Entschlüsselung des Skandals um das Berliner Jüdische Museum

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor; auf Englisch veröffentlicht auf BESA Center)

Die Mitarbeiter des Jüdischen Museums in Berlin haben eine beträchtliche Bilanz an Provokationen gegen das Meinstream-Judentum. 2012 war dieses vom deutschen Steuerzahler finanzierte Museum unter seinem früheren Direktor Gastgeber einer Podiumsdiskussion mit einer führenden amerikanisch-jüdischen, antiisraelischen Hetzerin, Judith Butler. Sie nahm die Gelegenheit wahr zu einem Boykott Israels aufzurufen. Die Veranstaltung war ausverkauft. Mehr als 700 nahmen daran teil und sie überschütteten Butler regelmäßig mit Applaus.[1]

Butler sagte 2006, „Hamas/Hisbollah als soziale Bewegungen zu verstehen, die progressiv sind, die links stehen, die Teil der globalen Linken sind, ist extrem wichtig“.[2] Ein paar Wochen vor dem Treffen im Berliner Museum, beschloss eine Behörde der Stadt Frankfurt Butler mit dem prestigeträchtigen Theodor-Adorno-Preis für Spitzenleistungen im Bereich der Geisteswissenschaften auszuzeichnen.[3]

Weiterhin war Farid Hafez eingeladen, der ein Buch zu „islamischen politischen Denkern“ veröffentlicht hatte. Darin wurden die Gründer der Muslimbruderschaft als Demokraten und Antiimperialisten dargestellt. Ihre Fantasien zum Völkermord an den Juden in Palästina wurden nicht erwähnt. Dennoch wurde er eingeladen über Islamophobie zu sprechen.[4]

2013 war der Hauptredner einer Konferenz zu Antisemitismus in Europa ein ranghoher wissenschaftlicher Mitarbeiter aus Oxford, Brian Klug. Er behauptet, dass der Zionismus „Juden davon abhält ein normales Lebenskonzept für sich zu finden.“[5]

Im März diesen Jahres lud der Direktor des Museums, Peter Schäfer, den iranischen Diplomaten Seyed Ali Moujani ins Museum ein. Bei dem Treffen brachte der iranische Diplomat seine Ansicht zu Ausdruck, dass Antizionismus kein Antisemitismus sei.[6]

Der Zentralrat der Juden in Deutschland griff das Museum im Juni an, weil dieses eine Empfehlung twitterte einen Artikel mit Titel „240 Akademiker gegen BDS-Abstimmung“ in der linksextremen Tageszeitung TAZ zu lesen. Die Zeitung berichtete, dass eine Gruppe israelischer und jüdischer Wissenschaftler das deutsche Parlament wegen des Beschlusses vom 17. Mai kritisierte, mit dem die Boykott-Bewegung gegen Israel als antisemitisch erachtet wird.[7] Der Zentralrat schrieb, dass das Museum offensichtlich aus dem Gleis geraten sei. Er fügte hinzu, dass das Museum „das Vertrauen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland verloren hat“.[8] Nebenbei bemerkt: Es überrascht nicht, dass sowohl Butler als auch Klug zu den 240 Akademikern gehörten, auf die der Tweet sich bezog. Diese Liste beinhaltet zudem Dutzende weitere Stammhetzer gegen Israel.[9]

Früher im Jahr lud Schäfer den britischen Journalisten und Nahost-Experten Tom Gross ein sich die Jerusalem-Ausstellung des Museums anzusehen. Dieser kritisierte hinterher die Ausstellung mit heftigen Worten. Er sagte der Jerusalem Post und schrieb auf seiner Facebook-Seite: „Ich wurde vor kurzem vom Direktor des Jüdischen Museum Berlin eingeladen, mir die aktuelle ‚Jerusalem‘-Ausstellung anzusehen. Ich war von dem Übergewicht der antizionistischen, oft antisemitischen Randbewegung Naturei Karta im jüdischen Teil der Ausstellung schockiert. Die hasserfüllten Plakate dieser Gruppe (die angeblich Holocaust-Leugner im Iran unterstützt haben) waren ohne jegliche widersprechende Erklärung ausgestellt, die den Museumsbesuchern erklärt hätte, wer sie sind.“

Gross fügte an: „Als ich dem Büro des Museumsdirektors gegenüber mein Entsetzen ausdrückte, verfehlten sie es zu reagieren, obwohl sie mich ins Museum eingeladen hatten. Die Jerusalem-Ausstellung dominiert derzeit das Museum, da die Dauerausstellung für mehr als ein Jahr geschlossen ist, während sie komplett überarbeitet wird. Ich hoffe einfach, wenn sie wieder eröffnet wird, werde ich eine ehrliche Bewertung zum Holocaust und Antisemitismus abgeben, nicht irgendeine verfälschte Version.“[10]

Die Jerusalem Post hatte den Knüller über den Tweet des Museums. Dann veröffentlichte sie weitere Kritik am Museum aus verschiedenen Quellen. Zu diesen gehörte der Bürgermeister von Frankfurt Uwe Becker, der auch Beauftragter für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus im Bundesland Hessen ist. Er wurde zitiert: „Das Jüdische Museum Berlin betrachtet es offensichtlich als seine Aufgabe sich gegen jüdisches Leben in unserem Land und besonders gegen Israel zu stellen. Die aktuelle Unterstützung für BDS ist eine Schande! Nach einer völlig einseitigen Ausstellung über Jerusalem jetzt ein weiterer Skandal. Das ist kein jüdisches, sondern ein antijüdisches Museum.“[11]

Nach der massiven Kritik kündigte Schäfer am 14. Juni seinen Rücktritt an, um „weiteren Schaden zu verhindern“.[12] Ende Mai war sein Vertrag um ein Jahr bis 2021 verlängert worden.[13] Sein Abgang führte zu einem Unterstützungsbrief für Schäfer, der von Museumsvertretern aus mehreren Ländern unterschrieben war. Sie drückten ihre Sorge über die Angriffe gegen Schäfer aus, die zu seinem Rücktritt geführt hatten. Der Brief erklärte, dass er ein Mann von großer persönlicher Integrität und internationaler Wissenschaftler ist, der im Feld der Studien des Judentums wichtige Beiträge geleistet hat. Die Unterzeichner waren von den extremen persönlichen Attacken auf Schäfer und seine professionelle Arbeit schockiert. Sie fügten hinzu, dass sie seinen Rücktritt als ein Alarmzeichen für die Unterdrückung freier Diskussion und freier Aussprache betrachten.[14]

Wie so oft in Deutschland schafft die oben angeführte Sammlung an Äußerungen und Gegenäußerungen Konfusion und verbirgt Schlüsselaspekte. Schäfer, der kein Jude ist, ist in der Tat ein wichtiger, preisgekrönter Forscher, der beträchtliche Beiträge zu Studien des Judentums geleistet hat. Das war und ist allerdings keineswegs die einzige Anforderung an einen Direktor eines jüdischen Museums in Berlin. Diese Stadt ist aktuell die Hauptstadt des europäischen Antisemitismus und liegt in dem Land mit der bisher schlimmsten Vergangenheit, was das jüdische Volk betrifft.[15]

Das ist eine Position mit vielen komplexen politischen und geschäftsführenden Aspekten, die Schäfer, in erster Linie Forscher, nie hätte annehmen sollen. Sie erfordert einen erfahrenen Manager mit profundem politischem Verständnis und Instinkten, der in der Lage ist in einer hoch problematischen deutschen Realität, soweit es Juden angeht, zu agieren. Das ist zumindest genauso wichtig wie die Organisation von qualitativ hochwertigen Ausstellungen. Die Bilanz zeigt, dass die Aktivitäten der Museumsangestellten, von denen einige problematische politische Ansichten zu haben scheinen, genau beaufsichtigt werden müssen. Es ist wohlbekannt, dass einseitige Kritik an Israel ein Mittel ist den Deutschen das erleichternde Gefühl zu geben, dass nicht nur ihre Großeltern, sondern auch die zeitgenössischen Israelis schuldig sind. Diejenigen, die zur Unterstützung Schäfers schrieben, scheinen das nicht zu begreifen, obwohl sie zurecht sagten, er hätte nicht persönlich mit falschen Argumenten angegriffen werden sollen.

Es gibt viele Themen, die Aufmerksamkeit oder sogar Ausstellungen in einem jüdischen Museum in Berlin verdienen, aber tabu sind. Um ein paar zu erwähnen: Die im Lauf der Jahre stattgefundene Mutation mörderischen Antisemitismus gegen Juden in Nazideutschland in eine massive Dämonisierung Israels im zeitgenössischen Deutschland. Das bringt sich in den regelmäßigen Vergleichen von Israels Handeln gegenüber den Palästinensern mit dem der Nazis gegenüber den Juden zum Ausdruck.

Eine weitere Ausstellung könnte die zeitgenössische arabische Dämonisierung Israels und der Juden mit der der Nazis vergleichen, bei denen gemeinsame Themen wie das Propagieren von Mord, Juden zu Tieren zu machen und Ritualmorde-Anschuldigungen gezeigt werden könnten. Noch ein Beispiel einer lohnenswerten Ausstellungen ist ein Vergleich zwischen dem Belohnungssystem Nazideutschlands für die, die Juden verrieten, damit sie ermordet werden konnten und den finanziellen Belohnungen der palästinensischen Autonomiebehörde für diejenigen ihrer Bürger, die Israelis ermorden.

Es gibt zudem sehr unterschiedliche mögliche Themen für Ausstellungen, so die Rolle der Kirche beim Anlegen der Infrastruktur zu Verfolgungen in Deutschland und was davon im gegenwärtigen deutsch-christlichen Umfeld fortbesteht, zum Beispiel bei BDS unterstützenden Predigern.

Und schließlich: Eine Ausstellung zu Juden und deutscher Kultur, einschließlich der Frage, wie Antisemitismus im Gefüge der zeitgenössischen deutschen Gesellschaft verwoben ist.

Wenn das Jüdische Museum solche Ausstellungen organisiert, werden wir wissen, dass das messianische Zeitalter anbricht. Bis dahin ist es unwahrscheinlich, dass das Museum twittern wird, man solle diesen Artikel lesen.

Dieser Artikel ist eine erweiterte Version eines früheren Artikels in The Algemeiner.

[1] www.jpost.com/Jewish-World/Jewish-Features/Berlin-Jewish-Museum-event-calls-for-Israel-boycott

[2] ebenda

[3] https://news.berkeley.edu/2012/09/12/butler-wins-adorno-prize/;/www.dw.com/en/adorno-prize-for-judith-butler-irks-jewish-groups/a-16225396

[4] www.welt.de/kultur/article195347713/Das-Juedische-Museum-in-Berlin-braucht-eine-kulturelle-Revolution.html

[5] www.jpost.com/Jewish-World/Jewish-News/Inclusion-of-anti-Israel-speaker-at-Berlin-conference-on-ways-to-tackle-anti-Semitism-sparks-uproar-330733

[6] www.jpost.com/Diaspora/German-Museum-director-sparking-BDS-controversy-resigns-after-condemnations-fly-592564; https://www.algemeiner.com/2019/03/19/berlin-jewish-museum-says-it-has-no-specific-plans-to-cooperate-with-iran-following-criticism-of-meeting-with-tehran-regime-envoy/

[7] https://taz.de/Bundestagsbeschluss-zu-Israel-Boykott/!5601030/

[8] www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/zentralrat-der-juden-scharfe-kritik-an-juedischem-museum-wegen-taz-link-a-1271877.html

[9] https://bdsmovement.net/news/240-jewish-and-israeli-scholars-german-government-boycotts-are-legitimate-and-non-violent-tool

[10] http://www.facebook.com/TomGrossMedia/posts/2233835529987287

[11] http://www.jpost.com/Diaspora/German-antisemitism-combatant-slams-Berlins-pro-BDS-anti-Jewish-Museum-592044

[12] www.jpost.com/Diaspora/German-Museum-director-sparking-BDS-controversy-resigns-after-condemnations-fly-592564

[13] www.zeit.de/kultur/2019-06/peter-schaefer-juedisches-museum-berlin-ruecktritt

[14] juedischesmuseum.blog/2019/06/25/museumsexperten-unterstuetzen-professor-peter-schaefer-und-das-juedische-museum-berlin/

[15] www.jpost.com/Opinion/Berlin-Europes-antisemitism-capital-580076

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Sollte Israel Deutschland vertrauen?

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Deutsche Führungskräfte und Politiker, die Israel besuchen geben regelmäßig an Israel gerichtete Äußerungen ab, dass eine Zweistaatenlösung die Weise ist, den palästinensisch-israelischen Konflikt zu beenden. Ein Wiederholungstäter unter vielen ist der ehemalige sozialistische Parteichef und Außenminister Sigmar Gabriel, ein extremer antiisraelische Hetzer.[1] Die nicht so explizit darunter liegende Botschaft dieser deutschen Äußerungen lautet: Der Völkermord an den Juden während der Generation unserer Großväter ist ein furchtbarer Teil unserer Vergangenheit. Das zeitgenössische Deutschland ist eine Demokratie, die ihre notwendigen Lektionen aus der Geschichte gelernt hat. Wir sind eine mächtige Nation auf der Weltkarte. Wir sind damit berechtigt euch zu sagen, wie ihr euch gegenüber den Palästinensern zu verhalten habt.

Schon als ich ein kleines Kind war, hatte eine demokratisch gewählte deutsche Regierung mir gegenüber eine Politik. In der ersten Hälfte der 1940-er Jahre, während der deutschen Besatzung der Niederlande, befand ich mich in einem Versteck. Hätten die Besatzer mich gefunden, hätten sie zwei Optionen gehabt. Sie hätten mich entweder nach Sobibor geschickt, um vergast zu werden, oder nach Birkenau, wo mich dasselbe Schicksal erwartete. Danach wäre meine Leiche zusammen mit denen von vielen anderen Juden verbrannt worden und ich hätte kein eigenes Grab gehabt. Die deutschen Regierungen der Nachkriegszeit erkannten zurecht, dass sie die legalen Nachfolger der demokratisch gewählten Nazi-Regierung waren.

Deutschlands Bevölkerung ist weit davon entfernt die furchtbare Geschichte der Generation seiner Großväter voll verarbeitet zu haben. Das bedeutet, dass seine Obrigkeit Abstand von politischen Empfehlungen nehmen sollte, die mich betreffen. Der Hauptgrund dafür ist gerade erwähnt worden. Es gibt aber verschiedene weitere. Tatsächlich haben viele Deutsche heute radikal andere Einstellungen als die Mehrheit der Generation ihrer Großväter. Es gibt ebenfalls eine kleine Zahl, die sich mit der Politik des Nazi-Regimes identifiziert.

Weit wichtiger ist aber eine andere, riesige Gruppe. Bei ihnen sind dämonische Sichtweisen über die Juden der deutschen Großvater-Generation in eine ähnliche Wahrnehmung Israels mutiert. Im Zeitraum von 2004 bis 2014 wurden sieben repräsentative Umfragen zu diesem Thema durchgeführt. Deutsche wurden gefragt, ob sie Äußerungen zustimmen wie: „Israel führt einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser.“ Oder: „Israel handelt gegenüber den Palästinensern wie die Nazis sich gegenüber den Juden verhielten.“ Eine von der Bertelsmann-Stiftung 2013 durchgeführte Umfrage stellte fest, dass bei der deutschen Bevölkerung 41% Zustimmung zur zweiten Äußerung gab. 2007 lag die Zahl bei 30%.[2] Die Zahl von 2013 übersetzt sich in mehr als 25 Millionen deutsche Erwachsene, die glauben, dass Israel sich wie die Nazis verhält, wenn es um den Umgang mit den Palästinensern geht.

In der heutigen westlichen Weltsicht stellt sich wie Nazis zu verhalten als das absolut Böse dar. Das Gleiche gilt für Völkermord-Absichten. Die weit verbreitete Übereinstimmung bei Deutschen zu diesen Äußerungen über Israel offenbart zudem, dass große Teile der Bevölkerung das Wesen der kriminellen Geschichte ihres Landes nicht verstehen. Darüber hinaus illustriert es, wie große Teile der deutschen Meinung bildenden Medien und Journalisten auf wichtige Weise moralisch korrumpiert sind. Sie haben die Atmosphäre für diese Überzeugungen geschaffen.

Diesmal sind es jedoch nicht Nazi-Zeitungen wie Der Stürmer von Julius Streicher oder der Völkische Beobachter der NSDAP, der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Heutzutage kommt ein Großteil der Hetze aus einer Reihe progressiver deutscher Medien. Vor dem obigen Hintergrund spielt es keine Rolle, ob Dämonisierung von rechten oder progressiven Perversen verursacht ist.

Es gibt weitere Gründe, warum deutsche Politik Israel nicht sagen sollte, wie es seine Konflikte zu lösen hat. Das demokratische Deutschland ist nicht in der Lag gewesen Antisemitismus abzustellen. Kanzlerin Angela Merkel erzählt ihnen, wie beschämt sie darüber ist.[3] Eine normale Reaktion darauf ist: Löst eure Probleme, so dass ihr euch für euer Land nicht schämen müsst.

Noch schlimmer ist, dass Kanzlerin Merkel in einer Gesellschaft, in der der Antisemitismus nicht ausgemerzt werden kann, mehr als eine Million Immigranten begrüßte. Viele davon kommen aus den antisemitischsten Ländern der Welt. Letztlich musste selbst Merkel eingestehen, dass über den einheimischen Antisemitismus in Deutschland hinaus importierter Antisemitismus von muslimischen Zuwanderern der Mischung des Judenhasses des Landes hinzugefügt worden ist.[4]

Es gibt weitere Gründe dafür, dass die Deutschen zu dem schweigen sollten, was Israel tun sollte. Kein anderes Land ist besser ausgerüstet, um zu erkennen, dass in der palästinensischen Gesellschaft große Teile der Bevölkerung Ansichten haben, die Mutationen dessen sind, was die vielen Kriminellen in der deutschen Großvater-Generation und ihre Führer glaubten. Bei den einzigen palästinensischen Parlamentswahlen – denen von 2006 – erhielt die völkermörderische Hamas-Bewegung die absolute Mehrheit. Trotzdem erlaubt die deutsche Regierung einer weiteren völkermörderischen Bewegung, der Hisbollah, im eigenen Land zu agieren. Das wird von allen Parteien außer der populistischen AfD unterstützt.

Aus Deutschland kam in Teilen des vorigen Jahrhunderts eine Menge tödlichen Hasses, was für jedes Jahrhundert während mehr als einem Jahrtausend reicht. Die Deutschen sind damit also bestens ausgerüstet, um ähnlichen Hass zu erkennen, der aus vielen palästinensischen Quellen kommt. Das gilt auch für den Iran, dem gegenüber Deutschland viel zu freundlich ist. Das gilt auch für viele andere Teile der muslimischen Welt und schließt zudem einige Muslime in der Europäischen Union und andernorts in der Welt ein.

Da die Deutschen mich, den Versteckten, nicht fanden, bekam ich mein Leben als Bonus. Ich habe mich bemüht Lektionen für das Leben aus diesen glücklichen Umständen in einer sehr unglücklichen Umgebung zu lernen. Diese Lektion beinhaltet, dass man Entwicklungen in Deutschland verfolgt. Dazu gehört seine Teilnahme an antiisraelischen Abstimmungen in den Vereinten Nationen. Danny Danon, Israels Botschafter bei den Vereinten Nationen, hat aufgezeigt, dass Israel 0,1% der Weltbevölkerung repräsentiert, aber 78% der Verurteilungen durch die UNO erhält.[5] Eine weitere Lektion beinhaltet die Beobachtung tiefgehender Heuchelei großer Teile des zeitgenössischen Deutschlands und seiner Regierung.

[1] www.spiegel.de/politik/deutschland/gabriel-vergleicht-israels-palaestinenser-politik-mit-apartheid-regime-a-821601.html

[2] www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_LW_Germany_and_Israel_today_2015.pdf, pages 35-36

[3] www.dw.com/en/germanys-merkel-warns-of-increased-anti-semitism-on-holocaust-remembrance-day/a-42336022

[4] www.reuters.com/article/us-germany-holocaust/germanys-merkel-calls-for-zero-tolerance-of-anti-semitism-hate-idUSKCN1PK0EG

[5] www.jpost.com/Israel-News/Danon-Ilhan-Omar-Jeremy-Corbyn-need-to-be-removed-from-office-592732

Die britische Labour Party – Idealfall für das Studium von Antisemitismus

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Antisemitismus nimmt an vielen Orten in der westlichen Welt zu. Das schafft eine komplexe Realität, die schwer zu analysieren ist. Zum Zweck des effektiven Studiums der vielen Facetten der zeitgenössischen Förderung von Hass und einiger der Möglichkeiten dieses Phänomens bei einer einzelnen Organisation zu bekämpfen, kann in Europa nichts der britischen Labour Party das Wasser reichen.

Der wichtigste Helfer des anhaltenden Antisemitismus in der Labour Party ist Jeremy Corbyn, seit 2015 der Parteivorsitzende. Er hat Vertreter der Hisbollah und der Hamas seine „Brüder“ und „Freunde“ genannt. Corbyn hat an einen Holocaust-Leugner gespendet und einen anderen willkommen geheißen. Er ist ein langjähriger antiisraelischer Hetzer und Teilzeit-Antisemit.[1] Er und seine engen Mitarbeiter verhindern die komplette Ausmerzung von Antisemiten aus der Partei. Die Sunday Times behauptete, Corbyns Büro sei daran beteiligt mindestens 101 solche Anzeigen hinausgezögert oder blockiert zu haben.[2]

Wann immer es so scheint als gebe es ein halbwegs komplettes Bild des Antisemitismus in der Labour Party, tauchen massig neue Daten zu diesem Problem auf. Im März 2019 veröffentlichte der britische Forscher Alan Johnson, ein Labour-Mitglied, einen 135 Seiten starken Bericht, der zu dem Schluss kommt, dass die Partei institutionell antisemitisch ist. Johnson teilte den Antisemitismus in der Labour Party in drei Kategorien auf: Sozialismus der Dummen, klassischer rassischer Antisemitismus und Antisemitismus als Antizionismus.[3]

Labour against Antisemitism ist eine Kampagne von Aktivisten. Sie hat Daten für einen Bericht gesammelt, der 15.000 Screenshots beinhaltet, die Beispiele für den vorgeworfenen Antisemitismus in der Labour Party zeigen.[4] Diese Akte wurde im May der Equality and Human Rights Commission (EHRC)[5] vorgelegt. Diese ist ein öffentliches Gremium, das durch den Equality Act von 2006 eingerichtet wurde.

Später im Mai wurde bekannt, dass ungefähr 100.000 E-Mails und WhatsApp-Postings von innerhalb der Labour Party – gesammelt von ehemaligen offiziellen Partei-Vertretern – der EHRC vorgelegt wurden. Dieses Gremium hat bereits erste Schritte für eine gesetzlich festgelegte Untersuchung der Handhabung der antisemitischen Anzeigen unternommen.[6] Vor kurzem ist die volle Untersuchung der Labour Party eröffnet worden. Solch eine Ermittlung gegen eine Partei gab es bisher erst einmal. 2010 wurde die kleine, kryptofaschistische British National Party (BNP) des Rassismus für schuldig befunden.[7] Bis zu einem EHRC-Bericht zur Labour Party könnten zwei Jahre vergehen. Er wird wahrscheinlich eine der fundiertesten Analysen des Antisemitismus zu einer einzelnen Organisation in der Geschichte liefern.

Anhand der Labour Party kann zudem das Reinwaschen von Antisemitismus als Technik studiert werden. Man muss sich hier auf die Labour-Mitglieder konzentrieren, die antisemitische Verleumdungen von sich gaben und nicht aus der Partei ausgeschlossen wurden. Darüber hinaus gibt es auch solche, die es auf Personen abgesehen haben, diesen Antisemitismus aufzudecken. Juden, die dabei mitmachen, sind für das Reinwaschen von Antisemitismus am nützlichsten. Die Jewish Voice for Peace (JVP – Jüdische Stimme für den Frieden) ist eine kleine Organisation, die Corbyn unterstützt. Ihr Sekretär Glyn Secker sprach bei einer pro-palästinensischen Kundgebung in London. Er sagte, das Jewish Labour Movement und die jüdische Parlamentsabgeordnete Dame Margaret Hodge sind eine Fünfte Kolonne innerhalb der Labour Party und fügte hinzu: „Juden befinden sich mit diesen Ratten in der Gosse.“[8]

Rhea Wolfson ist eine der beiden Juden im Führungsgremium der Labour Party, dem National Executive Committee. Sie schrieb: „Ich hatte die Ehre eng mit Jeremy Corbyn zu arbeiten, einem der prinzipientreuesten Menschen in der Politik… Jeder, der Jeremy Corbyn kennt, ihn getroffen oder mit ihm gearbeitet hat, den ich kenne, weiß, dass er keinen Fitzel an Vorurteil in sich hat und absolut der Bekämpfung des Antisemitismus verschrieben ist, so wie er gegen alle Formen der Diskriminierung und Unterdrückung ist, die er sein Leben lang bekämpft hat. Mein Engagement für Labour ist unerschütterlich und ich bin stolz auf die Arbeit, die Jeremy macht, um Antisemitismus in der Politik und der breiteren Gesellschaft anzupacken.“[9]

Die allgemeine britische Gesellschaft glaubt allerdings nicht, dass Corbyn je in der Lage sein wird die Antisemitismus-Krise der Labour Party zu beenden. Fünfzig Prozent aller Wähler stimmten im Mai 2019 zu, dass Labour ein Problem mit antijüdischem Rassismus hat; das hat von einer ähnlichen Umfrage im Februar diesen Jahres zugenommen; damals betrug der Anteil 43%. Die Zahl derer, die bestreiten, dass Labour ein solches Problem hat, ist von 23% im Februar auf 18% im Mai gefallen.[10]

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Antisemitismus-Forschung ist die Überlappung von antiisraelischen Hetzern und Reinwäschern von Antisemitismus in der Labour Party. Ein Beispiel: Die ehemalige Labour-Ministerin Clare Short schrieb im Juli 2016 auf ihrem Blog: „Der Vorwurf des Antisemitismus gegen Mitglieder der Labour Party, die Israel gegenüber kritisch eingestellt sind, ist ein Komplott, um von Israels Verletzungen des Völkerrechts abzulenken.“[11]

Die Labour Party ist auch ein idealer Ort um das zu untersuchen, was man das Legen von Nebelwänden zum Thema Antisemitismus nennen könnte, ein Thema, das selten erforscht wird. Die Führer der Partei sagen nicht: „Wir schützen Antisemiten, die wir als für die Partei wertvoll ansehen.“ Im Gegenteil: Corbyn hat bei vielen Gelegenheiten gesagt, dass die Partei Antisemitismus ausmerzen will.

Als Jennie Formby Anfang 2018 Labour-Generalsekretärin wurde, versprach sie, innerhalb weniger Monate würden die Anzeigen bearbeitet. Viele Fälle wurden damals nicht behandelt und es kamen weiter neue auf. Im Februar 2019 sagte sie, Antisemitismus könnte nicht komplett ausgemerzt werden: „Ich glaube nicht, dass irgendjemand sagten kann, wir können den Antisemitismus komplett ausrotten und jeden einzelnen davon abhalten jeden … Jeden einzelnen Tag kann jemand anderes in die Partei eintreten und etwas tun.“[12] Allerdings ist das etwas Marginales. Der Kern des Problems betrifft antisemitische Bemerkungen aktueller Parteimitglieder, von denen einige ihr schon lange Jahre angehören.

Angesichts der vielen Fälle von Antisemitismus in der Labour Party und dem fehlerhaften Umgang mit dem Problem gibt es zudem beträchtliche Reaktionen auf den Antisemitismus in der Partei. So kann man auch Methoden studieren Judenhass in einer linken Organisation zu bekämpfen, deren Führung es ablehnt Antisemitismus auszumerzen.

Die stärkste Antisemitismus bekämpfende Kraft innerhalb der Partei ist die Jewish Labour Movement (JLM), die seit fast einhundert Jahren Teil der Labour Party gewesen ist. Aber selbst die JLM nutzte einen Euphemismus zu Corbyn, der hilft eine Nebelwand zu legen. Sie gab eine Erklärung ab, dass sie jegliches Vertrauen in Corbyn Fähigkeit verloren haben Rassisten aus der Partei auszuschließen.[13] Corbyn ist jedoch nicht unfähig das zu tun, sondern zieht es stattdessen vor gewisse Leute in der Partei zu behalten, die antisemitische Äußerungen von sich geben. Die JLM ging nicht so weit das deutlich zu machen.

Ein weiteres interessantes Handeln gegen Antisemitismus in der Labour Party war die Entscheidung des ehemaligen Premierminister Gordon Brown, der nicht jüdisch ist, sich aus Solidarität der JLM als außerordentliches Mitglied anzuschließen.[14] Dasselbe machte der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan.[15] Viele ranghohe Labour-Persönlichkeiten haben sich gegen Antisemitismus in der Partei ausgesprochen. Zu diesen gehören der frühere Premierminister Tony Blair[16] und Schattenkanzler Ed Balls.[17]

Der Antisemitismus-Skandal der Labour Party hat zudem Aspekte, die über die Partei hinausgehen. Labour hat Beobachterstatus bei der Sozialistischen Internationale (SI). Diese weltweite Organisation von sozialdemokratischen, sozialistischen und Arbeitsparteien bringt 147 politische Parteien und Organisationen aus allen Kontinenten zusammen. Sie behauptet für die progressive Politik in einer faireren Welt einzutreten.

Die SI hat eine ausführliche Ethik-Charta, zu der „totale Verpflichtung auf die Werte von Gleichheit und Solidarität“ gehört. Sie respektiere die Rechte von Minderheiten und Einzelpersonen. Dadurch, dass sie nicht gegen Labour vorgeht, sind die SI-Führung und ihre Mitglieder mitschuldig am institutionellen Antisemitismus der Partei. Sie können nicht behaupten von nichts zu wissen, denn das SI-Büro befindet sich in London.

Forschung im Bereich des Antisemitismus ist nicht sehr konsolidiert. Die Förderung von Hass hat heutzutage viele Aspekte. In der Labour Party sind weitere Entwicklungen in diesem Bereich fast ständig im Gang. Während die Mainstream-Medien sich weiter für diese Entwicklungen in der Labour Party interessieren, werden in der Zukunft viele weitere Einblicke ans Licht kommen.

[1] https://besacenter.org/perspectives-papers/corbyn-against-jews-israel/

[2] www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-5490686,00.html; /www.thetimes.co.uk/article/vile-anti-semitism-met-with-a-slap-on-the-wrist-at-most-b38v7z9jd

[3] Alan Johnson: Institutionally Antisemitic: Contemporary Left Antisemitism and the Crisis in the British Labour Party, 2019.

[4] http://www.jpost.com/Diaspora/Labour-Against-Antisemitism-non-Jewish-Brits-fight-back-from-within-568681

[5] http://www.thetower.org/7326-campaign-group-submits-report-with-15000-cases-of-anti-semitism-urges-equalities-watchdog-to-investigate-labour/

[6] https://www.thejc.com/news/uk-news/ehrc-launches-formal-investigation-into-labour-antisemitism-1.484822

[7] http://www.theguardian.com/politics/2019/mar/07/labour-antisemitism-equalities-watchdog-opens-investigation

[8] www.thejc.com/news/uk-news/labour-activist-behind-antisemitic-rant-is-to-deliver-training-on-jew-hate-to-party-members-1.484235

[9] www.thejc.com/comment/comment/rhea-wolfson-comment-jeremy-corbyn-jonathan-arkTush-1.464888

[10] http://www.thejc.com/news/uk-news/jc-poll-british-public-do-not-believe-jeremy-corbyn-will-ever-end-labour-antisemitism-1.484592

[11] http://www.clareshort.org/?s=antisemitism+ploy&category_name=&submit=Search

[12] http://www.thejc.com/news/uk-news/exclusive-jennie-formby-told-mps-twice-that-it-would-be-impossible-to-eradicate-antisemitism-1.479565

[13] http://www.thesun.co.uk/news/9085211/anti-semitism-recorded-score-card-jewish-labour-movement-activists/

[14] http://www.thejc.com/news/uk-news/gordon-brown-labour-has-let-down-the-jewish-community-over-antisemitism-1.482365

[15] https://jewishnews.timesofisrael.com/sadiq-khan-proud-to-join-jewish-labour-movement-as-affiliate-member/

[16] http://www.jpost.com/International/Former-UK-PM-How-is-antisemitism-in-Labour-Party-tolerated-580295

[17] http://www.thejc.com/news/uk-news/ed-balls-says-jeremy-corbyn-has-said-antisemitic-things-and-fails-to-see-it-1.484327

 

Analyse der Reaktionen auf den jüngsten Konflikt zwischen Hamas und Israel

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Anfang Mai gab es einen kurzen, gewalttätigen, von der Hamas initiierten Konflikt mit Israel. Sechshundert Raketen wurden innerhalb von 48 Stunden aus dem Gazastreifen nach Israel gefeuert. Es ist üblich die militärischen und politischen Aspekte eines solchen Konflikts für zukünftige Verwendungszwecke zu analysieren. Es ist allerdings auch wichtig die verbalen Reaktionen auf die Schlacht zu studieren, auch wenn sie so kurz war. Das dient der besseren Illustration dessen, wo manche Staaten und Leute stehen.

Dieser Konflikt ermöglichte es den Analysten die Hardcore-Anhänger der palästinensischen Terroristen detaillierter zu identifizieren. Das türkische Außenministerium veröffentlichte eine Stellungnahme, mit der die „wahllosen“ Angriffe auf den Gazastreifen sowie der Angriff auf das dortige Büro ihrer Nachrichtenagentur verurteilt wurden: „Wir rufen die internationale Gemeinschaft dringend auf wegen der unverhältnismäßigen israelischen Taten zu handeln und die Eskalation der Spannungen in der Region zu abzuschwächen.“[1]

Die Jungabgeordnete und US-Demokratin Rashida Tlaib twitterte: „Wann hört die Welt auf unser palästinensisches Volk zu entmenschlichen, das nur frei sein will? Schlagzeilen wie diese und sie auf diese Art zu formulieren füttert nur die ständige fehlende Verantwortlichkeit seitens Israels, das palästinensische Kinder und Familien ungerechtfertigt unterdrückt.“[2]

Eine weitere Neuabgeordnete US-Demokratin, Ilhan Omar, forderte „echte Gerechtigkeit“: „Wie viele weitere Protestierende müssen angeschossen, wie viele Raketen geschossen und wie viele kleine Kinder müssen getötet werden, bis der endlose Kreislauf der Gewalt endet? Der Status quo der Besatzung und humanitären Krise im Gazastreifen ist unhaltbar. Nur echte Gerechtigkeit kann Sicherheit und dauerhaften Frieden bringen.“[3]

Der ehemalige Senator von Alaska Mike Gravel war ebenfalls auf der Seite der palästinensischen Terroristen.[4] Er ist schon Jahrzehnte nicht mehr im Amt, aber er könnte als marginaler Außenseiter in die Präsidentschafts-Vorwahlen der Demokraten gehen. Gravel forderte die Demontage Israels als jüdischem Staat. Er twitterte: „Das Blutvergießen in Palästina und Israel wird nicht aufhören, bis die fundamental ungerechte, bestehende Struktur fallen gelassen wird.“ Er fügte an: „Wir können kein rechtsgerichtetes, rassistisches Regime unterstützen, das sich Annexion und schrittweiser ethnischer Säuberung verschrieben hat. Es muss einen binationalen Staat mit gleichen Rechten für alle geben.“[5]

Jeremy Corbyn, Führer der britischen Labour Party, hat Hamas und Hisbollah seine „Freunde“ und „Brüder“ genannt.[6] Während des jüngsten Konflikts veröffentlichte sein Sohn Tommy Bilder eines toten palästinensischen Kinders und seiner Mutter. Er behauptete, sie seien von Israel getötet worden, es stellte sich allerdings heraus, dass ihr Tod von einer fehlgeschossenen Hamas-Rakete verursacht wurde.[7]

Im Mai fand in London eine pro-palästinensische Kundgebung statt. Die Hamas dankte Jeremy Corbyn für seine Solidaritätsrede an die Marschierenden. Das Statement der Hamas lautete: „Wir haben mit hohem Respekt und Wertschätzung die Solidaritätsbotschaft erhalten, die der Führer der britischen Labour Party, Jeremy Corbyn, an die Teilnehmer der Massenkundgebung hielt, die im Zentrum von London stattfand.“ Corbyns Botschaft forderte die britische Regierung auf den Tod von Protestierenden im Gazastreifen zu verurteilen und Waffenverkäufe nach Israel einzufrieren.[8] Yair Lapid, einer der Chefs der größten Oppositionspartei „Blau und Weiß“ in Israel, sagte: Jeremy Corbyn, hier ist ein kostenloser Rat: Wenn die Hamas dir dankt, dann befindest du dich auf der Seite des Terrorismus.“[9]

Es gab seitens der amerikanischen Kandidaten der Demokraten bei den Präsidentschafts-Vorwahlen zum Konflikt hauptsächlich Schweigen. Nur drei von mehr als 20 nahmen eine Haltung zugunsten von Israel ein: Colorados Senator Michael Bennett, der ehemalige Gouverneur von Colorado John Hickenlooper und New Jerseys Senator Cory Booker.

Das Schweigen zweier prominenter Kandidaten war besonders von Bedeutung: Bernie Sanders und Beto O’Rourke. Dass sie den Konflikt nicht kommentierten, wirft weitere Zweifel daran auf, dass sie gegen die völkermörderischen palästinensischen Terrorbewegungen sind. Sanders sagte früher, er halte zwar Netanyahu für einen Rassisten, stehe aber zu 100% hinter Israel.[10] Sanders hätte die große Zahl extremer Rassisten in der Palästinenserführung sowohl bei der Fatah als auch der Hamas erwähnen können, tat es aber nicht. Angesichts der vielen gerechtfertigten Zweifel daran, wo er wirklich steht, hätte er während des Konflikts seine Unterstützung für Israel ausdrücklich zeigen sollen.

O’Rourke sagte, Israel sei ein sehr wichtiger Verbündeter, kritisierte aber Netanyahu. Der ehemalige Abgeordnete aus Texas sagte, die Beziehungen zwischen den USA und Israel „müssen über über Parteinahme in den USA hinausgehen und es muss möglich sein über einen Premierminister hinauszugehen, der rassistisch ist, wenn er davor warnt, dass Araber wählen gehen, der sich jeder Aussicht auf Frieden widersetzt, während er droht die Westbank zu annektieren und der sich an die Seite einer rechtsextremen Partei gestellt hat, um seinen Zugriff zur Macht zu erhalten.“[11] O’Rourke schwieg allerdings zum Kampf des „wichtigen Verbündeten“ der USA Israel gegen Terroristen.

Darüber hinaus sollten auch einige Reaktionen israelischer Oppositionsführer beachtet werden. „Blau und Weiß“-Parteichef Benny Gantz – ein ehemaliger Generalstabschef – sagte den Nachrichten von Kanal 13: „Wir müssen hart zuschlagen, kompromisslos, auf jede Weise, die die Armee empfiehlt, mit militärischen und geheimdienstlichen Erwägungen. Wir müssen die Abschreckung wiederherstellen, die seit mehr als einem Jahr katastrophal ausgehöhlt worden ist.“[12]

Die oppositionelle linke Arbeitspartei schien ebenfalls nahezulegen, dass auf die Hamas entschiedener reagiert werden solle, als die Regierung es tat. Ihr Abgeordneter Tal Russo, ein General außer Dienst, klagte: „Wir haben es dreieinhalb Jahre versäumt der Hamas gravierender Schaden zuzufügen.“[13]

Es ist für Israel unüblich Reaktionen auf seine gewaltsamen Konflikte systematisch zu untersuchen. Dabei handelt es sich jedoch um ein wichtiges Mittel für öffentliche Diplomatie, das nicht vernachlässigt werden sollte.

[1] http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-5506453,00.html

[2] https://twitter.com/RashidaTlaib/status/1125075784178257920

[3] http://www.algemeiner.com/2019/05/13/support-for-maduro-angela-davis-and-hamas-has-critics-calling-ilhan-omar-congress-most-left-wing-member/

[4] www.jta.org/2019/05/06/politics/just-three-democratic-presidential-candidates-weighed-in-on-the-gaza-violence

[5] http://www.timesofisrael.com/four-democratic-presidential-candidates-weigh-in-on-gaza-violence/

[6] https://besacenter.org/perspectives-papers/uk-labour-antisemitism-debate/

[7] http://www.thejc.com/news/uk-news/jeremy-corbyn-son-tommy-posts-shocking-image-of-dead-palestinian-child-wrongly-claims-she-was-kil-1.483796

[8] http://www.telegraph.co.uk/news/2019/05/16/hamas-thanks-jeremy-corbyn-message-pro-palestinian-rally/

[9] ebenda

[10] http://www.jta.org/quick-reads/bernie-sanders-says-he-is-100-pro-israel-but-blasts-its-racist-government

[11] http://www.rt.com/news/457284-sanders-netanyahu-racist-government/

[12] www.i24news.tv/en/news/israel/diplomacy-defense/1557033509-israeli-politicians-react-to-the-latest-bout-of-violence-in-gaza

[13]ebenda

Können Muslime vom Zionismus lernen?

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die Ursprünge des zeitgenössischen europäischen Antisemitismus entstammen weit verbreiteter, uralter negativer Stereotype zu Juden. Mehr als tausend Jahre ist es Juden nicht möglich gewesen in Europa über längere Zeiträume in Frieden zu leben. Negative Einstellungen gegenüber Juden sind mit der europäischen Kultur seit vielen Jahrhunderten verwoben. Das zeitgenössische Symbol der Gefühle der Unsicherheit der europäischen Juden ist die Notwendigkeit der Bewachung von Synagogen und jüdischen Institutionen.

Die Geschichte des Antisemitismus unterscheidet sich enorm von der der Islamophobie. Die Wurzeln Letzterer in Westeuropa sind jung. Islamophobie schreibt allen Muslimen negative Charakterzüge zu. Anscheinend übernehmen Muslime heute allmählich die Rolle der Hauptaußenseiter in Europa von den Juden. Das wird von einer Reihe Faktoren ermöglicht. Einer davon ist, dass es in Westeuropa bis zu 20 Millionen Muslime gibt. Die Zahl der Juden beträgt weniger als 1,5 Millionen.

Es gibt andere, weniger sichtbare Faktoren. Zu diesen gehört, dass der Islam eine Missionierungsreligion ist. Fast alle Muslime oder ihre Vorfahren kamen erst während der letzten Jahrzehnte in Westeuropa an. Einige von ihnen versuchten einheimische Europäer zu konvertieren und sie von der Leitkultur des Kontinents abzubringen. Das immens schlimme Betragen einiger Muslime spielt bei der Islamophobie ebenfalls eine Rolle. Ein Großteil des muslimischen Terrorismus hängt mit der Sichtweise der Kriminellen zu den islamischen Bräuchen zusammen. Der Ruf „Allahu Akbar“, der muslimische Terroranschläge manchmal begleitet, drückt das aus.

Terroristische und kriminelle Taten stärken weit verbreitete negative Stereotype gegenüber allen Muslimen. Es spielt keine Rolle, ob sie Salafisten sind oder Nichtgläubige. In der Denkweise von Europäern, die diese insgesamt negativen Stereotype glauben, sind alle Muslime gleich. Für viele ist die Unterscheidung zwischen Islamisten und Muslimen ein Spiel für die politisch Korrekten. Die Erklärung „Der Islam gehört zu Europa“, die von Politikern manchmal abgegeben wird, wird ähnlich gesehen.

Es gibt verschiedene Gründe für diesen Anstieg von nationalistischem Populismus in den meisten Ländern Westeuropas. Terrorismus im Namen des Islam, extreme Kriminalität seitens mancher Muslime und muslimische Forderungen an die Gesellschaft sind nur ein Teil davon. Populistische Parteien nutzen sie jedoch als zentrales Mittel in ihrer Propaganda. Viele andere haben zudem verstanden, dass der Multikulturalismus ein unangebrachtes Konzept ist. Ohne eine Leitkultur werden die europäischen Gesellschaften stetig weiter ausgehöhlt.

Es ist viel daraus zu lernen, wie die muslimische Realität in Europa von einem Insider gesehen wird. Der ehemalige Leiter des deutschen Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans Georg Maaßen sagte bei einem Vortrag vor kurzem über die Diskussion des poltischen Islam: „Der Extremismus ist leise und wird aus meiner Sicht vielfach unterschätzt“.[1] Er stellte heraus, dass das ein Ergebnis der Konzentration der Aufmerksamkeit auf Terrorismus ist. Maaßen fügte hinzu: „Es sind keine Hit-Teams, die den Islamismus bei uns regelmäßig verbreiten.“ Er bemerkte weiterhin, dass die Protagonisten des politischen Islam oft gut gebildet sind und als gut integriert gelten.

Maaßen beschwerte sich, dass es im Kampf gegen den radikalen Islam keine Unterstützung durch moderate oder säkular Muslime gibt, besonders angesichts der Tatsache der Vielzahl kleiner Muslimorganisationen in Deutschland. Er machte dann eine potenziell explosive Anmerkung, die von den Medien kaum bemerkt wurde. Maaßen sagte, es sei extrem schwierig muslimische Organisationen anzuführen, die nicht von den deutschen Geheimdiensten beobachtet werden.“

Er ging noch weiter und sagte, die Behörden bezuschussen manchmal muslimische Organisationen, obwohl sie von den Inlandsgeheimdiensten vor ihnen gewarnt werden. Er fasst die deutsche Situation so zusammen: Islamisten im Land können vieles tun, was in arabischen Staaten nicht erlaubt ist. Maaßen bezeichnete die Lage in Deutschland als „einen Wilden Westen für Islamisten“.[2] Wenn diese Ansichten des Geheimdienstes von den Medien übernommen werden, wird es die Position der Muslime in der deutschen Gesellschaft weiter verkomplizieren.

Um den Beginn des 20. Jahrhunderts begannen die Zionisten sich zu organisieren. Die Gründer der Bewegung erkannten, dass sie unabhängig davon, was Juden machten, niemals „normale“ Bürger Europas sein würden. Juden bleiben Außenseiter, egal, wie viel einige für die europäischen Gesellschaften in den Naturwissenschaften, der Industrialisierung, der Medizin, Wohltätigkeit und vielen anderen Bereichen geleistet haben. Ein paar Jahrzehnte später sollten Assimilation und illusionäre Integration in die Mainstream-Gesellschaften keinen Juden vor den Gaskammern schützen.

Somit führten negative Stereotype über Juden, ursprünglich von der Christenheit vorangetrieben und von der Nazi-Propaganda weiter hochgeschaukelt, in den Völkermord des Zweiten Weltkriegs. Es gab über die deutschen und österreichischen Anhänger der völkermörderischen Nazi-Ideologie hinaus viele, die kollaborierten. Heutzutage beschäftigen sich viele Juden mit der Frage, ob es für sie und insbesondere für ihre Kinder in Europa überhaupt eine Zukunft gibt. Daher sind die Dogmen des Zionismus immer noch von Bedeutung.

Wenn Juden Zweifel bezüglich ihrer Zukunft in Westeuropa haben, sollten Muslime die ihre auch infrage stellen? Ein neuer Holocaust an ihnen ist unwahrscheinlich. Werden antimuslimische Bewegungen, die in den letzten Jahrzehnten begonnen haben sich organisieren, verschwinden oder an Stärke zunehmen? Der Grad der Empfindungen ihnen gegenüber mag von Land zu Land unterschiedlich sein. Eine Vielzahl an Faktoren wird den Ausgang beeinflussen. Können Muslime realistisch hoffen sich in Europa voll zu integrieren?

Wird all dies zu einer bedeutenden Bewegung bei europäischen Muslimen führen sich zu überlegen, dass sie in muslimischen Ländern besser aufgehoben sind, selbst wenn diese ärmer sein sollten? Es gibt auch ideologische Strömungen im Islam, die behaupten, dass Muslime in Ländern leben sollten, in denen der Islam die vorherrschende Religion ist. Inzwischen geht der Netto-Zustrom von Menschen aus muslimischen Ländern nach Europa weiter.

Das Hauptproblem der zionistischen Führung war, dass es kein jüdisches Land gab, in das man gehen konnte. Der jüdische Staat musste mit Blut, Schweiß und Tränen errichtet werden. Muslime, die Europa verlassen, können versuchen ihren Platz in einem der mehr als 50 Länder mit muslimischer Mehrheit finden. Es gibt bereits viel, das Muslime vom Zionismus lernen können. Die Zeit wird erweisen, ob die zu ziehenden Lektionen weiter zunehmen werden.

[1] www.welt.de/politik/deutschland/article193332151/Auftritt-in-der-Union-Maassen-warnt-im-Berliner-Kreis-vor-Gift-des-Extremismus.html

[2] ebenda

Hass-Karikaturen in wichtigen antiisraelischen Medien

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor; auf Englisch veröffentlicht bei BESA, 4. Mai 2019)

Für Auslandsmedien, die regelmäßig gegen Israel aufstacheln, ist es oft wahrscheinlich, dass sie in die Veröffentlichung antisemitischer Karikaturen abgleiten. Eine aktuelle antisemitische Karikatur in der New York Times ist ein solcher Fall. Am 25 April entmenschlichte die internationale Ausgabe der Zeitung den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu, indem sie ihn in einer Karikatur als Hund zeigte.[1] Juden als Tiere darzustellen ist ein klassisches Motiv des Antisemitismus. Die Leitung der Zeitung machte für die Veröffentlichung einen einzelnen Redakteur verantwortlich. Zusätzlich hätte es jedoch ein Eingeständnis geben müssen, dass das kulturelle und politische Umfeld bei der New York Times das Vergehen dieses Redakteurs möglich machte.

Es gibt verschiedene große Medien in zahlreichen Ländern, die oft gegen Israel gehetzt haben und ebenfalls antisemitische Karikaturen veröffentlichten. 2003 brachte die britische Tageszeitung The Independent eine Karikatur von Dave Brown, die den damaligen israelischen Premierminister Ariel Sharon als Kinderfresser darstellte, eine neue Mutation des mittelalterlichen Ritualmordvorwurfs. Selbst nach zahlreichen Beschwerden entschied die Press Complaints Commission (PCC) in Großbritannien, dass die Karikatur ihren Ethikcode nicht verletzt.[2] Sie gewann danach sogar den Preis für die beste politische Karikatur der Political Cartoon Society für das Jahr 2003. Dieser Preis wurde von der ehemaligen Ministerin der Labour Party Clare Short im Hauptsitz der prestigeträchtigen Wochenzeitung The Economist in London verliehen.

Der damalige israelische Botschafter im Vereinten Königreich Zvi Shtauber fragte den jüdischen Chefredakteur Simon Kelner, ob die Zeitung jemals eine ähnliche Karikatur einer Person des öffentlichen Lebens veröffentlicht hätte. Kelner musste mit seiner Sucher achtzehn Jahre weit in die Vergangenheit gehen um eine zu finden.[3]

Mitte des letzten Jahrzehnts war der jüdische Politiker Michael Howard der Vorsitzende der Konservativen Partei von Großbritannien, die sich damals in der Opposition befand. Im April 2005 veröffentlichte der Guardian eine Karikatur von Steve Bell, die Howard mit Vampirzähnen darstelle, von einem tropfte Blut. Dazu hielt er ein Glas mit Blut. Die Bildbeschreibung lautete: „Trinken Sie, was wir trinken? Stimmen Sie für die Konservativen.“[4] Später zeichnete Bell Howard für den Guardian erneut mit Vampirzähnen.[5] Der weltweit führende Experte für antisemitische Karikaturen, der belgische Forscher Joël Kotek, hat gesagt, dass hauptsächlich Juden in Karikaturen als Vampire dargestellt werden.[6]

Die „progressive“ deutsche Tageszeitung Süddeutsche Zeitung (SZ) ist eine der meistgelesenen „Qualitätszeitungen“ in Deutschland. Am 15. Mai 2018 veröffentlichte die SZ eine Karikatur, die den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu als die israelische ESC-Gewinnerin Netta Barzilai des Jahres darstellte; er feierte den Sieg mit einer Rakete mit Davidstern in der Hand. Der Karikaturist zeichnete den israelischen Regierungschef mit übergroßer Nase, Ohren und Lippen – klassische antisemitische Stereotype.

Nach vielen negativen Reaktionen entschuldigte sich die SZ ein paar Tage später damit, es sei ein Fehler gewesen die Karikatur zu veröffentlichen.[7][8] Fakt ist, dass die Hetze der Zeitung eine lange Geschichte hat.[9] 2013 veröffentlichte sie die Karikatur eines Monsters mit zwei Hörnern, das essen wollte[10] Der begleitende Text lautete: „Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt.“

2014 erschien eine weitere antisemitische Karikatur in der SZ.[11] Burkhard Mohr zeichnete den jüdischen Facebook-Unternehmer Mark Zuckerberg als Krake, der seine Tentakel ausstreckt, um die sozialen Medien zu kontrollieren. Der Karikaturist stellte Zuckerberg mit langer Nase und dicken Lippen dar, einmal mehr typische antisemitische Stereotype. Kotek hat herausgestellt, dass Juden als Kraken darzustellen ist ein klassisches Motiv antismitischer Karikaturen.[12]

2008 porträtierte die italienische linke Tageszeitung Il Manifesto die jüdische Journalistin Fiamma Nirenstein mit der Bildbeschreibung „unsere Kandidaten für die Wahl: Fiamma Frankenstein.“ Sie war Kandidatin der Mitte-Rechts-Partei Il Popolo della Liberà (Volksfreiheit) bei den italienischen Parlamentswahlen. Der Karikaturist Vauro zeichnte sie mit einer langen Nase, die den Mund berührte, sie trug einen Wahlkampf-Button, einen Davidstern und die Insignien der Faschisten. Die Anti-Defamation League (ADL) bezeichnete die Karikatur als „unzweifelhaft antisemitisch“. Die Redakteure der Zeitung lehnten es ab sich zu entschuldigen.[13]

Die liberale schwedische Zeitung Dagens Nyheter veröffentlichte 2016 eine Karikatur, die Netanyahu und den gerade zum US-Präsidenten gewählten Donald Trump darstellte. Die beiden wurden von einem orthodoxen Juden, einem Mitglied des Klu-Klux-Klan und einer Person mit Gewehr getragen, die mir einer israelischen Flagge gekennzeichnet war. Die Bildbeschreibung lautete „Endlich“. Anfangs verteidigte die Zeitung die Karikatur. Später twitterte ihr jüdischer Chefredakteur, die Karikatur zu veröffentlichen sei ein Fehler gewesen, bestritt aber gleichzeitig, dass die Karikatur antisemitisch war.[14]

In der linksliberalen niederländischen Tageszeitung Volkskrant hat der Karikaturist Jos Colignon im Lauf des Jahres mehrere antisemitische Karikaturen veröffentlicht. 2018, anlässlich des 70. Geburtstags Israels, zeichnete er eine Karikatur eines großen israelischen Soldaten mit Davidstern auf dem Rücken, der auf einen kleinen Palästinenser vor einer Mauer schoss; die Kugeln schlugen um ihn herum ein und bildeten den Schriftzug „Happy Birthday to me“.[15]

2013 veröffentlichte Volkskrant eine Karikatur Colignons, die zwei Teile hatte. Rechts zeigte sie den nordkoreanischen Diktator mit der Bildunterschrift „Atombombe im Ärmel, Atombombe in den Taschen“. Links war ein schwarz gekleideter, ultraorthodoxer Jude mit schwarzem Hut und einer großen Nase, neben dem „Israel“ geschrieben stand. Er hatte Bomben seinen Taschen; die Bildbeschreibung lautete: „Nichts in den Ärmeln, nichts in den Taschen.“[16]

2012 schuf Colignon für den Volkskrant eine Zeichnung des rechten niederländischen Politikers Geert Wilders, des Chefs der Freiheitspartei. Eine fremde Hand steckt ihm Geld in die Tasche. Wilders sagt auf Hebräisch: „Danke und mach dir keine Sorgen.“ Die Karikatur legt nahe, dass das internationale Judentum diesen Politiker finanziert.[17]

Das Land mit regelmäßigen antisemitischen Karikaturen und einer andauernden Geschichte gegen Israel ist Norwegen. Ein Teil davon ist von Erez Uriely analysiert worden.[18] Die drei führenden landesweiten Zeitungen sind alle antiisraelisch. Hier kann nur eine kleine Auswahl der Hass-Karikaturen erwähnt werden. In der größten Zeitung, Verdens Gang, stellt der Karikaturist Morton M. Kristiansen die Juden Israels als Parasiten dar, die den Arabern Land stahlen und immer noch das letzte Sandkörnchen haben wollen.

2002 veröffentlichte die zweitgrößte landesweite Zeitung, Aftenposten, eine Karikatur von Inge Grodum. Sie zeigt einen Davidstern – statt eines normalen Sterns – über Bethlehem und drei Männer auf Kamelen. Letzteres verweist auf die drei Weisen aus dem Morgenland, die Jesu Geburt vorhersahen. Die Karikatur deutete an, dass Israel aus Bethlehem eine jüdische Stadt gemacht habe. Fakt ist, dass die Mehrheit der Stadt unter der Herrschaft der Palästinensischen Autonomiebehörde muslimisch wurde statt christlich. Es gibt keine Juden, die in Bethlehem leben. In einer weiteren Karikatur in derselben Zeitung von derselben Künstlerin im selben Jahr schießen israelische Panzer auf den Stern von Bethlehem.

Die drittgrößte Tageszeitung, Dagbladet, hat allerlei antisemitische Karikaturen von Finn Graff veröffentlicht. Zwei davon zeigen Sharon und Olmert als Nazis. Der ehemalige Generalsekretär der norwegischen Arbeitspartei, Haakon Lie, schrieb in seiner Autobiografie: „Die Arbeitspartei ritt schwere Angriffe auf Israel. Sie verwendete Karikaturen von Finn Graff, die die antisemitischen Illustrationen von Der Stürmer in den Tagen Hitlers und Das Krokodil in Moskau wachriefen.“[19] Norwegens König Harald V. verlieh diesen Zeichner antisemitischer Karikaturen trotzdem den Orden des Heiligen Olaf, den höchsten Orden des Landes.

(Dieser Artikel ist eine erweiterte Version eines früheren,
der in The Algemeiner veröffentlicht wurde.)

[1] http://www.nytimes.com/2019/04/28/business/ny-times-anti-semitic-cartoon.html

[2] http://www.politicalcartoon.co.uk/html/exhibition.html.

[3] Manfred Gerstenfeld, interview with Zvi Shtauber: British Attitudes toward Israel and the Jews. In: Israel and Europe: An Expanding Abyss? Jerusalem (Jerusalem Center for Public Affairs/Konrad-Adenauer-Stiftung) 2005, S. 188.

[4] Steve Bell: Are you drinking what we’re drinking? Vote conservative. The Guardian, 7. April 2005.

[5] Steve Bell: Michael Howard and the Tory party. The Guardian, 5. Oktober 2005.

[6] http://jcpa.org/article/major-anti-semitic-motifs-in-arab-cartoons/

[7] http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/31630

[8] http://www.haaretz.com/israel-news/german-newspaper-apologizes-for-cartoon-using-anti-semitic-stereotypes-1.6094472

[9] http://www.jpost.com/Diaspora/Antisemitism-czar-slams-German-cartoon-as-Nazi-propaganda-556693

[10] http://www.zeit.de/kultur/2013-07/sueddeutsche-zeitung-israel-karikatur

[11] http://www.jpost.com/printarticle.aspx?id=342412

[12] http://jcpa.org/article/major-anti-semitic-motifs-in-arab-cartoons/

[13] http://www.jta.org/2008/03/20/default/italian-caricature-called-anti-semitic

[14] http://www.thelocal.se/20161121/swedish-newspaper-criticized-for-anti-semitic-trump-cartoon

[15] www.dagelijksestandaard.nl/2018/04/ranzige-volkskrant-publiceert-walgelijke-antisemitische-cartoon-vanwege-70ste-verjaardag-israel/

[16] https://brabosh.com/2013/04/25/pqpct-otr/

[17] https://joop.bnnvara.nl/nieuws/volkskrant-cartoonist-aangeklaagd-wegens-antisemitisme

[18] Manfred Gerstenfeld: Behind the Humanitarian Mask. The Nordic Countries, Israel and the Jews. JCPA, 2008, Israel, S: 142 -158.

[19] Haakon Lie: Slik jeg ser det (As I See It), 2. Teil. Oslo (Tiden Norsk forlag) 1983, S. 132.

Sekundärer Antisemitismus: Judenhass in Verbindung mit dem Holocaust

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich neue Arten von Antisemitismus mit Verbindung zum Holocaust entwickelt. Eine der am häufigsten publizierten ist Holocaust-Leugnung. Schlimmer und viel weiter verbreitet ist Holocaust-Umkehr: Israel und die Juden werden so dargestellt, dass sie sich wie Nazis verhalten.[1] Studien haben aufgedeckt, dass mehr als 40% der Europäer das glauben. Zusätzlich gibt es Neonazis, die Deutschlands Vernichtungspolitik zu Ende geführt sehen wollen. Ein typischer Ausdruck davon ist, dass Hitlers Arbeit vollendet werden sollte. Wir finden auch in der muslimischen Welt Unterstützer dafür.[2]

Weit weniger bekannt ist die Hass schürende Haltung namens „sekundärer Antisemitismus“. Dieser Ausdruck wurde vom Philosophen Theodor Adorno und seinem Mitarbeiter Peter Schönbach von der Frankfurter Schule in den frühen 1960-er Jahren geprägt. An der Schule wurde die Dynamik des deutschen Schuld- und Verteidigungsmechanismus eines Teils seiner Bürger untersucht.

Lars Rensmann, der aktuell an der Universität Groningen in den Niederlanden lehrt, erklärte sekundären Antisemitismus als neue Quelle der Feindseligkeit gegenüber Juden. Er sagte, dass dieser von dem Wunsch vieler Deutscher motiviert wird, die Schuld und die Erinnerung an den Holocaust und aus dem kollektiven Gedächtnis einer befleckten Nation zu unterdrücken und voneinander zu trennen. Juden werden damit kollektiv aufgrund schon ihrer Existenz beschuldigt die Deutschen an die Verbrechen ihrer Nation, ihre Schuld und ihre Verantwortung zu erinnern.[3]

Zwei Psychologen haben genau dies prägnant erklärt. Der israelische Psychiater Zvi Rex sagt: „Deutschland wird den Juden Auschwitz nie vergeben.“[4] Ein weiterer Israeli, der deutsch geborene Holocaust-Psychologe Nathan Durst, sagte: „Ausbrüche mit antisemitischen Untertönen stehen ebenfalls mit Europas Schuld vis-a-vis des Holocaust in Verbindung. Wenn die schuldige Person schlecht ist, wird das jüdische Opfer gut. In dem Moment, in dem gezeigt werden kann, dass letzteres ebenfalls schlecht ist, wird der ‚andere‘ – das heißt der Europäer – von seinen Schuldgefühlen entlastet. Zu behaupten, dass Israelis sich wie Nazis verhalten, verringert die Sünde der Großeltern. Dann können die Kinder der Opfer nicht länger die Ankläger sein. Das macht jeden gleich.“[5]

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass sekundärer Antisemitismus weit verbreitet ist. Ein aktuelles Beispiel ist eine Studie zum österreichischen Antisemitismus, die vom Parlament des Landes angeordnet wurde. Die Studie hatte eine ziemlich große Stichprobe von 2.700 Befragten und trennte die Antworten in drei Gruppen auf: einheimische Österreicher, Türkisch Sprechende und Arabisch Sprechende.

Die Probanden wurden gefragt, ob sie der Aussage zustimmen: „Juden versuchen Vorteile aus der Tatsache zu ziehen, dass sie in der Nazizeit Opfer waren.“Sechsunddreißig Prozent der einheimischen Österreicher stimmten dem zu, so wie 51% der Türkisch und 59% der Arabisch Sprechenden.[6]

Eine weitere den Probanden vorgelegte Äußerung lautete: „Ich bin dagegen, dass immer und immer wieder aufgebracht wird, dass im Zweiten Weltkrieg Juden starben.“ Die Wortwahl der Äußerung übertüncht die Wahrheit, dass Juden starben, weil sie ermordet wurden. Siebenunddreißig Prozent der einheimischen Österreicher stimmten zu, wie auch 46% der Arabisch und 55% der Türkisch Sprechenden.[7] Araber und Türken haben jedoch keinen Grund sich wegen des Holocaust schuldig zu fühlen. Die Antworten zu diesen beiden Äußerungen zeigen, dass, wie an anderen Orten in Europa auch, bei Muslimen Antisemitismus bedeutend weiter verbreitet ist als bei der einheimischen Bevölkerung.

Sekundärer Antisemitismus beschränkt sich nicht auf die Haupttäter-Nationen des Holocaust, Deutschland und Österreich. Eine Studie von 2017 zum zeitgenössischen Antisemitismus in Großbritannien stellte fest, dass 10% der Allgemeinbevölkerung glaubt, Juden würden die Opferrolle im Holocaust für ihre eigenen Zwecke ausbeuten.[8] Dreizehn Prozent stimmen mit der Äußerung überein: „Israel benutzt die Holocaust-Opferrolle für eigene Zwecke.“[9] Aus dieser Umfrage ist auch erkennbar, dass sekundärer Antisemitismus verglichen mit anderen Formen des mit dem Holocaust in Verbindung stehenden Antisemitismus relativ wichtig ist. Zwei Prozent der Probanden glauben, dass der Holocaust ein Märchen ist. Drei Prozent glauben, dass der Holocaust übertrieben worden ist.[10]

Die Studie trennte ebenfalls die Probanden mit stark antiisraelischen Einstellungen. Dreiundzwanzig Prozent sagten, dass der Holocaust übertrieben wird und 49% stellten fest, dass Juden die Opferrolle im Holocaust für ihre eignen Zwecke ausnutzen.[11] Das ist nur ein weiterer Beweis der Verbindung zwischen Antiisraelismus und Antisemitismus.

Es wurden außerdem Statistiken zu muslimischen Probanden in Großbritannien erstellt. Antisemitismus, der mit dem Holocaust in Verbindung steht, war bei Muslimen stärker vertreten als in der allgemeinen Bevölkerung. Bei Muslimen sagten 8%, dass sie glauben, der Holocaust sei ein Märchen; 14% sagten, der Holocaust sei übertrieben worden. Bei religiösen Muslimen lagen die Zahlen noch höher. Zehn Prozent glaubten, der Holocaust sei ein Märchen, 18% sagten, der Holocaust sei übertrieben worden.[12]

Viele Europäer wollen nicht wissen, dass Antisemitismus ein integraler Bestandteil der Kultur ihrer Gesellschaften ist. Das bedeutet nicht, dass es keine Europäer gibt, die Antisemitismus bekämpfen. Genauso wenig heißt es, dass die meisten Europäer Antisemiten sind. Das oben Angeführte zeigt aber eine zusätzliche Perspektive auf die Art, wie europäische Kultur mit Antisemitismus verflochten ist. Selbst der Völkermord an Juden in Europa hat zu neuen Formen des Antisemitismus geführt, nicht nur in den Ländern der Täter, sondern auch andernorts.

[1] library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf.

[2] http://www.israelnationalnews.com/Blogs/Message.aspx/4837

[3] Rensmann, Lars: Guilt, Resentment, and Post-Holocaust Democracy. 2017.

[4] S. Henryk M. Broder: Der ewige Antisemit. Über Sinn und Funktion eines beständigen Gefühls. Frankfurt am Main (Fischer), 1986.

[5] ww.jcpa.org/phas/phas-durst.htm

[6] ww.antisemitismus2018.at/wp-content/uploads/Antisemitismus-in-%C3%96sterreich-2018_Ergebnisanalyse-im-%C3%9Cberblick.pdf

[7] ebenda

[8] L. Daniel Staetsky, Institute for Jewish Policy Research: Antisemitism in contemporary Great Britain: A study of attitudes towards Jews and Israel. S. 22

[9] ebenda, S. 29

[10] ebenda, S. 34

[11] ebenda, S. 36

[12] ebenda, S. 57