Weltkirchenrat greift Israel und Zionismus an

Michael Curtiss, Balfour Post, 5. Juni 2013

Seit mehr als zweitausend Jahren streiten sich Historiker und Analysten darüber, wie man die Berichte aus der Vergangenheit und der Gegenwart darstellen soll. Einige haben angestrebt Mitgefühlt oder Mitleid wegen der Leiden und Schwierigkeiten der Völker zu wecken, über die sie diskutieren. Andere haben ein Porträt präsentiert, das weniger emotional und dramatisch ist und eines, aus dem allgemeine Lehren gezogen werden können.

Es ist klar, dass viele – vielleicht eine Mehrheit – derer, die über den Zustand der palästinensischen Araber im Nahen Osten und das Verhalten des Staates Israel ihnen gegenüber schreiben oder sprechen, den ersten Ansatz gewählt haben. Das wurde gerade von den Äußerungen von Gremien großer christlicher Kirchen bestätigt. Am 24. Mai 2013 genehmigte die Vollversammlung der Church of Scotland den Bericht eines Komitees mit dem Titel „Das Erbe Abrahams?“. Der Bericht wurde ergänzt, weil die Kirche zugab, dass er „Sorge und Betroffenheit bei Teilen der jüdischen Gemeinschaft in Israel und darüber hinaus verursachte“. Diese Sorge wurde angemessen begründet. Selbst nach den angeblich moderateren Passagen in den Veränderungen des Dokuments beinhaltet es weiter dies: „Christen unterstützten Israel als Buße für Antisemitismus und den Holocaust. Als Israel dann durch die Misshandlung der Palästinenser umstrittener wurde, schwiegen die Christen.“

Der gesamte Bericht war in seiner antiisraelischen Haltung tendenziös und einseitig, sogar in dem Glauben an christliches Schweigen zu Israel. Fakt ist, dass das Gegenteil der Fall gewesen ist, da eine große christliche Kirche nach der anderen eifrig Israel wegen seines Handelns oder Nichthandelns den Palästinensern gegenüber verurteilte. Der jüngste Fall ist eine am 29. Mai 2013 vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und dem Nahost-Rag der Kirchen auf einer internationalen und ökumenischen Konferenz in Beirut (Libanon) veröffentlichten Erklärung. Repräsentanten jeder christlichen Kirche im Nahen Osten und aus christlichen Kirchen in 34 Staaten nahmen an dem Treffen im Kloster Notre Dame du Mont teil, um über „Christin im Nahen Osten: Gegenwart und Zeugnis“ zu diskutieren.

Die Konferenz sprach allgemein von zeitgenössischen Problemen im Nahen Osten und war sich dieser bewusst: Die Intensivierung religiöser Stammessysteme; die Zunahme des Fundamentalismus in vielen der Religionen der Welt; die Streuung des Einflusses radikalisierte islamistischer Gruppen; weit verbreitete Gewalt und Unsicherheit; ein Defizit an demokratischer Legitimität und Glaubwürdigkeit; Armut und das Fehlen von Chancen, besonders für Frauen und junge Leute.

Aber dennoch wurde nach der Erwähnung „christlicher Auswanderung aus der Region und ein pauschalisiertes Gefühl der Verlassenheit nach Jahrzehnten nicht hilfreicher Intervention“ das wahre Problem des Umgangs der Araber mit Christen nicht genannt, die verfolgt worden sind und die arabischen Länder in großer Zahl verlassen. Der Bericht behandelte nicht einmal das Schlachten in Syrien ein paar Kilometer vom Konferenzort entfernt, dass 80.000 Menschen abgeschlachtet und fast einen Million zu Flüchtlingen gemacht wurden.

Stattdessen folgte man dem bekannten und irreführenden palästinensischen Narrativ des Opfer seins. Unter Ausklammerung der gegenwärtigen, unglaublichen Turbulenzen in der arabischen Welt wie auch der täglichen Berichte aus Syrien fliehender Palästinenser und dem Präsident Assad unterstützenden Eintritt der Hisbollah in das Land definierte dieser ÖRK das bestehende Problem auf unfassbare Weise. Für den ÖRK „ist weiter Palästina das zentrale Problem in der Region“. Das sei für den Aufruhr in der Region zentral, ein Aufruhr, der die Doppelzüngigkeit der westlichen Mächte verschärfte, besonders die der USA. Dieser Aufruhr wurde erklärt mit der „Fortdauer, nach 65 Jahren, der steten Enteignung des palästinensischen Volks … das sein Land durch israelische Besatzung, fortgesetzte Siedlung auf Land innerhalb der Grenzen von 1967 durch einen Staat, der durch überwältigende militärische Macht und externe Bündnisse und Einfluss die Macht dazu hat“.

Der ÖRK war in diesem massiven Angriff auf Israel und der Vernachlässigung der Kämpfe, die man vom Tagungsort im Kloster vielleicht hören konnte, sowohl konkret als auch allgemein. Er behauptete, Jerusalem sei eine „besetzte Stadt mit einer Regierung, die diskriminierende Politik gegen Christen wie Muslime anwendet“. Der Rat sagte nichts zu Diskriminierung von Christen in anderen Ländern oder in Saudi-Arabien, wo christliche Glaubensausübung verboten ist. Stattdessen forderte der Rat, Jerusalem solle eine offene Stadt mit „gewissenhaftem Schutz“ seiner heiligen Stätten der drei Religionen sein, womit die Tatsache ignoriert wurde, dass Israel genau das aus seiner Sorge um die freie Religionsausübung gemacht hat.

Der ÖRK ging sogar in seiner unausgewogenen, sektiererischen und kurzsichtigen Erklärung noch weiter. Er griff Christen an, die seine Ansichten nicht teilen. Er behauptete: „Christen, die ‚christlichen Zionismus‘ fördern, verzerren die Interpretation des Wortes Gottes und die historische Verbindung der Palästinenser – Christen wie Muslime – zum Heiligen Land.“ Der ÖRK ist offenbar nicht nur heiliger  als alle anderen Christen, die mit seiner von Gott erhaltenen Botschaft nicht überein stimmen, sondern er unterstellt auch – auf weniger subtile Art – eine jüdische Weltverschwörung. Der ÖRK meint, dass christliche Zionisten „die Manipulation der öffentlichen Meinung durch zionistische Lobbys ermöglichen und innerchristliche Beziehungen Schaden zufügen“. In seinem extrem respektlosen Rat empfahl der ÖRK, dass er – vielleicht mit Hilfe eines Kreuzzugs und gewiss unter Andeutung einer Vendetta – seine akademischen Ressourcen versammelt und seine ökumenischen Partner konsultiert, um das Thema des christlichen Zionismus anzugehen, sein Quellen, seinen Gebrauch als politische Waffe gegen das palästinensische Volk und seine Auswirkungen auf die innerchristlichen Beziehungen aufzudecken.

Es ist beschämend, dass der ÖRK statt objektiver Analyse die palästinensische Wahrnehmung ihrer Lage nachgeahmt hat, die – zusätzlich zu echten Problemen – die Palästinenser als Opfer, als das internationale Symbol der Unterdrückten, präsentiert. Diejenigen – einschließlich des ÖRK – die sich mit den Unterdrückten oder mit den angeblichen Opfern identifizieren, haben die Sache der Palästinenser und die Verurteilung Israels zum Hauptfokus ihrer Agenda der Nahost-Angelegenheiten gemacht. Der ÖRK, angetrieben von einer modischen, politisch korrekten, antiwestlichen Ideologie der kollektiven Identifizierung mit den angeblich Unterdrückten, hat die Diskussion der verstörenden Probleme des Nahen Ostens von den akuten in Syrien, dem Libanon, Irak, Ägypten und dem Iran auf die vermeintlichen Unzulänglichkeiten Israels verschoben.

Es ist beschämend, dass er ÖRK Mitchristen in falschen Verdacht bringt, diejenigen christlichen Zionisten, die eine andere Wahrnehmung Israels haben und ihre Anteilnahme und Liebe für den jüdischen Staat beweisen. Der ÖRK und diejenigen christlichen Organisationen und Einzelpersonen, die mit seiner Erklärung übereinstimmen, sollten sich bewusst sein, dass ihre Behauptungen zu Israel und dem christlichen Zionismus, die nicht als Argumentationsfaden gewürdigt werden können, dem Beginn von Verhandlungen für eine friedliche Regelung des arabisch-israelischen Konflikts abträglich sind und diese behindern.

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„Kairos Palästina“: Vom Geflunker zum Größenwahn

Malcolm Lowe, Hudson New York, 23. Dezember 2011

Ende 2009 tat sich eine kleine Gruppe christlicher palästinensischer Geistlicher und Laien zusammen und ersann ein Dokument mit dem Titel „Kairos Palästina“. Im Wesentlichen bewarben sie damit bekannte palästinensische Bestrebungen, verkleidet mit ein paar theologischen Floskeln. Selbst nach derzeitigen palästinensischen Standards war es eine extreme Erklärung. Zum Beispiel wurde eine Befürwortung der Zweistaaten-Lösung für Israel und die Palästinenser vermieden.

Jetzt, zwei Jahre später, hat der harte Kern der ursprünglichen Autoren in Bethlehem mit Unterstützern aus dem Ausland eine Konferenz zum Jahrestag abgehalten. Diesmal machten sie sich zum Tribunal, vor dem alle Kirchen der Welt angeklagt wurden, sie zeigten nicht genug Begeisterung für das damalige Dokument. Damit geriet es vom Geflunker zum Größenwahn.

Die von dieser Konferenz kommenden Äußerungen manifestieren einen Mix aus Triumph und Wut. Triumph, denn verschiedene Kirchenbürokraten – hauptsächlich in den Nahost-Ressorts einiger protestantischer Kirchen – hatten sich viel Mühe gegeben, um für das Dokument zu werben. Wut, weil die Aufnahme in den Kirchen insgesamt zumeist nur lauwarm war. Zum Beispiel ging der Versuch, das Dokument in den Niederlanden zu bewerben, nach hinten los, da prominente Kirchenleiter seine Vorschläge ablehnten.

In der Tat hat es beträchtliche Kritik an dem Dokument durch jene ernsten christlichen Theologen gegeben, die sich die Mühe machten, sich damit auseinanderzusetzen. Der Autor dieses Textes war einer der ersten, der die Anmaßungen und Täuschungen des Dokuments offen legte.

Triumph und Wut prägten die Eröffnungserklärung der Gedenkkonferenz durch Rifat Odeh Kassis. Einerseits proklamierte er, „Kairos Palästina verwandelt sich in eine breite Dachbewegung“ und sieht das Aufkommen einer „globalen Kairos-Koalition“ voraus. Andererseits beschimpfte er die Kirchen in Bausch und Bogen: „Wir können das Schweigen der Kirchen nicht länger akzeptieren!“ „Wir können keine finanzielle Unterstützung von einer Kirche oder Organisation akzeptieren, wenn diese sich nicht verpflichtet, für die Beendigung der Besatzung zu arbeiten.“ „Wir können die Argumente, welcher Kirche auch immer, nicht akzeptieren, die in ihren Ansichten ‚ausgewogen‘ sein will.“ Und so weiter und so weiter.

Kassis verlangte außerdem Monopolrechte über christliche Pilgerfahrten. „Wir werden uns laut dagegen aussprechen, dass irgendwelche Kirchen Touren ins Heilige Land organisieren, ohne uns zu besuchen“, drohte er. Darüber hinaus berichtete die Lokalpresse – auch wenn die Online-Zusammenfassung seiner Rede das nicht erwähnt – dass er eine „Kampagne zum totalen Boykott Israels“ forderte (hamlat muqata’a shamila li-Isra’il).

Von seinem hystrischen Ton mitgerissen, übersah Kassis, dass selbst die palästinensischen Kirchen einem dieser Verbote trotzen werden. All diese Kirchen, einschließlich seiner eigenen, sind komplett von Geldspenden aus dem Ausland abhängig. In einigen Kirchen bilden diese um die 90% des Haushalts. Keine palästinensische Kirche wird diese massiven Beiträge von der Unterstützung der politischen Forderungen der Palästinenser abhängig machen.

Für Kassis ist dieses Verhalten nicht neu. Bereits im Juni 2011 machte er sich zum Oberrichter über die Erzbischöfe der Welt mit einer langatmigen Attacke auf Dr. Rowan Williams, den Erzbischof von Canterbury. Williams hatte der BBC ein Interview gegeben, in dem er ein bemerkenswert gut informiertes Verständnis dafür zeigte, wie der Aufstieg extremistischer islamischer Bewegungen sich negativ auf die christliche Bevölkerung des Nahen Ostens auswirkt.

In seinen Anmerkungen wagte sich der Erzbischof anzudeuten, dass Muslime in Bethlehem die Christen schleichend ersetzen. Er sagte damit nichts Neues, nicht einmal etwas, das nicht weithin bekannt ist, doch es reichte aus, eine lange Maßregelung seitens Kassis‘ zu provozieren. Dieser beschrieb sich selbst als durch den Erzbischof „zutiefst beunruhigt“ und „schockiert“ und beharrte darauf: „Ihre Äußerungen zu Bethlehem sind besonders falsch und beleidigend, wenn Sie sagen, dass der Zuzug von Muslimen in den Bereich Bethlehems, wo es nur begrenzt Platz gibt, die Christen zwingt wegzuziehen.“

Neben der Wut trat im Brief später auch Verzweiflung auf, als Kassis schrieb: „Wir erwarten durch die Kirchenleiter aus aller Welt keine Unterstützung mehr.“ Das ist ein bemerkenswertes Eingeständnis, dass der kleine Trupp der Autoren von Kairos Palästina weit davon entfernt ist, die Reaktionen zu bekommen, die sie sich wünschten.

Die zugehörige „Kairos Palästina“-Internetseite führt ja eine Liste palästinensischer Christen, die ihr Dokument unterschrieben haben, außerdem eine zweite Liste von Muslimen und von ausländischen Christen, die es unterstützen. Sieht man aber genauer hin, dann stellt sich heraus, dass es sich bei den Ausländern um die üblichen Verdächtigen handelt. Ihre Zahl liegt bei zweitausend und ist in der letzten Zeit nicht sonderlich gewachsen. Nur etwa fünfzig bezeichnen sich als „Rev(erend)“ oder „F(ather)r“ (Pastor, Vater), die meisten davon unter den frühen Unterstützern. Zwei sind „Bischöfe“: der eine ist im Ruhestand, der andere führt eine Kirche, die er selbst gründete. Das bestätigt die verhaltene Reaktion der Kirchenleiter des Auslands. Was die Liste der Örtlichen angeht, so lässt sich vorstellen, dass der israelische Geheimdienst vergnügt zusieht, wie Kairos Palästina die Namen potenzieller Unruhestifter sammelt und veröffentlicht.

Bei den Organisatoren der Konferenz handelte es sich ebenfalls um dieselben alten Gesichter. Neben Kassis gehörten dazu Michel Sabbah (der ehemalige Lateinische Patriarch), Erzbischof Attalah Hanna und Rev. Naim Ateek. Hanna nimmt inzwischen nicht einmal mehr in Anspruch, im Namen des griechisch-orthodoxen Patriarchats zu sprechen. Ateek schied aus der örtlichen anglikanischen Kirche aus, nachdem er nicht es nicht schaffte, zum Bischof gewählt zu werden. Kurz gesagt: Es handelt sich um einen kleinen Klüngel, der statt der Kirchenleiter in Jerusalem lieber sich selbst als authentische Führer der lokalen Christenheit sehen würde. Es ist also kein Wunder, dass Kirchenleitungen andernorts gezögert haben sie mit offenen Armen zu begrüßen.

Das Kairos-Palästina-Phänomen findet allerdings bei anderen Möchtegern-Alternativführungen Begeisterung. Zu diesen gehören bürokratische Kerngruppen in den Kirchen, militante kirchliche NGOs wie Pax Christi und vor allem die Bürokratie des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖKR/Weltkirchenrat) in Genf. Dieses Gremium beansprucht für Hunderte Millionen Christen weltweit zu sprechen, in Wirklichkeit aber sind es nur ein paar Duzend Beamte in Genf, die einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit, Mühen und Ressourcen auf das Werben für die Sache der Palästinenser verwenden.

Es ist kein Zufall, dass die Abschlusserklärung der Kairos-Gedenkkonferenz die Anfänge von Kairos-Palästina (im Jahr 2009) ausdrücklich in den Zusammenhang des „Amman-Aufrufs von 2007“, der „Berner Perspektive von 2008“ und des „Ökumenischen Forum Palästina Israel“ (gegründet 2007) stellt. Alle drei waren Initiativen des ÖRK. So letztlich auch das Kairos-Phänomen, das mit Hilfe des ÖRK-Ablegers in Jerusalem, dem „Inter-Church Centre“, organisiert wurde. Kassis hat gelegentlich für den ÖRK gearbeitet, und seine Anprangerung von Kirchen des Auslands wurde in diese Abschlusserklärung eingearbeitet. Der ÖRK will zweifellos genauso eifrig für diese Erklärung werben wie für das frühere Kairos-Dokument selbst. Ihr Kirchen der Welt, nehmt euch in Acht: Der ÖRK hat ein Auge auf euch.

Die wahrhaft schrecklichen, mörderischen Regime in arabischen Ländern werden im Gegensatz dazu nie Gegenstand der „Aufrufe“, „Perspektiven“ oder „Foren“ des ÖRK. Konrad Raiser war in den letzten Jahren des Sowjetkommunismus ÖRK-Generalsekretär (1992 – 2003). Kurz nachdem er das Amt verließ (im Juli 2004), gab er halbherzig zu, dass der ÖRK dem Thema der sowjetischen Tyrannei in Osteuropa ausgewichen war. Noch länger überging der ÖRK jedoch Saddam Husseins Irak, das Syrien der Assad-Dynastie und alle anderen Länder des „Arabischen Frühlings“.

Stattdessen schikaniert der ÖRK Israel als problemloses Ziel. Er nimmt richtigerweise an, dass die israelischen Behörden, obwohl die Kairos Palästina-Internetseite die Namen von fast dreitausend palästinensischen Aktivisten bereitgestellt hat, diese nicht im Stil arabischer Regime zu Hunderten erschießen werden.

Kairos Palästina stellt sich selbst als spontanes örtliches Phänomen dar. Doch seine Herkunft wird genauer mit „von Genf, via Bethlehem“ beschrieben.