Die unverschämte Verlogenheit der tagesschau einmal mehr offenbart

Am 31. März berichtete (ausgerechnet wieder mal) die BILD-Zeitung online eine Kritik von Andrea Kiewel an der „Berichterstattung“ der tagesschau in der Jüdische Allgemeine vom 28. März. Sie hatte den Raketenangriff aus dem Gazastreifen auf Tel Aviv live miterlebt, unmittelbar nach ihrer Ankunft in Israel. Für die Berichterstattung der ARD zu diesem Vorfall und dem folgenden Tag mit der israelischen Reaktion auf arabische Aggression die hatte sie kein Verständnis. Verständlich. Denn in dem 28-sekündigen Beitrag der tagesschau wurde erst einmal ständig auf Israels Angriffe (die RE!-aktion) durch den Wolf gedreht, Israel zum Aggressor gemacht und ganz am Ende ein winziges Sätzchen angehängt: „Am Montag hatte die Hamas bei einem Raketenangriff ein Haus in Israel zerstört.“ Wo dieses Haus stand und dass dabei 7 Menschen, teilweise schwer verletzt wurden, drei davon kleine Kinder – nichts. Aber vorher in aller Ausführlichkeit Israels Handeln negativ darstellen, das ging. Kiewel regte sich völlig zurecht darüber auf, dass von der tagesschau die Ereignisse auf den Kopf gestellt wurden und ein falscher Eindruck erzeugt wurde. Auch, was Kiewel schon gar nicht mehr schreibt, dadurch, dass der Hamas-Raketenregen noch weiter ging und auch sonst am Grenzzaun jede Menge Gewalttaten un Angriffe durch die Hamas stattfanden.

Die Reaktion der tagesschau ließ erstmal auf sich warten. Sie folgte am 31. März nach den üblichen Mustern (screenshot):

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Der Chefredakteur von ARD-aktuell, Kai Gniffke, der die Verantwortung für die Berichterstattung der tagesschau tragen muss, geriert sich hier auf twitter als Opfer ungerechtfertigter Kritik. Einer Kritik, auf deren Inhalte er nicht mit einem einzigen Wort eingeht! Er pickt sich etwas heraus, was nicht gesagt wurde und „widerlegt“ es. Er geht nicht darauf ein, dass die Reihenfolge nicht stimmte. Er gibt mit keinem Wort zu erkennen, welche wichtigen Einzelheiten der Geschehnisse er ignoriert.

Dieser lapidare „Konter“ wie ist genauso verlogen wie der kritisierte Bericht und hat genauso System:

Der Bericht stellt den Auslöser der Geschehnisse ans Ende, statt an den Anfang. Er berichtet ausführlich über Israels Handeln, während das der Araber nur in knappstmöglichster Weise erwähnt wird, ohne da im Geringsten auf wichtige Einzelheiten einzugehen. Die werden geflissentlich außen vor gelassen. Das ist das System, mit dem die tagesschau in der aus dem arabisch-israelischen Konflikt „berichtet“.

Die Reaktion des Chefs geht auf keinen Punkt der Kritik ein, sondern imagniert sich einen eigenen, der nicht so angeführt wurde. Und den „widerlegt“ er mit einem zwar richtigen, aber völlig unzureichenden Hinweis, der zudem alles weglässt, was das Problem ausmacht. Auch das ist System. So arbeitet jeder „Israelkritiker“, der es nicht nötig hat sein Weltbild durch Fakten stören zu lassen.

Ähnliches kann man denen attestieren, die in den Kommentaren zu Gniffkes Kommentar ihre Lobeshymnen auf die Tagesschau singen. Nicht ein einziger scheint sich mit der Kritik Kiewels beschäftigt zu haben. Es handelt sich bei ihnen um eine reine Echo-Kammer: Tagesschau gut, öffentlich-rechtliche Sender gut, alle Kritiker dumm und ahnungslos. Ein Versuch, die auch hier zuhauf geübten Kritikpunkte irgendwie zu entkräften – Fehlanzeige. Stattdessen mimimi und Diffamierungen gegenüber den Kritikern.

Der stern hat erkannt (staun), dass Gniffke da reichlich sparsam mit der Wahrheit umgegangen ist und dass seine Reaktion auf die Kritik unzureichend ist:

Mit seiner Replik macht es sich Gniffke ziemlich einfach. Er verschweigt, dass der von ihm zitierte Satz erst ganz am Ende des Beitrages kommt, nachdem der Zuschauer zunächst den Eindruck gewinnen musste, Israel sei der Aggressor. Zu dem – zumindest unglücklichen – Aufbau der Meldung sagt der Chefredakteur kein Wort. Eine wirkliche Entkräftung der Kritik Kiewels ist sein Beitrag damit nicht.

Was auch der stern dabei nicht begriffen hat – wie man dort selbst gerne mal so arbeitet? – ist es System ist, wie berichtet wird und wie auch hinterher mit Kritik umgegangen wird, nicht „unglücklich“. Jeder Israelfreund und Medienkritiker kann ganze Balladen davon singen.

Es wird Zeit, dass die Qualitäts-Journaille endlich Qualitätsprüfungen unterzogen und für ihre Verlogenheit zur Rechenschaft gezogen wird. Zum Beispiel mit Entzug der Zwangsgebühren für das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

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Wenn die Medien zuschlagen… (1)

Wie tagesschau.de auf eine Leserbeschwerde reagiert – 7. Januar 2005

Von: Andrea
An: redaktion@tagesschau.de
Thema: Anmerkungen zu zwei Veröffentlichungen auf Ihrer Website (07.01.2005 09:02)

„Palästinenser beklagen massive Behinderungen durch Israel“ „Die Liste der Geberländer für die Flutopfer“

Sehr geehrte Damen und Herren,
zu den o. g. Veröffentlichungen auf Ihrer Website habe ich folgende Anmerkungen:

1. Beim Artikel „Palästinenser beklagen massive Behinderungen durch Israel“ vermisse ich, dass Israel eine Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben wird. Zum Beispiel wird der von Mustafa Barguti dargestellte und von Carsten Kühntopp weiter verbreitete Vorfall an einer Straßensperre von der israelischen Armee ganz anders, nämlich wie folgt dargestellt: „Er (Barguti) kam zur Straßensperre. Er wurde gebeten, sich der normalen Kontrolle zu unterziehen, was er aber nicht wollte. Schließlich hat er doch der Kontrolle zugestimmt, weil er nicht länger warten wollte. Es wurde keine Gewalt gegen ihn angewendet und er hätte sich das Ganze sparen können, wenn er sein Kommen im Voraus angekündigt hätte.“ (aus einer Stellungnahme der israelischen Botschaft in Berlin vom 6.1.05) Hier steht also Aussage gegen Aussage. Meine Frage an Sie lautet deshalb: Warum bringen Sie nicht beide Aussagen? Warum geben Sie Israel weder in diesem noch in anderen „Wahl“-Artikeln die Möglichkeit einer Stellungnahme zu dem, was angesichts der anstehenden Wahlen in den Palästinensergebieten vorgeht bzw. nicht vorgeht? Nennen Sie es seriösen Journalismus, nur die eine Seite darzustellen? Ich selbst nenne es nicht so. Mich erinnert es eher an das Vorgehen der Yellowpress. Unter seriösem Journalismus verstehe ich, dass man nicht Israel einseitig zum Sündenbock macht, sondern dass objektive Fakten geliefert werden. Und hierzu gehören angesichts der Wahlen, die doch demokratisch ablaufen sollen, auch umfassende (und nicht nur einseitige) Fakten wie z. B. die drei folgenden:
a) Taisar Khaled von der „Democratic Front for the Liberation of Palestine“ hielt am 31.12.04 seine Wahlkampagne in Jerusalem ab. Diese wurde ihm von den israelischen Behörden genehmigt, weil er -wie in parlamentarischen Demokratien üblich- die Wahlkampagne beantragt und entsprechend Antrag ausgeführt hatte. Mustafa Barguti und Bassam al-Salhi (von der kommunistischen Volkspartei) konnten ihre Wahlkampagnen nicht durchführen, weil sie sich nicht an das demokratische Gesetz, Wahlkampagnen entsprechend gestelltem Antrag durchzuführen, gehalten haben. (Quelle: http://www.haaretz.com/hasen/spages/520077.html)

b) Es gibt verstärkt Aufrufe seitens muslimischer und christlicher Kleriker im Gazastreifen, in der Westbank und in Ostjerusalem, am 9. Januar zur Wahl zu gehen. Denn es wird befürchtet, dass nur ein kleiner Prozentsatz der Wahlberechtigten zur Wahl gehen wird, was dem Wahlboykott der Hamas und den Organisationsproblemen innerhalb der Fatah nach Arafats Tod zugeschrieben wird. (Quelle: http://www.haaretz.com/hasen/spages/523563.html)

c) Auf das Hauptquartier des Leiters der palästinensischen Volkspartei und Wahlkandidaten für die Präsidentschaftswahlen der PA, Bassam al-Salhi, wurden letzte Woche Schüsse abgefeuert. Es gab keine Toten oder Verletzten. Palästinensische Quellen führten den Vorfall auf interne Konflikte linker Wahlkandidaten zurück. (Quelle: http://www.haaretz.com/hasen/spages/520860.html)

Warum werden solche Fakten nicht gebracht?

2. Bei der Liste der Geberländer für die Flutopfer in Südostasien fehlt Israel!!! Warum ist es nicht auf der Liste, obwohl es auch gespendet hat??? Spenden Israels sind z. B. hier nachzulesen: http://berlin.mfa.gov.il/mfm/web/main/missionhome.asp?MissionID=88

Sehr geehrtes Redaktionsteam der Tagesschau,
von einem öffentlich-rechtlichen Sender, dem u. a. auch meine Gebühren zukommen, erwarte ich objektive, seriöse Informationen und keine Meinungsmache!

Mit freundlichen Grüßen,
Andrea L.

Die Antwort von tagesschau.de:

From: <z….@tagesschau.de>
To: andrea
Sent: Friday, January 07, 2005 1:27 PM
Subject: Re. Anmerkungen zu zwei Veröffentlichungen auf Ihrer Website

Sehr geehrte Frau L.

den Vorwurf der einseitigen Berichterstattung über die Palästinenserwahl kann ich nicht gelten lassen. Der von Ihnen monierte Bericht stammt von unserem Korrespondeten in Ramallah. Herr Kühntopp kann deshalb nicht ständig beobachten, welche Stellungnahmen die israelische Botschaft in Berlin abgibt. Im Übrigen berichteten wir auch über Äußerungen von israelischer Seite zur Palästinenserwahl. Hier zwei Beispiele:

„Israel will Truppen am Wahltag zurückziehen“ http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3876796,00.html
und „Israel billigt Erleichterungen“ http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3915670,00.html

In unserem Dossier zur Wahl am Sonntag ist auch ein Bericht der Korrespondentin Bettina Marx, in der ausführlich die israelischen Erwartungen an den künftigen Palästinenserpräsidenten dargestellt werden: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3949154,00.html

Die Liste der Geberländer für die Flutopfer haben wir aus Informationen verschiedener Nachrichtenagenturen zusammengestellt. Keine Agentur führte Israel darin an. Zudem erhebt unsere Aufstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Uns deswegen Meinungsmache zu unterstellen, ist – bei allem Respekt – absurd.

Mit freundlichen Grüßen
H…. Z….
tagesschau.de

Sehr schön. Halten wir die sich daraus ergebenden Richtlinien fest:

  1. Der Berichterstatter in Ramallah kann sich nicht der Quellen in Berlin bedienen (Internet gibt’s ja nicht) – aber die vor Ort (Jerusalem) sind auch tabu! (Oder hat etwa die Berichterstattung in Israel das Thema völlig ausgelassen????)
  2. Ein völlig einseitiger Bericht ohne Darstellung der Gegenseite ist völlig in Ordnung; dieser Seite wird gelegentlich ja auch ein Bericht gewidmet. Dass die Verleumdung durch den einseitigen Bericht nicht durch andere Berichte zu anderen Themen ausgeglichen werden kann, spielt dabei keine Rolle.
  3. Wenn alle anderen Israel aus der Liste der Geberländer raus lassen, hat die „tagesschau“ keinerlei Verpflichtung, diesen Fehler nicht zu machen, ganz im Gegenteil! Eine Recherche zu solchen Angaben ist grundsätzlich überflüssig bis verboten.

So kann man sich jeglicher Verantwortung entziehen und auch noch beleidigt sein, dass man Meinungsmache vorgeworfen bekommt. Gute Nacht, deutsche Medienlandschaft!