Die Medien, der Terror und die Terminologien

Nahost-Focus 13. März 2002 (heute nur noch hier)

Der Terrorkrieg gegen Israel hat in den letzten Wochen einen traurigen Höhepunkt erreicht. Inzwischen gehören Bombenanschläge, Schiessereien an israelischen Bushaltestellen und Selbstmordattentate in vollbesetzten Restaurants zum traurigen Alltag in Israel. Nur die „schlimmsten“ Anschläge sind für die Medien noch berichtenswert.

Auch der Blickwinkel ist oft verräterisch: Israelische Panzer und Soldaten, deren Gewehrmündungen in Richtung Kamera zeigen. Eine Verteilung der „Gut-Böse-Rollen“ ist hier schon vorprogrammiert. Die spontane Solidarität stellt sich bei vielen Außenstehenden unterbewusst mit der palästinensischen Seite ein.

Auch durch die Wortwahl der Medien werden die Rollen meist noch vor Bekanntgabe der Informationen festgelegt. So zum Beispiel:

„Die israelische Armee ist heute in Gaza einmarschiert und tötete 24 Palästinenser“am 12.3.2002 in den Nachrichten des Fernsehsenders N-TV.

Die Tagesschau betitelte ihre erste Nachricht am selben Tag noch griffiger: „Israel richtet Blutbad in Gaza an.“

Kein Wort darüber, das es sich bei den 24 Palästinensern um Bewaffnete handelte, die Feuergefechte mit israelischen Soldaten begannen und in Folge dieser Schusswechsel ums Leben kamen. Auch kein Wort über die Gründe des Einmarsches: das Auffinden von bewaffneten Terroristen sowie von Sprengstoff- und Raketenwerkstätten. Auch kein Wort darüber, dass die Aktionen von der israelischen Armee im Voraus angekündigt werden, um Zivilisten die Möglichkeit zu geben sich in Sicherheit zu bringen.

Auch die folgende Schlagzeile impliziert einen berechnenden Tötungswillen israelischer Soldaten: „Israelische Granaten töten Kinder“ aus der Frankfurter Rundschau vom Januar 2002.

Eine ähnliche Wortwahl gab es nach den Anschlägen in Jerusalem, bei denen Dutzende Jugendlicher ums Leben kamen nicht.

Ankündigung vor Beschuss

Was ebenfalls immer wieder verschwiegen wird: der Beschuss von Gebäuden der palästinensischen Sicherheitskräften und der Autonomiebehörde durch die israelische Luftwaffe wird ebenfalls im voraus von der Armee angekündigt. Dies wird aus dem humanistischen Gedanken heraus getan, so viele Menschenleben wie möglich zu schonen. Dass es trotzdem regelmäßig zu Toten und Verletzten kommt liegt auch daran, dass es – sei es aus Berechnung oder Unfähigkeit – nicht zur vollständigen Evakuation der Gebäude durch die palästinensischen Behörden kommt.

Die israelische Armee ist außerdem angehalten, nicht als Erster zu schiessen, außer in Notwehr. Tut das ein Soldat doch, sei es aus Angst oder falscher Einschätzung der Situation, werden diese Fälle untersucht und es kann schwerwiegende Folgen für diesen Soldaten haben, bis hin zu Suspendierung oder Gefängnis.

Auch werden meistens Gummigeschosse eingesetzt, um auch so die Zahl der tödlichen Verletzungen so gering, wie möglich zu halten.

Diese Tatsachen sind den Palästinenser bekannt und werden von ihnen bewußt ausgenutzt. so z.B. durch das Positionieren von Molotowcocktails und Steine werfenden Kindern vor schiessenden Erwachsenen. Sie wissen genau, daß Israel sich dann sehr zurückhalten wird. Wenn aber dann Kinder getroffen werden, gibt es eine große internationale Entrüstung.

Der Wert des Lebens im Nahen Osten

Ebenso ist meist nicht bekannt, daß für Austausche von Gefangenen auf beiden Seiten höchst unterschiedliche Maßstäbe gelten. Israel bietet für israelische Soldaten in arabischen (z.B. libanesischen oder syrischen) Gefängnissen immer ein vielfaches (oft um den Faktor 10) seiner arabischen Gefangenen zum Tausch an. So z.B. war im Dezember letzten Jahres versucht worden, Libanon zu einem Gefangenenaustausch von drei israelischen Soldaten für 19 libanesische Gefangene zu überreden. Die Israelis waren bei einem Patroillengang auf der israelischen Seite der Grenze von der Hizbollah gekidnappt worden. Die Hizbollah zog es vor, die drei zu töten, anstatt 19 ihrer eigenen Leute frei zu bekommen. Normalerweise sind diese Zahlenverhältnisse noch extremer. Das gibt auch Aufschluß über den Wert des Lebens in der israelischen und in arabischen Gesellschaften.

Aus Terroristen werden Militante

Doch die deutsche Presse ist in ihrem vorgelegten Freund-Feind-Schema nicht alleine. Die britische Nachrichtenagentur BBC ist dafür bekannt, im Bezug auf den internationalen Terrorismus mit zweierlei Maß zu messen.

Als vor einigen Jahren am selben Tag Terroranschläge durch die IRA in London und durch die Hamas in Israel verübt wurden, sprach die BBC von einem „Anschlag irischer Terroristen in London,“ und einem „Anschlag militanter Palästinenser in Israel“. Diese Terminologie hält sich bis heute hartnäckig in der Nahost-Berichterstattung der BBC.

Ein Blick zu den französischen Medien bietet nichts besseres. Die staatliche französische Nachrichtenagentur AFP, welche die meisten französischen und europäischen Medien mit Informationen versorgt, berichtet auch heute noch in aller Ausführlichkeit von den palästinensischen Opfern israelischer Militäroperationen in den besetzten Gebieten. In französischen Fernsehsendern folgen Minutenlange Beiträge, in denen die Arbeit palästinensischer Sanitäter bis ins Detail gezeigt wird. Verletzte Palästinenser werden dabei von Kamerateams bis ins Krankenhaus begleitet. Ein auch nur annähernd gleicher Umgang mit den israelischen Opfern terroristischer Anschläge blieb bisher aus. Israelische Sanitäter huschen oft nur in kurzen Filmsequenzen über die Fernsehbildschirme.

Mangelnde Ausgewogenheit

Doch woran scheitert eine ausgewogene Nahost-Berichterstattung in den westeuropäischen Medien?

Alle großen Medienagenturen und Fernsehstationen unterhalten Korrespondenten in Israel, die frei und ungehindert berichten können. Die Beiträge dieser Mitarbeiter sind oft ausgewogen, und vermeiden eine unnötige Emotionalisierung ihrer Berichte. Dies entspricht den internationalen Richtlinien für eine objektive Berichterstattung. Diesen Korrespondenten ist allerdings die Arbeit in den palästinensisch kontrollierten Gebieten von den PA-Behörden nicht gestattet.

Journalisten und Kamerateams können in den Gebieten der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) nicht ohne „palästinensischen Begleiter“ arbeiten. Auch in der Übermittlung ihrer Berichte unterliegen sie einer indirekten palästinensischen Zensur. So beschwerten sich AP und AFP mehrfach bei den PA-Behörden über Manipulationen und Bedrohungen ihrer Mitarbeiter durch Mitglieder der palästinensischen Sicherheitskräfte. Dies führte dazu, dass heute die meisten Berichte für die europäischen Medien von lokalen palästinensischen Journalisten und Kamerateams zusammengestellt werden. Das diese Berichte nicht objektiv und ausgewogen sein können, versteht sich von selbst.

In Anbetracht dieser Tatsachen kann es einen nicht verwundern, wenn der Informationsgrad vieler EU-Bürger im Bezug auf den Nahost-Konflikt Unvollständig ist. Laut Medienexperten hat die Palästinensische Autonomiebehörde in der Propagandaschlacht mit Israel einen haushohen Sieg davongetragen. Ein Sieg, der nicht nur Israel sondern auch die europäische Medien als Verlierer dastehen lässt, da sie ihrer Aufgabe nicht nachgekommen sind: der objektiven Berichterstattung über einen Konflikt, in dem beide Seiten ihren Schuldanteil tragen.

Von Zvezdan Kuhar und Oliver Kraigher

Unser Mann in Israel

Esther Schapira und Georg M. Hafner, 27. März 2003

„Journalisten, die in Israel arbeiten, müssen sich mit ihrer Unterschrift verpflichten, nichts zu berichten, was gegen die Interessen und die Sicherheit des Staates Israel verstößt. Jeder Journalist muss das tun. Und jeder tut es.“

Das verbreitet eine namhafte Dozentin der Universität Dortmund seit Jahren mit großem Eifer im Internet und bei jeder sich sonst bietenden Gelegenheit, in Vorträgen, in Artikeln, in persönlichen Briefen. Sie beruft sich auf zahllose Gespräche mit Journalisten zu diesem Thema in Israel, in Deutschland und anderswo.

Mit mir hat Frau Dr. Waltz nicht gesprochen. Ich hätte Ihr nämlich gesagt, dass ich nie eine solche Unterlassungserklärung gesehen habe oder gar eine solche unterschreiben musste.

Es gibt nämlich eine solche Erklärung nicht. Schon deshalb nicht, weil es ein aberwitziges Unterfangen wäre, allen Journalisten einen solchen Maulkorb zu verpassen, denn nirgendwo auf der Welt gibt es eine höhere Journalistendichte als in Israel. Hier arbeiten mehr Kollegen und Kolleginnen als auf dem gesamten afrikanischen Kontinent!

Aber selbst wenn es einen solchen Maulkorb gäbe, so zeigt doch schon der tägliche Blick in Ihre Zeitung, wie wirkungslos er ist. Denn beim Thema Israel kennen deutsche Journalisten entgegen anders lautender Selbst-Bekenntnisse offenkundig keine Beißhemmung.

Israel hat nämlich so ziemlich die schlechteste Presse überhaupt. Nach einer Untersuchung des Institutes für Medienanalysen in Bonn sieht der Befund so aus:

61% der internationalen Konfliktberichterstattung im Fernsehen widmet sich dem Nahostkonflikt. 81% davon beschäftigt sich mit Israel. Nur 5% davon wiederum waren für Israel schmeichelhaft und positiv. (45% negativ, 49% neutral. Quelle: MEDIEN TENOR Institut für Medienanalysen mit Sitz in Bonn Die Welt, Frankfurter Allgemeine, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung, taz, Bild-Zeitung, Focus, Spiegel, Stern, Die Zeit, Bild am Sonntag, FAZ am Sonntag, Welt am Sonntag, ARD Tagesschau, ARD Tagesthemen, ZDF heute, ZDF heute journal, RTL aktuell, SAT.10, Pro Sieben Nachrichten.)

Israel ist fast durchgängig der eigentliche Aggressor oder, Um den großen deutschen Philosophen Peter Sloterdijk zu zitieren, Israel ist der eigentliche „Schurkenstaat“, zusammen mit den USA versteht sich. (Interview mit dem österreichischen Magazin „profil“) Nun könnte es mir egal sein, welchen Unsinn eine einzelne, deutsche Wissenschaftlerin wo und wie verbreitet und was Herr Sloterdijk, den ehrlich gesagt auch sonst nicht besonders gut verstehe, von Israel hält.

Das fatale ist nur, es sind keine Einzelstimmen, ihre Ansichten sind mehrheitsfähig in diesem Land:

Endlich sind die Juden nicht länger nur Opfer, sondern sie sind endlich auch Täter. Das ist eine wunderbare Entlastung der eigenen, historischen Schuld und Verantwortung und deshalb höchst willkommen im Land der Täter. (Scharon – Belgien – Sabra & Shatila) Und deshalb fühlt sich auch ein Norbert Blüm bemüßigt von einem „Vernichtungskrieg“ zu sprechen, den Israel führe gegen ein unterdrücktes Volk, ein Volk ohne Heimat: die Palästinenser. Das passt alles gut zusammen.

Israel hat also keine gute PR. Gleichzeitig wird aber jeder, der versucht, ein differenzierteres Bild Israels zu zeichnen, der Parteilichkeit geziehen. Das Leid des palästinensischen Volkes werde verschwiegen. Überhaupt die Weltpresse, sie sehe tatenlos zu und berichte, weil jüdisch unterwandert und gesteuert, einseitig.

Das genau war auch der Tenor nach der Ausstrahlung des Dokumentarfilms meiner Kollegin Esther Schapira:

„Die deutsche Israelin Esther Schapira leistet ganze Arbeit und setzt alle Ihre Fähigkeiten zur Verteidigung von Staatsverbrechen und Staatsverbrechern ein und outet sich damit als zionistische Propagandamitarbeiterin. (…) Haben die Zionisten schon alles in der Hand und können die deutschen Medien sich aus diesem Würgegriff nicht mehr befreien?“

Das fragte das „Muslim-Markt-Team“, eine sinistre islamistische Plattform im Internet, schon vor der Ausstrahlung des Filmes. Verantwortlich für diese Website ist ein Dozent der Uni Bremen, ein Türke mit deutschem Pass und angeblich auch ein Vertreter der Hisbollah in Deutschland. Und er ermuntert den geneigten Leser, das zu tun, was ein aufrechter Muslim zu tun habe, nämlich der Autorin entsprechend einzuheizen. Esther Schapira musste die ersten Veranstaltungen nach ihrem Film unter Polizeischutz machen, der Staatsschutz nahm die Drohung ernst.

Aber auch der ganz normale Zuschauer und die ganz normale Zuschauerrinnen wollten nicht hintan stehen:

Frau P. aus Hamburg möchte wissen, ob Frau Schapiras „journalistischer Eifer vielleicht durch einen israelischen Scheck angefacht worden sein mag“. Herr V. aus Ulm empört sich darüber, dass „die ARD sich zum Knecht israelischer Propaganda“ macht und „der HR … eine Esther Shapiro … beauftragt …, also eine Jüdin, Zweifel zu säen“.

Der Film sei „das übelste Machwerk an primitiver Propaganda, das seit den Zeiten eines Goebbels auf die Menschheit losgelassen wurde“. Herr T. schließlich empört sich per Mail „über die Propagandasendung“ und will wissen, wie „im Moment des Holocaust der Palästinenser eine Sendung wie diese ausgestrahlt werden kann“.

Vier von Hunderten von Briefen, Anrufen, Mails und Artikeln, die uns nach der Ausstrahlung des Filmes erreicht haben. Nicht anonym, wie meine Zitate es nahe legen könnten, sondern mit Anschrift und mit der Bitte um Rückantwort verbunden.

Sie sehen also, die Dozentin aus Dortmund ist nicht alleine mit ihrem schweren Verdacht gegen den deutschen Journalismus, jedenfalls solange er sich mit dem Nahostkonflikt beschäftigt. Eine vergleichbare Empörung, wenn es um die Berichterstattung über wirkliche Schlachtfelder dieser Erde geht – Kaschmir, Tschetschenien, Ruanda, Kongo – ist nicht zu vermelden. Selbst wohlwollende Zuschauer haben Esther Schapira gefragt, ob sie als Jüdin nicht doch ein bisschen befangen sei. Abgesehen davon, dass es keine Rolle spielt, ob Esther Schapira eine Jüdin ist, kann ich mich nicht erinnern, je nach meiner Religionszugehörigkeit befragt worden zu sein, nicht einmal da, wo ich als Protestant heftig über die deutschen Bischöfe in der bigotten Frage der Abtreibung hergefallen bin. Niemand kommt auch auf die Idee, Autoren und Autorinnen, die sich mit der Rolle der Waffen-SS auseinandersetzen, Befangenheit zu unterstellen, weil sie entweder der Tätergeneration angehören oder Kinder von Tätern sind. Aber wie lässt sich nun diese besondere Beschäftigung und Empörung bei der Berichterstattung aus Nahost erklären? Grundsätzlich gilt, dass viele Zuschauer auf der Suche nach der Bestätigung für vorgefasste Meinungen sind. Im Übrigen das Rezept aller politischen Meinungsmagazine. Die einen klatschen, die anderen ärgern sich zu Tode. Jeder bedient seine Klientel. Journalisten als Bildbeschaffer für die Bilder im Kopf. Selten jedoch tritt dieser Mechanismus so offen zutage wie im Nahostkonflikt. Und: selten sind Journalisten so willig dabei, diese Rolle zu spielen, weil sie vielfach übereinstimmt mit der eigenen Haltung.

Ich will das an einem dramatischen und zugleich symptomatischen Beispiel erläutern. Am 2. April 2002 rückt die israelische Armee in der Stadt Djenin ein. Sie tut es erklärtermaßen deshalb, weil wenige Tage zuvor bei drei Selbstmordanschlägen in Israel fast 50 Menschen getötet und 200 zum Teil schwer verletzt worden waren und weil die terroristischen Mörder aus dem Flüchtlingslager Djenin kamen. Drei Tage später sprechen die palästinensischen Behörden von einem „Massaker“, das die israelische Armee in Djenin angerichtet habe.

Die Angaben über die Zahl der Opfer erhöhen sich von Tag zu Tag. DPA, AFP und Reuters melden bis zu 200 Tote, der palästinensische Informationsminister meldet 900 Opfer. Und so steht es auch in den Zeitungen und auch in den anderen Medien wird von einem „Massaker“ berichtet, obwohl die Quellenlage völlig unzulänglich ist, denn Journalisten selbst waren keine vor Ort. Es war eine Berichterstattung vom Hörensagen. „Amnesty International“ fordert eine sofortige Untersuchung des Todes von „Hunderten von Palästinensern“, spricht von einem „Kriegsverbrechen“. Die UN-Menschenrechtskommission in Genf verurteilt das „Massaker“ aufs schärfste.

Auch Frau Dr. Waltz schaltet sich wieder ein: „Die Israelis sind dazu übergegangen, Leichen in die Abfallgruben zu schleppen, aber über 800 Leichen – das ist inzwischen amtlich festgestellt …. – sind in Lkws abtransportiert worden nach Norden und dort in einem anonymen Friedhof in Massen vergraben worden. In Djenin werden … weitere Massengräber entdeckt“.

Bremens Bürgermeister, Henning Scherf, überlegt, eine Fotoausstellung in der Hansestadt zu dem „Massaker“ von Djenin zu machen. Djenin wird zu einem Synonym für „Massaker“. Auch die UN-Flüchtlingsorganisation UNWR meldet sich mehrfach zu Wort und spricht von einem „Schlachtfeld unter Zivilisten“, es sei der „reinste Horror“.

Diese Bewertung der Lage in Djenin lässt besonders aufhorchen und sie lohnt eine besondere Betrachtung.

Das UNWR betreut als UN-Flüchtlingswerk weltweit zahllose Flüchtlingslager und ist in dieser Funktion auch für Djenin verantwortlich. Deshalb hätte niemand die Wahrheit besser wissen müssen und können, als das UNWR. Und die Wahrheit heißt:

Djenin war ein Feldlager des „Islamistischen Djihad“, die Hauptstadt der Selbstmordattentäter sozusagen. „Wir hatten 1000 bis 2000 Bomben“, erklärt ein stolzer palästinensischer Kämpfer dem Fernsehsender CNN in die Kamera. Und alles unter den Augen des UNO-Flüchtlingswerkes? ? Jedes 10. Haus in Djenin war vermint. Und alles unter den Augen des UNO-Flüchtlingswerkes?

Britische und norwegische Rettungsteams mussten unverrichteter Dinge aus Djenin abziehen, weil Verschüttete in Sprengstofffallen gefangen waren.

Und alles unter den Augen des UNO-Flüchtlingswerkes?

„Glauben Sie mir, in den Häusern stehen Kinder bereit, mit Sprenggürteln“, berichtet ein anderer Kämpfer. „Heute kam eines der Kinder mit seiner Schultasche zu mir. Ich fragte ihn, was er wolle, und er antwortete: Statt Bücher möchte ich Sprengstoff, um anzugreifen“. Und alles unter den Augen des UNO-Flüchtlingswerkes?

Statt sich also mit der eher problematischen Zuschauer-Rolle, oder gar der Mittäterschaft des Flüchtlingswerkes zu beschäftigen, was ja eigentlich unsere vornehme Aufgabe hätte sein müssen, haben die Kollegen ungeprüft Meldungen der palästinensischen Behörden verbreitet. Kein besonders guter Journalismus.

Nun könnte man entschuldigend einwenden: die Journalisten wussten es nicht besser, sie durften schließlich nicht an den Ort des vorgeblichen Massakers. Und wenn man vom Rathaus kommt, soll man ja angeblich alles besser wissen. Nur: alles eben Erwähnte wäre ohne Mühe im Internet zu finden gewesen. „Memri.org” (The Middle East Media Research Institute) bietet jedem, der es sucht, die Mitschrift vieler Berichte aus den arabischen Medien. Die oben zitierten Interviews gehören dazu.

„Memri.org“, ein Klick, und man hätte es besser wissen können, was Djenin wirklich ist. Wenn man es denn gewollt hätte.

Nachdem sich der Rauch über Djenin verzogen hatte, die Journalisten sich dem nächsten Schlachtfeld zugewandt hatten, kommt ein Expertenteam der Vereinten Nationen nach gründlicher Untersuchung zu dem Ergebnis: von Massaker keine Spur. Es gab 52 palästinensische Opfer, und keine 900, davon waren 22 Zivilisten.

Um nicht missverstanden zu werden, es waren 52 Opfer zu viel, eigentlich 75 zu viel, denn es sind auch 23 israelischen Soldaten ums Leben gekommen. Aber die fanden dann ohnehin nirgendwo mehr eine nennenswerte Erwähnung.

„Hätten Sie den Film auch gemacht, wenn am Ende herausgekommen wäre, dass tatsächlich israelische Soldaten Mohammed al Dura erschossen haben“, wurde Esther Schapira oft gefragt.

Diese Frage ist legitim. Aber sie ist auch verräterisch, denn sie unterstellt gleichzeitig eine Tendenz, einen Vorsatz, die Produktion sei nur deshalb zustande gekommen, um dem israelischen Militär aus der Patsche zu helfen. Erstaunlich ist nur, dass niemand so sehr gegen diesen Film war, wie das israelische Militär. „Words cannot balance pictures“, Worte könne nicht ausgleichen, was Bilder anrichten, hatte der Militärsprecher als Einwand gegen unser Vorhaben entgegnet. Während die palästinensischen Behörden jedwede Hilfestellung anboten, bockte das israelische Militär und als dieses dann zuletzt doch zustimmte, weil wir ihnen klargemacht hatten, dass der Film so oder so gemacht werde, gab es plötzlich ein Veto aus dem Außenministerium.

In Israel wollte niemand diesen Film, aber niemand war auch in der Lage, diesen Film zu verhindern. Israel ist ein freies Land, Journalisten bewegen sich ohne Kontrolle, keine Aufpasser, kein Zensor, die Bewegungsfreiheit ist uneingeschränkt, auch wenn Frau Dr. Waltz genau das Gegenteil behauptet.

Ungemütlich wird es erst in den besetzten Gebieten. Wehe dem, der dreht und das nicht darf. Ein Beispiel: Zwölf Tage nach Mohammeds Tod, am 12. Oktober 2000, entstanden im Westjordanland ebenfalls Bilder, die um die Welt gingen. Sie zeigen, wie eine aufgebrachte Menschenmenge vor dem Polizeigebäude in Ramallah begeistert jubelt, als ein regloser Körper aus dem Fenster im ersten Stock geworfen wird. Dann erscheint ein Mann, der der Menge mit blutigen Händen winkt. Es gibt auch Bilder, wie ein zweiter Mann vor dem Gebäude von Menschen zu Tode geschleift wird. Die Opfer: Zwei Israelis, die sich verfahren hatten und mit ihrem israelischen Kennzeichen versehentlich in Ramallah im Westjordanland gelandet waren.

Palästinensische Polizei hatte sie daraufhin festgenommen und zur Polizeistation gebracht. Dort wurden sie dann gelyncht, eine gnädig abstrakte Bezeichnung für die Art, wie sie zu Tode gequält, durch die Straßen geschleift, bei lebendigem Leib angezündet wurden. Yosi war 38 Jahre alt. Er hinterlässt kleine Kinder. Vadim war 33 Jahre alt. Er hatte vier Tage zuvor geheiratet. Über sein Handy wird seine Frau gezwungen mit anzuhören, wie ihr Mann gelyncht wird. Yosi und Vadim sind aus dem Gedächtnis der Medienwelt längst entschwunden. Ihr Schicksal wäre auch damals weitgehend unbeachtet, wenn es nicht diese Fernsehbilder gegeben hätte.

Die Geschichte von der Verbreitung dieser Bilder erzählt ein eigenes, weitgehend unbekanntes Kapitel der journalistischen Wahrheitsfindung im Nahostkonflikt. Gedreht wurden sie von einem Kamerateam von RTI, einer kleinen privaten italienischen Fernsehstation.

Dieses Team war aber keineswegs das einzige vor Ort. Wie in Netzarim drängten sich auch vor der Polizeistation in Ramallah an diesem Tag die Fotografen und Kamerateams: darunter ein britischer Fotograf, ein polnisches TV-Team, Producer für ABC Network und ein Team des ZDF. Das polnische Team wurde umzingelt und von palästinensischer Polizei geschlagen. Das ZDF Team wurde ebenfalls attackiert, der Reporter „Jude“ beschimpft und an die Wand gestellt. Erst als er seinen deutschen Ausweis zeigt, lassen die Palästinenser von ihm ab. (Merseburger) Allen Kameraleuten und Fotografen wurde das Material beschlagnahmt. Kameras wurden zerschlagen. Kaum jemand der Kollegen hat darüber berichtet.

Warum nicht?

Die Antwort liegt vielleicht in der Reaktion, mit der die italienische Journalistin konfrontiert war, der es als einziger gelang, ihre dramatischen Bilder heraus zu bringen und zu senden. Sie erhielt Morddrohungen, musste die Region verlassen und steht bis heute in Italien unter Polizeischutz. Damit ist die Geschichte aber noch nicht ganz erzählt. Die RAI, die große staatliche Fernsehanstalt Italiens, sah sich nämlich plötzlich in einen Topf geworfen mit dem völlig unbedeutenden Privatsender RTI. Das machte die Arbeit in den besetzten Gebieten ungemütlich, weshalb Ricardo Christiano, der Korrespondent der RAI zur Feder griff und sich bei den palästinensischen Behörden entschuldigte für etwas was er nicht getan hatte, aber hätte tun sollen, nämlich über den Lynchmord von Ramallah zu berichten. Diese Ergebenheitsadresse wäre nie bekannt geworden, hätte sie nicht die palästinensischen Zeitung Al Hayat veröffentlich: Seine „geschätzten Freunde in Palästina“, lässt der Kollege wissen, wie sehr er den Vorfall bedauere, und dass die RAI nicht das Geringste damit zu tun habe, „denn“, so wörtlich, „die Regeln der palästinensischen Autonomiebehörde für journalistische Arbeit in Palästina werden von uns immer respektiert (und wir werden auch fortfahren, sie zu respektieren) und wir sind glaubwürdig in unserer präzisen Arbeit. Wir danken Euch für Euer Vertrauen und Ihr könnt sicher sein, dass dieses Handeln nicht unserem Stil entspricht. Wir würden und werden so etwas niemals tun. Bitte akzeptiert Sie meine Segenswünsche.“

Ein Kniefall, ein ungeheuerlicher Kotau vor den palästinensischen Machthabern, den die RAI offenbar seinem Korrespondenten abverlangt hat. Christiano verlor daraufhin seine Akkreditierung in Israel, wurde schließlich von der RAI abberufen und ist jetzt zuständig für Vatikanberichterstattung beim Hörfunk.

Esther Schapira hätte gern von ihm selbst erfahren, wie die „Regeln“ der palästinensischen Autonomiebehörde für journalistische Arbeit aussehen und wozu genau er sie „beglückwünscht“ hatte. Er hätte auch gern geantwortet, durfte aber nicht. Ohne Genehmigung seines Arbeitgebers RAI drohe ihm die Kündigung, wenn er über die Ereignisse von Ramallah spreche. Die RAI untersagt ihm jede Äußerung. Doch auch ohne seine Erklärung lässt sich vermuten, wie es zu diesem Brief kam. Ricardo Christiano hatte Morddrohungen erhalten, wegen der vermeintlich von ihm „verschuldeten“ Veröffentlichung der Bilder vom Lynchmord aus Ramallah. Diese Drohungen sind kein Einzelfall.

Im November 2000 veröffentlicht Al Hayat einen Brief der Palästinensischen Journalisten Vereinigung, in dem die Nachrichtenagentur AP für ihre Darstellung des „Kampfes der Palästinenser“ verurteilt wird. Falls AP die Berichterstattung nicht ändere, heißt es dort, würden „alle notwendigen Maßnahmen gegen AP-Mitarbeiter“ angewendet.

Der Korrespondent des amerikanischen Magazins „Newsweek“, Joshua Hammer und sein Fotograf Gary Knight wurden am 29. Mai 2001 unmittelbar nach einem Interview im Gazastreifen von ihren Interviewpartnern, Mitgliedern der Fatah, verschleppt und erst nach heftigen Protesten vier Stunden später wieder freigelassen. Für ausländische Journalisten ist dies eher die Ausnahme, für einheimische dagegen gängige Praxis: „Kritiker der Palästinensischen Autonomiebehörde werden zuweilen von einem Angehörigen der Sicherheitskräfte zu einem Kaffee eingeladen, um erst Tage, Wochen oder sogar Monate später wieder freigelassen zu werden“, schreibt nicht etwa die Pressestelle der israelischen Regierung, sondern Amnesty International. „Seit ihrer Gründung 1994“, heißt es im Jahresbericht 2000, „hat die Palästinensische Autonomiebehörde die Freiheit der Presse zunehmend eingeschränkt durch eine Vielzahl von Maßnahmen, darunter Verhaftungen, Verschleppung durch Sicherheitskräfte. (…) Viele der Verhafteten konnten keinen Kontakt zur Außenwelt aufnehmen und einige waren Folter ausgesetzt.“

Nicht erwähnt werden etwa die Todesurteile in den palästinensischen Gebieten, die ohne jedes ordentliche Gerichtsverfahren vollstreckt werden oder die gängige Lynchjustiz für vermeintliche Kollaborateure.

Vor diesem Hintergrund ist es hochgradig problematisch, dass die Kontrolle über die Berichterstattung und vor allem die Hoheit über die Bilder inzwischen fast ausschließlich bei Palästinensern liegt. Weit über 90% der Kameraleute, die in Gaza und der Westbank arbeiten, sind Palästinenser. Sie arbeiten im Auftrag westlicher Fernsehstationen und Agenturen. Ihre Auftraggeber sind überwiegend westliche Fernsehstationen und Agenturen, aber sie drehen die Bilder. Sie entscheiden, auf welches Ereignis sie ihre Kamera richten. Sie wählen das Material aus, das sie in die Studios nach Jerusalem und Tel Aviv überspielen. Und sie teilen Korrespondenten telefonisch mit, was sie gesehen habe. Daraus entsteht der Reporterbericht. So war es im Fall Mohammed Al-Dura. So ist es die Regel.

Aus einer Reihe von nachvollziehbaren Gründen und Sachzwängen sind westliche Journalisten und Kameraleute nur in Ausnahmefällen selbst vor Ort.

Erstens: Es ist zu gefährlich.

Kriegsreporter sind selten an der Front. Das war im Golfkrieg so. Das war im Kosovo so. Das war in Afghanistan so. Das wird im kommenden Golfkrieg auch so sein. Offiziell herrscht in Israel kein Krieg, aber es wird scharf geschossen. Und: Es gibt keinen klaren, vorhersehbaren Feind. Das macht die Sache noch gefährlicher. Wer noch dazu die Sprache nicht beherrscht, und die meisten westlichen Journalisten sprechen weder hebräisch noch arabisch, bleibt sicherheitshalber besser im klimatisierten Studio und lässt sich die Bilder von der Front überspielen. Panzerweste hin oder her, die zieht man dann allenfalls an, wenn man seinen Aufsager macht und so tut, als sei man mittendrin.

Und weil „unser Mann in Israel“ nicht an der Front ist, kommt er auch in keinen journalistischen Gewissenkonflikt. Er kommt erst gar nicht in die Verlegenheit, Bilder zu sehen, deren Verbreitung gefährliche Konsequenzen für ihn haben könnte, weil sie vielleicht nicht den „Regeln der Berichterstattung“ palästinensischer Lesart entsprechen. Regeln, die jeder offiziell dementiert und die doch jeder kennt. Regeln eben, auf die sich Ricardo Christiano in seinem Brief explizit bezogen hat.

Regeln übrigens, gegen die die Kollegen dringend öffentlich protestieren und die sie zum Gegenstand ihrer Berichterstattung machen müssten. Doch damit geriete das System selbst ins Wanken, denn welcher Journalist mag schon zugeben, dass er selbst vom Ort des Geschehens fast ebenso weit entfernt ist, wie der Zuschauer zuhause? Wer mag öffentlich eingestehen, dass er Angst hat? Wer räumt ein, dass er nicht selbst recherchiert hat und nur gefilterte Informationen verarbeitet?

Zweitens: Die Aktualität.

Der Zwang zur Aktualität lässt keine Zeit für eine journalistische Recherche vor Ort. Längst hat der im Medienwettbewerb gewonnen, der die Information am schnellsten liefert, am besten, wenn es denn ginge, zeitgleich zum Geschehen. Das geht zwingend auf Kosten der Wahrheit und Gründlichkeit. Wenn an nachrichtenstarken Tagen allein sieben Regelsendungen und dann noch zusätzliche Sondersendungen mit Beiträgen beliefert werden müssen, dann hat ein Reporter vor Ort keine Chance, er sitzt am Schneidetisch, er muss dort sitzen und ein Stück nach dem anderen liefern.

TS um 15:00, 17:00, 20:00 TT, Nachtjournal, Brennpunkt, Morgenmagazin, Mittagsmagazin

Da kann ein Korrespondent nicht selbst recherchieren. Da kann er sich nur darauf beschränken, die angelieferten Bilder und Informationen zu bearbeiten, möglichst schnell und jedes Hinterfragen bringt ihn aus dem Rennen. (Man stelle sich vor: Mohammed Al-Dura: Moment mal, wir müssen erst noch mal gucken, was wirklich mit dem Bildmaterial los ist) Das Unredliche dabei ist: es sagt keiner. Redlicherweise müsste man wenigstens die Quelle nennen. Tut der Reporter in der Regel aber auch nicht. Das Material erscheint dem Zuschauer als selbst gedrehtes Material, authentisch eben, dabei stammt es entweder direkt von der Israelischen Armee oder eben von palästinensischen Kameraleuten vor Ort. Beides ist journalistisch problematisch. Beides wird in der Regel unterschlagen.

Das Ergebnis sind die immergleichen Bilder, die uns aus Nahost erreichen. Es sind die Bilder, die unsere Zuschauer erwarten, weil wir sie ihnen liefern. Und wir liefern sie, weil sie erwartet werden. Ein Kreislauf, bei dem vor allem eines auf der Strecke bleibt: die Wahrheit. Die nämlich ist deutlich komplizierter als die Welt der Schlagzeilen und Aufmacher sie suggeriert.

Und die so gefärbte Berichterstattung schadet beiden Kriegsparteien, weil sie den Graben vertieft. Israel fühlt sich durch die tendenziöse Berichterstattung verunglimpft, igelt sich ein und wird immer unzugänglicher auch für berechtigte Kritik.

Doch auch die Sieger im Medienkrieg, die Palästinenser, verlieren.

Je weniger differenziert berichtet wird, je selbstverständlicher Zensur ausgeübt werden kann, umso schwerer haben es jene, die sich für demokratische Verhältnisse, für eine Verhandlungslösung und damit für eine Zukunft ihres Volkes in Freiheit und friedlicher Nachbarschaft mit Israel einsetzen. Niemand darf aussuchen, was wir sehen dürfen, wir wollen und müssen alles sehen. Das ist der Grundsatz für Pressefreiheit. Das Schlusswort soll nicht Frau Walz haben, mit der ich angefangen habe und die übrigens als Dozentin auch dem palästinensischen Wohnungsbauministers zu Diensten war, sondern: der israelische Schriftsteller Amoz Oz. Der hat kürzlich in einem Interview gesagt: „Vor fünfzig Jahren war ganz Europa mit Graffiti überzogen, in denen es in allen Sprachen hieß: Juden, geht nach Palästina. Heute steht überall: Juden, raus aus Palästina. Dasselbe Europa.“

Er hat kein Fragezeichen dahinter gemacht, aber auch kein Ausrufezeichen. Er hat es offen gelassen. Ich habe leider zunehmend das Gefühl, „Juden raus aus Palästina“ und wir hätten keine Scherereien mehr mit Bin Laden und anderen islamistischen Terroristen, sondern wieder unsere Ruhe, das eint Europa wieder, nicht nur in Deutschland, auch in Frankreich und besonders in Großbritannien. Ich danke Ihnen.

© Esther Schapira und Georg M. Hafner

Schreiben an Außenminister Fischer

Am 28.1.2002 ging in Laeken die EU-Außenministerkonferenz zu Ende. Bei dieser Konferenz beschlossen die EU-Außenminister einen Aufruf an die Parteien des Nahost-Konflikts, die beiderseitige Gewalt zu beenden und den Friedensprozess wieder aufzunehmen.
Allerdings gab es auch Erwägungen der EU, Israel mit Schadensersatzforderungen zu konfrontieren, weil die israelische Armee Gebäude und Einrichtungen der Palästinensischen Autonomiebehörde zerstörte, die mit EU-Geldern finanziert wurden.
Als ich das hörte, schrieb ich folgenden E-mail an Außenminister Fischer (über ein Formular auf der Homepage des Auswärtigen Amtes):

Sehr geehrter Herr Außenminister,

heute habe ich die Berichterstattung zur EU-Entscheidung in den Medien intensiv verfolgt, die besagt, dass die EU Israel mit Schadensersatz-Klagen droht.
Sie waren mehrfach in Israel; während Ihrer Aufenthalte fanden dort Terror-Anschläge statt. Sie haben das miterlebt.
Aber trotzdem tragen Sie diese Entscheidung mit.

Ich finde es empörend, dass Israel auf diese Art kritisiert und der einzigen funktionierenden Demokratie des Nahen Ostens so gedroht wird.
Arafat hat EU-Gelder verschleudert, in dunklen Kanälen versickern lassen; seine Verwaltung ist von Korruption so durchsetzt, dass bei „seinem“ Volk kaum etwas ankommt. Statt in die Entwicklung einer funktionierenden Infrastruktur zu investieren, kauft er illegale Waffen und bezahlt seine Terroristen. EU-Gelder für neu entwickelte Schulbücher sind in Hetzwerke investiert worden, die unsere braune Vergangenheit fast schon harmlos erscheinen lassen könnten.
Arafat und seine Zuarbeiter bzw. Stadthalter haben so oft in der arabischen Presse ihre wahren Ziele offenbart, dass ich nicht begreife, wie ihnen immer noch Friedensabsichten und ein friedliches Leben neben oder mit Israel unterstellt werden können.

Und trotzdem bekommt dieser Erz-Terrorist und Kriegstreiber von der EU lediglich den erhobenen Zeigefinger gezeigt, während Israel mit Sanktionen und Klagen gedroht wird!
Das ist mehr als einseitig, das ist eine nicht zu entschuldigende Entgleisung!

Wenn Israel – statt Menschen in gleichem Maße umzubringen zu versuchen, wie es die Palästinenser in Israel tun – Symbole vernichtet, die Arafat in seinem Stolz treffen, dann sind das Akte, die gelobt werden müssten, weil sie die Menschen schonen. Stattdessen beklagt die EU finanzielle Verluste. Ich finde das pervers!
Wenn die Israelis vereinzelt Menschen töten, die praktisch ungehindert ihren Terror-Plänen und -Aktionen nachgehen können, die sie aber nicht festnehmen können, weil Arafat ihnen den Zugriff verweigert, sie selbst nicht festnehmen und wo ein Zugriff auch sonst nicht möglich ist, schreit die EU auf; wenn Arafats Leute ein Blutbad anrichten, kommen lahme Verurteilungen.

Diese Ungleich-Behandlung ist einer Demokratie unwürdig!

Ich fordere Sie auf, diese Einseitigkeit aufzugeben und in der EU dafür zu sorgen, dass objektivere Haltungen angenommen werden.

Lassen Sie es nicht so weit kommen, dass die Palästinenser ihr wahres Ziel – die Vernichtung Israels – erreichen können!

Hochachtungsvoll

Am 31.1.2002 bekam ich eine Antwort des Auswärtigen Amtes. Darin wurden mir zwei Dokumente übersandt:
1. Die Erklärung von Laeken auf Deutsch (kein Wort über den Teil, der die Schadensersatzforderungen verlangt);
2. Die Erklärung von Laeken auf Englisch (da steht’s dann drin).

Ehrlich gesagt:
Ich finde es ziemlich arm, dass das AA so unvollständige Dokumente weiter gibt.

Hier der den Nahen Osten betreffende Teil des deutschsprachigen Dokuments:

  1. Weitere aussen- und sicherheitspolitische Themen
  2. Naher Osten

Die aktuelle Krise im Nahen Osten war zentrales aussenpolitisches Thema des Gipfels. Der ER verabschiedet eine gesonderte Erklaerung (vgl. Text auf dem Internet) mit dem Appell an die Palaestin. Behoerde, fuer die Aufloesung von Hamas und Dschihad zu sorgen, die Verdaechtigen zu verhaften und gerichtlich zu verfolgen, und an Israel, die Militaerkraefte zurueckzuziehen, aussergerichtliche Tötungen einzustellen, Blockaden und Beschraenkungen aufzuheben, die Siedlungspolitik zu stoppen und die gegen die pal. Infrastruktur gerichteten Operationen einzustellen. Die sehr sorgfaeltig ausbalanzierte Erklaerung benennt im einzelnen die fuer beide Seiten essentiellen Grundlagen fuer den Frieden. Sie betont, dass ISR fuer die Zerschlagung des Terrorimus die Palaestinensische Behoerde und Arafat braucht und ihn daher nicht schwaechen darf. Umgekehrt muss die Pal. Behoerde alles tun, um Terrorakte zu verhindern. Die Erklaerung fordert die unverzuegliche und bedingungslose Umsetzung des Tenet/Mitchell-Plans. Die EU ist bereit, bei der Schaffung eines unparteiischen Ueberwachungsmechanismus zu helfen. Geboten ist das konzertierte Handeln der EU mit den VN, den USA und RUS; HR Solana wird daher beauftragt, entsprechende Gespraeche weiterzufuehren. Wirtschaftshilfe, insb. fuer die Palaestinenser, bleibt wichtig. Ziel der EU ist das friedliche Nebeneinander zweier Staaten, Israels und Palaestinas.

Die E-mail-Adresse des AA: Postelle@auswaertiges-amt.de

Der wahre Islam?

gefunden auf Facebook – merke: Fatah, Hamas, IS, Taliban, Al-Azhar usw. sind alles keine Muslime.

Kein Wort dazu, dass die Frauen und Kinder nicht getötet werden sollen, weil man sie versklaven und daraus monetären Gewinn ziehen kann. Kein Wort davon, dass der, der den Islam nicht aufgezwungen bekommt, die Wahl zwischen Übertritt und Tod bzw. in einige Ausnahmen Dhimmitum) hat. …

Deutsche Politiker und Medien dämonisieren Israel

Deutscher Außenminister trifft sich mit von Deutschland finanzierten NGOs, die den jüdischen Staat verleumden

Joseph Puder, FrontPage Magazine, 17. Juli 2017

Im April diesen Jahres machte der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel seinen Antrittsbesuch in Israel, der zu einer ausgewachsenen politischen Krise zwischen Israel und Deutschland führte. Außenminister Gabriel bestand darauf sich mit von Deutschland finanzierten Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zu treffen, die Israel dämonisieren. Israels Premierminister Benjamin Netanyahu sagte als Resultat der diplomatischen Beleidigung ein geplantes Treffen mit Gabriel ab.

Es war ziemlich dreist von Seiten des deutschen Außenministers auf seinem Jungfernbesuch im jüdischen Staat, sich mit antiisraelischen NGOs zu treffen, statt sich auf Fragen der bilateralen Beziehungen zu konzentrieren. Gabriels Entscheidung sich mit diesen NGOs zu treffen, während die palästinensische Autonomiebehörde die palästinensische Jugend zum Mord an Israelis mit Messern, Schusswaffen und Autos aufstachelt, war besonders widerlich. Es ist besonders nervtötend, wenn Millionen Syrer in der Falle eines brutalen Bürgerkriegs sitzen, während der syrische Diktator Bashar Assad und seine Helfer Iran, Hisbollah und Russland hunderttausende Syrer ermorden. Irans unterdrückerisches Regime finanziert Terrorismus und schürt regionale Instabilität. Hisbollah und Hamas herrschen im Libanon und dem Gazastreifen mit Terror und Einschüchterung und die Türkei inhaftiert politische Gegner und Journalisten.

Auch Israel ist eine Demokratie; seine Politik und Maßnahmen zum Schutz seines Volks sollte von Deutschland als der Täternation, die mehr als Drittel des Weltjudentums ermordete, eindeutig verstanden werden. Stattdessen haben deutsche Politiker sich das Recht angemaßt Israel, dem Staat des jüdischen Volks, in Sachen Menschenrechte zu predigen. Im Februar diesen Jahres sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel das jährliche bilaterale deutsch-israelische Kabinettstreffen aber, um ihrer Wut darüber Ausdruck zu verleihen, dass Israel sich entschied bestimmte Siedlungen zu legalisieren.

Nazideutschland ermordete sechs Millionen Juden und eine Mehrheit der deutschen Juden. Angela Merkels Deutschland hat inzwischen mehr als eine Million muslimischer Immigranten importiert, von denen die meisten antisemitische Vorurteile hegen, die sie von ihren Familien, Regierungen, Moscheen und Schulsystemen übernahmen. Diese Immigranten wollen Deutschland und Europa zum Teil des islamischen Geltungsbereichs machen. Viele dieser politischen und Wirtschaftsmigranten haben den antisemitischen Virus und Sympathien für Jihadismus, wenn nicht unverblümte terroristische Neigungen. Der Einfluss von rund 6 Millionen Muslimen in Deutschland trägt zu dem bei, was Professor Manfred Gerstenfeld so beschreibt: „Dutzende Millionen im gegenwärtigen Deutschland dämonisieren Israel.“

Die Nazi-Propagandamedien charakterisierten die Juden als minderwertige Rasse. Im heutigen Deutschland dämonisieren die Medien vergleichbar den jüdischen Staat, indem sie Israelis in ihrem angeblichen Umgang mit palästinensischen Arabern als Nazis darstellen. Es scheint so, als ob das Moratorium über deutsche Schuld und Schande wegen seiner Rolle beim Verüben des Holocaust zu Ende ist. Deutsche Politiker und Medien haben aggressive und abstoßende antiisraelische Haltungen als Strategie übernommen, um ihre Schuld wegen des größten Verbrechens der unvergessenen Geschichte mindern. Sie tun das, indem sie pervertierte moralische Äquivalenz anlegen.

Die moralische Äquivalenz, die deutsche Politiker und Medien oft verwenden, setzt deutsche Nazimörder unschuldiger jüdischer Zivilisten, einschließlich 1,5 Millionen jüdischer Kinder, in ganz Europa mit palästinensisch-arabischen „Opfern“ gleich, die ihren mörderischen Judenhass von Nazideutschlands antisemitischer Propaganda aufsaugten und deren Held Haddsch Amin al-Husseini war, der Mufti von Jerusalem, Hitlers Freund und Verbündeter. Es ist besonders empörend, wenn solche moralische Äquivalenz von Deutschen kommt. Darüber hinaus war Yassir Arafat, der Führer der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und berühmter Terrorist, von Hitlers Lieblings-Nazikommandeur, dem in Österreich geborenen SS-Oberstrumbannführer (Major) der Waffen-SS Otto Skorzeny ausgebildet. Skorzeny war auch der Erfinder der „Wehrwolf-Kriegsführung“, umherstreifender Banden Guerillakämpfer, die sporadisch verschiedene Ziele angreifen und dann wieder im Untergrund verschwinden. Er war der Großvater der heutigen palästinensisch-arabischen, Al-Qaida- und ISIS-Terrorzellen und –Taktiken.

Seit seiner Gründung 1948 und selbst schon in Jahrzehnten davor, hatte Israel mörderischen palästinensisch-arabischen Terrorismus zu ertragen. Derzeit hat Israel, um seine Bevölkerung vor Selbstmordbombern und anderen Formen des Terrors zu schützen, einen Schutzzaun gebaut und Checkpoints eingerichtet, um zu verhindern, dass palästinensisch-arabische Terroristen in der Westbank (Judäa und Samaria) nach Israel hineinkommen. Deutsche Antisemiten jdoch erkennen jüdisch-israelische Selbstverteidigungsrechte nicht an. Für sie sollten Juden immer so sein, wie sie es in den Holocaustjahren waren: wehrlose Schaft, die sich bereitwillig schlachten lassen. Deutsche Antisemiten ignorieren in Gestalt von Antizionisten eindeutig den palästinensisch-arabischen, antisemitischen Hass, der von der PA, ihren Medien, ihrem Bildungssystem und ihren Moscheen genährt wird. Sei übersehen die die Aufstachelung zum Töten von Juden und sehen die palästinensisch-arabischen Terroristen nur als Opfer – ein Opfer des eigenen Versuchs einen Juden zu töten.

In einer Meinungsumfrage der Bertelsmann-Stiftung von 2007 wurden Deutsche gefragt, ob sie der Aussage zustimmen: „Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern tut, ist im Prinzip dasselbe, was die Nazis während des Dritten Reichs machten.“ 30% der Befragten stimmten zu. Als die Frage 2013 noch einmal gestellt wurde, war die Zahl der Deutschen, die der Aussage zustimmen, auf 41% stark angestiegen – eine Zahl, die weit höher liegt als in früheren Umfragen.

2013 verwendete die meistgelesene deutsche Tageszeitung, die Süddeutsche Zeitung, eine Karikatur, in der Moloch dargestellt war, der kanaanitische Götze, der mi Kinderofpern assoziiert ist, um eine Rezension des Buchs des linken jüdisch-amerikanischen Kommentators Peter Beinart zu illustrieren. Die Bildbeschreibung unter der Karikatur lautete: „Deutschland serviert inzwischen seit Jahrzehnten, Israel wurden Waffen gegeben, zum Teil kostenlos, Israels Feinde finden, es ist ein gefräßiger Moloch“, eine Anspielung, dass Israel deutsche Waffen nutzt, um palästinensisch-arabische Kinder zu töten.

Nach Angaben von Professor Gerstenfeld führte die Universität Bielefeld 2004 in Deutschland eine Umfrage durch, bei der die Probanden gefragt wurde, ob sie mit der Aussage übereinstimmen, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führe. Achtundsechzig Prozent der Befragten stimmten zu. Norbert Blüm, ehemaliger christlich-demokratischer (die Partei von Angela Merkel) Bundesminister verknüpfte 2009 in einer Rede die Verfolgung der Juden durch die Nazis mit an Palästinensern verübten Gräueltaten.

Professor Gerald Steinberg, Gründer und Direktor von NGO Monitor, schrieb im April 2014: „NGOs, politischen Stiftungen und Kirchengruppen übergebenes (deutsches) Steuerzahlergeld spielt bei der De-Legitimierung (Israels) eine zentrale Rolle. Europäisches Geld allgemein und deutsche Gelder im Besonderen bezahlen den Treibstoff und die Munition der politischen Kriegsführungsstrategie, die im berüchtigten NGO-Forum der Durban-Konferenz von 2001 übernommen wurden, deren Teilnehmer „die vollständige internationale Isolierung Israels als Apartheidstaat“ zum Ziel erklärten. In vielen Teilen Europas, einschließlich Deutschlands, insbesondere an Universitäten, in Kirchen und Gewerkschaften ist diese heimtückische Form der Kriegsführung mit der Dämonisierung Israels erfolgreich gewesen.

Steinber fügte hinzu: „Eines der ungeheuerlichsten Beispiele ist die deutsche Unterstützung und Zusammenarbeit mit einer als Zochrot bekannten, berüchtigten ‚Einstaaten‘-NGO (heißt: kein Israel); deren Auftrag lautet das ‚öffentliche Bewusstsein für die palästinensische Nakba zu sensibilisieren‘ und das sogenannte ‚Rückkehrrecht‘ der Palästinenser zu unterstützen (beides Formeln für die demografische Vernichtung Israels). Zochrot wiederholt moderne Ritualmordlügen in der Form von Vorwürfen von ‚ethnischer Säuberung‘ und „Zwangs“-Vertreibung sowie Enteignung von Palästinensern.“

Der neuste Skandal kam durch Stefan Krawielicki, dem deutschen Botschafter bei der UNESCO am 4. Juli 2017 in Krakau (Polen). Einmal mehr übte ein deutscher Diplomat moralische Gleichstellung vom Mord an 6 Millionen Juden und palästinensischen „Opfern“ des eigenen Terrorkriegs gegen Israel. Krawielicki erhob sich, um die palästinensischen „Oper“ zu ehren, als seien den von den Nazis nur ein paar Kilometer vom Konferenzsaal entfernten ermordeten Juden gleichzustellen.

Die selbstgereichte Haltung der deutschen Regierung und Medien kann wird die ewige Schuld Deutschlands und der Deutschen gegenüber dem jüdischen Volk und dem jüdischen Staat nicht tilgen.

Was heißt „Beendet die Besatzung“?

Moshe Dann, Jerusalem Post, 21. Juni 2017

Auch wenn es ein populäres Mantra ist, begreifen nur wenige, was es bedeutet

Zeina Ashrawi von den Gesellschaft der Studenten für Gerechtigkeit in Palästina an der George Mason University nimmt an einer antiisraelischen Kundgebung in Washington DC teil (Foto: Jim Watson / AFP)

Während der letzten Jahrzehnte hat die palästinensische Propagandamaschine mit Hilfe antiisraelischer Elemente in der internationalen Gemeinschaft eine der mächtigsten und effektivsten emotionalen wie psychologischen Waffen zum Sieg über Israel geschaffen: „Beendet die Besatzung“.

Auch wenn das ein populäres Mantra ist, begreifen nur wenige, was es bedeutet.

Es könnte das bedeuten, was Israel im Sechstagekrieg 1967 eroberte oder was Israel während des Unabhängigkeitskriegs (1948/49) gewann oder alles „vom Fluss bis zum Meer“.

Zuerst konzentrierte sich die arabisch-palästinensische Propaganda auf Israels Anwesenheit in Judäa und Samaria (der „Westbank“) als „Verletzung des Völkerrechts“, insbesondere die Vierte Genfer Konvention, wie sie vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz  interpretiert wird. Als antiisraelische NGO mit Sitz in Genf war das IKRK die Erste, die Israel der „Besatzung“ palästinensischen Territoriums beschuldigte, womit ein umstrittenes Gebiet willkürlich einer Seite zuerkannt wurde. Weil das Internationale Komitee vom Roten Kreuz auch – einzigartig – eine offizielle UNO-Organisation ist, werden seine Entscheidungen als maßgeblich betrachtet.

Nachdem Israel mit Yassir Arafat (für die PLO) die Oslo-Vereinbarungen unterschrieb, sich aus den Areas A und B zurückzog und der palästinensischen Autonomiebehörde zusammen mit der internationalen Gemeinschaft hat seine institutionelle Struktur zu entwickeln, kehrte der Fokus zurück auf Israels legale und historisch Ansprüche auf Area C, in der alle „Siedlungen“ liegen. Experten und Gelehrten debattierten das Thema, doch keine Seite war in der Lage die andere zu überzeugen.

Die Debatte um Territorium war wichtig, hatte aber begrenzte Auswirkungen, denn während palästinensischer Terrorismus und Aufstachelung unvermindert weitergingen und nach zwei weiteren Abzügen – 2000 aus dem Südlibanon (was die Hisbollah mächtig machte) und 2005 aus dem Gazastreifen (was die Hamas mächtig machte) – reagierte Israel zögerlich auf die Preisgabe weiteren Territoriums. Das Mantra „Land für Frieden“ hatte niemanden außer den Harcore-Ideologen mehr überzeugt. Selbst Israelis, die die „Zweistaatenlösung“ unterstützten waren nicht bereit weitere Zugeständnisse zu machen.

Etwa während des letzten Jahres wurde ein neues Argument hervorgehoben, oft unterstützt von israelischen Juden und progressiven Juden in Nordamerika, die pro-Israel sind: Bei „der Besatzung“ geht es nicht nur um Territorium, sondern auch um „das palästinensische Volk“.

Diese Verschiebung auf ein humanitäres Argument überzeugt, denn es wird als moralische Frage dargestellt: Israel hat nicht das Recht ein anderes Volk oder einen anderen Staat zu beherrschen – die Palästinenser.

Das stellt die Israelis (d.h. die Juden) als Verfolger und die Palästinenser als ihre Opfer hin.

Daher bleibt, selbst wenn die Frager der Rechtmäßigkeit der Siedlungen eingeräumt wird, die behauptete Verletzung der Menschenrechte – die moralische Frage – das Problem. Beispielsweise klagen Kritiker, einzuschränken, wo palästinensische Araber leben können, greift in deren Alltagsleben ein und dringt in ihre Städte und Dörfer ein, verletzt ihre Bürger- und Menschenrechte, stellt „Besatzung“ dar. Diese Besatzung zu beenden ist allerdings kompliziert, denn (1) stellen palästinensische Terroristen eine ständige Bedrohung dar, (2) sind radikale Islamisten involviert und (3) würde der Abzug aus der Area C und die Gründung eines Palästinenserstaats Terrorismus fördern.

Mit anderen Worten: „Die Besatzung zu beenden“ ist als humanitäres und moralisches Thema nicht zu schaffen, ohne territoriale Zugeständnisse zu machen und israelische Sicherheitskontrolle zu beseitigen. Die Verbindung ist ausschlaggebend: Das humanitäre Argument wird genutzt, um palästinensische Forderungen nach Territorium und einem eigenen Staat zu rechtfertigen und zum Durchbruch zu verhelfen. Israels rationale und realistische Weigerung den Palästinensern zu gestatten einen unabhängigen Staat zu bilden, wird daher in eine moralisches Argument über das Recht auf Selbstbestimmung verwickelt.

Das Versagen die dynamische Beziehung zwischen dem humanitären Argument und palästinensischen Forderungen nach Territorium und Eigenstaatlichkeit zu verstehen hat Israels Versuche seine Ansprüche und die Siedlungen in Judäa und Samaria zu rechtfertigen gelähmt.

Daher sitzt Israel in der Falle: Solange es sich weigert den Palästinensern einen Staat zuzugestehen, Area C behält und seine Terrorbekämpfungsaktivitäten in palästinensischen Städten aufrechterhält, wird es der „Besatzung“ und „Verfolgung“ der Palästinenser beschuldigt werden. Obendrein wird „die Besatzung“ dazu genutzt Terrorismus und „Widerstand“ zu rechtfertigen. Das Dilemma hat umfassende Auswirkungen.

„Beendet die Besatzung“ suggeriert eine unmittelbare, direkte Abgrenzung von Gut und Böse – und das ist der Punkt, wo der Spruch am effektivsten ist. Ohne Rücksicht auf die Einzelheiten schafft das Mantra einen psychologischen Determinismus, der eine „entweder-oder“-Entscheidung erzwingt.

Wird die Prämisse, dass Besatzung Übel ist, erst einmal akzeptiert, ist die Schlussfolgerung unvermeidlich.

Das ist der Grund, dass Mantras so mächtig sind: Sie erfordern kein Denken und verhindern sogar kritisches Denken.

So funktioniert auch Werbung: Man hört/sieht „Coke“ und sein Symbol und man denkt „süß, angenehm, zufriedenstellend“; man denkt nicht darüber nach, ob es gut für einen ist oder nicht. Genauso bedeutet „Beendet die Besatzung“, dass Israel schlecht ist und die Palästinenser die Opfer sind.

Es ist eine Form der Gehirnwäsche, die – wie eine Sucht, die Wahrnehmung verändert und Rechtfertigungen propagiert: Keine Sorge, es wird alles gut; wir werden glücklicher, mehr geschätzt, geliebt werden; wir können die Folgen kontrollieren.

Mantras wie „Siedlungen verhindern Frieden“ und „Israel ist ein kolonialistischer Apartheidstaat“ mag manche Empathie empfinden und ein Gefühl von Ungerechtigkeit geben; ob das stimmt oder nicht, ist irrelevant.

Schließlich fordert „Beendet die Besatzung“, dass Israel greifbare Aktiva (z.B. Territorium) für nicht greifbare Vereinbarungen (wie diplomatische Anerkennung) aufgibt, die leicht zu widerrufen sind.

Die einzige Möglichkeit gegen Gehirnwasche und Süchte zu bekämpfen, besteht in Selbstbewusstsein, kritischem Denken und einer realistischen Bewertung der Lage.

Das wichtigste Gegenargument lautet, dass die obersten Prioritäten eines Staates darin bestehen seine Bevölkerung zu schützen, seine Gesellschaft erhalten und seine Grenzen zu verteidigen. Das ist der Grund, weshalb alle Staaten über Armeen, Polizei und Gefängnisse verfügen.

Da die Palästinenser und Araber danach streben Israel zu vernichten, ist Israel moralische wie praktisch dazu verpflichtet sich zu verteidigen. Kapitulation vor dem Terrorismus ist keine Option.

Zweitens würde ein palästinensischer Staat westlich des Jordan kein demokratisches, friedliches System werden oder das Problem der Millionen „Palästinenser“ lösen, die im Libanon, Syrien, Jordanien und anderen Ländern, einschließlich Israels, leben. Die Gefahr, dass er ein gescheiterter Staat wäre, der – wie Somali – von Banden und Milizen geführt wird, ist real.

Schließlich: Die arabischen Palästinenser sind keine Gefangenen.

Die meisten haben jordanische Pässe.

Sie können reisen und sie können Land und Grundeigentum besitzen; sie können es verkaufen. Viele haben das getan und sind erfolgreich.

Solange der Terrorismus existiert wird es „Besatzung“, Checkpoints, polizeiliches Eingreifen und lange Schlangen an Flughäfen geben. „Beendet die Besatzung“ beginn mit der Beendigung der Hetze und des Hasses, mit der Beendigung des Terrorismus.

„Beendet die Besatzung“ ist nicht nur auf Israel anwendbar. Dazu gehört die Beendigung der Dikatur im Iran, der die gesamte Welt bedroht. Die Besatzung zu beenden gilt für die Herrschaft der Hamas im Gazastreifen, der Hisbollah im Libanon, Assads und des ISIS‘ in Syrien und der Taliban in Afghanistan.

„Beendet die Besatzung“ ist kein Aufruf die Rechte der Palästinenser zu schützen, sondern die Existenz Israels zu beenden. Es ist kein Appell an die Menschlichkeit, sondern ein Lobgesang auf Chaos und Völkermord.

„Beendet die Besatzung“ sollte als das begriffen werden, was es ist: Eine Morddrohung.

Liberaler Kolumnist ruft Hamas zur Beendigung des Terrorismus auf

MEMRI-Sonderbericht Nr. 401, 21. Juli 2002

Der tunesische Liberale Al-Afif al-Akhdhar, der in Paris lebt und für die arabischsprachige Londoner Tageszeitung Al-Hayat schreibt, veröffentlichte einen offenen Brief an Hamas, in dem er alle Organisationen aufruft die Selbstmordanschläge zu beenden. Es folgen Auszüge aus dem Artikel:
(heplev: Die Einschätzung Israels durch den Autor kann ich nun überhaupt nicht teilen. Ich werfe ihm auch vor, dass er Terror nicht aus moralischen Gründen ablehnt, sondern nur, weil „seine Zeit“ vorbei sei! Aber die Vorwürfe an die Hamas finde ich sehr interessant. )

Ihr dient Israel

… Eure Selbstmordaktionen und eure arroganten Erklärungen bezüglich der Notwendigkeit der Elimination des Staates Israel, das ein Mitglied der UNO ist, gibt der israelischen Propaganda einen Trumpf, der es ihr ermöglicht den Propagandakrieg mit der Behauptung zu gewinnen, dass die Palästinenser keinen Staat neben Israel wollen, sondern einen Staat auf den Ruinen des Staates Israel. Diese Erklärung [dass Israel ausgelöscht werden muss] ist im internationalen Konsens nicht akzeptabel und passt nicht zu einem vernünftigen Politiker, denn sie führt zur diplomatischen und medialen Isolation und setzt das Volk den Tragödien aus…

Was ist das Ziel dieser Selbstmordanschläge und kann dieses Ziel in absehbarer Zukunft erreicht werden?

Die von nationalen Befreiungsbewegungen [in aller Welt] seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts benutzte bewaffnete Gewalt, z.B. in Algerien und Vietnam, hatte nie gezielt Zivilisten angegriffen. Ihr erklärtes Ziel war, den Feind zu zwingen sich an den Verhandlungstisch zu setzen und eine Einigung zu erzielen. Im Gegensatz dazu seid ihr von der Hamas von diesem politisch-militärischen Weg abgewichen und greift israelische Zivilisten an und erklärt dazu, dass Verhandlungen mit Israel ein Verbrechen seien. Ihr habt es sogar abgelehnt, an den Wahlen von 1994 teilzunehmen, weil die Palästinensische Nationale Autonomiebehörde, die sie organisierte, aus Verhandlungen mit Israel entstanden war…

Irrational nihilistisches Verhalten

Dieses irrational nihilistische Verhalten hat einen Namen: nihilistische Worst-case-Politik. Sie ist die schlimmste, denn sie geht unweise Risiken ein. Sie folgt der Logik des biblischen Samson: „Lass mich mit den Philistern sterben.“ Sie ist nihilistisch, weil sie im Endeffekt alle Werte und Normen negiert, die die internationale Gemeinschaft untermauern. Euch sind die zerstörerischen Ergebnisse der Selbstmordoperationen egal, wie auch die zunehmende Unterdrückung eures Volkes und die Ausdehnung des Krieges in arabische Länder der Region, wodurch in diesen Anarchie gespäht und sie unregierbar gemacht werden.

In dieser Gleichgültigkeit gegenüber menschlichem Schmerz, in der ihr Blut [das der Palästinenser] so gering geschätzt wird, in der ihr Leben verachtet wird und in der ihre Zukunft auf dem Altar der naiven Illusion der „Befreiung Palästinas bis zum letzten Grashalm“ enteignet wird, drückt sich eine halluzinatorische Paranoia aus, die Mord und Selbstmord als Ziele an sich betrachtet. Es drückt sich eine Art Identität aus, die von denen geliebt wird, die nach Macht und Blut hungern, die religiöse Werte genauso verachten wie die Werte dieser Welt.

Diese Worst-case-Haltung ist die Quelle aller politischen Blindheit. Sie ist es, die dafür gesorgt hat, dass ihr euch in den eigenen Fuß geschossen habt und menschliche Bomben gegen die Zukunft eures Volkes explodieren lässt. Sie ist es, die dazu geführt hat, dass eure politischen Möglichkeiten sich allem annähern, das dem Feind eures Landes nutzt. Beleg dafür ist das Timing eurer Selbstmord-Anschläge und eurer schändlichen Kooperation mit Sharon im Widerstand gegen alles, was den Frieden voran bringt.

Ihr habt in den letzten Jahrzehnten alle Chancen verpasst

1996 habt ihr eure Selbstmordanschläge zeitlich so abgepasst, dass sie mit den israelischen Wahlen zusammen fielen, damit ihr Netanyahu helfen konntet den Friedensprozess abzubrechen und Peres zu stürzen, dessen Plan es war in die Geschichte als der Verfasser des arabisch-israelischen Friedens einzugehen. 1997 sagte der verstorbene syrische Präsident: „Wäre Peres gewählt worden, gäbe es bereits Frieden zwischen uns und Israel.“

Rabins Ermordung durch einen jüdischen Terroristen und der Sturz seines Verbündeten Peres durch euch beendeten jede Friedensdynamik. Das kranke palästinensische Volk und seine Führer bezahlen immer noch für diesen Fehler. Hamas und die Likud-Führung teilen als gemeinsamen Nenner die resolute Opposition gegen alles, was in Richtung Frieden geht und verhindern die Gründung eines palästinensischen Staates, den der Likud als den Anfang des Endes Israels betrachtet und ihr als Garantie für Israels Existenz! Als Sharon in der Knesset gegen den ägyptisch-israelischen Frieden stimmte, stimmtet ihr durch die Moslem-Bruderschaft in den Straßen von Kairo dagegen… Sharon stimmte gegen die Madrider Friedenskonferenz; so auch ihr auf eure besondere Weise. Er stimmte gegen die Oslo-Vereinbarungen; so auch ihr, indem ihr sie als Gotteslästerung bezeichnetet. Der Held von Sabra und Shatila stimmte gegen den israelisch-jordanischen Frieden; so auch ihr.

Was sorgt dafür, dass eure Haltung der der Feinde eures Volkes und eures Staates sich so annähert? Könnte es Kollaboration sein? Gott bewahre! Es gibt einen anderen Grund, der das Ergebnis nicht minder schwer wiegend macht. Es ist eure Unfähigkeit euch von der Religion hin zur Politik zu bewegen.

(Der Journalist) Huda Al-Husseini schrieb: „In einem Telefongespräch sagte mir ein britischer Experte für islamistische Bewegungen, dass es das Ziel der Hamas sei den Staat Israel zu eliminieren…“ Dieser Experte sagte: „Als ich mich mit Hamas-Führern traf, war ich von der Entdeckung überrascht, dass die meisten ihrer Mitlieder sagen, die Gründung eines islamischen Staates würde etwa um 2022-23 kommen… Da muss ein Datumsfehler vorliegen, denn 1999 besagte ein religiöses Urteil von Ahmed Yassin, dem spirituellen Führers der Hamas, dass das Datum der Gründung des islamistischen Staates in Palästina, auf den Ruinen Israels und in Übereinstimmung mit den Prophezeiungen der Tora, 2027 stattfinden würde – 40 Jahre nach Ausbruch der ersten Intifada.“

Wenn ihr euch nicht ändert, werde ihr mehr verlieren

Ich frage die Intelligenten unter euch: „Erlauben euch eure Religion und euer moralisches Bewusstsein die palästinensischen Jugendlichen, deren Leben ihr mit solchem Unsinn riskiert, einer Gehirnwäsche zu unterziehen?“ Wie könnt ihr eurer Strategie erlauben, dass sie auf einer halluzinösen Interpretation der jüdischen Theologie gründet? Ist es nicht diese theologische Interpretation der Sache des palästinensischen Volkes, die seine Tragödien schuf? [Wegen eben solcher Theologie] kollaborierte Hadsch Amin Al-Husseini mit Hitler und lehnte die Einigung ab, die ihm 1937 von der Peel-Kommission zur Teilung Palästinas angeboten wurde und bei der 20% an die Juden und 80% an Palästina gehen sollten. Dann wiederholte er seinen Fehler, als er den Teilungsplan ablehnte, der diesmal 55% für die Juden und den Rest für Palästina vorsah… Ihr habt den Clinton-Plan abgelehnt, der eurem Volk 96-97% der Westbank gegeben hätte. Dazu habt ihr religiöse Entscheidungen angeführt, dass ihr das ablehntet, weil es eine amerikanisch-jüdische Verschwörung gegen das palästinensische Volk war…

Ich verlange nicht, dass ihr strategische Pläne entwickelt, obwohl eure politischen Aktivitäten ohne Strategie nicht möglich sind. Alles, was ich von euch verlange, ist, dass ihr ein bisschen Realismus behaltet, der euch helfen wird, die Trennung zwischen euren Wünschen und der regionalen und internationalen Realität zu verstehen. Wenn ihr diesen euren Ansatz nicht aufgebt, werdet ihr ihm weiter bis zum bitteren Ende folgen – in der Rolle der sturen Verweigerer, die in ihren Illusionen über sich selbst und die Welt falsch liegen.

Ohne Veränderung werdet ihr die Botschaft des 11. September nicht begreifen – dass die Ära der Selbstmordoperationen vorbei ist und jede Gewalt an sich international unakzeptabel ist und Terror darstellt, egal, welche Gründe dahinter stehen. Gewalt wird keinerlei politische Belohnung finden. Der vorbeugende Krieg, d.h. die Offensive als beste Form der Verteidigung, ist die strategische Regel im Krieg gegen Terror. Es ist kein Zufall, dass die EU-Staaten kürzlich die PFLP und die Al Aksa-Märtyrerbrigaden auf die Liste der Terror-Organisationen setzten – die Liste, auf der ihr und der Islamische Jihad als erste verzeichnet ward.

Al-Hayat (London), 14. Juli 2002