BDS in Europa und was die Vereinigten Staaten dagegen tun können

Manfred Gerstenfeld interviewt Benjamin Weinthal (direkt vom Autor)

2005 wurde BDS als Kampagne gegen Israel gestartet. Die Grundidee wurde auf der Antirassismus-Konferenz der NGOs in Durban (Südafrika) propagiert. Boykott, De-Investition und Sanktionen, gemeinhin als BDS bekannt, hat während des letzten Jahrzehnts an Boden gewonnen. Dasselbe Phänomen, nur ohne den Namen, gab es als wirkungsvolle organisatorische Kraft in Europa bereits seit 1967.

Es gibt keine systemtische Studie, die alle BDS-Organisationen in Europa beschreibt. Auf der Grundlage meiner Recherchen gibt es jede Menge beeindruckende BDS-Organisationen, hauptsächlich in westeuropäischen Ländern. Eine Petition auf der Internetseite von BDS France zog fast 70 französische Organisationen an.

Benjamin Weinthal ist Mitglied der Foundation for Defense of Democracies (eines parteilosen nationalen Think Tanks in Washington) und Korrespondent der „Jerusalem Post“.

Er fügt an: Die BDS-Organisationen sind wie ein Schnellfeuer-Virus, der sich in allen sozialen Schichten Europas ausbreitet. BDS-Einheiten gibt es unter anderem in Gewerkschaften, angeblichen Menschenrechtsgruppen und kirchlichen Institutionen.

Europäische Regierungen finanzieren BDS-Organisationen, die in Europa und dem Nahen Osten aktiv sind. NGO Monitor mit Sitz in Jerusalem hat viele Informationen zur Unterstützung von BDS-Aktivitäten durch europäische Regierungen veröffentlicht.

Um die zum harten Kern gehörenden, tief eingebetteten Pro-BDS-Einstellungen in der europäischen Gesellschaft zu ergründen, kann man sich die Entscheidungen der EU im Jahr 2015 ansehen, die gegen jüdische Produkte aus den umstrittenen Gebieten mit einem Etikettierungssystem Sanktionen verhängen. Israels Konflikt mit den Palästinensern war der einzige territoriale Streit, bei dem die EU Strafmaßnahmen verhängte. Vorhersagbar ignorierte die EU die Besetzung Nordzyperns durch die Türkei und Marokkos Besetzung der Westsahara.

Es hat in der schweizerischen Legislative ausgleichende Kräfte gegen die Finanzierung von BDS gegeben. Die EU-Länder hingegen sind in Sachen Versuchen der Beschränkung von Steuergelder für BDS-Aktivitäten weitgehend inaktiv geblieben.

Es gibt in Europa auch Hinweise auf Verbindungen zwischen der Finanzierung von Terror und BDS. Der Fall der verurteilten PFLP-Terroristin Leila Khaled ist ein Lehrbuchbeispiel für das Zusammenspiel von BDS und Terrorfinanzierung. Obwohl die PFLP von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft ist, haben Spanien, Deutschland, Österreich und die Niederlande sowie andere europäische Länder Khaled erlaubt Vortragsreisen zu unternehmen, die BDS und Gewalt gegen Israel propagieren.

Nachdem ich über Bankkonten von BDS-Gruppen berichtete, die Khaled finanzieren und helfen, schlossen Banken in Österreich wie die BAWAG Konten der BDS-Gruppe Österreichisch-Arabisches Kulturzentrum.

Der Leiter von BDS Südafrika, Farid Esack, ein islamistischer Theologe, ist ebenfalls als Finanzier von Leila Khaled unter Beschuss geriet. Esack tourt regelmäßig durch Europa. Ein privates Hotel kündigte wegen seiner unappetitlichen Vergangenheit einen Vertrag mit BDS Österreich. Fotos von Leila Khaled stehen auf der Internetseite von BDS Südafrika, wo Geld für die PFLP gesammelt wird. Leider befindet sich die Forschung zur weithin ignorierten Terrorfinanzierung durch BDS-Kampagnen gerader erst im Entstehen.

Die Vereinigten Staaten können helfen Israel, seinen wichtigsten Verbündeten im Nahen Osten, zu stärken, indem sie die EU drängen gegen die BDS-Bewegung hart durchzugreifen. Fast die Hälfte der Bundesstaaten der USA haben Anti-BDS-Gesetze. Der Kongress ist dabei ein hartes Anti-BDS-Bundesgesetz zu beschließen.

Die Vereinigten Staaten haben bereits einige Maßnahmen gegen BDS in Europa getroffen. Beispielsweise sind einige Banken aufgefordert worden Konten zu schließen. Senatoren und Repräsentanten haben sowohl Ermittlungen gegen deutsche Banken, die BDS-Gruppen helfen, als auch die Schließung von BDS-Konten gefordert. Der Aufruf des ehemaligen Senators Mark Kirk nach einer Ermittlung wegen BDS-Konten bei deutschen Banken hat 2016 die Commerzbank – Deutschlands zweitgrößte Bank – veranlasst ein BDS-Konto zu schließen.

Ich hoffe, dass die US-Regierung Banken des Auslands, die der BDS Konten zur Verfügung zu stellen, klar machen wird, dass sie BDS nicht unterstützt und außerdem Banken und Finanzorganisationen sich harten Strafen ausgesetzt sehen könnten. Das sollte auch US-Banken, PayPal und andere Online-Dienstleister einschließen. Solche Strafmaßnahmen müssten Gesetz werden.

Die Verabschiedung von amerikanischen Anti-BDS-Gesetzen auf Bundesebene würde auch ein wichtiger erster Schritt sein, an BDS beteiligten europäischen Unternehmen eine Botschaft zu vermitteln. Solchen Firmen den Zugang zu US-Märkten zu verweigern würde das beste aller Mittel gegen europäische Unternehmen sein, die eng mit der Diskriminierung jüdischer Israelis verbunden sind.

Gruppen der Zivilgesellschaft sollten Kampagnen starten, um BDS-Aktivitäten von Gewerkschaften, der akademischen Welt und der Kirchen zu schwächen und umzukehren. Die amerikanische Arbeiterbewegung ist weitgehend pro Israel. US-Gewerkschaften sollten ihre europäischen Gegenüber kontaktieren, um das Bewusstsein für BDS als faschistischer Antiarbeiterbewegung zu steigern.

Das jüdische Arbeiterkomitee in New York City hat einige herausragende Arbeit in der Gewerkschaftswelt geleistet, um BDS zu stoppen. 2007 stellte es die Unterstützung des DGB, der wichtigsten deutschen Gewerkschaft, für die Bekämpfung von BDS sicher.

Um BDS effektiv zu bekämpfen müssen auch die Basisorganisationen gestärkt werden. Im Bereich der Zivilgesellschaft müssen weitere Ressourcen und Aktionen entwickelt werden.

Advertisements

Die Wahl in Deutschland: der langfristige Einfluss der Vergangenheit

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die gerade stattgefundenen Parlamentswahlen haben einmal mehr gezeigt, dass Deutschland den Einfluss seiner kriminelle Vergangenheit im Zweiten Weltkrieg nicht aus seinem System waschen kann. Der Wahlerfolg der Partei AfD, die 12,6% der Stimmen erhielt, wird allgemein als Beispiel dafür betrachtet, dass die Wähler die Politik der offenen Tür ablehnen, die seit September 2015 mehr als eine Million Migranten nach Deutschland gebracht hat, darunter viele Muslime aus Syrien und dem Irak.

Ein Schlüsselelement der unangebrachten Politik der offenen Tür der Regierung bestand darin der Welt zeigen, dass das heutige Deutschland das Gegenteil von Nazideutschland ist. Letzteres verfolgte eine ethnische Minderheit in Tötungsabsicht. Das heutige Deutschland versuchte riesige Zahlen eine anderen Minderheit willkommen zu heißen. Als Ergebnis dieses falschen Konzepts verlor die führende Christlich-Demokratische Union enorm und erhielt bei der Wahl einen niedrigeren Stimmenanteil als bei allen vorherigen Wahlen mit Ausnahme von 1949. Das wird üblicherweise als hauptsächlich mit der weitverbreiteten Opposition zum riesigen Migrantenstrom in Verbindung stehend interpretiert.

Es gibt viele weitere Beweise für das Argument, dass der Einfluss des Zweiten Weltkriegs immer noch von Bedeutung ist. Hier können nur ein paar wenige genannt werden: Eine Reihe von Umfragen zeigt über die Jahre, dass mindestens 40% der Deutschen Israel dadurch dämonisieren, dass sie von ihm denken, es behandle die Palästinenser so wie die Nazis die Juden.[1] Das ist eine mutierte zeitgenössische Auffassung aus der Nazizeit, in der Juden als das absolut Böse galten – jetzt wird Israel als das absolut Böse betrachtet. Das sagt weit mehr über die Psyche dieser Deutschen aus als über Israel. Der verstorbene, in Deutschland geborene israelische Psychologe Nathan Durst, der solche Phänomene analysierte, sagte: „Wenn alles furchtbar wird, gibt es kein absolutes Böses mehr. Das ist eine große Erleichterung für die Erben der Schuld.“[2]

Dieselbe Notwendigkeit die Vergangenheit zu „kompensieren“ gibt es in vielen deutschen Medien. Benjamin Weinthal hat in der Jerusalem Post die regelmäßigen starken Verfälschungen der linken Tageszeitung taz zum palästinensisch-israelischen Konflikt aufgezeigt.[3]

Ein Ereignis illustriert das extreme Bedürfnis einiger führender Deutscher Israel zu dämonisieren. Es ist wegen der beteiligten Person und der Zeitung, die seinen Text veröffentlichte, ikonenhaft. Die „liberale“ Süddeutsche Zeitung veröffentlichte 2012 ein Hass-Gedicht des Literatur-Nobelpreisträgers Günter Grass. Er behauptete, dass Israel zum Ziel habe am iranischen Volk mit Atombomben Völkermord zu verüben.[4] Das war eine der ekelhaftesten Beschuldigungen in einem großen Spektrum an Dämonisierungstricks. Ohne jegliche Basis in der Realität wird ein Ziel der Vorbereitung einer extrem üblen Tat in der Zukunft beschuldigt.

Grass, der die Sozialdemokraten unterstützte, hatte keine makellose Vergangenheit. Im Alter von 17 Jahren trat er freiwillig der Waffen-SS bei. Mehr als 60 Jahre lang verbarg er diesen Umstand.[5] Dieselbe „Qualitäts“-Zeitung hat zudem antisemitische Karikaturen über Israel veröffentlicht.[6]

Grass‘ hetzendes Gedicht erinnerte mich an eine ganz andere Beschuldigung zukünftiger böser Taten. Als ich 1990 im Ausland für ein Buch zum wirtschaftlichen und politischen Potenzial Italiens recherchierte, interviewte ich ein Mitglied der Geschäftsleitung einer der größten deutschen Banken. Sein Vater war ein prominenter sozialdemokratischer Politiker. Sein Interesse an unserem Gespräch nahm stark zu, als er bemerkte, dass ich Israeli war.

Wir diskutierten allerlei deutsche, jüdische und israelische Themen. Er merkte an, dass zeitgenössische Deutsche in der Lage seien dasselbe zu tun, was die Nazis den Juden antaten. Ich glaubte das damals nicht, glaube es auch heute nicht. Wenn jedoch ein solcher Vorwurf von den internationalen Medien und anderen systematisch propagiert worden wäre, bis 40% der Europäer es glauben, dann wäre Deutschlands Führungsposition in Europa unhaltbar geworden.

Zusätzlich zu dem oben Erwähnten bestätigen viele weitere Beispiele die wichtige Botschaft: Es ist unmöglich in weniger als fünfundsiebzig Jahren gigantische Verbrechen wie die der Deutschen unter der Naziherrschaft aus der Mentalität des Landes wegzuwaschen.

All das hat mehrere wichtige Folgen für die deutsche Politik gehabt. Deutschlands Führungspolitiker müssen in gewissen sozialen Fragen viel weiter vorausdenken als in anderen Ländern. Die Flüchtlingsfrage ist das jüngste herausragende Beispiel dieses Bedürfnisses. Sie hätte schon vor Jahren angegangen werden sollen. Als Millionen Zivilisten begannen aus Syrien und dem Irak zu fliehen, konnte man absehen, dass ein Teil von ihnen nach einiger Zeit in wohlhabende westeuropäische Länder und insbesondere nach Deutschland emigrieren wollen würden. Es wäre logisch gewesen, hätte die deutsche Regierung als Führer der EU im Voraus daran gedacht im Nahen Osten Orte für diese Flüchtlinge zu finden und Vorschläge zu machen, welche Finanzierung zu diesem Zweck von westlichen Ländern zur Verfügung gestellt werden sollte.

Als der Strom der Flüchtlinge 2015 rapide zunahm, hätte Deutschlands Führung erkennen müssen, dass ein massiver Zustrom ernste Konsequenzen für den Zusammenhalt der deutschen Gesellschaft haben würde. Frühere Immigration, zumeist durch Muslime, hat bereits zu wichtigen Integrationsproblemen mit einem Teil von ihnen geführt.

Das Wahlergebnis und die erwarteten Probleme für die Bildung einer kohärenten Regierung sind eine zusätzliche Erinnerung daran, dass in einem immer noch von der Vergangenheit beeinflussten Deutschland für riesige Fehler ein hoher Preis gezahlt wird. Das sollte auch zur Besinnung bezüglich der radikalen Pläne führen, die in Sachen weiterer Integration der – von Deutschland dominierten – Europäischen Union verbreitet werden.[7]

[1] http://www.jpost.com/Opinion/The-three-Germanies-501099

[2] http://www.jcpa.org/phas/phas-durst.htm

[3] www.jpost.com/Diaspora/German-progressive-paper-blasted-for-legitimizing-terrorism-and-stoking-Nazi-like-ideology-505771; http://www.jpost.com/Diaspora/Writer-under-fire-for-demonizing-German-Jews-506158

[4] http://www.sueddeutsche.de/kultur/gedicht-zum-konflikt-zwischen-israel-und-iran-was-gesagt-werden-muss-1.1325809

[5] http://www.theguardian.com/world/2006/aug/16/germany.books

[7] http://www.jpost.com/Jewish-World/Jewish-News/German-paper-publishes-anti-Semitic-cartoon-attacking-Israel-318473

[7] https://euobserver.com/political/139214

Die Wahlen in Norwegen, Israel und die Juden

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die Entwicklungen in Norwegen werden im Ausland bestenfalls spärlich analysiert, wenn überhaupt beobachtet. Das gilt auch für Israel, trotz der Tatsache, dass Norwegen von 2005 bis 2013 das für uns problematischste Land in Europa war. Unter seinen damaligen, von Arbeitsparteichef Jens Stoltenberg geführten Regierungen blühten antiisraelische Einstellungen auf.[1] Es gab zudem extreme Ausdrucksformen des Antisemitismus, darunter 2006 Schüsse auf Oslos einzige Synagoge durch einen Muslim. 2012 nannte die bekannte norwegische Autorin Hanne Nabintu Herland Norwegen das „antisemitischste Land des Westens“.[2]

Die derzeitige Premierministerin Erna Solberg, Parteichefin der Konservativen (Hoyre), und drei potenzielle Koalitionsparteien gewannen unerwartet die Wahlen vom 11. September; sie erhielten 89 von 170 Sitzen. Eine neue Regierung zu bilden wird allerdings nicht einfach. Die christdemokratische Partei, Verbündete Solbergs, die gerade eben so die 4-Prozent-Hürde schaffte, ist dagegen, dass die anti-islamische Fortschritt-Partei weiter in der Regierung bleibt.

Vor ein paar Monaten deuteten Meinungsumfragen an, dass die Arbeitspartei und ihre Verbündeten an die Macht zurückkehren würden. In diesem Fall wäre Jonas Gahr Stoere, Parteichef der Arbeitspartei, Premierminister geworden. Dann hätte Norwegen sich wahrscheinlich früher oder später Schweden angeschlossen und die Regierung der palästinensischen Autonomiebehörde anerkannt, die nur einen Teil der Palästinensergebiete kontrolliert.

2011 ermordete Anders Breivik 77 Menschen, hauptsächlich Jugendliche der Arbeitspartei. Stoltenberg verkündete danach öffentlich, dass Norwegen trotzdem eine noch offenere Demokratie werden würde. In Wirklichkeit wurden Andersdenkende, die stark gegen die sozialdemokratische Herrschaft Stellung bezogen, noch heftiger ausgegrenzt als zuvor.

Nach seiner Niederlage 2013 wurde Stoltenberg Generalsekretär der NATO. Als Premierminister war er selbst kein besonderer antiisraelischer Hetzer, sondern er tolerierte solche Hetze durch seine Partei und Verbündete. An verschiedenen Veranstaltungsorten, an denen er sprach, gab es brutale verbale Angriffe auf Israel, bei denen er schwieg. Indem er sich diesen Angriffen nicht entgegenstellte, billigte er sie.

Stoeres Antiisraelismus erreichte einen extremen Punkt, als er einen Kommentar für die Rückseite eines Buches der zwei norwegischen Hamas-Anhänger Mads Gilbert und Erik Fosse schrieb. In Øyne i Gaza (Augen in Gaza) über die Operation Gegossenes Blei 2009 behaupteten sie, Israel sei damals in den Gazastreifen eingedrungen, um Frauen und Kinder zu töten.

Stoere spielte immer ein doppeltes Spiel. Im Januar 2009 fanden in Oslo die antisemitischsten Krawalle aller Zeiten statt. Muslime griffen pro-israelische Demonstranten mit potenziell tödlichen Projektilen an. Stoere besuchte hinterher die Synagoge von Oslo, um seiner Solidarität mit der jüdischen Gemeinde Ausdruck zu verleihen.

2012 wurde eine Studie des Norwegischen Zentrums für Studien des Holocaust und religiöser Minderheiten veröffentlicht. Sie wurde von der Regierung bezahlt. Die Studie stellte fest, dass achtunddreißig Prozent der Norweger glauben, Israel handle gegenüber den Palästinensern so, wie die Nazis sich gegenüber den Juden verhalten hatten.[3] Als der damalige israelische Präsident Shimon Peres 2014 Norwegen besuchte, erklärte er unsinnigerweise: „Norwegen ist die Perle der Menschheit, gebaut auf humanen Werten; es strebt danach Menschen gleich und frei zu machen.“[4]

Während der Jahre der Regierung Solberg, endete der extreme Antiisraelismus bei Organisationen hauptsächlich der norwegischen Linken. Im Gegenteil nicht. Die große Gewerkschaft LO, die eine wichtige Kraft hinter der Arbeitspartei ist, sprach sich dafür aus Israel total zu boykottieren.[5] 2014 stimmte die christliche Jugendorganisation CVJM/CVJF für einen Boykott von Waren und Dienstleistungen aus den Gebieten.[6] Die Ortsgruppe Oslo lehnte den Boykott allerdings ab.[7]

Man unterschätzt die Bedeutung Norwegens oft, weil das Land kein Mitglied der Europäischen Union ist und nur etwa 5 Millionen Einwohner hat. Doch seine großen Gas- und Öl-Einnahmen haben es in die Lage versetzt im Ausland wichtige Spenden zu geben, darunter für palästinensische Anliegen. Die Regierungen der Arbeitspartei haben reichlich Gebrauch davon gemacht und die Regierung Solberg hat die Spendentätigkeit fortgesetzt.

Im Mai diesen Jahres forderte Norwegen dann allerdings Gelder zurück, die es einem Frauenzentrum im Westbank-Dorf Buraq gespendet hatte.[8] Es war bekannt geworden, dass das Zentrum nach Dalal Mughrabi benannt war, die 1978 das Massaker auf einer Schnellstraße bei Tel Aviv anführte, bei dem 37 israelische Zivilisten, darunter viele Kinder, getötet und Dutzende verletzt wurden.

Eine kürzlich von Jonas Duc Enstad vom Zentrum für Extremistenstudien der Universität Oslo durchgeführte Studie erklärte, es sehe so aus, als ob „die meisten antisemitischen Vorfälle in Norwegen von Arabern und Linksradikalen verursacht werden“.[9]

Da Schwedens Regierung derzeit der wichtigste antiisraelische Hetzer in Europa ist, ist die Feststellung interessant, dass vor den Wahlen die norwegische Immigrationsministerin Sylvi Listhaug von der Fortschritt-Partei mehrmals warnte, Norwegen solle nicht gestatten, dass sich „schwedische Zustände“ entwickeln. Die Financial Times schrieb: „Das ist ein Code für die Bandenkriege, Schießereien, das Abfackeln von Autos und andere Integrationsprobleme, die Schweden in den Vororten der drei größten Städte Stockholm, Göteborg und Malmö erlitten hat.“[10] Man könnte sich auch daran erinnern, dass Malmö von vielen Experten als Europas Hauptstadt des Antisemitismus betrachtet wird.

Listhaug reiste kurz vor den Wahlen zudem nach Stockholm und besuchte den extrem gewalttätigen Vorort Rinkeby. Darüber hinaus erklärte sie, dass es in Schweden mehr als 60 No-Go-Areas gibt. Schweden mit seinen 10 Millionen Bürgern ist das dominierende skandinavische Land und viele Schweden sehen auf Norwegen herab. Diese ungewöhnliche norwegische Kritik traf Schweden unter der Gürtellinie, umso mehr, als sie weitgehend zutraf.

Wenn Solberg es schafft vier Jahre lang zu regieren, könnte dies Israel in die Lage versetzen seine Beziehungen zu Norwegen weiter zu verbessern und seinen linken Feinden dort besser entgegenzuwirken.

[1] http://sicsa.huji.ac.il/sites/default/files/sicsa/files/acta37.pdf

[2] https://heplev.wordpress.com/2012/03/26/norwegen-das-antisemitischste-land-des-westens/; http://www.timesofisrael.com/at-jerusalem-panel-norwegians-spar-over-israel-and-anti-semitism/

[3] Christhard Hoffmann, Øivind Kopperud, Vibeke Moe, et.al.:Antisemittisme i Norge? Den norske befolkningens holdninger til jøder og andre minoriteter. Zentrum für das Studium des Holocaust und religiöser Minderheiten. Mai 2012.

[4] http://www.jpost.com/Diplomacy-and-Politics/Norwegian-family-greets-Peres-with-honor-guard-canons-352030

[5] http://www.jta.org/2017/05/12/news-opinion/world/norways-largest-trade-union-calls-for-blanket-boycott-of-israel

[6] http://www.jpost.com/Diplomacy-and-Politics/Norwegian-YMCA-embraces-boycott-Israel-policy-343995

[7] http://www.israelwhat.com/2014/03/13/oslo-chapter-of-ymcaywca-reject-ymcaywca-israel-boycott/

[8] http://www.jpost.com/Arab-Israeli-Conflict/Norway-UN-withdraw-funds-from-West-Bank-womens-center-named-for-terrorist-494345

[9] http://www.hlsenteret.no/publikasjoner/digitale-hefter/antisemittisk-vold-i-europa_engelsk_endelig-versjon.pdf

[10] http://www.ft.com/content/23ea67a2-8d80-11e7-a352-e46f43c5825d

Niederlande: Das Wiederaufblühen der Entstellung „Tier-Holocaust“

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die Zahl der Vorfälle von Verdrehung des Holocaust hat in den letzen Jahren rapide zugenommen. Das wird kaum erkannt, denn diese Entwicklung wird von keiner Organisation nachverfolgt. Eines von vielen Motiven, das Jahrzehnte lang immer wieder auftauchte, ist die Behauptung eines „Tier-Holocaust“. Das ist der Vergleich bzw. die Gleichsetzung der Massenschlachtung von Tieren für den Verzehr mit den Massentötungen von Juden durch Deutsche und ihre Partner in der Schoah. Vieles der Kritik an industrieller Landwirtschaft und Schlachten ist gerechtfertigt. Tiere zu vermenschlichen öffnet aber die Tür für einen höchst fehlerhaften Diskurs. Was Tieren geschieht mit der Geschichte von Holocaustopfern gleichzusetzen, spiegelt eine deformierte Gesinnung.

Der in Südafrika geborene Nobelpreisträger J. M. Coetzee schrieb über den Holocaust und erklärte, es sei ein „‚fürchterliches Verbrechen menschliche Wesen wie Bestandteile eines industriellen Prozess zu behandeln‘. Und dieser Schrei hätte einen Nachsatz verdient: ‚Was für ein furchtbares Verbrechen – wenn ich es mir recht überlege – ein lebendes Wesen wie einen Bestandteil eines Industrieprozess zu behandeln.“[1]

Die Tierrechte-Organisation People for the Ethical Treatment of Animals (PETA – Menschen für den ethischen Umgang mit Tieren) hat die Tier-Holocaust-Deformation seit Jahrzehnten propagiert. 1983 behauptete PETA-Gründerin und Direktorin Ingrid Newkirk, dass Tiere Menschen ähnlich seien. Sie erklärte: „Eine Ratte ist ein Schwein, ist ein Junge und 6 Millionen Menschen starben in Konzentrationslagern, aber dieses Jahr werden 6 Milliarden Masthähnchen in Schlachthöfen sterben.“[2]

2003 organisierte PETA eine Ausstellung mit dem Titel „Der Holocaust auf unserem Teller“. Die britische Tageszeitung Guardian schrieb: „Sie stellt grauenvolle Bilder von Menschen in Konzentrationslagern neben verstörende Bilder von Tieren auf Bauernhöfen. Ein Foto zeigt einen ausgemergelten Mann direkt neben dem einer verhungernden Kuh. Ein weiteres zeigt einen Stapel nackter menschlicher Wesen direkt neben das Bild eines Haufens Schweinekadaver… Andere Bilder vergleichen Kinder hinter Stacheldraht mit Bildern von Schweinen, die sich hinter Gittern befinden; Menschenmengen mit Vieh, das in Transporter getrieben wird; und dicht in Schlafkojen gepackte Menschen mit Hühner in einer Legebatterie.“[3] Nach massiver Kritik entschuldigte sich Newkirk.

Im August 2017 wurde die Tier-Holocaust-Verfälschung in den Niederlanden wiederbelebt. Roos Vonk, Professorin der Sozialpsychologie an der ehrbaren Universität Radboud in Nijmegen, schrieb einen Artikel mit dem Titel „Die Bio-Industrie mit dem Holocaust zu vergleichen ist gar nicht so eigenartig.“ Sie behauptete, dass man inmitten „eines groß angelegten industriellen Holocaust“ an Tieren lebe. Vonk schrieb zudem: „Man läuft Gefahr fälschlich antisemitisch oder rassistisch genannt zu werden, wenn man mit tausenden Schweinen zwischen Metall- und Beton gefüllten Industriehallen mit Konzentrationslagern vergleicht.“[4]

Die landesweit publizierte Tageszeitung NRC Handelsblad hatte keine Einwände zur Veröffentlichung dieses Artikels samt seines den Holocaust verzerrenden Titels und Inhalts. Vonk kam allerdings mit ihrem Missbrauch nicht einfach davon. Der Journalist Fritz Barend reagierte in der Zeitung Parool; er erklärte: „Es war einfach die Böswilligkeit Vonks aufzuzeigen… jedes Kind kann den Unterschied zwischen Menschen und Tieren begreifen. Tiere verhalten sich immer noch wie ihre Vorfahren vor Tausenden von Jahren.“

Barend fügte hinzu: „Professorin Vonk betrachtet es hoffnungsvoll als ein Zeichen der menschlichen Zivilisation, dass sie während ihres Eisprungs nicht gleich vom ersten Passanten angefallen wird.“ Er schloss, dass Vonk implizit wie explizit seine von den Nazis ermordeten Großeltern mit gemästeten Schweinen gleichsetzt und schreibt: „Vonk macht aus meinen Großeltern im Schutz der Universität Radboud ohne Skrupel Schweine.“[5]

Vonk twitterte darauf, Barend habe „sich in seine Opferrolle verzogen“. Das war eine klassische Bekundung zur Abwehr von Kritik, die unter anderem von Holocaust-Verzerrern genutzt wird. Nachdem die Universität eine Presseerklärung ausgab, mit der sie Vonks Vergleich als „unnötig und verletzend“ befand und „bedauerte, dass so viele Menschen davon verletzt worden waren“. Sie sagte auch, dass das Management der Universität mit Vonk gesprochen hatte und sie ihnen zustimmte.

In einer weiteren landesweiten gelesenen Tageszeitung, De Volkskrant, erinnerte die Journalistin Elma Drayer an Vonks heftige Fehltritte der Vergangenheit. 2011 war diese Radboud-Professorin Mitautorin eines Forschungspapiers, das zu dem Schluss kam: „Menschen, die Fleisch essen, sind wissenschaftlich nachgewiesenermaßen asozialer, egoistischer, werden weniger geliebt und sind einsamer als Vegetarier.“ Nach der Veröffentlichung wurde entdeckt, dass einer ihre Mitautoren, Diederik Stapel, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Tilburg, sämtliche experimentellen Daten gefälscht hatte, auf denen die Abhandlung gründete.

Während Stapel seine Professur entzogen wurde, kam Vonk mit einem Tadel der Universität Radboud wegen Leichtfertigkeit davon. Zwei Jahre später war Vonk von der Haltung des niederländischen Wirtschaftsministers Henk Kamp zur Schiefergas-Förderung irritiert. Vonk twitterte, sie „würde ihm am liebsten auf die Schnauze hauen“. Das führte zu einem weiteren Gespräch mit den Leitern ihrer Universität. Das Ergebnis war ein von Vonk geschriebener Entschuldigungsbrief an Minister Kamp. Drayer schrieb, dass diejenigen, die die Universität Radboud leiten, nicht begriffen hätten, dass jemand, der ihrer Institution dreimal in sechs Jahren Schande bringt, nicht Forscher ist, sondern Aktivist.[6]

Es ist kein Zufall, dass sich in den Niederlanden ein Skandal entwickelte und dass Vonks Artikel in einer landesweit publizierten Zeitung veröffentlicht wurde. Die Werbung für Tierrechte hat im Land ein absurdes Niveau erreicht.[7] In Reaktionen an die Zeitung fand Vonk eine Reihe von Befürwortern.[8] Während der nationalen Debatte vor ein paar Jahren darüber, ob rituelles Schlachten ohne Betäubung verboten werden sollte, wurde klar, dass die Mehrheit der Niederländer sich leichter mit dem eingebildeten Gedankengut einer Kuh identifizieren kann als mit einem Juden, der nur Koscheres isst.

Im niederländischen Parlament hat die Partei für die Tiere fünf der 150 Sitze. Selbst der britische Schriftsteller George Orwell, der die Satire Animal Farm (Farm der Tiere) schrieb, hätte eine solche Entwicklung nicht vorhersagen können. Wir werden niemals wissen, ob er sich darüber in seinem Grab angesichts dieser grotesken Realität kaputt lacht.

[1] http://www.smh.com.au/news/opinion/exposing-the-beast-factory-farming-must-be-called-to-theslaughterhouse/2007/02/21/1171733846249.html

[2] James M. Jasper and Dorothy Nelkin, The Animal Rights Crusade (New York: Free

Press, 1992), 47.

[3] http://www.theguardian.com/media/2003/mar/03/advertising.marketingandpr

[4] www.nrc.nl/nieuws/2017/08/21/bioindustrie-vergelijken-met-de-holocaust-is-niet-zo-raar-12616148-a1570596

[5] www.parool.nl/opinie/-mijn-grootouders-zijn-geen-varkens~a4515725/

[6] www.volkskrant.nl/opinie/elma-drayer-hoogleraar-roos-vonk-is-geen-wetenschapper-maar-een-activist~a4516664/

[7] http://www.volkskrant.nl/opinie/dieren-in-opmars-joden-op-terugweg-in-nederland~a2447684/

[8] http://www.gelderlander.nl/nijmegen-e-o/radboud-universiteit-neemt-alweer-afstand-van-roos-vonk-om-vergelijking-bio-industrie-met-holocaust~a2e5ed5b/

Offener Brief an den neuen Botschafter in Israel

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Sehr geehrter Herr Botschafter Emanuele Giaufret,

willkommen in Israel. Da die Europäische Union Israel oft zweifelhaften Rat gegeben hat, nehme ich mir die Freiheit einige Hinweise zu geben, um Ihre Aufgabe hier erfolgreicher zu machen.

Bitte erinnern Sie sich, dass Sie den Großteil eines Kontinents vertreten, in dessen Kultur Antisemitismus über tausende Jahre verwurzelt wurde. Der führende akademische Antisemitismusforscher unserer Generation, der verstorbene Robert Wistrich, hat gezeigt, dass fast alle ideologischen Strömungen Europas während dieser Jahrhunderte antisemitisch waren.[1]

Bitte seien Sie sich auch bewusst, dass EU-Mitglieder in den letzten Jahrzehnten – ohne Auswahlprozess – Millionen Menschen aus Ländern hereingelassen haben, deren meiste Bürger antisemitisch sind. Um alles noch schlimmer zu machen ist in den letzten zwei Jahren einer großen Anzahl solcher Leute die Gelegenheit gegeben worden in die EU zu immigrieren.[2] Tatsache ist, dass alle Juden, die im aktuellen Jahrhundert in Westeuropa aus ideologischen Gründen getötet worden sind, von muslimischen Immigranten oder ihren Nachkommen ermordet wurden.[3]

Ihr dänischer Vorgänger, Botschafter Lars Faaborg-Andersen, erzählte Israel wiederholt, dass „Siedlungsbau ein Hindernis für den Frieden“ sei. Manchmal ging er so weit uns zu drohen. Zum Beispiel erklärte er 2014: „Wenn Israels Siedlungspolitik die aktuellen, von den USA geleiteten Friedensbemühungen ruiniert, dann würde Israel für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich gemacht.“[4] Er wies nicht darauf hin, dass die palästinensische Autonomiebehörde den Familien der Mörder israelischer Zivilisten ständig hohe „Gehälter“ zahlt.[5] Nicht zu erwähnen, ein welch hohes Hindernis für den Frieden dies darstellt, ist einer von vielen Gründen, dass er regelmäßig die Glaubwürdigkeit der EU in Israel untergrub. Er hätte auch öffentlich eingestehen sollen, dass europäische Länder, die die PA finanzieren, indirekt die Ermordung von Israelis belohnen.

Ich schlage zudem vor, dass Sie keine rosigen Bilder eines zukünftigen Friedens malen. Ihr Vorgänger erzählte uns, wie schön der Nahe Osten nach der Unterzeichnung einer Friedensvereinbarung aussehen würde. Er sagte: „Israel befände sich in der Pole Position zur Förderung der regionalen Integration im östlichen Mittelmeer.“[6] Fakt ist, dass trotz Israels Friedensvertrag mit Ägypten 1978 und dem mit Jordanien 1994 beide Länder auf der Liste großer antiisraelischer Aufwiegler und Antisemitismus-Förderer des US-Außenministeriums stehen.[7][8]

Früher dieses Jahr töteten vom Tempelberg kommende palästinensische Mörder israelische Polizisten. Israel ergriff daraufhin Sicherheitsmaßnahmen, die die Palästinenser als Gelegenheit zur internationalen Aufstachelung der Muslime zu nutzen. Es ist schwer erkennbar, dass, nachdem Israel territoriale Zugeständnisse für eine Zweistaaten-Friedensvereinbarung mit den Palästinensern machen würde, nichts die Palästinenser davon abhalten wird weiteres ungerechtfertigtes internationales religiöses Chaos um den Tempelberg zu schaffen.

Ich würde auch vorschlagen, dass Sie es vermeiden schlechten Rat zu erteilen. Ihr Vorgänger riet Israel mit der UNHRC-Ermittlungskommission zum Gaza-Krieg von 2014 zusammenzuarbeiten, ungeachtet der Tatsache, dass der UNHRC von Anfang an gegenüber Israel voreingenommen ist.[9] Bitte vermeiden Sie es auch Erklärungen abzugeben, in denen der Mangel an Wahrheit erkennbar ist. Das war bei dem Versuch Ihres Vorgängers der Fall, den diskriminierenden Charakter der EU-Kennzeichnung von Produkten aus der Westbank zu bestreiten. In Reaktion darauf beschuldigte Israels Außenministerium die EU, sie ignoriere mehr als 200 andere territoriale Konflikte weltweit, indem sie Israel aussondert, weil die Gebiete der einzige Ort sind, für den separate Etiketten gefordert werden.[10]

Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit sein in der Tat für einen EU-Botschafter entscheidend. Bei seiner Abschiedsrede sagte Herr Faaborg-Andersen, Israel könne bei der Bekämpfung von Terror von Europa lernen.[11] Es hat in Israel weit mehr versuchte Terroranschläge gegeben als in Europa. Doch bei keinem der tödlichen Anschläge in Israel hat es so viele Getötete gegeben wie bei denen in Madrid 2004, London 2005, Paris 2015 und Nizza 2016. Es gibt viel Information zur fehlenden Fähigkeit von EU-Mitgliedsländern die frühe Radikalisierung muslimischer Einzelpersonen wie auch ihre Absicht sich jihadistischen Organisationen anzuschließen und Terroranschläge zu verüben zu erkennen.

Ihr Vorgänger sagte auch: „Antisemitismus in Europa ist ein Phänomen, das wir bekämpfen – sogar noch stärker als Israel.“[12] Der erste Schritt zu effektiver Bekämpfung von Antisemitismus besteht darin eine akzeptierte Definition davon festzuschreiben. Die einzige Arbeitsdefinition, die von manchen in Europa anerkannt worden ist, wurde 2013 plötzlich von der Internetseite der EU-Agentur für fundamentale Rechte genommen.[13] Was wäre für die EU einfacher gewesen als die Definition der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz von 2016 zu übernehmen und assoziiertes Mitglied der IHRA zu werden? Das machten sie nicht. All das oben Angeführte hat geholfen den Verdacht gegen die EU zu schaffen, auch wenn es viele interessante Aspekte einer Kooperation zwischen der EU und Israel gibt.

In Anbetracht des oben Angeführten werden EU-Einmischung und Kommentare zu internen israelischen Angelegenheiten nicht geschätzt. Die Menschen sind in der Regel offener für Ratschläge von denen, von denen sie unterstützt werden und die als Vorbilder fungieren.

Herr Botschafter, wie Sie sehr wohl wissen, besteht die Rolle eines EU-Diplomaten nicht nur darin seine Region zu repräsentieren. Er sollte auch denen, die ihn entsandten, Bericht erstatten, ob EU-Politik besseren Beziehungen mit dem Land dienlich sind, in dem er stationiert ist.

Ich wünsche Ihnen Erfolg für Ihre Bemühungen.

Manfred Gerstenfeld ist emeritierter Vorsitzender des Jerusalem Center for Public Affairds. Ihm wurde vom Journal for the Study of Antisemitism der Preis für sein Lebenswerk und vom Simon Wiesenthal Center der Preis für Internationale Führungskräfte verliehen.

[1] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/14217

[2] http://www.bbc.com/news/world-europe-34131911

[3] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/20768

[4] http://www.timesofisrael.com/eu-envoy-we-doesnt-understand-israels-jewish-state-demand/

[5] https://spectator.org/251138-2/

[6] http://www.haaretz.com/misc/haaretzcomsmartphoneapp/1.601978

[7] http://www.thetower.org/5348-state-dept-report-anti-semitism-pervasive-in-iran-egypt-jordan-qatar/

[8] http://www.state.gov/j/drl/rls/irf/2016/nea/268898.htm

[9] http://www.jpost.com/Arab-Israeli-Conflict/Israel-calls-UN-Gaza-war-report-politically-motivated-and-morally-flawed-from-the-outset-406775

[10] http://www.timesofisrael.com/eu-envoy-insists-settlement-labeling-purely-technical/

[11] http://www.jpost.com/In-Jerusalem/Rock-Solid-Europe-Israel-ties-are-flourishing-says-outgoing-EU-envoy-504256

[12] http://www.jpost.com/In-Jerusalem/Rock-Solid-Europe-Israel-ties-are-flourishing-says-outgoing-EU-envoy-504256

[13] http://www.timesofisrael.com/eu-drops-its-working-definition-of-anti-semitism/

Was motiviert palästinensische Selbstmordbomberinnen?

Manfred Gerstenfeld interviewt Rachel Avraham (direkt vom Autor)

Die erste palästinensische Selbstmordbomberin war Wafa Idris, die sich während der zweiten Intifada 2002 in Jerusalem sprengte. Sie tötete einen alten Mann und verletzte 100 Personen. Bereits davor betrieben verschiedene Palästinenserinnen antiisraelischen Terrorismus. Leila Khaled war Mitglied eines Teams, das 1969 ein Flugzeug entführte. Dalal Mughrabi gehörte zu den Terroristen, die 1978 das Küstenstraßenmassaker verursachten, bei dem 38 israelische Zivilisten getötet wurden, darunter 13 Kinder.

Nach der zweiten Intifada gab es 2006 zwei weitere Selbstmordbombenanschläge durch Frauen. Diese hörten auf, als Selbstmordbombenanschläge im Allgemeinen nachließen. Seit diesem Zeitpunkt entschieden sich die Palästinenser andere Taktiken im Kampf gegen Israel anzuwenden.

Rachel Avraham wurde in Washington DC geboren und lebt seit 2009 in Israel. Sie hat einen BA in Regierungsarbeit und Politik von der Universität Maryland. Avraham entwickelte ihre MA-Abschlussarbeit in Nahost-Studien an der Ben Gurion-Universtität zu einem Buch mit dem Titel Women and Jihad (Frauen und Jihad). Sie ist Senior Media Research Analyst am Center for Near East Policy Research und Korrespondentin der Israel Resource News Agency.

In der palästinensischen und muslimischen Kultur werden Frauen als Spenderinnen neuen Lebens in diese Welt betrachtet. Sie sollen Ehefrauen und Mütter sein, keine Kämpfer. In der islamistischen Weltsicht sollen Frauen die Jihadisten unterstützen, indem sie die Kinder zum Kampf im Jihad aufziehen und das Haus erhalten, während die Männer weit weg kämpfen. Die Hamas-Charta demonstriert klar, dass der Platz der Frauen sich um das Zuhause und die Kinder dreht, nicht die „männliche“ Arbeit des Kämpfens erledigen und sich selbst in die Luft zu sprengen.

Trotzdem begannen islamistische Terrorgruppen Selbstmordbomberinnen zu akzeptieren, zumeist weil sie begriffen, dass Frauen ihnen halfen bestimmte strategische Hindernisse zu überwinden. Folglich akzeptierte die Hamas Reem Riyaschi, Mutter zweier kleiner Kinder, als Selbstmordbomberin. Diese Entscheidung war in der arabischen Welt sehr umstritten. Allerdings war die Selbstmordbomberinnen mehrheitlich Single-Frauen.

Während der zweiten Intifada verursachten die acht palästinensischen Selbstmordbomberinnen viele Tote und Verletzte. 2003 sprengte sich die Jurastudentin Hanadi Jaradat im zum Teil in arabischem Besitz befindlichen Restaurant Maxim in Haifa. Zwanzig Zivilisten –vier davon Kinder – wurden getötet und 51 verletzt. Der Wachmann, ein israelischer Araber, wurde bei dem Anschlag getötet. 3 weitere arabische Angestellte des Restaurants wurden ebenfalls getötet. Jaradat erhielt viel positive Publicity, weil Israel ihren Bruder und ihren Verlobten getötet hatte – beide Mitglieder des Islamischen Jihad. In der beliebten amerikanischen Fernsehsendung Nightline behaupteten palästinensische Frauen, sie sei mehr Opfer als die Menschen, die sie ermordete.

Studien haben gezeigt, dass palästinensische Selbstmordbomberinnen achtmal mehr Publicity erhalten als ihre männlichen Pendants. 5 der 8 Selbstmordbomberinnnen hatten  nationalistische Überzeugungen. Andere Palästinenserinnen entschieden sich während der zweiten Intifada Selbstmordbomberinnen zu werden, weil sie unfruchtbar oder geschieden oder mit einem Kollaborationsverdächtigen verwandt waren, eine außereheliche Affäre hatten, durch Vergewaltigung traumatisiert oder wegen des Küssens mit einem Mann in der Öffentlichkeit entehrt waren. Es sollte auch vermerkt werden, dass mindestens vier Selbstmordbomberinnen eine Geschichte der Mitwirkung an Terrorismus oder einen Verwandten hatten, der in Terrororganisationen aktiv war.

Die Knessetabgeordnete Anat Berko interviewte viele am Terrorismus beteiligte Palästinenserinnen. Die Ergebnisse hat sie in ihrem Buch The Path to Paradise (Der Weg ins Paradies) veröffentlicht. Ihre Schlüsse lauteten, dass die Hauptmotive für weiblichen Terrorismus religiös und nationalistisch waren. Diese vermengen sich, um ein fruchtbares Medium für Terrorismus zu erzeugen. Zu weiteren Faktoren gehören der Wunsch nach Rache für den Tod von Verwandten, Judenhass und Hass auf die westliche Welt. Berko impliziert, dass diese Einstellungen oft Ergebnis der terroristischen Subkultur unter palästinensischen Häftlingen in israelischen Gefängnissen sind und dass die von einigen der Terroristinnen abgegebenen Äußerungen nicht zu 100 Prozent die Wirklichkeit bezüglich ihrer Motivation spiegeln.

Die arabischsprachigen Medien verherrlichen die palästinensischen Selbstmordbomberinnen. Wafa Idris wurde mit der Mona Lisa, Jesus Christus, Khadija – der ersten Frau des Propheten Mohammed – und Johanna von Orléans verglichen. 2002 rechtfertigten einige amerikanische Medien die Taten der Selbstmordbomberinnen im Namen der vermeintlichen palästinensischen Klagegründe. Medien tendieren zudem dazu sie als befreite Frauen darzustellen statt als Terroristinnen. Nur in wenigen Fällen gab es Kritik der Medien an Terroristinnen.

Die Frauen, die sich an der aktuelleren Messer-Intifada beteiligten, glaubten, dass es möglich sei jemanden anzugreifen und lebend daraus hervorzugehen. Das hat eine andere Dynamik zur Folge als die der Selbstmordbomberinnen.

Selbstmordbomberinnen gibt es auch in anderen Gesellschaften wie Syrien und dem Irak sowie auch in der kurdischen Bewegung PKK in der Türkei und bei Tschetschenen. Die Tamil Tiger in Sri Lanka waren ebenfalls für ihren Einsatz von Selbstmordbomberinnen berüchtigt. Zusätzlich hat ISIS Frauen benutzt um Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen, obwohl es anfangs Widerstand aufgrund von Sittsamkeitsvorstellungen gab.

Avraham schließt: Keine Frau, die sich auf Terrorismus verlegt, ist eine normgebende Person, denn diese Frauen bestärken nicht die Erwartungen, die ihre Gesellschaft an sie stellt. Statt Ehefrauen und Mütter zu werden, betätigten sie sich in männlicher Aktivität des Kampfs gegen Israel. Sie interagieren als Teil ihres Trainings mit Männern und brechen damit arabische Ehrenkodexe. Und wenn sie als Selbstmordbomberinnen versagen, werden sie als Schande für ihre Gesellschaft betrachtet, weil sie sowohl als normale Frau wie auch als Schahida versagt haben.

Wiederbelebung des antisemitischen Giftmotivs durch die Palästinenser

Manfred Gerstenfeld interviewt Raphael Israeli (direkt vom Autor)

Ein klassisches antisemitisches Kernmotiv ist die Überzeugung, dass Juden das Trinkwasser von Nichtjuden vergiften. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas recycelte dieses antisemitische Thema 2016 in einer Plenarsitzung des Europaparlaments. Dort sagte er, ein Rabbiner habe die israelische aufgefordert palästinensisches Trinkwasser zu vergiften.

Das waren palästinensische Fake News. Es gab keinen solcher Rabbiner. Genauso wenig existierte der Rat, dem er angeblich vorstand. Am Ende seiner Rede, die diese extrem antisemitische Verleumdung enthielt, erhielt Abbas viel Applaus und stehende Ovationen einer großen Zahl der Europaparlamentarier. Der damalige Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz – heute sozialdemokratischer Kanzlerkandidat für die anstehenden Wahlen in Deutschland – twitterte, Abbas‘ Rede sei „inspirierend“ gewesen. Ein paar Tage später sagte Abbas, er sei über den Rabbiner falsch informiert gewesen.

Prof. em. Raphael Israeli

Raphael Israeli ist Prof. emeritus für islamische, chinesische und nahöstliche Geschichte an der Hebräischen Universität. Er hat mehr als 50 Bücher geschrieben, darunter „Blood Libel and Its Derivatives: The Scourge of Antisemitism“ (Ritualmordlügen und ihre Ableitungen: Die Geißel des Antisemitismus) und „Poison: Modern Manifestations of a Blood Libel“ (Gift: Moderne Erscheinungsformen einer Ritualmordlüge).

Nach den jüngsten Tempelberg-Krawallen vom Juli 2017 behauptete der stellvertretende Führer der Islamischen Bewegung in Israel, Kamal Al-Khatib, fälschlicherweise, Israel habe in den Tagen, in denen das Gelände für die Gläubigen gesperrt war, gefährliche Chemikalien in den Wänden der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem platziert.

Palestinian Media Watch hat eine lange Liste heutiger palästinensischer Mutationen der uralten Gift-Lüge veröffentlicht. Zu diesen gehört die Verbreitung von AIDS durch Israel – genauer gesagt durch Frauen mit wechselnden Geschlechtspartnern – sowie die Verbreitung von Drogen und halluzinogenen Substanzen. Zu anderen Mutationen der Lügen gehört die Bezahlung von Ärzten, damit diese unter Palästinensern Krankheiten verbreiten. Die Gift-Lüge ist fruchtbarer Boden für die kranke Fantasie ranghoher Palästinenser. Ein Sprecher der PA-Sicherheitskräfte sagte zum Beispiel, Israel sei für die Zunahme der illegalen Drogenlabore in der Westbank verantwortlich.

Diese antisemitischen Anschuldigungen sind regelmäßig im palästinensischen Fernsehen und an anderen Stellen zu finden. Zu denen, die sie geäußert haben, gehören Mahmud Abbas‘ Berater für strategische Angelegenheiten Husam Zomlot, der Hamas-Parlamentarier Marwan Abu Ras, der Vorsitzende des Hohen Juristischen Rats der PA Sami Sarsour, der Gouverneur des Distrikts Qalqilya Rafe Rawijbeh und viele andere.

Diese boshaften Anschuldigungen haben eine lange Geschichte, die bis ins frühe 14. Jahrhundert zurückreicht; es wurde der falsche Vorwurf erhoben, dass Juden in Teilen von Deutschland und Frankreich Brunnen vergiften würden. Das führt zu Massenmorden. Dieses Motiv ist im Verlauf der Jahrhunderte immer wieder zurückgekehrt.

In Stalins Sowjetunion wurden jüdische Ärzte verhaftet und angeklagt, weil sie angeblich ein Komplott schmiedeten Stalin und die sowjetische Führung zu vergiften. Mehrere wurden hingerichtet, andere in den Gulag ins Exil geschickt, alle mit der Absicht die jüdische Elite zu dezimieren und der Führung den Kopf abzuschlagen.

Einer der entsetzlichsten Vorfälle eines modernen Vergiftungsszenarios ereignete sich 1983 zu Pessach in der Westbank, die damals noch komplett unter israelischer Herrschaft stand. Israelische Medien berichteten, dass in der Mädchen-Mittelschule im Dorf Arrabeh im Distrikt Jenin eine Massenvergiftung auftrat; die Teenagerinnen fielen in Ohnmacht und klagten über schmerzende Kehlen und Atemprobleme. Später hatten sie Kopfschmerzen, waren benommen und hatten Magenschmerzen. Sie gingen nach Hause, aber innerhalb von Stunden klagten weitere Schülerinnen über dieselben Symptome.

Die israelischen Gesundheitsbehörden kamen. Israelische und palästinensische Ärzte kontrollierten die Klassenräume und entdeckten einen Übelkeit erregenden Geruch. Als danach ein israelisches Team Umweltverschmutzungsbekämpfer ankam, wurde keine Spur von Gift gefunden und es blieb kein Geruch zurück. Zuerst – bis der Fall ausführlich untersucht wurde – dachte man, dass die Probleme durch eine defekte Toilette verursacht worden seien. Am nächsten Tag wurden allerdings Dutzende Mädchen auch noch ins Krankenhaus eingeliefert, gefolgt von Hunderten in Städten und Dörfern überall in der Westbank.

In der palästinensischen Bevölkerung stellte sich Panik ein. Die besten Epidemiologen Israels kamen zu dem Schluss, dass „die Vergiftung“ vermutlich ein Fall von Massenhysterie unter Teenager-Mädchen war. Palästinensische und Auslandsjournalisten beschuldigten Israel gleichermaßen, es versuche sein abscheuliches „Verbrechen“ zu verbergen. Sie entdeckten eine gelbe Substanz auf den Fensterbrettern der Schule. Als sie analysiert wurde, stellte sich heraus, dass es einfach Kieferpollen waren, die vom Wind dorthin geweht wurden.

Araber im Allgemeinen, muslimische Länder, gefolgt vom Roten Kreuz, dem Sicherheitsrat und sogar befreundete Staaten begannen Israel heftig zu tadeln. UNO-Sitzungen und internationale Verurteilungen folgten, gestützt durch eine weitere Hysterie der Presseberichte auf der gesamten Welt, die ohne Recherche Israel wegen seiner „Rolle“ in der Affäre anklagten, obwohl niemand vergiftet wurde und niemandem Schaden zugefügt wurde.

Israel rief dann das maßgebende und respektierte Center of Disease Control (CDC) in Atlanta zu Hilfe. Zwei Monate später bestätigten dessen Ergebnisse, was die israelischen Epidemiologen vom ersten Tag an sagten. Es schien dann so zu sein, als sei der gesamte Schwindel die Idee und das Ergebnis von Vorsatz, Planung und Ausführung seitens der Palästinenser gewesen.

Jahrzehnte später müssen wir uns immer noch fragen, warum so viele diese antisemitische Verleumdung Israels so fleißig betrieben. Zu denen, die wenig bis nichts taten, um dagegen aufzustehen und sie abzuweisen, selbst nachdem die Falschmeldung aufgedeckt wurde, gehörten die UNO, ihr Generalsekretär, ihr Sicherheitsrat und die Menschenrechtskommission in Genf sowie das Rote Kreuz.