Holocaust-Abfindungsansprüche gegen nationale Eisenbahnen

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Holocaust-Entschädigung nach dem Zweiten Weltkrieg hat nicht nur zu sehr unvollständigen Abfindungen für jüdischen Vorkriegsbesitz geführt. Der amerikanische Finanzexperter Sidney Zabludoff hat geschätzt, dass weniger als 20% des Gestohlenen zurückerstattet wurde. Weit über einhundert Milliarden Dollar in aktuellem Wert wurden den jüdischen Eigentümern oder ihre Erben nicht zurückgegeben.[1]

Am Ende des letzten Jahrhunderts fand in einer Reihe von Ländern, darunter der Schweiz, den Niederlanden und Norwegen, eine zweite Runde der Rückgaben statt. Das betrifft einen kleinen Teil dessen was insgesamt genommen wurde. Folglich verbleiben viele ungelöste Fragen, von denen man sich derzeit ein paar stellt.

Bei einigen davon geht es um europäische Eisenbahngesellschaften. Diese transportierten eine massive Anzahl an Juden zu Beginn des Wegs in ihre Vernichtung. Im Dezember 2014 stimmten Frankreich und die Vereinigten Staaten einem Entschädigungspaket für außerhalb Frankreichs lebende Holocaustopfer zu, die von der französischen nationalen Eisenbahngesellschaft SNCF deportiert wurden. Überlebende aus Frankreich, die von der SNCF deportiert wurden und heute in einigen anderen Ländern wie z.B. Belgien leben, wurden in der Vereinbarung ebenfalls von den Zahlungen ausgeschlossen.

Die zwei Länder kündigten gemeinsam einen $60 Millionen-Entschädigungsfonds an, der von der französischen Regierung finanziert wird. Frankreich zahlte die Summe an die USA. Letztere zahlten das Geld dann an außerhalb Frankreichs lebende Überlebende aus. Die Zahlungen an einzelne Überlebende beliefen sich auf etwa $100.000. Als Teil der Vereinbarung versprach die US-Regierung zu versuchen alle Klagen vor Gericht und Ansprüche gegen die SNCF in den USA zu beenden.[2]

Die Vereinbarung wurde erzielt, als US-Abgeordnete versucht hatten die SNCF wegen ihrer Kollaboration mit den deutschen Besatzern Frankreichs während des Zweiten Weltkriegs von Verträgen in den USA auszuschließen. Von 76.000 Juden, die die SNCF während des Holocaust in Nazi-Lager transportierte, überlebten nur 3.000.

Davor hatte es in Frankreich erfolglose finanzielle Forderungen gegen die SNCF gegeben. 2006 verklagten Alain Lipietz und seine Schwester Hélène die Gesellschaft. Lipietz war damals für die Grünen Mitglied des Europaparlaments. Die Anspruchsteller forderten von der Eisenbahngesellschaft Entschädigungen für den Transport ihrer Familien ins französische Deportationslager in Drancy.

Die Geschwister Lipietz gewannen den ersten Prozess. Das Tribunal in Toulouse wies den französischen Staat und die SNCF an der Familie insgesamt €60.000 zu bezahlen. Die Richter stellten fest, dass die SNCF niemals gegen den Transport solcher Häftlinge Einspruch erhob.[3] Eine ähnliche Klage im Jahr 2003 war gescheitert, als ein Gericht in Paris urteilte, es könne nicht feststellen, dass die SNCF während der Nazi-Besatzung für den Transport von Juden verantwortlich war.[4]

Die SNCF legte gegen das Urteil aus Toulouse zugunsten der Lipietz-Geschwister Berufung ein. 2007 urteilen die Berufungsrichter, dass Verwaltungsgerichte nicht über die Schuld der SNCF entscheiden können. Damit musste die SCNF nicht zahlen. Das höchste französische Verwaltungsgericht, der Staatsrat, erklärte sich für nicht zuständig in dem Fall zu urteilen.[5]

Die SNCF ist Jahre lang für ihre Rolle bei der Deportation der Juden im Krieg kritisiert worden. Mehrere ihrer Präsidenten begriffen, dass ihre Kriegsgeschichte ein heikles Thema war. 1990 beschloss der damalige SNCF-Präsident Jacques Fournier, dass alle Firmenarchive – mit Priorität der Archive aus der Kriegszeit – an einem einzigen Ort gelagert werden sollten. Darüber hinaus wurde auf seine Anweisung hin ein Bericht zur Geschichte der SNCF während des Zweiten Weltkriegs erstellt.

Im Jahr 2000 beschloss der damalige SNCF-Präsident Louis Gallois, dass es von 2002 bis 2004 eine Bildausstellung deportierter und ermordeter Kinder in 20 großen französischen Bahnhöfen geben sollte. Sie wurden auch im SNCF-Hauptsitz, dem französischen Parlament und der Stadtverwaltung von Paris gezeigt. Die Ausstellung wurde von geschätzten einer Million Menschen besucht.

2008 drückte der neue SNCF-Präsident Guillaume Pepy sein Bedauern wegen der Folgen des Verhaltens der SNCF während des Krieges aus. Es wurdeb allerdings keine Zahlungen an diejenigen angeboten, die die Transporte überlebt hatten. Das musste bis zum bereits erwähnten französisch-amerikanischen Abkommen von 2014 warten, das nur für einen Teil der Überlebenden gedacht war.

In den Niederlanden schaffte es ein einzelner Aktivist die NS (Niederländische Eisenbahn) zu überzeugen Zahlungen an niederländische Holocaust-Überlebende zu leisten. Salo Muller – dessen Eltern in Auschwitz ermordet wurden – ist in Amsterdam ein bekannter Name. Er war viele Jahre lang der Physiotherapeut des großen Fußballvereins Ajax.

Letztlich zwang Mullers Druck die NS Zahlungen an Überlebende zu leisten, die sie abtransportiert hatte, alternativ an ihre Ehepartner oder Kinder.[6] Gemäß der Vereinbarung zahlte die Firma etwa 40 bis 50 Millionen Euro.[7] Diese Zahlungen erfolgten 2020. Empfohlen wurde das von einer unabhängigen Kommission, geleitet vom ehemaligen Bürgermeister von Amsterdam, Job Cohen.

Da es viele ermordete Menschen gibt, die keine Angehörigen hinterlassen haben, empfahl die Kommission auch, dass die NS in Bezug auf sie eine Zahlung leistet.[8] Was diese Zahlungen angeht, ignorierte die NS die Meinung der jüdischen Gemeinschaft. Sie beschloss die Zahlungen von insgesamt €5 Millionen Euro an vier niederländische Kriegsgedenkzentren zu leisten.[9] Das war keine kluge Entscheidung. Obwohl die NS beträchtliche Summen auszahlte gibt es der Firma gegenüber in der jüdischen Gemeinschaft immer noch Bitterkeit.

Bereits 2005 hatte der damalige NS-Präsident Aad Veenman sich unerwartet bei der jüdischen Gemeinschaft für das Verhalten der Gesellschaft während des Krieges entschuldigt. Bis dahin hatte ihr Management bestritten, dass es sich für die Dienste entschuldigen würde, die ihre Vorgänger in der Kriegszeit ohne Protest bei der Deportation  des Großteils des niederländischen Judentums geleistet hatten.[10]

Nach seinem Erfolg gegen die NS beschloss Muller eine Forderung gegen den deutschen Staat zu erheben. Diese verweist auf die Rolle der deutschen staatlichen Eisenbahn im Krieg, der damaligen Deutschen Reichsbahn. Muller fordert eine Entschuldigung und finanzielle Entschädigung für niederländische Holocaust-Überlegende und ihre nächsten Angehörigen. Sein Anwalt hat Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben, dass die Erben der deutschen Eisenbahn eine moralische und rechtliche Verpflichtung haben ihre Rolle beim Leid der Juden, Sinti und Roma anzuerkennen.

Der 84 Jahre alte Muller kommentierte im niederländischen Fernsehen in Sachen Reichsbahn: „Ich mache die Eisenbahngesellschaft dafür verantwortlich wissentlich Juden transportiert zu haben und dafür, dass diese Juden auf furchtbare Weise getötet wurden.“ Die deutsche Eisenbahn führte etwa 100 Transporte von der niederländischen Grenze nach Auschwitz und zum Vernichtungslager Sobibor durch.[11]

Eine breitere Sichtweise vertritt der bekannte jüdische Amsterdamer Anwalt Herman Loonstein. In einem Interview mit der Tageszeitung Trouw sagte er, dass viel von den im Krieg gestohlenen Besitztümern niederländischer Juden immer noch nicht zurückgegeben wurde. Loostein erwähnte als Beispiele Kunstwerke oder Häuser, die die deutschen Lager überlebende Juden nach dem Krieg im Besitz anderer vorfanden. Er behauptet, dass die niederländische Regierung nichts zur Rückgabe davon unternimmt und den Überlebenden den Kampf darum überlässt. Er erklärte zudem, dass das, was es an Rückerstattung gab, willkürlich gewesen ist.

Loonstein hat gesagt: „Der Zweite Weltkrieg ist, rechtlich gesehen, weit davon entfernt zu Ende zu sein.“ Er erwähnte kleine Fälle wie, dass Juden Stadtverwaltungen die gelben Sterne bezahlen mussten, die sie zu tragen gezwungen wurden. Loonstein erwähnte auch, dass die Amsterdamer Elektro-Straßenbahn-Gesellschaft – wie alle Eisenbahnen – Juden innerhalb von Amsterdam in den Deportationsprozess transportierte. Die Firma lehnte es ab sich mit der Entschädigungsfrage zu beschäftigen. Allerdings betonte Loonstein, dass die größten verbleibenden Probleme Kunstwerke und Wohnungen betreffen.

Loonstein sagte dem Interviewer als Kuriosität auch, dass einer seiner Söhne, ein Rechtsanwalt, entdeckte, dass das Eigentum an einer Wohnung eines Juden am Tag seiner Deportation an einen der bekanntesten und größten Kriegsverbrecher der Niederlande übertragen wurde, Pieter Menten. Loonstein fragt sich, ob er gegen die niederländische Regierung Klage erheben kann. Er nimmt an, dass die aktuellen Eigentümer die Wohnung in gutem Glauben erworben haben. Er sagt aber auch, dass die niederländische Regierung einen Teil der Verantwortung für diese Affäre trägt. Die Notare, die bei dem Transfer gestohlenen jüdischen Grundeigentums kollaborierten, waren zum Teil niederländische Staatsbedienstete.[12]

Angesichts all dessen scheint es so, als werde weitere Holocaust-Rückerstattung in mehreren europäischen Ländern noch auf Jahre hinaus ein Diskussionsthema bleiben, sowohl privat wie in den Medien.

[1] https://jcpa.org/article/restitution-of-holocaust-era-assets-promises-and-reality/

[2] http://www.bbc.com/news/world-europe-30351196

[3] http://news.bbc.co.uk/2/hi/europe/6499227.stm

[4] http://www.theguardian.com/world/2006/jun/07/france.topstories3

[5] http://www.lemonde.fr/societe/article/2007/12/21/le-conseil-d-etat-refuse-de-se-prononcer-sur-la-culpabilite-de-la-sncf-dans-les-deportations_992555_3224.html

[6] https://nos.nl/nieuwsuur/artikel/2290638-ns-betaalt-holocaust-slachtoffers-wat-ging-eraan-vooraf.html

[7] http://www.parool.nl/nieuws/ns-komt-overlevenden-en-nabestaanden-holocaust-financieel-tegemoet~b8cb2b3d/

[8] https://commissietegemoetkomingns.nl/app/uploads/2019/06/Samenvatting-advies-Commissie-In

[9] https://nieuws.ns.nl/ns-steunt-herinneringscentra-tweede-wereldoorlog/

[10] https://jcpa.org/book/the-abuse-of-holocaust-memory-distortions-and-responses/, S. 142

[11] http://www.theguardian.com/world/2020/jul/30/holocaust-survivor-launches-legal-claim-against-german-railways

[12] http://www.trouw.nl/binnenland/juridisch-gezien-is-de-oorlog-alles-behalve-voorbij-dus-blijft-advocaat-herman-loonstein-strijden~bc4301f8/

Niederländische Journalisten verbergen palästinensische Gräueltaten

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Ein zentraler Begriff meines neuen Buchs De Misleidingsindutrie (Die Täuschungsindustrie) ist der Ausdruck „Kampagnen-Journalismus“. Dieser bezieht sich auf die Art, in der niederländische Mainstream-Medien über Israel, die Palästinenser und die Region aus den Niederlanden heraus berichten. Das ist das Ergebnis von „Kampagnen-Journalismus“, einer Art Journalismus, die auf persönlichem Engagement gründet und sich nicht in erster Linie mit Fakten beschäftigt.

Diese Berichterstattung ist in den niederländischen Mainstream-Medien sehr üblich. Das läuft auf Berichterstattung über die Palästinenser als machtlose Opfer Israels hinaus; es wird ein negatives Bild des jüdischen Staates präsentiert. Dennoch betone ich, dass ich nicht den Eindruck erwecken will, dass dies gewollt geschieht.

Els van Diggele wurde 1967 im niederländischen Dorf Warmond geboren. Nach ihrem Studium der Geschichte an der Universität Leiden absolvierte sie einen Postdoktoranden-Kursus an der Erasmus-Universität in Rotterdam. Sie hat drei Bücher über internationale Streitfälle in Israel und den Palästinensergebieten unter Juden, Christen und Muslimen geschrieben. Vor kurzem veröffentlichte sie ein Buch über einen der wenigen noch lebenden Holocaust-Überlebenden.

Van Diggele fährt fort: Ich bin nur Beobachter, nicht beteiligt. Um das klarzustellen: Ich bin weder Anhänger Netanyahus, noch Zionistin, auch keine Nakba-Leugnerin; ich arbeite auch nicht für die israelische Botschaft oder den Mossad. Sie fügt hinzu: Um es ganz klar zu sagen: Ich plädiere nicht dafür auf die Palästinenser einzuprügeln.

Diese Bemerkungen führten zu der Frage, warum sie notwendig sind oder warum der Interviewer sie für notwendig befindet. Van Diggle antwortet: Infolge der Polarisierung des Themas muss man diese Dinge klarstellen. Aus Erfahrung weiß ich, dass es am besten ist den Leuten voraus zu sein, die mir ein Etikett anheften wollen.

Der Begriff „Kampagnen-Journalismus“ wurde, soweit ich weiß, um 1970 von Jerome Heldring geschaffen, einem ehemaligen Redakteur der niederländischen Tageszeitung NRC Handelsblad. Er sagte, Kampagnen-Journalismus ist eigentlich Propaganda. Der Journalist hat die Pflicht die Realität an der Stelle zu berichten, an der er (oder sie) sich befindet.

Dieser Kampagnen-Journalismus findet in den meisten Fällen unbewusst statt. Er ist weitgehend eine Sache des Instinkts. Er scheint in der Regel das Ergebnis eines emotionalen Engagements zu sein. Aber wenn die Auslandsredaktion eines Mediums sich dieses Phänomens nicht bewusst ist, dann ist das vielleicht noch schlimmer als bewusst irreführende Leute.

In meinem Buch zeige ich, dass Leser der Mainstream-Medien, Zuschauer und Hörer öffentlich-rechtlicher Nachrichtensendungen, die Opfer von Kampagnen-Journalismus sind. Dieses Genre ist nicht auf Berichte über Israel und die Palästinenser beschränkt. Es ist tatsächlich ein weit verbreitetes Phänomen, das auch andere Themen betrifft – Kolonialismus, Srebrenica und das Klima. Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ist das beste und älteste Beispiel, das wir haben: Es zieht eine tiefe Kluft durch die niederländische Gesellschaft.

Der interne palästinensische, regelmäßig blutige Kampf um die Macht und die Unterdrückung der Alltagspalästinenser durch ihre eigenen Führer wird von den Mainstream-Medien weit weniger berichtet, als das, was auf der israelischen Seite geschieht. Geduld gegenüber den Palästinenserführern, die oft als Friedenstauben beschrieben werden, scheint ein Markenzeichen zu sein. Der Nachrichtenkonsument wird seit Jahrzehnten einseitig informiert. Der verursachte Schaden ist sehr schwer zu korrigieren. Die Tageszeitung NRC hat die Öffentlichkeit in diesem Bereich bereits seit Jahren betrogen. Diese Zeitung ist aber nur ein Beispiel dessen, was geschieht. Sie ist ein kommerzielles Produkt, deren Abonnement wir abbestellen können, Aber beim öffentlich-rechtlichen Nachrichtensender NOS geht das nicht.

Es werden in der Tat sehr selten Artikel veröffentlicht, die die Wahrheit sagen, insbesondere von einem Palästinenser geschriebene. Zum Beispiel erschien 2017 ein kritischer Artikel des palästinensischen Akademikers Sari Nusseibeh in der Tageszeitung De Volkskrant. Im selben Jahr veröffentlichte eine andere niederländische Tageszeitung, Trouw, einen objektiven Artikel des palästinensischen Journalisten Khaled Abu Toameh. Darüber hinaus ziehen von Zeit zu Zeit Publikationen von Human Rights Watch über die Verletzung der Menschenrechte in der palästinensischen Gesellschaft die Aufmerksamkeit niederländischer Journalisten auf sich. Noch seltener ist ein von einem eigenen Journalisten der Zeitung geschriebene Artikel mit Kritik an der palästinensischen Gesellschaft.

2017 entzog der Irak per Gesetz allen dort lebenden Palästinensern die Staatsbürgerschaft. Die europäischen Medien schenkten dem kaum Aufmerksamkeit. Das ist ein typisches Beispiel für die angelsächsische Formulierung „no Jews, no news“ [keine Juden, keine Nachrichten]. Die Besessenheit mit den Juden ist eine alte Abweichung vom europäischen moralischen Kompass. Konflikten, an denen Juden beteiligt sind, wird von den Redaktionen in der Regel höchste Priorität eingeräumt. Das führt zu einer Verzerrung der Nachrichten.

Die Palästinenser haben verstanden, dass sie keinen Nachrichtenwert haben, wenn sie nicht Juden darin verwickeln. Sie wissen, dass Demonstrationen im Gazastreifen an der israelischen Grenze immer Nachrichtenwert haben. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass niederländische Korrespondenten begreifen, dass die Palästinenser sie benutzen. Ihre instinktive Beteiligung überschattet ihr Urteilsvermögen.

Wenn die Liebe eines europäischen Journalisten für die Palästinenser der Aversion für die Juden und Israel entstammt, geschieht das ebenfalls unbewusst. Ich glaube, das spielt eine eher untergeordnete Rolle. Wichtiger ist die allgemeine, bewusste oder unbewusste europäische Obsession mit den Juden und Israel. Wir sollten uns bewusst sein, dass die Sympathie, die wir in den europäischen Mainstream-Medien für die Palästinenser sehen, damit in Verbindung steht. Diese Fixierung ist in westlicher Kultur seit Jahrhunderten Alltag. Was wir heute sehen, setzt diese Obsession unabsichtlich und vielleicht instinktiv fort.

Die Palästinenser haben in den Medien eine symbolische Funktion bekommen. Die Sympathie ist ein Zeichen moralischer Gerechtigkeit geworden. Andere Staaten, die gelitten haben, haben diese symbolische Funktion nicht. Symbolische Funktionen sind nicht verhältnismäßig.

Um ein typisches Beispiel aus den Niederlanden anzuführen: Menschen von den Molukken, einer Inselgruppe in Indonesien, sind die Opfer niederländischen Kolonialismus. Sie erlitten das grausamste Beispiel von Ausbeutung in der Geschichte. Ein Teil von ihnen sind Flüchtlinge, andere indigen und exotisch. Sie haben Jahrzehnte lang vergeblich für einen eigenen Staat gekämpft. Sie sollten für eine machtvolle Solidaritätsgeschichte qualifiziert sein. Diese gibt es nicht, weil ihre Hauptgegner, die Republik Indonesien, ebenfalls als Opfer von des Jahrhunderte alten niederländischen Kolonialismus betrachtet wird.

Ein weiteres großes Problem in den Niederlanden ist der NOS. Seit Jahrzehnten liefert dieser öffentlich-rechtlichen Sender irreführende Informationen. Es sollte eine unabhängige Ermittlung dazu geben, wie der NOS mit dem palästinensisch-israelischen Konflikt umgeht. Doch die Chancen, dass dies geschieht, sind sehr gering. Zweierlei ist in den niederländischen Mainstream-Medien nicht erlaubt: Die Palästinenser anzurühren und sie in den Medien zu kritisieren.

Van Diggele erklärt: In niederländischen Medien, Radio und Fernsehen kann alles erwähnt werden: versagende Politiker und Behörden, Ehebruch und Sex. Eines ist nicht erlaubt: Der Palästinenser darf keiner Kritik ausgesetzt werden. Er ist ein machtloses und unbestreitbares Opfer von fünfzig Jahren israelischer Besatzung. Er verdient Schutz, was uns automatisch zum Journalismus bringt: Journalisten dürfen über alles schreiben, aber wehe dem, der einen kritischen Blick auf den Zustand des Journalismus wirft.

Leser, Zuhörer und Zuschauer der Mainstream-Medien zahlen den Preis. Sie gaben dem Journalisten voller Vertrauen ihr Mandat. Dieses Vertrauen ist schwer beschädigt. Sie zählen darauf die ganze Geschichte zu erfahren, aber sie bekommen nur eine voreingenommene Version der Hälfte. Ist unter diesen Bedingungen ein ausgewogener Standpunkt überhaupt möglich? Wahrscheinlich nicht. Auf diese Ungerechtigkeit will ich die Aufmerksamkeit lenken.

Israelischer Masochismus und niederländische Heuchelei

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Es gibt radikale kulturelle Unterschiede darin, wie Länder, auch Demokratien, ihre Vergangenheit lehren. Ich erfuhr in der Schule in den Niederlanden viel über Niederländisch-Indien – das spätere Indonesien – das damals noch Kolonie war. Aber uns wurde nichts über den Java-Krieg Mitte des 19. Jahrhunderts gelehrt, als das niederländische Militär zweihunderttausend Einheimische tötete, von denen zehntausende Zivilisten waren.[1]

Im Gegensatz dazu besuchte mein ältester Enkel eine Oberschule in Jerusalem und erhielt die Aufgabe über das Massaker von Deir Yassin zu schreiben. Die offizielle Version lautet, dass während intensiver Kämpfe rund 200 Araber, darunter Zivilisten, von Kämpfern der Irgun Zwai Leumi getötet wurden. Die tatsächliche Zahl liegt bei etwa der Hälfte.[2] Die Gräuel wurden aus politischen Gründen von Juden wie von Arabern übertrieben.[3] Warum wurde meinem Enkel diese Aufgabe gestellt? Deir Yassin war nicht typisch für die Art, wie Israel einen Krieg um sein Überleben führte.

Viele extreme niederländische Kriegsverbrechen wurden im Geschichtsunterricht der Niederlande verheimlicht oder bagatellisiert. Ich erfuhr ein wenig über den Krieg von 1873-1914 in Aceh in Niederländisch-Indien. Die Kolonisatoren töteten geschätzte hunderttausend Einheimische.

Hendrik Colijn war als Leutnant dort. Er solle später fünfmal niederländischer Premierminister werden.[4] Im November 1894 schrieb er seiner Frau, dass er in Übereinstimmung mit der allgemeinen Politik seinen Soldaten befohlen hatte neun Frauen und drei Kinder zu töten, die um Verschonung baten.[5] Das ist nur ein Beispiel von vielen.

2017 veröffentlichte der niederländisch-schweizerische Historiker Rémy Limpach ein 870 Seiten starkes Buch über niederländische Kriegsverbrechen, die in den zwei sogenannten „Polizeiaktionen“ 1947 und 1948 in Niederländisch-Indien an Unabhängigkeitskämpfern und kriminellen Banden verübt wurden. Er kam zu dem Schluss, dass niederländische Kriegsverbrechen struktureller Natur waren und nicht zufällig erfolgten, wie bis dahin behauptet wurde. Das Buch führt viele Beispiele von Niederländern an, die Brandstiftung, Folter und Gefangenenerschießungen begingen, ebenso Frauen und Kinder töteten. Es wurde mehrfach rezensiert, aber es gab keine größeren Reaktionen in der niederländischen Gesellschaft.

In den späten 1960-er Jahren wurde der offizielle Historiker der Niederlande, Cees Fasseur, damit beauftragt diese „Polizeiaktionen“ zu untersuchen. Er gestand später ein, dass die Recherche oberflächlicher Natur war.[6] Erst heute, wo alle niederländischen Täter tot oder sehr alt sind, ist eine bedeutende Studie der Entkolonisierungsperiode begonnen worden.

Über viele Jahrzehnte hinweg kümmerten niederländische Kriegsverbrechen niemanden. Der niederländische  Hauptmann Raymond Westerling hatte den Auftrag Teile der Insel Sulawesi zu „befrieden“. 1974 erzählte er einem Journalisten über einem Glas verdünnten Whiskys, dass er persönlich Richter von 350 Gefangenen vor einem Kriegsgericht war, die er nachher hinrichtete.[7] Seit 1971 war Dries van Agt, der später niederländischer Premierminister werden sollte, Justizminister. Gegen Westerling wurde nichts unternommen. Van Agt ist in den Niederlanden der Haupthetzer gegen Israel.

1969 wurde ein Interview mit Westerling, in dem er Kriegsverbrechen zugab, gefilmt. Alle niederländischen Fernsehsender lehnten die Ausstrahlung ab. Es wurde schließlich 2012 gezeigt.[8]

1987 schrieb der Historiker Ad van Liempt einen Artikel über einen Massenmord während der Polizeiaktionen, der 364 Tote in Niederländisch-Indien zurückließ.[9] Er sagte mir, es habe keine Reaktionen gegeben. 1997 schrieb er das Buch Der Zug der Leichen, das berichtet, wie die Niederländer fast die Hälfte der niederländisch-indischen Gefangenen verhungern ließen, die in einem Zug transportiert wurden. Van Liempt erzählte mir, dass viele es skandalös fanden, dass er darüber ein Buch schrieb.[10] Ein mir bekannter Filmemacher erstellte 1995 einen Film über die Massentötungen an hunderte Männern im Dorf Rawagade durch die niederländische Armee. Er sagte mir, dass die Einheimischen sich erinnerten, dass es auch in nahe gelegenen Dörfern ähnliche Verbrechen gab.[11]

In seinem Buch My  Promised Land (Mein verheißenes Land) aus dem Jahr 2013 berichtet Ari Shavit die Geschichte einer angeblich vorsätzlichen Tötung arabischer Zivilisten durch israelische Streitkräfte im Juli 1948 in Lod. Drei israelische Akademiker – Martin Kramer, Efraim Karsh und Benny Morris – erörterten Shavits Behauptungen. Keiner der drei betrachtet dessen Version als korrekt.[12] Der New Yorker veröffentlichte vor einigen Jahren eine gekürzte Version von Shavits Kapitel.[13] Der Redakteur hätte die Ausgaben seiner Zeitung ein ganzen Jahr lang mit mörderischen niederländischen Kriegsverbrechen füllen können, die in Indonesien in etwa den gleichen Jahren stattfanden.

1995 flohen niederländische UNO-Soldaten in die kroatische Hauptstadt Zagreb; sie kamen aus der bosnisch-muslimischen Stadt Sebrenica, das sie schützten. In einem Völkermord durch die Besatzer töteten bosnische Serben 8.000 Muslime. Ein niederländisches Gericht befand die niederländische Seite als für hunderte der Morde verantwortlich.[14] Der niederländisch Historischer Henri Beunders schrieb, dass niederländische Soldaten, während die Bosnier knietief in Blut standen, in Zagreb bis zu den Knöcheln in Bier standen und Applaus von ihrem Kronprinzen, dem Premierminister und dem Verteidigungsminister erhielten, die alle von dem knietiefen Blut wussten.[15]

Während einer Schlacht in Afghanistan nahe Chora töteten niederländische Soldaten 2007 schätzungsweise 50 bis 100 Zivilisten.[16] Die niederländische Regierung gesteht ein, dass sie nicht weiß, wie viele Zivilisten in der Zeit von 2006 bis 2010 von ihren Flugzeugen und Hubschraubern in der afghanischen Provinz Uruzgan getötet wurden.[17]

2018 gab die niederländische Regierung zu, dass ihre Flugzeuge im Krieg gegen ISIS im Irak und Syrien Zivilisten töteten. Während die USA, Großbritannien und Australien Informationen über die Tötung von Zivilisten in diesem Krieg lieferten, lehnen die Niederländer es ab das zu tun.[18]

Die niederländische scheinheilige Kultur des Umgangs mit den eigenen schwarzen Flecken der Vergangenheit hebt sich von der masochistischen israelischen Kultur der Betonung dessen, was man falsch gemacht hat, ab – die Taten der Israelis erblassen neben den niederländischen Verbrechen. In diese Kultur passt, dass aufeinander folgende niederländische Regierungen es stur abgelehnt haben das enorme Versagen ihrer Exilregierung in London während des Zweiten Weltkriegs gegenüber den verfolgten und ermordeten niederländischen Juden einzugestehen. Alle anderen westeuropäischen Länder, einschließlich Monacos und Luxemburgs, haben das getan. Mehrere davon haben sich zudem bei ihren jüdischen Staatsbürgern entschuldigt.

[1] Manfred Gerstenfeld interviewt Frank van Vree, “Hoe Nederlands collectieve Oorlogsherinnering zich ontwikkelde.” Aleh, September 2018.

[2] https://blogs.timesofisrael.com/deir-yassin-the-end-of-a-myth/

[3] https://besacenter.org/perspectives-papers/deir-yassin-nakba-war-crimes/

[4] https://://historiek.net/hendrikus-cohttpslijn-premier-crisisjaren/69176/

[5] http://www.nrc.nl/nieuws/1998/06/18/colijn-en-de-koloniale-oorlog-7403557-a1118402

[6] http://www.groene.nl/artikel/de-excessennota-moet-opnieuw

[7] Rolf Boost: Westerling spreekt voor de laatste maal: Ik was geen luitenant Calley. Panorama, 1971.

[8] http://www.ad.nl/binnenland/kapitein-westerling-geeft-oorlogsmisdaden-1947-toe~ab110a1b/

[9] Manfred Gerstenfeld interviewt Ad van Liempt: Onvermoeibaar op zoek naar Feiten. Aleh, April 2018; Ad van Liempt: De massamoord van Galoeng Galoeng. in: bijlage Vrij Nederland, 31. January 1987.

[10] Manfred Gerstenfeld interviewt Ad van Liempt: Onvermoeibaar op zoek naar Feiten”, Aleh, April 2018.

[11] Persönliche Kommunikation mit Alfred Edelstein.

[12] https://mosaicmagazine.com/essay/2014/07/what-happened-at-lydda/

[13] http://www.newyorker.com/magazine/2013/10/21/lydda-1948

[14] http://www.reuters.com/article/us-warcrimes-bosnia-srebrenica-idUSKBN19I0XZ

[15] http://retro.nrc.nl/W2/Lab/Srebrenica/130796opi.html

[16] http://www.telegraaf.nl/nieuws/2168198/defensie-aangeklaagd-om-slag-bij-chora

[17] http://www.volkskrant.nl/nieuws-achtergrond/onbekend-aantal-afghaanse-slachtoffers-door-nederlandse-bommen~b163fec0/

[18] http://www.rtlnieuws.nl/nederland/gevolgen-van-vernietiging-is-door-nederlandse-bommen-blijven-geheim

Der weit verbreitete Missbrauch des Gedenkens an Anne Frank

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Anne Frank ist vermutlich zur bekanntesten während der Schoah ermordeten jüdischen Person geworden. Die Erinnerung an sie ist zudem eine der am meisten missbrauchte. Diese Misshandlung hat eine lange Geschichte. Es tauchen immer wieder neue Beispiele dafür auf. Eins von vielen: Im Januar 2018 wurde gegen den italienischen Erstliga-Club Lazio Rom eine Geldstrafe von 50.000 Euro verhängt, nachdem Anhänger vor einem Spiel im Oktober 2017 antisemitische Anne Frank-Aufkleber zeigten.[1]

In den späten 1980-er Jahren erlaubte der damalige Leiter des Anne Frank-Hauses in Amsterdam dem niederländischen Filmemacher Willy Lindwer nicht seinen Film Die letzten sieben Monate der Anne Frank in ihrem Haus zu drehen. Die Dokumentation behandelte ihr Leiden in den Konzentrationslagern und ihren Tod in Bergen-Belsen. Lindwer erzählt, dass der Direktor ihm sagte: „Anne Frank ist ein Symbol. Symbole sollten nicht in einem Konzentrationslager sterbend gezeigt werden.“[2]

Das Anne Frank-Haus in Amsterdam hat vor Jahrzehnten bei vielen Gelegenheiten ihren Namen für politische Zwecke verwendet, die nichts mit der Ehrung ihres Andenkens zu tun hatten. Die niederländische Journalistin Elma Verhey kommentierte die Rolle der Anne Frank-Stiftung 1995 so: „Nicht alle Niederländer finden es passend, dass das Anne Frank-Haus sich in eine der wichtigsten Touristenattraktionen Amsterdams entwickelt hat. Viele niederländische Juden meiden das Anne Frank-Haus wegen einiger der durch ihr Tagebuch geschaffenen Mythen. Darüber hinaus hat es Bedenken gegeben, dass die Stiftung in der Vergangenheit einer Handvoll Neonazis in Deutschland und dem Leid der Palästinenser mehr Aufmerksamkeit gewidmet hat als dem staatlich gesponserten Antisemitismus der ehemaligen Sowjetunion.[3]

Aus den Niederlanden sind auch andere Entstellungen der Erinnerung an Anne Frank gekommen. Im Februar 2007 tauchten in Amsterdam Graffiti auf, die Anne Frank mit einer Keffiye zeigten.[4] 2008 wurde aus demselben Bild eine kommerzielle Postkarte gemacht,[5] trotz der Tatsache, dass die Mehrheitspartei bei den einzigen palästinensischen Parlamentswahlen 2006 die Hamas war, die den Völkermord an den Juden anstrebt. 2006 postete eine belgisch-niederländische Muslimgruppe eine Karikatur von Anne Frank im Bett mit Hitler.[6]

Das Motiv der palästinensischen Anne Frank kehrt regelmäßig wieder. Vor kurzem erschien es auf Postern und Flugblättern an der Wits-Universität in Johannesburg. Es wurde während der Israel Apartheid Week von der Palästinensischen Solidaritätskampagne propagiert.[7] 2017 verglich ein freier Reiseführer am Anne Frank-Zentrum in Berlin das Leiden der Juden unter den Nazis mit dem der Palästinenser unter israelischer Kontrolle. Das Zentrum distanzierte sich von dieser Äußerung.[8]

In den Niederlanden wird ein neues Theaterstück von Ilja Pfeiffer über Anne Frank aufgeführt. Das Stück macht, völlig unhistorisch, aus einer der Personen, die sich mit ihr versteckten – Fritz Pfeffer –in einen Gewalttäter.[9] Er wurde in der Schoah ermordet. Das Stück, in dem die Erinnerung an ein Holocaustoper besudelt wird, ist ein weiteres Beispiel der partiellen Zersetzung der niederländischen Gesellschaft, deren Regierung nicht zugeben wird wie massiv ihre Vorgänger im Exil im Zweiten Weltkrieg sich überhaupt nicht für das Schicksal der verfolgten Juden interessierte.

Die „palästinensische“ Anne Frank ist eine Umkehrung des Holocaust. Eine weitere Verzerrung des Holocaust besteht in seiner Entjudaisierung.[10] 1952 wurde eine englische Übersetzung des Tagebuchs für den amerikanischen Markt veröffentlicht. Ihr Titel lautete: Anne Frank: The Diary of a Youg Girl.[11] David Barnouw, früher Forscher am Nederlands Instituut voor Oorlogsdocumentatie (NIOD)[12], schrieb, dass Eleanor Roosevelt, die Witwe des Kriegspräsidenten Franklin Delano Roosevelt das Vorwort schreib. In diesem Text wurden die Begriffe „Jude“ oder „Verfolgung“ von Juden nicht ein einziges Mal verwendet.[13]

Frances Goodrich und Albert Hackett schrieben ein Theaterstück auf der Grundlage des Tagebuchs, das 1955 in New York uraufgeführt wurde. Barnouw schreibt: „Natürlich kann die Adaption eines Buchs oder in diesem Fall eines Tagebuchs [um ein Bühnen Stück daraus zu machen] nicht komplett dem Original entsprechen. Aber die Tatsache, dass es da einen Hitler und den Nationalsozialismus gab, ist in den Hintergrund gedrängt worden.“[14] Ein früher geschriebenes Stück von Meyer Levin hatte mehr jüdischen Inhalt, wurde aber von vielen Produzenten abgelehnt.[15]

Der Historiker Tim Cole stellt fest: „Die zeitgenössische Übung der Toleranz fordert, dass Annes Worte neu geschrieben werden, um Mitglieder ‚dieser oder jener Minderheit‘ einzuschließen und schon macht das die historische Realität zur Farce.“ Er fügt an: „Angesichts dieses mythischen Status riskiert der Holocaust zu einer beliebten Vergangenheit zu werden, die dazu genutzt wird allen möglichen gegenwärtigen Bedürfnissen zu dienen. Insbesondere tendieren die Bedürfnisse des heutigen linken Trends dazu eine machtvolle Geschichte der Vergangenheit zu kapern und sie zu universalisieren, um eine Reihe neuer universaler Lektionen anzufertigen.“ Cole schließt: „Wenn es eine Lektion gibt, die aus dem Holocaust gezogen werden kann, dann ist es genau die, dass der Optimismus der Anne Frank bedauerlich deplatziert war.“[16]

Steven Goldstein, Direktor einer kleinen amerikanischen Organisation, die sich Anne Frank Center for Mutual Respect[17] nennt, greift Donald Trump an.[18] Er hat ein Recht auf seine Meinung. Dies aber für ein nach Anne Frank benanntes Zentrum zu tun ist Missbrauch der Erinnerung an eine verstorbene Person, die sich nicht mehr wehren kann.

In Sachen Instrumentalisierung des Tagebuchs als Mittel für „unversalistische“ Ideale, sollte auch die Rolle von Annes Vater Otto Frank erwähnt werden. Verhey beschreibt sie ausführlich. Sie schrieb zudem, dass Annes Vater nichts tat, um den Mythos zu zerstreuen, dass Anne Frank „still in der Vorstellung starb, dass ihr nichts Ernstes geschehen würde“.[19]

Das oben Beschriebene ist nur eine kleine Auswahl aus einem riesigen Verfälschungskomplex zu einer jungen jüdischen Frau, die in der Schoah ermordet wurde. Leider kann man fast sicher sein, dass dieser Artikel, wenn er vielleicht in einem Jahr auf den neuesten Stand gebracht wird, eine Reihe neuer Beispiele des Missbrauchs der Erinnerung an Anne Frank beinhalten wird.

[1] http://www.bbc.com/sport/football/42816855

[2] Persönliches Gespräch mit Willy Lindwer. (vgl. http://jcpa.org/article/symbolic-and-other-roles-of-jews-in-dutch-society/)

[3] Elma Verhey: Anne Frank and the Dutch Myth. In: Alex Brobman/Joel S. Fishman: Anne Frank in Historical Perspective: A teaching Guide for Secondary Schools. Los Angeles (Martyrs Memorial and Museum of the Holocaust of the Jewish Federation of Greater Los Angeles) 1995, S. 23-24.

[4] www.cidi.nl/gezamenlijke-verklaring-van-cidi-en-boomerang-over-anne-frank-kaart/; http://www.historischnieuwsblad.nl/nl/nieuws/12850/historische-helden-op-een-shirt.html

[5] http://www.geschiedenis.nl/nieuws/artikel/2888/omstreden-anne-frank-kaart-blijft-in-roulatie

[6] http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3211339,00.html

[7] http://www.jpost.com/Diaspora/South-African-students-mark-Israel-Apartheid-week-with-Palestinian-Anne-Frank-545221

[8] www.timesofisrael.com/berlin-anne-frank-center-guide-says-holocaust-suffering-like-palestinian-strife/

[9] http://www.jta.org/2017/11/05/arts-entertainment/a-new-dutch-play-about-anne-frank-doesnt-mention-jews-nazis

[10] http://jcpa.org/book/the-abuse-of-holocaust-memory-distortions-and-responses/ (chapter 5: 79-89)

[11] Das Tagebuch eines jungen Mädchens

[12] Niederländisches Institut für Kriegsdokumentation; heute: NIOD Instituut voor Oorlogs-, Holocaust- en Genocidestudies (NIOD Institut für Kriegs-, Holocaust- und Genozidstudien)

[13] David Barnouw, Anne Frank: voor beginners en gevorderden (Den Haag: Sdu, 1998).

[14] NIOD, S. 30.

[15] Ebenda, S. 23-26.

[16] Tim Cole: Selling the Holocaust. New York (Routledge) 2000, S. 42.

[17] Anne Frank-Zentrum für gegenseiigen Respekt

[18] http://www.theatlantic.com/politics/archive/2017/04/anne-frank-center/524055/

[19] Gerrold van der Stroom (Hg.): De Vele Gezichten van Anne Frank, visies op een Fenomeen. Amsterdam (de Prom) 2003.

Europas linguistischer Kreuzzug gegen Israel

Daniel Krygier, MiDA, 2. Januar 2018

Europa beschäftigt sich mit der Schuld wegen des Holocaust und dem früheren Kolonialismus durch Idealisierung der Muslime der Dritten Welt und Dämonisierung des jüdischen Staats der Ersten Welt mit einem linguistischen Kreuzzug, der die Wahrheit pervertiert.

Deutsche Polizisten müssen jüdische Symbole in Berlin beschützen. (Foto: twitter)

Vor ein paar Tagen wiederholte Deutschlands Außenminister Sigmar Gabriel die Lüge, dass Israel ein Apartheidstaat ist. In der Vergangenheit hat Gabriel behauptet, die deutschen Sozialdemokraten hätten während des Dritten Reichs dasselbe Schicksal erlitten wie die Jduen.

Gabriels verstörender antijüdischer Lebenslauf beinhaltet den geschätzten Umgang mit den Führern des Iran, die offen zu Israels Vernichtung aufrufen, sowie bei einer Veranstaltung im deutschen Außenministerium, mit der für „Religionsfrieden“ geworben werden sollte, den Gastgeber für die islamistische, extremistische Hamidreza Torabi zu spielen.

Israels Feinde behaupten oft, sie könnten Israel nicht kritisieren, ohne des Antisemitismus beschuldigt zu werden. Diese Behauptung ist nicht nur offenkundig falsch, sondern auch absurd. Kein anderes Land der Welt wird mit mehr Besessenheit kritisiert und international verurteilt als Israel. Egal, dass der jüdische Staat eine lebhafte Demokratie mit eingebauter Selbstkritik ist, die andere führende Demokratien der Welt aussticht.

Das wirkliche Problem besteht darin, dass anders als Kritik an anderen Demokratien, ein Großteil der „Kritik“ an Israel gewollt mit rassistischer Dämonisierung und Delegitimation des jüdischen Staates verbunden wird. Dieser linguistische Kreuzzug der Europäer gegen Israels Existenz geht Gabriel um mehrere Jahrzehnte voraus.

Während des ersten Libanonkriegs 1982 verglich der verstorbene schwedische Premierminister Olof Palme Israels Umgang mit arabischen Kindern hanebücheneweise mit Nazideutschlands Umgang mit jüdischen Kindern. Mehr als eine Million jüdischer Kinder wurden im Holocaust ermordet. Im Gegensatz dazu ermordet Israel keine Kinder und zahllose arabische Kinder aus dem gesamten Nahen Osten erhalten medizinische Behandlung in israelischen Krankenhäusern. Dazu gehören auch arabische Kinder aus Feindstaaten, die sich Israels Vernichtung verschrieben haben, so Syrien, dem Irak und dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen.

Im Oktober verglich der niederländische Premierminister Dries van Agt Israels Festnahme von Terroristen mit Nazi-Razzien gegen Juden während des Zweiten Weltkriegs. Herr van Agt bestreitet auch jegliche historische Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und dem Land seiner Väter und hat argumentiert, dass Juden als Entschädigung für den Holocaust „ein Stück Land in Deutschland“ hätten bekommen sollen. Der ehemalige niederländische Premierminister hat es ebenfalls abgelehnt die Hamas als Terrororganisation zu definieren. Schwedens jetzige Außenministerin Margot Wallström Israels Selbstverteidigung ebenfalls mit „außergerichtlichen Tötungen“ gleichgesetzt und den jüdischen Staat für islamistischen Terrorismus in Europa verantwortlich gemacht.

Das Europa nach 1945 kämpft immer noch mit der Schuld wegen des Holocaust und seiner Kolonialvergangenheit. Europas politische Führung hat allerdings zwei ausgeprägt unterschiedliche Strategien angewandt, um mit diese Flecken auf Europas historischem Gewissen umzugehen. DFer postkolonialen Schuld Europas ist mit der Romantisierung und Idealisierung von Ländern der Dritten Welt im Allgemeinen und der muslimischen Welt im Besonderen begegnet worden.

Im Gegensatz dazu wird Holocaust-Schuld damit begegnet nicht überzeugende Krokodiltränen wegen toter Juden zu vergießen, während lebende Juden und besonders der kollektive Jude unter den Staaten – Israel – dämonisiert wird. Das hat einen scheinbar schizophrenen europäischen mentalen Diskurs geschaffen, der Holocaust-Denkmäler für 6 Millionen ermordete Juden begrüßt, aber systematisch ein pulsierendes Israel mit mehr als sechs Millionen lebenden Juden dämonisiert.

Aus europäischer Sicht besteht der arabisch-israelische Konflikt daher einer zwischen Muslimen der Dritten Welt, die nichts falsch machen können und zionistischen Juden, die nichts richtig machen können.

Wir leben in einer Ära, in der Rassismus das Schlimmste ist, was einem vorgeworfen werden kann. Es sollte daher niemanden überraschen, dass diejenigen, die Israel dämonisieren wollen, versucht sein werden den jüdischen Staat mit Nazideutschland und dem Apartheid-Südafrika gleichzusetzen. Selbsternannte westliche Progressive und ihre islamistischen Alliierten wenden dieselbe Taktik gegen ihre Gegner an, um jegliche aussagefähige Diskussion über den Islam in westlichen Gesellschaften stillzulegen.

Da Geschichte und Fakten unmodern geworden sind, werden in Europa Fake News über Israel als „Wahrheiten“ begrüßt. Durch die Darstellung Israels als „böse“ und „rassistisch“ können europäische Judenhasser ihren Hass gegen den jüdischen Staat unter dem Banner des „Antirassismus“ „legitimieren“.

Ein zwangloser Besuch in einem israelischen Krankenhaus wird die orwellsche Lüge auflösen, die den jüdischen Staat mit „Nationalsozialismus“ und „Apartheid“ gleichsetzt. Arabische und jüdische Pfleger und Ärzte behandeln nebeneinander liegende arabische und jüdische Patienten.

Araber sind in Israel sicherer als Juden in Europa und müssen nicht durch schwer bewaffnete Polizisten und Soldaten geschützt werden.

Israel der „Apartheid“ in Judäa und Samaria zu beschuldigen ist genauso absurd. Die arabischen Einwohner dieser Gebiete sind keine israelischen Staatsbürger und leben unter der despotischen Herrschaft der PA. Während Aber die Straßen Israels sicher entlanggehen können, riskieren Juden es gelyncht zu werden, wenn sie von der PA beherrschte Gebiete betreten. Während es in Israel eine große arabische Minderheit gibt, besteht der „moderate“ PLO-Chef Mahmud Abbas darauf, dass die PA judenfrei sein muss, genauso wie der von der Hamas beherrschte Gazastreifen und ein Großteil der arabischen Welt.

Der wahre Nationalsozialismus und die wahre Apartheid machen sich Israels nahöstliche Feinde und ihre globalen Anhänger zu eigen, die anstreben den einzigen jüdischen Staat der Welt im Namen der „Menschenrechte“ und des „Antirassismus“ zu vernichten.

Wenn Führungspolitiker und angeblich aufgeklärte europäische Demokratien dieselben antisemitischen Lügen übernehmen wie nahöstliche Despoten und Terroristen, dann sollte das allen anständigen Europäern Sorge bereiten, die echte Menschenrechte und Frieden befürworten.

Europas linguistischer Kreuzzug und Perversion der Wahrheit gegen den jüdischen Staat untergräbt nicht nur die Friedensaussichten zwischen Arabern und Juden. Er beschuldigt schamlos die wahren Opfer von Nationalsozialismus, Völkermord und Apartheid.

Niederländer sollten aufhören auf Israel einprügeln und sich den eigenen Problemen stellen – denen der Vergangenheit wie denen der Zukunft

Abraham Cooper und Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor) [1]

Ein gerade veröffentlichter Bericht verdeutlicht die Bedrohungen Europas und der Welt durch ausländische ISIS-Kämpfer für ihre Heimatländer im Zuge des Zusammenbruchs des sogenannten Kalifats im Irak und Syrien.[2] Die europäischen jüdischen Gemeinden und ihre Institutionen, die bereits infolge bisheriger Terroranschläge verunsichert sind – an einigen davon waren zurückgekehrte Jihadisten beteiligt – haben jetzt eine neue potenzielle Gewalt, wegen derer sie sich Sorgen machen müssen.

Man sollte glauben, dass westeuropäische Staaten all ihre Aufmerksamkeit auf die Bedrohung durch muslimische Terroristen und das schwer fassbare Ziel konzentrieren würden der großen Zahl an Migranten und Flüchtlingen aus Afrika und dem Nahen Osten – zum Teil extreme Antisemiten – die Werte der Demokratie und der Toleranz einzuimpfen.

Falsch gedacht. Wie viele andere westeuropäische Länder sind die Niederländer fixiert auf den palästinensisch-israelischen Konflikt. Diese Besessenheit trat bei der neuen Regierung, die zu formen nach der Parlamentswahl von 2017 mehr als 200 Tage dauerte, einmal mehr ins Blickfeld.

Die neue Regierung wird aus vier Parteien bestehen: der größten Partei des Landes VVD (Liberale), geführt von Premierminister Mark Rutte, der zum dritten Mal die Regierung leiten wird; die Koalitionspartner sind die CDA (Christdemokraten), D66 (Linksliberale) und die viel kleinere, protestantische Christliche Union. Die neue Regierung stützt sich auf nur 76 der 150 Parlamentarier.

Die Regierungsvereinbarung umfasst zwar siebzig Seiten,[3] die Außenpolitik nimmt davon aber nur eine Seite ein.[4] EU-Schlüsselthemen wie der Brexit und Katalonien fehlen ganz. Ein nuklearisiertes Nordkorea wird nicht erwähnt, genauso wenig die Probleme mit dem Atomabkommen mit dem Iran. Allerdings reiste bereits eine parlamentarische Delegation nach Teheran, was diese extreme muslimische Diktatur legitimiert, die offen die Vernichtung Israels anstrebt.[5] Es gibt nichts zur niederländischen Militärbeteiligung in Afghanistan oder ihrer Präsenz in Mali.[6] In Mali führte der durch Fahrlässigkeit verursachte Tod niederländische Soldaten zum Rücktritt des niederländischen Verteidigungsministers.[7]

Was war das einzige Thema außerhalb Europas, das für die neue Regierung der Niederlande so wichtig war, dass es alle anderen in den Schatten stellte? Der palästinensisch-israelische Konflikt war der neuen Regierungsvereinbarung 60 Worte wert. Dazu heißt es: „Im Nahen Osten tragen die Niederlande zu Frieden und Sicherheit bei. Die Niederlande nutzen die guten Beziehungen zu Israel und der palästinensischen Autonomiebehörde für den Erhaltung und Verwirklichung der Zweistaatenlösung: einen unabhängigen, demokratischen und existenzfähigen Palästinenserstaat neben einem sicheren und international anerkannten Israel. Die Niederlande arbeiten zudem an der Verbesserung der Beziehungen zwischen Israelis und den Palästinensern.“

In Wirklichkeit sind die Niederlande ein Land von verschwindend geringer Bedeutung für den gesamten Nahen Osten. Ihre Behauptung, dass sie eine wichtige und ausgewogene Rolle im palästinensisch-israelischen Konflikt spielen, spiegelt sowohl Absurdität als auch Arroganz wider. Die Niederlande haben in vielen Dingen gegen israelische Interessen agiert. Es leistet Zahlungen an die palästinensische Autonomiebehörde, wohlwissend, dass diese Mörder ermutigt und unterstützt.[8] Die niederländische Regierung bezuschusst auch Unterstützer der antisemitischen BDS-Kampagne.[9]

Der bisherige Außenminister Bert Koenders gehört der Arbeitspartei an, die gegen Israel hetzt.[10] Er befürwortete entschieden die Kennzeichnung von Produkten aus der umstrittenen Westbank und dem „besetzten“ Golan durch die Europäische Union. Koenders forderte jedoch nie ähnliche Maßnahmen gegen andere Länder, in denen die rechtliche Lage viel klarer ist, zum Beispiel dem von der Türkei besetzten Nordzypern.[11] Das ist eine typische antiisraelische Mutation des klassischen antisemitischen zweierlei Maß.[12]

2013 veröffentlichte das Beratungsgremium der niederländischen Regierung (AIV) eine 47 Seiten lange Stellungnahme zum Nahost-Friedensprozess.[13 Wim Kortenoeven, früherer Abgeordneter der Freiheitspartei, beschrieb diese als „nichts außer einer boshaften Anklage des jüdischen Staates; Ignorierung der islamischen Wurzel des Konflikts; auslassen entscheidender historischer Daten; Verweigerung oder Auslassung der legalen Rechte des jüdischen Volks in Palästina; und Manipulation von Fakten, Zahlen und UNO-Resolutionen.“

„Sie schweigt zu Israels furchtbaren Dilemmas, Zwickmühlen und territorialen Einschränkungen und ignoriert sogar so wesentliche Punkte wie die islamische Bedrohung und palästinensische Hetze gegen Israel und den Frieden. In ihrem Schluss fordert die AIV das Verhängen von Sanktionen gegen Israel und die Etablierung von Beziehungen (der Niederlande und der EU) zur Hamas, einer Organisation, die zum Völkermord an allen Juden aufruft.[14] Proteste des Simon Wiesenthal Centers, mit denen die Auflösung dieses aufstachelnden Beratergremiums gefordert wurde, stießen auf taube Ohren.[15]

Die vier niederländischen Regierungsparteien hätten in ihre Vereinbarung eine Verpflichtung zur Untersuchung aufnehmen sollen, wie es kam, dass im Jahr 2011 38% der Bevölkerung der Niederlande bei einer Meinungsumfrage der falschen und extrem antisemitischen Aussage zustimmten, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führt.[16] Zwar propagieren nur wenige solche Behauptungen direkt, aber sie sind das Resultat einer allgemein vorhandenen Atmosphäre der Aufhetzung durch antiisraelische Parteien in den Niederlanden. Eine davon ist die Koalitionspartei D66.[17] Der Hass auf Israel kommt zudem aus Medien, sozialen Medien und von von der Regierung finanziell unterstützten, Pseudo-Menschenrechtsgruppen.

Es wird Zeit, dass man aufhört auf Israel einzuschlagen. Es ist mehr als überfällig, dass die niederländischen Behörden anfangen zu den oben angeführten aktuellen Themen und ihren unbeantworteten historischen Kontroversen bei sich selbst nachforschen. Die Niederlande und das einzige westeuropäische Land, das niemals das abscheuliche Fehlverhalten ihrer Regierung der Kriegszeit – im Exil in London – gegenüber ihrer jüdischen Bevölkerung eingestanden hat.[18] Statt sich in die angeblichen Missetaten Israels hineinzusteigern, würde die niederländische Regierung ihrem Volk besser dienen, wenn sie endlich Vorwürfe massiver niederländischer Kriegsverbrechen in Indonesien 1948 und 1949 untersuchen.[19]

[1] Veröffentlicht in der Huffington Post vom 24. Oktober 2017

[2] http://thesoufancenter.org/wp-content/uploads/2017/10/Beyond-the-Caliphate-Foreign-Fighters-and-the-Threat-of-Returnees-TSC-Report-October-2017.pdf; www.janes.com/images/assets/032/69032/Islamic_State_returnees_pose_threat_to_Europe.pdf

[3] http://www.kabinetsformatie2017.nl/documenten/publicaties/2017/10/10/regeerakkoord-vertrouwen-in-de-toekomst

[4] Ebenda, S. 47.

[5] http://www.dagelijksestandaard.nl/2017/10/terwijl-kamerleden-door-iran-reizen-belooft-teheran-krachtiger-dan-ooit-oorlog-tegen-israel-te-voeren/

[6] http://www.defensie.nl/actueel/nieuws/2017/09/11/missies-in-mali-irak-en-afghanistan-verlengd

[7] http://www.reuters.com/article/us-netherlands-mali/dutch-defense-minister-resigns-over-peacekeepers-deaths-in-mali-idUSKCN1C82GW

[8] http://www.cidi.nl/kabinet-is-in-principe-niet-tegen-betalingen-aan-palestijnse-gevangenen/

[9] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/19105

[10] http://www.pvda.nl/wp-content/uploads/bestanden/6591-afsluitende-speech-diederik-samsom-v28feb.pdf

[11] www.rijksoverheid.nl/documenten/kamerstukken/2016/06/20/beantwoording-kamervragen-over-de-etikettering-van-israelische-producten

[12] S. die Antisemitismus-Definition der IHRA.

[13] http://aiv-advies.nl/692/publicaties/adviezen/tussen-woord-en-daad-perspectieven-op-duurzame-vrede-in-het-midden-oosten

[14] http://blogs.timesofisrael.com/in-the-breach-dutch-foreign-policy-on-israel/

[15] http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/173502

[16] library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf

[17] http://politiek.tpo.nl/2016/04/18/d66-motie-israel/

[18] http://www.wsj.com/articles/its-time-for-the-netherlands-to-apologize-1438196083

[19] Rémy Limpach, De brandende kampongs van Generaal Spoor, (Amsterdam: Boom, 2016)

Erziehung mit Mord in Holland

Daniel Pipes, The New York Sun, 16. November 2004

Erziehung durch Mord“ beschreibt die langsame und schmerzliche Art und Weise, in der Menschen gegenüber dem Problem des radikalen Islam wach werden. Es waren 3.000 Tote nötig, damit die Amerikaner aufwachten, zumindest ihre konservative Hälfte. Ähnlich mussten Hunderte bei der Explosion in Bali sterben, um die Australier halbwegs zu wecken, für die Spanier war der Anschlag in Madrid notwendig und für die Russen die Gräueltat von Beslan. Zwölf im Irak geköpfte Arbeiter weckten die Nepalesen.

Es war aber nur ein Toter nötig, um viele Holländer zu wecken. Ein grauenvoller Mord könnte tatsächlich mehr getan haben, um die Niederlande aufzurütteln als der 11.9.2001 für die Amerikaner.

Der Grund dafür liegt in der Identität des Opfers und der Natur des Verbrechens. Es war Theo van Gogh, 47, ein bekannter, radikal liberaler Freidenker, Filmemacher, Fernseh-Produzent, Talkmaster, Zeitungskolumnist und rundum-Unruhestifter, der sich des Unterschieds erfreute ein Verwandter von Hollands berühmtesten Künstler, Vincent van Gogh, zu sein. In den letzten Jahren sammelte Theo Aufmerksamkeit durch Kritik am Islam in seinem Buch von 2003 (Allah weiß es am Besten) und einem Film von 2004 (Unterwerfung).

Er wurde am 2. November um 8.40 Uhr in seiner Heimatstadt Amsterdam ermordet, als er auf einer belebten Straße zur Arbeit radelte. Während wiederholt auf ihn geschossen wurde, flehte van Gogh seinen Killer an: „Tu es nicht. Tu es nicht. Gnade. Gnade!“ Dann stach der Killer ihm mit einem Messer in die Brust und schlitzte ihm mit einem anderen die Kehle auf, wobei er van Gogh fast enthauptete.

Der Mordverdächtige, Mohammed Bouyeri, 26, ein in Holland geborener marokkanischer Niederländer, hinterließ eine fünfseitige Note in arabischer und holländischer Sprache, das er van Gogh an den Körper heftete. Darin drohte er Jihad gegen den Westen allgemein an („Ich weiß sicher, dass du, o Europa, vernichtet werden wirst“), insbesondere aber gegen fünf prominente Holländer.

Die Ermittler der Polizei erkannten schnell, dass der Mörder ein Islamist war, den sie gut kennen und den sich bis zwei Wochen vor der Tat überwachten; sie hatten ihn sogar ins „Hofstadsgroep“-Netzwerk eingegeben und warfen ihm und sechs seiner Freunde „Verschwörung mit terroristischen Motiven“ vor. Die Behörden sagten außerdem, dass sie möglicherweise Verbindungen zu den Terrorgruppen Takfir wa’l-Hijra und Al-Qaida hatten.

Dass ein nicht muslimischer Kritiker des Islam rituell ermordet wurde, weil er seine Ansichten künstlerisch ausdrückte, war beispiellos, nicht nur in Holland, sondern überall im Westen. Die holländische Abscheu angesichts der Tat erschütterte die tiefe Selbstgefälligkeit der vielleicht tolerantesten Gesellschaft der Welt. Einwanderungsministerin Rita Verdonk, eine der fünf bedrohten Personen, verwünschte öffentlich, dass das Land lange die Präsenz des radikalen Islam ignoriert hat. „Zu lange haben wir gesagt wir hätten eine multikulturelle Gesellschaft und alle könnten einfach miteinander auskommen. Wir waren zu naiv zu glauben, die Leute würden in unserer Gesellschaft miteinander leben.“

Jozias van Aartsen, parlamentarischer Leiter der VVD-Partei, ging weiter und warnte, dass der „Jihad in die Niederlande gekommen ist und eine kleine Gruppe jihadistischer Terroristen die Prinzipien unseres Landes angreifen. Diese Leute wollen unsere Gesellschaft nicht verändern, sondern sie wollen sie zerstören.“

Einen Tag nach dem Mord versammelten sich 20.000 Demonstranten, um die Tötung zu verurteilen; dreißig wurden verhaftet, weil sie Hass gegen Muslime schürten. Innenminister Johan Remkes verkündete, dass er Unruhen nicht ausschließen könne. „Das Klima hat sich ernstlich verschärft.“ Er wurde bestätigt, als in den nächsten beiden Wochen mehr als zwanzig Brand- und Bombenanschläge und Gegenangriffe auf Moscheen, Kirchen und andere Einrichtungen stattfanden, dazu einige größere Polizeiaktionen, was dem Land das Gefühl eines Bürgerkriegs auf niedrigem Niveau vermittelte.

Die holländische Haltung gegenüber den Muslimen verhärtete sich sofort und stark. Eine Umfrage stellte fest, dass 40 Prozent er Bevölkerung sich wünschen, dass die fast eine Million starke Gemeinde der Muslime sich in den Niederlanden nicht länger Zuhause fühlen. Die doppelte Zahl befürwortete eine strengere Politik den Einwanderern gegenüber.

Die führende Zeitung „De Telegraaf“ veröffentlichte einen Kommentar, der vor dem Mord an van Gogh unvorstellbar war: er forderte „ein sehr öffentliches, hartes Vorgehen gegen extremistische Muslim-Fanatiker“. Selbst linke Politiker kamen zu der Einsicht, dass es nötig ist „harte Wahrheiten“ zur Einwanderung auszusprechen und konzentrierten sich auf die unverhältnismäßig hohe Kriminalität der Muslimen.

Islamistischer Terror im Westen ist kontraproduktiv, weil er die schlafenden Massen aufweckt; kurz gesagt: der Jihad provoziert Kreuzzüge. Ein raffinierterer islamistischer Feind würde sein totalitäres Programm durch mafiaartige Einschüchterung voran treiben, nicht durch dreiste Morde.

Aber wenn die Islamisten mit offenem Terror weiter machen, wird sich die harte holländische Reaktion überall wiederholen.