Mit Freunden wie diesen…

Caroline Glick, 10. November 2011 (Jerusalem Post)

Die vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und US-Präsident Barack Obama gerichteten Beleidigungen nach dem G20-Gipfel der letzten Woche sind so entlarvend wie abstoßend.

Sarkozy dachte, niemand außer Obama könne ihn hören und griff Netanyahu an: „Ich kann ihn nicht mehr sehen. Er ist ein Lügner.“ Obama jammerte als Antwort: „Du hast genug von ihm? Ich muss doch jeden Tag mit ihm zurecht kommen.“

Diese Äußerungen sind interessant – sowohl wegen dem, was sie über die Charaktere der beiden Präsidenten aussagen, als auch wegen der Art, wie Israel im Westen allgemein wahrgenommen wird.

Um zu verstehen, warum das der Fall ist, muss zuerst gefragt werden, wann Netanyahu Sarkozy und Obama jemals belogen hat. Diese Woche machte der Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde der UNO über das Atomwaffenprogramm des Iran klar, dass Israel – einschließlich Netanyahu – schon immer die Wahrheit über den Iran du seine nuklearen Ambitionen gesagt hat. Im Gegensatz dazu haben Führungspolitiker der Welt gelogen und den Kopf in den Sand gesteckt.

Das das Atomwaffenprogramm des Iran erstmals im Jahr 2004 der Öffentlichkeit offenbart wrude, hat Israel tief gehende Geheimdienst-Informationen geliefert, die Typen wie Sarkozy, Obama und der UNO die niederträchtigen Absichten des Iran beweisen. Und sieben Jahre lang hat die US-Regierung – einschließlich Obama – behauptete, dass der definitive Beweis für die Absichten des Iran fehle. Obama verschwendete die ersten zwei Jahre seiner Administration mit dem Versuch die Iraner aus ihrem Atomwaffenprogramm herauszuschmeicheln. Er ignorierte stur die ihm von Israel präsentierten Berge an Beweisen, dass der Iran nicht daran interessiert war einen Vereinbarung zu treffen.

Vielleicht verließ sich Obama auf die National Intelligence Estimate der USA aus dem Jahr 2007 zu Irans Atomwaffenprogramm. Wie Israel damals sagte und wie es der IAEA-Bericht von dieser Woche beweist, war es die NIE – die behauptete der Iran habe sein Atomwaffenprogramm 2003 aufgegeben – und nicht Israel, die bewusst zum Status des iranischen Atomwaffenprogramms log. Es war die Geheimdienstgemeinschaft der USA, die absichtlich die amerikanische Regierung und das amerikanische Volk zur größten unmittelbaren Bedrohung der Sicherheit der USA täuschte.

Israel – einschließlich Netanyahu – sagte die Wahrheit.

Wenn also Netanyahu nie zum Iran gelogen hat, was könnten diese beiden wichtigen Führer der Welt glauben, wozu er lügt? Warum wollen sie nicht mehr mit ihm reden? Könnte es sein, dass sie die Art nicht mögen, wie er ihren geliebten „Friedensprozess“ mit den Palästinensern managt? Fakt ist: Die einzigen Male, bei denen Netanyahu weniger als die Wahrheit über die Palästinenser von sich gab, waren die Gelegenheiten, bei denen er Typen wie Obama und Sarkozy beschwichtigen wollte. Nur als Netanyahu sich die falschen Behauptungen von Leuten wie Obama und Sarkozy zu eigen machte, dass es möglich sei mit den Palästinensern einen Friedenshandel auf Grundlage der Gründung eines unabhängigen Palästinenserstaats westlich des Jordan zu erreichen, könnte man sagen, dass er falsche Angaben machte.

Denn die Wahrheit ist: Israel hatte nie eine Chance Frieden mit den Palästinensern zu erreichen.

Und der Grund, dass das immer so gewesen ist, hat nichts mit Netanyahu oder Israel zu tun.

Es gab nie eine Chance auf Frieden, weil die Palästinenser kein Interesse daran haben mit Israel Frieden zu schließen. Wie der Lieblingspalästinenser des Westens, der „moderate“ Fatah-Führer und PA-Vorsitzende Mahmud Abbas in einem Interview mit dem ägyptischen Dream TV am 23. Oktober sagte: „Ich habe es früher schon gesagt und ich sage es wieder. Ich werde den „jüdischen Charakter“ des Staates [Israel] oder eines „jüdischen Staates‘ niemals anerkennen.“ Das heißt: Abbas wird mit Israel niemals Frieden schließen.

Netanyahu bestätigte das am Dienstag, als er – so wird berichtet – seinen Kollegen sagte, durch ihr jüngstes Handeln hätten die Palästinenser die Grundlagen des Friedensprozesses gekündigt. Er formulierte es so: „Durch den Boykott der Verhandlungen und statt dessen vor die Vereinten Nationen zu gehen [um einen unabhängigen Staat zu erreichen], haben [die Palästinenser] einen zentralen Grundsatz von Oslo verletzt.“

Dieser Grundsatz, der die Basis für den Oslo-Friedensprozess bildete, war „Land für Frieden“.

Wie Netanyahu erklärte, gab Israel innerhalb des Rahmens der Oslo-Vereinbarungen Land auf. Im Tausch verpflichteten sich die Palästinenser ihren Konflikt mit Israel durch direkte Verhandlungen zu lösen, die zu Frieden führen sollten. Ihr UNO-Schachzug, wie Abbas‘ Erklärung im ägyptischen Fernsehen, zeigt, dass die Palästinenser – nicht Israel – die ganze Zeit über gelogen haben. Sie steckten sich Israels territoriale Zugeständnisse ein und lehnten es ab Frieden zu schließen.

Warum also hassen Typen wie Sarkozy und Obama Netanyahu? Warum ist er ein „Lügner“? Warum schütten sie ihre Gehässigkeiten nicht über Abbas aus, der tatsächlich lügt und das regelmäßig? Die Antwort: Weil sie es vorziehen Israel die Schuld zu geben, statt zuzugeben, dass ihre positive Bewertung der Palästinenser nichts weiter ist als ein Hirngespinst.

Und damit sind sie nicht allein. Dass der Westen Hirngespinsten den Vorzug vor der Realität gibt, wurde durch den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton im September ausdrücklich zu Ausdruck gebracht. In einer üblen Hetzrede gegen Netanyahu bestand Clinton auf seiner Clinton Global Initiative Conference darauf, dass die PA unter Abbas „für Frieden“ und das einzige wirkliche Hindernis für einen Deal Netanyahu sei. Ironischerweise forderte Abbas zur gleichen Zeit, in der Clinton Israels Führungspolitiker wegen der Zerstörung des Friedensprozesses angriff, in der UNO vom Sicherheitsrat die Anerkennung eines unabhängigen Palästinenserstaates als Vollmitglied, der sich de facto mit Israel im Kriegszustand befindet.

Doch auch während Clinton ihn für das Scheitern des Friedensprozesses verantwortlich machte, war Netanyahu bei der UNO und nutzte seine Rede vor der Vollversammlung, um einen weiteren Appell an Abbas die Friedensgespräche mit Israel wieder aufzunehmen.

Clinton verschoss nicht seine ganze Munition auf Netanyahu. Er sparte sich auch genug für das israelische Volk auf. Unter Ignorierung der unbequemen Tatsache, dass die Palästinenser die Hamas frei wählten um sie zu führen, versorgte Clinton sein Publikum mit einer bigotten Klassifizierung der israelischen Öffentlichkeit, durch die er zwischen den guten, „Pro-Frieden“-Israelis und den schlechten, „Anti-Frieden“-Israelis differenzierte. Er formulierte das so: „Die meisten Israelis, die für Friedens sind, sind die Araber; an zweiter Stelle die Sabres, die jüdischen Israelis, die dort geboren wurden; drittens die seit langer Zeit dort lebenden Aschkenazim, die europäischen Juden, die um die Zeit der Gründung Israels kamen.“

Was die aus Sicht des ehemaligen Präsidenten schlechten Israelis angeht: „Am stärksten gegen Frieden sind die Ultrareligiösen, die glauben sie seien dafür da, Judäa und Samaria zu behalten, und die Siedlergruppen und was man die Territorialisten nennen könnte, die Menschen, die vor kurzem einfach auftauchten und nicht von der Geschichte belastet sind.“

Indem er den Wert der Bürger Israels in Übereinstimmung damit einstuft, ob sie mit Clinton und seinen Freunden übereinstimmen oder nicht, handelt Clinton konform mit dem, was als Standardoperationspraxis der „Freunde“ Israels an Orten wie Europa und en USA aufkam. Wie Clinton glauben sie, es sei ihr Recht sich die Rosinen herauszupicken, welche Israelis akzeptabel sind und welche nicht würdig.

Am Mittwoch sahen wir, wie diese Gewohnheit vom britischen Botschafter Matthew Gould ins Spiel gebracht wurde. Diese Woche begann die Knesset mit Überlegungen zu einem Gesetzesentwurf begonnen, der es Regierungen des Auslands und internationalen Organisationen verbietet mehr als 20.000 Schekel an israelischen Nichtregierungsorganisationen zuzuwenden. Der Entwurf wurde durch den Likud-Abgeordneten Ofir Okunis mit Unterstützung Netanyahus eingebracht.

Nach Angaben von Ha’aretz sprach Gould eine kaum verhüllte Drohung gegenüber Okunis aus, die mit dem Entwurf zu tun hat. Gould hat nach Berichten gesagt, dass, wenn das Gesetz verabschiedet wird, das in der internationalen Gemeinschaft ein schlechtes Licht auf Israel werfen würde.

Letzten Monat veröffentlichte Makor Rishon ein britisches Regierungsdokument mit den Titel „NGOs im Nahen Osten vom Außen- und vom Commonwealth-Ministerium finanziert“. Das Dokument zeigt, dass die britische Regierung 2010 pro-demokratischen NGOs in der gesamten arabischen Welt außerhalb des Irak insgesamt £100,000 gab.

Im Gegensatz zu Großbritanniens geiziger Haltung gegenüber bürgerlichen Organisationen der arabischen Gesellschaft, gab die Regierung ihrer Majestät mehr als £600,000 an weit links stehende israelische NGOs. Zu diesen israelischen Gruppen gehörten die Economics Cooperation Foundation, Yesh Din, Peace Now, Ir Amim und Gisha. All diese Gruppen stehen weit jenseits der israelischen Mainstream-Meinung. Alle streben an, dass internationaler Druck auf Israel ausgeübt wird, damit die Regierung Politik übernimmt, die von der überwiegenden Mehrheit der Öffentlichkeit abgelehnt wird.

Also hat Großbritannien für jedes Pfund, das es für die Kultivierung der Demokratie in 20 arabischen, nicht demokratischen Staaten hinlegt, £6 ausgegeben, um die Demokratie in Israel zu untergraben – der einzigen Demokratie der Region.

Und die Briten könnten mit dem Ertrag ihrer Investition nicht zufriedener sein. Vor dem Parlament sagte Alistair Burt, Britanniens Minister für Nahost-Angelegenheiten, das Geld habe erfolgreich Israels Politik geändert. Er formulierte das so: „Seit wir dies Programme unterstützen, sind einige bedeutende Veränderungen im israelischen Justizsystem, sowohl dem zivilen als auch dem militärischen, vorgenommen worden, ebenso in den Entscheidungen, die sie treffen. Sei haben auch eine signifikante Diskussion zu diesen Fragen aufgebracht und wir glauben, dass diese Aktivitäten die Demokratie in Israel stärken werden.“

Mit anderen Worten: So weit es Großbritannien angeht, bedeutet „Stärkung der Demokratie“ in Israel, marginale Gruppen ohne jede erkennbare demokratische Basis den Ausschlag geben.

Diese schockierend feindseligen Äußerungen wiederholen eine, die der damalige Präsidentschaftskandidat Obama auf dem Wahlkampf-Pfad im Februar 2008 von sich gab. Damals sagte Obama: „ich denke, es gibt innerhalb der pro-israelische Gemeinschaft einen Stamm, der sagt, dass man, wenn man nicht eine unerschütterliche pro-Likud-Herangehensweise übernimmt, antiisraelisch ist und dass kann nicht das Maß für unsere Freundschaft mit Israel sein.“

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendein Führungspolitiker, ein Kommentator oder ein Aktivist  des Auslands etwas sagt, dass pro-Israel zu sein nicht bedeutet, dass man für die israelische Regierung ist. Und wie bei Obamas Äußerung im Vorwahlkampf, Clintons Tirade, Sarkozys und Obamas widerliche Getratsche über Netanyahu und Großbritanniens selbstgefällige Erklärungen und versteckte Drohungen ignorieren diejenigen, die zwischen dem israelischen Volk und der israelischen Regierung unterscheiden, zwei wichtige Fakten.

Und das macht sie antiisraelisch.

Die zweite Tatsache, die von diesen Äußerungen ignoriert werden, ist, dass Israel der treue Verbündete der USA und Europas ist. Wenn Sarkozy und Obama das, was sie über Netanyahu sagten, in einem Gespräch über die deutsche Kanzlerin Angela Merkel gesagt hätten oder wenn Netanyahu eine ähnliche Äußerung über Obama oder Sarkozy getätigt hätte, hätte die Aufdeckung dieser Äußerungen internationale Protestwellen ausgelöst und wäre von allen Seiten rundheraus verurteilt worden.

Und das bringt uns zu einem weiteren, Besorgnis erregenden Aspekt des ekligen Austauschs Sarkozys und Obamas über Netanyahu. Ihre Ansichten spiegeln ein breiteres antiisraelisches Klima.

Außerhalb der jüdischen Welt provozierten Sarkozys und Obamas hasserfüllte, falsche Äußerungen über ihren Verbündeten keine Empörung aus. Die Medien brauchten tatsächlich drei Tage, um das Gespräch überhaupt zu berichten. Das deutet darauf hin, dass Obama und Sarkozy nicht allein damit stehen an Israel zweierlei Maß anzulegen. Sie sind nicht die einzigen, die Israel für das schlechte Benehmen der Palästinenser verantwortlich machen.

Die westlichen Medien legen ebenfalls ein anderes Maß an Israel an. Wie Obama und Sarkozy machen die Medien Israel und seine gewählten Führer für das falsche Spiel der Palästinenser verantwortlich. Wie Obama und Sarkozy machen die Medien Israel dafür verantwortlich, es sorge nicht dafür, dass ihre Friedens-Hirngespinste sich verwirklichen.

Und das ist die wahre Botschaft des Austauschs zwischen Obama und Sarkozy in der letzten Woche. Dadurch erfahren wir, dass die Juden und den jüdischen Staat für das Verhalten ihrer Feinde verantwortlich zu machen, das ist, was unter den westlichen Eliten heute als höfliche Konversation durchgeht.

Hierzu ebenfalls lesenswert:
– Israelnetz – Kommentar: Der Zwischenfall von Cannes

War etwas anderes zu erwarten?

Die Nachrichten und sogar der größte Teil der Berichterstattung im WDR-Radio waren gestern bis Mitternacht erstaunlich neutral – wenn man davon absieht, dass die Hamas erst „seit ein paar Tagen“ mit „selbst gebastelten Raketen“ schoss. Ansonsten lieferten ja alle erwähnten europäischen Regierungsvertreter die entsprechende Rhetorik, angefangen bei Mr. Sarkozy, der die Vokabeln „unverhältnismäßig“ nicht deutlich genug verbreiten konnte, bis zu Herrn Steinmeier, dessen scheinbar beide Seiten ansprechende, riesige Worthülsen Begriffe „übertrieben“ und „unverhältnismäßig“ sowie die pal-arabische Behauptung eines Krieges gegen die Zivilbevölkerung nicht besser auf Umwegen Verwendung geben konnte. Solana stieß direkter in dasselbe Horn und die UNO-Vollversammlung, der Sicherheitsrat und der Generalsekretär haben schon gar kein anderes Thema – bis gestern hatten sie praktisch kein Wort über die Raketen und Mörser verloren. Der WDR sagte zu den Opfern der Angriffe wenigstens „nach palästinensischen Angaben“ – ansonsten hatte sich nachmittags noch einer verquasselt und erzählt, dass die PA-Fernsehbilder vor allem Tote in Tarnanzügen zeigten.

Ein Grund für die hohe Zahl der arabischen Toten könnte übrigens auch daher kommen, dass die Luftwaffe eine Vereidigungszeremonie für Absolventen eines militärischen Trainingsprogramms bombardierte und „die Absolventen ins verfrühte Märtyrertum schickte, bevor sie ihre Ausbildung für weitere Morde an jüdischen Zivilisten verwenden konnten“, wie eine Bekannte es in ihrer E-Mail grimmig kommentierte.

Die offenbar sehr hohe Zahl von toten Nicht-Zivilisten kommt bei Politikern in Deutschland, Europa und der UNO natürlich nicht vor. Dort fängt man hektisch an zu kreischen, seit Israel sich wieder wehrt. Auf einmal sind Zivilisten wichtig – pal-arabische Zivilisten natürlich, denn Israel schlägt ja zu. Seit sieben Wochen lagen israelische Zivilisten unter Dauerfeuer und genau dieselben Herren und Damen haben sich nicht gerührt. Die Heuchelei ist so offensichtlich, dass niemand sie als solche sehen will.

„Kollektive Bestrafung“ gehört zu den schwächeren Vokabeln, die verwendet werden. Natürlich sind Zivilisten mit betroffen, die sich in unmittelbarer Nähe zu Hamasführern befinden. Interessant ist, dass diese Leute getroffen werden, weil sie sich in unmittelbarer Nähe zu Terroristen bzw. deren Chefs, Planern und ideologischen Aufheizern befinden. Sie sind getroffen, weil sie sich in der Umgebung von völlig legitimen Zielen befinden. Von „kollektiver Bestrafung“ israelischer Zivilisten durch die Terroristen war nie die Rede – dabei sind die betroffenen israelischen Zivilisten nur deshalb beschossen, weil es sie gibt. Fällt den Schwadronierern hier der Unterschied nicht auf? Nein, davor verschließen sie die Augen! Und wenn dann Herr Riyad Mansur (PLO-Repräsentant bei der UNO) ins Mikrofon gibt, „wir“ [die PalAraber] seien gegen die Tötung von unschuldigen Zivilisten und das müsse sofort aufhören, dann heißt das offensichtlich, dass er nur gegen die unabsichtliche Tötung von arabischen Zivilisten durch Israel ist – die gewollte Ermordung israelischer Zivilisten durch die Terroristen ist keinesfalls abzulehnen!

Gestern Abend fand ich beim Geburtstag einer Bekannten den üblichen Schwachsinn vor, der von unseren Medien, Politikern, der „Intelligenz“ des Landes den Menschen eingeimpft wird: Die Juden sind schuld. Wenn die nicht die Palästinenser unterdrücken würden, wenn die nicht den Palästinenser immer mehr Land rauben würden, wenn die nicht… Ich habe es gewagt einzuwerfen, dass es sofort Frieden gäbe, wenn die Araber endlich aufhören würden zu schießen. Nein, dann würden die Palästinenser überall von Israel vertrieben werden, auch aus dem Gazastreifen. Die wollten sich alles unter den Nagel reißen. Auf meinen Einwand, das würde dem bisherigen Vorgehen Israels widersprechen, schließlich habe es schon eine ganze Menge wieder abgegeben, gab es große, fragende Augen. Wo haben die je etwas abgegeben? Sinai. Gazastreifen. Sagt das irgendetwas? Trotzdem, wenn die Palästinenser klein beigeben würden, wären sie weg vom Fenster.

Weiter kann man die Lage nicht auf den Kopf stellen. Und mit Fakten darf man offensichtlich überhaupt nicht kommen. Oder doch, darf man, aber die werden ignoriert und als nicht stimmend weggeredet. Das Bild hat zu stimmen. Dabei kann ich den Leuten keinen wirklichen Vorwurf machen, die glauben das, was sie aus den Medien vermittelt bekommen.

Anders sieht es aus, wenn man sich die Kommentare der Online-Leser des deutschen Blätterwaldes ansieht. DIE WELT hat ihren Kommentarbereich wegen „massiver Verstöße gegen die Netiquette“ geschlossen. Vorher schon wurden offenbar wüst antisemitische Kommentare gelöscht, zumindest an einer Stelle ist ohne erkennbaren Grund davon die Rede, dass ein Kommentar die „Protokolle der Weisen von Zion“ als Argumentationshilfe benutzt.

Es gibt ähnlich unreflektierte Bejubelung der israelischen Angriffe – und da frage ich mich, was es zu jubeln gibt. Diese Angriffe sind eine Erlösung, weil endlich etwas gegen die Terroristen unternommen wird, aber jubeln über die arabischen Toten kann ich nicht. Das ist kein Fußballspiel, bei dem man jubelt, wenn die eine Seite „trifft“. Es ist furchtbar, dass Israel keine andere Wahl hat als auf diese Weise zu versuchen den Dauerterror aus dem Gazastreifen zu beenden.

Wenn man das Lügenschwein vom Gaza-Innenministerium hört, vergeht einem allerdings die Laune endgültig (Originalton in SkyNews): Wir haben sechs Monate Waffenstillstand gemacht, die Israelis nicht. Die haben 22 von uns ermordet, ohne einen Grund dafür zu haben. Die haben uns belagert, wir haben nichts, sie haben keine Waren reingelassen. Niemand hat Israel auch nur ein Wort gesagt, dass es die Belagerung aufheben soll. Spätestens bei dem letzten Satz müsste ihm jeder Politiker, NGOler, UNO-Repräsentant, Staats-Repräsentant bei der UNO, Gutmensch und sonstiger Parteigänger der Terroristen eine schallende Ohrfeige verpassen, denn es gibt unter ihnen keinen, der nicht genau das ständig getan hätte: Israel die „Belagerung“ vorzuwerfen, Israel als Ursache einer (imaginären) „humanitären Katastrophe“ zu verleumden und den armen Terroristen zu attestieren, dass sie die Opfer der Juden sind!

Eines wird angesichts dieses Lügenschwalls deutlich: Die Hamas und ihre Kumpels haben ein völlig anderes Verständnis davon, welche Gründe es gibt eine Feuerpause zu veranstalten, als es jeder im Westen hat. Denn auf die Frage, warum die Hamas einer Feuerpause nicht zustimmt, befindet er, das ginge nicht, schließlich werde man beschossen und für eine Feuerpause müssten die Israelis erst einmal aufhören zu schießen. Der Typ bekam fast 20 Minuten Zeit für seinen ununterbrochenen Lügenschwall, abgesehen von ein paar Gelegenheiten freundlichen Nachfragens (mit Ausnahme der kritischen Frage, wieso eine Feuerpause nicht in Frage kommen soll). Ein seltsamer Unterschied zu den ständigen Unterbrechungen, die die Sprecherin des israelischen Verteidigungsministeriums sich gefallen lassen musste. Dabei ist Sky News noch der neutralste Sender, den ich erlebt habe; man legte ansonsten Wert darauf beide Seiten darzustellen und zu betonen, dass der Korrespondent vor Ort die Meinung pal-arabischer Vertreter bzw. israelischer Sprecher wiedergegeben habe. (Wenn da nicht die Lastigkeit zu arabischen Medienvertretern wäre, die in London sitzen.)

Sieht so die Zukunft aus?

Die Multikulti-Träume gehen nie aus. Vor allem nicht da, wo Entscheidungen getroffen werden, also z.B. in hohen Regierungsämtern. Egal, welche Fakten sich inzwischen ergeben, selbst „Betonköpfe“, die früher mit „Mob“ und allen möglichen anderen niedermachenden Begrifflichkeiten gegen „jugendliche“ Banden vorzugehen versprachen, verfallen ins Schwärmen, wenn es um das Zusammenleben mit arabisch-muslimischen Immigranten und dem Verhältnis zu deren Mutterländern geht. Vor allem französischen Präsidenten darf man inzwischen wohl nichts anderes erwarten. Es wird von offiziellen Stellen eine massive Legenden-Bildung, wie toll und unvergleichlich eine Zivilisation ist, die die Scharia verwirklicht sehen will, ihre Errungenschaften so weit in der Vergangenheit liegen hat, dass ihre Vertreter sich seit Jahrzehnten fragen, wieso sie hinter aller Welt hinterherhinken und neben einer Empörungskultur samt massivem Rachevollzug und Beschimpfung all derer, die sich dem nicht unterwerfen oder sogar aktiv im Weg stehen, bisher wenig Konstruktives in den Westen gebracht hat. Verharmlosung aller Probleme, Ablenkung von Kritik auf nicht objektive Umstände – das blüht uns offenbar selbst seitens der „härtesten“ Politiker, die in hohen Ämtern thronen. Jüngstes Beispiel der Unkritik und Lobhudelei ist der französische Präsident – und mir graut vor der Zukunft (Kursives vom Autor, Fettdruck für die fragwürdigsten Inhalte von mir):

Sarkozy: Arabisch ist die Sprache der Zukunft

Tiberg, Brussels Journal, 14. Oktober 2008

Die französische Regierung wirbt stark dafür, dass in französischen Schulen die arabische Sprache und Zivilisation gelehrt wird. Das verwundert nicht, wenn man die Zahl der Araber und Muslime in Frankreich bedenkt und salbungsvolle Ehrerbietung, mit denen sie von Offiziellen behandelt werden, auffallend angefangen von Nicolas Sarkozy, der die Großartigkeit arabischer Beiträge zur Welt nicht hoch genug loben kann.

Die französische Nationalversammlung war anfangs des Monats Ort des Treffens der ersten Konferenz zur Lehre der arabischen Sprache und Kultur, an der eine Reihe interessierter Gruppen teilnahmen. Es gab viel ermüdendes Gewäsch über den Bedarf an „Dialog“.

In seiner Botschaft an die Teilnehmer nannte der französische Präsident Nicolas Sarkozy Arabisch die „Sprache der Zukunft, der Wissenschaft und der Moderne“; er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass „mehr Franzosen an dieser Sprache teilhaben, die große zivilisatorische und spirituelle Werte ausdrückt… Wir müssen in die arabische Sprache investieren, weil sie zu lehren einen Moment des Austauschs, der Offenheit und der Toleranz symbolisiert und weil sie eine der ältesten und prestigeträchtigsten Zivilisationen der Welt mit sich bringt. Hier in Frankreich haben wir die größte Zahl an Personen arabischer und muslimischer Herkunft. Der Islam ist die zweite Religion Frankreichs“, erinnert Sarkozy seine Zuhörer.

Er fuhr fort die verschiedenen „Fortschritte der Begriffe der Diversität“ aufzuzählen, die Zunahme an muslimischen Bereichen auf Friedhöfen, die Ausbildung von Imamen und Kaplanen und die Ernennung von Ministern unterschiedlicher Hintergründe.

Frankreich ist ein Freund der arabischen Staaten. Wir streben keinen Zusammenstoß zwischen Ost und West an“, versicherte er und betonte die starke Präsenz arabischer Staatsführer beim Gründungsgipfel der Mittelmeer-Union am 13. Juli. „Das Mittelmeer ist die Stelle, wo unsere gemeinsamen Hoffnungen ihre Gründung fanden. Unser gemeinsames Meer ist die Stelle, wo die wichtigsten Herausforderungen zusammenkamen: dauerhafte Entwicklung, Sicherheit, Bildung und Frieden, fügte der französische Präsident hinzu.

Die Franzosen, mal wieder…

Michael Freund, 4. September 2008

So viel die französische Politik sich verändert hat, seit Nicolas Sarkozy die Präsidentschaft übernahm, so sehr scheinen alte Gewohnheiten sich in Paris stärker zu halten als erwartet.

Seit der Ermordung des ehemaligen libanesischen Premierministers Rafik Hariri 2005 in Beirut (eine Tat, von der praktisch jeder glaubt, dass sie vom Regime in Syrien verübt wurde), haben sich die führenden Politiker im Westen den syrischen Diktator Bashar al-Assad weit gehend fern gehalten.

Das heißt: bis gestern.

Sarkozy kam zu viel Getöse in Damaskus an, wo er lächelnd Seite an Seite mit Assad fotografiert wurde. Und da Frankreich die rotierende Präsidentschaft der Europäischen Union inne hat, bekommt die Reise zusätzliches diplomatisches Gewicht und Bedeutung.

Privat müssen Assad und seine Berater angesichts dieser Entwicklung vor Lachen am Boden liegen. Syrien unterstützt weiterhin Terrorgruppen wie die Hisbollah, behält seine Allianz mit dem iranischen Renegaten bei und unterstützte auch noch das gerade erfolgte russische Blutbad in Georgien.

Doch statt für diese Possen einen Preis zahlen zu müssen, findet sich das syrische Regime in der Situation wieder, dass Frankreich und der Westen es hofieren, weil sie so naiv sind zu glauben durch „Engagement“ und „Dialog“ einen Wandel in Assads gewiefter Haltung herbeiführen zu können.

In der besten Tradition fehl geleiteter französischer Politik macht Mr. Sarkozy genau das Gegenteil dessen, was getan werden muss. Statt Assad für sein mieses Verhalten mit Fototerminen und Lob zu belohnen, sollte Frankreich den Vorstoß anführen, das gefährliche Regime in Damaskus zu isolieren und zu untergraben, das nicht zögert Gewalt und Terror anzuwenden, um seine Interessen zu verfolgen.

Andererseits, glaube ich, sollten wir wegen der erbärmlichen Politik von Paris nicht allzu überrascht sein. Wie die Franzosen gerne selbst sagen: „Plus ça change, plus c’est la même chose.“ (Je mehr die Dinge sich ändern, desto mehr bleiben sie, wie sie sind.)

Sarkozy und Land für Frieden

Ein Vergleich von Steven Plaut, 24. Juni 2008

Da war also Sarkozy diese Woche in Jerusalem; vor der Knesset forderte er von Israel, dass es der Teilung Jerusalems zustimmt, wobei die Hälfte den Wilden übergeben werden soll. Er forderte auch die ethnische Säuberung der in der Westbank lebenden Juden.

Diese französischen Politiker haben lange geglaubt, dass Frieden geschaffen werden kann, indem man Israel in eine Art Vichy-Appeasementregime verwandelt. Aber jetzt, wo sie Frieden mit Land erkaufen wollen, könnten sie auf etwas Wichtiges aus sein.

Ich bin nie vor einer Herausforderung zurückgeschreckt; und so habe ich eine Liste an Vorschlägen erstellt, die das französische Volk sich überlegen sollte, damit sie eine vollständigen, dauerhaften und gerechten Frieden mit ihren historischen Gegner erzielen können.

Zuerst einmal stimmen wir alle darin überein, dass Territorium nicht durch Gewalt annektiert werden darf. Daher können wir also auch übereinstimmen, dass Deutschland ein moralisches Recht hat die Rückgabe von Elsass-Lothringen zu verlangen, denn die französische Aggression von 1945 und die folgende Besatzung dürfen nicht belohn werden. „Ein vollständiger Rückzug für vollständigen Frieden“ sollte hier Anwendung finden. Darüber hinaus muss Frankreich der Rückkehr und Rehabilitation aller ethnischen Deutschen zustimmen, die nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg aus Elsass-Lothringen vertrieben wurden, außerdem aller, die sich als deren Nachfahren definieren.

Aber das ist natürlich nur der erste Schritt hin zu einer Lösung, denn keine Aggression kann belohnt werden – und Frankreich hat einiges an gestohlenem Territorium zurückzugeben. Genua nahm es Korsika weg, Piedmont Nizza und Savoyen; als Nachfolgestaat muss Italien all dieses Land zurückbekommen. In ähnlicher Weise gehen Gebiete an Österreich zurück, die den Habsburgern genommen wurden, darunter auch Franche-Comté, Artois und das historische Burgund. Die Region Rousillon (entlang der Pyrenäen) muss an ihren rechtmäßigen Eigentümer Spanien zurückgegeben werden. Und die Normandie, Anjou, Aquitanien und die Gascogne müssen an ihre rechtmäßige Eigentümer, die britische königliche Familie, zurückgegeben werden.

Aber auch das reicht für den Sinn des Friedens nicht. Die Bretagne und der Languedoc müssen sofort Autonomie erhalten, damit verbunden die Anerkennung der bretonischen und okzitanischen Freiheitsorganisationen als deren legale Herrscher. Das belässt der französischen Regierung die Kontrolle über die Ile de France (die Gegend um Paris).

Das löst aber immer noch nicht das Problem der Heiligen Stadt Paris, die Touristen, Gourmets und Ehebrechern heilig ist. Die Korsen haben offensichtlich einen historischen Anspruch auf das Grab von Kaiser Napoleon, ihren berühmten Sohn, wie auch den Komplex des Dome des Invalided und seiner Umgebung. Im Sinne des Friedens ist es doch nicht zu viel verlangt, dass Paris die Hauptstadt für zwei Völker ist? Die französischen Herrschenden müssen zustimmen, dass die französischen Pariser vom Betreten der heiligen Grabgeländes abgehalten werden, damit das nicht die Korsen verärgert.

Die Saint Chapelle und die Kathedrale Notre Dame werden natürlich internationalisiert, unter der gemeinsamen Aufsicht des Vatikan und der Historiker. Die Franzosen sollten es als Kompliment von höchstem Wert betrachten, dass so viele Menschen Paris als internationale Stadt ansehen.

Die Franzosen haben nichts, über das sie sich beschweren könnten. Sie werden sich der Vorzüge des Friedens erfreuen und die Kontrolle über die Champs Elysées behalten.

Wobei, wenn man darüber nachdenkt, selbst die Champs Elysées zu viel sein könnten. Wenn man sich überlegt, dass die Franzosen meinen, Jerusalem sei nicht die Hauptstadt Israels, dann ist vielleicht die französische Hauptstadt gar nicht Paris, sondern Vichy.

Schlussbemerkung heplev: Jetzt warte ich auf ähnliche Vergleiche für weitere europäische Staaten!