Die Affäre Mahathir: Eine Fallstudie zum Antisemitismus des Alltags-Islam

Manfred Gerstenfeld, Jerusalem Viewpoints Nr. 506, 2. November 2003

  • Auf dem Gipfel der Organisation der Islamischen Konferenz stellte der malaysische Premierminister Mohammed Mahathir als Gastgeber die Beziehungen zwischen den Muslimen und den Juden als weltweite, frontale Konfrontation dar; er bot einige neue Beispiele für eine „jüdische Verschwörung“ an. Seine Worte fanden weithin Beifall.
  • Da der EU-Gipfel zur gleichen Zeit stattfand, wurde vorgeschlagen, dass eine Verurteilung von Mahathirs Bemerkungen in der Schlusserklärung zu verurteilen. Das wurde aber vom französischen Präsidenten Jacques Chirac und dem griechischen Premierminister Costas Simitis abgeblockt. Statt dessen wurde die Verurteilung an die italienische EU-Präsidentschaft delegiert.
  • Ein Editorial der New York Times sagte, dass die Weigerung der EU auf dem eigenen Gipfel Mahathirs Rede zu verurteilen, trägt zur „Sorge bei, dass Ausbrüchen von Antisemitismus mit nicht entschuldbarer Nonchalance begegnet wird“, während ein Editorial in Le Monde anmerkte, dass „solche Worte in der arabisch-islamischen Welt normal sind, wo sie als offensichtliche Wahrheit gelten… und diese direkte Form des Rassismus, simpel und einfach als normale Kategorie der ‚politischen Debatte’ praktiziert wird.’“
  • Das Wichtige an der Affäre Mahathir ist, dass sie in kurzer Zeit und in einer konzentrierten Art und Weise das tief greifende antisemitische Gedankengut offen legt, das in großen Schichten der muslimischen Eliten wie auch des muslimischen Mainstreams vorhanden ist.
  • Die Affäre Mahathir ist auch eine wichtige Fallstudie für die Analyse westlicher Reaktionen auf islamischen Antisemitismus.

Sündenböcke für islamische Schwächen

Der zehnte Gipfel der Organisation der islamischen Konferenz (IOC) – an dem die Führer von 57 Staaten teilnahm – wurde am 16. Oktober 2003 in Putrajaya in Malaysia eröffnet. In seiner Willkommensrede griff der malaysische Premierminister Mohammed Mahathir, Gastgeber der Konferenz, die Juden und den Westen an. Sein Hauptthema war, die Schwäche des Islam zu beklagen und darüber zu sprechen, wie das berichtigt werden könnte. Seine Worte fanden weit gehend Beifall. Mit seinen Worten über die Juden startete Mahathir eine Kettenreaktion, die weit gehende Beweis für den Charakter und die Dynamik des Antisemitismus des Alltags-Islam liefern sollte.

Während Mahathirs Rede viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde, ist viel wichtiger, was hinterher geschah. Die Fragen, die gestellt werden müssen, lauten: Wer verurteilte Mahathir und wie? Wer unterstützte ihn und wie? Und wer schwieg?

Muslime und Juden: Eine weltweite Konfrontation?

In seiner Rede stellte Mahathir die Beziehungen zwischen Muslimen und Juden als eine weltweite, direkte Konfrontation dar. Obwohl er den Juden nur einige wenige Sätze widmete, gab er einige neue Beispiele für das, was Antisemitismus-Studien „die Theorie der jüdischen Verschwörung“ nennen. Mahathir sagte:

„1,3 Milliarden Muslime können nicht von ein paar Millionen Juden besiegt werden. Es muss einen Weg geben. Und wir können nur einen Weg finden, wenn wir anhalten um nachzudenken, um unsere Schwächen auszuwerten und unsere Stärken, zu planen, Strategien zu entwerfen und dann zurückzuschlagen.

Wir sind eigentlich sehr stark. 1,3 Milliarden Menschen können nicht einfach weggewischt werden. Die Europäer töteten sechs Millionen von zwölf Millionen Juden. Aber heute beherrschen die Juden diese Welt über Stellvertreter. Sie lassen andere für sich kämpfen und sterben.

Wir stehen gegen ein Volk, das denkt. Sie überlebten nicht 2000 Jahre Pogrome, indem sie zurückschlugen, sondern indem sie nachdachten. Sie erfanden und förderten den Sozialismus, den Kommunismus, die Menschenrechte und die Demokratie, damit es so schien, als sei ihre Verfolgung falsch, damit sie sich gleicher Rechte wie die anderen erfreuen könnten. Damit haben sie die Kontroller über die meisten mächtigen Länder gewonnen und sie, diese winzige Gemeinschaft, sind eine Weltmacht geworden. Wir können sie nicht allein durch Stärke besiegen. Wir müssen ebenfalls unser Hirn benutzen.“[1]

Mythen werden schaffen

Die weltweite Aufmerksamkeit, die Mahathirs antisemitischen Bemerkungen gewidmet wurde, überschattete den Rest seiner Rede, die eine Reihe von Anmerkungen enthielten, die typisch sind für einen Großteil des Diskurses der islamischen Führer. Mahathir sagte: „Wir sind alle Muslime. Wir werden alle unterdrückt. Wir werden alle gedemütigt.“

Er fügte hinzu: „Wir sind nun 1,3 Millionen. Wir haben die größten Öl-Reserven der Welt. Wir haben großen Reichtum. Wir sind nicht so unwissend wie die Jahilliah [die Unwissenden der vor-islamischen Zeit], die den Islam begrüßten. Wir kennen die Werke der Weltwirtschaft und ihrer Finanzen. Wir kontrollieren 50 der 180 Staaten der Welt.“ Er schloss: Weil die islamischen Länder sich nicht gegen die Welt da draußen zusammenschließen, nutzen sie ihre Macht nicht effektiv.

Viele der „Fakten“, die Mahathir bezüglich der Muslime anbrachte, waren Falschdarstellungen. Es ist schwierig zu behaupten, dass alle Muslime gedemütigt würden. Vielen Einwohnern der ölreichen Staaten geht es ziemlich gut; dort sind es Muslime, die andere Muslime erniedrigen, sie manchmal behandeln wie Sklaven. Mahathir vermied es, das Fehlen von Demokratie zu erwähnen oder das Vorhandensein von viel Korruption in der islamischen Welt, die für so viele ihrer Probleme verantwortlich ist. Mahathir ersetzte diese Tatsachen durch Märchen.

Internationale Reaktionen

Mahathirs antisemitische Angriffe führten zu vielen Reaktionen der westlichen Welt. Adam Ereli, Sprecher des US-Außenministeriums, sagte: „Wir betrachten sie mit der Abscheu und dem Hohn, den sie verdienen.“[2] Einige Tage später, auf dem Asien-Pazifik-Gipfel in Bangkok, sagte Präsident Bush Mahathir – nach dem, was Scott McClellan als Sprecher des Weißen Hauses sagt – dass seine Worte darüber, dass die Juden den Westen über Stellvertreter kontrollieren, „falsch und polarisierend sind… Sie stehen dem, was ich glaube, diametral entgegen.“[3] Mahathir jedoch leugnete, dass Bush ihn tadelte.[4]

Der australische Premierminister John Howard kommentierte Mahathirs OIC-Rede so: „Jede Andeutung von jedem, egal, wo in der Welt, dass die Welt in jüdische und nicht-jüdische Gruppierungen geteilt sei, ist historisch unhaltbar und falsch und wird von den meisten Australiern als widerlich angesehen.“[5]

Später erklärte der australische Außenminister Alexander Downer auf dem Asien-Pazifik-Gipfel: „Wir betrachten den Antisemitismus als inakzeptabel und die australische Regierung hofft, dass es keine weiteren Kommentare dieser Art geben wird.“[6]

Der Außenminister Neuseelands, Phil Goff, sagte: „Wir haben Sorge über den Sprachgebrauch, der Erinnerungen an so genannte jüdische Verschwörungen zurück bringt.“[7]

Der scheidende kanadische Premierminister Jean Chrétien, der ebenfalls am Asien-Pazifik-Gipfel teilnahm, lehnte es ab Mahathir persönlich zu kritisieren, als er dazu auf einer Pressekonferenz in Bangkok aufgefordert wurde, und verwies auf eine frühere Stellungnahme seines Außenministeriums. Der Toronto Star schrieb: „Jean Chrétien erlitt gestern einen unerwarteten Verlust. Er verlor seine Zunge… Chrétien begrüßte Mahathir mit einem herzlichen Händedruck, wie viele andere Staatsmänner auch. Aber er hielt den Mund und sagte nichts zum Thema Antisemitismus.“[8]

Die EU ist gespalten

Der britische Außenminister Jack Straw berief den malaysischen Hochkommissar ein, um sich über Mahathirs Worte zu beschweren. Das Außenministerium erklärte: „Es ist besonders betrüblich, dass einige positive und willkommene Aspekte in Mahathirs Rede, so die Betonung von Verhandlungen als Weg zum Frieden, von rassistischen Bemerkungen verdeckt und überschattet wurden.“[9] Auch das deutsche Auswärtige Amt bestellte malaysische Diplomaten ein um sich zu beschweren.[10]

Italien hat derzeit die Präsidentschaft der Europäischen Union inne. Der italienische Außenminister Franco Frattani sagte Reportern: „Der [malaysische] Premierminister benutzte Ausdrücke, die enorm beleidigend und sehr antisemitisch waren und … den Prinzipien der Toleranz, des Dialogs und des Verständnisses zwischen der westlichen Welt und der islamischen Welt entgegen laufen.“[11]

Da der EU-Gipfel zur gleichen Zeit stattfand, wurde vorgeschlagen, eine Verurteilung von Mahathirs Bemerkungen in die 19-seitige Abschluss-Erklärung aufzunehmen. Nach Angaben von Ha’aretz, besagte der Entwurf: „seine inakzeptablen Kommentare behindern alle unsere Bemühungen, ethnische und religiöse Harmonie zu fördern und haben keinen Platz in einer anständigen Welt. Solch falsche und antisemitische Bemerkungen sind für Muslime ebenso beleidigend wie für andere.“[12]

Aber der französische Präsident Jacques Chirac war dagegen, dass diese Zeilen in die Erklärung übernommen wurden; und der griechische Premierminister Costas Simitis unterstützte Chirac, wie Ha’aretz berichtete. Nach einer von der französischen Botschaft in Israel herausgegebenen Erklärung verurteilte Chirac Mahathirs Bemerkungen, betrachtete aber den EU-Gipfel als einen unpassenden Ort dies zu erklären. Pierre Filatoff, Sprecher der französischen Botschaft, sagte Agence France Presse, adss „die Eu-Richtlinien nicht erlauben, dass solche Erklärungen [die den Antisemitismus verurteilen] in solche Dokumente aufgenommen werden.“[13] Offenbar dachten die Regierungschefs der meisten EU-Staaten anders.

Daher wurde entschieden, dass die italienische Präsidentschaft des Rats der Europäischen Union eine Erklärung auf ihrer Internetseite abgeben würde, die besagt: „Die EU verurteilt die Sätze sehr, die vor Kurzem von Dr. Mahathir in seiner Rede zur Eröffnung der 10. Sitzung der Islamischen Gipfelkonferenz in Putrajaya, Malaysia, machte… Solche Worte behindern alle unsere Bemühungen, die inter-ethnische und religiöse Harmonie zu fördern und haben in einer toleranten Welt absolut keinen Platz.“[14]

Chiracs Unklarheit gegenüber den Juden entlarvt

Nun hatte Präsident Chirac reichlich Gründe zufrieden zu sein. Er hatte einmal mehr seine Freundschaft mit der islamischen Welt bewiesen. Er hatte die Verurteilung eines ihrer Führer bei einem wichtigen EU-Treffen verhindert und mit einer italienischen Erklärung auf einer EU-Internetseite, wie auch durch eine Erklärung durch die französische Botschaft in Israel ersetzt.

Es war allerdings Mahathirs Reaktion, die Chirac entlarvte. Der malaysische Premierminister dankte Chirac dafür, dass er die Erklärung des EU-Gipfels blockierte, die seine Rede verurteilen sollte. Die malaysische Tageszeitung The Star zitierte Mahathir Worte zu Chirac: „Ich denke, er versteht es besser. Jeder, der die ganze Rede liest, wird verstehen, was ich sage. Ich war wirklich besorgt, dass die Muslime gegen mich sein würden, aber es waren die Europäer, die gegen mich waren. Ich kann sie nicht verstehen.“[15]

Chirac war nun in einer Situation gefangen, in der er Schadensbegrenzung betreiben musste. Hätte er nicht reagiert, hätte ihn das als den Antisemitismus stillschweigend akzeptierend bloß gestellt und die Erklärung der französischen Botschaft in Israel als unwichtige, unbedeutende Geste gegenüber den Juden erwiesen.

Daher antwortete Chirac am 19. Oktober an Mahathir und sagte: „Ihre Bemerkungen zur Rolle der Juden provozierte heftigen Widerspruch in Frankreich und der Welt.“[16] Chirac drückte auch seine Zustimmung dazu aus, dass Mahathir ein Ende der palästinensischen Selbstmordanschläge auf Israelis forderte. Trotzdem kamen die Franzosen mit ihrer besonderen Stellungnahme aus Paris drei Tage zu spät, womit sie Chiracs Unklarheit gegenüber den Juden weiter bloß stellten. Chirac sieht sich zunehmenden Schwierigkeiten in der Beibehaltung der Fassade gegenüber, er sei Israel gegenüber kritisch eingestellt, den Juden aber freundlich gesonnen.

Vor Kurzem führte Israel Singer, Vorsitzender der Exekutive des World Jewish Congress, an, dass während der Rückgabe-Verhandlungen in den 1990-er Jahren Chiracs Verhalten einem klassischen Muster folgte, dass man antiisraelisch ist und dann versucht, das durch Unterstützung der Diaspora-Juden zu kompensieren. Bei einer späteren Gelegenheit sagte Chirac Singer allerdings, dass Juden die Ursache des Antisemitismus in Frankreich und andernorts seien.[17]

Bei einem Treffen mit Leitern des Simon Wiesenthal-Zentrums (SWC) im Mai 2003 stritt Chirac das Vorhandensein des Antisemitismus in Frankreich ab. Er behauptete, dass die Angriffe auf Juden lediglich suburbanes Rowdytum seien. Chirac erwähnte auch, dass er ein Jahr vorher einen palästinensischen Studenten in Frankreich zum Mittagessen in den Elysée-Palast eingeladen hatte, nachdem der Student ihm gesagt hatte, er wolle nach Palästina zurückkehren, um Juden zu töten. Als die SWC-Leiter zu ihrem nächsten Treffen, unweit von Chiracs Residenz, gingen, wurden einige von ihnen, die eine Yarmulke trugen, von Zaungästen durch antisemitische Bemerkungen beleidigt, z.B.: „Jude raus aus Frankreich.“

Die Rolle der Griechen

Frankreichs Verbündeter in der Affäre Mahathir – die griechischen Sozialisten – haben eine lange Geschichte von antijüdischem Rassismus. Bereits 1982 verglich der sozialistische Premierminister Andreas Papandreou – Vater des heutigen Außenministers George Papandreou – öffentlich die Israelis mit den Nazis.[18]

Weit verbreiteter Antisemitismus unter griechischen Politikern, der Presse und in der Gesellschaft wird vom Simon Wiesenthal-Zentrum zunehmend offen gelegt. Auf dem Human Dimension Meeting der OSZE/ODHIR in Warschau am 14. Oktober 2003 präsentierte Dr. Shimon Samuels vom SWC einen langen Bericht mit dem Titel „Zwanzig Monate antisemitischer Beschimpfungen in Griechenland, März 2002 bis Oktober 2003“. Er forderte die griechische Regierung auf angemessene Maßnahmen gegen die antisemitische Offensive in ihrem Land zu treffen, die die Vorschriften der EU und internationale Konventionen verletzen.[19]

Presse-Reaktionen

Die westliche Presse berichtete ausführlich über die Affäre Mahathir. Die New York Times schrieb in einem Editorial: „Sympathie für die Not der Muslime darf nicht mit der Akzeptanz des Rassismus verwechselt werden. Die meisten Muslime sind tatsächlich mies behandelt – von ihren eigenen Führern, die sich auf nutzlosen Gipfeltreffen versammeln, statt ihren Völkern zu geben, was sie am dringendsten brauchen: Menschenrechte, Ausbildung und Demokratie. Die Europäische Union wurde aufgefordert die Rede von Herrn Mahathir in seiner Schlusserklärung zum gestrigen Ende des eigenen Gipfels zu verurteilen. Sie entschied sich, das nicht zu tun und trug so weiter zu der Sorge bei, dass den Ausbrüchen des Antisemitismus mit unentschuldbarer Nonchalance begegnet wird.“[20]

Einige Tage später glich die Zeitung diese Ansichten mit einem Artikel von Paul Krugmann aus, der größtenteils die USA für den Antiamerikanismus in der muslimischen Welt verantwortlich machte. Krugmann nannte Mahathirs Bemerkungen „unentschuldbar“, versuchte aber trotzdem sie zu erklären.[21] Krugman war gewitzter als Mahathir. Als er erklärte, dass Bush Scharon bedingungslos unterstützt, da war das eine weitaus elegantere Art, den Trugschluss auszudrücken, dass die Juden die Welt über Stellvertreter beherrschen.

Richard Cohen, Kolumnist der Washington Post, verwies auf die Standing Ovations, die die Zuhörerschaft des Gipfels Mahathirs Rede gab: „Zu Mahathirs Claqueuren gehörten der saudische Kronprinz Abdullah, Pakistans Präsident Pervez Musharraf, unser Bursche in Afghanistan, Hamid Karzai und sogar Russlands Wladimir Putin, der die große muslimische Minderheit seines Landes repräsentierte… Aber was große Teile der islamischen Welt korrumpiert und schwächt, sind nicht die Juden in New York oder Tel Aviv, sondern ihre nur den eigenen Interessen dienende und unfähig Führung – mit anderen Worten, einige genau von denen, die dort standen und die Rede bejubelten.“[22]

Zuraidah Ibrahim von Singapurs Straits Times kommentierte die Rede: „Um ihr die freundlichste Wendung zu geben, die möglich ist, könnte man sagen, dass er nur versuchte, die Muslime dazu aufzurufen, von den Juden zu lernen, wie sie versuchen die Erniedrigung und Unterdrückung von Jahrhunderten abzustreifen. Dass er die Juden dafür lobte, dass sie ein positives Beispiel waren: Sie antworteten auf die Verfolgung durch Benutzung ihres Gehirns, nicht ihrer Stärke. Aber es dabei zu lassen, würde bedeuten, seine gefährliche und unverantwortliche Beschreibung der Muslime als in einer monumentalen Konfrontation gegen die Juden stehend unter den Teppich zu kehren. Die traurige Wahrheit ist aber, dass das ein Satz ist, den man von Muslimen oft hört. Muss es so sein? Müssen Muslime die Welt in solch Unheil verkündenden Begriffen betrachten, als sie gegen uns?… Es ist leicht, alle Probleme der Welt auf entweder den islamischen Terrorismus oder eine jüdische Verschwörung zu reduzieren. Aber das bedeutet nicht, dass es richtig ist.“[23]

Die französische Zeitung Le Monde schrieb in einem Editorial, dass niemand die Halle verließ, als Mahathir seine antisemitischen Kommentare abgab. Der Autor wunderte sich, warum niemand ging und schlug vor: „Nicht aus Höflichkeit gegenüber dem Gastgeber dieses zehnten Gipfels. Nicht aus Apathie. Aus einem viel ernsteren Grund. Denn die Zuhörer stimmten ihm zu. Weil solche Worte in der arabisch-islamischen Welt Gemeingut sind, wo sie als offensichtliche Wahrheit gelten und regelmäßig von Regierungen und der – oft kontrollierten – Presse geäußert werden – und von Lehrern… und diese direkte Form des Rassismus wird einfach so als normale Kategorie der ‚politischen Debatte’ gehandhabt – die leider Gottes in unsere [französischen] Vororte eingedrungen ist.“ Die Zeitung schließt, dass Mahathir sich erlaubt hat friedliche Mittel zur Bekämpfung der „Juden“ anzukündigen. Er sollte wissen, dass seine Rede Terrorismus nährt.[24]

Jüdische Reaktionen

Das israelische Außenministerium verurteilte Mahathirs Rede. Ebenso Minister Natan Scharansky, der sagte: „Dies ist das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass der Antisemitismus in seiner primitivsten und vulgärsten Form die offizielle Agenda eines respektierten internationalen politischen Forums formt, das sich in diesem Fall aus fast einem Drittel der Welt zusammensetzt. Dieser Vorfall ist nur möglich gemacht worden durch die Gleichgültigkeit und die fehlende Sorge, die von der westlichen Welt gezeigt wird, wenn sie mit eklatantem Antisemitismus konfrontiert wird. Wir alle wissen, wie diese Dinge anfangen – immer mit den Juden; aber die Geschichte hat uns immer wieder gelehrt, dass es nie mit den Juden endet.“[25]

David Harris, geschäftsführender Direktor des American Jewish Committee, sagte: „Diese Art von Sprachgebrauch, der den Juden eine ganze Reihe dämonischer Mächte zuschreibt, erinnert an den gröbsten und abscheulichsten Antisemitismus der Geschichte.“[26] Später sagte er: „Dies ist ein guter Test in Sachen internationaler Reaktionen auf Fanatismus. Handelt es sich um Verurteilungen, denen ‚Business as usual’ folgt, oder haben die Verurteilungen Zähne?“[27]

Das Simon Wiesenthal-Zentrum verurteilte Mahathirs Rede als „eine Schmährede, die Hitler und Goebbels stolz gemacht hätte … Rabbi Abraham Cooper, stellvertretender Dekan des SWC griff Mahathir als einen gefährlichen Rassisten an, ‚dessen hasserfüllte Rhetorik praktisch eine Einladung zu weiteren antisemitischen Angriffen ist’.“[28]

Die Anti-Defamation League (ADL) drückte in einer Presseerklärung „Wertschätzung derer aus, deren Länder und Politiker die antisemitische Rede des malaysischen Premierministers Mahathir Mohammed beim Gipfel der Organisation Islamischer Staaten heftig und vehement verurteilten, nannte aber die, die sich mit der Rede einverstanden erklärten oder deren Reaktion Schweigen war, ‚willige Komplizen bei der Verbreitung von Mahathirs Hass’.“[29]

ADL-Direktor Abraham Foxman drückte besondere Wertschätzung für die Europäische Union, Italien, Spanien und Deutschland aus und fügte hinzu: „Wir sind besonders empört über das Handeln des französischen Präsidenten Jacques Chirac und des griechischen Premierministers Costas Simitis, die den Einschluss einer Verurteilung von Mahathirs antisemitischer Rede in die offizielle Schlusserklärung des EU-Gipfels blockierten. Durch ihr skandalöses Verhalten sind diese Länder willfährige Komplizen bei der Verbreitung dieser Worte des Hasses.“[30]

Colin Rubenstein, geschäftsführender Direktor des Australian/Israel and Jewish Affairs Council (AIJAC) sagte, dass Mahathirs „niederträchtige Behauptungen waren wahrscheinlich die eklatantesten und heftigsten antisemitischen Äußerungen, die in von einer wichtigen Person in der Welt in den letzten Jahrzehnten öffentlich gemacht wurden.“[31]

Amnon Dankner, Redakteur der israelischen Zeitung Ma’ariv, veröffentlichte eine harsche Kritik des Verhaltens Chiracs. Auf eine moderatere, trotzdem kritische Art sprach sich die französisch-jüdische Organisation CRIF gegen die Haltung der Europäischen Union und der französischen Regierung: „Es scheint uns so zu sein, dass die Proteste der Europäischen Union ungenügend ist und rein formal. Über einen formalen Brief an den Premierminister von Malaysia hinaus erwarten wir von Frankreich eine starke, ernsthafte Stellungnahme von globalem Einfluss gegen barbarische Äußerungen.“[32] Französisch-israelische Spannungen waren eine weitere Nebenfolge der Affäre Mahathir.

Mahathirs antisemitische Vergangenheit

Mahathir hat eine lange Geschichte an antisemitischen Bemerkungen. Nach Angaben der BBC News-Internetseite sagte Mahathir bereits 1970 – lange bevor er Premierminister wurde: „Die Juden sind z.B. nicht nur hakennasig, sondern können instinktiv mit Geld umgehen.“[33]

Im Dezember 1997 veröffentlichte der World Jewish Congress (WJC) eine politische Depesche, die dem malaysischen Antisemitismus unter Mahathir gewidmet war. Sie besagt unter anderem: „1983 wurden die ‚Protokolle der Weisen von Zion’ in Malaysia gedruckt… In einer Rede auf dem Treffen der Bewegung der Blockfreien 1986 erklärte Mahathir, dass ‚die Ausweisung der Juden aus dem Heiligen Land vor 2000 Jahren und die Unterdrückung der Juden durch die Nazis hat sie nichts lernen lassen. Wenn überhaupt, dann hat das die Juden in genau die Monster verwandelt, die sie in ihrem Propagandamaterial so rundheraus verurteilen. Sie sind Schüler des verstorbenen Dr. Goebbels gewesen.“[34]

Im Mai 1998 veröffentlichte Business Week einen Brief von ADL-Direktor Abraham Foxman mit der Überschrift „Mahathirs Antisemitismus ist eine alte Geschichte“, in dem er schrieb: „Obwohl der malaysische Premierminister Mahathir Mohammed versucht, die antijüdischen Bemerkungen zu rechtfertigen, die er im letzten Jahr von sich gab, müssen wir daran erinnern, dass diese geschmacklosen Kommentare mit seiner langen antisemitischen Geschichte und Glauben an eine jüdische Verschwörung zum Sturz Malaysias in Einklang stehen. Daher waren seine Kommentare, eine jüdische Verschwörung sei für Malaysias wirtschaftlichen Abschwung verantwortlich, nicht überraschend.“[35]

Auf der Wirtschaftskonferenz in Davos 1999 kritisierte Mahathir die Juden mit Argumenten, die an die Protokolle der Weisen von Zion erinnern. Er macht die jüdische Verbindung für Asiens Wirtschaftsprobleme verantwortlich.[36]

Der pensionierte israelische Botschafter Mosche Yegar, der in den 60-er Jahren mehr als ein Jahr in Malaysia lebte, veröffentlichte im Sommer 2003 einen Aufsatz mit dem Titel „Malaysia – Antisemitische Politik ohne Juden“. Darin erwähnte er, wie der Premierminister des Landes im Juni 1983 Israel wegen des Feldzugs im Libanon kritisierte und es „die unmoralischste Regierung der Welt“ nannte.“[37] 1997 behauptete Mahathir, seine Regierung habe Angst die Juden planten Malaysias Wirtschaft und die anderer muslimischer Länder zu zerstören.[38]

Malaysias Dreifach-Reaktions-Strategie

Angesichts der unerwartet großen Kritik entwickelte Malaysia eine dreifache Reaktions-Strategie. Das erste Element war der Versuch, durch widersprüchliche Stellungnahmen führender Politiker eine Nebelwand zu werfen. In einem Interview mit dem australischen Fernsehsender Nine Network sagte der malaysische Außenminister Sayed Hamd Albar, dass Mahathir missverstanden worden sei. Er fügte hinzu: „Ich bin zuversichtlich, dass er keine antijüdischen Gefühle hegt.“[39] Aber am nächsten Tag sagte Mahathir: „Ich bin beschuldigt worden antisemitisch zu sein, während das, was ich sagte, sich lediglich auf Fakten stützte. Das ist meine Sicht der Dinge.“ Er fügte hinzu: „Dies sind Fakten der Geschichte und mir zu sagen, ich könne geschichtliche Tatsachen nicht erwähnen, bedeutet mir das Recht auf freie Rede abzusprechen.“[40] Er fuhr in den nächsten Tagen auch fort die antisemitischen Flammen zu schüren.

Ein zweites Element der malaysischen Reaktions-Strategie war es, andere islamische Führer für die Unterstützung Mahathirs zu mobilisieren oder zu erklären er sei falsch interpretiert worden. Der iranische Präsident Mohammed Khatami behauptete, dass Mahathir des Antisemitismus zu beschuldigen „westliche Propaganda sei… Kein Muslim ist antisemitisch.“[41]

Der pakistanische Präsident, General Pervez Muscharraf sagte auf einer Pressekonferenz: „Ich denke nicht, dass er zum Krieg gegen die Juden oder irgendetwas derartiges aufrief. Er drückte seine eigenen Gedanken aus… aber ich bin sehr sicher, dass er die Muslime nicht aufforderte gegen irgendjemanden in den Krieg zu ziehen.“[42] Der Präsident Afghanistans, Hamid Karzai, sagte: „Dr. Mahathir sprach nur über Fragen, denen die muslimische Welt sich stellen muss und was die Muslime tun sollten.“[43]

Der ägyptische Außenminister Ahmad Maher argumentierte, dass Mahathirs Bemerkungen aus dem Zusammenhang gerissen worden seien. Wenn man die gesamte Rede lese, würde sie aufzeigen, dass er „in Wirklichkeit eine kluge und tief gehende Bewertung der Probleme gegeben habe, denen sich die Muslime gegenüber sehen.“[44] Faruk Kaddoumi von der PLO beobachtete, dass Mahathir die Wahrheit gesagt habe, „aber Israel und seine Sympathisanten tendieren dazu, jede Stellungnahme gegen sie als Antisemitismus zu betrachten. Sie beschuldigen uns, während sie unser Land besetzt halten, unser Volk töten und behaupten, wir seien Terroristen.“[45]

Abdikassim Salad Hassan, Präsident von Somalia, erklärte: „Meine Begleitung und ich fanden Dr. Mahathirs Rede sehr geradeaus und tief gehend. Er versuchte nicht Hass zu schüren oder die Muslime aufzustacheln, gegen die Juden in den Krieg zu ziehen, sondern seine Rede handelte davon sich zu vereinigen, um sich den Bedrohungen durch die Juden zu stellen.“[46]

Die indonesische Präsidentin Megawati Sukarnoputri schlug ähnliche Töne an. Sie behauptete, die Auslandsmedien hätten Mahathirs Rede falsch interpretiert, was die Informationslücke zwischen muslimischen und nicht muslimischen Ländern aufzeige: „Das ist der Grund, warum es mehr Kommunikation zwischen diesen beiden Seiten geben sollte, um die wahre Botschaft des Islam rüber zu bringen, die im Grunde genommen eine der Toleranz und Moderation ist. Wir müssen unsere eigenen Werte vermitteln.“[47]

Die malaysischen Medien, das dritte Element in der Strategie der malaysischen Regierung, hoben hervor, dass Mahathir fehlinterpretiert wrude,[48] während sie die Reaktionen der westlichen Staatsmänner kritisierten. Ahmed A. Talib schrieb in der New Strait Times: „Stellen Sie sich vor. Dies sind Reaktionen so genannter Welt-Staatsmänner, die oft erklärten, dass sie die Befürworter der Redefreiheit und der demokratischen Lebensweise seien… Einige von uns rasteten fast aus, als wir die Nachricht aus London lasen: ‚Großbritannien bestellt malaysischen Diplomaten wegen Kommentaren über Juden ein.’ Jemand in Kuala Lumpur macht eine Bemerkung über Juden und ein Vertreter der Regierung wird von einer ausländischen Regierung her zitiert.“[49]

Ein weiterer Kolumnist der Zeitung, Schamsul Akmar, schrieb, die Frage, ob die Juden die Welt kontrollierten, bleibe offen. Er fügte hinzu: „Sollte der Rest der Welt auch den Völkermord ignorieren, der von den Israelis an den Palästinensern verübt wird, nur weil Washington dazu schweigt?“[50]

Sehr wenige Stimmen in den islamischen Medien verurteilten Mahathirs Erklärungen, was beweist, wie tief sitzend der Antisemitismus in der so genannten „moderaten“ islamischen Welt ist.

Schlussfolgerungen

Die Nebelwand, die die Malaysier um die Worte ihres Premierministers schaffen wollten, hielt nicht lange an. Am 21. Oktober sagte Mahathir der Bangkok Post: „Erst kürzlich führte eine japanische Zeitung meine Rede darauf zurück, dass ich antisemitisch sei… Sie nehmen einen Satz heraus, in dem ich sage, dass die Juden die Welt kontrollieren. Nun, die Reaktion der Welt zeigt, dass sie die Welt kontrollieren. Die Europäer und die Amerikaner und andere wollen mich verurteilen, obwohl ein Typ sagte, alle Muslime seien Terroristen. Hat die Europäische Union eine Resolution verabschiedet, die sagt, dass dies gegen Muslime ist?“[51] Er fügte an, dass er Juden unter seinen Freunden habe, womit er die klassische Spruch derer, die ihren Antisemitismus weg erklären müssen. Mahathir hat außerdem regelmäßig die USA, Australien, die Europäer, Homosexuelle und viele andere angegriffen.[52]

Die Bedeutung der Affäre Mahathir ist, dass sie in einer kurzen Zeitspanne und in einer konzentrierten Art und Weise den tief gehenden antisemitischen Gedanken bloß legte, der in großen Teilen der muslimischen Eliten wie Gesellschaft vorhanden ist. Es gibt keine Scham, öffentlich die abscheulichsten antisemitischen Darstellungen zu benutzen, darunter die der „Protokolle der Weisen von Zion“. Dieses Fälschungswerk wird in der gesamten islamischen Welt regelmäßig neu veröffentlicht.

So verursachte Mahathir eine weit reichende Demonstration des Antisemitismus des Alltags-Islam. Die Affäre Mahathir dient nun als zentraler Beweis dieses Antisemitismus, die Reste der reichlich vorhandenen antijüdischen Materials aus der islamischen Welt dient als unterstützender Beleg dieses alltäglichen Rassismus.

Schließlich wurde Mahathirs Worten auf dem islamischen Gipfel applaudiert; später stellten sich viele andere hinter sie. Diese Reaktionen zeigen, dass die islamische Welt – in der kaum jemand demokratisch gewählt ist – nicht nur für die Juden gefährlich ist, sondern genauso für den Rest der Menschheit. Über diese extremen Muslime hinaus, die Völkermord mit dem arabischen Ausdruck „Jihad“ predigen, hat die Affäre Mahathir demonstriert, wie problematisch die Ideenwelt der alltäglichen islamischen Gesellschaft für den Westen ist. Sie ist ebenfalls eine wichtige Fallstudie für die Analyse westlicher Reaktionen auf islamischen Antisemitismus.

[1] News Desk: Dr. Mahathir Opens 10th OIC Summit. The Star, 16. Oktober 2003. (Dieser Artikel enthält den vollen Text der Rede.)

[2] What They Say about Mahathir’s Remarks on Jews. Straits Times, 19. Oktober 2003.

[3] Darren Schuettler: Bush Tells Mahathir His Jew Remarks are “Wrong”. Reuters, 20. Oktober 2003.

[4] Nirmal Ghosh: Mahathir Downplays Bush Criticism. Straits Times, 23. Oktober 2003.

[5] ebenda

[6] Anti-Jewish Remarks May Mar Mahathir’s Political Swan Song. Sydney Morning Herald, 20. Oktober 2003.

[7] ebenda

[8] Martin Regg Cohn: Chretien Has No Comment on Mahathir. Toronto Star, 21. Oktober 2003.

[9] John Aglionby: West Accuses Malaysian PM of Racism. Guardian, 18. Oktober 2003.

[10] ebenda

[11] Straits Times, 19. Oktober 2003.

[12] Sharon Sadeh/Yoav Stern/Amiram Barkat: EU Condemns Malaysian PM’s Remarks on Jews, But No Apology is Forthcoming. Ha’aretz, 19. Oktober 2003.

[13] Chirac Backed EU Condemnation of Malaysian PM: Spokeswoman. EU Business, 19. Oktober 2003.

[14] Italian Presidency of teh Council of the European Union [Internetseite]. 16. Oktober 2003.

[15] Devid Rajah/Clarence Chua: Mahathir Thanks Chirac for Support. The Star, 19. Oktober 2003.

[16] France Condemns Mahathir Speech on Jews. Reuters, 19. Oktober 2003.

[17] Manfred Gerstenfelds Interview mit Israel Singer: Restitution: The Second Round. Post-Holocaust and Anti-Semitism, 2. November 2003.

[18] Daniel Perdurant: Anti-Semitism in Contemporary Greek Society. In: Analysis of Current Trends in Anti-Semitism, Nr. 7, Jerusalem (Hebrew University), 1995, S. 10.

[19] Simon Wiesenthal-Zentrum: Twenty Months of Anti-Semitic Invective in Greece. März 2002 – Oktober 2003, 14. Oktober 2003.

[20] Editorial – Islamic Anti-Semitism. New York Times, 18. Oktober 2003.

[21] Paul Krugman: Listening to Mahathir. New York Times, 21. Oktober 2003.

[22] Richard Cohen: Return to Wannsee. Washington Post, 21. Oktober 2003.

[23] Zuraidah Ibrahim: Insight: Drop that Jews vs Muslims Worldview. Sunday Times, 18. Oktober 2003.

[24] L’editorial du Monde – Antisemitisme. Le Monde, 19. Oktober 2003 (auf Französisch).

[25] Wie von Minister Scharanskis Büro berichtet.

[26] Presseerklärung des American Jewish Committee: AJC Condemns Anti-Semitic Remarks by Malaysian Prime Minister. 16. Oktober 2003.

[27] Ron Kampeas: After Mahathir’s Anti-Semitic Remarks, Jews Wonder If Outrage Will Yield Change. JTA, 21. Oktober 2003.

[28] Presseerklärung des Simon Wiesenthal Center: Mahathir’s OIC Diatribe Would Make Hitler and Goebbels Proud and is a Warrant for Anti-Semitic Terrorism. 16. Oktober 2003.

[29] Presseerklärung: ADL Statement on World Reaction to Mahathir’s Speech. 17. Oktober 2003.

[30] ebenda

[31] News.com.au: Jews Condemn Mahathir, 17. Oktober 2003.

[32] CRIF: Chirac Explains He Condemned Malaysia’s PM, Denies He Blocked EU Move. Jewish Leaders not Convinced. 22. Oktober 2003.

[33] BBC News, 10. August 2003.

[34] The Protocols’ Malaysian Style: The Case of Prime Minister Mahathir Mahamad. World Jewish Congress Policy Dispatch Nr. 24, Dezember 1987.

[35] Abraham Foxman: Mahathirs Anti-Semitism is an Old Story. Business Week, 14. Mai 2003.

[36] Israelisches Außenministerium: The Anti-Semitism Monitoring Forum, Government Secretariat: Report of Anti-Semitic Incidents – February 1999.

[37] Mosche Yegar: Malaysia – Anti-Semitic Policy Without Jews. Gesher, Sommer 2003, S. 81 [Hebräisch].

[38] Ebenda, S. 87.

[39] Malaysian Defends PM’s Statement on Jews. AP/New York Times, 19. Oktober 2003.

[40] Dr. M Hits Out at the West for Distorting His Speech. The Star, 18. Oktober 2003.

[41] Leaders Rally to Defend Dr. Mahathir. New Straits Times, 17. Oktober 2003.

[43] ebenda

[43] ebenda

[44] ebenda

[45] ebenda

[46] To the Defens of Dr. Mahathir. The Star, 18. Oktober 2003.

[47] ebenda

[48] Ashraf Abdullah: International Media Twisting Dr. M’s Words. New Straits Times, 18. Oktober 2003.

[49] Ahmed A. Talib: Outcry Over Dr. Mahathir’s Remarks Makes No Sense. New Straits Times, 19. Oktober 2003.

[50] Schamsul Akmar: The Question Still is: Do Jews Control the World? The Straits Times, 18. Oktober 2003.

[51] Pichai Chuensuksawadi: Exclusive Interview/Mahathir Mohamad. Bangkok Post, 21. Oktober 2003.

[52] BBC News, 10. August 2003.

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Der neue Antisemitismus (3): Graffiti an den Wänden der Geschichte

Mortimer B. Zuckerman, Jewish World Review, 29. Oktober 2003

„All die Ismen“, sagte einmal ein englischer Witzbold, „sind warmals.“[1] Nun, nicht ganz. Im 20. Jahrhundert kam der Faschismus und ging wieder. Der Kommunismus kam und ging. Der Sozialismus kam und ging zurück. Aber heute bewohnen immer noch einige virulente „Ismen“ die Welt. Zu den bösartigsten gehören ein atavistischer Antisemitismus und seine Version für das 20. Jahrhundert, der Antizionismus. Diese „Ismen“ sind wie Graffiti auf der Wand der Geschichte, Embleme eines Gifts, das immer noch mächtig und unbehandelt ist, bewiesen erst jüngst durch die Bemerkungen des malaysischen Premierministers Mahathir Mohammed, der sagte: „Heute beherrschen die Juden die Welt durch Stellvertreter. Sie bringen andere dazu für sie zu kämpfen und zu sterben.“

Mahathirs Worte wurden weit gehend verurteilt. Aber solche Kommentare verdecken eine tiefere Wahrheit über diesen neuen Strang des Antisemitismus, der nicht direkt einzelne Juden oder gar das Judentum selbst zielt. Er ist eher gegen den das jüdische Kollektiv, den modernen Staat Israel gerichtet.

So wie der historische Antisemitismus den einzelnen Juden das Recht verweigerte, als gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft zu leben, verweigert der Antizionismus dem kollektiven Ausdruck des jüdischen Volks, dem Staat Israel, das Recht, als gleichwertiges Mitglied der Völkerfamilie zu leben. Israelische Politik ist daher einer Form von Kritik ausgesetzt, durch die es herausgepickt wird, wenn andere in ähnlichen Umständen überhaupt keine Kritik erfahren. Bei jedem anderen Land, das derart durch den Terrorismus blutet, wäre es sicher keine Frage, dass es das Recht hat sich zu verteidigen. Aber Israels Bemühungen, einfach seine Bürger zu schützen, werden regelmäßig als Aggression hingestellt.

Die Beschwerde, dass solche Darstellungen unfair und unlogisch sind, heißt nicht, dass alle Kritik an der israelischen Regierung als antisemitisch abgetan werden kann. Eine Demokratie muss Kritiker begrüßen und Israel hat seine Kritiker zu Hauf – man muss nur mal die lebhafte Presse. „Juden“, so sagte einmal ein Kommentator, „sind Goldmedaillen-Gewinner in der Kunst der Selbstkritik.“ Für viele ist aber die jüngste Kritik an Israel so pervers geworden, so hartnäckig, derart von der Realität getrennt, dass sie nur als emotionaler Antisemitismus bezeichnet werden kann, der sich hinter der hinterhältigen politischen Maske des Antizionismus verstecken.

Der neue Antisemitismus überschreitet Grenzen, Nationalitäten, Politik und Sozialsysteme. Israel ist auf sehr ähnliche Weise das Objekt von Neid und Groll geworden, wie der einzelne Jude einst das Objekt von Neid und Groll war. Israel steigt im Endeffekt zum kollektiven Juden der Nationen auf. Nach mehr als einem halben Jahr Holocaust-Erziehung, hunderten von Kursen in Schulen und Hochschulen und tausenden von Büchern, die der Aufdeckung seiner Bösartigkeit gewidmet waren, ist der traditionelle Antisemitismus als innenpolitische Frage in großen Teilen der Welt so gut wie verschwunden. „Das jüdische Problem“ wurde nicht länger durch das definiert, was mit den Juden Deutschlands, Frankreichs, Polens oder Russlands geschah. Statt dessen ist der traditionelle Antisemitismus in Europa und der muslimischen Welt – sogar in Asien – als Antizionismus neu aufgestiegen, konzentriert sich auf die Juden Israels, die Rolle Israels und , für einige, auf die Juden in den USA, die Israel unterstützen.

Dieses Phänomen hat seine Ursprünge im arabisch-israelischen Krieg von 1967. Seit damals hat sich das Image des Juden verändert. Der Wucherer ist plötzlich durch einen neuen Juden ersetzt worden, karikiert als aggressives, allmächtiges Kollektiv namens Israel. „Der Rambo-Jude“, wie Schriftsteller Daniel Goldhagen es nennt, „hat im Großen und Ganzen den Wucherer in der antisemitischen Vorstellung abgelöst.“ Mit den am Ende des Kriegs übernommenen Gebieten gab es den „schneidigen, kleinen jüdischen Staat“ nicht mehr. In den Jahren seit damals, sowie er wieder und wieder auf arabische Angriffe reagierte, erodierte die Sympathie für Israel weiter, weil die Fernsehsender der Welt nicht Bilder von Terroristen ausstrahlten, sondern von bewaffneten Israelis, die auf den Terror antworteten. Nur, dass irgendwie das Wort „antworteten“ etwas oft in dem Chaos verloren ging. Die Fernsehbilder schienen anzudeuten, dass die Israelis sich der Benutzung unverhältnismäßiger Gewalt schuldig machten, denn wie wurden selten von dem Verständnis begleitet, dass ein Land mit gerade einmal 6 Millionen in einem Meer von über 120 Millionen Araber niemals einen Krieg gleicher Abnutzung führen konnte.

Aber egal. Es ist so als glaube die Welt irgendwie, dass Israel den Pokal „Moral des Jahres“ bei seiner Verteidigung gewinnen müsse – als sei es moralisch falsch, auf die zu reagieren, die seine Vernichtung anstreben. Gibt es wirklich keinen Unterschied zwischen der Gewalt der Mörder, die Unschuldige angreifen und der unveräußerlichen, gesetzestreuen Staatsgewalt? Sind die Brandstifter und die Feuerwehrleute wirklich moralisch gleichwertig? Ist Israels Herangehen, bei dem versucht wird, die Zahl der zivilen Opfer möglichst gering zu halten, das gleiche wie das der Terroristen, die ein möglichst hohe Zahl genau dieser Opfer haben wollen?

Solche Fragen werden durch eine nicht da gewesene Umschreibung der Geschichte verursacht: arabische Terroristen haben es unglaublicherweise geschafft, mehr Sympathie zu erhalten als ihre Opfer. Die Juden, nach der Erfahrung des Völkermords in Europa, sind heute die des Völkermords Angeklagten auf dem harten Boden der Westbank und des Gazastreifens. Das Vokabular der Beschuldigungen stellt die Juden als die Nazis da und ihre arabischen Feinde als die hilflosen Juden. Die schlimmsten Verbrechen der Antisemiten der Vergangenheit – rassistische und ethnische Säuberung, versuchter Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit – werden nun zunehmend den Juden und dem jüdischen Staat zugeschrieben. Es wird argumentiert, wenn du gegen den Nationalsozialismus bist, dann musst du in Opposition zu Israel sein. Auf diese Weise ist israelische Verteidigung in Aggression verwandelt worden. Als tragische Konsequenz davon ist die Zeit der Aussöhnung, die zwischen Israel und der Welt nach dem Holocaust herrschte, vorbei. In großen Teilen der Nachrichtenmedien der Welt und in ihren elitären Gemeinschaften gibt es als Folge ein Muster der Delegitimierung Israels.

Amerikaner, die den skurrilen Antisemitismus als gegeben hinnehmen, der routinemäßig in der arabischen Presse erscheint, könnten erstaunt sein über das, was nun in der kultivierten europäischen Presse auftaucht. In England schrieb der „Guardian“, dass „Israel kein Recht hat zu existieren“. „The New Statesman“ brachte eine Story mit dem Titel „Eine koschere Verschwörung“, illustriert mit einem Deckblatt, das einen goldenen Davidstern zeigt, der den Union Jack durchsticht. Die Geschichte deutet an, dass ein zionistisch-jüdischer Kabbalist versucht, die britische Presse auf die Linie der Sache Israels zu bringen. In Frankreich veröffentlichte die Wochenzeitung „Le Nouvel Observateur“ eine außerordentliche Verleumdung, in der behauptet wurde, israelische Soldaten vergewaltigten palästinensische Frauen, damit ihre Verwandten sie töten, um die Familienehre wieder herzustellen. In Italien sprach der „L’Osservatore Romano“ im Vatikan von Israels „Aggression, die sich in Ausrottung wandelt“, während „La Stampa“ auf Seite 1 eine Karikatur brachte, in der ein mit einem jüdischen Stern verzierter Panzer seine Kanone auf einen Jesus-Säugling richtet, der schreit: „Sie wollen mich doch sicher nicht noch einmal umbringen!“

In ganz Europa war das Ergebnis nicht nur verbale, sondern auch physische Gewalt. Ein Bericht aus dem letzten Jahr, veröffentlicht vom „Lawyers Committee for Human Rights“ (Komitee der Rechtsanwälte für die Menschenrechte) mit dem Titel „Feuer und zerbrochenes Glas“ beschreibt die europaweiten Übergriffe auf Juden und Menschen, die für Juden gehalten wurden. Angreifer, die rassistische Slogans rufen, Steine auf Schulkinder werfen, auf Beter, auf Rabbis. Jüdische Häuser, Schulen und Synagogen, die in Brand gesetzt werden sollten. In nur ein paar Wochen im letzten Frühjahr wurden französische Synagogen und jüdische Schulen, Schüler und Häuser angegriffen und mit Brandsätzen beworfen. Eine Synagoge in Marseilles wurde bis auf die Grundmauern nieder gebrannt. In Paris wurden Juden durch Gruppen von Kapuzenmännern angegriffen. Die Polizei berichtet, dass die Pariser Innenstadt in den ersten Monaten nach Ostern rund ein Dutzend antijüdische Vorfälle pro Tag erlebte.

Und die Gewalt geht weiter. In der Ukraine griffen Skinheads jüdische Arbeiter und den Direktor einer jüdischen Schule. In Holland skandierten Demonstranten mit Hakenkreuzen und Fotos von Israel „Sieg Heil!“ und „Juden ins Meer!“ In Saloniki wurde das Holocaust-Denkmal mit pro-palästinensischen Graffiti entstellt. In der Slowakei wurden Brandsätze auf jüdische Friedhöfe geworfen. In Berlin wurden Juden angegriffen, Hakenkreuze auf jüdische Denkmäler geschmiert und eine Synagoge mit den Worten „6 Millionen sind nicht genug“ besprüht.

In der muslimischen Welt durchdringt eine Kultur des Hasses auf die Juden alle Formen der öffentlichen Kommunikation – Zeitungen, Videos, Predigten, Bücher, das Internet, Fernsehen und Radio. Die Intensität der antijüdischen Schmähungen ist vergleichbar ihrer Blütezeit in Nazideutschland oder übertrifft sie noch. Die öffentliche Rhetorik verbindet die Ritualmord-Vorwürfe des mittelalterlichen, christlichen Europa mit den verrückten Verschwörungstheorien der Nazis, die ein Echo der berühmten Fälschung, den „Protokollen der Weisen von Zion“, sind und der aus der Luft gegriffenen Annahme des jüdischen Strebens nach Weltherrschaft. In der gesamten islamischen Welt findet man verleumderische Zitate über Juden als Söhne von Affen und Eseln. Eine führende saudische Zeitung zeigt Juden, wie sei das Blut von christlichen und muslimischen Kindern benutzen, um ihr hamanteskes Gebäck für Purim und ihre Matzen, das ungesäuerte Brot für Passah, zu backen. In dieser fundamentalistisch-religiösen Kultur werden Amerika und Israel als zwillingshafte satanische Mächte angesehen, „der große Satan“ und „der kleine Satan“, wie Irans religiöser Führer, Ayatollah Khomeini sie zu nennen pflegte.

Die Verbindung der zwei Satane ist seit dem Beginn der palästinensischen Intifada im September 2000 und den Anschlägen vom 11. September noch stärker betont worden. Haben Sie mal die Geschichte von den 4.000 Juden gehört, die im World Trade Center arbeiteten und am Morgen des 11. September nicht zur Arbeit erschienen? Diese Story wurde von der Hisbollah unter der Tarnung einer libanesischen Fernsehstation ins Internet gebracht. Diese städtische Legende hat nun in der muslimischen Welt Wurzeln geschlagen, was die Worte von W.B. Yeats in Erinnerung ruft: „Wir hatten das Herz mit Fantasie gefüttert. Das Herz ist durch diese Kost brutal geworden.“

Islamisten sehen überall die Spuren ihrer Feinde – die Fantasie, dass ein geheime und allmächtige zionistische Lobby den Arabern und Muslimen das Lebensblut entzieht und Washington gegen den Irak aufhetzt, während sie die ganze Zeit über ihre unheimlichen Pläne für die Kontrolle der Welt verwirklichten. In Ägypten wurde eine 41-teilige Fernsehserie ausgestrahlt, die in der gesamten arabischen Welt während des letzten Ramadan ausgestrahlt wurde; sie hieß „Reiter ohne Pferd“. Das Thema der Serie war, dass sei Zionisten die Weltpolitik seit dem Beginn der Geschichte kontrolliert haben und die Kontrolle über den Nahen Osten gewinnen wollen – eine Fantasie, wie Prof. Robert Wistrich von der Hebräischen Universität heraus stellte, die aus dem Deutschland der 1930-er Jahre importiert wurde.

Für Westler, die nicht von den brennenden Erfahrungen der jüdischen Geschichte unbeleckt sind, ist es schwierig zu verstehen, in welchem Ausmaß das Überleben Israel für Juden ein Thema bleibt; Juden können die überhitzte arabische Rhetorik nicht abtun, die Terrorismus gegen unschuldige Zivilisten zu rechtfertigen sucht, indem Israels Existenz als illegitim beschrieben wird. Diese Rhetorik ist das Ergebnis sorgfältiger Kalkulation arabischer Führer, die die populäre Anziehungskraft erkannten, die es hat, wenn sie ihren Völkern Israels als Sündenbock für ihr Versagen präsentieren, während sie darüber ihre eigenen Regime legitimieren.

Erfreulicherweise ergehen sich nicht alle arabischen Politiker in solch zynischen Berechnungen. Im Februar nahm ich an einem bemerkenswerten Treffen teil, das von Präsident Nursultan Nazarayev von Kasachstan einberufen wurde. Zu der Gruppe, die sich in Almaty traf, gehörten die Präsidenten der zentralasiatischen Republiken von Kirgistan und Tadschikistan, die Außenminister von Aserbaidschan und Afghanistan und der stellvertretende Außenminister der Türkei. Das Treffen wurde „Konferenz über Ordnung und Toleranz“ genannt. Während wir unsere Ansichten austauschten, fand ich mich als gespannter Zuhörer von Staatsmännern, die mit Gefühl für ihre Unterstützung des Dialogs zwischen Muslimen und Juden in einer Atmosphäre religiöser Toleranz und Verständnisses sprachen, während sie in klaren Worten Extremismus und Terrorismus verurteilten. Wenn man die Zahl der Muslime in den in Almaty vertretenen Ländern nimmt und die Zahl der Muslime in moderaten Ländern wie Indien hinzu addiert, ist das Ergebnis ein riesiger Teil der muslimischen Welt, der den Extremismus der arabischen Führung unter Israels Nachbarstaaten ablehnt.

Solche Toleranz ist leider nicht bei der Weltkörperschaft zu finden, die geschaffen wurde, um die universellen Werte und menschlichen Ideale zu pflegen – der UNO. Es ist traurig, dass das Wachstum der internationalen Feindseligkeit gegenüber Israel seinen prominentesten Ausdruck in den Handlungen der UNO gefunden hat. Es ist in der Tat lange her, dass die UNO die Legitimierung und Legalisierung der Existenz Israels und des Rechts des jüdischen Volks, einen eigenen Staat auf eigenem Land zu haben, in ihrer Resolution von 1947 mit einer Zweistaaten-Lösung vorschlug und genehmigte.

Seitdem hat die UNO fast reflexartig eine antiisraelische Haltung eingenommen, die sich der antiisraelischen Mehrheit ihrer Mitglieder zuneigt. Die UNO ist heute ein regelmäßiges Forum für heftige antiisraelische Attacken, das unter dem falschen und Hass erfüllten Deckmantel von Vernunft und Legitimität konferiert und daher eine Organisation der Konservierung, nicht der Beendung des Nahost-Konflikts geworden ist.

Einige Taten der UNO sind einfach unglaublich. Auf der in Durban (Südafrika) abgehaltenen Weltkonferenz gegen Rassismus wurde Israel – die einzige Demokratie im Nahen Osten, die sich den Menschenrechten, der Gesetzestreue und arabischer Beteiligung an einer demokratischen Regierung verschrieben hat – von arabischen und Staaten der Dritten Welt angegriffen und ihm wurden Völkermord, ethnische Säuberungen und Apartheid vorgeworfen. Dann gibt es noch die Vierte Genfer Konvention, die ursprünglich als Antwort auf die Gräueltaten des Naziregimes entworfen wurde, um Menschen wie Diplomaten und Besucher zu schützen, die einer Militärbesatzung ausgesetzt waren.

Letztes Jahr trafen sich UN-Konferenzteilnehmer und zum ersten Mal in den 52 Jahren seit ihrer Verabschiedung verurteilten ein einzelnes Land – Israel – wegen angeblicher Verstöße. Nicht Kambodscha und Ruanda mit ihrer gut dokumentierter Geschichte von Völkermord. Nicht Zimbabwe mit seiner rassistischen Politik. Nicht die Balkan-Staaten mit ihren ethnischen Säuberungen. Nicht einmal China mit seiner düsteren Geschichte in Tibet. Nur Israel wurde ausgesucht. Die UN-Kommission für Menschenrechte, der gelegentlich so bemerkenswert aufgeklärte Staaten wie Libyen vorsitzen, ist ebenfalls diesem Muster gefolgt und widmete viel von ihrer Zeit, ihrer Energie und ihren Bemühungen den Angriffen auf Israel. Die Kommission ging sogar so weit, am 15. April diesen Jahres die Legitimität von Selbstmord-Bomben gegen Israelis zu beteuern – oder urteilsfreier UNO-Sprache: „alle verfügbaren Mittle, einschließlich des bewaffneten Kampfes.“

In der arabischen Welt wird der Zionismus nicht als jüdische Antwort auf einen historischen Antisemitismus in einer Welt dargestellt, die im Holocaust ihren Höhepunkt fand, sondern als hyper-aggressive Variante des Kolonialismus. Aber da dieser neue Antisemitismus sich selbst so deutlich als politische Ablehnung des jüdischen Staates manifestiert, ist er es wert, einen Moment lang die Geschichte zu untersuchen. Fakt ist: Die Mehrheit der Juden kam im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert nach Israel, nicht als erobernde Europäer, die von nationalen Armeen und Finanzministerien gestützt wurden, sondern als Jammergestalten der Erde auf der Suche nach einer Pause in der endlosen Verfolgung. Sie waren nicht wohlhabend; sie waren jung, arm und verzweifelt. Die Annahme, dass die traditionelle Stellung von Arabern in Palästina durch jüdische Besiedlung gefährdet ist, wird durch eine weitere Tatsache widerlegt: Als die Juden ankamen, war Palästina ein spärlich bevölkertes, wenig kultiviertes und weit gehend abgelehnter Landstrich sandiger Wüsten und Malaria trächtiger Sümpfe. Mark Twain beschrieb es in „The Innocent Abroad“ (Der Unbedarfte Reisende) als ein „trostloses Land, dessen Boden gut genug aber völlig dem Unkraut überlassen ist – eine stille, traurige Weite… Wir sahen auf dem ganzen Weg nicht eine Menschenseele. Es gab kaum einen Baum oder Strauch. Selbst die Olive und der Kaktus, diese schnellen Freunde wertlosen Bodens, hatten das Land fast komplett verlassen.“

Selbst Leute, die der zionistischen Sache unfreundlich gegenüber standen, glaubten, dass jüdische Immigranten die Lebensumstände der palästinensischen Araber verbessert hatten. So sagte Scharif Hussein, der Wächter über die islamischen heiligen Stätten in Arabien 1918: „Eines der erstaunlichsten Dinge bis in unsere Zeit war, dass die Palästinenser das Land verließen und in alle Richtungen davon zogen. Sein heimischer Boden konnte ihn nicht festhalten, obwohl seine Vorfahren seit 1000 Jahren auf ihm lebten. Gleichzeitig haben wir gesehen, dass die Juden aus fremden Ländern nach Palästina strömten… Sie wussten, dass das Land für ihre ursprünglichen Söhne da war. Die Rückkehr dieser Exilanten in ihre Heimat wird sich materiell und spirituell als Schule für ihre Brüder erweisen.“ Hussein verstand damals, was so viele heute zu sehen ablehnen: dass die Regeneration Palästinas und sein Bevölkerungswachstum erst zustande kamen, nachdem die Juden in bedeutender Anzahl zurück kamen. Der damalige britische Kolonialminister Winston Churchill zeigte auf: „Das Land wurde den Arabern nicht weggenommen. Die Araber verkauften den Juden nur dann Land, wenn sie es auch verkaufen wollten.“

Die Hoffnung war, dass die Araber Israelis als ihre Nachbarn akzeptieren würden und letztendlich sie als solche anerkannten. Diese Hoffnung starb. Sogar der Krieg, dieser grimmige Endvermittler internationaler Beziehungen, hat da keine Änderung gebracht. Die Araber widersetzten sich von Anfang an einer jüdischen Präsenz in der Region. Sie dehnten ihren Krieg gegen Israel in einen Angriff auf den Idee eines Israel aus. Zionismus, der jüdische Anspruch auf ein eigenes Land, wurde für rassistisch erklärt, weil die Araber sagten, er beraube sie ihres Landes. Sie ersetzten den heimatlosen Juden durch den heimatlosen Palästinenser. Die Araber machten die Palästinenser heimatlos, indem sie sich 1948 weigerten die Teilung zu akzeptieren und die vielen Palästinenser, die dem Krieg entflohen, im Libanon, Syrien und Jordanien heimatlos gehalten haben, indem sie sich weigerten, sie in ihrem Land anzusiedeln; diese Araber machen jetzt die Juden für diese Heimatlosigkeit verantwortlich. Sie klagten ständig, dass es die Juden gewesen seien, die die Araber aus Palästina vertrieben hätten. Der angesehene Arabist Bernard Lewis schrieb aber: „Die große Mehrzahl verließ, wie unzählige Millionen Flüchtlinge andernorts, ihre Heimat im Durcheinander und der Panik von Invasion und Krieg – ein weiterer unglücklicher Teil der großen Bevölkerungsbewegung, die nach dem Zweiten Weltkrieg stattfand.“

Sogar die Auslandspresse, die regelmäßig mit allen Seiten während des Konflikts von 1948 in Kontakt stand, schrieb nichts, das andeutete, die Flucht der Palästinenser sei unfreiwillig gewesen. Genauso wenig machten Sprecher der Araber, wie der palästinensische Vertreter bei der UNO, Jamal Husseini, oder der Generalsekretär der Arabischen Liga, die Juden zeitgleich mit dem Krieg von 1948 für die Flucht der Araber und Palästinenser verantwortlich. Tatsache ist, dass die, die flohen, dazu von anderen Arabern gedrängt worden waren. Der damalige Premierminister des Irak, Nuri Said, drückte das so aus: „Die Araber sollten ihre Frauen und Kinder in sichere Gebiete, bis die Kämpfe abgeflaut sind.“ Ein geflüchteter Araber beschrieb dieses Denken in der jordanischen Zeitung Al-Difaa: „Die arabischen Regierungen sagten uns: Geht raus, damit wir rein gehen können. Also gingen wir raus, aber sie gingen nicht rein.“ Und der schlechten Lage wurde unglaublicherweise erlaubt sich weiter zu verschlechtern. Im Krieg von 1948 geflohene Araber und Palästinenser wurden in Lagern angesiedelt, die von der United Nations Relief and Works Agency verwaltet wurde, der einzigen Behörde, die je für eine Flüchtlingsgruppe seit den massiven Vertreibungen des Zweiten Weltkriegs eingerichtet wurde. Die Teilung Indiens geschah zur gleichen Zeit wie der Konflikt in Palästina und Millionen Hindus und Muslime wurden entwurzelt, aber praktisch nichts wurde für sie getan. Nichts wurde getan als Antwort auf die chinesische Besetzung Tibets, wo eine alt hergebrachte religiöse, soziale und politische Struktur praktisch vernichtet wurde.

Und 55 Jahre nach ihrer ersten Einrichtungen gibt es diese Flüchtlingslager immer noch. Mit der Ausnahme Jordaniens haben es die arabischen Regierungen, die diese Lager beherbergen, es abgelehnt, den Flüchtlingen die Staatsbürgerschaft zuzugestehen und sich ihrer Wiederansiedlung widersetzt. Im Libanon ist es 400.000 staatenlosen Palästinensern nicht erlaubt öffentliche Schulen zu besuchen, Land zu besitzen oder auch nur ihren Lebensstandard zu verbessern. Drei Generationen später dienen sie weiter als politische Bauernfiguren der arabischen Staaten und hoffen immer noch auf die Umkehr der Ereignisse von 1948. „Die Rückkehr der Flüchtlinge“, wie Präsident Gamal Abdel Nasser von Ägypten Jahre später sagte, „wird das Ende Israels bedeuten.“

Die UNO hat durch ihre Verwaltung der Lager ein kompliziertes Problem unendlich schwieriger gemacht? Wie? Die UN-Beamten haben die Flüchtlinge im Nahen Osten so definiert, dass es die Nachkommen von Personen einschließen, die 1948 Flüchtlinge wurden. In anderen Teilen der Welt werden die Nachkommen von Flüchtlingen nicht als Flüchtlinge definiert. Das Ergebnis dieser einzigartigen Behandlung ist das Anwachsen der Zahl der arabischen Flüchtlinge von rund 700.000 auf über 4 Millionen, weil Kinder, Enkel, sogar Großenkel darin eingeschlossen sind. Der ehemalige syrische Premierminister Khaled al Azm schrieb in seinen Memoiren: „Wir sind es, die die Rückkehr Flüchtlinge verlangen, während wir es waren, die sie zur Flucht veranlassten. Alles im Dienst politischer Ziele.“ Und so geht es bis zum heutigen Tag weiter. Zur Zeit der Gründung des Staates Israel wurden 900.000 jüdische Flüchtlinge in einer koordinierten Aktion zum Verlassen der benachbarten arabischen Staaten gezwungen. Diese Flüchtlinge wurden vom neuen Israel absorbiert. Und trotzdem war die Welt – und ist es weiter – angesichts der Leiden der Flüchtlinge aus den arabischen Staaten ungerührt.

Israel als einzigen Staat herauszugreifen, der eine Flüchtlingsbevölkerung wieder aufnehmen muss, bedeutet, dass an den jüdischen Staat andere Maßstäbe angelegt werden als an andere. Der genauere Begriff dafür ist wohl zweierlei Maß zu benutzen. Vor diesem Hintergrund, mit einer Geschichte, die von Israels Feinden so zynisch manipuliert wird, den Verdrehungen und blanken Unwahrheiten, die die jüngeren Beziehungen zwischen Israel und den Palästinensern charakterisieren, sollte das nicht als überraschen. Es gibt praktisch unzählige Beispiele zur Auswahl, aber das „Massaker“ durch Israelische Streitkräfte im palästinensischen Flüchtlingslager Jenin im letzten Jahr ist besonders bezeichnend.

Am Vorabend des Passahfestes tötete ein Selbstmord-Bomber in der israelischen Stadt Netanya 29 Menschen und verletzte 140. Es war die sechste Terrorbombe dieser Woche. Die Israelis antworteten, indem sie Truppen in die Westbank schickten, darunter in das Flüchtlingslager in Jenin, die Hauptbasis der Bombenbauer. Eine zehntägige Schlacht entstand. Die Palästinenser behaupteten, unterstützt von UN-Vertretern, dass die Israelis hunderte Unschuldiger massakriert, Sammel-Exekutionen durchgeführt, die Leichen in Kühlwagen eingefroren und abtransportiert hätten. Saeb Erekat, ein Palästinenser-Sprecher, wiederholte die Behauptung von vielen hundert Getöteten. Die Medien akzeptierten diese Version. Aber folgende Berichte und selbst palästinensische Zeugenaussagen und jüngst geordnete Schriften belegten, dass Gruppen wie Fatah, Hamas und der Islamische Jihad Frauen und Kinder während der Kämpfe als Schutzschilde benutzten. Die Berichte zeigten schlüssig auf, dass es kein Massaker an palästinensischen Zivilisten gab und dokumentierten, dass die Israelis während der Schlacht große Zurückhaltung an den Tag gelegt hatten, um zivile Verluste niedrig zu halten, währen sie als Folge dessen selbst ungeheuer große eigen Verluste erlitten.

Es ist nicht überraschend, dass Verdrehungen und Unwahrheiten ebenfalls den politischen Umgang der Palästinenser mit Israel charakterisieren. In dieser Beziehung war die Oslo-Übereinkunft von 1993 ein kritisches Moment. Dort war das Verhandlungsprinzip „Land für Frieden“. Was Israel erhielt, war kein Frieden im Gegenzug zu seinem Angebot des Landes. Das großzügigste israelische Angebot von Land für Frieden kam drei Jahre später in Camp David. Der damalige israelische Premierminister Ehud Barak bot Yassir Arafat 97 Prozent der Westbank und des Gazastreifens an, darunter die arabischen Viertel von Ostjerusalem und den Tempelberg. Das Angebot von Camp David wurde von Arafat nicht nur abgelehnt, sondern als Provokation benutzt, um eine Gewalt- und Terrorkampagne zu beginnen, die heute noch anhält.

Die Vorstellung des Land für Frieden sollte untersucht werden. Wenn man davon ausgeht, dass das bedeutet, Israel müsse mehr Land übergeben, bis Frieden erreicht und die arabische Kampfeslust beendet ist, dann könnte der wenig Neugierige mit der Schlussfolgerung zurück bleiben, dass der fehlende Friede das Ergebnis die Folge von Israels Versagen sein muss, genügend Land zu übergeben. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Es hat tausende Terroranschläge gegeben, seit die zweite Intifada vor drei Jahren begann. Der einzige Weg, mit dem Israel in der Lage gewesen ist, die Zahl der Selbstmordbomber zu reduzieren, ist die Eliminierung ihres Rückzugsraums über die Kontrolle der Westbank durch Besatzung und Abriegelung des Gazastreifens.

Aber die Geschichte ist keine der Besatzung der Westbank durch Israel. Wenn der Begriff „Besatzung“ überhaupt Bedeutung hat, ist diese vor drei Jahren mit Arafats Ablehnung des Barak-Vorschlags für einen palästinensischen Staat verloren gegangen. Das Problem ist die palästinensische Weigerung Israel das Recht auf Existenz als jüdischem Staat zu verweigern. Israels Kampf ist keiner der Juden gegen die Muslime. Es ist ein Kampf gegen den Hass auf Juden und ihre Verbindung zum Land Israel. Wie anders soll man die palästinensische Ablehnung Jerusalems als heiliger Stadt der Juden und der Westmauer als des Zweiten Tempels verstehen, außer als Ablehnung der jüdischen Anwesenheit dort? „In Jerusalem gab es keinen Tempel“, sagte Arafat in Camp David. „Es war nur ein Obelisk.“ Den Kern des jüdischen Glaubens in Frage zu stellen ist kaum ein Hinweis auf die Bereitschaft den Konflikt zu lösen.

Ganz im Gegenteil: die steigende palästinensische Gewalt beweist eine unbeirrbare Entschlossenheit den Konflikt fortzusetzen. Die Einsicht des liberalen israelischen Schriftstellers Amos Oz gilt weiter. Er wird verfolgt, sagte er, von der Beobachtung, dass vor dem Holocaust die europäischen Graffitis hießen: „Juden nach Palästina“, während sich das heute verwandelt hat in „Juden raus aus Palästina“. Die Botschaft an die Juden, sagt Oz, ist einfach: „Seid nicht hier und seid nicht dort. Das heißt: Seid nicht.“

[1] Die deutsche Übersetzung hinkt etwas und gibt die Wortspielerei des Originals nicht gut wieder: „All the isms are wasms.“

Muslimischer Antisemitismus im deutschen Internet

Die Behörden haben versucht statistische Daten und weitere Informationen zu antisemitischen Einstellungen bei muslimischen Immigranten und ihren Nachkommen aus dem Rampenlicht zu halten.

Manfred Gerstenfeld, Israel National News, 11. März 2018

Der Verfassungsschutz des Bundeslands Hessen hat einen Bericht zu Antisemitismus im deutschen Internet veröffentlicht, der von Ann-Christin Wegener geschrieben wurde.[1] Die Studie konzentriert sich auf die Erscheinungsformen und den ideologischen Hintergrund antisemitischer Agitation in sozialen Netzwerken in Deutschland.

Wegener schrieb, dass die deutschen Behörden in der Regel angeben, dass 90% der antisemitischen Vorfälle von Rechtsextremen begangen werden. Sie weist darauf hin, dass dies das Ergebnis der Art ist, wie Polizei antisemitische Vorfälle berichtet.[2] Solange nichts über die Motivation oder die Täter bekannt ist, werden diese Vorfälle als politisch rechtsradikal motiviert bezeichnet.

In arabischer oder türkischer Sprache begangene Hassverbrechen führen zu weniger Anzeigen als die auf Deutsch.[3] Man muss zudem die Tatsache berücksichtigen, dass viele antisemitische Vorfälle nicht berichtet werden oder nicht zu Anzeigen führen. Es wird geschätzt, dass weniger als ein Viertel der jüdischen Opfer von Antisemitismus Anzeige bei der Polizei oder der jüdischen Gemeinde stellen.[4]

Die Autorin merkt an, dass antisemitischen Verbrechen und Einstellungen von Muslimen in Deutschland sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Sie verweist auf einige Vorfälle, die jedoch viel öffentliche Aufmerksamkeit erhielten. Einen der extremsten gab es 2012, als ein Rabbiner in Berlin massiv verprügelt wurde. Zwei Jahre später brüllten in mehreren deutschen Städten antiisraelische Demonstranten „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“. Ein weiterer Vorfall, der viel Aufmerksamkeit erregte, ereignete sich im Frühjahr 2017, als ein jüdischer Junge seine Berliner Schule verließ, nachdem er von muslimischen Schülern heftig schikaniert wurde. Wegener schreibt: „All das sagt wenig über den quantitativen Vergleich von Antisemitismus bei Muslimen und bei Rechten.“[5]

Muslimischer Antisemitismus in Europa ist enorm wenig erforscht. Viele Behörden haben versucht statistische Daten und weitere Informationen zu antisemitischen Einstellungen bei muslimischen Immigranten und ihren Nachkommen aus dem Rampenlicht herauszuhalten. Das ist trotz der Tatsache geschehen, dass alle gelösten Morde an Juden in Westeuropa im vergangenen Jahrzehnt von Muslimen begangen wurden. Dasselbe gilt weitgehend für andere extrem antisemitische Vorfälle. Zu diesen gehören Anschläge auf Synagogen in Frankreich.

Ein klassisches Beispiel unter vielen, bei dem solche Informationen verborgen wurden, ereignete sich 2003. Das Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin (ZfA) schloss  seine Studie zu europäischem Antisemitismus ab. Es hatte den Auftrag erhalten diesen Bericht des Europäischen Beobachtungszentrums zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) vorzubereiten. (Diese Organisation wurde 2007 durch die Agentur für Grundrechte der Europäischen Union, FRA, ersetzt.)

Das ZfA identifizierte junge Muslime arabischer Herkunft als die Haupttäter physischer Anschläge auf Juden und bei der Schändung und Zerstörung von Synagogen. Die EUMC veröffentlichte die Studie nicht. Das ZfA erklärte, der Grund dafür, das Dokument nicht zu veröffentlichen, bestand darin, dass es viele muslimische Täter antisemitischer Vorfälle preisgibt. Erwähnt wurde auch, dass das EUMC wiederholt dazu aufgefordert hatte die Ergebnisse zu verändern. Ende 2003 veröffentlichte der World Jewish Congress den Entwurf des Berichts des ZfA im Internet, womit die Manipulation des EUMC offengelegt wurde.[6]

Vor diesem Hintergrund und verschiedenen weiteren Manipulationen der Wahrheit ist Wegeners Studie besonders wichtig. Die Autorin untersucht Antisemitismus im deutschen Internet. Sie wählte einige Primärquellen aus. Dazu gehörten die Facebook-Konten der größten deutschen Tageszeitung, BILD sowie das des Focus, einer der drei führenden Wochenzeitschriften. Sie recherchierte zudem in YouTube-Kanälen, die ein größeres Publikum als Twitter haben.

Wegener kam zu dem Schluss, was Israel und den Konflikt im Nahen Osten betrifft, die Internetseite von Spiegel TV[7] das wichtigste Ventil antisemitischer Inhalte war. Sie stellte fest, dass Israel und der Nahost-Konflikt auf diesen Internetseiten unvergleichlich weiter verbreitet war, als das Thema deutsche Juden.

Wegener nutzte in ihrer Recherche eine Reihe Schlüsselwörter: Juden, Judentum, jüdisch, Israel und Antisemitismus.[8] Ihre detaillierte Studie, die nur auf Deutsch verfügbar ist, kommt zu einer Reihe wichtiger Schlüsse. Von Kommentaren über Juden oder das Judentum gab es seitens derer mit muslimischer Herkunft und von Rechtsextremen etwa die gleiche Anzahl.[9] Wegener stellte zudem fest, dass öffentlicher Diskurs zum Judentum als auch zu Israel in den deutschen sozialen Medien eine beträchtliche Menge Antisemitismus enthält.[10]

Wegener kam zu dem Schluss, dass antisemitische Kommentare seit 2014 zahlenmäßig enorm zugenommen haben. Sie beobachtete, dass der Gaza-Konflikt und die folgenden antiisraelischen Demonstrationen den Boden dafür bereiteten.

Zu Israel und dem Nahost-Konflikt wird etwa die Hälfte der antisemitischen Kommentare von Menschen mit muslimischem Hintergrund abgegeben. Nur 10% kamen von Rechten. In 40% der Fälle konnte die Herkunft nicht festgestellt werden. Von 2010 bis 2013 kamen allerdings 37% der antisemitischen Kommentare von Rechten, 16% wurden von Menschen mit muslimischem Hintergrund getätigt.[11] Wegener schließt, dass Hass auf Israel in der deutschen muslimischen Gemeinschaft zunimmt.

Was Antisemitismus und den Holocaust betrifft, waren bei denen, die Schuld am Holocaust und die Notwendigkeit des Gedenkens verneinten, die Rechten in der Mehrheit, während Muslime das weit weniger machten.

Es gibt eine Überlegung, die den Leser zu einem etwas anderen Schluss führen muss. Es wurden keine Seiten in arabischer oder türkischer Sprache untersucht. Auf diesen stammen praktisch alle antisemitischen Äußerungen von Muslimen. Damit übersteigt der muslimische Antisemitismus im deutschen Internet den der Rechtsextremen.

Wegeners Hauptschlussfolgerung lautet, dass Gesellschaft, Politiker und Geheimdienste auch den Antisemitismus von Muslimen beobachten müssen, ohne den Antisemitismus der Rechten zu vernachlässigen. Eine solche Feststellung ist bei beträchtlichen Teilen des deutschen Mainstream unpopulär – und noch viel mehr bei der Linken im Land.

[1] https://lfv.hessen.de/sites/lfv.hessen.de/files/content-downloads/PAAF-Analysen%20IN%20ALLER%20K%C3%9CRZE%20Ausgabe%20%201.pdf

[2] ebenda.

[3] ebenda.

[4] ebenda, Fußnote 7.

[5] ebenda, Fußnote 2.

[6] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/15697

[7] https://lfv.hessen.de/sites/lfv.hessen.de/files/content-downloads/PAAF-Analysen%20IN%20ALLER%20K%C3%9CRZE%20Ausgabe%20%201.pdf, S. 7.

[8] ebenda, S. 8.

[9] ebenda, S. 17

[10] ebenda, S. 20.

[11] ebenda, S. 20.

Der dänische „Karikaturenstreit” (3) – Der Fluch der moderaten Muslime

Charles Krauthammer, The Washington Post, 10. Februar 2006

Während ein großer Teil der islamischen Welt in einen wohl überlegten Ausbruch von Zorn über die dänischen Mohammed-Karikaturen ausbricht, sind auf beiden Seiten Stimmen der Vernunft zu hören. Einige islamische Führer und Organisationen sprechen sich, während sie das Gefühl des Grolls der Demonstranten und ihre Wut teilen, gegen den Gebrauch von Gewalt als Mittel ihres Ausdrucks aus. Ihre westlichen Gegenstücke – Intellektuelle, darunter die meisten der großen Zeitungen der Vereinigten Staaten – sind ähnlich ausgewogen: Während natürlich das Prinzip der freien Meinungsäußerung begrüßt wird, kritisieren sie die dänische Zeitung wegen des Missbrauchs dieses Rechts durch die Veröffentlichung der beleidigenden Karikaturen und erklären im Namen der religiösen Sensibilität gegen die Veröffentlichung, dass sie das nicht tun werden.

Gott bewahre uns vor den Stimmen der Vernunft.

Was in der islamischen Gemeinschaft als Moderatheit durchgeht – „Ich teile eure Wut, aber zündet nicht diese Botschaft an“ – ist einfach nichts dergleichen. Das ist einfach ein zynischer Weg die Ziele des Mobs gut zu heißen ohne die Mittel zu begrüßen. Das ist arglistig, denn während man vorgibt das Prinzip der religiösen Rücksichtnahme hoch zu halten, liegt nur das Interesse an diesem Fall von religiöser Gefühllosigkeit vor.

Hat irgendeiner dieser „Moderaten“ jemals gegen die grotesken Karikaturen von Christen und insbesondere von Juden protestiert, die im gesamten Mittleren Osten tagtäglich ausgestrahlt werden? Die Predigten im palästinensischen Fernsehen, in denen Juden als Söhne von Schweinen und Affen bezeichnet werden? Die syrische Fernsehserie zur Hauptsendezeit, die zeigt, wie Rabbis einen nicht jüdischen Jungen schlachten, um sein Blut rituell zu sich zu nehmen? Die 41-teilige (!) Serie im ägyptischen Fernsehen, die auf der antisemitischen, zaristischen Fälschung (und Inspiration der Nazis) basiert, den „Protokollen der Weisen von Zion“, die zeigt, wie die Juden sich mit einer Jahrhunderte alten Verschwörung zur Beherrschung der Welt beschäftigen?

Ein wahrhaft moderater Muslim ist einer, der gegen die Schändung jeden Glaubens protestiert. Die das nicht tun, sind keine Moderaten, sondern Heuchler, Opportunisten und Vertreter der Randalierer, die lediglich andere Mittel zur Erreichung desselben Ziels nutzen: dem Westen mit seinen Traditionen der Redefreiheit einen Satz von Tabus aufzudrücken, die exklusiv für den islamischen Glauben gelten. Solche Leute sind keine Verteidiger der Religion, sondern solche, die an die muslimische Überlegenheit glauben und versuchen ihr Diktat dem liberalen Westen aufzuzwingen.

Und diesen „Moderaten“ wird von westlichen „Moderaten“ geholfen, von ihnen unterstützt, die Bilder einer mit Elefantenkot bedeckten Jungfrau Maria veröffentlichen und „Piss Christ“ (ein Kruzifix, das in einem mit Urin gefüllten Glasgefäß steckt) als Kunst feiern, das öffentliche Subventionierung verdient, aber von einer plötzlichen religiösen Sensibilität ergriffen sind, wenn Mohammed das Objekt ist.

Wären sie nicht so heuchlerisch gewesen, könnte man ihre Ablehnung der Wiederveröffentlichung dieser Karikaturen verteidigen, weil guter Geschmack und Feingefühl manchmal über dem Nachrichtenwert stehen können. Schließlich veröffentlichen amerikanische Zeitungen allgemein – und zu Recht – aus grundsätzlichem Anstand keine Bilder von Leichen, welchen Nachrichtenwert auch immer sie haben.

Es gibt ein „Sensibilitäts“-Argument dafür die Karikaturen gar nicht erst zu veröffentlichen – damals im September, als sie das erste Mal in dieser dänischen Zeitung erschienen. Es ist aber nicht [mehr] September. Es ist Februar. Die Karikaturen wurden veröffentlicht und die Zeitung, die Herausgeber und Dänemark selbst werden wütend angegriffen. Nach vielfachen Brandstiftungen, verheerenden Boykotten und Drohungen Hände und Köpfe anzuschlagen hat das Thema nicht länger Nachrichtenwert, d.h. ob eine Zeitung sie veröffentlichen soll um die Leserschaft darüber informieren muss, was im Gang ist. Thema jetzt ist die Solidarität.

Der Mob versucht den westlichen Zeitungen, tatsächlich aber auch den westlichen Regierungen, zu diktieren, was ein legitimes Thema für Diskussion und Karikatur ist. Die Karikaturen haben nicht ansatzweise das künstlerische Niveau von Salman Rushdies Prosa, aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist, wer entscheidet, was innerhalb der Grenzen dessen, was wir altmodisch als freie Welt bezeichnen, gesagt werden kann und was gezeichnet werden kann.

Der Mob hat das in einen Testfall für Redefreiheit im Westen gedreht. Die deutschen, französischen und italienischen Zeitungen, die diese Karikaturen abdruckten, machten das nicht, um zu informieren, sondern um sich zu widersetzen – um zu erklären, dass sie sich nicht vom Mob einschüchtern lassen.

Was im Raum steht, ist Angst. Der unausgesprochene Grund, dass viele Zeitungen [die Karikaturen] nicht abdrucken, ist nicht Sensibilität, sondern einfach Angst. Sie wissen, was Theo van Gogh passiert ist, der einen Film über die islamische Behandlung von Frauen machte und ein Messer in die Brust bekam, an dem ein islamistisches Manifest befestigt war.

Die weltweiten Krawalle und Verbrennungen sind Instrumente der Einschüchterung, Erinnerungen an van Goghs Schicksal. Die islamischen „Moderaten“ sind die Agenten und Interpreten des Mobs, die uns warnen, das nicht wieder zu tun. Und die westlichen „Moderaten“ sind ihre verängstigten Kollaborateure, die sagen: „Keine Sorge, machen wir nicht. Es sind diese Dänen. Wir sind sauber. Verschont uns. Bitte.“

Das hässliche Gesicht des Islam – Die 10. Sitzung der Islamischen Spitzenkonferenz (3)

Am 15. Oktober 2003 eröffnete der malaysische Premierminister die 10. Sitzung der Islamischen Spitzenkonferenz mit einer Rede, die von allen anwesenden Vertretern der 57 islamischen Staaten frenetisch gefeiert. Am nächsten Tag ruderte der malaysische Außenminister etwas zurück: Das sei alles nicht so gemeint, das sei missverstanden worden usw. Eine Entschuldigung erfolgte nicht.
Die lauwarme Empörung der europäischen Politik – die schon zwei Tage später aus der Öffentlichkeit verschwand – entzündete sich an den antisemitischen Äußerungen der Rede; eine kräftige Verurteilung kam aber durch den Widerstand Frankreichs nicht zustande.
Es scheint aber so, dass ein wichtiger Aspekt der Rede keine Beachtung findet bzw. nicht wahr genommen wird: Der Premier hat praktisch einen Plan vorgelegt, wie Israel vernichtet werden kann. Mit dieser Ankündigung müsste eigentlich ab sofort alles Handeln islamischer Staaten an diesem Ziel und seiner versuchten Umsetzung gemessen werden.
Beth Goodtree konnte dem Ganzen etwas zum Schmunzeln abgewinnen.

Es ist offiziell: Juden sind schlauer als Muslime

Beth Goodtree, Jewish Indy, 17. Oktober 2003 (auch auf Arutz-7 veröffentlicht)

Man muss diese Antisemiten einfach lieben. Ihre Herzen sind derart mit Hass erfüllt, dass das ihr Bisschen Menschenverstand im Umfang einer Amöbe überwältigt und sie Dinge zugeben lässt, die sie nie sagen würden, würde man ihr Leben bedrohen.

Es ist noch keinen Monat her, dass der führende Denker der arabischen Welt zugab, dass die hebräische Bibel Fakt ist. Natürlich machte der Mann das, um eine Rechtfertigung zu haben alle Juden der Welt auf zigmilliarden Dollars zu verklagen. Aber in seiner Lust und Gier und seinem Hass übersah er die Tatsache, dass durch das Eingeständnis, dass die Bibel wahre und akkurate Geschichte ist, wir Juden ihn als unseren Hauptzeugen benutzen können um den Tempelberg, ganz Jerusalem und Teile von Syrien, Jordanien und anderen arabischen Staaten zurückzufordern. Man sollte glauben, dass diese Hasser lernen würden ihren Mund zu halten, damit wir ihre wahren Absichten nicht erkennen könnten. Aber nein!

Da kommt Dr. Mahathir Mohammed daher, Malaysias Premierminister und Vorsitzender der Islamischen Konferenz. In seiner Eile die Juden zu verdammen, pries er sie stattdessen und verurteilte die Muslime und Araber. Hier einiges von dem, was er sagte und was das bedeutet.

Zitat: „(Die Juden) überlebten 2.000 Jahre Pogrome nicht, indem sie zurückschlugen, sondern nachdachten.“
Übersetzung: Juden sind schlau und Juden (einschließlich der Zionisten) sind nicht aggressiv und nicht gewalttätig.

Zitat: „Wir brauchen Gewehre und Raketen, Bomben und Kampfflugzeuge, Panzer und Kriegsschiffe zu unserer Verteidigung.“
Übersetzung: Wir planen den totalen Krieg gegen die Juden und ihre westlichen Verbündeten.

Zitat: „Seit mehr als einem halben Jahrhundert haben wir um Palästina gekämpft. Was haben wir erreicht? Nichts. Es geht uns schlechter als vorher. Wenn wir innegehalten hätten um nachzudenken, hätten wir einen Plan überlegen können, eine Strategie, die uns den Endsieg bringt.“
Übersetzung: Wir sind nicht nachdenkende Idioten, die in ihren Laufrädern rennen, die von einer handvoll Juden geschlagen wurden, die einfach ihr Gehirn benutzt haben. Und wir müssen das ändern, um letztlich über die Juden siegen zu können

Zitat: „Die Muslime werden immer unterdrückt und von den Europäern und Juden dominiert werden.“
Übersetzung: Wir sind nicht verantwortlich für unsere Rückständigkeit und unsere mangelnde Zivilisiertheit. Es ist alles die Schuld der Juden und Europäer.

Zitat: „Wir sind eigentlich sehr stark. 1,3 Milliarden Menschen können nicht einfach weggewischt werden. Die Europäer töteten 6 Millionen der 12 Millionen Juden. Aber heute beherrschen die Juden die Welt durch Stellvertreter. Sie haben andere, die für sie kämpfen und sterben.“
Übersetzung: Offensichtlich glaubt Dr. Mahathir Mohammed, dass alle Juden darauf aus sind, den Islam auszulöschen. Er glaubt auch, dass wir Juden, so klein unsere Zahl auch sein mag, eine gewaltige Macht darstellen.

Zitat: „Es kann nicht sein, dass es keinen andere Weg gibt. 1,3 Milliarden Muslime können nicht von ein paar Millionen Juden besiegt werden.“
Übersetzung: (Zusammen mit dem, was oben gesagt wurde) Die Muslime sollten sich vereinigen, um die Juden wegzuwischen, die der Holocaust nicht erwischte.

Zitat: „Die Europäer mussten zu Füßen muslimischer Gelehrter sitzen, um Zugang zu ihrem eigenen wissenschaftlichen Erbe zu erhalten.“
Übersetzung: Ich wünschte, das würde wieder so sein.

Zitat: „Sie erfanden … Menschenrechte und Demokratie, damit es falsch erschiene, sie zu verfolgen, damit sie die gleichen Rechte wie andere genießen können.“
Übersetzung: Die Juden waren schlau genug die Menschenrechte und die Demokratie zu erfinden und sind uns nicht gleich gestellt. Sie zu verfolgen ist absolut akzeptabel.

Zitat: „Der Koran sagt uns, dass wir positiv reagieren müssen, wenn der Feind Frieden einklagt. Es ist wahr – der angebotene Vertrag ist nicht vorteilhaft für uns. Aber wir können verhandeln. Der Prophet tat es in Hudaibiyah. Und am Ende triumphierte er.“
Übersetzung: Unterschreibt jeden Friedensvertrag, den sie uns anbieten, denn wir werden ihn ohnehin nie einhalten. Das ist nur ein taktisches Manöver auf dem Weg zur totalen Eroberung unserer Feinde.

Angesichts der oben angeführten Erklärungen hat Dr. Mohammed es reichlich klar gemacht, dass der Islam sich im Krieg mit allen Juden und der westlichen Zivilisation allgemein befindet. Aber er hat auch Dinge geäußert, die ihn zum Kandidaten für eine Anklage unter dem Gesetz der „Völkermord-Verbrechen“ machen. Als Vorsitzender des OIC hat er darüber hinaus diese Erklärungen zur offiziellen Politik gemacht und die UNO sollte sie jetzt zumindest deutlich vor die Tür setzen (sie hat ein Büro in Malaysia). Außerdem stimmt jede Einzelperson, jeder Gruppe und jedes Land, die es versäumen Dr. Mohammeds Rede zu verurteilen, ihm still zu und könnte damit an Aufhetzung zum Verbrechen des Völkermords beteiligt sein.

Zu guter Letzt dränge ich jedermann, Dr. Mohammeds Rede komplett zu lesen, um seine große Schärfe und das zu verstehen, wozu er die islamische Welt auffordert. Er hat hier gerade einen Aufruf geäußert sich zu vereinen und zu erobern – erst die Juden und dann die westliche Welt. Er hat auch erklärt, dass die Unterzeichnung eines jeden Friedensvertrages lediglich ein taktisches Manöver ist, dazu geschaffen Zeit zu gewinnen bis zur totalen Eroberung. In der Zwischenzeit, wo ich dies schreibe, hat nicht ein einziges der 52 Mitgliedsländer oder ihrer Gäste auch nur im Geringsten bezüglich dieser antisemitischen Äußerungen einen Rückzieher gemacht. Es wird nie einen deutlicheren Weckruf geben, der nicht von Blut begleitet sein wird.

Das hässliche Gesicht des Islam – Die 10. Sitzung der Islamischen Spitzenkonferenz (2)

Am 15. Oktober 2003 eröffnete der malaysische Premierminister die 10. Sitzung der Islamischen Spitzenkonferenz mit einer Rede, die von allen anwesenden Vertretern der 57 islamischen Staaten frenetisch gefeiert. Am nächsten Tag ruderte der malaysische Außenminister etwas zurück: Das sei alles nicht so gemeint, das sei missverstanden worden usw. Eine Entschuldigung erfolgte nicht.
Die lauwarme Empörung der europäischen Politik – die schon zwei Tage später aus der Öffentlichkeit verschwand – entzündete sich an den antisemitischen Äußerungen der Rede; eine kräftige Verurteilung kam aber durch den Widerstand Frankreichs nicht zustande.
Es scheint aber so, dass ein wichtiger Aspekt der Rede keine Beachtung findet bzw. nicht wahr genommen wird: Der Premier hat praktisch einen Plan vorgelegt, wie Israel vernichtet werden kann. Mit dieser Ankündigung müsste eigentlich ab sofort alles Handeln islamischer Staaten an diesem Ziel und seiner versuchten Umsetzung gemessen werden.

Malysisches Unwohlsein

Irwin N. Graulich, Jewish Indy, 23. Oktober 2003

Wie konnte der Premierminister von Malaysia das große „jüdische“ Geheimnis aufdecken? Diese Geheimoperation im Keller hebräischer Schulen in der ganzen Welt, wo hinter doppelt und dreifach verschlossenen Türen kleinen jüdischen Jungen und Mädchen ein Kurs mit dem Titel „Einmaleins der Weltherrschaft“ gelehrt wird. Juden sind seit Jahrtausenden auf Verschwiegenheit eingeschworen und versprechen, niemals diese streng geheime Information zu verraten. Zurzeit ist eine umfassende interne Untersuchung im Gang, um den Verräter oder Kollaborateur zu finden.

„Heute regieren die Juden die Welt durch Strohmänner. Sie überlebten 2000 Jahre Pogrome nicht durch Zurückschlagen, sondern durch Nachdenken“, erklärte Premierminister Mahathir Mohammed recht kriegerisch. Er erklärte sorgfältig: „Die Juden gewannen die Kontrolle über die mächtigsten Länder und sind zu einer Weltmacht geworden.“ Ein brausender Beifallssturm der Weltführer der Organisation der Islamischen Konferenz folgte.

Die Tatsache bleibt, dass man nur schwerlich erklären kann, wie ein paar Millionen Juden 1,3 Milliarden Muslime intellektuell, technologisch, finanziell, religiös, militärisch und natürlich moralisch schlagen konnten. Was bleibt also noch übrig, das erreichbar ist?

Obwohl der gewaltige 77-jährige Politiker damit schloss, dass „die Muslime sich für einen Endsieg vereinen sollten“, scheint der eigentliche Triumph schon durch die Christen, Juden und Säkularen des Westens erzielt worden zu sein. Wie peinlich für ein Staatsoberhaupt, das nach dem Propheten Mohammed genannt wurde.

Die Kritik an Mahathirs geistesgestörten Ideen war in der westlichen Weltgemeinschaft erstaunlich milde. Immerhin war das nicht irgendein kleiner Diplomat, der Israel auf einer Dinnerparty mit Fäkalien verglich. Aber Präsident Bush verpasste sicherlich eine goldene Gelegenheit seinen Wahlsieg für 2004 praktisch sicher zu stellen.

Die Amerikaner lieben ihre Helden, die sich gegen die bösen Buben stellen. Von John Wayne über Dirty Harry zu James Bond ist die Liebe zur physischen Vernichtung ein Wert in sich. Als Saddams Söhne auf dem Tisch des Gerichtsmediziners mit plastischer Chirurgie für einen bizarres Medienereignis behandelt wurden, da wurde doch auf dem Times Square getanzt und gefeiert.

Hätte George W. Bush öffentlich statt privat bei Premierminister Mahathir vorbei geschaut und ihm eine gute texanische Tracht Prügel verpasst, würden der Iran, Libyen und Syrien ihre Pläne für Massenvernichtungswaffen sofort vernichtet haben. Wann werden die anständigen Weltführer aufhören, Chamberlains Fehler zu wiederholen: zu reden und zu verhandeln? Diese Handlungsweise hat an einem bösartigen Tisch keinen Platz.

Dieser impotente malaysische Potentat hat 22 Jahre lang eine Diktatur geführt und hatte die Chutzpe Amerika, Australien und Großbritannien regelmäßig zu kritisieren. Sein einziger Grund für Berühmtheit war ein kurzer wirtschaftlicher Erfolg der malaysischen Wirtschaft, der letztlich in die Hosen ging. Er reiht sich in die Progressiven der Sorte Adolf Hitler ein, die ebenfalls kurzzeitige wirtschaftliche Siege erzielten.

Da die 1,3 Milliarden Muslime der Welt praktisch in wirtschaftlichem Versagen leben, ist es kein Wunder, dass jemand, der nun die Juden und den Westen für alle Fehlschläge verantwortlich macht, ernst genommen wird. Es muss für die über eine Milliarde Menschen im Nahen Osten und Asien schwer sein, in den Spiegel zu sehen und die wirklichen Gründe für ihre Probleme zu sehen. Andere für die eigenen Schwächen verantwortlich zu machen ist eine kindliche Qualität der meisten verabscheuungswürdigen Länder.

Aber schlimmer als ein unterbelichteter Premierminister ist ein Auditorium von 126 vergleichbaren Staatschefs, die 57 weitere muslimische Staaten führen und die alle den malaysischen Schmähungen applaudieren. Aus dem Hintergrund sah Kofi Anan respektvoll zu, dessen Schweigen natürlich betäubend war. Besonders bemerkenswert war Hamid Karzai, der die Rede „sehr korrekt“ nannte. Die US-Administration sollte auf der Stelle seine Secret Service-Schutzgruppe abziehen. Und wir hörten Geräusche vom pharaonenhaften ägyptischen Außenminister Ahmed Maher, der seine Experten-Analyse der Rede hinzufügte: „eine sehr, sehr weise Bewertung“.

Obwohl Dr. Mahathir die „verdammte militante (muslimische) Gewalt im Nahen Osten als sinnlos“ charakterisierte, „weil sie nichts erreicht hat … d.h. seit mehr als einem halben Jahrhundert haben wir um Palästina gekämpft und nichts erreicht“, ist die Schlussfolgerung offenbar: Die militante Gewalt ist nicht moralisch falsch; sie war nur falsch, weil sie das Endziel verfehlte.

Während die Stimme des Premierministers mit seiner Aufregung stieg, erklärte er durch überaus brillante Einsicht, dass „natürlich die Juden die Welt beherrschen. Schaut nach Amerika. Sie kontrollieren alle Firmen. Die Politiker brauchen ihr Geld, also unterstützen sie Israel.“ Wie bekam Mahathir Mohammed Wind von Bill Gates’ Bar Mitzvah-Feier und Warren Buffets Briss (jüdische Beschneidung)?

Das ist weiterer Beleg dafür, dass…

Das hässliche Gesicht des Islam – Die 10. Sitzung der Islamischen Spitzenkonferenz (1)

Am 15. Oktober 2003 eröffnete der malaysische Premierminister die 10. Sitzung der Islamischen Spitzenkonferenz mit einer Rede, die von allen anwesenden Vertretern der 57 islamischen Staaten frenetisch gefeiert. Am nächsten Tag ruderte der malaysische Außenminister etwas zurück: Das sei alles nicht so gemeint, das sei missverstanden worden usw. Eine Entschuldigung erfolgte nicht.
Die lauwarme Empörung der europäischen Politik – die schon zwei Tage später aus der Öffentlichkeit verschwand – entzündete sich an den antisemitischen Äußerungen der Rede; eine kräftige Verurteilung kam aber durch den Widerstand Frankreichs nicht zustande.
Es scheint aber so, dass ein wichtiger Aspekt der Rede keine Beachtung findet bzw. nicht wahr genommen wird: Der Premier hat praktisch einen Plan vorgelegt, wie Israel vernichtet werden kann. Mit dieser Ankündigung müsste eigentlich ab sofort alles Handeln islamischer Staaten an diesem Ziel und seiner versuchten Umsetzung gemessen werden.

Ein zusätzlicher Tipp: Die Frankfurter Rundschau, die sonst lieber das israelfeindliche Geschreibsel einer Inge Günther abdruckt, hat einen sehr interessanten, aufschlussreichen und gut geschriebenen Artikel von Matthias Küntzel veröffentlicht, der die Wirkungen der Mahathir-Rede und der Veröffentlichungen des Großscheichs der Al Azhar-Universität in Kairo analysiert: Wer Antisemitismus sät, wird Dschihad ernten.

Rede des Premierministers von Malaysia, dem Ehrenwerten Dato Seri Dr. Mahathir Bin Mohamad, zur Eröffnung der zehnten Sitzung der islamischen Spitzenkonferenz im Putrajaya Konferenz-Zentrum, Putrajaya, Malaysia, am Donnerstag, 16. Oktober 2003 um 10.00 Uhr

Übersetzung: Katrin Kemmler, Oktober 2003
Anmerkung: Ummah ist die islamische Gemeinschaft, Jahilliah sind die Unwissenden

Alhamdulillah, Gepriesen sei Allah, durch dessen Gnade und Segen wir, die Führer der Länder der Organisation der Islamischen Konferenz heute zusammengekommen sind um einen Kurs für die Zukunft des Islam und der weltweiten islamischen Ummah zu beraten und hoffentlich auszuhecken.

Im Namen der Regierung und der Menschen vieler Rassen und Religionen Malaysias, möchte ich ein warmes Willkommen an alle und jeden dieser Zehnten Sitzung der islamischen Gipfelkonferenz in Putrajaya, Malaysias Verwaltungshauptstadt, richten.

Es ist wirklich eine große Ehre für Malaysia, diese Sitzung zu veranstalten und den Vorsitz der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) zu übernehmen. Ich danke den Mitgliedern für ihr Vertrauen in Malaysias Vorsitz.

Ich möchte auch meine besondere Achtung bezeugen gegenüber dem Staat Qatar, im Besonderen gegenüber seiner Hoheit, Scheich Hamad Bin Khalifa Al-Thani, dem Emir des Staates Qatar, für seine Verwaltung unserer Organisation während der letzten drei Jahre.

Als Gastgeber ist Malaysia dankbar für den hohen Teilnahmegrad der Mitgliedsländer. Das demonstriert deutlich unser fortgesetztes und beständiges Vertrauen in und Engagement für unsere Organisation sowie unseren kollektiven Wunsch und Entschlossenheit, unsere Rolle für die Würde und Unterstützung der Ummah zu stärken.

Ich möchte auch die Führer und Repräsentanten der vielen anderen Länder willkommen heißen, die aufgrund ihrer substantiellen muslimischen Bevölkerung Beobachter dieses Treffens zu werden wünschen. Ob sie Muslime sind oder nicht, ihre Anwesenheit bei diesem Treffen wird zu einem besseren Verständnis von Islam und den Muslimen verhelfen, und so helfen, die Auffassung von Islam als einer Religion der Rückständigkeit und des Terrors zu widerlegen.

Die ganze Welt schaut auf uns. Gewiss setzten 1,3 Milliarden Muslime, ein Sechstel der Weltbevölkerung, ihre Hoffnungen in uns, in dieses Treffen, obwohl sie misstrauisch sein könnten gegenüber unseren Willen und unsere Fähigkeit, gar zu entschließen, die Ehre von Islam und Muslimen wieder herzustellen, weniger noch, ihre Brüder und Schwester von der Unterdrückung und Demütigung, die sie heutzutage erleiden, zu befreien.

Ich werde nicht die Beispiele unserer Demütigung und Unterdrückung aufzählen, noch werde ich erneut unsere Verleumder und Unterdrücker verurteilen. Es wäre eine Übung in Sinnlosigkeit, weil sie nicht ihre Ansichten ändern werden, nur weil wir sie verurteilen. Wenn wir unsere Ehre und die des Islam, unserer Religion, wiedererlangen sollen, ist es an uns zu entscheiden, ist es an uns, zu handeln.

Zunächst können die Regierungen aller muslimischen Länder die Reihen schließen und einen gemeinsamen Standpunkt vertreten, wenn nicht in allen Sachverhalten, dann zumindest zu in den Hauptpunkten, so zum Beispiel zu Palästina. Wir sind alle Muslime. Wir werden alle unterdrückt. Wir werden alle gedemütigt. Aber wir, die von Allah über unsere muslimischen Mitbrüder erhoben wurden, um unsere Länder zu regieren, haben nie wirklich versucht, gemeinsam zu handeln um auf unserer Ebene die Bruderschaft und Einigkeit zu demonstrieren, die der Islam uns auferlegt.

Aber nicht nur unsere Regierungen sind geteilt, die muslimische Ummah ist auch geteilt und wieder und wieder geteilt. Über die letzten 1400 Jahre haben die Interpreten des Islam, die Gelehrten, die Ulamas die einzige islamische Religion, die durch den Prophet Muhammad S.A.W gebracht wurde, so unterschiedlich interpretiert und re-interpretiert dass wir jetzt tausend Religionen haben, die oftmals so uneins sind, dass wir uns oft gegenseitig bekämpfen und töten.

Von einer einzigen Ummah ausgehend haben wir uns erlaubt, in unzählige Sekten, mazhabs und Tarikats aufgeteilt zu werden, jede mehr damit beschäftigt zu beanspruchen, der wahre Islam zu sein als unser Einsein als die islamische Ummah. Wir versäumen zu bemerken, dass es unsere Verleumder und Feinde nicht interessiert, ob wir wahre Muslime sind oder nicht. Für sie sind wir alle Muslims, Anhänger einer Religion und eines Propheten, von der sie erklären, dass sie Terrorismus begünstige, und wir sind alle ihre Todfeinde. Sie werden uns angreifen und töten, in unsere Länder einfallen, unsere Regierungen stürzen, ob wir Sunnis oder Syiahs, Alawait oder Drusen oder was auch immer sind. Und wir unterstützen und fördern sie, indem wir uns gegenseitig angreifen und schwächen und manchmal, indem wir nach ihrer Pfeife tanzen, als ihre Stellvertreter handelnd muslimische Mitbrüder angreifen. Wir versuchen unsere Regierungen durch Gewalt zu stürzen, mit dem Erfolg, unsere Länder zu schwächen und zu verarmen.

Wir ignorieren völlig die islamische Verfügung, uns zu vereinigen und uns gegenseitig Brüder zu sein, und wir fahren fort zu ignorieren, wir die Regierungen der islamischen Länder und der Ummah.

Aber das ist nicht alles, was wir von den Lehren des Islams ignorieren. Es ist uns auferlegt zu lesen, Iqraq, das heißt, uns Wissen zu verschaffen. Die frühen Muslime verstanden das das Übersetzen und Studieren der Werde der Griechen und anderer Gelehrter vor dem Islam. Und diese muslimischen Gelehrten bereicherten den Wissenskörper durch ihre eigenen Studien.

Die frühen Muslime brachten große Mathematiker und Wissenschaftler, Gelehrte, Ärzte und Astronomen usw hervor und zeichneten sich neben dem Studieren und Ausüben ihrer eigenen Religion des Islams in allen Wissensfeldern ihrer Zeit aus. Als Folge waren sie in der Lage, Wohlstand aus ihren Ländern und durch ihren Welthandel zu entwickeln und gewinnen, fähig, ihre Verteidigungen zu stärken, ihre Völker zu beschützen und ihnen die islamische Lebensweise, Addin, wie es durch den Islam vorgeschrieben ist, zu bieten. Zu Zeiten als die Europäer des Mittelalters noch abergläubisch und rückständig waren, hatten die aufgeklärten Muslime bereits eine große muslimische Zivilisation aufgebaut, respektiert und mächtig, mehr als in der Lage, sich gegen den Rest der Welt zu behaupten und fähig, die Ummah gegen fremde Aggression zu schützen. Die Europäer mussten vor den Füßen der muslimischen Gelehrten knien um auf ihr eigenes akademisches Erbe zurückzugreifen.

Die Moslims wurden von großen Anführern wie Abdul Rahman III, Al-Mansur, Salah El Din Al Ayubi und anderen geleitet, die an der Spitze ihrer Truppen auf die Schlachtfelder gingen, um moslemisches Land und die Ummah zu beschützen.

Aber auf halbem Wege beim Aufbau der großen islamischen Zivilisation kamen neue Interpreten des Islam, die lehrten, dass Wissenserwerb durch Moslems ausschließlich das Studium islamischer Theologie bedeute. Vom Studium der Wissenschaft, Medizin usw. wurde entmutigt.

Die Muslims begannen, sich intellektuell zurück zu entwickeln. Mit der intellektuellen Rückentwicklung begann die große muslimische Zivilisation zu schwanken und verdorren. Ohne das Erscheinen der ottomanischen Krieger wäre die muslimische Zivilisation mit dem Fall Granadas 1492 verloren gegangen.

Die frühen Erfolge der Ottomanen waren nicht von einer intellektuellen Renaissance begleitet. Stattdessen wurden sie zunehmend erfüllt von unbedeutenden Streitfragen wie zum Beispiel, ob enge Hosen und spitze Kappen islamisch seien, ob Druckmaschinen erlaubt werden sollten oder Elektrizität genutzt, um Moscheen zu beleuchten. Die industrielle Revolution wurde von den Muslimen völlig verpasst. Und die Rückentwicklung hielt an, bis die von Briten und Franzosen angestiftete Revolution gegen die türkische Herrschaft zum Zusammenbruch der Ottomanen führte, der letzten moslemischen Weltmacht, und sie durch europäische Kolonien und nicht wie versprochen durch unabhängige Staaten ersetzte. Erst nach dem zweiten Weltkrieg, wurden diese Kolonien unabhängig.

Neben den neuen Nationalstaaten akzeptierten wir auch das westliche demokratische System. Das entzweite uns ebenfalls, weil unter den politischen Parteien und Gruppierungen, die wir bilden, einige unter ihnen den Islam für sich beanspruchen, den Islam anderer Parteien ablehnen und sich weigern, die Ergebnisse der Ausübung von Demokratie zu akzeptieren, wenn es ihnen misslingt, Macht für sich selbst zu gewinnen. Sie greifen auf Gewalt zurück und destabilisieren und schwächen damit moslemische Länder.

Mit all diesen Entwicklungen über die Jahrhunderte wurden die Ummah und die moslemische Zivilisation so schwach, dass es einst nicht ein einziges moslemisches Land gab, das nicht durch die Europäer kolonisiert oder hegemonisiert war. Doch das Wiedererlangen der Unabhängigkeit half nicht, die Moslems zu stärken. Ihre Staaten waren schwach und schlecht verwaltet, in einem ständigen Zustand der Aufruhr. Die Europäer konnten mit den moslemischen Gebieten machen, was sie wollten. Es ist nicht überraschend, dass sie moslemisches Land herausschneiden sollten, um den Staat Israel zu gründen, um ihr jüdisches Problem zu lösen. Entzweit konnten die Moslems nichts Wirksames unternehmen, um die den Verstoß Balfours und der Zionisten aufzuhalten.

Manche mögen uns glauben machen, dass allem zum Trotz unser Leben besser ist als das unserer Verleumder. Manche glauben, dass Armut islamisch ist, Leiden und Unterdrücktsein islamisch ist. Diese Welt ist nicht für uns. Unsere sind die Freuden des Himmels im Leben nach dem Tod. Alles, was wir tun müssen, ist bestimmte Rituale durchführen, bestimmte Kleidung tragen und ein bestimmtes Auftreten an den Tag legen. Unsere Schwäche, unsere Rückständigkeit und unsere Unfähigkeit, unseren Brüdern und Schwestern zu helfen, die unterdrückt werden, sind Teil des Willens Allah’s, die Leiden, die wir ertragen müssen, bevor wir den Himmel im Jenseits genießen. Wir müssen das Schicksal hinnehmen, das uns widerfährt. Wir brauchen nichts zu tun. Wir können nichts gegen den Willen Allah’s tun.

Aber ist es wahr, dass das der Willen Allah’s ist und dass wir nichts tun können und sollten? Alla hat in Sure Ar-Ra’d Vers 11 gesagt, dass Er nicht das Schicksal einer Gemeinschaft ändern wird, bis die Gemeinschaft nicht versucht hat, ihr Schicksal selbst zu verändern.

Die frühen Moslems waren unterdrückt, wie wir es aktuell sind. Aber nach ihren aufrichtigen und entschlossenen Bemühungen, sich in Übereinstimmung mit den Lehren des Islams selbst zu helfen, hat Allah ihnen geholfen, ihre Feinde zu besiegen und eine große und mächtige moslemische Zivilisation zu erschaffen. Aber welche Anstrengungen haben wir unternommen, vor allem mit den Mitteln, die Er uns gab.

Wir sind jetzt 1,3 Milliarden stark. Wir haben die größte Öl-Reserve der Welt. Wir haben großen Reichtum. Wir sind nicht so unkundig wie die Jahilliah, die den Islam annahmen. Wir sind vertraut mit den Funktionsweisen der Weltwirtschaft und –finanzen. Wir kontrollieren 57 der 180 Länder in der Welt. Unsere Stimmen können internationale Organisationen schaffen oder zerbrechen. Und doch scheinen wir hilfloser als die kleine Zahl der Jahilliah-Konvertiten, die den Propheten als ihren Anführer annahmen. Warum? Ist es wegen Allah’s Willen oder ist es, weil wir unsere Religion falsch gedeutet haben, oder es uns misslang, die korrekten Lehren unserer Religion einzuhalten, oder die falschen Dinge taten?

Unsere Religion trägt uns auf, uns für die Verteidigung der Ummah vorzubereiten. Leider heben wir nicht die Verteidigung sondern die Waffen zu Zeiten des Propheten hervor. Jene Waffen und Pferde können uns nicht mehr bei unserer Verteidigung helfen. Wir brauchen Gewehre und Raketen, Bomben und Kriegsflugzeuge, Panzer und Kriegsschiffe für unsere Verteidigung. Aber weil wir vom Lernen der Wissenschaft und Mathematik etc abraten, um dem Akhirat keinen Vorzug zu geben, haben wir heute keine Kapazität, unsere eigenen Waffen für unsere Verteidigung zu produzieren. Wir müssen unsere Waffen von unseren Verleumdern und Feinden kaufen. Das kommt davon, von einer oberflächlichen Interpretation des Koran, die nicht die Substanz des Propheten Sunna und den Koran-Verfügungen hervorhebt, sondern eher die Form, die Art und die Mittel, die im ersten Jahrhundert des Hijrah benutzt wurden. Und es genau so mit den anderen Lehren des Islam. Wir sind mehr mit den Formen beschäftigt als mit der Substanz der Worte Allah’s und halten uns nur an die buchstäbliche Interpretation der Traditionen des Propheten.

Wir mögen das erste Jahrhundert des Hijrah wiedererschaffen wollen, die Lebensweise dieser Zeiten, um zu praktizieren, was wir als den wahren islamischen Lebensstil betrachten. Aber es wird uns nicht gestattet werden. Unsere Verleumder und Feinde werden die resultierende Rückständigkeit und Schwäche ausnutzen, um uns zu dominieren. Islam ist nicht nur für das 7. Jahrhundert a.D. Islam ist für alle Zeiten. Und die Zeiten haben sich geändert. Ob wir es mögen oder nicht, wir müssen uns ändern, nicht indem wir unsere Religion ändern, aber indem wir ihre Lehren auf den Kontext einer Welt anwenden, die sich radikal vom ersten Jahrhundert der Hijrah unterscheidet. Nicht der Islam ist falsch, sondern die Deutungen unserer Gelehrten, die keine Propheten sind, obwohl sie sehr gelehrt sein mögen, können sie falsch liegen. Wir haben einen Bedarf zurückzugehen zu den fundamentalen Lehren des Islam um herauszufinden, ob wir wirklich den Islam glauben und praktizieren, den der Prophet predigte. Es kann nicht sein, dass wir alle den korrekten und wahren Islam praktizieren, wenn unser Glauben sich so sehr voneinander unterscheidet.

Heute werden wir, die ganze moslemische Ummah, mit Verachtung und Ehrlosigkeit behandelt. Unsere Religion wird verunglimpft. Unsere heiligen Stätten entweiht. Unsere Länder sind besetzt. Unsere Völker ausgehungert und getötet.

Keines unserer Länder ist wirklich unabhängig. Wir stehen unter Druck, den Wünschen unserer Unterdrücker zu entsprechen, wie wir uns zu verhalten haben, wie wir unsere Länder regieren sollten, sogar wie wir denken sollten.

Wenn sie heute unser Land überfallen wollen, unsere Menschen töten, unsere Dörfer und Städte zerstören, gibt es nichts Substantielles, was wir tun können. Ist es der Islam, der all dies verursacht hat? Oder sind es wir, die darin versagt haben, unsere Pflicht in Übereinstimmung mit unserer Religion zu tun?

Unsere einzige Reaktion ist es, immer zorniger zu werden. Zornige Menschen können nicht gut denken. Und so stellen wir fest, dass einige unserer Leute irrational reagieren. Sie üben ihre eigenen Anschläge aus, töten so ziemlich jeden einschließlich muslimischer Mitbrüder, um ihrem Zorn und ihrer Frustration Luft zu machen. Ihre Regierungen können nichts tun, um sie aufzuhalten. Der Feind übt Vergeltung und noch mehr Druck auf unsere Regierungen aus. Und die Regierungen haben keine andere Wahl als nachzugeben, die Anweisungen des Feindes zu akzeptieren, buchstäblich die Unabhängigkeit ihres Handelns aufzugeben.

So werden ihre Völker und die Ummah zorniger und wenden sich gegen ihre eigenen Regierungen. Jeder Ansatz einer friedvollen Lösung wird durch noch unüberlegtere Anschläge, die darauf angelegt sind, den Feind zu erzürnen und jede friedvolle Einigung zu verhindern, sabotiert. Doch die Anschläge lösen nichts. Die Moslems werden schlicht noch mehr unterdrückt.

Es gibt ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit unter den muslimischen Ländern und ihren Völkern. Sie haben das Gefühl, nichts richtig zu machen. Sie glauben, dass die Dinge nur noch schlimmer werden können. Die Moslems werden für immer unterdrückt und von den Europäer und den Juden dominiert sein. Sie werden für immer arm, rückständig und schwach sein. Manche glauben, wie ich gesagt habe, dies sei der Wille Allah’s, dass der angemessene Zustand eines Muslims der ist, in dieser Welt arm und unterdrückt zu sein.

Aber ist es wahr, dass wir nichts für uns tun sollten und können? Ist es war, dass 1,3 Milliarden Menschen keine Macht einsetzen können, um sich vor der Demütigung und Unterdrückung zu retten, die ihnen von einem viel kleineren Feind zugefügt werden? Können sie nur in blindem Zorn zurückschlagen? Gibt es keinen anderen Weg, als unsere jungen Menschen aufzufordern, sich selbst in die Luft zu jagen und Menschen zu töten das Massaker an noch mehr unserer eigenen Leute herauszufordern?

Es kann nicht sein, dass es keinen anderen Weg gibt. 1,3 Milliarden Moslems können nicht durch ein paar Millionen Juden besiegt werden. Es muss einen Weg geben. Und wir können nur einen Weg finden, wenn wir innehalten um nachzudenken, unsere eigenen Schwächen und Stärken einzuschätzen, zu planen, Strategien zu entwickeln und dann einen Gegenangriff auszuführen. Als Moslems müssen wir nach der Führung des Koran und der Sunnah des Propheten suchen. Bestimmt können uns die 23 Jahre Kampf des Propheten einige Anhaltspunkte dafür geben, was wir tun können und sollten.

Wir wissen dass er und seine frühen Anhänger von den Ohuraish unterdrückt wurden. Hat er Vergeltungsschläge ausgeübt? Nein. Er war bereit, strategische Rückzüge zu machen. Er schickte seine frühen Anhänger in ein christliches Land und er selbst floh später nach Madinah. Dort versammelte er seine Anhänger, baute seine Verteidigungskapazität auf und gewährleistete die Sicherheit seiner Leute. In Hudaibiyah war er bereit, einen unfairen Vertrag zu akzeptieren, entgegen der Wünsche seiner Begleiter und Anhänger. Während des folgenden Friedens konsolidierte er seine Stärke und war schließlich in der Lage, Mekka zu erobern und für den Islam zu beanspruchen. Sogar dann suchte er keine Rache. Und die Menschen von Mekka nahmen den Islam an und viele wurden seine mächtigsten Anhänger, die die Moslems gegen alle ihre Feinde verteidigten.

Das ist im Kurzen die Geschichte des Kampfes des Propheten. Wir sprechen soviel davon, der Sunnah des Propheten zu folgen. Wir zitieren die Beispiele und die Traditionen im Übermaß. Aber wir ignorieren sie tatsächlich allesamt.

Wenn wir die Fähigkeit zu denken, die Allah uns gegeben hat, nutzen, dann sollten wir wissen, dass wir irrational handeln. Wir kämpfen ohne jede Zielsetzung, ohne jeden Zweck außer den Feind zu verletzen, weil er uns verletzt hat. Naiv erwarten wir von ihm, dass er sich geschlagen gibt. Wir opfern unnötig Leben, und erreichen damit nichts, außer noch mehr massive Unterdrückung und Demütigung auf uns zu ziehen.

Es ist sicher an der Zeit, dass wir inne halten, um nachzudenken. Doch wird das verschwendete Zeit sein? Für gut mehr als ein halbes Jahrhundert haben wir um Palästina gekämpft. Was haben wir erreicht? Nichts. Wir sind schlechter dran als zuvor. Wenn wir inne gehalten hätten, um nachzudenken, dann hätten wir einen Plan entwickeln können, eine Strategie, die uns den endgültigen Sieg bringen kann. Inne halten und in Ruhe nachdenken kann keine Zeitverschwendung sein. Wir haben Bedarf, einen strategischen Rückzug zu machen und in Ruhe unsere Situation zu analysieren.

Wir sind aktuell sehr stark. 1,3 Milliarden Menschen können nicht einfach ausgelöscht werden. Die Europäer töteten 6 Millionen Juden von 12 Millionen. Aber heute beherrschen die Juden diese Welt durch Stellvertreter. Sie lassen andere für sich kämpfen und sterben.

Das werden wir vielleicht nicht schaffen. Wir werden es vielleicht nicht schaffen, alle 1,3 Milliarden Moslems zu vereinen. Wir werden es vielleicht nicht schaffen, alle moslemischen Regierungen dazu zu bringen, konzertiert zu handeln. Aber wenn wir nur ein Drittel der Ummah und ein Drittel der moslemischen Staaten dazu bringen, gemeinsam zu handeln, können wir schon etwas tun. Erinnern Sie sich, der Prophet hatte nicht viele Anhänger, als er nach Madinah ging. Aber er vereinigte die Ansars und die Muhajirins und wurde eines Tages stark genug, den Islam zu verteidigen.

Neben der partiellen Einigkeit, die wir brauchen, müssen wir über unsere Aktivposten Bilanz ziehen. Ich habe bereits unsere Anzahl und unser Ölreichtum erwähnt. In der heutigen Welt handhaben wir eine Menge an politischer ökonomischer und finanzieller Schlagkraft, genügend, um unsere Schwäche in militärischer Hinsicht wett zu machen.

Wir wissen auch, dass nicht alle Nicht-Moslems gegen uns sind. Manche sind uns wohlgesonnen. Manche sehen sogar unsere Feinde als ihre Feinde. Sogar unter den Juden gibt es viele, die nicht mit dem einverstanden sind, was die Israelis machen.

Wir dürfen nicht jeden gegen uns aufbringen. Wir müssen ihre Herzen und Köpfe gewinnen. Wir müssen sie auf unsere Seite bekommen, nicht indem wir um ihre Hilfe betteln, sondern durch den ehrenvollen Weg, dass wir kämpfen, um uns selbst zu helfen. Wir dürfen nicht den Feind stärken, indem wir jeden durch unverantwortliche und unislamische Taten in sein Lager zurückstoßen. Erinnern Sie sich an Salah El Din und die Art, wie er die sogenannten Kreuzritter, König Richard von England im Besonderen, bekämpfte. Erinnern Sie sich an die Besonnenheit des Propheten gegenüber den Feinden des Islam. Wir müssen dasselbe machen. Den Kampf zu gewinnen, das ist wichtig und nicht zornige Vergeltung, nicht Rache.

Wir müssen unsere Stärke auf jedem Feld aufbauen, nicht nur in der bewaffneten Macht. Unsere Länder müssen stabil und gut verwaltet sein, müssen wirtschaftlich und finanziell stark sein, industriell kompetent und technisch fortschrittlich. Das wird seine Zeit brauchen, aber es kann getan werden und es wird gut verwendete Zeit sein. Uns ist von unserer Religion auferlegt, geduldig zu sein. Innallahamaasabirin. Offensichtlich liegt Tugend im Geduldigsein.

Doch in der Verteidigung der Ummah darf der Gegenangriff erst beginnen, nachdem wir unsere Häuser geordnet haben. Sogar heute haben wir ausreichende Aktivposten, um sie gegen unsere Verleumder einzusetzen. Es bleibt an uns, sie zu erkennen und dann auszuarbeiten, wie wir sie nutzen , um das durch unseren Feind verursachte Blutbad zu beenden. Das ist vollkommen möglich, wenn wir innehalten um zu denken, zu planen, Strategien zu entwickeln und die ersten paar entscheidenden Schritte zu machen. Sogar diese wenigen Schritte können positive Ergebnisse einbringen.

Wir wissen, dass die Jahilliah [unwissenden] Araber zu Fehden neigten, dazu sich gegenseitig umzubringen, nur weil sie von verschiedenen Stämmen waren. Der Prophet predigte ihnen die Bruderschaft des Islam und sie schafften es, den Hass aufeinander zu überwinden, sich zu vereinigen und sie trugen zur Errichtung der großen moslemischen Zivilisation bei. Können wir sagen, dass die Jahilliah (die Unwissenden) etwas tun konnten, was die modernen Moslems nicht tun können? Wenn nicht alle, können zumindest einige von uns es tun. Wenn nicht die Renaissance unserer großen Zivilisation, dann zumindest die der Sicherheit der Ummah gewährleisten.

Um die vorgeschlagenen Dinge zu tun, wird es nicht einmal erforderlich sein, dass alle von uns ihre Differenzen untereinander aufgeben. Wir brauchen nur einen Waffenstillstand auszurufen, damit wir zusammen handeln um nur bestimmte Probleme von gemeinsamen Interesse anpacken zu können, zum Beispiel das palästinensische Problem.

In jedem Kampf, in jedem Krieg ist nichts wichtiger als ein konzertiertes und koordiniertes Vorgehen. Ein Maß an Disziplin ist alles, was nötig ist. Der Prophet verlor in Jabal Uhud, weil seine Truppen die Reihen durchbrochen haben. Wir wissen das und doch sind wir unwillig, uns zu disziplinieren und unsere irregulären und unkoordinierten Handlungen aufzugeben. Wir müssen tapfer sein aber nicht tollkühn. Wir müssen nachdenken, nicht nur über unsere Belohnung im Jenseits, sondern auch über die weltlichen Erfolge unserer Mission.

Der Koran erzählt uns, dass wir positiv reagieren müssen, wenn der Feind Frieden einklagt. Wahr – der angebotene Vertrag ist nicht vorteilhaft für uns. Aber wir können verhandeln. Der Prophet tat es in Hudaibiyah. Und am Ende triumphierte er.

Mir ist bewusst, dass all diese Ideen nicht beliebt sind. Jene, die zornig sind, würden gerne aus dem Stand heraus verwerfen. Sie würden sogar gerne jeden, der diese Linie vertritt oder unterstützt, zum Schweigen bringen. Sie würden gerne mehr junge Frauen und Männer losschicken, damit sie das höchste Opfer vollbringen. Aber wo wird das alles hinführen? Bestimmt nicht zum Sieg. Über die letzten fünfzig Jahre des Kämpfens in Palästina haben wir nicht einen Erfolg erreicht. Wir haben tatsächlich unsere Situation verschlechtert.

Der Feind wird diese Vorschläge begrüßen und wir werden daraus schließen, dass ihre Befürworter für den Feind arbeiten. Aber denken Sie nach. Wir stehen gegen ein Volk, das denkt. Sie überlebten 2000 Jahre Progrome nicht indem sie zurückschlugen sondern nachdachten. Sie erfanden und förderten erfolgreich Sozialismus, Kommunismus, Menschenrechte und Demokratie, so dass ihre Verfolgung falsch erscheinen würde, so dass sie sich mit anderen derselben Rechte erfreuen. Damit haben sie jetzt Kontrolle über die mächtigsten Länder gewonnen und sie, dieses winzige Land, sind eine Weltmacht geworden. Wir können sie nicht durch Muskeln alleine bekämpfen. Wir müssen auch unseren Verstand benutzen.

In letzter Zeit, aufgrund ihrer Macht und ihres offensichtlichen Erfolges, sind sie überheblich geworden. Und überhebliche Menschen, wie zornige Menschen, werden Fehler machen, werden vergessen nachzudenken.

Sie fangen bereits an, Fehler zu machen. Und sie werden mehr Fehler machen. Es könnte jetzt und in der Zukunft Spielraum für uns geben. Wir müssen diese Gelegenheiten ergreifen.

Aber um das zu tun, müssen wir unsere Handlungen auf Linie bekommen. Rhetorik ist gut. Sie hilft uns, das gegen uns begangene Unrecht aufzudecken, vielleicht etwas Sympathie und Unterstützung zu gewinnen. Sie kann unseren Geist stärken, unseren Willen und unsere Entschlossenheit, dem Feind gegenüber zu treten.

Wir können und sollten zu Allah S.W.T. beten denn im Endeffekt ist es Er, der entscheiden wird, ob wir reüssieren oder scheitern. Wir brauchen Seinen Segen und Seine Hilfe in unseren Bemühungen.

Doch wie wir handeln und was wir tun, wird entscheiden, ob Er uns helfen würde und uns zum Sieg verhilft oder nicht. Er hat es schon im Koran so gesagt. Wieder Sure Ar-Ra’d Vers 11.

Wie ich zu Anfang sagte, die ganze Welt schaut auf uns, die ganze moslemische Ummah setzt ihre Hoffnungen in diese Konferenz der Führer der islamischen Nationen. Sie erwarten von uns nicht nur, unsere Frustrationen und unseren Zorn durch Worte und Gesten auszudrücken; nicht nur für Allah’s Segen zu beten. Sie erwarten, dass wir etwas tun, dass wir handeln. Wir können nicht sagen, dass wir nichts tun können, wir, die Führer der moslemischen Nationen. Wir können nicht sagen, dass wir uns nicht vereinigen können, nicht einmal im Angesicht der Zerstörung unserer Region und der Ummah.

Wir wissen, wir können. Es gibt viele Dinge, die wir tun können. Es gibt viele Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen. Es ist nur der Wille erforderlich, es zu tun. Als Moslems müssen wir dankbar für die Führung durch unsere Religion sein, wir müssen tun, was getan werden muss, willig und mit Entschlossenheit. Allah hat nicht uns, die Führer, über die anderen erhoben, damit wir die Macht nur für uns selbst genießen dürfen. Die Macht, die wir ausüben, ist für unsere Völker, für die Ummah, für den Islam. Wir müssen den Willen haben, diese Macht vernünftig, vorsichtig, gemeinsam zu nutzen. Insyaalah werden wir am Ende triumphieren.

Ich bete zu Allah, dass diese 10. Konferenz der OIC in Putrajaya, Malaysia uns eine neue und positive Richtung geben wird, mit Erfolg gesegnet sein wird durch Ihn, Allmächtigen Allah, Arahman, Arahirn.

Büro des Premier-Ministers
Putrahaya