„Ein Heimtrainer, zwei Flüchtlinge, ein College”

Daniel Gordis, 14. Oktober 2007 (Link existiert nicht mehr)

Beginnen wir mit zwei Geschichten.

Die erste ereignete sich vor acht Jahren: Wir waren gerade in unsere Wohnung in Jerusalem gezogen. Nach fast zwei Jahren in drei verschiedenen Mietwohnungen waren wir mehr als bestrebt uns niederzulassen, unsere eigenen Möbel wieder zu haben, unsere Bücher auszupacken und ein „echtes“ Zuhause einzurichten. Wir wollten auch einen Heimtrainer haben, was wir aufgeschoben hatten, so lange wir umherzogen.

Kurz nach unserem Einzug fuhr ich mit Levi, einem sehr guten Freund, der schon einige Jahre hier war, zu „MegaSport“. Nachdem wir die Wahl auf eine kleine Auswahl reduziert hatten, rief ich mit dem Handy meine Frau an und fragte sie, welches Gerät sie haben wollte. Wir unterhielten uns noch ein paar Minuten und trafen eine Entscheidung. Ich zahlte, arrangierte alles für die Lieferung und wir gingen zurück zum Auto. Als er rückwärts aus seinem Parkplatz fuhr, dreht Levi sich zu mir um und sagte: „Weißt du, als ich hierher zog, habe ich nun wirklich nicht meine Frau mit meinem Handy angerufen, um sie zu fragen, welches Heimtrainer-Modell ich kaufen sollte.“

Ich habe keinen Zweifel, dass Levi, als wir den Parkplatz hinter uns ließen, seinen Kommentar bereits wieder vergessen hatte. Ich allerdings nie. Ich sehe immer noch den Ort vor mir, wie das Schaufenster durch die Windschutzscheibe hindurch aussah. Das Bild ist in meiner Erinnerung eingebrannt. Levi mag das gemeint haben oder auch nicht, aber wie ich ihn verstand, hatte er gesagt, dass wir zu spät hier angekommen waren. „Ihr seid in ein schon fertiges Land gezogen“, sagte er im Grund genommen. „Geldautomaten, Handys, eine anständige Oper, Museen und Streichquartette; sechs Universitäten; ein guter Job in einer stabilen Wirtschaft. Aber ihr seit zu spät gekommen um tatsächlich etwas aufzubauen. Ihr seid zu alt für’s Militär. Die Hule-Sümpfe sind trocken gelegt. Andere Leute haben all das gemacht und jetzt kommt ihr.“

Gut. Vielleicht hat er das nicht so gemeint, aber so hat es sich angefühlt. Stimmt, er sang nicht das alt zionistische Liedchen, Anu Ba’nu Artza – „Wir kamen in das Land, es zu aufzubauen und darin aufgebaut zu werden“, aber er hätte es genauso gut tun können. Sein Punkt war klar: Was bedeutet es hier zu leben, wenn ihr nicht tatsächlich etwas aufbaut?

Deshalb habe ich mich oft gefragt: „Sind wir wirklich zu spät gekommen, um etwas aufzubauen, um einen echten Beitrag dazu zu leisten, was dieses Land werden kann?“ Ich habe versucht mein Unbehagen zu lindern, indem ich mir sagte, dass hier anständige, nachdenkliche und engagierte Kinder aufzuziehen auch eine Art eigener Beitrag ist. Oder dass meine Arbeit sehr wichtige Dinge für die israelische Führung beiträgt. Und doch, diese Bemerkung auf dem Parkplatz zu Handys und Heimtrainern hat nie ganz aufgehört an mir zu nagen.

Die zweite Geschichte stammt aus diesem Sommer: Zusammen mit meinem Sohn Avi und einem Freund, der aus Los Angeles zu Besuch war, fuhr ich in den Norden, um zwei sudanesische Flüchtlinge zu besuchen, die kürzlich aus einem israelischen Gefängnis entlassen wurden, gerade als die Darfur-Geschichte begann hier die Schlagzeilen zu bestimmen. Zu der Zeit, als wir in dem Moschaw ankommen, in dem sie leben und als Tagelöhner arbeiten, wird es ein wenig dunkel. Wir sitzen vor dem umgebauten Frachtcontainer, in dem sie wohnen (es ist nur ein metallener Frachtcontainer, aber ich bemerke, dass er eine Klimaanlage und eine Satellitenschüssel auf dem „Dach“ hat) und sie fangen an uns ihre Geschichte zu erzählen.

Einer, dessen Englisch ein wenig besser war (und den wir für unsere Zwecke Ibrahim nennen wollen), übernahm meistens das Reden. Er hatte im Sudan eine Herde von 400 Rindern und ich gehe davon aus, dass ihn das zu einem wohlhabenden Mann machte. Er war außerdem auch Lehrer und hatte Zuhause eine Bücherei recht ansehnlichen Ausmaßes. Er war eines von elf Kindern einer angesehenen Familie. Aber sein Wohlstand und seine Position brachte ihm nichts Gutes ein. Die Janjaweed griffen sein Dorf an, töteten die meisten seiner Geschwister, zwangen ihn mit seinem Vater zur Flucht in die Wildnis. Sein Vater starb dann und er selbst wurde später gefangen genommen.

Seine Entführer, sagte er uns, verbrannten jeden Abend zwei oder drei der Gefangenen bei lebendigem Leibe vor den anderen, angeblich um von ihnen „Informationen“ zu bekommen. Am Abend, bevor er lebendig verbrannt werden sollte, ging den Entführern das Holz aus. Also wurden die Gefangenen unter den wachsamen Augen ihrer bewaffneten Wächter, ins Dickicht geschickt, um mehr Holz zu holen. Ibrahim wusste, was passieren würde, wenn er in das Lager zurückkehrte. Also planten er und ein anderer die Flucht, während sie im schulterhohen Busch arbeiteten. Die Details sind komplex, es sollte reichen zu sagen, dass sie ihren Entführern entkamen und drei Tage lang mit aneinander geketteten Füßen unterwegs waren, bis sie jemanden fanden, der ihnen half die Ketten aufzusägen.

Irgendwann schaffte es „Ibrahim“ bis nach Ägypten. Dort traf und heiratete er eine Frau, die auch aus Darfur geflohen war. Einige Monate später was sie schwanger und sie beantragten bei der UNO Flüchtlingsstatus. Im Dezember 2005 nahmen sie an einer großen Demonstration vor dem UNO-Sitz in Kairo teil und drängten die UNO ihre Fälle schneller zu bearbeiten. Aber die ägyptische Armee brach die Demonstration auf, indem sie Wasserwerfer mit eiskaltem Wasser einsetzte (im Dezember). In dem Durcheinander wurde Ibrahim von seiner Frau getrennt und während er in einen Bus geschoben wurde, sah er, wie sie in ein Polizeifahrzeug gezwängt wurde.

Nach einigen Tagen in einer ägyptischen Gefängniszelle mit 60 anderen Insassen (der Platz war reichte gerade aus, dass 30 gleichzeitig schlafen konnte (also schliefen 30 einige Stunden auf dem Zementboden, während der Rest stand und dann wurde gewechselt), wurde Ibrahim aus dem Gefängnis entlassen und suchte nach seiner Frau. Zuerst gab es von ihr kein Zeichen. Irgendwann, nachdem er die ganze Stadt abgesucht hatte, fand er ihren Namen auf einer Liste Toter, die an eine Kirchentür geheftet war.

Nun konnte Ibrahim kaum noch sprechen. Wir natürlich auch nicht. Denn es war eine Geschichte, wie wir sie früher schon gehört hatten, nur dass diese von uns handelte. Familien, in Sicherheit und respektiert, plötzlich auseinander gerissen und ermordet. Ehemänner von Ehefrauen getrennt. Grausamkeit, die jeder Beschreibung spottet. Ganze Gemeinden in alle Richtungen zerstreut und ermordet.

Ibrahim fuhr fort: „Ich wusste, ich muss nach Israel gehen. Ich habe in der Bibel gelesen, dass die Juden Fremde gut behandeln. Israel wird sich um mich kümmern, wusste ich.“

Er machte ein Pause; und plötzlich war ich nicht in der Lage meinen Sohn anzusehen. Ich wünschte ich hätte ihn nicht mitgebracht. Weil ich wusste, was kommen würde. Ibrahim würde uns erzahlen, dass die Bibel sagt, dass die Juden gut zu Fremden sind, aber schau, was wir in Wirklichkeit tun. Wir stecken sie ins Gefängnis, nicht wahr? Ich stellte fest, dass ich die Armlehnen des Plastikstuhls, auf dem ich saß, fest umschloss, dass ich Ibrahim zuhörte, aber direkt auf den Boden starrte.

Er beschrieb, wie er und ein anderer Flüchtling (der stille Mann, der hier neben ihm saß) langsame ihren Weg durch die Wüste Sinai fanden, ohne Taschenlampen oder Kerzen. Tagsüber schliefen sie und verhielten sich still, um nicht entdeckt zu werden; nachts schlichen sie weiter, immer im Versuch nicht zu weit nach Westen zu kommen (und im Gazastreifen zu landen) oder zu weit nach Osten und damit (nach ihren geografischen Kenntnissen) in Jordanien zu landen. Schließlich kamen sie nach Wochen nächtlichen Wanderns an einen Stacheldrahtzaun. Sie wussten, dass es eine Grenze war, aber sie waren sich nicht sicher welche. Sie krochen ohne Probleme hindurch, sagte er, standen auf und schauten sich in dem neuen Land um, in dem sie angekommen waren.

Innerhalb von Sekunden, erzählte uns Ibrahim, strömten Armee-Jeeps auf sie zu, Scheinwerfer tränkten die Gegend in grelles Weiß. Soldaten sprangen heraus, ihre Gewehre schussbereit. Es muss Angst einflößend gewesen sein, stellte ich mir vor. Aber Ibrahim sagte ruhig und deutet auf den Fleck auf seinem Hemd, oberhalb der Brusttasche: „Ich sehe die Schrift der Soldaten, die ich nicht kenne. Und ich weiß, dies ist Israel. Ich weiß, für mich ist alles in Ordnung.“

Ich lachte fast. Er sieht Hebräisch, also glaubt er, alles ist in Ordnung. Aber ich wusste, dass Ibrahim verhaftet worden war und ich wusste, dass es eine scheußliche Geschichte über diese Soldaten geben würde. Ich schielte zu Avi hinüber; er sah das und sah mir in die Augen. Gerade aus der High School entlassen, dauert es nicht mehr lange, bis er selbst einzogen wird und ich fühlte mit ihm. Sie würden uns von der Armee erzählen, der er schon bald beitreten würde, un ddas würde nicht schön werden.

Ibrahim erzählte weiter. Die Soldaten hatten keine Ahnung, was sie mit diesen Männern anfangen sollten (das war, bevor die Flut an Flüchtlingen kam), setzten sie in ihren Jeep und nahmen sie mit auf ihre Basis. Dort sagten sie Ibrahim und seinem Freund: „Wir werden morgen überlegen, was zu tun ist.“ In der Zwischenzeit gaben sie ihnen Abendessen, machten ihnen Betten und ließen schlafen gehen.

Nun, das war nicht das, was ich zu hören erwartet hatte.

Der Rest der Geschichte ist kompliziert. Weil er illegal ins Land gekommen war (und als sudanesischer Staatsbürger ist er Bürger eines Landes, das sich formal mit Israel im Krieg befindet), wurde Ibrahim schließlich verhaftet. Als unser Freund aus Los Angeles ihn fragte, wie es im israelischen Gefängnis war, lächelte er und sagte: „Ja, sehr gut.“ „Nein“, sagte unser Freund in der Annahme, er habe die Frage nicht verstanden. „Im Gefängnis. Wie war es im Gefängnis?“ „Ja“, blieb Ibrahim dabei. „Gut. Sie geben uns Essen. Die Wachen sind freundlich.“ Schließlich erlaubte ich mir einen kurzen Blick auf Avi.

Irgendwann ließ ein Richter ihn aus dem Gefängnis und ihm wurde erlaubt in diesem Moschaw zu arbeiten, der eine Anzahl von Flüchtlingen übernommen hatte. In ein paar Wochen, erzählte er uns, würde es keine Grenzen für seine Bewegungsfreiheit geben. Er würde nach Tel Aviv gehen, sagte er, um zu versuchen einen Job zu finden und sein neues Leben zu beginnen.

„Denken Sie, man wird Ihnen erlauben in Israel zu bleiben?“, fragte mein Freund ihn. Ibrahims Lächeln verschwand. „Ich muss“, sagte er. „Dies ist ein wunderbares Land. Menschen hier sind sehr freundlich. Ich würde lieber in Israel sterben als zurück nach Ägypten oder in den Sudan zu gehen. Sie würden mich dort töten.“ Er hat sie das tun sehen, sollten wir uns erinnern.

Wir machten ein paar Fotos, tauschten Handynummern aus. Ibrahim hatte den Namen meines Sohnes vergessen und fragte ihn danach. „Avi“, sagte Avi. Ibrahim sah zu seinem Freund und sie lächelten. Er wandte sich zu uns und sagte: „Avi war der Name eines Wächters im Gefängnis. Er war sehr netter Mann.“

Allein auf der Straße die Küste entlang sprachen wir über das, was wir gehört hatten. Wie können einige Israelis nicht sehen, dass wir die Darfur-Flüchtlinge einfach hinein lassen müssen? Spricht die Geschichte über die Durchwanderung der Wüste von Ägypten in das gelobte Land uns nicht länger an? Warum kriegen wir die UNO nicht dazu ihre Streitkräfte an der Grenze durch Experten zu verstärken, die sagten können, wer wirklich Flüchtling vor Völkermord ist und wer einfach ein besseres Leben sucht (wobei Letztere wahrscheinlich zu zahlreich sein dürften, als dass Israel sie aufnimmt)? Warum bringt das Außenministerium nicht Geschichten wie diese in die Presse, statt der Versuchung nachzugeben absurd spärlich bekleidete Frauen dazu zu nutzen, um angeblich Israels Image im Ausland zu verbessern?

Aber mich sorgte etwas anderes. Nicht die armselige Nicht-Politik der Regierung bezüglich dieser Flüchtlinge oder gar die Verzweiflung des Außenministeriums. Es war ich selbst. Warum war ich so sicher gewesen, dass Ibrahim uns erzählen würde, wie misanthropisch die Israelis seien, dass die Soldaten ihn misshandelt hätten. Warum nahm ich an, dass die Soldaten etwas Falsches getan hätten, wo sie doch in Wirklichkeit außergewöhnlich freundlich gewesen waren? Warum war ich mir so sicher, dass Israel auch hier versagt hätte? Das Israel, das Ibrahim kennt, ist ein freundlicher, anständiger Ort. Wenn er wo sicher war, warum war ich so unsicher?

Zynismus ist eine gefährliche Seuche, ein Krebsgeschwür der Seele. Oft wissen wir nicht, dass es in uns ist, bis es zu spät ist, bis ein Teil von uns gestorben ist. Er ist auch ansteckend. Und dieses Land hat einen Zynismus in drei Stufen. Mit Zynismus meine ich nicht den gelegentlichen höhnischen Witz auf einer Cocktailparty. Ich meine einen niedriggradigen, aber konstanten Selbstekel vieler Leute, die ich in der Elite der intellektuellen und akademischen Kreise Israels kenne, für die eine Diskussion des jüdischen Staates mehr als vorbei ist.; es ist absurd. Wenn man etwas über die Werte sagt, die dem Zionismus inne wohnen, klingt man seltsam. Wenn man darauf besteht, dass die Juden etwas Einzigartiges zu sagen haben und dass einen Staat zu haben unsere Plattform ist, auf der wir anfangen können, dieses „Etwas“ zu artikulieren, schauen sie einen an, als wäre man „niedlich“. Als wenn man von einem jungen Paar, das sich verabredet, als „hofierend“ bezeichnet oder als ob man gerade Jeans „Nietenhosen“ genannt hätte. Du bist ein Anachronismus und niemand der „Wissenden“ wird dich oder deine Ideen sonderlich ernst nehmen.

Dieser Selbstekel manifestiert sich in einer unbarmherzigen Diskussion über die Besatzung, ohne Bezug dazu, warum die Besatzung begann oder zu der Tatsache, dass Israel nicht unbedingt viele vernünftige Optionen hat, die sie beenden könnte. Man sieht das, wenn Leute darauf bestehen, dass Israel „jetzt einfach einen Friedensvertrag unterschreiben“ sollte, ohne zu berücksichtigen, was sich in Gaza entwickelt, in vollständiger Leugnung der offensichtlichen Tatsache, dass es keine Möglichkeit gibt, dass Abu Mazen bei irgendetwas von dem Wort halten kann, was er vor oder während Annapolis verspricht. Es ist die Kultur, in der Postnationalismus als offensichtliche Wahrheit gilt, ohne Erkennung der Tatsache, dass nur bei der Diskussion des Staates der Juden ist, bei der die Leute darauf bestehen, dass der Nationalstaat abgeschafft werden sollte. Es ist der Plauderstil, in dem jeder Erwähnung eines israelischen Soldaten eine Geschichte von einem barbarischen Akt folgen muss, damit man nicht übermäßig nationalistisch erscheint.

Man kann das auch hier finden: In den letzten Jahren hat mir mehr als ein Kollege – mit einem Zwinkern und einem Lächeln – davon erzählt, wie sein/ihr körperlich gesunder Sohn eine Möglichkeit gefunden hat, seinen Militärdienst nicht abzuleisten. „Das ist nichts für ihn“, sagten sie. Er will Musik machen, seiner Kunst folgen, seinem athletischen Können. Denn es ist nicht so, als sei die Verteidigung des ersten Heimatlandes, das die Juden in zweitausend Jahren gehabt haben, tatsächlich ein Wert ist, nicht wahr? Aber das Saxophon? Nun, das ist etwas von Wert.

Sie waren mir unter die Haut gegangen, bemerkte ich, als wir vom Mittelmeer ins Landesinnere abbogen und den langen Aufstieg nach Jerusalem begannen. An diesem Abend, als ich Ibrahim zuhörte, wusste ich einfach, dass wir ihm Unrecht getan hatten – selbst wenn wir das nicht getan hatten. Natürlich war ich entsetzt von diesen Geschichten um die Umgehung des Wehrdienstes und ja, ich wusste, welche Freunde und Kollegen ich nach einem Bombenanschlag meiden sollte, damit ich mir die Kommentare darüber ersparte, wie „das Böse der Besatzung“ rechtfertigt, dass Frauen und Kinder in einem Café in tausend Stücke zerfetzt werden. Aber was, außer diese Leute zu meiden, fragte ich mich, würde ich deswegen unternehmen? Nichts.

In der Stille im Auto dachte ich über dieses Land nach und darüber, wie man eine Gesellschaft kurieren kann, die nicht länger an einem ernsthaften Diskurs darüber teilnimmt, warum seine Existenz wichtig ist. Und ich dachte über diesen Heimtrainer nach – und über Levis Frage: „Ist nicht etwas aufzubauen der Grund dafür, dass du hier bist?“

Und dann – es ist unglaublich – klingelte das Telefon (näher an der Wahrheit ist, dass eine E-Mail sich den Weg in meinen Posteingang bahnte). Es war das Shalem Center, ein Jerusalemer Forschungs- und Bildungsinstitut, das Forschung, Bildung und Veröffentlichung zu jüdischem moralischem und politischem Denken, zionistischer Geschichte und Ideen, demokratischer Theorie und Praxis, strategischen Studien und noch mehr betreibt. „Wie wäre es, wenn Sie uns einen Besuch abstatten“, schlugen sie vor. Da ich ihre Journale und Bücher seit Jahren mit großer Bewunderung gelesen hatte, stimmte ich hastig zu. (Um den E-Mail-Newsletter des Shalem Center zu bekommen, klicken Sie hier.)

Ein Gespräch folgte dem anderen und ziemlich schnell wurden mir einige der aufregendsten Dokumente gezeigt, die ich seit langem gelesen hatte: der Vorschlag für ein College. Ein vierjähriges geisteswissenschaftliches College (ein Modell, das in Israel noch nicht existiert), mit einem Kerncurriculum, zu dem Geschichte, Philosophie, Wissenschaftsphilosophie, griechisches Denken, jüdisches Denken, jüdische Geschichte, zionistische Geschichte und Denken, Religion und Moral und mehr gehört. „Das ist recht erstaunlich“, sagte ich ihnen. „Es könnte das Land verändern.“ „Wie wäre es denn, wenn sie an Bord kommen und uns helfen es aufzubauen?“, schlugen sie vor.

Wie ich es bei dem Heimtrainer getan hatte, fragte ich meine Frau, was ich tun sollte. „Was, ich sollte alles aus heiterem Himmel fallen lassen und einen prima Job bei einer super Stiftung hinwerfen, mit tollen Leuten, die gute Freunde geworden sind, und alles hinter mir lassen? Wer mit gesundem Verstand würde so etwas tun?“, fragte ich sie. „Du“, sagte sie. „Du solltest das tun. Wieso stellst du dich überhaupt so an? Erinnerst du dich, dass du immer sagtest, das Einzige, was du daran bereust Amerika verlassen zu haben, sei, dass unsere Kinder nicht die Art von geisteswissenschaftlicher Bildung bekommen würden, die wir erhielten? Was, wenn dieses Projekt das ändern könnte?“

„Was, wenn“, tatsächlich. Was wäre, wenn wir Generationen von Studenten hervorbringen könnten, die nicht dem Zynismus erliegen, die tatsächlich glauben, dass der größte Beitrag der Juden für die Welt im Bereich der Ideen liegt und die diese Ideen studieren und diskutieren wollen? Was wäre, wenn wir Studenten hervorbringen könnten, die gründlich darauf vorbereitet sind Bürger des jüdischen Staates, des jüdischen Volkes und der Welt zusein, die intelligent über Nationen und Staaten sprechen könnten und über politische Philosophie und Religion und Moral und die die irgendwann dahin wachsen Israels politische Führung zu werden, seine großen Juristen, Akademiker und Unternehmer? Wäre das möglicherweise kein Beitrag von weniger Wert sein als die Arbeit früherer Generationen?

Ich weiß nicht, was die meisten Eltern in einer solchen Situation tun, aber wir bezogen unsere Kinder in unsere Überlegungen ein, was wir tun sollten. Sie sind alt genug, dachte ich, um etwas darüber zu lernen, wie man diese Art Entscheidungen durchdenkt. Wir sprachen über Karrieren und Gehälter, Arbeitsplatzsicherheit und das ständige Bedürfnis nach Herausforderungen. Und am wichtigsten: einmal mehr sprachen wird darüber, warum wir überhaupt hierher gezogen waren.

In ein paar Monaten steht hier ein wichtiger Jahrestag an. Und ich glaube, dass dies eine gute Gelegenheit sein würde sie daran zu erinnern, dass, obwohl 60 Jahre in ihrem Alter eine lange Zeit zu sein scheint, dies für ein Land kaum der Anfang ist. Was ein Segen ist, wenn man darüber nachdenkt. Weil es bedeutet, dass selbst, wenn das Land bereits aufgebaut zu sein scheint, das nur eine Illusion ist. In Wirklichkeit formt es sich noch. Und wenn man wirklich an diesen Ort glaubt, dann wollte ich, dass sie das verstehen; und wenn man wirklich glaubt, dass die Zukunft des jüdischen Volks davon abhängig ist den Staat immer noch zu formen, dann ist es eigentlich relativ einfach einige große Entscheidungen des Lebens zu treffen. Man nimmt ein Projekt, von dem man glaubt, dass man etwas wirklich Entscheidendes beitragen kann, das vielleicht sogar alles verändert. Und dann rollt man die Ärmel auf und geht an die Arbeit.

Ist das nicht immerhin genau das, warum wir hier sind?

Advertisements

Der Zionismus sieht aus wie ein Paar schmutziger Turnschuhe

Forest Rain, Inspiration from Zion, 20. Dezember 2016

Turnschue stehen zum Trocknen draußen. Nass und voller Sand sehen sie für mich müde aus.

Sie zu sehen bricht fast mein Herz.

Sie erzählen die Geschichte, die anderswo lebende Menschen vielleicht nicht erkennen, die meisten Israelis aber sehr wohl. Auch diejenigen, die diese Geschichte nicht im eigenen Haus haben, kennen die Geschichte gut. Über politische Zugehörigkeit und religiöse Konfessionen hinaus ist es eine Geschichte, die wir alle anerkennen (einschließlich derer, die anderer Ansicht sind oder sie nicht Zuhause haben wollen).

Ein schmutziges Paar Turnschuhe; so sieht der Zionismus aus.

Ein stiller Beleg der Bemühung, des Wunsches etwas zu erreichen und vor allem: der Wunsch zu dienen.

Nachts, unten am Strand, im Kalten, im Wind. Laufen, Stretchen, Kraft aufbauen. Trommeln, das Pflaster, durch den Sand, das Wasser und wieder zurück.

Sich unter Zusatzgewicht anstrengen, bewusst hinzugenommen, um den Lauf schwieriger zu machen.

Der beißende Wind ist etwas, das ignoriert werden muss. Die zeitweise Unannehmlichkeit etwas, über das man lacht, im Wissen, dass Herausforderungen der Zukunft härter sein werden.

Niemand sagte ihm, er solle gehen. Er geht aus eigenem Antrieb. Es gibt keine Aufforderungen zu Hilfe, nein: „Kannst du mich fahren?“ Nur ein schnelles „Tschüß“ und dann ist er fort, weg, um sich anderen wie ihm selbst anzuschließen.

Zusammen strengen sie sich an, puschen sich zu neuen Höhen, wissen, dass die Prüfungen, die sie schaffen wollen, sie physisch und mental über ihre derzeitigen Limits dehnen werden. Und sollten sie sie bestehen, werden die nächsten Herausforderungen noch härter sein.

Sie müssen stärker, schneller, besser sein… das ist die einzige Möglichkeit die Aufnahme in eine Eliteeinheit der IDF zu erhalten. Für diese Gruppe ist eine normale Einheit nicht genug. Sie streben danach die Besten zu sein, damit sie sich den Besten anschließen können.

Ihre Kameraden werden auch dienen, aber nur wenige muten sich die Herausforderungen zu, die diese Gruppe auf sich nimmt. Wenige sind fähig, imstande das zu tun.

Sie wetteifern nicht für den eigenen Ruhm. Es gibt nichts ruhmreiches dabei nass, müde, in Schmerzen, schmutzig, erschöpft zu sein… Sie wetteifern für die Ehre ihrem Volk zu dienen, Schulter an Schulter mit anderen, die genauso engagiert sind, genauso leidenschaftlich, wie sie es sind.

Ihr Zionismus ist unsere Zukunft.

Fasziniert von der Aussicht

Der Nasa-Astronaut Jeff Williams teilte auf Facebook kurz vor Pessah ein Foto, das er aus der Internationalen Raumstation machte und kommentierte es:

Endlich haben wir einen Sonntag (kein Frachttransporter dieses Wochenende!) mit etwas Zeit für uns selbst, um die Aussicht aus dem Fenster zu genießen. Jedes Mal, wenn wir darüber fliegen, bin ich von dieser Aussicht fasziniert, bedenkt man, dass sie die weit überwiegende Mehrheit der biblischen Geschichte beinhaltet. Mein Vater – Geschichtslehrer in der High School – vermittelte mir eine Liebe und Wertschätzung für Geschichte und ich habe ein besonderes Verständnis für diese Geschichte. „… denn mein ganzes Denken gilt deinen Zeugnissen.“ (Psalm 119,99, Bruns-Übersetzung) Es ist ein guter Ruhetag hier über dem Planeten!

Naher-Osten-aus-ISS

Ton aus beim arabisch-israelischen Konflikt

Mark Pellegrino, Israellycool, 27. März 2016

Mark Pellegrino ist ein amerikanischer Film- und Fernsehschauspieler, der am besten durch seine Arbeit als Lucifer in „Supernatural“, Paul Bennett in „Dexter“ und Jacob in „Lost“ bekannt ist. Er ist Mitgründer der The American Capitalist Party.

Der Sommer 2014 veränderte meine Beziehung zu den sozialen Medien für immer. Das war der Sommer, in dem Akteure der Hamas drei israelische Jugendliche entführten und brutal ermordeten. Dem folgte der israelische Einmarsch in den Gazastreifen, der etwa 2.200 tote Palästinenser und 72 tote Israelis zur Folge hatte.

Für mich schien die Sache klar zu sein: Unschuldige Zivilisten einer pluralistischen Gesellschaft wurden von Akteuren einer autoritären Regierung ermordet wurden. Einer Regierung, die dem eigenen Volk politischen und materiellen Gewinn vorenthält und regelmäßig politische Dissidenten ermordet. Als der Einfall ein massives Netzwerk an „Terrortunneln“ (die für unzählige Verbrechden an der zivilen und militärischen Bevölkerung Israels genutzt wurden) schien das Sahnehäubchen zu sein, das auf den sprichwörtlichen moralischen Kuchen verteilt wurde. Wir waren hier Zeugen eines Selbstläufers im Schatten moralischer Schuld … glaubte ich jedenfalls.

Es stellte sich heraus, dass das dieser Tage nicht so sehr der Fall ist. Erstens ließ Hollywood eine Petition kursieren, mit der Israel verurteilt wurde. Dann protestierten College-Studenten gegen die israelischen Kriegstaktiken und die Nachrichten häufte noch drauf, indem sie tagtäglich Opferzahlen (zumeist Palästinenser) berichteten.

Es dauerte nicht lange, da begannen in sozialen Medien Narrative Landkarten zu begleiten, die den jüdischen Staat eines ausgemachten Völkermords am palästinensischen Volk beschuldigten. Zuzusehen, wie dieser Irrsinn sich aufdröselte, wurde unmöglich, also stürzte ich mich ins Getümmel.

Den gesamten Sommer über diskutierte ich mit jedem, der die Dreistigkeit hatte die moralische Umkehr zu posten, die Palästinenser seien die Opfer Israels. Und nach zwei Monate, in denen ich ihre Behauptungen wider- und ihre Lügen offenlegte (wobei meine Tweets oft auf den Seiten großer Medien veröffentlicht wurden), überzeugte ich niemanden. Wie konnte das sein, dachte ich. Fakten sind hartnäckige Sachen und sie waren auf meiner Seite; und doch schienen die Leute, die für die „palästinensische“ Sache agitierten, ihnen gegenüber einzigartig resistent zu sein. Zuerst dachte ich, die Antwort läge in unserer allgegenwärtigen Sucht nach einem bestimmten Narrativ von Gut und Böse. Dieses Narrativ lautet hauptsächlich so: Wenn du reich bist, bist du korrupt und kamst vermutlich dahin, indem du über und/oder auf jemand anderen getreten bist. Wenn du arm bist, bist du arm, weil jemand anderes dir die Mittel vorenthalten hat dich aus der Armut zu befreien. Die Personen, die dir das genommen hat, war vermutlich … Sie ahnen es … reich. Diese Art sozialen Determinismus ist seit Jahrhunderten das thematische Rückgrat des Geschichtenerzählens (es begann, als der soziale Determinismus tatsächlich ein Faktor der Mobilität des Einzelnen war). Wir haben es bis heute am Hals. Fakt ist, dass Israel vermutlich schlecht war, weil es reich und die Palästinenser vermutlich gut (oder unterdrückt) wurden, weil sie arm sind – dass könnte ein hartnäckiges Vorurteil sein, das überwunden werden muss, was aber nicht unmöglich sein sollte. Es musste etwas anderes geben.

Erst fast zwei Jahre später, als ich mit meiner Frau eine Reality Show ansah (bitte verurteilt mich nicht), dass mir die Antwort aufging. Wir sahen eine Sendung namens „Are You The One“ (Bist du es?). In der Sendung erhalten Leute in ihren 20-ern, die in ihren Beziehungen elend gescheitert sind, den Auftrag ihre „wahre Liebe“ zu finden. Die passende Person – nach Meinung eines Computertests, Interviews mit Angehörigen und anderen halbobjektiven Kriterien – ist sogar dabei. Sie müssen ihn oder sie nur finden. Wenn alle zwanzig ihren Partner finden, gewinnen sie eine Million Dollar. Wenn nicht, dann nicht. Als ich darüber nachdachte erfordert das Spiel zu spielen (und darauf läuft es hinaus) einen rationale Geist. Man muss Informationen finden, diese Fakten in Schlussfolgerungen packen und aufgrund dieser Schlüsse handeln. Aber Vernunft und Fakten waren für KEINEN dieser jungen Leute Standard. Was war es dann? Gefühle, Instinkt, chemische Verbindungen. Fakten, Denken und diese verrückte Kleinigkeit namens Urteilsvermögen hielt in ihre Beurteilung der anderen nirgendwo Einzug. Und das trotz eines Misserfolgs nach dem anderen ihrer ausprobierten und nicht sonderlich genauen Methode der „Gefühle als Mittel der Erkenntnis“.

Dann traf es mich. Diese Kids KÖNNEN NICHT denken. Jetzt meine ich damit nicht, dass die Synapsen ihres Gehirns irgendwie nicht in der Lage sind physische Verbindungen aufzubauen, sondern die Mittel ihre Hirne zu nutzen, besonders in diesem Bereich, waren NICHT VORHANDEN. Warum? Weil ihnen vom Kindergarten bis zum Abitur und danach (wenn sie studierten) beigebracht wurde, dass Vernunft keine vertrauenswürdige geistige Fähigkeit ist. Diese Kids hatten die Maxime von fast jedem Philosophen und Intellektuellen geschluckt (wiedergegeben, wie es von Autoren und Künstlern überall gemacht wird), dass das Herz dem Kopf überlegen ist; besonders wenn es um die Auswertung der großen Fragen geht, wie die, wen man heiraten wird, welche Arbeit man machen wird, wen man in ein wichtiges Amt wählt und welche Seite man in einem Kampf auf Leben und Tod unterstützen sollte. Wir haben Jahrzehnte der Gefühlskultur gehabt, die ihr Gift aus den viel gepriesenen Hallen der akademischen Welt in die leeren Schädel der Jugend der Welt tröpfelten und ich war Zeuge der unglückseligen und hilflosen Ergebnisse davon in einer relativ harmlosen und leicht amüsanten Fernsehsendung. Wenn aber diese Art Orientierung ihren Weg in die REALE Welt findet, dann ist das Ergebnis kein ordinäres Reality-Fernsehen, sondern die große Tragödie der moralischen Umkehrung.

Wer vom Herzen beherrscht wird, für den dienen materielle Beweise nur dazu die Gefühle zu bestätigen, die aus seinem Herzen kommen. Beweise, die damit in Konflikt stehen, werden gleich verworfen. Gott behüte, dass der Konflikt durch einen DENKPROZESS gelöst wird. Der Standard des Guten ist daher nicht die Realität oder das OBJEKTIV Gute, sondern die eigenen, halb bewussten Auswertungen, seien sie richtig (korrekte Überlegungen zur Realität) oder falsch (wahnhaft). Was zählt, ist das Gefühl. Die Hamas hat das haargenau begriffen. Und obwohl sie nicht in der Lage zu sein vermögen dem Aufstieg des Emotionalismus und den Absturz der Vernunft durch den Pantheon der akademischen Welt und Literatur nachzuspüren, können sie ihn natürlich fühlen und Vorteile aus dem Trend ziehen. Was bedeutete das für mich und meine Internetkriege? Es bedeutet, dass Bilder für eine Auseinandersetzung ausreichten und dass Versuche den moralischen Unterschied zwischen initiierter Gewalt und Gegenmaßnahmen darstellender Gewalt auf taube Ohren stießen. Es bedeutete, dass die Zahl von Toten mit Moral und Unmoral verschmolzen, selbst wenn diese Zahlen nicht zeigten, wer der Aggressor war und wer der Verteidigende, sondern nur, wer beim Töten effektiver war. Die Zahlen zeigten außerdem nicht die Bevölkerungsdichte, die Kollateralschäden zur Gewissheit machten oder die skrupellose Politik des Feindes, der Märtyrer dazu benutzte die eigne PR-Kampagne voranzubringen. Es bedeutete, dass Argumente bezüglich der Legitimität Israels auf reines Eingeborenensein oder Nativismus als Standard oder Legitimität eingedampft wurde, BASTA; denn was ein Land TATSÄCHLICH legitim macht – seine Versuche eine Regierung zu schaffen, die die Rechte ihrer Bürger respektiert – ist ein viel zu abstraktes Thema für die Gefühlskult-Anhänger, als dass man das beherzigen könnte.

Was für eine beängstigende Aussicht, dass die Welt ein Mob wird, weil sie nicht fähig ist über die mit dem Teelöffel eingeflößten Narrative und Vorurteile hinauszusehen. Mobs sind vorwiegend für ihren Emotionalismus bekannt, danach für die Leichtigkeit, mit der ihre Emotionen auf Ziele hin manipuliert werden. Die durch die Hand von antikapitalistischen Diktatoren institutionalisierten Morde und das Abschlachten ganzer Menschenrassen, von denen man glaubte, sie seien an sich böse, sind Zeugnis für diese Tatsache. Derselbe Typ Abschlachtens findet heute statt, aber er sit die Ablehnung eines Landes, das von denen geschlachtet wird, die nicht tiefer denken können als ein Bild oder ein konkreter Satz Statistiken.

Mir scheint es so, dass menschliche Wesen den Sieg über die Natur über die kompromisslose Nutzung der Vernunft erzielen. Aber sie erreichen etwas anderes durch die Nutzung des Verstandes, das genauso wichtig ist: GERECHTIGKEIT. Den Verstand und das Konzept der Gerechtigkeit aufzugeben wir jedem Strolch zur Definition überlassen der eine Kamera, eine Story und einen Mythos von Gut und Böse hat, die er abspielen kann.

Liebe Palästinenserin, …

Paula R. Sterin, A Soldier’s Mother, 8. März 2016

Eine fünfzigjährige Palästinenserin versuchte am Morgen [des 8. März] einen israelischen Grenzschützer zu erstechen. Die Polizei bemerkte ihr Tun und schoss auf sie, bevor sie Erfolg hatte. Sie wurde schwer verletzt du starb an ihren Wunden. Bei diesem jüngsten Terroranschlag wurden keine Israelis verletzt.

Und so fing ich an nachzudenken…

Liebe Palästinenserin,

ich wurde noch nie angeschossen. Ich bete zu Gott, dass mir das auch nie passieren wird.

Aber hier bist du, erschossen, trotz versuchen dein erbärmliches Leben zur retten. Du bist heute Morgen in Jerusalem auf einen Polizisten zugegangen und hast ein Messer gezogen und die Polizei schoss dich an. Bis zu diesem Morgen ist es sehr wahrscheinlich, dass du und ich bei den wichtigen Meilensteinen des Lebens uns sehr ähnlich waren.

Du warst um die 50 Jahre alt, nur ein wenig jünger als ich. Ich bin eine Tochter, ein Ehefrau, eine Mutter und Großmutter. Ich frage mich, was du bist … oder warst …, abgesehen davon dass du Terroristin warst – und glücklicherweise eine ungeschickte und jetzt tote.

Hattest du Kinder, einen Ehemann und Enkel? Hättest du Erfolg gehabt, dann wäre jemandes Leben heute sehr verändert worden. Letzten Mittwoch war Tzvika Cohen ein viel geliebter Sicherheitsmann in Ma’ale Adumim, der die Menschen grüßte, wenn sie hier das Einkaufszentrum betraten und verließen. Letzten Donnerstag übernahm er den Platz eines anderen Wachmanns, der zu krank war um die Nachtschicht zu machen.

Ein arabischer Arbeiter, einer, mit dem er zusammensaß und Kaffee trank, hatte Erfolg mit seinem Anschlag von hinten auf Tzvika. Immer und immer wieder traf er Tzvika mit einem Beil und jetzt, während seine Familie und Gemeinde für seine Genesung beten, hat sich unsere Stadt verändert. Die Menschen sind wütend und wollen keine arabischen Arbeiter in unserer Stadt. Wir wissen, dass nicht alle Arbeiter schuldig, nicht alle Terroristen sind. Aber dieser eine, der es war, kam mit einer Arbeitserlaubnis her, trank Kaffee mit dem Personal des Einkaufszentrums und hatte ein freundschaftliches Verhältnis zu ihnen … bis er sich entschied jemanden zu töten.

Heute versuchtest du jemand anderem zu tun, was dieser arabische Arbeiter tat – das Leben eines Menschen zerstören und seine Familie für immer zu verändern. Du hast versagt, weil unserer Grenzschützer gelernt haben, dass dir nicht zu trauen ist – nicht einmal einer Frau, nicht einmal einem jungen Kind. Und so waren sie wachsam, wie immer. Sie sahen dich kommen. Vielleicht sahen sie Angst in deinen Augen, vielleicht sahen sie Hass. Was immer es war, sie wussten, noch bevor du das Messer zogst, dass du gekommen warst um zu töten.

Und so waren sie, als du dein Messer zogst, bereit – du gingst auf einen Schützer zu; andere sahen und schossen auf dich … und du starbst. In dieser Minuten und den wenigen, die dir auf dieser Erde blieben – dachtest du an deine Welt, die, die du verlassen hast?

Du bist darin gescheitert jemanden zu verletzen und so dreht sich die Welt in Israel weiter; aber die Welt, an deren Gestaltung du die letzten fünfzig Jahre gearbeitet hast, hat sich verändert. Wer wird sich um deine Familie kümmern? Vielleicht hat dein Mann weitere Ehefrauen? Das ist etwas, das wir nicht haben, also weiß ich nicht, wie das funktioniert. Ich vermute, er wird jetzt öfter mit den anderen Ehefrauen schlafen, wo er nicht mehr mit dir schlafen muss. Sie werden sich um seine Bedürfnisse kümmern, sicher stellen, dass er zu essen hat.

Aber warum sollten seine anderen Frauen sich um deine Kinder und Enkel kümmern? Ich sprach einmal mit einem Araber namens Daoud über seine Frauen. Seine erste Frau war damals 46 Jahre alt und er nannte sie „die Arme“. Vielleicht dachte dein Mann so über dich. Vielleicht hast du es gehasst, dass er sich andere Frauen nahm – ich würde es bestimmt hassen, wenn mein Mann sich einer anderen zuwendet.

Hast du Kinder? Ich habe fünf. Drei sind mit den wundervollsten Menschen verheiratet. Sie haben erstaunliche Leben aufgebaut, aber sie haben immer noch das Gefühl mich zu brauchen. Ich rede fast jeden Tag mit ihnen. Einer ist heute wütend auf mich, aber ich sage ihm immer, dass ich ihn liebe und umarme ihn oder gebe ihm einen Kuss – und er umarmt mich oder küsst mich zurück. Ich glaube nicht, dass es im Leben viele Dinge gibt, die so stark sind wie die Mutterliebe, also kann ich nicht anders als mich zu fragen, was mit deiner passiert ist.

Hast du Kinder? Sind sie alle erwachsen? Meine Jüngste ist 16 Jahre alt. Ich sehe sie aufwachsen du staune über die Frau, die zu entstehen beginnt. Sie ist eine Schönheit und anmutig und ein Drama, genau auf der am Rand ins Morgen. Sie kommt in mein Zimmer und erzählt mir alles aus ihrer Welt. Was ist mit deinen Töchtern? Und deinen Söhnen? Meine Kinder wissen, dass ich vom anderen Ende der Welt kommen würde, um zu ihnen zu kommen, Berge versetzen würde, wenn es nötig wäre.

Und eine Kinder – was hast du sie gelehrt? Dass du lieber einen Juden töten würdest statt für sie Mutter zu sein? Dass sie dir nacheifern sollen, dass auch sie für das Messer leben und vielleicht sterben müssen? Glaubst du vielleicht, dass du mit 50 aufgehört hast Mutter zu sein, dass sie dich nicht mehr brauchen? Ich vermute mal, das ist etwas, von dem du hoffst, dass es wahr ist, da du dich jetzt entschlossen hattest sie zu verlassen.

Hast du Enkel? Ich habe drei kleine Enkel. Sie erfüllen mein Leben mit viel Freude. Sag‘ das nicht meinen Kinder, aber ich denke, mein ältester Enkel ist das klügste menschliche Wesen der Welt. Ich könnte ihm ständig zuhören. Ich lese ihm vor und er erzählt mir Geschichten. Ich muss daran denken Englisch mit ihm zu sprechen, wenn er mir auf Hebräisch antwortet. Meine Enkelin lässt mein Herz schmelzen, wenn sie die Treppen hochruft: „Savta, ich komme!“ oder „Savta, gute Nacht. Ich liebe dich!“. Und mein jüngster Enkel, für den gibt es keine Worte. Er sieht mich einfach an und ich weiß, die Welt ist in Ordnung.

Hast du Enkel? Was wird ihnen von dir in Erinnerung bleiben? Vielleicht werden sie sich überhaupt nicht an dich erinnern. Du wirst ein Name geworden sein, eine Märtyrerin. Sie werden lernen, dass du es vorzogst einen ruhmreichen Tod zu sterben, statt sie aufwachsen zu sehen. Dass dein Hass auf Juden, die du nicht einmal kennst, stärker war als jede Liebe, die du angeblich für sie hattest. Wirst du von ihnen erwarten, dass sie deinen sinnlosen Tod rächen?

Meine werden sich an die süße Soße erinnern, die ich auf meine Hamburger gebe, an die Kartoffel-Kutel – das Rezept dafür ist in Wirklichkeit das meiner Schwiegermutter. Sie werden sich erinnern, dass ich sie hielt, wenn sie weinten, mit ihnen spielte. Sie werden sich an das große Spielzeugauto erinnern und an die Rutsche, die ich für sie habe, wenn sie zu Besuch kommen.

Du bist also jetzt tot. Vielleicht werde ich deinen Namen nie erfahren, ob du verheiratet warst, Kinder hattest, Enkel hattest.. Wenn dem so war, hat du der nächsten Generation und der darauf folgenden weiteres Gift hinzugefügt. Und die Ironie ist, dass du wahrscheinlich herausfinden wirst, dass der Himmel Terroristen nicht annähernd so willkommen heißt, wie man dir weisgemacht hat.

Oh, CNN und Reuters werden über die Palästinenserin schreiben, die heute von Israelis erschossen wurde. Sie werden weit unten in dem Artikel eine Zeile hinzufügen, dass du ein Messer gezogen hast. Du wirst der Statistik hinzugefügt – den Terroranschlägen des Zählers in Israel. Aber mal ehrlich, nach mehr als 300 Anschläge in den letzten Monaten wird einer, bei dem glücklicherweise niemand verletzt wurde, liegt deiner sehr weit hinten.

Was wir hier also haben, liebe Palästinenserin, ist ein vergeudeter Tod eines vergeudeten Lebens.

Wacht auf und zählt mal Eins und Eins zusammen

Dies ist nicht die erste akademische Diskussion über Moral und Ethik*

Dr. Mordechai Kedar, Israel National News, 6. November 2015

In Israel findet ein erbitterter Streit über die explosive Frage statt, ob der Öffentlichkeit erlaubt werden soll das Recht in die eigene Hand zu nehmen, wenn sie mit einem Terroristen konfrontiert ist, der gerade auf einen Juden eingestochen hat. Es gibt keinen Streit über die Zulässigkeit einen Terroristen zu töten, bevor er jemanden angegriffen hat, wenn es der einzige Weg zu sein scheint ihn davon abzuhalten seinen Plan auszuführen. Das Dilemma dreht sich darum, ob es zulässig ist einen Terroristen zu töten, nachdem er auf jemanden eingestochen hat. Auch hier geht es nicht darum ihn zu töten, wenn er in der Lage ist seinen Mordversuch fortzusetzen; in diesem Fall, stimmen alle überein, muss er umgehend eliminiert werden.

Das Problem entsteht, wenn ein Terrorist neutralisiert ist, auf dem Boden liegt, möglicherweise verwundet oder mit Handschellen gefesselt und nicht in der Lage ist aufzustehen und weitere Menschen zu verletzen. Kann ihn physisch anzugreifen und gar seinen Tod zu verursachen gebilligt werden oder hat er, einmal neutralisiert, Anspruch auf Schutz vor spontaner Vergeltung, auf medizinische Versorgung und ein faires Gerichtsverfahren, in dem seine Strafe festgelegt wird?

Die Antwort auf diese Frage hängt von den Auffassungen ab, die die Person hat, an die sie gerichtet wird. Bezeichnenderweise muss die Debatte auf die Grundlage der Schlussfolgerungen gestellt werden, die aus dem Studium des israelischen Rechts- und moralischen Systems erzielt werden; das spiegelt ein Land, das vom Recht bestimmt wird, in dem auch ein Krimineller das Recht auf ein ordentliches Gerichtsverfahren hat – oder sollte die Debatte auf die Tatsache gegründet sein, dass die Täter nicht Teil der israelischen Normativität sind, die moralischen Standards Israels nicht akzeptieren und sie wahrscheinlich zusammen mit dem gesamten Staat vernichten würden, so dass es keinen logischen Grund dafür gibt, dass das System ihn schützt.

Mit anderen Worten: Sollte die Debatte um die „Lynch-Frage“ von den Rechtsprinzipien geleitet werden, die der israelischen Gesellschaft dienen? Oder sollten wir die Frage vom Standpunkt des Angreifers, seiner Gesellschaft und den Normen aus betrachtet werden, nach denen er lebt? Und vergessen Sie nicht, dass, während dieser Streit tobt, andere, drängenderer Fragen den Israelis keine Ruhepause bieten: Wie kann der nächste Anschlag verhindert werden und wie kann der nächste Terrorist davon abgehalten werden im Versuch sie zu ermorden sogar auf 80-jährige Juden einzustechen?

Viele linke Israelis nutzen juristische und moralische Argumente, die ausschließlich moderner, liberaler und säkularer israelische Erfahrung entstammen. Dies ist die Haltung, die von Professor Mosche Negbi in einem Artikel in Ha’aretz (3. November 2015) verfochten wurde; er lehrt an der Hebräischen Universität und ist juristischer Kommentator für den Radiosender Voice of Israel.

Ein kurzer Blick auf die Überschrift des Artikels – Die Lynchkultur der extremen Rechten – reicht aus, um seine Empfindungen zum Thema herauszufinden. Gemäß seiner Auffassung (oder der des für das Schreiben der Schlagzeilen zuständigen Redakteurs) ist Terroristen zu verletzen keine emotionale Reaktion auf einen Vorfall, bei dem ein Terrorist gerade auf einen Juden eingestochen hat, sondern Teil eines „kulturellen Musters“, ein Hinweis auf etwas Genetisches, das in der Zusammensetzung eines rechten Extremisten verwurzelt ist, ihn bei jedem Schritt leitet. Seiner Meinung nach sind rechte Extremisten Leute, deren gesamte Kultur eine des Lynchens ist, Leute, die ihre Zeit damit verbringen nach jemandem zu suchen, den sie lynchen können.

Negbi nannte sie „einen unkontrollierten Mob“, dessen „kriminelle Ansichten“ die Hallen der Regierung und der Sicherheitseinrichtungen infiltriert haben und „unangreifbarer Beweis für die zunehmende Bestialität Israels“ bieten.

„Palästinensisches Blut ist nicht das einzige Blut, das zu vergießen erlaubt wird. Das gleiche gilt für das Blut eines jeden, der versucht Israels Rückentwicklung von einem gesetzestreuen in einen gesetzlosen Lnychstaat zu stoppen“, behauptet er. Professor Negbi fährt damit fort Richter und Akademiker zu zitieren, die vernichtende Kritiken über Mitglieder der IDF der Sicherheitskräfte geschrieben haben, die gegen das Gesetz verstießen, als sie ihre Aufträge ausführten – und die von der Justiz dafür bestraft wurden.

Ähnliche Ansichten wurden von Adi Meiri vom Radiosender Reshet Bet in ihrer regelmäßigen Sendung „Alles Gerede“ vom 3. November zum Ausdruck gebracht. Das Problem all dieser Schreiber und Radiosprecher ist, dass sie die Messerstecher-Terrorfrage durch die rosarote Brille der linken, modernen israelischen Kultur analysieren. Diese Kultur ist eine, die darauf besteht, dass jeder Bürger und jedes Mitglied der Sicherheitskräfte verpflichtet ist Selbstkontrolle, Zurückhaltung und Verhältnismäßigkeit zu üben, selbst wenn das bedeutet sich und andere mit dem eigenen Körper vor Kriminellen zu schützen, die darauf aus sind Verletzungen zuzufügen. Sie gehen mit dem terroristischen Messerstecher und Mörder um, als sei er Mitglied einer zivilisierten Gesellschaft, der leider vom richtigen Weg abgewichen ist, aber Anrecht auf allen Schutz hat, den das Gesetz jedem Kriminellen von dem Moment an bietet, in dem er aufhört eine unmittelbare und offensichtliche Gefahr für andere darzustellen.

Was Negbi, Meiri und ihre Freunde motiviert, ist das moralische Ethos, das für sich den Anspruch erhebt, dass der jüdische Staat an einen ethischen Kodex gebunden ist, der uns verbietet gewalttätig gegen jemanden zu handeln, der keine greifbare und unmittelbare Gefahr darstellt, selbst wenn er uns weniger als eine Minute zuvor in Mordabsicht auf uns einstach. Dieser moralistische Ansatz ist im israelischen Gesetz und diversen Gerichtsentscheidungen zu finden. Das Prinzip dahinter ist, dass wir nicht so handeln, wie es unsere Feinde tun, wir sinken nicht auf ihr Niveau hinab – weil wir besser als sie sind. Riecht diese Herangehensweise nach hochmütiger Arroganz?

Ein weiteres „nebensächliches“ Detail, das es wert ist erwähnt zu werden: Unsere rechtlichen und moralischen Dilemmata machen auf unsere Feinde nicht den geringsten Eindruck; sie nutzten schlicht die Tatsache aus, dass wir ihnen erlauben frei und unkontrolliert mitten unter uns herumzulaufen, was ihnen die Möglichkeit schafft zu jedem beliebigen Zeitpunkt geschärfte Messer aus ihren Taschen zu ziehen und uns abzuschlachten.

Folgt man dem Ansatz unserer Feinde zur Lage, haben Juden absolut kein Recht in diesem Land zu leben, nicht einmal in Tel Aviv, denn sie sind Eroberer des islamischen Staats Palästina, der allein den Muslimen gehört. Wir haben kein Recht auf Unabhängigkeit oder Souveränität, weil Juden verpflichtet sind unter der Scharia, dem islamischen Recht, zu leben – als unterwürfige Dhimmis. Schützen wir uns, brechen wir das Gesetz des islamischen Schutzes und verdienen es abgeschlachtet zu werden.

Der durchschnittliche Messerstecher weiß, dass er im Fall, dass man ihn fasst, ins Gefängnis gesteckt wird, wo er für den Erwerb eines akademischen Grades studieren kann, dass er innerhalb von ein paar Jahren gegen einen israelischen Soldaten oder Bürger ausgetauscht werden wird, der extra zum Zweck den terroristischen Mörder freizupressen entführt wurde; und dass seine Familie während seiner Haft von der PA eine großzügige Geldsumme erhalten wird (deren Quelle der amerikanische Steuerzahler ist). Das alles zusätzlich zur großen Ehre, die seine Familie genießen wird, egal ob er getötet wird oder nicht. Wird er getötet, wird eine Schule nach ihm benannt werden, in der Kinder ein „Erbe“ lernen werden; und möglicherweise wird eine Straße oder sogar eine Organisation mit seinem Namen den Geist des antiisraelischen Jihad in der Welt verbreiten.

Der Messerstecher wird von denselben Anliegen motiviert, die Haddsch Amin al-Husseini, den Großmufti von Jerusalem, ermutigten sich an der Vernichtung des europäischen Judentums in den 1940-er Jahren zu beteiligen. Ein Muslim, der loszieht, um einen Juden abzustechen, weiß, dass ihn im Paradies eine Belohnung erwartet, wenn er vor, während oder nach der Tat getötet wird. Unsere moralischen Bedenken interessieren ihn nicht im Geringsten, aber im ungünstigsten Fall werden sie der Grund sein, dass er vor der Wut der vor Ort um ihn herum Stehenden geschützt werden. Er verlässt sich auf das israelische Recht und Israels Polizei ihn vor der Vergeltung der Menge zu schützen und ist sicher, dass er überleben wird, um weitere Juden abzustechen, nachdem er bei einem Gefangenenaustausch befreit wird.

So arbeitet die israelische Moral gegen Israel und seine Bürger, paralysiert die israelische Abschreckung und ermutigt die Terroristen Israelis abzustechen. Die Messerstecher sind in einer Win-Win-Situation, da israelisches Recht und Moral ihnen Immunität vor sofortiger Bestrafung durch die Umstehenden gewährt, die Zeugen ihres terroristischen Tuns sind. Es stellt sich heraus, dass diejenigen, die ständig Lektionen über Moral von sich geben, sich eigentlich unmoralisch verhalten, indem sie Terror und Mord begünstigen. Es ist faszinierend einen Jura-Professor zu sehen, der unverhohlen Terror fördert.

So fesselt sich Israel seine Hände selbst und macht es schwieriger effektiv auf Terror zu reagieren. Israel hat seine Fähigkeit verloren terroristische Mörder abzuschrecken, weil sie das Gefühl von Immunität haben. Es sollte selbstverständlich sein, dass jeder Terrorist, der ein Messer in die Hand nimmt, um auf einen Juden einzustechen, weiß, dass er nicht lebend nach Hause zurückkehren wird, dass er entweder von Sicherheitspersonal oder von den Menschen getötet wird, die Zeugen seines Tuns sind. Ist die Zeit, in der Muslime jüdisches Blut als billig ansahen, nicht vorbei? Israel hat keine Wahl, es muss seine Fähigkeit Terroristen abzuschrecken, wieder herstellen.

Sowohl die Linke als auch die Rechte muss daran denken, dass dies der Nahe Osten ist. Frieden ist in dieser Region nicht das Los derer, die unbeirrt westlichen Gebräuchen, Gesetzen und Ethik folgen. Wer Erfolg hat, überzeugt seine Feinde, dass er unüberwindbar ist und dass sie ihn zu ihrem eigenen Besten lieber in Ruhe lassen sollten; so jemand hat die Chance Frieden zu erreichen.

Jeder, der das nicht begreift oder es nicht begreifen will, ist von der Realität abgeschnitten. Ich schlage vor, dass er zu seinem eigenen Besten aufwacht und Eins und Eins zusammenzählt, bevor das Schlachterbeil ihm den Kopf vom Körper trennt – und ich betreibe hier nicht einfach Panikmache.

Für den Fall, dass dieses Szenario eintritt, wird es ihm irgendwie eine Hilfe sein, dass er eine moralische Person ist?

—–

Anmerkung heplev: Und darum sollte es sich bei diesem Text handeln – er sollte Anlass für offene Diskussion sein. Der Artikel soll zum Nachdenken anregen. Ich persönlich glaube, dass es nicht gestattet werden darf einen Täter, der sich nicht mehr wehren kann, zu töten. Dann wäre es besser die Todesstrafe wieder einzuführen und ihn vor Gericht zu stellen. Wenn man den Menschen erlaubt (inzwischen wehrlose) Täter zu lynchen, gibt es die Gefahr, dass die Gesellschaft tatsächlich abgleitet.