Die enttäuschten BDS-Anhänger

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die weltweite Meinungsumfrage der Anti Defamation League von 2014 stellte fest, dass es global mehr als eine Milliarde Antisemiten gibt.[1] Das ergibt umgerechnet etwa 70 Antisemiten auf jeden Juden. Wenn ein Israeli ins Ausland reist, wird er mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit solch extrem vorurteilsbelastete Menschen treffen, auch wenn die diese Gedanken vielleicht nicht öffentlich äußern.

Israelische Staatsbürger sollten von ihrer Regierung erwarten, dass sie verhindert, dass Hardcore-Antisemiten ihr Land besuchen. Somit ist das neue Gesetz zur Verhinderung der Einreise ausländischer Staatsbürger, die für den Boykott von Israelis werben, ein Schritt vorwärts.[2] Vor kurzem sind 20 Auslandsorganisationen, die Boykottkampagnen gegen Israel propagieren, von der israelischen Regierung von der Einreise ausgeschlossen worden.[3]

Nach Angaben der Washington Post enthält die Liste zwei Organisationen jüdischer Aktivisten: die Jewish Voice for Peace (JVP – Jüdische Stimme für Frieden) und Code Pink.[4] Die Anti Defamation League nahm JVP 2013 in ihre Liste der zehn antiisraelischsten Organisationen in den USA auf.[5]

Man hätte glauben sollen, dass diese BDS-Anhänger sich nicht um das Einreiseverbot nach Israel scheren würden. Die UNO hat 193 Mitgliedstaaten. Warum sollte jemand das einzige Land besuchen, das er oder sie sich herausgepickt hat um dagegen aufzustacheln? Die Definition des (US-) Außenministeriums zu Antisemitismus erklärt, dass es antisemitisch ist Standards aus zweierlei Maß anzuwenden, indem von Israel ein Verhalten gefordert wird, das keinem anderen demokratischen Staat abgefordert wird.[6] Dasselbe besagt die Antisemitismus-Definition, die die Internationale Holocaust-Gedenkallianz entwarf. Sie konnte nur angenommen werden, wenn ihr alle  31 Mitgliedstaaten zustimmten – alles westlichen Demokratien, einschließlich der USA.[7]

Doch einige derer, die wegen ihres BDS-Hassschürens von der Einreise nach Israel ausgeschlossen sind, waren wegen des neuen Gesetzes enttäuscht. Rebecca Vilkomerson, die Direktorin der Jewish Voice of Peace, schrieb: „BDS ist ein Aufruf der palästinensischen Zivilgesellschaft eine weltweite Bewegung aufzubauen, um auf Israel Druck auszuüben die Besatzung zu beenden.“[8]

Das ist ein praktisches Beispiel dafür, wie falsche Argumentation gelehrt wird. Der gesamte Gazastreifen und die Mehrheit der Westbank stehen unter palästinensischer Herrschaft und sind demzufolge nicht besetzt. Die sogenannte „Zivilgesellschaft der Palästinenser“ kann kaum als zivilisiert bezeichnet werden. Bei den einzigen palästinensischen Parlamentswahlen, die 2006 stattfanden, gaben die Wähler der Hamas die Mehrheit, einer Partei, die Völkermord an den Juden propagiert. Fatah, die einzige andere Partei, die eine bedeutende Zahl an Sitzen gewann, kontrolliert die palästinensische Autonomiebehörde, die Mördern israelischer Bürger wichtige finanzielle Belohnungen überreicht.

Ariella Gold ist die stellvertretende Direktorin von Code Pink. Sie griff Israel einmal in einem Artikel im Forward an, nachdem ihr die Einreise verweigert wurde und schrieb: „Ich hoffe, diese Isolierung wird den weltweiten Kampf für Palästinenserrechte dem Sieg einen Schritt näher bringen. Wenn schon sonst nichts, wird es für meine Kinder festigen, dass auch sie, wie ich, ihr Lebern der Freiheit von und der Gerechtigkeit für die Palästinenser widmen müssen.“ Sie erwähnt in dem Artikel nichts von der extremen palästinensischen Kriminalität, die von der Palästinenserführung gefördert und unterstützt wird.[9]

Der New Israel Fund unterstützt BDS zwar nicht, aber nach Angaben von NGO Monitor gibt er Organisationen Zuschüsse, die BDS unterstützen.[10] Er gab seine Meinung auch mit einer irrelevanten Bemerkung kund: „Politische Opposition zu verbieten ist die Politik von Autokratien, nicht von Demokratien.“ Die antisemitische BDS-Bewegung ist jedoch ein Feind Israels und keine politische Opposition. Während des Kalten Kriegs ließen die USA Mitglieder ausländischer kommunistischer Parteien nicht ins Land, selbst wenn sie nie etwas gegen die USA gesagt hatten.[11] Waren die USA damit gemäß dem NIF nachträglich autokratisch? Die Niederlande und Belgien tun ihr Äußerstes, um aufstachelnde, ausländische muslimische Kleriker draußen zu halten. Sind sie keine Demokratien?

Jeder kann sich als Menschenrechtsaktivist, Kämpfer für soziale Gerechtigkeit oder Antirassist bezeichnen und gleichzeitig Unterstützung für Mörder zeigen. Ein Paradebeispiel dafür war 2001 die Zusammenkunft von NGOs bei der „Weltkonferenz gegen Rassismus“ in Durban.[12]

Das Rückkehrrecht ermöglicht es Juden nach Israel zu kommen und dort zu leben. Dieses Land ist traditionell Zuflucht und Heimat für alle Juden gewesen, verfolgt oder nicht.[13] Das allein macht es zu einem der großzügigsten Staaten der Welt. Die Vorstellung, dass jeder Jude hier willkommen ist, ist allerdings überholt, weil ein kleiner Anteil der Juden zu den fanatischsten Dämonisierern Israels gehört. Das sollte nicht ungesühnt bleiben und das Rückkehrrecht sollte entsprechend geändert werden. Es könnte an der Zeit sein, dass die Immigration antiisraelischer Hetzer, nachdem sie Reue dafür gezeigt haben, von einer Zeit gemeinnütziger Arbeit abhängig gemacht wird, um den Schaden zu kompensieren, den sie dem Land in der Vergangenheit zuzufügen versuchten.

[1] http://global100.adl.org/

[2] http://www.loc.gov/law/foreign-news/article/israel-prevention-of-entry-of-foreign-nationals-promoting-boycott-of-israel/

[3] http://www.washingtonpost.com/news/worldviews/wp/2018/01/07/18-groups-that-advocate-boycotting-israel-will-now-be-denied-entry/?utm_term=.bd5e39fbb8fc

[4] ebenda

[5] http://www.adl.org/sites/default/files/documents/assets/pdf/israel-international/israel–middle-east/Top-Ten-2013-Report.pdf

[6] http://www.state.gov/s/rga/resources/267538.htm

[7] http://www.holocaustremembrance.com/working-definition-antisemitism

[8] http://www.haaretz.com/opinion/i-m-a-u-s-jew-on-israel-s-bds-blacklist-i-won-t-be-silenced-1.5729781

[9] https:forward.com/opinion/391603/israel-made-itself-a-pariah-by-barring-me-and-my-fellow-activists/

[10] http://www.ngo-monitor.org/funder/new_israel_fund/

[11] http://www.theguardian.com/us-news/2016/aug/16/communist-party-members-still-barred-us-citizenship-trump

[12] http://www.i-p-o.org/racism-ngo-decl.htm

[13] http://www.nbn.org.il/aliyahpedia/government-services/government-benefits-new-immigrants-oleh-chadash/the-law-of-return/

Advertisements

Die wenig überzeugende deutsche Koalitionsvereinbarung, die Juden und Israel

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Soweit es die Juden und Israel betrifft, ist die vorgeschlagene deutsche Koalitionsvereinbarung ein wenig überzeugendes Dokument.[1] Zum Teil ist der Grund dafür sein Inhalt, aber hauptsächlich wegen dem, was es beschönigt.

Die drei Koalitionsparteien – die Christdemokraten (CDU), ihre bayrische Schwesterpartei Christlich-Soziale Union (CSU) und die Sozialdemoraten (SPD) – werden jede bis Ende Februar darüber abstimmen, ob sie auf der Grundlage dieses Textes in die neue Regierung eintreten.

Antisemitismus wird in dem Dokument mehrere Male erwähnt. An einer Stelle spricht es vom zukünftigen „Ausbau unserer erfolgreichen Programme gegen Rechtsextremismus, gegen Linkextremismus, gegen Antisemitismus, gegen Islamismus und Salafismus“.[2]

Es hätte dort auch stehen können: „In den letzten Jahren hat der Antisemitismus trotz unserer Programme zugenommen. Studien haben definitiv bewiesen, dass neben rechtsextremem Antisemitismus der muslimische Antisemitismus eine gewaltige Rolle spielt.[3] Andere Studien zeigen, dass viele der neuen muslimischen Immigranten aus dem Irak und Syrien extreme Antisemiten sind.[4] Da viele weitere Flüchtlinge dieses Jahr und in den kommenden Jahren beantragen werden nach Deutschland zu immigrieren, werden sie auf antisemitische Einstellungen überprüft und diejenigen mit antisemitischen und antiisraelischen Vorurteilen werden ausgeschlossen.“

Das Dokument erwähnt Dankbarkeit für das erneuerte jüdische Leben in Deutschland nach der Schoah[5], ebenso die Ernennung eines/r Beauftrage/n der Bundesregierung für jüdisches Leben und Antisemitismus.[6] Es erwähnt auf keine Weise, wie schockierend es ist, dass es heute, nach mehr als siebzig Jahren Umerziehung der deutschen Bürger seit dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes, einen Bedarf für gezielten Umgang mit Antisemitismus gibt.

Noch problematischer ist, wie das Dokument den israelisch-palästinensischen Konflikt behandelt. Zusammenarbeit mit Israel wird bei verschiedenen nebensächlichen Themen erwähnt. Es gibt auch die in erster Linie abstrakten Standardbemerkungen zu Israel als jüdischem und demokratischem Staat, seiner Sicherheit, seinem Existenzrecht und so weiter. Das Dokument gibt der Unterstützung einer Zweistaatenlösung Ausdruck und verurteilt Israels Siedlungspolitik als Bruch des Völkerrechts.

Der letzte Punkt taucht in der Vereinbarung der aus denselben Parteien bestehenden bisherigen Koalition nicht auf. Der Text hätte sagen sollen: „Die Dämonisierung Israels in Deutschland bleibt ein riesiges Problem und ist in großen Teilen unserer Bevölkerung weit verbreitet. Mehr als vierzig Prozent der Deutschen vertritt die extrem falsche und antisemitische Ansicht, dass Israel sich gegenüber den Palästinensern verhält wie die Nazis es gegenüber den Juden machten. Nachdem wir sowohl in dieser Sache wie auch bei der Unterdrückung des Antisemitismus so enorm versagt haben – während wir in den letzten Jahren viele weitere Antisemiten ins Land ließen – sollten wir zuerst daran arbeiten unser Land mit seiner extrem problematischen Vergangenheit in Ordnung zu bringen. Wir haben vor uns darauf zu konzentrieren, statt kritische Meinungen zu Israels Verhalten von uns zu geben. Diese gießen nur Öl ins Feuer der schrecklichen Dämonisierung Israels in unserem Land.“

Zu den Palästinensern ist der Text bezüglich einer Vielzahl der wichtigsten Fragen sehr vage. Er verurteilt jeden Aufruf zu Gewalt und Hetze ohne die Palästinenser bei diesem Thema ausdrücklich zu erwähnen.[7] Weiter heißt es: „In den palästinensischen Gebieten sind auf allen Ebenen demokratische Fortschritte nötig.“ Dort hätte stehen sollen: „In den Palästinensergebieten gibt es keine Demokratie. Die letzen Parlamentswahlen gab es 2006 und die Hamas – eine Partei, die Völkermord an Juden begehen will – gewann die Mehrheit. Die zweitgrößte Partei, die Fatah, kontrolliert die palästinensische Autonomiebehörde, die sowohl den Mördern von Juden als auch deren Familien verherrlicht und finanziell belohnt.“

Zur UNRWA stellt die Koalitionsvereinbarung die Wirklichkeit falsch dar. Sie erklärt: „Wir werden in der EU eine Initiative sowohl zur ausreichenden und nachhaltigen Finanzierung als auch der Reform des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) ergreifen.“[8] Dort hätte stehen sollen: „Gemäß den Kriterien der UNO für jeden anderen Staat der Welt sind 99% aller von der UNRWA unterstützten Menschen kein Flüchtlinge. Deutschland erkennt seine besondere Verantwortung gegenüber Israel an, diese Verfälschung zu entlarven. Es wird aktiv für die Auflösung dieser Organisation werben, die zahlreiche Hamas-Anhänger beschäftigt. Umso mehr, als die UNRWA gegen Israel erzieht und aufhetzt und gelegentlich Waffen der Hamas in ihren Schule vorgefunden werden.“

Die Erwähnung von Juden, Antisemitismus, Israel und den Palästinensern auf den 179 Seiten der Koalitionsvereinbarung könnte durchaus als Test für deutsche Studenten der Politikwissenschaften dienen. Sie sollten gefragt werden, wie viele Manipulationen sie ermitteln können: In welchen Punkten ist der Text detailliert und wo nicht; wo wird er abstrakt oder vage und wo ist er konkret; welche Themen werden verzerrt; und schließlich: Wo werden Kleinigkeiten betont und Schlüsselprobleme vermieden?

[1] http://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-02/grosse-koalition-koalitionsvertrag-spd-cdu-csu

[2] Ebenda, Zeile 5615

[3] PAAF-Analysen, Ausgabe 1 Landesamt für Verfassungschutz Hessen

[4] https://ajcberlin.org/sites/default/files/ajc_studie_gefluechtete_und_antisemitismus_2017.pdf

[5] www.zeit.de/politik/deutschland/2018-02/grosse-koalition-koalitionsvertrag-spd-cdu-csu, Zeile 8025

[6] Ebenda, Zeile 5636

[7] Ebenda, Zeile 7181

[8] Ebenda, Zeile 7176

Der in Großbritannien weit verbreitete Antisemitismus

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Verschiedene Studien haben gezeigt, wie weit die Antipathie gegen Israel und der Antiisraelismus in einer Reihe europäischer Länder verbreitet ist. Die Universität Bielefeld veröffentlichte zum Beispiel 2011 einen weithin publizierten Bericht zu sieben EU-Staaten.

Eine der in diesem Bericht gestellten Fragen lautete, ob die Befragten der Aussage zustimmen, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führt. Den niedrigsten Anteil an Zustimmenden gab es in Italien und den Niederlanden mit 38 bzw. 39 Prozent. Die anderen waren Ungarn mit 41%, Großbritannien mit 42%, Deutschland mit 48% und Portugal mit 49%. In Polen waren es 63%[1]

Gelegentlich werden detailliertere Daten zu besonderen Vorurteilen gegen Israel erhoben. Das ist in einem aktuellen Bericht von L. Daniel Staetsky aus Großbritannien der Fall; sein Titel lautet: „Antisemitism in Contemporary Great Britain, a Study of Attitudes toward Jews and Israel“.[2] Die Studie wurde vom Institute for Jewish Policy Research (JPR) und dem Community Secuity Trust (CST) veröffentlicht.[3]

Zwölf konkrete Aussagen zu Israel wurden den Befragten vorgelegt.[4] Mit der ersten wurde gefragt, ob Israel das Recht hat zu existieren. 62% bejahten Israels Existenzrecht, 6% bestritten es. Die übrigen lehnten eine Antwort ab oder hatten keine Meinung. Dieses Ergebnis scheint auf den ersten Blick sehr positiv zu sein. Doch es bedeutet, dass es im Vereinten Königreich einen harten Kern von drei Millionen Antisemiten gibt, die für die Vernichtung Israels sind. Das kann nur mit mörderischer Gewalt erreicht werden.

Ein weiterer extremer Befund des Berichts war die Antwort auf die Frage: „Begeht Israel in Palästina Massenmord?“ 24% stimmten der Äußerung zu, 22% nicht. Bei dieser Bejahung geht es aber nicht um eine Meinung, sondern um Fakten. Israel begeht in „Palästina“ keinen Massenmord. Diejenigen, die zustimmen – was 12 Millionen britische Bürger repräsentiert – sind entweder extrem fehlgeleitete Menschen oder Lügner. Ihre Zustimmung zu dieser Äußerung ist ein Indikator dafür, wie weit die Dämonisierung Israels in Großbritannien fortgeschritten ist.

Die Befragten sollten sich auch dazu äußern, ob sie einer ähnlichen, falschen Äußerung zustimmen: „Israel versucht gezielt die palästinensische Bevölkerung auszulöschen.“ In diesem Fall stimmten 23% zu, 26% stimmten nicht zu.

Die riesige Anzahl derer, die den beiden letzten Aussagen zustimmt, kann nicht nur mit der Zahl der Muslime (4,5%), Linksextremisten (3,6%) und Rechtsextremisten (1,4%) in der britischen Gesellschaft erklärt werden.[5] Viele davon müssen dem britischen Mainstream angehören.

Der Aussage „Israel ist ein Apartheidstaat“ stimmten 14% zu, 19% widersprachen. Der Aussage „Israel hat zu viel Kontrolle in globale Angelegenheiten“ stimmten 17% zu, 30% stimmten nicht zu. Mehr als acht Millionen britische Bürger stimmen demnach mit der „zionistischen Variante“ der klassischen antisemitischen Behauptung überein, dass die Juden die Welt kontrollieren.

Zehn Prozent stimmen der Äußerung zu, „Israel ist die Ursache aller Probleme im Nahen Osten“; 44% sind nicht dieser Meinung. Neun Prozent der Befragten waren dafür Israel zu boykottieren. Diese Meinung hat anscheinend ebenfalls einige Unterstützung im britischen Mainstream.

Andere den Befragten vorgelegte Aussagen lauteten: Der Staat Israel ist die historische Heimat des jüdischen Volks; der Staat Israel trägt positiv zur globalen Gesellschaft bei; die Interessen Israels stehen im Widerspruch zu den Interessen des Rests der Welt; und: Israel ist die einzige echte Demokratie im Nahen Osten. In der Gesamtbevölkerung lieg der Anteil derer, die antiisraelische Voreingenommenheit hegen, beträchtlich höher als der Anteil derer, die antisemitische Vorurteile hegen.

Die Analyse der Antworten auf die 12 Aussagen der Umfrage bei Christen zeigt, dass ihre Meinungen sich statistisch nicht von denen der Gesamtbevölkerung unterscheiden.[6] Die Ergebnisse bei Muslimen unterscheiden sich allerdings stark. Während 9% der Gesamtbevölkerung zwischen sechs und neun Anti-Israel-Einstellungen zustimmen, beträgt der Anteil der Muslime 34,7%.[7] 75% der Muslime hegen mindestens eine antiisraelische Einstellung,[8] während es bei der Gesamtbevölkerung 47% sind.[9]

Die Studie analysiert zudem, ob es einen signifikanten Unterschied zwischen religiösen und nicht religiösen Muslimen gibt. Tatsächlich gibt es bei den Muslimen, die täglich fünfmal beten, einen etwas höheren Anteil Hardcore-„Antisemiten der dritten Generation“, die sechs bis neun der antiisraelischen Haltungen zustimmen, als bei den Muslimen, die nie beten.

Soweit es Vorurteile betrifft, d.h. diejenigen mit mindestens einer antiisraelischen Einstellung, ist der Unterschied zwischen Muslimen, die fünfmal täglich beten und denen, die nie beten – „Erbe-Muslime“ – nicht sonderlich signifikant. Oft erwähnen die Medien, wenn ein Muslim irgendwo in Europa ein Verbrechen an Juden verübt, dass er nicht religiös ist. Diese Studie scheint anzudeuten, dass es in Sachen Vorurteile gegen Israel keinen großen Unterschied zwischen den sehr religiösen Muslimen gibt und denen, die überhaupt nicht religiös sind.

Ein überproportionaler Anteil der antiisraelischen und antisemitischen Äußerungen von Repräsentanten der Labour Party wird von Muslimen getätigt.[10] Mehrere von ihnen repräsentieren Gegenden mit großer Konzentration an Muslimen. Die Ergebnisse von oben erklären, warum antiisraelische Hetze in ihren Wahlkreisen einen willkommenen Empfang sicherstellt. Das Vereinte Königreich durchleuchtet Immigranten nicht auf ihre antisemitischen oder antiisraelischen Vorurteile, trotz der Tatsache, dass wohlbekannt ist, wie weitverbreitet Hass auf Juden und Israel in vielen ihrer muslimischen Herkunftsländer ist. Großbritannien ist damit ein bereitwilliger wichtiger Importeur von Antisemiten und Israelhassern geworden.

Die britische Regierung täte wohl daran, eine detaillierte Studie über die Quellen in der britischen Gesellschaft durchzuführen zu lassen, die bei so vielen Bürgern die dämonische Sicht auf Israel herbeigeführt haben. Das ist nicht nur ein israelisches Problem, sondern auch ein britisches. Im Land eine große Anzahl Leute zu haben, die andere dämonisieren, ist ein Zeichen partieller kultureller Degeneration. Zu den Bereichen der Gesellschaft, die untersucht werden müssen, gehören Muslime, die extreme Linke, die extreme Rechte, Medien, Politiker, die akademische Welt, Gewerkschaften, NGOs und einige kirchliche Konfessionen.

Zu all dem gibt es auch einen israelischen Blickwinkel. Die Palästinenser und ihre vielen muslimischen Verbündeten haben Jahrzehnte lang extremen Hass auf Israel sowie Lügen über den Staat verbreitet. Die israelische Regierung hat dies weitgehend ignoriert und keine Agentur für Gegenpropaganda eingerichtet. Genauso wenig hat sie hervorgehoben, dass die Förderung von antisemitischem Hass, einschließlich Gewalt, in der Welt des Islam weit verbreitet ist und dass die große Mehrheit der Palästinenser, die die Hamas und die Fatah unterstützen, ein integraler Bestandteil verschiedener extremistischer muslimischer Strömungen sind. Als Aufsichtsinstitution der Regierung hat die Knesset es gleichermaßen verfehlt aufeinander folgende Regierungen zu veranlassen diesen Entwicklungen entgegenzuwirken.

[1] library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf.

[2] Antisemitismus im zeitgenössischen Großbritannien. Eine Studie zu Einstellungen gegenüber Juden und Isreal.

[3] http://www.jpr.org.uk/documents/JPR.2017.Antisemitism_in_contemporary_Great_Britain.pdf

[4] Ebenda, S. 29

[5] Ebenda, S. 30

[6] Ebenda, S. 8

[7] Ebenda, S. 59

[8] Ebenda, S. 66

[9] Ebenda, S. 30

[10] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/18841

Rapide Zunahme des Holocaust-Missbrauchs

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte hat der Missbrauch des Holocaust allmählich zugenommen. Allerdings hat sich während der letzten zwei Jahre die Zahl dieser Entstellungen ziemlich unbeachtet weit schneller erhöht. Holocaust-Missbrauch hat zudem mehrere weitere Bereiche der Mainstreamgesellschaft durchdrungen.

Manipulation der Wahrheit könnte durchaus ein beträchtlicher Bestandteil des Diskurses zum Holocaust werden. Das wird umso wahrscheinlicher geschehen, als die überlebenden Holocaustopfer immer älter werden. In einer zunehmend chaotischen Welt ist schwer zu erkennen, wie dieser Trend aufgehalten werden kann.

Da es keine systematische Beobachtung des Holocaustmissbrauchs gibt, erkennt kaum jemand, dass die Zahl der Vorfälle stark zugenommen hat. Als ich 2009 mein Buch „The Abuse of Holocaust Memory: Distortions and Responses”[1] publizierte, war es noch möglich fast alle Entstellungen in acht eindeutige Kategorien einzuordnen.

Vor dieser Zeit hatten die Medien und die Öffentlichkeit den Fokus auf Holocaust-Leugnung gelegt. Das ist nicht die extremste Kategorie von Holocaust-Missbrauch. Holocaust-Umkehr ist eine hinterhältige Kategorie. Eine in dieser Kategorie verwendete wichtige Parole lautet, dass Israel sich gegenüber den Palästinensern so verhält, wie es die Nazis gegenüber den Juden taten.

Seit 2009 sind nicht nur die Grenzen zwischen Kategorien des Holocaust-Missbrauchs unscharf geworden. Es gibt auch neue Variationen. Auf eine besonders verschlagene hat der israelische Völkermordforscher Israel Charny hingewiesen. Er hat veranschaulicht, dass Fachbereichen für Holocaust-Forschung an verschiedenen, auch israelischen Universitäten „eine ganze Reihe Wissenschaftler angehört, die Holocaust-Leugnung oder -Verniedlichung frönen und die gemäß aller Regeln und Konventionen der akademischen Welt in ihrer Gesamtheit in gutem Glauben handeln.“

Charny nannte die University of Sussex in Großbritannien ein „Zentrum der Holocaust-Entstellung“. Ein Wissenschaftler dort veröffentlichte einen Artikel, in dem er behauptete Hitler habe sich nicht ausdrücklich gegen Juden gerichtet, sondern: „Das war Teil eines größeren Programms, das diejenigen beseitigen wollte, die dem expandierenden deutschen Lebensraum im Weg waren“.[2] Die Entstellung an Universitäten zeigt sich auch auf weit primitivere Weise: „Zionisten sollten in die Gaskammer geschickt werden“, wurde auf einen Bürgersteig am Campus der University of California in Berkeley gemalt.[3]

In der Europäischen Union wurde 2015 ein Beamter aus Malta antisemitischer Hassrede und Angriff auf eine EU-Angestellte beschuldigt. Er pries in einer Tirade den faschistischen italienischen Diktator Benito Mussolini und versuchte die Frau zu würgen, von der er fälschlich annahm, sie sei Jüdin. Er sagte: „Dreckige Jüdin… Hitler hätte alle Juden ausrotten sollen, so wie sie heute die Palästinenser ausrotten.“[4]

Oberrabbiner Binyamin Jacobs, der Leiter des niederländischen orthodoxen Rabbinats, sagt, wenn in Israel etwas passiere, dann brüllten Leute ihn an: „Hamas, Hamas, Juden ins Gas.“ Er sagte auch, dass niederländische Jugendliche während einer seiner Reden beim Gedenktreffen für niederländische Holocaustopfer „Heil Hitler“ riefen.[5]

Jeremy Corbyn, seit zwei Jahren Parteichef der britischen Labour Party, ist regelmäßig mit dem Holocaustleugner Paul Eisen in der Öffentlichkeit aufgetreten. Dieser schrieb, dass Corbyn „an jeder einzelnen der jährlichen Veranstaltungen seiner Organisation teilnahm und der Gruppe sogar Geld spendete“.[6]

Ein wichtiger Fall von Holocaust-Entstellung betrifft den polnischen Holocaust-Revisionismus. Seit Beginn dieses Jahrhunderts hat es bedeutende Enthüllungen zu massiven Verbrechen gegeben, die von Polen während des Holocaust an Juden begangen wurden. Die zwei wichtigsten Forscher, die dies aufzeigten, sind Jan Gross und Jan Grabowski. Grabowski erklärt, seine Forschungsarbeiten zeigen, dass während des Holocaust 200.000 Juden von Polen getötet wurden. Die polnische Regierung versucht diese Tatsachen zu bestreiten.[7]

Man sollte auch nicht die Augen vor dem Missbrauch des Holocaust durch Juden verschließen, der zuzunehmen scheint. Eine der schlimmsten Beleidigungen für einen Juden besteht darin einen anderen Juden zu beschuldigen ein Nazi zu sein. Der sephardische Oberrabbiner von Jerusalem und ehemalige Oberrabbiner Israels, Schlomo Amar, sagte, Reformjuden seien schlimmer als Holocaustleugner.[8]

Man kann hunderte, wenn nicht tausende weiterer Beispiele von Holocaust-Missbrauch der letzten Jahre finden. Schon vor der Ausbreitung der sozialen Medien war es bereits schwierig einen kompletten Überblick des Holocaust-Missbrauchs zu bekommen. Die Zersplitterung des kollektiven Gedächtnisses der westlichen Welt hat seine weitere Entstellung des ermöglicht. Gleichzeitig scheint die Erwähnung des Holocaust in einem anwachsenden historischen Vakuum zuzunehmen statt zu verblassen, wie es gewöhnlich mit Ereignissen der Vergangenheit geschieht.

Die Zahl der Vorfälle ist heute derart groß, dass sogar Trends unbemerkt bleiben könnten. Das Thema bereitet genug Sorgen, dass man ihm weit mehr Aufmerksamkeit widmen müsste. Der nächste Schritt sollte sein, dass Holocaust-Gedenkinstitutionen anfangen systematisch und professionell solchen Missbrauch in ihren Ländern zu beobachten und zu kategorisieren. Auf einer internationalen Basis scheint Yad Vaschem die logische Wahl zu sein, um einen solchen Schritt zu initiieren und zu koordinieren.

[1] Der Missbrauch der Holocaust-Erinnerung: Entstellungen und Reaktionen

[2] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/21517

[3] www.jpost.com/Diaspora/University-of-California-rules-not-to-equate-anti-Zionism-with-religious-bigotry-449068

[4] http://www.maltatoday.com.mt/news/court_and_police/56771/maltese_ec_official_facing_serious_charges_for_antisemitic_aggression_in_brussels_bar

[5] Interview mit Oberrabbiner Binyomin Jacobs, in: Manfred Gerstenfeld Het Verval. Amsterdam (Van Praag) 2010).

[6] http://www.dailymail.co.uk/news/article-3187428/Jeremy-Corbyn-s-links-notorious-Holocaust-denier-revealed.html

[7] www.haaretz.com/world-news/europe/.premium-1.770707

[8] www.jpost.com/Israel-News/Reform-Jews-are-worse-than-Holocaust-deniers-says-Chief-Rabbi-of-Jerusalem-504372

 

International bemerkter Antisemitismus lässt Regierungen reagieren

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

International aufgefallene antisemitische Vorfälle sorgen in dem Land, in dem sie sich ereignen, für mehr Verurteilungen als andere, schwerere dortige Hassverbrechen gegen Juden. Jüngste Beispiele aus Deutschland, Schweden und den Niederlanden illustrieren dies.

Den klarsten Fall gab es in Deutschland.[1] In Berlin[2] und Stuttgart[3] wurden israelische Flaggen – zum Teil selbstgemachte Imitationen – verbrannt. Das deutsche Recht verbietet anscheinend das Verbrennen israelischer Flaggen nicht. Niemand wurde bei diesem Vorfall verletzt, aber die Bilder verbreiteten sich virusartig. Sie riefen negative Assoziationen zu den weit schwerwiegenderen Buchverbrennungen des Nazi-Regimes wach.

Die deutsche Regierung verurteilte diese Flaggenverbrennungen und Antisemitismus im Allgemeinen. Ihr Sprecher Steffen Seibert sagte: „Man muss sich schämen, wenn auf den Straßen deutscher Städte so offen Judenhass zur Schau gestellt wird.“[4] Kanzlerin Angela Merkel und der Vorstand ihrer Christlich-Demokratischen Union (CDU) sprachen sich gegen die Flaggenverbrennung aus. Jens Spahn, ein Vorstandsmitglied der CDU und regelmäßig als möglicher Merkel-Nachfolger gehandelt, merkte an, dass die Zuwanderung aus muslimischen Ländern der Grund für die jüngsten Demonstrationen in Deutschland ist.[5]

Der deutsche Staatspräsident Frank-Walter Steinmeier, ein Sozialdemokrat, erklärte, das Verbrennen der israelischen Flagge in deutschen Städten „erschreckt mich und beschämt mich“. Er sagte auch, die Verantwortung Deutschlands für seine Geschichte „kennt keine Schlussstriche für Nachgeborene und keine Ausnahmen für Zuwanderer.“ Steinmeier fügte hinzu: „Sie ist nicht verhandelbar – für alle, die in Deutschland leben und hier leben wollen.“ Dann fuhr er fort: „Die deutsche Bundesrepublik ist nur dann funktionsfähig, wenn die Juden sich in ihr voll Zuhause fühlen.“[6] Justizminister Heiko Maas, ebenfalls Sozialdemokrat, sagte: „Wer israelische Flaggen verbrennt, verbrennt die Werte unserer Verfassung.“[7]

Die CDU-Fraktion im Parlament verkündete, sie werde sich für die Schaffung eines Antisemitismus-Beauftragten einsetzen.[8] Innenminister Thomas de Maizière kommentierte, er unterstütze Aufrufe einen solchen Posten zu schaffen.[9] Das war ein indirektes Eingeständnis, dass Hassverbrechen gegen Juden im Land ein beträchtliches Problem darstellen. Das bedeutet – ohne es ausdrücklich gesagt wird – dass das „neue Deutschland“ nur zum Teil neu ist.

Schweden ist ein weiteres Land, in dem die Ernennung eines Antisemitismus-Beauftragten lange überfällig ist. Eine maskierte Bande warf während einer Aktion einer Jugendbewegung Molotowcocktails auf die Synagoge der zweitgrößten Stadt des Landes, Göteborg. Einen Tag zuvor brüllten Demonstranten in Malmö, der drittgrößten Stadt des Landes, Slogans darüber auf Juden schießen und sie töten zu wollen. Die New York Times widmete dem schwedischen Antisemitismus eine Reihe von Artikeln,[10] ebenso viele andere Medien im Ausland.

Bei einer Demonstration gegen Antisemitismus am 20. Dezember sagte der sozialdemokratische schwedische Premierminister Stefan Löfven: „Diejenigen, die versuchen Gewalt und Hass zu legitimieren, um ihre Ziele zu erreichen, seien sie Nazis, religiöse Extremisten oder Linksextreme, werden unerbittlich verurteilt werden … wir verstärken die Sicherheit um Synagogen, Schulen und andere Anwesen. Die Polizei hat zusätzliche Ressourcen erhalten und ist angewiesen, dass Anstrengungen zur Bekämpfung von Hassreden und Hetze Priorität bekommen müssen.“ Er fügte hinzu: „Es sind größere Anstrengungen nötig, um Intoleranz zu bekämpfen, in Schulen und in der Gesellschaft und nicht zuletzt bei Immigrantengruppen aus Ländern, in denen der Antisemitismus stark ist.“[11]

Aufeinander folgende schwedische Regierungen hätten schon vor vielen Jahren auf Antisemitismus reagieren müssen. Malmö wird oft als Antisemitismus-Hauptstadt Europas gehalten. Extreme Vorfälle gegen Juden werden hauptsächlich von Muslimen verübt.

Etwas früher im Dezember wurde im Ausland weithin das Video eines antisemitischen Vorfalls in Amsterdam angesehen. Es zeigte einen Mann, der eine Palästinenserflagge schwenkte und die Fenster eines koscheren Restaurants einschlug. Zwei Polizisten sahen ihm dabei zu, bevor sie ihn neutralisierten. Das Bild hat Macht. Ob die Polizisten gute Gründe hatten ihn nicht sofort festzunehmen oder das nicht zu tun, ist für die irrelevant, die das Video ansehen.[12]

Der syrisch-palästinensische Kriminelle, ein Asylsuchender, wurde nach zwei Tagen freigelassen und bis zum Gerichtsverfahren nach Hause geschickt. Ihm wurden Vandalismus und Diebstahl vorgeworfen, statt ihn eines Hassverbrechens anzuklagen. Beim Verfahren entschieden die Richter ihn unter psychiatrische Beobachtung zu stellen. Das könnte ein paar Monate dauern. Inzwischen bleibt der Angreifer – mit unwesentlich einschränkenden Auflagen – auf freiem Fuß.[13]

Im Sommer dieses Jahres wurde Michael Jacobs, ein niederländischer Jude, von der Polizei eine Woche lang festgehalten, weil er in der Nähe von antiisraelischen Demonstranten stand und eine israelische Flagge trug. Es gibt keine Gesetze, die das verbieten. Es war ein absurdes Beispiel der Prioritäten der niederländischen Polizei. Inzwischen hat die niederländische Polizei nach Angaben eines internen Polizeiberichts nicht die Personalstärke die manchmal mörderischen niederländisch-türkischen Heroin-Dealer anzufassen, die den Markt mit dieser Droge fluten.[14]

Das Antisemitismus-Problem der Niederlande kann nicht mit der Ernennung eines Sonderbeauftragten angegangen werden. Ein erster Schritt damit umzugehen muss die Änderung des niederländischen Rechts und seine Anwendung durch die Justiz und die Polizei zum Ergebnis haben. Das Böse zu tolerieren ist kein Zeichen von Toleranz.

In der Vergangenheit hatte größere öffentliche Aufmerksamkeit zu antisemitischen Verbrechen oft Nachahmungseffekt. Ein solches Beispiel fand statt, nachdem Mohammed Merah – Sohn extrem antisemitischer Einwanderereltern aus Algerien – 2012 in Toulouse einen jüdischen Lehrer und drei Kinder ermordete. Nach diesen Morden stieg die Zahl antisemitischer Verbrechen in Frankreich stark an.[15]

Heutzutage, wo es weit mehr Aufmerksamkeit für Terror und andere Kriminalität gibt, die von Teilen der muslimischen Bevölkerung in westeuropäischen Ländern ausgeht, hat beträchtlicher Antisemitismus auch eine andere Wirkung. Regierungen begreifen, dass sie reagieren müssen, Solidarität mit den Juden zeigen und etwas unternehmen – oder zumindest die Bereitschaft zeigen müssen dies zu tun.

[1] http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/eu/11904654/Attacks-on-Jews-rise-to-five-year-high-in-Germany-more-than-any-country-in-Europe.html

[2] http://www.youtube.com/watch?v=Ly6_C9TB_24

[3] http://www.youtube.com/watch?v=AMIOARJJdcA

[4] www.welt.de/politik/article171478315/Wir-wenden-uns-gegen-alle-Formen-von-Antisemitismus.html

[5] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jens-spahn-warnt-vor-importiertem-antisemitismus-a-1183490.html

[6] www.faz.net/aktuell/politik/inland/steinmeier-antisemitismus-ist-nicht-ueberwunden-15342133.html

[7] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/heiko-maas-will-holocaust-in-integrationskursen-abfragen-lassen-a-1183363.html

[8] http://www.all-in.de/nachrichten/deutschland_welt/politik/Streit-um-richtige-Reaktion-auf-Flaggenverbrennung;art15808,2546218

[9] www.sueddeutsche.de/politik/bundespolitik-de-maizire-fordert-antisemitismus-beauftragten-1.3795882

[10] https://mobile.nytimes.com/2017/12/10/world/europe/sweden-synagogue-molotov-cocktail.htm; https://www.nytimes.com/2017/12/10/world/europe/sweden-synagogue-molotov-cocktail.html

[11] http://www.government.se/speeches/2017/12/speech-by-prime-minister-stefan-lofven-at-demonstration-against-antisemitism/

[12] http://www.youtube.com/watch?v=e1khvPplcRI

[13] www.jta.org/2017/12/20/news-opinion/world/why-dutch-jews-are-up-in-arms-over-the-handling-of-a-kosher-restaurant-attack

[14] http://www.ad.nl/binnenland/politie-vrijwel-geen-capaciteit-voor-onderzoek-heroinehandel~a1c74ea4/

[15] http://www.jpost.com/Jewish-World/Jewish-News/58-percent-rise-in-anti-Semitic-attacks-in-France-in-2012

Drei einseitige Kommentare von Prominenten zu Trumps Jerusalem-Entscheidung

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die Scheinheiligkeit vieler Prominenter, die wichtige politische Ereignisse zu Israel kommentieren, kann oft auf leichte Weise bloßgestellt werden. Ihre Äußerungen dürften extreme Einseitigkeit, Pseudo-Expertise, wissentliches Schweigen zu vielen größeren Problemen sowie zweifelhafte Vorhersagen spiegeln.

Ein solches Ereignis war die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch US-Präsident Donald Trump. Die folgenden drei Reaktionen Prominenter illustrieren diese fehlende Ernsthaftigkeit. UNO-Generalsekretär António Guterres sagte: „In diesem Moment großer Beklemmung möchte ich klar machen, dass es keine Alternative zur Zweistaatenlösung gibt.“ Er fuhr fort, dass Trumps einseitiges Handeln die Aussichten auf Frieden für Israelis und Palästinenser gefährde.[1] Über seine zweifelhaften Vorbedingungen hinaus litt er zudem offenbar unter selbstverursachter Besorgnis.

Ist Guterres entgangen, dass die hohen Gehälter, die die palästinensische Autonomiebehörde Familien von Terroristen zahlt, den Friedensaussichten großen Schaden zugefügt haben? Wenn ja, dann ist er ein Pseudo-Experte. Sollte Guterres sich entschieden haben wissentlich die Augen vor diesen Vorfällen zu verschließen, dann ist er ein Heuchler, der zweierlei Maß anlegt. Erst recht, da seine wiederholt geäußerte Ansicht lautet, israelische Siedlungen seien ein Friedenshindernis. Man mag sich daran erinnern, dass Guterres sich bei seinem Besuch in Israel im August 2017 als „ehrlichen Vermittler“ bezeichnete.[2]

Papst Franziskus richtete einen Appell an Trump den Status quo der Stadt zu respektieren und sich an UNO-Resolutionen zu halten. Er sagte: „Ich kann aus meiner tiefen Sorge über die Situation, die in den letzten Tagen geschaffen worden ist, nicht schweigen.“Sollte er als Kopf der katholischen Kirche nicht seiner tiefen Sorge um die Lage der Christen in der muslimischen Welt mit besonderer Betonung der Christen in Syrien Ausdruck geben?

Im April 2017 sprach der Papst bei einer internationalen Konferenz in Kairo.[3] Es gab kaum einen besseren Ort, um die andauernde Flucht der Christen aus einer Reihe muslimischer Länder und die prekäre Situation vieler der dort Verbleibenden zu erwähnen. Stattdessen rief er christliche und muslimische Führer in Ägypten und dem gesamten Nahen Osten auf, gemeinsam „eine neue Zivilisation des Friedens“ aufzubauen.[4]

Federica Mogherini, die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, sagte über Trumps Entscheidung: „Die Ankündigung von Präsident Trump zu Jerusalem könnte sehr besorgniserregende Auswirkungen für den Frieden in der Region haben.“ Sie fügte hinzu, „die Ankündigung habe das Potenzial „uns in noch dunklere Zeiten zurückschicken als die, in denen wir bereits leben.“[5]

Ich habe vergeblich versucht herauszufinden, ob Mogheini jemals dasselbe bezüglich der Ankündigung von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel im Sommer 2015, die massive Ankunft von Flüchtlingen in ihrem Land willkommen zu heißen, sagte. Wäre es mit Deutschlands horrender Vergangenheit im Zweiten Weltkrieg und der problematischen Gegenwart für Mogherini nicht einfach gewesen vorherzusagen, dass der massive Zustrom weiterer Muslime die Reaktionen rechtsextremer Bewegungen beträchtlich stärken würde? Wie schwierig war es vorauszusagen, dass es noch mehr Antisemiten in Deutschland geben würde, als bereits da waren?

Die dunkleren Zeiten in Deutschland, die vorauszusagen Mogherini verfehlte, traten innerhalb von zwei Jahren ein. Aus den Wahlen im September 2017 ging die rechte Partei AfD, von der einige Schlüsselpersönlichkeiten Nazisoldaten verklären und den Holocaust bagatellisieren, als drittstärkste Kraft in der deutschen Politik hervor.

Zu den jüngsten antisemitischen Vorfällen sagte Regierungssprecher Steffen Seibert: „Man muss sich schämen, wenn auf den Straßen deutscher Städte so offen Judenhass zur Schau gestellt wird.“[6]

Die Hanns-Seidel-Stiftung, die der bayrischen Christlich-Sozialen Union (CSU) nahe steht, hat eine Studie unter Asylsuchenden in Bayern durchgeführt. Sie stellte fest, dass mehr als die Hälfte der muslimischen Asylsuchenden der Meinung sind, dass Juden in der Welt „zu viel Einfluss“ haben.[7]

Eine gerade veröffentlichte Studie des American Jewish Committee zu syrischen und irakischen Flüchtlingen in Deutschland, durchgeführt von Günther Jikeli, stellte fest: „Antisemitische Denkmuster und Stereotype waren bei allen Befragten weit verbreitet, auch wenn diese ihren ‚Respekt‘ für das Judentum oder die Bedeutung der friedlichen Koexistenz von Muslimen, Christen und Juden betonten.“ Die Studie stellte zudem fest: „Fast alle arabischen Befragten betrachteten ein fundamental negatives Image Israels als natürlich und stellten Israels Existenzrecht ganz selbstverständlich infrage.“[8]

Diese Antisemiten sind von der Regierung zu einer Zeit nach Deutschland hineingelassen worden, als die stark verzerrten Meinungen vieler Deutscher zu Israel bereits stockfinster waren. Nach Angaben einer Studie der Bertelsmann-Stiftung glauben einundvierzig Prozent der deutschen Bevölkerung, dass Israel sich gegenüber den Palästinensern so verhält wie die Nazis die Juden behandelten.[9]

Israels politischer Spielraum die drei prominenten Kommentierenden frontal anzugreifen, ist begrenzt. Solche Einschränkungen bestehen für viele proisraelische Organisationen und Autoren nicht. Je mehr die Unaufrichtigkeit von Guterres, Papst Franziskus und Mogherini aufgedeckt wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie in der Zukunft etwas mehr nachdenken, bevor sie einseitige Kommentare über Israel abgeben.

[1] http://www.theguardian.com/world/2017/dec/06/trump-to-plunge-middle-east-into-fire-with-no-end-with-jerusalem-speech

[2] http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=57421#.WjVTGlWWa7Q

[3] http://www.reuters.com/article/us-pope-egypt/pope-francis-denounces-barbarity-during-egypt-visit-preaches-tolerance-idUSKBN17U0U4

[4] http://www.theguardian.com/world/ng-interactive/2015/jul/27/where-in-the-world-is-it-worst-place-to-be-a-christian

[5] http://www.politico.eu/article/federica-mogherini-donald-trump-jerusalem-decision-very-worrying/

[6] https://www.welt.de/politik/article171478315/Wir-wenden-uns-gegen-alle-Formen-von-Antisemitismus.html

[7] www.hss.de/download/publications/Argu-Kompakt_2017-8_Asylsuchende.pdf, page 6

[8] AJC Berlin Ramer Institute: Attitudes of refugees from Syria and Iraq towards integration, identity, Jews and the Shoah Research Report: December 14, 2017

[9] www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_LW_Germany_and_Israel_today_2015.pdf, p.35

Abendessen mit Gästen aus Bahrain einer Mall in Jerusalem

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Es war eine surreale Erfahrung am ersten Abend von Hanukkah. Ich war bei einem Abendessen mit interreligiösen Besuchern aus dem Königreich Bahrein anwesend. Die Delegation aus diesem Golfstaat war Gast des Simon Wiesenthal Center (SWC). Wie viele andere arabische Staaten hat Bahrain keine diplomatischen Beziehungen zu Israel. Seit der Gründung des jüdischen Staates und bis vor kurzem hatte er Israel boykottiert.

Auf dem Weg zum Restaurant in der Jerusalemer Mamilla-Mall passierte die bahrainische Delegation das Fest zur Hanukkah-Kerzenanzündung des Chabad auf der Mall. An diesen Festivitäten nahmen so viele Menschen teil, dass beinahe verhindert wurde, dass die Besucher hindurchkamen. Mir wurde erzählt, dass mehrere Delegierte mit den Chabad-Repräsentanten und Umstehenden tanzten.

Zur bahrainischen Delegation gehörten sunnitische und schiitische Muslime, Hindus, Sikhs, Buddhisten und Christen. Ein syrisch-orthodoxer Priester erzählte mir, dass die Begründer seiner Kirche Juden waren. Die Zusammenkunft begann damit, dass Rabbi Abraham Cooper, der stellvertretende Vorsteher des Simon Wiesental Centers in Los Angeles, die erste Hanukka-Kerze anzündete. Dann gab er die Schamasch, die Entzündungskerze, mehreren Bahrainis, die jeder die brennende Kerze damit berührten, um so am Anzünden teilzuhaben.

Die Delegation aus Bahrain vor dem Hanukkah-Leuchter. Der Autor sitzt dahinter am Tisch. (Foto über M.Gerstenfeld)

Diese inoffizielle Delegation besuchte religiöse und andere Stätten in Israel, war aber nur in der Lage diesen Besuch durchzuführen, weil die Obrigkeit des arabischen Königreichs sich nicht dagegen stellte. Der König von Bahrain, Hamad bin Isa al-Khalifa, lud Rabbi Martin Hier, den Leiter des SWC, und Rabbi Cooper im Februar diesen Jahres ein ihn in Manama, der Hauptstadt des Inselstaats, zu besuchen. Dieses Treffen wurde nicht geheim gehalten und sogar das lokale Fernsehen berichtete darüber.

Prinz Nasser bin Hamas al-Khalifa, zweiter Sohn des Königs, kam im September 2017 mit einer großen Delegation in den Hauptsitz des SWC in Los Angeles. Sie besuchten auch das Toleranz-Museum des SWC und nahmen an einem Abendessen teil, zu dem hunderte religionsübergreifender Leiter kamen. Als die israelische Nationalhymne Hatikva gespielt wrude, erhoben sich der Prinz und die Delegation.[1]

Während dieses Besuchs wurde eine Erklärung des bahrainischen Königs zu Religionsfreiheit veröffentlicht. Darin hieß es: „Jeder Einzelne hat die Freiheit seine Religion auszuüben, vorausgesetzt er fügt anderen keinen Schaden zu, respektiert das Gesetz des Landes und akzeptiert spirituell und materiell Verantwortung für seine Entscheidung.“

Rabbi Hier sagte der Times of Israel, dass der König von Bahrain neuerdings gegen den Boykott Israels durch die arabischen Staaten ist. Der König habe zudem vor, Bürgern seines Königreichs zu erlauben Israel uneingeschränkt zu besuchen. Es gibt immer noch ein paar Juden, die in Manama leben, wo es eine Synagoge gibt. Nach Angaben geheimer US-Telegramme, die Wikileaks veröffentlichte, hatte der König gegenüber einem offiziellen Vertreter der USA erwähnt, dass Bahrain Kontakte mit dem israelischen Geheimdienst hatte.[2]

Al-Jazira veröffenlichte Informationen über palästinensische und bahrainische Opposition zu dem Besuch in Israel. Es erwähnte auch, dass der Delegation aus Bahrain der Zugang zum Gazastreifen verweigert worden war.[3] Ein Vertreter der SWC eroerterte das so ein Besuch nie geplant war. Inzwischen hat Al-Jazira einen Bericht publiziert das eine Israelische Delegation von Geschaeftsleuten Bahrain im Januat 2018 besuchen wird.[4]

Während des Abendessens saß ich neben einem buddhistischen Mönch aus Thailand, der in Bahrain lebt. Er ist seit 17 Jahren Mönch und ist der Leiter der örtlichen Gemeinschaft thailändischer Buddhisten – einige von ihnen auch aus Sri Lanka – die 2.000 Anhänger hat. Am Essen nahm er nicht teil, wie er nach der Mittagszeit nie etwas isst.

Ein hinduistischer Herr mir gegenüber aß ebenfalls nicht. Er sagte mir, dass er alle 15 Tage mehr als 24 Stunden fastet. Er ist Sales- und Marketingmanager einer bahrainischen Handelsfirma. Er erklärte, dass er jeden Tag mit zwei Stunden Gebet beginnt. In Israel besuchte er einen Tempel in der Nähe von Ariel, wo es eine kleine Hindu-Gemeinde gibt.

Direkt neben ihm saß ein Priester seines Tempels in Bahrain. Dieser sagte, er faste nicht und bezeichnete den Fastenden als „Verehrer“. In israelische Terminologie übersetzt sich das wahrscheinlich in „ultraorthodox“. Der Priester erwähnte auch, dass von den 350.000 Indern verschiedener Religionen, die in Bahrain leben, etwa 100.000 Hindus sind. Es gibt etwa 7 oder 8 Tempel im Land. An einem Festtag könnte sein Tempel tagsüber von bis zu 15.000 Menschen besucht werden. Der Mann neben ihm, ein Geschäftsmann, war der Vorsitzende seines Tempels.

Auf meiner anderen Seite saß ein in Amerika geborener Universalist, der in einem Dorf in Mitteljava in Indonesien lebt. Er sagte, er betrachte sich als Muslim, Hindu, Buddhist und Christ gleichzeitig und fügte hinzu, dass es schwierig sei auch noch Jude zu sein. Wir kamen überein, dass, wenn man nicht in diesen Glauben hineingeboren ist, eine Menge Schulung nötig ist um Jude zu werden.

Neben ihm saß die Leiterin der bahrainischen Delegation, Betsy Mathieson. Sie führt eine Organisation namens „Sharing the Humble Bahraini Way of Life“ (Die bescheidenen Lebensart von Bahrain teilen).

Es war nicht wirklich so wie in der Zeit der Makkabäer, aber ich betrachtete dieses Abendessen als ein kleines Wunder, das am ersten Tag von Hanukkah stattfand.

[1] http://beta.olatimes.com/local/california/la-me-ln-bahrain-tolerance-museum-20170913-story.html

[2] https://www.timesofisrael.com/bahrains-king-opposes-arab-boycott-of-israel-jewish-leader-says/

[3] http://www.aljazeera.com/news/2017/12/anger-bahrain-delegation-visits-israel-171211065439149.html

[4] http://www.aljazeera.com/news/2017/12/israeli-delegation-headed-bahrain-report-171215084410464.html