Werber für Völkermord, die existenzielle Bedrohung Israels und die Lobby falscher Paranoia

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Der Rahmen der jüngsten Vereinbarung zwischen den sechs wichtigsten Staaten und dem Iran zu dessen Atomprogramm hat den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu dazu gebracht zu sagen, dass diese Vereinbarung Israels Existenz gefährden könnte, wenn sie erst einmal abgeschlossen ist.[1] Es geschieht selten, dass Führungskräfte anderer Staaten geltend machen, es gäbe die Möglichkeit, dass ihr Land nicht überleben könnte. Einige Kommentatoren behaupten daher, Israel agiere paranoid.[2]

Diese Angst wegen seiner Vernichtung in der Zukunft ist jedoch weit davon entfernt eine irreführende israelische Behauptung zu sein. Palästinensische und andere arabische Führer haben ellenlange Bilanzen der Werbung für und Verkündung von Völkermord an den Juden in Israel und im britischen Mandat Palästina. Viele Jahre lang war der Jerusalemer Bürgermeister Ragheb Bey al-Nashashibi der Führer der palästinensischen sogenannten „Moderaten“. Nach den Krawallen von 1929 fragte der nichtjüdische französische Schriftsteller Albert Londres den Bürgermeister, warum die Araber die frommen, alten Juden von Hebron und Safed ermordet hatten, mit denen sie keinerlei Streit hatten. Der Bürgermeister antwortete: „Auf gewisse Weise muss man sich verhalten wie in einem Krieg. Du tötest nicht die, die du töten willst. Du tötest, was du findest. Nächstes Mal werden alle getötet werden, Junge wie Alte.“ Später sprach Londres noch einmal mit dem Bürgermeister und testete ihn mit der ironischen Aussage: „Ihr könnt nicht alle Juden töten. Es gibt 150.000 von ihnen.“ Nashashibi antwortete „mit sanfter Stimme: ‚Oh nein, das wird nur zwei Tage brauchen.‘“[3] Der eine harte Linie verfolgende Mufti von Jerusalem, Hadsch Amin al-Husseini, entwickelte während des Zweiten Weltkriegs Pläne für ein palästinensisches Krematorium wie in Auschwitz bei Nablus, um Juden zu töten.[4]

Solche Äußerungen und Ereignisse spiegeln eine viel breitere arabische Denkweise. Azzam Pascha, Generalsekretär der Arabischen Liga, sagte prägnant während des arabisch-israelischen Kriegs 1948: „Dies wird ein Krieg der Ausrottung und ein bedeutsames Massaker sein, von dem wie von den mongolischen Massakern und den Kreuzzügen gesprochen werden wird.“[5]

Heutzutage ragen die Führer des Iran unter denen stark heraus, die einen neuen Holocaust verkünden. Der erste Oberste Revolutionsführer, Ayatollah Khomeini, sagte über Israel: „Dieses Regime, das Al-Quds besetzt hält, muss aus den Seiten der Geschichte eliminiert werden.“[6] Der aktuelle Oberste Revolutionsführer, Ayatollah Khamenei, hat gesagt: „Israel ist ein Krebsgeschwür, das aus der Region ausgemerzt werden muss.“[7]

Der ehemalige iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad sagte 2008 in einer Rede: „Im Nahen Osten haben sie [die Weltmächte] eine schwarze und dreckige Mikrobe namens Zionistisches Gebilde geschaffen, damit sie sie dazu nutzen können die Völker der Region anzugreifen und mit dieser Rechtfertigung wollen sie ihre Pläne für den Nahen Osten voranbringen.“[8]

2005 sagte Ahmadinedschad: „Wir sind dabei einen historischen Krieg zwischen der Welt der Arroganz [d.h. dem Westen] und der islamischen Welt zu führen.“ Er fügte an: „Eine Welt ohne Amerika und den Zionismus“ ist „erreichbar“.[9]

Der ehemalige iranische Präsident Akbar Haschemi Rafsanjani sagte 2002: „Wenn eines Tages … die Welt des Islam den Besitz der Waffen erlangen wird, die derzeit in Israels Besitz sind [gemeint sind Atomwaffen] – an dem Tag würde diese Art globaler Arroganz sich in einer Sackgasse befinden. Dies ist so, weil die Anwendung einer Atombombe in Israel nichts am Boden übrig lassen würde, während sie die Welt des Islam nur etwas schädigt.“[10]

Die Hamas hat all ihren Hass weitergeführt, indem sie in ihrer Charta die Auslöschung aller Juden propagiert.[11]

Im Oktober 2012 zeigte ein Video den damaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Morsi von der Muslimbruderschaft, wie er mit „Amen“ auf einen Imam antwortete, der eine völkermörderische Bitte im Gebet äußerte: „Oh Allah, vernichte die Juden und ihre Helfer.“[12]

Es gibt zudem viele Beispiele solchen aus dem Westen ausgehenden Hasses. Ein Vorfall ereignete sich 2009, als antiisraelische Demonstranten in Amsterdam riefen: „Hamas, Hamas, Juden ins Gas.“ Zwei niederländische Politiker der linksgerichteten sozialistischen Partei, die an der Demonstration teilnahmen, behaupteten, sie hätten diese Parolen nicht gehört. Sie gaben aber zu, dass sie gebrüllt hatten: „Intifada, Intifada, Palästina muss frei sein.“[13]

Vor einem solchen Hintergrund, der nur eine kleine Auswahl der existenziellen Drohungen gegen Israel bietet, überrascht es nicht, dass viele Israelis Israels Zukunft immer als gefährdet betrachtet haben. Diese Reaktion ist von mehreren seiner Führungskräfte ausdrücklich geäußert haben. Nahum Goldmann, der lange Jahre Präsident des World Jewish Congress war, erzählt in seiner Biographie, wie Israels erster Premierminister David Ben-Gurion ihm 1955 kurz vor seinem siebzigsten Geburtstag sagte:

Wenn du, Nahum, mich fragst, ob ich in einem jüdischen Staat leben und darin begraben sein werde, daran glaube ich. Wie lange kann ich leben? Zehn oder zwölf Jahre – bis dahin wird es natürlich einen jüdischen Staat geben. Wenn du mich fragst, ob mein Sohn Amos … die Chance haben wird in einem jüdischen Staat zu sterben und dort begraben zu werden, würde ich sagen, sie liegt bestenfalls bei 50 Prozent.[14]

Der 2008 verstorbene Amos Ben-Gurion wurde tatsächlich in Israel begraben.

Der verstorbene Premierminister Yitzhak Rabin sagte dem israelischen Botschafter Yehuda Avner, der ein enger Mitarbeiter war, warum er für die Oslo-Vereinbarungen war. Rabin sagte, ohne eine Art Frieden gäbe es keine Garantie für Israels Fortbestehen. Rabin wies auch darauf hin, dass Israel das einzige Land ist, dessen Existenz immer noch öffentlich diskutiert wird.[15]

Der aktuelle Premierminister Benjamin Netanyahu hat mehrere Jahre lang Besorgnis zum Überleben des Landes zum Ausdruck gebracht. Schon 2011 sagte er: „Der Iran entwickelt Atomwaffen und stellt die größte Gefahr unserer Existenz seit dem Unabhängigkeitskrieg dar. Die Terrorzweige des Iran umgeben uns vom Norden bis zu Süden.“[16]

Existenzielle Bedrohungen Israels sind integraler Bestandteil der Ideologie wichtiger Lager des Islam. Diejenigen, die diese Bedrohungen beschönigen wollen und israelische Reaktionen als „paranoid“ bezeichnen, sind indirekte Verbündete und Helfer dieser Völkermord-Propagandisten.

[1] Peter Beaumont: Israel will not accept Iran nuclear deal, says Binyamin Netanyahu. The Guardian, 3. April 2015.
[2] Gidi Weitz: Netanyahu is cheap, petty, paranoid – but coated in Teflon. Ha’aretz, 18. Februar 2015.
[3] Albert Londres: Le Juif Errant Est Arrivé. Paris (Arléa) 1997, S. 209 (frz.).
[4] Manfred Gerstenfeld, Interview mit Nadav Shragai: Kapitale Verleumdung – Israel will die Al-Aqsa-Moschee zerstören. abseits vom mainstream, 9. September 2013.
[5] Howard M.Sachar: A History of Israel. New York (Alfred A. Knopf) 1979, S. 333.
[6] Iranian President at Teheran Conference: ‘Very Soon, This Stain of Disgrace [Israel] Will Be Purged from the Center of the Islamic World – and This is Attainable,. Middle East Media Research Institute (MEMRI), Special Dispatch Series, Nr. 1013, 28. Oktober 2005
[7] Greg Tepper: Israel is a cancerous tumor and Middle East’s biggest problem, Iranian supreme leader says. Times of Israel, 19. August 2012.
[8] Joshua Teitelbaum: What Iranian Leaders Really Say about Doing Away with Israel. Jerusalem Center for Public Affairs, 2008.
[9] A World Without America. MEMRI Report, 2. November 2005.
[10] Iranian President Rafsanjani on Using a Nuclear Bomb Against Israel. MEMRI Special Dispatch Series, Nr. 325, 3. Januar 2002.
[11] Hamas Covenant 1988. Yale Law School, 18. August 1988.
[12] Morsi answers amen to imam’s prayers for destruction of Jews. JTA, 22. Oktober 2012.
[13] Manfred Gerstenfeld: Dutch Islamo-Nazism, Where Did It Come From? Israel National News, 18. September 2014.
[14] Nahum Goldmann: Mein Leben. USA, Europa, Israel. Frankfurt (Ullstein) 1984, S. 213.
[15] Yehuda Yaetz: Ish HaTzlalim. Mishpacha, 24. März 2011 (hebräisch).
[16] James Hider: Binyamin Netanyahu warns of Iranian nuclear threat. The Times, 21. Februar 2011.

Mir ist egal, dass Muslime sich vor Synagogen stellen

Marc Goldberg, Times of Israel blogs, 21. Februar 2015

In der Folge eines terroristischen Mordes an einer Synagoge in Kopenhagen haben viele norwegische Muslime sich entschlossen Solidarität mit der dortigen jüdischen Gemeinde zu zeigen. Sie werden eine Position außerhalb einer Synagoge beziehen, um sie zu „beschützen“, indem sie einen „menschlichen Friedensring“ darum bilden.

Ich wünschte, sie täten das nicht.

Oberflächliche Solidaritätsbekundungen sind gut und schön, aber was wir brauchen ist etwas weit Reelleres. Kein vernünftiger Mensch hat jemals bezweifelt, dass es jede Menge Muslime da draußen gibt, die glücklich sind Seite an Seite mit Juden zu leben. Ich würde es aber lieber sehen, dass die muslimische Gemeinschaft aktive Maßnahmen ergreifen, um den Extremismus in ihren eigenen Moscheen, Schulen und Institutionen einzudämmen. Das brauchen nicht nur die Juden, das brauchen alle.

Wird irgendeiner der Politiker Europas, in deren Händen die Macht liegt den islamischen Extremismus anzugehen, überhaupt irgendetwas tun um sicherzustellen, dass man sich mit dem wirklichen Problem beschäftigt?

Vielleicht könnten sie daran arbeiten den islamischen Extremismus zu entgegenzuwirken, statt den Premierminister Israels anzugreifen, weil er den Juden sagt, sie sollten Aliyah machen. Natürlich würde ich von europäischen Politikern nichts anderes erwarten als von Aufrufen des israelischen Premierministers Europa den Rücken zu kehren und nach Israel zu ziehen empört zu sein. Solche Aufrufe dienen als Erinnerung an das europäische Versagen, wenn es darum geht das Judentum als integrierten Teil Europas zu akzeptieren.

Der Zionismus ist eine jüdische und eine europäische Ideologie. Er wurde in Europa als Reaktion auf einen Hass auf Juden geboren. Eines Hasses, dessen Name – Antisemitismus – von einem Judenhasser geprägt wurde, der seinen Hass wissenschaftlicher klingen lassen wollte. Jedes Mal, wenn Sie jemanden argumentieren hören, er könne nicht antisemitisch sein, weil er selbst Semit ist, sehen Sie, dass diese Bemühung Früchte trägt.

Der einzige Grund, dass Israel existiert, ist Europas schäbiger Umgang mit den Juden. Die Tatsache, dass Juden im 21. Jahrhundert Europa weiter verlassen, um in Scharen nach Israel zu gehen, ist eine brutale Erinnerung an das europäische Versagen gegenüber den Juden. Kein Wunder, das europäische Politiker es persönlich nehmen – es ist eine brutale Anklage ihrer Unfähigkeit.

Im April gibt es in Southampton eine Konferenz unter dem Titel „Internationales Recht und der Staat Israel“. Der Zionismus wird auf Grundlage von Menschenrechten attackiert werden. Das ist Europas großes Thema. Die linke Brutstätte für Ideen von Toleranz, Aufklärung und viele andere nette, puschelige Philosophien werden immer ein Problem haben; er ist eine jüdische Ideologie, der dem „aufgeklärten“ Europa den Spiegel vorhält und ihm sein wahres Gesicht zeigt.

Wie aufgeklärt kann Europa denn sein, wenn die Juden dort kein Zuhause finden können? Statt sich mit den Folgen einer solchen Frage zu beschäftigen, würden europäische Intellektuelle weit lieber Israel attackieren und delegitimieren. Das ist einfacher und benötigt weit weniger Prüfung des eigenen Gewissens.

In Southampton wird man die üblichen Einwände gegen Israel ausrollen. Israel wird als ethnischer Staat angegriffen werden, der nicht allen seinen Bürgern Menschenrechte oder Demokratie bietet. Es wird als die Vorherrschaft einer Gruppe betreibend verschrien werden, obwohl es in Wirklichkeit schlicht das Ergebnis davon ist, dass Juden einen Staat gründeten, in dem sie die Gleichberechtigung finden können, die sie in Europa entzogen bekamen. Hätte Europa den Juden diese Rechte geboten, dann wäre der Zionismus natürlich gar nicht erst entstanden.

Darüber hinaus: Hätten die Europäer es geschafft ein Umfeld zu schaffen, in dem Juden als Gleichberechtigte behandelt werden, würden sie jetzt nicht fliehen.

Der Zionismus dient dazu den Europäern zu sagen, dass die Gesellschaften, auf die sie so stolz sind, dabei sind zu scheitern. Diese Kritik ist der Grund, dass wir solch eine heillose Abwehrhaltung in einem Interview auf Channel 4 erleben, wo einem israelischen Journalisten, der Antisemitismus offenlegte, „Provokation“ vorgeworfen wurde. Wir sehen ihn, wenn Politiker auf den Aufruf eines israelischen Premierministers Juden auffordert Europa zu verlassen, mit rechtschaffener Empörung und persönlichen Angriffen reagieren.

Es ist viel einfacher das irrelevante Handeln einer Reihe von muslimischen Aktivisten zu feiern oder Bibi Netanyahu zu attackieren oder sogar bewaffnete Wachen vor Synagogen zu stellen, als die darunterliegenden Probleme in der europäischen Gesellschaft zu verändern, die sicherstellen, dass tausende junger europäischer Muslime loslaufe, um im Islamischen Staat zu kämpfen und zu sterben.

Es ist dieses europäische Bedürfnis vorzugeben, dass alles gut ist, das zu dem Narrativ geführt hat, das wir überall um uns herum erleben. Das ist der Grund, dass wir jede Menge über Lassanna Bathily hören, der für seine Rolle beim Verstecken von Juden während des Anschlags au feinen koscheren Supermarkt in Paris mit der französischen Staatsbürgerschaft geehrt wird, aber nicht über das heldenhafte Verhalten von Yoav Hattab. Er wurde getötet, als er einen Terroristen angriff, der bereits vier Menschen getötet hatte. In diesem Zusammenhang ist es Bathily, der zum Helden gemacht wird, während Hattab auf ein paar Nachrichtenmeldungen und einem Grab in Jerusalem überlassen wird.

Hattab, der Sohn des Oberrabbiners von Tunesien, passte nicht in ein europäisches Narrativ, das lieber einen Muslim als Helden gelobt sehen möchte, weil er Juden im Kühlschrank versteckte und weglief, als einen Juden, der einen bewaffneten muslimischen Terroristen angriff und dabei getötet wurde. Das erste Narrativ fördert den Mythos der Koexistenz, der es Politikern gestattet Aufrufe zur Bekämpfung des islamischen Extremismus abzuleiten, dem sie es erlaubt haben während ihrer Zuständigkeitszeit aufzublühen. Letzteres könnte – was der Himmel verhüten möge – dafür sorgen, dass Juden ermutigt werden lieber für sich zu kämpfen als weiter den Soldaten an ihrer Türschwelle und der Regierung und Parlament ausgeliefert zu sein.

Wenn europäische Politiker glücklich damit sind Wachen vor jüdische Ziele zu stellen und es ablehnen das Problem des radikalen Islam anzugehen oder es überhaupt beim Namen zu nennen, dann wissen wir, dass die Dinge sich nicht ändern werden. In diesem Europa werden die Juden schwach und wehrlos bleiben, die Hilfe eines Staates benötigen, der zeigen wird, wie wunderbar es ist bewaffnete Waffen und Worte der Verurteilung gegen Antisemitismus zu liefern. Aber die Juden brauchen bewaffnete Wachen nur wegen des Versagens Europas sich mit seinem jüdischen Problem auseinanderzusetzen – vielleicht eher mit seinem muslimischen Problem. Wir brauchen verurteilende Worte und Soldaten vor unseren Gemeindehäusern nur, weil den Führungspolitikern in ganz Europa der Mut fehlt sich des Problems des Judenhasses anzunehmen, der in ihrer Gesellschaft eitert, wie es immer schon gewesen ist.

Wäre es den europäischen Politikern ernst mit dem Antisemitismus fertigzuwerden, würden wir sehen, dass sie muslimische Organisationen und Institutionen angehen, die ihre Gemeinden mit Hass auf Juden, Christen und Demokratie indoktrinieren. Stattdessen sehen wir, dass sie von genau den Politikern gefeiert werden, die behaupten den Extremismus auszumerzen. Das ist dieselbe Geisteshaltung, mit der der damaligen Leiter des Muslim Council of Britain zeitgleich mit dem damaligen Oberrabbiner Jonathan Sacks in den Adelsstand erhoben wurde. Der eine verrichtete gemeinnützige Arbeit und repräsentierte die jüdischen Gemeinschaft, während der andere eine Organisation anführte, die weiterhin den Holocaust-Gedenktag boykottierte und den Tod britischer Soldaten forderte.

Aber natürlich kann man keinen Juden ehren, ohne das auch mit einem Muslim zu tun. Offenbar ist dafür jeder Muslim gut. Es ist diese klassische Geisteshaltung, diese Ermutigung des Anscheins des Fair Play in Sachen einer substanziellen Politik, die uns überhaupt erst in diesen Schlamassel gebracht hat.

Ich schlage vor, dass man es Fortschritt nennen sollte, wenn Europas Politiker sich jetzt gegen Antisemitismus äußern statt ihn zu ermutigen oder sogar begehen. Doch dieser „Fortschritt“ kommt zu spät und ist zu wenig. Wir müssen nicht länger warten, bis die europäischen Politiker die Kurve kriegen; wir müssen uns nicht darauf verlassen, dass Muslime für ein nettes Foto vor Synagogen stehen, das allen erlaubt vorzugeben alles sei in Ordnung. Ich würde sogar viel lieber sehen, dass diese Muslime uns unsere Gemeindehäuser verteidigen lassen würden und sich auf die Bekämpfung des Extremismus konzentrierten, der in ihren Gemeinden so um sich greift.

Aus diesen Gründen also habe ich so gar kein Interesse daran, dass Muslime vor Synagogen sthen und sehr viel Interesse daran zu wissen, was die europäischen Regierungen tun wollen, um den islamischen Extremismus auszumerzen, den sie viel zu lange ignoriert haben.

Nachtrag:
Da waren alle so glücklich, dass eine Gruppe Muslime einen „Friedenskreis“ um die Synagoge von Oslo bilden wollen. Dieser Gruppe ist aber auch ein Problem: Genau dieselben Muslime sind – zumindest in entscheidenden Teilen – Israelhasser; einer der Hauptorganisatoren der Aktion hat das zur Genüge auf Facebook kundgetan und lässt dabei Verschwörungstheorien nicht aus.

Die Zukunft der Juden in Frankreich, dem „Land der Apartheid“

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Der 20. Januar kennzeichnet das erste Mal, dass ein Premierminister eines westlichen Staates zugab, dass es in seinem Land „Apartheid“ gibt. Der französische Premierminister Manuel Valls erklärte diese Tatsache gegenüber Journalisten weniger als zwei Wochen nach den Morden bei Charlie Hebdo und Hypercacher*. Genauer gesagte vermittelte er ihnen, dass es in Frankreich eine „territoriale, soziale und ethnische Apartheid“ gibt.1 Valls hätte durchaus „religiöse“ hinzufügen können.

Davor hielt Valls am 13. Januar eine bemerkenswerte Rede vor dem französischen Parlament, in der er die drängendste Frage ansprach: was die Regierung tun wird, um weitere jihadistische Anschläge zu verhindern.2 Er hätte es dabei belassen können. Frühere französische Regierungen haben wiederholt die vielen langfristigen Probleme vernachlässigt, die aus der erfolglosen Integration von Teilen der Millionen muslimischer Einwanderer entstanden. Mit der Nutzung des Wortes „Apartheid“ hat Valls jetzt seine Regierung zu der Verantwortung verpflichtet eine extrem komplizierte und problematische Realität zu verbessern, statt sie zukünftigen Regierungen zu überlassen.

Viele waren von Valls‘ beispielloser Nutzung des Begriffs „Apartheid“ schockiert.3 Er war in der Tat unangebracht. Der Begriff war nur auf Südafrika anwendbar, als dieses bis ins späte 20. Jahrhundert unter der weißen Regierung stand. Darüber hinaus ist ein großer Teil der Absonderung seitens der muslimischen Bevölkerung in Frankreich kein Ergebnis von Regierungsmaßnahmen, sondern selbst gewählt. Valls‘ Gegner nutzten einige Gegenargumente, die Israelis – die fälschlich beschuldigt werden Apartheid zu verwirklichen – extrem vertraut sind.

In den kommenden Monaten wird Valls einen Plan vorstellen müssen, um diese Situation anzugehen. Ein monumentales Problem ist die Entwicklung einer ganzen Menge von „No-Go-Areas“, wie sie allgemein genannt werden. Der amerikanische Wissenschaftler Daniel Pipes hat sie jedoch besser definiert: als „halbautonome Bereiche“.

Pipes schreibt: Regierungen entscheiden sich „nur allzu oft ihren Willen in mehrheitlich muslimischen Bereichen nicht durchzusetzen, einschließlich einiger Fälle von Scharia-Gerichten, …. Alkohol und Schweinefleisch sind in diesen Distrikten verboten, Polygamie und Burkas an der Tagesordnung, die Polizei geht dort nur sehr vorsichtig und in großer Mannstärke hinein und die Muslime kommen mit Straftaten davon, die für den Rest der Bevölkerung illegal sind.4

Diese Vernachlässigung wurde von einer Serie des israelischen Kanal 10 Television illustriert. 2012 schickte der Fernsehsender den Journalisten Zvi Yehezkiely nach Frankreich, um mit Muslimen in Verbindung stehende Probleme in Europa zu recherchieren. Er riskierte sein Leben, indem er sich als Palästinenser ausgab, um der vierteiligen Serie Material zu liefern. Es hat nie eine ähnliche europäische Fernsehserie gegeben, die entwickelt wurde, um so breit die Wirklichkeit der muslimischen Ghettos, der Herrschaft der Scharia, der religiösen Unterdrückung, Gewalt, Diskriminierung, Antisemitismus usw. zu zeigen.

Ein entscheidendes Element eines jeden französischen Regierungsplans wäre es, das Vorhandensein dieser halbautonomen Bereiche zu beenden. Es ist unklar, wie dies gemacht werden kann, denn es gibt keine Präzedenzfälle. Die Situation zu ändern wird durch die Tatsache weiter verkompliziert, dass die große Mehrheit der französischen Muslime bei den Wahlen Valls‘ Partei unterstützte, die Sozialisten. Diese Regierung kann es sich nicht leisten sie vor den Kopf zu stoßen.

Was immer die französische Regierung unternimmt, wird wahrscheinlich mehr als ein Jahrzehnt brauchen, um substanzielle Ergebnisse zu zeigen. Es wird vorhersehbare Behinderungen dieser Bemühungen aus beträchtlichen Teilen der muslimischen Gemeinschaft geben. Diese Hindernisse werden nicht auf die Bemühungen der relativ kleinen Zahl von Jihad-Anhängern und die größere Gruppe anderer Salafisten beschränkt sein. Zusätzlich wird alles, was falsch läuft, vom rechtsextremen Front National ausgenutzt werden.

Doch ist der Kampf der französischen Regierung mit der derzeitigen Lage nur ein Teil der Gleichung. Viel hängt auch von internen Entwicklungen innerhalb der französischen muslimischen Gesellschaften ab. Die Frage kommt auf, ob moderate muslimische Leiter gegen die Fanatiker gewinnen können. Und wenn sie erfolgreich sind – wie lange wird es dauern, bis man greifbare Ergebnisse sieht?

Internationale Entwicklungen in der muslimischen Welt wird es für die Moderaten nicht einfacher machen die Kontrolle zu gewinnen. Muslimischer Fanatismus könnte sich sogar weiter entwickeln. Das wird auch geschehen, wenn die Bewegung „Islamischer Staat“ im Irak und Syrien durch die Koalition aus Westlern und anderen Muslimen von der Erde gewischt wird. Ihre Ideen werden in beträchtlichen Teilen der muslimischen Welt weiterleben. Dass sie Territorium kontrolliert, wie es derzeit der Fall ist, hilft diese Ideen zu vermarkten, aber das ist nicht absolut notwendig.

Wie immer dieser Prozess ausgehen mag, er wird mindestens ein Jahrzehnt lang keine positiven Resultate für die französisch-jüdische Gemeinschaft haben. Alle zukünftigen Szenarien sind düster.

Im Jahr 2000 nahmen antisemitische Vorfälle nach dem Ausbruch der Zweiten Intifada zügig zu und sind seitdem auf einem hohen Level geblieben. Der Mord an Sebastien Sellam 2004 und die Folterung und Ermordung Ilan Halimis 2006 wurden beide von Muslimen begangen.

Die von Mohammed Merah begangenen Morde 2012 in Toulouse an drei französischen Soldaten und vier Juden waren allerdings anderer Natur und die jüngste Runde an Terroranschlägen in Paris hatte eine ähnliche Struktur. Sie zielten zuerst auf bestimmte französische Bürger und danach auf die Juden. Es mag durchaus sein, dass zukünftige Anschläge auf französische Ziele von Angriffen gegen Juden begleitet sein werden. Die jüdische Gemeinschaft stellt nur ein Prozent der Bevölkerung des Landes und wird wahrscheinlich weiter unverhältnismäßig stark ins Visier genommen werden.

Die Verschlechterung der Lage für die Juden seit dem Beginn dieses Jahrhunderts ist sichtbar. Neben den regelmäßigen antisemitischen Angriffen entwickelte sich ein Trend, bei dem viele engagierte Juden ihre Kinder aus öffentlichen Schulen nahmen, in denen sie wegen ihrer Religion gemobbt wurden. Die Kinder wurden auf jüdische Schulen oder Privatschulen geschickt. Jetzt sind die Kinder, die auf jüdische Schulen gehen, tagtäglich mit bewaffneten Soldaten konfrontiert, die die Schultore vor möglichen Angriffen bewachen und dort zum Schutz des Lebens der Schüler, der Mitarbeiter und der Eltern stationiert wurden. Die Soldaten dienen zur Beruhigung, sind aber auch eine tägliche Erinnerung an die problematischen Realitäten, denen sich das französische Judentum ausgesetzt sieht.

Alle strukturierten Bemühungen der französischen Regierung die vielen Probleme zu lösen, die von Elementen innerhalb der muslimischen Gemeinschaft kommen, werden wahrscheinlich zu zunehmenden Spannungen führen. Die folgende Unruhe wird vermutlich die Juden unverhältnismäßig stark betreffen. Eine Stärkung des weit rechts stehenden Front National mit seinen vielen Antisemiten könnte die allgemeine Atmosphäre intensivieren.

Was Israel angeht, sind Frankreichs Versuche den problematischen Teilen der muslimischen Einwanderung entgegenzutreten entweder eine Gefahr oder eine Chance. Eine Gefahr, weil die französische Regierung versuchen könnte dieses Handeln dadurch zu kompensieren, dass sie sich bei den potenziellen muslimischen Wählern durch Einführung noch stärkerer antiisraelischer Politik anbiedert. Dass Frankreich im UNO-Sicherheitsrat für die Anerkennung eines Palästinenserstaats stimmte, war ein Beispiel einer solchen Taktik. Gleichzeitig hat Israel viel Erfahrung im Umgang mit muslimischer Gewalt. Wenn Israel es lernt der internationalen Gemeinschaft und insbesondere der französischen Regierung und Bevölkerung seine Politik weit durchdachter darzustellen, kann es zeigen, dass Israel im Kampf ums Überleben der westlichen Demokratie Frankreich voraus ist.

 

1 Manuel Valls évoque ‘un apartheid territorial, social, ethnique’ en France. Le Monde, 20. Januar 2015.
2 Discours de Manuel Valls à l’Assemblée nationale en hommage aux victimes des attentats. Gouvernement.fr, 13. Januar 2015.
3 Luc Bronner, “L’’apartheid’ en France ? Pourquoi les mots de Manuel Valls marquent une rupture. Le Monde, 20. Januar 2015.
4 Daniel Pipes: Hat Europa No-Go-Areas? 20. Januar 2015

 

* Der im Zusammenhang mit den Charlie Hebdo-Terroristen überfallene koschere Supermarkt in Paris.

Die lange, blutige Spur, die zum Charlie-Hebdo-Massaker führte

Seit Jahren hat Europa es versäumt die Probleme mit dem radikalen Islam und Antisemitismus ehrlich einzuschätzen

Emanuele Ottolenghi/Benjamin Weinthal, New York Daily News, 9. Januar 2015

Das Menetekel für das grauenhafte Massaker bei der französischen Satire-Wochenzeitung Charlie Hebdo und die folgende, tödliche Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt in Paris war an der Wand. Die sich jetzt entfaltende Tragödie ist für jeden herzzerreißend, der immer noch glaubt, dass Europa eine offene Gesellschaft ist, die die Menschenrechte aller schützt. Ihre Wurzeln gehen tief und sollten niemanden schockieren. Immerhin waren die Voraussetzungen bereits durch Europas Selbstgefälligkeit und Leugnung des Risikos der steigenden Flut des islamischen Radikalismus und Antisemitismus geschaffen.

In Europa herrscht eine – von Vorurteilen und zweierlei Maß gespeiste – Kultur der Straffreiheit für den Antisemitismus, der den Anstieg des radikalen Islam im Verlauf der letzten Jahrzehnte begleitet hat. Europäer, die vom heutigen Anschlag schockiert sind, sollten sich die Statistiken des zunehmenden Antisemitismus seit dem Beginn der zweiten Intifada im September 2000 ansehen; seitdem wurden auf dem gesamten Kontinent Synagogen mit Brandbomben beworfen; Beschimpfungen, gewalttätige Angriffe und öffentliche Aufstachelung gegen Juden sind wieder alltäglich geworden.

Die Europäer sollten sich dran erinnern, dass eine vom Independent am Holocaust-Gedenktag veröffentlichte Karikatur, die den damaligen israelischen Premierminister Ariel Sharon zeigte, wie er ein Kind verspeist, den Preis für die beste politische Karikatur des Vereinten Königreichs des Jahres 2003 gewann. Seit damals sind verschiedene israelische Führungspolitiker in Nazi-Uniform oder als Yassir Arafat kreuzigende römische Zenturionen dargestellt worden – ein Aufguss der Christusmörder-Beschuldigung.

Sie sollten sich daran erinnern, dass es mehr als drei dauerte, bis die französische Regierung den Innenminister damit beauftragte einen Bericht zum Antisemitismus in Frankreich zu erstellen. Der Bericht wurde pflichtgemäß im Februar 2004 veröffentlich und von vielen Intellektuellen und islamischen Kommentatoren wegen seiner angeblichen proisraelischen Neigung gescholten und abgelehnt.

Sie sollten sich daran erinnern, dass Ilan Halimi, ein 23-jähriger französischer Jude, im Januar 20016 in Paris von islamischen Radikalen entführt, gefoltert und ermordet wurde. Sie sollten ihre Erinnerung dazu auffrischen, dass bei antiisraelischen Demonstrationen in Brüssel im Jahr 2009 Flaggen von Hamas und Hisbollah geschwenkt wurden, während Mainstream-Politiker neben islamischen Radikalen marschierten und den Gazastreifen mit Auschwitz gleichsetzten.

Ein Urteil eines Gerichts der Europäischen Union nahm die Hamas von der Liste der Terrororganisationen, aber europäische Regierungen können sich nicht einigen den politischen Flügel der Hisbollah als Terrororganisation zu führen, trotz des Anschlags der Gruppe auf EU-Boden in Bulgarien im Jahr 2012, bei dem für Israelis und ein Bulgare getötet wurden.

Sie sollten sich daran erinnern, dass im selben Jahr radikale Islamisten jüdische Schulkinder in der französischen Stadt Toulouse ermordeten.

Es dauerte fünf Jahre, bis die EU-Agentur für Fundamentale Menschenrechte eine Arbeitsdefinition für Antisemitismus formulierte; Grund war nahaltende Opposition derselben Kreise, die den steigenden Antisemitismus mit Antizionismus verbinden. Unter lang anhaltenden Angriffen zog die EU schließlich 2013 die Arbeitsdefinition zurück.

Es ist an der Zeit, dass mit dem Fühlen aufgehört wird und man zu denken anfängt, was es bedeutet, dass heute, im Januar 2015, Polizeibehörden in Paris alle jüdischen Geschäfte anwiesen früher zu schließen. Es ist an der Zeit über die Bedeutung der Tatsache nachzudenken, dass heute die Zentralsynagoge von Paris zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg geschlossen sein wird.

Die Tragödien dieser Woche sind nur die jüngsten Akte in einem furchtbaren Drama. Europas liberale Kultur hat zu lange danach gestrebt Antisemitismus als legitime Klage herunterzuspielen, die nur gelegentlich zu weit gehen und den radikalen Islam aufgrund von sozioökonomischer Nachteile und postkolonialer Schuldgefühle zu entschuldigen. Diese Kolumnisten, Intellektuellen, Akademiker und Führungspolitiker, die das Thema wechselten und von Islamophobie sprachen, um die Intoleranten zu beschwichtigen, haben jetzt den Wirbelsturm ihrer moralischen und politischen Feigheit geerntet.

Europa hat in seiner Mitte Antisemitismus nur allzu lange toleriert. Es ist lange überfällig, dass die Europäer anfangen Intoleranz Null Toleranz zu zeigen.

Nachwirkungen der Morde von Paris: Symptome der französischen Krankheit

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Nach der jüngsten Mordserie in Paris sagte der französische Präsident François Hollande: „Diese Fanatiker haben mit der muslimischen Religion nichts zu tun.“1 Hollandes Worte beschönigen das Problem statt es zu klären; das war nur eines der vielen Ereignisse in der Folge der Morde von Paris, die weiterer Aufmerksamkeit würdig sind.

Unter den Anführern der Welt ist Hollande nicht allein damit die muslimische Identität von Kriminellen zu übertünchen. In einer Rede über die Bewegung Islamischer Saat sagte Präsident Barack Obama, diese sie „nicht islamisch“ und fügte hinzu: „Keine Religion billigt das Töten von Unschuldigen.“2 Diese Ansicht zu der extremen Muslimbewegung wurde vom britischen Premierminister David Cameron geteilt, der erklärte: „Sie prahlen mit ihrer Brutalität. Sie behaupten dies im Namen des Islam zu tun. Das ist Unsinn. Der Islam ist eine Religion des Friedens. Sie sind keine Muslime, sie sind Monster.“3

Die Tatsache, dass die Mörder von Paris sehr muslimisch waren, wurde noch klarer gemacht, als eine Vielzahl muslimischer religiöser Führer und Organisationen im Nahen Osten sich mit ihnen identififzierten.4 Man muss noch nicht einmal so weit weg gehen. Viele muslimische Schüler in Frankreich lehnten es ab an einer Gedenkminute teilzunehmen, die an Schulen aus Respekt den Opfern gegenüber abgehalten wurde.5

Die mörderischen Ereignisse in Paris und die folgenden Reaktionen sind noch zu frisch, als dass sie eine vollwertige Bewertung gestatten. Doch es gibt bereits eine Reihe von Aspekten, auf die schon hingewiesen werden können, auch wenn sie weiterer Recherche wert sind.

Erstens gab es zwischen dem beiden Mordserien ausgesprochene Unterschiede bezüglich der Motive. Die Journalisten von Charlie Hebdo wurden wegen dem getötet, was sie schrieben und zeichneten; die Juden im Supermarkt wurden wegen dem getötet, was sie waren – Juden.

Es liegt eine große Symbolik darin, dass die vier jüdischen Opfer in Israel beerdigt worden sind, obwohl sie Franzosen waren. Frankreich hat sie hintergangen. Der Verrat begann bereits vor langer Zeit. Frankreich gewährte Millionen Einwanderern aus einer Juden gegenüber feindseligen Kultur die Einreise. Algerien, Tunesien und Marokko gehören zu den zehn antisemitischsten Ländern der Welt. Diese Ergebnisse entstammen einer Studie der ADL von 2014 über klassischem Antisemitismus in der Welt.6

Die Lage in Frankreich wäre radikal anders gewesen, gäbe es 500.000 Muslime im Land statt der derzeitigen 5 Millionen. Die Zahl der Jihadisten hätte dann in Hunderten gezählt werden können statt in Tausenden, wie es jetzt der Fall ist. Die Politik der wahllosen Einwanderung großer antisemitischer Bevölkerungen könnte als unbewusste Form von Staats-Antisemitismus betrachtet werden. Um alles noch schlimmer zu machen, hat sich nur ein Teil dieser Leute in die allgemeine französische Bevölkerung integriert und Tausende von ihnen sind radikalisiert worden.

Im Verlauf der letzten Tage gab es weitere Akte, die symbolische Bedeutung hatten. Es ist verständlich, dass die französischen Behörden am Freitagnachmittag jüdische Geschäftsinhaber aufforderten ihre Geschäfte zu schließen, denn es war nicht klar, ob weitere muslimische Mörder frei herumliefen. Die Schließung der Großen Synagoge von Paris durch die Behörden am Freitagabend gab es zuletzt während der deutschen Besatzung. Viele nahmen die Symbolik davon zur Kenntnis.7

Der einzige vage ähnliche Fall einer wegen Drohungen am Sabbat geschlossenen Synagoge ist ein abgesagter Gottesdienst 2010 in der kleinen konservativen Synagoge von Weesp, einer Stadt in den Niederlanden. In diesem Fall wurde die Entscheidung von den Gemeindeleitern getroffen, nachdem sie eine Drohung erhielten.8 2006 verlegte in einem Fall die jüdische Gemeinde in Malmö den Gottesdienst von der Synagoge an einen geheimen Ort.9

Der Einheitsmarsch von Paris, seine positive Botschaft und die Zahl der Teilnehmer waren beeindruckend. Doch dadurch, dass eine Reihe Diktatoren eingeladen wurden, die aktiv Pressefreiheit unterdrücken, wurde er befleckt. Reporter ohne Grenzen erwähnt die Teilnahme von Führungspolitikern aus Ägypten, Russland, der Türkei, Algerien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das sind alles Länder, in denen die Pressefreiheit – neben einer Reihe weiterer Freiheiten und Menschenrechte – unterdrückt wird.10

Die von Hollande an den PA-Vorsitzenden Mahmud Abbas geschickte Einladung war eine direkte Beleidigung der Israelis und des jüdischen Volkes. Abbas hat massiv die Ermordung von Zivilisten, Israelis, Juden und anderen verherrlicht. Abbas hätte von den Franzosen gar nicht erst eingeladen werden dürfen und natürlich hätte er nicht in die erste Reihe gehört.11 Das war ein Symptom der wiederkehrenden Doppelzüngigkeit Frankreichs.

Es ist gesagt worden, dass Netanyahu die Franzosen verletzte, indem er alle französischen Juden aufrief nach Israel zu immigrieren. Dass er sich an Juden wandte, die französische Staatsbürger sind und die Form, in der er es ursprünglich machte, war taktlos; der Aufruf zur Aliya hätte anders formuliert werden müssen.12

Netanyahu hätte den französischen Führungspolitikern gegenüber auch anmerken können, dass Israel eine Periode durchgemacht hat, in der jedes Restaurant verpflichtet worden ist eine bewaffnete Wache zu haben. In der derzeitigen französischen Realität werden jetzt jüdische Schulen von Polizisten oder Soldaten bewacht, damit Kinder den Unterricht besuchen können. Es wäre keine Übertreibung solche Maßnahmen zu treffen, um auch jüdische Restaurants und wichtige Geschäfte in Frankreich zu schützen.

Als die Geiselnahme in dem koscheren Supermarkt öffentlich wurde, kam der französische Innenminister – ein Sozialist – an den Ort des Verbrechens.13 Dieser Minister sagte während der Operation Fels in der Brandung im letzten Sommer, er hätte an den Pro-Gaza-Demonstrationen teilgenommen, wäre er nicht Mitglied in der Regierung.14 Mit anderen Worten, Cazeneuve hätte die islamo-nazistische Hamas-Bewegung unterstützt.

Und schließlich hat Frankreich gerade erst die jordanische UNO-Resolution zur Gründung eines Palästinenserstaats befürwortet. Frankreichs UNO-Botschafter François Delattre behauptete, dass es eine „dringende Notwendigkeit zum Handeln“ gab. Er fügte hinzu: „Unsere Bemühungen dürfen hier nicht aufhören. Es liegt in unserer Verantwortung es wieder zu versuchen, bevor es zu spät ist.“15

Weit ehrlicher wäre gewesen, hätte Delattre zugegeben, dass Frankreich in erster Linie für die Resolution gestimmt hatte, um die Muslime zu belohnen, die bei den letzten Präsidentschaftswahlen massiv für Hollande gestimmt hatten. Was „eine dringende Notwendigkeit zum Handeln“ angeht, müssen die Franzosen dringend Zuhause gegen die extreme Gewalt vorgehen, die von kriminellen Elementen seiner muslimischen Bevölkerung verübt wird. Diese Notwendigkeit scheint weit drängender zu sein als ihre Einmischung im Nahen Osten, indem sie den palästinensisch-israelischen Konflikt noch weiter durcheinander bringen.

 

1 12-French forces kill newspaper attack suspects, hostages die in second siege. Reuters, 10. Januar 2015.
2 Statement by the President on ISIL.Weißes Haus, 10. September 2014.
3 https://www.youtube.com/watch?v=IFmCkJ92DRw
4 Algerian Terrorists Linked To ISIS, Al Qaeda, Charlie Hebdo Massacre Was Forewarned By Algeria. Inquistr, 11. Januar 2015.
5 Mattea Battaglia/Benoit Floc’h: A Saint-Denis, collégiens et lycéens ne sont pas tous “Charlie”. Le Monde Campus, 11. Januar 2015.
6 ADL Global 100: A Survey of Attitudes toward Jews in Over 100 Countries around the World. Anti-Defamation League, 2014.
7 Michael Wilner: Landmark Paris synagogue closes on Shabbat for first time since World War II. The Jerusalem Post, 9. Januar 2015.
8 Karel Berkhout: Synagoge schrapt viering sabbat na dreiging. NRC Handelsblad, 9. Juni 2010.
9 Mikael Tossavainen: Arab and Muslim Anti-Semitism in Sweden. In: Manfred Gerstenfeld: Behind the Humanitarian Mask – The Nordic Countries, Israel and the Jews. Jerusalem (Jerusalem Center for Public Affairs) 2008, S. 97.
10 Mark Tran: Presence at Paris rally of leaders with poor free press records is condemned. The Guardian, 11. Januar 2015.
11 Itamar Marcus/Nan Jacqeus Zilberdik: Abbas Hypocrisy: Participated in the Anti-Terror march in France, while PA glorifies terrorists who kill Israelis. Palestinian Media Watch, 11. Januar 2015.
12 Piotr Smolar: Le nombre exceptionnel de départs vers Israël traduit une lame de fond. Le Monde, 11. Januar 2015.
13 Marion Souzeau: Epicerie casher de la porte de Vincennes: les otages ‘vraisemblablement’ tués avant l’assaut. Le Parisien, 13. Januar 2015.
14 Rassemblement pro-Gaza: Cazeneuve aurait manifesté s’il n’était pas ministre. Le Point, 15. August 2014
15. AFP: Palestinian Resolution Fails at UN Security Council. Mail Online, 31 Dezember 2014.

Sogar betagte Juden „stürmen jetzt die Al-Aqsa!“ – Plus: Jordanischer antisemitischer „Flash-Mob“

Elder of Ziyon, 17. Dezember 2014

Die Shehab News Agency zeigt das neueste Beispiel, wie diese Juden vor nichts Halt machen, um „die Al-Aqsa-Moschee zu stürmen“:

Sie wird von alten Juden angegriffen! (Ich habe die Frauen niemals Touristen „Allahu Akbar“ anbrüllen gesehen, nur Juden.)

Die Al-Aqsa muss verteidigt werden!

Wie?

Studenten an der Universität von Jordanien zeigen es uns in einem antisemitischen Straßentheater, das sie einen „Flash-Mob“ nennen.

Dort wird eine „jüdische“ Person gezeigt, die ein Modell des Felsendoms angreift und von beherzten Arabern mit Stöcken und Steinen gestoppt wird.

Dann zeigen sie – sehr eindrucksvoll – einen „Juden“, der Selfies vor dem Dom macht und dann auch von aufgebrachten Muslimen angegriffen wird.

Frauen fegen den Bereich sauber, wahrscheinlich um sie vom jüdischen Unrat zu befreien, die ihn schändete.

Ein junger Mann mit einer Steinschleuder wird von „israelischer Polizei“ angeschossen.

Ein stereotypischer „religiöser Jude“ hält ein Schild hoch, das zu sagen scheint, der Tempelberg ist jüdisch, während Muslime ihre eigenen Schilder hochhalten.

Einfach ein weiterer Tag antisemitischer Hetze an einer „moderaten“ arabischen Universität.

Antisemitismus-Konferenz in Berlin ignoriert muslimischen Judenhass

Elder of Ziyon, 14. November 2014

Die New York Times berichtet:

Vor dem Hintergrund dessen, was mehrere Redner einen unübersehbaren Anstieg des Antisemitismus in Europa nannten, warnte die amerikanischer Botschafterin bei den Vereinten Nationen am Donnerstag, dass die Zunahme der Angriffe eine Bedrohung der Werte Europas darstellen und drängte die Führungspolitiker ihre Bemühungen zur Vereitelung antijüdischer Stimmung zu verstärken.

Täuschen Sie sich nicht – wir haben ein Problem“, sagte Samantha Power, eine der höchsten Beraterinnen von Präsident Obama auf einer Konferenz, die hier von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa organisiert wurde. Sie sagte, die wachsende Zahl antisemitischer Taten „ist nicht nur eine Bedrohung für die jüdische Gemeinschaft, sie ist auch eine Bedrohung des größeren Projekts des europäischen Liberalismus und Pluralismus“.

An der zweitägigen Konferenz nahmen nur etwas zwei Drittel der 57 Mitgliedsstaaten teil, die meisten davon schickten – anders als die USA – Repräsentanten aus dem zweiten Glied.

Frau Power sprach entschieden und schalt die europäischen Führungspolitiker; sie fragte, warum weniger Länder an dem Treffen teilnahmen als vor einem Jahrzehnt anwesend waren, als Repräsentanten eine Resolution zur Bekämpfung von Antisemitismus verabschiedeten, die als Berliner Erklärung bekannt ist. Tzachi Hanegbi, der stellvertretende Außenminister Israels, vermerkte damals, dass die Maßnahme nur in 12 der 57 Teilnehmerstaaten mit Gesetzeskraft übernommen wurde.

Hier ist Samantha Powers Rede (kompletter Text).

Als einzige spezifisch antisemitische Haltungen hegende Gruppe nannte sie rechte Gruppen in Europa. Die einzig Erwähnung von Muslimen durch sie erfolgte in zwei Anekdoten jüdischer Gruppen (in Sarajewo und in London), die Muslimen in Schwierigkeiten halfen. Sie erwähnte elliptisch, dass antisemitische Einstellungen sich in antiisraelischen Protesten manifestieren – Protesten, die, wie sie betonte, ein wichtiger Teil einer pluralistischen Gesellschaft seien – aber sie erwähnte nicht ein einziges Mal, dass Muslime heute die wichtigsten Lieferanten des weltweiten Antisemitismus sind, selbst als sie bestimmte Angriffe auf Juden in Europa erwähnte, die von Muslimen verübt wurden.

Es war aber nicht nur Samantha Power. Die Abschlusserklärung der Konferenz erwähnt nichts von fanatischer Hetze gegen Juden, die täglich in muslimischen Ländern stattfindet.

Die Tagesordnung der Konferenz zeigt, dass es nicht eine einzige Sitzung gab, in der vom endemischen Antisemitismus aus muslimischen Gemeinschaften in Europa und arabische Staaten kommt. Es gab jedoch eine zu rechtsgerichtetem Nationalismus:

Arbeitsgruppe IV: Die Beziehung zwischen Nationalismus und Antisemitismus. Nationalistische und populistische politische Parteien in Europa sind seit einiger Zeit Teil der politischen Landschaft; sie verwenden zu verschiedenen Zeiten Antisemitismus als Teil ihrer Ideologie. Sorgen drehen sich aber um die jüngsten Wahlerfolge rechtsextremer Parteien in einigen Ländern, die offen Antisemitismus als Teil ihres Wahlprogramms verwenden. Es hat auch beunruhigende Vorfälle gegeben, in denen einzelne Politiker von Parteien, die eher der Mitte zuzuordnen sind, unverfroren antisemitische Stereotype verwendet haben. Darüber hinaus entstehen durch offen in der politischen Arena erhobene Antisemitismus-Vorwürfe Herausforderungen. Diese Arbeitsgruppe wird Möglichkeiten diskutieren, wie den Manifestationen des Antisemitismus in der politischen Arena entgegengetreten werden kann.

Natürlich gibt es einige Erscheinungsformen von Antisemitismus bei einigen rechtsgerichteten Gruppen in Europa; aber fast alle tatsächlichen Angriffe sind von Muslimen gekommen. Malmö, Paris, Toulouse, Brüssel, Berlin, London – Muslime haben hinter den Vorfällen gesteckt, von denen wir alle gelesen haben, nicht rechtsnationale Gruppen. Selbst der Guardian erwähnte den muslimischen Faktor, als er über das Wiederaufleben des Antisemitismus schrieb.

Die Tatsache, dass die größte Quelle von Hass und Aufstachelung von dieser Konferenz ignoriert und heruntergespielt worden ist, zeigt, dass die Konferenz selbst nicht dazu gedacht ist den Antisemitismus ernsthaft anzugehen, sondern eher vorzugeben in zu thematisieren, indem man ihn als Vorwand zum An griff auf die Gruppen nimmt, die ohne angegriffen werden sollen und die Hauptquelle des Hasses in der heutigen Welt zu ignorieren.

Von dem, was ich online sehe, war diese Konferenz ein Witz. Aus ihr wird nichts kommen und sie wird bereits gegenüber der ursprünglichen Berliner Konferenz zum Thema vor zehn Jahren verwässert. Sie ist eine Übung in selbstgefälliger Politik, damit die Teilnehmer vorgeben sie würden „etwas tun“ – aber nichts so drastisches, dass sie sich selbst Gefahr von radikalen Muslimen in ihrem eigenen Bereich aussetzen würden.