Juden mit geteilter Loyalität – das wichtigste antisemitische Stereotyp

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Dem Mord an 11 Juden in einer Synagoge in Pittsburgh folgte die Veröffentlichung einer FBI-Publikation zu 2017, die festhielt, dass 60% aller voreingenommen-religiösen Hassverbrechensvorfälle in den USA sich gegen Juden richteten, womit die Zahl für andere Religionen bei weitem überschritten wurde. Diese und eine Reihe weitere Erscheinungsformen des Antisemitismus machen eine Analyse der wichtigsten negativen Stereotype zu Juden in den Vereinigten Staaten vor dem Hintergrund der internationalen Lage notwendig.[1]

Statistiken zeigen, dass das wichtigste antisemitische Hass-Motiv weltweit das ist, Diaspora-Juden würden Israel gegenüber mehr Loyalität zeigen als gegenüber dem Land, in dem sie leben. Die von der ADL 2014 veröffentlichte Studie „Global 100“ stellte fest, dass 30% der erwachsenen Amerikaner – also 75 Millionen Menschen – diese Falschmeldung glauben.[2] Eine Studie der ADL aus dem Jahr 2015 stellte sogar einen leicht höheren Anteil fest.[3]

Die Global 100-Studie der ADL von 2014 stellte auch fest, dass die falsche Anschuldigung der geteilter Loyalität das wichtigste internationale antisemitische Stereotyp ist. 41 Prozent der in dieser Studie eingeschlossenen Weltbevölkerung glauben, dass das wahr ist,[4] was rund 1,7 Milliarden Menschen ergibt. Diese gewaltige Zahl bietet eine fruchtbare Infrastruktur für viele weitere antisemitische Anschuldigungen. Wenn die Interessen Israels denen des Landes entgegen stehen, n dem die Juden leben, könnte das israelische Interesse Vorrang bekommen. A priori untergräbt dies das Vertrauen in Juden. Man kann es so ausdrücken: „Du bist nicht wirklich einer von uns.“ In seiner extremsten Form ist geteilte Loyalität ein verschleierter Vorwurf von Verrat.

Die Anschuldigung Juden seien der Gesellschaft oder dem Land gegenüber, wo sie leben, nicht loyal, existierte lange, bevor der Staat Israel gegründet wurde. Mitte des vierzehnten Jahrhunderts ermöglichte sie zur Zeit der Plage des Schwarzen Todes das Verbrennen von Juden; sie wurden beschuldigt Lebensmittel, Brunnen und Flüsse zu vergiften. Es gab eine Reihe Variationen dieses Themas der zweierlei beziehungsweise des Fehlens von Loyalität. Eine Version lautete, Juden seien Kosmopoliten, ein Volk ohne Vaterland, die nur anderen Juden gegenüber loyal seien. Das bot eine bequeme Grundlage für die Beschuldigung und anschließende Verurteilung des französischen Offiziers Alfred Dreyfus wegen Hochverrat im Jahr 1894. Als Jude war er der ideale Kandidat um ihm Spionage gegen Frankreich vorzuwerfen, die in Wahrheit von einem nichtjüdischen Offizier begangen worden war.

Juden geteilter Loyalität zu beschuldigen ermöglicht die Schaffung weiterer antisemitischer Stereotype. Eines lautet: „Juden wollen die Welt kontrollieren.“ Die globale ADL-Studie von 2014 zeigt, dass 29% der Befragten weltweit glauben, Juden hätten zu viel Macht in Weltangelegenheiten.[5]

In den USA offenbarte 2015 eine Studie der ADL, dass 16% der Bevölkerung der Amerikaner (das sind 40 Millionen) glauben, Juden hätten zu viel Macht in der Geschäftswelt.[6] Dieselbe Zahl an Amerikanern zieht in Erwägung, dass Juden in den internationalen Finanzmärkten zu viel Macht haben. Zwölf Prozent oder 30 Millionen waren der Meinung, dass Juden zu viel Kontrolle über die US-Regierung ausüben, während dieselbe Anzahl glaubt, dass Juden zu viel Kontrolle über die Weltmedien haben. 25 Millionen erwachsene Amerikaner glauben, dass Juden zu viel Kontrolle über Weltangelegenheiten haben.[7]

Unter der Administration Obama entstand eine beträchtliche Uneinigkeit zwischen den USA und Israel bezüglich des Iran-Abkommens. Der jüdische Senator Chuck Shumer stimmte dagegen und wurde dann beschuldigt Israel gegenüber loyaler zu sein als Amerika.[8] Juden fürchten oft geteilter Loyalität beschuldigt zu werden, wenn einer von ihnen einen größeren Fehltritt begeht. Der extremste Fall war Jonathan Pollards Spionage für Israel. Er ist die einzige Person, die jemals eine lebenslange Strafe wegen Spionage gegen die USA im Auftrag eines Verbündeten erhielt.[9]

Es kann leicht gezeigt werden, dass auf grundlegenden Fragen großer Bedeutung für Israel die Beschuldigung der geteilten Loyalität amerikanischer Juden im Wesentlichen gelogen ist. Bisher ist Donald Trump der pro-israelischste US-Präsident gewesen. Wenn es geteilte Loyalität von Juden gäbe, sollte die große Mehrheit der amerikanischen Juden heute ihn heute unterstützen. 2016 stimmten 71% der Juden für Hillary Clinton; landesweit waren im Vergleich dazu 48%. Nur 24% der Juden stimmten für Trump.[10] Im neu gewählten Kongress wird von einer Vielzahl jüdisch-demokratischer Ausschuss-Leiter erwartet, dass sie den Präsidenten auf bedeutende Weise angreifen.[11]

Es gibt viele weitere Belege dafür, dass das Konzept der geteilten Loyalität amerikanischer Juden falsch ist. Barack Obama gehörte zu den Israel gegenüber unfreundlichsten US-Präsidenten, doch Juden stimmten in großer Zahl für ihn. 2008 stimmten 78% der Juden für Obama, landesweit waren es 53%. 2012 stimmten 69% der Juden für ihn, landesweit waren es 58%.[12][13] Die Mehrheit der amerikanischen Juden, die für Obama stimmten, taten das anscheinend gegen ihre eigenen Interessen. Er und seine Frau waren lange Zeit Mitglieder einer Kirche, deren Pastor Jeremiah Wright Antisemit ist.[14]

Wie wackelig Behauptungen der geteilten Loyalität von Juden sind, lässt sich auch in anderen Ländern zeigen. In einer in den Niederlanden während des Wahlkampfs durchgeführten Meinungsumfrage wurde festgestellt, dass 19% der niederländischen Juden beabsichtigten für die antiisraelische Arbeitspartei (PvdA) zu stimmen, während nur 6% der Gesamtbevölkerung für diese stimmte.[15]

In Großbritannien sagten 13% der Juden, sie würden bei den Parlamentswahlen 2017 immer noch für die Labour Party stimmen.[16] Und das trotz der Tatsache, dass Parteichef Jeremy Corbyn Sympathisant völkermörderisch-terroristischer Angreifer Israels und ein Anti-Israel-Hetzer ist.[17] Mehrere Menschen in seinem Umfeld hetzen extreme gegen Israel.

Stark verwässerte Versionen der geteilten Loyalität sind in vielen Ländern zu finden. Immigranten mögen beim Sport ihr Herkunftsland gegen das Land, in dem sie leben, unterstützen. Manchmal gerät dies jedoch radikal außer Kontrolle. Ein sehr bekannter Fall ist das Fußball-Freundschaftsspiel 2001 in Paris zwischen Frankreich und Algerien. In Frankreich lebende Algerier pfiffen, als die französische Nationalhymne gespielt wurde. Das Spiel musste abgebrochen werden, als Algerier das Spielfeld stürmten.[18]

Viele Länder haben eine problematische Diaspora. Anschuldigungen geteilter Loyalität ist jedoch ein typisches und weit verbreitetes, antijüdisches Stereotyp. Es gibt Fälle anderer Ethnien, wo das Problem geteilter Loyalität offensichtlich ist. Ein Beispiel ergibt sich aus der Tatsache, dass die Türkei ihren im Ausland lebenden Bürgern gestattet an Wahlen teilzunehmen. Mehr als 450.000 Türken oder 65% derer, die in Deutschland an der Wahl teilnahmen, unterstützten bei den Parlamentswahlen von 2018 Erdoğans AKP. Das ist beträchtlich mehr als der Anteil derer, die in der Türkei für sie stimmte. Trotzdem führte das nicht zu allgemeiner Entrüstung in Deutschland darüber, dass diese Leute eine Partei im Ausland unterstützen, deren Ansichten mit demokratischen Normen und Werten nicht kompatibel sind.

Der ehemalige Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir war fast der einzige deutsche Politiker, der die offensichtlichen Schlüsse zog. Er sagte: „Die feiernden deutsch-türkischen Erdoğan-Anhänger jubeln nicht nur ihrem Alleinherrscher zu, sondern drücken damit zugleich ihre Ablehnung unserer liberalen Demokratie aus. Das muss uns alle beschäftigen.“[19]

Intelligente Wege zu finden, diese falschen Behauptungen geteilter Loyalität gegen Juden zu entlarven, könnte der Anfang eines neuen Typs des Kampfs gegen Antisemitismus sein.

[1] https://ucr.fbi.gov/hate-crime/2017/topic-pages/tables/table-1.xls

[2] https://global100.adl.org/public/ADL-Global-100-Executive-Summary.pdf

[3] http://global100.adl.org/#country/usa/2015

[4] https://global100.adl.org/public/ADL-Global-100-Executive-Summary.pdf.

[5] ebenda

[6] http://global100.adl.org/#country/usa/2015

[7] ebenda

[8] http://www.timesofisrael.com/us-jewish-group-slams-dual-loyalty-smears-on-iran-deal/

[9] http://www.theguardian.com/world/2015/nov/20/spy-jonathan-pollard-to-be-free-after-30-years-but-still-a-thorn-in-us-israeli-ties

[10] http://www.jewishvirtuallibrary.org/jewish-voting-record-in-u-s-presidential-elections

[11] http://www.jpost.com/Diaspora/Jewish-Americans-are-now-the-face-of-Trump-resistance-571399

[12] ebenda

[13] http://www.jta.org/2018/10/17/news-opinion/politics/poll-shows-jewish-voters-favor-democrats-midterms-dislike-trump

[14] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/19883

[15] http://www.niw.nl/enquete-joods-nederland-kiest-555/

[16] http://www.thejc.com/news/uk-news/labour-support-just-13-per-cent-among-uk-jews-1.439325

[17] https://besacenter.org/perspectives-papers/corbyn-against-jews-israel/

[18] http://www.leparisien.fr/sports/france-algerie-pourquoi-le-match-a-degenere-08-10-2001-2002494338.php

[19] http://www.zeit.de/politik/ausland/2018-06/reaktionen-tuerkei-wahl-cem-oezdemir

Archäologen finden Überreste der Roten Linien Obamas zu Syriens chemischen Waffen (Gedankenverlorenes Territorium)

PreOccupied Territory, Elder of Ziyon, 5. April 2017

Damaskus, 5. April – In den Außenbezirken der syrischen Hauptstadt grabende Wissenschaftler haben Fragmente dessen entdeckt, was eine der „roten Linien“ des früheren US-Präsidenten Barack Obama zu sein scheint, mit denen Bashar Assad davor gewarnt wurde Chemiewaffen einzusetzen, berichteten die Leiter der Ausgrabungen heute.

Ein Team Archäologen, die historische Bestandteile Syriens erforschen, stolperten über Stücke roter Linie und lokalisierten sie aufgrund kontextueller und chemischer Indikatoren das Datum der Fragemente auf die späte Hälfte von 2014 n.Chr., während Obamas zweiter Amtszeit. Sie nutzten zudem analytische Mittel, die ihnen gaben, was sie als so gut wie sicher beschreiben, dass die originalen roten Linien, von denen es mindestens drei gegeben haben muss, von Obama selbst stammten.

„Wir sind zuversichtlich, dass wir den Ursprung dieser Rote-Linie-Fragmente identifiziert haben; wir haben zudem ermittelt, dass ihr Zweck eine Serie an Ultimaten Präsident Obamas an Präsident Assad war, die besagten, wenn vom syrischen Regime chemische oder biologische Waffen eingesetzt würden, dann würde das eine sofortige und harte militärische Reaktion der USA auslösen“, erklärte Teamleiter Linie Roth von der Universität München.

Unklar bleibt, vermerkte Roth, ist, ob die von Team gesammelten und identifizierten Fragmente  alle von einer einzelnen roten Linie oder von mehreren stammen. „Als Assad Obamas rote Linien überschritt, ist nicht völlig klar, was mit diesen Linien passierte. Zeitgenössische Aufzeichnungen deuten an, dass die Linien immer noch existierten, nachdem sie überschritten wurden, aber die Aufzeichnungen versiegen zum Ende 2014 und die einzigen Erwähnungen dieser roten Linien erfolgten mit Bezug auf Linien, die es einmal gab, vermutlich diese drei. Wir müssen diese Proben genau untersuchen und vielleicht weiter graben, um Licht auf das zu werfen, was aus Obamas roten Linien zu den syrischen Chemiewaffen wurde.“

Die Probleme erschwert, dass aufeinander folgenden Versuche der Obama-Administration ihre eigenen die Identifizierbarkeit der von ihr gesetzten roten Linien zu verstecken oder auf andere Weise zu senken. „Unbestätigte Berichte aus der Zeit stellen Personal der Administration in die Nähe der roten Linien mit Mitteln der Ablenkung, Tarnung und Leugnung und das vage Bild, das wir im Moment haben, stimmt mit den Bemühungen überein die Aufzeichnungen zu frisieren, so dass wir weiter vorsichtig sind“, fügte Roth hinzu. „Quellen, die nicht aus der Echokammer kommen, werden natürlich für weniger glaubwürdig gehandelt als diejenige, die die Linie des Präsidenten zogen, eine Tatsache, die Herausforderungen beim Gewinn eines schlüssigen Bildes darstellt.“

Obamas rote Linien in Syrien sind nur ein Bruchteil der roten Linien die der frühere Präsident gelegt hat, heißt es von Wissenschaftlern. „Berichte aus der Zeit Obamas diskutieren die verschiedenen Ultimaten bezüglich der Ukraine, dem Iran und etwas namens ‚ISIL‘“, stellte John Kerry fest, ein ehemaliger US-Senator. „Keine dieser roten Linien scheint, wenn sie verletzt wurde, irgendetwas ausgelöst zu haben. Ich stehe auf dem Schlauch, wie das zu erklären ist.“

Gewalt und Terror im islamischen Religionskrieg gegen die Juden

ManfredGerstenfeldDr. Manfred Gerstenfeld, Israel National News, 8. März 2016

Der aus vielen Teilen der islamischen Welt kommenden Gewalt ist kaum mit der andernorts zu vergleichen. Sie hat einen zunehmend religiösen Charakter gewonnen, wie in Mitchell Bards Buch „Death to the Infidels: Radical Islam’s War against the Jews[1] (New York, Palgrave Macmillan) gezeigt wird. Der Titel des vierten Kapitels des Buches fasst dies treffend zusammen: From terrorists to Jihadists.[2]

Dr. Mitchell G. Bard ist leitender Direktor der gemeinnützigen American-Israeli Cooperative Enterprise (AICE). Eine seiner wichtigsten Leistungen ist die Gründung und Leitung der Jewish Virtual Library, einer großen Enzyklopädie im Internet. Bard hat mehr als zwanzig Bücher veröffentlicht. Ein wichtiges unter vielen ist „The Arab Lobby: The Invisible Alliance that Undermines America’s Interests in the Middle East“.[3] Darin entlarvt er die vielen heterogenen Komponenten dieser Allianz, deren wichtigste die saudische Lobby ist.

Entwicklungen im Nahen Osten entfalten sich rasch weiter. Man kann sie unmöglich verstehen, ohne eine Infrastruktur an Kenntnissen zur Geschichte, den Ideologien und Konflikten der Region zu haben. Bards neues Buch leistet einen wichtigen Beitrag zu diesen Kenntnissen, obwohl es sich auf den Religionskrieg gegen Israel und die Juden konzentriert, der von einer Vielzahl gewalttätiger Strömungen des Islam gefördert wird. Das Buch kann als Überblick über den Hintergrund muslimischer antijüdische Aufwiegelung und Kriminalität beschrieben werden, das sich auf die vergangenen Jahrzehnte konzentriert.

Man könnte fälschlich glauben, dass ein Buch dieser Art unvermeidbar einen großen Teil seines Wertes verliert, während sich wichtige Ereignisse entfalten. Und obwohl diese seit der Veröffentlichung stattgefunden haben, bleibt das Buch stichhaltig, weil es den Zusammenhang und die Struktur hervorhebt, in denen diese Ereignisse stattfinden.

Eine aktuelle Entwicklung ist das zwischen der Obama-Administration, ihren Verbündeten und der iranischen Regierung abgeschlossene Übereinkommen, als könne man diesen für Völkermord unterstützenden schiitisch-muslimischen Totalitaristen vertrauen.

Eine weitere Entwicklung ist der Aufstieg der sunnitischen Bewegung Islamischer Staat, die in ihrer Grausamkeit andere muslimisch-religiösen Terrorbewegungen noch übertrifft. Langsam aber sicher beginnen weitere westliche Analysten zu begreifen, dass, während religiöses Bewusstsein und Identifikation unter Muslimen zunimmt, der sunnitisch-schiitische Konflikt immer wichtiger wird. Als Ergebnis davon werden weitere Menschen sterben.

Westliche Multikulturalisten haben viele Irrtümer propagiert. Einer davon lautet, dass alle Kulturen gleichwertig sind. Diese Behauptung mag von einem Laien nicht leicht zu dekonstruieren sein. Eine solche Erscheinungsform des moralischen Relativismus anzuerkennen heißt extremer islamsicher Gewalt einen Freibrief zu geben.

Ein weiterer Irrtum ist der Glaube, dass Islamismus sich strukturell vom Islam unterscheidet, statt eine extreme Version davon zu sein. Noch eine Täuschung lautet, dass das muslimische Recht, die „Scharia“, mit Demokratie kompatibel sei. Das Gegenteil ist der Fall: Sie ist antidemokratisches Ausgerichtetsein auf eine muslimische Theokratie.

Bard erklärt das alles gut. Er spricht sich zudem gegen eine weitere häufige Fehleinschätzung des Westens aus – dass Wahlen abzuhalten immer ein Zeichen von Demokratie ist. In der arabischen Welt negiert die Manipulation von Wahlen jeglichen Anschein demokratischer Absichten häufiger als sie das nicht tun.

Ein wichtiges Thema, dem Bard ein gesamtes Kapitel widmet, ist der Arabische Frühling. Viele Westler glaubten, dass das der Beginn demokratischer Veränderung war statt einer Serie an Ereignissen auf dem Weg in Chaos und Fanatismus. Um diesen Prozess in Ägypten aufzuhalten, waren zwei Revolutionen nötig. Der Arabische Frühling hat seit seinem Beginn zu vielen Massakern geführt. Die Zahl der Toten in Syrien übertrifft alle anderen, aber auch im Irak und in Libyen sind Zehntausende gestorben. Der Jemen ist ein weiteres Land, in dem eine große Zahl Menschen wegen der fortbestehenden Unruhen dem Tod ins Auge blickt.

Andere Bedenken und Probleme haben nur zugenommen, seit das Buch veröffentlicht wurde. Ängste nehmen zu, dass Saudi-Arabien früher oder später planen könnte Atomwaffen zu erwerben und dass Jordanien unter einem möglichen Ansturm des Islamischen Staats kollabieren könnte.

Bombardierungen – zumeist durch Amerikaner und in jüngerer Zeit auch durch die Russen – haben es geschafft die Ausweitung des Islamischen Staats einzudämmen und sogar den Umfang seines Territoriums etwas reduzieren können. Wer in den von ihnen gehaltenen Gebieten ihren Platz einnehmen wird, ist nicht klar. Eine territoriale Niederlage bedeutet allerdings nicht notwendigerweise eine ideologische Niederlage.

Der schlecht kontrollierte, massive Zustrom an Flüchtlingen aus muslimischen Ländern nach Europa erhöht die Wahrscheinlichkeit von Terroranschlägen der Art der Morde von Paris im November 2015. Man muss noch nicht einmal ein „Lizenznehmer“ einer Terrorgruppe sein, um Terrorist zu werden. Eine Kultur der Do-It-Yourself-Morde und Gewalt ist plötzlich unter extremen Muslimen entstanden. Juden und andere in Toulouse, Paris, Brüssel und Kopenhagen haben den Preis gezahlt.

Bard ist Obama und dessen internationaler Politik, seiner Gefühllosigkeit zu Israels Positionen und vielen anderen Aspekten gegenüber nicht gerade freundlich. Er erklärt, warum Israelis Obama nicht trauen; dem widmet er ein Kapitel zu den Vereinigten Staaten mit der Überschrift „Shattered Dreams: From Camp David’s success to Obamas Fiasco“[4] Man könnte hinzufügen: Wenn man den Äußerungen des amerikanischen Präsidenten zuhört, würde man nicht merken, dass die meisten von der US-Regierung als Terrorgruppen klassifizierten Organisationen muslimisch sind.[5]

Es gibt ein Thema, bei dem ich mit Bard nicht übereinstimme: Wenn er schreibt, dass muslimische Führer aufgekommen sind, die die Worte des Propheten verdrehen, um weitere ideologisch motivierte Märtyrer im Dienst des Islam zu werben. Er fügt hinzu, dass eine bedeutsame Ausdrucksform davon in den Lehren gefunden werden kann, dass Juden zu töten eine Möglichkeit ist das Paradies zu erlangen.

Aus meiner Sicht ist eine bestimmte Religion zu jeder gegebenen Zeit vorwiegend das, was ihre Anhänger daraus machen. Es gibt viele muslimische Gelehrte, die gewalttätige Interpretationen des Koran und der Scharia befürworten. Die Jihadisten haben, selbst als Minderheit, Dutzende, wenn nicht Hunderte Millionen Sympathisanten. Die theologische Debatte zum Islam sollte den muslimischen Gelehrten überlassen werden. Für Außenstehende legitimiert das Ausmaß der Unterstützung gewalttätiger Strömungen sie als eine zeitgenössische Ausdrucksform des Islam unter vielen.

Die aus der islamischen Welt ausströmende Bedrohungen der Menschheit sind gewaltig. Israel und die Juden sind im Ausland erheblich bedroht worden. Muslime selbst sind von Extremisten in den eigenen Ländern verletzt worden. Tatsächlich sind die große Mehrheit der Hunderttausende Muslime, die getötet oder verwundet wurden, und die Millionen Vertriebenen Schaden von ihren eigenen Glaubensbrüdern zugefügt worden.

Die falsche Handhabung der aktuellen großen Flüchtlingskrise durch die EU hat gezeigt, dass die meisten europäischen Mainstream-Führungskräfte die Gefahren immer noch nicht begriffen haben, die mit so vielen Aspekten des zeitgenössischen Islam einhergehen. Der Zustrom ebnet zudem den Weg für radikalere antiislamische Bewegungen in Europa.

Nach Erklärungen gegen Muslime des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump  sind die weit verbreiteten antiislamischen Ansichten in den Vereinigten Staaten offengelegt worden.

Um es zusammenzufassen: Dieses Buch hat Wert sowohl als weitere Ergänzung von Bards langer Liste an Beiträgen zu jüdischem Verstehen als auch als Quelle von Wissen, die vielen anderen von Nutzen sein kann. Sowie die Dinge sich entwickeln, kann man zum Buch zurückkehren, um die Infrastruktur dieser Veränderungen zu verstehen und sie in ihren passenden Kontext zu stellen.

[1] Tod den Ungläubigen: Der Krieg des radikalen Islam gegen die Juden

[2] Von Terroristen zu Jihadisten

[3] Die Arabische Lobby: Die unsichbare Allianz, die Amerikas Interessen im Nahen Osten aushöhlt.

[4] Zerschlagene Träume: Vom Erfolg von Camp David zu Obamas Fiasko.

[5] http://www.state.gov/j/ct/rls/other/des/123085.htm

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (06.-12.03.2016)

Sonntag, 06.03.2016:

Terrorzahlen: In der aktuellen Terrorwelle wurden 33 Menschen durch Terroranschläge getötet, 325 verletzt worden.

Der Mufti der Al-Aqsa-Moschee predigte am Freitag, die Israelis würden palästinensische Araber einfach so hinrichten. Nette Hetze.

Ende Januar nahmen IDF und Schabak einen Einwohner des Flüchtlingslagers Qabatiya bei Jenin fest, der sich von den Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden getrennt hatte und versuchte eine islamistische Terrorzelle aufzubauen. Die Gruppe hat schon einige Terroranschläge verübt. Laut YNet soll er in Ägypten eine Zelle für Angriffe auf Israel gegründet haben.

Auf dem Tempelberg hat ein Polizist zwei Juden daran gehindert aus einem Wasserspender zu trinken. Damit gibt die Polizei den rassistischen Forderungen der Araber nach, die Juden das Trinken von Wasser auf dem Tempelberg verbieten wollen.

Heckmeck:
– Der PA-„Botschafter“ in Frankreich sagte heute in Paris, es werde erwartet, dass die französische Friedenskonferenz im Juli stattfindet.

Montag, 07.03.2016:

PA-Fernsehen: Da lehrt einer, dass die USA und Israel Sex, Pornographie und Drogen in der arabischen Welt verbreiten. Präsident Bush habe damit das Ziel verfolgt „amerikanische Zivilisation und Kultur zu lehren“. Israel wolle „mit der globalen Verteilung alle Ausdrucksformen von Moral unter Arabern und Muslimen zerstören“.

Ein ehemaliger Minister der Partei Kadima will das „jüdische Jerusalem retten“, indem er die Stadt teilt. Es könnte sein, dass er damit den größten Teil aller Bevölkerungsgruppen eint – nämlich gegen seinen Plan (z.B. würden die Araber dann unter der PA leben, was ihnen überhaupt nicht gefällt).

Beim Treffen der islamischen Staaten in Jakarta konnte Abbas mal wieder nicht anders: Er behauptete erneut Israel würde den Tempelberg „verjuden“. An dem Gipfeltreffen nahm als willkommener Gast auch der wegen Kriegsverbrechen in Darfur zur Festnahme ausgeschriebene Präsident des Sudan teil.

Der Gipfel der islamischen Staaten in Jakarta forderte ein weltweites Verbot von „Siedlungsprodukten“.

Dienstag, 08.03.2016:

Polizei und IDF nahmen eine Araberin aus Nabi Saleh fest, die unter Verdacht steht einen Grenzpolizisten über Facebook bedroht zu haben.

Mahmud Abbas schickte einen Kondolenzbrief an die Familie einer Terroristin, die getötet wurde, als sie mit dem Auto in eine Gruppe Soldaten fuhr. Darin schrieb er, sie sei eine „Märtyrerin, das Land Palästina mit ihrer reinen Seele tränkte“. (Aus unbekannten Gründen trug das Schreiben den Briefkopf der „Botschaft des Staates Palästina“ in Jordanien.)

Die Fatah bezeichnet die Besuche jüdischer Paare auf dem Tempelberg vor ihrer Hochzeit als „Hetze“; das werde zur Zerstörung der Al-Aqsa-Moschee führen.

Heckmeck:
– Das Weiße Haus (Obama-Administration) arbeitet an einer weiteren „Friedensinitiative“ für Israel und die Terroristen. Dazu soll eine Resolution des UNO-Sicherheitsrats gehören, mit der eine „Lösung“ verhängt werden soll.

Mittwoch, 09.03.2014:

Gestern nahm ein (hareidischer) Jude das Messer, das ihm ein Terrorist in den Körper gerammt hatte und erstach damit den Terroristen. Die PA-Medien nennen das „Jüdischer Terrorismus: Israelis schlagen und stechen einen palästinensischen Jugendlichen zu Tode“.

Die Hamas feierte die drei schweren Terroranschläge gestern in Jerusalem, Tel Aviv und Jaffa.

Der offizielle Nachrichtensender der PA (Palestine TV) bezeichnete denselben Terroristen als „Märtyrer“ und die Opfer als „Siedler“. Somit sind also Besucher und israelische Araber ebenfalls „Siedler“. Warum?

Shin Bet und IDF nahmen einen PA-Araber fest, der im Oktober einen Israeli zweimal überfahren und so ermordet hatte. Der Mörder hatte sich ins Gewahrsam der PA-Polizei begeben; vor einigen Tagen ließ diese ihn frei. Jetzt verhaftete ihn eine Spezialeinheit der IDF.

Nach den Anschläge am Damaskustor fuhr die Straßenbahn eine Zeit lang nur eine verkürzte Strecke.

Beim Anschlag gestern (Dienstag) in Jaffa benutzte ein Musiker seine Gitarre, um den Terroristen damit zu schlagen und in die Flucht zu treiben. Die Gitarre ist jetzt natürlich unbrauchbar. In den USA richtete ein Mann deshalb einen Spendenfonds ein, um dem Musiker sein Instrument zu ersetzen. Spender aus aller Welt gaben innerhalb von einem Tag fast 5000 Dollar.

Donnerstag, 10.03.2016:

Zum Tag der Frau hatte das PA-Fernsehen wieder Vorbilder für die weibliche Bevölkerung – Terroristinnen, die Juden ermordeten. Dalal Mughrabi (1978, das „Küstenstraßen-Massaker) und die Selbstmord-Bomberinnen Wafa Idris, Ayyad Al-Akhras und Andalib, Takatka; diese „Damen“ haben zusammen 46 wehrlose Juden ermordet.

Die Polizei von Tel Aviv untersucht, ob er Terrorist von Jaffa gestern erschossen wurde, nachdem er bereits neutralisiert war.

Die Polizei nahm in einer groß angelegten Aktion innerhalb von 24 Stunden mehr als 250 illegal im Land befindliche Araber fest, ebenso israelische Staatsbürger, die unter Verdacht stehen die Illegalen zu unterstützen und sie ins Land geholt zu haben.

Eine Meinungsumfrage ergab, dass 63% der Israelis dafür sind die Familien von Terroristen in den Gazastreifen zu deportieren. 77% finden, die Regierung tut nicht genug gegen die aktuelle Terrorwelle.

Freitag, 11.03.2016:

Der Minister für interne Sicherheit hat angeordnet, das die Familie eines Terroristen, der diese Woche 2 Grenzpolizisten verletzte (und dabei getötet wurde) aus Jerusalem ausgewiesen wird. Der Vater des Terroristen steht im Verdacht ihm geholfen zu haben den Anschlag auszuführen. Die Familie kann an einen beliebigen Ort in Judäa und Samaria ziehen.

Diese Woche (Donnerstag) schloss der Schabak in Zusammenarbeit mit IDF und Polizei den Sender Falastin al-Yum (Palästina heute); er wurde vom Palästinensischen Islamischen Jihad betrieben und sendete Fernseh- und Radioprogramme auch über das Internet und soziale Medien. Der PIJ nutzte den Sender, um die arabische Bevölkerung aufzuhetzen. Der Direktor des Senders wurde festgenommen. Der Sender setzte am Freitag sein Programm aus dem Gazastreifen fort.

Samstag, 12.03.2014:

Die Hamas reklamierte inzwischen die Raketen von gestern für sich.

Kurz vor dem Raketenangriff hackten sich Hamasniks in den Satellitenfeed des Kanal 2 (während dort die israelische Version von „Big Brother“ lief) und hinterließen eine Aufforderung an die Juden, sie sollten das Land verlassen.

Nach den israelischen Gegenschlägen ließ die Hamas wissen, ihre „Geduld“ wegen Toten im Gazastreifen sei begrenzt. (Wie üblich begeht Israel Verbrechen, während der Terror völlig in Ordnung ist – und sie tun natürlich so, als hätten die Israelis keinen Grund für ihr Tun und als wäre es schon gar nicht so, dass diese Gegenschläge nicht kommen würden, würden es keine Mordversuche per Raketenbeschuss geben.)

Kein Frieden für unsere Zeit

Charles Krauthammer, Washington Post, 20. März 2015 (s. auch: Jewish World Review, 20.03.15)

Von all dem Schwachsinn, der in Reaktion auf Benjamin Netanyahus überwältigenden Wahlsieg geäußert wurde, ist keiner allgegenwärtiger als die Idee, dass die Friedensaussichten jetzt tot sind, weil Netanyahu erklärte, es werde keinen Palästinenserstaat geben, während er Israels Premierminister ist.

Ich habe Neuigkeiten für die blökenden Herden: Es würde auch keinen Frieden und keinen Palästinenserstaat geben, wenn Isaac Herzog Premierminister wäre. Übrigens auch nicht mit Ehud Barak oder Ehud Olmert. Die beiden letzten waren Premierminister (nicht vom Likud), die den Palästinensern ihren eigenen Staat anboten – mit Jerusalem als Hauptstadt und jeder israelischen Siedlung aus dem neuen Palästina entfernt – nur um rüde zurückgewiesen zu werden.

Das ist keine alte Geschichte. Das sind die Jahre 2000, 2001 und 2008 – drei erstaunlich entgegenkommende Friedensangebote innerhalb der letzten 15 Jahre. Jedes einzelne zurückgewiesen.

Die grundlegende Realität bleibt: Diese Generation der Palästinenserführung – von Yassir Arafat bis Mahmud Abbas – hat nie und wird nie ihren Namen unter ein Endstatusabkommen setzen, das das Land mit einem jüdischen Staat teilt. Und ohne das wird keine israelische Regierung welcher Art auch immer einem Palästinenserstaat zustimmen.

Heute jedoch gibt es einen zweiten Grund dafür, dass ein Friedensabkommen unmöglich ist: Die allgegenwärtige Instabilität des gesamten Nahen Ostens. Ein halbes Jahrhundert lang wurde er von Diktatoren geführt, die niemand mochte, aber mit denen man handeln konnte. Das Entflechtungsabkommen mit Syrien 1974 z.B. brachte mehr als vier Jahrzehnte fast vollständiger Ruhe an der Grenze, weil die Assad-Diktatoren es befahlen.

Das autoritäre Regime ist nicht mehr, gestürzt vom Arabischen Frühling. Syrien ist von einem mehrteiligen Bürgerkrieg ruiniert worden, in dem mehr als 200.000 Menschen getötet wurden und der Al-Qaida-Verbündete, Hisbollah-Kämpfer, Regierungstruppen und sogar gelegentlich einen iranischen General an der israelischen Grenze umherstreifen sieht. Wer wird erben? Das weiß niemand.

In den letzten vier Jahren hat Ägypten zwei Revolutionen und drei radikal unterschiedliche Regime erlebt. Der Jemen verwandelte sich derart schnell von einem pro-amerikanscihen Land in einen Anhänger des Iran, dass die Vereinigten Staaten ihre Botschaft in Panic evakuieren mussten. Libyen ist vom wahnsinnigen Autoritarismus Moammar Gaddafis in einen jihadistisch beherrschten Bürgerkrieg übergegangen. Am Mittwoch traf Tunesien, der einzige relative Erfolg des Arabischen Frühlings, ein großer Terroranschlag, von dem der Premierminister sagte, er „zielt auf die Stabilität des Landes“.

Von Mali zum Irak ist alles im Fluss. Durch welche Zauberkraft wäre in diesem Chaos die Westbank – zerrissen von einer bitteren Rivalität zwischen Fatah und Hamas – eine Insel der Stabilität? Was würde irgendeinem israelisch-palästinensischen Friedensabkommen auch nur einen Funken an Haltbarkeit geben?

Es gab eine Zeit, da befehligte Arafat die Palästinenserbewegung in der Art wie Gaddafi Libyen befehligte. Abbas befehligt niemanden. Warum, glauben Sie, ist er im elften Jahr seiner vierjährigen Amtszeit und lehnt es seit fünf Jahren ab Wahlen abzuhalten? Weil er Angst hat, dass er gegen die Hamas verliert.

Mit oder ohne Wahlen könnte die Westbank an die Hamas fallen. Von wo an dann Feuer auf Tel Aviv, den Ben Gurion-Flughafen und das gesamte israelische städtischer Kernland fällt – genauso, wie es im südlichen Israel aus dem Gazastreifen regnet, wenn es der Hamas passt, die diesen ersten Palästinenserstaat in eine terroristische Abschussrampe verwandelt hat.

Jede arabisch-israelische Friedensregelung würde verlangen, dass Israel gefährliche und von Haus aus nicht umkehrbare territoriale Zugeständnisse zur Westbank macht und im Gegenzug Versprechen und Garantien bekommt. Unter den derzeitigen Bedingungen würden diese in Sand geschrieben sein.

Nun, sagen die Kritiker. Israel könnte Garantien von außen erhalten. Garantien? Wie das Memorandum von Budapest aus dem Jahr 1994, in dem die USA, Großbritannien und Russland „die territoriale Integrität“ der Ukraine garantierten? Wie die roten Linien in Syrien? Wie die einstimmigen UNO-Resolutionen, die jede Anreicherung von Uran durch den Iran für illegal erklären – und die jetzt praktisch nicht existent gemacht wurden?

Frieden setzt drei Dinge voraus. Dass die Palästinenser endlich einen jüdischen Staat akzeptieren. Dass ein Palästinenserführer bereit ist ein Abkommen unterschreiben, das auf dieser Voraussetzung gründet. Ein Mindestmaß an regionaler Stabilität, die es Israel gestattet die potenziell tödlichen Abzüge zu riskieren, die ein solches Abkommen mit sich bringt.

Ich glaube, ein solcher Tag wird kommen. Doch es gibt jetzt oder kurzfristig absolut keine Chance dafür. Das ist im Wesentlichen das, was Netanyahu am Donnerstag sagte, als er seine „Kein Staat Palästina“-Äußerung erklärte (und abschwächte).

In der Zwischenzeit verstehe ich die erdrückende Enttäuschung der Obama-Administration und ihrer Medien-Pudel angesichts des spektakulären Erfolgs des Führungspolitikers aus dem Ausland, den sie mehr als alles andere auf dem Planeten hassen. Das folgerichtige Schäumen und Spritzen sind verständlich, wenn auch ungebührlich. Netanyahu für verscheuchten Frieden verantwortlich zu machen ist jedoch hirnlos.

Verursacht die Obama-Administration Antiisraelismus?

Manfred Gerstenfeld, 16. Februar 2015 (direkt vom Autor)

Haben die Spannungen zwischen der Obama-Administration und der Regierung Netanyahu zu einer Zunahme amerikanischen Antiisraelismus und Antisemitismus geführt und haben diese Spannungen die Bewegung zur Delegitimierung Israels angekurbelt? Diese Fragen können zwar nicht wissenschaftlich beantwortet werden, aber es gibt dabei mehrere Elemente, die uns helfen über dieses Thema nachzudenken.

Das Hauptproblem liegt vermutlich in Obamas oft gewollt gleichgültiger Haltung zu schweren Verbrechen, die aus großen Teilen der muslimischen Welt kommen. Diese verzerrte Einstellung hat sich von Beginn seiner Amtszeit bis heute gezeigt.

Eine der absurdesten Bekundungen der Haltung Obamas präsentierte sich 2014, als die im Irak und Syrien stattfindenden Massenmorde und Enthauptungen – begangen von der extremistischen Muslim-Organisation Islamischer Staat (IS) – weithin bekannt wurden. Einige Beobachter, darunter Obama, begannen den IS als die Verkörperung des puren Bösen zu bezeichnen.1 In einer Rede über die Bewegung sagte Obama allerdings, dass der IS „nicht islamisch“ sei und fügte hinzu: „Keine Religion billigt das Töten von Unschuldigen.“2

Obamas Meinung wurde vom britischen Premierminister David Cameron geteilt, der zum IS erklärte: „Sie prahlen mit ihrer Brutalität. Sie behaupten, das im Namen des Islam zu tun. Das ist Unsinn. Der Islam ist eine Religion des Friedens. Sie sind keine Muslime, sie sind Monster.“3

Plato sprach vom Philosophen-König; Obama und Cameron schienen ein paralleles Konzept einzuführen – das des politischen Führer-Theologen. Das ist eine bemerkenswerte Meisterleistung, da sie auf die Theologie des Islam verweisen, aber selbst keine Muslime sind.

Der amerikanische Terrorexperte Andrew C. McCarthy weist darauf hin, dass

gleichwohl die Auffassung falsch ist, dass der Islamische Staat etwas Neues und Anderes und Anormales ist, vergleicht man ihn mit der islamisch-herrenmenschlichen Bedrohung, mit der wir seit drei Jahrzehnten leben; vielleicht ist sie gefährlich falsch. Enthauptung ist keine neue Terrormethode der Jihadisten und es ist bei weitem kein Einzelfall des Islamischen Staates. In der Tat … wurde sie vor kurzem von islamisch-herrenmenschlichen Elementen der von den USA gestützten Freien Syrischen Armee gegen den Islamischen Staat angewandt.4

Indem der IS für „unislamisch“ erklärt wird, bietet Obama dem völkermörderischen Islam Deckung. Die Haltung zur Hamas ist nur ein weiteres Beispiel dafür, dass die amerikanische Regierung das beschönigt, was nur als Islamo-Nazismus bezeichnet werden kann. Die Obama-Administration betrachtet die Hamas als wünschenswertes Mitglied der palästinensischen Einheitsregierung.5 Man könnte sich daran erinnern, dass die Hamas in ihrer offiziellen Charta zur Ermordung aller Juden aufruft, um Allah zu gefallen.6 Während der Operation Fels in der Brandung im letzten Sommer wiederholten Hamas-Führer immer wieder den Aufruf alle Juden zu töten.7

Obama verschließt weiter die Augen vor dem Problem Hamas. In einem Interview mit Thomas Friedman von der New York Times sagte er: „Auf gewisse Weise ist Bibi [Netanyahu] zu stark [und] auf gewisse Weise ist [Abbas] zu schwach, um sie zusammenzubringen und die Art von mutigen Entscheidungen zu treffen, die [der ehemalige ägyptische Präsident] Sadat oder [die israelischen Premierminister] Begin oder Rabin zu treffen bereit waren.“8 Es war ein radikal falscher Vergleich, den er da einbrachte. Hinter Abbas und seiner Fatah-Bewegung steht eine starke Islamo-Nazi-Bewegung, die Hamas, die bei den Palästinensern beliebter ist als die Fatah. Die Hamas gewann in den einzigen palästinensischen Wahlen, denen von 2006, eine parlamentarische Mehrheit. Sadat jedoch repräsentierte die legitime ägyptische Regierung.

Die Probleme mit Obamas verzerrter Sicht auf die muslimische Welt waren bereits in seiner Rede 2009 in Kairo offensichtlich.9 Obama gab Apologetik und Appeasement Ausdruck und spielte die starke Kriminalität herunter, die in vielen Teilen der muslimischen Welt verbreitet sind. Der amerikanische Präsident legte zweierlei Maß an, indem er viele wichtige Fakten ausließ. Er sagte, dass es an der Zeit sei den israelischen Siedlungen einen Riegel vorzuschieben. Er sagte jedoch nicht, dass es „für Ägypten und viele andere muslimische Staaten an der Zeit ist der mörderischen antisemitischen Hetze gegen Juden einen Riegel vorzuschieben“. Obama, ein selbsternannter Christ, erwähnte die kontinuierliche Verfolgung und Hetze gegen Christen nicht, die in einer Vielzahl muslimischer Länder stattfindet. Er ignorierte sogar wichtige amerikanische Interessen, da er nichts sagte, das in der Richtung von „in diesem neuen Jahrhundert haben wir am 9/11 einen nie da gewesenen Terroranschlag erlebt, der von den religiösen Überzeugungen wichtiger Krimineller getrieben war“ ging.

Die von der muslimischen Welt ausgehenden andauernden Probleme und Gefahren sind die wichtigsten geopolitischen Themen, die das Leben in vielen westlichen Demokratien und den Weltfrieden bedrohen. In seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen 2013 sagte Obama aber: „Kurzfristig werden sich Amerikas politischen Anstrengungen auf zwei spezielle Themen konzentrieren: Irans Streben nach Atomwaffen und den arabisch-israelischen Konflikt. Diese Probleme sind zwar nicht die Ursache aller Probleme der Region, sind aber viel zu lange eine wichtige Quelle der Instabilität gewesen und sie zu lösen kann helfen als Grundlage eines breiteren Friedens zu dienen.“ Ein großer Teil seiner Rede war dem palästinensisch-israelischen Konflikt gewidmet, statt der Konzentration auf die vorliegenden größeren Probleme.10

Es sollte jedoch nicht allzu lange dauern, bis Obama entschied, dass die USA sich im Irak wieder militärisch engagieren müssen, um die IS-Bewegung zu bekämpfen. Das amerikanische Militärengagement wurde dann auf Syrien ausgeweitet, wo die USA bisher militärisch nicht involviert waren. Seitens der Obama-Administration herrscht bisher aber – außer im Thema eines atomaren Iran – immer noch Schweigen zu den vielen anderen die Welt bedrohenden Aspekten einer Vielzahl von Entwicklungen in der islamischen Welt.

Ein amerikanisch-jüdischer Leiter, mit dem wir vertraulich sprachen, erwähnte zudem die muslimische Verbindung. Er sagte: „Wenn der Administration nahe stehende Menschen auf Israel eindreschen, trägt das – wenn auch nicht explizit – zu einem Klima bei, das es leichter macht Israel an den Universitäten und in einem geringeren Ausmaß auch in einigen Kirchenkreisen schlecht zu machen. Es entgeht auch niemandem, dass die Administration die Muslimbruderschaft weiter als positive Instanz betrachtet, mit der Amerika Geschäfte machen kann – was der Hamas praktisch ein Rettungsleine zugeworfen hat.“

Er fügte hinzu: „Was Antisemitismus angeht: Die Administration hat das Justizministerium nicht eilig daran gesetzt antisemitische Vorfälle zu untersuchen. Obamas Justiz konzentriert sich in erster Linie auf Rassenfragen. Auf der positiven Seite steht der zweckbestimmte Ernst, mit dem Ira Forman, der Sondergesandte für Antisemitismus, seine Aufgabe wahrnimmt.“

Es wäre für Akademiker und andere Israel-Boykotteure außerordentlich schwierig gewesen voranzukommen, wären Obama und seine Administration bezüglich der Bedrohungen der Menschheit ehrlich gewesen, die aus großen Teilen des Islam kommen. Die Boykotteure wären leicht als die Antisemiten entlarvt worden, die sie sind, denn sie wären zurecht als sich auf das konzentrierend betrachtet worden, was ein äußerst marginales Thema war, während die zivilisierte Welt auf Antworten auf die aus großen Teilen des Islam kommenden Bedrohungen gewartet hätte. Zu diesen Bedrohungen gehören extreme Gewalt, Jihadismus, Mission, die Vertreibung von Christen, Diskriminierung von Frauen und Sklaverei, um nur eine begrenzte Auswahl zu nennen.

Dass ein Obama-Beamte Netanyahu mit „feige Sau“ und anderen Hass-Ausdrücken bedachten, die der amerikanische Journalist J.J. Goldberg anführt, hätte kaum eine Rolle gespielt, wenn die Administration sich auf Verbrechen konzentriert hätte, die aus muslimischen Gesellschaften kommen.11 Diese Äußerungen wären zurecht als die Ausreißer von Menschen betrachtet worden, die von der US-Administration gar nicht erst hätten beschäftigt werden sollen.

Die Antwort auf die Frage scheint daher zu sein, dass die Obama-Administration die Delegitimierung Israels unterstützt und Antiisraelismus bewirkt. Das ergibt sich in erster Linie jedoch nicht aus einer Mehrdeutigkeit ihrer Haltung gegenüber Israel, sondern ist eher das Ergebnis ihres Übertünchens vieler der schweren Verbrechen, die aus großen Teilen der islamischen Welt auftauchen.

 

1 Rukmini Callimachi: Obama Calls Islamic State’s Killing of Peter Kassig ‘Pure Evil’. The New York Times, 16. November 2014.
2 Statement by the President on ISIL. The White House, 10. September 2014.
3 https://www.youtube.com/watch?v=IFmCkJ92DRw.
4 Andrew McCarthy: The Islamic State is Nothing New. National Review Online, 3. September 2014.
5 Lesley Wroughton/Patricia Zengerle: Obama administration to work with Palestinian unity government. Reuters, 2. Juni 2014.
6 Hamas Covenant 1988. Yale University, 2008.
7 Michael Wilner: For Gaza critics, lessons from ISIS on genocide. The Jerusalem Post, 9. August 2014.
8 Thomas L. Friedman: Obama on the World. The New York Times, 8. August 2014.
9 Text: Obama’s Speech in Cairo. The New York Times, 4. Juni 2009.
10 Remarks by President Obama in Address to the United Nations General Assembly. The White House, 24. September 2013.
11Jeffrey Goldberg: The Crisis in U.S.-Israel Relations Is Officially Here. The Atlantic, 28. Oktober 2014

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (15.-21.02.2015)

Sonntag, 15.02.2015:

Tony Blair (offizieller Gesandter des Nahost-Quartetts) besuchte den Gazastreifen. Er warnte vor einem „weiteren Ausbruch“ in den PA-Gebieten. Diese Warnung scheint sich allerdings an die Hamas zu richten. The Times of Israel berichtet aber auch, dass Blair Ägypten und Israel aufforderte die Handelseinschränkungen für den Gazastreifen aufzuheben. Der Gazastreifen sollte nicht vom Rest der Welt und dem Rest der Palästinensergebiete getrennt sein. (Der Mann glaubt immer noch, wenn es den Menschen im Gazastreifen wirtschaftlich besser geht, würde der Konflikt enden…)

Nett: Die US-Regierung wird Israel nicht weiter über die Gespräche mit dem Iran informieren. Das soll wohl eine „Bestrafung“ dafür sein, dass Netanyahu vor dem Kongress reden wird.

Benjamin Netanyahu soll vorhaben die Patriarchenhöhle in Hebron zu besuchen. Fatah und Hamas „warnen“: Das sei eine „ernste Eskalation“. Der „Kriminelle Netanyahu“ wird vor den Folgen der „Stürmung und Schändung“ der „Ibrahimi-Moschee“ gewarnt.

Montag, 16.02.2015:

Mahmud Abbas‘ Fatah droht mit Raketenangriffen und dem „Ende von Israel“.

Dienstag, 17.02.2015:

Der oberste religiöse Führer der PA behauptet die Al-Aqsa-Moschee sei von Israel „bedroht“ und erneuert die Aufrufe, die im Oktober/November zu einer Terrorwelle führten. Angeblich will Israel jetzt schon wieder den Tempel bauen, „auf den Ruinen der gesegneten Al-Aqsa-Moschee“. Und Abbas‘ Berater für Religionsfragen fordert, dass die UNESCO Israel davon abhalten muss „das humanitäre Erbe in Jerusalem zu zerstören“.

Mittwoch, 18.02.2015:

Vor etwa zwei Jahren wurde die kleine Adele Biton durch einen Steinfwurf-Anschlag von Arabern extrem schwer am Kopf verletzt. Sie musste viele Operationen durchmachen, lag fast ein Jahr im Koma und behielt erhebliche Schäden. Diese schwächten sie so sehr, dass sie jetzt eine Lungenentzündung nicht überlebte; sie wurde 4 Jahre alt. Heute wurde sie beerdigt. Die Terroristen haben also auf Umwegen ihr Ziel des Judenmordes doch noch erreicht.

Donnerstag, 19.02.2015:

Mahmud Abbas‘ Fatah – die „Friedenspartner“ – pries drei japanische (kommunistische) Terroristen, die 1972 in Israel 24 Menschen (8 Israelis, 16 Touristen) ermordeten und mehr als 70 verletzten, als „Kämpfer für Palästina“ in einem Internet-Post, der auch das Denkmal für die Terroristen in Beirut zeigt.

Tony Blair hatte anscheinend eine unverschämte Frage gestellt: Ob die Hamas eine Islamistengruppe oder an Frieden interessiert ist. Die Hamas nahm das zum Anlass, ihm vorzuwerfen, er stelle „neue Vorbedingungen für den Wiederaufbau des Gazastreifens“.

Montag, 23.02.2015:

Die Terroranschläge in Jerusalem haben seit Oktober abgenommen, ihre Zahl ist aber immer noch sehr hoch.

Der Shin Bet hob im Januar in Hebron eine Terrorzelle aus, die eine Serie an Terroranschlägen plante, darunter auch Selbstmord-Bombenanschläge.

Knessetsprecher (Parlamentspräsident) Yuri Edelstein sagte in einer Ansprache bei der Jerusalem-Konferenz, dass er zwar ein Friedensabkommen mit der PA/PLO in den nächsten Jahren nicht für möglich hält, aber die Idee die arabische Bevölkerung „aus Israel hinauszutransferieren“ keine Option ist und von den Juden nicht ernsthaft erwogen wird. Juden und Araber müssten schlicht lernen miteinander zu leben.

Die Israel Electric Company hatte ihre Drohung wahr gemacht und wegen der unbezahlten Stromrechnungen die Lieferungen eingestellt – jedenfalls für zwei Stunden am Tag, eine Stunde am Vormittag, eine weitere am Abend.