Die Muslim-Bruderschaft: Globale Herausforderung des Islam für den Westen

Mosche Dann, The American Thinker, 17. Oktober 2010

Die Muslim-Bruderschaft (MB) ist eine der gefährlichsten islamischen Gruppen der heutigen Welt, nicht nur, weil sie Terrorismus unterstützt – z.B. politische und finanzielle Hilfe für ihren palästinensischen Ableger Hamas leistet – sonder weil sie Teil eines globalen islamistischen Netzwerks ist und eine Ideologe propagiert, die zu Extremismus und Terrorismus ermutigt.

Mit Ablegern in siebzig Ländern und Verbindungen zu wichtigen islamischen Organisationen hat die MB ein umfangreiches und gut finanziertes Netzwerk an Bildungs-, sozialen und kulturellen Institutionen, die für einen strategischen MB-Plan für islamische Dominanz werben – nicht durch Gewalt, sondern durch Integration, indem man Teil des nationalen sozialen und politischen Lebens wird; und durch die Anwendung des Scharia-Gesetzes. Diese Verbindungen geben ihr Zugang zu politischer Macht und erklären, warum sie und die von ihr unterstützten Organisationen von Regierungen und NGOs den Hof gemacht bekommen. Jean-Pierre Filiu vom Hudson Institute dazu:

Die Muslim-Bruderschaft … hat sich sowohl aus ideologischen wie aus taktischen Gründen in den vergangenen Jahrzehnten dazu tendiert ein begrenzteres Konzept des Jihad zu eigen gemacht, das mit Missionsarbeit und organisiertem politischem Kampf kombiniert wurde.

Hillel Fradkin, Direktor des Center on Islam, Democracy and the Future of the Muslime World am Hudson Institute, stellt fest, dass die 1928 in Ägypten gegründete MB die Quelle moderner radikalislamischer Bewegungen und ein wichtiger Teil muslimischer Gemeinden rund um die Welt ist. Die Übernahme des Gazastreifens durch die Hamas veränderte das Bild. Zum ersten Mal hatte die MB ein eigenes Territorium, einen virtuellen Staat und eine Armee. Filiu:

Der Bruderschafts-Ableger Hamas, der seit 2006 offiziell über den Gazastreifen herrscht, ist die erste palästinensische Miliz, die ihre Aktivitäten konsequent auf das Gebiet Palästinas vor 1948 beschränkt – also auf Israel, die Westbank und den Gazastreifen… Während des Prozesses zur Konsolidierung ihrer Macht unterdrückte sie in der Folge die von Al-Qaida inspirierten Gruppen des Gazastreifens. Heute ist der fortgesetzte Konflikt der Al-Qaida mit der Hamas eine der Hauptlasten für die Al-Qaida-Propaganda und ihre Anstrengungen geworden, sich als Führer der weltweiten Jihad-Bewegung zu etablieren.

Nach dem, was in einem 1991 geschriebenen MB-Dokument steht, besteht ihre Rolle in Gastgeberländern in einem Siedlungsprozess, der „Zivilisations-Jihad“ genannt wird und der „die westliche Zivilisation von innen heraus eliminieren und zerstören“ wird; dann wird ein „globaler islamischer Staat“ gegründet. Um das zu erreichen – durch Moscheen und islamische Zentren engagiert sich die MB in „Koalitionen“, „Abschöpfung“ und bürgerliche „Kooperation“, wodurch parallele soziale, politische und kulturelle Organisationen aufgebaut werden. Ihre Leitprinzipien sind die des Hassan al-Banna, der die ägyptische MB-Bewegung gründete und eng mit den Nazis verbündet war.

Die Nordamerika-Verbindung

Die umfangreichste, in den USA verfasst Studie über die Muslim-Bruderschaft ist Steven Merleys vom Hudson Institute (im April 2009) veröffentlichte Monographie. Er schließt:

Zur reichhaltigen Geschichte der Unterstützung islamischen Fundamentalismus, Antisemitismus und des Terrorismus durch die MB … gehört ideologische, finanzielle und juristische Unterstützung, insbesondere für die Hamas und andere palästinensische Terrororganisationen.

Mit der MB verbundene Organisationen wie das Council on American Islamic Relations (CAIR) – das aus der Islamic Association of Palestine (IAP) entstand, einer Fassade für Spendensammlung für die Terrororganisationen Islamischer Jihad und Hamas – sind keine Nebenerscheinungen des Ausdrucks von Volks- oder kommunalem Willen wie christliche und jüdische Organisationen, sondern selbst ernannte Repräsentanten, die einen explosiven Mix aus Religion und Politik vermengen. Die meisten MB-Organisationen werden von den Saudis und Golfstaaten finanziert und repräsentieren nicht amerikanische, vorwiegend arabische Muslime.

Mit mehr als dreißig Zweigen in Nordamerika stellt sich CAIR als größte „muslimische Bürgerrechts-Organisation“ dar, die anstrebt „das Verständnis für den Islam zu verbessern, zu Dialog zu ermutigen, Bürgerrechte zu schützen, amerikanische Muslime befähigen und Koalitionen aufzubauen, die für Gerechtigkeit und gegenseitiges Verständnis werben“. Vor ein paar Jahren stand CAIR auf einer Liste nicht angeklagter Mitverschwörer, denen von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen wurde an einem Komplott beteiligt gewesen zu sein, mit dem die Hamas über die Holy Land Foundation mit Geld versorgt wurde.

Daniel Pipes und Sharon Chadha schreiben:

Das vielleicht offensichtlichste Problem mit CAIR besteht darin, dass minestens fünf ihrer Mitarbeiter und Vorstandsmitglieder verhaftet, verurteilt, deportiert wurden oder auf andere Weise in Verbindung mit Terrorismus-Vorwürfen und –Aktivitäten standen … CAIR nimmt in der Wahhabi-Lobby eine Schlüsselrolle ein – dem Netzwerk an Organisationen, das gewöhnlich von Spenden aus Saudi-Arabien unterstützt ist und dessen Ziel darin besteht die in Saudi-Arabien praktizierte, besonders extreme Version des Islam zu verbreiten… CAIR hat sich beständig als im Krieg gegen den Terrorismus auf der falschen Seite stehend erwiesen und radikal-islamische Terroristen geschützt, verteidigt und unterstützt, denen etwas vorgeworfen wurde oder die sogar verurteilt waren.

Die Muslim Student Association (MSA), die mit 250 Ortsgruppen an fast jeder Universität größte muslimische Campus-Organisatin, wurde ebenfalls von der Muslim-Bruderschaft initiiert. Obwohl die derzeitige Beteiligung der MB nicht klar ist, sieht die Agenda ähnlich aus. Sie beschäftigte sich mit Protesten gegen Israel und der Störung proisraelischer Redner und Foren, mit Unterstützung von linken Studenten-Organisationen und natürlich von Administratoren toleriert, erklärt das den plötzlichen Anstieg der Feindseligkeit gegen Israel; dazu kommen die Gegnerschaft zu Amerikas Engagement im Irak, Afghanistan und Pakistan und der „amerikanische Imperialismus“. Sie beschränkten sich jedoch nicht auf Campus-Aktivitäten und so verschmolzen MSA und MB 1981 in die Islamic Society of North America, um ihre „außerschulischen“ Aktivitäten fortzusetzen.

Der saudische Prinz Alweed bin Talal ist ein wichtiger Geldgeber der Fassandenorganisationen der Muslim-Bruderschaft in den USA; er hilft über seine Königreich-Stiftung, die die American Society for Muslim Advancement unterstützt, ebenso das Cordoba-Projekt, die Leute hinter der „Ground Zero-Moschee“.

Anfang der 1990-er Jahre, nach den Oslo-Vereinbarungen zwischen Israel und der palästinensischen Autonomiebehörde, formte die MB mehrere Organisationen, die gegen jegliche Friedensvereinbarung sind. Die Muslim American Society beschreibt sich selbst als eine Bürgergruppe, die sich in „religiösen, wohltätigen, sozialen, kulturellen und Bildungsdingen“ engagiert, daran arbeitet „Familie und Gesellschaft“ zu verbessern und „Menschen dazu zu bewegen nach Gottes Bewusstsein, Freiheit und Gerechtigkeit zu streben und den Islam mit äußerster Klarheit zu vermitteln“. Ihre Vision ist eine „virtuose und gerechte amerikanische Gesellschaft“.

Ihre fundamentalistische Ideologie und politischen Aktivitäten passen allerdings nicht zu ihren hochtrabenden Worten und Idealen. Es gibt Berichte, die zeigen, dass das Ziel der Muslim American Society die radikale Umwandlung Amerikas in eine muslimische Gesellschaft unter striktem Scharia-Gesetz ist.

Die Islamic American University, ein MAS-Projekt, ist ein Ausbildungszentrum für die MB-Philosophie, steht in Verbindung mit Scheik Yussuf al-Qaradawi, der für Jihad wirbt, verkündet, dass muslimische Kräfte, die amerikanische Soldaten bekämpfen, „Märtyrer“ sind und arabisch-palästinensische Terrororganisationen wie die Hamas unterstützen.

Die MAS veröffentlicht ein Magazin, „The American Muslim“; darin werden Selbstmord-Bombenanschläge als „Märtyrer-Operationen“ unterstützt, die vom Koran genehmigt sind; es porträtiert asiatische muslimische Terroristen als „Freiheitskämpfer“.

Da all diese Informationen verfügbar sind, sollte man glauben, dass US-Regierungsbeamte sich Sorgen über die Aktivitäten dieser von der MB unterstützten Organisationen machen. Stattdessen werden sie vom Weißen Haus gefeiert und von Außenministerium und CIA unterstützt, wie www.globalmbreport.com feststellt, wo man der MB systematisch nachgeht.

„Ihre Anziehungskraft für Regierungen und nicht muslimische Behörden im Ausland“, sagt Terrorbekämpfungs-Forscher Steve Emerson, „besteht darin, dass diese MB-Gruppen ein Monopol auf die Führung und Repräsentation der meisten Muslime haben, dies durch die Tatsache, dass die MB in der muslimischen Welt das Zentrum der politischen und religiösen Schwerkraft hat und keinen Dissens duldet.“ Und sie kann, wenn nötig, all ihre Anhänger zum Handeln aufrufen, um mit „sanfter Gewalt“ statt mit „harter Gewalt“ Einfluss zu nehmen.

Machtübernahme in der Welt

Die MB ist ein wichtiger Teil der riesigen islamischen Bewegung, die religiöse Identität benutzt, um ihre politische Agenda zu tarnen. Alleine in den USA repräsentiert sie hunderte sozialer, politischer und kultureller Organisationen, Banken und Finanzinstitutionen; damit ist die MB in der Lage jeden Aspekt nationaler und internationaler Angelegenheiten zu infiltrieren und Einfluss auszuüben.

Die Islam-Expertin Bat Ye’or gibt an, dass die MB (durch ihre Muslim World League) eine enge Beziehung zur Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) hat, einer religiösen und politischen Organisation, die 56 Länder repräsentiert (dazu „Palästina“, das sie als Staat unter der PA betrachten) und eine ständige Delegation bei der UNO hat. Wie die MB unterstützt die OIC islamistische Herrschaft, was – anders ausgedrückt – die Etablierung des islamischen Scharia-Rechts und die Herrschaft eines Kalifats ist. Wegen ihrer politischen und diplomatischen Rolle nutzen sie allerdings eine subtilere, schrittweise Herangehensweise.

In Jordanien repräsentiert die wichtigste Oppositionspartei, die Islamische Aktionsfront, den „politischen Arm“ der MB. Sie sind Islamisten und fordern einen Boykott der Wahlen, in der Hoffnung die derzeitige Regierung zu stürzen und die Kontrolle über das Parlament zu übernehmen. Ihr ist zwar in Ägypten und Syrien politische Tätigkeit verboten und sie wird beschuldigt hinter Terroranschlägen zu stecken, doch die MB betreibt Netzwerke sozialer und wohltätiger Organisationen, womit sie sich eine gefestigte Basis im Volk verschafft.

Die MB ist auch in Ägypten eine wichtige Oppositionsgruppe und wird eine entscheidende Rolle spielen, wenn der ägyptische Präsident Mubarak stirbt. Mohammed Badie, der Leiter der ägyptischen Bruderschaft, erklärte vor kurzem, dass „Jihad zu führen eine Verpflichtung ist“.

Auch in Kanada expandiert die MB; dort war sie kürzlich Gastgeber „der größten islamischen Konferenz in der Geschichte Montreals“.

Ein vor kurzem erstellter Bericht von Pew zur Muslim-Bruderschaft in Westeuropa dokumentiert ihr umfangreiches Netzwerk. Es wird aber wenig bis nichts getan, um diese Organisationen und ihren Einfluss in den wachsenden muslimischen Gemeinden zu beobachten und einzuschränken. Die Präsenz so vieler MB-Organisationen erklärt die weit verbreiteten Demonstrationen gegen Israel und die gewalttätigen Reaktionen auf das, was als „Beleidigung des Islam“ wahrgenommen wird.

Lorenzo Vidino bietet eine ausgezeichnete Studie über die MB in Europa.

Die Bruderschaft hat lange als finanzieller Schlüssel-Knotenpunkt für unterschiedliche islamistische Gruppen gedient; Geheimdienstler sagen, die Bruderschaft habe ihr finanzielles Netzwerk an Beteiligungsgesellschaften und Bankkonten in fast allen europäischen Ländern ausgeweitet.

Wie kam es dazu?

Das Wachstum und die Verbreitung des globalen MB-Netzwerks scheint das Ergebnis einer sorgfältig geplanten organisatorischen Strategie zu sein.

(1) Finanziert durch Saudi-Arabien, die Golfstaaten und reiche arabisch-muslimische Familien, wirbt die MB über Bildungs-, soziale und religiöse Organisationen, in Schulen, Studenten-Organisationen und Studienzentren und mit muslimischen Berufs- und „Bürgerrechts“-Organisationen für eine strikte Interpretation der Scharia und der islamischen Herrschaft. Ihre extremistische Art des Islam im Westen, die sich auf Wahhabismus und Jihadismus gründet, wird jedoch selten offen gelegt.

(2) Über die Aufmerksamkeit für die Palästinenserfrage schloss sie sich mit „liberalen“, „progressiven“ und antijüdischen Elementen, besonders in den Medien, auf der ganzen Welt zusammen und nutzt jetzt deren Einfluss in der UNO und internationalen Gremien und Organisationen, um Israel zu dämonisieren, delegitimieren, isolieren und boykottieren.

Über eine sorgfältig geplante Täuschungsstrategie – Tarnung der Quellen ihrer Unterstützung, Aktivitäten, Philosophie und Ziele – sind von der MB gesponserte Organisationen in der Lage sich als religiöse und/oder Bürgerrechtsgruppen darzustellen und damit Überprüfungen zu vermeiden. Nichtmuslime begreifen, betäubt von Worten wie „Frieden“ und „Gerechtigkeit“, nicht in der Lage das Arabisch zu verstehen, das von Klerikern und in Druckmaterial verwendet wird, wenig bis nichts von dem, was innerhalb von Moscheen und muslimischen sozialen und Kulturzentren geschieht; und sie sind sich der Bedrohung nicht bewusst, die die Muslim-Bruderschaft darstellt.

Obwohl einige Akademiker und Regierungsvertreter versuchen, die MB als „moderat“ darzustellen, beweisen die Fakten etwas anderes. Die MB strebt aktiv an Amerikas Status als Weltmacht zu zerstören und es durch eine islamische Macht zu ersetzen, deren Außenpolitik sich auf Jihad und die Verbreitung des Islam gründen wird.

Was kann man tun?

Der erste Schritt der MB entgegenzutreten besteht darin ihre Organisationen zu identifizieren. Zusätzlich zu den oben zitierte sind hier einige der prominentesten in dern USA, die mit der MB verbunden sind:

Islamic Society of North America (ISNA)
Fiqh Council of NA (FCNA) (formerly American Muslim Council)
North American Islamic Trust (controls most mosques)
Muslim Youth of North America
Association of Muslim Scientists and Engineers
PAC’s and Muslim chaplains programs (in prisons, military and schools)
Islamic Medical Association
American Trust Publications
Islamic Circle of North American
International Institute for Islamic Thought (IIIT)
Association of Muslim Social Scientists
Wohltätigkeitsstiftungen wie Kind Hearts und die (inzwischen geschlossene) Holy Land Foundation, die Union of Good, die der IHH half, einer türkischen „Wohlfahrtsorganisation“, die die „Gaza-Flottille“ unterstützte und Terrorismus fördert, die Islamic Relief USA und Mercy USA und tausdende weitere.

Geht dem Geld nach.

Mit tausenden angeschlossenen Organisationen in Amerika und vielleicht Millionen in der ganzen Welt – gut organisiert, als Teil der akademischen Gemeinschaft und von religiösen und politischen Leitfiguren akzeptiert, innerhalb demokratischer Systeme arbeitend, finanziert von radikalen Jihadisten und von vielen in der internationalen Gemeinschaft unterstützt – ist die MB eine eindrucksvolle Bedrohung. Sie ist aber auch verletzbar, wenn sie bloßgestellt wird – und das ist eine Aufgaben, bei der jeder mitmachen kann.

Eine globale Jihadistengruppe

In den späten 1970-er Jahren, als das ägyptisch-israelische Friedensabkommen Formen annahm, wurde von Mitgliedern der MB in Ägpyten eine neue Terroristen-Organisation gebildet: der Islamische Jihad. De Name wurde gewählt, um Terrorismus im Namen des Islam zu rechtfertigen – nicht nu als PLO-Taktik, sondern um jeden, an jedem Ort anzugreifen, einschließlich der eigenen Familie, ohne Genehmigung durch irgendeine Autorität. Wie andere totalitäre Bewegungen sollte sie traditionelle Disziplin brechen und zu Terrorismus als religiöser Pflichterfüllung ermutigen.

Erst im Jahr 2005 wurde der Islamische Jihad (IJ) von den Vereinigten Staaten und später von der EU, der UNO und anderen Ländern zu einer Terror-Organisation erklärt, trotz der Tatsache, dass sie seit mehr als einem Jahrzehnt Terroranschläge ausgeführt hatte – hauptsächlich gegen Juden in Israel.

Vom IJ wird berichtet, dass er Gelder aus Saudi-Arabien und anderen arabischen Ländern erhält; seine Basis hat er derzeit in Syrien, wird aber heute zum größten Teil von Syrien und dem Iran finanziert. Mitglieder des Palästinensischen Islamischen Jihad arbeiten mit der Hamas und der Fatah (PA) zusammen; er hat keine direkten Verbindungen zur MB. Der IJ ist auch in Usbekistan, Pakistan und Afghanistan und anderen Gegenden der Region aktiv.

Amerikanische Muslime müssen sich ernstlich damit auseinandersetzen, warum ihre nicht muslimischen Nachbarn misstrauisch sind – so, wie diese Nachbarn sich sehr vor Vorurteilen in Acht nehmen müssen. Die eigene Agenda und Absichten zu verstecken ist genauso schlecht wie Fanatismus.

Die Botschaft und den Einfluss der Muslim-Bruderschaft zu unterschätzen ist eine Bedrohung der globalen und besonders der westlichen Sicherheit. Das ist die Botschaft des 9/11 und der Terroranschläge von London und Madrid. Es ist eine Botschaft, die wir ignorieren – und uns damit selbst in Gefahr bringen.

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Die Eroberung Europas durch die Muslim-Bruderschaft

Lorenzo Vidino, Middle East Quarterly, Winter 2005

Vorbemerkung des Übersetzers: Die Texte deutscher Quellen sind (Rück-)Übersetzungen aus dem englischen Artikel und dürften daher nicht dem genauen Wortlaut der Original-Dokumente entsprechen.

Seit ihrer Gründung 1928 hat die Muslim-Bruderschaft (Hizb al-Ikhwan al-Muslimun) das politische Leben des Nahen Ostens zutiefst beeinflusst. Ihr Motto ist: „Allah ist unser Ziel. Der Prophet ist unser Führer. Der Koran ist unser Gesetz. Jihad ist unser Weg. Auf dem Weg Allahs zu sterben ist unsere größte Hoffnung.“[1]

Die radikalen Ideen der Bruderschaft haben zwar den Glauben von Generationen von Islamisten geformt, aber über den Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte hat sie etwas von ihrer Macht und Anziehungskraft im Nahen Osten verloren; sie wurde durch die harte Unterdrückung durch örtliche Regime zerschlagen und von den jüngeren Generationen von Islamisten vor den Kopf gestoßen, die oft noch radikalere Organisationen bevorzugen.

Aber der Nah Osten ist nur ein Teil der muslimischen Welt. Europa ist ein Brutkasten für islamistisches Denken und politische Entwicklung geworden. Seit den frühen 1960-er Jahren sind Mitglieder der Muslim-Bruderschaft wie Sympathisanten nach Europa gezogen und errichteten langsam, aber stetig ein weites und gut organisiertes Netzwerk aus Moscheen, Wohlfahrts-Verbänden und islamischen Organisationen. Anders als die große islamische Gemeinschaft dürfte das Endziel der Muslim-Bruderschaft nicht nur einfach sein „Muslimen zu helfen die besten Staatsbürger zu sein, die es gibt“, sondern das islamische Recht auf Europa und die Vereinigten Staaten auszudehnen.[2]

Vier Jahrzehnte Lehre und Kultivierung haben sich ausgezahlt. Die studentischen Flüchtlinge, die vor vierzig Jahren aus dem Nahen Osten abwanderten, und ihre Nachfahren führen heute Organisationen, die die örtlichen muslimischen Gemeinschaften in ihren Engagement mit Europas politischer Elite repräsentieren. Finanziert durch generöse Spender vom Persischen Golf, stehen sie einem zentralisierten Netzwerk vor, das sich über fast jedes europäische Land erstreckt.

Diese Organisatoren stellen sich als Mainstream dar, obwohl sie weiterhin die radikalen Ansichten der Bruderschaft vertreten und Verbindungen zu Terroristen pflegen. Mit moderater Rhetorik und gut klingendem Deutsch, Holländisch und Französisch haben sie bei den europäischen Regierungen wie in den Medien Akzeptanz gewonnen. Politiker aus dem gesamten politischen Spektrum eilen zu ihnen, wann immer eine Frage aufkommt, die Muslime involviert oder, eingeschränkter, wenn sie die Stimmen der knospenden muslimischen Gemeinde gewinnen wollen.

Wenn sie aber auf Arabisch oder Türkisch vor ihren Mitmuslimen reden, lassen sie die Maske fallen und befürworten Radikalismus. Während ihre Repräsentanten im Fernsehen von Dialog zwischen den Religionen und Integration reden, predigen ihre Moscheen Hass und warnen die Beter vor dem Bösen der westlichen Gesellschaft. Während sie öffentlich die Morde an Pendlern in Madrid oder an Schulkindern in Russland verurteilen, sammeln sie weiter Geld für Hamas und andere Terror-Organisationen. Im Eifer einen Dialog mit ihrer zunehmend entfremdeten muslimischen Minderheit zu schaffen, übersehen die Europäer diese Doppelzüngigkeit. Das ist besonders in Deutschland zu sehen, das weiterhin eine Schlüsselrolle in Europa spielt; nicht nur wegen seiner Lage im Herzen Europas, sondern auch weil es den Gastgeber der ersten großen Einwanderungswelle der Muslim-Bruderschaft spielte und die am besten organisierte Bruderschafts-Präsenz beherbergt. Die Reaktion der deutschen Regierung ist also aufschlussreich – und wenn es nur dazu dient die Gefahren aufzuzeigen, die dadurch entstehen, wenn das Reden der Muslim-Bruderschaft für bare Münze genommen wird, ohne sich die ganze Bandbreite ihrer Aktivitäten zu betrachten.

Die Muslim-Bruderschaft

Die Lage in Deutschland ist besonders vielsagend. Mehr als irgendwo sonst in Europa hat die Muslim-Bruderschaft in Deutschland bedeutend an Macht und politischer Akzeptanz gewonnen. Islamistische Organisationen in anderen europäischen Ländern folgen nun bewusst dem Modell, das von ihren deutschen Freunden erprobt wurde.

In den 1950-er und –60-er Jahren verließen Tausende muslimischer Studenten die Nahen Osten, um an deutschen Universitäten zu studieren; sie wurden nicht nur vom technischen Ruf der deutschen Institutionen angezogen, sondern auch von dem Wunsch den repressiven Regimen zu entkommen. Das Regime des ägyptischen Herrschers Gamal Abdel Nasser war beim Verusch, die islamistische Opposition auszumerzen besonders energisch. Ab 1954 flohen verschiedene Mitglieder der Muslim-Bruderschaft aus Ägypten, um der Verhaftung oder Ermordung zu entgehen. Westdeutschland bot eine willkommene Zuflucht. Bonns Motivation war nicht ganz uneigennützig. Terrorismus-Experte Khalid Durán erklärte in seinen Studien zum Jihadismus in Europa[3], dass die westdeutsche Regierung sich entschieden hatte die diplomatischen Beziehungen mit Staaten abzubrechen, die Ostdeutschland anerkannten. Als Ägypten und Syrien diplomatische Beziehungen mit der kommunistischen Regierung aufnahmen, entschied sich Bonn politische syrische und ägyptische Flüchtlinge willkommen zu heißen. Diese Dissidenten waren oft Islamisten. Viele Mitglieder der Muslim-Bruderschaft waren bereits mit Deutschland vertraut. Einige hatten mit den Nazis vor und während des Zweiten Weltkriegs kooperiert.[4] Es gibt Berichte, dass einige sogar in der berüchtigten bosnischen Handschar-Division der SS gekämpft.[5]

Einer der ersten Pioniere der Muslim-Bruderschaft in Deutschland war Sa’id Ramadan, der persönliche Sekretär des Gründers der Muslim-Bruderschaft, Hassan al-Banna.[6] Ramadan ist ein Ägypter, der 1948 die irregulären Kämpfer der Muslim-Bruderschaft in Palästina anführte[7]; er zog 1958 nach Genf und studierte in Köln Jura.[8] In Deutschland gründete er die Organisation, die eine von Deutschlands drei größten Muslim-Organisationen geworden ist, die Islamische Gemeinschaft Deutschland (IGD), der er von 1958 bis 1968 vor stand.[9] Ramand war auch Mitgründer der Muslimischen Weltliga[10], einer finanziell gut ausgestatteten Organisation, die das saudische Establishment benutzt um seine radikale Interpretation des Islam weltweit zu verbreiten. Die US-Regierung beobachtet die Aktivitäten der Muslimischen Weltliga sehr genau, denn sie beschuldigt diese der Finanzierung des Terrorismus. Im März 2002 durchsuchte ein vom US-Finanzamt angeführter Stoßtrupp die Büros der Gruppe in Nordvirginia und suchte nach Dokumenten, die sie zu Al-Qaida, Hamas und dem Palästinensischen Islamischen Jihad in Verbindung bringen. Im Januar 2004 forderte der Finanzausschuss den Internen Rechnungsprüfungsausschuss auf, seine Aufzeichnungen zur Muslimischen Weltliga „als Teil der Untersuchung möglicher Verbindungen zwischen Nicht-Regierungs-Organisationen und Terrorfinanzierungs-Netzwerke.“[11] Diese privilegierte Beziehung mit dem ölreichen Königreich garantierte Ramadan den Zustrom von Geld, das er nutzte um das mächtige Islamische Zentrum in Genf zu finanzieren und verschiedene finanzielle und religiöse Aktivitäten zu bezahlen. Hani Ramadan, Sa’ids Sohn, leitet derzeit das Islamische Zentrum. Zu den Vorstands-Mitgliedern gehört Sa’ids anderer Sohn, Tarik Ramadan, der vor Kurzem in den USA Schlagzeilen machte, als das Ministerium für Heimatsicherheit sein Visum zurückzog, mit dem er an der Notre Dame University lehren konnte.[12] Sa’id Ramadan’s ist kein Einzelfall.[13]

Nach Ramadans 10-jähriger IGD-Präsidentschaft führte kurz der Pakistani Fazal Yazdani die IGD, bevor Ghaleb Himmat das Ruder übernahm. Er ist Syrer mit italienischem Pass. Während seiner langen Führung (1973-2002) pendelte Himmat zwischen Italien, Österreich, Deutschland, der Schweiz und den USA.[14] Geheimdienste in der ganzen Welt haben lange Himmats Terror-Verbindungen untersucht. Er ist einer der Gründer der al-Taqwa-Bank, einem machtvollen Konglomerat, das vom italienischen Geheimdienst „Bank der Muslim-Bruderschaft“ genannt worden ist, die seit den 1990-er Jahren, wenn nicht früher schon, Terrorgruppen finanziert hat.[15] Himmat half einem der Finanzgenies der Muslim-Bruderschaft, Yussef Nada, Al-Taqwa und ein Netz von Firmen zu führen, die in der Schweiz, Liechtenstein und den Bahamas usw. ihre Sitze hatten, wo es wenig Regulationen zur Herkunft von Geldern oder ihrem Bestimmungsort gibt. Himmat wie Nada schleusten große Summen an Gruppen wie Hamas und die Algerische Islamisch Rettungsfront[16] und richteten einen geheimen Kredit für einen hochrangigen Mitarbeiter von Osama bin Laden.[17]

Im November 2001 benannte das US-Finanzministerium Himmat wie Nada als Terror-Finanziers.[18] Nach Angaben des italienischen Geheimdienstes finanzierte das Al-Taqwa-Netzwerk eine Reihe islamische Zentren in ganz Europa[19] und viele islamistische Veröffentlichungen, darunter „Risalatul Ikhwan“[20], die offizielle Zeitschrift der Muslim-Bruderschaft. Nachdem das US-Finanzministeriums ihn auf seine Liste gesetzt hatte, trat Himmat als Präsident der IGD zurück. Sein Nachfolger war Ibrahim el-Zayat, ein 36-Jähriger ägyptischer Herkunft und charismatischer Führer zahlreicher Studenten-Organisationen.

Die Tatsache, dass die IGD-Leiter Ramadan und Himmat zu den prominentesten Mitgliedern der Muslim-Bruderschaft des letzten halben Jahrhunderts gehören, deutet auf Verbindungen zwischen der IGD und der Ikhwan hin. Darüber hinaus nannten Berichte der Verfassungsschutz-Organisationen verschiedener deutscher Bundesländer die IGD offen einen Ableger der Muslim-Bruderschaft.[21] Insbesondere der ägyptische Zweig der Muslim-Bruderschaft hat nach diesen Berichten die IGD von Anfang an dominiert.[22]

Die Muslim-Bruderschaft, geführt von Ramadan und Himmat[23], sponserte 1960 den Bau des imposanten Islamischen Zentrums München,[24] wobei ihr hohe Spenden von Herrschern des Nahen Ostens halfen, so z.B. König Fahd von Saudi Arabien, der nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung von 1967 80.000 Mark dazu gab.[25] Das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen sagt, dass das Islamische Zentrum München seit seiner Gründung eines der europäischen Hauptquartiere der Bruderschaft gewesen ist.[26] Das Zentrum gibt eine Zeitschrift heraus, Al-Islam. Dessen Arbeit wird (nach einem italienischen Geheimdienst-Dossier)[27] von der Bank al-Taqwa finanziert. Das baden-württembergische Innenministerium sagt, dass Al-Islam ausdrücklich zeigt, dass die deutschen Brüder das Konzept eines säkularen Staates ablehnen.[28] In der Ausgabe vom Februar 2002 z.B. wird gesagt:

Langfristig können die Muslime die deutschen Familien-, Staats- und Strafgesetze nicht akzeptieren… Die Muslime sollten eine Vereinbarung zwischen den Muslimen und dem deutschen Staat anstreben, die das Ziel hat für Muslime ein eigenes Rechtswesen zu schaffen.

Die IGD, zu deren wichtigsten Mitgliedern das Islamische Zentrum München gehört, repräsentiert einen der Hauptableger der ägyptischen Muslim-Bruderschaft in Deutschland. Aber die IGD ist auch ein wesentliches Beispiel dafür, wie die Muslim-Bruderschaft in Europa an Macht gewonnen hat. Die IGD ist über die Jahre bedeutend gewachsen; zu ihr gehören inzwischen Dutzende islamischer Organisationen im ganzen Land. Islamische Zentren aus mehr als dreißig deutschen Städten sind dieser Dachorganisation beigetreten.[29] Heute liegt die Stärke der IGD in ihrer Zusammenarbeit und dem Sponsoring vieler islamischer Jugend- und Studenten-Organisationen überall in Deutschland.

Diese Konzentration auf Jugendorganisationen kam nach Zayats Amtsantritt. Er begriff die Bedeutung der Konzentration auf die nächste Generation deutscher Muslime und startete Rekrutierungs-Kampagnen um junge Muslime in islamische Organisationen einzubinden. Ein Bericht des BKA in Meckenheim über den elegant gekleideten Zayat enthüllt auch alarmierende Verbindungen. Deutsche Behörden sagen offen, dass er Mitglied der Muslim-Bruderschaft ist. Sie ziehen auch Verbindungen von ihm zur World Assembly of Muslim Youth (WAMY), einer saudischen Nichtregierungs-Organisation, die den Wahhabismus verbreiten will, der die radikale und intolerant saudische Interpretation des Islam ist; die Verbreitung in der ganzen Welt erfolgt durch Literatur und Schulen.[30] WAMY, die unter dem Dach der Muslimischen Weltliga operiert, hat das erklärte ziel „die muslimische Jugend mit vollem Vertrauen in die Überlegenheit des islamischen Systems über andere Systeme zu bewaffnen“. Sie ist die größte muslimische Jugendorganisation der Welt und kann sich unvergleichbarer Ressourcen brüsten.[31] 1991 veröffentlichte WAMY ein Buch mit dem Titel „Tawjihat Islamiya“ (Islamische Ansichten), in dem erklärt wurde: „Lehrt unsere Kinder zu lieben, dass Rache an den Juden und den Unterdrückern genommen wird und lehrt sie, dass unsere Jugend Palästina und Al-Quds [Jerusalem] befreien wird, wenn sich zum Islam zurückkehren und den Jihad um der Liebe Allahs wegen ausüben.“[32] Diese Gefühlsregungen in Tawjihat Islamiya sind eher die Regel als die Ausnahme. Viele andere Veröffentlichungen der WAMY sind mit heftig antisemitischer und antichristlicher Rhetorik gefüllt.

Das BKA in Meckenheim zieht ebenfalls Verbindungen zwischen Zayat und dem Institut Européen des Sciences Humaines, einer französischen Schule, die europäische Imame ausbildet. In der Schule lehrt eine Reihe radikaler Geistlicher und eine Reihe europäischer Geheimdienste beschuldigen die Schule der Verbreitung religiösen Hasses.[33] Deutsche Behörden heben außerdem die Tatsache hervor, dass Zayat in einige Ermittlungen wegen Geldwäsche verwickelt ist.[34] Er ist nie wegen terroristischer Aktivitäten angeklagt worden, aber er betreibt dubiose Finanzgeschäfte und unterhält Verbindungen zu vielen Organisationen, die religiösen Hass verbreiten. Die IGD mag zwar die Führung ausgewechselt haben, nachdem das US-Finanzministerium Himmat auf seine Liste setzte, aber sie ist weiter in derselben Richtung unterwegs.

Wie der ägyptische Zweig der Muslim-Bruderschaft München als deutsche Operationsbasis gewählt hat, hat der syrische Zweig sein Hauptquartier in Aachen an der holländischen Grenze. Die ehemalige Karolinger-Hauptstadt mit ihrer berühmten Universität ist jetzt Heimat für eine große Zahl von Muslimen, darunter die bekannte syrische Familie Al-Attar. Der erste der Attars, der nach Aachen zog, war Issam, der in den 1950-ern vor der Verfolgung in seinem Heimatland floh, als der den syrischen Zweig der Muslim-Bruderschaft führte. Andere Mitglieder der syrischen Muslim-Bruderschaft folgten bald. Im Laufe der Zeit übernahmen Islamisten aus anderen Ländern Attars Bilal-Moschee in Aachen als Operationsbasis.[35] Aachen ist bei Geheimdiensten aus aller Welt bekannt, von der Beherbergung algerischer Terroristen im Exil[36] bis zur Arbeit einer Wohlfahrtsorganisation, die vom US-Finanzministerium als Fassade für die Hamas bezeichnet wird.[37]

Die Basis der syrischen Muslim-Bruderschaft in Aachen hielt enge Kontakte mit ihrem ägyptischen Gegenstück. So bestätigt sich die Tendenz wichtiger Familien der Muslim-Bruderschaft, enge Bündnisse durch Heirat zu schließen durch die Hochzeit des Sohns von Issam al-Attar mit der Tochter des Al-Tawa-Bankiers Yussef Nada.[38] Verbindungen zwischen den beiden Zweigen der Muslim-Bruderschaft gehen allerdings über einfache Eheschließungen hinaus. Es wird berichtet, dass das Islamische Zentrum Aachen von Al-Taqwa Gelder erhielt.[39] Mitarbeiter haben zwischen den Islamischen Zentren in Aachen und München rotiert. So kam z.B. Ahmed von Denffer, Herausgeber der Zeitschrift Al-Islam des Islamischen Zentrums München aus Aachen.[40] Trotzdem bleibt eine gewisse Distanz. Die syrische Muslim-Bruderschaft ist nie der IGD beigetreten, sondern zog es vor sich eine Art Unabhängigkeit zu erhalten.

Milli Görüs

Von allen finanziellen Aktivitäten Zayats hat seine Verbindung zu Vertretern von Milli Görüs (Nationale Vision auf Türkisch) den meisten Verdacht bei den deutschen Behörden geweckt. Milli Görüs mit ihren 30.000 Mitgliedern und vielleicht 100.000 Sympathisanten[41] behauptet die Rechte der nach Deutschland eingewanderten türkischen Bevölkerung zu verteidigen, ihnen eine Stimme in der demokratischen politischen Arena zu geben, während sie „ihre islamische Identität bewahrt“.[42] Aber Milli Görüs hat weitere Ziele. Während sie öffentlich ihr Interesse an demokratischer Diskussion und Bereitschaft, türkische Immigranten in europäische Gesellschaften integriert zu sehen, zeigt, haben Führer von Milli Görüs Verachtung für Demokratie und westliche Werte geäußert. Der Bundesverfassungsschutz hat wiederholt vor den Aktivitäten von Milli Görüs gewarnt und sie in seinen jährlichen Berichten als „extremistische Auslandsgruppe“ beschrieben.[43] Die Behörde berichtete ebenfalls, dass „Milli Görüs, obwohl sie in öffentlichen Stellungnahmen vorgibt, sich an die Grundprinzipien westlicher Demokratien zu halten, gehören die Abschaffung des laizistischen Regierungssystems in der Türkei und die Errichtung eines islamischen Staates und Sozialsystems wie früher schon zu ihren Zielen.“[44]

Die Geschichte von Milli Görüs zeigt auf, warum die Gruppe als radikal angesehen werden sollte. Der frühere türkische Premierminister Nehmettin Erbakan, dessen Refah-Partei durch das türkische Verfassungsgericht im Januar 1998 wegen „Aktivitäten gegen die säkulare Regierungsform des Landes“ verboten wurde,[45] ist weiterhin der unangefochtene Führer von Milli Görüs, obwohl sein Neffe Mehmet Sabri Erbakan ihre Präsident ist. Das 2002 in der holländischen Stadt Arnhem abgehaltene Europatreffen der Milli Görüs, wo Nehmettin Erbakan der wichtigste Redner war, zeigt einen kleinen Einblick in die Ideologie von Milli Görüs. Nach einer Tirade gegen das Böse der Integration in den Westen und die US-Politik erklärte Erbakan, dass „nach dem Fall der Mauer der Westen einen neuen Feind im Islam gefunden hat.“[46] Ein Bundesverfassungsschutz-Bericht deckt die wirklichen Ziele von Milli Görüs auf:

Während die Milli Görüs in der letzten Zeit verstärkt die Bereitschaft betont hat, ihre Mitglieder in die deutsche Gesellschaft zu integrieren und Treue zum Grundgesetz behauptet, entstammen solche Stellungnahmen eher dem taktischen Kalkül als einem inneren Wandel der Organisation.[47}

Milli Görüs treibt ein Programm voran, das ähnlich dem der IGD ist, selbst wenn ihre Ziele begrenzterer Natur sind. Trotzdem arbeiten Milli Görüs und die IGD in vielen Initiativen zusammen. Es gibt auch eine familiäre Verbindung. Zayat heiratete Sabiha Erbakan, die Schwester von Mehmet Sabri Erbakan.[48] Die Mutter der Geschwister ist ebenfalls in der Politik aktiv und führt eine wichtige islamische Frauenorganisation in Deutschland. Die Familie Zayat ist auch aktiv. Ibrahim el-Zayats Vater ist Imam der Marburger Moschee; andere Familienmitglieder sind in islamischen Organisationen aktiv. Udo Ulfkotte, Professor für Politikwissenschaften mit Spezialgebiet Spionageabwehr an der Universität von Lüneburg und Experte zu islamischem Terrorismus, merkt an, dass die Erbakans und die Zayats Netzwerke von Organisationen anführen, die die Radikalisierung der türkischen wie der arabischen Gemeinden in Deutschland zum Ziel haben.[49]

Die IGD und Milli Görüs arbeiten aktiv daran ihren politischen Einfluss zu verstärken und die offiziellen Repräsentanten der gesamten deutschen muslimischen Gemeinschaft zu werden. Mit gut ausgestatteten Budgets bieten ihre Moscheen Sozialdienste an, organisieren Konferenzen und verteilen bundesweit Literatur. Ein Beamter des Landesverfassungsschutzes Hessen[50] zeigte auf:

Die Bedrohung durch den Islamisten ist für Deutschland in erster Linie durch Milli Görüs und andere, damit verbundene Gruppen gegeben. Sie versuchen islamistische Ansichten innerhalb der Grenzen des Gesetzes auszubreiten. Dann versuchen sie für alle Muslime in Deutschland eine strikte Interpretation des Koran und der Scharia durchzusetzen. Ihre öffentliche Unterstützung von Toleranz und Religionsfreiheit sollten mit Vorsicht betrachtet werden.[51]

Es stellt ein Problem dar, dass Politiker und Sicherheitsbehörden in Deutschland die IGD und Milli Görüs so unterschiedlich sehen. Aber, wie Ulfkotte über Zayat in seinem Buch „Der Krieg in unseren Städten“[52] schreibt, dass Politiker aller Couleur und Parteien versuchen ihnen die Hand zu reichen.[53] Die renommierte Berliner Katholische Akademy lädt Zayat ein, auf einem von ihr organisierten interreligiösen Treffen im Oktober 2002 den muslimischen Standpunkt zu vertreten.[54] Deutsche Politiker und christliche Institutionen tun sich regelmäßig mit Milli Görüs in den verschiedensten Initiativen zusammen. Milli Gazete, das offizielle Journal der Milli Görüs, erklärte einma, dass „Milli Görüs ein Schild ist, der unsere Mitbürger vor der Assimilation in das barbarische Europa schützt.“[55] Trotzdem treffen sich deutsche Politiker regelmäßig mit Vertretern der Milli Görüs, um Einwanderungs- und Integrationsfragen zu diskutieren. Die Tatsache, dass Ahmed al-Khalifah, der Generalsekretär der IGD, den Islam vor Parlamentsmitgliedern repräsentierte, die religiöse Toleranz diskutieren,[56] zeigt den Erfolg der Bemühungen der mit der Bruderschaft verbundenen Organisationen, die Akzeptanz als Repräsentanten der deutschen Muslime zu gewinnen. Das Verfassungsschutz-Büro beschrieb diese Bemühungen treffend, indem es sagte, dass Milil Görüs (und die IGD) „danach strebt die regionalen oder bundesweitern Vebände und Dachorganisationen für Muslime zu dominieren, die zunehmend Bedeutung als Gesprächspartner für Staats- und Kirchenautoritäten gewinnen und so ihren Einfluss in der Gesellschaft ausdehnen.“[57]

Der Zentralrat, das islamistische Dach

1989 schufen die Saudis unter der Schirmherrschaft von Abdallah at-Turki, dem mächtigen Dekan der Bin Saud-Universität in Riyadh, das Islamische Konzil Deutschland. Turki übernahm die Präsidentschaft, weitere Spitzenpositionen hatten Ibrahim el-Zayat, Hassan Özdögan, hochrangiger Milli Görüs-Vertreter, und Ahmed Khalifa, Vorstandsmitglied des Islamischen Zentrums München, inne.[58] Zwar beschreibt ein offizieller parlamentarischer Bericht beschreibt das Islamische Konzil nur als „eine weitere sunnitische Organisation“; diese Annahme deutet aber auf ein gefährliches Missverständnis der saudischen Beziehung zu deutschen Islamisten hin.[59]

Der Trend hin zur Konsolidierung ging 1994 einen Schritt weiter, als die deutschen Islamisten erkannten, dass eine vereinigte Koalition sich in größere politische Bedeutung und Einfluss umsetzen ließ. Neunzehn Organisationen, darunter die IGD, das Islamische Zentrum München und das Islamische Zentrum Aachen schufen eine Dachorganisation, den Zentralrat der Muslime. Ein hochrangiger deutscher Verfassungsschützer sagt, dass mindestens neun dieser neunzehn Organisationen zur Muslim-Bruderschaft gehören.[60] Die deutsche Presse hat kürzlich den Zentralrats-Präsidenten Nadim Elyas unter die Lupe genommen, einen in Deutschland ausgebildeten saudischen Arzt und Vorstandsmitglied des Islamischen Zentrums Aachen. „Die Welt“ zog Verbindungen von Elyas zu Christian Ganczarski, einem Al-Qaida-Agenten, der zurzeit als einer der Planer des Anschlags auf eine Synagoge in der Türkei 2002 in Haft ist.[61] Ganczarski, ein Deutscher polnischer Herkunft, der zum Islam konvertierte, sagte den Behörden, dass Al-Qaida ihn and er Islamischen Universität von Medina rekrutierte, wohin ihn Elyas zum Studium schickte.[62] Elyas sagte, er könne sich nicht an ihn erinnern, leugnete aber die Möglichkeit nicht, dass Ganczarski, der nie Abitur gemacht hatte, eine der vielen Personen sein könnte, die er im Laufe der Jahre an radikale Schulen in Saudi Arabien schickte.[63] Saudische Spender zahlten Ganczarskis komplette Ausgaben.[64] Ganzcarski war nicht der einzige. Elyas gab zu Hunderte deutscher Muslime zum Studium an eine der radikalsten Universitäten in Saudi Arabien geschickt zu haben.[65]

Der Zentralrat, der sich selbst als Dachorganisation deutscher muslimischer Organisationen darstellt, ist zusammen mit der IGD und Milli Görüs der de facto-Repräsentant von drei Millionen deutscher Muslime geworden. Obwohl die IGD Mitglied des Zentralrats ist, arbeiten die beiden Organisationen oft unabhängig voneinander. Ihre offenbare Unabhängigkeit ist geplant. Dadurch, dass viele Organisationen unter unterschiedlichen Namen arbeiten, führt die Muslim-Bruderschaft die deutschen Politiker an der Nase herum, weil diese glauben sie berieten sich mit einem breiten Spektrum an Meinungen.[66] Die Medien suchen nach Vertretern des Zentralrats, wenn sie die muslimische Sichtweise zu etwas haben wollen, sei es in der Debatte um die Zulässigkeit des Hijab (Kopftuch) in öffentlichen Schulen, dem Krieg im Irak usw. Politiker suchen die Befürwortung durch den Zentralrat, wenn sie die muslimische Gemeinde erreichen wollen. Viele deutsche Politiker sind über den Islam uninformiert und begreifen die Sichtweise und die Interpretation des Islam nicht, die der Zentralrat vermittelt, die IGD und die Milli Görüs – dass es sich dabei um die der Muslim-Bruderschaft handelt und nicht um die des traditionellen Islam. Entsprechend drückt der Zentralrat totale Opposition zum Verbot des Hijab aus, unterstützt wahhabisch beeinflusste islamische Erziehung in Schulen und begrüßt eine radikale Haltung zur Lage im Nahen Osten.[67] Während viele Muslime diese Ansichten begrüßen, besteht das Problem darin, dass der Zentralrat die abweichenden Ansichten weder repräsentiert noch toleriert. Moderaten deutsch-muslimischen Gruppen fehlend ei Finanzen und die Organisation der mit der Muslim-Bruderschaft verbundenen Gruppen. In Zahlen, Einfluss auf die muslimische Gemeinschaft und politischer Bedeutung ausgedrückt dominiert der Zentralrat samt seinen zwei wichtigsten Mitgliedern, der IGD und Milli Görüs, die Szene. Mit reichlichen saudischen Geldern hat die Muslim-Bruderschaft es geschaft die Stimme der Muslime in Deutschland zu werden.

Vor Kurzem war die deutsche Öffentlichkeit geschockt, weil sie hörte, was in saudisch finanzierten Moscheen und Schulen gepredigt wird. Im Herbst 2003 infiltrierte ein mit einer versteckten Kamera ausgestatteter Journalist der ARD die von den Saudis gebaute König Fahd-Akademie im Bonn und schnitt mit, was sie kleinen muslimischen Kindern lehrte. Ein Lehrer rief zum Jihad gegen die Ungläubigen auf.[68] Die Bilder verursachten eine Rüge durch deutsche Politiker, aber die eher sterile Diskussion über den saudischen Einfluss auf deutsche Muslime hat keine greifbare Veränderung gebracht. Saudische Beamte und saudische Nichtregierungs-Organisationen pflegen weiter für die Organisationen der Muslim-Bruderschaft.

Erst Deutschland, dann Europa

Während die Muslim-Bruderschaft und ihre saudischen Finanziers daran arbeiteten den islamistischen Einfluss auf die deutsche muslimische Gemeinde zu zementieren, haben sie ihre Infiltration Deutschlands nicht eingeschränkt. Dank großzügiger Finanzierung aus dem Ausland, akribischer Organisation und der Naivität der europäischen Eliten haben mit der Muslim-Bruderschaft verbundene Organisationen führende Positionen in ganz Europa gewonnen. In Frankreich ist die extremistische Union des Organisations Islamiques de France (Union der islamischen Organisationen Frankreichs) die beherrschende Organisation im Islamrat der Regierung geworden.[69] In Italien ist die extremistische Unione delle Comunita ed Organizzazioni Islamiche in Italia (Union der islamischen Gemeinden und Organisationen in Italien) der Hauptpartner der Regierung im Dialog bezüglich italischen islamischen Fragen.[70]

So ähnlich wie die Integrations-Bemühungen der Europäische Union versucht die Muslim-Bruderschaft ebenfalls ihre unterschiedlichen europäischen Vertreter zu integrieren. Im Verlauf der letzten 15 Jahre hat die Muslim-Bruderschaft eine Reihe pan-europäischer Organisationen wie die Föderation Islamischer Organisationen in Europa geschaffen, in der Repräsentanten aus nationalen Organisationen sich treffen und Initiativen planen können.[71] Den vielleicht größten pan-europäischen Einfluss hat die Muslim-Bruderschaft, wie die Islamische Gemeinschaft Deutschland, mit ihrer Jugendorganisation gehabt. Im Juni 1996 schlossen sich muslimische Jugendorganisationen aus Schweden, Frankreich und England mit der Föderation Islamischer Organisationen in Europa und der World Assembly of Muslim Youtz zusammen, um eine europäische islamische Jugendorganisation zu bilden.[72] Drei Monate später trafen sich 35 Delegierte aus elf Ländern in Leicester und riefen formell das Forum of European Muslim Youth and Student Organizations (FEMYSO) ins Leben, das seinen Sitz in Brüssel hat.[73]

Nach den Angaben in ihren offiziellen Publikationen ist FEMYSO „ein Netzwerk aus 42 nationalen und internationalen Organisationen, die Jugendliche aus mehr als 26 verschiedenen Ländern zusammen bringt“. FEMYSO erklärt 2003 stolz, dass sie im Verlauf der voran gegangenen vier Jahre folgendes geworden ist:

Die de facto-Stimme der muslimischen Jugend in Europa. FEMYSO wird regelmäßig zu Fragen konsultiert, die Muslime in Europa betreffen. Sie hat ebenfalls nützliche Verbindungen mit folgenden Institutionen entwickelt: dem Europaparlament, dem Europarat, den Vereinten Nationen, dem Europäischen Jugendforum, sowie zahlreichen wichtigen NGOs auf europäischer Ebene.[74]

Ibrahim el-Zayat, der den Vorsitz hielt, bis seine Verpflichtungen in Deutschland ihn zum Rücktritt zwangen, nutzte die FEMYSO-Sitz sogar dazu vor dem Europaparlament zu sprechen.[75] Weil die Muslim-Bruderschaft den größten Teil der die FEMYSO bildenden Organisationen ausmacht, bildet sie die „de facto-Stimme der muslimischen Jugend in Europa.“ Während die FEMYSO behauptet, dass sie „der Bekämpfung von Vorurteilen auf allen Ebenen verpflichtet ist, so dass die Zukunft Europas eine multikulturelle, allumfassend und respektvoll ist,“[76] klingen solche Stellungnahmen hohl angesichts der Position von Sponsoren wie der World Assembly of Muslim Youth, die glauben, dass „die Juden die Feinde der Gläubigen, Gottes und der Engels sind; die Juden sind die Feinde der Menschheit. … Jede den Muslimen zugefügte Tragödie ist von den Juden verursacht.“[77]

Die üppigen Gelder und die Organisation der Muslim-Bruderschaft haben zu ihrem Erfolg in Europa beigetragen. Aber ihre Akzeptanz in der Mainstream-Gesellschaft und ihre unangefochtener Aufstieg zur Macht wäre nicht möglich gewesen, wären die europäischen Eliten wachsamer gewesen, hätten Substanz für wertvoller erachtet als Gerede und die Motivation derer begriffen, die diese islamistischen Organisationen finanzieren und aufbauen. Warum sind die Europäer so naiv gewesen? Bassam Tibi, deutscher Professor syrischer Herkunft und Experte für den Islam in Europa, denkt, dass die Europäer – und besonders die Deutschen – den Vorwurf des Rassismus fürchten.[78] Radikale im Schafspelz haben gelernt, dass sie fast jeden mit dem Vorwurf des Fremdenhasses zum Schweigen bringen können. Jeder Kritik an mit der Muslim-Bruderschaft verbundenen Organisationen folgen Aufschreie über Rassismus und antimuslimischer Verfolgung. Journalisten, die durch diese Verunglimpfungen nicht einschüchtern lassen, werden mit grundlosen und erfolglosen, aber teuren Gerichtsverfahren überzogen.

In einigen Fällen versäumen es Politiker einfach, die Hintergründe derer zu prüfen, die behaupten die legitimen Repräsentanten der muslimischen Gemeinschaft zu sein. Wie in den USA sind sich selbst ernennende Repräsentanten der muslimischen Gemeinschaft weit radikaler als die Bevölkerung, die sie repräsentieren. In anderen Fällen begreifen Politiker, dass diese Organisationen nicht die idealen Gegenüber in einem konstruktiven Dialog sind, nehmen sich jedoch nicht die Zeit weniger auffällige, aber dafür moderatere Organisationen zu suchen, von denen einige nur auf der untersten Ebene, behindert von beschränkten Geldmitteln, existieren.

Was die meisten europäischen Politiker nicht verstehen ist, dass durch Treffen mit radikalen Organisationen diese mächtig machen und der Muslim-Bruderschaft Legitimität verleihen. Jedes Treffen schließt eine Befürwortung ein, besonders wenn dieselben Politiker moderate Stimmen ignorieren, die keinen Zugang zu großzügigem saudischem Geldfluss haben. Das schafft einen sich selbst antreibenden Kreislauf der Radikalisierung, denn je größer die politische Legitimität der Muslim-Bruderschaft, um so mehr Gelegenheit werden sie und ihre Stellvertreter-Gruppen haben, die verschiedenen europäischen Muslim-Gemeinschaften zu beeinflussen und zu radikalisieren. Die ultimative Ironie besteht darin, dass der Gründer der Muslim-Bruderscahft, Hassan al-Banna, davon träumte, den Islamismus in Ägypten und der muslimischen Welt zu verbreiten. Er hätte nie davon geträumt, dass seine Vision auch in Europa Realität werden würde.

Lorenzo Vidino ist stellvertretender Direktor bei Investigative Project, einem Antiterror-Forschungsinstitut mit Sitz in Washington, D.C.

Anmerkungen:

[1] „Homepage“, Internetseite der Muslimbruderschaft, aufgerufen am 22. Dezember 2004.
[2] The Chicago Tribune, 19. September 2004; s. auch Daniel Pipes: The Islamic States of America? FrontPageMagazine.com, 23. September 2004.
[3] Khalid Duran: Jihadism in Europe. The Journal of Counterterrorism and Security International. Herbst 2000, S. 12-15.
[4] Richard Labeviere: Dollars for Terror: The U.S. and Islam. New York (Algora Publishing 2000), S. 141.
[5] Georges Lepre: Himmler’s Bosnian Division: The Waffen SS Handschar Division 1943-45. Schiffer Aviation History, Januar 2000, S. 31-34.
[6] M. H. Faruqi: Les Frčres Musulmans. Politique de ‘rabbaniyya’, les pričres avant le pouvoir Dr. Saďd Ramadan, 1926-1995, Historique du Centre Islamique, Islamic Center of Geneva.
[7] ebenda.
[8] ebenda.
[9] „Präsidenten der IGD“, Internetseite der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland, aufgerufen am 22. Dezember 2004.
[10] Faruqi: „Les Frčres Musulmans“, Historique du Centre Islamique.
[11] “Senators Request Tax Information on Muslim Charities for Probe”, Presseerklärung des U.S. State Department, 14. Januar 2004.
[12] Fouad Ajami: “Tariq Ramadan”, The Wall Street Journal, 7. September 2004.
[13] Labeviere: Dollars for Terror, S. 122.
[14] Offizielles Dosser zu Ahmed Nasreddin (ab hier: Nasreddin-Dossier); Servizio per le Informazioni e la Sicurezza Democratica (Italienischer Geheimdienst SISDE), 6. April 1996, S. 10.
[15] ebenda, S. 24.
[16] ebenda, S. 31.
[17] Newsweek, 12. Mai 2004.
[18] „Recent OFAC Actions“, U.S. Finanzministerium, Büro für die Kontrolle Ausländischer Guthaben, 7. November 2001.
[19] Nasreddin-Dossier, S. 31.
[20] ebenda.
[21] „Islamische Gemeinschaft in Deutschland“, Internetseite des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen, aufgerufen am 22. Dezember 2004; „Islamismus“, Internetseite des Landesamtes für Verfassungsschutz Hessen, aufgerufen am 22. Dezember 2004.
[22] „Islamische Gemeinschaft Deutschland“, Innenministerium des Lands Nordrhein-Westfalen.
[23] Official Guide to the Munich Mosque (Munich: The Islamic Center of Munich), gekauft vom Autor im Buchladen der Milli Görüs, Köln, Februar 2004
[24] „Islamische Gemeinschaft in Deutschland“, Innenministerium Nordrhein-Westfalen.
[25] Süddeutsche Zeitung, München, 29./30. Juli 1967.
[26] „Islamische Gemeinschaft in Deutschland“, Innenministerium Nordrhein-Westfalen.
[27] Nasreddin-Dossier, S. 31.
[28] Bericht zum radikalen Islam, Verfassungsschutzbericht 2003 Baden-Württemberg, S. 48.
[29] „Koordination mit Zentren in folgenden Städten“, Internetseite der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland, aufgerufen am 22. Dezember 2004.
[30] Bericht zu Ibrahim el-Zayat, Polizei Köln, 27. August 2003, S. 3.
[31] David Kane, FBI Senior Special Agent, eidesstattliche Erklärung in „Supplemental Declaration in Support of Pre-Trial Detention“, im Fall Vereinigte Staaten von Amerika gegen Soliman S. Biheiri, US-Distriktgericht für den östlichen Distrikt von Virginia. Die eidesstattliche Erklärung führt auch die Einzelheiten zu den Verbindungen der WAMY zur palästinensischen Terrororganisation Hamas auf.
[32] Kane, „Supplemental Declaration in Support of Pre-Trial Detention“
[33] The Wall Street Journal, 15. April 2003.
[34] Bericht zu el-Zayat, 27. August 2003, S. 4.
[35] Duran: „Jihadism in Europe“, S. 12-15.
[36] Klaus Grünewald: „Defending Germany’s Constitution“. Middle East Quarterly, März 1995, S. 10.
[37] S. Al-Aqsa Foundation, „Recent OFAC Reports“, US-Finanzministerium, Büro zur Kontrolle von Auslands-Vermögen, 6. Juni 2003.
[38] Nasreddin-Dossier, S. 9.
[39] ebenda, S. 30.
[40] Duran: „Jihadism in Europe”, S. 12-15.
[41] „Islamische Gemeinschaft Milli Gorus“, Internetseite des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen, aufgerufen am 22. Dezember 2004.
[42] Jahresbericht 2000 des Bundesverfassungsschutzes, Köln, S. 174.
[43] Jahresbericht 1999 des Bundesverfassungsschutzes, Köln, S. 165.
[44] ebenda.
[45] Agence France Presse, 16. Januar 1998.
[46] Mehmet Ülger: „Manifestatie Milli Görüs in Arnhem“, in De Humanist, Juli 2003.
[47] Jahresbericht 2000, des Bundesverfassungsschutzes, S. 198.
[48] Udo Ulfkotte: Der Krieg in unseren Städten. Frankfurt (Eichborn Verlag) 2003, S. 32-33.
[49] Interview des Autors mit Udo Ulfkotte, Frankfurt, Februar 2004.
[50] Innerhalb des föderalen Systems hat jedes Bundesland einen eigenen Landesverfassungsschutz, der unabhängig vom Bundesverfassungsschutz arbeitet.
[51] „Islamismus“, Landesamt fur Verfassungsschutz, Hessen.
[52] Frankfurt, Eichborn Verlag, 2003.
[53] vgl. Ulfkotte: Der Krieg in unseren Städten, S. 38.
[54] Deutsche Vereinigung muslimischer Sozialdienste: „Christentum und Islam“, 26. Oktober 2002.
[55] Anti-Semitism Worldwide 1998/9 – Tel Aviv: Stephen Roth Institute, Tel Aviv University, 2000.
[56] vgl. Ulfkotte: „Der Krieg in unseren Städten“, S. 38.
[57] Jahresbericht 2000 des Bundesverfassungschutz, S. 174.
[58] Ulfkotte: „Der Krieg in unseren Städten“, S. 164.
[59] ebenda, S. 162.
[60] Hartwig Müller, Leiter des Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen, im Interview im SWR, 21. März 2003.
[61] Die Welt, Berlin, 6. Mai 2003.
[62] Michael Waller, Zeugenaussage vor dem Senate Judiciary Committee Subcommittee on Terrorism, Technology, and Homeland Security, 14. Oktober 2003.
[63] The Wall Street Journal, 21. Februar 2003.
[64] Die Welt, 6. Mai 2003.
[65] ebenda.
[66] Interview des Autors mit Ulfkotte, Frankfurt, Februar 2004.
[67] ebenda.
[68] TIME, 2. November 2003.
[69] ebenda, 27. April 2003.
[70] Renzo Guolo: Xenofobi e Xenofili. Gli Italiani e l’Islam. Bari, Laterza Publishing, 2003, S. 14.
[71] The Global Community, MABOnline, Muslim Association of Britain, 20. Dezember 2004.
[72] Broschüre des Forum of European Muslim Youth and Student Organizations, Januar 2004, dem Autor von einem Repräsentanten der FEMYSO per E-Mail zugesandt.
[73] ebenda.
[74] ebenda.
[75] „L’Islam en Europe ou L’Islam d’Europe”, conference program, European Parliament, Brussels, Dec. 11, 2002.
[76] FEMYSO-Broschüre.
[77] “Animosity toward the Jews”, A Handy Encyclopedia of Contemporary Religions and Sects (WAMY). Übersetzung des FBI aus dem Arabischen; Steven Emerson, Stellungnahme vor der National Commission on Terrorist Attacks upon the United States, 9. Juli 2003; Kane: Supplemental Declaration in Support of Pre-Trial Detention.”
[78] Bassam Tibi: Islamische Zuwanderung: Die gescheiterte Integration. München, DVA, 2002, S. 135.

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (02.-08.11.2014)

Sonntag, 02.11.2014:

Mahmud Abbas‘ offizielle Tageszeitung hetzt pal-arabische Kinder und Erwachsene auf gegen Israel Gewalt anzuwenden. PMW hat die Karikaturen dazu dokumentiert.

Die Arabische Liga warnte Israel vor „unbeschreiblichen Konsequenzen“; es habe eine rote Linie erreicht, die internationale Gemeinschaft soll Druck ausüben, damit die (israelischen) „Zuwiderhandlungen“ aufhören. (Worin die genau bestehen wollen, wurde nicht angeführt, aber von „Besatzung“ schwadroniert.)

Och süß: Die Hamas schimpft, Israel verletze mit der Schließung der Grenzübergänge in den Gazastreifen internationales Recht. Das Terroristen Raketen nach Israel schießen halten sie natürlich für völlig das Recht einhaltend.
Und gleich hinterher: Sollte Israel die Blockade nicht aufheben, erklärt sich die Hamas für nicht verpflichtet den Waffenstillstand einzuhalten.

Heckmeck:
– Mahmud Abbas soll der PLO einen US-Friedensvorschlag vorlegen. Es wird erwartet, dass die Organisation diesen ablehnt.

Montag, 03.11.2014:

Die PA forderte Israel auf einen weiteren Übergang in den Gazastreifen zu eröffnen, weil Kerem Shalom nur 450 LKW pro Tag abfertigen kann. (Diese Zahl wurde bisher nie erreicht – weil die Araber es nicht wollten.) Das sei viel zu wenig, um den Gazastreifen wieder aufzubauen.

Mahmud Abbas warnte einmal mehr Juden vor Besuchen auf dem Tempelberg. Die „Einbrüche von Siedlern und jüdischen Extremisten“ in die Al-Aqsa-Moschee (wie bitte????) seien eine Verletzung muslimischer Gefühle.

Der dänische Außenminister zu Besuch in Israel: Israelische Bautätigkeit in Jerusalem „verhindert Verhandlungen“. Blödsinn!

Dienstag, 04.11.2014:

Ein Vertreter von Mahmud Abbas pries in einem Kondolenzschreiben an die Familie des toten Automörders von letzter Woche den Täter als „Lichtstrahl“.

PA-Premier Hamdallah droht Israel wegen der „Verjudung Jerusalems“ und verspricht „Widerstand gegen die Besatzung“.

Hassan Nasrallah tönte, die Raketen der Hisbollah könnten jede Stelle in Israel treffen.

Mittwoch, 05.11.2014:

EU-Chefaußenpolitikern Federica Mogherini erklärte unmittelbar vor ihrem Israel-Besuch israelische Baupläne einmal mehr zum Friedenshindernis; das stelle Israels Friedenswille in Frage. (Komisch, arabischer Terror tut das nicht…)

Von der Hamas wurde der Terroranschlag an der Straßenbahn natürlich wieder bejubelt und der Mörder gepriesen.
Zwei arabische Jugendliche machten erfreut (ob des Anschlags) „Selfies“ am Ort des Terroranschlags, noch während Rettungsdienste Verletzte versorgen.

Donnerstag, 06.11.2014:

Die PLO fordert von Journalisten, sie sollten nicht mehr den Begriff „Tempelberg“ verwenden, sondern „Al-Aqsa-Moscheegelände“ oder „Haram al-Scharif“ (Edles Heiligtum) sagen/schreiben – ein unverfrorener Versuch jüdische Geschichte auszumerzen.

Die PA macht ausschließlich Israel für die Unruhe in Jerusalem verantwortlich und wirft ihm „Provokation und Hetze“ vor. (Ein Fall von purer Projektion.)

Die neue EU-Außenpolitikchefin verurteilte den Auto-Terroranschlag an der Straßenbahnhaltestelle von gestern; das sei ein „schmerzhafter Beweis der Notwendigkeit ernsthafte Bemühungen für einen tragfähigen Frieden“.

Moderater Friedenspartner: Die PA ruft mittels Karikaturen zu weiteren Auto-Terroranschlägen auf.

Premierminister Netanyahu rief König Abdallah von Jordanien an, um diesem zu versichern, dass Juden weiterhin verboten bleibt auf dem Tempelberg zu beten.
Jordanien hatte seinen Botschafter aus Jerusalem abgerufen, weil die Vorgänge auf dem Tempelberg (der Außenminister sagte „an der Al-Aqsa-Moschee“) „jenseits aller Grenzen“ seien – womit natürlich nur Israels Vorgehen gegen den Terror gemeint ist, nicht der arabische Terror gegen Juden.
Der Chef der Muslimbrüder in Jordanien sagt, der Abzug des Botschafters sei nicht genug; der Friedensvertrag mit Israel müssen aufgekündigt werden.

Ägypten droht Israel wegen der „Zusammenstöße“ auf dem Tempelberg mit „regionaler Verschlechterungen“.

Die Fünfte Kolonne: MK Ahmed Tibi war neulich in Großbritannien, um für die Anerkennung von „Palästina“ zu werben. Jetzt agitierte er in Belgien gegen das „rassistisch-extremistische Israel“.
Zudem bezeichnete Tibi Russisch sprechende Knessetabgeordnete als „Besoffene“.

Nach dem zweiten Angriff auf Juden in Jerusalem mit einem Auto haben terroristische Internetseiten eine „Auto-Intifada“ ausgerufen.

Freitag, 07.11.2014:

Großbritannien und Deutschland verurteilten die Terroranschläge in Jerusalem von Mittwoch. Natürlich wurden auch wieder „beide Seiten“ zu „Zurückhaltung“ gedrängt. „Jeder Israeli und Palästinenser hat das Recht in Frieden und Sicherheit zu leben“, daher müssten alle mit Einfluss zusammenarbeiten, um die Ruhe wieder herzustellen. (Das sollten sie Abbas et. Al. mal klar machen, statt hohle Worte von sich zu geben.)

Die neue EU-Außenbeauftragte warnte: Die Monate andauernden Unruhen (die terroristischen arabischen Anschläge in Jerusalem) könnten vermieden werden, wenn es Fortschritte in den Friedensgesprächen gäbe. Mit anderen Worten: Israel soll mal wieder Zugeständnisse machen, statt dass die PalAraber Farbe bekennen und für Frieden arbeiten.

Die Aufforderung der Gaza-Terrortruppen zu einem „Tag des Zorns“ kamen zeitlich gut abgestimmt mit Mahmud Abbas‘ „Warnung“, wenn es keine Lösung des palästinensisch-israelischen Konflikts gibt, würde das verstärkter Gewalt in der Region führen.

Eine Umfrage ergab, dass die Hälfte der Araber in den Gebieten und „Ost“-Jerusalem der Meinung sind, dass die derzeitigen Krawalle und Spannungen zu einem Krieg mit Israel führen. (Nur 28% glauben das nicht, der Rest weiß es nicht.)

Die Hamas gab die Gründung einer „Volksarmee zur Befreiung Palästinas“ im Gazastreifen bekannt. Sie sei „bereit für die nächste Konfrontation mit Israel“.

Samstag, 08.11.2014:

Ägyptische Sicherheitsberichte eben an, dass die Hamas jährlich $140 Millionen für den Tunnelbau ausgibt. Den Bau führen bis zu 120.000 Gaza-Araber aus, darunter viele Kinder.

Heckmeck:
Frau Mogherini im Gazastreifen: Ein Palästinenserstaat ist dringend nötig, wir können uns keinen weiteren Krieg leisten. Das sieht die Hamas aber anders.

Die Muslimbruderschaft zu Tode umarmen

Daniel Greenfield, FrontPageMag.com, 27. August 2013

Wenn sich der Staub in Kairo legt, jedenfalls lange genug, dass man irgendetwas anderes als Rauch und Flammen erkennen kann, könnte sich herausstellen, dass die Muslimbruderschaft ihren stärksten Schlag durch niemand anderen als Barack Hussein Obama verpasst bekam.

Der Schlag wird nicht gewollt erfolgt sein. Wie bei der Tötung von Bin Laden – einer von Navy SEALs durchgeführten, brauchbaren Intervention, die vielleicht weniger enthusiastisch Obamas Plan gegenüber waren ein ziviles Strafverfahren gegen den Terrorführer zu führen, um damit ein Stütze zu haben das Militärgerichtssystem abzuschaffen – war es etwas, das er gar nicht tun wollte.

Es passierte einfach.

Obama hätte die Muslimbruderschaft niemals gewollt besiegen können. Doch er könnte sie gerade zu Tode umarmt haben.

Um den Nahen Osten zu verstehen, muss man begreifen, dass der Tod von Hunderten Demonstranten oder massive Straßenkämpfe gar keine so große Rolle spielen. Nicht in einer Region, in der Saddam Hussein oder die Schlächter im Sudan ausreichend Leichen auftürmen konnten, um ein ganzes Land neu zu gründen und immer noch die Unterstützung der muslimischen Welt genießen.

Der Trick besteht darin die richtigen Leute umzubringen. Saddam Hussein tötete Schiiten und Kurden, die sich religiös und ethnisch von der Grundlinie der arabischen Sunniten unterschieden. Der Sudan tötete Christen und Animisten, die Ungläubige sind, rebellische Dhimmis, was sie sie nur noch mehr fremd und „tötbar“ machte.

Dieses Fremdsein ist das, was über allem von Bedeutung ist. Muslime sollen keine Muslime töten, außer sie sind irgendwie „fremd“, entweder indem sie Mitglieder einer ketzerischen Sekte sind oder einer anderen ethnischen Gruppe angehören. Und wenn alles andere fehl schlägt, dann könne sie die Schachfiguren von Fremden sein. Das ist der Grund, dass beide Seiten in Ägypten einander weiter beschuldigen sie seien Juden.

Osama bin Laden zielte gegen Amerika, um das Haus Saud zu treffen, weil dieses es ihm erlaubte die Wächter von Mekka und Medina anzuklagen sie seien amerikanische Marionetten.

Das ist der Vorwurf, der gegen die Muslimbruderschaft erhoben worden ist. Er ist das, was sie zu töten zu nicht mehr als einer unwichtigen Wetterveränderung macht. Der einzige Vorwurf gegen die Muslimbruderschaft, der zählt, ist der Vorwurf der „Fremdheit“.

Obama Umarmung der Muslimbruderschaft machte sie in der muslimischen Welt zu Freiwild.

Das Militär und die Opposition verstanden sofort, dass der einzige Weg Morsi zu stürzen den meisten Ägypten dadurch schmackhaft gemacht werden konnte, dass man das als Kampf nicht nur gegen die Bruderschaft, sondern auch gegen eine Verschwörung zwischen Washington und der Bruderschaft darstellte. Das ägyptische Volk mochte in Sachen Morsi geteilt sein, aber sie könnten gegen Obama geeint werden.

Der Plan war, der Muslimbruderschaft Obama an den Hals zu hängen.

Die Muslimbruderschaft hastete verspätet dazu den Umsturz als amerikanisch-zionistische Verschwörung hinzustellen, doch sie kam zu spät. Der Tahrir-Platz war bereits verstopft mit Bannern, die Kerry, Obama und Anne Patterson [die US-Botschafterin in Kairo – heplev] wegen ihrer Unterstützung der Muslimbruderschaft dämonisierten. Und die Bruderschaft hatte Mühe ihre Sache zu begründen, dass ihr Sturz ein Komplott Obamas war, als Obama darauf bestand, dass die Führer der Bruderschaft freigelassen werden und an die Macht zurückkehren müssten.

Obama spielte der Opposition wunderbar in die Hand, indem er Morsis Sturz verurteilte und auf die Freilassung der Führer der Muslimbruderschaft drängte. Es war ein Plan, der in Washington Sinn machte; dort denkt man reflexartig in Begriffen der Befehlserteilung. Doch in Kairo sah es aus, als würde der Puppenspieler die Rückgabe seiner Marionetten fordern.

Das ägyptische Militär hatte als Reaktion auf einen nationalen Notstand eingegriffen, der mit ausländischer Intervention in Ägyptens politisches System zu tun hatte. Je mehr Obama das Handeln des Militärs verurteilte, desto mehr demonstrierte er, dass das ägyptische Militär recht hatte einzugreifen.

Trotz seiner Jahre in der muslimischen Welt und seiner Familienverbindungen hatte Obama nicht wirklich begriffen, wie Ägypten funktionierte. Und seine Mitarbeiter begriffen es noch weniger. Hätten sie begriffen, hätten sie Anne Patterson sofort abgezogen, als sie zum Ziel wurde; und  sie hätten Morsi offen dafür kritisiert, dass er den Forderungen der Demonstranten nicht zuhörte und gleichzeitig eine private Unterstützungsbotschaft übermittelt.

Stattdessen umarmte Obama Morsi zu Tode. Und er umarmt Morsi immer noch zu Tode.

Die amerikanischen Emissäre, die sich mit Khairat al-Shater, dem Führer der Muslimbruderschaft im Gefängnis trafen, taten das mit so viel Trara, wie nur irgend möglich. Der Sprecher der Muslimbruderschaft versuchten abzustreiten, dass das Treffen stattfand oder das Khairat al-Shater überhaupt bereit war mit dem stellvertretenden Außenminister William Burns zu sprechen, doch das ließ die Bruderschaft nur noch als größeren Haufen Lügner erscheinen. Und warum sollte jemand über ein Treffen mit amerikanischen Diplomaten lügen, außer er versucht zu verbergen, dass man wirklich die Marionette von Onkel Sam ist?

Obamas gesamter Plan die Muslimbruderschaft an die Macht zu bringen, hatte diesen Samen ihrer Vernichtung gelegt. Dass er darauf bestand, Mitglieder der Muslimbruderschaft bei seiner Rede in Kairo dabei zu haben, die Forderung, das Mubarak zurücktritt, das Drängen auf so schnelle Wahlen, die der Muslimbruderschaft nutzten – der gesamte Prozess, durch den Obama der Muslimbruderschaft half an die Macht zu kommen, wurde zu ihrer Anklage.

Die gewalttätige Vergangenheit der Muslimbruderschaft war übel, aber Terrorismus ist in der muslimischen Welt nicht das ultimative Vergehen. Muslims unterstützten Terrorismus, wenn Fremde oder fremde Einflüsse bekämpft werden. Verrat, die Bereitschaft ein fremder Einfluss zu werden, ist das ultimative Verbrechen.

Wenn das ägyptische Rechtssystem, das die Muslimbruderschaft vergeblich zu zerstören versuchte, diese im Gericht der öffentlichen Meinung erfolgreich dafür verurteilt fremden Interessen zu dienen, wird ihr das einen ernsten Schlag versetzen, von dem die Bruderschaft sich lange nicht erholen wird.

In Washington versteht Obama die Ereignisse immer noch falsch als Militärputsch. Die Demonstranten paradieren mit islamischen Photoshops seines Gesichts durch Kairo, die sie von konservativen amerikanischen Internetseiten aufgriffen; das ist ein unbedeutendes Ärgernis, das man mit einem anderen von seinen herablassenden Reden abtun kann, als wären sie Mitglieder der Tea Party. Das Problem wird mit dem willkürlichen Verweigern von Auslandshilfe, Druck machenden Telefonaten und einem Hauch diplomatischer Isolierung angegangen.

Und die Generale und Liberalen lachen sich eins, so wie die Führer der Muslimbruderschaft das wegen ihrer Gerissenheit machten Obama ausgetrickst zu haben.

Ägyptens neue Regierung weiß, dass sie Obama nicht allzu bald auf ihre Seite ziehen wird. Doch sie versucht es auch nicht. Stattdessen ist ihr Ziel die Muslimbruderschaft zu zerschlagen, um sich selbst als einzigen Spieler übrig zu lassen. Und dann soll Obama machen, was er will.

Osama versuchte Saudi-Arabien zu Fall zu bringen, indem er Amerika angriff. Die neue ägyptische Regierung greift Amerika – innenpolitisch – an, um die Muslimbruderschaft zu Fall zu bringen. Das ist die typische indirekte Politik einer fremdenfeindlichen Region, wo man nicht nur das Messer nicht kommen sieht, sondern auch niemals herausfindet, warum man abgestochen wurde.

Während Obama mit der Region Dame spielte, hatten deren Machtspieler die Bretter verlassen und geschickt ein weiteres Projekt des Westens zum Regimewechsel mattgesetzt. Mit der typischen Langsamkeit der Begriffsstutzigen begreift Obama immer noch nicht, das er verloren hat oder was für ein Spiel das überhaupt war.

Obama und Kerry glauben, sie seien Männer der Nuancen, doch sie sind grob, laut und offensichtlich, verglichen mit den Männern, mit denen sie zu tun haben, von denen sie in Ägpyten an die Wand gespielt wurden und die bereit sind den verrottenden Leichnams des Arabischen Frühlings unter dem Sand des Sinai zu begraben.

Lächle für die Welt, während du dich mit dem Schwert rüstest

Raymond Ibrahim, FrontPageMag.com, 23. August 2013

Auf viele Weisen ist das Bild des bekannten pro-Bruderschaft-Demonstranten Walid al-Khatab oben repräsentativ für die beiden Gesichter der Organisation. Wie Al-Dalil berichtet, rief er in einer Live-Show an, um die „Abschlachtung“ eines jeden Polizisten in Ägypten zu fordern; im Hintergrund ertönten dabei „Allahu Akbar!“-Rufe. Später entschuldigte er sich und sagte, er sei einfach „wütend“ gewesen und „meinte das nicht wirklich“. Hier steht er allerdings und hält das berühmte gelbe Smiley-Gesicht mit den Worten „Lächle die Welt an und sie wird zurücklächeln“.

Das Schild trägt in der oberen Ecke das Banner der Bruderschaft, zwei über dem Koran gekreuzte Schwerter mit „rüstet euch“ darunter – ein Bezug auf Sure 8,60: „Und rüstet wider sie, was ihr nur vermögt an Streitkräften und berittenen Grenzwachen, damit in Schrecken zu setzen Allahs Feind und euren Feind und außer ihnen andere, die ihr nicht kennt; Allah kennt sie. Und was ihr auch aufwendet für Allahs Sache, es wird euch voll zurückgezahlt werden, und es soll euch kein Unrecht geschehen.“

Mit anderen Worten: Lächelt die Welt an, damit die Welt zurücklächelt, aber rüstet euch mit dem Schwert, „damit in Schrecken zu setzen [d.h. ist die Übersetzung von „terrorisieren“] Allahs Feind und euren Feind“ – eine perfekte Aufrechnung der Muslimbruderschaft und „das finstere Lächeln der Scharia“.

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (26.05.-01.06.2013)

Sonntag, 26.05.2013:

Videobotschaft im PA-Fernsehen: „Lasst alle wissen, dass ich keine Kompromisse mache.“

Heckmeck:
– John Kerry (vor dem Treffen mit Präsident Shimon Peres): „Ich denke, dass es eine Gelegenheit [für Frieden] gibt, doch das aus vielerlei Gründen nicht jedem auf der Zunge liegt. Die Leute in Israel wachen nicht jeden Tag auf und fragen sich, ob morgen Frieden sein wird, weil es ein Gefühl der Sicherheit und ein Gefühl von Geleistetem und Wohlstand gibt.“ Soll das etwa heißen, dass Herr Kerry Israels Wohlstand als Friedenshindernis betrachtet?
Erekat lügt wieder rum: Israel müsse sich auf die „Grenzen von 1967“ zurückziehen und den Siedlungsbau einstellen – das seien keine Vorbedingungen, sondern Verpflichtungen. Verhandlungen gibt es nicht, bevor Israel der Forderung folgt. Ansonsten führe übrigens die israelische Politik zu „schlimmerer Apartheid“ als in Südafrika.
Ah, der Friedenspartner: Mahmud Abbas behauptet, das „palästinensische Volk“ wolle „in Frieden und Sicherheit an der Seite des Staates Israel leben“. Das widerspricht den Umfragen und der „Bildung“, die das „palästinensische Volk“ in Schulen, Moscheen und Medien erhält. Aber auf Englisch schwatzt er ja gerne, was die Friedenshetzer hören wollen. Auf Arabisch ist das schon wieder etwas ganz anderes!
– Ah, wieder ist Geld die Quadratur des Kreises und damit die Lösung für den Nahost-Konflikt. Kerry will $4 Milliarden in die PA-Wirtschaft stecken, das wird dann alles ändern. Das ist ein Plan, Mannomann: größer, mutiger und ambitionierter als alles, was seit Oslo 1993 vorgeschlagen wurde. Na, viel Glück. Das Geld wird – wetten dass? – in dunklen Löchern verschwinden und sich in Terror und Terrorinstrumente verwandeln, wie üblich.

Montag, 27.05.2013:

Der Sommer steht vor der Tür und die arabische Brandstift-Jihad-Saison geht wieder los. Bei und in Jerusalem wird im Schnitt alle 24 Stunden ein Brand gelegt.

Auf dem Golan trainieren syrische Rebellen der Jabhat al-Nusra-Brigade, die mit der Al-Qaida verbunden ist. Sie haben geschworen Assad zu stürzen und dann „Palästina zu befreien“. Sie haben ein entsprechendes Werbe-Video veröffentlicht.

Heckmeck:
Der Vorsitzende des Palästinensischen Investmentfonds, Mohammed Mustafa, betonte, die Palästinenserführung werde keine politischen Zugeständnisse für wirtschaftliche Vorteile machen. (Gehört, John Kerry?)
– Tzipi Livni und ein Sonderbotschafter Netanyahus trafen sich mit Kerry in Jordanien. Es „gab noch keinen Durchbruch“.
– Der schon vor langer Zeit zurückgetretene Chefunterhändler der Fatah, Saeb Erekat, hat in eben dieser Funktion gerade wieder offiziell verkündet, dass Benjamin Netanyahu der einzige ist, der den Frieden am eintreten hindert. Die Mehrheit der Israelis wolle einen Rückzug auf die „Grenzen“ von 1967.

Dienstag, 28.05.2013:

Ein arabischer Terrorist ging tatsächlich ernsthaft in den Hungerstreik im israelischen Gefängnis. Er wurde dann in den Gazastreifen entlassen. Jetzt gehört er zu den Hamas-Truppen an der Grenze zu Israel.

Der führende Mufti der Muslimbruderschaft sagte am Samstag Journalisten gegenüber, dass Präsident Morsi Jerusalem befreien wird, Israel wird verschwinden.

Mittwoch, 29.05.2013:

Die Hamas „erinnert“ Abbas an das islamische Recht: Israelische Soldaten zu entführen „liegt im Kern der ‚palästinensischen‘ Kultur“!

Hatte ich nicht schon erwähnt, dass die Terroristen in Ramallah den „Wirtschaftsplan“ von John Kerry ablehnen?

Der Jammerlappen klagt: Die USA üben großen Druck auf Abbas aus, die „Friedensverhandlungen“ ohne Siedlungsbaustopp wieder zu beginnen. Er sitzt in der Zwickmühle – entweder die Amerikaner vor den Kopf stoßen oder die eigene Basis geht auf die Barrikaden. Der Ärmste!

Donnerstag, 30.05.2013:

Mahmud Abbas hat einen neuen Berater, Hussein Fayyad. Der Mann ist einer der Kommandeure der Terrorgruppe, die 1978 das „Küstenstraßenmassaker“ beging. Ein Terrorist, verantwortlich für den Tod von 39 Menschen (darunter 13 Kindern), der sich nicht geändert hat. Ein Friedenspartner!

Der Friedenspartner auch hier wieder: Dass Israel in Jerusalem bauen will, macht Kerrys Bemühungen zunichte.

In Judäa und Samaria werden Sicherheitskräfte ab jetzt mit Kameras ausgestattet, um die arabische Gewalttätigkeiten während der Einsätze zu dokumentieren.

Freitag, 31.05.2013:

Sie kann es nicht lassen: Baroness Ashton tönt, die israelischen Siedlungen stellten eine Bedrohung der Zweistaatenlösung dar. Israel soll sofort alle Bautätigkeit einstellen.

John Kerry drängte Mahmud Abbas erneut zu Verhandlungen. Er bekam eine Abfuhr: Entweder… Abbas‘ wiederholte seine Vorbedingungen.

Samstag, 01.06.2013:

Feier im Gazastreifen: Der Hamas-Hauptredner ist glücklich über die Toten auf der Mavi Marmara. Durch den Vorfall haben sich die Beziehungen zwischen der Türkei und der Hamas dramatisch verbessert. Ein Vertreter der Türkei erklärte: Die Türkei wird die israelische Entschuldigung niemals akzeptieren und es wird keine Normalisierung geben. (Er log auch, das Murmelschiff hätte humanitäre Hilfe an Bord gehabt und sein auf einer humanitären Mission gewesen.) Ein Vertreter des Palästinensischen Islamischen Jihad ließ wissen, dass die toten Türken mehr erreicht hätten, als sie sich erhofften – sie hätten Märtyrertum erreicht. Frieden! (Oder eher doch ein Kult des Todes und der Lügen?)

Zur Erinnerung: die „täglichen Vorkommnisse“ (verhinderte Terroranschläge, versuchte Morde usw.) finden sich auf der Seite „Friedfertigkeiten 2013“; die humanitären Lieferungen und Maßnahmen Israels unter „Humanitäres“ (beides in der Sidebar zu finden).