Die Blindheit des Westens gegenüber palästinensischer Hetze

Die neueste Inkompetenz, bei der Betrachtung der falschen Schulbücher für Kinder, scheint man kaum glauben zu können. Warum finden Leute es so schwer palästinensische Gewalt und Bigotterie gegen Israel und die Juden einzuräumen?

Melanie Phillips, Israel HaYom, 4. September 2020

Warum ignorieren so viele gutmeinende Menschen, die sich dem Ende von Machtmissbrauch verschrieben haben, die Beweise dafür, wer diese Missbräuche tatsächlich begeht und machen stattdessen ihre Opfer verantwortlich?

Eine von Großbritannien und der Europäischen Union finanzierte offizielle Untersuchung von in palästinensischen Schulen verwendeten Schulbüchern ist zu einer Farce verkommen.

Im April 2018, als endlich auf die Bedenken zu antiisraelischer Hetze in palästinensisch-arabischen Schulbüchern reagiert wurde, drängte das Vereinte Königreich die EU einen Bericht über palästinensische Schulbücher vom Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung in Deutschland in Auftrag zu geben.

Im April letzten Jahres veröffentlichte das Institut als vorläufiges Ergebnis, was es seinen „Anfangsbericht“ nannte. Dieser, sagte es, entwickelte einen Rahmen für „eine akademisch rigorose Überprüfung“ dazu „wie Frieden, Toleranz und ein Verständnis des anderen in palästinensische Lehrbücher eingebunden sind“.

Dieser Bericht selbst ist jedoch mit so vielen Fehlern durchsetzt, dass die Europäische Union ihn verwarf. Die EU hat allerdings verwirrenderweise das Georg-Eckert-Institut weiter beschäftigt, um das Projekt abzuschließen.

Sein Abschlussbericht soll nächsten Monat erschienen. Aber es hat jetzt einen Zwischenbericht erstellt, den die EU beschloss geheim zu halten.

Marcus Sheff, Vorstand des Institute for Monitorin Peace and Cultural Tolerance in School Education in Jerusalem schaffte es eine Präsentation des Zwischenberichts erlangen. Dieser hat gezeigt, dass das Projekt sich von schlimm zu schlimmer entwickelt hat.

Sheff, der die Untersuchung „von vorne bis hinten ein Lustspiel aus Fehlern“ bezeichnete, sagt, dass die Forscher sich die falschen Schulbücher angesehen haben. Sie haben tatsächlich Schulbücher als Beispiele verwendet, die in Israels arabischen Schulen in Jerusalem genutzt werden, sie gepriesen und fälschlich als Teil des Lehrplans der PA vorgelegt.

Auf Grundlage dieses ungeheuerlichen Fehlers haben die Forscher behauptet, das Bildungsmaterial der Palästinenser sei zum Besseren gestaltet worden:

Der in vielen palästinensischen Schulbüchern verwendete widerliche Sprachgebrauch und die Bilder werden nicht erwähnt, mit denen das Verbrennen jüdischer Busfahrgäste mit Molotowcocktails als „Grillparty“ beschrieben wird oder Arabisch über eine Geschichte, die für Selbstmord-Bombenanschläge wirbt und mit einem bewaffneten Palästinenser illustriert wird, der israelische Soldaten in einem Panzer beschießt.

Die Inkompetenz scheint zu würdigen zu sein. Warum scheinen Leute im Westen es so schwierig zu finden palästinensischen Hass und Hetze gegen Israel und die Juden einzugestehen?

Sie widersetzen sich eindeutig alles einzugestehen, was das Narrativ untergräbt, auf dem die Außenpolitik der EU und Großbritanniens seit Jahrzehnten gründen – dass den palästinensischen Arabern einen Staat zu geben den „Nahost-Konflikt“ beenden würde.

Das wirft aber tiefer gehende Fragen auf. Warum glauben sie, dass die Palästinenser einen eigenen Staat verdient haben? Warum behaupten sie, dass, abgesehen von den Extremisten der Hamas, die PA-Führer legitime Staatsmänner im Wartestand sind?

Weil diese westlichen Anhänger es ablehnen einzugestehen, dass die mörderische Hetze gegen Israel und die Juden, die regelmäßig aus der angeblich moderaten PA strömen.

Sie ignorieren nicht nur ihre wiederholten Aufrufe zur Vernichtung Israels und Unterstützung für die Ermordung von Israelis. Sie ignorieren auch den grotesken Antisemitismus, der aus von der PA gestützten Predigern, Publikationen und Fernsehen ausströmen.

Wie von Palestinian Media Watch und dem Middle East Media Research Institute penibel dokumentiert ist, präsentiert die PA die Juden so, dass sie angeboren üble Züge hätten. Sie beschreibt sie regelmäßig als heimtücksch, korrupt, mit dem Teufel im Bunde und Nachkommen von Affen und Schweinen.

Sie hat behauptet, Juden „dürsten nach Blut, um ihrem Gott [gegen die Nichtjuden] zu gefallen und sehnten sich nach Taschen voller Geld“; dass die Juden in der Vergangenheit aus Europa vertrieben wurden, weil ihr „übler Charakter“ für die Europäer eine Bedrohung darstellt; dass diese jüdischen „Charakterzüge“ und „Verhaltensweisen“ eine Gefahr für die gesamte Menschheit darstellten. Und so weiter und so fort.

Die Anhänger der Palästinenser, die so schnell jeden Westler verdammen, der im Verdacht steht auch nur die kleinste historische Verbindung zu rechtsextremen Bewegungen zu haben, ignorieren ebenfalls die Geschichte des palästinensischen Nazitums.

In den 1930-er Jahren schloss der Großmufti von Jerusalem, Haddsch Amin al-Husseini, einen Pakt mit den Nazis und machten aus den palästinensischen Arabern Hitlers Armee im Nahen Osten.

Darüber hinaus war al-Husseini, wie Barry Rubin und Wolfgang Schwanitz in ihrem Buch Nazis, Islamists and the Making oft he Modern Middle East ausführlich darlegen, nicht weniger als Hitler auf die Ausrottung der Juden festgelegt. Er schwor dieses teuflische Ziel im gesamten Nahen Osten zu erreichen und war höchst einflussreich bei der Ermutigung Hitlers die konkrete Auslöschungsstrategie der Endlösung anzuwenden.

Das ist heute noch wichtig. Während die Palästinenser im Allgemeinen nicht mit der Nazi-Bürste geteert werden sollten, wird al-Husseini von PA-Führer Mahmud Abbas, einem Holocaust-Leugner, der sich zur Inspiration offen des Großmuftis bedient, gerühmt.

Warum also sind westliche Progressive der palästinensischen Sache derart verbunden, dass sie solche Beweise ihrer widerlichen Charakteristika ignorieren?

Eine Antwort ist der Antisemitismus, der sich im Westen breit macht. Ein weiterer ist die Realpolitik, die westliche Führer veranlasst hat sich bei der arabischen Welt einzuschmeicheln.

Es gibt einen tieferen Grund. Die giftige Realität palästinensischen Judenhasses einzugestehen würde das gesamte moralische und politische Universum auf den Kopf stellen, das die Linke rund um das Narrativ des „unterdrückerischen“ Westens und denen, die er „unterdrückt“ hat, konstruierte.

Linke Idealisten müssen über dieses Dogma in einer Sache nachdenken, mit dem sie sich identifizieren können. All ihre früheren Anliegen sind entweder zu Ende oder haben Schiffbruch erlitten: der Sowjetkommunismus, die südafrikanische Apartheid, der irische Republikanismus.

Die Palästinenser sind als unterdrückte Opfer teuflisch effektiver Propaganda dargestellt worden, die eine Geschichte dessen umgeschrieben hat, was die Linken weiterhin fast komplett ignorieren. Also haben sie aus den Palästinensern das Aushängeschild ihres Gewissens gemacht.

Darüber hinaus beschäftigen sich die Progressiven vorrangig niemals mit dem tatsächlichen Zustand der Unterdrückten, für die ihr Herz blutet. Stattdessen geht es darum, wie nobel und tugendhaft solche Unterstützung sie erscheinen lässt, sowohl sich selbst als auch anderen gegenüber.

Müssten sie zugeben, dass die Sache der Palästinenser untrennbar mit mörderischem Antisemitismus verwoben ist – und dass ihr derzeitiger Führer einen Mann als Helden verehrt, der darauf aus war den Sieg des Faschismus und die Ausrottung der Juden zu erreichen – dann würde ihre gesamtes moralisches und politisches Universum implodieren.

Das ist auch der Grund, warum dieselbe Art von Leuten es ablehnt die weißenfeindliche, judenfeindliche, revolutionäre Agenda von Black Lives Matter einzugestehen; stattdessen reden sie sich ein, dass sich um eine edle Kampagne gegen Rassismus handelt.

Wenn auf unbestreitbare Fakten über palästinensischen Antisemitismus oder BLM hingewiesen wird, dann bestreiten Progressive diese widerliche Agenda nicht nur, sondern sie verleumden jeden als Rassisten, der es wagt, auf diese unangenehmen Wahrheiten hinzuweisen.

Der Grund dafür ist, dass Progressive glauben, sie stünden für alles, was in der Welt gut ist. Also wird von jedem, der ihre Position in Frage stellt, angenommen, dass er schlecht ist, alles, was sie sagen wird automatisch als Lüge abgetan und ihnen werden die schlimmstmöglichen Motive unterstellt.

Deshalb ist Unterstützung für die Palästinenser sowohl Symptom als auch Ursache für den moralischen Kollaps des Westens; und Juden wie Nichtjuden sind an seinem Zerfall beteiligt.

Der Vorschlag eines Trolls

Dass er ein Troll ist, stellte sich erst in seinen nächsten versuchten Kommentareinträgen heraus. Trotzdem fand ich den Vorschlag interessant:

HI Heplev, wäre folgender Bericht nicht ein Artikel wert?
http://www.fluter.de/de/140/thema/13231/

Der Link berichtet über einen Schulbuch-Versuch, in dem die israelische Sicht der Geschichte des Landes im 20. Jahrhundert der der sogenannten Palästinenser gegenüber gestellt wird. Die Autoren hofften, dass sich damit ein Ausgleich und mehr Verständnis für einander schaffen lässt. (Wie das mit Lügen und Verdrehungen von historischen Fakten funktionieren soll, bleibt mal dahin gestellt.) Dass sie sich selbst nicht auf etwas Gemeinsames einigen konnten und stattdessen ihre beiden Narrative nebeneinander zu stellen, spricht schon für sich.

Aber ja, ich denke, der Artikel ist es wert wahrgenommen zu werden. Deshalb habe ich ihn an mehrere Bekannte geschickt und um deren Meinung gebeten. Hier die drei Reaktionen:

Ulrich W. Sahm:

Es beginnt schon mit der Vorstellung:

Dani Bar On ist 1938 in Haifa geboren. Warum ist es so wichtig zu vermerken, dass seine Familie 1933 (also lange vor dem Holocaust) aus Hamburg emigirierte?
Sami Adwan ist 1954 in Hebron geboren. Das war unter jordanischer „Besatzung“. Erst mit 13 geriet er unter „israelische Besatzung“.

Im Buch (Vorwort) steht:

Das von PRIME herausgegebene Buch wurde von sechs jüdischen und sechs palästinensischen Geschichtslehrerinnen und Lehrern zusammen mit wissenschaftlichen Experten verfasst.

Sind die Juden Amerikaner, Schweizer oder Südafrikaaner? Und die Palästinenser sind Moslems oder Christen?
Und wer sind die „wissenschaftlichen Experten“?

Yousuf Tumaizi (1957-2002), wurde im Dorf Idna geboren. Er wurde mehr als 20 Mal festgenommen und verbrachte mehrere Jahre in israelischen Gefängnissen.
Warum wird hier verschwiegen, weshalb er im Gefängnis saß?

Interessante Anmerkung auf Seite 8 des palästinensischen Narrativs:

Für die Palästinenser war das Jahr 1917 nur das erste in einer langen Reihe von Jahren – 1920, 1921, 1929, 1936, 1948, 1967, 1987, 2002 – die von Tragödien, Krieg, Unglück, Tod, Zerstörung, Verlust der Heimat und Katastrophen geprägt waren.

Wann haben sich eigentlich die Palästinenser als solche konstituiert oder ist das nur im Rückblick gesagt?
(Anmerkung heplev: 1920, 1921, 1929, 1936 waren von den Arabern angezettelte antijüdische Pogrome/Pogromversuche! 1948, 1967 waren von den Arabern inszenierte Judenvernichtungsversuche; 1987, 2002 waren von den Arabern angezettelte, gewalttätige Auseinandersetzungen.)

Auf Seite 10 im palästineneischen Narrativ:

Die Balfour-Deklaration gilt als politischer Teilsieg der zionistischen Bewegung. Verlierer waren die Araber und Muslime, denen das Heilige Land ursprünglich gehörte.

400 Jahre lang gehörte das Gebiet zum Osmanischen Reich. Worin bestand der Anspruch, dass dieses Land „Arabern und Muslimen“ gehörte. Wo bleiben die Christen und die Juden?

Paul aus der Schweiz schreibt:

Unsere Postmoderne ist davon geprägt, dass Wahrheit immer subjektiv ist. Absolute Wahrheit existiert nicht mehr. Der Begriff „Narrativ“ statt Geschichte ist bezeichnend. Auch die Theologie braucht heute diesen Begriff des ‚Narrativs.‘ Er schließt die subjektive Interpretation des Geschehenen ein. Einen Konflikt lösen zu wollen, indem man aus den beiden ‚Narrativen‘ ein neues ‚Narrativ‘ herstellen will, mit dem beide Seiten leben können, gibt es nicht.

Ein Konflikt kann nur gelöst werden, wenn eine außenstehende Vermittlung die beiden Kontrahenten dazu bringen kann, sich über den gemeinsamen Kern ihres Konflikts einig zu werden. Dieser Kern muss eine Formulierung finden, mit der beide Seiten einverstanden sind. Erst auf dieser Basis kann die außenstehende Vermittlung mit den beiden Seiten nach einer Lösung suchen.

Dies setzt voraus, dass die beiden Seiten daran interessiert sind, eine Lösung zu finden. Wenn die eine der beiden Seiten jedoch die andere vernichten will oder, wie in diesem Fall, ihr das Existenzrecht abstreitet, dann gibt es keine friedliche Lösung. Dann kann nur noch die Gewalt dem Konflikt ein Ende bereiten. Dann kommt es nur noch darauf an, wer der Sieger ist.

Die Schwierigkeit, die ich sehe, ist das Verharren der einen Seite auf einer religiösen Grundlage (Koran), die es erlaubt, den Feind zu belügen, wenn es der eigenen Sache dient.

Ein Geschichtsunterricht, der die Absicht hat, beiden Seiten die Sicht der Anderen zu vermitteln, aus der dann beidseitig das Verständnis für den Anderen wachsen soll, unterliegt dem Irrtum, dass beide Seiten rational denken. Bei Gewerkschaften, in denen es um Arbeitskonflikte innerhalb derselben Kultur und desselben Weltbilds geht, ist eine solche Strategie durchaus möglich. Wo es aber um weltanschauliche, kulturelle und religiösen Verschiedenheiten geht, ist die Annahme des jeweils anderen Narrativs nicht möglich, es sei denn, die eine Seite ordnet sich der andern unter.

Der Weg des Narrativ-Vergleichs ist meines Erachtens im gegebenen Fall nur interessant, wenn die Bedingung des gegenseitigen Existenzrechts der garantierte gemeinsame Nenner bleibt. Sonst kann kein gegenseitiges Vertrauen entstehen, dass der Andere wirklich ehrlich ist.

Ich sehe das ähnlich. Dazu kommt: Wie die Araber die Geschichte dieses Landstriches sehen, ist bekannt, wird bei uns immer stärker in den Vordergrund gestellt. Dass die Fakten sich mit dem nicht decken, wollen viele bei uns immer weniger wahr haben.

Das Buch wird von denen für gut befunden, die gegen Israel Stellung beziehen. Sie propagieren „palästinensische“ Narrativ und wollen es gegen das israelische – und die historischen Fakten – durchsetzen. Dabei wäre es nötig, dass die Araber – und inzwischen die Menschen im Westen auch – das israelische Narrativ und die Fakten wieder zur Kenntnis nehmen, ohne sie durch das arabische übertrumpfen zu wollen. Würde das Buch dafür genutzt, hätte es so etwas wie echten Sinn. Im Westen. Bei den Arabern bin ich mir da alles andere als sicher.

Heute (5.12.) kam eine komplette Rezension von Cora:

„Die Vergangenheit ist unserer Barmherzigkeit ausgeliefert.“ schrieb Johan Huizinga im Vorwort seines Buches „Im Banne der Geschichte“ 1942.

Geschichte besteht eben nicht nur aus unverrückbaren Zahlen und Fakten sondern auch aus deren Interpretation. Und diese ändern sich. Sie ändern sich durch neue Erkenntnisse ebenso wie durch politische Gegebenheiten. Und aus diesen Veränderungen entsteht erneut „Geschichte“, denn die Interpretationen lassen in der Rückschau oft Schlüsse auf die Gesellschaft derer zu, die die vorliegenden Daten und Fakten interpretiert haben.

Unter diesem Gesichtspunkt lässt das israelisch-palästinensische „Geschichtsbuch“ tief blicken. Es zeigt zum einen einen faktenorientierten und durchaus auch selbstkritischen Blick auf das Geschehen von den 20er Jahren bis heute auf israelischer Seite und einen, vor allem dem Narrativ verpflichteten und von Schuldzuweisungen strotzenden Blick der Jahre 1947 bis heute auf der palästinensischen Seite.

Lässt man nun mal außer Acht, was tatsächlich in den Jahrzehnten, die dieses Buch darstellt, geschehen ist, wer also näher an den historischen Tatsachen ist und konzentriert sich ganz und gar auf die Art der Darstellung, dann kann man daraus einen guten Rückschluss auf die jeweilige Gesellschaft ziehen. (Vorausgesetzt natürlich, dass beide Darstellungen der jeweiligen „offiziellen“ Geschichtsschreibung entsprechen.)

Was ist von einer Gesellschaft zu halten, die sich einzig und allein als Spielball äußerer, böswilliger Mächte sieht?
Was ist von einer Gesellschaft zu halten, die sich einzig und allein durch diesen Opferstatus definiert?
Was ist von einer Gesellschaft zu halten, die das einfache Prinzip von actio und reactio, also vom Tun und dessen Folgen, nicht nur nicht anerkennt, sondern geradezu negiert?
Was ist von einer Gesellschaft, einem Volk, zu halten, dessen „Geschichtsbewusstsein“ ganz und gar auf das Verlorene, das Vergangene bezogen ist, ohne daraus einen Blick für die Zukunft zu gewinnen?
Was ist von einer Gesellschaft zu halten, die sich zugleich als Opfer als auch den anderen Gesellschaften gegenüber höherwertig darstellt?

Dem halbwegs historisch bewanderten Leser dürften hier diverse Parallelen zu anderen Interpretationen der Geschichte auffallen.

Die Gegenüberstellung beider Seiten ist daher weniger von historischer Bedeutung als vielmehr eine Möglichkeit, einen Blick in die jeweiligen Völker zu werfen, die sich ein kleines Stück Erde miteinander teilen müssen. Es zeigt deutlich die großen Unterschiede im Umgang mit dem Gewesenen und den Folgen, die die jeweilige Gesellschaft daraus zieht – rückwärtsgewandt oder der Zukunft zugewandt.

Für Historiker und historisch Bewanderte sicher eine interessante Bereicherung, für Schüler aber gänzlich ungeeignet. Ihnen fehlt zumeist noch das tragende Gerüst der Geschichtswissenschaft: Die unverrückbaren Daten und Fakten. Ohne diese aber wird aus einer Interpretation allzu oft eine Ideologie.

Problematisch ist außerdem, dass die jeweiligen Zeitleisten verschoben sind – die israelische Geschichte beginnt mit den 20er Jahren, während die palästinensische erst mit dem Unabhängigkeitskrieg, bzw. der Naqba (also „Katastrophe“) einsetzt. Wichtige Personen der palästinensischen Geschichte werden überhaupt nicht genannt; so fehlen unter anderem Ahmed al Shukri, Daoud Masswem und der berüchtigte Mufti von Jerusalem, al Husseini, ebenso wie George Habash oder Ahmed Jibril, um nur einige zu nennen, bzw. finden sich nur im „israelischen“ Teil. Hier hätten die Macher mehr Sorgfalt walten lassen müssen.

Fazit: Ein interessanter Versuch, die Interpretation des Geschehenen durch zwei völlig unterschiedliche Gesellschaften aufzuzeigen. Als Unterrichtsmaterial unbrauchbar, für Historiker und historisch Bewanderte aber durchaus interessant. Allerdings sollten die beiden „Narrative“ der Zeitleiste angepasst werden um einer Gegenüberstellung gerecht zu werden.