Katholische Hilfsorganisationen fördern Hass gegen Israel

Manfred Gerstenfeld interviewt Yitzhak Santis (direkt vom Autor)

Mehrere, teilweise regierungsfinanzierte, katholische Hilfsorganisationen fördern Hass gegen Israel. Die meisten befinden sich in Westeuropa. Die irische Trócaire und die niederländische Cordaid gehören zu den problematischsten. Beide sind Mitglied der Gruppe Caritas Internationalis. Die meisten Caritas-Mitglieder nehmen allerdings keine ähnlichen Haltungen ein.

Yitzhak Santis

Yitzhak Santis ist der Chief Programs Officer von NGO Monitor. Er war Direktor des Middle East Project beim San Francisco Jewish Community Relations Council, wo er 21 Jahr arbeitete, bis er 2011 nach Israel zog.

Er erklärt: Es gibt zwei offizielle katholische Hilfswerks-„Familien“ – Caritas Internationalis und Pax Christi. Caritas Internationalis ist ein weltweiter Zusammenschluss von 165 katholischen Organisationen, die Hilfe bei humanitären Notfällen und internationale Entwicklungsarbeit bieten. Sie beschreibt sich selbst als „Teil der katholischen Kirche“ und hat ihren Hauptsitz in der Vatikanstadt; Vertretungen gibt es in New York City und Genf. Papst Johannes Paul II. gewährte der Caritas den „kanonischen Rechtsstatus“.

Trócaire wurde 1973 als offizielle Übersee-Entwicklungsorganisation der katholischen Kirche Irlands gegründet. Ihre parteiische Aktivitäten umfassen die Beschäftigten, Partnerschaften, veröffentlichtes Material, politische Standpunkte und Finanzierungsentscheidungen. Trócaire führt eine Kampagne für Sanktionen gegen Israel – und im Ergebnis auch gegen Europa – indem sie beiden Seiten Nutz bringende Handelsabkommen aussetzt. Sie versucht die Aufnahme Israels in die OECD zu blockieren. All diese Haltungen befinden sich im Widerspruch zur irischen Regierungspolitik.

Zu Trócaires Geschichte eines breiten Spektrums an politischen Aktivitäten gegen Israel gehören, neben vielem anderen, eine Kampagne gegen die Sicherheitsbarriere und die Finanzierung von Veranstaltungen zum Gedenken der „Nakba“. 2007 schloss sich Trócaire der palästinensischen NGO Badil in einem „Aufruf zum Handeln“ an, mit dem für antiisraelische Boykotte und Sanktionen plädiert wird. 2013 war Trócaire Mitsponsor einer Internationalen Konferenz zum Rückkehrrecht, die von der NGO Zochrot mit Sitz in Israel organisiert wurde. Diese Konferenz plädierte für ein „Rückkehrrecht“ und eine „Einstaatenlösung“ für den israelisch-palästinensischen Konflikt.

Trócaire erhält Gelder von Irland, Großbritannien und der EU sowie anderer katholischer Hilfsorganisationen, die von ihren jeweiligen Regierungen finanziert werden. 2012 betrug Trócaires gesamte Einnahmen aus „Spenden und Organisationen“ annähernd 30 Millionen Euro, von denen 23 Millionen aus Regierungsquellen stammten.

Cordaids parteiische Aktivitäten werden durch ihre Finanzierungsentscheidungen, Veröffentlichungen und politischen Einstellungen illustriert. Sie ist mit anderen niederländischen Organisationen Mitglied der Organisation United Civilians for Peace, die für Boykotte, De-Investitionen und Sanktionen (BDS) gegen Israel eintritt. Cordaids Direktor René Grotenhuis argumentiert bei einem Panel des niederländischen Parlaments im Jahr 2011, dass BDS eine Defensivtaktik ist, „denn es ist wichtig, dass die Menschen in Palästina immer nach Wegen suchen der Besatzung Widerstand zu leisten und dies ist ein gewaltfreier Weg das zu tun.“

2012 schloss sich Cordaid einer Koalition von 22 europäischen NGOs an, die einen Bericht mit dem Titel „Trading Away Peace: How Europe Helps Sustain Illegal Israeli Settlements“ (Den Frieden wegtauschen: Wie Europa hilft illegale israelische Siedlungen zu erhalten) erstellten. Sie wirbt für die BDS-Agenda, forderte Europa und die nationalen Regierungen auf, durch Wirtschaftssanktionen politisch Krieg gegen Israel zu führen. Cordaid schloss sich einem Bericht des Jahres 2009 mit dem Titel Failing Gaza: No rebuilding, no recovery, no more excuses (Gescheitert in Gaza: Kein Wiederaufbau, keine Besserung, keine Entschuldigungen mehr) an. Dieser Bericht behauptete fälschlich, dass der Gazastreifen weiter besetzt sei. Die Organisation finanziert auch verschiedene antiisraelische NGOs in Israel und den Palästinensergebieten.

Cordaid wird regelmäßig von der niederländischen Regierung bezuschusst. Die Gelder dafür variieren. Von 2007 bis 2010 erhielt Cordaid 422 Millionen Euro. 2011 erhielt sie wegen einer Reduzierung der Regierungszuschüsse 69 Millionen Euro.

Pax Christi International (PCI) beschreibt sich selbst als „eine globale katholische Friedensbewegung und Netzwerk, das daran arbeitet bei der Schaffung von Frieden, Respekt für Menschenrechte, Gerechtigkeit und Versöhnung in Bereichen der Welt zu helfen, die von Konflikt zerrissen sind“. PCIs Internetseite zum Nahen Osten spricht eine Reihe Konflikte in der Region an, darunter die Lage in Syrien, dem Libanon, Ägypten, dem Irak. Allerdings übertreffen die dem palästinensisch-israelischen Konflikt gewidmeten Ressourcen die Ressourcen und das Material für alle anderen bei weitem. Gegen Ende 2013 wurden zu diesem Konflikt auf der Internetseite mehr als zweimal so viele Worte geschrieben wie für alle anderen zusammen.

PCIs britische Sektion bewirbt ein Adventprojekt in Bethlehem, das „auf die Erfahrung von Pax Christi in der Arbeit in Solidarität mit dem Volk von Palästina zurückgreift“. Sie schlossen sich außerdem am 27. November 2013 der Palestine Solidarity Campaign für eine „nationale Lobby beim Parlaments für Palästina“ an. Zur Lobby-Agenda gehört „Arrangieren Sie einen Termin für ein Treffen mit Ihrem Parlamentsabgeordneten und leisten Sie Lobbyarbeit. Zu den aufgebrachten Themen gehört: Ethnische Säuberung der palästinensischen Beduinen im Negev; Verbot von Waren aus Israels illegalen Siedlungen; Respekt für die Häftlingsrechte und Beendigung der Belagerung des Gazastreifens“.

Santis schließt: Viele katholische Hilfsorganisationen sind oft Mitsponsoren für Berichte und Briefe, die Gelder von einander erhalten und dieselben Projekte miteinander finanzieren. Bei NGO Monitor starteten wir unser Projekt „BDS in den Kirchenbänken“. Wir planen weiter zur komplexen Beziehung zwischen Regierungen, Kirchen und sowohl protestantischen als auch katholischen Kirchen-Hilfsorganisationen, NGOs und palästinensisch-christlichen Fürsprecher-Organisationen zu forschen. Das wird auch die Aufdeckung der Geldwege beinhalten, ebenso die ideologischen und theologischen Strömungen und Aktivitäten dieser Matrix.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

Von Judenhass verzehrt

(Der Pax Christi/Albrecht Schröter-Boykottaufruf – 4)

Benjamin Weinthal, Writing the Wrongs, 6. Juni 2012

Op-Ed: Wie kommt es, dass deutsche und österreichische Führungspersönlichkeiten so viel Energie auf die Verunglimpfung Israels verwenden?

Ende letzten Monats beschuldigten europäische Offizielle die Israelis die Bedrohung durch den atomaren Iran zu übertreiben und forderten die Deutschen auf israelische Waren zu boykottieren.

Der österreichische Verteidigungsminister Norbert Daraos und Albrecht Schröter, Bürgermester der deutschen Stadt Jena, beides Sozialdemokraten, äußerten sich, als die USA und ihre Verbündeten zu Verhandlungen über das Atomprogramm des Iran aufbrachen.

In einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung Die Presse beschuldigte Darabos die Israelis, sie würden die Gefahr einer iranischen Atomwaffe nutzen, um die Aufmerksamkeit von ihren innenpolitischen Problemen abzulenken. Derweil unterschrieb Schröter eine Petition der linken christlichen Friedensgruppe Pax Christi, mit der ein weitreichender Boykott israelischen Produkte als Antwort auf den Bau israelischer Siedlungen in Palästinensergebieten gefordert wird. Am Montag gab er dieselbe Ansicht in einem Kommentar in der Thüringischen Landeszeitung wieder.

Zu seiner Ehrenrettung sagte der konservative österreichische Außenminister Michael Spindelegger, Herrn Darabos Meinung repräsentiere nicht die Politik der nationalen Regierung, dennoch bleibt Darabos Verteidigungsminister; der sozialdemokratische Bundeskanzler Werner Faymann zeigt kein Anzeichen ihn zu maßregeln oder zu entlassen.

Herr Darabos gab eine langatmige Erklärung aus, die ausführlich seine Teilnahme an Holocaust-Gedenkveranstaltungen und Bemühungen zur Bekämpfung der Neonazis in Österreich beschrieb. Doch wie der Leiter der jüdischen Gemeinschaft, Oskar Deutsch, es formulierte: Herr Darabos „hat Probleme mit lebenden Juden“.

Schröters Kritiker erhoben härtere Vorwürfe gegen ihn. Kevin Zdiara, stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, stellte heraus, dass der Vorschlag des Bürgermeisters auch die Parole der Nazizeit widerspiegele: „Kauft nicht bei Juden.“

Schröter führte daraufhin „mein kompromissloses Engagement gegen die Neonazis“ an. Obwohl de Bürgermeister mit seinen antifaschistischen Referenzen spielte, zeigte er wenig Unbehagen, als der örtliche Zweig der NPD – die führende deutsche Neonazi-Partei – seine Forderungen nach einem Boykott pries.

In einer Stellungahme auf der Internetseite der NPD lobte die Partei Schröters Kampagne; sie erklärte ihn für „mutig“, denn: „Als Nationalisten, die sich tagtäglich mit dieser jüdischen / linksliberalen Verleumdungstaktik auseinandersetzen dürfen, fällt uns dabei nur Goethes Zauberlehrling ein, der die ‚gerufenen Geister‘ nun nicht mehr los wird.“

Zweierlei Maß

Vera Lengsfeld, prominente Bürgerrechtlerin und in der Region Thüringen geboren, die einst Ostdeutschland war, außerdem ehemalige Abgeordnete der CDU im Bundestag, fing Schröters unangebrachte Prioritäten geschickt ein. In einem Eintrag auf dem populären, pro-amerikanischen Blog „Die Achse des Guten“ schrieb sie: „Auch Jenas wieder gewählter Oberbürgermeister Schröter fühlt sich mit den Problemen der Stadt, etwa die Waffenlieferungen aus Jena an die NSU, nicht ausgelastet. Deshalb hat er sich eine Nebentätigkeit als Israel-Kritiker zugelegt.“

Wie Zdiara verriss Lengsfeld Schröter dafür, dass er die Stadt „judenwarenrein“ halten wolle. „Jena müsste sich sofort ein neues Stadtoberhaupt wählen“, sagte sie, „weil der gute Mann dann nicht mehr zum Regieren käme.“

Schröters sonderliche Israel-Besessenheit hat ihn dazu gebracht an das Land verurteilenden Demonstrationen in der Westbank teilzunehmen und einen Vortrag bei der pro-Hamas-Konferenz in Bad Boll zu halten.

Andere deutsche Kritiker werfen Schröter vor zweierlei Maß anzulegen. Thomas von der Osten-Sacken, Leiter der Nahost-Hilfsorganisation Wadi, sagte: „So lange man bei Pax Christi keine Aufforderung finden kann, dass von jetzt an Produkte aus Syrien, dem Iran oder Saudi-Arabien (um nur drei Beispiele zu nennen) mit dem Logo versehen werden, dass die Waren aus einem Land kommen, in dem es Folter als Verletzung der Menschenrechte gibt, ist die Aktion komplett antiisraelisch und antisemitisch, denn Israel wird einer Sonderbehandlung unterzogen.“

„Warum sieht Herr Schröter nicht die Gelegenheit einen Boykott gegen alle Produkte aus der antisemitischen Islamischen Republik Iran zu fordern“, fügten Klaus Faber und Daniel Kilpert hinzu, zwei Vertreter des Koordinierungsrats der deutschen Nichtregierungsorganisationen gegen Antisemitismus, „oder aus dem Nordsudan, der viele Massaker verübt hat?“

Wie kommt es, dass deutsche und österreichische Führungspolitiker so viel Energie auf die Verunglimpfung Israels verwenden, dessen Einfluss auf sie vernachlässigbar ist, und so wenig auf den Iran, dessen Regime seine Dissidenten auf dem eigenen Boden niedermäht und jetzt den Bau von Atomwaffen anstrebt?

Neonazis loben deutschen Bürgermeister für Israel-Boykott

(Der Pax Christi/Albrecht Schröter-Boykottaufruf – 3)

Wiesenthal-Zentrum überlegt Reisewarnung für die Stadt, sagt Bemühungen könnten zu physischen Akten des Antisemitismus führen

Benjamin Weinthal, Jerusalem Post, 5. Juni 2012

Berlin – Der örtliche Zweig der Neonazi-Partei (NPD) drückte seine Solidarität mit der Kampagne zum Aufruf zum Boykott israelischer Waren aus, die vom sozialdemokratischen Bürgermeister der Stadt Jena, Albrecht Schröter und der linksgerichteten NGO Pax Christi unterstützt wird.

Die NPD im Bundesland Thüringen, in dem Jena liegt, gab am Montag auf ihrer Internetseite schnell Lob für Schröter aus. Die Neonazis schrieben, er sei wegen seiner antiisraelischen Haltung „mutig“ und merkten an: „Als Nationalisten, die sich tagtäglich mit dieser jüdischen / linksliberalen Verleumdungstaktik auseinandersetzen dürfen, fällt uns dabei nur Goethes Zauberlehrling ein, der die ‚gerufenen Geister‘ nun nicht mehr los wird.“

Schröter lehnte es ab auf Anfragen der Jerusalem Post dazu ab, ob der Boykott in Jena ein antiisraelisches und antijüdisches Klima schafft. Er wiederholte am Montag in der Thüringischen Landeszeitung seine Boykott-Aktion in einem Kommentar. Nach Angaben des Bürgermeisters ist sein Ziel „die verpflichtende Kennzeichnung von Waren aus illegalen israelischen Siedlungen zu verlangen, die palästinensisches Territorium besetzen“. Kritiker des Boykotts sagen, sein Sprachgebrauch sei nebulös und pauschal und resultiere in einem Boykott israelisch etikettierter Produkte.

Dr. Shimon Samuels, Internationaler Direktor des Simon Wiesenthal-Zentrums, sagte der Post am Montag, die Menschenrechtsgruppe könnte eine formale Reisewarnung ausgeben, um Diaspora-Juden und Israelis vor dem Besuch der Stadt zu warnen, weil die Möglichkeit antisemitischer Gewalt besteht. Samuels sagte, das Wiesenthal-Zentrum werde „eine Reisewarnung für Jena überlegen“, weil die antiisraelische Boykott-Kampagne „physischen Antisemitismus zur Folge haben kann“.

Er zitierte die 2010 gegen die schwedische Stadt Malmö ausgegebene Warnung; der dortige sozialdemokratische Bürgermeister Ilmar Reepalu trug zu von der Stadt gefördertem Antisemitismus gegen gefährdete Juden bei. „Der Boykott ist eine Form der Diskriminierung und illegal. Es ist nicht nur ein Boykott gegen Siedlungen; das ist ein Vorwand. Es ist ein Boykott gegen den Staat Israel“, sagte Samuels. „Es ist nicht das erste Mal, dass wir Antisemitismus von Pax Christi erleben“, fuhr er fort und stellte fest, dass der Bürgermeister und Pax Christi sich entschlossen Staaten wie Syrien nicht zu boykottieren, die Menschenrechtsverletzungen betreiben.

Thüringen und die Stadt Jena sind Brutstätten von Neonazi-Aktivitäten. Kevin Zdiara, stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) in Thüringens Hauptstadt Erfurt, sagte der Post, in Jena „gibt es ein Nazi-Problem“, dass die Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds aus Jena kamen und dass Nazis sich weiterhin im „Braunen Haus“ treffen, einem örtlichen Zentrum der Rechtsextremen.

Zdiara, der den Boykott als erster in einer deutschen Online-Publikation beleuchtete, fügte hinzu, dass der Bürgermeister gewiss genug in Jena zu tun hat, statt einseitige Erklärungen gegen Israel auszugeben. Schröters Argumente „erinnern in gewissen Bereichen an antizionistischem Antisemitismus“, weil die Äußerungen Natan Sharanskys „3-D-Test für modernen Antisemitismus“ erfüllen: Dämonisierung, zweierlei Maßstab („doppelte Standards“) und Delegitimierung.

In einer E-Mail an die Post vom Dienstag schrieb Dr. Moshe Kantor, Präsident des European Jewish Congress: „Unglücklicherweise unterstützt ein deutscher Bürgermeister nur acht Jahrzehnte, nachdem erstmals jüdische Geschäfte boykottiert wurden, einen Boykott von Waren aus dem jüdischen Staat. Bei all den echten und systematischen Menschenrechtsverletzungen, die in der Welt stattfinden, kann die Tatsache nicht übersehen werden, dass ein deutscher Bürgermeister sich entscheidet nur den jüdischen Staat herauszugreifen.“

„Der Bürgermeister hat sich zwar automatisch selbst gegen Vorwürfe des Antisemitismus verteidigt, doch davon sollte sich niemand täuschen lassen. Darauf treffen alle Kriterien der Arbeitsdefinition des Antisemitismus der Europäischen Union zu und sollte zu Recht verurteilte werden“, fuhr Kantor fort.

Deutsche Kontroverse zu Israel-Boykott

(Der Pax Christi/Albrecht Schröter-Boykottaufruf – 2)

Politiker lehnen Israel-Boykott eines deutschen Bürgermeisters ab. Schröter: Ziel ist die Kennzeichnung von Waren aus „illegalen“ Siedlungen.

Benjamin Weinthal, Jerusalem Post, 3. Juni 2012

Berlin – Sozialdemokratische, Linke- und christlich-demokratische Politiker lehnten letzte Woche die Kampagne des Jenaer Bürgermeisters Albrecht Schröter zu einem weitgehenden Boykott israelischer Waren ab.

Kritiker werfen Schröter (57) vor, mit seiner Unterstützung des Aufrufs des deutschen Zweigs von Pax Christi, einer internationalen katholischen „Friedensbewegung“, keine israelischen Waren zu kaufen, nähre der sozialdemokratische Bürgermeister Jenas in Thüringen modernen Antisemitismus.

Wiltrud Rösch-Metzler, Vizevorsitzende von Pax Christi, schrieb letzte Woche: „Ich kaufe keine Waren mit der Herkunftsbezeichnung ‚Israel‘, weil unter dieser Kennzeichnung Produkte sein könnten, die aus den Siedlungen kommen. Unsere Aktion richtet sich gegen Politik, die Siedlungsprodukte nicht kennzeichnet.“

Schröter unterschrieb eine Petition von Pax Christi zur Kennzeichnung von Waren aus Israel.

Tobias Dünow, ein Sprecher der Berliner SPD-Zentrale, sagte der Jerusalem Post am Freitag in einem Telefoninterview, die „SPD unterstützt keine Boykotte Israels. Die SPD unterstützt den Boykott von Pax Christi nicht.“

René Lindenberg, Parteisekretär der Thüringer SPD, schrieb in einer E-Mail an die Post: „Die SPD Thüringen hätte einen solchen Aufruf nicht unterschrieben.“

Kevin Zdiara, stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) in Thüringens Hauptstadt Erfurt, stellte die Boykott-Bemühungen mit der Nazi-Parole „Kauft nicht bei Juden“ auf eine Stufe.

Die DIG Erfurt gewann die Unterstützung von Katharine König, einer thüringischen Abgeordneten der Linkspartei und Stadträtin in Jena. Schröters Unterschrift unter die Petition von Pax Christi und seiner Unterstützung eines Boykotts sind „falsch und unangemessen“, sagte König der Post. Wenn man den Boykott zu Ende analysisert, dann „hat er dieselbe Bedeutung wie ‚Kauft nicht bei Juden‘“, sagte sie.

In einer zweiseitigen Erklärung, die er der Post am Donnerstag zuschickte, schrieb Schröter: „Der Schluss, dass Pax Christi zu einem pauschalen Boykott aller israelischer Waren aufruft … ist nicht richtig und führt in die Irre. Insbesondere die unverschämte Verbindung zur fatalen Parole der deutschen Nazis ‚Kauft nicht bei Juden‘ verzerrt bewusst das Anliegen von Pax Christi.“

Er fügte hinzu: „Ich wiese den böswilligen, ausdrücklichen Vorwurf des Antisemitismus gegen meine Person zurück!“ der Bürgermeister schrieb, sein „Ziel ist die Forderung nach verpflichtender Kennzeichnung von Waren aus illegalen israelischen Siedlungen, die palästinensisches Territorium besetzen – eine Initiative, die zum Beispiel in Großbritannien seit einiger Zeit besteht. Der Verbraucher sollte in der Lage sein zu entscheiden, ob er Waren kauft, die das internationale Recht missachten oder nicht.“

Schröter zitierte seine Teilnahme an Holocaust-Gedenktagen und sein Engagement gegen Neonazis, was letztes Jahr mit dem Zivilcourage-Preis der Stiftung für die Erinnerung an die Ermordeten Juden Europas in Berlin und der örtlichen jüdischen Gemeinde gewürdigt wurde.

Kevin Zdiara von der DIG sagte, die „Organisation sollte darüber nachdenken den Preis zurückzunehmen“, weil Schröter „nicht Versöhnung betreibt, sondern spaltet“.

Levi Salomon, ein Sprecher des Berliner Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus sagte der Post: „Es gibt Leute, die kämpfen gegen Rechtsextremismus und sind gleichzeitig heftige Kritiker Israels Das gab es in der DDR und der Sowjetunion.“ Er fügte hinzu, dass die Boykott-Kampagne „Besatzung schmeckt bitter“ von Pax Christi zur „Delegitimierung Israels“ beiträgt.

Vera Lengsfeld, prominente Bürgerrechtlerin, die gegen die heute nicht mehr bestehende Deutsche Demokratische Republik kämpfte, wurde in Thüringen geboren; sie schrieb auf der beliebten Internetseite „Die Achse des Guten“: „Jena müsste sich sofort ein neues Stadtoberhaupt wählen, weil der gute Mann dann nicht mehr zum Regieren käme. Besser wär‘s für die Stadt….“

Der Bürgermeister „fühlt sich mit den Problemen der Stadt, etwa die Waffenlieferungen aus Jena an die NSU, nicht ausgelastet. Deshalb hat er sich eine Nebentätigkeit als Israel-Kritiker zugelegt“, schrieb Lengsfeld. Sie ging hart mit Schröter ins Gericht, weil der versuche die Stadt „judenwarenrein“ zu halten.

Lengsfeld war einmal Abgeordnete der CDU im Bundestag.

Barbara Glasser, eine Sprecherin Schröters, sagte der Post, der Bürgermeister plane keinen Rücktritt.

Prof. Gerald Steinberg, Leiter des Jerusalemer NGO-Monitor, schrieb am Freitag in einer E-Mail an die Post, dass der von Pax Christi und dem Bürgermeister geförderte Boykott „fundamental unmoralisch ist. Das Ziel dieser Kampagne, das wurde klar gesagt, ist die Dämonisierung des Rechts des jüdischen Volks auf Selbstbestimmung und souveräne Gleichberechtigung. Diese Agenda ist ins sich diskriminierend und löscht die Geschichte der gegen Israel gerichteten brutalen Kriegsführung und des arabischen Terrorismus aus, die der Grund für die ‚Besatzung‘ ab 1967 sind. Mit der Förderung dieses falschen palästinensischen Narrativs werden die an BDS-Kampagnen [Boykott, De-Investierung und Sanktionen] zu Kombattanten dieser Art der Kriegsführung.“

Er fuhr fort: „Wenn Pax Christi, das als christliche Organisationeine ethische Agenda zu haben behauptet, tatsächlich an der Förderung von Frieden und Menschenrechten interessiert wäre, würde es seine Ressourcen auf die wahren Missbräuche in Syrien, dem Gazastreifen und andernorts konzentrieren, statt sich den jüngsten Anstrengungen anzuschließen das jüdische Volk seiner souveränen Gleichberechtigung zu berauben.“

Christine Hoffmann, Generalsekretärin des deutschen Zweigs von Pax Christi, schrieb der Post, dass „der Aufruf an gewöhnliche Marktstände nichts mit Diskriminierung von Personen oder mit Antisemitismus zu tun hat“. Es sei eine Frage der „verbraucherfreundlichen Kennzeichnung zu Kaufentscheidungen“, sagte sie.

Thomas von der Osten-Sacken, ein Nahost-Experte und Leiter der Hilfs-NGO Wadi, sagte der Post: „So lange man keine Aufforderung von Pax Christi finden kann, dass ab jetzt Produkte aus Syrien, dem Iran oder Saudi-Arabien (um nur drei Beispiele zu nennen) mit dem Logo versehen werden sollen, dass die Waren aus einem Land kommen, in dem es Folter in Verletzung der Menschenrechte gibt, ist die Aktion [der Boykott] komplett antiisraelisch und antisemitisch, den Israel wird einer Sonderbehandlung unterzogen.“

NGOs: Israel-Boykott von deutschem Bürgermeister ist antisemitisch

(Der Pax Christi/Albrecht Schröter-Boykottaufruf – 1)

Führende deutsche NGOs beschuldigen Bürgermeister Schröter der Werbung für Boykott, der an Nazi-Kampagne „Kauft nicht bei Juden“ erinnert

Benjamin Weinthal, Jerusalem Post, 30. Mai 2012

Führende deutsche NGOs warfen am Dienstag dem sozialdemokratischen Bürgermeister Albrecht Schröter von Jena in Thürigen vor, er vertrete einen Boykott israelischer Produkte, der so aggressiv ist, dass er an die Kampagne „Kauft nicht bei Juden“ der Nazizeit erinnert und zur Delegitimierung des jüdischen Staates beiträgt.

In einer E-Mail an die Jerusalem Post schrieb Kevin Zdiara, zweiter stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-israelischen Gesellschaft Erfurt: „Die Kampagne unterscheidet nicht; de facto sollen alle israelischen Produkte boykottiert werden, was nicht zum Frieden beiträgt. Das erinnert stark an die Nazi-Parole „Kauft nicht bei Juden“. Zdiara fügte an: „Schröter ist seit Jahren für seine Haltung zu Israel bekannt. Der Bürgermeister hat an pro-palästinensischen Demonstrationen in der Westbank und einen Vortrag auf einer pro-Hamas-Konferenz in Bad Boll gehalten. Schröter ist ein Beispiel des klassischen christlichen Friedensaktivisten, der nur Israel beschuldigt, aber bei palästinensischen Verbrechen die Augen verschließt.“

Klaus Faber und Daniel Kilpert, zwei Vertreter des Koordinierungsrats der deutschen Nichtregierungs-Organisationen gegen Antisemitismus, sagten der Post am Dienstag in einer Erklärung, dass das Gebaren des Bürgermeisters „die Linie zum Antisemitismus überschreitet und den Staat Israel delegitimiert. Warum sieht Herr Schörter keine Gelegenheit zu einem Boykott gegn Produkte der antisemitischen Islamischen Republik Iran aufzurufen oder aus dem Nordsudan, der viele Massaker begeht?“ Klaus Faber, prominentes Parteimitglied der SPD, war Minister für Bildung, Wissenschaft, Forschung, Kultur und Religionsgemeinschaften im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt.

Dr. Reinhard Schramm, stellvertretende Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Thüringen, sagter der Post am Dienstag in einem Telefoninterview, dass der „Boykott unanständig und schmerzhaft ist. Bürgermeister Dr. Schröter sollte nicht zurücktreten, denn er ist kein Antisemit. Aber er sollte wissen, dass er mit seiner Unterschrift antisemitische Tendenzen fördert. Pax Christi ist durchdrungen von Antisemitismus, denn ihre Variation des Antizionismus ist Antisemitismus.“ Dr. Schramm ist Professor emeritus für Ingenieurwissenschaften und überlebte den Holocaust mit seiner Mutter Rosel im Untergrund.

Bürgermeister Schröter unterschrieb die Petition „Besatzung schmeckt bitter“ der deutschen katholischen Friedensorganisation, die zu einem umfassenden Boykott israelischer Waren auffordert.

Dr. Shimon Samuels, Direktor für internationale Beziehungen des Simon Wiesenthal-Zentrums, sagte der Post, Schröders Boykottaufruf „kann zweischneidig sein. Er ist schlecht für die Geschäfte Jenas.“

Samuels sagte, was Schröter tut, sei „rassistisch“ und fügte hinzu, der Bürgermeister habe „einen Schatten über die Stadt des Lichts geworfen“. Jena ist für seine Optik-Industrie bekannt.

Barbara Glasser, eine Sprecherin Schröters, sagte der Post am Telefon, der Bürgermeister „garantiert kein Antisemit ist. Er ist für Frieden. Ihm wurde ein Preis für Zivilcourage verliehen.“

Zdiara von der DiG Erfurt sagte, Pax Christi ist für seine antiisraelische Haltung bekannt. „Seit Jahren haben sie nur Israel dämonisiert und sich jetzt mit dem Boykottaufruf auf die Seite der aggressivsten Israelhasser gestellt, deren Ziel die Delegitimierung des jüdischen Staates ist“, sagte er über die Organisation.