Der Islam kriecht auf einen Berg europäischer Leichen

Ein weiterer wichtiger Moment in der Geschichte

Raymond Ibrahim, FrontPageMagazine, 17. Juni 2020

Anfang dieser Woche, am 15. Juni, ereignete sich im Jahr 1389 eine zentrale militärische Begegnung zwischen dem Islam und dem Westen: die Schlacht im Kosovo. In ihrem Gefolge wurde der Islam zur dominierenden Kraft in Osteuropa – er unterwarf einen Großteil des Balkans bis ins frühe 20. Jahrhundert. Die Geschichte dieser Schlacht – und warum Osteuropas moderne Nachfolgen der Religion Mohammeds gegenüber argwöhnisch bleiben, folgt:

Als der türkische Gründer des osmanischen Reiches, Osman Bey – dessen kleines Emirat im westlichsten Teil Anatoliens (oder Kleinasiens) konzentriert war – 1323 im Sterben lag, sagte er seinem Sohn und Nachfolger Orhan, er solle „den Islam mit deinen Waffen verbreiten“ und zwar nach Osteuropa.

Eifrig machte sein Sohn genau das; Der Reisende Ibn Batutua, der Orhan einst in Bursa traf, stellte fest, obwohl der Jihadist einige hunderte byzantinische Festungen eingenommen hatte, „war er nie einen ganzen Monat lang in einer von ihnen geblieben“, denn er „kämpft ständig gegen die Ungläubigen und hält sie unter Belagerung“. Christliche Städte fielen wie Dominosteine: Smyrna 1329, Nicäa 1331 und Nicomedia 1337. Bis 1340 befand sich ganz Nordwest-Anatolien unter türkischer Kontrolle. Inzwischen und um einen europäischen Zeitgenossen zu zitieren, „waren die Feinde des Kreuzes und die Mörder des christlichen Volkes, das sind die Türken, von Konstantinopel durch einen Kanal von drei oder vier Meilen getrennt“.

Bis 1354 schafften es die osmanischen Türken unter Orhans Sohn Suleiman, die Dardanellen zu überqueren und in die aufgegebene Festungsstadt Gallipoli einzuziehen, womit sie ihren ersten festen Halt in Europa hatten: „Wo es Kirchen gab, zerstörte er sie oder mache aus ihnen Moscheen,“ schreibt ein osmanischer Chronist: „Wo es Kirchenglocken gab, zerbrach Suleiman sie und warf sie in Feuer. Deshalb gibt es anstelle der Glocken heute Muezzine.“

Gereinigt von allem christlichen „Dreck“ wurde Gallipoli, wie ein späterer osmanischer Bey prahlte, „zum muslimischen Hals, der jede christliche Nation verschlingt – der die Christen würgt und vernichtet“. Aus dieser heruntergekommenen, aber strategisch platzierten Festungsstadt begannen die Osmanen eine Terrorkampagne durch die Landschaft, immer davon überzeugt, sie würden Gottes Werk tun. „Sie leben vom Bogen, dem Schwert und Ausschweifung, fanden Vergnügen daran Sklavinnen zu nehmen und widmete sich Mord, Plünderung und Ausbeutung“, erklärte Gregory Palamas, ein orthodoxer Metropolit, der in Gallipoli gefangen genommen wurde; er fügte hinzu: „Und sie begingen nicht nur diese Verbrechen, sondern sie glaubten – welche Verirrung – Gott würde das gut finden!“

Nach Orhans Tod im Jahr 1360 und unter seinem Sohn Murad I. – der erste seiner Linie, der den Titel „Sultan“ übernahm – begann der gen Westen gerichtete Jihad in den Balkan hinein ernsthaft und war unaufhaltsam. Bis 1371 hatte er seinem Sultanat Teile von Bulgarien und Mazedonien einverleibt, was Konstantinopel jetzt derart einkreiste, das „ein Bürger einfach dadurch das Reich verlassen konnte, dass er Stadt durch ihre Tore verließ“.

Daher überrascht es nicht, dass es, als Prinz Lazar von Serbien (geb. 1330) Murads Invastionsstreitkräfte 1387 besiegte, „es wilde Freude bei den Slawen des Balkans gab. Serben, Bosnier, Albaner, Bulgaren, Walachen und Ungarn aus den Frontprovinzen sammelten sich alle um Lazar wie nie zuvor, entschlossen die Türken aus Europa hinauszutreiben.“

Murad reagierte am 15. Juni 1389 auf diese Unverschämtheit im Kosovo. Dort kämpfte eine mehrheitlich serbische Koalition, verstärkt durch Kontingente aus Ungarn, Polen und Rumänien – zwölftausend Männer unter der Führung von Lazar – gegen 30.000 Osmanen, die der Sultan selbst anführte. Trotz des anfänglichen Sturzregens an türkischen Pfeilen stürmte die serbische schwere Kavallerie durch die osmanischen Linien und brach den linken Flügel auf; der osmanische rechte unter Murads ältestem Sohn Bayezid wirbelte herum und umzingelte die Christen. Der chaotische Zusammenprall dauerte Stunden.

Am Abend vor der Schlacht hatte Murad Allah angefleht und um „die Gunst gebeten für den wahren Glauben, den Märtyrertod zu sterben“. Irgendwann gegen Ende der Schlacht wurde sein Gebet erhöht. Gemäß der Tradition bot Miloš Obilić, ein serbischer Ritter, an zu den Osmanen überzulaufen, vorausgesetzt dass ihm angesichts seines hohen Ranges erlaubt werde sich dem Sultan persönlich zu unterwerfen. Sie brachten ihn vor Murad und nachdem Miloš in falscher Unterwerfung niederkniete, stürzte er sich auf den muslimischen Kriegsherrn und rammte ihm einen Dolch tief in den Bauch (andere Quellen sagen „mit zwei Stichen, die aus seinem Rücken wieder herausgingen“). Die ansonsten langsamen Wachen des Sultans reagierten damit den Serben in Stücke zu hacken. In Blut getränkt und Blut spuckend lebte Murad lange genug um zu sehen, wie sein Erzfeind, der inzwischen gefangen genommene Lazar, vor ihn gebracht, gefoltert und enthauptet wurde. Als kleine Versöhnlichkeit könnte es dem sterbenden Märtyrer ein Lächeln ins Gesicht gebracht haben.

Murads Sohn Bayezit übernahm sofort das Kommando: „Seine erste Anordnung als Sultan an der Leiche seines Vaters war der Befehl seinen Bruder mit einer Bogensehne zu erdrosseln. Das war Yakub, sein Mit-Kommandierender in der Schlacht, der sich auf dem Feld ausgezeichnet hatte und bei seinen Truppen beliebt war.“ Als nächstes brachte Bayezid die Schlacht zu einem entscheidenden Ende; er warf alles, was er hatte, gegen den Feind, führte die Abschlachtung jedes einzelnen übrigen Christen an – wobei aber noch mehr seiner eigenen Männer starben.

Auf das riesige Feld strömten so viele Vögel, um an den Leichen zu schlemmen, dass die Nachwelt sich des Kosovo als „Amselfeld“ erinnerte. Zwar handelte es sich praktisch um ein Unentschieden – oder bestenfalls einen Pyrrhus-Sieg der Osmanen – doh spürten die Serben, mit weniger Männern und Ressourcen, im Vergleich zu dem im Aufwind befindlichen muslimischen Imperium, den Stich stärker.

In den Jahren nach der Schlacht vom Kosovo war die osmanische Kriegsmaschine nicht mehr aufzuhalten: Die Nationen des Balkan wurden von den Muslimen erobert – nachdem es ein Jahrtausend des Jihad Widerstand geleistet hatte, fiel 1453 auch Konstantinopel an den Islam – und sie blieben Jahrhunderte lang unter osmanischer Herrschaft.

Das kollektive Gedächtnis der nicht allzu lange zurückliegenden Erfahrungen der Osteuropäer mit und unter dem Islam sollten nie unterschätzt werden, wenn man darüber nachdenkt, warum sie beträchtlich misstrauischer – wenn nicht geradezu feindselig – ihm und seinen Migranten gegenüber sind als ihre westlichen, liberalen Gegenüber.

So erklärte der ungarische Premierminister Victor Orbán einmal:

Wir wollen Frankreich, Belgien und alle anderen Länder nicht kritisieren, aber wir glauben, jedes Land hat das Recht zu entscheiden, ob es eine große Anzahl an Muslimen in einem Land haben will. Wenn sie mit ihnen leben wollen, dann können sie das tun. Wir wollen das nicht und wir glauben, wir haben das Recht zu entscheiden, dass wir keine große Anzahl an muslimischen Menschen in unserem Land haben wollen. Wir mögen die Folgen davon eine große Zahl muslimischer Gemeinschaften zu haben nicht, die wir in anderen Ländern sehen und ich sehe keinen Grund dafür, dass irgendjemand anderes uns dazu zwingt Möglichkeiten zu schaffen in Ungarn zusammenzuleben, die wir nicht haben wollen… Ich muss sagen, wenn es darum geht mit muslimischen Gemeinschaften zusammenzuleben, dann sind wir die einzigen, die Erfahrung haben, denn wir hatten die Möglichkeit diese Erfahrung 150 Jahre lang zu machen.

Und diese Jahre – 1541 bis 1699, während das islamisch-osmanische Reich Ungarn besetzte – sind angefüllt mit Massakern, der Versklavung und der Vergewaltigung von Ungarinnen.

Die Zerstörung der Erinnerung an das Vorhandensein von Juden in Osteuropa

Eine Fallstudie: Das ehemalige Jugoslawien

Interview von Manfred Gerstenfeld mit Ivan Ceresnjes, 12. Dezember 2011 (direkt vom Autor)

„Die Erinnerung an die vielen Juden in Osteuropa vor dem Zweiten Weltkrieg wird zunehmend zerstört. Dieser Prozess ist zum Teil gewollt; teilweise geschieht er aus der Vernachlässigung jüdischer Stätten und Gedenkstätten. Um die verschiedenen daran beteiligten Faktoren verstehen zu können, wirft man am besten einen Blick auf die ehemalige Bundesrepublik Jugoslawien. Ihr Auseinanderfallen im Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte hat den Prozess beschleunigt, der andernorts langsamer vonstatten geht. Das betrifft sowohl Versuche die kollektive Erinnerung der Bürger, wie auch den physischen Verfall jüdischer Stätten, Mahnmale und Denkmäler. Mahnmale werden in der Regel gebaut, um die Erinnerung an eine bedeutende Person, ein Ereignis der Geschichte oder eine Zeitspanne zu bewahren. Denkmäler stehen in der Regel mit Tod und Zerstörung in Zusammenhang.“

Ivan Ceresnjes
Ivan Ceresnjes

Ivan Ceresnjes war Leiter der jüdischen Gemeinde von Bosnien-Herzegowina und stellvertretender Vorsitzender des Jugoslawischen Verbandes jüdischer Gemeinden, bis er 1996 nach Israel emigrierte. Er hilft der US-Kongresskommission zum Schutz und Erhalt amerikanischen Eigentums im Ausland. Diese Kommission wurde 1985 geschaffen, um einen Überblick über jüdische Friedhöfe, Mahnmale und Denkmäler zu bekommen und zu diese erforschen. Der Schwerpunkt liegt fast komplett in Osteuropa, denn hauptsächlich dort verschwindet diese Infrastruktur rapide.

„Ähnlich wie in anderen einst kommunistischen Ländern hat das ehemalige Jugoslawien sich von dem politisch korrekten, allgemeinen Ansatz des Gedenkens der Vergangenheit in neue Richtungen entwickelt. Aus kommunistischer Sicht konnte das Leiden einer Gruppe von Staatsbürgern unter Nazideutschland und seinen Verbündeten nicht von dem anderer getrennt werden. Den Menschen wurde gesagt, dass all ihre Bürger unter Feinden sowohl von außen wie von innen gelitten hatten.

Viele Europäer kollaborierten mit den Deutschen. In den meisten Gebieten Jugoslawiens wurden Angehörige bestimmter Menschengruppen zur gleichen Zeit ermordet. In der Regel war das ein ethnischer Mix aus Menschen, zu denen auch – nach Angaben der örtlichen Bevölkerungszusammensetzung – Muslime, andere Feinde der Nazis wie auch Faschisten gehören konnten.

Nach dem Holocaust kam langsam eine neue Art des jüdischen Gedenkens auf. Es fand ausschließlich Zuhause, innerhalb der Familie statt. Der nächste Schritt bestand darin, allmählich an Orten, die Juden gehörten und von ihnen genutzt wurden (wie Synagogen und jüdische Friedhöfe), Denkmäler und Mahnmale zu errichten. Eine Gedenkplatte anzubringen wurde sogar als eine Art Protest gegen die Kommunisten betrachtet, da die Sowjetunion das in der Regel nicht erlaubte.

Ganz langsam begannen in den frühen 1950-er Jahren besondere Mahnmale für Juden an öffentlichen Orten aufzukommen, ebenso Gedenktafeln an Institutionen, die nicht ausdrücklich in Verbindung zu Juden standen. Damit wurde den Juden ein Platz in der nationalen Geschichte gegeben. Denkmäler in osteuropäischen Ländern sind eng mit Nationalismus verbunden, der unter der kommunistischen Herrschaft stark unterdrückt worden war.

Nach dem Untergang des Kommunismus, zerstörte der Ausbruch des unterdrückten Nationalismus die Bundesrepublik Jugoslawien. Sieben unabhängige Staaten entstanden, von denen jeder seine Geschichte umschreibt. Damit ist auch die Erinnerung an den Holocaust entsprechend des nationalen Kontextes zerstückelt. In der Geschichte der Menschheit ist der Holocaust ein nie da gewesenes Mega-Ereignis. Dieses breitere Verstehen geht allerdings in Gesellschaften verloren, in denen seit dem Zweiten Weltkrieg keine geschichtliche Forschung unternommen wurde.“

Ceresnjes stellt fest: „Die Ermordung von sechs Millionen Juden in Europa hat ihre Familien nicht nur dramatisch betroffen. Er bedeutete auch, dass die große Mehrzahl der jüdischen Stätten in Osteuropa vernachlässigt wurde. Dazu gehört eine große Zahl an Synagogen, Gemeindegebäuden, Friedhöfen,  und anderer Orte, die zu Denkmalen für die frühere jüdische Präsenz werden könnten. In einigen Ländern übernimmt es die nationale jüdische Gemeinschaft einige Tafeln an Gebäuden anzubringen, die früher Synagogen waren, aber das kommt eher selten vor.

Manchmal kennzeichnen Regierungen oder örtliche Behörden jüdische Orte. Sie tun das regelmäßig, um die Aufmerksamkeit der westlichen Welt zu bekommen und zu zeigen, dass die Juden Teil ihrer Geschichte waren. Oft hegen sie allerdings die Erinnerung an die ermordeten Juden und die verschwundenen Gemeinden, ohne näher auszuführen, wie und warum das geschah.

Das Aufkommen des unterdrückten Nationalismus in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens hat ein Verlangen danach geschaffen die Geschichte neu zu schreiben. Das beeinflusst die Geschichte der und Erinnerung an die Juden. Es ist ein recht verbreitetes Phänomen, dass bestimmte Nationen versuchen alle Opfer der Nazis außer denen ihrer eigenen Nation zu tilgen. In diesem Prozess verschwinden auch die Namen der jüdischen Opfer.

Die Lage in all diesen Ländern ist im Wandel begriffen. Es werden zunehmend Fragen zur Tilgung der Namen anderer Volksangehöriger durch die verschiedenen Nachfolgestaaten gestellt. Das kollektive Gedächtnis hat sich verändert und wird sich weiter verändern. Doch Mahnmale, werden sie nicht beschädigt oder verändert, bestehen weiter, während sich die Gesellschaft verändert.

Man kann sich nur Gedanken machen, wie die Rolle der Juden aussehen wird, während sich neue kollektive Erinnerungen entwickeln. Auch aus diesem Grund ist es wichtig, dass die physischen jüdischen Infrastrukturen nicht weiter abgetragen werden und dass Gedenkstätten an jüdischen Orten erhalten werden. Die Mahnmale erinnern die Menschen vor Ort an das, was den Juden geschah. Vielen gestattet die Existenz eines jüdischen Mahnmals nicht, dass sie vergessen.“

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Vorsitzender des Aufsichtsrats des Jerusalem Center of Public Affairs.