Aus Bethlehem: Mitri Rahebs Lügenimperium

Dexter Van Zile, The Jerusalem Journal, 10. Oktober 2017

Warum argumentiert der Bethlehemer Pastor Mitri Raheb, dass die heutigen Juden „ein erfundenes Volk“ seien, um dann auf den Tempelberg zu marschieren, was implizit die Ermordung von zwei Israelis dort feiert?

Dreizehn Tage, nachdem palästinensische Terroristen zwei israelische Polizisten auf Jerusalems Tempelberg ermordeten, besuchte der lutherische Pfarrer Mitri Raheb den Tatort um zu feiern. Er feierte nicht den Anschlag an sich, sondern die Massenproteste, die die israelische Regierung überzeugte Metalldetektoren zu beseitigen, die sie nach dem Morden am Tempelberg installierte.

Raheb postete eine Videomontage seines Besuchs der All-Aqsa vom 27. Juli 2017, zwei Tage nach dem Anschlag. Die auf YouTube gepostete und auf twitter und Facebook gesendete Montage zeigt Raheb, wie er Arm in Arm mit anderen palästinensischen Pastoren steht und Muslimführern vor der Al-Aqsa-Moschee Respekt zollt. In einem zu dieser Montage führenden Tweet erklärte Raheb, dass sein Besuch an der Al-Aqsa – wo viele Imame regelmäßig Hass gegen Juden von sich geben – eine „unvergessliche Nacht … Demonstration des Glaubens an den Raum des Reichs und christlich-muslimischer Einheit als Mittel des kreativen Widerstand“ sei. In Reaktion erklärten Rahebs Fans den lutherischen Pastor aus Bethlehem zu einem palästinensischen „Nationalschatz“.

Die meisten christlichen Friedenschaffenden würden es als schlecht ansehen jubelnde Zurschaustellung von Solidarität mit einer politischen Regierung zu betreiben, die gegen Juden gerichtete Gewalt und hass als einigende Agenda nutzt, aber Raheb hat Zurschaustellungen wie diese schon Jahre lang gezeigt. Aus Rahebs Perspektive als antiisraelischer Agitator und Anerkennung suchender Dhimmi war sein Besuch der Al-Aqsa ein überwältigende Erfolg. Er bot ihm eine Gelegenheit jihadistische Gewalt mit Schleiern „kreativem Widerstand“ und interreligiöser „Einheit“ von Christen und Muslimen zu verschleiern – vergiss, dass die von ihm gerühmte Einheit in Verachtung für Juden und ihren Staat wurzelt.

Rahebs Rhetorik reichte fast aus die Menschen vergessen zu machen, dass das Drama um die Metalldetektoren auf dem Tempelberg mit palästinensischen Terroristen begann, die aus kurzer Distanz auf zwei arglose israelische Polizisten schossen – einen davon der Vater eines neu geborenen Babys – und sie töteten. Wenn Hail Stawi und Kaamil Snaan nicht von zwei Mördern überfallen worden wären, die ihnen auf dem Tempelberg auflauerten, wären überhaupt keine Metalldetektoren installiert worden, es hätte keine Proteste gegeben und Raheb hätte keinen „kreativen Widerstand“, den er feiern könnte.

Das ganz Drama um die Metalldetektoren und die Morde, die zum Akt ihrer Installation führten, wurzelte nicht in einem Wunsch nach Freiheit oder Selbstbestimmung für die Palästinenser, sondern in der einenden Agenda antijüdischen Hasses, die das Spektakel von Rahebs Besuch – und dass er in den sozialen Medien eine Kampagne fuhr, die die Aufmerksamkeit darauf lenkte – morbide und gruselig machte. Als Pastor hätte er den Hass betrauern sollen, der das Drama antrieb, an dem er sich beteiligte, aber hier schürte er die Flammen – auf demselben Steinpflaster, wo der Anschlag sich entfaltete.

Statt den Versuch zu unternehmen die antiisraelische Feindseligkeit zu dämpfen und infrage zu stellen, die unverantwortliche palästinensische Eliten benutzt haben, um Jahrzehnte lang an der Macht zu bleiben, stellt sich Raheb damit in eine Reihe, um bei den korrupten, autoritären Kleptokraten gut angeschrieben zu bleiben, die die Westbank kontrollieren.

Das ist eine gute Arbeit, wenn man sie bekommt. Wegen seiner Verbindungen und der Nützlichkeit für die palästinensische Autonomiebehörde ist Raheb in der Lage gewesen in der Westbank so etwas wie ein Imperium aufzubauen. Zusätzlich dazu viele Jahre als Pastor der Lutherischen Weihnachtskirche in Jerusalem zu dienen (ein Posten, den heute Munther Isaac inne hat), ist Raheb der Gründer und Präsident des Diyar-Konsortiums, eines eingetragenen Vereins, der Menschen in der Westbank soziale Dienste bietet. Er ist außerdem Gründer und Präsident des Dar al-Kalima-Universitätskollegs für Kunst und Kultur in Bethlehem, das oft als drittgrößter Arbeitgeber in Bethlehem beschrieben wird.

Ein Imperium wie dieses – zu dem ein medizinisches Zentrum, ein Kulturzentrum und ein Verlagshaus gehören – kann in der Westbank nicht ohne die Unterstützung der PA aufgebaut werden, die nicht Kosten kommt.

Infolge seiner unternehmerischen Gepflogenheiten war Raheb in der Lage das Kolleg auf Land zu gründen, das lutherischen Missionaren aus Deutschland gehörte und das die Briten im Ersten Weltkrieg beschlagnahmten. Das Land fiel letztlich in den Zuständigkeitsbereich der PA unter der Führung von Yassir Arafat. Raheb trat mit Plänen an Arafat heran, die von einem berühmten Architekten vorbereitet waren und erbat das Land zurück, damit er sein Kolleg beginnen konnte.

„Mit etwas Überredungskunst waren wir es uns möglich mindestens sechs Morgen dieses Landes zurückzubekommen“, erzählte Raheb 2016 einem amerikanischen Publikum. „Arafat sagte: ‚Okay, du musst beweisen, dass das erste Gebäude gebaut und in Betrieb! Ist, weil viele Leute dieses Stück Land haben wollen.‘ Es ist wirklich Land erster Klasse.“ Heute hat das Kolleg fünf Gebäude.

Um das Kolleg und andere Institutionen in Bethlehem zu unterstützen hat Raheb einen Stiftung in den USA gegründet, die Bright Stars of Bethlehem. Von 2009 bis 2015 sammelte die Stiftung insgesamt $5,5 Millionen, die Rahebs Imperium an gemeinnützigen Vereinen halfen der drittgrößte private Arbeitgeber in Bethlehem zu werden.

Wie alle Imperien propagiert das von Raheb eine Geschichte, die seine Existenz sich selbst und seinen Kernbestandteilen gegenüber legitimiert, die in diesem Fall aus Befürwortern der Vernichtung Israels in der palästinensischen Gesellschaft und antizionistischen Aktivisten in Nordamerika und Europa bestehen.

Raheb braucht die Unterstützung beider Gruppen, um sein Imperium in der Westbank zu erhalten. Die erste Gruppe – Israelhasser in der palästinensischen Gesellschaft – erlaubt ihm als Christ in der Westbank zu wirken; die zweite Gruppe – Israelhasser im Westen – bietet ihm die Gelder, die er braucht, um sein Imperium finanziell aufrechtzuerhalten. Beide Gruppen nutzen antiisraelische Feindseligkeit als Instrument, um in ihrer jeweiligen Gesellschaft Status zu erreichen und beizubehalten. Raheb gibt ihnen einfach die Geschichte, die sie brauchen, um ihre Feindseligkeit zu rechtfertigen.

Ein wichtiger Aspekt seiner Geschichte, die bei seinem Besuch auf dem Tempelberg zur Schau gestellt wurde, besteht darin, dass israelische Gewalt gegen die Palästinenser hervorgehoben und verurteilt wird, während palästinensische Gewalt ignoriert oder hinter einem Schleier sprachlicher Beschönigungen und Vernebelung versteckt wird. Dieses Narrativ ist schon eine ganze Weile das Alltagsgeschäft palästinensisch-christlicher Propaganda gewesen-.Naim Ateek, der Gründer von Sabeel, war ein früherer (wenn auch nicht der erste) Lieferant dieser Geschichte, die Raheb seit Jahren vorträgt.

Dieses Narrativ wird in Rahebs Buch aus dem Jahr 2004 klar offenbar; es heißt Bethlehem Besieged: Stories of Hope in Times of Trouble [Bethlehem hinter Mauern: Geschichten der Hoffnung aus einer belagerten Stadt]. In diesem Text erzählt der Pastor von Bethlehem die Geschichte der israelischen Invasion der Westbank im Jahr 2002, die am 2. April des Jahres begann. Er redet von den Panzern, Schützenpanzern und Hubschraubern, die Israel in die Westbank schickte und er beschreibt die Zerstörung, die an der Kirche angerichtet wurde, in der er Pfarrer war.

Schön und gut. All das ist ein legitimer Teil der Geschichte. Die Gemeinschaft, der zu dienen Raheb aufgerufen ist, litt als Ergebnis der Invasion. Raheb ist ihr Pastor und will ihre Geschichte erzählen.

Aber in seinem Buch verfehlt es Raheb irgendwo den Selbstmord-Bombenanschlag im Park Hotel in Netanya zu erwähnen, bei dem während einer Pessahfeier dreißig Israelis getötet und 140 weitere verletzt wurden. Er versäumt es auch seinen Lesern zu erzählen, dass achtzig Israels (zumeist Zivilisten) bei palästinensischen Selbstmordanschlägen getötet und ind en Wochen vor Israels Eindringen in die Westbank mehr als fünfunddreißig Zivilisten durch Schusswaffengebrauch getötet wurden. Israels Invasion 2002 war eindeutig eine Folge dieser Anschläge, aber Raheb erwähnt sie nicht einmal.

Solch einseitige Aussagen, die Teil eines kalkulierten Versuchs sind Israel als böse und die Palästinenser als völlig unschuldig darzustellen, waren ein wichtiger Faktor der erfolgreichen Kampagne die beratenden Gremien der Presbyterianischen Kirche der USA und der United Church of Christ zu überzeugen Entscheidungen zu treffen BDS-Beschlüsse gegen Israel zu fassen. Rahebs Aussage ist auch in Europa gefragt, wo er für seine Arbeit eine Reihe von Preise erhielt; diese Arbeit wird von den Leuten, die ihm diese Auszeichnungen verliehen,  als „friedenstiftend“ beschrieben.

Rahebs Glaubwürdigkeit in der Welt des progressiven Christentums im Westen ist etwas, das im Licht der radikalen Rhetorik betrachtet werden sollte, die er nutzt, um das jüdische Volk und seine Verbindung zu Israel zu delegitimieren.

Auf der Christus am Checkpoint-Konferenz von 2010 erklärte Raheb, dass der moderne Staat Israel „das Rom der Bibel repräsentiert, nicht das Volk des Landes“ und wenn ein DNA-Test an ihm selbst, König David und Benjamin Netanyahu  vorgenommen würde, es Gemeinsamkeiten bei ihm und König David geben würde, aber keine bei Netanyahu, denn der „stammt aus einem osteuropäischen Stamm, der im Mittelalter zum Judentum übertrat“.

Mit anderen Worten: Die Juden aus Europa, die den modernen Staat Israel gründeten, sind keine echten Juden, weil sie eine Gruppe sind (üblicherweise als „Khasaren“ bezeichnet), die vor Jahrhunderten zum Judentum konvertierte und daher keine Verbindung zum Land Israel hat. Das ist übler Stoff direkt aus dem Handbuch für antisemitische Propaganda, die von Typ wie David Duke[1] und anderen verbreitet werden. Und doch betrachten progressive Christen im Westen Raheb als „Friedensstifter“.

Mumpitz.

Rahebs Antijudaismus – und das ist er – wird auch in seinem Buch Faith in the Face of Empire: The Bible Through Palestinian Eyes (Glaube unter imperialer Macht: Eine palästinensische Theologie der Hoffnung) aus dem Jahr 2015 deutlich zum Ausdruck gebracht. In diesem Buch tut Raheb alles in seiner Macht stehende, um die Juden aus der christlichen und jüdischen Geschichte wegzuschreiben und durch die Palästinenser zu ersetzen. „Jesus war ein nahöstlicher palästinensischer Jude“, schreibt er zu Beginn seines Buches.

Also wirklich: Nein.

Jesus war ein jüdischer Jude, geboren nicht in „Palästina“ (ein Wort, das von den Römern genutzt wurde deutlich nach seiner Kreuzigung um eine Region zu beschreiben. Das ist kein unschuldiger Anachronismus seitens Rahebs, sondern Teil einer anhaltenden Strategie den Juden ihre Geschichte in der Region wegzunehmen und die Palästinenser an ihre Stelle zu setzen.

Raheb wird an einer entscheidenden Passage des Textes offenkundig. Nachdem er Shlomo Sands Buch The Invention of the Jewish People [Die Erfindung des jüdischen Volkes] beschwor, um zu argumentieren, dass die Juden ein erfundenes Volk sind, behauptet Raheb, dass die Palästinenser die ursprünglichen Einwohner des Landes sind; er behauptet, dass

„die Einheimisches im Land zu Fremden gemacht worden sind, um Raum für ein erfundenes Volk zu machen, das das Land besetzt.“

Mit solchen Argumenten schenkt Rabeb den palästinensischen Bemühungen Glauben, die die jüdischen Verbindungen zum Land Israel und zum Tempelberg bestreiten.

Warum führt Raheb solche Argumente an? Weil er das muss. Es ist Teil seines Jobs.

Er muss ein Imperium leiten.

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[1] ehemaliger Chef des Ku Klux Klan

Palästina und die Evangelien, aber keine Wahrheit

Yisrael Medad, My Right Word, 8. Januar 2016

Es gibt ein Buch mit dem Titel “Faith in the Face of Empire: The Bible Through Palestinian Eyes” (Der Glaube angesichts des Reichs: Die Bible durch palästinensische Augen). Hier findet sich eine Beschreibung:

In dieser kurzen Arbeit, die auf den Laien als Leser zielt, deckt Raheb, Schriftsteller, Prediger und Präsident des Dar al-Kalima University College in Bethlehem einen beeindruckende Bandbreite antiker und moderner palästinensischer Geschichte, um den geopolitischen Kontext für die Schriften der Bibel herzustellen. Raheb … stellt Fehlvorstellungen von Außenstehenden zur Kultur und ihren Texten heraus, während er wortgewand für größere Aufmerksamkeit für diese Kultur eintritt, wenn man die Bibel interpretiert, insbesondere das lange Vermächtnis des Reichs in Palästina und die Reaktion des Volks auf wiederholte Besetzung. Das ist eine selten gehörte Sichtweise auf die Bibel.

Das Buch ist in neun Kapitel gegliedert,

dazu ein Epilog. Raheb erklärt, dass das Ziel des Buchs darin besteht „die Grundlagen für eine echte palästinensisch-christliche Schilderung zu legen, die politisch aktuell ist, ebenso der Mission Jesu, in der der palästinensischen Kontext heute als hermeneutischer Schlüssel für das Verständnis des ursprünglichen Kontextes und den Inhalt der Bibel dient. Die palästinensischen Christen selbst sind schließlich ein wichtiges Kontinuum von biblischer Zeit bis heute, deren Narrativ ein einzigartiges Licht auf die biblische Geschichte wirft (S. 6-7) … Raheb greift den Mythos einer „jüdisch-christlichen Tradition“ an, ebenso die „kreative Art evangelikaler Hardliner-Christen“ (S. 24), die zusammen mit den arabischen und westlichen Mächten die dominante Kultur geformt haben, die für die Notlage der Palästinenser verantwortlich ist (S. 26-27). Postkoloniale Theorie und Edward Saids Orientalismus bieten die Plattform dafür, dass die palästinensische Befreiungstheologie den jüdischen Nationalismus ablehnt (S. 27-29). Die Ablehnung der Vorstellung, dass „der moderne Staat Israel in einer Kontinuität des biblischen Israel steht“ ist die Grundlage für die Widerstandsbewegung der palästinensischen Christen (S. 35).

Hier ist allerdings eine andere Beschreibung:

Die Wahrheit lautet, dass Raheb in dem Buch nicht nur ziemliche Ignoranz zur Bibel zeigt und seine Gestaltung Äußerungen tätigt, die das Buch für eine Diskussion in jeglichem akademischen Kontext disqualifizieren würde; außerdem hat er auch wiederholt Ansichten über das jüdische Volk zum Ausdruck gebracht, die reichlich rassistisch sind.

Und hinzugefügt wird:

Raheb wirbt für eine „palästinensische Theologie“, die behauptet Juden seien nicht das auserwählte Volk und hätten daher kein Recht auf das Heilige Land. In einer Ansprache sagte er im März 2010: „Tatsächlich sind die palästinensischen Christen die einzigen in der Welt, die, wenn sie von ihren Vorvätern sprechen, ihre tatsächlichen Ahnen meinen und zudem die Vorväter im Glauben … Das ist also die Realität der Völker im Land. Wiederum sind sie nicht Israel…“

Kein Wunder, dass es ein kurzes Buch ist.

„Palästina kommt in den Büchern des Neuen Testaments nicht vor.

Judäa sehr wohl. Samaria sehr wohl. Das Land Israel sehr wohl.

Aber der Autor, werden wir informiert, hat einen Preis gewonnen:

Der Olof Palme Gedächtnisfond in Stockholm (Schweden) hat verkündet, dass der Olof Palme-Preis 2015 zu gleichen Teilen dem palästinensischen Pastor Mitri Raheb von der Evangelical Lutheran Christmas Church in Bethlehem (Palästina) und dem israelischen Journalisten Gideon Levy, Autor und Kolumnist bei Ha’aretz, verliehen wurde.

Wer ist schlimmer, Raheb oder Levy?

Nachtrag: Zur Verfolgung und Ermordung von Christen im November letzten Jahres.

Ehemaliger deutscher Bundespräsident soll anti-israelischen Theologen loben

Malcolml Lowe, Stonegate Institute, 24. Januar 2012

Seit 1992 vergibt der deutsche Konzern Media Control jährlich den Deutschen Medienpreis. Laut Website des Unternehmens geht der Preis an „eine Person, die im vergangenen Jahr herausragende Bedeutung in den Medien hatte“. Erstaunlicherweise entsprach die Liste der jährlichen Preisträger meist jener anspruchsvollen Beschreibung. Will sagen, bis auf das jetzige Jahr.

In einer Pressemeldungvom 13. Januar 2012 wurden für das Jahr 2011 vier Preisträger ernannt. Drei von ihnen scheinen ziemlich verdienstvoll zu sein, der vierte dagegen ist ein palästinensischer Pastor, der sein ganzes theologisches Tun der Delegitimierung des Staates Israel gewidmet hat. Nein, er widersetzt sich nicht allein „der Besatzung“. Er meint, Israel sei ein europäischer Fremdkörper, dem es seiner eigenen DNA-Verbindung zum Volk der Bibel fehlt. Dazu noch hat Media Control einen ehemaligen deutschen Bundespräsidenten eingeladen, der die Laudatio auf ihn halten soll.

Das Problem entstand wohl teilweise deshalb, weil Media Contol in diesem zwanzigsten Jahr des Preises auf die bisher erfolgreiche Formel verzichtet hat. Wie jene Pressemeldung sagt: „Zum Jubiläum des Medienpreises wird diese Tradition durchbrochen, um Persönlichkeiten zu ehren, die leise Friedensstifter sind und deren Wirken ohne große mediale Beachtung stattfindet.“ D.h. Leute, über die wir wenig wissen und die vielleicht in letzter Zeit nichts Bemerkenswertes geleistet haben.

Der Lutheraner Mitri Raheb aus Bethlehem ist aber in Deutschland alles andere als unbekannt. Hier hat er Bücher veröffentlicht und zahllose Reden in Kirchen und kirchenverwandten Einrichtungen gehalten. Am kommenden 19. Februar soll er im Berliner Dom – der bekanntesten evangelischen Kirche Berlins – predigen und am Nachmittag in einer anderen wichtigen Kirche – dem Französischen Dom – einen Festvortrag halten. Gut gelegen für die Preisverleihung am 24. Februar.

Um eine Probe seiner Theologie anzubieten, geben wir hier einen Auszug aus seiner Redeim März 2010 in Bethlehem. Seit fast zwei Jahren kann jeder Computerbesitzer, darunter auch die Leute von Media Control, jene Rede lesen und sogar anhören.

Raheb sagte: „Israel verkörpert das Rom der Bibel, nicht das Volk des Landes. Ich bin sicher, wenn wir einen DNA-Abgleich von David, der aus Bethlehem war, und Jesus, der in Bethlehem geboren wurde, sowie Mitri machen, der gegenüber von dort geboren wurde, wo Jesus geboren wurde, dann bin ich sicher, dass die DNA zeigen wird, dass es eine Spur gibt. Aber wenn man König David, Jesus und Netanyahu abgleicht, wird man nichts finden, denn Netanyahu kommt aus einem osteuropäischen Stamm, der im Mittelalter zum Judentum übertrat.“

Er fuhr dann in ähnlicher Weise fort. Über Rahebs Rede habe ich in einem anderen Artikel geschrieben, der auch auf Deutsch zugänglich ist. Dieser Artikel wurde zudem im vorigen Dezember vom Freundeskreis Kirche und Israel in Baden e.V. in ihrer Information 84 veröffentlicht. Media Control und die preisverleihende Jury des Unternehmens hätte diese Leitansichten Rahebs kennen sollen. Doch wird er in der Pressemeldung als „leiser Friedensstifter“ zitiert, der „sich trotz vieler Rückschläge und Bedrohungen für die Verständigung von Christen, Moslems und Juden einsetzt“. „Dr. Rahebs Wirken ist die Alternative zu Gewalt und Radikalisierung“, heißt es.

Schreiben wir jene Stellen in Worte um, die die Wirklichkeit nicht verhüllen: Raheb ist ein lautstarker Verneiner gerade der Legitimität des Staates Israel, den er nicht mit physischer Gewalt, sondern mit einer radikalen Theologie zu untergraben versucht, die bei Christen, Muslimen und einer kleinen Handvoll Juden, die Israel von der Weltkarte verschwinden lassen möchten, Enthusiasmus erweckt.

Wo die Nazis von „Rasse“ und „Blut“ sprachen, ist Raheb modern genug, um „DNA“ zu benutzen. Was ist aber da der Unterschied? Es ist nicht nur so, dass für die Nazis die Juden wegen deren nicht-arischen Blutes nicht zu Deutschland gehörten, sonder für Raheb gehören sogar nirgends in seine Nähe, weil er deren DNA für europäisch hält. Der Unterschied besteht auch darin, dass Prof. Herzog das erneuerte Deutschland vertritt, das aus den Ruinen von Nazideutschland entstand; doch am 24. Februar soll er vorbeikommen, um einen solchen Mann zu loben. Ein ehemaliger deutscher Bundespräsident wird den Pastor loben, der einen gewählten Ministerpräsident wegen falscher DNA für nicht legitim erklärt.

Prof. Herzog wurde durch die Entscheidung der Jury von Media Control in eine heikle Lage gebracht. Da er zweifellos zu vielen Gelegenheiten eingeladen wird, um eine solche Laudatio zu halten, kann man nicht von ihm erwarten, dass er persönlich über all diejenigen Recherchen angestellt hat, über die er reden soll. Aber nicht für ihn allein ist die Sache heikel. Er ist auch Schirmherr des Roman-Herzog-Instituts in München, das von Freunden gegründet wurde, die seine Ideale teilen. Das Lob für den DNA-Theologen Raheb wird dem Institut (übrigens auch Media Control) keine Ehre bringen.

Deutschsprachige Christen haben schon angefangen, Prof. Herzog in Briefen zu warnen, in was er da hineingeraten ist. Wir erwarten die Reaktion der internationalen jüdischen Organisationen.

(Ergänzung 05.02.2012: Bisher haben schon B’nai B’rith International und das Simon Wiesenthal Center an Prof. Herzog mit der Bitte geschrieben, er möchte auf die Laudatio verzichten. Die beiden vertreten hunderttausende von Mitgliedern weltweit. Auch andere jüdische Organisationen stellen in der Sache Überlegungen an.)