteln sind – habe ich meine Anmerkungen auf die wichtigen Nebenbemerkungen und Klarstellungen beschränkt, zumeist in den ersten Gemälden, was die restlichen für sich selbst sprechen lässt. Sie folgen.

„Die bulgarischen Märtyrerinnen“ von Konstantin Makowsky, 1877. Es stellt Ereignisse vom Jahr davor dar, als osmanische irreguläre Soldaten (die sogenannten Baschi-Bazouk oder „Wirrköpfe“) die christlichen Frauen Bulgariens und ihre Kinder vergewaltigten und massakrierten. Der amerikanische Journalist MacGahan, der aus Bulgarien berichtete, schrieb Folgendes über diesen Vorfall: „Wenn ein Mohammedaner eine bestimmte Zahl Ungläubige getötet hat, ist er sich des Paradieses sicher, egal, welche Sünden er begangen haben mag… Der gewöhnliche Muselmane geht vom Grundsatz breiterer Akzeptanz aus und zählt auch Frauen und Kinder mit… die Baschi-Bazouk rissen, um die Zählung zu erhöhen, schwangere Frauen auf und töteten die Ungeborenen.“

„Die Entführung der Frauen der Herzegowina“ von Jaroslaw Čermák, 1861. Aus der offiziellen Beschreibung des Museums: „Verstörend und extrem aufrüttelnd stellt es eine weiße, nackte [und schwangere?] Christin dar, die von osmanischen Söldnern aus ihrem Dorf entführt wird, die ihren Ehemann und ihr Baby getötet haben.“

„Die Entführung“ von Eduard Ansen-Hofmann (1820-1904)

„Der Sklavenmarkt“ von Otto Pilny, 1910.

„Entführt“ von Eduard Ansen-Hofmann (1820-1904).

„Namona“ von Henri Tanoux, 1883)

„Der bittere Zug der Sklaverei“ von Ernest Norman, 1885.

Auswahl der Favoritin“ von Guilio Rosati (1858-1917).

„Die neue Sklavin“ von Eduard Ansen-Hofmann, (1820-1904).

„Begutachtung der Sklaven“ von Ettore Cercone, 1890.

„Sklavenhändler“ von Otto Pilny, 1919.

„Sklavenmarkt“ von Eduard Ansen-Hofmann,1900.

„Verhandlungen im Sklavenhandel“ von Fabio Fabbi (1861-1946).

„Weißen-Sklaverei im Osten – Gang zum Sklavenmarkt“ von Harper’s Weekly, April 1875.

„Sklavenmarkt“ von Eduard Ansen-Hofmann (1820-1904).

„Die serbische Konkubine“ von Jean-Joseph Benjamin-Constant, 1876.

„Sklavenmarkt“ von Émile Jean-Horace Vernet, 1836.

„Sklavenmarkt“ von Jean-Leon Gerome, 1871.

„Gefangene im Harem“ von Eisenhut Ferencz, 1903.

„Szene aus dem Harem“ von Fernand Cormon, 1877.