Zum Judenhass in Europa

vgl. auch: http://www.verteidigt-israel.de/Zum%20Judenha%DF%20in%20Europa.htm

Ein französisches Gericht wies am 20. November 2002 eine Klage ab, den Verkauf von Oriana Fallacis Bestsellerbuch „Die Wut und der Stolz“ zu verbieten, von dem Kritiker sagen, es schüre Hass gegen Muslime. Die 73-jährige Oriana Fallaci ist eine ehemalige Widerstandkämpferin gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg und Kriegsberichterstatterin, die besonders für ihre kompromisslosen Interviews mit Politikern der ganzen Welt bekannt ist.

Oriana Fallaci ist seit Jahrzehnten die berühmteste Journalistin in Europa. Am 17. April 2002 hat sie in der italienischen Zeitschrift „Panorama“ folgenden, sehr polemischen Artikel veröffentlicht, gerichtet gegen die Einseitigkeit, mit der der israelisch-palästinensische Konflikt in den Medien und der Öffentlichkeit in Europa betrachtet wird, was zu einer neuen, gefährlichen Welle von Antisemitismus geführt hat.

Auf Englisch erschien der Artikel mehrfach bei renommierten Zeitschriften, u.a. auch am 3.12.02 im Frontpage Magazine. Deutsche Übersetzungen von Fallacis Artikel sind in Auszügen auf mehreren Internetseiten zu finden, die vollständigste unter der oben angeführten URL von verteidigt-israel.de. All diese Artikel waren unvollständig oder enthielten sprachliche Fehler. Daher habe ich mir die Freiheit genommen, anhand der mir vorliegenden englischen Texte die bisherigen Übersetzungen zu ergänzen und (meines Erachtens) zu verbessern. – heplev

————

Ich finde es beschämend, dass es in Italien eine Prozession von als Selbstmordattentätern angezogenen Leuten geben kann, die wüste Beschimpfungen gegen Israel ausstoßen, Bilder von führenden israelischen Personen tragen, auf deren Stirn sie das Hakenkreuz gemalt haben, die Menschen aufhetzen die Juden zu hassen. Und die ihre eigene Mutter in einen Harem verkaufen würden, um die Juden erneut in Vernichtungslagern zu sehen, in den Gaskammern, in den Öfen von Dachau und Mauthausen und Buchenwald und Bergen-Belsen, und so weiter.

Ich finde es beschämend, dass die Katholische Kirche es einem Bischof, der sogar eine Wohnung im Vatikan hat, einem heiligen Mann, der in Jerusalem mit einem Arsenal von Waffen und Sprengstoff ertappt wurde, der Geheimfächern seines heiligen Mercedes versteckt war, dass sie es diesem Mann erlaubt an dieser Prozession teilzunehmen und sich vor dem Mikrophon zu stellen und im Namen Gottes den Selbstmordattentätern zu danken, die die Juden in Pizzerien und Supermärkten töten. Diese als Märtyrer zu bezeichnen, „die in den Tod gehen wie auf eine Party“.

Ich finde es beschämend, dass sie in Frankreich, dem Frankreich von „Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit“, Synagogen niederbrennen, Juden terrorisieren und ihre Friedhöfe schänden. Ich finde es beschämend, dass die Jugendlichen in Holland und Deutschland und Dänemark mit der Kaffieh paradieren, so wie Mussolinis Avantgarde mit dem Knüppel und den faschistischen Abzeichen herumstolzierten.

Ich finde es beschämend, dass an fast allen Universitäten Europas palästinensische Studenten Antisemitismus nähren und fördern. Dass man in Schweden gefordert hat, dass der Friedensnobelpreis, der Shimon Peres 1994 verliehen wurde, zurückgenommen werde und man diesen der Taube mit dem Olivenzweig – also Arafat – allein zugespricht.

Ich finde es beschämend, dass die ehrwürdigen Mitglieder des Komitees, einem Komitee, das (allem Anschein nach) eher politische Couleur als Verdienste in Betracht zieht, eine solche Forderung überhaupt in Betracht ziehen und sogar eine Antwort darauf formulieren. In der Hölle ehrt der Nobelpreis den, der ihn nicht erhalten hat.

Ich finde es beschämend (wir sind zurück in Italien), dass staatliche Fernsehsender zum wieder auflebenden Antisemitismus beitragen, indem sie Tränen nur für die palästinensischen Toten vergießen während sie gleichzeitig die israelischen Toten herunterspielen und diese in unwilligem Ton unter den Teppich kehren. Ich finde es beschämend, dass sie in ihren Debatten die respektvollen Gastgeber spielen für Halunken mit Turban oder Keffieh, die gestern Hymnen über das Massaker in New York sangen und heute Hymnen über das Abschlachten in Jerusalem, in Haifa, in Netanya, in Tel Aviv singen.

Ich finde es beschämend, dass die Presse dasselbe tut, dass sie darüber empört, dass israelische Panzer die Geburtskirche in Bethlehem belagern, aber nicht darüber empört, weil in derselben Kirche 200 palästinensische Terroristen, schwer bewaffnet mit Maschinengewehren, Munition und Sprengstoff (unter ihnen sind auch verschiedene Führer der Hamas und der al-Aqsa-Brigaden), nicht unwillkommene Gäste der Mönche sind (die dann Mineralwasserflaschen und Honigkrüge von den Soldaten genau jener Panzer entgegennehmen).

Ich finde es beschämend, dass angesichts der Zahl der seit Beginn der zweiten Intifada getöteten Israelis (412) eine angesehene Tageszeitung es angemessen fand mit Großbuchstaben zu unterstreichen, dass mehr Menschen [in Israel] durch Autounfälle umkommen (600 im Jahr).

Ich finde es beschämend, dass der „Osservattore Romano“, die Zeitung des Papstes – ein Papst der vor nicht allzu langer Zeit in der Klagemauer einen Entschuldigungsbrief an die Juden hinterließ – ein Volk des Vernichtungskrieges beschuldigt, das millionenfach von Christen, von Europäern, vernichtet wurde. Ich finde es beschämend, dass diese Zeitung den Überlebenden jenes Volkes (Überlebende, die immer noch ihre auf den Arm tätowierte Nummer tragen) das Recht abstreitet zu reagieren, sich zu verteidigen, sich nicht erneut ausrotten zu lassen.

Ich finde es beschämend, dass im Namen von Jesus Christus (einem Juden, ohne den sie alle arbeitslos wären), die Priester unserer Gemeinden oder Sozialzentren oder was auch immer sie sind, ungeniert flirten mit den Mördern jener Menschen in Jerusalem, die nicht zum Essen ausgehen können, sich keine Pizza oder einen Karton Eier kaufen können, ohne in die Luft gesprengt zu werden.

Ich finde es beschämend, dass sie sich auf die Seite genau derjenigen stellen, die den Terrorismus begonnen haben, uns an Bord der Flugzeuge, auf den Flughäfen, bei Olympischen Spielen, töten und die sich heute damit unterhalten westliche Journalisten töten. Indem sie sie erschießen, entführen, ihnen die Kehle durchschneiden, sie enthaupten. (Es gibt jemanden in Italien, der seit der Veröffentlichung von „Die Wut und der Stolz“ dasselbe gerne bei mir tun würde. Er zitiert Verse aus dem Koran und ruft seine „Brüder“ in den Moscheen und in der Islamischen Gemeinde auf, mich zu züchtigen. Mich zu töten. Oder eher mit mir zusammen zu sterben. Da er jemand ist, der gut Englisch spricht, werde ich ihm auf Englisch antworten: „F… you.“)

Ich finde es beschämend, dass fast die gesamte Linke, jene Linke die es vor 20 Jahren einem ihrer Gewerkschaftsparadeure erlaubte (im Stil einer Mafia-Warnung) einen Sarg vor der Synagoge von Rom zu platzieren, den Beitrag der Juden im Kampf gegen den Faschismus vergisst. Ein Kampf, der auch von Carlo und Mello Rossini geführt wurde, von Leone Ginzburg, von Umberto Terracini, von Leo Valiani, von Emilio Sereni, von Frauen wie meine Freundin Anna Maria Enriques Agnoletti, die am 12. Juni 1944 in Florenz erschossen wurde, von 75 der insgesamt 335 Menschen, die in der Fosse Ardeatine getötet wurden, von den unzähligen anderen unter Folter oder im Kampf oder durch Erschießungskommandos Getöteten. (Die Kameraden, die Lehrer meiner Kindheit und meiner Jugend).

Ich finde es beschämend, dass teilweise durch die Schuld der Linken – oder eher hauptsächlich durch die Schuld der Linken (denken Sie an die Linke, die ihre Parteitage eröffnet, indem sie dem PLO- Vertreter Beifall spendet, dem Anführer der Palästinenser in Italien, die die Vernichtung Israels wollen) -Juden in italienischen Städten wieder einmal Angst haben. Und in französischen Städten und in holländischen Städten und deutschen Städten und dänischen Städten ist es genauso. Ich finde es beschämend, dass Juden zittern, angesichts des Vorbeizugs von als Selbstmordattentätern angezogenen Halunken, so wie sie in der Kristallnacht zitterten, der Nacht in der Hitler die Jagd auf die Juden frei gab.

Ich finde es beschämend, dass in Gehorsam gegenüber der dummen, abscheulichen, unaufrichtigen und für sie extrem vorteilhaften Political Correctness die gewöhnlichen Opportunisten – oder, besser gesagt: die gewöhnlichen Schmarotzer – den Begriff Frieden ausnutzen. Dass in Namen des Wortes „Frieden“, das inzwischen noch verkommener ist als die Worte „Liebe“ und „Menschlichkeit“, sie lediglich einer Seite für ihre Hass und ihre Bestialtität die Absolution erteilen. Dass im Namen eines Pazifismus (soll heißen: Konformismus), der an die singenden Grillen und Possenreißer abgegeben wurde, die Pol Pots Füße zu küssen gewohnt waren, Menschen von ihnen aufgehetzt werden, die verwirrt oder genial oder eingeschüchtert sind. Dass sie sie austricksen, sie korrumpieren, sie um ein halbes Jahrhundert zurückwerfen in die Zeit des gelben Sterns auf dem Mantel. Diese Scharlatane, die sich genauso viel um die Palästinenser scheren, wie ich mich um die Scharlatane schere. Nämlich überhaupt nicht.

Ich finde es beschämend, dass sich viele Italiener und viele Europäer als ihren Flaggenträger den Herrn – so soll es höflich gesagt sein – Arafat ausgesucht haben. Diese Null, die Dank des Geldes der saudischen Königsfamilie den Mussolini ad perpetuum spielen kann und in seiner Megalomanie glaubt, er würde als der George Washington von Palästina eingehen. Dieser ungrammatikalische Schuft, der, als ich ihn interviewte, unfähig war einen vollständigen Satz zusammen zu bekommen, ein artikuliertes Gespräch zu führen. Das zusammenzufügen, es zu schreiben, zu veröffentlichen, kostete mich enorme Mühe und ich gelangte zu der Schlussfolgerung, dass sich im Vergleich zu ihm sogar Ghaddafi wie Leonardo da Vinci anhört. Dieser falsche Krieger, der immer wie Pinochet in Uniform herum läuft, nie Zivil trägt und doch trotz allem nie an einer Schlacht teilgenommen hat. Krieg ist etwas, wohin er andere an seiner Stelle schickt, immer geschickt hat. Das sind die armen Seelen, die an ihn glauben. Dieser aufgeblasene Inkompetente, der das Staatsoberhaupt spielt, verursachte das Scheitern der Camp David-Verhandlungen, Clintons Vermittlung. Nein-nein-ich-will-Jerusalem-für-mich-allein. Dieser ewige Lügner, der nur dann einen Moment aufrichtig ist, wenn er – ganz privat – Israel das Existenzreicht verweigert und der, wie ich in meinem Buch sage, alle fünf Minuten sich selbst widerspricht. Er spielt immer ein doppeltes Spiel, lügt selbst, wenn man ihn fragt, wie spät es ist, so dass man ihm niemals trauen kann. Nie! Von ihm wird man immer systematisch betrogen. Dieser ewige Terrorist, der nur das eine kann: ein Terrorist zu sein (während er immer in Sicherheit bleibt) und der während der 70-er Jahre, als ich ihn interviewte, sogar die Terroristen der Baader-Meinhof-Gruppe ausbildete. Und mit ihnen 10-jährige Kinder. Arme Kinder. (heute bildet er sie dazu aus Selbstmordbomber zu werden. Einhundert Baby-Selbstmordbomber werden gerade gemacht: 100!). Dieser Wendehals, der seine Frau in Paris leben lässt, die wie eine Königin bedient und verehrt wird, und sein Volk im Elend hält. Er holt sie nur aus dem Dreck, um sie in den Tod zu schicken, um zu töten und zu sterben, so wie die 18-jährigen Mädchen, die sich mit dem Schicksal ihrer Opfer die Gleichberechtigung verdienen. Und trotzdem lieben ihn viele Italiener, tatsächlich. So, wie sie Mussolini liebten. Und viele andere Europäer tun dasselbe.

Ich finde es beschämend und ich sehe in all dem das Aufkommen eines neuen Faschismus, eines neuen Nazismus. Ein Faschismus, ein Nazismus, der noch grausamer und widerlicher ist, weil er von jenen betrieben und gefördert wird, die scheinheilig als Gutmenschen, Progressive, Kommunisten, Pazifisten, Katholiken oder eher Christen posieren und die die Frechheit haben, jeden, der, wie ich, die Wahrheit hinausschreien, als Kriegshetzer abzustempeln. Ich sehe es, ja, und ich sage dazu das Folgende: Ich bin nie sanft gegenüber der tragischen und shakespeareschen Figur Sharon gewesen („Ich weiß, Sie sind gekommen, um sich einen weiteren Skalp für Ihren Gürtel zu holen“, murmelte er, beinahe traurig, als ich 1982 zu einem Interview mit ihm ging.) Ich habe oft Meinungsverschiedenheiten mit den Israelis gehabt, hässliche, und in der Vergangenheit habe ich die Palästinenser sehr oft in Schutz genommen. Vielleicht mehr, als sie es verdienten. Aber ich bin auf der Seite Israels, ich bin auf der Seite der Juden. Ich bin auf ihrer Seite, so wie ich es als junges Mädchen in der Zeit war, als ich mit ihnen zusammen kämpfte und als die Anna Marias erschossen wurden. Ich verteidige ihr Recht zu existieren, sich zu verteidigen, sich nicht ein zweites Mal vernichten zu lassen. Und vom Antisemitismus vieler Italiener, vieler Europäer angewidert, bin ich beschämt von dieser Schande, die mein Land und Europa entehrt. Das ist bestenfalls keine Gemeinschaft von Staaten, sondern eine Truppe vieler Pontius Pilati. Und selbst, wenn alle Bewohner dieses Planeten anders denken sollten, würde ich weiter so denken.

Werbeanzeigen