Warum das Rahelgrab einen so bemerkenswerten Platz in der physischen und spirituellen Geographie des Judentums einnimmt

Das Grab ist zu einem Schrein für tausende Pilger geworden, so wie Rahel selbst eine ultimative Matriarchin der Religion geworden ist. Warum?

Das Rahelgrab im Jahr 1990 (Sepia Times/Universal Images Group via Getty Images)

Sarah Rindner, Mosaic, 13. Dezember 2019

1995, als der Oslo-Prozess in vollem Gang war, plante der damalige Premierminister Yitzhak Rabin mehrere Städte in der Westbank an die palästinensische Autonomiebehörde zu übergeben. Dazu gehörte Bethlehem, wo das von Juden verehrte Grab der biblischen Matriarchin Rahel liegt.

Von dem Gedanken beunruhigt, dass Israel das Grab abgegeben würde, traf sich Rabbi Hanan ben Porat, ein einflussreicher Siedler-Aktivist, mit Rabin, um diesen zu überzeugen es unter israelischer Kontrolle zu belassen. Auf dem Weg in zu diesem Treffen schloss sich ihm unerwartet Rabbi Menachem Porush an, ein Knessetabgeordneter der ultraorthodoxen und formell nicht zionistischen Partei Vereinigtes Thora-Judentum.

Bei dem Treffen legte Porat eine Reihe Argumente vor, die meisten davon mit Sicherheitsbezug, um Rabin davon zu überzeugen, dass die Übergabe des Rahelgrabs ein Fehler sein würde. Porush hingegen begann zu Rabins Überraschung zu weinen und ergriff die Hände des Premierministers: „Yitzahk, das ist Mutter Rahel, Mutter Rahel!“ Nach Porats Erzählung war Rabin derart bewegt, dass er die Vereinbarung abänderte, damit der Ort unter voller israelischer Kontrolle bleiben würde – eine Entscheidung, der die Palästinenser zustimmten.

Der biblische Bericht über Rahels Tod findet sich in der Thora-Lesung dieser Woche, der Vayischlah (Genesis 32,4 – 36,43), die mit Jakobs angespannter Wiedervereinigung mit seinem Bruder Esau beginnt. Nach Jahren der Feindschaft umarmen sich die beiden und weinen, um dann getrennten Wege zu gehen. Kurz danach stirbt Jakobs geliebte Ehefrau Rahel, bei der Geburt ihres zweiten Sohnes, Benjamin. Sie ist nicht im Familiengrab in der Machpelah-Höhle begraben, wo Jakob an der Seite seiner anderen Frau – Rahels Schwester Lea – beerdigt ist und wo bereits Abraham, Isaak, Sarah und Rebekka bestattet liegen. Stattdessen beerdigte Jakob sie „an der Straße nach Ephrat, das heute Bethlehem heißt. Und Jakob richtete über ihrem Grab einen Gedenkstein auf, das ist das Grabmal Rahels bis auf diesen Tag.“

Der Prophet Jeremia und seine rabbinischen Interpretatoren fügen dieser Episode wichtige Schichten hinzu; sie betrachten Rahels letzte Ruhestätte so, dass sie in einer einzigartigen Position gebettet wurde, um über ihre Kinder zu wachen – das jüdische Volk:

Ein Geschrei ist in Rama zu hören,
Jammern, bitteres Weinen:
Rahel weint um ihre Kinder.
Sie will sich nicht trösten lassen,
denn ihre Kinder sind fortgegangen.

Die Midrasch (Genesis Rabbah 82,10) erklärt, dass Rahels Ruheort „an der Straße“ ausdrücklich ausgesucht wurde, um es ihr zu ermöglichen für das jüdische Volk um Gnade zu bitten, als sie in den Händen der Babylonier auf dem Weg ins Exil vorbei kommen. Und wenn Rahel so positioniert ist, dass sie in der Zeit der Not um ihre Kinder weinen kann, dann ist sie auch da, um irgendwann ihre Rückkehr zu verkünden. Jeremias Prophezeiung geht weiter:

So spricht der Herr:
Verwehre deiner Stimme die Klage
und deinen Augen die Tränen!
Denn es gibt einen Lohn für deine Mühe; …
Sie werden zurückkehren aus dem Feindesland.
Es gibt Hoffnung für deine Zukunft; …
Deine Kinder werden zurückkehren in ihre Heimat. (Jeremia 31, 15-17)

In späteren jüdischen Quellen ist Rahel eine Kultfigur mit einzigartigem Status selbst unter ihren Mitmatriarchen. Viele midrahischen und kabbalistischen Texte betonen ihre besondere Rolle als Fürsprecherin bei Gott im Namen des jüdischen Volks. Ihr Grab, im Text der Thora erwähnt als „zeitgenössischer“ Schrein, wurde zudem ein Ort der Andacht. Es gibt Unstimmigkeiten über seinen genauen Standort, doch fast 2.000 Jahre lang ist der jetzige Ort Ziel für jüdische und christliche sowie später muslimische Pilger gewesen.

Die Möglichkeit Zugang zu Rahels Grab zu bekommen, war ein Grund für Jubel nach dem Sechstage-Krieg. In der Folge des Sieges Israels nahm der Sänger Arik Lavie das heute klassische Lied Schuw Lo Neylekh auf, „Wir werden nicht weggehen“, das die Rückkehr des jüdischen Volks zu einigen seiner heiligsten Stätten feiert, darunter dem Rahelgrab. Das Lied hat den bewegenden Refrain: „Siehe Rahel, siehe, sie sind zu ihren Grenzen zurückgekehrt.“ Damit bekam Rahel ein neues Leben als israelische Volksheldin – eines, das tief in der Tradition eingebettet war.

In den letzten Jahren hat ihre Popularität weiter zugenommen. Während des Gaza-Kriegs 2008 berichteten Soldaten von einer mysteriösen arabischen Frau, die sie vor dem Betreten eines mit Sprengfallen versehenen Hauses warnte. Sie behaupteten, dass sie sich dann als die Matriarchin Rahel offenbarte, die einmal mehr über ihre Kinder wachte. Erst wenige Wochen zuvor, am elften Tag des hebräischen Monats Heschwan, dem traditionellen Jahrestag des Todes Rahels, strömten tausende Israelis zu ihrem Grab, um dort zu beten und ihr die Ehre zu erweisen. Meine eigenen Kinder kamen an diesem Tag aus ihren israelischen Schulen mit Ausmal-Seiten und Tonskulpturen nach Hause, mit denen sie diesen Schrein dargestellt hatten.

Betrachtet man den bemerkenswerten Platz, den Rahels Grab sowohl in der physischen wie auch der spirituellen Geografie der jüdischen Tradition einnimmt, dann kommt eine Frage aus dem Bericht der Genesis über sie auf. Warum? Wir wissen aus dem Text, dass Jakob die schöne Rahel liebt, dass ihr Vater Laban Jakob betrügt, indem er ihm ihre Schwester Lea statt ihrer zur Frau gibt, ihn zwingt weitere sieben Jahre für ihn zu arbeiten, damit er Rahel heiraten kann. Rahel kämpft darum schwanger zu werden, während Lea scheinbar ohne Mühe Kind um Kind gebiert, was dazu führt, das Rahel furchtbar neidisch auf ihre Schwester ist und zu Jakob sagt: „Gib mir Kinder, sonst sterben ich.“

Im Gegenzug ist aber auch Lea neidisch auf Rahels Status als bevorzugte Frau und gab ihren ersten drei Söhnen Namen, die ihre (nicht erwiderte) Hoffnung beschwor, dass Jakob sie vielleicht, endlich, so sehr lieben wird, wie ihre Schwester. Als Jakob schließlich das Haus seines Schwiegervaters zusammen mit seinen Frauen und Kindern verlässt, schleicht sich Rahel mit einigen der Hausgötzen ihres Vaters hinaus, womit sie ihre gesamte Familie potenzieller Gefahr aussetzt und, zumindest gemäß der rabbinischen Standard-Lesart, setzte sie sich auch dem von ihrem eigenen Ehemann geäußerten Fluch aus.

Zusammen betrachtet, geben uns diese Episoden einen lebhaften Eindruck einer schönen Frau, die mit ihrem eigenen Schicksal kämpft, nicht immer den frömmste Weg wählt und infolge dessen schwer bestraft worden sein könnte. Selbst als ultimative Mutter scheint Rahel zu versagen.

Lea hatte immerhin sieben Kinder, Rahel nur zwei, dazu die Gelegenheit sie alle aufwachsen zu sehen, bis sie erwachsen waren. Und wir wissen nicht viel darüber wie Rahel mit Josef umging, dem einzigen Sohn, den sie großziehen konnte. Vielleicht wären Sarah oder Rebekka dann eine öffensichtlichere Wahl für die ultimative Matriarchin, denn von ihnen stammten alle Kinder Israels ab statt nur die Stämme Ephraim, Manasse und Benjamin, deren Mitglieder zum größten Teil vor der Zerstörung des ersten Tempels ins Exil gebracht wurden und die den Reihen des jüdischen Volks verloren gingen, bis, wie die Tradition besagt, sie im Zeitalter des Messias wieder hergestellt werden.

Trotzdem verdient Rahels Verhalten gegenüber ihrer Schwester Lea genauere Betrachtung. Die Midrasch erklärt als Kommentar zu Labans Austausch Rahels durch Lea, dass Rahel, damit diese Täuschung Erfolg hat, daran beteiligt gewesen sein muss, indem sie Lea ein Passwort gegeben hat, das sie und Jakob vorher vereinbart hatten. Leas Ehe mit Jakob ist damit gemäß dieser Lesart die Folge von Rahels Bereitschaft und selbstloser Entscheidung.

Später finden wir im Text der Genesis eine Parallel-Episode, in der Leas ältester Sohn Ruben auf dem Feld für seine Mutter einige Liebesäpfel sammelt – offenbar sollten sie ein Fruchtbarkeitszauber sein – und Rahel fordert, dass sie ihr einige abgibt. Lea reagiert entrüstet. „Hat es nicht gereicht, dass du mir meinen Ehemann genommen hast, musst du mir auch die Liebesäpfel meines Sohnes wegnehmen?“ In diesem Moment hätte Rahel defensiv reagieren können, aber sie tut das Gegenteil. Sie erkennt Leas Schmerz, sie gibt ihr einmal mehr die Gelegenheit bei Jakob zu sein: „Ich verspreche dir, er [Jakob] wird heute Nacht bei dir liegen, als Gegenleistung für die Liebesäpfel deines Sohnes.“

Wir mögen nicht viel über Rahel als Mutter wissen, außer der Tatsache, dass sie verzweifelt eine solche werden wollte. Aber wir wissen mehr über sie als Schwester. In einer Situation, in der Rivalität hätte natürlich hätte gären und zunehmen sollen, hat Rahel Erfolg an Schlüssel-Verbindungsstellen, indem sie sie überschreitet. Diese Episoden sind genau deshalb bewegend, weil Rahel keine konventionelle Heldin ist und bestimmt keine Heilige. Aber indem man den Schmerz fühlt, in dem sie selbst steckt, kann der Leser ihr großzügiges Handeln gegenüber ihrer Schwester und Rivalin stärker schätzen.

Vielleicht ist es dann kein Zufall, dass Jakob Rahel kurz nach der Wiedervereinigung mit seinem Bruder Esau beerdigt und das auf eine Weise, die ihre einzigartige Bedeutung anerkennt. Die Brüder sind selbst ein Beispiel von Geschwistern, die es schaffen ein Zerwürfnis zu überwinden – eines, das ebenfalls durch Täuschung verursacht war und dadurch, dass ein Bruder sich scheinbar nimmt, was dem Recht nach dem anderen gehört. Aber im Fall von Jakob und Esau ist ein Großteil des Schadens nicht wieder gutzumachen und Esau wird aus der Bundeslinie ausgeschlossen. Die Begebenheit endet damit, dass die beiden in unterschiedlichen Richtungen auseinander gehen, wobei ein Teil der ursprünglichen Spannungen immer noch vorhanden ist.

Rahel und Lea hingegen sind in der Lage Auswirkungen dieser Art zu verhindern – was nahe legt, dass es für die Schwestern möglich, wenn auch sehr schwierig ist, ein einzelnes Schicksal zu teilen. In der Genesis, dem Buch, das mit Geschwister-Rivalitäten beschäftigt ist, sticht ihr Erfolg heraus und ermöglicht es damit den zwölf Stämmen Israels, die von zwölf Brüdern abstammen, zuerst zu einer einzigen Familie und dann zu einer einzigen Nation zu werden.

Darüber hinaus stellt sogar Rahels exakter Begräbnisort, weit entfernt von der Patriarchenhöhle und den Matriarchen, wo Jakob und Lea am Ende gemeinsam beerdigt werden, einen finalen Akt der Güte Lea gegenüber dar. Ob es nun Jakobs Entscheidung ist oder, wie bei der von Rahel in allder Stille vorbereiteten Hochzeitsnacht: Die Tatsache, dass Rahel an einem anderen Ort beerdigt ist, erlaubt es Lea, die Rolle einzunehmen, die sie während ihres Lebens so verzweifelt anstrebte – eine Position neben Jakob als die von ihm Geliebte einzunehmen.

Was uns zurückbringt zu Rahels Grab und dem Gebäude des Glaubens und der Hingabe, das im Verlauf der Jahrhunderte darüber gebaut wurde. Während der Prophet Jeremia Rahel als die immer präsente Mutter beschreibt, die um ihre Kinder weint, zeigt die Genesis uns, wenn sie sorgfältig gelesen wird, dass die um ihre Kinder vergossenen Tränen, die sie so verzweifelt haben wollte, ihre Augen nicht komplett für die Hoffnungen und Träume ihrer eigenen Schwester trübten.

Damit, dass sie etwas von Jakob an Lea abgab, im Leben wir im Tod, formt Rahel das Potenzial über das eigene Leid hinauszublicken und, wo das Ego sonst verweilen würde, Raum zu schaffen für das Komplexe Netz der Beziehungen zwischen Geschwistern, Eheleuten, Eltern und Kinder, um in Gottes erwähltem Volk aufzublühen.

Das Rahelgrab und die Entstehung einer arabischen Lüge

Elder of Ziyon, 29. Oktober 2009

Vorbemerkung von IMRA: Wenn Ma’an behauptet, das Rahelgrab sei „früher als Ort der Bilal Bin Rabah-Moschee“ bekannt gewesen, dann ist das keine Kleinigkeit. Die Haltung der palästinensischen religiösen Vertreter ist: Es ist eine Schändung, wenn nicht muslimisches Gebet in einer Moschee stattfindet. Daher warnt Ma’an durch die Behauptung, das Rahelgrab sei in Wirklichkeit irgendwie eine Moschee, dass an dem Tag, an dem das Grab unter palästinensische Kontrolle kommt, die palästinensische religiöse Führung die Möglichkeit nicht zulassen wird, dass Juden weiterhin dort beten.

Heute (Freitag, 29. Oktober 2009/12. Schechwan 5770) war der traditionelle Gedenktag des Todes der Matriarchin Rahel; tausende Juden gingen am Rahelgrab beten. Ma‘an berichtete darüber so:

Tausende Israelis, die meisten von ihnen ultraorthodoxe Juden, fielen Donnerstag in das Grab der biblischen Matriarchin Rahel in einem militarisierten Gelände in der Stadt Bethlehem in der Westbank ein

Rechtsgerichtete religiöse Gruppen richteten 2004 eine Petition an das höchste israelische Gericht, um den Verlauf der Mauer zu verändern, damit das Grab auf der westlichen Seite liegt. Bis heute ist die Stätte, die früher als der Ort der Bilal Bin Rabah-Moschee bekannt war, nur von der israelischen Seite aus erreichbar.

War Rahels Grab wirklich jemals als Bilal Bin Rabah-Moschee bekannt?

Die Antwort ist natürlich: Nein. Dieser Name wurde erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit geschaffen – man mag es glauben oder nicht: in den 1990-er Jahren!

Nadav Shragai deckte das in einem Artikel aus dem Jahr 2007 auf:

Im Jahr 2000, nach Hunderten Jahren der Anerkennung der Stätte als Grab Rahels, begannen die Muslime sie die „Bilal ibn Rabah-Moschee“ zu nennen. Mitglieder der Waqf benutzten den Namen erstmals 1996, aber seitdem hat er in den nationalen Diskurs der Palästinenser Einzug gehalten. Bilal ibn Rabah war ein Äthiopier, der in der islamischen Geschichte als Sklave bekannt ist, der im Haus des Propheten Mohammed als erster Muezzin dient (die Person, die die Gläubigen fünfmal täglich zum Gebet ruft). Als Mohammed starb, zog Rabah für die Muslime in den Krieg in Syrien, wurde 642 getötet und entweder in Aleppo oder Damaskus begraben. Die palästinensische Autonomiebehörde behauptete, dass nach islamischer Tradition die muslimischen Eroberer waren, die die an Rahels Grab errichtete Moschee nach Bilal ibn Rabah benannten.

Der palästinensische Anspruch ignoriert die Tatsache, dass ottomanische Firmane (Mandate oder Erlasse) den Juden im Land Israel seit Beginn des 19. Jahrhunderts das Recht auf Zugang zu der Stätte gaben. Der palästinensische Anspruch ignoriert sogar die akzeptierte muslimische Tradition, die Rahel verehrt und die Stätte als ihren Begräbnisort anerkennt. Nach der Tradition kommt der Name „Rahel“ vom Wort „wandern“, weil sie während einer ihrer Wanderungen starb und an der Straße nach Bethlehem beerdigt wurde. Auf ihren Namen nehmen der Koran und auch andere muslimische Quellen Bezug; von Joseph heißt es, er sei auf das Grab seiner Mutter Rahel gefallen und habe bitterlich geweint, als die Karawane mit ihm als Sklaven daran vorbei kam. Hunderte Jahre lang wurden muslimische heilige Männer (Walis) in Gräbern beerdigt, die dieselbe Form hatten wir das der Rahel.

Dann wird aus heiterem Himmel die Verbindung zwischen Rahel, die selbst von den Muslimen verehrt wird, und ihrem Grab ausgelöscht und der Ort wird zur „Bilal ibn Rabah-Moschee“. Der bekannte Orientalist Professor Yehoshua Porat hat die „Tradition“, auf die die Muslime sich beziehen, als „gefälscht“ bezeichnet. Er sagte, der arabische Name der Stätte war „die Kuppel Rahels, ein Ort, an dem Jesus betete“.

Noch vor wenigen Jahren fand sich in palästinensischen Publikationen nicht ein einziger Hinweis auf eine solche Moschee. Dasselbe galt für das palästinensische Lexikon, das von der Arabischen Liga und der PLO 1984 veröffentlicht wurde, und für Al-mawsu’ah al-filastiniyah, die palästinensische Enzyklopädie, die nach 1966 in Italien veröffentlicht wurde. Palästina, das Heilige Land, veröffentlicht vom Palästinensischen Rat für Entwicklung und Rehabilitation mit einer von Yassir Arafat geschriebenen Einleitung, sagt einfach: „Am nordwestlichen Eingang der Stadt [Bethlehem] liegt das Grab der Matriarchin Rahel, die starb, als sie Benjamin gebar.“ Die Westbank und der Gazastreifen – Palästina erwähnt die Stätte ebenfalls als das Grab Rahels und nicht als die Moschee von Bilal ibn Rabah. Jedoch hat jetzt der palästinensische stellvertretende Minister für Schenkungen und religiöse Angelegenheiten Rahels Grab als muslimische Stätte definiert.

Am Yom Kippur 2000, sechs Tage nachdem die IDF vom Josefsgrab abgezogen war, veröffentlichte die palästinensische Tageszeitung Al-Hayat al-Jadida einen Artikel, in dem Rahels Grab als nächstes Ziel angegeben wurde. Ein Auszug davon: „Bethelehem – das ‚Grab Rahels‘ oder die Bilal ibn Rabah-Moschee, ist einer der Nägel, die die Besatzungsregierung und die zionistische Bewegung in viele palästinensische Städte hämmerte… Das Grab ist gefälscht und war ursprünglich eine Moschee.

Die früheste Bezugnahme, die ich für einen solchen Namen finden kann, stammt tatsächlich aus dem Jahr 1997 von der BBC; für den Rest der 1990-er Jahre ist sie in der Tat das einzige Nachrichtenorgan, das ich finden kann, das je diese Bezeichnung benutzte.

Beim Blick in einige alte Bücher stelle ich fest, dass sie von Muslimen im Jahr 1901 „Kubbet Rahil“ genannt wurde. In einem Reisebericht aus den 1880-ern steht:

… Wir kamen an Rahels Grab, ein kleines, quadratisches, geweißtes Gebäude mit Kuppel, von dem Teile aus dem zwölften Jahrhundert stammen. Es steht am Rand der Straße, eine Meile vor Bethlehem. Es befindet sich im Eigentum der Juden und wird nur an Donnerstagen geöffnet, aber wir sahen durch einen kleinen Durchlass in der Südseite.

Viele andere Bücher aus dem 19. Jahrhundert beschreiben Rahels Grab als eine Moschee oder einen Ort der Anbetung sowohl für die Juden als auch für die Muslime. Aber keines davon nennt einen arabischen Namen, der nicht irgendwie das Wort Rahel in irgendeiner Form beinhaltet. Und ganz sicher beschreibt keines davon den Ort als ausschließlich muslimisch.

Gleichermaßen listete die UNO 1949 wichtige heilige Stätten den Religionen entsprechend auf. Hier ist, was sie zu Rahels Grab sagte, das sowohl von den Muslimen als auch den Juden beansprucht wurde:

Rahel starb, während sie Benjamin gebar, als Jakob von Bethel nach Hebron reiste. Eine Säule wurde über ihrem Grab aufgerichtet und die Stelle war zur Zeit Samuels eine bekannte Sehenswürdigkeit. Verschiedene mittelalterliche Autoren bezeichnen sie als jüdische heilige Stätte. Der arabische Autor Mugeir-al-Din beschreibt sie als „aus elf Steinen gebaut und bedeckt mit einer Kuppel; die auf vier Pfeilern ruhte und jeder vorbei kommende Jude schreibt seinen Namen in das Monument.

Das Grab liegt an der Straße von Jerusalem nach Hebron, direkt bevor sie Bethlehem erreicht. Es besteht aus einem offenen Vorraum und einen Schrein aus zwei Räumen unter einer Kuppel, darin der Sarkophag. Dieses Gebäude liegt innerhalb eines muslimischen Friedhofs, für den es als Gebetsort dient. Das Grab ist Ort jüdischer Pilgerfahrten. Die Juden beanspruchen den Besitz des Rahelgrabes Kraft der Tatsache, dass 1615 Pascha Mohammed von Jerusalem das Grab in ihrem Auftrag wieder aufbaute und ihnen durch einen Firman die exklusive Nutzung gewährte; und zweitens damit, dass das zerfallene Gebäude 1845 als Ganzes von Sir M. Montefiore wieder aufgebaut worden war. Die Schlüssel erhielten die Juden damals vom letzten muslimischen Hüter.

Der muslimische Anspruch auf das Gebäude beruht darauf, dass es für die Muslime der Umgebung als Gebetsort war und integraler Bestandteil des muslimischen Friedhofs, innerhalb dessen es liegt. Die Muslime erklären, das die ottomanische Regierung sie als solche anerkannte und weiterhin, dass sie zu den Gräbern der Propheten gehört, für die das Waqf-Ministerium 1328 Schilder ausgab. Sie behaupten auch, dass der Vorraum zur Zeit der Restauration durch Sir M. Montefiore extra als Gebetsort für die Muslime gebaut wurde. Die Muslime wenden sich aus Prinzip gegen jede Reparatur des Gebäudes durch die Juden, obwohl (bis zum letzten Krieg) freier Zugang für alle zu jeder Zeit erlaubt war.

1912 erlaubte die ottomanische Regierung den Juden, selbst den Schrein zu reparieren, aber nicht den Vorraum. Drei Monate nach der britischen Besetzung Palästinas wurde der gesamte Ort von den Juden ohne Protest der Muslime gereinigt und geweißt. 1921 suchte das Oberrabbinat bei der Stadtverwaltung von Bethlehem um Erlaubnis nach den Schrein zu reparieren. Das ließ muslimischen Protest aufkommen, durch den der Hochkommissar urteilte, dass alle Reparaturen, abhängig von der unter dem Mandat bestimmten Ernennung der Kommission für die Heiligen Stätten, alle Reparaturen von der Regierung vorgenommen werden sollten. Es war aber durch diese Entscheidung derart viel Entrüstung in den jüdischen Kreisen verursacht worden, dass die Sache fallen gelassen wurde, weil man die Reparaturen als nicht dringend ansah. 1925 begehrte die sephardische Gemeinde die Erlaubnis, das Grab zu reparieren. Das Gebäude wurde dann strukturell solide gemacht und äußerliche Reparaturen wurden von der Regierung durchgeführt; der Regierung wurde allerdings von den Juden (die die Schlüssel hatten) die Erlaubnis verweigert, das Innere des Schreins zu reparieren. Da die inneren Reparaturen unwichtig waren, ließ die Regierung die Sache fallen, um Streit zu vermeiden.

Die Behauptung, dass Moses Motefiore im Rahelgrab eine Moschee baute, ist lachhaft. Montefiore war ein religiöser Jude und er und seine Frau, die keine Kinder haben konnte, identifizierten sich so stark mit der biblischen Rahel, dass sie jetzt in einem Nachbau des Rahelgrabs liegen, das er in England baute.

Was den muslimischen Friedhof angeht, der Rahels Grab umgibt, so ist auch dieser relativ neu. Fotografien des Gebiets aus dem frühen 20. Jahrhundert zeigen keinen solchen Friedhof.

Einmal mehr haben wir einen Fall, bei dem Muslime Anspruch auf Stätten anderer Religionen als ihrer eigenen erheben. In diesem Fall fügten sie einen völlig neuen Grund hinzu, um die Stätte zu verehren – ausdrücklich, um die offensichtliche Tatsache wegzunehmen, dass Rahel selbst ausschließlich zu den Juden gehört.

Exposé: Katholiken bezeichnen Rahelgrab als Moschee

Die PA will die Geburtskirche als erste Welterbe-Stätte haben und jetzt sagen sie sogar, dass das nahe gelegene Rahelgrab eine Moschee ist. Sie lebte Tausende Jahre vor Mohammed, also können sie sie nicht für den Islam in Anspruch nehmen. Christen stützen sie.

Giulio Meotti, Arutz-7, 29. Juni 2012

Die palästinensische Autonomiebehörde stellt einen historischen Antrag, die Geburtskirche in Bethlehem als ihr erstes Weltkulturerbe nach Maßgabe der Vereinten Nationen anzuerkennen.

Die PLO kennt die Konsequenzen davon, die Stadt König Davids und Jesu im „Land Palästina“ zu verorten. Das Endziel ist die Entjudung des Landes Israel. Oras Hamdan Taha, der palästinensische Minister, der mit Antiquitäten zu tun hat und Gelder von der UNESCO erhält, machte klar: „Das ist das Schreiben bzw. Neuschreiben der Geschichte Palästinas“.

Als nächstes auf der Liste steht das Rahelgrab, die drittheiligste Stätte des Judentums – oder wie die Juden auf Hebräisch sagen, „Rahel Imenu“; auf Jiddish „Mame Rochel“ – unsere Mutter Rahel.

In der Bibel heißt es im 1. Buch Mose: „Als ich aus Paddan-Aram kam, starb mir unterwegs Rahel in Kanaan; nur noch ein kleines Stück war es bis Efrata. Ich begrub sie dort auf dem Weg nach Efrata, das jetzt Betlehem heißt… Und Jakob errichtete ein Steinmal auf ihrem Grab. Das ist das Grabmal Rahels bis auf den heutigen Tag.“ Jahrtausende lang ist das Grab Rahels, das an der Straße zwischen Jerusalem und Bethlehem liegt, ein Ort der Sehnsucht, der Pilgerreise und des Gebets des jüdischen Volkes gewesen, obwohl es etwas Streit um die genaue Stelle der Grabstätte gibt.

Erst 1996 begannen die Palästinenser diese Stelle als „Bilal ibn Rabah-Moschee“ zu bezeichnen, was die UNESCO schändlicherweise 2010 in ihre Listen aufnahm.

Die PLO schrieb während der Zweiten Intifada das Grab als Waffe in ihr Arsenal, erhob Anspruch auf die Stätte und schoss täglich auf jüdische Betende. Am Yom Kippur 2000, sechs Tage nachdem die israelische Armee vom Josephsgrab in Nablus abzog, veröffentlichte die PLO-Zeitung Al-Hayat al-Jadida einen Artikel, in dem erklärt wurde, das Rahelgrab sei das nächste palästinensische Ziel. Vor der PLO-Propaganda bezeichneten die Araber die Stätte schlicht als „Kubat Rahil“, Rahels Kuppel.

Nicht bekannt ist, dass die christlichen Institutionen in Judäa und Samaria mit den Muslimen kollaborieren, um den jüdischen Charakter der heiligen Stätte zu vernichten und zu leugnen. Die Strategie hat sich schon als sehr erfolgreich erwiesen.

Im Februar beanspruchte die UNESCO – die die PA bereits als Staat anerkannt hat – das Rahelgrab und das Patriarchengrab als nicht exklusiv jüdische Stätten, sondern als solche, „die auch den Christen und Muslimen gehören“. Im Palestine Chronicle leugnete der Christ Fadi Kattan „das Jüdische“ und „den exklusiven jüdischen Zugang zu Rahels Grab“.

Es war bei einem Treffen christlicher Leiter im März 2010, dass der oberste islamische Richter, Taysir Tamimi, die muslimischen und christlichen Leiter aufforderte sofort zu handeln, weil Israel versuche Jerusalem und „die Bilal ibn Rabah-Moschee“ zu „judaisieren“.

Pax Christi, eine der berühmtesten katholischen Organisationen des Globus, nannte auf seiner Internetseite die jüdische heilige Stätte wiederholt eine „Moschee“.

Dann gibt es die Bethlehem-Universität des Heiligen Landes, die einzige vom Vatikan betriebene Bildungsinstitution in der Gegend; deren Gründung kann man zum Besuch Papst Paul VI. im Heiligen Land im Jahr 1964 zurückverfolgen. Die katholische Universität startete vor kurzem ein Projekt zu Rahels Grag. Das Dokument nennt es „eine historische religiöse Stätte für Anhänger des Christentums und des Islam, eine heilige Stätte auch für Juden, die heute allen Zugang zu ihr kontrollieren, obwohl sie sich auf palästinensischem Land befindet.“

Die Institution des Vatikan scheint zu ignorieren, dass das gesamte Gelände des Rahelgrabes zum C-Gebiet gehört, das die Oslo-Vereinbarungen israelischer Zuständigkeit unterstellte.

Schon der Titel des katholischen Projekts, „Rahel: Eine Fremde in ihrer Heimatstadt“, legt nahe, dass das Grab eine Stelle ist, die die Israelis an sich gerissen haben. Das Grab, sagt der katholische Bericht, „ist auch Muslimen bekannt, als Bilal ibn Rabah-Moschee“. Nach Angaben der Vatikan-Universität haben die Juden die Vergangenheit gestohlen, die jüdischen Schreine sind von den Zionisten gestohlene arabische Schätze und die Juden sind nichts weiter als einmarschierte Kolonisatoren.

Als ich das Rahelgrab zuletzt vor zwei Jahren besuchte, zeigte mir der israelische Bauunternehmer, der an der Sicherheitsbarriere arbeitete, die arabischen Häuser, von denen aus die palästinensischen Heckenschützen auf die das Grab besuchenden Juden schossen. Darunter befand sich ein romantisches, mittelalterliche Bild des einst einfachen, stillen, ruhigen, gelassenen und allein stehenden Grabes.

Das 20. Jahrhundert des Joseph Goebbels hat uns alle gelehrt, dass eine Lüge klein beginne, aber wenn sie nicht richtig gestellt wird, eitert sie wie ein Krebst und zerstört Wahrheit, Gerechtigkeit und schließlich – Menschen. Eine Lehre, die die Katholiken besser gelernt haben sollten.

Heute wirkt das Rahelgrab wie ein Bunker, von hohen Mauern, Stacheldraht, Soldaten, Kameras und Gängen geschützt. Jemand sollte es auch vor furchtbaren Lügen schützen.

Wieso genau nochmal sind sie gepanzert?

Elder of Ziyon, 9. November 2008

Ma’an bringt einen drohend klingenden Artikel zum Rahel-Grab:

Dutzende gepanzerte Busse brachten Hunderte ultraorthodoxer jüdischer Anbeter, um am Samstag- und Sonntagabend im Rahel-Grab in Bethlehem zu beten.

Reisebusse säumten die Straßen auf der westlichen Seite der Trennmauer und Straßen wurden von Tantur bis zum Beit Jala (Gilo)-Checkpoint blockiert, als sich Hunderte von Anbetern in schwarzen Mänteln und Hüten in der Gegend versammelten.

Die Massengebet-Versammlungen wurden vom Mosdos Kever Rachel (Rahelgrab-Institut) um das Datum organisiert, von dem man glaubt, dass es der Jahrestag von Rahels Tod ist. Das von der Gruppe offiziell festgelegte Datum ist der 9. November, aber die Beter überschwemmten den Bereich auch schon am Samstagabend.

Das Institut betreibt eine jüdische Religionsschule am Grab und finanziert einen täglich fahrenden gepanzerten Bus, der die jüdischen Beter von Jerusalem zum Grab bringt.

Die biblische Rahel wird vom jüdischen Volk als eine der vier Matriarchinnen verehrt; die jüdische Tradition besagt, dass sie von ihrem Ehemann Jakob in Bethlehem beerdigt wurde. Das Grab ist auch für Muslime und Christen eine heilige Stätte und der Ort der Bilal Ibn Rabah-Moschee, die jetzt für Palästinenser aus der Westbank nicht zugänglich ist.

Ma’an macht sich nicht die Mühe zu erklären, dass vor nur zehn Jahren die Busse, die nach Bethlehem fuhren, nicht gepanzert waren. Fakt ist, dass ganz normale Autos dorthin fuhren und die Leute sogar zu Fuß hingingen!

Was könnte wohl passiert sein, das diese bedrohlichen, schwarz gekleideten, ultrareligiösen, fanatischen Juden gezwungen sind in gepanzerten Busse zur drittheiligsten Stätte des Judentums zu fahren?

Gibt es überhaupt eine jüdische heilige Stätte, die die Muslime nicht als ihnen gehörend beanspruchen?

Ein echtes Rätsel…