5 Arten, wie die Medien die Berichterstattung zum Konflikt zwischen Hamas und Israel verdrehen

Emanuel Miller, HonestReportig, 20. Mai 2021

Das Thema Israel und die Palästinenser ist bekanntermaßen umstritten. Ein kleiner Zusammenstoß in Jerusalem hat das Potenzial weltweit Schlagzeilen zu generieren, im gesamten Nahen Osten die Stimmung aufzuwühlen und im Gegenzug zu mehr Kämpfen und sogar Krieg zu führen.

Das ist der Grund, weshalb es unerlässlich ist, dass die Medien die Story akkurat berichten. Aber Nachrichtenorgane verdrehen immer wieder Geschichten, die mit dem Konflikt zu tun haben.

Hier sind fünf Arten, wie die Nachrichtenorgane das weiterhin tun:

1. Israel wird für palästinensische Gewalt verantwortlich gemacht

Ab Beginn der jüngsten Eskalation ist Israel für die Entscheidungen der palästinensischen Terroristen verantwortlich gemacht worden. Bedenken Sie zum Beispiel die Schlagzeile der New York Times, die nahelegt, dass Raketenfeuer aus dem Gazastreifen in Reaktion auf das Handeln israelischer Sicherheitskräfte in Jerusalem erfolgte: „Nach Razzia auf Aqsa-Moschee, Raketen aus Gaza und israelische Luftangriffe“.

Wiederholt haben Journalisten die Entscheidung der Hamas Projektile auf israelische Zivilisten im ganzen Land zu schießen als Reaktion auf eine israelische „Razzia“ manipuliert. In Wirklichkeit waren israelische Sicherheitskräfte gezwungen die Moschee zu betreten, nachdem Palästinenser sie in eine Festung verwandelt hatten, in der sie Steine und Felsbrocken horteten, die auf Juden geworfen werden sollten, sowie Feuerwerkskörper als behelfsmäßige Raketen verwendeten. Gleichzeitig bewarfen Araber an zahlreichen Orten jüdische Fußgänger und Autofahrer massiv mit Steinen und versuchten mindestens einen Juden nahe des Tempelbergs zu ermorden. Ungeachtet der „Razzia“ hatte die Hamas keine Rechtfertigung auf israelische Zivilisten zu schießen. Zu suggerieren, dass Raketenangriffe durch palästinensische Terroristen erfolgten, „nachdem“ Israel gewalttätige Randalierer niederzwingt, bringen – ob nun absichtlich oder böswillig – Ursache und Wirkung durcheinander.

Vor kurzem nahm der Komiker John Oliver einen Beitrag auf, in dem er Israel beschuldigte im Gazastreifen „Kriegsverbrechen“ und „Kindermord“ zu begehen. Aber die Verantwortung für den Tod von Zivilisten im Gazastreifen liegt bei der Hamas, die einen Modus Operandi hat militärische Anlagen in dicht besiedelte Wohngebieten zu platzieren. Das Völkerrecht ist hierzu sehr klar: Die Hamas, nicht Israel, ist für die Opfer verantwortlich, die das Ergebnis ihrer Verwendung von Palästinensern als menschliche Schutzschilde sind.

2. Es wird nicht beachtet, dass aus dem Gazastreifen auf israelische Zivilisten gefeuerte Raketen Kriegsverbrechen sind

Es ist erstaunlich, dass das betont werden muss, aber Medienberichte über die jüngste Runde der Feindseligkeiten zwischen Israel und der Hamas haben es üblicherweise versäumt Letztere wegen Kriegsverbrechen anzuprangern. Jedes Mal, wenn eine Rakete aus dem Gazastreifen gewollt israelische Zivilisten treffen soll, ist das ein Kriegsverbrechen. Jedes Mal, wenn eine Rakete aus einer dichtbesiedelten zivilen Gegend im Gazastreifen abgefeuert wird, ist auch das ein Kriegsverbrechen.

Rund 4.000 Raketen sind im Verlauf der 10 Tage nach Israel geschossen worden. Nur weil das weiter passiert, heißt das nicht, dass es irgendwie akzeptabler und weniger ein Kriegsverbrechen ist. Das macht es schlimmer. Und indem versäumt wird diese Taten als solche zu beschreiben, erlauben die Medien den Terroristen weiter zu schießen, ohne dass öffentlich Druckgegen sie aufgebaut wird, im Gegensatz zum massiven öffentlichen Druck auf Israel, es solle nicht weiter zurückzuschlagen.

3. Kaschieren der chronologischen Abläufe, falsche Äquivalenzen ziehen

Die aktuelle Runde der Gewalt kann auf eine Reihe willkürlicher Angriffe von Palästinensern auf israelische Juden Mitte bis Ende April zurückverfolgt werden. Die Angriffe wurden gefilmt und auf der Video-Plattform TikTok verbreitet. Bilder der nicht provozierten Angriffe gingen viral, veranlassten zusätzliche Nachahmungsangriffe auf israelische Zivilisten, führten dazu, dass eine kleine Zahl randständiger jüdischer Aktivisten als „Vergeltung“ Araber angriff.

Zwei auffällige Tatsachen wurden in den Berichten jedoch nicht erwähnt:

  1. Die Gewalt wurde von den Arabern initiiert.
  2. Die Zahl der verwerflichen und weithin verurteilten Angriffe, die von Juden begangen wurden, wurde von den durch Araber begangenen weit übertroffen.

Stattdessen tendieren die Medien dazu beide in einen Topf zu werfen, wobei sie es oft versäumen deutlich zu machen, wie die Gewalt begann. Diesbezüglich betitelte die New York Times einen ihrer Artikel zum Thema mit „Zusammenstöße zwischen Israelis und Palästinensern um Jerusalems Altstadt“. Das schafft eine falsche Äquivalenz. Gleichermaßen wurde ein Bericht von CBS überschrieben mit: „Beamte verletzt, 40 in Jerusalem verhaften, als jüdische Hardliner-Gruppe und Palästinenser während des Ramadan mit Polizei zusammenstoßen“.

Israelis und Palästinenser um Jerusalems Altstadt zusammen. Die Gewalt brach aus, als eine extremistische jüdische Vorherrschaftsgruppe durch die Stadt marschierte und „Tod den Arabern“ skandierte.

Derweil veröffentlichte die Huffington Post einen Artikel mit der Schlagzeile: „Israelische Extremistengruppe skandiert ‚Tod den Arabern‘ bei Jerusalemer Protesten“; und Australiens ABC News brachte einen Artikel mit dem Titel: „Warum skandieren Mobs in Jerusalem ‚Tod den Arabern‘?“ Beide konzentrierten sich auf die jüdischen Extremisten, während sie das größere Problem des arabischen Rowdytums ignorieren.

4. Palästinensische Gewalt wird heruntergespielt und ausgelöscht

Medienanalysten haben schon lange festgestellt, dass palästinensische Gewalt in Medienberichten regelmäßig nicht als solche bezeichnet wird. Oft wird das unter Verwendung von Modifikatoren wie „Israel sagte“ gemacht. In anderen Fällen haben Redakteure und Journalisten effektiv palästinensische Kriegslust verschwiegen, indem sie von „Angriffen“ sprachen, ohne die dafür Verantwortlichen zu benennen. Nehmen Sie z.B. die Schlagzeile der BBC: „Israel schließt nach Mörserangriff Gaza-Grenze“. (Die Schlagzeile wurde später abgeändert, nachdem der Artikel wichtige Veränderungen erfuhr.)

Die BBC versagt in einer Reihe von Fällen. Erstens identifiziert sie nicht, dass die Hamas dafür verantwortlich war. Zweitens macht sie nicht ersichtlich, wo der Angriff stattfand: an einem Grenzübergang und zu einer Zeit, in der dort humanitäre Hilfe weitergeleitet wurde.

Genauso haben die täglichen Briefings der New York Times oft die Folgen und das Ausmaß des palästinensischen Terrorismus bagatellisiert, wobei manchmal „vergessen“ wurde die palästinensischen Angriffe einzubeziehen.

(Sie konnten das gesamte Update im Daily Briefing der New York Times lesen und keine Ahnung haben, dass die Hamas heute hunderte Raketen auf israelische Zivilisten schoss.)

Vergleichbare Probleme wurden in der britischen Berichterstattung beobachtet, wobei ein Bericht Ashlie Blakelys von der Manchester Evening News falsch nur „hunderte Raketen“ beschrieb, die auf Israel geschossen wurden, während die Zahl weit höher lag, deutlich in die Tausende. Ihre Formulierung versäumte es auch deutlich zu machen, dass die Hamas auf Zivilisten schoss, während Israel Hamas und andere Terroristengruppen ins Visier nahm.

 

Seit letztem Montagabend hat die militante Palästinensergruppe Hamas hunderte Raketen auf Israel geschossen, dessen Militär mit unablässigem Beschuss des Gazastreifens durch Panzer und Luftangriffe reagierte.

All das oben Beschriebene kann mit Artikeln verglichen werden, die sich auf die israelische Reaktion auf Raketenangriffe konzentrieren.

Beispielsweise veröffentlichte die New York Times am 18. Mai in allen Einzelheiten, dass das einzige Coronavirus-Testlabor im Gazastreifen unbrauchbar gemacht wurde – aber erst ganz spät in dem Text wurde deutlich, dass das Labor nicht von Israel beschossen wurde, keinen beträchtlichen Schaden erlitt und innerhalb von ein paar Tagen wieder im Einsatz sein würde. Aller angerichtete Schaden war das Ergebnis eines Angriffs, der auf der anderen Straßenseite erfolgte.

5. Terroristen und Zivilisten zusammenzählen

Seit dem jüngsten Gewaltausbruch haben einige Nachrichtenorgane aus dem Zusammenhang genommene Opferzahlen veröffentlicht. Betrachten Sie z.B. die Schlagzeile unten, die der Guardian produzierte: „Konflikt Israel-Gaza: 200 Palästinenser innerhalb einer Woche getötet, sagt Funktionär

Diese Formulierung wurde vom New Yorker wiederholt, der beschrieb, dass „zweihundert Palästinenser getötet worden sind, darunter Dutzende Kinder“.

Die problematische Terminologie erschien überall in den Medien; eine Schlagzeile von Fox News anfangs der Woche lautete: „Gaza-Funktionäre: Opferzahl durch israelische Angriffe steigt auf 43.

Es ist unerlässlich, dass die Leser begreifen, dass zivile Opfer komplett die Schuld der Hamas sind, weil sie das Feuer auf Israel eröffnete und jeder bedauernswerte Vorfall, bei dem Zivilisten im Nebel des Krieges gestorben sein können, letztlich die Folge der Entscheidung der Hamas war einen Krieg zu beginnen.

Zusätzlich ist die fehlende Klarheit bezüglich getöteter Zivilsten und Kombattanten die Schuld der Hamas, des Islamischen Jihad und anderer Terrororganisationen, deren Mitglieder es verfehlen sich von der urbanen Umgebung zu unterscheiden, aus der heraus sie regelmäßig agieren. Im Gazastreifen agierende Journalisten werden von der Hamas darin behindert ihren Job zu tun; Reporter werden von ihr drangsaliert und bedroht, wenn sie den Missbrauch von Zivilisten aufdecken. Da sie nicht in der Lage sind ihren Job frei zu erledigen, müssen Journalisten sich auf die von der Hamas betriebenen Ministerien verlassen.

Indem sie es unterlassen zu erwähnen wie viele der in Gaza Getöteten bestätigte Terroristen oder solche zu sein verdächtig sind, tragen die Nachrichtenseiten zu falschen Anschuldigungen bei, Israel „massakriere“ Gazaner.

Unser Mann in Israel

Esther Schapira und Georg M. Hafner, 27. März 2003

„Journalisten, die in Israel arbeiten, müssen sich mit ihrer Unterschrift verpflichten, nichts zu berichten, was gegen die Interessen und die Sicherheit des Staates Israel verstößt. Jeder Journalist muss das tun. Und jeder tut es.“

Das verbreitet eine namhafte Dozentin der Universität Dortmund seit Jahren mit großem Eifer im Internet und bei jeder sich sonst bietenden Gelegenheit, in Vorträgen, in Artikeln, in persönlichen Briefen. Sie beruft sich auf zahllose Gespräche mit Journalisten zu diesem Thema in Israel, in Deutschland und anderswo.

Mit mir hat Frau Dr. Waltz nicht gesprochen. Ich hätte Ihr nämlich gesagt, dass ich nie eine solche Unterlassungserklärung gesehen habe oder gar eine solche unterschreiben musste.

Es gibt nämlich eine solche Erklärung nicht. Schon deshalb nicht, weil es ein aberwitziges Unterfangen wäre, allen Journalisten einen solchen Maulkorb zu verpassen, denn nirgendwo auf der Welt gibt es eine höhere Journalistendichte als in Israel. Hier arbeiten mehr Kollegen und Kolleginnen als auf dem gesamten afrikanischen Kontinent!

Aber selbst wenn es einen solchen Maulkorb gäbe, so zeigt doch schon der tägliche Blick in Ihre Zeitung, wie wirkungslos er ist. Denn beim Thema Israel kennen deutsche Journalisten entgegen anders lautender Selbst-Bekenntnisse offenkundig keine Beißhemmung.

Israel hat nämlich so ziemlich die schlechteste Presse überhaupt. Nach einer Untersuchung des Institutes für Medienanalysen in Bonn sieht der Befund so aus:

61% der internationalen Konfliktberichterstattung im Fernsehen widmet sich dem Nahostkonflikt. 81% davon beschäftigt sich mit Israel. Nur 5% davon wiederum waren für Israel schmeichelhaft und positiv. (45% negativ, 49% neutral. Quelle: MEDIEN TENOR Institut für Medienanalysen mit Sitz in Bonn Die Welt, Frankfurter Allgemeine, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung, taz, Bild-Zeitung, Focus, Spiegel, Stern, Die Zeit, Bild am Sonntag, FAZ am Sonntag, Welt am Sonntag, ARD Tagesschau, ARD Tagesthemen, ZDF heute, ZDF heute journal, RTL aktuell, SAT.10, Pro Sieben Nachrichten.)

Israel ist fast durchgängig der eigentliche Aggressor oder, Um den großen deutschen Philosophen Peter Sloterdijk zu zitieren, Israel ist der eigentliche „Schurkenstaat“, zusammen mit den USA versteht sich. (Interview mit dem österreichischen Magazin „profil“) Nun könnte es mir egal sein, welchen Unsinn eine einzelne, deutsche Wissenschaftlerin wo und wie verbreitet und was Herr Sloterdijk, den ehrlich gesagt auch sonst nicht besonders gut verstehe, von Israel hält.

Das fatale ist nur, es sind keine Einzelstimmen, ihre Ansichten sind mehrheitsfähig in diesem Land:

Endlich sind die Juden nicht länger nur Opfer, sondern sie sind endlich auch Täter. Das ist eine wunderbare Entlastung der eigenen, historischen Schuld und Verantwortung und deshalb höchst willkommen im Land der Täter. (Scharon – Belgien – Sabra & Shatila) Und deshalb fühlt sich auch ein Norbert Blüm bemüßigt von einem „Vernichtungskrieg“ zu sprechen, den Israel führe gegen ein unterdrücktes Volk, ein Volk ohne Heimat: die Palästinenser. Das passt alles gut zusammen.

Israel hat also keine gute PR. Gleichzeitig wird aber jeder, der versucht, ein differenzierteres Bild Israels zu zeichnen, der Parteilichkeit geziehen. Das Leid des palästinensischen Volkes werde verschwiegen. Überhaupt die Weltpresse, sie sehe tatenlos zu und berichte, weil jüdisch unterwandert und gesteuert, einseitig.

Das genau war auch der Tenor nach der Ausstrahlung des Dokumentarfilms meiner Kollegin Esther Schapira:

„Die deutsche Israelin Esther Schapira leistet ganze Arbeit und setzt alle Ihre Fähigkeiten zur Verteidigung von Staatsverbrechen und Staatsverbrechern ein und outet sich damit als zionistische Propagandamitarbeiterin. (…) Haben die Zionisten schon alles in der Hand und können die deutschen Medien sich aus diesem Würgegriff nicht mehr befreien?“

Das fragte das „Muslim-Markt-Team“, eine sinistre islamistische Plattform im Internet, schon vor der Ausstrahlung des Filmes. Verantwortlich für diese Website ist ein Dozent der Uni Bremen, ein Türke mit deutschem Pass und angeblich auch ein Vertreter der Hisbollah in Deutschland. Und er ermuntert den geneigten Leser, das zu tun, was ein aufrechter Muslim zu tun habe, nämlich der Autorin entsprechend einzuheizen. Esther Schapira musste die ersten Veranstaltungen nach ihrem Film unter Polizeischutz machen, der Staatsschutz nahm die Drohung ernst.

Aber auch der ganz normale Zuschauer und die ganz normale Zuschauerrinnen wollten nicht hintan stehen:

Frau P. aus Hamburg möchte wissen, ob Frau Schapiras „journalistischer Eifer vielleicht durch einen israelischen Scheck angefacht worden sein mag“. Herr V. aus Ulm empört sich darüber, dass „die ARD sich zum Knecht israelischer Propaganda“ macht und „der HR … eine Esther Shapiro … beauftragt …, also eine Jüdin, Zweifel zu säen“.

Der Film sei „das übelste Machwerk an primitiver Propaganda, das seit den Zeiten eines Goebbels auf die Menschheit losgelassen wurde“. Herr T. schließlich empört sich per Mail „über die Propagandasendung“ und will wissen, wie „im Moment des Holocaust der Palästinenser eine Sendung wie diese ausgestrahlt werden kann“.

Vier von Hunderten von Briefen, Anrufen, Mails und Artikeln, die uns nach der Ausstrahlung des Filmes erreicht haben. Nicht anonym, wie meine Zitate es nahe legen könnten, sondern mit Anschrift und mit der Bitte um Rückantwort verbunden.

Sie sehen also, die Dozentin aus Dortmund ist nicht alleine mit ihrem schweren Verdacht gegen den deutschen Journalismus, jedenfalls solange er sich mit dem Nahostkonflikt beschäftigt. Eine vergleichbare Empörung, wenn es um die Berichterstattung über wirkliche Schlachtfelder dieser Erde geht – Kaschmir, Tschetschenien, Ruanda, Kongo – ist nicht zu vermelden. Selbst wohlwollende Zuschauer haben Esther Schapira gefragt, ob sie als Jüdin nicht doch ein bisschen befangen sei. Abgesehen davon, dass es keine Rolle spielt, ob Esther Schapira eine Jüdin ist, kann ich mich nicht erinnern, je nach meiner Religionszugehörigkeit befragt worden zu sein, nicht einmal da, wo ich als Protestant heftig über die deutschen Bischöfe in der bigotten Frage der Abtreibung hergefallen bin. Niemand kommt auch auf die Idee, Autoren und Autorinnen, die sich mit der Rolle der Waffen-SS auseinandersetzen, Befangenheit zu unterstellen, weil sie entweder der Tätergeneration angehören oder Kinder von Tätern sind. Aber wie lässt sich nun diese besondere Beschäftigung und Empörung bei der Berichterstattung aus Nahost erklären? Grundsätzlich gilt, dass viele Zuschauer auf der Suche nach der Bestätigung für vorgefasste Meinungen sind. Im Übrigen das Rezept aller politischen Meinungsmagazine. Die einen klatschen, die anderen ärgern sich zu Tode. Jeder bedient seine Klientel. Journalisten als Bildbeschaffer für die Bilder im Kopf. Selten jedoch tritt dieser Mechanismus so offen zutage wie im Nahostkonflikt. Und: selten sind Journalisten so willig dabei, diese Rolle zu spielen, weil sie vielfach übereinstimmt mit der eigenen Haltung.

Ich will das an einem dramatischen und zugleich symptomatischen Beispiel erläutern. Am 2. April 2002 rückt die israelische Armee in der Stadt Djenin ein. Sie tut es erklärtermaßen deshalb, weil wenige Tage zuvor bei drei Selbstmordanschlägen in Israel fast 50 Menschen getötet und 200 zum Teil schwer verletzt worden waren und weil die terroristischen Mörder aus dem Flüchtlingslager Djenin kamen. Drei Tage später sprechen die palästinensischen Behörden von einem „Massaker“, das die israelische Armee in Djenin angerichtet habe.

Die Angaben über die Zahl der Opfer erhöhen sich von Tag zu Tag. DPA, AFP und Reuters melden bis zu 200 Tote, der palästinensische Informationsminister meldet 900 Opfer. Und so steht es auch in den Zeitungen und auch in den anderen Medien wird von einem „Massaker“ berichtet, obwohl die Quellenlage völlig unzulänglich ist, denn Journalisten selbst waren keine vor Ort. Es war eine Berichterstattung vom Hörensagen. „Amnesty International“ fordert eine sofortige Untersuchung des Todes von „Hunderten von Palästinensern“, spricht von einem „Kriegsverbrechen“. Die UN-Menschenrechtskommission in Genf verurteilt das „Massaker“ aufs schärfste.

Auch Frau Dr. Waltz schaltet sich wieder ein: „Die Israelis sind dazu übergegangen, Leichen in die Abfallgruben zu schleppen, aber über 800 Leichen – das ist inzwischen amtlich festgestellt …. – sind in Lkws abtransportiert worden nach Norden und dort in einem anonymen Friedhof in Massen vergraben worden. In Djenin werden … weitere Massengräber entdeckt“.

Bremens Bürgermeister, Henning Scherf, überlegt, eine Fotoausstellung in der Hansestadt zu dem „Massaker“ von Djenin zu machen. Djenin wird zu einem Synonym für „Massaker“. Auch die UN-Flüchtlingsorganisation UNWR meldet sich mehrfach zu Wort und spricht von einem „Schlachtfeld unter Zivilisten“, es sei der „reinste Horror“.

Diese Bewertung der Lage in Djenin lässt besonders aufhorchen und sie lohnt eine besondere Betrachtung.

Das UNWR betreut als UN-Flüchtlingswerk weltweit zahllose Flüchtlingslager und ist in dieser Funktion auch für Djenin verantwortlich. Deshalb hätte niemand die Wahrheit besser wissen müssen und können, als das UNWR. Und die Wahrheit heißt:

Djenin war ein Feldlager des „Islamistischen Djihad“, die Hauptstadt der Selbstmordattentäter sozusagen. „Wir hatten 1000 bis 2000 Bomben“, erklärt ein stolzer palästinensischer Kämpfer dem Fernsehsender CNN in die Kamera. Und alles unter den Augen des UNO-Flüchtlingswerkes? ? Jedes 10. Haus in Djenin war vermint. Und alles unter den Augen des UNO-Flüchtlingswerkes?

Britische und norwegische Rettungsteams mussten unverrichteter Dinge aus Djenin abziehen, weil Verschüttete in Sprengstofffallen gefangen waren.

Und alles unter den Augen des UNO-Flüchtlingswerkes?

„Glauben Sie mir, in den Häusern stehen Kinder bereit, mit Sprenggürteln“, berichtet ein anderer Kämpfer. „Heute kam eines der Kinder mit seiner Schultasche zu mir. Ich fragte ihn, was er wolle, und er antwortete: Statt Bücher möchte ich Sprengstoff, um anzugreifen“. Und alles unter den Augen des UNO-Flüchtlingswerkes?

Statt sich also mit der eher problematischen Zuschauer-Rolle, oder gar der Mittäterschaft des Flüchtlingswerkes zu beschäftigen, was ja eigentlich unsere vornehme Aufgabe hätte sein müssen, haben die Kollegen ungeprüft Meldungen der palästinensischen Behörden verbreitet. Kein besonders guter Journalismus.

Nun könnte man entschuldigend einwenden: die Journalisten wussten es nicht besser, sie durften schließlich nicht an den Ort des vorgeblichen Massakers. Und wenn man vom Rathaus kommt, soll man ja angeblich alles besser wissen. Nur: alles eben Erwähnte wäre ohne Mühe im Internet zu finden gewesen. „Memri.org” (The Middle East Media Research Institute) bietet jedem, der es sucht, die Mitschrift vieler Berichte aus den arabischen Medien. Die oben zitierten Interviews gehören dazu.

„Memri.org“, ein Klick, und man hätte es besser wissen können, was Djenin wirklich ist. Wenn man es denn gewollt hätte.

Nachdem sich der Rauch über Djenin verzogen hatte, die Journalisten sich dem nächsten Schlachtfeld zugewandt hatten, kommt ein Expertenteam der Vereinten Nationen nach gründlicher Untersuchung zu dem Ergebnis: von Massaker keine Spur. Es gab 52 palästinensische Opfer, und keine 900, davon waren 22 Zivilisten.

Um nicht missverstanden zu werden, es waren 52 Opfer zu viel, eigentlich 75 zu viel, denn es sind auch 23 israelischen Soldaten ums Leben gekommen. Aber die fanden dann ohnehin nirgendwo mehr eine nennenswerte Erwähnung.

„Hätten Sie den Film auch gemacht, wenn am Ende herausgekommen wäre, dass tatsächlich israelische Soldaten Mohammed al Dura erschossen haben“, wurde Esther Schapira oft gefragt.

Diese Frage ist legitim. Aber sie ist auch verräterisch, denn sie unterstellt gleichzeitig eine Tendenz, einen Vorsatz, die Produktion sei nur deshalb zustande gekommen, um dem israelischen Militär aus der Patsche zu helfen. Erstaunlich ist nur, dass niemand so sehr gegen diesen Film war, wie das israelische Militär. „Words cannot balance pictures“, Worte könne nicht ausgleichen, was Bilder anrichten, hatte der Militärsprecher als Einwand gegen unser Vorhaben entgegnet. Während die palästinensischen Behörden jedwede Hilfestellung anboten, bockte das israelische Militär und als dieses dann zuletzt doch zustimmte, weil wir ihnen klargemacht hatten, dass der Film so oder so gemacht werde, gab es plötzlich ein Veto aus dem Außenministerium.

In Israel wollte niemand diesen Film, aber niemand war auch in der Lage, diesen Film zu verhindern. Israel ist ein freies Land, Journalisten bewegen sich ohne Kontrolle, keine Aufpasser, kein Zensor, die Bewegungsfreiheit ist uneingeschränkt, auch wenn Frau Dr. Waltz genau das Gegenteil behauptet.

Ungemütlich wird es erst in den besetzten Gebieten. Wehe dem, der dreht und das nicht darf. Ein Beispiel: Zwölf Tage nach Mohammeds Tod, am 12. Oktober 2000, entstanden im Westjordanland ebenfalls Bilder, die um die Welt gingen. Sie zeigen, wie eine aufgebrachte Menschenmenge vor dem Polizeigebäude in Ramallah begeistert jubelt, als ein regloser Körper aus dem Fenster im ersten Stock geworfen wird. Dann erscheint ein Mann, der der Menge mit blutigen Händen winkt. Es gibt auch Bilder, wie ein zweiter Mann vor dem Gebäude von Menschen zu Tode geschleift wird. Die Opfer: Zwei Israelis, die sich verfahren hatten und mit ihrem israelischen Kennzeichen versehentlich in Ramallah im Westjordanland gelandet waren.

Palästinensische Polizei hatte sie daraufhin festgenommen und zur Polizeistation gebracht. Dort wurden sie dann gelyncht, eine gnädig abstrakte Bezeichnung für die Art, wie sie zu Tode gequält, durch die Straßen geschleift, bei lebendigem Leib angezündet wurden. Yosi war 38 Jahre alt. Er hinterlässt kleine Kinder. Vadim war 33 Jahre alt. Er hatte vier Tage zuvor geheiratet. Über sein Handy wird seine Frau gezwungen mit anzuhören, wie ihr Mann gelyncht wird. Yosi und Vadim sind aus dem Gedächtnis der Medienwelt längst entschwunden. Ihr Schicksal wäre auch damals weitgehend unbeachtet, wenn es nicht diese Fernsehbilder gegeben hätte.

Die Geschichte von der Verbreitung dieser Bilder erzählt ein eigenes, weitgehend unbekanntes Kapitel der journalistischen Wahrheitsfindung im Nahostkonflikt. Gedreht wurden sie von einem Kamerateam von RTI, einer kleinen privaten italienischen Fernsehstation.

Dieses Team war aber keineswegs das einzige vor Ort. Wie in Netzarim drängten sich auch vor der Polizeistation in Ramallah an diesem Tag die Fotografen und Kamerateams: darunter ein britischer Fotograf, ein polnisches TV-Team, Producer für ABC Network und ein Team des ZDF. Das polnische Team wurde umzingelt und von palästinensischer Polizei geschlagen. Das ZDF Team wurde ebenfalls attackiert, der Reporter „Jude“ beschimpft und an die Wand gestellt. Erst als er seinen deutschen Ausweis zeigt, lassen die Palästinenser von ihm ab. (Merseburger) Allen Kameraleuten und Fotografen wurde das Material beschlagnahmt. Kameras wurden zerschlagen. Kaum jemand der Kollegen hat darüber berichtet.

Warum nicht?

Die Antwort liegt vielleicht in der Reaktion, mit der die italienische Journalistin konfrontiert war, der es als einziger gelang, ihre dramatischen Bilder heraus zu bringen und zu senden. Sie erhielt Morddrohungen, musste die Region verlassen und steht bis heute in Italien unter Polizeischutz. Damit ist die Geschichte aber noch nicht ganz erzählt. Die RAI, die große staatliche Fernsehanstalt Italiens, sah sich nämlich plötzlich in einen Topf geworfen mit dem völlig unbedeutenden Privatsender RTI. Das machte die Arbeit in den besetzten Gebieten ungemütlich, weshalb Ricardo Christiano, der Korrespondent der RAI zur Feder griff und sich bei den palästinensischen Behörden entschuldigte für etwas was er nicht getan hatte, aber hätte tun sollen, nämlich über den Lynchmord von Ramallah zu berichten. Diese Ergebenheitsadresse wäre nie bekannt geworden, hätte sie nicht die palästinensischen Zeitung Al Hayat veröffentlich: Seine „geschätzten Freunde in Palästina“, lässt der Kollege wissen, wie sehr er den Vorfall bedauere, und dass die RAI nicht das Geringste damit zu tun habe, „denn“, so wörtlich, „die Regeln der palästinensischen Autonomiebehörde für journalistische Arbeit in Palästina werden von uns immer respektiert (und wir werden auch fortfahren, sie zu respektieren) und wir sind glaubwürdig in unserer präzisen Arbeit. Wir danken Euch für Euer Vertrauen und Ihr könnt sicher sein, dass dieses Handeln nicht unserem Stil entspricht. Wir würden und werden so etwas niemals tun. Bitte akzeptiert Sie meine Segenswünsche.“

Ein Kniefall, ein ungeheuerlicher Kotau vor den palästinensischen Machthabern, den die RAI offenbar seinem Korrespondenten abverlangt hat. Christiano verlor daraufhin seine Akkreditierung in Israel, wurde schließlich von der RAI abberufen und ist jetzt zuständig für Vatikanberichterstattung beim Hörfunk.

Esther Schapira hätte gern von ihm selbst erfahren, wie die „Regeln“ der palästinensischen Autonomiebehörde für journalistische Arbeit aussehen und wozu genau er sie „beglückwünscht“ hatte. Er hätte auch gern geantwortet, durfte aber nicht. Ohne Genehmigung seines Arbeitgebers RAI drohe ihm die Kündigung, wenn er über die Ereignisse von Ramallah spreche. Die RAI untersagt ihm jede Äußerung. Doch auch ohne seine Erklärung lässt sich vermuten, wie es zu diesem Brief kam. Ricardo Christiano hatte Morddrohungen erhalten, wegen der vermeintlich von ihm „verschuldeten“ Veröffentlichung der Bilder vom Lynchmord aus Ramallah. Diese Drohungen sind kein Einzelfall.

Im November 2000 veröffentlicht Al Hayat einen Brief der Palästinensischen Journalisten Vereinigung, in dem die Nachrichtenagentur AP für ihre Darstellung des „Kampfes der Palästinenser“ verurteilt wird. Falls AP die Berichterstattung nicht ändere, heißt es dort, würden „alle notwendigen Maßnahmen gegen AP-Mitarbeiter“ angewendet.

Der Korrespondent des amerikanischen Magazins „Newsweek“, Joshua Hammer und sein Fotograf Gary Knight wurden am 29. Mai 2001 unmittelbar nach einem Interview im Gazastreifen von ihren Interviewpartnern, Mitgliedern der Fatah, verschleppt und erst nach heftigen Protesten vier Stunden später wieder freigelassen. Für ausländische Journalisten ist dies eher die Ausnahme, für einheimische dagegen gängige Praxis: „Kritiker der Palästinensischen Autonomiebehörde werden zuweilen von einem Angehörigen der Sicherheitskräfte zu einem Kaffee eingeladen, um erst Tage, Wochen oder sogar Monate später wieder freigelassen zu werden“, schreibt nicht etwa die Pressestelle der israelischen Regierung, sondern Amnesty International. „Seit ihrer Gründung 1994“, heißt es im Jahresbericht 2000, „hat die Palästinensische Autonomiebehörde die Freiheit der Presse zunehmend eingeschränkt durch eine Vielzahl von Maßnahmen, darunter Verhaftungen, Verschleppung durch Sicherheitskräfte. (…) Viele der Verhafteten konnten keinen Kontakt zur Außenwelt aufnehmen und einige waren Folter ausgesetzt.“

Nicht erwähnt werden etwa die Todesurteile in den palästinensischen Gebieten, die ohne jedes ordentliche Gerichtsverfahren vollstreckt werden oder die gängige Lynchjustiz für vermeintliche Kollaborateure.

Vor diesem Hintergrund ist es hochgradig problematisch, dass die Kontrolle über die Berichterstattung und vor allem die Hoheit über die Bilder inzwischen fast ausschließlich bei Palästinensern liegt. Weit über 90% der Kameraleute, die in Gaza und der Westbank arbeiten, sind Palästinenser. Sie arbeiten im Auftrag westlicher Fernsehstationen und Agenturen. Ihre Auftraggeber sind überwiegend westliche Fernsehstationen und Agenturen, aber sie drehen die Bilder. Sie entscheiden, auf welches Ereignis sie ihre Kamera richten. Sie wählen das Material aus, das sie in die Studios nach Jerusalem und Tel Aviv überspielen. Und sie teilen Korrespondenten telefonisch mit, was sie gesehen habe. Daraus entsteht der Reporterbericht. So war es im Fall Mohammed Al-Dura. So ist es die Regel.

Aus einer Reihe von nachvollziehbaren Gründen und Sachzwängen sind westliche Journalisten und Kameraleute nur in Ausnahmefällen selbst vor Ort.

Erstens: Es ist zu gefährlich.

Kriegsreporter sind selten an der Front. Das war im Golfkrieg so. Das war im Kosovo so. Das war in Afghanistan so. Das wird im kommenden Golfkrieg auch so sein. Offiziell herrscht in Israel kein Krieg, aber es wird scharf geschossen. Und: Es gibt keinen klaren, vorhersehbaren Feind. Das macht die Sache noch gefährlicher. Wer noch dazu die Sprache nicht beherrscht, und die meisten westlichen Journalisten sprechen weder hebräisch noch arabisch, bleibt sicherheitshalber besser im klimatisierten Studio und lässt sich die Bilder von der Front überspielen. Panzerweste hin oder her, die zieht man dann allenfalls an, wenn man seinen Aufsager macht und so tut, als sei man mittendrin.

Und weil „unser Mann in Israel“ nicht an der Front ist, kommt er auch in keinen journalistischen Gewissenkonflikt. Er kommt erst gar nicht in die Verlegenheit, Bilder zu sehen, deren Verbreitung gefährliche Konsequenzen für ihn haben könnte, weil sie vielleicht nicht den „Regeln der Berichterstattung“ palästinensischer Lesart entsprechen. Regeln, die jeder offiziell dementiert und die doch jeder kennt. Regeln eben, auf die sich Ricardo Christiano in seinem Brief explizit bezogen hat.

Regeln übrigens, gegen die die Kollegen dringend öffentlich protestieren und die sie zum Gegenstand ihrer Berichterstattung machen müssten. Doch damit geriete das System selbst ins Wanken, denn welcher Journalist mag schon zugeben, dass er selbst vom Ort des Geschehens fast ebenso weit entfernt ist, wie der Zuschauer zuhause? Wer mag öffentlich eingestehen, dass er Angst hat? Wer räumt ein, dass er nicht selbst recherchiert hat und nur gefilterte Informationen verarbeitet?

Zweitens: Die Aktualität.

Der Zwang zur Aktualität lässt keine Zeit für eine journalistische Recherche vor Ort. Längst hat der im Medienwettbewerb gewonnen, der die Information am schnellsten liefert, am besten, wenn es denn ginge, zeitgleich zum Geschehen. Das geht zwingend auf Kosten der Wahrheit und Gründlichkeit. Wenn an nachrichtenstarken Tagen allein sieben Regelsendungen und dann noch zusätzliche Sondersendungen mit Beiträgen beliefert werden müssen, dann hat ein Reporter vor Ort keine Chance, er sitzt am Schneidetisch, er muss dort sitzen und ein Stück nach dem anderen liefern.

TS um 15:00, 17:00, 20:00 TT, Nachtjournal, Brennpunkt, Morgenmagazin, Mittagsmagazin

Da kann ein Korrespondent nicht selbst recherchieren. Da kann er sich nur darauf beschränken, die angelieferten Bilder und Informationen zu bearbeiten, möglichst schnell und jedes Hinterfragen bringt ihn aus dem Rennen. (Man stelle sich vor: Mohammed Al-Dura: Moment mal, wir müssen erst noch mal gucken, was wirklich mit dem Bildmaterial los ist) Das Unredliche dabei ist: es sagt keiner. Redlicherweise müsste man wenigstens die Quelle nennen. Tut der Reporter in der Regel aber auch nicht. Das Material erscheint dem Zuschauer als selbst gedrehtes Material, authentisch eben, dabei stammt es entweder direkt von der Israelischen Armee oder eben von palästinensischen Kameraleuten vor Ort. Beides ist journalistisch problematisch. Beides wird in der Regel unterschlagen.

Das Ergebnis sind die immergleichen Bilder, die uns aus Nahost erreichen. Es sind die Bilder, die unsere Zuschauer erwarten, weil wir sie ihnen liefern. Und wir liefern sie, weil sie erwartet werden. Ein Kreislauf, bei dem vor allem eines auf der Strecke bleibt: die Wahrheit. Die nämlich ist deutlich komplizierter als die Welt der Schlagzeilen und Aufmacher sie suggeriert.

Und die so gefärbte Berichterstattung schadet beiden Kriegsparteien, weil sie den Graben vertieft. Israel fühlt sich durch die tendenziöse Berichterstattung verunglimpft, igelt sich ein und wird immer unzugänglicher auch für berechtigte Kritik.

Doch auch die Sieger im Medienkrieg, die Palästinenser, verlieren.

Je weniger differenziert berichtet wird, je selbstverständlicher Zensur ausgeübt werden kann, umso schwerer haben es jene, die sich für demokratische Verhältnisse, für eine Verhandlungslösung und damit für eine Zukunft ihres Volkes in Freiheit und friedlicher Nachbarschaft mit Israel einsetzen. Niemand darf aussuchen, was wir sehen dürfen, wir wollen und müssen alles sehen. Das ist der Grundsatz für Pressefreiheit. Das Schlusswort soll nicht Frau Walz haben, mit der ich angefangen habe und die übrigens als Dozentin auch dem palästinensischen Wohnungsbauministers zu Diensten war, sondern: der israelische Schriftsteller Amoz Oz. Der hat kürzlich in einem Interview gesagt: „Vor fünfzig Jahren war ganz Europa mit Graffiti überzogen, in denen es in allen Sprachen hieß: Juden, geht nach Palästina. Heute steht überall: Juden, raus aus Palästina. Dasselbe Europa.“

Er hat kein Fragezeichen dahinter gemacht, aber auch kein Ausrufezeichen. Er hat es offen gelassen. Ich habe leider zunehmend das Gefühl, „Juden raus aus Palästina“ und wir hätten keine Scherereien mehr mit Bin Laden und anderen islamistischen Terroristen, sondern wieder unsere Ruhe, das eint Europa wieder, nicht nur in Deutschland, auch in Frankreich und besonders in Großbritannien. Ich danke Ihnen.

© Esther Schapira und Georg M. Hafner

Meine Antwort auf die ARD – „Nachbemerkungen zu unseren Beiträgen über Wassermangel im Westjordanland, Tagesschau und Tagesthemen vom 14.8.2016“

ARD/BR hat auf die Kritik an ihrem Lügenbericht in der tagesschau/den Tagesthemen vom 14. August reagiert: http://blog.br.de/studio-tel-aviv/2016/08/15/stellungnahme-zur-kritik-am-tagesthemen-beitrag-vom-14-08-2016.html. Darin wurde auch Ulrich Sahm angegriffen. Er kontert:

Von Ulrich Sahm, Jerusalem, 16. August 2016 (direkt vom Autor)

Mitte Juni wurde der Bruch einer Wasserleitung gemeldet. Das habe zu zeitweiligen Engpässen bei der Wasserversorgung geführt. Der Grund war Wasserdiebstahl, was zum Bruch der Hauptleitung nach Salfit führte.

Am 28.7. wurde der Radiobericht des BR gesendet: Der Streit ums Wasser ARD Studio Tel Aviv am 28/07/2016 um 06:00 Uhr

Wie der reine Zufall so will, wurden der gleiche Ali Osman und der gleiche Clemens Messerschmid (nicht „Wasserschmid“ wie bei der unfehlbaren ARD) interviewt, die fast 3 Wochen später dann auch in Tagesschau und in den Tagesthemen auftauchten.

Das Filmchen über einen Rohrbruch hat Cogat auf Facebook am 15.6. gepostet: https://www.facebook.com/cogat.israel/posts/1027620780666939

Am 21. Juli berichtet Cogat erneut über Wasserdiebstahl durch Palästinenser in der gleichen Gegend: https://www.facebook.com/cogat.israel/posts/1049708118458205

In dem Bericht vom 26.6. schreibt die Jerusalem Post über die palästinensischen Verantwortlichkeiten für die Wasserknappheit: Wasserdiebstahl (5 Millionen m³ Wasser pro Jahr), Verweigerung von Gesprächen mit den Israelis, 20-40% mehr Bedarf vor allem für die Landwirtschaft (nicht zum Duschen und Trinken). Um den erhöhten Bedarf zu decken, habe Israel Maßnahmen ergriffen, die aber nicht umgesetzt werden könnten, solange die Autonomiebehörde keine Genehmigung für eine Modernisierung der Infrastruktur gegeben habe. Ohne palästinensische Erlaubnis können die Israelis nicht tätig werden. Die Folgen dieser Weigerung trafen besonders das palästinensische Dorf Salfit. Wasser habe genauso in jüdischen Siedlungen in der Gegend gefehlt: Shiloh, Ariel, Yitzhar, Eli, Kedumim, Itamar, Elon Moreh und Rechilim. Am Freitag (24.6.) habe es in mehreren Siedlungen gar kein Wasser gegeben. Es handelte sich also nicht um eine Maßnahme gegen Palästinenser, sondern um ein allgemeines Problem der Infrastruktur, von der Siedler genauso betroffen waren. Genau in dieser Zeit hat Mahmoud Abbas die Israelis von dem Europäischen Parlament bezichtigt, palästinensische Brunnen zu vergiften. Dieses hat Abbas innerhalb von Stunden widerrufen.

Die ARD hat nicht verraten, wann sie den Rundfunk/Fernsehbericht angefertigt hat.

„Als wir gedreht haben, galt der Rohrbruch als repariert.“ Der nicht erwähnte Rohrbruch „galt“ also als repariert. Warum hat dann die Stadtverwaltung von Salfit das Wasser nicht fließen lassen?

Es heißt in dem BR-Bericht wörtlich: „Nur noch ein- bis zweimal in der Woche pumpen die örtlichen Wasserwerke Trinkwasser in den Stadtteil, in der Familie Osman lebt. Alle Haushalte füllen dann ihre Tanks: Das Wasser muss dann solange reichen, bis die Stadtwerke das nächste Mal den Hahn für diesen Teil der Stadt aufdrehen. In Zahlen heißt das: 167 Liter pro Tag für eine sechsköpfige Familie. In Deutschland liegt der durchschnittliche Verbrauch pro Kopf und Tag bei 126 Litern.”

Darf ich also annehmen, dass das ARD Team gefilmt hat, just bevor die Stadtverwaltung wieder Wasser geliefert hat?

Waschmaschinen: Ich frage erneut, warum denn „früher“ genügend Wasser für die Waschmaschine vorhanden war und jetzt nicht mehr. Da gemäß allen offiziellen Angaben das Wasser früher noch knapper war als heute, müsste man mal prüfen, wie alt die Waschmaschine ist, die Familie Osman allein aus „Hoffnung auf Normalität“ gekauft hat. Wer kauft sich teure Geräte, wohl wissend, sie mangels Wasser nicht benutzen zu können? Die ARD behauptet: „Diese Menschen haben eben noch immer Hoffnung auf Normalität.“

Da Ali Osman hier der einzige „Kronzeuge“ ist, müsste man wenigstens prüfen, ob auch bei anderen in Salfit das Wasser fehlt, oder ob es nur ein Problem in Osmans Stadtteil ist.

Bei einer Pressetour nach Ouja bei Jericho stellte sich heraus:

1) Keiner der Bürger hatte eine installierte Wasseruhr, also zahlte keiner für seinen Wasserkonsum.

2) Der Bürgermeister zeigte (aufgrund meiner Nachfrage) den Journalisten eine happige Wasserrechnung aus Ramallah(!). Diese Rechnung sollten die Europäer bezahlen, da er kein Geld dafür habe. Kein Wunder, da seine Bürger nichts bezahlt haben.

3)  Aus diesem Grund wäre es sinnvoll gewesen, auch Ali Osman nach seinen Wasserrechnungen zu befragen, um seinen früheren Wasserverbrauch zu prüfen. Es geht hier um die grundsätzlichste Recherche. Ebenso hätte der Verantwortliche für Wasserfragen in der Stadtverwaltung von Salfit befragt werden können. Der war gewiss nicht durch „hohe jüdische Feiertage“ verhindert.

4) Niemand bezweifelt, dass die Palästinenser kein Wasser im Überfluss haben, obgleich es durchaus ausreicht, zahlreiche Swimmingpools zu füllen, Straßen mit Wasserstrahl aus dem Hydranten abzuspritzen (mehrfach in Bethlehem gesehen, auf dem Krippenplatz und vor einer Woche an einer der Hauptstraßen). Es reicht für die netten Wasserfontänen in Hebron und anderswo. Der Bericht wäre aufrichtiger gewesen, wenn einerseits die Wasserverschwendung und andererseits die Knappheit gezeigt worden wäre. Denn es gibt beides. Und hat nicht die ARD selber mal eine große Reportage über die reichen Leute im Westjordanland gebracht, mitsamt ihren Pools?

5) Was den Namen der Familie Osman angeht: Nein, darüber sollte man sich nicht lustig machen. Aber wieso heißen einige „Iraki“ und sehr bekannte Palästinenser „el Masri“, auf gutdeutsch „der Ägypter“ usw. Es gibt viele Beispiele für die Herkunft waschechter arabischer „Palästinenser“, die man anhand der Namen sehen kann. Zum Beispiel der Präsident des lutherischen Weltbundes. Der stammt aus Jerusalem und heißt Younan (der Grieche). In Deutschland gibt es das genauso. Jeder Adelige ist nach seinem Herkunftsort („von“ XYZ, oder Graf von XYZ) benannt. Und darf ich ungeprüft vermuten, dass unser Innenminister französische Ursprünge hat? Gleiches Spiel können sie bei den israelischen „Toledanos“ spielen, die heute sogar einen spanischen Pass beantragen dürfen oder den zahlreichen Spiros, Schapiras usw, deren Wurzeln mal in Speyer lagen. Das ist alles sehr irrelevant. Aber wenn ein Volk von sich behauptet, „Ureinwohner“ und „Eingeborene“ zu sein, spielt es vielleicht doch eine Rolle, wenn deren Namen anzeigen, dass sie im 19. oder 20. Jahrhundert aus der Ferne eingewandert sind.

6) „Dass ihr Leiden auf so wenig Empathie stößt, hat uns sehr verwundert.“
Ich habe viel Empathie für leidende Menschen, aber nicht so sehr, wenn sich herausstellt, dass die Leiden hausgemacht sind. Die ARD meint hier wohl mit „Empathie“, dass Israel beschuldigt werden müsse, und nicht etwa, dass Palästinenser vielleicht für die eigenen Versäumnisse verantwortlich sind.

7) Ali Osman besitzt ein anständiges Haus und kann sich Mineralwasser aus dem Supermarkt leisten. Wie steht es um arme Bauern oder gar Flüchtlinge, die sich das nicht leisten können? Wir wissen nicht einmal, welchen Beruf Osman ausübt, jedenfalls hat er ausreichend Geld. Es wäre interessant zu erfahren, warum der gut situierte Osman zweimal bei ARD Zeuge der Anklage gegen Israel sein durfte.

8) „Was wir in diesem Zusammenhang aufrichtig bedauern – und künftig anders machen werden – ist, dass wir es versäumt haben, die israelische Seite durch einen eigenen O-Ton zu Wort kommen zu lassen. Grund dafür war, dass wir wegen eines hohen jüdischen Feiertages nicht in einer der angefragten Siedlungen drehen durften und uns auch die angefragten Experten abgesagt haben.“ Hat der von Ihnen erwähnte „hohe jüdische Feiertag“ auch einen Namen? In dieser fast feiertagslosen Sommerzeit gibt es seit Juni nur Tischa Be´av. Und der wurde am 14.8. begangen, am Tag der Aussendung Ihres Beitrags. Es ist unvorstellbar, dass Sie den Film ausgerechnet an einem Sonntag recherchiert, gedreht und ausgestrahlt haben, zumal es drei Wochen zuvor schon den Radiobericht gab. Es wäre auch hilfreich zu erfahren, bei welchen israelischen Experten Sie angefragt haben. Nur so könnte man nachforschen, warum die alle abgesagt haben. Der Fastentag wäre kein triftiger Grund gewesen.

9) „Dass Wassermangel aufgrund mangelnder Verteilungsgerechtigkeit in Salfit und vielen Orten der Westbank Alltag ist, belegen auch diverse Berichte von unabhängigen Organisationen wie z.B. der Weltbank. http://siteresources.worldbank.org/INTWESTBANKGAZA/Resources/WaterRestrictionsReport18Apr2009.pdf West Bank & Gaza – World Bank Publishes Assessment of Restrictions on Palestinian Water Sector Development http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/weltbank-bericht-palaestinenser-verlieren-jaehrlich-milliarden-durch-besatzung-12671307.html.” Diese Texte sind mir alle wohlbekannt. Wenn ich die ARD richtig verstehe, ist es den Palästinensern zum Beispiel in der “fruchtbaren Jordansenke” richtig gut gegangen, als sie noch “frei” waren, ehe die israelischen Besatzer kamen. Da stimmt was nicht, denn die Jordanier waren genauso „Besatzer“ und davor die Briten und davor 400 Jahre lang die Osmanen. Bei meiner ersten Fahrt 1968 durch das westliche Jordantal (auf der israelisch besetzten Seite) war es eine desolate Wüste. Erst unter den Israelis wurden über 90% der Haushalte im Westjordanland an fließendes Wasser angeschlossen.

„Den Vorwurf von Uli Sahm in der Internetplattform von honestly concerned, der von vielen nachfolgenden Kritikern unhinterfragt fast wörtlich übernommen worden ist, Herr Messerschmid hätte behauptet „Israel hätte Staudämme gebaut, um dann Gaza zu fluten“ streitet Clemens Messerschmid als „fabriziert“ vehement ab. Er distanziert sich auch von anderen, nach eigenen Aussagen, „fabrizierten und nicht belegbaren Behauptungen.“ Einen Mailwechsel zu dieser Kontroverse aus dem Jahre 2013 hat Herr Messerschmid uns vorgelegt.“

Dieser Briefwechsel liegt auch mir vor. Meine erste Mail an Herrn Messerschmid habe ich am Donnerstag, 19.Dezember 2013 um 20:31 Uhr geschickt: „Sehr geehrter Herr Messerschmid, ein Bekannter hat mir empfohlen, dass ich mich an Sie wenden sollte, wegen der Überschwemmungen in Gaza (Rafah und Deir el Balah). Wissen Sie etwas von israelischen Staudämmen, die gebaut worden seien, um den Palästinensern Wasser vorzuenthalten und die jetzt beim Wintersturm geöffnet worden seien, um die Palästinenser zu überschwemmen? Arabische und iranische Medien berichteten. Die Israelis dementierten.”

Herauf antwortete er am 20.12 um 09:35 Uhr:

„Tja, Herr Sahm

nix Genaues weiss ich auch nicht.

Sie meinen wohl technische Details ueber die flood gates…Amira (Hass vom Haaretz, U.S.) hat mich auch schon gefragt und ich musste passen.

die wenigen Dinge, die ich Weiss:

– Israel faengt tatsaechlich den Abfluss aus dem Wadi Hebron-Wadi Besor(Isr)-Wadi Gaza so weit es geht ab. Wenn ich recht im Kopf habe, etwa 12.3 Mio Kubikmeter im Jahr – also stattlich, wenn man bedenkt, dass das zufaellig genau die Menge aller Brunnen ist, die wir seit Oslo in der West Bank bohren konnten.

– Es ist nicht das erste mal, dass Wadi Gaza ueberflutet.

– Das Design ist leider genau so, dass Israel allen ruhigen (nutzbaren) Abfluss fuer sich allein zurueckhaelt, aber den (zerstoererischen) Strom-Runoff, Starkregenabfluss, dann ueber die Kammkannte nach Gaza ablaesst. –> Gaza kriegt also per design immer nur die Flash floods ab.

– Das ist seit vielen Jahren so. Leider spitzt sich aber in Gaza selbst die lage immer mehr zu.

– Immer leute fangen aus Verzweiflung und im Chaos der Zustaende an, IM Wadi selbst zu siedeln (squatten). Das muesste unterbunden werden, aber wer hat schon Ausweichunterkuenfte fuer sie.

– Vor Jahren sollten storm conductance pipes verlegt werden – das wurde auch fleissig von gebern (UN? ich weiss nicht mehr) begonnen, brach aber nach der verhaengung der Totalblockade vor 6 Jahren rapide ab. (Baustoffmangel, etc. – man kennt’s ja zum Ueberdruss). Hier liegt also eindeutig auch eine Verantwortung Israels (und uns Gebern, die wir uns das klaglos gefallen lassen!). Zuverlaessige Freunde berichteten mir von den aufgelassenen,abgebrochenen Baustellen, und wie die Leute aus Gaza dann die „wertvollen“ Bauteile abschleppten…

– Gaza hat natuerlich auch keinen PLATZ (ganz anders wiederum als Israel zw. Beer Sheva und Re’im), um die natuerliche Loesung (Ponder, Auen, Ueberschwemmungs-Feuchtgebiete) anzugehen – Sie kennen die Diskussion ja aus Deutschland (Oberrhein Hochwaesser).

– Und dann noch das Problem der Pumpen, die Strom braeuchten! (Seit November eine E-Werke, bzw.kein Fuel- und dazu Israel’s Strafregime der Unterversorgung – ebenfalls, planvoll, absichtlich…)

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Es gibt ein paar relative zuverlaessige Quellen, die von aktiver Oeffnung von Daemmen sprechen. http://www.ewash.org/en/?view=79YOcy0nNs3D76djuyAnkRVT

Aber aktiv wissen tun wir es nicht. Ich enthalte mich da immer einer Vermutung.

Fuer mich steht aber nach all dem oben Aufgefuehrten fest, dass die eventuelle aktive Oeffnung der Schleusen nur die Spitze eines gewaltigen Eisbergs waere und somit vom eigentlichen Skandal ABLENKEN, der ja im Design verankert ist.

Ich vermute, dass, wenn Israel das Wasser nutzbringend auffangen koennte, es dies auch mit Sicherheit getan haette. Nur hier war die Flut zu stark…

Alles unklar?

Clemens Messerschmid“

Hierzu einige Anmerkungen:

– Israel fängt also doch Wasser ab. Dazu braucht man Mauern oder eben Dämme, die nicht zu finden waren und von den Israelis dementiert worden sind. Messerschmid weiß nichts von solchen Staudämmen, aber er kennt die von Israel so abgefangene Wassermenge.

– Er kennt zwar nicht diese Dämme, aber er kann sich ausführlich zu deren Design äußern: „aber den (zerstoererischen) Strom-Runoff, Starkregenabfluss, dann ueber die Kammkannte nach Gaza ablaesst“. Welch unglaubliche wissenschaftliche Erkenntnis! Wenn ein (nicht existentes) Staubecken vollgelaufen ist, dann fließt das Wasser über die Kante ab. Das ist nun einmal so. Daraus aber zu folgern, dass die Israelis das bewusst tun, um Gaza zu überschwemmen, ist eine heftige Unterstellung. Es sollte Messerschmid und der ARD bekannt sein, dass Israel nicht einmal fähig ist, schwere Überflutungen in Tel Aviv zu verhindern. Und selbst die tollen Amerikaner sind ziemliche Stümper: Siehe die Überschwemmungen in Louisiana. Oder die Deutschen bei Dresden oder entlang des Rheins. Hierzu auch noch ein Kommentar zu den Überschwemmungen in Gaza: https://medforth.wordpress.com/2013/12/19/kommentar-israel-uberflutet-den-gazastreifen/

– Verwunderlich war für mich, dass jemand im Dienst und Lohn deutscher Regierungsbehörden steht, darunter viele deutsche und einige internationale Organisationen und Stiftungen (GIZ, DED, KfW, CIM; Weltbank, USAID, UN), und dann die Einladung zum Empfang aus Anlass des 3. Oktober (Tag der deutschen Einheit) der Vertretung in Ramallah, im Mövenpick ausgerichtet, aus ideologischen Gründen ausschlägt. In einer Mail vom 22.12.2013 um 18:35 Uhr schrieb er: „Dass Sie mich am 3. Oktober nicht trafen, ist kaum verwunderlich. Am 3. Oktober feiere ich naemlich nicht – Sie schon? Und noch dazu im Moevenpick!?“

– Wenn Messerschmid bei Muslim Markt auftritt, für die palästinensische Kampfseite „electronic intifada“ schreibt und ansonsten sehr anti-israelische Äußerungen an verschiedenen Stellen hinterlassen hat, sollte er sich nicht wundern, wenn das auch seine „Reputation“ als Wasserexperte in Frage stellt. Dass er Landeszentralen, Schulbuchverlage und Abgeordnete nahezu aller Fraktionen berät, sagt nichts aus über seine Glaubwürdigkeit. Gewisse Staudämme nicht zu kennen, sich dann aber ausführlich über deren Design zu äußern, mitsamt der bösen israelischen Absicht, damit den Palästinensern zu schaden, ist ein Widerspruch in sich.

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Auch tapfer in nirgendwo hat auf die Reaktion reagiert:
Tapfer im Nirgendwo antwortet der ARD Tagesschau

Terror in Tel Aviv zerschmettert fünf Mythen

Stephen M. Flatow, The Algemeiner, 10. Juni 2016 (Übersetzung: Cora)

Eine Szene nach dem Terroranschlag in Tel Aviv am Mittwochabend. Foto: Magen David Adom

Das terroristische Massaker in Tel Aviv vom 8. Juni legt alle fünf Hauptmythen offen, die die Diskussionen um Israel und die Palästinenser vernebeln.

# Mythos 1: Das Problem sind die Siedlungen

Das war kein Massaker an „Siedlern“. Der Anschlag fand nicht in irgendeinem umstrittenen Gebiet statt. Niemand kann behaupten, dass die Opfer die Gewalt „provozierten“, weil sie in einem hauptsächlich von Arabern bewohnten Gebiet lebten. Diese Menschen tranken Kaffee im Herzen von Tel Aviv!

# Mythos 2: Das war eine Reaktion auf die Besatzung

Die Angreifer kamen aus der Ortschaft Yatta. Die israelische Besatzung von Yatta endete, als sich die israelischen Truppen Ende 1995 aus jenen Gebieten zurückzogen, in denen zu 98% Palästinenser lebten. Yatta steht seit fast 21 Jahren unter der Herrschaft der palästinensischen Autonomiebehörde.

Auch wenn die Kritiker Israels immer wieder fälschlicherweise behaupten, die Palästinenser würden unter israelischer Besatzung leben, weiß es die Öffentlichkeit besser. Die monatliche Friedensindex–Umfrage des israelischen Instituts für Demokratie an der Universität Tel Aviv stellte im Mai 2016 fest, dass 77,1% der israelischen Juden sagen, es sei falsch den Status Israels in den Gebieten (das umfasst die Gebiete, in denen Juden leben) als „Besatzung“ zu deklarieren.

# Mythos 3: Die palästinensische Autonomiebehörde verurteilt den Angriff

Die palästinensische Autonomiebehörde hat derlei Attentate nie „terroristisch“ genannt und verbindet Angriffe auf Israelis grundsätzlich mit israelischen Maßnahmen gegen die Terroristen, um damit die Angriffe auf Israelis zu rechtfertigen. Die Antwort auf das Massaker in Tel Aviv war nicht anders. Sie erklärten: „Wir verurteilen Gewalt und Angriffe auf Zivilisten auf beiden Seiten, egal mit welcher Begründung.“ Die palästinensische Autonomiebehörde „verurteilt nicht nur den Angriff im Süden Tel Avivs sondern auch die kürzlich stattgefundenen Angriffe der IDF auf Gaza und auf die Palästinenser in der West Bank und Jerusalem“, zitiert der israelische Fernsehsender Kanal 10.

Die Fatah, der PA-Präsident Mahmoud Abbas vorsitzt, hat das Massaker ausdrücklich verteidigt. Laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Ma´an gab die Fatah eine Erklärung heraus, in der sie den Angriff als „natürliche Antwort“ auf israelische Taten bezeichnete.

Der Leiter des Komitees für Medien der Fatah, Munir al-Jaghoub erklärte: „Die Israelis müssen die Konsequenzen zu spüren bekommen, die ihre andauernde Gewalt, die Politik der Hauszerstörungen, die gewaltsame Vertreibung von Palästinensern, die Überfälle israelischer Siedler auf das Gebiet der Al-Aqsa-Moschee und die kaltblütigen Morde an Palästinensern mit sich bringen.“

Das wäre identisch mit der Verteidigung des San Bernadino-Massakers durch die Demokratische Partei. Man stelle sich vor, die Abgeordnete Debbie Wassermann-Schultz (Demokraten/Florida), Oberhaupt des Demokratischen National-Komitees, hätte gesagt, die Morde im südlichen Kalifornien wären die Antwort darauf, dass Präsident Barack Obama Drohnen ausschickt um Al-Qaida Mitglieder „kaltblütig zu ermorden“.

# Mythos 4: Die einfachen Palästinenser sind gegen Terrorismus

Israel Hayom berichtet, dass „in Ramallah, Tulkarm, Qualqilia, Jenin und anderen Orten die Menschen auf den Straßen tanzten, Feuerwerke veranstalteten und Süßigkeiten verteilten, während sie den Anschlag priestn.“

Wenn die Schulen der PA, die Zeitungen und Fernsehsender die Terroristen ständig als „Helden“ und „Märtyrer“ feiern, dann darf es niemanden wundern, wenn der einfache Palästinenser ebenso empfindet.

Die Städte, in denen diese Feiern stattfanden, werden das Kerngebiet des zukünftigen palästinensischen Staates und nur einige wenige Kilometer von den Straßen Jerusalems und Tel Avivs entfernt sein. Kann jenen, die das Massaker feiern, ein souveräne5 und unabhängiger Staat in direkter Nachbarschaft zu Israel anvertraut werden?

# Mythos 5: Die großen amerikanischen Nachrichtenagenturen sind mit objektiven und professionellen Journalisten besetzt. Wenn ihre Berichte über Israel nicht gerade schmeichelhaft sind, dann liegt das an der Politik Israels und nicht an den Vorurteilen der Medien.

CNN´s Bekanntmachung des Attentats via Twitter stellte das Wort „Terroristen“ in Anführungszeichen und erklärte, dass „zwei ‚Terroristen‘ nach dem Tel Aviver Attentat festgenommen wurden, so der Sprecher der Tel Aviver Polizei in einem Tweet“. Die Korrespondenten der Washington Post in Israel, William Booth und Ruth Eglash, äußerten die gleiche Tendenz. Sie beschrieben die Terroristen als „Bewaffnete“ und „Angreifer“ – aber nie als Terroristen und nur indirekt als Palästinenser. Und der Verfasser der Schlagzeilen im Hauptsitz der Washington Post kam mit dieser Perle heraus: „Vier Tote während einer Schießerei auf einem Markt in Tel Aviv. Offizielle bezeichnen es als Terroranschlag.“

Vielleicht sollten die Ausgaben der Washington Post ein eigenes Etikett bekommen: Warnung: Die Berichte dieser Zeitung könnten der Wahrheit gefährlich werden. Sie ist allzu oft geneigt, die Begehren der Palästinenser gegen alle Kritiken zu verteidigen.“