Seit mehr als 10 Jahren: Libanesische Bauern kommen über die Grenze um Oliven zu ernten

Eine humanitäre Bemühung – die IDF erlaubt libanesischen Bauern in Olivenhainen zu ernten, die in der Nähe mehrerer libanesischer Dörfer der Gegend über die Grenze nach Israel reichen.

Israel National News, 10. November 2022

Seit mehr als 10 Jahren hat die IDF die humanitäre Bemühung unternommen libanesischen Bauern zur saisonalen Olivenernte die Blaue Linie in israelisches Territorium zu queren.

Diese Olivenhaine, die zwischen der Blauen Linie und dem israelischen Sicherheitszaun liegen, bieten den libanesischen Bauern ein wichtiges Einkommen.

Diese Einkommensquelle wird umso wichtiger, setzt man sie in den größeren Kontext der wirtschaftlichen und sozialen Krise, die den Libanon heimsucht.

Ein IDF-Vertreter gab an: „Der direkte und indirekte wirtschaftliche Schaden, der dem Volk des Libanon und seinem Lebensunterhalt durch die Terrorarmee der Hisbollah zugefügt wird, ist schwerwiegend und beträchtlich. Während die Hisbollah den Bereich um die Blaue Linie destabilisiert und die Bürger des Libanon schädigt, arbeitet der Staat Israel daran das Leid der dort lebenden Einwohner zu mildern.“

„Die UNIFIL hat eine zentrale Rolle bei der Sicherung der Durchführung humanitärer Gesten“, fügte der Vertreter hinzu.

IDF-Soldaten und UNIFIL-Vertreter an der israelisch-libanesischen Grenze (Foto: IDF-Sprecher)

Israel wird in unruhiges Fahrwasser navigiert

Nahezulegen, dass die Hisbollah ein separater Teil des kulturellen und politischen Lebens des Libanon ist, bedeutet den Libanon falsch zu verstehen. Anzudeuten, dass Israel mit der libanesischen Regierung verhandelt und nicht mit Hassan Narallah, ist ein tödlicher Fehler.

Barry Shaw, Israel HaYom, 11. Oktober 2022

Premierminister Yair Lapid hat den Hof verschenkt, genauer gesagt Israels Seegebiet; und was hat das Land im Gegenzug bekommen? Einen Ohrfeige, weil der Libanon alles nahm, was ihm geschenkt wurde und die Torpfosten weiter auseinander setzte, indem er zuvor vereinbarteb israelische Sicherheits- und Ausgleichsanforderungen nicht zustimmte.

In Reaktion versetzte Verteidigungsminister Benny Gantz , der den Konditionen eines schlechten Deals ebenfalls zugestimmt hatte, die israelischen Verteidigungskräfte in Alarmbereitschaft. Jetzt bereiten israelische Entscheidungsträger verschiedene potenzielle Militärszenarien vor, weil die Spannungen mit dem Libanon wieder zugenommen haben; dafür gibt es sowohl defensive als auch offensive Einsatzpläne.

Eine der geänderten libanesischen Klauseln fordert, dass Total Energy – das französische Energie-Konglomerat, das die Lizenz sowohl für Israels Karisch-Plattform als auch für die zukünftigen Bohrungen des Libanon hält – einen Teil des Reservoirs in den Gewässern kauft, die Israel dabei war dem Libanon zu übergeben.

Das ist ein libanesisches Eingeständnis, dass die umstrittenen Gewässer in der Tat zumindest teilweise israelisches Hoheitsgebiet sind, das Lapid und Gantz ihnen gegen einen geringen Anteil an der Lizenzgebühr schenken, falls und wenn der Libanon in der Lage ist dort zu bohren.

Israel hat die USA informiert, die als Vermittler agiert und die von vielen als den Libanon gegenüber Israel den Vorzug gebend betrachtet werden, dass es die libanesischen Änderungen an dem ablehnt, was von vielen im Land als bereits schlechte Idee angesehen wird.

Vertreter der USA und vielleicht Leute in Israels Führungsebene schienen nicht zu begreifen oder sie ignorieren, wer die Entscheidungsträger im Libanon sind. Dazu gehören in erster Linie die Führer des libanesischen Parlaments und der religiöse iranische Stellvertreter Hisbollah, die libanesische Zwillinge sind, zusammengewachsen an der Hüfte ihrer schiitischen Verbindungen.

Jeder kennt Hassan Nasrallah, den Turban tragenden Hisbollah-Führer. Aber nicht viele sind sich der vertrauten Verbindung zwischen diesem vom Iran gestützten terroristischen Unruhestifter und dem kultivierten verdienten Staatsmann Nabih Berri bewusst, seit 1992 libanesischer Parlamentspräsident und, was genauso bedeutend ist, Leiter der libanesisch-schiitischen Amal-Bewegung.

Eine der schockierenden Offenbarungen des letzten ICT-Weltgipfels zur Terrorbekämpfung in Herzliya war, wie tief und weit die Geldwäsche- und Geschäftsfirmen der Hisbollah in Südamerika reichen und wie ihre expandierende Familien- und Clan-Verbindungen die Verbreitung ihrer legitimen und kriminellen Unternehmungen stärken, darunter dass sie gewisse korrupte Führer und mehrere zentral- und südamerikanische Länder in ihrer Tasche haben.

Anzudeuten, dass die Hisbollah ein separater Teil des kulturellen und politischen Lebens des Libanon ist, bedeutet den Libanon falsch zu verstehen. Nahezulegen, dass Israel über einen Vertreter der USA mit der libanesischen Regierung verhandelt und nicht mit Hassan Nasrallah, ist ein tödlicher Fehler.

Zu sagen, dass die Hisbollah kein Empfänger zukünftiger Erdgas-Einkommen ist, ist wahnhaft. Ich wiederhole: Sie sind mit der Amal an der Hüfte verwachsen und Amal und Hisbollah kontrollieren, was im Libanon abläuft.

Ein unberücksichtigtes Ergebnis der Abtretung der legitimen Seerechte Israels an den Libanon ist das, was geschehen wird, wenn die Menge oder die Qualität des Gases nicht erhebliche Profite bringt und keine Bohrungen stattfinden. Das bedeutet, dass Israel dem Libanon sein Seegebiet für nichts geschenkt hat, weil es keinen Ausgleich auf Grundlage von Energieproduktion gibt, der an Israel gezahlt wird.

Dieser Deal wird kein Wasser für Frieden und die israelische Bohrinsel Karisch wird noch stärker der Aggression auf Seegebiet ausgesetzt sein, das dem Libanon kostenlos überlassen wurden und sich weit näher an der israelischen Bohrplattform befindet als bisher. Und dann bedenke man noch, dass Gantz, als die Konditionen des Deals abgeschlossen waren, sagte, „dieser Deal schadet den Interessen des Iran“.

Wie falsch kann man liegen? Wenn es ausreichend Gas gibt, um eine libanesische Plattform profitabel zu machen, dann werden Amal und Hisbollah die Profite einstreichen. Und egal, ob bis zum Bohren oder statt seiner, das Seegebiet des Libanon wird sich unendlich näher an Israels Karisch-Gasplattform befinden.

Obwohl Yair Lapid sagte, es gebe keine Notwendigkeit, dass dieser ärgerliche Deal von der Knesset genehmigt wird, werden hoffentlich vernünftigere Stimmen zu hören sein. Israelisches Recht fordert nur, dass internationale Vereinbarungen zur Überprüfung der Knesset vorgelegt werden, aber keine Abstimmung über ihre Genehmigung. Historisch sind hingegen Vereinbarungen zu territorialen Veränderungen vor die Knesset gebracht worden, damit diese darüber abstimmt.

Wenn dieser Deal dazu führt, dass Lapid/Gantz strategische Wasserflächen des Mittelmeers an Amal und Hisbollah abschenken und Israel immer noch wie ein nicht anerkannter Paria-Feind behandelt wird, dann ist das das Äquivalent dafür, dass diese israelischen Führer Mahmud Abbas und der Hamas gewaltige Teile von Judäa und Samaria schenken, unsere Landversion der Amal und der Hisbollah im Libanon.

Das ist der Grund, weshalb das Land in Aufruhr versetzt ist, wenn sie diesen Deal vorantreiben, ohne dass das Thema der Knesset zur Debatte und Abstimmung vorgelegt wird.

Mit den für November anstehen Wahlen segelt Israel in stürmischen Gewässern.

Die den Südlibanon besetzt Hisbollah haltende beschuldigt UNIFIL der Besetzung des Südlibanon

Elder of Ziyon, 12. September 2022

Aus Naharnet:

Ein Hisbollah-Vertreter schlug am Freitag Alarm wegen der jüngsten Resolution des UNO-Sicherheitsrats, mit der das Mandat für die United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL) verlängert wurde.

Was unternehmen Offizielle bezüglich der Resolution  des Sicherheitsrats, der UNIFIL Bewegungsfreiheit gewährt … ohne dafür eine Erlaubnis von der Armee für die angemeldten wie nicht angemeldeten Patrouillen zu benötigen?“, fragte Scheik Mohammed Yazbek.

„Das widerspricht den früheren Vereinbarungen und das ist eine gefährliche Entwicklung, die aus den UNIFIL-Kräften in Besatzungskräfte macht, deren Rolle darin besteht den israelischen Feind über Verfolgung des Volks und des Widerstands zu schützen“, fügte Yazbek hinzu.

… „Der Beschluss ist eine Verschwörung gegen den Libanon und seine Souveränität“, sagte der Hisbollah-Vertreter weiter.

Aber es ist nicht nur die Hisbollah. Die Regierung des Libanon scheint dem zuzustimmen!

Das Außenministerium hielt am Mittwoch fest, dass die Resolution „einen Text beinhaltet, der nicht dem entspricht, was in der Rahmenvereinbarung steht, die vom Libanon mit der UNO unterzeichnet wurde“ und fügte hinzu: „Der Libanon hat gegen die Einführung dieser Wortwahl Einspruch eingelegt.“

„Entsprechend hat der Minister für Äußere Angelegenheiten und Emigranten ein Treffen mit dem Leiter der UNIFIL-Mission gefordert, um die Bedeutung der Fortsetzung dauerharter Kooperation und Koordination mit der libanesischen Armee zu betonen, damit der Erfolg des Auftrags der UNO-Kräfte im  Libanon sichergestellt wird“, sagte das Ministerium.

Die  Zeitung Nidaa al-Watan berichtete Mittwoch, dass der Libanon die Entfernung von „zwei Sätzen in den Klauseln 15 und16 der Verlängerungsresolution beantragt hatte, die die Bewegungsfreiheit von UNIFIL und festlegt und womit jegliche Einschränkung dieser Freiheit im Bereich südlich des Flusses Litani verurteilt wird.“

Die betreffenden Sätze (Klauseln 16 und 17) lauten.

16. Mahnt alle Seiten voll mit dem Leiter der Mission und UNIFIL bei der Umsetzung der Resolution 1701 zu kooperieren sowie sicherzustellen, dass die Bewegungsfreiheit von UNIFIL bei all ihren Operationen und UNIFILs Zugang zur B lauen Linie in allen Bereichen in vollem Umfang respektiert und im Einklang mit ihren Einsatzregeln ungehindert möglich ist, darunter durch Vermeidung  jeglicher Handlungsweisen, die UNO-Personal gefährden; bestätigt erneut, dass laut der Vereinbarung zum Status der UN Interim Forces in Lebanon (SOFA) zwischen der Regierung des Libanon und den Vereinten Nationen UNIFIL keine vorherige Genehmigung oder Erlaubnis benötigt ihren Mandats-Aufgaben nachzukommen und dass UNIFIL autorisiert ist ihre Operationen unabhängig durchzuführen, aufs Nachdrücklichste alle Versuche verurteilt Zugang zu Bewegungsfreiheit des Personals von UNIFIL zu verweigern oder einzuschränken und alle Angriffe auf UNIFIL-Personal und-Ausrüstung sowie Belästigungen und Einschüchterung von UNIFIL-Personal und Desinformationskampagnen gegen UNIFIL; die Regierung des Libanon wird aufgefordert UNIFIL prompten und vollen Zugang zu von UNIFIL beantragten Orten zu ermöglichen, um rasche Ermittlungen durchzuführen, darunter alle relevanten Stellen nördlich der Blauen Linie, die in Verbindung mit der Entdeckung von Tunneln stehen, die die Blaue Linie queren, von denen UNIFIL als Verletzung von Resolution 1701 (2006) in Übereinstimmung mit dieser Resolution berichtete, wobei die Souveränität des Libanon respektiert wird.

17. Fordert die Setien auf jegliche Einschränkungen und Hindernisse für die Bewegungsfreiheit von UNIFIL-Personal zu beenden und die Bewegungsfreiheit von UNIFIL zu garantieren, einschließlich dadurch angekündigter wie nicht angekündigter Patrouillen.

Das ist nicht neu – UNIFILs Unabhängigkeit war immer Teil des Mandats. Und der Einspruch der libanesischen Regierung dazu klingt, als würde sie von Hisbollah geführt.

UNIFIL gab heute eine eigene Erklärung aus:

UNIFIL hat immer das Mandat gehabt Patrouillen in ihrem Operationsgebiet durchzuführen, mit wie ohne das libanesische Militär. Trotzdem werden unsere operationellen Aktivitäten, einschließlich der Patrouillen, weiter mit der libanesischen Armee koordiniert, selbst wenn es uns nicht begleitet.

Unsere Bewegungsfreiheit ist in den Resolutionen des Sicherheitsrats bekräftigt worden, die das UNIFIL-Mandat erneuerten, einschließlich Resolution 1701 von 2006 und UNIFILs Status of Forces Agreeemnt, das 1995 unterzeichnet wurde.

UNIFIL scheint in letzter Zeit mit der Hisbollah immer mehr die Geduld zu verlieren und wie ich bereits festgestellt habe, verurteilte die jüngste Resolution des UNO-Sicherheitsrats zum Südlibanon die Hisbollah, auch wenn ihr Name dabei nicht genannt wurde. Die Hisbollah mischt sich in die bereits schwache Durchsetzung der UNO-Resolutionen durch UNIFIL ein den Südlibanon von nicht der Armee gehörenden Waffen freizuhalten.

Das scheint Teil der zunehmenden Bedrohungen Israels durch die Hisbollah in den letzten Monaten zu sein. Die Gruppe scheint mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fest entschlossen zu sein einen neuen Krieg mit Israel anzufangen, scheiß auf den Rest des Libanon.

Der verbockte Anschlag, der den Ersten Libanonkrieg auslöste

Der gescheiterte Anschlag auf das Leben von Botschafter Shlomo Argov führte zu einer der kompliziertesten und schwierigsten Episoden in Israels Geschichte

Zack Rothbart, the Librarians, 17. August 2022

Botschafter Shlomo Argov und Ruinen aus dem Libanonkrieg (Argov-Foto veröffentlicht in Hadaschot, 6. Juli 1984 / Libanon-Foto: Emanuel Dudai. Aus der Dan Hadani Collection, The Pritzker Familiy National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels)

Das Dorchester Hotel in London – eines der protzigsten weltweit. Jahrzehnte im Besitz von modernen Sultanen und Nahost-Magnaten, ist das Dorchester ein beliebter Treff kultureller Ikonen von Hitchock bis Streisand. Prinz Philip, der Duke of Edinburgh, veranstaltete hier einen legendären Junggesellen-Abschied vor seiner Hochzeit mit der zukünftigen Queen Elizabeth II.

Der britische Premierminister Harold Wilson und seine Frau Mary mit dem israelischen Premierminister Levi Eschkol und dessen Frau Miiriam im The Dorchester, März 1965 (Foto: lizenzfrei)

Das Dorchester befindet sich so weit entfernt von den schlammigen Wäldern des Südlibanon, wie es möglich ist, doch dort begann der Erste Libanonkrieg. Gewissermaßen.

Eines Abends im Juni 1982 versammelten sich Dutzende Diplomaten im Dorchester zu einem jährlichen Gala-Event. Vor Mitternacht verließ Shlomo Argov – der eloquente, in Jerusalem geborene und in Georgetown und an der LSE ausgebildete israelische Botschafter beim Vereinten Königreich – das Hotel und war auf dem Weg zu seinem Wagen.

Momente zuvor hatte ein Treffen in der Männertoilette des nahe gelegenen Hotels Hilton stattgefunden, das die Geschichte des Nahen Ostens verändern würde. Dort holte Marwan al-Banna eine braune Tasche hervor, die er aus seinem Auto geholt hatte. Er zeigte eine polnische W.Z.63 Maschinenpistole mit zwei Magazinen Munition und übergab sie seinem Kameraden Hussein Sa’id.

Sa’id verließ das Hotel gegen 23 Uhr und wartete nervös vor einem BMW-Schaufenster; er ging los, als Argov sich zu seinem Volvo begab, schoss auf ihn und floh.

In The Master Terrorist: The True Story Behind Abu Nidal gibt der Journalist Yossi Melman, der über den fehlgeschlagenen Mord und die folgenden Gerichtsverfahren berichtete, einen Bericht aus erster Hand über die Ereignisse, wie sich Colin Simpson an den Abend erinnert, der für Argov abgestellte Leibwächter:

„Er bückte sich leicht und wollte gerade in den Wagen steigen. Als er seinen Kopf hineinsteckte, hörte ich hinter mir ein Geräusch. Der Botschafter fiel auf den Gehweg. Ich blickte auf ihn hinab und sah, was eine extrem schwere Verletzung zu sein schien.“

Simpson verfolgte Sa’id, schoss ihm direkt unter das Ohr, aber nicht bevor auf ihn selbst geschossen wurde, wobei eine der Kugeln des Angreifers knapp seinen Kopf verfehlte. Laut Melman „fand die Polizei später heraus, dass die Maschinenpistole auf Einzelschüsse eingestellt war, sonst wäre Simpson wahrscheinlich mehrere Male von den 24 Kugeln getroffen wurde, die sich noch in dem Magazin befanden.“

Argov hatte weniger Glück. Eine Kugel ging direkt durch sein Gehirn. Er war Monate lang im Koma und sollte den Rest seines Lebens gelähmt bleiben; er verbrachte Jahrzehnte bettlägerig, hauptsächlich in Jerusalems Hadassah-Krankenhaus.

Botschafter Victor Harel, der eng mit Argov zusammenarbeitete, erinnerte sich an ihn als einen „diplomatische Giganten“, Jerusalemer in der siebten Generation, der nach seiner Verletzung in Israels Unabhängigkeitskrieg weiter kämpfte, einer der höchstgeschätzten Aktivposten des Außenministeriums wurde. Argov wurde Berichten zufolge von Premierminister Menachem Begin für den Posten in London handverlesen, obwohl die beiden gegnerischen politischen Lagern angehörten. Solch eine Entscheidung, kurz nach Begins historischem Aufstieg an die Macht nach Jahrzehnten in der politischen Wüste, deutete das Vertrauen und den Respekt an, den Argov sich als Mann verdient hatte, dessen Dienst für sein Land seine persönliche politische Ideologie ersetzte.

Der israelische Botschafter Shlomo Argov (hier 1979 auf dem Weg zum Buckingham Palace zur Vorlage seiner Beglaubigung, wurde in London von einem Schützen schwer verletzt. Argov wurde mit Kopfwunden eilig ins Krankenhaus gebracht und befand sich nach einer Gehirnoperation in kritischem Zustand.

Gegenschlag und Terroristen

Innerhalb von Stunden nach dem Mordversuch wurde eine Krisensitzung des israelischen Kabinetts mit einem Beschluss beendet elf PLO-Ziele im Libanon zu beschießen, zwei davon in Beirut. In dem Treffen betonte Begin sehr deutlich die Dringlichkeit zu handeln. Nach Angaben des Militärhistorikers Shimon Golan, dem Autor des bis heute umfangreichsten Werks über den Entscheidungsfindungsprozess auf höchster Ebene während des Krieges, bestimmte Begin, dass „Israel nicht abwarten konnte einen Bericht von Scotland Yard zu erhalten [was die organisatorische Zugehörigkeit der Terroristen betrifft]; es musste ohne Verzug, am selben Tag, im Zentrum des internationalen Terrors im Libanon zuschlagen…“

IDF-Generalstabschef Rafael „Raful“ Eitan empfahl die ursprünglich geplanten Ziele zu treffen. Begin akzeptierte die Empfehlungen und betonte, dass Israel darauf achtgeben musste zivile Opfer zu vermeiden, während es auf die unvermeidliche Reaktion vorbereitet sein musste, einschließlich PLO-Angriffen auf israelische Zivilisten.

Laut offiziellen Quellen und Dokumenten entnommenen Berichten, einschließlich der von Golan und Melman weitergegebenen, gab es bei dem Treffen an diesem Morgen keinen größeren Widerstand, Streit oder hitzige Diskussionen. Interessanterweise und obwohl dem damaligen Verteidigungsminister Ariel Sharon weitgehend der Entwurf und das Durchsetzen der Pläne für den Libanon-Krieg zugeschrieben wird, befand dieser sich damals in Rumänien und war in diesem kritischen Augenblick nicht einmal anwesend.

Vergeltungs-Raketen kamen kurz nach den ersten Luftangriffen und die Diskussion der israelischen Führung verschob sich davon, wie man reagiert, auf den günstigsten Zeitpunkt um eine Bodenoffensive zu beginnen. Der folgende Krieg, der als Operation Frieden für Galiläa oder der Erste Libanonkrieg bekannt ist, führte unter anderem zu Dezimierung der PLO-Kräfte im Libanon und ihrer Vertreibung nach Tunis.

Der Flughafen Beirut wurde von israelischen Streitkräften eingenommen – 21. Juni 1982. (Foto: Dan Hadani). Aus der Dan Hadani Collection, Teil der Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels

Dennoch hatte die PLO nichts mit dem Angriff auf Botschafter Shlomo Argov zu tun. Am Tag nach dem Mordversuch hatte Schin Bet-Chef Avraham Shalom der israelischen Führung bereits berichtet, dass die Täter wahrscheinlich zur sogenannten Abu Nidal-Organisation (ANO) gehörten, einer rivalisierenden palästinensischen Terrorgruppe, die erpicht darauf war die PLO zu Fall zu bringen.

Raful Eitan stichelte bekanntlich: „Abu Nidal, Abu Schmidal. Wir müssen die PLO angreifen!“

Die ANO wurde von Sabri Khalil al-Banna gegründet, dem Nachkommen einer der reichsten Familien des Mandats Palästina, der besser als „Abu Nidal“ bekannt war; die Gruppe beging rund um die Welt Dutzende Entführungen, Morde, Mordanschläge und andere Terroranschläge, beginnend in den 1970-er Jahren, weitgehend nach Gutdünken ihres stürmischen Führers. Obwohl die ANO israelische und jüdische Menschen und Orte angriff, richteten sich die meisten ihrer Anschläge gegen Palästinenser oder andere Araber, insbesondere Diplomaten, Journalisten und verschiedene Personen des öffentlichen Lebens.

„Er glaubte nicht an Religion oder Ba’athismus oder Marxismus oder sonst irgendetwas“, erzählte einmal ein Bekannter von Abu Nidal dem Autor einer Biografie des Terroristen Patrick Seale. „Die Schusswaffe war seine Ideologie und seine Ideologie war die Schusswaffe.“

Man glaubt, dass dieses Foto von Abu Nidal und einem nordkoreanischen Militäroffizier in Nordkorea aufgenommen wurde. Es wurde 1974 in einer libanesischen Zeitung veröffentlicht und dann wieder in der Ausgabe der israelischen Zeitung Hasahot vom 11. September 1986. Aus der digitalen Sammlung der Nationalbibliothek Israels.

Fragen und Verschwörungen

Fast ein Jahr lang vor dem Mordversuch war die israelisch-libanesische Grenze nach einer von den USA vermittelten Vereinbarung zwischen Israel und der PLO überwiegend ruhig gewesen. Dennoch setzte Letztere ihre Anschläge gegen Israel und israelische Ziele international fort. Israels politisches und Verteidigungsestablishment stimmte allgemein zu, dass der Libanon nicht weiter als Ausgangspunkt für die PLO dienen konnte und tatsächlich waren detaillierte Pläne für den als „Operation Oranim“ bekannten Einmarsch bereits lange vor dem fehlgeschlagenen Mordversuch und die folgende Bodenoffensive fertig; sie wurden von Parteien in der Knesset bis auf eine mit überwältigender Mehrheit genehmigt.

IDF-Soldaten auf ihrem Weg in den Libanon, 6. Juni 1982 (Foto: Yosi Elmakis). Aus der Dan Hadani Collection, Teil der Pritzker Family National Photography Collection at the Nationalbibliothek Israels.

Der genaue Grund, dass Abu Nidal beschloss an diesem Abend im Juni 1982 Argov in London anzugreifen, bleibt schwer fassbar, aber viele Theorien, einschließlich einer, die weitgehend von Abu Nidals palästinensischen Feinden verbreitet wird, haben nahegelegt, er habe für den Mossad gearbeitet und den Mordversuch befohlen, um Israel eine Rechtfertigung für den Angriff auf die PLO im Libanon zu geben.

In einem seltenen Interview wurde Abu Nidal einmal vom Spiegel gefragt, warum er den Anschlag befahl, insbesondere angesichts der Tatsache, dass dieser letztlich – und recht vorhersehbar – zu Israels Einmarsch in den Libanon führte. In charakteristisch paranoider Weise antwortete der Terrorführer:

„Der zionistische Botschafter in London war einer der Köpfe und Gründer des israelischen Geheimdienstes, des Mossad. Wir griffen den Botschafter an, als er gerade eine wichtige Rolle beim Mossad in Europa übernommen hatte. Unsere Kämpfer handelten überaus korrekt in Begrifflichkeiten meines strikten Befehls keinen anderen Botschafter zu schädigen.“

Er gab zu, dass damals „jeder Blinde die zionistischen Pläne für den Einmarsch im Libanon sehen konnte“, obwohl er die Rolle des Mordversuchs bei der Initiierung des Krieges kategorisch abstritt: „… in meinen Augen ist es nicht bewiesen und es stimmt nicht, dass der Anschlag auf das Leben des Botschafters der Funke war, der den Krieg auslöste.“

Während die Erklärung, Abu Nidal sei selbst eine israelische Marionette fast mit Sicherheit die Erfindung seiner politischen Rivalen ist, sind die Motive hinter dem Argument wahrscheinlich nicht so weit von der Wahrheit entfernt. Nach Angaben vieler, darunter Ze’ev Schiff und Ehud Ya’ari, altgedienten israelischen Journalisten und Co-Autoren von Israel’s Lebanon War, wurde der Anschlag von Abu Nidal in enger Koordination mit den irakischen Behörden befohlen, um einer Reihe strategischer Ziele zu dienen.

Erstens wussten sie, dass der Mord wahrscheinlich zu einem erheblichen israelischen Angriff auf die PLO im Libanon führen würde – etwas, das nach Abu Nidals Geschmack und zu seinem Nutzen war. Der Irak hatte zudem ein klares Interesse daran, dass Israel den Libanon angreift, nicht zuletzt, weil das die syrischen Streitkräfte schwächen oder zumindest von der irakischen Grenze ablenken würde.

In The Master Terrorist nennt Melman das irakische Szenario „extrem glaubwürdig“. Er fügt hinzu, dass die Iraker, die sich damals internen Konflikten gegenüber sahen und in dem langen und blutigen Iran-Irak-Krieg steckten – den sie verloren – ein weiteres Interesse daran hatten den israelischen Angriff zu provozieren.

„Wenn die Israelis tatsächlich einmarschierten, konnte der Irak einen Waffenstillstand fordern oder einseitig erklären, während er an die Notwendigkeit muslimischer und arabischer Solidarität gegen den zionistischen Feind appellierte.“

Der Irak machte genau das, verkündete: „Wir glauben an die dringende Notwendigkeit all unsere Energie und Ressourcen auf eine Konfrontation mit der zionistischen Aggression gegen die arabische Welt, das palästinensische Volk und den Libanon zu richten.“

Dummerweise für Saddam Hussein widmete niemand – einschließlich der Iraner – dem Vorschlag viel Beachtung.

Hinterher

Obwohl der Mordversuch natürlich einigen Interessen Abu Nidals diente, konnte er nicht im Voraus gewusst haben, wie die Folgen für seine eigenen Organisation und besonders ihre Aktivitäten in London sein würden.

Die Angreifer, darunter Abu Nidals Cousin Marwan al-Banna, wurden schnell gefasst und später vor Gericht gestellt und verurteilt. Während der Ermittlungen kamen einige Einzelheiten zur Planung und Umsetzung des Anschlags ans Licht. Der ausdrückliche Befehl den Anschlag an diesem Abend zu verüben kam nicht vor dem Nachmittag desselben Tages, als Na’if Rosan, einer der Angreifer, einen Anruf in einer öffentlichen Telefonzelle vor seiner Wohnung im Londoner Viertel Kensington annahm und Instruktionen von einem „Genossen al-Sayf“ erhielt. Rosan wies al-Banna und Hussein Sa’id an sich mit ihm im Hotel Hilton zu treffen, wo er ihnen sagte, dass Argov, der sich zu diesem Zeitpunkt immer noch im Dorchester unter die Leute mischte, an diesem Abend ihr Ziel war. Er gab Sa’id die Schusswaffe, der führte den Anschlag aus, während Rosan und al-Banna in der Nähe herumlungerten.

Alle drei wurden innerhalb weniger Stunden gefasst.

Die Polizei fand in al-Bannas Hostelzimmer eine Liste von 300 Namen – die meisten davon israelische und britische jüdische Persönlichkeiten und Organisationen, darunter der Oberrabbiner von Großbritannien Sir Immanuel Jakobovits, der Vorstandsvorsitzende des Jewish Chronicle und eine lokale Chabad-Schule, samt der Autokennzeichen der Fahrzeuge, die zum Transport ihrer Schüler verwenden. Die Adressen der Botschaften von Jordanien, Marokko, Saudi-Arabien, Ägypten, Kuwait und den VAE standen ebenfalls auf der Liste.

Die Botschaft Saudi-Arabiens in London (Foto: Prebano66 / CC BY-SA 2.0)

Laut eines von Melman angeführten Verhör-Protokolls erklärte al-Banna, als er zum Zwecks der Liste und den zugehörigen Informationen befragt wurde: „Wir wollten diesen Institutionen und Orten die Maske abziehen. Wir wissen, dass viele davon eigentlich Fassaden für den Mossad sind, den israelischen Geheimdienst oder potenzielle Zentren für den israelischen Geheimdienst. Wir wollten nur ihre wahre Identität offenlegen und veröffentlichen, um die Araber vor diesen Leuten und Orten zu warnen…“

Zu arabischen diplomatischen und anderen Institutionen auf der Liste sagte al-Banna: „Es gibt viele Gruppen, die scheinbar auf unserer Seite stehen, aber in Wirklichkeit gegen uns sind, so wie Saudi-Arabien.“

Der Staatsanwalt in diesem Fall, der das Verfahren als die „Bagdad-Connection“ bezeichnete, gab zu, dass viele Fragen offen blieben, behauptete aber: „Wir haben es geschafft ein Fenster – wenn auch nur ein kleines – in die geheime Welt dieser terroristischen Geheimorganisation zu öffnen.“

Die Verhaftungen und Urteile markierten praktisch das Ende aller größeren ANO-Aktivitäten auf britischem Boden, obwohl die Organisation weiterhin Terror säte und etwa ein weiteres Jahrzehnt lang hauptsächlich jordanische, palästinensische, israelische, jüdische und andere Institutionen und Persönlichkeiten weltweit ins Visier nahm. 1984 versuchte Abu Nidal sogar Königin Elizabeth II. während ihres Besuchs in Amman zu ermorden.

Trotzdem hatte die Zeit nach dem Mordversuch an Argov natürlich beträchtliche Folgen für Abu Nidals Aktivitäten in Großbritannien und international, die nichts mit dem Konflikt im Libanon zu tun hatten, die nie man ganz verstehen werden wird.

Aus einer umstandsgegebenen historischen Perspektive scheint recht klar zu sein, dass es früher oder später einen Krieg im Libanon gegeben hätte, auch wenn Shlomo Argov nicht angeschossen worden wäre. Vielleicht ist das der Grund, warum die historische Rolle des fehlgeschlagenen Mordversuchs als Funke, der den Krieg auslöste, in den vergangenen vier Jahrzehnten weitgehend ignoriert worden ist.

Das zugespitzte Ereignis wurde natürlich auch sehr schnell durch den Krieg selbst und seine sofortigen und langfristigen Auswirkungen überschattet, einschließlich der tausenden Toten und zerrütteten und ruinierten Leben.

Obwohl anfangs überwältigend populär, sollte der Krieg am Ende israelische Truppen fast 20 Jahre im Libanon belassen, ein Vakuum schaffen, das seitdem von der Hisbollah gefüllt wurde und die bedeutendste Antikriegs-Bewegung in der Geschichte Israels aufkeimen zu lassen. Einiges von dem Gefühl wurde durch Begins politische Feinde verstärkt und ausgenutzt, doch die Tatsache bleibt, dass die Volksbewegung gegen den Krieg und zugunsten bewusster Kriegsdienstverweigerung in Israel nie in diesem Ausmaß zu sehen gewesen war. Der Konflikt spaltete das Land und, so sagten viele, hat seitdem das Vertrauen in gewählte und militärische Amtsinhaber getrübt.

Israelische Reserve-Kampfsoldaten demonstrieren gegen die Besetzung des Libanon, Juli 1984 (Foto: Yoni Salinger). Aus der Dan Hadani Collection, Teil der Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Etwa ein Jahr nach dem versuchten Mord und dem Ausbruch des Krieges, gab Argov selbst – physisch gelähmt, aber intellektuell scharfsinnig – erstmals öffentlich seinen persönlichen Gedanken zum Krieg Ausdruck, als er einen kurzen Brief an einen engen Freund diktierte. Er betrauerte den enormen Verlust an Leben und verglich den Krieg mit dem existenziell zwingenden Sechstage-Krieg 15 Jahre zuvor. Argov legte eine Kritik an Israels politischer und militärischer Führung vor, während er diplomatisch davon absah Namen zu nennen.

Hätten die Planer des Krieges vorher mehr über die möglichen politischen Folgen nachgedacht, argumentierte Argov, „hätten sie das Leben hunderter unserer besten Söhne gerettet.“

Vom Krankenhausbett, wo er die nächsten zwei Jahrzehnte schmachten sollte, argumentierte Argov:

„Wir sind eine Nation, die wenig menschliche Ressourcen hat. Wir haben nicht die Fähigkeit in der Hoffnung Experimente durchzuführen, dass eines davon gut gehen wird. Selbst wenn eines von ihnen erfolgreich ist – was ist Gutes an amputierten Armen und Beinen?“

Er beklagte die Tatsache, dass in Israel in seiner kurzen Geschichte aufgrund der Entscheidungen seiner Nachbarn ständig und gerechtfertigt durch das Schwert leben musste; Argov betonte die immerwährende Sehnsucht nach Frieden, der für Israel „mehr als für jede andere Nation keine inhaltsleere Parole ist, sondern der höchste Kern und eine Wahrheit des Lebens“.

Argovs Rolle beim Ausbruch des Libanonkriegs war nicht entscheidend. Aber im Nachhinein gab es vielleicht keinen geeigneteren Auslöser für diesen tragischen und verwirrenden Konflikt, als dass die „falsche“ Terrororganisation einen Anschlag auf einen Mann verpatzte, der in einer Zeit eine toxische politische Kluft überbrückte, als nur wenige andere das taten.

Der Streit um das Gasfeld Karish: Die Zunahme der Spannungen zwischen dem Libanon und Israel verstehen

Chaim Lax, HonestReporting, 14. Juni 2022

Die aktuelle Ankunft einer Gasförderplattform vor der Küste Israels hat erneut die Medienaufmerksamkeit auf die köchelnden Spannungen zwischen Israel und dem Libanon gelenkt (siehe hier und hier), wobei einige Analysten spekulieren, dass ein weiterer Konflikt zwischen den beiden Ländern bevorstehen könnte.

Um aus der unbeständigen Lage Sinn zu machen, die sich zwischen Israel und dem Libanon zusammenbraut (und was das mit einer Gasförderplattform zu tun hat), ist es wichtig sowohl den historischen Kontext als auch zu verstehen, was es für die Akteure der Region bedeutet.

Libanon, Israel und das Gasfeld Karisch: ein kurzer Überblick

Obwohl sie Nachbarn sind, haben Israel und der Libanon keine offiziell anerkannte Grenze. Stattdessen werden die beiden Länder von der Blauen Linie getrennt, einer territorialen Demarkationslinie, die von den Vereinten Nationen nach dem israelischen Rückzug aus dem Libanon im Jahr 2000 festgelegt wurde. Die Blaue Linie basiert auf der Grünen Linie, also der Waffenstillstandslinie, auf die sich der Libanon und Israel nach dem israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948/49 einigten.

Während die Blaue Linie die anerkannte Landgrenze zwischen Israel und dem Libanon darstellt, verlängert sie sich nicht ins Mittelmeer, wo beide Länder Territorialgewässer und Exklusivhandelszonen (maritime Regionen, in denen sie die alleinige Kontrolle über alle Wirtschaftsressourcen behalten) haben. Diese Störung eine offizielle Demarkationslinie der Seegrenzen zu bieten hat zu Auseinandersetzungen zwischen dem  Libanon und Israel darüber geführt, wo die Territorialgewässer des einen Landes enden und die des anderen anfangen.

Die aktuellen Spannungen zwischen Israel und dem Libanon entstammen einem Disput über 850 Quadratkilometer Mittelmeer, die entlang der Grenze zwischen den beiden Ländern liegen. Israel betrachtet diesen Bereich als Teil der nördlichsten Grenze seiner Territorialgewässer, während der Libanon es als Teil seiner südlichsten Grenze betrachtet.

Dieser territoriale Disput zwischen dem Libanon und Israel ging bis zum Jahr 2000 weiter, als die USA und die UNO halfen indirekte Gespräche zwischen den beiden Ländern bezüglich einer endgültigen Vereinbarung zu den maritimen Grenzen zu vermitteln. Nach diesen Gesprächen dehnte der Libanon seine Ansprüche aus, so dass weitere 1.400 Quadratkilometer territorialer Gewässer eingeschlossen sind, die von Israel beansprucht werden, darunter das Gasfeld Karisch.

Das Gasfeld Karisch 75km nordwestlich von Haifa  wurde 2013 als reiche Erdgas-Quelle entdeckt. 2017 genehmigte das israelische Energieministerium einen Plan zur Entwicklung des Feldes, zu dem die griechische Offshore-Bohrfirma Energean und der Transport von Gas an Land nach Israel durch eine 90 km lange Pipeline gehörten.

Mit der geplanten Ankunft der Gasförderplattform von Energean im Feld Karisch am 5. Juni 2022 spitzte sich die Krise zwischen Israel und dem Libanon zu. Die Ankunft der Gasplattform wurde im Libanon mit Wut begegnet, sowohl seitens der libanesischen Politik als auch der Bürger, die den Schritt verurteilten und drohten, dass jegliche Aktivität in dem Bereich als „Provokation“ und „Akt der Aggression“ betrachtet werden würde. In Reaktion forderte Israel die Rückkehr an den Verhandlungstisch und versprach, es werde in den 850 Quadratkilometer umfassenden Gewässern nicht nach Gas zu bohren.

Wie von der israelischen Zeitung Ha’aretz berichtet, zeigen Satellitenbilder, dass die Gasplattform von Energean knapp 10km südlich der umstrittenen 850 Quadratkilometer liegt, die der Libanon ursprünglich beanspruchte.

Der US-Gesandte Amos Hochstein besuchte den Libanon am 13. und 14. Juni im Versuch die Gespräche zwischen Israel und dem Libanon wieder in Gang zu bringen und hoffentlich eine Lösung für den anhaltenden Streit zwischen den beiden Ländern herbeizuführen.

Warum ist das Gasfeld Karisch wichtig?

Der Hauptgrund, dass sowohl Israel als auch der Libanon hartnäckig das Gasfeld Karisch für ihre jeweiligen Exklusiv-Wirtschaftszonen haben wollen, istt, dass solch ein großes Vorkommen an Erdgas für jedes der beiden Ländern ein wirtschaftlicher Segen wäre.

Eine solch große Menge Gas zu verarbeiten würde Israel erlauben seine einheimischen Brennstoffreserven zu vergrößern und auch in der Lage zu sein seinen Exportmarkt auf europäische Länder auszuweiten, die nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 Sanktionen gegen russisches Gas verhängten.

Der Libanon betrachtet das Gasfeld Karisch als eine Möglichkeit die die Kräfte des Landes aufzehrende Treibstoffknappheit einzudämmen, und außerdem ein Weg der schweren Wirtschaftskrise entkommen, die es seit 2019 erlebt. Abgesehen vom Wirtschaftswachstum könnte das Gasfeld Karisch auch helfen das anfällige politische System des Landes zu stabilisieren.

Der Faktor Hisbollah

Wann immer es einen Disput zwischen Israel und dem Libanon gibt, kann man sicher sein, dass die Hisbollah, die vom Iran gestützte Terrororganisation, sich auch einmischt.

In diesem besonderen Fall soll Scheik Naim Qassem (der stellvertretende Leiter der Hisbollah) in Reaktion auf die Ankunft der Gasförderplattform im Gasfeld Karisch gesagt haben, wenn die libanesische Regierung ankündigen würde, dass Israel die Souveränität der Gewässer formell verletzt, dann würde sie mit Gewalt reagieren, „egal, wie die Antworten lauten“. Das könnte als Signal der Bereitschaft der Hisbollah betrachtet werden die Spannungen zu schüren und eine direkte Konfrontation mit Israel zu betreiben, eine Möglichkeit, auf die die IDF sich vorbereitet.

Qassems Kommentare folgten Äußerungen von Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah, die von den USA als Terrororganisation eingestufte Gruppe sei in der Lage die Offshore-Bohrungen mit Gewalt aufzuhalten.

Von Nasrallah wird auch berichtet, er habe seine Opposition gegenüber fortgesetzten Verhandlungen über den US-Vermittler Amos Hochstein zum Ausdruck gebracht. In einer Ansprache voller antisemitischer Untertöne soll er gesagt haben: „Wenn ihr die Verhandlungen fortsetzen wollt, dann macht das, aber … nicht mit Hochstein, Frankenstein oder sonst irgendeinem Stein, der in den Libanon kommt.“

Diese Äußerung Nasrallahs widerspricht direkt dem Willen der libanesischen Regierung, die Hochstein im Versuch die Spannungen abzumildern in den Libanon eingeladen hat.

In der Vergangenheit ist die Hisbollah dafür bekannt gewesen territoriale Streitigkeiten zwischen Israel und dem Libanon für die eigenen üblen Zwecke auszunutzen. Ein berühmtes Beispiel dafür sind die fortgesetzten Angriffe der Hisbollah auf Israel im Vorfeld des zweiten Libanonkriegs; damals behauptete die Gruppe, sie kämpfe um die umstrittene Region der Schebaa-Farmen.

Mit der Entwicklung der sich ständig in Bewegung befindlichen Situation zwischen Israel und dem Libanon ist es wichtig, dass die darüber Berichtenden ihren Lesern den angemessenen historischen Kontext liefern und dass sie nicht in Sensationsjournalismus verfallen, der die Situation verschärfen und die Spannungen aufheizen könnte. Wenn man es mit einer derart belasteten Atmosphäre zu tun hat, ist journalistische Besonnenheit keine Wahlmöglichkeit, sondern eine Notwendigkeit.

Israel muss deutlich machen, dass mehrere Fronten zu eröffnen einen Preis hat

Die Hamas versucht mit unterschiedlichem Erfolg an verschiedene Stellen zu zündeln. Israel muss der Gruppe verständlich machen, dass jedem Terroranschlag, für den sie verantwortlich ist, mit einer Reaktion im Gazastreifen begegnet werden wird.

Yoav Limor, Israel HaYom, 26. April 2022

Der Monat Ramadan liefert weiter eine schwindelerregende Menge an Sicherheitsvorfällen in allen Sektoren. Der Tempelberg, der die letzten zwei Wochen über im Zentrum des Interesses stand, wurde Montag vom Norden abgelöst, in dem von der Hamas initiierte Krawalle ausbrachen.

Die über Nacht auf Westgaliläa geschossene Rakete verursachte keinerlei Verletzte oder Schäden, war aber eine Erinnerung daran, dass die Hamas beharrlich daran arbeitet alle Konfliktzonen aufzuputschen. Nachdem sie – erfolglos – versuchte bei arabischen Israelis Unruhen zu schaffen, sie nur teilweisen Erfolg der Versuche erlebte Judäa und Samaria aufzustacheln, aber großen Erfolg auf dem Tempelberg hatte, versucht die Hamas jetzt im Norden zu zündeln.

Die Organisation tut das über einen Zweig, den sie im Libanon gründete; dieser operiert unter Salah al-Arouri, einem ranghohen Hamas-Vertreter im Ausland, der beim Schalit-Deal aus dem Gefängnis entlassen und dann deportiert wurde. Seitdem ist Arouri in der Achse Türkei-Qatar-Libanon aktiv gewesen, wo er eine vom Iran finanzierte und von der Hisbollah genehmigte terroristische Infrastruktur schuf, die der Gruppe erlauben soll im Fall einer Eskalation im Gazastreifen oder in Jerusalem vom Libanon aus zu agieren.

Diese Infrastruktur soll auch der Hisbollah erlauben das Beste beider Welten zu genießen – zu erleben, dass Israel angegriffen wird, ohne selbst den Preis dafür zu zahlen. Israel kann diese Entwicklung auf keinen Fall zulassen. Letztes Jahr stockte es, bevor es auf Raketenfeuer aus dem Libanon reagierte und es war gut, dass es auf den letzten Vorfall sofort antwortete. Die Reaktion war weich, aber so gestaltet, dass sie dem Libanon und der Hisbollah ein Botschaft schickte, dass die Verantwortung sich nicht allein auf die Randelemente beschränken wird, die die Rakete abfeuerten.

Um die Botschaft hervorzuheben, verriet IDF-Sprecher Oberstleutnant Avichay Adraee am Montag auf Arabisch, dass das ranghohe Hisbollah-Mitglied Haddsch Khalil Harb Drogen und Waffen über die Grenze schmuggelte. Während es ein tiefer gehendes Motiv als den Schmuggel zu vereiteln gab die Methode aufzudecken, zielte die Botschaft darauf die Hisbollah mit Drogenhandel und Verbrechen in Verbindung zu bringen und die Organisation hauptsächlich so darzustellen, dass sie mit ihrem Verhalten den Libanon in Gefahr bringt.

Die Verbindungsmöglichkeiten zwischen den verschiedenen Fronten und der Versuch die arabische und palästinensische Öffentlichkeit aufzustacheln sind nicht allein der Hamas bekannt. Der Palästinensische Islamische Jihad macht dasselbe, wie wir nach der Aufdeckung eines PIJ- Versuchs eine Terrorinfrastruktur in Judäa und Samaria aufzubauen wissen, was der Shin Bet verhinderte. Laut einer Stellungnahme des Shin Bet schafften es Mitglieder des Netzwerks eine Bombe zu bauen, bevor sie geschnappt wurden. Das ist beunruhigend, weil der potenzielle Schaden, den Bomben wie diese anrichten können, weit größer ist als das, was ein einzelner Terrorist anrichten kann.

Seit der zweiten Intifada hat der Shin Bet Dutzende ähnliche Komplotte torpediert, Selbstmord-Bombenanschläge mit Massen an Opfern verhindert. Dennoch ist klar, dass Terrororganisationen immer noch versuchen Anschläge dieser Art zu verüben, in der Hoffnung Israel in Schockstarre zu versetzen. Sie agieren unter der falschen Vorstellung, dass sie in einer Zone – Judäa und Samaria – Eskalation verursachen können, während das in einer anderen – dem Gazastreifen – verhindert wird. Dieser Versuch schlug fehl, als die Hamas im Juni 2014 drei Teenager entführte, was zur Operation Fels in der Brandung führte; und als 2021 Krawalle auf dem Tempelberg angezettelt wurden, was zur Operation Wächter der Mauern führte. Israel muss den Gruppen im Gazastreifen deutlich machen, dass ihr Mehrfrontenspiel auch heute einen Preis hat – wenn, was der Himmel verhüten möge, ein großer Terroranschlag verübt wird, der aus dem Gazastreifen finanziert und geplant wird, es der Gazastreifen ist, wo Israel reagiert.

Wir können annehmen, dass die Versuche mehrere Sektoren aufzuheizen bis zum Ende des Ramadan weitergehen werden. Das fordert von Israel seinen hohen Bereitschaftszustand fortzusetzen und umsichtig darauf zu reagieren. Inzwischen bleiben die Streitkräfte in höchster Alarmbereitschaft. Vor uns liegen jede Mange angespannter Tage, bis Entwarnung gegeben werden kann.

Die Libanesen machen sich über Nasrallahs Rede lustig

Elder of Ziyon, 17. Februar 2022

Die englischsprachige libanesische Nachrichten-Seite Naharnet ist eine der wenigen, die es den Lesern erlaubt frei zu kommentieren und die meisten von ihnen hassen Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah so richtig.

Hier sind ein paar der Zitate aus Nasrallahs Rede von Mittwoch und einige libanesische Reaktionen:

Nasrallah: Israel ist auf dem Rückzug und auf dem Weg in den Niedergang.

Antwort: Da musste ich lachen! Klar ist Israels Wirtschaft ein Trümmerhaufen, seine Staatsverschuldung übersteigt $150 Milliarden, ist mit seinen Staatsschulden in Verzug, seine Währung ist mehr als 20-mal abgewertet worden, es ist isoliert und hat keine Freunde.

Nasrallah: Wir ermutigen die Israelis Palästina zu verlassen und wir sind bereit ihnen die Fahrkarten zu zahlen.

Antwort: Ufff…. Warum stattdessen nicht das Geld dazu verwenden die Libanesen im eigenen Land zu halten?

Narallah: Die Hisbollah stellt im Libanon Präzisionsraketen und Drohnen her.

Antwort 1: Großartig… und das libanesische Volk verhungert! Nehmt eure Raketen und Drohnen und schiebt sie euch dahin, wo die Sonne nicht scheint.

Antwort 2: Können wir die Raketen und Drohnen kochen und essen? Hat die Hisbollah eine Hightech-Industrie darum herum aufgebaut? Oder kläfft Nasrallah nur, um von Khamenei den Gehaltsscheck zu bekommen?
Das Ziel von Politik ist es der Mehrheit der Bevölkerung Frieden und Wohlstand zu bringen, während die Hisbollah zum Ziel hat den Interessen ihrer Zahlmeister in Teheran zu dienen.
Was für ein monströser Zirkus!