Kann ein Europa ohne Juden Europa sein?

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz erklärte vor kurzem: „Europa ohne Juden kann nicht Europa ein.“[1] Sein Land ist derzeit bis Ende diesen Jahres Inhaber der Vorsitzes des Rats der Europäischen Union. Österreich organisiert für den 20.-21. November mit dem European Jewish Congress eine Konferenz zu Antisemitismus in Wien.[2]

Kurz‘ Äußerung sollte etwas detaillierter betrachtet werden. Seit dem Zweiten Weltkrieg haben Juden wieder sehr hochrangige Positionen in einer ganzen Reihe westeuropäischer Länder inne gehabt. Frankreich, Österreich und die Schweiz haben jüdische Premierminister gehabt. Belgien hatte einen jüdischen stellvertretenden Premierminister gehabt. In Großbritannien, Frankreich, Irland, Italien, Dänemark und den Niederlanden hat es jüdische Minister gegeben. Das Vereinte Königreich und Frankreich haben aktuell jüdische Minister. In Großbritannien haben sowohl die Konservative als auch die Labour Party jüdische Parteichefs gehabt, als ihre Parteien in der Opposition waren. Gibt es aber irgendetwas besonders Jüdisches zur Art, wie diese Leute ihre Pflichten wahrnahmen?

Man kann mit Modellen spielen. Nimmt man theoretisch an, dass alle Juden Europa verlassen, was könnte es Wichtiges geben, das dem Kontinent widerfährt? Die von Juden gehaltenen Jobs würden von anderen übernommen. Gleichermaßen können andere einen Teil der Geschäfte der Juden weiterführen. Neue Einwohner würden in den Häusern und Wohnungen leben, die bis dahin von Juden bewohnt wurden. Die Abwesenheit von einigen Juden würde vielleicht ein paar Jahre zu fühlen sein. Die deutsche Besetzung vieler europäischer Länder während des Zweiten Weltkriegs hat gezeigt, dass Gesellschaften ohne Juden fast schmerzfrei weiter funktionieren können. Damals wurden Juden schnell vertrieben. Heutzutage würde ihr Verschwinden, das kaum total wäre, sukzessive erfolgen.

Will man analysieren, ob Europa ohne Juden in der Tat noch Europa ist oder nicht, muss man in anderen Richtungen forschen. Eine wichtige symbolische Rolle der Juden ist für europäische Gesellschaften die des Sündenbocks gewesen. Das wird jetzt von Migranten geteilt. Würden Juden weggehen, müssten radikale Muslime und Rechtsextreme ihrer Gewalt anderen gegenüber Ausdruck geben.

Dass Juden in europäischer Gesellschaft leben, macht es leichter verbal antisemitisch anzugreifen. Es gibt aber Belege, dass es keine anwesenden Juden braucht, um antisemitisch zu sein. Darüber hinaus richten viele antisemitische Stereotype und Lügen sich jetzt gegen Israel. Namen und Bedeutung von Shylock und Rothschild sind nachhaltig in die europäische Kultur eingebettet und das wird auch lange nach dem hypothetischen Weggang der letzten Juden Europas so bleiben.

Eine weitere symbolische Rolle, die Juden in Europa spielen, ist die des Indikators der demokratischen Gesundheit eines Landes. Das ist am stärksten in Deutschland der Fall. Sollten alle Juden das Land verlassen, dann würde das bedeuten, dass Deutschlands Gesellschaft und seine Kultur in großen Schwierigkeiten stecken. Die Anwesenheit von mehr als hunderttausend Juden legitimiert die deutsche Demokratie. 2015 wie 2016 sagte der französische Premierminister Emanuel Valls, damals noch Sozialist: „Ohne die französischen Juden wird Frankreich nicht Frankreich sein.“ Seine erste Äußerung kam nach dem Mord eines Muslims an vier Juden in einem Pariser Supermarkt. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits zehntausende Juden aus dem Land ausgewandert.[3] Das ist ein Teilindikator des unlösbaren Antisemitismusproblems Frankreichs.

Eine Meinungsumfrage des Jewish Chronicle stellte fest, dass vierzig Prozent der britischen Juden ernsthaft überlegen würden das Königreich zu verlassen, wollte Labour-Chef und Terroristen-Sympathisant Jeremy Corbyn Premierminister werden.[4] Selbst wenn das geschehen sollte, wird es kaum einen Massenexodus britischer Juden geben. Aber über den Weggang nachzudenken ist bereits ein Indikator für Unbehagen.

Juden stellen weniger als 0,2% der Bevölkerung von Schweden, dennoch sind sie ein wichtiger Indikator des heiklen Zustands in diesem ultraliberalen Land. Schweden ist das einzige Land in Europa, in der eine jüdische Gemeinde, die in der Stadt Umea, den Beschluss fasste sich infolge von Neonazi-Drohungen aufzulösen.[5] Man kann eine ganze Reihe weiterer Beispiele von Antisemitismus als Indikatoren für den schlimmen Zustand des schwedischen Rechtsstaats anführen.

In der gedachten Annahme, dass keine lebenden Juden in Europa übrig bleiben, werden aber viele tote Juden verbleiben. Diese sind oft beliebter als die lebenden. Jüdische Friedhöfe werden bleiben. Allein in Polen gibt es mehr als tausend.[6] In bestimmten Regionen ist die Asche verbrannter Juden nicht aus dem Boden zu holen.

Nach dem Holocaust wurden viele Synagogengebäude vernichteter Gemeinden anderer Nutzung zugeführt. Dasselbe dürfte mit vielen der bestehenden jüdischen Gebäude geschehen. Die meisten nach Juden benannten Straßen werden wohl nicht umbenannt werden. Holocaust-Mahnmale werden nicht unbedingt abgeschafft. Besuche in Auschwitz und anderen Vernichtungslagern können weitergehen. Man braucht keine Juden, um jedes Jahr der Kristallnacht zu gedenken oder den internationalen Holocaust-Gedenktag zu begehen.

Es gibt europäische Führungspolitiker neben Kanzler Kurz, die starke Worte gegen Antisemitismus in den Mund nehmen. Das mag manchen Juden ein gutes Gefühl geben. Ob diese Äußerungen in der Praxis irgendetwas bedeuten, bleibt abzuwarten und benötigt detaillierte Recherche.

Weit wichtiger sind die Ergebnisse der anstehenden Konferenz in Wien. Eine Reihe notwendiger Empfehlungen ist einfach zu definieren. Dazu gehört die Zuwanderung weiterer Antisemiten nach Europa zu stoppen, die Gründung eines einheitlichen Systems für die Meldung antisemitischer Vorfälle in allen EU-Ländern und die Durchführung einer verlässlichen Studie zu antisemitischen Erfahrungen von Juden. Die aktuell von der FRA, der Europäischen Agentur für Fundamentale Rechte, durchgeführten Studie kann nicht genau sein. Darüber hinaus sollten in allen EU-Ländern Antisemitismus-Beauftragte ernannt werden, die dem deutschen Beispiel folgen. Zusätzlich sollte die Zahl der Mitarbeiter, die für den EU-Kommissar für Antisemitismus arbeiten, stark erhöht werden. Man könnte viele weitere Empfehlungen geben.

Die Äußerung von Kanzler Kurz war zweifellos gut gemeint. Doch wenn der letzte Jude Europa verlassen haben oder sterben sollte, würde eine wichtige und bequeme Veränderung erfolgen: Europas nicht lösbarer Kampf gegen Antisemitismus könnte aufgegeben werden.

[1] https://kurier.at/politik/inland/kurz-europa-ohne-juden-ist-nicht-mehr-europa/400310580

[2] ebenda

[3] http://www.lefigaro.fr/flash-actu/2016/01/10/97001-20160110FILWWW00025-valls-sans-les-juifs-de-france-la-france-ne-serait-pas-la-france.php

[4] http://www.thejc.com/news/uk-news/nearly-40-per-cent-of-british-jews-would-seriously-consider-emigrating-if-corbyn-became-pm-1.469270

[5] http://www.jta.org/2018/07/10/news-opinion/caught-between-jihadists-and-neo-nazis-swedish-jews-fear-for-their-future

[6] http://jewish-heritage-europe.eu/2017/11/01/the-state-of-jewish-cemeteries-in-poland-2017/

Wenn deutschsprachige Medien zur Jagd blasen

Daniel Pipes ist einer der angesehensten Historiker der USA. Er sagte quasi den 9/11 voraus, beschäftigt sich mit dem Islam, islamischem Terrorismus und Zusammenhängen mit Muslimen im Westen (wie sie sich gerieren, wie man sie agieren lässt und sich ihrem Diktat beugt).

Er hat ein Credo: Der militante/exstremistische Islam ist das Problem, der moderate Islam ist die Lösung.

Das hindert seine Gegner nicht darin ihn zu verleumden und den Versuch zu unternehmen ihn niederzumachen. So veröffentlichte DIE WELT lange Zeit Übersetzungen seiner Kolumnen – bis irgendjemand das nicht mehr wollte und er ohne weitere Ankündigung die Nachricht bekam, seine „unappetitlichen“ Texte seien nicht mehr erwünscht. Trotz seiner grundsätzlich positiven Sicht des Islam und der (verhementen) Verurteilung lediglich des extremistischen Islam wird er ihm unterstellt ein Islamhasser zu sein.

Jetzt wird er neuerdings als Neonazi und Hitlerverehrer hingestellt. Weil alles, was nicht ins gewollte Bild passt, in diese Ecke gepresst wird. Weil nicht mehr nachgesehen wird, was Fakten sind, sondern auf Trigger-Worte hin agiert/reagiert wird – scheiß auf die Fakten. Und die Qualitätsjournaille nichts mehr selbst recherchiert, sondern überall von anderen abschreibt, ohne die Inhalte zu hinterfragen (vorausgesetzt, sie stimmen mit dem gewollten Narrativ/der gewollten Wertung überein) und sich freiwillig gleichgeschaltet hat. Wieso das mit ihm gemacht wird, beschreibt er in seiner aktuellen Kolumne:

Erbost durch deutsche und österreichische Medien

Daniel Pipes, Washington Times, 19. September 2018

Europas Mainstream-Medien haben zu dem, was sie als „extreme Rechte“ und „Neonazis“ nennen einen Zustand verzerrter Raserei erreicht. Ich weiß das. Ich habe das gerade am eigenen Leib erfahren. Erlauben Sie mir bitte, davon zu erzählen.

Stilisierte Landkarte der geplanten Rebel Media-Reise.

Ezra Levant aus Kanada ist ein brillanter Konservativer und ein eloquenter Kritiker der Linken. Er ist unermüdlich und erfolgreich; Rebel Media, das er im Februar 2015 gründete, hat mehr als eine Million Abonnenten auf YouTube. Neben seinen vielen Themen, wie z.B. „ethischem Öl„, sorgt sich Levant wegen der Bedrohung durch den Islamismus.

Unsere gemeinsamen Ansichten bedeuten, dass wir oft kooperieren; und so lud er mich vor kurzem ein mich einer Kreuzfahrt von Rebel Media auf der Donau im Jahr 2019 anzuschließen, was ich annahm. Dabei wird auf ihren Tagesabschnitten in etwa jeweils die gleiche Distanz zurückgelegt, angefangen mit zwei Städten in Deutschland (Regensburg und Passau), dann vier in Österreich (Linz, Melk, Dürnstein, Wien), eine in der Slowakei (Bratislawa) und eine in Ungarn (Budapest).

Natürlich hat diese Fahrt auch ein politisches Element. Zu den Hauptdarstellern gehören die britische Journalistin Katie Hopkins und der Aktivist Tommy Robinson; und, so erklärt der Prospekt: „Wir werden uns auch mit politischen Führungskräften der demokratischen politischen Gruppen treffen, die am Erhalt westlicher Zivilisation und Werte arbeiten“ – der Partei Alternative für Deutschland, der Regierung von Sebastian Kurz in Österreich und der von Viktor Orbán in Ungarn.

Die Werbung für die Reise von Rebel Media.

Wer könnte etwas gegen diese unschuldige Mischung als Fröhlichkeit und Bildung haben?

So mancher. Der Angriff begann am 7. September, als die Zeitung Oberösterreichische Nachrichtenin Linz ihre Leser aufgeregt informierte: „Rechtsextreme Kreuzfahrt auf der Donau legt im Juni 2019 in Linz an“; dann sammelte sie Äußerungen des Landeshauptmanns, der Bürgermeisters und anderer Politiker, die uns einhellig erzählten, dass wir nicht willkommen sind; einer von ihnen forderte, dass die Reise unterbunden wird.

Es kam noch schlimmer. Große Medien in Österreich und Deutschland schmückten die Story im Herdentrieb aus, entstellten sie mit fast identischen Worten. Hier sehen Sie einige Schlagzeilen aus Deutschland, die auf den Besuch von Linz verweisen (das ist u.a. die Stadt, in der Simon Wiesenthal anfing Beweise für Nazigräuel zu sammeln):

· Die Welt: Rechtsextreme planen Kreuzfahrt mit Stopp in Hitlers „Heimatstadt“

· Berliner Kurier: „Rebel Cruise“ Rechtsextreme planen Kreuzfahrt mit Stopp in Hitlers „Heimatstadt“

· MSN (Deutschland): Rechtsextreme planen Kreuzfahrt mit Stopp in Hitlers „Heimatstadt“

Schlagzeile von „Die Welt“ vom 10. September 2018.

Damit machen österreichische und deutsche Medien aus einer kanadischen Organisation, die etwas zu Immigrations- und Islamisierungsproblemen in vier Ländern lernen möchte, eine heimliche Ehrerweisung für Hitler durch Neonazis.

Ich muss dieses Thema nun in persönlicherer Weise behandeln, in Begriffen, die ich normalerweise nicht aufwerfe:

Ein großer Teil meiner Familie wurde von den Nazis ermordet. Meine Eltern sind Holocaust-Überlebende. Ich wurde vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geboren. Als ich aufwuchs, warf die Tatsache, dass das fürchterlichste Verbrechen der Welt an meiner eigenen Familie verübt wurde, einen untilgbaren Schatten.

Unter der Erkenntnis, dass eine Katastrophe droht, wenn die Politik Fehler macht, studierte ich von früh an politische Philosophie. Ich kam zu dem Schluss, dass der amerikanische Mainstream-Konservatismus den sichersten Weg zu Freiheit, Wohlstand und Sicherheit bietet. In meinen Studentenjahren (1967 – 1971) studierte ich mit Harvey Mansfield und Robert Nozick. Ich las die National Review und Friedrich Hayeks Verfassung der Freiheit und ich bekämpfte die Totalitären der Neuen Linken.

Meine Karriere ist der politischen Besonnenheit und Mäßigung gewidmet. Ich schreibe darüber und spende dafür. Mit diesem Ziel diente ich den Regierungen von fünf US-Präsidenten und gründete das Middle East Forum. Ich lerne und lehre weiterhin zu diesem Thema.

Und jetzt erdreisten sich die Nachkommen der Nazis, die in genau den beiden Ländern leben, in denen der Holocaust entstand, anzudeuten, dass ich ein Neonazi sei, der Hitler die Ehre erweist. Ihre Impertinenz wird nur von meinem Ekel übertroffen.

Auf einer praktischeren Ebne bestätigt diese Verdrehung meine Skepsis gegenüber den europäischen Medien: Wie kann ich ihnen nach dieser Sache überhaupt noch etwas glauben?

Nehmen Sie den Fall Chemnitz, einer Stadt im früheren Ostdeutschland, wo zwei nahöstliche Migranten gerade einen Mann aus der Gegend töteten, was zu tagelangen Protesten und Wut führte. Die Medien und Politiker verorteten sofort angebliche Neonazis auf den Straßen der Stadt (Times of London: „Neo-Nazis rampage unchecked in Chemnitz“ – Neonazis randalieren ungehindert in Chemnitz) und machten verschlagen aus den Nahost-Migranten Opfer. Eine Überprüfung der Fakten erfordert, dass man sich einer alternativen Quelle wie Rebel Media oder Gatestone Institutezuwendet; es überrascht nicht, dass sich die Version der Mainstream-Medien als wüst ungenau erweist.

Menschenmengen protestieren gegen einen Mord in Chemnitz, marschieren unterhalb der massiven Büste von Karl Marx.

Die europäische Elite, die ich die 6 P nenne (Polizei, Politiker, Presse, Priester, Professoren und Staatsanwälte [„prosecutors“]) verdrehen schamlos die Fakten, um aus denjenigen, die ihr Erbe schützen, Kriminelle zu machen. Ich weiß das, denn auch ich bin jetzt ein Opfer davon.

Weitere Blickwinkel zum Besuch des österreichischen Kanzlers in Israel

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Dem ersten Besuch von Sebastian Kurz als österreichischer Bundeskanzler in Israel ist viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet worden. Dieser 31-jährige Politiker ist der Parteichef der Österreichischen Volkspartei (ÖVP).[1] Wenn seine Äußerungen und Taten typisch für alle besuchenden Regierungschefs europäischer Länder wären, hatte Israel die Beziehungen zur Europäischen Union enorm verbessert.

In Yad Vaschem gestand Kurz die große Verantwortung Österreichs und der Österreicher für „beschämende, während der Schoah begangene Verbrechen“ ein.[2] Er besuchte privat auch die Westmauer.[3] Die populistische Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), Juniorpartner der ÖVP, musste Kurz‘ Haltung gegen Antisemitismus übernehmen, um in die Regierung eintreten zu können.[4] Israel hat allerdings nur Kontakt mit Vertretern der von der FPÖ gehaltenen Ministerien gepflegt, weil die Partei Neonazi-Wurzeln hat.[5]

Während seines Besuchs bat Kurz Israel nicht einmal darum Kontakte mit den FPÖ-Ministern aufzunehmen. Das war eine angenehme Geste.[6] Der Boykott der Partei durch Israel kann gerechtfertigt werden, da es auch die sozialistische schwedische Außenministerin Margot Wallström nicht empfängt, eine Teilzeit-Antisemitin, die antiisraelischen Hass verbreitet.[7] Es wäre zudem eine interessante Vergleichsanalyse, würde man auswerten, wie FPÖ-Chef Heinz Christian Strache und der britische Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn jeweils zum Antisemitismus stehen.[8]

Kurz erwähnte muslimischen Antisemitismus nicht ausdrücklich, aber er sagte: „Ich kann Ihnen versichern, dass Österreich alle Formen des Antisemitismus in Europa entschieden bekämpfen wird, sei es ein bestehender oder ein neu importierter Antisemitismus.“[9] Österreich wird im nächsten halben Jahr die EU-Präsidentschaft übernehmen. Kurz versprach in Jerusalem, dass er sich während dieser Zeit darum bemühen wird, dass Europa Israels „besondere Sicherheitsbedürfnisse ernster nehmen wird“.[10] Kurz‘ Äußerungen sind um so wichtiger, als er ein stärkeres Profil Österreichs in der EU anstrebt als viele seiner Vorgänger.

Österreich machte, nachdem es 1938 Teil Deutschlands wurde, nicht nur bereitwillig beim Holocaust mit. Viele seiner Nachkriegs-Führungskräfte verzerrten die Geschichte des Landes stark, indem sie es als erstes Opfer des deutschen Nationalsozialismus hinstellten.[11] Ihnen half dabei die falsche Erklärung der Alliierten, dass Österreich Hitlers erstes Opfer gewesen sei.[12] Es sollte der österreichische Bundeskanzler Franz Vranitzky sein, Parteichef der sozialistischen SPÖ, der 1991 erstmals die Wahrheit sagte und sich gegenüber den Überlebenden entschuldigte.[13]

Einen der größten Nachkriegsskandale Österreichs leistete sich der ehemaligerÖVP-Parteichef Alois Mock. Er schlug 1986 den ehemaligen UNO-Generalsekretär Kurz Waldheim als Kandidaten seiner Partei für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten vor. Damals war bereits bekannt, dass sein Kandidat der Nazi-Studentenorganisation angehört hatte und Mitglied der paramilitärischen SA-Reiterstandarten war. Waldheim bagatellisierte die Fakten. Der sozialistische Parteichef und damalige österreichische Bundeskanzler Fred Sinowatz sagte daraufhin: „Ich nehme zur Kenntnis, dass Waldheim nicht bei der SA war – nur sein Pferd.“[14]

Waldheim hatte entscheidende Elemente seines Dienstes im Krieg in seiner Biografie ausgelassen.[15] Währen eines Zeitraums war er Adjutant des österreichischen Generals Alexander Löhr in Jugoslawien, der 1947 als Kriegsverbrecher hingerichtet wurde.[16] Ebenso wenig erwähnte Waldheim seine Stationierung in Saloniki während der Zeit, in der die große jüdische Bevölkerung zusammengetrieben und in ein Todeslager geschickt worden war. Er sagte später, er habe von dieser – unstrittigen – Tatsache nichts gewusst. Trotzdem wurde Waldheim vom österreichischen Volk gewählt. Während seiner Amtszeit sollte er oft von Moral und Werten sprechen.

Nachkriegsprobleme bezüglich Juden in Österreich beschränkten sich nicht nur auf die ÖVP. Der sozialistische Kanzler Bruno Kreisky stand an vorderster Front der Rehabilitierung früherer Nazis.[17] Er war zudem ein selbsthassender Jude, der sagte, wenn die Juden ein Volk wären, dann sei es „ein mieses Volk“.[18] All dies gibt den radikal anderen Haltungen eine Perspektive, die derzeit von Kurz zum Ausdruck gebracht werden.

Es gibt einen damit verbundenen Aspekt, der ebenfalls Erwähnung finden sollte. Der World Jewish Congress (WJC – Jüdischer Weltkongress) führte die Kampagne gegen Waldheim an und war für viele Aufdeckungen zu seiner Vergangenheit verantwortlich. Diese kleine Organisation – von Mock kräftig verleumdet – führte eine meisterliche Kampagne.[19][20] Der WJC hatte später den Erfolg, dass Waldheim die Einreise in die USA nicht mehr gestattet wurde. Er wurde als Präsident auch von anderen westlichen Ländern nicht mehr eingeladen.[21]

1994 sickerte allerdings durch, dass Papst Johannes Paul II. dem Katholiken Waldheim die päpstliche Ritterwürde verliehen hatte. Statt sie ihm eigenhändig zu überreichen, wurde das im Geheimen vom päpstlichen Nuntius, dem Erzbischof Donato Squicciarini gemacht. Die Washington Post schrieb: „Die neue Ehre seitens des Vatikans kam man kaum als Abweichung bezeichnen. Als der damalige Präsident Österreichs vom Großteil der Weltgemeinschaft ausgegrenzt wurde, schloss sich der Vatikan einigen arabischen und kommunistischen Ländern an, Waldheim als ganz normales Staatsoberhaupt zu behandeln. … Dass der Papst einen solchen Mann ehrt, entehrt sowohl den Papst selbst als auch den Vatikan.“[22]

Die erfolgreiche Kampagne des WJC gegen Waldheim steht schlussendlich in starkem Kontrast zur regelmäßigen Unbeholfenheit des Handelns der israelischen Regierung gegenüber ihren Gegnern.

[1] http://www.timesofisrael.com/austrian-leader-visits-yad-vashem-vows-to-ensure-horrific-crimes-remembered/

[2] ebenda

[3] ebenda

[4] http://www.haaretz.com/world-news/europe/austrian-jewish-leader-not-credible-fpo-tackling-anti-semitism-1.5824303

[5] http://www.jpost.com/Israel-News/Politics-And-Diplomacy/Israel-renegotiates-ties-with-Austria-over-party-with-Nazi-roots-550024

[6] http://www.dw.com/en/austrian-chancellor-sebastian-kurz-in-israel-vows-to-fight-anti-semitism-promote-israeli-security/a-44164344

[7] www.jpost.com/Israel-News/Politics-And-Diplomacy/Israel-blasts-Swedish-FM-for-supporting-terrorism-encouraging-violence-441266

[8] https://besacenter.org/perspectives-papers/uk-labour-antisemitism/

[9] http://www.israelhayom.com/2018/06/12/in-israel-austrian-chancellor-vows-to-fight-all-forms-of-anti-semitism/

[10] derstandard.at/2000081324311/Die-besondere-Verantwortung-Oesterreichs

[11] Manfred Gerstenfeld: The Abuse of Holocaust Memory Distortions and Responses. 2009, JCPA, S. 25.

[12] http://www.demokratiezentrum.org/wissen/timelines/der-opfermythos-in-oesterreich-entstehung-und-entwicklung.html

[13] ebenda

[14] https://diepresse.com/home/zeitgeschichte/641277/Sinowatz_Nur-sein-Pferd-war-bei-der-SA-

[15] http://www.nytimes.com/1986/03/04/world/files-show-kurt-waldheim-served-under-war-criminal.html

[16] ebenda

[17] Robert Wistrich: From Ambivalence to Betrayal. Lincoln (University of Nebraska Press) 2012, S. 478-508

[18] ebenda

[19] http://www.worldjewishcongress.org/en/news/former-un-secretary-general-kurt-waldheim-dies-at-88?printable=true

[20] http://www.nytimes.com/1986/05/17/world/wiesenthal-faults-jewish-congress-on-waldheim.html

[21] http://articles.latimes.com/2012/apr/11/local/la-me-elan-steinberg-20120411

[22] http://www.washingtonpost.com/archive/opinions/1994/07/28/a-papal-pardon-for-waldheim/4fcd4ea2-c9b0-4d6b-b73c-b18cd40eae3e/

Nicht dasselbe: deutsche und österreichische Rechtsextreme

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Bei den jüngsten Parlamentswahlen verbesserten die weit rechts stehende deutsche AfD und die österreichische FPÖ erheblich ihre Positionen. Bezüglich sowohl Juden als auch Israel ist eine detailliertere Analyse nötig, um die Unterschiede der Einstellungen dieser beiden rechten Parteien zu verstehen. Viele Medien werfen sie in einen Topf, als wären sie dasselbe. Israelische und lokale jüdische Interessen in Bezug auf diese Parteien sind ebenfalls nicht notwendigerweise dieselben.

Mit 12,6 Prozent der Stimmen bei der Wahl vom 24. September ist die AfD zum ersten Mal in den Bundestag eingezogen. Sie wurde die drittstärkste Partei. Teile ihrer aktuellen Führung scheinen eine langfristige Oppositionsrolle anzustreben. Dadurch sind einige ihrer Schlüsselpersonen in der Lage extreme Positionen einzunehmen und die AfD fühlt sich nicht unter Druck dubiose Vertreter auszuschließen.

Ein ins Parlament zurückgekehrtes AfD-Mitglied ist Martin Hohmann. 2003 schloss die CDU dieses Bundestagsmitglied aus, Monate nachdem er Israelis als „eine Nation von Kriminellen“ bezeichnet hatte. Er nutzte den Ausdruck „Tätervolk“ – ein Begriff, der allgemein für Nazideutschland reserviert ist.[1]

Alexander Gauland, Co-Vorsitzender der Partei, ist auch ein ehemaliges CDU-Mitglied. Er will einen Schlussstrich unter die Nazi-Vergangenheit ziehen, obwohl schon eine oberflächliche Analyse zeigt, dass die Vergangenheit das zeitgenössische Deutschland weiterhin auf viele Weisen beeinflusst.[2] Diese Realität ist als Ergebnis der vielen negativen Reaktionen auf Kanzlerin Angela Merkels Willkommenspolitik für mehr als eine Million Flüchtlinge gestärkt worden.

Gauland hat die deutschen Soldaten, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg ihre Pflicht taten, gerühmt. Er machte klar, dass er weder den Holocaust noch die von der Wehrmacht verübten Kriegsverbrechen bestreitet.[3] Gauland erklärte zudem, dass Juden von seiner Partei nichts zu befürchten haben.[4] Mehrere deutsch-jüdische Leiter sind anderer Meinung.

Der AfD-Parteichef in Thüringen, Björn Höcke, hat Berlins Holocaust-Mahnmal „ein Monument der Schande“ genannt. Er hat zudem bestritten, dass Adolf Hitler absolut böse war. Höcke fügte hinzu: „Wir wissen, dass es in der Geschichte kein Schwarz und Weiß gibt.“ Seine Haltung wurde von mehreren anderen Mitgliedern seiner Partei angegriffen, aber er ist nicht der Einzige in der AfD, der Äußerungen getätigt hat, die die Bedeutung des Holocaust verzerren und missbrauchen.[5]

Man sollte beachten, dass Frauke Petry, eine ehemalige Mit-Parteichefin, die AfD verlassen hat. Sie wollte eine konservative AfD, frei von Antisemitismus, die ein potenzieller Koalitionspartner sein könnte. Auf Petrys Antrag hin schrieb ich eine Stellungnahme, die den antisemitischen Charakter einer Reihe von Äußerungen Wolfgang Gedeons bestätigte, [6] Mitglied der AfD im Landtag von Baden-Württemberg. Daraufhin überzeugte Petry Gedeon die AfD-Fraktion zu verlassen.[7]

Die Zukunft der AfD bleibt unklar. Am wahrscheinlichsten wird es anhaltende Spannungen zwischen radikalen Nationalisten und moderateren Persönlichkeiten geben. Dennoch ist zu bezweifeln, dass die Anhänger der AfD einen Teil der Muslime in Deutschland als die extremsten Antisemiten des Landes ersetzen werden. Allerdings ist Deutschland ein föderaler Staat und die Einstellungen regionaler AfD-Repräsentanten sind nicht unbedingt identisch mit denen an der nationalen Spitze. Holocaust-Verzerrung und antisemitische Äußerungen können wieder vorkommen. Die deutschen Juden können protestieren, werden aber damit leben müssen. Es gibt Hinweise, dass die meisten Mitglieder der AfD-Führung pro-israelisch sind.[8]

In Österreich ist die Situation teilweise anders. Die konservative ÖVP mit ihrem 31-jährigen Vorsitzenden Sebastian Kurz ging als stärkste Partei aus der Parlamentswahl vom 15. Oktober hervor; sie erhielt 31,5% der Stimmen. Kurz hat sich entschieden in Koalitionsverhandlungen mit der FPÖ einzutreten, die von Heinz-Christian Strache geführt wird. Die weit rechts stehende Partei belegte mit 26% der Stimmen den dritten Platz, kurz hinter der sozialistischen SPÖ unter Führung von Noch-Kanzler Christian Kern.

Kurz hatte erklärt, dass ihm Null Toleranz für Antisemitismus sehr wichtig ist. Er sagte der FPÖ, dass er von ihr eine Verpflichtung gegen Antisemitismus erwartet und fügte hinzu: „Es handelt sich um eine klare Vorbedingung für eine Koalition unter meiner Leitung.“[9]

Wenn die Koalition zustande kommt, wird es nicht die erste ÖVP-FPÖ-Regierung sein. Von 2000 bis 2005 bildeten die beiden Parteien unter Kanzler Wolfgang Schüssel bereits eine solche Koalition. Weit früher, 1970, berief der sozialistische Kanzler Bruno Kreisky vier ehemalige Nazis in sein Kabinett aus elf Ministern. Er legitimierte sie nicht nur, sondern wusch sie auch rein. Kreisky war ein selbsthassender Jude, der sagte, die Juden seien kein Volk und wenn sie ein Volk wären, dann wären sie ein mieses Volk.[10]

Die österreichische jüdische Gemeinschaft hat Widerstand gegen den Eintritt der FPÖ in die Regierung zum Ausdruck gebracht. Oskar Deutsch, der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, hat einen offenen Brief an die ÖVP und die SPÖ geschrieben. In einer Erklärung zur FPÖ sagte er: „Wenn sich der nationalistische Wolf einen blauen Schafspelz überzieht, ändert er sein Wesen nicht, nur sein Aussehen.“[11] Als Deutsch auf seiner Facebookseite gegen die FPÖ schrieb, erhielt er eine Flut antisemitischer Reaktionen.[12] Der frühere Gemeindevorsitzende Ariel Muzicant hat bei mehreren Gelegenheiten gesagt, die FPÖ habe einen „Kern von Kellernazis“.[13]

Die derzeitige Realität der AfD wird es nicht nötig machen, das Israel irgendwelche offiziellen Kontakte mit ihren Vertretern hat. Wenn die FPÖ in die österreichische Regierung eintritt, könnten ihre Minister Kontakte zu israelischen Repräsentanten haben oder das Land besuchen. Wenn Israels Regierung die Minister der niederländischen, linskliberalen, antiisraelischen Hetzpartei D66 nicht boykottiert, dann gibt es keinen Grund die FPÖ-Minister zu boykottieren, außer sie äußern sich antisemitisch, was ihnen auch Ärger mit Kanzler Kurz einbringen würde.

[1] http://www.welt.de/politik/article308309/Hohmann-vor-Parteigericht-der-CDU.html

[2] http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-09/afd-alexander-gauland-nazi-zeit-neubewertung

[3] http://www.welt.de/politik/deutschland/article168696834/Gauland-verteidigt-seine-Aussage-ueber-Wehrmachtssoldaten.html

[4] http://www.tachles.ch/news/juden-haben-gemaess-der-afd-nichts-zu-befuerchten

[5] http://www.newsweek.com/jews-germany-anti-semitic-hitler-afd-579952

[6] http://www.audiatur-online.ch/2016/11/01/definition-von-antisemitismus-eine-graue-theorie/

[7] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/wolfgang-gedeon-tritt-aus-afd-fraktion-aus-a-1101509.html

[8] http://www.timesofisrael.com/loathed-by-jews-germanys-far-right-afd-loves-the-jewish-state/

[9] http://derstandard.at/2000066522122/Regierungsverhandlung-Warnung-vor-FPOe-loest-antisemitischen-Sturm-aus

[10] Robert S. Wistrich: From Ambivalence to Betrayal: The Left, the Jews, and Israel. Lincoln (University of Nebraska Press) 2012, S. 496. S. auch: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41376698.html

[11] http://derstandard.at/2000066468022/Israelitische-Kultusgemeinde-warnt-OeVP-und-SPOe-vor-dem-blauen-Wolf

[12] http://derstandard.at/2000066522122/Regierungsverhandlung-Warnung-vor-FPOe-loest-antisemitischen-Sturm-aus

[13] http://diepresse.com/home/innenpolitik/711439/Muzicant_FPOe-hat-einen-Kern-von-Kellernazis

Qualifizierte Hetze auf Österreichisch

Warum sollte es in anderen Ländern anders sein als bei uns? In Österreich gibt es auch öffentlich-rechtlichen Rundfunk und der geriert sich mindestens so schlimm wie der bei uns. Der 10. Oktober war so ein gemeinschaftlicher „Haut auf Israel ein“-Tag der Medien in Europa, wie es scheint. Die Gelegenheit durfte man sich aber auch einfach nicht entgehen lassen. Die BBC machte den Vorreiter, derart toll, dass sie sich eine Drohung des Pressebüros der israelischen Regierung einhandelte, man behalte sich vor BBC-Korrespondenten die Akkreditierung abzuerkennen. Sie änderten die unglaubliche Schlagzeile dreimal, ohne dass diese ihre Einseitigkeit verlor.

Aber um die geht es hier nicht, wir konzentrieren uns auf den ORF. Der machte mit einer Schlagzeile auf, wie sie boshafter verdrehend kaum möglich ist:

ORF2015-10-10_1

Es kann nicht sein, es darf nicht sein, dass „Palästinenser“ etwas anderes als Opfer sind. Und wenn „Palästinenser“ Opfer sind, dann ist klar, wer Täter ist – die (israelischen) Juden. Palästinenser wurden getötet, bitte keine Ursachen in die Schlagzeile!

Der erste Absatz ist nicht besser. Nebenher wird erwähnt, dass „einige“ der Toten „orthodoxe Juden“ angegriffen hatten. So etwas schreibt man aber bitte in reichlich jüdische Gewalt, damit es nicht schlimm aussieht. Und überhaupt, orthodoxe Juden – die anzugreifen ist ja wohl mehr als gerechtfertigt, oder? Schließlich hat man seit inzwischen mindestens zwei bis zweieinhalb Jahrzehnten daran gearbeitet dem Nachrichtenkonsumenten das Bild des gewalttätigen, kriminellen jüdisch-orthodoxen, nationalreligiösen Bösen einzubläuen. Da ist die Beschreibung „orthodoxe Juden angegriffen“ schon ein Kampfargument zugunsten der Täter.

Die Aufrechnung der Toten darf auch nicht fehlen, damit die Perspektive stimmt: 19 Palästinenser sind tot, aber nur 4 Israelis. Hm – Juden, zu den Tätern gehören gelegentlich auch israelische Araber, zur Zeit immer mehr. Aber das muss ja nicht erwähnt werden, „Israelis“ sind die Juden, die anderen sind Palästinenser…

Und weiter im Thema: Gute Palästinenser, schlechte Palästinenser – nur Haniyeh von der Hamas hat aufgefordert den „Widerstand“ (der vom ORF nicht in Anführungszeichen gesetzt wird!) zu intensivieren. Was Mahmud Abbas und seine Kumpane so verkünden, wie sie die Terroristen hochleben lassen, das fällt unter den Tisch. Man muss das Zerrbild des moderaten Palästinenserführers aufrecht erhalten, sonst könnte man den Juden nicht so schön am Zeug flicken.

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Aber Haniyeh scheint nur zu reden, ganz im Gegensatz zu Israel. Dessen Soldaten erschossen gleich wieder zwei Palästinenser. Eigentlich grundlos, denn die Begründung ist nach ORF-Darstellung nicht glaubwürdig: „Sie hätten zuvor vier orthodoxe Juden mit Messern verletzt, erklärte die Poizei“ – ist also nicht erwiesen und der Konjunktiv unterstellt Unwahrheit. So wird das gemacht in der Qualitätspresse, wir kennen das: Israelische Angaben werden per Konjunktiv in Zweifel gezogen oder zumindest infrage gestellt, die der Araber als Tatsachen berichtet. (Und wenn es nicht anders geht als israelische Angaben als Fakten zu berichten, dann kann man wenigstens noch in Zweifel ziehen ob die Folgen, das israelische Handeln angemessen war.)

Genauso geht es weiter: Israelis töten – ein Palästinenser von „paramilitärischer Polizei“ in Schuafat; zwei weiter am Gazastreifen – und die Gründe sind zumindest zweifelhaft – „hätte das Feuer eröffnet“, „hätten sich nicht dort aufhalten dürfen“, „hätten Steine …. geworfen“. Was Israel sagt, kann so nicht stimmen und ist schon gar kein Grund zu schießen. Die Araber wollen ja nur spielen, die haben keine Mordabsichten.

Und da kann und darf auch nicht fehlen, dass die Luftwaffe wieder Böses angerichtet hat. Die Luftwaffe hat eine Frau und ihr Kind getötet, als sie zwar ein Hamas-Ziel beschoss, aber dadurch auch ein Haus in der Nähe einstürzte. Das geht nicht, dass Israel die Hamas beschießt und dabei niemand außer Zivilisten getroffen werden. Mal abgesehen davon, dass die IDF und die Regierung sofort bedauerten, dass es diese unbeteiligten Toten (und weitere Verletzte) gab: In unserer Medien- und Gutmenschenlandschaft ist es unentschuldbar, dass Juden gegen Terroristen vorgehen und jede Gelegenheit wird ausgeschlachtet, um das klar zu machen. Warum die Hamas ihre Trainingslager, ihre „Militär“-Posten und Waffen in unmittelbarer Nähe zu Wohnhäusern einrichtet, ist NIE Thema. Dass die Hamas unbedingt diese zivilen Opfer haben will, um sie der Welt unter die Nase zu reiben, weil sie genau weiß, wie der Westen auf jüdische Selbstverteidigung reagiert und am besten mit solchen Opfern aufgebracht werden kann, spielt keine Rolle. Man könnte manchmal auf den Gedanken kommen, wenn die Terroristen das nicht so machen würden, sie würde von unseren geistigen Eliten darauf gedrängt so zu handeln, damit man auf den Juden eindreschen kann.

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Der letzte Absatz ist wieder so eine nur scheinbar neutrale Schilderung. In Wirklichkeit wird damit Israel angeklagt. Schließlich haben die geschossen, obwohl nicht klar war, wer da Raketen schoss. Zumal die ja nicht alle in Israel einschlugen und nun auch noch gar keinen Schaden anrichteten. Wir haben das beliebteste Bild des Nahost-Konflikts überhaupt: Tote Palästinenser, die nichts angerichtet haben, aber die Juden rächen sich trotzdem. Dass die Raketen nun mal gar nicht geschossen wurden, um keinen Schaden anzurichten – geschenkt, das muss keiner beachten, dann könnte man Israel ja womöglich noch verstehen.

Der ORF macht kräftig mit im Spiel, das die Hamas und die anderen Terroristen von Mahmud Abbas über den Palästinensischen Islamischen Jihad und Hisbollah bis hin zu den Terror-Mullahs in Teheran vorgeben und das vom Westen nur allzu gerne mitgespielt wird: Lasst uns gegen die Juden schießen, das ist immer eine Win-Win-Situation. Schaffen wir es Juden zu schädigen oder gar zu töten, ist das ein Erfolg. Auch propagandistisch, nicht nur bei den eigenen Leuten. Und schaffen wir das nicht, dann ist das auch ein Erfolg, weil die Juden sich wehren werden und wir können ihnen Unverhältnismäßigkeit, biblische Rache und hoffentlich sogar Mord an Unbeteiligten anhängen. Die Idioten im Westen machen das mit. Sie konzentrieren sich sogar bei erfolgreichem Judenmord auf uns als Oper. Wir können nur gewinnen.

Der ORF gehört damit mit zu den Haupttätern beim Antisemitismus 2.0 – der Verleumdung und Bekämpfung des Juden unter den Staaten.

Österreichischer Antisemitismus und Antiisraelismus

Manfred Gerstenfeld interviewt Anton Pelinka (direkt vom Autor)

Antisemitismus in Österreich drückt sich in klassischen Vorurteilen und außerdem verkleidet als Antizionismus aus. Die Tendenz, Juden mit Ausbeutung und rein spekulativem Kapitalismus zu identifizieren, ist immer noch in Teilen der österreichischen Gesellschaft zu beobachten – besonders bei älteren und weniger gebildeten Menschen. Perverserweise werden Juden gleichzeitig oft für alle Varianten des Kommunismus verantwortlich gemacht. Es hat allerdings seit einer Reihe von Jahren keine Berichte über antisemitische Gewalt im Land gegeben.

Die jüdische Gemeinschaft in Österreich ist klein. Sie zählt nur 10.000 Mitglieder, von denen 9.000 in Wien leben. Juden repräsentieren damit kaum ein Tausendstel der 8,5 Millionen zählenden Bevölkerung Österreichs.

AntonPelinkaProfessor Anton Pelinka ist ein führender und international bekannter Politikwissenschaftler. Er ist Professor für das Studium des Nationalsozialismus und Politikwissenschaften an der Zentraleuropäischen Universität in Budapest.

Die Leute, die antisemitische Taten begehen, kommen aus verschiedenen Hintergründen. Es gibt mehrere rechtsextreme Organisationen, von denen manche Verbindungen zur weit rechts stehenden Freiheitlichen Partei haben. Ein Aspekt ihres Antisemitismus ist historischer Revisionismus, der von der Verneinung der deutschen Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg bis zu seiner extremsten Form, der Holocaust-Leugnung reicht.

Ein zweites, eher kleines antisemitisches Segment sind extrem konservative Katholiken. Sie beleben alte christlich-antisemitische Stereotype neu, darunter „die Juden sind die Christusmörder“. Zu ihnen gehört die „Pius-Bruderschaft“. Eine dritte Gruppe sind weit links stehende „Antizionisten“ und Globalisierungsgegner.

Die Österreichisch-Arabische Gesellschaft ist eine offen antiisraelische Lobby. Sie hat mehrere Verbindungen zur Sozialdemokratischen Partei. Diese Organisation besteht zumeist aus linken Österreichern, die behaupten der antizionistischen Politik des verstorbenen jüdischen Kanzlers Bruno Kreisky zu folgen. Sie könnten infolge der Umbrüche in arabischen Staaten seit 2011 etwas an Einfluss verloren haben.

Österreichs derzeitige Regierung – eine Koalition aus den Sozialdemokraten und der konservativen Österreichischen Volkspartei – achtet gewöhnlich sorgfältig darauf sich auf keine Seite zu stellen, wenn es um den israelisch-arabischen Konflikt geht. Aber 2012, als die UNESCO über die Mitgliedschaft der Palästinenser entschied, stimmte Österreich dafür. Österreich stimmte auch für den „Nichtmitgliedsstaat“-Status Palästinas in der UNO-Vollversammlung.

Einige österreichische Politiker sich heftig antiisraelisch geäußert. Der extremste Fall von zweierlei Maß, der immer ein wichtiges Merkmal des Antisemitismus war, ereignete sich im Frühjahr 2010. Damals kritisierte der gesamte Wiener Stadtrat – der aus Sozialdemokraten, Freiheitlichen, ÖVP und den Grünen besteht – Israels Angriff auf die Mavi Marmara, das türkische Schiff in der Gaza-Flottille. Syrien hat der Rat jedoch nie verurteilt.

Ein weiteres Beispiel gab es im Mai 2012, als der Sozialdemokrat Norbert Darabos – damals noch Verteidigungsminister – sagte, Avigdor Lieberman sei als israelischer Minister „untragbar“. Diese konzentrierte Diskriminierung war ein typisches Beispiel latenter antiisraelischer Einseitigkeit in allen Parteien Österreichs. Von Darabos gibt es keine Aufzeichnung kritischer Äußerungen über irgendeinen anderen Außenminister.

Die Kronenzeitung, Österreichs auflagenstärkste Tageszeitung, nimmt eine sehr ambivalente Haltung ein: Die Zeitung ist moderat pro-israelisch, spielt aber auch Beispiele weit rechten und Neonazi-Extremismus herunter. Die zweitgrößte landesweite Zeitung, der Kurier, ist traditionell pro-israelisch und auch weit kritischer zu Aspekten der Nazivergangenheit Österreichs. Die führenden „Qualitäts“-Zeitungen Die Presse und Der Standard sind zumeist unparteiisch, wenn es um Israel geht. Der Standard kritisiert Fehltritte der österreichischen Behörden im Umgang mit Neonazi-Gruppen. Ihr Journalist Hans Rauscher und die Wochenzeitung Profil stellen regelmäßig Antisemitismus bloß.

Die österreichischen Medien sind sehr sprunghaft. Sie benutzen oft einen bestimmten Politiker wie den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu für allgemeineres Israel-Bashing. Israels Politik wird auf schärfere Weise kritisiert, als wenn Länder wie Frankreich, Ägypten, Österreich oder der Iran für dieselbe Politik verantwortlich sind. Derartiges zweierlei Maß ist auf viele Weise offenkundig. Wenn z.B. ein arabisches Kind im Gazastreifen von einem israelischen Soldaten getötet wird, gibt es einen Aufschrei. Es gibt aber keine Missbilligung, wenn tagtäglich Hunderte Araber in Syrien von anderen Arabern getötet werden.

Es gibt aber auch Gruppen, die Antizionismus bekämpfen. Eine ist „Café Critique“, die hauptsächlich aus jungen Intellektuellen besteht. Sie kritisieren antiisraelische Einseitigkeit, z.B. wenn die existenzielle Notwendigkeit der Selbstverteidigung Israels ignoriert wird. Sie gehen auch gegen Antisemitismus in der muslimischen Welt vor, insbesondere gegen den im Iran.

Die Zahl der Muslime nähert sich der halben Million. Die meisten leben in Wien und in geringerem Maß in kleineren Industriestädten im westlichen Österreich. Sie sind zumeist Einwanderer der ersten und zweiten Generation und gehören zu wirtschaftlich schwächeren Teilen der Gesellschaft. Viele Muslime mit türkischem oder bosnischem Hintergrund sind säkular. Es gibt eine fundamentalistische Minderheit wie auch eine kleine Gruppe Konvertiten vom Christentum. Zu diesen gehören extreme Fundamentalisten mit Verbindungen zu talibanartigen Gruppen in Pakistan.

Pelinka schließt: Es wäre ratsam, wenn Israel junge Politiker aus den großen österreichischen Parteien – mit Ausnahme der Freiheitlichen Partei – zu Besuchen einlädt. Sie sollten es nicht nur als Land der Holocaust-Überlebenden sehen, sondern auch als komplexe und multikulturelle Demokratie.“

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

Von Saudi-Arabien gestütztes Institut für „Toleranz“ und Schätzung von Ironie in Wien eröffnet

Marisol, Jihad Watch, 14. Oktober 2011

Die Lage in Saudi-Arabien selbst beweist, dass diese Truppe, das Internationale König Abdallah Bin Abdualziz Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog (so was kann man nicht erfinden) nichts anderes ist als ein Außenposten für Dawah, das ist die islamische Missionierung, und für Täuschung. Wenn es für irgendetwas gut ist, dann konstituiert es eine grelle Studie der Gegensätzlichkeiten zwischen der Scharia, wie sie in diesem „interreligiösen“ Schwindel in Wien beworben wird, und der Scharia, wie sie in Saudi-Arabien eingehalten wird.

Ohne Gewähr: „Von Saudi-Arabien gestütztes religiöses Toleranz-Zentrum eröffnet“, von George Jahn für Associated Press am 13. Oktober:

WIEN (AP) – Saudi-Arabien weihte Donnerstag ein interreligiöses Zentrum in Wein ein und sein Außenminister sagte, er hoffe, der Geist der Toleranz, den die neue Institution verkörpere, werde seinem konservativ muslimischen Land helfen, das jegliche Religion außer dem Islam verbietet.

Wenn man 1683 keinen Erfolg hatte, versucht man es wieder, versucht man es wider. „Krieg ist Täuschung“, sagte Mohammed.

Die Äußerung von Außenminister Saud al-Faisal war eine ungewöhnlich klare Absichtserklärung der Herrscher Saudi-Arabiens zur Arbeit für religiöse und soziale Reformen aus dem Ausland angesichts innenpolitischer Opposition gegen raschen Wandel.

Das Zentrum hat Diskussionen ausgelöst. Unterstützer hoffen, dass es Toleranz in Saudi-Arabien fördern wird, einem Königreich, das derzeit jede Religion außer dem Islam verbietet. Kritiker, darunter Österreichs Grüne Partei und moderat muslimische Gruppen in Österreich, sagen, die Saudis seien das letzte Volk, das Gastgeber für Initiativen zu religiöser Koexistenz sein sollten.

Wenn das Ziel ist Saudi-Arabien zu verändern, könnte sie überlegen es – sagen wir mal – in Saudi-Arabien zu versuchen.

Vor den Einweihungszeremonien am Donnerstag zitierte die Tageszeitung Der Standard Rabbi David Rosen vom American Jewish Committee, der saudische Pläne kritisierte die anfänglich die Aufsicht über die Institution auszuüben; er sagte, diese müsse „vollkommen unabhängig“ sein.

Der Wahhabismus – der sunnitische Strang des Islam, der in Saudi-Arabien praktiziert wird – gilt als einer der konservativsten der Religion. Einige seiner Grundsätze wurden von Osama bin Laden und weiteren Terroristen für sich beansprucht, um ihre Taten zu rechtfertigen.

Die strikten Interpretationen des Galubens haben dazu geführt, dass saudischen Frauen das Recht genommen ist Auto zu fahren und ohne die Erlaubnis eines männlichen Verwandten das Haus zu verlassen. Sie haben außerdem die Verbindungen zum anderen wichtigen Zweig des Islam, dem Shiitentum, zerfleddert, was große Rivalitäten zwischen Saudi-Arabien und dem vorwiegend schiitischen Islam offen legte.

Die sunnitisch-schiitische Jihad ist natürlich keine Erfindung eines dieser beiden Länder.

Die Beziehungen erreichten diese Woche nach US-Vorwürfen einen Tiefpunkt, dass der Iran hinter einem Komplott zur Ermordung des saudischen Botschafters in Washington steckt.

In Wien, um das interreligiöse Zentrum zu eröffnen, warf der saudische Außenminister Saud al-Faisal Teheran „Mord und Chaos“ vor und sagte, sein Land arbeite an einer „wohl überlegten Antwort“ auf den behaupteten iranischen Mordversuch.

Doch die meisten seiner Kommentare konzentrierten sich auf das „Internationale König Abdallah Bin Abdulaziz-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog“ – und er schien eifrig darauf bedacht Skepsis zur Verbindlichkeit seines Landes zerstreuen, um es zu einem Mittelpunkt von interreligiösem Dialog und Toleranz zu machen.

In einer ungewöhnlich offenen Erklärung, die den Vorstoß der saudischen Führung nach Veränderung widerspiegelt, sagte der Minister, er hoffe „das Zentrum werde die Führung dabei übernehmen“ Saudi-Arabien zu einer toleranteren Gesellschaft zu machen.

Wie genau soll das nochmal funktionieren?

„Saudi-Arabien ist bereit sich finanziell an diesem Projekt zu beteiligen und all seine moralischen und politischen Ressourcen in solch ein Zentrum zu stecken, ohne … seiner Autonomie oder Unabhängigkeit von politischer Einmischung zu beeinträchtigen“, sagte er Offiziellen und Reportern.

Außerdem warnte er vor „extremistischen Minderheiten innerhalb jeder religiösen und kulturellen Gemeinschaft…, die danach streben… Ideen von Intoleranz, Ausgrenzung, Rassismus und Hass zu propagieren.

In letzter Zeit mal ein saudisches Schulbuch in die Hand genommen?

„Diese winzigen Minderheiten“, sagte er, „versuchen die legitimen Identitäten und Ziele von Völkern aller Kulturen und Glaubensrichtungen zu kapern.“

Das Gründungsdokument zitiert Prinzipien, die in der Universalen Erklärung der Menschenrechte verankert sind, „insbesondere das Recht Gedankenfreiheit, Gewissensfreiheit und Religionsfreiheit.“ Es betont „Menschenrechte und fundamentale Freiheiten für alle ohne Unterschied in Rasse, Geschlecht, Sprache oder Religion.“

Sein Vorstand wird aus drei Christen, drei Muslimen, einem Juden, einem Buddhisten und einem Hindu bestehen…

Also könnten zwei Drittel des Vorstands ihre Religion in Saudi-Arabien nicht ausüben. Welches Land braucht noch mal ein nigelnagelneues Toleranz-Institut?