Warum Israels „Kritiker“ nicht anders können als antisemitisch zu sein und wie sie das beenden können

Benjamin Kerstein, the Algemeiner, 25. März 2021

Supporters of the Boycott, Divestment, and Sanctions campaign. Photo: Alex Chis.

Der Spruch „Einige meiner besten Freunde sind Juden“ war üblicherweise das Signal, dass man es mit einem Antisemiten zu tun hatte. Heute hat sich das verräterische Signal geändert und wurde ersetzt durch: „Natürlich kann man Israel kritisieren, ohne antisemitisch zu sein.“

Ich habe in der Vergangenheit bereits geschrieben, dass dem nicht so ist, weil Israelkritiker das so gemacht haben. Während einer Zeit der Eskalation der Gewalt gegen Juden, aufgestachelt von antiisraelischem Hass, schürt Israel zu kritisieren unweigerlich Antisemitismus. Sollten Israels Kritiker sich entscheiden auf weniger, statt mehr Antisemitismus hinzuarbeiten – obwohl sie derzeit darauf erpicht zu sein scheinen genau das Gegenteil zu tun – dann sähe die Lage ganz anders aus.

Die auf der Hand liegende wahre Frage lautet jedoch: Warum scheinen Israels Kritiker unfähig zu sein für weniger Antisemitismus hinzuarbeiten?

Eine mögliche Antwort könnte von ihrer Opposition zur weithin übernommenen Antisemitismus-Definition der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz angedeutet werden, die Beispiele für israelischbezogenen Antisemitismus enthält, so zum Beispiel „die Behauptung, die Existenz eines Staates Israel ist ein rassistisches Bestreben“ und „Vergleiche zwischen der aktuellen israelischen Politik und der der Nazis zu ziehen“.

Opposition zur IHRA-Definition ist derzeit so intensiv, dass linke Gruppen versuchen sie durch eine eigene Definition zu ersetzen. Unter dem etwas bizarren Namen The Nexus Document ist die alternative Definition insofern interessant, als sie sich tatsächlich nicht sehr von der der IHRA unterscheidet. Aber es sind genau die winzigen Anpassungen, die die Absicht dahinter offenbaren: Sie beseitigt jegliche spezifischen Beispiele für antisemitischen Angriffe auf Israel, womit sie, wie mein Kollege Ben Cohen es ausdrückte, „lächerlich vage“ gemacht wird.

Tatsächlich scheint der Sinn des Nexus-Dokuments einzig darin zu bestehen, Leute zu schützen, die behaupten Israel sei ein rassistischer Nazistaat. Man könnte damit behaupten, dass diejenigen, die Israel nicht kritisieren dürfen, in Wirklichkeit palästinensische Nationalisten der einen oder anderen Art sind. Zum Mindesten übernehmen sie die wesentlichsten Ideen des palästinensischen Nationalismus: die imperialistische, koloniale Natur des Zionismus; die grundlegende Illegitimität der jüdischen Selbstbestimmung; der angebliche Rassismus der gegenwärtigen israelischen Gesellschaft; palästinensischer Terrorismus als lobenswerter Akt des Widerstands; der Imperativ der Ersetzung Israels durch einen mehrheitlich arabischen Staat; und die Gründung Israels als welthistorische Katastrophe.

Das Problem, dem sich all die antiisraelischen Liberalen und Progressiven gegenüber sehen, ist jedoch, dass palästinensischer Nationalismus nicht liberal oder progressiv ist und es nie war. Er ist immer eine rassistische Bewegung gewesen, die die Juden grundsätzlich entmenschlicht. Seit den 1920-er Jahren hat er das Pogrom und das Abschlachten von Männern, Frauen und Kinder mit Hilfe von Messern, Schusswaffen und Selbstmordbombern eingesetzt, um seine Ziele zu erreichen. Er glorifiziert Kriegsverbrechen und Gräueltaten. Er kollaborierte offen und begeistert mit dem Nationalsozialismus, so weit, dass er den Holocaust anspornte und befürwortete. Er brachte die PLO und die Hamas hervor, zwei der effektivsten Terrororganisationen der Geschichte, die beide für ethnische Säuberungen eintreten. Und er ist regelmäßig mit krudem Antisemitismus aktiv, den von rechtsradikalem Antisemitismus zu unterscheiden schwierig, wenn nicht unmöglich ist, den die Linke angeblich verachtet.

Mit anderen Worten: Die palästinensische Nationalbewegung verletzt liberale und progressive Werte und hat sie immer verletzt, etwas, das viele Linke, so sehr sie für ein Ende der Besatzung und einen Palästinenserstaat eintreten, immer beachtet und damit abgelehnt haben – was sehr für sie spricht.

Sie präsentiert sich als antiisraelische Linke, wenn auch mit einem furchtbaren Dilemma: Wie können sie eine Bewegung unterstützen, die all ihren selbsterklärten Prinzipien widerspricht?

Die Antwort ist einfach: damit, dass sie sich Antisemitismus zu eigen machen. Sie haben keine andere Wahl. Sie müssen erklären, dass Israel, der Zionismus und die Juden derart böse sind, dass nichts tabu ist. Es ist nicht unbedingt so, dass israelfeindliche Linke antisemitisch sind, als vielmehr so, dass es keine Möglichkeit gibt, dass sie nicht antisemitisch sein können. Es gibt schlicht keinen anderen Weg, um ihre Übernahme des palästinensischen Nationalismus rational zu machen. Ohne Antisemitismus würden Sie augenblicklich als Heuchler, Rassisten und Völkermörder entlarvt.

Wenn israelfeindlicher Antisemitismus überwunden werden soll, dann müssen antiisraelische Linke sich letzten Endes selbst mit ihm auseinandersetzen. Sie müssen anerkennen, dass es vollkommen unmöglich ist für eine Zweistaatenlösung oder palästinensische Selbstbestimmung zu werben, ohne einen bestimmten reaktionären Nationalismus gut zu heißen, der ihre am leidenschaftlichsten vertretenen Überzeugungen ablehnt.

Ironischerweise besteht der für sie beste Weg das zu tun in der Annahme der IHRA-Definition, die einen moralischen Kampf veranlassen könnte, der die Linke von dem moralischen Bankrott reinigt, der die Kritik an Israel zu etwas Rassistischem gemacht hat.

Das Problem mit der Jerusalemer Antisemitismus-Erklärung – schädlich für Juden

David Collier, Beyond the Great Divide, 30. März 2021

In Wirklichkeit ist alles, was diese Definition tut, Antisemiten zu erlauben mit Übergriffen gegen Juden davonzukommen.

Vor kurzem wurde eine Antisemitismus-Definition namens Jerusalem-Erklärung zu Antisemitismus (JDA – Jerusalem Declaration on Antisemitism) veröffentlicht. Sie stellt sich selbst als Alternative zur international anerkannten IHRA-Definition dar.

Die Herkunft der Jerusalem-Erklärung

Die Samen der Jerusalem-Erklärung wurden in London und Deutschland gesät. Im Vereinten Königreich gab es die von der Regierung geförderte Übernahme der IHRA durch mehrere Universitäten, am bemerkenswertesten durch die UCL in London. In Deutschland hat die Regierung die BDS-Aktivitäten eingeschränkt, die Bewegung wurde als antisemitisch gekennzeichnet und alle Gelder für Gruppen, die Israel boykottieren zurückgezogen. Das gab Anlass zu einer Bewegung von Akademikern, die sich dem Schritt entgegenstellen wollen.

Der Grund, dass die Übernahme an der UCL so wichtig ist, lautet, dass nach ihrer Annahme mehrere Akademiker eine Gegenwehr begannen. Das UCL Academic Board (das Gremium der UCL-Akademiker) trat zusammen und lehnte die IHRA-Definition ab; sie forderten, dass die Universität „sie ersetzt“.

Der Schlüsselorganisator des Akademiker-Gegenschlags der UCL war Seth Anziska. Anziska ist ein akademischer Schützling von Rashid Khalidi, einem ehemaligen Sprecher der PLO in Beirut:

Ich hatte das Glück eine historiografisches Seminar von Rashid Khalidi zu belegen, der dann großzügig zustimmte einen unabhängige Studie über die Ursprünge des israelisch-palästinensischen Konflikts zu beaufsichtigen. Seine Führung und Mentorentätigkeit seitdem – von der Beratung meiner Doktorarbiet bis zum Sponsoring dieser Dissertation – ging über alle mögliche Erwartung hinaus.

Anziska ist ein revisionistischer Historiker. Er verbrachte auch einige Zeit in Beirut und seine Schriften sind eine einzige Liste von Angriffen auf Israel in akademischer Prosa. Als Khalidis eigene Qualifikationen attackiert wurden, war es Anziska, der ihm zur Seite sprang. Das bedeutet, dass die Person, die die UCL-Untersuchung der IHRA-Definition für Antisemitismus leitete, Jahre damit verbrachte von einem früheren PLO-Sprecher akademisch geformt zu werden.

Das Hauptproblem für den Gegenschlag der UCL bestand darin, dass es keine Alternative zur IHRA-Definition gab, die die UCL an ihrer statt annehmen konnte – es scheint also so, dass Seth Anziska es zu seinem Geschäft machte dabei zu helfen eine zu schaffen. Das Ergebnis ist die Jerusalem-Erklärung.

Wie die meisten linksextremen Propagandaübungen manipulieren sie die Titel, um falsche Legitimierung hinzuzufügen – „Jerusalem“ hat damit wenig zu tun – aber es klingt jüdisch und Respekt einflößend.

Die Jerusalem-Erklärung

Die Erklärung hat ihre eigene Internetseite, die erst vor drei Wochen gekauft wurde. Sie hat sich vorgenommen an Stelle der IHRA-Definition verwendet zu werden. Das hier ist aus der Präambel:

Wir schlagen unsere nicht rechtlich bindende Erklärung als Alternative zur IHRA-Definition vor.

Die grundlegende Prämisse hinter der ganzen Übung ist fehlerhaft – insofern, als sie nahelegt, die IHRA-Definition bedrohe „freie Meinungsäußerung“. Die Unfähigkeit der IHRA jüdische Studenten in Bristol zu schützen oder die Universität Bristol – die die IHRA übernommen hat – in die Lage zu versetzen mit dem Antisemitismus von Professor David Miller fertig zu werden, betont nur, was für ein Strohmann-Argument eine solche Prämisse ist.

Die Definition fährt damit fort ausreichend Platz zu dafür schaffen, dass fast jeder Antisemit, der keinen Nazigruß gibt, frei davonkommt. Auf die eine oder andere Weise wird fast alles entschuldbar. Die Definition schließt den übliche linksradikalen „aller Rassismus ist wichtig“-Doppelsprech ein, das alles Geschriebene fast unverständlich macht. Das macht sie für ein Opfer judenfeindlichen Rassismus nicht brauchbarer als ein Schinkenbrot an Yom Kippur.

Keine andere Minderheitengruppe würde eine Rassismusdefinition über sich schreiben lassen, die ausdrücklich die Beleidigungen erlaubt, unter denen sie leidet. Nur bei judenfeindlichem Rassismus haben die Leute das Gefühl sie müssten Definitionen so schreiben, dass die Rassisten gewissenhaft beschützt werden.

Weil die Jerusalem-Erklärung aus einer israelfeindlichen oder antizionistischen Ideologie herrührt, gestattet sie hardcore-antizionistischer Ideologie frei zu agieren. Es handelt sich um eine Definition zum Selbstschutz, geschrieben in dem Wissen, dass sie die Schlacht verlieren. Sie gesteht gezielt ein wenig ein, um zu vermeiden den Krieg zu verlieren. Dadurch ist sie in sich widersprüchlich:

Sie scheint zum Beispiel Israels Existenz zu unterstützen, tut das aber nicht, weil sie Doppelsprech verwendet um Gelegenheiten für Antisemitismus zu eröffnen. Das ist eines der dafür angeführten Beispiele, was Antisemitismus ist:

10. Juden im Staat Israel das Recht verweigern, kollektiv oder individuelle, als Juden, in Übereinstimmung mit dem Prinzip der Gleichstellung zu existieren und zu gedeihen.

Das mag nett klingen, aber es beseitigt das Recht auf jüdische Selbstbestimmung – was sie widersprüchlich macht. Juden haben kein Recht in Israel zu existieren und zu gedeihen (was die überwiegende Wahl der Israelis ist), wenn ihnen Israel unter einer extern geschaffenen und künstlichen Forderung nach Gleichstellung weggenommen werden kann. Israel unter einem unechten Banner der Gleichberechtigung zu vernichten ist das Ziel der BDS-Bewegung, die natürlich unter der neuen Definition zulässig ist:

14. Boykott, De-Investition und Sanktionen sind übliche, gewaltfreie Formen politischen Protests gegen Staaten Im Fall Israels sind sie nicht per se antisemitisch.

Das besteht auch einen grundlegenden Test nicht, da es den wahren Rassismus nicht ansatzweise begreift. Diskriminierung – die grundlegendste rassistische Einstellung – fehlt in der Definition. Wenn die Autoren anerkennen, dass manche verbalen Angriffe auf Israel von Antisemitismus getrieben sind – dann ist logischerweise an Israel zweierlei Maß anzulegen offensichtlich unfair und wird zu einem offensichtlichen Alarmzeichen für judenfeindliche Einstellungen.

Das Element „zweierlei Maß“, das von der IHRA-Definition ausdrücklich eingeschlossen wird, wird bei der Jerusalem-Erklärung eklatant ausgelassen – und die wird damit nutzlos.

Warum um alles in der Welt ist es in Ordnung Israel anders zu behandeln?

Stellen Sie sich vor, wie das sich in einer Welt ohne MacPerson abspielt. Die Londoner Police hätte freie Hand institutionell rassistisch zu bleiben und weiterhin auf BAME-Gemeinschaften (Black & Minoritised Communities herumzuhacken und sie zu diskriminieren, solange kein Mitglied der Polizeikräfte tatsächlich etwas unverhohlen rassistisches sagt.

Ein weiterer unentschuldbarer Fehler tritt auf, weil die Erklärung von Jerusalem Vergleiche zwischen Israel und den Nazis zulässt, indem sie darauf hinweist, dass „Kritik, die manche als übertrieben oder umstritten betrachten“, kein Antisemitismus ist. Nazi-Vergleiche werden somit entschuldbar.

15. Politisches Rede muss wohlüberlegt, verhältnismäßig oder vernünftig sein, damit sie von Artikel 19 der Universalen Erklärung der Menschenrechte oder Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention geschützt wird. Kritik, die manche als übertrieben oder umstritten betrachten oder als Ausdruck von „zweierlei Maß“ betrachten, ist nicht per se antisemitisch.

Dieser Standpunkt ist absurd und solche Standards werden nicht auf Rassismus gegen irgendeine andere Minderheitsgruppe angewandt. Wenn die Jerusalem-Erklärung sich tatsächlich als Bildungsinstrument betrachtet, hätte sie natürlich Nazi-Analogien einbezogen. Die Tatsache, dass sie das nicht tut, hebt heraus, dass sie geschrieben wurde, um Antisemiten zu erlauben unbehindert antisemitisch zu sein.

Die politisierte Definition

Drei der Autoren, Elissa Bemporad, Alon Confino und Derek Penslar, schrieben einen einleitenden Artikel im Forward. In dem Artikel wurden Worte geschrieben, die die Jerusalem-Erklärung als das heimtückische, linksradikale und gefährliche Dokument entlarven, das es tatsächlich ist. Dies ist der  vierte Absatz des Artikels:

Obwohl wir die Schädlichkeit des Antisemitismus von links nicht unterschätzen, ist klar, dass die gefährlichste Bedrohung für Juden heute von der extremen Rechten und von populistischen Gruppen kommt. Wir können und sollten den Kampf gegen diese Gruppen nicht auf eigene Faust führen. Stattdessen müssen wir anstreben Bündnisse mit anderen Gruppen zu schaffen, die unter Rassismus und Bigotterie leiden.

Dieser Absatz lässt die Autoren wie linksradikale Corbynisten klingen. Sie akzeptieren, dass es bei der Linken vielleicht ein Problem mit Antisemitismus gibt, aber sie wollen, dass wir alle uns mit dem realen Antisemitismus beschäftigen – der „gefährlichsten Drohung“ – nämlich dem der Rechten. Das ist unbestreitbar eine politisch aufgeladene Äußerung, die die wahren Absichten und politische Orientierung der Autoren entlarvt. Sie ist zudem nachweislich falsch.

Die gefährlichste Bedrohung für Juden kommt heute vom islamistischen Antisemitismus – den die Autoren bemerkenswerterweise nicht einmal anführen. Und weil islamistischer Antisemitismus im Westen, wenn sie abstimmen, dazu tendieren, sich mit linksradikalen politischen Elementen zu verbünden, hat das eine sehr potente und gefährliche Allianz geschaffen.

Über die Drohung durch weißes Herrenmenschentum hinaus begreifen die Autoren den modernen Antisemitismus eindeutig nicht einmal ansatzweise – und sie erweisen sich selbst als wenig mehr als politische Aktivisten, die es auf sich genommen haben ihren eigenen Bereich des politischen Spektrums durch Ausverkauf der Mehrheit der Juden zu schützen.

Zwei dieser Autoren:

Alon Confino hat Parallelen zwischen dem Holocaust (dem industriellen Abschlachten der Juden) und der Nakba (dem Ergebnis eines winzigen zivilen Konflikts, den die Araber suchten und verloren) gezogen. Confino war einer der israelischen Akademiker, der versuchte Deutschland davon abzuhalten anti-BDS-Gesetze zu erlassen. Er unterschrieb zudem einen Brief, der die Universität Tel Aviv aufforderte Ausgrabungen in der Davidstadt zu boykottieren und nahelegte, mit der Arbeit werde versucht „die Gegend zu judaisieren“.

Elissa Bemporad unterschrieb einen Brief, der Israel angriff, weil es prominente BDS-Aktivisten nicht ins Land einreisen ließ. Warum um alles in der Welt sollte irgendein Staat Ausländer ins Land lassen, wenn deren einzige Absicht darin bestand, sobald sie eingereist sind, diesem Staat zu schaden?

Autoren, Koordinatoren und Unterstützer

Die Jerusalem-Definition hat acht „Koordinatoren“: Die Einseitigkeit von Seth Anziska und Alon Confino ist bereits diskutiert worden.

Emily Dische-Becker ist eine Journalistin, die oft harte israelfeindliche Kommentare puscht – so wie diesen von ihr geteilten Artikel eines Antizionisten, der erklärte, Israel sei offensichtlich ein Apartheidstaat:

Wenn Sie dazu neigen sich gegen Beschwörung von „Apartheid“ in Bezug auf Israel zu sträuben, lesen Sie @sareemakdisi in der Los Angeles Times.

Amos Goldberg schrieb einen Artikel, der im antizionistischen Magazin +972 veröffentlicht wurde; darin behauptete er, er pusche die krasse Lüge, die IHRA-Definition versuche „Israel vor jeglicher Kritik abzuschirmen“. Der Artikel verweist auch auf nicht mit Israel verbundenen „echten Antisemitismus“. Goldberg unterschrieb zudem den Brief, der BDS gegen deutsche Gesetze verteidigt. Stefanie Schüler Springorum unterzeichnete den Brief in Deutschland ebenfalls. Brian Klug war 2007 ein Unterzeichner der Erklärung der radikalen Linken-Gruppe Independent Jewish Voices. Er hat außerdem gegen die Vorstellung eines „neuen Antisemitismus“ argumentiert. David Feldmann war stellvertretender Vorsitzender der Chakrabarti-Ermittlung – die zu einer totalen Reinwaschung der Labour Party von Antisemitismus führte.

Was es in dieser linksradikalen Gruppe nicht gibt, die die IHRA-Definition verwässern will – ist jeglicher echter ideologischer Dissens.

Das ist der Grund, dass zu ihren Anhängern Leute wie Jackie Walker gehören:

Eine Antisemitismus-Definition, die brauchbar und akzeptabel ist… „Weil die IHRA unklar und offen für unterschiedliche Interpretationen ist, hat sie Verwirrung gestiftet und Streit hervorgerufen, daher den Kampf gegen den Antisemitismus geschwächt.

Das erklärt auch, warum Antizionisten und Einstaat-Absolutisten wie Peter Beinart und Neve Gordon – zusammen mit anderen giftigen Akademikern wie Richard Falk – sie alle unterschrieben haben.

Zu weiteren bemerkenswerten Unterzeichnern gehören Sergio Luzatto, der das berüchtigte Buch Pasquedi di Sangue (Blut-Pessah) gut hieß und dann verteidigte, in dem behauptet wurde, an der Pessah-Ritualmordlüge sei etwas Wahres dran.

Seien wir ehrlich – wenn Jackie Walker und Richard Falk deine Antisemitismus-Definition unterstützen, dann bist du ziemlich auf dem Holzweg.

Jerusalem-Erklärung – eine ungewollte, vorsätzliche Schweinerei

Jahrzehnte lang wurde dem Antisemitismus in israelfeindlichem Aktivismus keine Aufmerksamkeit geschenkt und das erlaubte dem Antisemitismus sich praktisch unangefochten auszubreiten – in der Politik, auf der Straße und in der akademischen Welt. An vielen Universitäten wurde Antisemitismus zur Norm und er wurde derart eingebettet, dass die, die sich gegen ihn stellten, als die Seltsamen oder Extremisten betrachtet wurden. Die dringend gebrauchte IHRA-Definition wurde eingeführt, um bei Bildung zu helfen und den Lauf der Dinge aufzuhalten.

Das einzige, was die Jerusalem-Erklärung tut, ist die Sache so weit zu trüben, dass alles durchs Netz schlüpfen kann.

Die Motivation hinter der Jerusalem-Erklärung ist klar: Sie wurde geschrieben, um die IHRA-Definition zu attackieren und ihre Verbreitung aufzuhalten. Die neue Definition kommt aus den Händen derer, die sonst niemals daran gedacht hätten eine Antisemitismus-Definition zu schreiben. Sie wird nur von Gruppen genutzt die Antisemitismus niemals bekämpft haben, einzig um die IHRA-Definition zu attackieren. Antisemiten werden sie nutzen, um sich vor Antisemitismus-Vorwürfen zu schützen. Sie ist faktisch ein sorgfältig erstellter „Ich komme mit Antisemitismus davon“-Freifahrtschein. Sie muss abgelehnt und gemieden werden, wo immer sie auftaucht.

Hinweis: audiatur online hat einen weiteren Text übersetzt, der sich mit der noch stärker alles verwässernden „Nexus-Erklärung“ befasst.
Alan Posener schrieb in der WELT darüber, weshalb die Jerusalem-Erklärung Mumpitz ist.
Alex Feuerherdt schreibt bei MENA Watch ausführlicher über den Sinn und  Unsinn der Jerusalem-Erklärung und die ZIele ihrer Verfasser bzw. Unterstützer.

Bill de Blasio verhaftet gesamte jüdische Gemeinde wegen Einladung an „Extragast“ zum Passah-Essen

The MidEast Beast, 18. März 2021


Foto: Rafael Ben Ari

Dieses Wochenende schaffte es Bill de Blasio sich selbst zu übertreffen, indem er die gesamte jüdische Gemeinschaft New Yorks vorab verhaftete, nachdem er herausfand, dass sie alle planten zu Pessah denselben Gast einzuladen.

De Blasio beharrte darauf, dass er nicht einseitig gegen die jüdische Gemeinschaft eingestellt erscheinen wollte, aber er konnte nicht daneben stehen und ihnen erlauben auf Hebräisch etwas über Plagen zu skandieren, während sie einen Fremden einladen sich während des Festes mit an ihren Tisch zu setzen. Deshalb stellte er sicher, dass für jedes potenzielle COVID-Verbreiterereignis ein Stopper gesetzt wird, indem jede einzelne jüdische Person in New York City festgenommen wird.

„Schauen Sie, einen Typen einzuladen, der einen ganzen Abend lang von Haus zu Haus geht, ist eindeutige eine vorsätzliche Superspreader-Veranstaltung“, sagte der Bürgermeister auf einer Pressekonferenz. „Was ich nicht begreife ist, dass ein Haufen Juden mir erzählte, dieser Elias-Typ würde noch nicht einmal auftauchen. Warum also ihn überhaupt einladen? Das begreife ich nicht.“

Nach der Pressekonferenz versicherte de Blasio allen gesetzestreuen New Yorkern, dass sie vor Verhaftung sicher sind, solange sie mit dem Blut eines Touristen ein Kreuz auf ihrer Türpfosten malen.

„Antisemitismus light“ im zeitgenössischen Deutschland

Evyatar Friesel, BESA Center Perspective Paper Nr. 1.974, 23. März 2021

Antiisrael-Demonstranten beim Al-Quds-Marsch in Berlin (Foto: Montecruz-Foto via Jewish Policy Center)

Seien wir ehrlich: Israelis interessiert das Problem des Antisemitismus nicht. Das ist ein Fehler, denn antisemitische Ansichten in ihren verschiedenen Fassungen und Verkleidungen beeinflussen weiterhin internationale Einstellungen zum jüdischen Staat. Dass Antisemitismus in Deutschland mit anderem Hass in einen Topf geworfen wird hat zu einer Form von „Antisemitismus light“ geführt, der so tückisch ist wie seine früheren Verkörperungen.

Am 20. Dezember 2020 veröffentlichte die englische Ausgabe von Ha’aretz einen Artikel unter der Schlagzeile „In Deutschland läuft eine Hexenjagd gegen Israelkritiker. Kulturelle Leiter haben die Nase voll.“ Der Text diskutierte die Initiative GG 5.3 Weltoffenheit (nicht die erste ihrer Art), eine Oppositionserklärung von mehr als 30 Direktoren deutscher Kultur- und Forschungsinstitutionen gegen einen Beschluss des Bundestags vom Mai 2019, der die BDS-Bewegung verurteilte. „Der gemeinsame Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus, Rechtsextremismus und jede Form von gewaltbereitem religiösem Fundamentalismus steht im Zentrum unserer Initiative“, heißt es in der Erklärung. Dieses Ziel wurde, so die Kritiker, von der Haltung des Bundestags getrübt: „Unter Berufung auf diese Resolution werden durch missbräuchliche Verwendungen des Antisemitismusvorwurfs wichtige Stimmen beiseite gedrängt und kritische Positionen verzerrt dargestellt.“

Was verstehen zeitgenössische Deutsche unter „Antisemitismus“? In den letzten Jahren hat das Thema über Bücher, Artikel und Erklärungen viel Aufmerksamkeit gewonnen. Im deutschen wissenschaftlichen und öffentlichen Denken ist ein Trend entstanden: Judenhass wird mit anderen kulturellen Standpunkten kombiniert, so wie in der oben angeführten Erklärung. Die Idee ist, dass Antisemitismus und Antiislamismus beides Ausdrucksformen von Hass sind und Deutsche genauso gegen Antisemitismus sind wie gegen Hass auf alle Ausländer.

Das Ergebnis ist eine Art „Antisemitismus light“, der weniger ein argumentierter Standpunkt, als vielmehr eine Haltung ist – eine mit sehr viel Einfluss und weit verbreitet. Das läuft auf eine Aufweichung des Themas hinaus und stellt damit ein problematisches Verständnis von Judenfeindlichkeit dar. Der Moment, in dem das Wort „und“ erscheint, wird Antisemitismus in die Ecke gedrängt.

Verschlimmert wird das Problem dadurch, dass oft falsche Verbindungen hergestellt werden. Erstens ist das Thema als Problem von Fremdenfeindlichkeit zu behandeln fehlgeleitet, da moderne Juden keine Fremden in ihren eigenen Ländern sind. Albert Einstein, Liese Meitner, Sigmund Freud, Gustav Mahler, Walter Rathenau und viele weitere waren in ihren Ländern gut integrierte Bürger und Führungspersönlichkeiten westlicher Kultur.

Antisemitismus hat auch nichts mit Antiislamismus zu tun. Sie zu koppeln ist das Ergebnis einer oberflächlichen Vermischung der psychologischen und sozialen Bedeutungen des Wortes „Hass“. Judenfeindlichkeit und Antiislamismus haben nichts gemeinsam, was ihre historischen Wurzeln, kulturellen Inhalt oder aktuelle Bedeutung angeht. In Hinsicht auf Rassismus war Antisemitismus in Nazideutschland ein wichtiger Faktor, füllt aber heute keine Rolle aus. Trotzdem wird Antisemitismus im gegenwärtigen öffentlichen Diskurs selten allein erwähnt. Es ist politisch korrekt geworden Judenhass an irgendeinen anderen kulturellen oder sozialen Faktor des öffentlichen Lebens zu binden.

Weitere Verwirrung beim Erkunden des Antisemitismus kommt aus den Sozialwissenschaften. Über eine unangemessene Anpassung von Ansichten aus der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule des 20. Jahrhunderts wird Antisemitismus als eine antimoderne Position beschrieben. Historische Analyse zeigt allerdings, dass Antisemitismus nie antimodern war – er passte sich immer an die aktuellen kulturellen und politischen Trends der jeweiligen Zeit an, wie er das mit dem neuen Antiisraelismus getan hat. Dann gibt es die Vorstellung, dass Antisemiten nicht in der Lage sind abstrakt zu denken. Im Gegenteil: Judenhasser dachten immer und denken auch weiter in abstrakten Begriffen. Ihre Auffassungen über Juden und das Judentum beruhen nicht und beruhten nie auf der Realität.

Allgemeiner wird Antisemitismus regelmäßig als rechtes ideologisches Phänomen beschrieben, gemildert von der gelegentlichen schockierten Offenbarung: „Der Antisemitismus hat die Mitte der Gesellschaft erreicht!“ In Wirklichkeit ist Judenhass nie aus irgendeiner ideologischen Ecke aufgetaucht und kam „plötzlich“ in höflicher Gesellschaft an. Judenfeindlichkeit war immer in der sozialen Mitte etabliert und bewegte sich dann abhängig von den Umständen in die eine oder anderer ideologische Richtung.

Heutzutage hat das israelfeindliche Muster des Judenhasses viel Unterstützung bei Liberalen und Linken, Leuten, die Toleranz und Verständnis für alles predigen, außer für den jüdischen Staat. Sie unterstützen die BDS-Bewegung oder machen bei ihr mit, was einen Wolf im Schafspelz darstellt: Sie ist ein politisches Unterfangen mit dem Ziel der Vernichtung Israels im Namen von demokratischen und humanitären Werten.

Wie soll man solche ideologische Unordnung erklären, die das Verständnis des Judenhasses verwischt und Anstrengungen gegen Antisemitismus in verschiedene Richtungen lenkt? Ein wichtiger Grund scheint die besondere Art und Weise zu sein, wie mit der historischen Dimension der Judenfeindlichkeit in Bezug auf die öffentliche Wahrnehmung umgegangen wird. Der wissenschaftlich-historische Ansatz, wie er von Poliakov, Katz, Bauer, Wistrich, Schwarz-Friesel, Nirenberg und vielen anderen gut zum Ausdruck gebracht wird, erklärte Antisemitismus als kulturellen Faktor, der tief in westlicher Kultur wurzelt und eine Jahrtausendgeschichte hinter sich hat. Der chamäleonartige Charakter des Antisemitismus wird betont: Im Lauf der Jahrhunderte veränderte er, wie er sich ausdrückt sowie seine Maximen und passte sich den sich verschiebenden kulturellen Trends und gesellschaftlichen Bedingungen in westlichen Gesellschaften an, blieb aber immer dasselbe: Hass auf Juden und das Judentum.

Jahrhunderte lang waren die wesentlichen judenfeindlichen Argumente religiöse, während sie in modernen Zeiten überwiegend säkular geworden sind. Vom späten 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts dominierte der Rassenansatz. Vom späten 20. Jahrhundert an erfolgte eine Verwandlung: die „Israelisierung“ des Antisemitismus. Der jüdische Staat – der lebendigste Ausdruck heutigen jüdischen Lebens – ist zum Ziel einer neuen Generation von Antisemiten geworden. Diese Verschiebung begann in den 1960-er Jahren und wurde von Jean Améry bereits 1969 beschrieben.

Die Verinnerlichung des historischen Ansatzes im gegenwärtigen akademischen und öffentlichen Verständnis (wenn er tatsächlich auftritt) folgt jedoch einem dubiosen Muster. Ein Grundsatz der historischen Position wird schlicht missachtet: dass Judenhass einzigartig ist. Bei Forschern und Personen der Öffentlichkeit ist eine unausgesprochene Nichtbereitschaft aufgekommen, Judenfeindschaft als Phänomen zu akzeptieren, das in westlichem kulturellem Bewusstsein von allein fortbesteht, gelegentlich verbunden mit grundlegend nicht damit in Zusammenhang stehendem Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antimodernismus oder irgendeinem anderen sozialen oder ideologischen Standpunkt.

Es hat sich ein gedämpfter Widerstand gegen die Anerkennung der Judenfeindlichkeit nicht als Vorurteil, sondern als Doktrin, die tief in der westlichen Kultur eingebettet ist, festgesetzt. So erklärte Jean-Paul Sartre schon 1954: „Was sich der Antisemit wünscht, was er vorbereitet, ist der Tod des Juden.“

Warum die Mehrdeutigkeit zu Antisemitismus? Es scheint im zeitgenössischen westlichen Bewusstsein einen Bruch zwischen dem objektiven und dem subjektiven Verständnis der Judenfeindlichkeit zu geben. In der Situation hilft die Tatsache nicht, dass die verbalen Fähigkeiten gewisser Forscher, die sich mit dem Thema beschäftigen, über ihre kognitive Klarheit hinausgehen – mit anderen Worten: Es ist schwer zu verstehen, was sie tatsächlich meinen. Judenhass scheint ein von der Gesellschaft anerkanntes Phänomen zu sein – aber nur bis zu einem bestimmten Punkt.

Die absurde Präsentation von Juden und Judentum als Gefahr für die Menschheit und die jüngsten Schrecken der Schoah zwang die Menschen zu einer Abrechnung. Wir rutschen hier in den heiklen Bereich des subjektiven öffentlichen Verhaltens, der Vorsicht erfordert: Scheinbar benötigt eine volle Anerkennung von Judenhass als unabhängigem Faktor mit tiefen Wurzeln in der westlichen Kultur (was letztlich bedeutet, dass etwas Gegenwärtiges, bewusst und unbewusst, in der kognitiven und emotionalen Haltung eines jeden Einzelnen) eine Maßnahme der Selbstreflexion und Einsicht, die auf der persönlichen Ebene schwierig und in der weiteren sozialen Umgebung vielleicht unmöglich ist. Offensichtlich können Jahrhunderte an Judenhass nicht von mehreren Jahrzehnten des Insichgehens (soweit das geschehen ist) überwunden werden. Es sieht so aus, als neigen Menschen, einschließlich gelehrter Akademiker, einem weichen Antisemitismus zu – einem, der mit bestehenden sozialen und kulturellen Kategorien wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antimodernität, Antiislamismus usw. vergleichbar und an diese anpassbar ist, sogar negativ. Das Ergebnis ist „Antisemitismus light“.

Die oben erwähnte Initiative GG 5.3 Weltoffenheit, die sich gegen den BDS-Bundestagsbeschluss von 2019 richtet, ist ein Beispiel für den Ansatz des „Antisemitismus light“. In typischer Weise vermischt die Erklärung Antisemitismus mit Rassismus, Extremismus und Fundamentalismus. Das Hauptargument – dass „unter Berufung auf diese Resolution durch missbräuchliche Verwendungen des Antisemitismusvorwurfs wichtige Stimmen beiseite gedrängt und kritische Positionen verzerrt dargestellt“ werden – ist ein deutlicher Hinweis auf die Verwechslung zweier unterschiedlicher Dinge, Antiisraelismus und Israelkritik. Die beiden durcheinander zu bringen ist ein Ergebnis davon, dass der historische Ansatz zu Judenhass von denen nicht akzeptiert wird, die „Antisemitismus light“ betreiben.

Die historische Position, die Judenfeindlichkeit als ein sich entwickelndes Phänomen erklärt, betrachtet Antiisraelismus als führenden Ausdruck zeitgenössischen Antisemitismus. Das hat nichts mit Kritik an von der israelischen Regierung eingenommenen Standpunkten zu tun. Israelische Politik wird jeden Tag kritisiert, auch in Israel selbst. Aber gegen schon die reine Existenz des jüdischen Staats zu sein oder seine Beseitigung oder „Transformation“ zu fordern ist Judenhass in neuem Gewand.

Was bewegte die Unterzeichner zu der oben beschriebenen Erklärung? Um einen amerikanischen Ausdruck zu verwenden: „Was lässt sie Ticken?“ Hass auf Juden scheint nicht das treibende Element zu sein. Ihr Verständnis von Antisemitismus ist anscheinend so begrenzt, wie das, das sie kritisieren wollen.

„Antisemitismus light“ entwickelt Material für lange Artikel, laute Äußerungen und große Konferenzen sowie gut dotierte Forschungsprogramme. Als Ergebnis davon wird der wahre Judenhass beiseitegeschoben, der nach wie vor sehr lebendig und gefährlich ist. Vor kurzem schrieb ein deutscher Professor, der sich selbst als Humanist beschreibt, der israelischen Botschaft in Berlin: „Israel ist eine Anomalie und sollte um unser aller willen friedlich aufgelöst werden.“

Die erschreckende Seite der Judenfeindlichkeit – ihre immerwährende Dimension, Anpassungsfähigkeit an moderne Gegebenheiten und üble Kraft im Schatten westlicher „Kultur“ – wird mit einer Schicht „korrekter“ Phrasen kaschiert.

Mit klaren Augen betrachtet ist „Antisemitismus light“ eine Ausdrucksform der intellektuellen Verwirrung des Themas, die derzeit bei vielen Deutschen (und Europäern) existiert. Es ist höchste Zeit solche Einstellungen zu überdenken. Antisemitismus ist nach wie vor vorhanden und daran gibt es nichts, was „light“ ist.

Wenn die Linksextreme die Bekämpfung von Antisemitismus mit progressiven Themen vermengt, sind Juden die Verlierer

Elder of Ziyon, 18. März 2021

Ein Haufen progressiver und antizionistischer Juden schrieb einen Brief an Präsident Biden, mit dem sie ihn drängten einen Antisemitismus-Bevollmächtigten zu ernennen, der die meisten Formen des Antisemitismus ignorieren wird. Ha’aretz befeuerte diese Dummheit noch.

Nehmen wir ihn auseinander:

Sehr geehrter Herr Präsident und Minister Blinken:

Als jüdische Führer schreiben wir Ihnen in einem Moment der Angst und Hoffnung. Wir sind tief besorgt wegen der antisemitischen Gewalt und Rhetorik, die wir weltweit in den letzten Jahren erlebt haben. Wir sind voller Hoffnung, weil Ihre Administration eine Gelegenheit hat einen neuen Ansatz als Reaktion auf die Dringlichkeit des zeitgenössischen Antisemitismus zu wählen.

Nein, ihre Äußerungen haben gezeigt, dass sie allen Antisemitismus vollkommen ignorieren, der von der Linken, von Schwarzen, von Palästinensern und Muslimen kommt. Was der meiste davon ist.

In diesem entscheidenden Moment denkt unsere Gesellschaft mit Jahrhunderten weißer Vormachtstellung und mit neuen, global vernetzten rechtsextremistischen Bewegungen – Probleme, denen wir uns nur stellen können, wenn wir die Rolle des Antisemitismus bei weißen Herrenmenschen- und ethnonationalistischen Ideologien begreifen. Wir fühlen uns verpflichtet unsere Stimmen zu erheben, weil wir unsere Kämpfe auch in der Frage in Gefahr sehen, wie die US-Regierung den Kampf gegen Antisemitismus in Amerika und rund um die Welt definieren und dabei vorgehen wird.

Niemand – und ich meine wirklich niemand – bagatellisiert die Bedrohung durch rechten Antisemitismus. Niemand unterstützt Nazis oder weiße Herrenmenschen. Niemand sagt, dass die USA nicht alles tun sollen, was sie können, um gewalttätige rechtsextreme Gruppen aufzulösen. Ihre Betonung des Antisemitismus von rechts, und nur von rechts, ist ihre Art die meisten Antisemiten zu schützen und zu rechtfertigen.

Antisemitismus ist eine Frage der Rassengerechtigkeit. Wir haben erlebt, wie antisemitische Verschwörungstheorien von Schwarzen geführte Gerechtigkeitsbewegungen untergraben: falsche und entmenschlichende Behauptungen, die jüdische Verantwortung für schwarze Brillanz postulieren und damit uns alle gefährden. Zu oft setzen genau die Leute, die diese judenfeindlichen Verschwörungstheorien einsetzen, dann Antisemitismus-Beschuldigungen als Waffe gegen Progressive ein, insbesondere schwarze und palästinensische Progressive, die die israelische Regierung kritisieren. Derweil werden farbige Juden und ihre Antisemitismus-Erfahrungen sowie Rassismus an den Schnittpunkten ignoriert. Wir müssen einen Bevollmächtigten haben, der begreift, wie Antisemitismus und weißes Herrenmenschentum einander verstärken.

Jeder weiß, dass rechtsextreme Irre auch schwarzenfeindlich sind. Aber Antisemitismus ist nicht auf sie beschränkt, wie diese Leute es behaupten.

Antisemitismus ist eine Sache wirtschaftlicher Gerechtigkeit. Die US-Wirtschaft befindet sich in einer Krise. Verschwörungstheorien, die für wirtschaftliches Leid jüdische Finanzkontrolle verantwortlich machen, werden genutzt, um die strukturellen Ungerechtigkeiten zu verdecken, die unsere Gesellschaft plagen. Um die wirtschaftliche Ungleichheit direkt anzugehen, brauchen wir eine Führung, die einen klaren Blick darauf hat, wie der Antisemitismus benutzt wird, um Juden zu Sündenböcken für das Versagen unseres Finanzsystems zu machen, unser Vertrauen in von der Regierung geleitete Lösungen zu schwächen und Bewegungen für den Aufbau einer wirtschaftlich gerechten Zukunft zu untergraben. Wir brauchen einen Bevollmächtigten, der bereit ist, als Teil des Kampfes für eine gerechtere, inklusive Wirtschaft dem Antisemitismus entgegenzutreten.

Antisemitismus ist eine Sache des Klimas und der Migration. Antisemitische Theorien stellen die von der Klima-Krise hervorgerufene Migration als jüdisches Komplott zur Ersetzung der weißen Rasse dar – eine Idee, die der Schütze, der 2018 in der Tree of Life-Synagoge 11 Juden beim Gebet tötete, zur Rechtfertigung seiner Gewalt nutzte. So, wie wir humanitäre und gerechte Antworten auf die Klimamigration vorbereiten, brauchen wir einen Bevollmächtigten, der die Bedrohung des Öko-Faschismus und die Rolle begreift, die der Antisemitismus oft in der ökofaschistischen Ideologie spielt.

Antisemitismus ist eine feministische Sache. Antisemitische Ideen sind fast immer mit vergifteten, hasserfüllten Ideen zu Geschlecht, Genus und Sexualität besetzt. Immer wieder haben wir Gewalt erlebt, die von Männern ausgeübt wurde, die zu Hass sowohl gegen Frauen als auch gegen Juden radikalisiert worden sind – aber die Verbindungen zwischen Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit werden unterbetont, zu unser aller Schaden.

Das ist mehr als absurd. Jetzt, wo sie auf schlechte Weise definiert haben, was Antisemitismus ist, versuchen sie selbst diese Gefahr zu bagatellisieren, indem sie Judenhass in „Kontext“ stellen. Das bedeutet, dass der Kampf gegen Antisemitismus unter allgemeine progressive Themen subsummiert wird, die, wie wir immer und immer wieder gesehen haben, immer eine höhere Priorität haben.

Wenn man den Antisemitismus als feministische und wirtschaftliche und Klima- und Migrationsfrage betrachtet, hat man keine Mittel mehr, um den tatsächlichen Judenhass zu bekämpfen. Antisemitismus nimmt gegenüber jeder anderen Frage einen hinteren Platz ein. Alles, was einem bleibt, sind Parolen, dass Nazis schlecht sind, was dann so ziemlich die Tiefe des gesamten Arguments darstellt.

Aus all diesen und vielen weiteren Gründen fordern wir, dass die Administration Biden einen Sonderbeauftragten zur Beobachtung und Bekämpfung des Antisemitismus auswählt, der sich verpflichtet den Kampf gegen Antisemitismus als Teil des Kampfes für eine gerechte, gemischtrassige Demokratie zu behandeln. Wir brauchen einen Beauftragten, der bereit ist sich dem Antisemitismus überall entgegenzustellen, wo er auftritt, über die flache Einordnung von „links und rechts“ hinausgeht und sowohl die unverhältnismäßige Bedrohung durch organisierten, gewalttätigen, weißen, nationalistischen Antisemitismus, als auch die Komplexitäten des Antisemitismus über die Gemeinschaften versteht.

Dieser Brief erwähnt rechtsextremen Antisemitismus sechsmal und jeder andere wird ignoriert. Wer sind also die, die das Thema in einen flachen Rahmen von „links und rechts“ setzt?

Antisemitismus ist überall zu finden. Die Geschichte hindurch verbinden Antisemiten aller Überzeugungen, Farben und politischen Identitäten Juden mit dem, was sie am meisten hassen. Das ist der Grund dafür, dass rechtsextreme Antisemiten Juden als „Kommunisten“ bezeichnen, während linksextreme Antisemiten Juden Rassisten, Kolonialisten und Kindermörder nennen; schwarze Antisemiten werden sagen, Juden würden versuchen ihr Leben zu kontrollieren, indem sie ihre Lebensgrundlage kontrollieren; muslimische Antisemiten werden sagen, Juden seien Feiglinge und Feinde Mohammeds; christliche Antisemiten werden Juden als Christusmörder bezeichnen; Anhänger der schwarzen Nation of Islam werden Juden als Sklavenhalter bezeichnen. Wenn es einen Hass gibt, der die Welt eint, dann ist es Judenhass.

Je mehr man über Antisemitismus weiß, desto mehr erkennt man, dass die Leute, die diesen Brief unterschrieben, nicht die geringste Ahnung von Antisemitismus haben.

Viel zu lange ist der Antisemitismus als Rechtfertigung für islamophobe Politik genutzt worden und um Vertreter von Palästinenserrechten anzugreifen, hier in den USA und rund um die Welt. Wir brauchen einen neuen Ansatz, ausgeführt von einem Beauftragten, der die Integrität hat Brücken zwischen Gemeinschaften und Bewegungen zu bauen.

Die völlige Unfähigkeit dieser Juden die Existenz arabischen Antisemitismus auch nur einzugestehen – nachdem Juden aus allen arabischen Ländern ethnisch gesäubert wurden – zeigt Ihnen, dass sie nicht wirklich gegen Antisemitismus sind.

Jegliche Form von Antisemitismus zu bestreiten, heißt ihn zu billigen.

Ein weiterer Punkt: Während jede andere Art von Bigotterie von den Linksextremen so weit wie möglich definiert wird, wird Antisemitismus so eng wie möglich definiert. Leute, die die Juden ins Meer werfen wollen oder die behaupten Schwarze seien die wahren Juden und Juden seien Hochstapler oder dass der jüdische Staat der rassistischste Staat der Welt ist, werden nicht verunglimpft. Nazis sind schlimm – aber farbige Poeten oder linke Rockstars oder Palästinenserführer, die Nazi-Literatur wiedergeben, werden gefeiert und ihr Antisemitismus, wenn angeprangert wird, wird gerechtfertigt.

Das Letzte, was Juden brauchen, ist ein Antisemitismus-Beauftragter, der Antisemitismus so derbe falsch versteht, wie die Unterzeichner dieses Briefs.

Warum kann die Linke ihren eigenen Antisemitismus nie erkennen?

Jüdische Einzigartigkeit macht Judenhasser wahnsinnig und noch stärker bei der Linken

Melanie Phillips, 2. Februar 2021

In seinem neuen Buch Jews don’t count[1]stellt David Baddiel fest, dass Leute auf der Linken das Problem es Antisemitismus nicht auf demselben Niveau behandeln wie Vorurteile zu Rasse, Sexualität oder Geschlecht.

Ich persönlich begann in den 1980-er Jahren zweierlei Maß zu Antisemitismus festzustellen, als ich schrieb, dass Antisemitismus zum „Vorurteil, das niemand auszusprechen wagt“ geworden war.

Das war, als die Linke Israels als „Nazis“ bezeichnete, weil sie versuchten die Terror-Infrastruktur der Palästinensischen Befreiungsorganisation aus dem Libanon zu beseitigen. Es war, als Leute offen zu sagen begannen: „Juden machen so viel Geld / sie sind so stammesverbunden / sie stecken immer gegen alle andere zusammen“.

Unter Linken einfach schon das Wort „Antisemitismus“ zu erwähnen verursachte hingegen sofortige eisige Kühle, provozierte Augenrollen oder sorgte für den Vorwurfe: „Du benutzt Antisemitismus, um Israels Gräueltaten reinzuwaschen.“

Erst als das Thema Jeremy Corbyns Labour Party so spektakulär um die Ohren flog, wurde diese letzte Anschuldigung selbst endlich als Form von Judenhass anerkannt. Und dann war das nur deshalb, weil Corbyn derart links war, dass er als völlig inakzeptabel galt, so dass Juden ansatzweise das Gefühl bekamen, es sei sicher das A-Wort zu benutzen.

Warum also bestreitet die Linke den Antisemitismus in ihrer Mitte oder grenzt ihn aus? Und warum sind so viele Juden immer noch so nervös deswegen eine negative Reaktion zu bekommen, sollten sie darüber bei der Linken reden, außer im Kontext der corbynisierten Labour Party?

Ein offensichtlicher Faktor ist, dass in progressiven Kreisen marxistische Annahmen oft absorbiert worden sind, ohne dass ihr Ursprung erkannt wird. Wie Marx selbst glauben viele Linke, dass Kapitalismus übel und weiß ist, dass Kapitalismus von Juden geführt wird, dass Geld Macht ist und dass Juden so viel Geld und Macht haben, dass sie die kapitalistische Welt anführen.

Natürlich sind die meisten Juden weder reich noch mächtig. Sie sind auch nicht alle weiß. Aber der Glaube, dass sie es sind, bedeutet, dass sie niemals als Opfer gelten dürfen. Statt also von den Linken in die Liste der Unterdrückten aufgenommen zu werden, werden Juden von ihnen offen zu den Privilegierten gezählt.

Das linke Narrativ der systematischen Unwahrheiten und Verleumdungen zu Israel, es sei ein kolonialistischer Staat, der das eingeborene Volk des Landes entwurzelt und weiterhin unterdrückt, spielt im Gegenzug in diese Ausdruckswiese von Macht und Bedrohung durch Juden hinein.

Entscheidend ist, dass die auf der Linken glauben sie stünden für nicht infrage zu stellende Tugenden und die einzig schlechten Leute sind ihre Gegner. Also sind nur die Rechten antisemitisch, während die Linken das nie sein können. Das ist der Grund, dass für die Labour Party Antisemitismus in den eigenen Reihen eine Krise ist, die sie nicht lösen kann.

Aber so bedeutend all das auch ist, es liefert nicht die ganze Erklärung. Wir müssen wohl noch tiefer in das Vorurteil selbst eintauchen.

Im Kern des Antisemitismus liegen Ressentiment, Neid und Angst vor Juden als den anderen und Außergewöhnlichen. Die Vorstellung, dass sie glauben „auserwählt“ zu sein, nur um eine einzigartige Last zu tragen, wird übel als Privileg missverstanden.

Daher treibt die Andeutung jüdischer Außergewöhnlichkeit Antisemiten in den Wahnsinn. Jeder Verweis auf die außergewöhnliche Anzahl jüdischer Nobelpreisträger oder das außergewöhnliche Ausmaß jüdischer Philanthropie oder der außergewöhnlichen Zahl wissenschaftlicher Erfindungen, die aus Israel kommen und der Welt nutzen, verstärkt die Angst und das Ressentiment bezüglich jüdischer „Macht“ nur noch.

Zu viele Juden, die sich der Gefahr bewusst sind als „anders“ gesehen zu werden, schrecken selbst dafür zurück jüdische Außergewöhnlichkeit einzugestehen. Indem sie vor kultureller Macht niederknien, streben sie danach linke Ideologie nicht vor den Kopf zu stoßen.

Und Hass gegen jüdische Außergewöhnlichkeit füttert diese Ideologie. Unter dem Mantra der „Gleichheit“ gestattet das keine Werte-Hierarchien. Sie misstraut Unterscheidungen und Unterschieden; sie glaubt, dass die Besonderheiten einer jeden Kultur dem abflachenden Dogma universalistischer Werte nachgeben müssen.

Aber die jüdische Identität, Religion und Tradition gründen auf Unterscheidungen, Unterschieden und moralischen Hierarchien. Also beleidigt jüdische Außergewöhnlichkeit das Dogma der Linken in jeder Beziehung. Und dazu gehört auch die Außergewöhnlichkeit von jüdischem Leid.

Kein anderes Volk hat über so viele Jahrtausende solch entschlossene Versuche erlebt es auszulöschen. Ebenso unterschied sich der Holocaust von allen anderen Verbrechen gegen die Menschheit oder auch anderen Völkermorden, denn die Schoah war ein einzigartiger Versuch ein Volk, die Juden, vom Angesicht der Welt zu löschen.

Die relativistische Linke hingegen will alles Leiden gleichmachen. Was der Grund ist, dass Holocaust-Gedenken zunehmend mit anderen Völkermorden und Verbrechen gegen die Menschheit als gleichwertig zur Schoah bezeichnet wird, die damit unweigerlich herabgestuft wird.

Das ist der Grund, dass Oberrabbiner Mirvis in seiner BBC-Radiosendung Thought for the Day[2] am Holocaust-Gedenktag nicht erklärte, was er meinte, als er feststellte, dass der Holocaust einzigartig war – und tatsächlich nutzte er in seinen Gedanken zur Bedeutung der Schoah, das Wort „Juden“ überhaupt nicht.

Das Judentum ist einzigartig, das jüdische Volk ist einzigartig und Antisemitismus ist einzigartig: das unmissverständlichste, geistesgestörteste und tödlichste Vorurteil der Geschichte. Aber jüdische Einzigartigkeit linkem Dogma im Weg. Das ist der Grund, weshalb bei den Eiferern der Opferkultur judenfeindliches Vorurteil nicht zählt.

[1] Juden zählen nicht

[2] Gedanke des Tages