Warum unterstützten Protestanten in Deutschland Rahebs Chasaren-Verschwörungstheorie?

Dexter Van Zile, Times of Israel (blogs), 23. Oktober 2020

Mitri Rabeh bie der Vollversammlung der Presbyterianischen Kirche (USA) (Foto. Dexter Van Zile)

Mitri Raheb ist bekannt für seine Neigung dazu, aus seiner Position als lutherischer Pastor in der Westbank heraus den jüdischen Staat zu dämonisieren.

Sein Buch Bethlehem Besieged (Belagertes Bethlehem) ist eine einseitige Darstellung der frühen Monate der Zweiten Intifada. Er spricht über die Panzer, Schützenpanzer und Hubschrauber, die Israel in die Westbank schickte, versäumt es aber den Selbstmord-Bombenanschlag auf das Park Hotel in Netanya während einer Pessahfeier zu erwähnen, bei dem 30 Israelis getötet und 140 weitere verletzt wurden und der Israels Entscheidung in die Westbank einzumarschieren vorausging.

Raheb unterließ es ebenso seinen Lesern zu erzählen, dass in den Wochen vor der Operation Verteidigungsschild mehr als 80 Israelis (zumeist Zivilisten) von palästinensischen Selbstmordbombenanschlägen und mehr als 35 Zivilisten von Gewehrfeuer getötet wurden. Israels Entscheidung mit Panzern und Schützenpanzern in die Westbank einzumarschieren war eine Konsequenz dieser Anschläge, die Raheb ignoriert.

2017 besuchte Raheb die Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg, Ort regelmäßiger israelfeindlicher und judenfeindlicher Hetze. Er erzählte den Leuten, sein Besuch sei ein „unvergesslicher Abend gewesen … demonstrierte Glaube an den Raum des Reichs und christlich-muslimischer Einheit als Mittel kreativen Widerstands“.

Das ist alles ziemlich unverantwortliches Zeug, aber es kommt noch schlimmer. 2012 redigierte und veröffentlichte Raheb The Biblical Text in the Context of Occupation: Towards a new hermeneutics of liberation (Der biblische Text im Kontext von Besatzung: Auf dem Weg zu einer neuen Hermeneutik der Befreiung) in der von ihm betriebenen gemeinnützigen Organisation Diyar Institute.

In diesem Buch schrieb Rahe, seine Leser „sollten vorsichtig sein, wenn sie von der ‚Rückkehr‘ der Juden reden, als würden diese so etwas wie eine Heimkehr in ihr ursprüngliches Land erleben“.

Um seine Darstellung der Juden als Eindringlinge zu untermauern, die wirklich keinerlei Verbindung zum Land Israel haben, schriebt Raheb: „Viele der jüdischen Emigranten [sic] nach Palästina waren in Wirklichkeit keine Nachkommen dieses einheimischen Volks, die ins Exil getrieben wurden, sondern hauptsächlich die Nachkommen nordafrikanischer Berberstämme oder osteuropäischer ‚Chasaren‘-Stämme, die zum Judentum konvertierten. Für sie war Jerusalem das, was Rom für die Katholiken ist.“

Ja, Sie haben richtig gelesen.

Rev. Dr. Mitri Raheb, der den „Deutschen Medienpreis“ verliehen bekam, verkauft 2012 diese alte Lüge, dass die modernen Juden keine Verbindung zu den Juden haben, von denen in der Bibel geschrieben ist, indem er das Märchen von den „Chasaren“ ins Feld führt.

Raheb verkauft diese gründlich diskreditierte Verleumdung im Namen des „Friedens“ als würde die jüdische Verbindung zum Land Israel in Verruf zu bringen das Leben der Palästinenser verbessern (tut es nicht).

Angesichts der Geschichte Rahebs sollte es nicht überraschen, dass er eine solch üble und unredliche Lüge verbreitet. Was überrascht ist aber, dass das Buch, in dem er dieses Sprachbild bewirbt, mit Hilfe der Protestanten in Deutschland veröffentlicht wurde. Auf der Rückseite des Titels des Buchs heißt es ausdrücklich, dass es vom „Verband der protestantischen Kirchen und Vertretungen in Deutschland“ unterstützt wird [der angeführte Link führt leider inzwischen ins Leere – heplev].

Warum unterstützte ein (ausgerechnet!) in Deutschland arbeitender Kirchenverband die Veröffentlichung eines Buchs, das eine offenkundig antisemitische Verleumdung zum Inhalt hat – dass die in Israel lebenden Juden von heute keine Verbindung zu den Juden der Bibel und daher keinen legitimen Platz im Land Israel haben?

„Fußabtreter-Christentum“ und die islamische Invasion

Raymond Ibrahim, 1. November 2018 (PJ Media)

Ein katholischer Erzbischof berührte ein unausgesprochenes, aber höchst subversives Phänomen: Wie antichristliche Kräfte christliche Lehre ausnutzen, um diejenigen stark zu machen, die die christliche Zivilisation demontieren wollen, darunter in erster Linie Muslime.

In einem im letzten Sommer im italienschen IlGiornale.it veröffentlichten Interview sagte der katholische Erzbischof Athanasius Schneider aus Kasachstan:

Das Phänomen der sogenannten „Immigration“ ist ein organisierter und lange vorbereiteter Plan internationaler Kräfte, um die christliche und nationale Identität der Völker Europas radikal zu verändern. Diese Kräfte nutzen das enorme moralische Potenzial der Kirche und ihrer Strukturen, um ihr antichristliches und antieuropäisches Ziel effektiver zu erreichen. Dafür werden das wahre Konzept des Humanismus und selbst das christliche Gebot der Nächstenliebe missbraucht.

Um zu verstehen, wie diese Kräfte „das enorme Potenzial der Kirche missbrauchen, um ihr antichristliches und antieuropäisches Ziel zu erreichen“, muss man zuerst die symbiotische Beziehung zwischen Linken und Christentum begreifen.

Es wird oft vergessen, aber Toleranz, Menschenrechte, Friedenssehnsucht, anderen entgegenzukommen und alle ähnlichen Konzepte die die säkularen Linken zu verfechten behaupten, entwickelten sich nicht in einem zivilisationischen Vakuum; sie wurden aus den einzigartigen Lehren des Jesus von Nazareth entwickelt. Im Verlauf von etwa zweitausend Jahren haben diese Grundsätze einen tiefgreifenden Einfluss auf die westliche Erkenntnislehre, Gesellschaft und Kultur genommen, bis zu dem Punkt, das sie heute als selbstverständlich gelten.

Irgendwie sind jedoch westliche Christen dazu gebracht worden zu glauben, dass die Gesamtheit ihres Glaubens ausschließlich auf diesen passiven Werten beruht – insbesondere Vergebung und andere nicht zu verurteilen, dazu Selbstprüfung und Eigenverantwortlichkeit. Dies manifestieren sich heute als pauschale „Toleranz“ und eigene Schuldgefühle. Während Christus die Sünder tolerierte, aber nicht die Sünde – er rief die Sünder immer auf zu „bereuen“ und zitierte die Qualen der Hölle mehr als jede andere Person in der Bibel – glauben die meisten westlichen Christen heute, sie müssten sowohl den Sünder als auch die Sünde tolerieren (oder „feiern“). Letztere scheint, dank des verschanzten moralischen und kulturellen Relativismus, noch nicht einmal mehr zu existieren.

So sieht das „Fußabtreter-Christentum“© aus, das diejenigen, die das traditionellen Christenum verachten, ihren Freund nennen (oder dessen nützliche Idioten sie sind). Muslime und andere Elemente verfolgen weltweit Unschuldige? Zeigt Liebe und Toleranz, haltet die andere Wange hin, sprecht ein Gebet und fühlt euch wegen eurer eigenen Verbrechen schuldig – oder auch wegen der Verbrechen eurer Vorfahren.

Das Fußabtreter-Christentum zeigte sich regelmäßig während er Präsidentschaft von Barack H. Obama: „An Ostern denke ich über die Tatsache nach, dass ich als Christ lieben soll“, sagte er 2015 – drei Tage nachdem ein Terroranschlag auf Christen in Kenia 147 Menschen zum Opfer hatte, was ein paar amerikanisch-christliche Gruppen Wut äußern ließ. „Und ich muss sagen, dass manchmal, wenn ich die weniger liebevollen Äußerungen von Christen höre, in Sorge gerate.“

Ebenso beschwor Obama während des Nationalen Gebetsfrühstücks am 5. Februar 2015 direkt die Dogmen des Fußabtreter-Christentums, um Christen zu beschämen, weil sie den Gräueltaten des Islamischen Staates zu kritisch gegenüber stünden. „Damit wir uns nicht aufs hohe Ross setzen und glauben, dies [islamische Enthauptungen, Sexsklaverei, Kreuzigungen, Menschen bei lebendigem Leib zu rösten und zu verbrennen] sei irgendwo einzigartig“, mahnte der amerikanische Präsident, „denken Sie daran, dass Menschen während der Kreuzzüge und der Inquisition im Namen Christi furchtbare Taten begingen.“

Dass Obama fast eintausend Jahre zurückreichen musste, um Beispiele zu finden, indem er auf die Kreuzzüge und die Inquisition verwies, störte die meisten Amerikaner nicht. Ebenso wenig wussten die meisten Amerikaner, dass die Kreuzzüge und die Inquisition in dieser Reihenfolge Verteidigungsreaktionen auf muslimische Aggression und Subversion waren (lesen Sie die Kapitel 4, 5 und 6 von Sword and Scimitar).

Immerhin wurden Amerikaner in den Fehlglauben erzogen, dass ihre mittelalterlichen europäischen Vorfahren falsche Christen waren, die den Glauben verstümmelten, um friedliche Muslime zu verfolgen. Die ehemalige Nonne und heutige selbsternannte „freischaffende Monotheistin“ Karen Armstrong formulierte es einst so: „Während des 12. Jahrhunderts führten Christen brutale heilige Kriege gegen Muslime, obwohl Jesus seinen Jüngern geboten hatte sie sollten ihre Feinde lieben, nicht sie auslöschen.“

Die Vorstellung, dass das Christentum damit beginnt und endet „seine Feinde zu lieben“ – nur allzu oft eine erhabene Art Feigheit vor dem Feind zu rechtfertigen – ist unter westlichen Christen Mainstream geworden. 1999 nahmen hunderte Protestanten, um den 900. Jahrestag der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzritter zu begehen, an einem „Versöhnungsgang“ teil, der in Deutschland begann und in Jerusalem endete. Auf dem Weg trugen sie T-Shirts mit den Worten: „Ich entschuldige mich“ – auf Arabisch.

In ihrer Abschlusserklärung hieß es:

Vor 900 Jahren trugen unsere Ahnen den Namen Jesu Christi im Kampf durch den Nahen Osten. Angetrieben von Angst, Gier und Hass … erhoben die Kreuzritter das Banner des Kreuzes über euer Volk … Am Jahrestag des ersten Kreuzzugs möchten wir die die Fußstapfen der Kreuzritter zum Zeichen der Entschuldigung für ihre Taten erneut gehen. Wir bereuen die Gräuel zutiefst, die im Namen Christi von unseren Vorfahren begangen wurden. Wir schwören aller Gier, Hass und Angst ab und verurteilen alle im Namen Jesu Christi verübte Gewalt.

Die ersten Kreuzritter machten sich nur nach Jerusalem auf, weil Muslime in den vorhergehenden Jahren buchstäblich Hunderttausende Christen im Nahen Osten abschlachteten und versklavten. Die viel erzählte Eroberung Jerusalems durch die Kreuzritter war nur ein Tropfen im Bluteimer islamischer Gräueltaten. Das scheint aber für solch erhaben gesinnte Christen keine Rolle zu spielen.

Es sollte vermerkt werden, dass Fußabtreter-Christentum ein ausgesprochen westliches Phänomen ist. Mehrere osteuropäische Nationen lehnen es ab, weigern beim Öffnen ihrer Türen für muslimische „Flüchtlinge“ mitzuspielen. Am 11. November 2015, zwei Tage nach dem Terroranschlag in Paris, der 130 Tote zurückließ, demonstrierten tausende Polen gegen muslimische Zuwanderung; es war der größte Marsch in Polens Geschichte. Sie skandierten, sie würden ihre Heimat – in der „Christus König ist“ und wo es „keinen Platz für die islamische Scharia oder Terror“ gibt – gegen muslimische Invasoren und „linke Verräter“ verteidigen.

Zwei Monate zuvor brachte der ungarische Premierminister Viktor Orbán ähnliche Empfindungen zum Ausdruck, allerdings diplomatischer:

Diese ankommenden [Zuwanderer] sind in einer anderen Religion aufgewachsen und repräsentieren eine radikal andere Kultur. Die meisten von ihnen sind keine Christen, sondern Muslime. Das ist ein wichtiges Problem, denn Europa und die europäische Identität wurzelt im Christentum. … Wir wollen weder Frankreich, noch Belgien oder irgendein anderes Land kritisieren, aber wir glauben, dass alle Länder ein Recht haben zu entscheiden, ob sie eine große Zahl an Muslimen im jeweiligen Land haben wollen. Wenn sie mit ihnen zusammenleben wollen, können sie das tun. Wir wollen das nicht und ich denk, wir haben ein Recht zu entscheiden, dass wir keine große Zahl muslimischer Menschen in unserem Land haben wollen. Uns gefallen die Folgen davon eine große Zahl an muslimischen Gemeinden im Land zu haben nicht, wie wir es in anderen Ländern sehen und ich sehe keinen Grund dafür, dass uns irgendjemand zwingt Möglichkeiten zu schaffen, wie wir in Ungarn mit Leuten zusammenleben sollen, die wir hier nicht sehen möchten.

Dann tat Orbán das Unverzeihliche: Er führte Ungarns Besatzung durch den Islam von 1541 bis 1699 an:

Ich muss sagen, wenn es darum geht mit muslimischen Gemeinschaften zusammenzuleben, dann sind wir die einzigen, die damit Erfahrung haben, denn wir hatten die Möglichkeit diese Erfahrung 150 Jahre lang durchzumachen.

(Um eine „Idee“ davon zu bekommen, wie diese 150 Jahre abliefen, lesen Sie die Kapitel 7 und 8 von Sword and Scimitar.)

Für wie empörend man die Zitierung der tatsächlichen Geschichte Europas mit dem Islam im Kontext der Ablehnung der Sensibilitäten des Fußabtreter-Christentums finden kann, ist darin zu erkennen, wie die Hüter dieses Narrativs – angefangen mit dem entsprechend benannten britischen Guardianreagierten:

Ungarn hat eine Geschichte mit dem osmanischen Reich und Orban ist beschäftigt damit Zauberkunststücke zu veranstalten. Das osmanische Reich schlägt zurück, warnt er: Sie übernehmen die Macht! Ungarn wird nie wieder dasselbe sein! … Daher der Draht; daher die Armee, daher ab heute der Notstand; daher die erbitterte, unnachgiebige Rhetorik des Hasses. Weil es das ist, was es von Anfang an gewesen ist: schiere, krasse Feindschaft und üble Nachrede.

Nur weil er eine genaue Sicht der Geschichte behält und ohne Entschuldigung danach strebt christliche Identität und Erbe seines Landes zu erhalten, charakterisierten zahlreiche westliche Medien und Politiker Orbán als „fremdenfeindlich“, „voller Hassrede“ und Europas „schleichender Diktator“. Ein weiterer Text im Guardian verwies auf Orbán einfach als ein „Problem“, das „gelöst“ werden muss.

Derweil fliehen die indigenen Bürger der europäischen Staaten, die – einschließlich Frankreichs und Deutschlands – große Anzahlen an muslimischen Migranten aufgenommen haben, nach Ungarn und suchen dort Zuflucht, eine Tatsache, die für sich spricht.

Zufälligerweise ist es, für den Fall, dass nur „liberale Protestanten“ Anhänger des Fußabtreter-Christentums, erwähnenswert, das der Mann, der dasselbe Amt inne hat, das historisch die Verteidigung des Christentums gegen den Islam anführt, einer der höchsten Repräsentanten der passiven Christenheit: der katholische Papst, Franziskus.

Er ruft, so wird berichtet, wiederholt westliche Staaten auf „keine Mauern, sondern Brücken zu bauen“, darunter Millionen muslimischer Flüchtlinge aufzunehmen. Trotzdem ist eine Residenz im Vatikan von Mauern umgeben, die vor einem Jahrtausend gebaut wurde, um anhaltende muslimische Angriffe zu verhindern. Bei einem dieser Überfälle wurden zwei der größten Basiliken der Christenheit gebrandschatzt, die des Petrus und des Paulus (lesen Sie Kapitel 3 von Sword and Scimitar).

Nichtsdestotrotz gibt der Vikar Christi an:

Wenn ich Gerede von christlichen Wurzeln Europas höre, dann fürchte ich manchmal den Ton, der triumphal und sogar rachsüchtig erschient. Dann nimmt er kolonialistische Untertöne an.

Wie kann der Wunsch die nationale, kulturelle und religiöse Integrität des eigenen Heimatlandes „kolonialistische Untertöne“ haben kann, muss erst einmal erklärt werden.

Ja, Europa hat christliche Wurzeln und es liegt in der Verantwortung der Christenheit diese Wurzeln zu wässern. Aber das muss in einem Geist des Dienens wie bei der Fußwaschung getan werden. Die Pflicht der Christenheit gegenüber Europa ist eine des Dienens … Der Beitrag der Christenheit zu einer Kultur besteht im Waschen der Füße durch Christus.

Damit haben wir hier das Fußabtreter-Christentum vom Feinsten, es besteht nur aus dem „Waschen der Füße“ – oder in diesem Kontext: Millionen muslimischer Migranten aufzunehmen, von denen viele Christen gegenüber offen feindselig eingestellt sind.

Fürs Protokoll: Ja, Christus diente und wusch seinen Jüngern die Füße und predigte Barmherzigkeit und Mitgefühl – aber das war kaum der einzige oder gar die vorrangige Zweck seines Auftrags. Er bot eine komplette Weltsicht, die auf theologischen Annahmen von ewiger Bedeutung gegründet war. Als Menschen in die Irre gingen, indem sie den Tempel entweihten, hielt er nicht „die andere Wange hin“ (ganz zu schweigen davon, dass er ihnen die Füße wusch) – er peitschte sie und warf sie aus hinaus. Als er selbst geschlagen wurde, hielt Jesus nicht die andere Wange hin, sondern wies den Täter in die Schranken (Johannes 18,23). Er pries einen römischen Zenturio ohne ihn aufzufordern eines der brutalsten Militärs der Geschichte zu verlassen (Matth. 8,5-13). Kurz gesagt: Er forderte seine Jünger nicht auf Fußabtreter zu sein – sondern „weise wie Schlangen“.

Warum verfehlen es Christen überall sich dieser biblischen Positionen zu erinnern, die diese „bedingungslose“ Toleranz und Vergebung zumindest ausbalancieren? Weil sie in Fußabtreter-Christentum geboren und aufgezogen wurden, eine Oxymoron-Karikatur, die dazu entwickelt wurde den Selbstmord der westlichen Zivilisation zu inszenieren, einschließlich durch die Hände des Jihad.

Der (neue) evangelische Propst in Jerusalem schießt scharf – daneben

Die Evangelische Nachrichtenagentur idea veröffentlichte auf ihrer Internetseite die Zusammenfassung eines Interviews mit Probst Wolfgang Schmidt, dem höchsten Repräsentanten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Israel. (Das vollständige Interview ist in ideaSpektrum 13/2013 vom vom 27. März, S. 16-18 abgedruckt.) Darin verstieg sich der gute Mann zu einigen Aussagen, die Korrekturen geradezu herausfordern, so schräg und losgelöst von den Fakten waren sie. Ein Freund aus Jerusalem hat sich die Mühe gemacht:

Laut Propst Schmidt wird das religiöse Miteinander zunehmend intoleranter allein wegen den ultraorthodoxen Juden. Selbstverständlich sind die Moslems hypertolerant, wenn sie sogar Touristen beim Besuch auf dem Tempelberg mit Steinen bewerfen und Juden ohnehin. Und genauso tolerant sind vor allem protestantische Pastoren wie Mitri Raheb, die den Juden jegliche Ansprüche und Geschichte im Heiligen Land absprechen.

Schmidt behauptet über die Ultraorthodoxen: „Denn sie haben sehr rigide Vorstellungen davon, was richtig und was falsch ist.“ So wie Schmidt im Interview mit idea redet, scheint das ausgerechnet auf ihn zuzutreffen, zumal er einige Falschheiten verbreitet und dennoch überzeugt von „richtig“ oder „falsch“ ist. Beispiele folgen.

Ganz grundsätzlich: Jede Religion mitsamt ihrem „Glauben“ ist von ihrer eigenen Richtigkeit voll überzeugt, sonst würden die Christen keine Mission betreiben und die Moslems keine Vorstellungen einer Weltherrschaft sogar mit Gewalt durchsetzen. Warum sollten fromme und gar ultraorthodoxe Juden nicht genauso von ihrer religiösen Wahrheit überzeugt sein?

Die nachweislich falschen Behauptungen von Schmidt in seinem Interview:

1) So werde gegenwärtig beispielsweise diskutiert, wie weit am Sabbat der öffentliche Verkehr stillzustehen habe.“ Das ist zwar richtig aber in diesem Zusammenhang anders herum. Denn für die Ultraorthodoxen gilt ohnehin am Sabbat ein Fahrverbot aus religiösen Gründen. Wenn in „der Gesellschaft“ über Verkehr am Sabbat diskutiert wird, dann über die Freigabe von Verkehr. Es wird darüber diskutiert, öffentliche Busse auch am Sabbat fahren zu lassen auf speziellen Linien, zum Beispiel Nachtbusse am Freitag, um angeheiterte Jugendliche vom Nachtleben in Tel Aviv oder Jerusalem sicher nach Hause zu bringen. In Jerusalem fahren auch am Sabbat die Taxis, ohne dass jemand dieses je infrage gestellt hätte. Zudem muss Schmidt eigentlich wissen, dass es in Jerusalem zwei separate öffentliche Verkehrssysteme gibt, ein jüdisches im Westen der Stadt, das am Sabbat weitgehend ruht und ein arabisches im Ostteil der Stadt, wo am Sabbat alles fährt und auch die Läden offen sind. Niemand käme auf die Idee, daran zu rütteln.

2) Diskutiert wird Wehrdienst für die Orthodoxen. Richtig, aber doch zu Ungunsten der Orthodoxen. Wieso stört das ein „religiöses Miteinander“? Stört es Schmidt und das „religiöse Miteinander“ innerhalb Israels, wenn die säkulare jüdische Mehrheit weniger Rücksicht auf die religiös bedingten Privilegien der Orthodoxen Juden nehmen will? Es ist kaum anzunehmen, dass sich hier der Vertreter der EKD für Vorrechte der Ultraorthodoxen einsetzen wollte.

3) Während die Zahl der ‚traditionellen‘ Christen, die seit den ersten Jahrhunderten in dieser Region zuhause sind, zurückgehe, wachse das Christentum…“ Hierzu müsste Schmidt klare Beweise liefern. Im Staat Israel wächst die Zahl der alteingesessenen Christen ständig. Er meint vielleicht die Christen in den palästinensisch verwalteten und überwiegend muslimischen Gebieten. Doch dort gibt es keinerlei zuverlässige Zahlen. Er hat recht mit der Behauptung, dass viele Gastarbeiter Christen sind. Doch die erscheinen nicht in den Statistiken, da sie nicht Staatsbürger sind. [Anmerkung heplev: idea gibt im Heft im Interview das Thema vor – „Statistiken zufolge geht die Zahl der Christen in Israel dramatisch zurück“. Mich würde interessieren, welche falschen Statistiken die sich da vorgenommen haben. Die Zahl der Christen in Israel steigt deutlich, ganz im Gegensatz zu allen arabischen Gebieten rundherum!]

4) Kritik übte Schmidt an der Trennmauer, die Israel errichtet hat, um sich vor Angriffen militanter muslimischer Palästinenser zu schützen.“ Der arme Propst muss täglich unter schrecklichen Traumata leiden. Erst muss er den ummauerten Komplex der Erlöserkirche verlassen. Die Trennmauer errichteten die Protestanten, um sich vor militanten Einbrechern zu schützen. Dann erreicht er die historische Stadtmauer Jerusalems, die errichtet wurde, um die Stadt vor militanten Feinden zu schützen. Aber wirklich schlimm ist nur die von Juden (Israelis) errichtete Trennmauer, denn es ist absolut inakzeptabel für den nächstenliebenden evangelischen Pastor, dass Juden sich vielleicht vor Mördern schützen könnten. Nein, die Israelis haben keine Angst vor „Angriffen militanter muslimischer Palästinenser“, sondern haben im Laufe der Intifada gut 1000 Tote durch massenmordende Selbstmordattentäter hinnehmen müssen. Dieser Spuk endete zufällig zeitgleich mit der Errichtung der Trennmauer. Weil Schmidt ja nun auch Deutscher ist, wirft seine Kritik – so wie er sie formuliert hat – einige schlimme Fragen auf: Verweigert er den Juden das Recht, sich vor Massenmord zu schützen? Da er die „angreifenden militanten muslimischen Palästinenser“ nicht kritisiert, stimmt er deren willkürlichen Massenmord an Zivilisten etwa zu?

5) An den Checkpoints fühle ich mich oft zurückversetzt in die Zeit, als ich nach Ost-Berlin gereist bin.“ Interessant. Schmidt konnte natürlich nach Ost-Berlin reisen. Aber wie viele Ost-Deutsche konnten in die andere Richtung reisen? Zudem: Wer hat jene Mauer gebaut und zu welchem Zweck? Da er hier vergleicht, will er vielleicht behaupten, dass Israel die Mauer gebaut habe, um die Israelis daran zu hindern, ins palästinensische Paradies zu flüchten? Hat es in Deutschland (hochgerechnet) etwa 13.000 Tote durch Selbstmordattentate geben und ist deshalb die Mauer gebaut worden?

6) „Wenn Israel es aufgrund der politischen Verhältnisse und der Situation im Land schon für nötig gehalten hat, diese Mauer zu errichten, dann frage ich mich, warum man sie nicht auf den Grenzen von 1967 errichtet hat.“ Herr Schmidt sollte sich mal erkundigen. Es gibt keine „Grenze von 1967“ sondern nur Waffenstillstandslinien. Warum kritisiert er nicht die Palästinenser, Krieg gegen Israel geführt zu haben, anstatt über die künftigen Grenzen zu verhandeln? Schmidt ergreift hier einseitig eine palästinensische Position. Hätten die palästinensische Regierung und deren Organisationen die Selbstmordattentate unterbunden und die Täter geahndet, gäbe es keine Trennmauer. Vor 1987, der ersten Intifada, gab es im ganzen Land nicht einmal Checkpoints geschweige denn Zäune und Trennmauern.

7) Die Art und Weise, wie die Mauer heute verlaufe, gebe „Anlass zur Vermutung, dass es noch andere Motive gibt, als nur den Terrorismus zu bekämpfen“. Das ist eine schöne Verschwörungstheorie. Wie wäre es, wenn der Pastor sich erst einmal kritisch zum Terrorismus äußert und sich fragt, wieso der notwendig ist und wieso es die Trennmauer erst seit 2003 gibt und nicht schon vorher?

8) „So halte die Grenzziehung vielfach die Palästinenser draußen, vereinnahme aber ihr Land auf die israelische Seite der Mauer.“ Das ist richtig. Nur hat es der Staat Israel wirklich nötig, an einigen Stellen, wo übrigens besondere „landwirtschaftliche Tore“ eingerichtet worden sind, um den palästinensischen Landbesitzern Zugang zu ihren Äckern zu ermöglichen, jene paar Felder auf der israelischen Seite verkommen zu lassen? Solange die Israelis ohnehin beiderseits der Mauer präsent sind, bedeutet das doch keine „Bereicherung“. Und wie viele palästinensische Bauern sind da tatsächlich betroffen?

9) Schmidt: „Meiner Ansicht nach werden alle Ansätze, die sich nicht an einer Zwei-Staaten-Lösung orientieren, scheitern.“ Alle Achtung: Entweder stellt sich der deutsche Pastor in die Tradition der biblischen Propheten oder aber er redet als Politiker. Dann hätte er seinen Beruf verfehlt. Solange es in seinem Gastland (Israel wie die palästinensischen Autonomiegebiete) Gegner wie Befürworter dieser politischen Lösung gibt, sollte er sich tunlichst nicht in Angelegenheiten einmischen, für die er nun einmal nicht verantwortlich ist.

Es gibt noch ein paar weitere Anmerkungen von einem weiteren Freund, die zum Teil in Richtung der theologischen Kompetenz des Herrn Propstes gehen. In Ergänzung der Frage zur „Mauer“ schreibt er:

Es ist schon aussagekräftig, wenn auch idea nur faktenresistent von „der Mauer“ redet. Aber mal abgesehen davon, dass die „Mauer“ lediglich rund 5% der Gesamtlänge der Terroristensperre ausmacht: Wie anders, als mit Sicherheitsaspekten soll ihr Verlauf erklärt werden, wenn man nicht böswillige Unterstellungen betreibt? Um „Landraub“ zu begehen, der sich lohnt, hätte der Schutzwall zum Teil deutlich weiter östlich der Grünen Linie verlaufen müssen. Dass vom Westen politisch gewollte Linien nicht den Sicherheitserkenntnissen entsprechen könnten, scheint dem Propst völlig abzugehen – was nutzt z.B. ein Zaun (oder eine Mauer) vor einer Bergkuppe, wenn die Terroristen von dort herab prima weiter schießen können? Aber da er ja kein Sicherheitsexperte ist, muss er wohl so denken, statt sich zu informieren. Das passt zu einem Mann, der auf jeden Fall nur denjenigen verurteilen mag, der eine Mauer baut, nicht denjenigen, der den Bau verursacht.

Für Propst Schmidt ist „das leere Grab das stärkste denkbare Symbol für die Auferweckung Jesu Christi“. Er redet überhaupt gerne von Symbolik und „symbolischem Gehalt“. Konkretes gibt es offenbar nicht. Schon gar nicht ein Herangehen an biblische Texte „nur mit dem historischen Maßstab“, „weil sie auch nicht so geschrieben wurden“. Hm. Hier scheint „nicht nur“ zwar der Schlüssel sein zu sollen, aber inwiefern nimmt er das „nur“ ernst? Lukas 1,1-4 schreibt ganz deutlich, dass das, was der Evangelist aufgeschrieben hat, auch geschehen ist. Historisch korrekt. Nicht symbolisch. Wir haben nicht „nur die Redeweise der Symbole und Analogien“, die der Propst anführt. Ganz im Gegenteil. Und die Auferstehung nur als Symbol zu denken, dem widerspricht Paulus, der klar schreibt, ohne die Auferstehung „ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich“ (1. Kor. 15,13). In diesen Dingen schlingert Propst Schmidt um ein klares, biblisch fundiertes Glaubensbekenntnis herum, indem er nur Symbolik und keine konkrete Übernahme der Berichte und Briefe seines Heiligen Buchs anführt. Vielleicht tue ich ihm dabei Unrecht und er glaubt bodenständiger – aber das kommt hier zumindest nicht zum Ausdruck. Er mag Recht haben, wenn er sagt, die Aussage auf der Pforte des Gartengrabes („Er ist nicht hier. Er ist auferstanden“ – die übrigens meines Wissens weiterhin – und schon immer auf Englisch – auf der Innenseite der Tür des Grabes steht) zeigt, wie relativ die historische Fragestellung im Blick auf den eigenen Glauben ist. Aber wenn nur noch Glaube und keine historische Tatsache vorhanden ist, wo ist dann die Grundlage für den Glauben? Ist er dann nicht nur noch Märchen, Erfindung?

Dann fordert der Propst, dass man die „Auseinandersetzungen“ zwischen den Konfessionen in der Grabeskirche nicht so ernst nehmen, sondern ihnen mit einem gewissen Verständnis begegnen solle, weil es nicht ohne Reibereien abgeht, wenn sechs Konfessionen mit so unterschiedlicher Geschichte und Hintergründen gemeinsam ein Gemeindezentrum führen. Als Beispiel führt er gemeinsame katholisch-evangelisch betriebene Gemeindezentren an, bei denen es auch „nicht immer ganz reibungslos“ zugeht.
Das ist eine Untertreibung, die Ihresgleichen sucht. Es sind keine „Reibereien“ sondern gewalttätiger Neid ohne Grenzen, der die Konflikte an der Grabeskirche antreibt. Welches von Katholiken und Protestanten gemeinsam geführte/genutzte Gemeindezentrum weltweit braucht einen Menschen anderen Glaubens, der die Schlüsselgewalt hat, damit die offiziellen Vertreter der Konfessionen nicht übereinander herfallen? Wo gewaltiger Druck von außen ausgeübt werden muss, damit die Herrschaften sich nach Jahre dauerndem Streit endlich einigen, dass, wie und von wem eine Reparatur am Gebäude durchgeführt werden kann, damit es nicht zusammenfällt? Wo muss regelmäßig die Polizei eingreifen, weil die Vertreter der Konfessionen sich gegenseitig verprügeln?
Die Grabeskirche in Jerusalem ist ein Ort des Neides, ein Ort der Abschreckung Andersgläubiger. Leider.

Der Propst hat einige seltsame Ansichten, die sich aus seinem Theologieverständnis speisen. Und er hat reichlich unverständliche Meinungen, wenn es um Fakten vor Ort in Israel geht. Schade, dass ein solch ahnungsloser oder verblendeter Mensch Christen repräsentiert.