Wortspiele – für Viertklässer, nicht für Zweitklässler

In meiner Klasse ist ein Mädchen, das eine Schwester in der Vierten hat. Diese große Schwester, N., hat ein Faible für Wortspiele und kann selbst auch sehr gut mit Sprache umgehen. Es hat schon viele Lachorgien durch sie gegeben, die sie gewollt und geschickt herbeiführte. Die Kleinere ist da im Nachteil – vieles kann sie einfach noch nicht verstehen. Das ärgert sie.

Letzten Donnerstag sah ich N. auf dem Schulhof und winkte sie heran. „Ich hab‘ was für dich“, meinte ich und sie war ganz Ohr.

Ein Mann und eine Frau. Sagt er: „Kacktusse.“
Sie: „Das heißt aber Kakteen.“
Er: „Ich rede von dir.“

N.: „Was hat er am Anfang gesagt?“
Ich, deutlich: „Kack-Tusse.“
Ein breites Grinsen in ihrem Gesicht, begleitet von „Der ist aber richtig gut!“ – und weg ist sie.

Keine halbe Stunde später stand die kleine Schwester vor mir: „Kannst du mir das mit der Tusse erklären?“

Informationsanfrage

Sachunterricht im 4. Schuljahr. Es klopft an der Tür. Herein kommt D. aus meiner Klasse, der seine Uhr in der Turnhallte hatte liegen lassen und sie jetzt bei mir abholen wollte.

D. kennen sie in der 4 noch nicht richtig (er ist seit rund 3 Monaten bei uns). Einer fragt sofort lauthals: „Ist der neu?“

Aber es gibt auch bessere Kenner der Gesamtschülerschaft, wenn auch mit einer Zunge, die schneller redet als das Gehirn Anweisungen gibt – Antwort aus dem Hintergrund: „Der ist seit langem neu!“

Mittagessen – immer wieder lehrreich

Vor der Hausaufgabenbetreuung wieder mit Viertklässerinnen in der Mensa. Vor einigen Tagen gab es Mini-Omelettes. L. hatte irgendwie Probleme mit dem Wort „Omelette“ klarzukommen. Wir haben ihr beigebracht, dass sie sie auch „Omaletten“ nennen kann.

Heute fragte ich sie: „Was gab’s denn gestern?“
Antwort L.: „Jedenfalls keine Omaletten.“
A.: „Nee, Tortellini.“
L.: „Ach, noch so’n Wort.“

Ich: „Weißt du, vielleicht kannst du dir das merken wie die Omaletten.“
L.: „Echt? Wie denn?“
Ich: „Denk dir einfach, das waren Trottellini.“

Die nächste Zeit werde ich mir wohl weitere Dinger ausdenken müssen, damit L. kulinarisch auf dem Laufenden bleiben kann…

„Du hast da was an der Nase“

Erst merkte es niemand und dann gab es immer wieder große Aufregung:
Letzte Woche ließ ich mir einen „Knubbel“ an der Nase entfernen, der von Kindern immer wieder fälschlicherweise als Warze „erkannt“ wurde. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, der Doc hat’s auf jeden Fall eingeschickt, um sicherzugehen, dass nichts Schlimmes drin war.

Die Stelle wurde mit drei Stichen genäht, die Fäden gucken natürlich nett raus. Und als das Pflaster runter war, sah die Kruste herrlich schwarz und dick aus. Das fiel dann am ersten Schultag nach den Weihnachtsferien auf dem dunklen Schulhof keinem auf. Aber in der Klasse kamen dann Kinder an:

„Du hast da was an der Nase. Iiihh, das ist ein Tier, eine Spinne oder so!“

„Nö, ist es nicht“, konterte ich, aber davon wollten sie sich erstmal gar nicht überzeugen lassen. Bis einer ganz nah ran durfte und allen lauthals bestätigte: „Das ist wirklich kein Tier!“ (Ohrenklingel.) „Was hast du da gemacht?“

Erklärt, da waren sie alle erleichtert.

Aber nicht nur Kinder fielen drauf rein. Nach dem Unterricht sah mich unsere Lehramtsanwärterin völlig erschreckt an: „Du hast da ein Tier, ene Spinne oder sowas!“…

was-an-der-nase

Weltuntergangsstimmung(en)

Letzter Schultag vor den Weihnachtsferien. Wir – Lehrer, 25 Zweitklässler, eine Handvoll Eltern – frühstücken gewaltig (60 Brötchen werden verzehrt), es bleibt fast so viel an Belag und Getränken übrig wie beim letzten Mal auch, dafür sind wir diesmal mächtig hinterher gewesen, dass nicht alle Wurst- und Käsepackungen sowie Flaschen aufgemacht wurden, sondern immer erst etwas zu Ende geleert wurde.

Eine Spielestunde, dann noch Schulgottesdienst – einer der muslimischen Jungs, die von den Eltern zum Verbleib in der Schule gemeldet wurden, will lieber mit in die Kirche (klar, wenn die Alternative in Arbeitsblättern zu Mathe und Deutsch besteht). Hilft ihm nichts, er ist abgemeldet, er bleibt.

Nach der Rückkehr in die Schule mit nur noch einem winzigen Bruchteil der Schülerschaft findet die kleine Verabschiedung statt: Schnell die Ranzen holen, dann in die Betreuung, macht’s gut, schöne Feiertage. Still wird es auf dem Schulhof. Der Weg zum Lehrerzimmer ist aber nicht einsam, denn A. aus der 4 geht Richtung Mensa. Sie ist nachdenklich, ein wenig bedrückt. Was ist los? „Geht morgen die Welt unter?“ Blödsinn, das ist doch nur Gerede. „Ich hab‘ aber Sorge, dass ich meine Weihnachtsgeschenke nicht mehr bekomme.“ Was soll man da sagen? Dass das wirklich alles nur Unsinn ist, hilft ihr nicht. Sie stapft die Treppe runter.

Die Kollegin C hatte ihren Lehrbericht vergessen, der der Schulleitung jetzt vorgelegt werden sollte und macht sich auf den Weg in die Klasse. Ich hatte auch noch was zu holen. Aus Richtung Neubau kommt K., ein echter Erstklässer-Zwerg und läuft in Richtung Altbau, wo die Räumlichkeiten der Betreuung sind. Er winkt seiner Klassenlehrerin wild zu und ruft: „Schönen Weltuntergang, Frau C.!“

Sachunterricht: antizipiert gelesen

Die Stadtteile sind bald abgehandelt. Jetzt geht’s an weiteres. In der Nähe ist Leverkusen, das Bayer-Werk (heute: Chempark/Bayer AG+Lanxess+…). Und da waren ein paar wichtige Informationen zu notieren. Das Wahrzeichen – das Bayerkreuz – ist, so stand es im abgeschriebenen Text einer MiHiGru-Schülerin, ist eine „Sehenswütigkeit“. Ah. Aber dann auch noch so ein seltsames Wort, das zu andere Assoziationen einlädt – das Mädel hat den Bayer-Gründer und -eigner als

Friedlich Bayer

notiert. (Und ich schwöre: die haben kein Hundertwasser in Kunst durchgenommen!)

Tief-Flieger

Dass Flugzeuge sehr niedrig über die Ausläufer unseres Schulhofes fliegen, ist für die Kinder und Lehrer unserer Schule normal. Man kann die Registrierungen der einmotorigen Maschinen lesen, wenn man aufmerksam hinschaut. Der Grund: Nur gut 500m von der Schule entfernt liegt die Graspiste des örtlichen Luftsportvereins.

Diesmal war es aber ganz anders. Als ich aus der Mensa wieder auf den Schulhof kam, war ziemlich kräftiger Flugverkehr zu hören, der auch gar nicht abebbte – da musste (mindestens) einer mächtig Kunstflug üben. Die Kollegin von der Musical-AG hatte dadurch ein Problem – die Kinder, mit denen sie vor dem Musikraum im Freien einen Sitzkreis gebildet hatte, hatten nur noch Augen und Ohren für die 4 Kunstflieger, die für das Flugplatzfest vom Wochenende trainierten:

„Boah, guck mal, stürzt der jetzt ab?“
„Mensch, war der tief!“
„So steil nach oben, Wahnsinn – boah, jetzt fällt er!“
„Wo sind die jetzt? Die Bäume sind im Weg!“

Da musste ich natürlich noch einen Tipp geben:
„Wisst ihr, wie ihr die richtig toll sehen könnt?“
„Nein, wie denn? Weißt du das? Kennst du die?“
„Persönlich nicht, aber die üben jetzt fürs Wochenende beim Flugplatzfest.“

Mal sehen, wie viele von denen am Montag vom Flugplatzfest erzählen…