Als „Antizionisten“ noch rechte Antisemiten waren

Elder of Ziyon, 1. November 2022

In den 1940-ern und 1950-ern gab es eine boomende Verlagsindustrie rechtsextremer Antisemiten.

Jack Tenney war ein Senator des Staates Kalifornien, der in den 1950-er Jahren eine Reihe antisemitischer Abhandlungen veröffentlichte – aber darauf bestand lediglich antizionistisch zu sein.

Das Cover seines „Zionist Network“ war ziemlich identisch mit antisemitischer Propaganda der Nazis:

Die Innenseite des Covers von Tenneys Buch „Zion’s Fifth Column“ [Die Fünfte Kolonne Zions] enthält ein Zitat, mit dem er darauf beharrt, er habe nichts gegen Juden:

„Antisemitismus ist unmoralisch und unamerikanisch.
Vernunftlose Vorurteile gegen wen auch immer aufgrund von Rasse, Farbe oder Bekenntnis ist unentschuldbar.“

Natürlich glaubte Tenney nicht, sein Hass auf Juden sei vernunftlos. In „Zionist Network“ beschreibt er, wie eng verbundene Juden die Welt kontrollieren.

… Inzwischen verleihen jüdische Drahtzieher in den eng verwobenen und stark finanzierten internationalen Organisationen täglich dem Vorwurf Glaubwürdigkeit, dass die Juden ein imperium im imperio  bilden, eine Regierung innerhalb einer Regierung; die Männer, die die Männer kontrollieren, die die politischen Entscheidungsträger der Welt zu sein scheinen. Im Bereich der öffentlichen Information und Kommunikation entscheiden jüdische Organisationen unverfroren, was die Leute lesen dürfen und wem sie zuhören dürfen, indem sie ihre Anordnungen durch wirtschaftliche Kombinationen und Techniken verleumderischer Einschüchterung durchsetzen.

Ebenfalls ähnlich den antisemitischen Antizionisten von heute schuf Tenney ein Hitlisten-Netzwerk jüdischer Organisationen, ganz so wie das Boston Mapping Project aus diesem Jahr und eine ganze Menge von dem, was David Miller immer noch macht.

Die […] sind die wichtigen Verleumdungsbrigaden des zionistischen Netzwerks… Während fast jede jüdische Organisation einen gewissen Grad dieser Aktivitäten betreibt, stellen… die Sturmtruppen bereit, die Kommando-Truppen, die schwersten Geschütze, Spione und Geheimdienstler.

Im „Zion’s Fifth Column“ listet er viele jüdische Organisationen auf, zusammen mit den Namen ihrer Leiter. Das ist nicht von dem zu unterscheiden, was man heute an jedem beliebigen Tag auf Electronic Intifada sehen kann.

Eine weitere bemerkenswerte „antikommunistische“ Publikation wurde „Common Sense“ [gesunder Menschenverstand] genannt (nicht zu verwechseln mit dem Magazin aus den 1940-ern oder mit dem derzeitigen Newsletter von Bari Weiss).

Common Sense heute zu lesen zeigt dein Zerrspiegel-Version der heutigen Antizionisten, die genauso antisemitisch sind wie es dieser Verleger war. Auf viele Arten ähnelt Common Sense dem Antisemitismus der arabischen Medien, komplett mit der Chasaren-Verschwörungstheorie und dem Geschimpfe gegen den Talmud.

Hier sind einige der Top-Schlagzeilen von Common Sense, wo „Juden“ und „Zionisten“ austauschbar verwendet wird.

„Zionismus bedroht die Sicherheit des Staates“
„Zionisten kapern ISA, Bekommen $3 Milliarden in Komplott für die kommunistische Welt“
UNO – jüdischer Welt-Plan
„Zionismus arbeitet für Mord – Terror – Einschüchterung!“
„Wie rot ist die zionistisch kontrollierte NAACP“
„Zionistische Handlanger infiltrieren, verwirren, spalten US-Führer“
„Viele Päpste verurteilen Juden und  ihren obszönen Talmud“

Besonders bemerkenswert ist dieses Cover, das die Titelseite der heutigen Linken mit ihren Anschuldigungen, Zionisten würden den Antisemitismus zur Waffe machen. Wie sich herausstellt, stimmte die Rechtsextreme ihnen zu!

„Antisemitismus“ – die Geheimwaffe der Roten
Talmudisches Gebet schafft Verräter

Zu Common Sense gehörte auch Holocaust-Leugnung. Es wurde zum Teil von Benjamin Friedman finanziert, einem berühmten Antisemiten und Holocaust-Leugner.

Es hatte eine Auflage von ca. 50.000 und wurde bis etwa 1970 weiter veröffentlicht. Es wurde als vom House Committee on UN-American Acitivities 1954 als Hassgruppe erkannt. Während der Ausschuss mit der Rechten assoziiert wurde, erkannte und verurteilte er diejenigen, die Antikommunismus als Ausrede für ihren Hass nutzten.

Die aktuelle Bedrohung des Kommunismus für das schiere Überleben der USA und dem Rest der freien Welt hat den Verteidigern von menschlicher Freiheit und Würde eine schwere Last auferlegt. Der Ausschuss für unamerikanische Aktivitäten stellt mit Besorgnis fest, dass diese Last durch gewissen Einzelpersonen und Organisationen skrupellos die Bedrohung durch den Kommunismus ausnutzen, um andere, genauso subversive und genauso unamerikanische Aktivitäten zu propagieren. Solche Aktivitäten würden jedes Fundament der amerikanischen Republik zerstören, wenn ihnen erlaubt wird unbemerkt und unbehelligt zu agieren. Ermittlungen des Ausschusses legen offen, dass diese organisierte Aktivität zwei Muster hat: (1) die neofaschistische Organisation, die offen ein faschistisches Regime für die USA befürwortet und (2) Die organisierte Hassgruppe, die sich als Verteidiger unserer republikanischen Regierungsform ausgibt, aber in der berüchtigten Tradition faschistischer Diktaturen Hasskampagnen gegen rassische und religiöse Minderheiten führt.

Das schrieb der Ausschuss, der heute mit den extremsten Auswüchsen der Rechten assoziiert wird – etwas, von dem Sie kaum feststellen werden, dass es von der heutigen Linken, auch nicht von der heutigen Rechten jemals gesagt werden wird: „Diejenigen, die heute die extreme Rechte unterstützen würden, üben genauso große Gewalt an unseren nationalen Institutionen aus, wie die von der extremen Linken.“

Linke und rechte Antisemiten stimmen überein: Juden sind das Zentrum allen Bösen (und Amerika ist kurz dahinter)

Elder of Ziyon, 7. Juni 2022

Sie wissen doch, dass rechtsextreme Antisemiten gerne am Fließband Grafiken erstellen, die zeigen, dass Juden im Zentrum der Medien stehen – oder der Pharmaindustrie oder den Banken?

Nun, hier ist das „Mapping Project“:

Ein von Aktivisten und Organisatoren in Ost-Massachusetts erstelltes Projekt, das lokale Verbindungen zwischen Instanzen auf Kolonialismus und Enteignung hin untersucht, hier, wo wir leben, auf den wirtschaftlichen Imperialismus und Krieg, die für die Kolonisierung Palästinas verantwortlich sind.

Für sie steht die Anti-Defamation League im Zentrum der Überwachung und jeder Menge anderer angeblich boshafter Dinge:

Dieselbe Energie.

Einige der Organisationen, die sie als zionistisch/rassistisch betrachten, richten sich offensichtlich Juden. Zum Beispiel gibt es hier einige, gegen die sie schießen, weil sie Empfänger von Geldern der Klarman Family Foundation sind:

das American Jewish Committee (AJC)
die Anti-Defamation League (ADL)
Facing History and Ourselves
das Committee for Accuracy in Middle East Reporting and Analysis (CAMERA)
das Jewish Community Relations Council of Greater Boston
Gann Academy Relations Council of Greater Boston
der Jüdische Nationalfond (JNF)
Jewish Institute for National Security of America (JINSA)
Hadassah, The Women’s Zionist Organization of America
das Shalom Hartman Institute of North America: $1.500.000 in den Finanzjahren 2017-2019
Washington Institute on Near East Policy
A Wider Bridge
Brandeis Univesity
Commentary Magazine
Harvard
Hille: The Foundation for Jewish Campus Life
JCRC of San Francisco, Peninsula, Marin, Sonoma, die Counties Alameda and Contra Costa

Mit anderen Worten: Jede jüdische Organisation, die Israel nicht ausdrücklich als satanisch betrachtet, steht auf ihrer schwarzen Liste.

Das lässt Joe McCarthy wie einen Waschlappen aussehen.

Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie extremistisch dies „Progressiven“ sind: Hier ist der Grund, warum sie Facing History and Ourselves hassen:

Facing History and Oursevles entwickelt Bildungsmaterial und Lehrpläne für Pädagogen. Obwohl Pädagogen und Schulbezirke oft auf Facing History and Ourselves als progressive Option dafür deuten US-Geschichte zu lehren, bieten die Materialien und Lehrpläne der Organisation lediglich einen progressiveren Deckmantel für die Verfestigung derselben schädlichen Narrative, den amerikanischen Rassismus und das US-Imperium, wobei sie gleichzeitig Israel und das Propagieren für den Zionismus feiert.

Von Facing History and Ourselves angebotene Materialien und Lehrpläne zu Sklaverei, Kolonialismus und Polizeibrutalität gehen diese Institutionen der Massengewalt als schmerzliche Episoden innerhalb eines ansonsten positiven Projekts amerikanischer Demokratie an (Episoden, denen man sich „stellen“ muss), ohne den Abbau des fundamentalen weißen Rassismus und kolonialen Charakters des US-Staates, US-Imperiums oder des von den USA dominierten globalen Systems des Kapitalismus infrage zu stellen oder dafür einzutreten; diese Institutionen existieren und haben existiert, um all das aufrechtzuerhalten.

Was bedeutet, dass jede Bildungsinitiative, die nicht zum totalen Abbau der USA aufruft, hoffnungslos kolonialistisch und zionistisch ist.

Wenn das Mapping Project landesweit wird, muss es eine Datenbank von hunderttausenden Institutionen verwalten, die Israel und die USA als alles andere denn als Feind akzeptieren.

Es gibt tatsächlich keinen Unterschied zwischen Linksextremen und Rechtsextremen. Beide sind besessen von den Juden.

Hufeisen-Theorie mal wieder bewiesen: Rechtsextreme Antisemiten übernehmen linksextremen Sprachgebrauch

Elder of Ziyon, 18. Februar 2022

Gestern wurden in Fort Myers (Florida) antisemitische Flugblätter verteilt, Teil einer Welle solcher Flugblätter, die in Plastiktüten überall in den USA ausgebracht werden.

Andere Vorfälle gab es in den letzten Tagen in Helotes, Austin, Atascocita (alle in Texas), Huntington Beach (Kalifornien), Vancouver (Washington), Eugene (Oregon) und Sarasota (Florida).

Es handelt sich um eine kostengünstige Art rechtsextremer Antisemiten ohne Risiko Publicity zu bekommen. In den meisten Gemeinden ist das Verbreiten von Hassrede kein Verbrechen und einige der Flugblätter sagen, dass sie wahllos verteilt werden, um dem Vorwurf vorzubeugen, man ziele gegen Juden.

Die Flugblätter in Fort Myers sind allerdings etwas anders als die anderen. Während die üblichen Flugblätter Juden auflisten, die angeblich die Medien oder das Weiße Haus oder die „Covid-Agenda) beherrschen, nutzt dieser die Wortwahl der Linken.

Darauf heißt es: „Antisemitismus ist ein Menschenrecht.“ Das gibt die linksextremen Sprachbilder wieder, dass alles, was sie mögen, ein Menschenrecht ist (am Valentinstag wurde „Liebe“ zum Menschenrecht erklärt), während alles, was sie nicht mögen, ein Angriff auf die Menschenrecht ist. In einem solchen Universum wäre es für die Antisemiten der Linken schwierig zu argumentieren, dass Hass kein Menschenrecht ist.

Das Blatt behauptet zudem Whoopie Goldbergs Äußerungen in The View zu unterstützen, was ironisch ist, denn dieselben Leute geben fröhlich zu, das ihr Judenhass auf Rasse basiert, dem Gegenteil dessen, was Goldberg sagte. Aber diese weißen Herrenmenschen behaupten jetzt eine schwarze Frau zu unterstützen – was wiedergibt, wie die Linksextreme auf jede Kritik an ihren Positionen reagiert, die ein Mitglied einer Minderheitengruppe von sich gibt, indem behauptet wird, die Kritiker seien rassistisch oder islamophob.

Natürlich ist das, was die Hasser an Whoopie Goldberg mögen, dass sie die Juden aufgebracht hat, was sich auch im linken Diskurs wiederfindet: Sie werden alles unterstützen, das sich mit ihrem Hass auf Israel deckt, bis dahin, dass sie behaupten, Terrorismus sei gemäß des Völkerrechts legitim und dass Menschen, die jüdische Selbstbestimmung unterstützen, Rassisten seien.

Für beide Seiten steht der Hass an erster Stelle. Fakten und „Rechte“ können so verdreht werden, dass sie ihren Hass unterstützen.

Muslimischer Antisemitismus im deutschen Internet

Die Behörden haben versucht statistische Daten und weitere Informationen zu antisemitischen Einstellungen bei muslimischen Immigranten und ihren Nachkommen aus dem Rampenlicht zu halten.

Manfred Gerstenfeld, Israel National News, 11. März 2018

Der Verfassungsschutz des Bundeslands Hessen hat einen Bericht zu Antisemitismus im deutschen Internet veröffentlicht, der von Ann-Christin Wegener geschrieben wurde.[1] Die Studie konzentriert sich auf die Erscheinungsformen und den ideologischen Hintergrund antisemitischer Agitation in sozialen Netzwerken in Deutschland.

Wegener schrieb, dass die deutschen Behörden in der Regel angeben, dass 90% der antisemitischen Vorfälle von Rechtsextremen begangen werden. Sie weist darauf hin, dass dies das Ergebnis der Art ist, wie Polizei antisemitische Vorfälle berichtet.[2] Solange nichts über die Motivation oder die Täter bekannt ist, werden diese Vorfälle als politisch rechtsradikal motiviert bezeichnet.

In arabischer oder türkischer Sprache begangene Hassverbrechen führen zu weniger Anzeigen als die auf Deutsch.[3] Man muss zudem die Tatsache berücksichtigen, dass viele antisemitische Vorfälle nicht berichtet werden oder nicht zu Anzeigen führen. Es wird geschätzt, dass weniger als ein Viertel der jüdischen Opfer von Antisemitismus Anzeige bei der Polizei oder der jüdischen Gemeinde stellen.[4]

Die Autorin merkt an, dass antisemitischen Verbrechen und Einstellungen von Muslimen in Deutschland sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Sie verweist auf einige Vorfälle, die jedoch viel öffentliche Aufmerksamkeit erhielten. Einen der extremsten gab es 2012, als ein Rabbiner in Berlin massiv verprügelt wurde. Zwei Jahre später brüllten in mehreren deutschen Städten antiisraelische Demonstranten „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“. Ein weiterer Vorfall, der viel Aufmerksamkeit erregte, ereignete sich im Frühjahr 2017, als ein jüdischer Junge seine Berliner Schule verließ, nachdem er von muslimischen Schülern heftig schikaniert wurde. Wegener schreibt: „All das sagt wenig über den quantitativen Vergleich von Antisemitismus bei Muslimen und bei Rechten.“[5]

Muslimischer Antisemitismus in Europa ist enorm wenig erforscht. Viele Behörden haben versucht statistische Daten und weitere Informationen zu antisemitischen Einstellungen bei muslimischen Immigranten und ihren Nachkommen aus dem Rampenlicht herauszuhalten. Das ist trotz der Tatsache geschehen, dass alle gelösten Morde an Juden in Westeuropa im vergangenen Jahrzehnt von Muslimen begangen wurden. Dasselbe gilt weitgehend für andere extrem antisemitische Vorfälle. Zu diesen gehören Anschläge auf Synagogen in Frankreich.

Ein klassisches Beispiel unter vielen, bei dem solche Informationen verborgen wurden, ereignete sich 2003. Das Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin (ZfA) schloss  seine Studie zu europäischem Antisemitismus ab. Es hatte den Auftrag erhalten diesen Bericht des Europäischen Beobachtungszentrums zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) vorzubereiten. (Diese Organisation wurde 2007 durch die Agentur für Grundrechte der Europäischen Union, FRA, ersetzt.)

Das ZfA identifizierte junge Muslime arabischer Herkunft als die Haupttäter physischer Anschläge auf Juden und bei der Schändung und Zerstörung von Synagogen. Die EUMC veröffentlichte die Studie nicht. Das ZfA erklärte, der Grund dafür, das Dokument nicht zu veröffentlichen, bestand darin, dass es viele muslimische Täter antisemitischer Vorfälle preisgibt. Erwähnt wurde auch, dass das EUMC wiederholt dazu aufgefordert hatte die Ergebnisse zu verändern. Ende 2003 veröffentlichte der World Jewish Congress den Entwurf des Berichts des ZfA im Internet, womit die Manipulation des EUMC offengelegt wurde.[6]

Vor diesem Hintergrund und verschiedenen weiteren Manipulationen der Wahrheit ist Wegeners Studie besonders wichtig. Die Autorin untersucht Antisemitismus im deutschen Internet. Sie wählte einige Primärquellen aus. Dazu gehörten die Facebook-Konten der größten deutschen Tageszeitung, BILD sowie das des Focus, einer der drei führenden Wochenzeitschriften. Sie recherchierte zudem in YouTube-Kanälen, die ein größeres Publikum als Twitter haben.

Wegener kam zu dem Schluss, was Israel und den Konflikt im Nahen Osten betrifft, die Internetseite von Spiegel TV[7] das wichtigste Ventil antisemitischer Inhalte war. Sie stellte fest, dass Israel und der Nahost-Konflikt auf diesen Internetseiten unvergleichlich weiter verbreitet war, als das Thema deutsche Juden.

Wegener nutzte in ihrer Recherche eine Reihe Schlüsselwörter: Juden, Judentum, jüdisch, Israel und Antisemitismus.[8] Ihre detaillierte Studie, die nur auf Deutsch verfügbar ist, kommt zu einer Reihe wichtiger Schlüsse. Von Kommentaren über Juden oder das Judentum gab es seitens derer mit muslimischer Herkunft und von Rechtsextremen etwa die gleiche Anzahl.[9] Wegener stellte zudem fest, dass öffentlicher Diskurs zum Judentum als auch zu Israel in den deutschen sozialen Medien eine beträchtliche Menge Antisemitismus enthält.[10]

Wegener kam zu dem Schluss, dass antisemitische Kommentare seit 2014 zahlenmäßig enorm zugenommen haben. Sie beobachtete, dass der Gaza-Konflikt und die folgenden antiisraelischen Demonstrationen den Boden dafür bereiteten.

Zu Israel und dem Nahost-Konflikt wird etwa die Hälfte der antisemitischen Kommentare von Menschen mit muslimischem Hintergrund abgegeben. Nur 10% kamen von Rechten. In 40% der Fälle konnte die Herkunft nicht festgestellt werden. Von 2010 bis 2013 kamen allerdings 37% der antisemitischen Kommentare von Rechten, 16% wurden von Menschen mit muslimischem Hintergrund getätigt.[11] Wegener schließt, dass Hass auf Israel in der deutschen muslimischen Gemeinschaft zunimmt.

Was Antisemitismus und den Holocaust betrifft, waren bei denen, die Schuld am Holocaust und die Notwendigkeit des Gedenkens verneinten, die Rechten in der Mehrheit, während Muslime das weit weniger machten.

Es gibt eine Überlegung, die den Leser zu einem etwas anderen Schluss führen muss. Es wurden keine Seiten in arabischer oder türkischer Sprache untersucht. Auf diesen stammen praktisch alle antisemitischen Äußerungen von Muslimen. Damit übersteigt der muslimische Antisemitismus im deutschen Internet den der Rechtsextremen.

Wegeners Hauptschlussfolgerung lautet, dass Gesellschaft, Politiker und Geheimdienste auch den Antisemitismus von Muslimen beobachten müssen, ohne den Antisemitismus der Rechten zu vernachlässigen. Eine solche Feststellung ist bei beträchtlichen Teilen des deutschen Mainstream unpopulär – und noch viel mehr bei der Linken im Land.

[1] https://lfv.hessen.de/sites/lfv.hessen.de/files/content-downloads/PAAF-Analysen%20IN%20ALLER%20K%C3%9CRZE%20Ausgabe%20%201.pdf

[2] ebenda.

[3] ebenda.

[4] ebenda, Fußnote 7.

[5] ebenda, Fußnote 2.

[6] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/15697

[7] https://lfv.hessen.de/sites/lfv.hessen.de/files/content-downloads/PAAF-Analysen%20IN%20ALLER%20K%C3%9CRZE%20Ausgabe%20%201.pdf, S. 7.

[8] ebenda, S. 8.

[9] ebenda, S. 17

[10] ebenda, S. 20.

[11] ebenda, S. 20.

Ein Vorzeige-Jude für die Vernichtung Israels

Eine Pappnase hat ein „revolutionäres“ Buch geschrieben. Mit Inhalten, die angeblich erstmals die wahre Geschichte von 1948 geschildert wird. Mutig soll der Mann sein. Ein Tabubrecher. Einziger, der die Wahrheit sagt. Dass er mitsamt einem Trupp gleichgesinnter „Tabubrecher“ seit Jahren dasselbe Mantra trommelt und im Westen wie bei den üblichen Israelvernichtungs-Predigern aus dem arabisch-islamischen Raum deswegen hoch angesehen ist und als Musterjude vorgezeigt wird, spielt für die Jubel-Goys keine Rolle. Nun, das ist Werbung, da wird gelogen, dass die Schwarte kracht. Sonst kann man nichts absetzen – wobei antiisraelisches und antichristliches Geschreibsel eigentlich immer ein Selbstläufer ist, aber was soll’s.

Und so hat die Pappnase dann eben jedem und allen Interviews gegeben, die von ihm wissen wollten, was es mit dem Buch so auf sich hat – halt, nein: Sie wollen nur ihre antisemitischen Lügen bestätigt bekommen, aber das ficht den mutigen Einzelkämpfer nicht an. Ergo findet sich im Vorspann zu dem Interview mit einem neonazistischen Kampfblatt das wieder, was Pappe in Grundzügen denkt:

Im damaligen britischen Mandatsgebiet Palästina rief der „Jüdische Nationalrat“ am 14. Mai 1948 völkerrechtswidrig die einseitige Unabhängigkeit aus.

Wieso völkerrechtswidrig? Weil die Heil-Hitler-Trupps von Hadsch Amin al-Husseini nicht einverstanden waren? Oder die übrigen „Treibt die Juden ins Meer“-Brüllhansel?
Die Briten waren an diesem Tag raus aus dem Mandat. Es bestand ein Macht-Vakuum, das sich vorher schon breit machte und dazu führte, dass die Judenmörder des Mufti an allen Ecken und Enden frei schalten und walten (sprich: morden und plündern) konnten, wo sich die Juden nicht wehrten.
Was hätten die Juden also tun sollen? Sich an die Straßen stellen, „Heil Hadsch Amin!“ brüllen und den Massen- und Völkermördern des Muftis den Hals bieten, damit die nicht so viel Mühe bei der Fortsetzung der Endlösung haben?

Gleichzeitig wurde damit begonnen, große Teile der einheimischen arabischen Mehrheitsbevölkerung zu vertreiben.

Ja klar, anders geht’s nicht. Dass die meisten Araber das Land verließen, um den siegreichen arabischen Armeen nicht im Weg zu sein oder nach dem schnellen arabischen Sieg ggf. auch nicht als Verräter und Kollaborateure umgebracht zu werden, gilt nicht. Fakten dürfen nicht im Weg stehen – schon gar nicht solche, wie dass ein riesiger Teil der arabischen Bevölkerung seine Heime verließ, ohne einen jüdischen Bewaffneten auch nur gesehen zu haben. Aber was will man erwarten von einem, der selbst nach bewiesenem Betrug dem Betrüger immer noch die Stange hält und ihn als Opfer sieht, nachdem er Interviews mit (arabischen!) Zeitzeugen fälschte, um für seine Doktorarbeit das „richtige“ Bild der mordenden und vertreibenden Juden hinzubekommen? Dass ausgerechnet so einer die Vertreibungen und Massenmorde der aufgehetzten Husseini-Araber in die Diskussion einbringt? Das ist wohl zu viel verlangt, denn es würde das schlechte Licht auf die „falsche“ Seite werfen.

Dasselbe Schicksal widerfuhr auch der deutschen Minderheit, die bereits zwischen 1939 und 1948 von der britischen Mandatsverwaltung systematisch nach Australien zwangsumgesiedelt wurde.

Klar, jetzt muss die Schicksalsgemeinschaft beschworen werden. Vielleicht sollte man hier aber doch darauf hinweisen, dass es in den Reihen der Templer eine Besorgnis erregende Nähe zum Nationalsozialismus gab. Abgesehen davon war es nicht unüblich, dass „Volksdeutsche“ in Territorien unter alliierter Kontrolle aus als kritisch wichtig angesehenen Gegenden entfernt wurden. Das Risiko wurde als zu groß eingeschätzt.

Die Ereignisse von 1948, die erstmals vom israelischen Historiker Prof. Dr. Ilan Pappé umfassend beschrieben wurden, läuteten das Ende der Ära eines liberalen Islam ein und sind die Wurzel des noch immer andauernden Nahostkonflikts.

Aha, die „Ereignisse von 1948“ sind bisher nicht umfassend beschrieben worden. „Umgeschrieben“ wäre wohl die bessere Bezeichnung, wie die „neuen Historiker“ immer wieder bewiesen haben. Besonders „schön“ ist aber die Behauptung, dass mit 1948 das „Ende der Ära eines liberalen Islam“ „eingeläutet“ wurde. Alles vorher wird ausgeblendet, die Geschichte fängt erst 1948 an (höchstens der Holocaust kommt noch ins Spiel, wenn man den Israelis vorwirft, dass die „Palästinenser“ seine wahren Opfer sind). Dass Hadsch Amin eine Anhänger seit den frühen 1920-er Jahren einen Terrorkrieg gegen die Juden und gegen jeden Araber, der nicht auf seiner Seite mitzog, führte, das muss ignoriert werden, damit das ideologische Bild stimmt. Dass der Vernichtungskrieg gegen die Juden in „Palästina“ spätestens seit dem Teilungsbeschluss der UNO in seine heiße Phase ging und lange vor Mai 1948 im Gang war – geschenkt, das braucht der hysterische Scheinhistoriker nicht, denn das spräche ja nicht gegen die Juden.

Im Gespräch mit Erhard Düvel von der National-Zeitung meinte der Autor, dass der 14. Mai 1948 für die Völkergemeinschaft kein Grund zum Feiern sei.

Und hier entblößt sich, wes Geistes Kind der Vertreter dieser oben angeführten Meinungen ist. Die neonazistische Nationalzeitung ist mit ihren Ansichten voll kompatibel mit dem sich links gebenden jüdischen Antisemiten, der geschichtliche Wahrheit nicht über Fakten und Dokumenten vor allem auch der jeweiligen Zeit definiert, sondern über das, was heute von Arabern über diese Zeit erzählt wird.

Darauf aufmerksam gemacht, dass ein Interview mit ihm in dieser rechtsextremen Zeitung erschien, verschickte die Pappnase eilends elektronische Rundschreiben, um allen Interessierten und Uninteressierten mitzuteilen, dass er diesen Leuten natürlich niemals ein Interview gegeben hätte, hätte er gewusst, mit wem er sich da unterhält. Seine Ideologie und Haltung, behauptete er, stünden in völligem Gegensatz zu dem, was diese Zeitung repräsentiere.

Diese Mail ließ die Schreiberin des ersten Hinweises eine Frage schreiben:
Das führt aber nicht dazu, dass Sie darüber nachdenken, warum Zeitungen wie diese Ihre smarten Ideen so lieben?

Es kam die übliche Antwort eines jeden Extremisten: Das machen auch DIE ZEIT, die Times, der Independent, Led Monde, etc. – ausweichen, ablenken, keinesfalls die legitimen Schlüsse zulassen wollen. Was das beweist? Höchstens, dass der neue Antisemitismus Einzug in die „Mitte“ der Gesellschaft gehalten hat und diese das nicht wahr haben will. Dann muss man ihm eben die Nase drauf stoßen:

Was immer Sie über dieses nicht autorisierte Interview erzählen, Sie sprechen die Tatsache nicht an, dass Ihre Ideen so sehr mit denen der Nazis harmonieren, dass sie zur Veröffentlichung in deren Medien willkommen sind. Professor, Sie sind Nazi-kompatibel. Sie lieben Juden wie Sie. Darauf können Sie stolz sein!

Das kann einer wie die Pappnase nicht auf sich sitzen lassen. Seine Reaktion? Die eines Kindergarten-Kindes: Selber Nazi! Bäh! Ich bin gut! Du nicht! Gefolgt von der Selbstbeweihräucherung des einsamen Kämpfers, der hier und da noch den einen oder anderen Juden hat, der ihm zustimmt. Merke: Selbst ein Alibi-Jude braucht andere Alibi-Juden, um sich zu bestätigen, dass er kein Alibi-Jude ist sondern recht hat – und ein einsamer Rufer in der Wüste. Ohne zu merken, dass der Sand um ihn herum die nichtjüdischen Antisemiten sind, mit denen er im Chor heult.

Das ist also die Qualität eines Mannes, der von interessierten Kreisen als „Gewissen Israels“ gefeiert wird – weil er den Judenstaat als Unrechtsstaat brandmarkt, ihm jede Legitimität abspricht und alles und jeden willkommen in die Arme schließt, der mit ihm eine Meinung ist. Und sich dann wundert, wenn er mit Nazis im selben Bett liegt. Die angeblich im völligen Gegensatz zu dem stehen, was er repräsentiert. Zur Verlogenheit kommt noch Narzissmus hinzu. Die große gemeinsame Konstante sind die antiisraelischen Hasstiraden.