Israels unverhältnismäßige Zivilverteidigung

Paul Shindman, HonestReporting, 21. November 2019

Israelis rennen während eines palästinensischen Raketenangriffs auf Beer Sheva am 23. März 2011 in Deckung. (Foto: Menahem Kahana/AFP, via Getty Images)

Unverhältnismäßig ist Israels Verteidigung seiner Zivilbevölkerung, nicht die Taktik der IDF.

Jedes Mal, wenn die Hamas und der Islamische Jihad Raketen auf israelische Städte feuern, sind die Nachrichten voll von Bildern des Abwehrsystems Eiserne Kuppel, die die einfliegenden Bomben abfängt, von Experten, die ihre Analyse abgeben, Bilder der verursachten Schäden und Berichte aus Krankenhäusern zum Status der Verletzten.

Seit 2006, als die Hamas die Kontrolle über den Gazastreifen mit Gewalt übernahm, hat es mehrere große Ausbrüche, darunter die IDF-Operationen Gegossenes Blei, Wolkensäule und Fels in der Brandung, dazu zahlreiche Konflikte von weniger großer Intensität. Bei diesen Gewaltausbrüchen schossen die Hamas und andere Terrororganisationen tausende Raketen auf Israel und die IDF schlug mit gezielten Angriffen auf Terrorziele zurück. Bei den größten IDF-Operationen von 2008/09, 2012 und 2014 schickte Israel auch Bodentruppen in den Gazastreifen.

Zwangsläufig werden von den Auslandsmedien Vergleiche zwischen den Opfern beider Seiten gezogen, allerdigns in der Regel ohne jeglichen Kontext oder Erklärung. Viel zu oft greifen Redakteure eines der übermäßig missbrauchten Modewörter auf, unverhältnismäßig.

Um zu verstehen, warum es oft eine unverhältnismäßige Zahl an Opfer gibt, braucht es einige Erklärungen. Aber infolge der begrenzten Sendezeit und unerbittlichen Wortzählungen werden diese Gründe allgemein nicht angeführt. Die Öffentlichkeit versteht nicht, warum Israel hat, was eine unverhältnismäßig geringe Opferzahl zu sein scheint.

Die Bedrohung für Israels Bevölkerung

Seit dem ersten Hamas-Raketenangriff im Jahr 2001 ist Israel aus dem Gazastreifen von rund 20.000 Raketen und Mörsergranaten getroffen worden. Die weit überwiegende Mehrheit ist auf zivile Ziele gerichtet und es wurden mehr als 50 Menschen getötet, hunderte verletzt und hunderte Häuser und Geschäfte zerstört.

Selbst als Gazas Wirtschaft verfaulte, investierten Hamas und der Islamische Jihad hunderte Millionen Dollar in die Entwicklung von Raketen, die bis nach Haifa reichen, womit mehr als sechs Millionen Israelis bedroht sind.

Das ständige Raketenfeuer auf die Bevölkerungszentren zwang Israel zur Entwicklung von Strategien, um mit den Angriffen umzugehen. Die Ergebnisse haben trotz der Salven eine beeindruckende Reduktion der zivilen Opfer gezeigt.

Verfahren zur Verteidigung der Zivilisten

Die israelische Regierung und Vertreter des Verteidigungsapparates haben schon immer die Bedeutung der Zivilverteidigung begriffen; seit 1948 hat es in den meisten Gegenden Bunker gegeben. Die Verwendung von Kurzstreckenraketen durch die Hamas erforderte allerdings neue Maßnahmen.

Die Behörden für die Zivilverteidigung erkannten, dass der Hauptfaktor für die Vermeidung von Opfern das Verhalten der Zivilbevölkerung ist, die „erzogen“ und trainiert werden muss, um auf Raketenangriffe zu reagieren.

Die  Hauptmaßnahmen der Zivilverteidigung sind:

  • Die Zivilisten werden instruiert sofort auf die Alarme zu Luftangriffen zu reagieren und Schutz zu suchen. Die Bürger wissen, dass sie in Bunker rennen, in armierte Räume, Treppenhäuser oder, wenn sie im Freien überrascht werden, sich auf den Boden zu legen und zu schützen. Bürger in allen angegriffenen Städten und Orten werden über die Zeit instruiert und wissen, wie viel Zeit sie haben um Schutz zu suchen, wenn der Alarm losgeht: nur 15 bis 90 Sekunden.
  • In stark angegriffenen Bereichen wie Sderot, wo die Einwohner nur 15 Sekunden oder weniger Vorwarnzeit haben, sind Spielplätze und Bushaltestellen umgebaut worden und dienen als armierte Beton-Bunker.
  • Schulen und Krankenhäuser nahe der Grenze zum Gazastreifen sind mit armiertem Beton bedeckt worden, um Schüler und Lehrer tagsüber vor Raketenangriffen zu schützen.
  • Als die Raketensalven aus dem Gazastreifen besonders intensiv waren, befahl die Zivilverteidigung den Einwohnern innerhalb von sieben Kilometern vom Gazastreifen in den Bunkern zu bleiben. Alle Kindegärten, Schulen und Universitäten im einem 40km-Radius bleiben geschlossen und diesen Zivilisten wird gesagt, sie sollen in der Nähe von Bunkern bleiben.
  • Israel veranstaltet jedes Jahr einwöchige Zivilverteidigungsübungen mit Schulen, an Arbeitsplätzen, Heimen, Verwaltungen Krankenhäusern, um die Bürger zu trainieren, wie sie sich während Angriffen verhalten sollen. Und jedes Jahr machen Schulen Sonderübungen, bei denen Raketenangriffe und Erdbeben simuliert werden.
In Sderot dienen aus armiertem Beton gebaute Geräte auf Spielplätzen gleichzeitig als Bunker.

Die Ergebnisse sind dramatisch effektiv.

In dutzenden Vorfällen wurden Häuser, wo Raketen explodierten, nur Sekunden zuvor evakuiert und die Einwohner suchten Schutz.

Zum Beispiel erwachte im Oktober 2018 eine Mutter in Beer Sheva um 3:40 Uhr morgens durch eine Warnsirene. Sie hatte nur 60 Sekunden, um ihre drei Kinder aufzuwecken und in den Bunker zu kommen. Als sie gerade die Tür zu ihrem Bunkerraum schloss, zerstörte eine Rakete ihr Haus, aber sie entkamen unbeschadet.

Nach drei Tagen Raketenangriffen im November 2019 gab das Heimatkommando der IDF eine Erklärung aus, die die Zivilbevölkerung lobte. „Sie haben die Anweisungen aufmerksam befolgt, Sie haben die Richtlinien eingehalten und sich um Ihre persönliche Sicherheit gekümmert“, heiß es in der Erklärung.

* * *

Zusammen mit dem oben Beschriebenen schließen Israels Verteidigungsmaßnahmen drei weitere Fakten ein: ein fortschrittliches Frühwarnsystem, das Raketenabwehrsystem Eiserne Kuppel und neue Militärtaktiken, die akkurat auf militärische Ziele schießen.

Das Warnsystem Roter Alarm

Die Israelischen Verteidigungskräfte stationierten das Frühwarn-Radarsystem „Farbe Rot“ (Hebräisch: Tzewa Adom), um einfliegende Raketen zu entdecken. Bevor das System installiert wurde, hatten die Einwohner Israels nahe der Gaza-Grenze keine Warnung und Raketen konnten jederzeit detonieren. Viele Zivilisten wurden getötet oder verwundet.

Dieses Alarmsystem wurde erstmals 2004 in Sderot stationiert; es gibt den Einwohnern bis zu 15 Sekunden um Schutz zu finden, bevor die Rakete explodiert. Ortsansässige haben sich auf das System eingestellt, sie fangen an zu rennen, wenn sie den „Klick“ hören, wenn die Lautsprecher des Systems einen Sekundenbruchteil vor dem Ertönen der aufgezeichneten Stimme hören, die „Roter Alarm, Roter Alarm“ verkündet.

Das nationale Frühwarnsystem wurde ausgeweitet und 2012 fertiggestellt. Das System „Farbe Rot“ wird in der Nähe zum Gazastreifen verwendet, während andernorts traditionelle Luftschutzsirenen genutzt werden.

Das System ist nicht nur an landesweite Fernseh- und Radiosendungen gekoppelt, um automatisch einen Alarm und den angegriffenen Ort zu verkünden, sondern reicht bis zum Internet und auf Telefone. Das Land ist heute in 1.700 Zonen aufgeteilt, so dass Alarme nur in Bereichen ertönen, wo Raketeneinschläge unmittelbar bevorstehen.

Eiserne Kuppel

Um sich gegen Kurzstrecken-Artillerieraketen zu verteidigen, die sich gegen Personen richten, entwickelte Israel ein neues Abwehr-System, das als „Eiserne Kuppel“ bekannt ist. Das verwendete System nutzt fortschrittliches Radar um einfliegende Raketen zu verfolgen und ihren Einschlagsort zu bestimmen. Das löst für die Gemeinden das System Roter Alarm aus, auf die geschossen wird.

Innerhalb von Sekunden startet die Eiserne Kuppel gelenkte Raketen, die die einfliegenden Raketen abfangen. Wenn jedoch die Eiserne Kuppel berechnet, dass die angreifenden Raketen in offenem Gebiet landen werden, schießt es keine Abfangrakete.

Das bahnbrechende Verteidigungssystem bekämpft die Bedrohung durch Kurzstreckenraketen und 155mm-Artilleriegranaten. Das System versucht den Gefechtskopf des Ziels über einem neutralen Gebiet zu sprengen, womit es den Kollateralschaden in städtischen Regionen reduziert.

Das System Eiserne Kuppel hat hunderte Raketen erfolgreich abgefangen, die auf israelische Städte zielten; es hat eine berichtete Erfolgsrate von mehr als 90%.

Dieses System ist eigentlich Teil von Israels dreistufigem Radar-Abwehrsystem. Während die Eiserne Kuppel Kurzstrecken-Raketen bekämpft, bekämpft „Davids Schleuder“ (auch als Zauberstab bekannt) Mittelstrecken-Raketen mit einer Reichweite von 40 bis 300km. Der „Pfeil“ ist konzipiert, um ballistische Langstrecken-Raketen zu bekämpfen.

Israels Eiserne Kuppel

Palästinensische Opfer

Zu begreifen, was hinter den „unverhältnismäßigen“ Opfern steckt, heißt auch zu verstehen, warum die Zahl bei den Palästinensern höher ist.

Während die palästinensische Autonomiebhörde ein bescheidenes Budget für die Zivilverteidigung in der Westbank hat, gibt die Hamas nichts dafür aus. Der Gazastreifen hat keine Bomben-Schutzräume oder ein Frühwarnsystem, aber nicht wegen fehlendem Geld oder Ressourcen. Ein typischer Hamas-Terrortunnel kostet schätzungsweise 4 bis 10 Millionen Dollar. Während der Operation Fels in der Brandung im Jahr 2014 entdeckte die IDF 18 Tunnel, die mit geschätzten 800.000t Beton gebaut wurden. Der Journalist Liel Leibovitz wies darauf hin:

Um Dubais Burj Khalifa, den höchsten Turm der Welt zu bauen, wurden 110.000t Beton gebraucht. Die Hamas hätte sich daher sieben solche Monströsitäten leisten können und immer noch einige tausend Dutzend Tonnen übrig gehabt. Hätte sie z.B. Kindergärten mit Bombenschutzräumen bauen wollen, wie Israel sie für die belagerten Bürger von Sderot baute – immerhin haben bekannte Militärstrategen wie Jon Stewart die letzte Woche damit verbracht zu verkünden, dass Gazas Bürger nichts hatten, um sich vor Israels Artillerie in Sicherheit zu bringen – dann hätte die Hamas ihre Reste dazu nutzen können etwa zwei zu errichten, die so groß sind wie das Stadion der New York Giants sind. Und das sind nur 18 Tunnel. Ägypten behauptete vor kurzem, dass es auf seiner Seite weitere 1.370 zerstört hat. Das ist eine Menge Beton.

Darüber hinaus gibt es beträchtliche Dokumentation des Raketenfeuers der Hamas aus zivilen Gebieten und die Lagerung von Waffen in Krankenhäusern, Moscheen und Schulen. Statt Zivilisten zu beschützen, sagte der damalige UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, verwandelte die Hamas Schulen „in potenzielle militärische Ziele und gefährdete das Leben unschuldiger Kinder“.

Die IDF tut was sie kann, um palästinensische Opfer zu minimieren. Mit Luftüberwachung rund um die Uhr werden Raketen schießende Trupps identifiziert und unter Verwendung von Präzisionsmunition statt Feldartillerie angegriffen. Gezielte Angriffe sind so gestaltet, dass sie nur Kombattanten treffen und das Risiko für nahe dabei befindliche Zivilisten minimieret wird.

Israelischen Luftangriffen gehen oft automatisierte Telefonanrufe, SMS oder abgeworfene Flugblätter voraus, die die Palästinenser warnen Gefahr aus dem Weg zu gehen. Eine weitere von der IDF übernommene, einzigartige Taktik ist das „Anklopfen auf dem Dach“. Vor dem Beschuss eines Gebäudes wirft ein Pilot eine laute, nicht tödliche Bombe ab, um palästinensischen Zivilisten vorab zu warnen. In eingen Fällen wurden Angriffe wegen der Anwesenheit von Zivilisten abgebrochen.

Während diese Warnungen viele palästinensische Leben gerettet haben, bezeichnet die Hamas sie als psychologische Tricks und drängt die Palästinenser regelmäßig sie zu missachten. Und in einigen Fällen veranlassten die Warnungen die Palästinenser sogar auf die Dächer der Gebäude zu gehen, die das Ziel waren, um als menschliche Schutzschilde zu dienen.

Wenn die palästinensischen Opfer im vollgestopften Gazastreifen unverhältnismäßig zahlreich sind, muss man sich da wirklich noch wundern?


Bild: Spielplatz in Sderot, via
YouTube/aquafountain

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (01.-07.03.2015)

Sonntag, 01.03.2015:

Die PA und die Fatah singen ein neues Lied: Von „Israel ist schlimmer als die Nazis“ sind sie auf „Israel ist schlimmer als der Islamische Staat“ gewechselt.

Montag, 02.03.2015:

Die PA will laut PLO im April Anzeigen/Klagen gegen Israel vor den ICC bringen.

In seiner Rede bei der AIPAC-Konferenz in den USA sagte Netanyahu, dass Jerusalem niemals geteilt werden wird.

Ein hochrangiger Militärkommandeur der Hamas prahlte am Montag damit, dass seine Terrorgruppe ihr Raketenarsenal für den nächsten Konflikt mit Israel ausbaut.

Der Palästinensische Islamische Jihad prahlt damit (und die BBC hat die Bilder), dass er an der Grenze des Gazastreifens zu Israel Tunnel wieder gebaut und versteckter Abschussrampen eingerichtet hat.

Dienstag, 03.03.2014:

Ein Magistratsgericht stellte fest, dass Juden erlaubt sein muss auf dem Tempelberg zu beten.

Die Polizei öffnete die Straßen zu den Orten Itamar und Alon Moreh in Samaria für die Nutzung durch PalAraber. Diese Öffnung war schon früher vorgesehen, aber durch die Entführung und Ermordung der drei jüdischen Jugendlichen im Sommer auf Eis gelegt worden. Der Rat der Einwohner von Samariah ist wütend.

Die PA hat angekündigt, ab sofort Geldstrafen für Häftlinge in israelischen Gefängnissen (die als Schadensersatzzahlungen an Terroropfer geleistet werden sollen) zu ignorieren, statt zu bezahlen (wie es vertraglich festgelegt ist). Begründung: „Opfer sollten nicht für die Verteidigung ihrer Rechte zahlen müssen.“

Mittwoch, 04.03.2015:

Mahmud Abbas verkündete, er sei bereit sich mit jedem, der die Wahl (in Israel) gewinnt, an den Verhandlungstisch zu setzen.

Die Grenzpolizei hat seit gestern (Dienstag) in einer Operation bisher über 200 illegal im Land befindliche PA-Araber festgenommen. Einige der Festgenommenen wurden vom Shin Bet wegen Verwicklung in Terroraktionen befragt; mehrere weiter wegen krimineller Aktivitäten. Es wird aber davon ausgegangen, dass die überwiegende Mehrheit der Illegalen nur zur Arbeitssuche nach Israel kam.

Donnerstag, 05.03.2015:

Der Zentralrat der PLO hat jetzt entschieden die Sicherheitszusammenarbeit mit Israel abzubrechen. Dabei handelt es sich um eine Empfehlung an die PA.

Freitag, 06.03.2015:

Obama droht schon wieder: Nach den Wahlen in Israel will er die Friedensgespräche neu in Gang bringen. Er macht sich nämlich Sorgen, dass die PA zusammenbricht und damit der Status quo und daraus würde ein Sicherheitschaos entstehen.

Wie die Landkarte sich verändern würde, wenn es einen „Palästinenserstaat“ in Judäa und Samaria geben würde

Israel Matzav, 19. Februar 2015

Leider habe ich das nur auf Hebräisch.

Rechts sehen Sie die Raketenalarm-Landkarte, die letzten Sommer im Zusammenhang mit der Operation Fels in der Brandung ausgegeben wurde. Sie zeigt, wie viel Zeit einem bleibt um einen Bunker zu erreichen, wenn eine Raketen geschossen wird und man sich in einem bestimmten Gebiet befindet.

Wer des Hebräischen nicht mächtig ist: Ganz oben steht „sofort“, die nächsten drei Zeiten sind 15, 30 und 45 Sekunden und die letzten drei sind eine Minute, eineinhalb Minuten und drei Minuten.

Die Karte links zeigt die Zeitspannen, wie sie für den Fall aussehen würden, dass ein „Palästinenserstaat“ in Judäa und Samaria gegründet wird. Beachten Sie, wie viel des Landes von eineinhalb Minuten auf 45 Sekunde oder weniger fällt…

Wir müssten schon geistesgestört sein, um das zu erlauben.

Ein bösartiger Geisteszustand offenbart

Ein gängiges Klischee ist immer wieder, dass „so ein paar Qassam“ (in der Regel mit dem Adjektiv „selbstgebaut“ verharmlost) von den Betroffenen gefälligst nicht so hochstilisiert werden sollen. Sie sind kein Grund für die „völlig übertriebene Reaktion“, wie Israel sie über den Jahreswechsel gezeigt hat. Dazu wird dann gerne Leichenfledderei mit dem Vergleich der Zahl der Toten auf beiden Seiten bemüht. Die sonstigen Auswirkungen des Raketenterrors bezieht bei den „israelkritischen“ „Nahost-Experten“ niemand mit ein. Psychologische Schäden werden allenfalls den „Opfern der israelischen Aggression“ zugestanden. Dieser Haltung widmete Yaakov Lozowick am 25. Januar 2009 einen Eintrag in seinem Blog:

Eines Abends während der Kämpfe kam ein junger Mann aus Sderot hinauf nach Jerusalem und hielt einen Vortrag in einem öffentlichen Forum. Er erzählte von den Kräfte zehrenden Wirkungen des achtjährigen Lebens unter Feuer. Davon, wie Lieferanten seines Lebensmittel-Ladens nicht mehr liefern wollten, so dass die Leute zu den großen Supermarkt außerhalb der Stadt fahren mussten, weil dieser besser ausgestattet ist. Wie er sein Möglichstes tat niemanden zu entlassen, nachdem ein Angestellter, der sein Vater hätte sein können, in Tränen ausbrach, als ihm mitgeteilt wurde, dass es nicht genügend Einkünfte gab, um ihn noch länger zu bezahlen. Wie Familien unter der nie endenden Belastung auseinanderbrachen. Wie seine fünfjährigen Zwillinge, die nie ein Leben ohne die Sirenen gekannt haben, in Panik ausbrachen, als sie auf einer Fahrt in den ruhigen Norden in der Ferne einen Krankenwagen hörten und ihre sichere, geschützte Ecke nicht hatten, in die sie entkommen konnten.

Davon waren seine Zuhörer peinlich berührt, weil sie ihr Leben in Gleichgültigkeit dem allen gegenüber gelebt hatten.

Gideon Levy veröffentlichte am Freitag eine weitere Tirade. Man muss sie nicht gelesen haben, es ist das übliche Wirrwar an Ungenauigkeiten, entgegen der Chronologie der Wirklichkeit aneinandergereihte Fakten, ein Haufen Ideologie und Hass… das Übliche eben. Aber er hatte einen entlarvenden Ausrutscher, den seine Herausgeber in der hebräischen Druckversion als Werbung aus dem Text nahmen und unter das Bild setzten. Er sagt als Beschreibung der Halbwegsruhe der Hudna-Periode seit dem Sommer:

Die Tatsache, dass die Einwohner des Südens eine Zeit der Ruhe erlebten, fast ohne Qassam-Raketen, wurde getrübt…
Ja, es gab Qassams und Mörser – wenige, unnötig, unproduktiv – die in Weisheit hätten vergeben werden sollen.

Die vielleicht wichtigste Einzelfrage der gerade von uns durchgeführten Operation ist, dass wir uns endlich aus unserer grausamen Lethargie erhoben und klar gemacht haben, dass es so etwas wie ein akzeptables Level an Gewalt gegen uns gibt, den der Rest übersehen oder vorgeben kann nicht zu sehen. Wir sind verantwortlich für uns alle.

Den Jihad von Gaza antreiben

P. David Hornik
FrontPageMagazine.com, 23. Januar 2008

Wir wissen schon lange, dass Israel seine Bürger nicht vor Terrorangriffen schützen soll. Alle israelischen Terrorbekämpfungs-Maßnahmen, angefangen bei gezielten Tötungen der Terrorchefs über das Ausmerzen des Terror-Zufluchtsorts in Jenin bis hin zu bloßen Ausgangssperren und Straßenkontrollen, sind heftig und fast von jedem verurteilt worden. Selbst die passivste aller Maßnahmen – der Bau eines Zauns, um die Terroristen draußen zu halten – ist in den Haag getadelt worden und wurde als „Apartheidsmauer“ zu einer Cause Celèbre für einen Haufen Israelfeinde.

Aber jetzt ist dem Prinzip, dass Israel sich nicht gegen Terror verteidigen darf, ein neues Prinzip hinzugefügt worden: dass Israel den Terror gegen sich selbst im wahrsten Sinne des Wortes antreiben muss.

Als letzte Woche die Bombardierung von Sderot und kleineren Gemeinden am Gazastreifen nach sieben Jahren mit rund fünfzig Raketen und ein Dutzend Mörsergranaten pro Tag einen neuen Höhepunkt erreichte, kam die taumelnde israelische Regierung auf eine Idee, die mit Sicherheit fehl schlagen musste: die Grenzübergänge zu verriegeln und die Treibstoffversorgung des Gazastreifens zu unterbrechen. Einige glauben, das würde die Einwohner Gazas dazu bringen „die Hamas unter Druck zu setzen das Raketenfeuer einzustellen“ – als ob der Gazastreifen eine parlamentarische Demokratie mit darauf reagierenden Parlamentariern sei, die sich überschlagen, um ihre Wählerschaft zufriedenzustellen.

Statt dessen war das, was seitdem geschah, in aller Düsternis vorhersagbar.

Selbst nachdem Israel alle Treibstofflieferungen eingestellt hatte, bekam der Gazastreifen noch immer zwei Drittel seines Stroms, direkt aus Israel geliefert. Trotzdem inszenierte die Hamas am Sonntagabend eine „humanitäre Krise“, indem sie das einzige Elektrizitätswerk des Gazastreifens herunter fuhr. Gaza Stadt, so heißt es in den Nachrichten, wurde „in totale Dunkelheit gestürzt“, dazu gab es einen Lichterketten-Protest marschierender Kinder, was schnell viel mehr humanitäre Sorge einbrachte, als es sieben Jahre auf Häuser und Schulen fallende Raketen schafften.

„Wir haben die Wahl entweder den Strom für Babys auf der Neugeborenenstation zu kappen oder den für Patienten mit Herzoperationen oder den Betrieb der Operationsräume einzustellen“, trällerte ein Beamter des Gesundheitsministeriums in Gaza. Das war nicht wirklich wahr, da die Hamas noch reichlich Strom hatte, die sie an die Krankenhäuser und für weitere dringend Benötigtes liefern konnte; und sie hätte selbst – theoretisch – das ganze Problem dadurch lösen können, dass sie ihre Mordversuche an Israelis einstellt. Aber es hat wunderbar funktioniert.

Derselbe Chor, der immer erklingt, um den palästinensischen Terror zu verteidigen, verpasste seinen Einsatz nicht. Am Montag sagte die EU-Kommissarin für Außenbeziehungen, Benita Ferrero-Waldner: „Ich verurteile das Raketenfeuer auf Israel und wir verstehen die Notwendigkeit vollkommen, dass Israel seine Bürger verteidigen muss… Aber die jüngste Entscheidung, alle Grenzübergänge zum Gazastreifen zu schließen, wie auch die Lieferung von Treibstoff einzustellen, wird eine bereits unheilvolle humanitäre Lage weiter verschlimmern… Ich habe klar gestellt, dass ich gegen diese kollektive Bestrafung der Menschen des Gazastreifens bin.“

Ebenfalls am Montag protestierte UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon beim israelischen Premierminister Ehud Olmert, nachdem er Israel über das Wochenende gedrängt hatte die Schließungen aufzuheben. Die Arabische Liga hielt in Kairo gemeinsam mit den arabischen Botschaftern bei der UNO ein Dringlichkeitstreffen ab und forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats, das schnell für Dienstag anberaumt wurde.

Erwartungsgemäß übernahmen die Europäer, die UNO und die Araber die Führung, aber die USA blieben nicht weit zurück. Am Dienstag sagte Außenministerin Condoleezza Rice gegenüber Reportern: „Niemand will, dass unschuldige Gazaner leiden und so haben wir mit den Israelis darüber gesprochen, wie wichtig es ist, dass man es nicht erlaubt, dass sich dort eine humanitäre Krise entwickelt.“ Sie erklärte nicht, warum sie bei ihren zahlreichen Besuchen der letzten Jahre in Israel niemals eine humanitäre Krise in Sderot wahrgenommen hatte oder irgendeine Notwendigkeit, das Leid von dessen Einwohnern zu lindern.

Der amerikanische UNO-Botschafter Zalmay Khalilzad stimmte mit ein: „Wir glauben, dass Angriffe gegen Israel inakzeptabel sind und dass es das Recht hat sich zu verteidigen. Aber wir haben auch gesagt, dass Israel, wenn es sich verteidigt, die Auswirkungen auf die Zivilisten einbeziehen muss.“ Übersetzung: „Israel hat nicht das Recht sich zu verteidigen, da es beim Handeln gegen Terroristen im Gazastreifen unmöglich ist, immer zu verhindern, dass Zivilisten zu Schaden kommen; wir könnten viel leichter mit weiteren siebzig Jahren der Bombardierung von Sderot leben, als das zuzulassen.“

Israel knickte – natürlich – schnell ein. Am Diemstag nahm es die Treibstoff-Lieferungen in den Gazastreifen wieder auf und pumpte 700.000 Liter Diesel durch den Übergang Nahal Oz, während es ebenfalls Kochgas und Medikamente lieferte. Die Hamas zeigte rasch ihre Anerkennung, indem sie am selben Morgen sieben Qassams abfeuerte. Eine israelische Frau wurde ins Krankenhaus von Ashkelon nördlich des Gazastreifens eingeliefert; sie stand unter Schock und hatte schwere Angstzustände.

Ebenfalls am Dienstagmorgen fingen Gaza-Terroristen wieder an auf Feldarbeiter beim Kibbutz Ein Hashlosha zu schießen, wo letzte Woche ein 20-jähriger ecuadorianischer Freiwilligenhelfer durch Heckenschützenfeuer getötet wurde. Unnötig zu erwähnen, dass die Arabische Liga keine weitere Dringlichkeitssitzung abhielt und die Stimmen von Ferrero-Waldner, Ban, Rice, Khalilzad et al. in Sachen dieser Ereignisse nicht zu hören waren.

Anmerkungen:

1. Israel muss sich besonders die Verantwortung dafür selbst zuschreiben, dass es eine Politik zu betrieben versuchte, die die palästinensischen Zivilisten benachteiligt und unter Druck setzt, was in der heutigen Welt ungefähr so gute Chancen auf Erfolg hat wie eine Kampagne für das Rauchen oder gegen Kondome. Israel machte das, um einmal mehr die Wahrheit zu meiden, dass nichts mehr seine Bürger in Nachbarschaft des Gazastreifens schützen, ihre Gemeinden retten oder Israels Abschreckung und Funktionsvielfalt wiederherstellen kann außer eine groß angelegte Militäraktion dort. Auch das wird palästinensische Zivilisten kollektiv schädigen und überhaupt nicht populär sein – aber wenigstens wird damit etwas erreicht.

2. Die Bevölkerung des Gazastreifens kommt, wie ihre Genossen in der Westbank, ungeschoren dafür davon, dass sie 2006 die Hamas in die palästinensische Regierung wählte. Wäre z.B. bekannt, dass eine große Mehrheit der iranischen Bevölkerung hinter der Mullahkratie und ihren Zielen stünde, würde sie als Folge davon an Sympathie verlieren. Die Palästinenser jedoch sind der Augapfel der Welt, eine Ikone der Unschuld, egal, was sie tun – einschließlich der Auswahl und Unterstützung eines virulent antiwestlichen, jihadistischen Regimes.

3. Während die Hamas weinerlich über Babys, Herzpatienten und Operationsräume reden und die Führer der Welt Israel streng rügen, fragt niemand danach, ob beispielsweise Ägypten oder andere arabische Brüder der Palästinenser die Versorgung hätten aufbessern können, von der sie behaupten, dass sie so dringend gebraucht wird. Die behauptete Bedeutung der Palästinenser-frage für die „moderaten Araber“ ist zu einem Eckstein der US-Außenpolitik geworden und hat kürzlich Präsident Bush dazu gebracht in Annapolis eine Konferenz einzuberufen und öffentlich Israel unter Druck zu setzen „die Besatzung zu beenden“. Aber beim derzeitigen Geschehen hat sich das nicht in Vorschläge an die Araber übertragen, ganz zu schweigen von Druck, dass sie irgendetwas unternehmen, um den Palästinensern zu helfen. Die Araber wollen, dass Israel, nicht sie selber, auf dem heißen Stuhl sitzen; uns sie bekommen, was sie wollen.

4. Mit dem Abzug aus dem Gazastreifen im Jahr 2005 bekam Israel das Schlimmste, was es bekommen konnte. Da heißt: Es zog militärisch ab, was einen riesigen Anstieg der Raketenangriffe auslöste, wurde von der Welt aber weiterhin als voll politisch in Anspruch genommen und verantwortlich für das Wohlergehen des Gazastreifens angesehen. Erwartungen, dass die Welt mehr „Verständnis“ für Israels Notwendigkeit zu militärischen oder anderen Antworten bekommen würde, wenn es erst einmal seine „Besatzung“ beendet hatte, verwirklichten sich nicht. Derzeit verzögert eine feige israelische Regierung, deren Führer einer der Hauptvertreter pro Entkoppelung war, den Tag der Abrechnung, während die militärische Herausforderung im Gazastreifen immer größer und der unvermeidbare Preis ihr zu begegnen immer höher wird.

5. In Bezug auf die derzeitige Lage stellte die israelische Außenministerin Tzipi Livni fest: „Israel ist der einzige Ort der Welt, der Strom an Terrororganisationen liefert, die im Gegenzug Raketen auf es abschießen.“ Die Verbindung – im Endeffekt das selbstzerstörerische, selbstmörderische Verhalten – ist direkt und physisch, da der von Israel gelieferte Treibstoff genau die Produktionslinien in Gaza versorgen, die die Raketen herstellen. Und nicht nur das: Die Menschen im Gazastreifen haben wiederholt Raketen auf das israelische Kraftwerk in Ashkelon abgeschossen, das den Gazastreifen versorgt.

Idealerweise würden israelische Führer wie Livni und Olmert, die in ihren persönlichen Karrieren von einem robusten Nationalbewusstsein in eine mit weichen Knien versehene Bereitschaft zufriedenzustellen abgetrieben sind, sich selbst fragen, ob das – nicht nur Juden nicht zu schützen, sondern die auch noch anzutreiben, die von denen sie angegriffen werden und die selbst noch die Quelle des Treibstoffs angreifen – nicht ein passendes Symbol der Krise des Zionismus ist und man nicht die alte Schärfe und den Stolz wieder gewinnen muss.