Wie Palästinenser Fakten manipulieren

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die beiden dominanten palästinensischen Parteien sind institutionell kriminell. Die im Gazastreifen herrschende Hamas strebt den Völkermord an den Israelis an, auch wenn ihre Führer das gelegentlich versuchen zu verbergen. Die Fatah, die führende Partei in der palästinensischen Autonomiebehörde (PA) verherrlicht die Mörder israelischer Zivilisten. Die PA belohnt zudem sie oder ihre Familien finanziell. Vor ein paar Jahrzehnten hätten die meisten anständigen Westler – keine Nationalsozialisten, Faschisten, Kommunisten oder Trotzkisten – dies noch abscheulich gefunden oder eines oder mehrere seiner Synonyme dafür gefunden – verabscheuungswürdig, widerwärtig, empörend, abstoßend, hasserfüllt, grässlich oder skandalös.

Viele westliche Pro-Palästinenser, Politiker wie andere, widmen in ihren verbalen Angriffen auf Israel – einer Demokratie, die gegen ihre terroristischen Feinde wegen des internationalen Rechts mit einer auf dem Rücken gefesselten Hand bekämpft – palästinensischen Verbrechen nicht viel bis keine Aufmerksamkeit. Das zu tun würde ihren Antiisraelismus aushöhlen. Um die systematischen Versäumnisse solcher Verbrechen zu begreifen, hilft es diese Pro-Palästinenser in eine Reihe Kategorien zu unterteilen. Die Extremsten unter ihnen sind Anhänger der völkermörderischen Terrorbewegungen. Das wird allerdings nur selten gesagt. Eine Ausnahme ist der britische Labour-Parteichef Jeremy Corbyn, der die Hamas und die Hisbollah als seine „Brüder“ und „Freunde“ bezeichnete.[1]

Eine zweite Kategorie sind die Beschützer von Mördern. Man findet sie in verschiedenen Bereichen der Linken, inklusive der Sozialisten. Es ist hier einfacher linke Organisationen zu identifizieren statt Einzelpersonen. Eine Person in dieser Kategorie ist die sozialistische Außenministerin Schwedens, Margo Wallström.[2] Sie forderte eine internationale Ermittlung wegen der Tötung von Terroristen durch Israel bei mörderischen Angriffen. Da sie das für kein anderes Land machte, das Terroristen bei solchen Anschlägen tötete, war das eine typische antisemitische Handlung gemäß der Definition der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA).[3] Schwedens Abstimmung zugunsten dieser Definition als Teil des Vorstands dieser Organisation ermöglichte, dass sie angenommen wurde.

Die dritte Kategorie kann man „Geheimhalter“ palästinensischer Verbrechen nennen. Sie greifen Israel verbal an und schweigen zu der gewaltigen Kriminalität der Palästinenser. Großbritannien ist ein Ort, an dem man prominente Leute dieser Kategorie leicht erkennen kann. Einer ist die ehemalige Labour-Ministerin Clare Short. In einem Brief an die Financial Times schrieb sie, dass die Wurzel des Antisemitismus-Problems in der Labour „zunehmendes Bewusstsein der Ungerechtigkeit und des Leidens ist, das Israel den Palästinensern zufügt“.[4] Es gab in dem Brief nicht ein einziges Wort zur institutionellen Kriminalität und der Unterstützung von Mord durch die führenden Palästinenserparteien, die ihre Gesellschaft durchdringt. In der Vergangenheit hat Short zudem Hamasführer Khaled Meschaal eingeladen vor britischen Parlamentariern zu sprechen. Nur eine technische Panne verhinderte das.[5]

Eine vierte Kategorie Pro-Palästinenser sind die Herunterspieler der institutionellen palästinensischen Kriminalität. Die Labour Party ist wieder eine gute Quelle für Beispiele. Der ehemalige Minister und Lord Peter Hain schrieb zusammen mit Daniel Levy einen Artikel in Open Democracy, in dem sie die „abscheuliche Behandlung der Palästinenser durch aufeinander folgende israelische Regierungen“ vermerkten.[6] Sie widmeten nicht nur den Rechten der Palästinenser einige Aufmerksamkeit, sondern auch den Rechten Israels. Das Wort „abscheulich“ oder irgendeines seiner Synonyme kam im dem ausführlichen Artikel zu den Palästinensern nicht vor. Fairerweise sollte erwähnt werden, dass es auch Sozialisten gibt, die ausdrücklich sagen, dass Mörder israelischer Zivilisten zu belohnen entsetzlich ist.

Eine ganze Reihe der Leute in diesen vier Kategorien stellen falsche Behauptungen auf, sie seien für Menschenrechte, Freiheit, Gerechtigkeit und Moral. In erster Linie sind sie für Doppelmoral.

Die Haltungen dieser vier unterschiedlichen Kategorien von Fakten-Manipulatoren müsste eine wichtige Debatte auslösen, die aber selten, wenn überhaupt stattfindet: In welchem Ausmaß sind diese vier Kategorien Pro-Palästinenser de facto Verbündete, Unterstützer oder Kollaborateure der Verbrechen? Einige Sitzungen sollten besonders den Progressiven gewidmet werden.

Die Festlegung dieser Kategorien der Pro-Palästinenser bietet zudem die Mittel auszuwerten, wo bestimmte Einzelne stehen. Organisationen, in denen man leicht eine Reihe Leute finden kann, die in eine der oben erwähnten vier Kategorien passen, sind europäische linke Parteien, einschließlich der sozialistischen. Das ist bei weitem nicht nur auf die nordischen Länder beschränkt, sondern sogar in Deutschland der Fall, wo führende Politiker aus ihrer widerlichen Vergangenheit gelernt haben sollten. 2012 bestätigte z.B. die damalige Generalsekretärin der sozialistischen SPD, Andrea Nahles, dass die Fatah und die SPD viel gemeinsam haben.[7] [weshalb sie eine strategische Partnerschaft beschlossen – heplev].

Noch eine Stelle, wo die genannte Kategorisierung wichtig ist, sind die Präsidentschafts-Vorwahlen der Demokratischen Partei in den Vereinigten Staaten. Bernie Sanders behauptet, man solle „das palästinensische Volk mit einer Art Respekt und Würde behandeln, die es verdient“.[8] Er hat nicht erklärt, wie das mit der institutionellen palästinensischen Kriminalität zusammenpasst. Sanders hat letztere wahrscheinlich nie erwähnt. Elizabeth Warren ist eine weitere Präsidentschaftskandidatin, die Aufmerksamkeit während ihrer Vorwahl-Kampagne verdient.[9] Ebenso sollten die teilzeit-antisemitischen Kongressabgeordneten Ilhan Omar und Rashida Tlaib sowie in letzter Zeit auch Alexandria Ocasio-Cortez beobachtet und eingeordnet werden.[10]

Auch Medien können entsprechend dieser Mittel analysiert werden. Es ist nicht schwierig z.B. die New York Times oder eine führende deutsche, bundesweite Tageszeitung, die Süddeutsche Zeitung bloßzustellen.

Eine große Frage bleibt übrig: Warum muss diese Kategorisierung hier in einem Op-Ed erfolgen? Wo sind der israelische Premierminister, die Regierung und die Ministerien? Warum haben sie nicht schon vor langem diesen Ansatz zur Entlarvung der falschen Moral so vieler Pro-Palästinenser übernommen? Das zu tun würde israelische Botschaften im Ausland mit einem einfachen Werkzeug ausstatten diese Manipulatoren zu entlarven.

[1] https://foreignpolicy.com/2018/10/03/jeremy-corbyn-has-a-soft-spot-for-extremists-ira-hamas-hezbollah-britain-labour/

[2] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/22070

[3] https://www.holocaustremembrance.com/working-definition-antisemitism

[4] https://www.ft.com/content/12d113cc-ae0c-11e9-8030-530adfa879c2

[5] https://www.jpost.com/Middle-East/Glitch-scuttles-Mashaals-UK-address

[6] www.opendemocracy.net/en/opendemocracyuk/labour-left-antisemitism-israel-and-palestine-way-forward/

[7] www.sueddeutsche.de/politik/nahost-konflikt-zentralrat-der-juden-empoert-ueber-spd-papier-zur-fatah-1.1520896

[8] https://www.haaretz.com/us-news/sanders-says-he-would-leverage-u-s-aid-against-netanyahu-s-racist-government-1.7580041

[9] https://www.jpost.com/American-Politics/Elizabeth-Warren-says-yes-to-ending-Israels-occupation-595294

[10] https://www.foxnews.com/politics/new-squad-talking-point-boycotting-israel-like-boycotting-nazi-germany

Werbeanzeigen

Antisemiten und Israelkritiker führen neuen Propagandatrick ein

Mitchell Bard, The Algemeiner, 13. Juni 2019

Ein Luftbild des Tempelbergs in der Altstadt von Jerusalem. Foto: Wikimedia Commons

Die Kampagne zur Dämonisierung Israels und des jüdischen Volks ist nicht neu. Und Ehre, wem Ehre gebührt: Die Verleumder Israels und die Antisemiten haben einigen Erfolg gehabt sich Begriffe anzueignen, die von Juden und Israelunterstützern verwendet werden, wodurch sie Sprache gebrauchen, um die Realität zu verzerren und Formeln einzuführen, die Einseitigkeit gegen Israel schaffen.

Die Propagandisten haben jetzt einen neuen Ansatz angeführt – die Beschuldigung der Aufstachelung zu Gewalt – die sie ebenfalls von ihren Gegnern gelernt haben.

Um ein Beispiel für die Aneignung zu geben: Die Palästinenser bezeichnen jetzt diejenigen, die außerhalb Palästinas wohnen, als die „Diaspora“. Im Fall des jüdischen Volks war die Diaspora das Ergebnis der Exilierung aus ihrer Heimat Eretz Yisrael und der Vertreibung aus vielen ihrer angenommenen Heimatländer.

Derweil lebt die überwiegende Mehrheit der Palästinenser in „Palästina“, zumeist in ihren ursprünglichen Häusern. Eine Hand voll wurden vertrieben, aber die Mehrheit bleibt im selbstgesetzten Exil oder werden von ihren arabischen Brüdern verfolgt. Nahezulegen, es gäbe eine palästinensische Diaspora, ist ein Versuch ihre Notlage mit der der Juden gleichzusetzen.

Verweise auf „Islamophobie“ sollen dem dienen, was Propagandisten als Folge des Antisemitismus betrachten. Sie sind überzeugt, dass Juden Opponenten dadurch zum Schweigen bringen, dass sie sie des Antisemitismus beschuldigen und sie hoffen das muslimische Äquivalent werde muslimische Antisemiten schützen und Kritik am radikalen Islam und muslimischen Terroristen eliminieren.

Der größte Erfolg der Propagandisten dürfte darin liegen, dass sie die Medien und die internationale Gemeinschaft überzeugten den herabsetzenden Sprachgebrauch zu verwenden, der Israel in die Defensive drängte, indem die Geschichte, das Recht und die Politik gefälscht oder schief gestellt wurden. Darüber haben wir z.B. den Mythos der Vertreibung der palästinensischen Flüchtlinge, die orwellschen Angriffe auf Israel in der UNO und die Gleichsetzung israelischen Handelns mit der Apartheid in Südafrika.

Die uralten Regionen Judäa und Samaria sind in Orientierungspunkte bezüglich des Flusses Jordan verwandelt worden. Sie die „Westbank“ zu nennen soll ihre jüdische Geschichte und Charakter auslöschen.

„Siedler“ und „Siedlungen“ sind Begriffe, die auf Kolonisten und Usurpatoren angewendet werden. Denken Sie daran, wie anders der Eindruck wäre, wenn sie akkurater „israelische Bürger“ und „jüdische Gemeinden“ genannt würden.

Der vielleicht größte Propagandasieg ist „besetzte Gebiete“ gewesen. Israel „besetzt“ kein Territorium, das einst einem Palästinenserstaat gehörte. Der korrekte Begriff lautet „umstritten“. Das Büro für Menschenrechte des US-Außenministeriums hat endlich den Sachverhalt richtig gestellt, indem der Begriff aus dem jährlichen Bericht über die Region abgeschafft wurde.

Die Medien sind an der Übernahme dieses Sprachgebrauchs mitschuldig gewesen und sind weiter gegangen, indem sie das Wort „Terrorist“ für palästinensische Mörder scheuen. Für einen Großteil der Presse ist ein Mörder von Kindern in den USA ein Terrorist, aber ein Selbstmordbomber, der in Israel Kinder in die Luft jagt, ist ein „Militanter“. Al-Qaida ist eine Terrororganisation; die Hamas ist eine „Miliz“.

Dann haben wir natürlich die Taktik der „Großen Lüge“: Wenn du eine ungeheuerliche Lüge nur oft genug wiederholst, werden die Leute sie als Wahrheit akzeptieren. Beispiele dafür sind die Gleichsetzung von Israelis mit Nazis (ebenfalls eine Technik aus Opfern Täter zu machen) und Israel der „ethnischen Säuberung“ zu beschuldigen.

Die antiisraelischen Propagandisten gewinnen nicht immer. Israel ist zum Beispiel erfolgreicher darin gewesen seine Barriere als „Sicherheitszaun“ zu bezeichnen als die Gegner, die ihn als „Aparthiedmauer“ hinstellen. Pro-israelische Aktivisten sind erfolgreicher darin die Kampagne Boykott, De-Investitionen und Sanktionen (BDS) wahrheitsgemäß als antisemitisch zu definieren.

Juden und Israelis erkannten den Einfluss einiger der erwähnten Propaganda nicht oder verfehlten es sie zu schwächen; so sind sie gezwungen gewesen sie selbst zu übernehmen. Die Verwendung des Begriffs „Westbank“ ist alltäglich, selbst wenn wir es besser wissen, denn die Verleumder haben diejenigen, die „Judäa und Samaria“ sagen, erfolgreich als Extremisten hinstellen können, die gegen Frieden sind und ein „Großisrael“ anstreben.

Regelmäßig gerate ich in Streit mit Juden, die die Uhr zurückdrehen wollen. Sie glauben, wenn wir hart bleiben, können wir die rhetorisch die Oberhand behalten. Leider können wir verlorene Schlachten nicht neu kämpfen. Das Ziel besteht jetzt darin Israels Gegner und die Antisemiten daran zu hindern die zukünftige Diskussion durch Manipulation der Sprache zu formen.

Das bringt mich zur jüngsten Propagandazeile, die Israels Unterstützer nachahmt, die die Palästinenser in die Defensive gedrängt haben, indem sie dokumentierten, wie Palästinenser über die Medien, das Bildungssystem und öffentliche Politik (z.B. „Entlohnung für Mord“) zu Gewalt aufstacheln.

Diejenigen, die Israels Gegner und die Antisemiten schützen wollen, haben angefangen Kritiker – ohne Belege – zu beschuldigen, sie stachelten zu Gewalt auf und brächten Leben in Gefahr. Diese Taktik wurde eingeführt, nachdem die Abgeordnete Ilhan Omar (Demokraten, Minnesota) im März ihre antisemitischen Äußerungen machte. Senatorin Kirsten Gillibrand (Demokratin, New York) zum Beispiel gab zu, dass Omar antisemitische Sprachbilder verwendet haben könnte, verurteilte aber die Republikaner, sie würden „zu Gewalt aufrufen“.

Ein paar Wochen später, nachdem Omars Kommentar „irgendwelche Leute machten irgendwas“ zum 9/11 einen Aufschrei ausgelöst hatte, beschuldigte sie ihre Kritiker, sie würden „gefährliche Hetze“ betreiben. Senator Elizabeth Warren (Demokraten, Massachusetts) verteidigte sie und beschuldigte Trump „zu Gewalt gegen eine im Amt befindliche Kongressabgeordnete anzustacheln“, als er sie verurteilte.

Nachdem der Abgeordnete Lee Zeldin (Republikaner, New York) über die Bildung eines überparteilichen Kongressausschusses aus Schwarzen und Juden twitterte, lautete Linda Sarsours Antwort: „Unterdessen schießt ihr gegen die schwarze, muslimische Abgeordnete und palästinensisch-muslimische Abgeordnete und bringt ihr Leben in Gefahr“.

Rabbi Shmuley Boteach schaltete eine ganzseitige Anzeige in der New York Times, die den trügerischen Schein des Kommentars der Abgeordneten Rashida Tlaib (Demokraten, Minnesota) aufzeigte, die Palästinenser hätten ihr Land, ihre Würde und ihr Leben verloren – „im Namen des Versuchs nach dem Holocaust eine sicher Zuflucht für die Juden zu schaffen“. Vorhersagbar folgte ein Aufschrei, bei dem die üblichen Verdächtigen Tlaib verteidigten. Einer der hasserfülltesten Kritiker Israels, James Zogby, twitterte:

Das ist ein verlogener und gefährlicher Angriff auf Rashida Tlaib durch den Rechtsextremen Shmuley Boteach. Er schleust schmutziges Geld in Attacken wie Anzeigen wie diese, die die Wahrheit verzerren und das Leben von Menschen in Gefahr bringen. Das ist keine Anzeige, das ist Hetze. Schande über die New York Times dafür, dass sie sie brachte. Hände weg von Rashida.

Jeder, der es wagt Antisemiten zu kritisieren, kann jetzt davon ausgehen, dass ihm Aufstachelung zu Gewalt vorgeworfen wird. Es ist besonders alarmierend zu sehen, dass politische Persönlichkeiten diese üble Taktik anwenden, die es besser wissen müssten. Es ist eine der verachtenswertesten Strategien, die von antiisraelischen, antijüdischen Propagandisten übernommen wurden und es darf nicht zugelassen werden, dass sie die Norm wird, um Kritiker zum Schweigen zu bringen.

Die britische Labour Party – Idealfall für das Studium von Antisemitismus

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Antisemitismus nimmt an vielen Orten in der westlichen Welt zu. Das schafft eine komplexe Realität, die schwer zu analysieren ist. Zum Zweck des effektiven Studiums der vielen Facetten der zeitgenössischen Förderung von Hass und einiger der Möglichkeiten dieses Phänomens bei einer einzelnen Organisation zu bekämpfen, kann in Europa nichts der britischen Labour Party das Wasser reichen.

Der wichtigste Helfer des anhaltenden Antisemitismus in der Labour Party ist Jeremy Corbyn, seit 2015 der Parteivorsitzende. Er hat Vertreter der Hisbollah und der Hamas seine „Brüder“ und „Freunde“ genannt. Corbyn hat an einen Holocaust-Leugner gespendet und einen anderen willkommen geheißen. Er ist ein langjähriger antiisraelischer Hetzer und Teilzeit-Antisemit.[1] Er und seine engen Mitarbeiter verhindern die komplette Ausmerzung von Antisemiten aus der Partei. Die Sunday Times behauptete, Corbyns Büro sei daran beteiligt mindestens 101 solche Anzeigen hinausgezögert oder blockiert zu haben.[2]

Wann immer es so scheint als gebe es ein halbwegs komplettes Bild des Antisemitismus in der Labour Party, tauchen massig neue Daten zu diesem Problem auf. Im März 2019 veröffentlichte der britische Forscher Alan Johnson, ein Labour-Mitglied, einen 135 Seiten starken Bericht, der zu dem Schluss kommt, dass die Partei institutionell antisemitisch ist. Johnson teilte den Antisemitismus in der Labour Party in drei Kategorien auf: Sozialismus der Dummen, klassischer rassischer Antisemitismus und Antisemitismus als Antizionismus.[3]

Labour against Antisemitism ist eine Kampagne von Aktivisten. Sie hat Daten für einen Bericht gesammelt, der 15.000 Screenshots beinhaltet, die Beispiele für den vorgeworfenen Antisemitismus in der Labour Party zeigen.[4] Diese Akte wurde im May der Equality and Human Rights Commission (EHRC)[5] vorgelegt. Diese ist ein öffentliches Gremium, das durch den Equality Act von 2006 eingerichtet wurde.

Später im Mai wurde bekannt, dass ungefähr 100.000 E-Mails und WhatsApp-Postings von innerhalb der Labour Party – gesammelt von ehemaligen offiziellen Partei-Vertretern – der EHRC vorgelegt wurden. Dieses Gremium hat bereits erste Schritte für eine gesetzlich festgelegte Untersuchung der Handhabung der antisemitischen Anzeigen unternommen.[6] Vor kurzem ist die volle Untersuchung der Labour Party eröffnet worden. Solch eine Ermittlung gegen eine Partei gab es bisher erst einmal. 2010 wurde die kleine, kryptofaschistische British National Party (BNP) des Rassismus für schuldig befunden.[7] Bis zu einem EHRC-Bericht zur Labour Party könnten zwei Jahre vergehen. Er wird wahrscheinlich eine der fundiertesten Analysen des Antisemitismus zu einer einzelnen Organisation in der Geschichte liefern.

Anhand der Labour Party kann zudem das Reinwaschen von Antisemitismus als Technik studiert werden. Man muss sich hier auf die Labour-Mitglieder konzentrieren, die antisemitische Verleumdungen von sich gaben und nicht aus der Partei ausgeschlossen wurden. Darüber hinaus gibt es auch solche, die es auf Personen abgesehen haben, diesen Antisemitismus aufzudecken. Juden, die dabei mitmachen, sind für das Reinwaschen von Antisemitismus am nützlichsten. Die Jewish Voice for Peace (JVP – Jüdische Stimme für den Frieden) ist eine kleine Organisation, die Corbyn unterstützt. Ihr Sekretär Glyn Secker sprach bei einer pro-palästinensischen Kundgebung in London. Er sagte, das Jewish Labour Movement und die jüdische Parlamentsabgeordnete Dame Margaret Hodge sind eine Fünfte Kolonne innerhalb der Labour Party und fügte hinzu: „Juden befinden sich mit diesen Ratten in der Gosse.“[8]

Rhea Wolfson ist eine der beiden Juden im Führungsgremium der Labour Party, dem National Executive Committee. Sie schrieb: „Ich hatte die Ehre eng mit Jeremy Corbyn zu arbeiten, einem der prinzipientreuesten Menschen in der Politik… Jeder, der Jeremy Corbyn kennt, ihn getroffen oder mit ihm gearbeitet hat, den ich kenne, weiß, dass er keinen Fitzel an Vorurteil in sich hat und absolut der Bekämpfung des Antisemitismus verschrieben ist, so wie er gegen alle Formen der Diskriminierung und Unterdrückung ist, die er sein Leben lang bekämpft hat. Mein Engagement für Labour ist unerschütterlich und ich bin stolz auf die Arbeit, die Jeremy macht, um Antisemitismus in der Politik und der breiteren Gesellschaft anzupacken.“[9]

Die allgemeine britische Gesellschaft glaubt allerdings nicht, dass Corbyn je in der Lage sein wird die Antisemitismus-Krise der Labour Party zu beenden. Fünfzig Prozent aller Wähler stimmten im Mai 2019 zu, dass Labour ein Problem mit antijüdischem Rassismus hat; das hat von einer ähnlichen Umfrage im Februar diesen Jahres zugenommen; damals betrug der Anteil 43%. Die Zahl derer, die bestreiten, dass Labour ein solches Problem hat, ist von 23% im Februar auf 18% im Mai gefallen.[10]

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Antisemitismus-Forschung ist die Überlappung von antiisraelischen Hetzern und Reinwäschern von Antisemitismus in der Labour Party. Ein Beispiel: Die ehemalige Labour-Ministerin Clare Short schrieb im Juli 2016 auf ihrem Blog: „Der Vorwurf des Antisemitismus gegen Mitglieder der Labour Party, die Israel gegenüber kritisch eingestellt sind, ist ein Komplott, um von Israels Verletzungen des Völkerrechts abzulenken.“[11]

Die Labour Party ist auch ein idealer Ort um das zu untersuchen, was man das Legen von Nebelwänden zum Thema Antisemitismus nennen könnte, ein Thema, das selten erforscht wird. Die Führer der Partei sagen nicht: „Wir schützen Antisemiten, die wir als für die Partei wertvoll ansehen.“ Im Gegenteil: Corbyn hat bei vielen Gelegenheiten gesagt, dass die Partei Antisemitismus ausmerzen will.

Als Jennie Formby Anfang 2018 Labour-Generalsekretärin wurde, versprach sie, innerhalb weniger Monate würden die Anzeigen bearbeitet. Viele Fälle wurden damals nicht behandelt und es kamen weiter neue auf. Im Februar 2019 sagte sie, Antisemitismus könnte nicht komplett ausgemerzt werden: „Ich glaube nicht, dass irgendjemand sagten kann, wir können den Antisemitismus komplett ausrotten und jeden einzelnen davon abhalten jeden … Jeden einzelnen Tag kann jemand anderes in die Partei eintreten und etwas tun.“[12] Allerdings ist das etwas Marginales. Der Kern des Problems betrifft antisemitische Bemerkungen aktueller Parteimitglieder, von denen einige ihr schon lange Jahre angehören.

Angesichts der vielen Fälle von Antisemitismus in der Labour Party und dem fehlerhaften Umgang mit dem Problem gibt es zudem beträchtliche Reaktionen auf den Antisemitismus in der Partei. So kann man auch Methoden studieren Judenhass in einer linken Organisation zu bekämpfen, deren Führung es ablehnt Antisemitismus auszumerzen.

Die stärkste Antisemitismus bekämpfende Kraft innerhalb der Partei ist die Jewish Labour Movement (JLM), die seit fast einhundert Jahren Teil der Labour Party gewesen ist. Aber selbst die JLM nutzte einen Euphemismus zu Corbyn, der hilft eine Nebelwand zu legen. Sie gab eine Erklärung ab, dass sie jegliches Vertrauen in Corbyn Fähigkeit verloren haben Rassisten aus der Partei auszuschließen.[13] Corbyn ist jedoch nicht unfähig das zu tun, sondern zieht es stattdessen vor gewisse Leute in der Partei zu behalten, die antisemitische Äußerungen von sich geben. Die JLM ging nicht so weit das deutlich zu machen.

Ein weiteres interessantes Handeln gegen Antisemitismus in der Labour Party war die Entscheidung des ehemaligen Premierminister Gordon Brown, der nicht jüdisch ist, sich aus Solidarität der JLM als außerordentliches Mitglied anzuschließen.[14] Dasselbe machte der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan.[15] Viele ranghohe Labour-Persönlichkeiten haben sich gegen Antisemitismus in der Partei ausgesprochen. Zu diesen gehören der frühere Premierminister Tony Blair[16] und Schattenkanzler Ed Balls.[17]

Der Antisemitismus-Skandal der Labour Party hat zudem Aspekte, die über die Partei hinausgehen. Labour hat Beobachterstatus bei der Sozialistischen Internationale (SI). Diese weltweite Organisation von sozialdemokratischen, sozialistischen und Arbeitsparteien bringt 147 politische Parteien und Organisationen aus allen Kontinenten zusammen. Sie behauptet für die progressive Politik in einer faireren Welt einzutreten.

Die SI hat eine ausführliche Ethik-Charta, zu der „totale Verpflichtung auf die Werte von Gleichheit und Solidarität“ gehört. Sie respektiere die Rechte von Minderheiten und Einzelpersonen. Dadurch, dass sie nicht gegen Labour vorgeht, sind die SI-Führung und ihre Mitglieder mitschuldig am institutionellen Antisemitismus der Partei. Sie können nicht behaupten von nichts zu wissen, denn das SI-Büro befindet sich in London.

Forschung im Bereich des Antisemitismus ist nicht sehr konsolidiert. Die Förderung von Hass hat heutzutage viele Aspekte. In der Labour Party sind weitere Entwicklungen in diesem Bereich fast ständig im Gang. Während die Mainstream-Medien sich weiter für diese Entwicklungen in der Labour Party interessieren, werden in der Zukunft viele weitere Einblicke ans Licht kommen.

[1] https://besacenter.org/perspectives-papers/corbyn-against-jews-israel/

[2] www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-5490686,00.html; /www.thetimes.co.uk/article/vile-anti-semitism-met-with-a-slap-on-the-wrist-at-most-b38v7z9jd

[3] Alan Johnson: Institutionally Antisemitic: Contemporary Left Antisemitism and the Crisis in the British Labour Party, 2019.

[4] http://www.jpost.com/Diaspora/Labour-Against-Antisemitism-non-Jewish-Brits-fight-back-from-within-568681

[5] http://www.thetower.org/7326-campaign-group-submits-report-with-15000-cases-of-anti-semitism-urges-equalities-watchdog-to-investigate-labour/

[6] https://www.thejc.com/news/uk-news/ehrc-launches-formal-investigation-into-labour-antisemitism-1.484822

[7] http://www.theguardian.com/politics/2019/mar/07/labour-antisemitism-equalities-watchdog-opens-investigation

[8] www.thejc.com/news/uk-news/labour-activist-behind-antisemitic-rant-is-to-deliver-training-on-jew-hate-to-party-members-1.484235

[9] www.thejc.com/comment/comment/rhea-wolfson-comment-jeremy-corbyn-jonathan-arkTush-1.464888

[10] http://www.thejc.com/news/uk-news/jc-poll-british-public-do-not-believe-jeremy-corbyn-will-ever-end-labour-antisemitism-1.484592

[11] http://www.clareshort.org/?s=antisemitism+ploy&category_name=&submit=Search

[12] http://www.thejc.com/news/uk-news/exclusive-jennie-formby-told-mps-twice-that-it-would-be-impossible-to-eradicate-antisemitism-1.479565

[13] http://www.thesun.co.uk/news/9085211/anti-semitism-recorded-score-card-jewish-labour-movement-activists/

[14] http://www.thejc.com/news/uk-news/gordon-brown-labour-has-let-down-the-jewish-community-over-antisemitism-1.482365

[15] https://jewishnews.timesofisrael.com/sadiq-khan-proud-to-join-jewish-labour-movement-as-affiliate-member/

[16] http://www.jpost.com/International/Former-UK-PM-How-is-antisemitism-in-Labour-Party-tolerated-580295

[17] http://www.thejc.com/news/uk-news/ed-balls-says-jeremy-corbyn-has-said-antisemitic-things-and-fails-to-see-it-1.484327

 

Analyse der Reaktionen auf den jüngsten Konflikt zwischen Hamas und Israel

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Anfang Mai gab es einen kurzen, gewalttätigen, von der Hamas initiierten Konflikt mit Israel. Sechshundert Raketen wurden innerhalb von 48 Stunden aus dem Gazastreifen nach Israel gefeuert. Es ist üblich die militärischen und politischen Aspekte eines solchen Konflikts für zukünftige Verwendungszwecke zu analysieren. Es ist allerdings auch wichtig die verbalen Reaktionen auf die Schlacht zu studieren, auch wenn sie so kurz war. Das dient der besseren Illustration dessen, wo manche Staaten und Leute stehen.

Dieser Konflikt ermöglichte es den Analysten die Hardcore-Anhänger der palästinensischen Terroristen detaillierter zu identifizieren. Das türkische Außenministerium veröffentlichte eine Stellungnahme, mit der die „wahllosen“ Angriffe auf den Gazastreifen sowie der Angriff auf das dortige Büro ihrer Nachrichtenagentur verurteilt wurden: „Wir rufen die internationale Gemeinschaft dringend auf wegen der unverhältnismäßigen israelischen Taten zu handeln und die Eskalation der Spannungen in der Region zu abzuschwächen.“[1]

Die Jungabgeordnete und US-Demokratin Rashida Tlaib twitterte: „Wann hört die Welt auf unser palästinensisches Volk zu entmenschlichen, das nur frei sein will? Schlagzeilen wie diese und sie auf diese Art zu formulieren füttert nur die ständige fehlende Verantwortlichkeit seitens Israels, das palästinensische Kinder und Familien ungerechtfertigt unterdrückt.“[2]

Eine weitere Neuabgeordnete US-Demokratin, Ilhan Omar, forderte „echte Gerechtigkeit“: „Wie viele weitere Protestierende müssen angeschossen, wie viele Raketen geschossen und wie viele kleine Kinder müssen getötet werden, bis der endlose Kreislauf der Gewalt endet? Der Status quo der Besatzung und humanitären Krise im Gazastreifen ist unhaltbar. Nur echte Gerechtigkeit kann Sicherheit und dauerhaften Frieden bringen.“[3]

Der ehemalige Senator von Alaska Mike Gravel war ebenfalls auf der Seite der palästinensischen Terroristen.[4] Er ist schon Jahrzehnte nicht mehr im Amt, aber er könnte als marginaler Außenseiter in die Präsidentschafts-Vorwahlen der Demokraten gehen. Gravel forderte die Demontage Israels als jüdischem Staat. Er twitterte: „Das Blutvergießen in Palästina und Israel wird nicht aufhören, bis die fundamental ungerechte, bestehende Struktur fallen gelassen wird.“ Er fügte an: „Wir können kein rechtsgerichtetes, rassistisches Regime unterstützen, das sich Annexion und schrittweiser ethnischer Säuberung verschrieben hat. Es muss einen binationalen Staat mit gleichen Rechten für alle geben.“[5]

Jeremy Corbyn, Führer der britischen Labour Party, hat Hamas und Hisbollah seine „Freunde“ und „Brüder“ genannt.[6] Während des jüngsten Konflikts veröffentlichte sein Sohn Tommy Bilder eines toten palästinensischen Kinders und seiner Mutter. Er behauptete, sie seien von Israel getötet worden, es stellte sich allerdings heraus, dass ihr Tod von einer fehlgeschossenen Hamas-Rakete verursacht wurde.[7]

Im Mai fand in London eine pro-palästinensische Kundgebung statt. Die Hamas dankte Jeremy Corbyn für seine Solidaritätsrede an die Marschierenden. Das Statement der Hamas lautete: „Wir haben mit hohem Respekt und Wertschätzung die Solidaritätsbotschaft erhalten, die der Führer der britischen Labour Party, Jeremy Corbyn, an die Teilnehmer der Massenkundgebung hielt, die im Zentrum von London stattfand.“ Corbyns Botschaft forderte die britische Regierung auf den Tod von Protestierenden im Gazastreifen zu verurteilen und Waffenverkäufe nach Israel einzufrieren.[8] Yair Lapid, einer der Chefs der größten Oppositionspartei „Blau und Weiß“ in Israel, sagte: Jeremy Corbyn, hier ist ein kostenloser Rat: Wenn die Hamas dir dankt, dann befindest du dich auf der Seite des Terrorismus.“[9]

Es gab seitens der amerikanischen Kandidaten der Demokraten bei den Präsidentschafts-Vorwahlen zum Konflikt hauptsächlich Schweigen. Nur drei von mehr als 20 nahmen eine Haltung zugunsten von Israel ein: Colorados Senator Michael Bennett, der ehemalige Gouverneur von Colorado John Hickenlooper und New Jerseys Senator Cory Booker.

Das Schweigen zweier prominenter Kandidaten war besonders von Bedeutung: Bernie Sanders und Beto O’Rourke. Dass sie den Konflikt nicht kommentierten, wirft weitere Zweifel daran auf, dass sie gegen die völkermörderischen palästinensischen Terrorbewegungen sind. Sanders sagte früher, er halte zwar Netanyahu für einen Rassisten, stehe aber zu 100% hinter Israel.[10] Sanders hätte die große Zahl extremer Rassisten in der Palästinenserführung sowohl bei der Fatah als auch der Hamas erwähnen können, tat es aber nicht. Angesichts der vielen gerechtfertigten Zweifel daran, wo er wirklich steht, hätte er während des Konflikts seine Unterstützung für Israel ausdrücklich zeigen sollen.

O’Rourke sagte, Israel sei ein sehr wichtiger Verbündeter, kritisierte aber Netanyahu. Der ehemalige Abgeordnete aus Texas sagte, die Beziehungen zwischen den USA und Israel „müssen über über Parteinahme in den USA hinausgehen und es muss möglich sein über einen Premierminister hinauszugehen, der rassistisch ist, wenn er davor warnt, dass Araber wählen gehen, der sich jeder Aussicht auf Frieden widersetzt, während er droht die Westbank zu annektieren und der sich an die Seite einer rechtsextremen Partei gestellt hat, um seinen Zugriff zur Macht zu erhalten.“[11] O’Rourke schwieg allerdings zum Kampf des „wichtigen Verbündeten“ der USA Israel gegen Terroristen.

Darüber hinaus sollten auch einige Reaktionen israelischer Oppositionsführer beachtet werden. „Blau und Weiß“-Parteichef Benny Gantz – ein ehemaliger Generalstabschef – sagte den Nachrichten von Kanal 13: „Wir müssen hart zuschlagen, kompromisslos, auf jede Weise, die die Armee empfiehlt, mit militärischen und geheimdienstlichen Erwägungen. Wir müssen die Abschreckung wiederherstellen, die seit mehr als einem Jahr katastrophal ausgehöhlt worden ist.“[12]

Die oppositionelle linke Arbeitspartei schien ebenfalls nahezulegen, dass auf die Hamas entschiedener reagiert werden solle, als die Regierung es tat. Ihr Abgeordneter Tal Russo, ein General außer Dienst, klagte: „Wir haben es dreieinhalb Jahre versäumt der Hamas gravierender Schaden zuzufügen.“[13]

Es ist für Israel unüblich Reaktionen auf seine gewaltsamen Konflikte systematisch zu untersuchen. Dabei handelt es sich jedoch um ein wichtiges Mittel für öffentliche Diplomatie, das nicht vernachlässigt werden sollte.

[1] http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-5506453,00.html

[2] https://twitter.com/RashidaTlaib/status/1125075784178257920

[3] http://www.algemeiner.com/2019/05/13/support-for-maduro-angela-davis-and-hamas-has-critics-calling-ilhan-omar-congress-most-left-wing-member/

[4] www.jta.org/2019/05/06/politics/just-three-democratic-presidential-candidates-weighed-in-on-the-gaza-violence

[5] http://www.timesofisrael.com/four-democratic-presidential-candidates-weigh-in-on-gaza-violence/

[6] https://besacenter.org/perspectives-papers/uk-labour-antisemitism-debate/

[7] http://www.thejc.com/news/uk-news/jeremy-corbyn-son-tommy-posts-shocking-image-of-dead-palestinian-child-wrongly-claims-she-was-kil-1.483796

[8] http://www.telegraph.co.uk/news/2019/05/16/hamas-thanks-jeremy-corbyn-message-pro-palestinian-rally/

[9] ebenda

[10] http://www.jta.org/quick-reads/bernie-sanders-says-he-is-100-pro-israel-but-blasts-its-racist-government

[11] http://www.rt.com/news/457284-sanders-netanyahu-racist-government/

[12] www.i24news.tv/en/news/israel/diplomacy-defense/1557033509-israeli-politicians-react-to-the-latest-bout-of-violence-in-gaza

[13]ebenda

Die vielen Gesichter des Reinwaschens von Antisemitismus

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Wichtige Fälle von Antisemitismus werden im Allgemeinen begleitet von einer Vielzahl an Äußerungen, die sie reinwaschen sollen. Dieses Reinwaschen von Antisemiten und Antisemitismus wird jedoch selten als weit verbreitete und facettenreiche Sache betrachtet.

Das Reinwaschen von Judenhass zog in der andauernden Affäre Ilhan Omar viel Aufmerksamkeit auf sich. Diese neue demokratische Kongressabgeordnete gab mehrere ausgesprochen antisemitische Äußerungen von sich. Prominente Reinwäscher überschlugen sich, um die Bedeutung ihrer Worte zu verschleiern oder Erklärungen für ihre antisemitischen Äußerungen zu finden.

Die Demokratin Nancy Pelosi ist Präsidentin des Repräsentanthauses. Ihre Äußerung über Omar gehört in jede Sammlung der Klassiker des Reinwaschens: „Der Vorfall mit Omar, ich denke nicht, dass unsere Kollegin antisemitisch ist … Ich denke, sie hat eine andere Erfahrung im Gebrauch von Worten.“.[1]

Die Feststellung der jüdischen demokratischen Kongress-Abgeordneten Jan Schakowskys verdient es ebenfalls in diese Sammlung aufgenommen zu werden. Sie merkte an, dass Omar als Flüchtling aus Somalia, aus einer anderen Kultur, etwas lernen muss.[2] Der unbedarfte Leser könnte glauben, dass sie erst vor kurzem in den Vereinigten Staaten ankam. Fakt ist: Omar hat seit den 1990-er Jahren dort gelebt. In dieser Zeit hat sie gelernt erfolgreich für den Kongress zu kandidieren, eine Herausforderung, die weit schwieriger ist als die Verwendung antisemitischer Kommentare zu vermeiden.

Als sich 2016 eine Reihe Fälle von Antisemitismus in der britischen Labour Party öffentlich anzuhäufen begannen, beauftragte Parteichef Jeremy Corbyn Shami Chakrabarti mit Ermittlungen des Antisemitismus in der Partei. Der Eröffnungssatz ihres Berichts war ein Meisterwerk reinwaschender Manipulation: „Die Labour Party ist nicht von Antisemitismus, Islamophobie oder anderen Formen des Rassismus überflutet.“ Niemand hatte behauptet, Labour habe Probleme mit Islamophobie oder Rassismus. Mit dieser Anfangsbemerkung verwässerte Chakrabarti ihre Ermittlung von Beginn an.[3]

In der Labour Party gab es Antisemitismus, bevor Corbyn im September 2015 ihr Parteichef wurde. Er war aber weniger vorherrschend. Heute ist die Labour Party voller antisemitischer Reinwäscher. Eine Umfrage zahlender Parteimitglieder im März 2018 stellte fest, dass 47% sagten, Antisemitismus sei ein Problem, aber das Ausmaß des Problems werde übertrieben, „um Labour und Jeremy Corbyn zu schaden oder Kritik an Israel abzuwürgen“. Weitere 31% sagten, Antisemitismus sei kein ernstes Problem. Einundsechzig Prozent fanden, Corbyn handhabe die Antisemitismusvorwürfe gut.[4]

Es gibt viele weitere Methoden Antisemitismus reinzuwaschen. Der bekannteste und bösartigste amerikanische Antisemit ist Louis Farrakhan, langjähriger Führer der Nation of Islam. 2018 posierte Obamas ehemaliger Generalstaatsanwalt Eric Holder für ein Foto mit Farrakhan.[5] 2005, bevor er für die Präsidentschaft kandidierte, stellte sich Barack Obama für ein „Anfassen- und-lächeln“-Foto mit Farrakhan auf. Dieses Foto wurde erst vor kurzem offenbart und veröffentlicht.[6] Personen des öffentlichen Interesses, die sich mit Farrakhan treffen, legitimieren seine antisemitische Rhetorik und waschen sie rein.

In Westeuropa haben viele Menschen das Gefühl, sie müssten den weit verbreiteten muslimischen Antisemitismus ausblenden. Eine Reihe möglicher Gründe könnten angeführt werden. Manche Progressive behaupten absurderweise, dass nur Weiße Rassisten sein können. Ein weiterer Grund ist, dass viele Politiker glauben, weil Muslime Islamophobie unterworfen werden, solle man die Lage nicht verschärfen, indem man betont, wie viele Segmente der muslimischen Bevölkerung zu Antisemitismus beitragen. Ein weiterer Grund könnte sein, dass europäische Regierungen, weil Muslime oder ihre Nachkommen Zuwanderer sind, nicht beschuldigt werden wollen – wie es sein sollte – Massenimporteure von Antisemiten zu sein, da Immigranten ohne Auswahl wegen ihrer Ansichten hereingelassen wurden.

Verbrechen an Juden in Deutschland durch unbekannte Täter werden als von Rechtsextremen begangen registriert.[7] Das reduziert die Fakten zu muslimischem Antisemitismus enorm. Erst Ende 2017 musste von wichtigen deutschen Politikern die unumgängliche Tatsache des muslimischen Antisemitismus eingestanden werden. Das geschah als Ergebnis eines relativ unwichtigen Vorfalls, des Verbrennens einer selbstgemachten israelischen Flagge durch Muslime in Berlin.

In Frankreich war Ende 2000 die sozialistische Regierung Jospin an der Macht. Damals begann ein großer Ausbruch antisemtiischer Vorfälle. Höchstwahrscheinlich waren Muslime für eine große Zahl davon verantwortlich. Von der Polizei und dem Innenministerium wurden viele dieser Vorfälle als „Rowdytum“ registriert. Die von der Regierung Jospin verbreitete offizielle Version kann man so zusammenfassen, dass gesagt wurde, wenn Juden angegriffen wurden, war das nicht Antisemitismus, sondern ein Spiegel eines sozialen Problems. Der französische Soziologe Shmuel Trigano erwähnte, dass die französische Presse mehrere Monate lang weitgehend nicht über die antisemitische Gewalt berichtete.[8]

Jüdische Reinwäscher von Antisemitismus sind besonders gefragt. In Großbritannien behauptet die Jewish Voice for Labour (JVL): „Für BDS einzutreten kann nur antisemitisch sein, wenn es von Beweisen begleitet wird, dass das von rassenbasierter Feindseligkeit gegenüber Juden motiviert ist.“ Da kein antiisraelischer Hetzer eine solch spezifische Äußerung tätigen wird, ist BDS von der JVL für nicht antisemitisch erklärt worden.[9]

Einer der produktivsten jüdischen Reinwäscher von Antisemitismus ist der US-Publizist Peter Beinart. Seine Behauptung, dass weder BDS noch Ilhan Omar antisemitisch sind, ist nur ein weiterer Aspekt seiner großen Verschleierung von Antisemitismus. Er schreibt: Es gibt in der Welt eine unendliche Zahl an Ungerechtigkeiten  und selbst wenn man sie bezüglich ihrer Schwere in eine Rangfolge bringen könnte, wählen sehr wenige Menschen ihre Angelegenheiten auf diese Weise aus. Sie protestieren öfter gegen Ungerechtigkeiten, die für sie eine bestimmte Bedeutung haben.“ Beinart befindet sich auf dem glitschigen Weg zu massenhaftem Reinwaschen von Antisemitismus, der Israel herausgreift.[10]

Staatsanwälte und Richter können ebenfalls weitgehende Reinwäscher von Antisemitismus sein. In Deutschland versuchten drei Palästinenser 2014 in Wuppertal eine Synagoge anzuzünden. Ein Gericht urteilte, dies sei ein Protest gegen Israel und könne nicht als antisemitische Tat betrachtet könne. Die Täter erhielten Bewährungsstrafen.[11]

Norwegen war das letzte Land in Europa, das Juden aufnahm. Es hat eine lange antisemitische Tradition. Im letzten Sommer rief der Rapper Kaveh Kholardi bei einem Konzert: „Scheißjuden.“ Eine Anzeige wurde von Norwegens Generalstaatsanwalt abgewiesen. Er entschied, dass Kholard kein antisemitisches Hassreden betrieb, sondern legitime Kritik an Israel übte.[12]

Alle oben angeführten Beispiele verblassen im Vergleich mit dem umfangreichen und weitgehenden Reinwaschen von Holocaust-Antisemitismus. In Rumänien leugnete das kommunistische Regime die Rolle des Landes beim Völkermord an den Juden oder spielte sie enorm herunter.[13]

Eng verbunden mit dem Reinwaschen des Holocaust ist die Ablenkung vom Holocaust. Das wurde Jahrzehnte lang ständig von österreichischen Regierungen praktiziert. Sie stellten Österreich als eines der ersten Opfer der Nazis dar statt als Mittäter.

Staaten und Regierungen sind nicht die Einzigen, die Holocaust-Antisemitismus reinwuschen. Europas führender Philosoph der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der deutsche Nazi Martin Heidegger, sagte in einer Vorlesung: Ackerbau ist „jetzt motorisierte Ernährungsindustrie, im Wesen das Selbe wie die Fabrikation von Leichen in Gaskammern und Vernichtungslagern, das Selbe wie die Blockade und Aushungerung von Ländern, das Selbe wie die Fabrikation von Wasserstoffbomben.“[14] Indem er den Holocaust zu den technischen Prozessen zählte, verschleierte er dessen moralische Gesichtspunkte.

Das oben Angeführte ist nur eine kleine, vielseitige Auswahl an Beispielen des Reinwaschens von Antisemitismus, aus dem mit entsprechender Recherche eine große Sammlung gemacht werden kann.

[1] https://thehill.com/homenews/house/433263-pelosi-omar-not-anti-semitic-has-different-use-of-words

[2] www.dailywire.com/news/44621/miller-d%C3%A9j%C3%A0-vu-rep-jan-schakowskys-convenient-anti-paul-miller

[3] www.labour.org.uk/page/-/party-documents/ChakrabartiInquiry.pdf

[4] www.thetimes.co.uk/article/labour-poll-says-antisemitism-row-is-exaggerated-8tdj7wffh

[5] www.nationalreview.com/2019/03/anti-semitism-louis-farrakhan-democratic-party/

[6] www.ajc.com/news/local/could-this-long-lost-photo-have-derailed-obama-2008-campaign/jC8NKhQr6a72VjRYY9o0EM/

[7] http://www.welt.de/politik/deutschland/plus179337122/Extremismus-Antisemitismus-ist-unislamisch.html

[8] Manfred Gerstenfeld, interview with Shmuel Trigano: French anti-Semitism: A Barometer for Gauging Society’s Perverseness.Post-Holocaust and Anti-Semitism 26, 1. November 2004.

[9] www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/23022

[10] https://forward.com/opinion/414449/no-bds-is-not-anti-semitic-and-neither-is-ilhan-omar/; https://forward.com/opinion/419206/the-sick-double-standard-in-the-ilhan-omar-controversy/

[11] www.jta.org/2017/01/15/news-opinion/world/german-court-affirms-ruling-that-said-synagogue-arson-isnt-anti-semitic; https://www.tagesspiegel.de/politik/antisemitismus-in-deutschland-wie-kann-ein-anschlag-auf-eine-synagoge-nicht-judenfeindlich-sein/19572812.html

[12] www.algemeiner.com/2019/01/11/norwegian-rapper-who-shouted-fcking-jews-at-diversity-concert-did-not-violate-law-prosecutor-says; www.miff.no/antisemittisme/2019/03/08riksadvokaten-mener-fuck-joder-kan-tolkes-som-kritikk-av-israel.htm?fbclid=IwAR0sIMmihrpg1OkmrLTTkFfoD0lU6VRLdGZ4X0Yxazeze3ksylHEbixTUKQ

[13] Laurence Weinbaum: The Banality of History and Memory: Romanian Society and the Holocaust. Post-Holocaust and Anti-semitism, 45, 1. Juni 2006.

[14] Martin Heidegger: Einblick in Das Was ist (Bremer Vortrage, 1949). In: Martin Heidegger: Bremer und Freiburger Vorträge. Frankfurt a Main (Vittorio Klostermann) 1994, Gesamtausgabe, 79, S. 3-77.

Benötigt: Eine Geschichte der Progressiven und der Perversität

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Progressive Perversität hat eine lange und umfangreiche Geschichte. Es besteht die Notwendigkeit der Analyse und Beschreibung dieses Phänomens über viele Jahrhunderte. Ein triftiger Anfang für die Forschungsarbeit eines kompetenten und ambitionierten Historikers könnte der Antisemitismus des Erasmus von Rotterdam sein, der oft als „Prinz des Humanismus“ bezeichnet wird. Er lebte Ende des fünfzehnten, Anfang des sechszehnten Jahrhunderts.

Der niederländische Theologe Hans Jansen untersuchte Erasmus‘ selbst für dessen Zeit extremen Antisemitismus. Dieser „Humanist“ bezeichnete das Judentum als „schlimmste Pest“. Er lehnte 1517 sogar eine Einladung nach Spanien ab, 25 Jahre nachdem der letzte nicht konvertierte Jude das Land verlassen hatte; seine Begründung: Er behauptete, dass es gebe kein stärker „verjudetes Land“ als Spanien.[1]

In der Geschichte der Christenheit kann die Reformation als progressive Umwälzung betrachtet werden, auch wenn sie zum Ziel hatte zu den Quellen der Religion zurückzukehren. Auf den großen Reformer und Antisemiten Martin Luther passt die Beschreibung eines perversen Progressiven ebenfalls. Luther empfahl die Synagogen zu Ehren Gottes und der Christenheit zu verbrennen. Er riet dazu jüdische Bücher zu konfiszieren und Juden aus christlichen Ländern zu vertreiben.

Luther erklärte auch, dass kein Volk so geldgierig sei wie die Juden. Er glaubte, wenn ein Christ einen Juden traf, sollte er sich bekreuzigen, weil vor ihm ein „lebender Teufel“ stehe.[2] Das ging weit über den Mainstream-Judenhass seiner Zeit hinaus. Es wäre jedoch ein Fehler die progressive Hetze ausschließlich mit Antisemitismus in Zusammenhang zu bringen. Doch Antisemitismus ist oft ein Indikator für gewaltige Vergehen von Einzelnen und von Gesellschaften.

Voltaire (1694 – 1778), der große Denker der Aufklärung, war ein extremer Antisemit. Er schrieb einmal, dass alle Juden mit rasendem Fanatismus in ihren Herzen geboren würden. Voltaire hat gesagt, dass die Juden in schlechtem Benehmen und Barbarei alle Nationen übertroffen haben.[3]

Die Französische Revolution, die 1789 begann, ist einer der großen Meilensteine der progressiven Perversität. Anfangs wurden der französische König und die Königin sowie Anhänger des alten Regimes hingerichtet. Später begannen die Progressiven andere Progressive auf die Guillotine zu schicken. Einige Zeit lang wurde das zu einem tagtäglichen Ereignis. Die Französische Revolution brachte langfristige soziale Erneuerung begleitet von Mord.

Robert Wistrich, der führende akademische Antisemitismus-Forscher unserer Generation, führte im Interview unter anderem viele progressive Intellektuelle an, die Antisemiten waren: „Zu den Erben der Traditionen der Aufklärung gehörten die frühen französischen Sozialisten des 19. Jahrhunderts. Sie legten, mit wenigen Ausnahmen, die Grundlagen für den französischen Antisemitismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Zu ihnen gehörten Charles Fourier, Pierre-Joseph Proudhon – Gründer des Anarchismus und eine bahnbrechende Persönlichkeit der französischen Arbeiterbewegung – sowie Alphonse Toussenel.“

Er fuhr fort: „Proudhons großer Rivale und Antagonist Karl Marx schrieb eine Arbeit, die Marxisten immer in den Pantheon seiner Schriften einbeziehen: Zur Judenfrage. Unter den vielen Perlen  intellektueller Inspiration seines Werks findet man Sätze wie „Der Mammon ist der weltliche Gott der Juden“ oder „Die heutige christliche Welt in Europa und Nordamerika hat den Scheitelpunkt dieser Entwicklung erreicht und ist gründlich verjudet worden“.[4]

Doch all das verblasst im Vergleich mit einem weiteren riesigen Meilenstein progressiver Perversität, der kommunistischen Revolution in Russland. Nicht nur der Zar, die Zarin und Anhänger des alten Regimes wurden hingerichtet. In späteren Jahren wurden unter Stalin viele kommunistische Führer zum Tode verurteilt. Dazu gehörten Lew Borisovitsch Kamenew (geboren als Leo Rosenfeld) und Griogori Jewsejewitsch Sinovjew (geboren als Hirsch Apfelbaum) 1936 im Schau-„Prozess gegen die Sechzehn“. Beide waren Mitglieder des ersten Politbüros gewesen. Mit diesem Prozess begann das, was als „der große Terror“ genannt wurde. Trotzky wurde 1940 von einem sowjetischen Agenten ermordet.

Der Nationalsozialismus wird allgemein als reaktionäre Bewegung betrachtet. Man sollte jedoch auch die Meinung des in Polen geborenen Soziologen Zygmunt Baumann in Betracht ziehen. Er verband den Holocaust mit strukturellen Elementen der modernen Gesellschaft und Zivilisation. Baumann erklärte, dass der Holocaust das Produkt von Männern sei, die in der edelsten Kultur westlicher Gesellschaft gebildet wurden und sagte, der Nationalsozialismus war eng mit der Moderne verbunden.[5]

Es gab einige progressive Elemente im Nationalsozialismus. Der französische Philosoph Luc Ferry schrieb, die Nazi-Gesetze zum Naturschutz und dem Jagdverbot waren die ersten der Welt, „um ein größeres ökologisches Projekt mit dem Wunsch nach wirklicher politischer Intervention in Einklang zu bringen“.[6] Die Nazis waren fürwahr Vorläufer der heutigen Tierschutz-Bewegungen, die in der Regel als progressiv betrachtet werden.

Der Historiker der progressiven Perversität könnte den zeitgenössischen Progressiven viele Seiten widmen. In unserer Zeit ist Fortschritt zum Teil mit linker Politik verbunden. Linker Antisemitismus ist eine wichtige Kraft, die sich gegen den Staat Israel richtet. Wir finden ihn bei vielen Grünen, Sozialisten und Kommunisten. Drei inzwischen verstorbene sozialistische europäische Führungspolitiker stellten Israels Handeln auf eine Stufe mit dem der Nazis: der schwedische Premierminister Olof Palme,[7] der griechische Premierminister Andreas Papndreou[8] und der französische Präsident François Mitterand. Der hartnäckige Antisemitismus der britischen Labour Party kommt zu einem großen Teil von Unterstützern ihres extremistischen Führers Jeremy Corbyn.

Für den Erforscher der progressiven Perversität, der sein Hauptwerk schreibt, ist die Analyse des zeitgenössischen Antisemitismus der Welt eine gute Leitlinie. Die akademische Welt ist ein logischer Ort dafür mit der Identifizierung der perversen Progressiven anzufangen. Auch außerhalb der akademischen Welt hat die BDS-Bewegung ihre wichtigen Anhänger bei der Linken. Andere Bereiche, auf die ein Blick geworfen werden sollte, sind Menschenrechts- und andere NGOs, Gewerkschaften, linke Kirchen und so weiter. Als Herausgeber der Universalen Erklärung der Menschenrechte könnte die UNO als progressiv betrachtet werden, selbst wenn sie hauptsächlich eine Ansammlung nicht demokratischer Staaten ist, die für enorm einseitige Resolutionen gegen Israel stimmen.

Die NGO-Konferenz am Rande der „Weltkonferenz gegen Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit verbundene Intoleranz“ in Durban in Südafrika im September 2001 kann also symbolkräftiges Beispiel für progressive Perversität betrachtet werden. Irwin Cotler, ehemaliger Justizminister Kanadas, der an dem Treffen teilnahm, schrieb: „Für uns ist ‚Durban‘ Teil unseres Alltagslexikons als Inbegriff für Rassismus und Antisemitismus, genauso wie 9/11 ein fester Begriff für terroristischen Massenmord ist.“[9]

Progressive Perversität überschneidet sich mit humanitärem Rassismus. Letzterer bedeutet, in einem Konflikt die Vergehen einer Seite zu kritisieren, aber vor den viel schlimmeren Vergehen der anderen Seite die Augen zu verschließen. Die Goldstone-Kommission kann man als Paradigma des humanitären Rassismus betrachten, da sie zu den Verbrechen der Hamas, einer völkermörderischen Terrororganisation, schwieg und sich stattdessen auf die Fehler des israelischen Staates Israel konzentrierte.[10]

Die Herausforderungen für den diese Geschichte schreibenden Wissenschaftler sind groß. Sie erfordern Wissen und eine klare Sicht, die viele Jahrhunderte umfasst. Seine Bücher zum Thema, selbst wenn sie brillant sein sollten, könnten von einigen progressiven Kollegen attackiert werden, die die Wahrheit nicht vertragen. Das Potenzial ist jedoch ebenfalls groß. Ein Forscher, der seine Aufgabe erfolgreich durchführt, wird zum Star-Historiker. Um so mehr, als er die Grundlagen für die Analyse der Gesinnung vieler weiterer zukünftiger progressiver Perverser legt.

[1] https://heplev.wordpress.com/2014/07/28/erasmus-furst-des-humanismus-der-renaissance-und-antisemit/

[2] jcpa.org/article/historical-roots-anti-israel-positions-liberal-protestant-churches-2/

[3] http://www.nytimes.com/1990/09/30/books/l-voltaire-and-the-jews-590990.html; https://de.metapedia.org/wiki/Voltaire

[4] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/14217

[5] Zygmunt Bauman, Modernity and the Holocaust (Ithaca: Cornell University Press, 1989).

[6] Luc Ferry: Le nouvel ordre ´ecologiqueParis (Grasset) 1992, S.54.

[7] Per Ahlmark: Palme’s Legacy 15 Years On. Project Syndicate, Februar 2001.

[8] Moses Altsech (Daniel Perdurant, Pseud.): Anti-Semitism in Contemporary Greek Society. Analysis of Current Trends in Anti-Semitism, 7, Jerusalem (Hebrew University) 1995, S. 10.

[9] https://irwincotler.liberal.ca/blog/durban-911-ten-years-later/

[10] Gerald M. Steinberg/Anne Herzberg (Hg.): The Goldstone Report “Reconsidered”: A Critical Analysis. Jerusalem (NGO Monitor/The Jerusalem Center for Public Affairs) 2011.