Eine atemberaubende Theologie des Terrors beim Weltkirchenrat

This Ongoing War, 2. Januar 2017

Pfarrer Olav Fyske Tveit vom ÖRK (Bildquelle)

Wir haben mindestens ein gutes Dutzend Einträge dem gewidmet, was der Ökumenische Rat der Kirchen gesagt und getan hat (klicken Sie hier) und offen gesagt ist es schwer irgendetwas Positives über ihn zu sagen. Hier ist das jüngste Beispiel und der Grund dafür.

Gestern gab das Sekretariat des ÖRK, der seinen Sitz in Genf hat, den Medien gegenüber eine Stellungnahme zum Neujahrs-Massaker im Istanbuler Club Reina aus. Die Verantwortung für diese brutalen und grausamen Morde wurde heute von einer islamistischen Terrorgruppe [„The Latest: Islamic State claims Instanbul night club attack“, Associated Press, heute].

Hier die Erklärung des Rats:

ÖRK verurteilt Terroranschlag in Istanbul auf unschuldige Neujahr Feiernde | 1. Januar 2017 | Der Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), PFr. Dr. Olav Fykse Tveit, verurteilt den jüngsten Terroranschlag auf Menschen in Istanbul, die das neue Jahr feierten. Mindestens 39 Menschen wurden getötet und Dutzende weitere wurden verletzt, als ein einzelner Bewaffneter einen gedrängt vollen Nachtclub in Istanbul angriff… „Unschuldige Menschen leiden immer wieder. Das ist eine böse Tat. Dieser Anschlag schockiert besonders, erstens, weil es eine klare Absicht gegeben zu haben scheint gewollt Menschen zu treffen, die einfach den Neujahrstag genießen wollten“, sagte Tveit… „Angesichts dieser Brutalität, muss die Familie der Menschheit, alle Menschen voller Glauben und gutem Willen zusammenstehen, um sich wieder dem Respekt und der Fürsorge für einander, gegenseitigem Schutz und der Verhinderung solcher Gewalt zu verpflichten.“ Der ÖRK bietet den Trauernden und Verletzten sein tiefstes Beileid. Tveit sagte: „Gott, in deiner Gnade sei bei den Opfern und ihren Familien und denen die sie begleiten und ihnen helfen.“ (Online hier)

Die meisten verantwortungsbewussten Menschen werden zustimmen, dass es richtig ist, wenn eine höchst einflussreiche Religionsgruppe den Allmächtigen anruft sich auf die Seite der Opfer zu stellen. Es wäre unvorstellbar, dass Pfarrer Tveit die gegenteilige Sicht eingenommen und zu Mitgefühl für die mörderischen Barbaren von ISIS aufgerufen hätte.

Aber Moment.

Wir möchten aufzeigen, wie anders derselbe Herr Tveit sich in Bezug auf eine andere Ansammlung von Barbaren äußert, die, anders als die Täter des Barbarismus von Istanbul vor zwei Tagen, gefasst und in den meisten Fällen wegen Terrorvorwürfen vor Gericht gestellt und verurteilt wurden. In Bezug auf diese Barbaren drängte Herr Tveit die christlichen Gläubigen sehr öffentlich von seinem Büro aus, sie sollten für sie beten und ihnen auf praktische Weise zu helfen und keinen Gedanken auf die Dinge zu verschwenden, die diese Häftlinge getan haben, um weggesperrt zu werden.

Die Szene vor den Nachtclub Reina in Istanbul (Bildquelle)

Dieser widerliche Appell nach Mitgefühl für tatsächliche und verhinderte Mörder erweckte unsere Aufmerksamkeit im April 2014 [hier], das der ÖRK seine Gläubigen zur Solidarität mit dem aufrief, was er unaufrichtig so nantnte:

„rund 5000 palästinensische Männer, Frauen und Kinder, die in israelischen Gefängnissen schmachten“.

Zu ihren Gunsten sollten gläubige Mitglieder

„für alle Häftlinge beten, sie besuchen und sich um ihre Bedürfnisse kümmern, egal weshalb sie in Haft sind. In Israel und Palästina haben Häftlinge eine größere Bedeutung als in der Vergangenheit bekommen.“

Lassen Sie diese Worte einmal in ihrem Kopf herumgehen. „Egal, weshalb sie in Haft sind.“ Das lässt uns fragen, welche Art von boshafter falscher Theologie dieser Mann und seine Kohorten ausüben. Natürlich betrachten er und sie sich nicht als eine Art satanischer Kult, sondern vielmehr als

die breiteste und inklusivste der vielen organisierten Ausdrucksformen der modernen ökumenischen Bewegung, eine Bewegung, deren Ziel die Einheit der Christen sit. Der ÖRK bringt Kirchen, Konfessionen und kirchliche Gemeinschaften in mehr als 110 Ländern und Gebieten der gesamten Welt zusammen; er repräsentiert 500 Millionen Christen und darunter den Großteil der orthodoxen Kirchen, viele anglikanische, baptistische, lutherische, methodistische und reformierte Kirchen sowie viele unierte und unabhängige Kirchen. Zwar ist die Mehrheit der Gründerkirchen des ÖRK europäische und amerikanische Kirchen waren, kommen die meisten Mitgliedskirchen heute aus Afrika, Asien, der Karibik, Lateinamerika, dem Nahen Osten und dem Pazifik: Es gibt heut 348 Mitgliedskirchen. Für diese ist der ÖRK ein einzigartiger Ort: einer, in dem sie gemeinsam reflektieren, sprechen, handeln, beten und arbeiten können, einander herausfordern und unterstützen können, miteinander teilen und diskutieren können… [aus der Internetseite des ÖRK von heute]

Es spielt für Olav Fykse Tveit, den Vorsitzenden des ÖRK, einen gebildeten und kultivierten Mann auf einer Mission und ein norwegischer lutherischer Geistlicher, keine Rolle, dass viele der Häftlinge verurteilte Mörder sind, die zugaben unschuldige Menschen getötet zu haben. Zumeist unschuldige jüdische Menschen, sollten Sie sich bereits wundern.

Eine wie große Rolle spielte es, dass die meisten davon Terroristen sind, die keine Reue zeigen? Oder dass die palästinensisch-arabische Gesellschaft von ihrem Präsidenten Mahmud Abbas bis nach ganz unten sie alles als Helden umarmt, wie wir es diesem Blog Dutzende Male im Verlauf des letzten Jahrzehnts gezeigt haben? Die Antwort: kein Bisschen. (Zu den anderen Kommentaren, die wir damals abgaben, siehe: „Christliche Solidarität mit reuelosen Mörder: Wo bleibt die Empörung?“)

Also spielen wir mal „Was wäre, wenn“.

Wie hätte die Reaktion gestern in Istanbul ausgesehen – oder in Paris oder Brüssel oder Sydney – hätte der Leiter des Weltkirchenrats dazu aufgefordert

  • die Freiheit der Mörder von Istanbul wiederherzustellen
  • die Gerechtigkeit der Sache der Bewaffneten zu respektieren
  • die Würde der Schützen von Istanbul – die mit ihren leistungsstarken Waffen aus kürzester Entfernung auf die Feiernden im Nachtclub schossen – die Solidarität der gläubigen Christen gewinnen zu lassen.

Trauernde bereit die Beerdigung eines der Opfer des Massakers von Istanbul vor [Bildquelle]
Freiheit, Gerechtigkeit, Würde, Solidarität. Herr Tveit forderte seine Herde vor zwei Jahren auf alles davon über den Himmel zu Gunsten und Zuspruch für palästinensisch-arabische Häftlinge hinter israelischen Gittern anzusreben. (Volle Offenlegung: Mehrere der Verurteilten sind zufälligerweise die Mörder unserer 15-jährigen Tochter Malki. Also fehlt uns hier wohl eine gewisse wissenschaftliche Objektivität.)

Hätte er es gewagt seiner Kanzel in Genf eine solche Bitte zugunsten der Schützen und die Verschwörer von Istanbul vorzubringen? Die Antwort ist offensichtlich. Was er machte, kann er – und nur deshalb – tun, weil die Opfer des palästinensisch-arabischen Terrors die sind, die sie sind.

Mit der Zeit wird klarer, dass diese wichtige christliche Gruppe eine Theologie des Terrors und der Opferrolle entwickelt hat und propagiert, die schonungslos kritische Überprüfung verdient, unseres Wissens nach aber bisher nicht erhält.

Warum versuchen wir nicht den Standpunkt des Ökumenischen Rats der Kirchen zu bekommen? Das haben wir in der Tat versucht. Wie hier vermerkt kam die einzige substanzielle Reaktion, die wir selbst jemals bekamen (und wir haben uns sehr bemüht und das wiederholt) kam in Form einer persönlichen Note des damaligen Kommunikationsdirektors des ÖRK im Auftrag von Herrn Tveit, einem Mark Beach, der diesen Posten nicht länger inne hat. In einer E-Mail aus Genf an uns, datiert vom 5. Juni 2014, in der unsere Fragen und harten kritischen Kommentare angesprochen wurden, die ihm sein Chef weitergegeben hatte. Wir schrieben als Eltern eines wunderbaren 15-jährigen Kindes, das von den Strolchen ermordet wurde, für deren Würde zu beten die Christen des ÖRK aufgefordert wurden.

Anscheinend nicht allzu bewegt informierte und Herr Beach hilfreich:

„Ja, ich glaube, wir haben nichts weiter zu sagen.“

Und tatsächlich haben wie nie wieder etwas von ihm gehört. Der Hintergrund dazu ist hier [Angst und Abscheu beim Weltkirchenrat].

Wir sind verwirrt von der Vorstellung, dass religiös und moralisch gesonnene Christen das sehen können und trotzdem nicht danach rufen, dass die ÖRK-Führung die Treppe ihres außerordentlich gut ausgerüsteten schweizerischen Hauptsitzes hinunter, von ihren Kanzeln und auf die Straße geworfen wird.

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Der Ökumenische Rat der Hass-Kirchen

Matan Ascher (direkt vom Autor; eine für das amerikanische Publikum gedachte englische Version findet sich bei Times of Israel blogs)

„Während wir den Tag der palästinensischen Gefangenen begehen, wollen wir unserer Solidarität mit mehr als 5.000 palästinensischen Häftlingen zum Ausdruck bringen, die in israelischen Gefängnissen schmachten.“ So begann im April 2014 der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) seine Äußerung, nachdem Israel die Freilassung von palästinensischen Terroristen abgebrochen hatte.

Viele von uns tendieren dazu zu glauben, dass der globale Antisemitismus eine grundlegende Sache ist, die zur DNA der Feinde Israels gehört. In vielen Fällen ist stimmt das, aber es ist auch wichtig zu verstehen, dass dieser Hass durch mehrere Organisationen für ziemlich lange Zeit verbreitet wurde. Während Israel sich Boykott und Terror entgegen stellt, gibt es kaum jemanden in der Welt, der die Aktionen von dem verfolgt, was möglicherweise als größte anti-israelische religiöse Propaganda-Motor der Welt genannt werden kann – dem ÖRK oder Weltkirchenrat. Wir sprechen von einer Dachorganisation 349 protestantischer, orthodoxer und evangelischer Kirchen in 150 Ländern (zum Beispiel die Evangelische Kirche in Deutschland und die Altkatholische Kirche Österreichs); vom ORK werden insgesamt fast 600 Millionen Christen auf der ganzen Welt repräsentiert. Die Organisation war im Jahr 1948 aus der ökumenischen Bewegung heraus gegründet worden und ist seitdem obsessiv auf den israelisch-palästinensischen Konflikt konzentriert.

Dies spiegelt sich auch in der fast völligen Missachtung für die Ermordung von Christen durch Muslime im Nahen Osten. So wird der ÖRK die Hamas nicht als Terrororganisation bezeichnen; erst im Hinblick auf die Intensivierung des islamischen Staats (früher bekannt als ISIS), hat man dort begonnen sich mit dem Thema des radikalen Islam auseinanderzusetzen.

Während der Militäroperation „Protective Edge“, hat der Rat Israel häufig hart verurteilt und Hamas nur selten erwähnt. ÖRK-Generalsekretär Olav Fykse Tveit sagte: „Wir verurteilen die unterschiedslosen Angriffe des israelischen Militärs auf die Zivilbevölkerung in Gaza, wie wir das absurde und unmoralische Abfeuern von Raketen durch Militante aus dem Gazastreifen auf bewohnte Gebieten in Israel verurteilen.“ Wer sind denn diese Militanten? Doch der vielleicht nervigste Teil ist die Aussage: „Wir müssen die Situation im Gazastreifen angesichts der Besetzung der palästinensischen Gebiete untersuchen.“ Was hat das nun überhaupt mit den Raketen der Hamas zu tun?

Der ÖRK ist zudem eine der wichtigsten Organisationen, die an der BDS-Kampagne gegen Israel beteiligt sind. Im Jahr 2005 hat die Vollversammlung die Entscheidung der Presbyterianischen Kirche der USA (PCUSA) sich von Israel zu trennen unterstützt und sagte, diese Aktion sei „lobenswert“. Während „Protective Edge“ wurde diese Entscheidung bestätigt.

Der Rat arbeitet auf mehreren Ebenen: Die primäre ist die Bereitstellung von Meldungen und Aussagen, die durch ihre Kirchen wieder an mehr als eine halbe Milliarde Gläubigen geht. Seltamerweise wiederholt der ÖRK angesichts eines brennenden Nahen Ostens oft die Behauptung, dass „die israelische Besatzung der palästinensischen Gebiete das Hauptproblem ist, das Instabilität und Unruhe in der Region verursacht“. Eine weitere originelle Methode ist die Verurteilung der christlichen Unterstützer Israels, wenn gesagt wird, dass diese Unterstützer „das Wort Gottes verfälschen“.

In den letzten Jahren hat der ÖRK eine einzigartige Kombination aus Organisationen geschaffen, die in Israel operieren. Eine davon ist das PIEF – das Ökumenische Forum Palästina Israel. Gegründet 2007, setzt sich das PIEF aus palästinensischen christlichen Kirchenführern zusammen, die den religiösen und spirituellen Hintergrund zum Angriff auf Israel liefern. Ihre bekannteste Aktivität ist das im Jahr 2009 veröffentlichte Kairos-Dokument. Darin hieß es unter anderem, dass die Palästinenser auf das Recht auf Rückkehr warten (der die Zerstörung des jüdischen Staates bedeutet) und dass Israel den legitimen palästinensischen Widerstand nutzt, um ihn als Terrorismus zu bezeichnen. Das von der BDS-Bewegung unterstützte Dokument wurde in viele Sprachen übersetzt und in ÖRK-Kirchen auf der ganzen Welt verteilt.

Der ÖRK hat auch versucht, aus dem Inneren des Kongresses heraus gegen Israel zu agieren, indem angesehene Kirchenführer des ÖRK-Gremiums für die Vereinigten Staaten, des 45 Millionen Gläubige vertretenden NCC, im Jahr 2012 einen Brief geschickt bekamen, in dem die Mitglieder des Kongresses forderten die militärische Hilfe für Israel zu reduzieren.

Wie können wir mit ihren Aktivitäten umzugehen? Zuerst sollten wir sie eingestehen und genau beobachten. Wir müssen die örtlichen Kirchen für die Aktionen des Rates zur Verantwortung ziehen. Obwohl der Rat behauptet nicht antisemitisch zu sein, können wir eindeutig sagen, dass seine Worte Beweise für Hass auf Juden liefern. Abschließend denke ich, dass es für diejenigen, die Israel in der Auseinandersetzung mit dem globalen Terrorismus unterstützen, sehr wichtig ist sich zu bemühen und Israel im Umgang mit Einrichtungen wie dem ÖRK (die versuchen Israel schwach zu machen) zu helfen.

Matan Emmanuel Ascher ist Israeli und studiert Jura und Politikwissenschaft an der Bar-Ilan-Universität. Er ist Praktikant am Jerusalem Zentrum für Public Affairs (JCPA) und Leiter des Yuvalim-Projekts der Zionistischen Weltorganisation (WZO) an der BIU.
https://www.facebook.com/matan.asher
auf Twitter: @matanasher

„Kairos Palästina“: Vom Geflunker zum Größenwahn

Malcolm Lowe, Hudson New York, 23. Dezember 2011

Ende 2009 tat sich eine kleine Gruppe christlicher palästinensischer Geistlicher und Laien zusammen und ersann ein Dokument mit dem Titel „Kairos Palästina“. Im Wesentlichen bewarben sie damit bekannte palästinensische Bestrebungen, verkleidet mit ein paar theologischen Floskeln. Selbst nach derzeitigen palästinensischen Standards war es eine extreme Erklärung. Zum Beispiel wurde eine Befürwortung der Zweistaaten-Lösung für Israel und die Palästinenser vermieden.

Jetzt, zwei Jahre später, hat der harte Kern der ursprünglichen Autoren in Bethlehem mit Unterstützern aus dem Ausland eine Konferenz zum Jahrestag abgehalten. Diesmal machten sie sich zum Tribunal, vor dem alle Kirchen der Welt angeklagt wurden, sie zeigten nicht genug Begeisterung für das damalige Dokument. Damit geriet es vom Geflunker zum Größenwahn.

Die von dieser Konferenz kommenden Äußerungen manifestieren einen Mix aus Triumph und Wut. Triumph, denn verschiedene Kirchenbürokraten – hauptsächlich in den Nahost-Ressorts einiger protestantischer Kirchen – hatten sich viel Mühe gegeben, um für das Dokument zu werben. Wut, weil die Aufnahme in den Kirchen insgesamt zumeist nur lauwarm war. Zum Beispiel ging der Versuch, das Dokument in den Niederlanden zu bewerben, nach hinten los, da prominente Kirchenleiter seine Vorschläge ablehnten.

In der Tat hat es beträchtliche Kritik an dem Dokument durch jene ernsten christlichen Theologen gegeben, die sich die Mühe machten, sich damit auseinanderzusetzen. Der Autor dieses Textes war einer der ersten, der die Anmaßungen und Täuschungen des Dokuments offen legte.

Triumph und Wut prägten die Eröffnungserklärung der Gedenkkonferenz durch Rifat Odeh Kassis. Einerseits proklamierte er, „Kairos Palästina verwandelt sich in eine breite Dachbewegung“ und sieht das Aufkommen einer „globalen Kairos-Koalition“ voraus. Andererseits beschimpfte er die Kirchen in Bausch und Bogen: „Wir können das Schweigen der Kirchen nicht länger akzeptieren!“ „Wir können keine finanzielle Unterstützung von einer Kirche oder Organisation akzeptieren, wenn diese sich nicht verpflichtet, für die Beendigung der Besatzung zu arbeiten.“ „Wir können die Argumente, welcher Kirche auch immer, nicht akzeptieren, die in ihren Ansichten ‚ausgewogen‘ sein will.“ Und so weiter und so weiter.

Kassis verlangte außerdem Monopolrechte über christliche Pilgerfahrten. „Wir werden uns laut dagegen aussprechen, dass irgendwelche Kirchen Touren ins Heilige Land organisieren, ohne uns zu besuchen“, drohte er. Darüber hinaus berichtete die Lokalpresse – auch wenn die Online-Zusammenfassung seiner Rede das nicht erwähnt – dass er eine „Kampagne zum totalen Boykott Israels“ forderte (hamlat muqata’a shamila li-Isra’il).

Von seinem hystrischen Ton mitgerissen, übersah Kassis, dass selbst die palästinensischen Kirchen einem dieser Verbote trotzen werden. All diese Kirchen, einschließlich seiner eigenen, sind komplett von Geldspenden aus dem Ausland abhängig. In einigen Kirchen bilden diese um die 90% des Haushalts. Keine palästinensische Kirche wird diese massiven Beiträge von der Unterstützung der politischen Forderungen der Palästinenser abhängig machen.

Für Kassis ist dieses Verhalten nicht neu. Bereits im Juni 2011 machte er sich zum Oberrichter über die Erzbischöfe der Welt mit einer langatmigen Attacke auf Dr. Rowan Williams, den Erzbischof von Canterbury. Williams hatte der BBC ein Interview gegeben, in dem er ein bemerkenswert gut informiertes Verständnis dafür zeigte, wie der Aufstieg extremistischer islamischer Bewegungen sich negativ auf die christliche Bevölkerung des Nahen Ostens auswirkt.

In seinen Anmerkungen wagte sich der Erzbischof anzudeuten, dass Muslime in Bethlehem die Christen schleichend ersetzen. Er sagte damit nichts Neues, nicht einmal etwas, das nicht weithin bekannt ist, doch es reichte aus, eine lange Maßregelung seitens Kassis‘ zu provozieren. Dieser beschrieb sich selbst als durch den Erzbischof „zutiefst beunruhigt“ und „schockiert“ und beharrte darauf: „Ihre Äußerungen zu Bethlehem sind besonders falsch und beleidigend, wenn Sie sagen, dass der Zuzug von Muslimen in den Bereich Bethlehems, wo es nur begrenzt Platz gibt, die Christen zwingt wegzuziehen.“

Neben der Wut trat im Brief später auch Verzweiflung auf, als Kassis schrieb: „Wir erwarten durch die Kirchenleiter aus aller Welt keine Unterstützung mehr.“ Das ist ein bemerkenswertes Eingeständnis, dass der kleine Trupp der Autoren von Kairos Palästina weit davon entfernt ist, die Reaktionen zu bekommen, die sie sich wünschten.

Die zugehörige „Kairos Palästina“-Internetseite führt ja eine Liste palästinensischer Christen, die ihr Dokument unterschrieben haben, außerdem eine zweite Liste von Muslimen und von ausländischen Christen, die es unterstützen. Sieht man aber genauer hin, dann stellt sich heraus, dass es sich bei den Ausländern um die üblichen Verdächtigen handelt. Ihre Zahl liegt bei zweitausend und ist in der letzten Zeit nicht sonderlich gewachsen. Nur etwa fünfzig bezeichnen sich als „Rev(erend)“ oder „F(ather)r“ (Pastor, Vater), die meisten davon unter den frühen Unterstützern. Zwei sind „Bischöfe“: der eine ist im Ruhestand, der andere führt eine Kirche, die er selbst gründete. Das bestätigt die verhaltene Reaktion der Kirchenleiter des Auslands. Was die Liste der Örtlichen angeht, so lässt sich vorstellen, dass der israelische Geheimdienst vergnügt zusieht, wie Kairos Palästina die Namen potenzieller Unruhestifter sammelt und veröffentlicht.

Bei den Organisatoren der Konferenz handelte es sich ebenfalls um dieselben alten Gesichter. Neben Kassis gehörten dazu Michel Sabbah (der ehemalige Lateinische Patriarch), Erzbischof Attalah Hanna und Rev. Naim Ateek. Hanna nimmt inzwischen nicht einmal mehr in Anspruch, im Namen des griechisch-orthodoxen Patriarchats zu sprechen. Ateek schied aus der örtlichen anglikanischen Kirche aus, nachdem er nicht es nicht schaffte, zum Bischof gewählt zu werden. Kurz gesagt: Es handelt sich um einen kleinen Klüngel, der statt der Kirchenleiter in Jerusalem lieber sich selbst als authentische Führer der lokalen Christenheit sehen würde. Es ist also kein Wunder, dass Kirchenleitungen andernorts gezögert haben sie mit offenen Armen zu begrüßen.

Das Kairos-Palästina-Phänomen findet allerdings bei anderen Möchtegern-Alternativführungen Begeisterung. Zu diesen gehören bürokratische Kerngruppen in den Kirchen, militante kirchliche NGOs wie Pax Christi und vor allem die Bürokratie des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖKR/Weltkirchenrat) in Genf. Dieses Gremium beansprucht für Hunderte Millionen Christen weltweit zu sprechen, in Wirklichkeit aber sind es nur ein paar Duzend Beamte in Genf, die einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit, Mühen und Ressourcen auf das Werben für die Sache der Palästinenser verwenden.

Es ist kein Zufall, dass die Abschlusserklärung der Kairos-Gedenkkonferenz die Anfänge von Kairos-Palästina (im Jahr 2009) ausdrücklich in den Zusammenhang des „Amman-Aufrufs von 2007“, der „Berner Perspektive von 2008“ und des „Ökumenischen Forum Palästina Israel“ (gegründet 2007) stellt. Alle drei waren Initiativen des ÖRK. So letztlich auch das Kairos-Phänomen, das mit Hilfe des ÖRK-Ablegers in Jerusalem, dem „Inter-Church Centre“, organisiert wurde. Kassis hat gelegentlich für den ÖRK gearbeitet, und seine Anprangerung von Kirchen des Auslands wurde in diese Abschlusserklärung eingearbeitet. Der ÖRK will zweifellos genauso eifrig für diese Erklärung werben wie für das frühere Kairos-Dokument selbst. Ihr Kirchen der Welt, nehmt euch in Acht: Der ÖRK hat ein Auge auf euch.

Die wahrhaft schrecklichen, mörderischen Regime in arabischen Ländern werden im Gegensatz dazu nie Gegenstand der „Aufrufe“, „Perspektiven“ oder „Foren“ des ÖRK. Konrad Raiser war in den letzten Jahren des Sowjetkommunismus ÖRK-Generalsekretär (1992 – 2003). Kurz nachdem er das Amt verließ (im Juli 2004), gab er halbherzig zu, dass der ÖRK dem Thema der sowjetischen Tyrannei in Osteuropa ausgewichen war. Noch länger überging der ÖRK jedoch Saddam Husseins Irak, das Syrien der Assad-Dynastie und alle anderen Länder des „Arabischen Frühlings“.

Stattdessen schikaniert der ÖRK Israel als problemloses Ziel. Er nimmt richtigerweise an, dass die israelischen Behörden, obwohl die Kairos Palästina-Internetseite die Namen von fast dreitausend palästinensischen Aktivisten bereitgestellt hat, diese nicht im Stil arabischer Regime zu Hunderten erschießen werden.

Kairos Palästina stellt sich selbst als spontanes örtliches Phänomen dar. Doch seine Herkunft wird genauer mit „von Genf, via Bethlehem“ beschrieben.