Winston Churchill in Palästina – 100 Jahre später

„Die Gründung einer jüdischen nationalen Heimstatt in Palästina wird für die gesamte Welt ein Segen sein.“

Lee Pollock, the Librarians, 24. März 2021

Winston Churchill in Tel Aviv, 1921. Aus der Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Am 24. März 1921 kam ein Nachtzug aus Kairo in Gaza an, einer Stadt, in der rund 15.000 Araber und weniger als einhundert Juden wohnten; sie lag knapp innerhalb der südwestlichen Grenze des neu geschaffenen britischen Mandatsgebiets Palästina. Das Völkerbundmandat war Britannien im Rahmen der Bedingungen der Konferenz von San Remo elf Monate zuvor gewährt worden.

Der Zug hatte drei wichtige Passagiere, darunter Sir Herbert Samuel, ein altgedienter jüdisch-liberaler (und zionistischer) Politiker, der zu Britanniens erstem Hochkommissar für Palästina ernannt worden war, sowie einen gerissenen Armee-Oberst, der über eine unvergleichliche Vertrautheit mit dem Nahen Osten verfügte: T. E. Lawrence.

Porträt von Herbert Samuel, aufgenommen kurz vor seiner Ernennung zum Hochkommissar für Palästina, ca. 1920 (Foto: Yaakov Dov; aus der Abraham Schwadron Portrait Collection, Archiv der Nationalbibliothek Israels)

Der dritte Fahrgast war Winston Spencer Churchill, ein weiterer Politik-Veteran, der erst ein paar Wochen zuvor Kolonialminister geworden war, verantwortlich für die britische Verwaltung sowohl Palästinas als auch dem, was als ein Parallel-Mandat in Mesopotamien gedacht war.

Churchill, Samuel und Lawrence hatten fast drei Wochen in Kairo verbracht, sich mit anderen ranghohen britischen Beamten getroffen, um die Überbleibsel des Osmanischen Reichs umzuformen und die neuen arabischen Königreiche Irak und Transjordanien zu schaffen.

Churchill blieb acht Tage in Palästina, seinem ersten offiziellen Besuch im Heiligen Land. Er stand bereits jüdischen Bestrebungen einer nationalen Heimstatt in Palästina wohlwollend gegenüber; Großbritannien hatte in der Balfour-Erklärung vom November 1917 zugesagt, obwohl seine Unterstützung von Bedenken wegen der Kosten der Verwaltung des Mandats und noch größerer Sorge zur Fähigkeit der Koexistenz der jüdischen Gemeinschaft und ihrer weit bevölkerungsstärkeren arabischen Nachbarn gedämpft wurde.

Ungeachtet seiner Zweifel diente Churchills Erfahrung während dieses Besuchs der Festigung sowohl seiner Bewunderung für das jüdische Volk als auch seiner Unterstützung des Zionismus. Er richtete sich im Government House in Jerusalem ein, traf sich mit arabischen wie jüdischen Delegationen. Als talentierter Amateur-Maler fand er auch Zeit eine wunderschöne Landschaft des Sonnenuntergangs über der Stadt zu malen, eine Arbeit, die sich immer noch im Besitz seiner Nachkommen befindet.

Am 27. März weihte er den neuen britischen Militärfriedhof auf dem Ölberg ein und am folgenden Tag traf er Emir Abdallah, den neu bestimmten König von Transjordanien, um ihn bezüglich seiner Angst wegen des Tempos der jüdischen Zuwanderung in die Gegend zu beruhigen. Abdallah wurde  nicht ganz besänftigt, aber Churchill stimmte zu, dass jüdische Besiedlung östlich des Joran verboten würde.

Churchill mit Bischof MacInnes von Jeruslaem beim Gedenkgottesdienst auf dem Militärfriedhof auf dem Skopusberg, 26. März 1921 (Foto: American Colony Photo Dept. / Library of Congress)
Winston Churchill, T.E. Lawrence und Emir Abdallah im Garten des Government House in Jerusalem, 1921 (Foto: G. Eric Matson / Library of Congress)

Zwei Tage später pflanzte er einen Baum auf dem Skopusberg an der Stelle der zukünftigen Hebräischen Universität; dort sagte er den versammelten Würdenträgern: „Mein Herz ist voller Sympathie für den Zionismus. Die Gründung einer jüdischen nationalen Heimstatt wird für die ganze Welt ein Segen sein.“

Herbert Samuel und Winston Churchill (mit Schaufel) bei der Baumpflanzungs-Zeremonie am zukünftigen Ort der Hebräischen Universität in Jerusalem, 28. März 1921. (Foto: G. Erich Matson / Library of Congress)
Winston Churchill spricht bei der Beumpflanz-Zeremonie an der zukünftigen Hebräischen Universität in Jerusalem, 28. März 1921 (Foto: American Colony Photo Dept. / Library of Congress)

Am nächsten Tag empfing Churchill eine Delegation des Congress of Palestinian Arabs, deren 35 Seiten starker Protest gegen zionistische Aktivitäten eine Vielzahl antisemitischer Sprachbilder beinhaltete: „Der Jude ist klüngelhaft und unfrendlich. Er wird die Privilegien und Vorteile eines Landes genießen, aber nichts zurückgeben.“

Churchill wies ihre Behauptungen energisch zurück, indem er sagte:

„Es ist offenkundig richtig, dass die Juden eine nationale Heimstatt haben sollten, wo einige von ihnen wiedervereint werden. Und wo sonst könnte das sein als in diesem Land Palästina mit dem sie mehr als 3.000 Jahre lang aufs Engste vertraut und innig verbunden sind?“

Churchill sagte der folgenden jüdischen Delegation:

„Die Sache des Zionismus ist eine, die viel in sich trägt, das für die ganze Welt gut ist und nicht nur für das jüdische Volk; sie wird der arabischen Bevölkerung Wohlstand und Fortschritt bringen.“

Vor seiner Rückkehr nach Kairo am Abend des 30. März besuchte Churchill die damals zwölf Jahre alte jüdische Stadt Tel Aviv, wo er sich mit Bürgermeister Meir Dizengoff traf, außerdem die Landwirtschaftssiedlung in Rischon LeZion. Bei seiner Rückkehr nach London sagte er dem Unterhaus:

„Jeder, der die Arbeit der jüdischen Kolonien gesehen hat, wird von den enormen produktiven Ergebnissen beeindruckt sein, die sie auf dem unwirtschaftlichsten Boden erzielt haben.“

Bürgermeister Meir Dizengoff (hinten rechts) hört Winston Churchill zu, der beim Stadtrat von Tel Aviv auf dem Rothschild-Boulevard spricht, 1921. (Foto aus der Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels)

Churchill hoffte, dass die Juden Palästinas – und der mehrheitlich jüdische Staat, von dem er sich vorstellte, dass er eines Tages daraus hervorgehen würde – in einer friedlichen und produktiven Beziehung mit ihren arabischen Nachbarn leben würden.

Diese Erwartung ist teilweise mit einem kalten Frieden mit den großen Staaten verwirklicht worden, mit denen Israel nach 1948 drei Kriege ausfocht und heute einem neuen, wärmeren mit den Golfstaaten. Trotzdem würde er – einhundert Jahre nach seinem Besuch – feststellen, dass friedliche Koexistenz zwischen den Völkern, die innerhalb der Grenzen dessen leben, was damals das Mandat Palästina war, herausfordernd und ungewiss bleibt.

Großbritannien antwortet 1936 auf muslimische Lügen über Palästina

Elder of Ziyon, 12. November 2021

1936 schickte eine Gruppe indischer Muslime dem dortigen britischen Vizekönig einen Brief, in dem Großbritannien beschuldigt wurde in  Palästina araberfeindliches Verhalten an den Tag zu legen.

Dieser Artikel in der Palestine Post zitiert den Originalbrief nicht, aber die Antwort fasst die wilden Anschuldigungen zusammen. Noch wichtiger ist, dass sie einige Lügen widerlegt, die sogar 85 Jahre später bestehen geblieben sind.

Vor allem impliziert der Brief, obwohl er das nicht ausdrücklich sagt, dass arabische Immigration nach Palästina – vor 1919 nicht existent – explodiert war, nachdem Juden ankamen; die arabische Bevölkerung nahm in nur 14 Jahren um mehr als 50% zu – und die meisten dieser Araber zogen in die Nähe von Juden und der boomenden Wirtschaft, die die Juden brachten.

Zweitens hält die Antwort fest, dass die Größe arabischer Zitrusfelder statt durch jüdische Landwirtschaft verringert zu werden sich in vier Jahren mehr als verdoppelt hatte. Erneut war der Grund vermutlich die verbesserten bäuerlichen Techniken und gestiegene Exportmöglichkeiten.

Indien und Zionismus

Die Antwort des Vizekönigs auf muslimische Agitation

Der Vizekönig von Indien hat eine Antwort auf ein Memorandum gegeben, das ihm von einer Delegation indischer Muslime vorgelegt wurde. Das Memorandum wurde am 28. September eingereicht.

Die Antwort des Vizekönigs behandelt zuerst die Äußerungen aus dem Memorandum, die es so erscheinen lassen, als würde die Regierung Palästinas die Verdrängung der Araber von ihrem Boden betreiben. Es wird herausgestellt, dass die Regierung im Gegenteil ein Gesetz erlassen hat, das dabei ist in Kraft zu treten, mit dem der Fellache vor dem Verlust seines Landes geschützt wird.

Der Vizekönig weist ausdrücklich die Behauptung zurück, dass das Mandat Palästina die Araber schädigt. Aufgrund der Gründung des Mandats hat die arabische Bevölkerung seit 1922 um mehr als 50% zugenommen und diese Zunahme ist nach den dem Vizekönig vorgelegten Informationen besonders in den Bezirken erfolgt, in denen Juden siedeln.

Land und Zuwanderung

Was Land unter Zitrus-Kultivierung betrifft, so haben die Arabern gehörenden Bereiche von 59.000 Dunam im Jahr 1931 auf 135.000 im Jahr 1935 zugenommen, während entsprechende Zahlen für die Juden 66.000 und 160.000 betragen. Diese Zahlen beweisen, dass die Lage der Araber sich stark verbessert hat.

In Bezug auf die allgemeine wirtschaftliche Lage und die Arbeitsbedingungen stellt die Antwort die Tatsache heraus, dass es vor1919 kaum arabische Zuwanderung nach Palästina gegeben hat, das Immigranten damals keine Möglichkeiten bot. Diese Lage hat sich verändert. Jüdische Zuwanderung hat eine große Zahl Menschen mit einem Kapital von weniger als LP1.000 ins Land gebracht, abgesehen von vielen Tagelöhnern. Die Reichen, die Eingang nach Palästina gefunden haben, haben die Lebensbedingungen der Araber wie auch der Juden tiefgehend verändert.

Während der Zeit des Mandats sind Kooperationsgesellschaften gegründet worden und es wurden im Bereich von Landwirtschaft und Bewässerung große Fortschritte gemacht. All diese Veränderungen haben den Arabern genauso wie den Juden gut getan.

Arabische Behauptungen

Unter Verweis auf die Äußerung in dem Memorandum, die britische Regierung beachte die arabischen Ansprüche nicht, erklärt die Antwort des Vizekönigs, dass die Beziehungen Großbritanniens zu muslimisch-arabischen Staaten – Saudi-Arabien, Irak, Transjordanien, Jemen – sowie zu den indischen Muslimen und den arabischen Fürstentümern an der Mittelmeerküste reichlich Beweis für die Grundlosigkeit dieses Vorwurfs sind.

Juristisch war die Balfour-Erklärung praktisch ohne Bedeutung, bis sie von der internationalen Gemeinschaft bekräftigt wurde

Elder of Ziyon, 2. November 2021

Heute [2. November – heplev] ist der Jahrestag der Balfour-Erklärung, in der Großbritannien seine Unterstützung für die Gründung einer „nationalen Heimstatt für das jüdische Volk“ in Palästina verkündete.

Wie in jedem Jahr begehen die Palästinenser den Tag mit Trauer. PA-Präsident Abbas ordnete an, dass jeden 2. November alle Flaggen auf Halbmast gesetzt werden. Die Palästinenser brachten den Generalsekretär der Arabischen Liga dazu seine jährliche Stellungnahme zu veröffentlichen, die Großbritannien auffordert „diesen historischen Fehler zu korrigieren und seine historische, juristische und moralische Verantwortung zu übernehmen, indem es eine Entschuldigung beim palästinensischen Volk anbietet und den Palästinenserstaat in den Grenzen vom 4. Juni 1967 mit Ostjerusalem als dessen Hauptstadt anerkennt.“

Sie geben gerne vor, dass die Balfour-Erklärung die Quelle all ihrer Probleme sei.

Aber das war nur ein Brief. Es war keine rechtliche Verpflichtung.

Was hinterher geschah ist wohl wichtiger.

Sie wurde von den Regierungen Frankreichs und Italiens gebilligt, ebenso von den Vereinigten Staaten. Sie wurde 1920 in die Resolution von San Remo aufgenommen. Schließlich wurde sie dann vom Völkerbund in das Mandat für Palästina eingebunden.

Das ist der Punkt, an dem Palästina als nationale Heimstatt für das jüdische Volk Völkerrecht wurde.

Interessanterweise richtete sich die arabische Gegnerschaft zum Mandat nicht nur gegen das Konzept eines jüdischen Heimatlandes, sondern auch gegen das Konzept, dass Palästina ein eigenständiges politisches Gebilde ist statt Teil Syriens. (Natürlich bestanden sie auch darauf, dass jüdische Zuwanderung komplett eingestellt wird.)

Es bedurfte jahrelanger Arbeit der Zionisten, um Balfour aus einer vagen Absichtserklärung zu internationalem Recht zu machen. Das ist Teil dessen, was Israel heute seine Legitimität gemäß dem Völkerrecht verleiht.

Wenn die Palästinenser sagen, dass sie Balfour rückgängig machen wollen, dann sagen sie damit, sie wollen Israel auslöschen.

Die Einbindung der Balfour-Erklärung ins Mandat ist auch die Quelle für Israels rechtlichen Anspruch auf das gesamte Gebiet unter dem britischen Mandat. Demnach hat nichts, das seitdem geschah, den nationalen Anspruch der Juden auf Judäa und Samaria abgelöst.

Vor 83 Jahren: Ein Massaker in Tiberias, Araber ermorden 19 Juden – davon waren 11 Kinder

Elder of Ziyon, 5. Oktober 2021

Aus dem Boston Globe vom 3. Oktober 1938:

Arabische Angreifer töten bei Massaker 19 Juden

Tiberias, Palästina, 3. Oktober – Neunzehn Juden wurde heute bei einem der schlimmsten Ausbrüche der aktuellen jüdisch-arabischen Krawalle um triviale Behauptungen zu palästina als Heimat von arabischen Rebellen getötet.

Leichen von Getöteten, rund die Hälfte davon waren junge, 1 bis 10 Jahre alte Kinder ,

wurden von den Araber verbrannt. Zwei weitere Juden wurden schwer verletzt.

Nachdem alle Telefonleitungen zerschnitten wurden, betraten die arabischen Rebellen Tiberias aus zwei Richtungen. Sie hatten die umgebenden Berge in Steinwurfweite vom See Genezareth besetzt.

Plötzlich erklang ein schriller Pfiff. Er war das Signal für einen gemeinschaftlichen Angriff auf die Polizeistation, Regierungsbüros und britische Polizeikaserne in Tiberias.

In der jüdischen Synagoge, dem Büro des Bezirkskommandanten und mehreren  Häusern brachen Brände aus.

Mit Gewehren, Bomben und Dolchen bewaffnet fielen Araber über jüdische Häuser her. Die betraten bei ihrem Angriff drei Häuser. In einem wurden sechs Personen getötet, fün in einem anderen und zwei in einem dritten.

Fast sofort kam Hilfe von der transjordanischen  Grenztruppe und Polizeiwachen einer benachbarten Siedlung. Sechs Araber wurden getötet und der Rest der Bande zerstreut.

Die Polizei sagte, sie könnte weitere Opfer des Massakers finden, wenn der Schutt der abgebrannten Häuser beseitigt ist. Soldaten, Flugzeuge und Bluthunde suchten den gesamten Bezirk Galiläa nach den Aufständischen ab.

Wikipedia fügt hinzu:

Arabische Aufrührer töteten in Tiberias 19 Juden, 11 davon waren Kinder. Während des Massakers setzten 70 bewaffnete Araber jüdische Häuser und die örtliche Synagoge in Brand. In einem Haus wurden eine Mutter und ihre fünf Kinder getötet. Der alte Pedell in der Synagoge wurde erstochen und eine weitere vierköpfige Familie wurde getötet.

Ein Vertreter des britischen Mandats berichtete: „Das war systematisch organisier und brutal ausgeführt. Von den neunzehn getöteten Juden, darunter Frauen und Kinder, wurden alle bis auf vier erstochen.“

Die Ziele waren nicht die Haganah oder gar „Zionisten“ – Tiberias war vor dem modernen Zionismus vielfach von Juden bewohnt. Die Ziele waren Juden – jüdische Familien, jüdische Frauen, jüdische Kinder und eine Synagoge.

Das Massaker scheint das Machwerk vo Abu Ibrahim al-Kabir gewesen zu sein, einem Jünger von Issedin al-Qassam.

Al-Kabir wird von Palästinensern immer noch als Held betrachtet – hier ist eine ihm gewidmete Fatah-Seite, die ihm Komplimente für einen Bombenanschlag in Nahalal im Jahr 1932 macht, bei dem ein jüdischer Vater und sein Sohn getötet wurden. Hier ist ein Video, das ihn lobt und ein Lied zu seinen Ehren zeigt.

Palästinensischer Nationalismus und Antisemitismus sind zwei Seite ein und derselben Münze.

Noch ein Satz Landkarten des Mandats Palästina

Yisrael Medad, My Right Word, 10. Oktober 2021

Beim Besuch der Büros des Israel Resource Center fand ich einen weiteren Satz Landkarten des Mandats Palästina in diesem Buch von 1948:

das sogar in der New York Times besprochen wurde.

Es gibt einen Satz Landkarten, die die Verkleinerung des Territoriums der jüdischen nationalen Heimstatt veranschaulicht, das vom Völkerbund bestätigt wurde:

links oben: Versprechen der Balfour-Erklärung 1917
oben rechts: Palästina nach der Abtrennung von Transjordanien durch Großbritannien 1922
unten links: Israel gemäß UNO-Teilungsplan 1947
unten rechts: Bernadotte-Plan 1948

Einzigartig daran ist, dass darin der Vorschlag des Bernadotte-Plans von 1948 enthalten ist (siehe auch hier).

Hier ist diese Karte im Detail:

Und hier zwei weitere:

Als im Land Israel Speiseeis verboten war

Warum war es den Einwohnern des Mandats Palästina drei ganze Jahre lang verboten Speiseeis zu essen?

Amit Naor, the Librarians, 20. Juli 2021

Yardena Herzberger genießt ein Eis. (Foto: Hanan Herzberger, Bitmuna-Sammlung, Nationalbibliothek Israels)

Im Frühjahr 1942 kündigten die Schlagzeilen in allen englischen, hebräischen und arabischen Tageszeitungen des Mandats Palästina das lokale Verbot von Produktion, Verkauf und Verteilung von Speiseeis ab dem 1. Mai an. Die Einwohner würden nicht länger in der Lage sein ein Hörnchen Eis am Strand oder eine Kugel zu einem Stück warmen Schokoladenkuchen in einem örtlichen Café zu genießen. Kein Schokolade, Vanille oder Pistazie mehr. Ab jetzt gab es nur noch Zitrone, Weintraube und Ananas.

Die Gründe für diese strenge Anordnung hatten mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun, der sich zu dieser Zeit auf seinem Höhepunkt befand, wobei die Kämpfe beinahe die Grenzen des Landes Israel erreichten. Deutsche Streitkräfte unter Feldmarschall Erwin Rommel, dem „Wüstenfuchs“, eilten über den Sand Nordafrikas und drohten Ägypten zu besetzen, wo britische Streitkräfte stationiert waren. Im Mandat Palästina waren Vorbereitungen für eine mögliche Invasion der Nazis im Gang. Im Fall einer solchen Katastrophe plante die jüdische Gemeinschaft sogar eine letzte Verteidigung am Berg Karmel.

Aber was hat das alles mit einem gefrorenen Dessert zu tun? Hatten die Juden nicht schon genug gelitten? Warum verhinderte eine Bedrohung durch Nazis, dass die Menschen im Land Israel einen Bissen Speiseeis genießen? Die Antwort liegt in der globalen Knappheit von Rohstoffen. Fakt ist: Hinter dem Verbot steckte die Versorgungsbehörde des britischen Mandats. Für die großen Mengen an Milch und Zucker, die für die Herstellung von Speiseeis benötigt werden, gab es grundlegendere Verwendung – zumindest in den Augen der Behörden. Das Verbot der Herstellung von Speiseeis sollte bis zum Ende des Krieges bestehen bleiben. Vergessen Sie nicht, dass Mitte 1942 noch niemand wusste, wie lange der Krieg dauern würde.

The Palestine Post, 22. April 1942

Was war mit der Öffentlichkeit? Die nahm das Verbot nicht leicht. Den Bemühungen der Medien zum Trotz die Bürger zu überzeugen, dass nicht milchige Ersatzstoffe genauso gut schmeckten, stimmte nicht jeder zu. Es stimmt, dass auch andere Lebensmittelprodukte rationiert, ihre Produktion eingeschränkt und während der Kriegsjahre überwacht waren, aber das Speiseeisverbot war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die Einschränkungen sorgten sogar für Aufregung bei den Auslandskorrespondenten und Journalisten im Land, die ihren Lesern Zuhause darüber berichteten. Einer der Reporter schrieb über das Desaster: „Das ist die schlimmste Widrigkeit, die das Heilige Land noch erfahren musste.“

Eine „Anzeige“ für die Nifla [„Wunderbar“] Eismischung. Der hebräische Text beschreibt das Produkt als „Speiseeis-Pulver“, das in den Geschmacksrichtungen Vanille, Zitrone, Ananas, Mokka, Schokolade und Erdbeere verfügbar war. Poster-Sammlung in der Nationalbibliothek Israels.

Andere verstanden die Notwendigkeit den Gürtel in so schwieriger Zeit enger zu schnallen. Der jiddische Schriftsteller Zusman Segalowitsch veröffentlichte in der Zeitung HaBoker am Morgen, des Inkrafttretens des Verbots, eine Kolumne. Darin schrieb er: „Ab heute ist es verboten Speiseeis zu produzieren und zu essen. Das ist eine Anordnung. Ein Gesetz, das wir befolgen müssen, besonders in einer Zeit, in der in der Welt ein solcher Kampf ausgetragen wird. Das ist keine Katastrophe, man kann eine Zeit lang ohne Speiseeis auskommen. … Ich persönlich bin kein großer Fan, obwohl ich hin und wieder einem süßen Leckerbissen nicht abgeneigt bin. Aber in der Theorie denke ich, dass Speiseeis etwas sehr Notwendiges ist, etwas Gutes und Süßes und Nützliches, auch etwas Internationales, die einzige Internationale [ein Spiel mit Die Internationale, der Hymne der Linken, da das Verbot am 1. Mail in Kraft trat, dem Internationalen Tag der Arbeit], die Süßes und Frieden hat.“ Zusman fuhr mit Erinnerungen zu einem Café fort, das er in Polen kannte, das ausgezeichnetes Speiseeis anbot. Er versuchte seine Kolumne mit einer hoffnungsvollen Anmerkung zu beenden:

Es ist keine Katastrophe, dass Speiseeis vorläufig verboten worden ist. Das ist vorübergehend. Es ist nur wegen des Kriegs und der Krieg wird genau deshalb geführt, damit die Leute in Frieden Eis essen können. Der Krieg wird enden und dann werden die Leute wieder Dinge für sich finden, die angenehm und nützlich sind und ist das nicht die Logik des Lebens? Die Menschen werden den wahren Lebensweg finden müssen, jeder für sich, den Weg zu Schönheit und den Weg zu noch schmackhafterem Speiseeis.

Die Belohnung der Erde ist voller Güte, Früchte, die man gut essen kann und Schönheit, die betrachtet werden kann. Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Bananen, Weintrauben, Mandeln, Aprikosen und Orangen. Immerhin kann aus all diesen Eis gemacht werden. Und Schokolade und Kakao, Milch und Sahne – jede Menge köstlicher Zutaten für Speiseeis. Und die Weisen werden endlich zugeben müssen, dass die guten Dinge in der Welt allen gehören und mit gutem Willen alles ehrlich geteilt werden kann. Alles für alle!

Der Geizhals wird wie ein trockener Halm auf dem von ihm angesammelten Gold verdorren. Aber Bäume werden blühen und grünen, die Erde wird Lebensmittel liefern, die Sonne wärmen. Und die Menschen werden mehr Eis kosten … alles wird wieder gut sein.

Zeitgenössische Karikatur: Eine Familie auf dem Weg zum Café muss den Zucker selbst mitbringen. Ha’aretz, 24. Juli 1942

Die Speiseeis-Knappheit brachte nicht nur philosophische Betrachtungen hervor, sondern auch Praktischeres. Am 30. April 1942, dem letzten Tag, bevor das Eiskremverbot in Kraft trat, waren Cafés und Eisdielen ein sehr beschäftigt. „Ungewöhnlicher Verkehr in Cafés“ berichtete die Zeitung HaMaschkif unter Verweis auf die „Lecker“, die die letzte Chance nutzten sich vom Speiseeis zu verabschieden.

„Letzter Tag zum Essen von Eiskrem“, schrien die Schlagzeilen. Ha’aretz, 30. April 1942

Natürlich erforderte eine solche Maßnahme eine Zeit der Anpassung. Verschiedene Händler versuchten die Herstellung von Speiseeis mit den knappen, ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln fortzusetzen, neben den Fruchtsorbets, deren Herstellung wie üblich weiterging. Andere betrieben offenbar gesetzeswidrige Profitmacherei mit Rohmaterialien, die zur Herstellung von Speiseeis verwendet werden und manche versuchten das vor Gericht durchzusetzen. Zusätzlich zu diesen Verwicklungen kam noch die Tatsache, dass die britische Armee und andere Streitkräfte, die an ihrer Seite kämpften, weiterhin die Versorgung mit allen Sorten an Speiseeis gestatteten.

Palestine Post, 6. Mai 1942

Es lohnt sich festzuhalten, dass das Verbot an sich gerechtfertigt war. Nach Angaben von Berichten sagten die Behörden voraus, dass bereits in der ersten Woche des Verbots 400t Zucker und 600t Milch gespart würden. Die Zuckermenge entsprach in etwa der Menge, die ganz Tel Aviv fünf volle Monate lang geliefert wurde.

Eine Frau leckt 1950 auf der Allenby-Straße an einem Eiskrem-Hörchen (Foto: Boris Carmi, aus der Meitar-Sammlung, Nationalbibliothek Israels)

Schließlich ging, wie jeder weiß, der Zweite Weltkrieg mit einem Sieg der Alliierten über die Nazis und ihre Komplizen zu Ende. Die Endphase des Krieges erlebte die Aufhebung des drakonischen Verbots der Herstellung und des Verkaufs von Speiseeis im Mandat Palästina. Im Gegensatz zu dem, was man hätte erwarten können, wurde der Rückkehr des Speiseeises nicht mit spontanen Tänzen auf der Straße begegnet. Schon im Februar 1945 gaben sich die Zeitungsverlage mit kurzen Berichten aus zwei bis drei Zeilen Text zufrieden, um ihre Leser zu informieren, dass Speiseeis im Land Israel wieder verzehrt werden könne. Ein paar Monate später, als Nazideutschland schließlich besiegt war, beschloss der Stadtrat von Kfar Saba eine gebührende Feier, indem 1.000 kostenlose Eisportionen an die lokalen Schulkinder verteilt wurden. Mit Wiederherstellung des Friedens konnte der Geschmack echten Speiseeises wieder genossen werden.

Nati Gabay an der Vorbereitung des Artikels beteiligt.

Seltene Bilder: Als 1927 das Land Israel erbebte

Diese Fotos dokumentieren das mächtige Erdbeben, das 1927 zu hunderten Toten führte.

Gil Weissblei, the Librarians, 29. Dezember 2019

Am 11. Juli 1927 wurden das Mandat Palästina und Transjordanien von einem starken Erdbeben getroffen. Es war die bedeutendste Naturkatastrophe in der Region im letzten Jahrhundert, zudem ein Meilenstein in der seismologischen Forschung – das erste Erdbeben in der Region, das von wissenschaftlichen Instrumenten dokumentiert wurde.

Hunderte Menschen wurden getötet und weitere hunderte verletzt. Es gab schwere Schäden an Immobilien. Nablus, Ramle und Lod waren stark betroffen. Jerusalem, Jericho, Amman und Al-Salt wurden auch, aber weniger stark in Mitleidenschaft gezogen. Allein in Nablus wurden mehr als hundert Menschen getötet. In Jerusalem wurden die Gebäude der Hebräischen Universität auf dem Skopusberg stark beschädigt, darunter das Gray Hill House, das vorläufige Heim des Instituts für Judaistik-Studien.

In diesem tödlichen Sommer gab es Vorbereitungen für den Bau der Jüdischen Nationalen und Universitätsbibliothek Israels auf dem Skopusberg. Zur Zeit des Erdbebens befand sich der Vorgänger der heutigen Nationalbibliothek Israels immer noch in seinem alten Gebäude in Beit Ne’eman (am Ende der Habaschim-Straße – heute Bnei Brit-Straße in Jerusalems Viertel Musara). Nach Angaben eines Berichts wurde das Bibliotheksgebäude gar nicht beschädigt und die Bücher darin waren auch unversehrt. Das Leben in der Bibliothek ging wie gewöhnlich weiter. Diese Tatsache wird dadurch bestätigt, dass sich die Mitarbeiter der Bibliothek beeilten, nur wenige Tage nach der furchtbaren Katastrophe eine kleine Ausstellung zum Thema historischer Erdbeben in der Region zu veranstalten.

Natürlich widmete die Tageszeitung Doar HaYom am Tag nach der Katastrophe ihre Seiten vor allem dem Erdbeben.

„Eine große Erschütterung in Eretz Israel – sie begann um sieben Minuten nach drei – die größter Erschütterung in seiner Geschichte – in allen Städten und Dörfern des Landes zu spüren…“ Der Artikel in Doar HaYom am Tag nach dem Erdbeben. (Anklicken für die ganze Ausgabe)

Die Nationalbibliothek präsentiert: Das Erdbeben von 1837

Am 13. Juli wurde in der Zeitung neben einem Beitrag zu den an verschiedenen öffentlichen Gebäuden in Jerusalem verursachten Schäden eine Ankündigung gebracht, dass die Bibliothek eine Ausstellung zur Geschichte von Erdbeben im Land Israel zusammengestellt hatte.

Der Artikel in Doar HaYom wurde am 13. Juli 1927 veröffentlicht (Anklicken für die ganze Zeitung)

Dieser Artikel gibt uns einen seltenen Blick in das, was in der von den Mitarbeitern der Bibliothek zusammengestellten, improvisierten Ausstellung angeboten wird. Die Ausstellung konzentrierte sich mehrheitlich auf das starke Erdbeben, die dem Beben des Jahres vorausgegangen waren – das war das bekannte Erdbeben von 1837, das hauptsächlich die Städte Safed und Tiberias traf.

Was wurde in der Ausstellung 1927 ausgestellt?

Der Artikel in Doar HaYom erklärte, dass die Ausstellung drei Briefe präsentierte, die nach dem Erdbeben von 1837 aus dem Land Israel geschickt wurden. Geschrieben hatten sie Israel Maschkeklow, Aryeh Yerachmiel und Raphael Yitzchak Alfandari.

Es scheint so, dass die Druckversionen der aus dem Land Israel an Mitglieder und Vertreter der jüdischen Gemeinde Amsterdam geschriebenen Briefe die bei der Ausstellung gezeigten waren. Die Originalbriefe machten damals großen Eindruck auf die Juden von Amsterdam und sie eilten, sie in einem kleinen, dreiseitigen Heft zu veröffentlichen. Das Heft wurde in ganz Europa weithin verbreitet und wurde in der jüdischen Welt recht bekannt. In diesen Briefen wird das Erdbeben in aller Ausführlichkeit beschrieben. Auch eine Liste der Dörfer und Städte, die von der Naturkatastrophe betroffen waren, sowie eine Reihe Toter und Verletzter an jedem Ort.

Einer der Überlebenden beschrieb die Katastrophe von 1837 so:

„Am 24. Tevet, während des Nachmittagsgebets, erhob sich ein großes und schreckliches Beben und jeder, der das Land betrachtete, konnte das Schütteln sehen und hier [Jerusalem] wurden auch einige Häuser und Gärten beschädigt und die ganze Stadt hatte Angst, aber zum Glück wurde niemand verletzt. In Nablus fielen Häuser und alle Geschäfte und sechzig Menschen kamen um und keiner von ihnen war vom Volk Israel, Gott sei Dank, aber im Heiligen Galiläa lagen Safed und Tiberias in Ruinen… Alle Häuser stürzten ein und waren zerstört und alle Synagogen, die sephardische Gemeinde, die Gemeinde der Chassidim und unsere Gemeinde der Pharisäer wurden zerstört und kein Haus, keine Straße, kein Marktplatz war noch zu sehen, selbst die Mauern von Tiberias fielen, ein Feuer brach aus und der See Genezareth flutete die Stadt.

Oh, dass mein Kopf voller Wasser und meine Augen ein Brunnen der Tränen wären, dass ich Tag und Nacht wegen der getöteten Tochter meines Volkes weinen möchte, denn wir haben zweihundert Seelen verloren und ich habe die Liste unserer Reste geschickt, die nackt zurückblieben, außer denen, die mit mir nach Jerusalem gingen und die vorher abgereist waren…“

Der Artikel offenbart auch, dass die Ausstellung eine Erstausgabe des Jerusalem-Drucks des Buchs Seder Avodat HaKodesch, gedruckt nachdem der Verlag Israel Back seine Presse in der Folge des Erdbebens von Safed nach Jerusalem verlegte, ausgestellt wurde. Das Buch handelt von kabbalistischen Themen und wurde ursprünglich von Chaim Yosef David Azulai geschrieben. Die Ausgabe von 1841 war von einer ungewöhnlichen Einleitung des Druckers begleitet. Israel Back war einer der Pioniere des Kunstdrucks im Land Israel und er hielt es für angebracht das Buch mit einer langen Entschuldigung zu beginnen. Er erzählte von dem Elend, das er erlitt, das ihn zwang seine Druckerpresse aus der beim Erdbeben zerstörten Stadt Safed nach Jerusalem zu verlegen.

Vorwort des Verlegers, das das Erdbeben im Buch Seder Avodat HaKodesch beschreibt.

Backs „Entschuldigung“ gibt den Lesern des Buchs fast hundertachtzig Jahre nachdem es geschrieben wurde, einen Bericht aus erster Hand über die durch das Erdbeben verursachte Zerstörung.

„… ein großes Beben, das der HERR dem Land und seinem Volk auferlegte… Und die Türpfosten zitterten von seiner der Stimme, die rief und die heiligen Städte Safed und Tiberias wurden zerstört und einundzwanzig Seelen wurde in einem Augenblick niedergestreckt. O wäre mein Kopf voll Wassers und meine Augen ein Tränenbrunnen, damit ich Tag und Nacht für das Haus Israel weinen könnte… Und es geschah nach dieser Trübsal, dass die Kinder Israels an alle Enden des Landes Israel zerstreut waren…“

Der Artikel in Doar HaYom, der auch in einem anderen Buch in der Ausstellung erwähnt wird – Ahavat Tzion von Rabbi Simcha aus Woloschin – fügt der aufgezeichneten Geschichte des Erdbebens in Safed und Tiberias noch etwas hinzu.

Das Buch enthält einen Bericht über das Erdbeben von 1837, der aus Sicht eines Touristen beschreibt:

„Und die Türpfosten erzitterten von der Stimme des Bebens und zweihundert Höfe wurden verwüstet und in jedem Hof mehrere Häuser, von denen einige bis auf die Grundmauern einstürzten… und rund 120 Seelen umkamen. Und vor dem Beben wurde einem Chassiden des Lands Israel gesagt, dass große Probleme nach Safed kommen würden, aber sie wussten nicht, welche das sein könnten. Sie veranstalteten Gebete und Studien, wie es in unserem Land Brauch ist, aber unsere Sünden waren so, dass das Urteil nicht zerrissen wurde. Und einige weise Gelehrte wurden tot mit ihren Gesichtern in ihren Büchern gefunden und der Chassid war einer davon. Und im Morgenlicht fanden sie ein paar lebende Menschen, aber mehrere Tage später kehrte das Beben zurück und weitere zwanzig wurden getötet.“

Leider haben wir keine Dokumentation der Reaktion der Öffentlichkeit auf die Ausstellung der Bibliothek. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sie großes Interesse weckte und es scheint so, dass ihr Erfolg das Management der Bibliothek ermutigte Dokumente des aktuelleren Erdbebens von 1927 zu sammeln.

Am 5. März 1929, rund eineinhalb Jahre nach dem großen Erdbeben vom Juli 1927, erschien in Doar HaYom die folgende Ankündigung:

Die im März 1929 in Doar HaYom veröffentlichte Ankündigung. (Klicken für die ganze Ausgabe)

„Die Nationale und Universitätsbibliothek stellt eine Sammlung wertvoller Fotografien vom Erdbeben 1927 zusammen. Jeder, der historisches Material hat, wird aufgefordert dieses der Bibliothek als Geschenk oder zur Kopie vorzulegen. Es wird empfohlen an alle Fotografien den Namen des Fotografen, den Namen des Ortes, an dem die Fotografie gemacht wurde (Stadt, Dorf, Straße, Gebäude) und das genaue Datum, an dem die Fotografie aufgenommen wurde anzuheften.“

Dieser öffentliche Aufruf war erfolgreich und die Bibliothek erhielt einen Zustrom an sehr interessanten Fotografien, was eine einzigartige Aufzeichnung des vom Erdbeben im Juli 1927 verursachten Schadens schuf.

Was wurde in diesen seltenen Bildern eingefangen?

Die faszinierendste Gruppe Fotografien besteht aus 32 Silberabzügen verschiedener Größe, die offenbar mit derselben 6x9cm-Kamera aufgenommen wurden. Diese Fotos wurden von Mitgliedern der „Delegation“ aufgenommen, die in einigen der Bilder zu sehen sind. Sie fingen die Schäden im gesamten Land Israel ein, ebenso in Transjordanien. Mitglieder dieser Gruppe (Herr Reiser, Herr Neumann und drei Mitglieder der Familie Badian) reisten in ihren Autos und dokumentierten die von dem Erdbeben verursachten Schäden. Die Bildbeschreibungen wurden in Hebräisch und Englisch verfasst.

Die Fotografien wurden 1929 der Nationalbibliothek gespendet. Wer waren die fünf Reisenden, die beschlossen im Auto während des großen Erdbebens durch das Land und seine Umgebung zu fahren? Leider ist über die Namen hinaus keine weitere Dokumentation aufgetaucht, die eine Antwort auf diese interessante Frage gibt.

Erdbebenschaden in Nablus
Erdbebenschaden in Lod
Ein Bild der Fotografen, die nach dem Erdbeben durch das Land tourten
Erdbebenschaden im Dorf Reineh in Nordisrael
Erdbebenschaden im Dorf Reineh in Nordisrael
Eine Straße in Tiberias, die von dem Erdbeben beschädigt wurde.

Ein weiterer Satz Fotografien enthält 18 Silberabzüge verschiedener Größen, darunter Fotografien aus den Städten Jerusalem und Nablus. Die Rückseiten einiger der Fotos sind mit einem Stempel der deutschen Internationale Foto-Agentur sowie maschinenschriftlichen Anmerkungen auf Deutsch markiert. Offenbar wurden diese Fotografien von verschiedenen Fotografen aufgenommen und über dieselbe Nachrichtenagentur an die europäische Presse geschickt.

Drei Schwarzweiß-Fotografien aus der Stadt Nablus wurden von einem ergreifenden Brief von Yeschayahu Blechman begleitet, einem treuen Leser von Doar HaYom:

„… Ich sende Ihnen drei Fotografien, die ein paar Stunden nach dem Beben in Nablus aufgenommen wurden. Die Fotografien wurden vom Manager der Spinney‘s Ltd.-Filiale in Nablus aufgenommen. Das Bild der britischen Polizei im Auto scheint mir mehrere Tage nach dem Erdbeben aufgenommen worden zu sein und in dem Auto können wir Brot sehen, das aus Tel Aviv geschickt wurde…“

Spinney’s war eine Supermarktkette, die Filialen im gesamten Nahen Osten betrieb. Die Kette bot zumeist Produkte aus den britischen Kolonien an. Daher ist die Schlussfolgerung möglich, dass die Ladung Brot, die in Nablus ankam (auf einem offenen LKW ohne jegliche Abdeckung) von einem Repräsentanten der Firma aufgenommen wurde, der die Lieferung aus der Spinney’s-Filiale in Tel Aviv anordnete.

Eine weitere Foto-Sammlung wurde der Bibliothek von einem der Fotografen der American Colony gespendet. Die Fotografen der Colony (hauptsächlich Eric Matson) dokumentierten das Erdbeben in verschiedenen Orten im ganzen Land, darunter Jerusalem. Die komplette Sammlung der American Colony wird in der Library of Congress aufbewahrt, einschließlich Fotografen dieses Ereignisses.