Nissans Notes and Quotes Corner: Gaddhafis Araber

Nissan Ratzlav-Katz, 28. Dezember 2008

Im Fahrwasser des Beginns des Hanukka-Kriegs am letzten Samstag empfahl der libysche Herrscher Muammar Ghaddafi, die Arabische Liga solle zurückziehen, was die Weltpresse ihre „Friedensinitiative“ mit Israel nennt. Nach Angaben von Ghaddafi gibt es keinen Grund für eine Initiative, wenn „Araber die einzigen sind, die nach Frieden streben“.

Erlauben Sie mit, dem Obersten Führer, Oberst Ghaddafi, zu antworten:

„Die Araber sind völlig nutzlos. Wir dürfen keine Zeit verschwenden. Die Araber sind unten durch. Morgen wird Asien große Unionen gründen; Afrika ist bereits geeint – und wo seid ihr Araber?“

Bevor jetzt B’Tselem oder Meretz mich wegen Rassismus oder Hetze anzeigen, lassen Sie mich vorbeugend zuschlagen (machen wird das überhaupt noch?), indem ich anmerke, dass die Äußerung oben nicht meine eigene ist. Oberst Ghaddafi sagte das im Oktober 2003. Hier ist noch ein wenig mehr:

„Es gibt Staaten, denen ich Unrecht tat und ich entschuldige mich dafür. Ich brachte Mauretanien, Djibuti, Somalia und die Komoren in die Arabische Liga und versuchte auch Eritrea hereinzuholen. Aber nun kann ich nicht mit Eritrea sprechen. Sehen Sie, welche Ungerechtigkeit ich ihnen zugefügt habe. Ich habe sie dazu gebracht ein gescheiterter Staat zu werden, ein gescheitertes Regime und ein gescheitertes Volk…“

Ein weiteres interessantes Detail besteht darin, dass die arabische „Friedensinitiative“, die Ghaddafi zurückziehen will, erstmals im Jahr 2002 vorgeschlagen wurde. Dann kam Ghaddafis antiarabische Hetze. Jetzt will er, dass die Juden genau diesen „nutzlosen“ und „gescheiterten Völkern“ nachgeben. Was habe ich verpasst?

 

Libysche Juden beobachten das Libyen nach Gaddafi

Manfred Gerstenfeld interviewt Maurice Roumani (direkt vom Autor)

„Libysche Juden begrüßten fast einhellig den Sturz Muammar Gaddafis; sie glaubten, er verdiene sein Schicksal. Gaddafi war berüchtigt dafür antiisraelisch zu sein. Mit den libyschen Juden in Italien veranstaltete er Spielchen: Mal gab er sich ihnen nahe, bei anderen Gelegenheiten distanziert. Bei seinem letzten Besuch in Rom im Jahr 2010 war Gaddafi zu einem Treffen mit den Juden nur während des Sabbat bereit. Er war sich sehr bewusst, dass ein solches Treffen demütigend wäre, da die Juden ihren heiligen Tag würden entweihen müssen. Nur ein paar Frauen trafen sich mit ihm. Sie wurden später vom Großteil der Gemeinde dafür getadelt.

Gaddafi hatte Entschädigungen für das riesige Kollektiv- und Privatvermögen versprochen, das die Juden zurückließen, als sie zur Flucht aus Libyen gezwungen wurden. Allerdings hielt er dieses Versprechen nie. Gaddafi lud außerdem Juden zur Rückkehr nach Libyen ein, was diese als List ansahen. Alles, was sie wollten, war die Rückgewinnung ihres Besitzes oder die Geschäftsverbindungen zu Libyen zu erneuern.“

Maurice Roumani
Maurice Roumani

Professor Maurice Roumani, weltweit anerkannter Experte für das libysche Judentum, lehrte Politik und Naher Osten an der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva; er ist Gründungsdirektor des dortigen J. R. Elyachar Center for Sephardi Studies. Das jüngste seiner vielen Bücher heißt „The Jews of Libya: Coexistence, Persecution, Resettlement“ (Die Juden Libyens: Koexistenz, Verfolgung, Umsiedlung; 2008)

Er merkt an: „Die große Mehrheit der libyschen Juden lebt heute in Israel. Sie betrachteten Gaddafis Sturz noch positiver als libysche Juden andernorts – hauptsächlich in Italien, den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Gaddafi hatte wiederholt seine ehemaligen Landsleute in Israel eingeladen nach Libyen zurückzukommen, womit den Palästinensern erlaubt würde Palästina zurückzubekommen. Gaddafi unterstützte außerdem den Terrorismus.

Der allgemeine Konsens unter libyschen Juden gegenüber den derzeitigen Herrschern, dem Nationalen Übergangsrat (Transitional National Council, TNC) besteht in Skepsis und Ambivalenz. Niemand weiß, wohin die Entwicklungen des ‚Arabischen Frühlings‘, einschließlich denjenigen in Libyen, führen werden. Die islamische politisch Kultur Nordafrikas unterscheidet sich von der des Nahen Ostens. In der Vergangenheit war Libyen durch starken Nationalismus und moderaten Islamismus gekennzeichnet. Für die Zukunft gibt es dafür allerdings keine Garantie.

Über Repräsentanten im Ausland hat die World Organization of Libyen Jews in Or Yehuda aus Israel einige Kontakte zum TNC. Gegenwärtig befindet sich das Land erst am Anfang damit sein Haus zu bestellen. Es gibt Stammesrivalitäten, viele Milizen behalten ihre Waffen, es gibt keine nationale Armee und es fehlen Recht und Ordnung. Darüber hinaus gibt es keine politischen Parteien und deshalb keine Zivilgesellschaft. Es wird lange dauern, bis eine libysche Verfassung formuliert und ausgerufen werden kann. Hoffentlich wird dies den Minderheiten einen respektierten Status im Land bringen.

Die Haltung der zukünftigen libyschen Regierung zu den libyschen Juden im Ausland wird weitgehend von ihrer Zusammensetzung abhängen. Es ist viel zu früh um zu bewerten, wie die Rolle der Islamisten aussehen wird oder die der revolutionären Elite. Libyen als muslimisches Land kann die geopolitische Situation im Nahen Osten, einschließlich der Palästinenserfrage, nicht ignorieren.

Der Psychologe David Gerbi ist ein libyscher Jude, der versucht hat in dieser Situation eine aktive Rolle zu übernehmen. Er ist 1955 in Libyen geboren und wurde nach dem Krieg von 1967 zum Flüchtling. Wie so viele andere Juden wurde er nach Italien ausgeflogen. Die libysch-jüdische Gemeinde, die auf 2.500 Jahre Geschichte zurückblicken kann, hörte auf zu existieren, als Gerbi seine Tante – die letzte Jüdin Libyens – 2003 nach Rom holte. Viele Jahre lang war er dafür, Brücken zu den Arabern zu bauen. Gerbi besuchte das Land wieder im Jahr 2007 und erneut 2011, als er versuchte den Opfern der Revolution in den Krankenhäusern humanitäre Hilfe zu bringen.

Als er in Libyen war, versuchte er die ehemaligen Synagogen zu besuchen und ehemalige Friedhöfe zu finden. Viele waren unter Gaddafis Regime vorsätzlich zerstört worden. Gerbi versuchte eine Mauer einzureißen, die das Betreten der Ruinen einer Synagoge in Tripoli verhinderte, doch eine Miliz stoppte ihn. Gerbi ist desillusioniert, denn zuerst wurde er von Gaddafis Anhängern misshandelt und später vom TNC – was so weit ging, dass sein Leben in Gefahr war. Gerbi erkennt heute, dass die TNC-Führung in ihrer Haltung gegenüber den Juden ein doppeltes Spiel treibt und ambivalent ist.

Gerbis Timing war falsch. Er hätte warten sollen, bis sich der Staub legte und erst dann mit dem anfangen, was er machte. Ein Jude, der kommt, um jüdisches Erbe wiederherzustellen, in einem Land, in dem eine Revolution läuft, ist das Letzte, was der TNC am Hals haben wollte.“

Roumani schließt: „Es mag immer noch etwas Sympathie für Juden unter älteren Libyern vorhanden sein. Was die libyschen Juden angeht, so wird die Haltung der Regierung gegenüber der Entschädigungsfrage ein entscheidender Testfall sein. Wenn Entschädigungen für Kollektiv- und Privateigentum gezahlt wird und wenn Synagogen restauriert werden können, könnten die libyschen Juden – zumindest diejenigen, die außerhalb Israels leben – gelegentlich das Land besuchen.“

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Vorsitzender des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs.

Wo bleibt die Empörung?

Khaled Abu Toameh, Hudson New York, 25. Februar 2011

Obama und viele andere in der internationalen Gemeinschaft sind schneller dabei gewesen den Bau in Siedlungen in Israel zu verurteilen als Gräueltaten arabischer Diktatoren gegen unschuldige Zivilisten.

Hat der pensionierte südafrikanische Richter Richard Goldstone die Möglichkeit erwogen eine Sonderkommission zur Untersuchung zu führen, die einen Blick auf die Kriegsverbrechen wirft, die gegen Libyer und andere Araber verübt werden?

Die Siedlungen können ja ein Problem sein, aber sie sind nicht gefährlicher als die Massaker, die an Arabern begangen werden.

Präsident Barack Obama brauchte volle neun Tage, um Oberst Muammar Gaddafis Massaker in Libyen als „empörend“ und „inakzeptabel“ zu bezeichnen.

Der UNO-Sicherheitsrat brauchte mehr als eine Woche, um hinter verschlossenen Türen zu tagen und ein gemäßigtes Statement ausgab, mit dem die Gewalt in Libyen verurteilt, ihr sofortiges Ende gefordert wurde und dass die dafür Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen werden.

Das ist derselbe Sicherheitsrat, der eine Woche zuvor eine offen Sondersitzung abhielt, um die Bautätigkeit in jüdischen Siedlungen in der Westbank zu verurteilen. Vierzehn von fünfzehn Mitgliedern des Rates stimmten für die Antisiedlungs-Resolution, die von den USA mit einem Veto belegt wurde.

Dieselben Mitglieder sahen jedoch keine Notwendigkeit eine Abstimmung zum Abschlachten Tausender Libyer durch Gaddafi abzuhalten. Doch sowohl Obama als auch der Sicherheitsrat gingen nicht so weit, wegen der gegen sein eigenes Volk begangene Gräueltaten die Entfernung Gaddafis von der Macht zu fordern. Die Europäer sind auch zurückhaltend gewesen, was ihre Antwort auf das Blutbad in Libyen angeht. Auch sie haben darauf verzichtet einen Regimewechsel in Libyen zu fordern.

Man kann verstehen, warum Amerikaner und Europäer sich um ihre Wirtschaftsinteressen in Libyen Sorgen machen, besonders mit Hinblick auf das Öl. Es ist ebenfalls wahrscheinlich, dass dem Westen seine Beziehung zum libyschen Diktator peinlich ist, der trotz seiner Verbrechen 2003 in der internationalen Gemeinschaft wieder willkommen geheißen wurde.

Damals wurde Gaddafi offenbar seine Rolle bei der Explosion des Lockerbie-Flugzeugs und der Unterstützung für zahllose Terrorgruppen in der arabischen und islamischen Welt vergeben Gaddafir wurde vergeben, weil er zugestimmt hatte seine Atomambitionen aufzugeben und versprach brav zu sein.

Ägyptens Hosni Mubarak andererseits, der seit mehr als 30 Jahren westlichen Interessen im Nahen Osten diente und sein Äußerstes tat, um den Friedensvertrag mit Israel und die Unterstützung moderater Araber und Muslime zu erhalten, wurde von der Obama-Administration den Hunden zum Fraß vorgeworfen, sobald sein Volk anfing einen Regimewechsel zu fordern.

Obama und US-Außenministerin Hillary Clinton schienen vom Tod von 300 Ägyptern mehr aufgewühlt zu sein, als von Tausenden brutal niedergemetzelten Libyern. Obama und Clinton schienen von Bautätigkeit in jüdischen Siedlungen mehr besorgt zu sein, als von Kriegsverbrechen und schweren Menschenrechtsverletzungen in der arabischen Welt.

Die US-Administration und der Rest der internationalen Gemeinschaft haben den Arabern einmal mehr eine Botschaft geschickt, dass sie sich nicht wirklich um Menschenrechte und Demokratie kümmern brauchen und dass sie bereit sind Tausende Araber zu opfern, um die Ölpreise so niedrig wie möglich zu halten. Mubarak hatte Pech, weil sein Land kein Öl besitzt.

Jetzt wissen zumindest die arabischen Völker, dass sie sich nicht länger darauf verlassen können, dass Obama und Clinton ihre Pro-Demokratie-Bewegungen unterstützen.

Zu Aufgeschnapptem zu Libyen

Jetzt sind sie alle mächtig aktiv: Ab nächster Woche soll ein Waffenembargo gegen Gaddafi gelten. Hm, nächste Woche? Heute und morgen wird noch fleißig geliefert? Oder was?

Die Herrschaften im Westen haben lange genug gebraucht, um überhaupt auf die Morde zu reagieren, die es laut eines Gaddafi-Sohns gar nicht gibt: „Wir Libyer lachen über solche Behauptungen, es habe hunderte Tote gegeben oder Söldner.“

Man wand sich im Westen in den kuriosesten Verrenkungen. Gerüchte, die NATO würde eingreifen, wurden dementiert, von anderen aber nicht. In den Medien lässt man wieder Experten orakeln, die zu Libyen Sachen behaupten, die sie sonst anders sehen.

Bei n-tv tat einer von der Stiftung Wissenschaft und Politik sein Wissen kund: Sanktionen funktionieren nicht, haben nur langfristig Erfolg, wie man am Beispiel anderer Länder sehen kann – Iran und China. Bitte, was haben Sanktionen langfristig bei diesen beiden Staaten erreicht? Wo haben diese beiden Staaten auch nur irgendwo diesen auf die so genannten Sanktionen positiv reagiert? Welche Erfolge meint der Mann?

Nun, der befindet auch kategorisch, dass eine „No-fly-Zone“ in Libyen gar nicht eingerichtet werden kann. Wer sollte die anordnen? Das könne nur der UNO-Sicherheitsrat [der sich ja ohnehin schwer tut irgendetwas zu unternehmen]. Und selbst wenn, dann seien da ja immer noch die libysche Luftwaffe und Luftabwehr, die sich wehren könnten! Ja, wozu wäre die Einrichtung dieser Zone denn da, wenn die Gaddafi-Luftwaffe sich nicht mehr „wehren“ könnte? Der Mann legt nahe, dass die „internationale Gemeinschaft“ nur Wehrlose bekämpfen soll!

Ähnlich gut informiert ein weiterer Experte bei n-tv, diesmal Samstagmittag (inhaltlich wiedergegeben): „Wenn sich ein Helikopter einem amerikanischen Kriegsschiff nähert und sich nicht identifiziert oder seine Friedlichkeit beweisen kann, dann kommt ganz schnell der Befehl ihn abzuschießen.“
Was für ein amerikanisches Kriegsschiff sollte das sein? Die Briten haben die Cumberland vor Ort, die Bundesmarine ist mit drei Schiffen dort unterwegs, die Italiener haben auch einige dort, die Chinesen schickten eins, jede Menge anderer Staaten haben einzelne Kriegsschiffe geschickt, um Ausländer aus Libyen herauszuholen. Andere schickten neben den Schiffen oder statt dieser Militärtransportflugzeuge (Kanada, Griechenland, Türkei,…). Nur die USA machten keins von beidem. Herr Obama wollte nicht „kriegslüstern“ rüberkommen [aber andererseits sagen, zu Libyen halte man „alle Optionen offen“!] und falsche Assoziationen wecken. Also charterten die USA (für viel Steuergelder) eine „Fähre“ – einen Katamaran, der dann wegen des problematischen Wetters Tage lang im Hafen von Tripolis feststeckte!

Welches US-Kriegsschiff sollte sich also angegriffen fühlen können, Herr Experte? Könnte es sein, dass hier vor allem eins am Werk ist: Vorurteil? Wenn es irgendwo knallt, sind die Amis immer mit dabei und man muss sich gar nicht informieren, ob das auch stimmt? Warum muss es ein US-Kriegsschiff sein, das sich gegen mögliche Angriffe wehrt, warum nicht das chinesische?

Die arabischen Revolutionen offenbaren eine ganze Menge. In erster Linie allerdings Stereotype, imaginäres Wissen, das mit der Wirklichkeit oft wenig zu tun hat und eine Ignoranz von unangenehmen, weil nicht ins Weltbild passenden Fakten.

Journalisten und HRW liegen bei Libyen falsch

Yaacov Lozowick, 21. Februar 2011

Omri Ceren schrieb gestern im Commentary-Blog, wie die Nahost- und Nordafrika-Direktorin von Human Rights Watch, Sarah Leah Whitson 2009 ganz gespannt darauf war, dass sich die Dinge in Libyen bessern. Ihr Artikel erschien in Foreign Policy und ist inzwischen kostenpflichtig. Offenbar stand darin der folgende Absatz:

Wofür Fathi al-Jahmi starb, beginnt sic him Land zu verbreiten. Zum ersten Mal, seitdem man sich erinnert, gibt es in Libyen eine Luftveränderung. Die morsche Atmosphäre der Unterdrückung ist angebrochen und macht Weg für ausgedehnten Raum zu Diskussionen und Debatten [und] Vorschläge für legislative Reform… Ich verließ mehr als ein Treffen verblüfft von der plötzlichen Offenheit gewöhnlicher Bürger, die die Regierung kritisierten und den Status quo mit neu gefundener Offenheit herausfordern. Eine Gruppe Journalisten, mit der wir uns in Tripoli trafen, beschwerten sich über Zensur… aber das hat ihre Zeitungen nicht aufgehalten… Quryna, eine der zwei neuen halbprivaten Zeitungen in Tripoli, brachte Seite um Seite an Kommentaren, die bürokratisches Fehlverhalten und Korruption kritisieren… Der Reformgeist hat sich, wenn auch langsam, in der Bürokratie verbreitet… der wahre Impuls für die Verwandlung liegt direkt bei einer quasi-Regierungsorganisation, der Gaddafi-Stiftung für Internationale Wohltätigkeit und Entwicklung.

Fast gleichzeitig schrieb der libysche Exilant Mohammed Eljahmi, dessen Bruder Fathi vor kurzem starb, eine beklemmende Kolumne zu seinem Tod und der Gleichgültigkeit der amerikanischen Regierung, aber auch über Amnesty International und Human Rights Watch:

Es sind nicht nur Politiker, die darüber nachdenken sollten, wie sie Fathis Fall behandelten. Der Tod meines Bruders sollte prominente Menschenrechtsorganisationen zum Nachdenken bringen. seit fast einem Jahr zögerten sowohl Amnesty International als auch Human Rights Watch sich für Fathi einzusetzen, weil sie fürchten, ihre Mitarbeiter könnten den Zugang zu libyschen Visa verlieren.
Erst am Tag von Fathis Tod gab Human Rights Watch eine Presseerklärung aus, in der angekündigt wurde, was wir zwei Monate lang schon wussten. Dass Fathi gebrechlich und abgemagert erschien, kaum sprechen konnte und seine Arme und Kopf nicht heben konnte. Als die Recherchierenden ihn am 25. und 26. April befragten, ob er das Gefängnis verlassen dürfe, sagte er nein. Als sie ihn fragen, ob er nach Hause wolle, sagte er ja.
Vielleicht weil sie immer noch Angst hatten Gaddafi zu verärgern, forderten sie bei Human Rights Watch in ihrer Erklärung vom 21. Mai keine unabhängige Untersuchung und schreckten davor zurück das libysche Regime für Fathis Tod verantwortlich zu machen.
Auch Amnesty International machte Kompromisse. Sie verlegten im April 2009 eine Demonstration, die ursprünglich vor der libyschen UNO-Botschaft stattfinden sollte, stattdessen vor die US-Mission, um Gaddafi nicht zu verärgern. Aus demselben Grund ignorierten sie Bitten um eine öffentliche Erklärung zur Verschlechterung von Fathis Zustand. Als die Amnesty-Delegation in Libyen war, als Fathi starb, verweigerte das libysche Regime ihm die Erlaubnis in Libyens zweitgrößte Stadt zu reisen.
Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass Länder-Ermittler in populären Menschenrechts-Organisationen anfällig für die Manipulationen durch Regime sind. Sarah Leah Whitson ist eine der Ermittlerinnen von Human Rights Watch, die Fathe als letzte Sahen, bevor er eilig nach Jordanien geschafft wurde. Sie schrieb nach ihrer Rückkehr aus Libyen einen Artikel für Foreign Policy. Dort beschrieb sie die Anstrenungen der Gaddafi-Stiftung für Internationale Wohltätigkeit und Entwicklung, die Saif al-Islam, dem Sohn des libyschen Führers, geleitet wird, als einen “Frühling”. Die Organisation bedroht aktiv die Familie meines Bruders. Einige Familienmitglieder erdulden weiterhin Verhörer, die Verweigerung von Staatsbürgerschafts-Papieren und Reisepässen, Beschattung rund um die Uhr und Bedrohung mit Vergewaltigung und physischer Liquidierung.
Nicht alle Organisationen kompromittierten ihre Prinzipien. Physicians for Human Rights ging keine Kompromisse mit dem Gaddafi-Regime ein und forderte eine unabhängige medizinische Untersuchung von Fathis Tod. Eines Tages, wenn freie Medien nach Libyen vordringen, warden die Freunde und Bewunderer meines Bruders erfahren, wie das American Jewish Committee danach strebt die Führer der Welt für Fathis Sache zu sammeln.

Wenn das American Jewish Committee sich aktiver für die Rettung des Lebens eines von seiner Regierung getöteten arabischen Menschenrechts-Aktivisten einsetzt als Human Rights Watch, dann weiß man, dass die Welt ein seltsamer Ort ist.

Wie auch immer – all das war vor langer Zeit, im Jahr 2009. Inzwischen ist es 2011 und die Menschen sehen anders auf Libyen, als sie es sonst machten. Besser gesagt: Uninformierte Menschen tun das – Journalisten bei CNN, Reuters und der Washington Post, Financial Times, der New York Times und anderen. Michael Totten andererseits hatte die ganze Zeit schon recht. Omri hat für uns die Recherche durchgeführt und einen absolut vernichtenden Eintrag, der an allen Journalistenschulen der gesamten Welt gelehrt werden sollte, was aber nie geschehen wird.

Vielleicht ist das der Grund, dass Michael Totten der einzige war, der recht hatte; er ging auf keine Journalistenschule. Er machte auch nie eine Ausbildung als Menschenrechtsaktivist.

Yourish beißt

Vergleichen, bitte: Hunderte ägyptische Christen sind verhaftet worden; ihnen werden schlimme Verbrechen vorgeworfen, was die AP pflichtbewusst als einen Aufruhr beschreibt (anders als „Proteste“ – ihre Standardformulierung für Krawalle in Israel). Was war, als Muslime sich gegen Christen austobten und fast ein Dutzend ermordeten? Nur aus dem Auto Schießende sehen langen Haftstrafen entgegen, wenn ich mich da recht erinnere. Der Grund für den Aufruhr? Ägypten hielt die Kopten vom Bau einer Kirche ab. Ich erwarte gespannt die Verurteilung dieser Verletzung der Menschenrechte der ägyptischen Christen durch die UNHRC. Der AP-Textbaustein tuckert weiter.

Koptische Christen stellen rund 10 Prozent der ägyptischen 80 Millionen-Bevölkerung. Sie klagen regelmäßig über Diskriminierung, auch wenn sie allgemein im Frieden mit der muslimischen Mehrheit leben, trotz gelegentlichen Aufloderns von Gewalt, besonders bezüglich der Grenzen zum Kirchenbau.

Sie leben im Allgemeinen in Frieden, außer wenn Muslime sie wegen Gerüchten töten, dass eine christliche Frau, die angeblich zum Islam übertrat, „unter Zwang“ zum Christentum zurückkonvertierte. Oder Kirchen bauen. Oder sie machen die gesamte koptische Gemeinde für das Verbrechen eines Einzelnen verantwortlich (s. die früheren Gründe für muslimische Randale gegen Christen).

Die Ironie ist derart dick aufgetragen, dass man sie schneiden kann: Libyen vergibt einen Menschenrechtspreis. Ja, Libyen. Ja, Libyen! Und wer bekommt ihn dieses Jahr verliehen? Recep Tayyip Erdogan, der Mann, der die Türkei in den islamistischen Orbit manövriert, der Vorwürfe gegen das Militär erhebt, damit er seine Feinde ins Gefängnis stecken und seine islamistischen Ziele weiter fördern kann. Aber seien Sie nicht allzu schockiert. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Fidel Castro und Hugo Chavez.

Äh … Was wollte dieser Artikel uns jetzt sagen? Ich las diesen Text in der New York Times und versuchte herauszubekommen, was genau damit gesagt werden sollte. Isabel Kirshner nennt die palästinensische „Studie“, die sagt, die Westmauer war niemals jüdisch, eine „Fehde“ um die Mauer. Eine „Fehde“. Als ob die Palästinenser mit ihren Lügen irgendeine Legitimität hätten. Oh, Moment. Ich glaube, ich habe gefunden, was wir gesagt bekommen sollen. Es handelt sich nur um einen weiteren Fall des Vorantreibens der palästinensischen Seite, als würde diese irgendetwas Wahres beinhalten, so wie beim Jenin-Märchen. Jetzt habe ich es begriffen.

O Kanada! Ich mag die Kanadier immer mehr wegen ihre Israel-Politik. Sie boykottieren Durban III. Wetten, dass Obama nicht die Eier hat das zu tun?