Hören Fürsprecher der Palästinenser den Palästinensern überhaupt je zu?

Mitchell Bard, The Algemeiner, 26. September 2017

Palästinenser in Ramallah. Foto: Wikimedia Commons

Wenn man den Fürsprechern und Anhängern der Palästinenser, die außerhalb des Nahen ostens leben, Beachtung schenkt, dann sollte man glauben, dass die Palästinenser in der Westbank und dem Gazastreifen in erster Linie an Siedlungen, Boykotten, „Besatzung“, über Israel herzufallen und einen Zweistaatenlösung interessiert sind. Man muss sich fragen, ob diese Aktivisten jemals mit Palästinensern sprechen, die in den Gebieten leben – denn wenn Meinungsforscher diese nach ihren Meinungen fragen, dann wird klar, dass ihre tatsächlichen Ansichten ganz anders aussehen.

Das palästinensische Zentrum für Politik und Umfrageforschung (PSR – Palestinian Center for Policy and Survey Research) führte diesen Monat die jüngste Umfrage durch und stellte fest: „Eine überwiegende Mehrheit der palästinensischen Öffentlichkeit sorgt sich um die Zukunft der Freiheiten in Palästina.“ Mahmud Abbas in der Westbank und die Hamas im Gazastreifen verweigern beide den Palästinensern ihre grundlegenden Bürgerrechte: freie Meinungsäußerung, freie Religionsausübung, Pressefreiheit und Versammlungsfreiheit. Frauenrechte sind praktisch nicht existent und es gibt null Toleranz für LGBTlQ-Palästinenser.

Wie ich früher schon geschrieben habe, stehen Fürsprecher, die behaupten sich enorm um das Wohlergehen der Palästinenser zu sorgen, niemals für Palästinenserrechte ein, wenn sie von der palästinensischen Autonomiebehörde (PA) verletzt werden; auch die die autoritäre Herrschaft von Mahmud Abbas kritisieren sie nicht. Wann war das letzte Mal dass das American-Araber Discrimination Committee, das Arab American Institute, Students for Justice in Palestine, die Jewish Voice for Peace, CAIR oder sonst eine propalästinensische Gruppe sich gegen diese Missbräuche äußerten? Sie finden ihre Stimme nur, wenn sie eine Möglichkeit finden die Juden zu beschuldigen – weil sie antiisraelische Propaganda der Hilfe für Palästinenser vorziehen.

Doch die von ihren Führern unterdrückten Palästinenser wissen es besser. Während Fürsprecher im Ausland frei reden können – es aber nicht tun – werden Journalisten und Aktivisten in den Gebieten regelmäßig verhaftet. Mehr als 80% der Befragten sagten, dass die PA nicht das Rech that Aktivisten wie Issa Amro festzunehmen, der verhaftet und Berichten zufolge verprügelt wurde,w eil er die Festnahme des palästinensischen Journalisten Ayman al-Qawasmi kritisierte. Die meisten Palästinenser räumen indes ein, dass sie Angst haben die PA zu kritisieren.

Gefragt, was sie für das wichtigste Problem halten, dem die palästinensische Gesellschaft sich gegenüber sieht, stuft die Öffentlichkeit Armut und Arbeitslosigkeit sowie die verbreitete Korruption in öffentlichen Institutionen als ihre zwei Top-Anliegen ein. Nur 23% sagten, dass ihre höchste Priorität bei der Fortsetzung der Besatzung und den Siedlungsaktivitäten liegt. Aber wann war das letzte Mal, dass Sie einen Palästinenseraktivisten von Armut und Korruption haben reden hören?

Während Abbas regelmäßig droht, als Reaktion auf israelisches Handeln die PA aufzulösen, als würde das irgendwie die Israelis bestrafen, wünschen sich 50% der Palästinenser, dass er da auch tun würde – weil sie die PA als „eine Last für das palästinensische Volk“ ansehen. Satte 67% der Öffentlichkeit will auch, dass Abbas zurücktritt (bei den Gazanern 80%) und 65 sind mit seiner Leistung als Präsident unzufrieden.

Wir hören von Israels Kritikern von der Blockade des Gazastreifens, die von Hamas-Terroranschlägen herbeigeführt wurde, aber die Gazaner sind zunehmend wütend auf Abbas. Nach Angaben der Umfrage „entfernen sich die in nie dagewesener Weise weiter von der Fatah und der Palästinenserführung“, wegen der Sanktionen, die Abbas dem Gazastreifen auferlegte und mit denen er versuchte die Menschen dort gegen die Hamas aufzubringen.

Angesichts der Zustände in der PA überrascht es nicht, dass 43% der Gazaner und 22% der Palästinenser in der Westbank sagen, sie würden gerne in andere Länder auswandern. Beachten sie auch, dass Sie nie hören, dass Palästinenser und ihre Anhänger andere Menschen auffordern in die PA-Gebiete zu ziehen, um den Staat aufzubauen oder für die Unabhängigkeit zu kämpfen; das ist einer von vielen Gegensätzen zur Verbundenheit des jüdischen Volks zu seiner Heimat.

Fürsprecher der Palästinenser, die dazu tendieren gegenüber Friedensgesprächen und einer Zweistaatenlösung feindselig eingestellt zu sein, stehen eher im Einklang mit dem palästinensischen Volk in den Gebieten. Fast drei Viertel der palästinensischen Öffentlichkeit glaubt nicht, dass es er Administration Trump mit dem Erzielen einer Friedensvereinbarung ernst ist; 55% sind dagegen eine Einladung der Administration zur Wiederaufnahme von Verhandlungen mit Israel anzunehmen. Eine dünne Mehrheit – 52% gegen 47% – unterstützt die Zweistaatenlösung; 31% sind für eine Einstaatenlösung.

Eine positive Entwicklung in der Umfrage war die Zunahme der Unterstützung für gewaltfreien Widerstand (die immer noch bei nur 26% liegt), die die Meinungsforscher dem Erfolg zuschreiben, dass Israel gezwungen wurde die Metalldetektoren am Aufgang zum Tempelberg zu entfernen. Sie Umfrage stellte allerdings auch fest, dass die Unterstützung von Gewalt zugenommen hat und dass 35% der Öffentlichkeit glaubt, Gewalt sei das effektivste Mittel dazu die Unabhängigkeit zu erreichen. Noch unheilverkündender ist: 45% befürworten bei Abwesenheit von Verhandlungen eine Rückkehr zur bewaffneten Intifada.

Ein interessanter Befund besteht darin, dass die Palästinenser eine realistischer Sicht der Bedeutung ihrer Sache in der arabischen Welt entwickelt zu haben scheinen. Zwar halten einige Fürsprecher (und Arabisten) perpetuieren das Märchen, dass die Palästinenserfrage für die Stabilität des Nahen Ostens eine zentrale Rolle spielt, aber 77% der Palästinenser glauben, dass „die arabische Welt zu sehr mit ihren eigenen Dingen, internationalen Konflikten und dem Konflikt mit dem Iran beschäftigt ist und dass Palästina nicht länger das bedeutendste oder vorrangige Frage oder Angelegenheit ist“.

Fürsprecher Israels werden manchmal beschuldigt die israelische Regierung blind zu unterstützen, obwohl es in Wirklichkeit keinen Mangel an israelischen Kritikern der Anführer und Politik des Staats gibt. Von unseren Palästinenserfreunden kann das nicht gesagt werden.

Die selektive Empörung und Sittlichkeit der Fürsprecher der Palästinenser wird durch ihr Schweigen offensichtlich, wenn es um die Misshandlung der Palästinenser durch ihre eigenen Führer geht. Diese scheinheilige Besessenheit mit Israels echten und eingebildeten Sünden wirft ein Schlaglicht auf ihre Unaufrichtigkeit und offenbart, dass es den meisten weniger um das Wohlergehen der Palästinenser als vielmehr um die Dämonisierung, wenn nicht Vernichtung Israels geht.

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Warum die Juden immer Schuld sind

Melanie Phillips, Spectator, 20. April 2002

Es muss schon einiges passiert sein, wenn die SUN wegen des Feuersturms anti-israelischen und anti-jüdischen Hasses, der täglich aus den britischen Medien heraus brüllt, derart alarmiert ist, dass sie sich genötigt fühlt einen ganzseitigen Leitartikel zu veröffentlichen, der ihren Lesern mitteilt: „Der jüdische Glaube ist keine böse Religion“.

Nicht böse? Warum sollte irgendjemand überhaupt einen solch hässlichen Gedanken hegen? Sind nicht letzten Endes die Juden in Israel die Opfer des Terrors? Werden sie nicht durch Selbstmord-Attentäter in Stücke gerissen, die gezielt ältere Holocaust-Überlebende auf Passah-Seder-Essen und Jugendliche in Pizzerien als Ziele auswählen? Haben sie nicht Opfer zu be-klagen, die auf die Bevölkerungszahl Großbritanniens umgerechnet rund 4000 Tote und viele weitere tausend Verwundete zählen, seit diese Intifada Ende September 2000 begann?

Aber Israel hat ein abscheuliches Verbrechen begangen. Dieses Verbrechen besteht darin, sich gegen den Versuch zu wehren es auszulöschen. Wegen dieses Affronts strömt ein Sturzbach an Lügen, Verdrehungen, Verleumdungen, Aufgabe von Objektivität und der Ersetzung der Wahrheit durch Arglist und Hass aus den britischen und europäischen Medien und dem Establishment.

Die zulässige Version, von der es kaum eine Abweichung gibt, läuft folgendermaßen: Die Palästinenser, denen von Israel eine eigenes Land verweigert wird und die verständlicherweise durch Verzweiflung in den Terrorismus getrieben wurden, werden nun durch Israels Premierminister Ariel Sharon mörderischen angegriffen, der die Selbstmord-Anschläge als Vorwand zur Zerstörung der Palästinenser nutzt.

Das wird verständlicherweise weitere Selbstmord-Anschläge hervor bringen; wenn also weitere Israelis in tausend Stücke gerissen werden, ist das ihre eigene Schuld. In Wirklichkeit sind sie an ihren Verletzungen ohnehin selber schuld, weil sie nicht verhandeln werden. Wenn sie nur endlich den Palästinensern das geben würden, was diese verlangen, würde die Gewalt enden und die Welt wäre sicherer. So wie es jetzt aussieht, könnte die gesamte Region in Flammen aufgehen, einschließlich Israel. Auch das wird Israels schuld sein.

Die Doppelmoral, verdrehte Geschichte und hassgetränkte Blindheit in dieser Analyse setzen sich über jeden Glauben hinweg. Stellen Sie sich vor eine Terror-Organisation würde sich, sagen wir, in Wales einrichten, jeden Tag Selbstmord-Attentäter in englische Städte schicken, jede Woche Dutzende Menschen ermorden und tausende weitere verletzen. Würde irgendjemand allen Ernstes vorschlagen, dass Tony Blair nicht die Armee benutzen sollte, um diese Morde zu beenden und stattdessen über die Forderungen der Terroristen zu verhandeln, während sie weiter britische Staatsbürger ermorden?

Aber für die britischen und europäischen Medien übt Israel offenbar nicht Selbstverteidigung, es übt lediglich Vergeltung und kollektive Bestrafung. Hey, weiß nicht jeder seit frühester Kindheit, dass den Juden Vergeltung im Blut liegt?

Daher war die Schlacht in Jenin ein von Israelis verübtes Massaker. Die Medien wissen, dass es so ist, denn die Palästinenser sagten das und das muss wahr sein; denn jeder weiß, dass Israel furchtbar ist und Sharon ein Schlächter und – oh ja – ein jüdischer Nazi. So erzählen sie der Welt von den unzweifelhaften Leiden in Jenin und der Brutalität der Israelis, oft sogar ohne die israelische Version des Geschehens aufzunehmen. Diese war, dass Jenin durchsetzt war mit Männern, die bereit und ausgerüstet waren für Selbstmord-Einsätze; die Israelis hatten den Bewaffneten in Jenin sicheren Abzug angeboten, wenn sie sich ergeben; aber die Terroristen hatten ihre Häuser mit Sprengfallen ausgestattet und waren entschlossen zu einem tödlichen letzten Kampf.

Die Zerstörungen in Jenin sind wirklich schlimm. Aber Krieg ist nichts Schönes. Wenn Terroristen sich zwischen Zivilisten verstecken, wird es offensichtlich unzählige menschliche Tragödien geben; aber das ist Krieg, kein Massaker. Wenn die Israelis wirklich wahllos Palästinenser hät-ten umbringen wollen, hätten sie sie mit Bombenteppichen belegt. Stattdessen führten sie die für sie selbst gefährlichste Taktik aus: Durchsuchungen von Haus zu Haus. Etwa 23 israelische Soldaten starben in Jenin, ein bitterer Blutzoll für dieses kleine Land.

Israel ist – mit all seinen Fehlern – eine Demokratie und eine offene Gesellschaft. Die Autonomiebehörde ist korrupter Despotismus, der sein Volk einer Gehirnwäsche unterzogen hat, so dass es an mittelalterliche Ritualmord-Vorwürfe gegen die Juden glaubt. Aber westliche Journalisten und Intellektuelle gehen automatisch davon aus, dass die Israelis lügen und die Palästinenser die Wahrheit sagen. Denn jedermann weiß, dass die Israelis nicht die Opfer sein können – denn sie sind immer verantwortlich.

Genauso weiß jeder, dass der Vorsitzende Arafat kein Terrorist ist. Statt dessen ist er ein Staatsmann mit der öffentlichen Unterstützung solch wichtiger Personen der Weltpolitik wie dem EU-Kommissar Chris Patten. Das Schlimmste, was Arafat gemäß Patten gemacht hat, ist, die Selbstmord-Anschläge nicht mit genügend Nachdruck zu verurteilen. Israel als Demokratie da-gegen „widerspricht vielem, für das es steht“. Du meine Güte! Wofür stehen denn der Vorsit-zende Arafat und die Palästinensische Autonomiebehörde (PA)?

Viele der Selbstmord-Anschläge der letzten Wochen sind das Werk von Gruppierungen gewe-sen, die mit der Fatah, der Terrorabteilung der PA, in Verbindung stehen. Israel hat beschlag-nahmte Dokumente vorgelegt, die Arafats Unterschrift tragen und sich auf Zahlungen für Bom-ben beziehen, die Männer herstellten, die nach israelischen Angaben Selbstmord-Anschläge planten. Wenn jemand Israel nicht glaubt, dann sollte derjenige sich ansehen, was die PA selbst gesagt hat: Im Dezember 2000 erzählte der Fatah-Offizielle Sakhr Habash der Zeitung Al-Hayat Al-Jadida, dass die Intifada von Arafat geplant worden ist. „Die Führung der PA blieb die Autorität und sie allein war der Faktor, der in der Lage war, die Operationen der Intifada im gesamten Heimatland zu führen. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass Bruder Abu Ammar [Arafat] die o-berste Autorität aller Operationen ist; und wer immer etwas anderes denkt, weiß nicht, was los ist…“

Noch schlimmer ist, wie die PA Kinder dazu aufhetzt, „Märtyrer“ und Selbstmord-Bomber zu werden. Sie sendet kranke, hypnotisierende Fernseh-Appelle, die die Opfer der Kinder verherrlichen, die dazu gedrängt werden sich zu melden und sich selbst in die Luft zu jagen; ihre Familien bekommen ein Blutgeld für die terroristischen Tode der Kinder, die die Gehirnwäsche durchgemacht haben.

Auf der Grundlage solcher Fakten sollte Arafat als die Quelle des Terrors vor Gericht gestellt werden. Aber wir können natürlich von unseren Medien nicht erwarten, dass sie solche Beweise berichten. Hat schließlich nicht das Friedensnobelpreis-Komitee die richtige Antwort auf Arafats Terrorismus gegeben, indem es nicht Aberkennung nicht des 1994-er Preises Arafats, sondern des ehemaligen israelischen Premierministers Shimon Peres forderten, den beide sich teilten? Eindeutig ist für die Europäer die richtige Antwort auf Selbstmord-Bomben der Angriff auf die Opfer.

Der Grund, den jeder angibt, um Israels Schuld die Schuld zuzuweisen, ist die offene Wunde der Westbank und des Gazastreifens. Es gibt keinen Zweifel, dass Israel die Palästinenser in diesen Gebieten schlecht behandelt hat. Es war grundfalsch, dort zu siedeln; diese Siedlungen hätten abgebaut und die Territorien schon vor Jahren zurück gegeben werden müssen.

Aber die Territorien sind eine monumentale Ablenkung von der eigentlichen Sache. Diese ist, dass die Palästinenser den jüdischen Staat zerstört sehen wollen. Sie wollen keine Lösung mit zwei Staaten. Das wurde 1948 und ist – mit nur wenigen mutigen Ausnahmen – von den Arabern seitdem abgelehnt worden. Ihre Forderung nach dem „Rückkehrrecht“ aller Palästinenser nach Israel – zusätzlich zum eigenen Staat -, die das israelische Land zerstören würde, macht das deutlich. Sakhr Habash hat gesagt: „Wenn wir die Gründung eines Staates und die Unabhängigkeit erklären, werden wir das Recht haben, den Rest des besetzten Landes zu befreien…“ Die führende palästinensische Taube, Faisal Husseini, sagte der ägyptischen Tageszeitung Al-Arabi im Juli 2001 kurz vor seinem Tod, dass der Friedensprozess ein „Trojanisches Pferd“ war und dass das Langzeit-Ziel die „Befreiung Palästinas vom Fluss bis zum Meer“ sei.

Die Territorien sind nicht die Frage, die über allem steht; denn Israel bot an, sie zurück zu ge-ben. In Camp David und in Taba bot Israel im Jahr 2000 an, 96 Prozent der Westbank und des Gazastreifens, dazu halb Jerusalem zurückzugeben, eine Geste, die weitgehend als Aufsehen erregend mutig angesehen wurde.

Die Palästinenser behaupten, dass dies immer noch nicht für einen lebensfähigen Staat reicht. Aber jede Verhandlung in gutem Glauben würde einen alternativen Friedensvorschlag hervor gebracht haben. Stattdessen antwortete Arafat mit der Auslösung der Intifada und dem Loslassen der Selbstmord-Bomber. Von Imad Al-Faluji, dem PA-Kommunikationsminister, wird berichtet, dass er bei einer Gelegenheit sagte, die Intifada war eine vorbereitete Antwort darauf, dass die Palästinenser ihre Ziele in Camp David nicht erreicht hatten.

Aber jeder „weiß“, dass die Rückgabe der Territorien Frieden bringen würde. So, wie sie auch „wussten“, dass dort Frieden einkehren würde, wenn Israel sich aus dem Libanon zurück zöge. Denn – wie wir uns alle erinnern – war Sharon auch hier äußerst schuldig. Also zog sich Israel zurück. Und was war das Ergebnis? Vom Iran bewaffnet (von dem eine Waffenladung auf ei-nem Schiff auf dem Weg zum Nicht-Terroristen Arafat abgefangen wurde), hat die Hisbollah jetzt 8000 Katjuscha-Raketen auf Israels nördliche Städte ausgerichtet und Mörsergranaten auf israelische Ziele geschossen.

Haben die Medien dies anerkannt? Haben sie die Tatsache berichtet, dass Journalisten um ihr Leben rennen mussten, nachdem sie versuchten, Palästinenser zu filmen, die als israelische Kollaborateure erschossen und aufgehängt wurden? Berichteten sie von den Krankenwagen, die zum Schutz von Terroristen benutzt wurden? Berichteten sie, dass die die in der Geburtskirche eingesperrten palästinensischen „Opfer“ die Schlösser der Kirche aufgeschossen und sie entweiht haben, indem sie das Gebäude und die darin befindlichen Menschen als Geiseln nahmen? Berichteten sie über die israelische Liste der Terroristen in dieser Kirche? Natürlich nicht; denn jeder weiß, dass bei allem, was die Palästinenser an schlimmen Dingen getan haben, Israel Schuld ist.

Es gibt die weit verbreitete Ansicht, die ausweglose Situation im Nahen Osten müsse gelöst werden, bevor der Angriff auf den Terrorismus fortgesetzt werden kann. Aber es ist genau umgekehrt: Es wird keine Aussicht auf Frieden mit den Palästinensern geben, bis man mit ihren terroristischen Geldgebern im Iran, im Irak und Syrien fertig ist.

Man sagt, Israels Vorstöße hätten die arabische Trauer entfacht und Terroranschläge wahrscheinlicher gemacht. Als die Amerikaner ihre Angriffe auf Al Qaida begannen, wurde ihr Handeln als einen Angriff auf den Islam verstanden, der weitere Ausbrüche rechtfertigte. So ist das auch mit den Palästinensern. Sie betrachten Israels Selbstverteidigung als unberechtigten An-griff. Die Antwort Großbritanniens und Europas ist nicht, dass dies eine monströse Umkehrung der moralischen Argumentation ist, sondern die Übereinstimmung damit, dass solche Selbstverteidigung ein brutaler Akt ist.

Zum Teil ist das so, weil das verdrehte Denken der Terroristen die moralische Konfusion der korrumpierten liberalen Orthodoxie des Westens füttert. Diese sieht eine moralische Gleichwertigkeit zwischen Terror und den Maßnahmen zum Schutz davor. Im Glauben, dass es so etwas wie die Wahrheit nicht gibt, umarmt sie Lügen und kann nicht zwischen Opfern und Tätern unterscheiden. Und natürlich können Israelis nicht die Opfer sein, denn sie haben die Macht Amerikas hinter sich. Schließlich weiß doch jeder, dass Amerika von den Juden gesteuert wird.

Wie immer liegen die Fakten etwas anders. Die Juden sind lediglich eine Lobbyistengruppe unter vielen. Die größten und unkritischsten Unterstützer Israels in Amerika sind die evangelikalen Christen. Amerika gibt den arabischen Staaten ebenso viele Hilfen wie Israel. Der größte Geldgeber der PA ist Kommissar Pattens EU. Hält er jemals inne um über die Tatsache nach-zudenken, dass die EU die Waffen und den Sprengstoff finanzierte, mit denen die PA israelische Familien ermordet? Natürlich nicht; denn Kommissar Patten weiß, dass Israel Schuld ist.

Die Ansicht, dass Amerika von den Juden gesteuert wird, ist natürlich eine klassische antisemitische Darstellung. Und hier kommt der wirklich verwerfliche Teil: so, wie jeder weiß, dass Arafat kein Terrorist sein kann, weiß auch jeder, dass die Juden immer über Antisemitismus zu jammern anfangen, um ihre eigenen Untaten zu verdecken. A.N. Wilson erzählte uns das im Londoner Evening Standard. In der Tat – grübelte er – sei er nicht länger sicher, ob er immer und überall gegen Terrorismus sei. Denn schließlich sei es Israel, das vorsätzlich Kirchengebäude anzündet und Unschuldige abschlachtet.

Denn das wirkliche Verbrechen Israels ist: gekämpft zu haben. Juden sollten das nicht tun. Sie sollten passiv in den Tod gehen. Wenn die Juden kämpfen, sollten sie verlieren. Was sie nie machen sollten, ist zu gewinnen.

Menschen, die denken, dass die Juden alle so mächtig sind, können sich nicht vorstellen, dass Israel jemals zerstört werden könnte. Aber das ist nur allzu möglich. Kontinuierlicher Terror durch Selbstmord-Bomben – der Waffe, die die Regeln des menschlichen Umgangs zerreißt – könnten es derart demoralisieren, seine Wirtschaft zum Krüppel machen und seine militärische Stärke untergraben, dass es letztlich gegenüber den arabischen Staaten verletzbar würde, die es immer schon weg haben wollten. Ein bewaffneter palästinensischer Staat, von Chris Pattens EU erzwungen, würde sich dann wirklich als Trojanisches Pferd erweisen.

Aber wenn all jene, die glauben, dass die Juden Amerika steuern, denken, dass die Welt besser dran wäre, wenn nur diese fürchterlichen Juden freundlicherweise verschwinden würden, sollten noch einmal nachdenken. Für den radikalen Islam ist der Westen als nächstes dran.

Die Frage ist, ob der Westen im Krieg gegen den Terror Schulter an Schulter mit Israel stehen wird oder ob er sich gemeinsam mit dem Terror gegen Israel stellt. Die Zeichen sind zur Zeit unheilvoll. Das Leitmotiv des Staates Israel – geschmiedet, nachdem die Welt vor dem Holocaust die Augen verschloss – heißt: „Nie wieder“. Der Westen hat jetzt seine Antwort gegeben: „Ja, noch einmal“. Und wenn der Westen zerstört wird, werden wieder – wie immer – die Juden schuld sein.

Heuchler hoch drei

gefunden au Facebook: gibt es wohl nur bei den Palästinenserführern – einerseits Israel Apartheid, Rassismus und die Ermordung Unschuldiger vorwerfen und den Boykott fordern…

…und andererseits dort medizinische Behandlung erhalten wollen (er steht auf einer israelischen Transplantationsliste, um eine Spenderlunge zu bekommen).

 

Die Medien, der Terror und die Terminologien

Nahost-Focus 13. März 2002 (heute nur noch hier)

Der Terrorkrieg gegen Israel hat in den letzten Wochen einen traurigen Höhepunkt erreicht. Inzwischen gehören Bombenanschläge, Schiessereien an israelischen Bushaltestellen und Selbstmordattentate in vollbesetzten Restaurants zum traurigen Alltag in Israel. Nur die „schlimmsten“ Anschläge sind für die Medien noch berichtenswert.

Auch der Blickwinkel ist oft verräterisch: Israelische Panzer und Soldaten, deren Gewehrmündungen in Richtung Kamera zeigen. Eine Verteilung der „Gut-Böse-Rollen“ ist hier schon vorprogrammiert. Die spontane Solidarität stellt sich bei vielen Außenstehenden unterbewusst mit der palästinensischen Seite ein.

Auch durch die Wortwahl der Medien werden die Rollen meist noch vor Bekanntgabe der Informationen festgelegt. So zum Beispiel:

„Die israelische Armee ist heute in Gaza einmarschiert und tötete 24 Palästinenser“am 12.3.2002 in den Nachrichten des Fernsehsenders N-TV.

Die Tagesschau betitelte ihre erste Nachricht am selben Tag noch griffiger: „Israel richtet Blutbad in Gaza an.“

Kein Wort darüber, das es sich bei den 24 Palästinensern um Bewaffnete handelte, die Feuergefechte mit israelischen Soldaten begannen und in Folge dieser Schusswechsel ums Leben kamen. Auch kein Wort über die Gründe des Einmarsches: das Auffinden von bewaffneten Terroristen sowie von Sprengstoff- und Raketenwerkstätten. Auch kein Wort darüber, dass die Aktionen von der israelischen Armee im Voraus angekündigt werden, um Zivilisten die Möglichkeit zu geben sich in Sicherheit zu bringen.

Auch die folgende Schlagzeile impliziert einen berechnenden Tötungswillen israelischer Soldaten: „Israelische Granaten töten Kinder“ aus der Frankfurter Rundschau vom Januar 2002.

Eine ähnliche Wortwahl gab es nach den Anschlägen in Jerusalem, bei denen Dutzende Jugendlicher ums Leben kamen nicht.

Ankündigung vor Beschuss

Was ebenfalls immer wieder verschwiegen wird: der Beschuss von Gebäuden der palästinensischen Sicherheitskräften und der Autonomiebehörde durch die israelische Luftwaffe wird ebenfalls im voraus von der Armee angekündigt. Dies wird aus dem humanistischen Gedanken heraus getan, so viele Menschenleben wie möglich zu schonen. Dass es trotzdem regelmäßig zu Toten und Verletzten kommt liegt auch daran, dass es – sei es aus Berechnung oder Unfähigkeit – nicht zur vollständigen Evakuation der Gebäude durch die palästinensischen Behörden kommt.

Die israelische Armee ist außerdem angehalten, nicht als Erster zu schiessen, außer in Notwehr. Tut das ein Soldat doch, sei es aus Angst oder falscher Einschätzung der Situation, werden diese Fälle untersucht und es kann schwerwiegende Folgen für diesen Soldaten haben, bis hin zu Suspendierung oder Gefängnis.

Auch werden meistens Gummigeschosse eingesetzt, um auch so die Zahl der tödlichen Verletzungen so gering, wie möglich zu halten.

Diese Tatsachen sind den Palästinenser bekannt und werden von ihnen bewußt ausgenutzt. so z.B. durch das Positionieren von Molotowcocktails und Steine werfenden Kindern vor schiessenden Erwachsenen. Sie wissen genau, daß Israel sich dann sehr zurückhalten wird. Wenn aber dann Kinder getroffen werden, gibt es eine große internationale Entrüstung.

Der Wert des Lebens im Nahen Osten

Ebenso ist meist nicht bekannt, daß für Austausche von Gefangenen auf beiden Seiten höchst unterschiedliche Maßstäbe gelten. Israel bietet für israelische Soldaten in arabischen (z.B. libanesischen oder syrischen) Gefängnissen immer ein vielfaches (oft um den Faktor 10) seiner arabischen Gefangenen zum Tausch an. So z.B. war im Dezember letzten Jahres versucht worden, Libanon zu einem Gefangenenaustausch von drei israelischen Soldaten für 19 libanesische Gefangene zu überreden. Die Israelis waren bei einem Patroillengang auf der israelischen Seite der Grenze von der Hizbollah gekidnappt worden. Die Hizbollah zog es vor, die drei zu töten, anstatt 19 ihrer eigenen Leute frei zu bekommen. Normalerweise sind diese Zahlenverhältnisse noch extremer. Das gibt auch Aufschluß über den Wert des Lebens in der israelischen und in arabischen Gesellschaften.

Aus Terroristen werden Militante

Doch die deutsche Presse ist in ihrem vorgelegten Freund-Feind-Schema nicht alleine. Die britische Nachrichtenagentur BBC ist dafür bekannt, im Bezug auf den internationalen Terrorismus mit zweierlei Maß zu messen.

Als vor einigen Jahren am selben Tag Terroranschläge durch die IRA in London und durch die Hamas in Israel verübt wurden, sprach die BBC von einem „Anschlag irischer Terroristen in London,“ und einem „Anschlag militanter Palästinenser in Israel“. Diese Terminologie hält sich bis heute hartnäckig in der Nahost-Berichterstattung der BBC.

Ein Blick zu den französischen Medien bietet nichts besseres. Die staatliche französische Nachrichtenagentur AFP, welche die meisten französischen und europäischen Medien mit Informationen versorgt, berichtet auch heute noch in aller Ausführlichkeit von den palästinensischen Opfern israelischer Militäroperationen in den besetzten Gebieten. In französischen Fernsehsendern folgen Minutenlange Beiträge, in denen die Arbeit palästinensischer Sanitäter bis ins Detail gezeigt wird. Verletzte Palästinenser werden dabei von Kamerateams bis ins Krankenhaus begleitet. Ein auch nur annähernd gleicher Umgang mit den israelischen Opfern terroristischer Anschläge blieb bisher aus. Israelische Sanitäter huschen oft nur in kurzen Filmsequenzen über die Fernsehbildschirme.

Mangelnde Ausgewogenheit

Doch woran scheitert eine ausgewogene Nahost-Berichterstattung in den westeuropäischen Medien?

Alle großen Medienagenturen und Fernsehstationen unterhalten Korrespondenten in Israel, die frei und ungehindert berichten können. Die Beiträge dieser Mitarbeiter sind oft ausgewogen, und vermeiden eine unnötige Emotionalisierung ihrer Berichte. Dies entspricht den internationalen Richtlinien für eine objektive Berichterstattung. Diesen Korrespondenten ist allerdings die Arbeit in den palästinensisch kontrollierten Gebieten von den PA-Behörden nicht gestattet.

Journalisten und Kamerateams können in den Gebieten der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) nicht ohne „palästinensischen Begleiter“ arbeiten. Auch in der Übermittlung ihrer Berichte unterliegen sie einer indirekten palästinensischen Zensur. So beschwerten sich AP und AFP mehrfach bei den PA-Behörden über Manipulationen und Bedrohungen ihrer Mitarbeiter durch Mitglieder der palästinensischen Sicherheitskräfte. Dies führte dazu, dass heute die meisten Berichte für die europäischen Medien von lokalen palästinensischen Journalisten und Kamerateams zusammengestellt werden. Das diese Berichte nicht objektiv und ausgewogen sein können, versteht sich von selbst.

In Anbetracht dieser Tatsachen kann es einen nicht verwundern, wenn der Informationsgrad vieler EU-Bürger im Bezug auf den Nahost-Konflikt Unvollständig ist. Laut Medienexperten hat die Palästinensische Autonomiebehörde in der Propagandaschlacht mit Israel einen haushohen Sieg davongetragen. Ein Sieg, der nicht nur Israel sondern auch die europäische Medien als Verlierer dastehen lässt, da sie ihrer Aufgabe nicht nachgekommen sind: der objektiven Berichterstattung über einen Konflikt, in dem beide Seiten ihren Schuldanteil tragen.

Von Zvezdan Kuhar und Oliver Kraigher

Unser Mann in Israel

Esther Schapira und Georg M. Hafner, 27. März 2003

„Journalisten, die in Israel arbeiten, müssen sich mit ihrer Unterschrift verpflichten, nichts zu berichten, was gegen die Interessen und die Sicherheit des Staates Israel verstößt. Jeder Journalist muss das tun. Und jeder tut es.“

Das verbreitet eine namhafte Dozentin der Universität Dortmund seit Jahren mit großem Eifer im Internet und bei jeder sich sonst bietenden Gelegenheit, in Vorträgen, in Artikeln, in persönlichen Briefen. Sie beruft sich auf zahllose Gespräche mit Journalisten zu diesem Thema in Israel, in Deutschland und anderswo.

Mit mir hat Frau Dr. Waltz nicht gesprochen. Ich hätte Ihr nämlich gesagt, dass ich nie eine solche Unterlassungserklärung gesehen habe oder gar eine solche unterschreiben musste.

Es gibt nämlich eine solche Erklärung nicht. Schon deshalb nicht, weil es ein aberwitziges Unterfangen wäre, allen Journalisten einen solchen Maulkorb zu verpassen, denn nirgendwo auf der Welt gibt es eine höhere Journalistendichte als in Israel. Hier arbeiten mehr Kollegen und Kolleginnen als auf dem gesamten afrikanischen Kontinent!

Aber selbst wenn es einen solchen Maulkorb gäbe, so zeigt doch schon der tägliche Blick in Ihre Zeitung, wie wirkungslos er ist. Denn beim Thema Israel kennen deutsche Journalisten entgegen anders lautender Selbst-Bekenntnisse offenkundig keine Beißhemmung.

Israel hat nämlich so ziemlich die schlechteste Presse überhaupt. Nach einer Untersuchung des Institutes für Medienanalysen in Bonn sieht der Befund so aus:

61% der internationalen Konfliktberichterstattung im Fernsehen widmet sich dem Nahostkonflikt. 81% davon beschäftigt sich mit Israel. Nur 5% davon wiederum waren für Israel schmeichelhaft und positiv. (45% negativ, 49% neutral. Quelle: MEDIEN TENOR Institut für Medienanalysen mit Sitz in Bonn Die Welt, Frankfurter Allgemeine, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung, taz, Bild-Zeitung, Focus, Spiegel, Stern, Die Zeit, Bild am Sonntag, FAZ am Sonntag, Welt am Sonntag, ARD Tagesschau, ARD Tagesthemen, ZDF heute, ZDF heute journal, RTL aktuell, SAT.10, Pro Sieben Nachrichten.)

Israel ist fast durchgängig der eigentliche Aggressor oder, Um den großen deutschen Philosophen Peter Sloterdijk zu zitieren, Israel ist der eigentliche „Schurkenstaat“, zusammen mit den USA versteht sich. (Interview mit dem österreichischen Magazin „profil“) Nun könnte es mir egal sein, welchen Unsinn eine einzelne, deutsche Wissenschaftlerin wo und wie verbreitet und was Herr Sloterdijk, den ehrlich gesagt auch sonst nicht besonders gut verstehe, von Israel hält.

Das fatale ist nur, es sind keine Einzelstimmen, ihre Ansichten sind mehrheitsfähig in diesem Land:

Endlich sind die Juden nicht länger nur Opfer, sondern sie sind endlich auch Täter. Das ist eine wunderbare Entlastung der eigenen, historischen Schuld und Verantwortung und deshalb höchst willkommen im Land der Täter. (Scharon – Belgien – Sabra & Shatila) Und deshalb fühlt sich auch ein Norbert Blüm bemüßigt von einem „Vernichtungskrieg“ zu sprechen, den Israel führe gegen ein unterdrücktes Volk, ein Volk ohne Heimat: die Palästinenser. Das passt alles gut zusammen.

Israel hat also keine gute PR. Gleichzeitig wird aber jeder, der versucht, ein differenzierteres Bild Israels zu zeichnen, der Parteilichkeit geziehen. Das Leid des palästinensischen Volkes werde verschwiegen. Überhaupt die Weltpresse, sie sehe tatenlos zu und berichte, weil jüdisch unterwandert und gesteuert, einseitig.

Das genau war auch der Tenor nach der Ausstrahlung des Dokumentarfilms meiner Kollegin Esther Schapira:

„Die deutsche Israelin Esther Schapira leistet ganze Arbeit und setzt alle Ihre Fähigkeiten zur Verteidigung von Staatsverbrechen und Staatsverbrechern ein und outet sich damit als zionistische Propagandamitarbeiterin. (…) Haben die Zionisten schon alles in der Hand und können die deutschen Medien sich aus diesem Würgegriff nicht mehr befreien?“

Das fragte das „Muslim-Markt-Team“, eine sinistre islamistische Plattform im Internet, schon vor der Ausstrahlung des Filmes. Verantwortlich für diese Website ist ein Dozent der Uni Bremen, ein Türke mit deutschem Pass und angeblich auch ein Vertreter der Hisbollah in Deutschland. Und er ermuntert den geneigten Leser, das zu tun, was ein aufrechter Muslim zu tun habe, nämlich der Autorin entsprechend einzuheizen. Esther Schapira musste die ersten Veranstaltungen nach ihrem Film unter Polizeischutz machen, der Staatsschutz nahm die Drohung ernst.

Aber auch der ganz normale Zuschauer und die ganz normale Zuschauerrinnen wollten nicht hintan stehen:

Frau P. aus Hamburg möchte wissen, ob Frau Schapiras „journalistischer Eifer vielleicht durch einen israelischen Scheck angefacht worden sein mag“. Herr V. aus Ulm empört sich darüber, dass „die ARD sich zum Knecht israelischer Propaganda“ macht und „der HR … eine Esther Shapiro … beauftragt …, also eine Jüdin, Zweifel zu säen“.

Der Film sei „das übelste Machwerk an primitiver Propaganda, das seit den Zeiten eines Goebbels auf die Menschheit losgelassen wurde“. Herr T. schließlich empört sich per Mail „über die Propagandasendung“ und will wissen, wie „im Moment des Holocaust der Palästinenser eine Sendung wie diese ausgestrahlt werden kann“.

Vier von Hunderten von Briefen, Anrufen, Mails und Artikeln, die uns nach der Ausstrahlung des Filmes erreicht haben. Nicht anonym, wie meine Zitate es nahe legen könnten, sondern mit Anschrift und mit der Bitte um Rückantwort verbunden.

Sie sehen also, die Dozentin aus Dortmund ist nicht alleine mit ihrem schweren Verdacht gegen den deutschen Journalismus, jedenfalls solange er sich mit dem Nahostkonflikt beschäftigt. Eine vergleichbare Empörung, wenn es um die Berichterstattung über wirkliche Schlachtfelder dieser Erde geht – Kaschmir, Tschetschenien, Ruanda, Kongo – ist nicht zu vermelden. Selbst wohlwollende Zuschauer haben Esther Schapira gefragt, ob sie als Jüdin nicht doch ein bisschen befangen sei. Abgesehen davon, dass es keine Rolle spielt, ob Esther Schapira eine Jüdin ist, kann ich mich nicht erinnern, je nach meiner Religionszugehörigkeit befragt worden zu sein, nicht einmal da, wo ich als Protestant heftig über die deutschen Bischöfe in der bigotten Frage der Abtreibung hergefallen bin. Niemand kommt auch auf die Idee, Autoren und Autorinnen, die sich mit der Rolle der Waffen-SS auseinandersetzen, Befangenheit zu unterstellen, weil sie entweder der Tätergeneration angehören oder Kinder von Tätern sind. Aber wie lässt sich nun diese besondere Beschäftigung und Empörung bei der Berichterstattung aus Nahost erklären? Grundsätzlich gilt, dass viele Zuschauer auf der Suche nach der Bestätigung für vorgefasste Meinungen sind. Im Übrigen das Rezept aller politischen Meinungsmagazine. Die einen klatschen, die anderen ärgern sich zu Tode. Jeder bedient seine Klientel. Journalisten als Bildbeschaffer für die Bilder im Kopf. Selten jedoch tritt dieser Mechanismus so offen zutage wie im Nahostkonflikt. Und: selten sind Journalisten so willig dabei, diese Rolle zu spielen, weil sie vielfach übereinstimmt mit der eigenen Haltung.

Ich will das an einem dramatischen und zugleich symptomatischen Beispiel erläutern. Am 2. April 2002 rückt die israelische Armee in der Stadt Djenin ein. Sie tut es erklärtermaßen deshalb, weil wenige Tage zuvor bei drei Selbstmordanschlägen in Israel fast 50 Menschen getötet und 200 zum Teil schwer verletzt worden waren und weil die terroristischen Mörder aus dem Flüchtlingslager Djenin kamen. Drei Tage später sprechen die palästinensischen Behörden von einem „Massaker“, das die israelische Armee in Djenin angerichtet habe.

Die Angaben über die Zahl der Opfer erhöhen sich von Tag zu Tag. DPA, AFP und Reuters melden bis zu 200 Tote, der palästinensische Informationsminister meldet 900 Opfer. Und so steht es auch in den Zeitungen und auch in den anderen Medien wird von einem „Massaker“ berichtet, obwohl die Quellenlage völlig unzulänglich ist, denn Journalisten selbst waren keine vor Ort. Es war eine Berichterstattung vom Hörensagen. „Amnesty International“ fordert eine sofortige Untersuchung des Todes von „Hunderten von Palästinensern“, spricht von einem „Kriegsverbrechen“. Die UN-Menschenrechtskommission in Genf verurteilt das „Massaker“ aufs schärfste.

Auch Frau Dr. Waltz schaltet sich wieder ein: „Die Israelis sind dazu übergegangen, Leichen in die Abfallgruben zu schleppen, aber über 800 Leichen – das ist inzwischen amtlich festgestellt …. – sind in Lkws abtransportiert worden nach Norden und dort in einem anonymen Friedhof in Massen vergraben worden. In Djenin werden … weitere Massengräber entdeckt“.

Bremens Bürgermeister, Henning Scherf, überlegt, eine Fotoausstellung in der Hansestadt zu dem „Massaker“ von Djenin zu machen. Djenin wird zu einem Synonym für „Massaker“. Auch die UN-Flüchtlingsorganisation UNWR meldet sich mehrfach zu Wort und spricht von einem „Schlachtfeld unter Zivilisten“, es sei der „reinste Horror“.

Diese Bewertung der Lage in Djenin lässt besonders aufhorchen und sie lohnt eine besondere Betrachtung.

Das UNWR betreut als UN-Flüchtlingswerk weltweit zahllose Flüchtlingslager und ist in dieser Funktion auch für Djenin verantwortlich. Deshalb hätte niemand die Wahrheit besser wissen müssen und können, als das UNWR. Und die Wahrheit heißt:

Djenin war ein Feldlager des „Islamistischen Djihad“, die Hauptstadt der Selbstmordattentäter sozusagen. „Wir hatten 1000 bis 2000 Bomben“, erklärt ein stolzer palästinensischer Kämpfer dem Fernsehsender CNN in die Kamera. Und alles unter den Augen des UNO-Flüchtlingswerkes? ? Jedes 10. Haus in Djenin war vermint. Und alles unter den Augen des UNO-Flüchtlingswerkes?

Britische und norwegische Rettungsteams mussten unverrichteter Dinge aus Djenin abziehen, weil Verschüttete in Sprengstofffallen gefangen waren.

Und alles unter den Augen des UNO-Flüchtlingswerkes?

„Glauben Sie mir, in den Häusern stehen Kinder bereit, mit Sprenggürteln“, berichtet ein anderer Kämpfer. „Heute kam eines der Kinder mit seiner Schultasche zu mir. Ich fragte ihn, was er wolle, und er antwortete: Statt Bücher möchte ich Sprengstoff, um anzugreifen“. Und alles unter den Augen des UNO-Flüchtlingswerkes?

Statt sich also mit der eher problematischen Zuschauer-Rolle, oder gar der Mittäterschaft des Flüchtlingswerkes zu beschäftigen, was ja eigentlich unsere vornehme Aufgabe hätte sein müssen, haben die Kollegen ungeprüft Meldungen der palästinensischen Behörden verbreitet. Kein besonders guter Journalismus.

Nun könnte man entschuldigend einwenden: die Journalisten wussten es nicht besser, sie durften schließlich nicht an den Ort des vorgeblichen Massakers. Und wenn man vom Rathaus kommt, soll man ja angeblich alles besser wissen. Nur: alles eben Erwähnte wäre ohne Mühe im Internet zu finden gewesen. „Memri.org” (The Middle East Media Research Institute) bietet jedem, der es sucht, die Mitschrift vieler Berichte aus den arabischen Medien. Die oben zitierten Interviews gehören dazu.

„Memri.org“, ein Klick, und man hätte es besser wissen können, was Djenin wirklich ist. Wenn man es denn gewollt hätte.

Nachdem sich der Rauch über Djenin verzogen hatte, die Journalisten sich dem nächsten Schlachtfeld zugewandt hatten, kommt ein Expertenteam der Vereinten Nationen nach gründlicher Untersuchung zu dem Ergebnis: von Massaker keine Spur. Es gab 52 palästinensische Opfer, und keine 900, davon waren 22 Zivilisten.

Um nicht missverstanden zu werden, es waren 52 Opfer zu viel, eigentlich 75 zu viel, denn es sind auch 23 israelischen Soldaten ums Leben gekommen. Aber die fanden dann ohnehin nirgendwo mehr eine nennenswerte Erwähnung.

„Hätten Sie den Film auch gemacht, wenn am Ende herausgekommen wäre, dass tatsächlich israelische Soldaten Mohammed al Dura erschossen haben“, wurde Esther Schapira oft gefragt.

Diese Frage ist legitim. Aber sie ist auch verräterisch, denn sie unterstellt gleichzeitig eine Tendenz, einen Vorsatz, die Produktion sei nur deshalb zustande gekommen, um dem israelischen Militär aus der Patsche zu helfen. Erstaunlich ist nur, dass niemand so sehr gegen diesen Film war, wie das israelische Militär. „Words cannot balance pictures“, Worte könne nicht ausgleichen, was Bilder anrichten, hatte der Militärsprecher als Einwand gegen unser Vorhaben entgegnet. Während die palästinensischen Behörden jedwede Hilfestellung anboten, bockte das israelische Militär und als dieses dann zuletzt doch zustimmte, weil wir ihnen klargemacht hatten, dass der Film so oder so gemacht werde, gab es plötzlich ein Veto aus dem Außenministerium.

In Israel wollte niemand diesen Film, aber niemand war auch in der Lage, diesen Film zu verhindern. Israel ist ein freies Land, Journalisten bewegen sich ohne Kontrolle, keine Aufpasser, kein Zensor, die Bewegungsfreiheit ist uneingeschränkt, auch wenn Frau Dr. Waltz genau das Gegenteil behauptet.

Ungemütlich wird es erst in den besetzten Gebieten. Wehe dem, der dreht und das nicht darf. Ein Beispiel: Zwölf Tage nach Mohammeds Tod, am 12. Oktober 2000, entstanden im Westjordanland ebenfalls Bilder, die um die Welt gingen. Sie zeigen, wie eine aufgebrachte Menschenmenge vor dem Polizeigebäude in Ramallah begeistert jubelt, als ein regloser Körper aus dem Fenster im ersten Stock geworfen wird. Dann erscheint ein Mann, der der Menge mit blutigen Händen winkt. Es gibt auch Bilder, wie ein zweiter Mann vor dem Gebäude von Menschen zu Tode geschleift wird. Die Opfer: Zwei Israelis, die sich verfahren hatten und mit ihrem israelischen Kennzeichen versehentlich in Ramallah im Westjordanland gelandet waren.

Palästinensische Polizei hatte sie daraufhin festgenommen und zur Polizeistation gebracht. Dort wurden sie dann gelyncht, eine gnädig abstrakte Bezeichnung für die Art, wie sie zu Tode gequält, durch die Straßen geschleift, bei lebendigem Leib angezündet wurden. Yosi war 38 Jahre alt. Er hinterlässt kleine Kinder. Vadim war 33 Jahre alt. Er hatte vier Tage zuvor geheiratet. Über sein Handy wird seine Frau gezwungen mit anzuhören, wie ihr Mann gelyncht wird. Yosi und Vadim sind aus dem Gedächtnis der Medienwelt längst entschwunden. Ihr Schicksal wäre auch damals weitgehend unbeachtet, wenn es nicht diese Fernsehbilder gegeben hätte.

Die Geschichte von der Verbreitung dieser Bilder erzählt ein eigenes, weitgehend unbekanntes Kapitel der journalistischen Wahrheitsfindung im Nahostkonflikt. Gedreht wurden sie von einem Kamerateam von RTI, einer kleinen privaten italienischen Fernsehstation.

Dieses Team war aber keineswegs das einzige vor Ort. Wie in Netzarim drängten sich auch vor der Polizeistation in Ramallah an diesem Tag die Fotografen und Kamerateams: darunter ein britischer Fotograf, ein polnisches TV-Team, Producer für ABC Network und ein Team des ZDF. Das polnische Team wurde umzingelt und von palästinensischer Polizei geschlagen. Das ZDF Team wurde ebenfalls attackiert, der Reporter „Jude“ beschimpft und an die Wand gestellt. Erst als er seinen deutschen Ausweis zeigt, lassen die Palästinenser von ihm ab. (Merseburger) Allen Kameraleuten und Fotografen wurde das Material beschlagnahmt. Kameras wurden zerschlagen. Kaum jemand der Kollegen hat darüber berichtet.

Warum nicht?

Die Antwort liegt vielleicht in der Reaktion, mit der die italienische Journalistin konfrontiert war, der es als einziger gelang, ihre dramatischen Bilder heraus zu bringen und zu senden. Sie erhielt Morddrohungen, musste die Region verlassen und steht bis heute in Italien unter Polizeischutz. Damit ist die Geschichte aber noch nicht ganz erzählt. Die RAI, die große staatliche Fernsehanstalt Italiens, sah sich nämlich plötzlich in einen Topf geworfen mit dem völlig unbedeutenden Privatsender RTI. Das machte die Arbeit in den besetzten Gebieten ungemütlich, weshalb Ricardo Christiano, der Korrespondent der RAI zur Feder griff und sich bei den palästinensischen Behörden entschuldigte für etwas was er nicht getan hatte, aber hätte tun sollen, nämlich über den Lynchmord von Ramallah zu berichten. Diese Ergebenheitsadresse wäre nie bekannt geworden, hätte sie nicht die palästinensischen Zeitung Al Hayat veröffentlich: Seine „geschätzten Freunde in Palästina“, lässt der Kollege wissen, wie sehr er den Vorfall bedauere, und dass die RAI nicht das Geringste damit zu tun habe, „denn“, so wörtlich, „die Regeln der palästinensischen Autonomiebehörde für journalistische Arbeit in Palästina werden von uns immer respektiert (und wir werden auch fortfahren, sie zu respektieren) und wir sind glaubwürdig in unserer präzisen Arbeit. Wir danken Euch für Euer Vertrauen und Ihr könnt sicher sein, dass dieses Handeln nicht unserem Stil entspricht. Wir würden und werden so etwas niemals tun. Bitte akzeptiert Sie meine Segenswünsche.“

Ein Kniefall, ein ungeheuerlicher Kotau vor den palästinensischen Machthabern, den die RAI offenbar seinem Korrespondenten abverlangt hat. Christiano verlor daraufhin seine Akkreditierung in Israel, wurde schließlich von der RAI abberufen und ist jetzt zuständig für Vatikanberichterstattung beim Hörfunk.

Esther Schapira hätte gern von ihm selbst erfahren, wie die „Regeln“ der palästinensischen Autonomiebehörde für journalistische Arbeit aussehen und wozu genau er sie „beglückwünscht“ hatte. Er hätte auch gern geantwortet, durfte aber nicht. Ohne Genehmigung seines Arbeitgebers RAI drohe ihm die Kündigung, wenn er über die Ereignisse von Ramallah spreche. Die RAI untersagt ihm jede Äußerung. Doch auch ohne seine Erklärung lässt sich vermuten, wie es zu diesem Brief kam. Ricardo Christiano hatte Morddrohungen erhalten, wegen der vermeintlich von ihm „verschuldeten“ Veröffentlichung der Bilder vom Lynchmord aus Ramallah. Diese Drohungen sind kein Einzelfall.

Im November 2000 veröffentlicht Al Hayat einen Brief der Palästinensischen Journalisten Vereinigung, in dem die Nachrichtenagentur AP für ihre Darstellung des „Kampfes der Palästinenser“ verurteilt wird. Falls AP die Berichterstattung nicht ändere, heißt es dort, würden „alle notwendigen Maßnahmen gegen AP-Mitarbeiter“ angewendet.

Der Korrespondent des amerikanischen Magazins „Newsweek“, Joshua Hammer und sein Fotograf Gary Knight wurden am 29. Mai 2001 unmittelbar nach einem Interview im Gazastreifen von ihren Interviewpartnern, Mitgliedern der Fatah, verschleppt und erst nach heftigen Protesten vier Stunden später wieder freigelassen. Für ausländische Journalisten ist dies eher die Ausnahme, für einheimische dagegen gängige Praxis: „Kritiker der Palästinensischen Autonomiebehörde werden zuweilen von einem Angehörigen der Sicherheitskräfte zu einem Kaffee eingeladen, um erst Tage, Wochen oder sogar Monate später wieder freigelassen zu werden“, schreibt nicht etwa die Pressestelle der israelischen Regierung, sondern Amnesty International. „Seit ihrer Gründung 1994“, heißt es im Jahresbericht 2000, „hat die Palästinensische Autonomiebehörde die Freiheit der Presse zunehmend eingeschränkt durch eine Vielzahl von Maßnahmen, darunter Verhaftungen, Verschleppung durch Sicherheitskräfte. (…) Viele der Verhafteten konnten keinen Kontakt zur Außenwelt aufnehmen und einige waren Folter ausgesetzt.“

Nicht erwähnt werden etwa die Todesurteile in den palästinensischen Gebieten, die ohne jedes ordentliche Gerichtsverfahren vollstreckt werden oder die gängige Lynchjustiz für vermeintliche Kollaborateure.

Vor diesem Hintergrund ist es hochgradig problematisch, dass die Kontrolle über die Berichterstattung und vor allem die Hoheit über die Bilder inzwischen fast ausschließlich bei Palästinensern liegt. Weit über 90% der Kameraleute, die in Gaza und der Westbank arbeiten, sind Palästinenser. Sie arbeiten im Auftrag westlicher Fernsehstationen und Agenturen. Ihre Auftraggeber sind überwiegend westliche Fernsehstationen und Agenturen, aber sie drehen die Bilder. Sie entscheiden, auf welches Ereignis sie ihre Kamera richten. Sie wählen das Material aus, das sie in die Studios nach Jerusalem und Tel Aviv überspielen. Und sie teilen Korrespondenten telefonisch mit, was sie gesehen habe. Daraus entsteht der Reporterbericht. So war es im Fall Mohammed Al-Dura. So ist es die Regel.

Aus einer Reihe von nachvollziehbaren Gründen und Sachzwängen sind westliche Journalisten und Kameraleute nur in Ausnahmefällen selbst vor Ort.

Erstens: Es ist zu gefährlich.

Kriegsreporter sind selten an der Front. Das war im Golfkrieg so. Das war im Kosovo so. Das war in Afghanistan so. Das wird im kommenden Golfkrieg auch so sein. Offiziell herrscht in Israel kein Krieg, aber es wird scharf geschossen. Und: Es gibt keinen klaren, vorhersehbaren Feind. Das macht die Sache noch gefährlicher. Wer noch dazu die Sprache nicht beherrscht, und die meisten westlichen Journalisten sprechen weder hebräisch noch arabisch, bleibt sicherheitshalber besser im klimatisierten Studio und lässt sich die Bilder von der Front überspielen. Panzerweste hin oder her, die zieht man dann allenfalls an, wenn man seinen Aufsager macht und so tut, als sei man mittendrin.

Und weil „unser Mann in Israel“ nicht an der Front ist, kommt er auch in keinen journalistischen Gewissenkonflikt. Er kommt erst gar nicht in die Verlegenheit, Bilder zu sehen, deren Verbreitung gefährliche Konsequenzen für ihn haben könnte, weil sie vielleicht nicht den „Regeln der Berichterstattung“ palästinensischer Lesart entsprechen. Regeln, die jeder offiziell dementiert und die doch jeder kennt. Regeln eben, auf die sich Ricardo Christiano in seinem Brief explizit bezogen hat.

Regeln übrigens, gegen die die Kollegen dringend öffentlich protestieren und die sie zum Gegenstand ihrer Berichterstattung machen müssten. Doch damit geriete das System selbst ins Wanken, denn welcher Journalist mag schon zugeben, dass er selbst vom Ort des Geschehens fast ebenso weit entfernt ist, wie der Zuschauer zuhause? Wer mag öffentlich eingestehen, dass er Angst hat? Wer räumt ein, dass er nicht selbst recherchiert hat und nur gefilterte Informationen verarbeitet?

Zweitens: Die Aktualität.

Der Zwang zur Aktualität lässt keine Zeit für eine journalistische Recherche vor Ort. Längst hat der im Medienwettbewerb gewonnen, der die Information am schnellsten liefert, am besten, wenn es denn ginge, zeitgleich zum Geschehen. Das geht zwingend auf Kosten der Wahrheit und Gründlichkeit. Wenn an nachrichtenstarken Tagen allein sieben Regelsendungen und dann noch zusätzliche Sondersendungen mit Beiträgen beliefert werden müssen, dann hat ein Reporter vor Ort keine Chance, er sitzt am Schneidetisch, er muss dort sitzen und ein Stück nach dem anderen liefern.

TS um 15:00, 17:00, 20:00 TT, Nachtjournal, Brennpunkt, Morgenmagazin, Mittagsmagazin

Da kann ein Korrespondent nicht selbst recherchieren. Da kann er sich nur darauf beschränken, die angelieferten Bilder und Informationen zu bearbeiten, möglichst schnell und jedes Hinterfragen bringt ihn aus dem Rennen. (Man stelle sich vor: Mohammed Al-Dura: Moment mal, wir müssen erst noch mal gucken, was wirklich mit dem Bildmaterial los ist) Das Unredliche dabei ist: es sagt keiner. Redlicherweise müsste man wenigstens die Quelle nennen. Tut der Reporter in der Regel aber auch nicht. Das Material erscheint dem Zuschauer als selbst gedrehtes Material, authentisch eben, dabei stammt es entweder direkt von der Israelischen Armee oder eben von palästinensischen Kameraleuten vor Ort. Beides ist journalistisch problematisch. Beides wird in der Regel unterschlagen.

Das Ergebnis sind die immergleichen Bilder, die uns aus Nahost erreichen. Es sind die Bilder, die unsere Zuschauer erwarten, weil wir sie ihnen liefern. Und wir liefern sie, weil sie erwartet werden. Ein Kreislauf, bei dem vor allem eines auf der Strecke bleibt: die Wahrheit. Die nämlich ist deutlich komplizierter als die Welt der Schlagzeilen und Aufmacher sie suggeriert.

Und die so gefärbte Berichterstattung schadet beiden Kriegsparteien, weil sie den Graben vertieft. Israel fühlt sich durch die tendenziöse Berichterstattung verunglimpft, igelt sich ein und wird immer unzugänglicher auch für berechtigte Kritik.

Doch auch die Sieger im Medienkrieg, die Palästinenser, verlieren.

Je weniger differenziert berichtet wird, je selbstverständlicher Zensur ausgeübt werden kann, umso schwerer haben es jene, die sich für demokratische Verhältnisse, für eine Verhandlungslösung und damit für eine Zukunft ihres Volkes in Freiheit und friedlicher Nachbarschaft mit Israel einsetzen. Niemand darf aussuchen, was wir sehen dürfen, wir wollen und müssen alles sehen. Das ist der Grundsatz für Pressefreiheit. Das Schlusswort soll nicht Frau Walz haben, mit der ich angefangen habe und die übrigens als Dozentin auch dem palästinensischen Wohnungsbauministers zu Diensten war, sondern: der israelische Schriftsteller Amoz Oz. Der hat kürzlich in einem Interview gesagt: „Vor fünfzig Jahren war ganz Europa mit Graffiti überzogen, in denen es in allen Sprachen hieß: Juden, geht nach Palästina. Heute steht überall: Juden, raus aus Palästina. Dasselbe Europa.“

Er hat kein Fragezeichen dahinter gemacht, aber auch kein Ausrufezeichen. Er hat es offen gelassen. Ich habe leider zunehmend das Gefühl, „Juden raus aus Palästina“ und wir hätten keine Scherereien mehr mit Bin Laden und anderen islamistischen Terroristen, sondern wieder unsere Ruhe, das eint Europa wieder, nicht nur in Deutschland, auch in Frankreich und besonders in Großbritannien. Ich danke Ihnen.

© Esther Schapira und Georg M. Hafner

Schreiben an Außenminister Fischer

Am 28.1.2002 ging in Laeken die EU-Außenministerkonferenz zu Ende. Bei dieser Konferenz beschlossen die EU-Außenminister einen Aufruf an die Parteien des Nahost-Konflikts, die beiderseitige Gewalt zu beenden und den Friedensprozess wieder aufzunehmen.
Allerdings gab es auch Erwägungen der EU, Israel mit Schadensersatzforderungen zu konfrontieren, weil die israelische Armee Gebäude und Einrichtungen der Palästinensischen Autonomiebehörde zerstörte, die mit EU-Geldern finanziert wurden.
Als ich das hörte, schrieb ich folgenden E-mail an Außenminister Fischer (über ein Formular auf der Homepage des Auswärtigen Amtes):

Sehr geehrter Herr Außenminister,

heute habe ich die Berichterstattung zur EU-Entscheidung in den Medien intensiv verfolgt, die besagt, dass die EU Israel mit Schadensersatz-Klagen droht.
Sie waren mehrfach in Israel; während Ihrer Aufenthalte fanden dort Terror-Anschläge statt. Sie haben das miterlebt.
Aber trotzdem tragen Sie diese Entscheidung mit.

Ich finde es empörend, dass Israel auf diese Art kritisiert und der einzigen funktionierenden Demokratie des Nahen Ostens so gedroht wird.
Arafat hat EU-Gelder verschleudert, in dunklen Kanälen versickern lassen; seine Verwaltung ist von Korruption so durchsetzt, dass bei „seinem“ Volk kaum etwas ankommt. Statt in die Entwicklung einer funktionierenden Infrastruktur zu investieren, kauft er illegale Waffen und bezahlt seine Terroristen. EU-Gelder für neu entwickelte Schulbücher sind in Hetzwerke investiert worden, die unsere braune Vergangenheit fast schon harmlos erscheinen lassen könnten.
Arafat und seine Zuarbeiter bzw. Stadthalter haben so oft in der arabischen Presse ihre wahren Ziele offenbart, dass ich nicht begreife, wie ihnen immer noch Friedensabsichten und ein friedliches Leben neben oder mit Israel unterstellt werden können.

Und trotzdem bekommt dieser Erz-Terrorist und Kriegstreiber von der EU lediglich den erhobenen Zeigefinger gezeigt, während Israel mit Sanktionen und Klagen gedroht wird!
Das ist mehr als einseitig, das ist eine nicht zu entschuldigende Entgleisung!

Wenn Israel – statt Menschen in gleichem Maße umzubringen zu versuchen, wie es die Palästinenser in Israel tun – Symbole vernichtet, die Arafat in seinem Stolz treffen, dann sind das Akte, die gelobt werden müssten, weil sie die Menschen schonen. Stattdessen beklagt die EU finanzielle Verluste. Ich finde das pervers!
Wenn die Israelis vereinzelt Menschen töten, die praktisch ungehindert ihren Terror-Plänen und -Aktionen nachgehen können, die sie aber nicht festnehmen können, weil Arafat ihnen den Zugriff verweigert, sie selbst nicht festnehmen und wo ein Zugriff auch sonst nicht möglich ist, schreit die EU auf; wenn Arafats Leute ein Blutbad anrichten, kommen lahme Verurteilungen.

Diese Ungleich-Behandlung ist einer Demokratie unwürdig!

Ich fordere Sie auf, diese Einseitigkeit aufzugeben und in der EU dafür zu sorgen, dass objektivere Haltungen angenommen werden.

Lassen Sie es nicht so weit kommen, dass die Palästinenser ihr wahres Ziel – die Vernichtung Israels – erreichen können!

Hochachtungsvoll

Am 31.1.2002 bekam ich eine Antwort des Auswärtigen Amtes. Darin wurden mir zwei Dokumente übersandt:
1. Die Erklärung von Laeken auf Deutsch (kein Wort über den Teil, der die Schadensersatzforderungen verlangt);
2. Die Erklärung von Laeken auf Englisch (da steht’s dann drin).

Ehrlich gesagt:
Ich finde es ziemlich arm, dass das AA so unvollständige Dokumente weiter gibt.

Hier der den Nahen Osten betreffende Teil des deutschsprachigen Dokuments:

  1. Weitere aussen- und sicherheitspolitische Themen
  2. Naher Osten

Die aktuelle Krise im Nahen Osten war zentrales aussenpolitisches Thema des Gipfels. Der ER verabschiedet eine gesonderte Erklaerung (vgl. Text auf dem Internet) mit dem Appell an die Palaestin. Behoerde, fuer die Aufloesung von Hamas und Dschihad zu sorgen, die Verdaechtigen zu verhaften und gerichtlich zu verfolgen, und an Israel, die Militaerkraefte zurueckzuziehen, aussergerichtliche Tötungen einzustellen, Blockaden und Beschraenkungen aufzuheben, die Siedlungspolitik zu stoppen und die gegen die pal. Infrastruktur gerichteten Operationen einzustellen. Die sehr sorgfaeltig ausbalanzierte Erklaerung benennt im einzelnen die fuer beide Seiten essentiellen Grundlagen fuer den Frieden. Sie betont, dass ISR fuer die Zerschlagung des Terrorimus die Palaestinensische Behoerde und Arafat braucht und ihn daher nicht schwaechen darf. Umgekehrt muss die Pal. Behoerde alles tun, um Terrorakte zu verhindern. Die Erklaerung fordert die unverzuegliche und bedingungslose Umsetzung des Tenet/Mitchell-Plans. Die EU ist bereit, bei der Schaffung eines unparteiischen Ueberwachungsmechanismus zu helfen. Geboten ist das konzertierte Handeln der EU mit den VN, den USA und RUS; HR Solana wird daher beauftragt, entsprechende Gespraeche weiterzufuehren. Wirtschaftshilfe, insb. fuer die Palaestinenser, bleibt wichtig. Ziel der EU ist das friedliche Nebeneinander zweier Staaten, Israels und Palaestinas.

Die E-mail-Adresse des AA: Postelle@auswaertiges-amt.de