Die Rechtsgrundlage zur Anwendung israelischen Rechts in Judäa, Samaria und dem Jordantal

Maurice Hirsch, Palestinian Media Watch, 1. Juli 2020

Einleitung

Israel hat angekündigt, dass es israelisches Zivilrecht auf Bereiche von Judäa und Samaria sowie das Jordantal (das Gebiet, das von Jordanien nach 1948 in „Westbank“ umbenannt wurde) anwenden will, entweder am oder nach dem 1. Juli 2020. Obwohl das von manchen als übereilte politische Entscheidung betrachtet wird, lautet die fundamentalere Frage: Hat Israel nach dem Völkerrecht das Recht, das zu tun?

Die Antwort auf diese Frage ist ein klares – Ja.

  1. Der Völkerbund wies 1922 ganz Israel, einschließlich dieser Gebiete, dem Zweck zu, eine nationale jüdische Heimstatt zu schaffen. Kein anderes international anerkanntes Instrument hat diese Entscheidung ersetzt.
  2. Die arabischen Länder und die meisten arabischen Einwohner des vom britischen Mandat kontrollierten Palästina lehnten den UNO-Teilungsplan von 1947 ab, also hat dieser heute gemäß dem Völkerrecht keine Bedeutung.
  3. Kein anderes Land hat einen legalen Anspruch auf das Territorium.
  4. Judäa und Samaria sowie das Jordantal sind nie durch Staatsgrenzen vom Rest Israels abgetrennt worden.
  5. Die Anwendung israelischen Rechts auf Judäa, Samaria und das Jordantal sollte nicht als „Annexion“ bezeichnet werden, da Annexion die Aneignung von Territorium durch einen Staat auf Kosten eines anderen Staates ist.

Dementsprechend hat Israel gemäß dem Völkerrecht das Recht sein Zivilrecht auf diese Bereiche anzuwenden.

Der historisch-rechtliche Status von Judäa, Samaria und dem Jordantal 1517 bis 2020

Von 1517 bis 1917 war der gesamte Bereich Israels, einschließlich Judäas, Samarias und des Jordantals, Teil des Osmanischen Reichs. Während dieser Periode gab es in der Gegend keinen unabhängigen, souveränen Staat.

1916 trafen die britischen und französischen Imperien im Vorgriff auf das Ende des Ersten Weltkriegs unter Mitwirkung des Russischen Reiches eine Vereinbarung die Kontrolle über den Nahen Osten unter sich aufzuteilen. Die als „Sykes-Picot-Abkommen“ bekannte Vereinbarung teilte die Einflussbereiche und Kontrolle in einem Großteil des Nahen Ostens zwischen den beiden Reichen so auf, wie in der folgenden Karte dargestellt:

1917 gab die britische Regierung die Balfour-Erklärung ab:

Die Regierung Seiner Majestät betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und wird ihr Bestes tun, die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, mit der Maßgabe, dass nichts geschehen soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nicht-jüdischen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und den politischen Status der Juden in anderen Ländern in Frage stellen könnte. (Hervorhebung hinzugefügt)

Beim Treffen in San Remo in Italien im April 1920, wo die Zukunft der früheren Territorien des osmanischen Reiches diskutiert wurde, beschlossen die Haupt-Alliierten, die die Deutschen und die Osmanen besiegt hatten, dass einige Gebiete Staaten werden sollten. Was „Palästina“ betrifft, so beschlossen die Alliierten:

„Das Mandat wird dafür verantwortlich sein die ursprünglich am 2. November 1917 von der britischen Regierung gemachte und von den anderen alliierten Mächten übernommene Erklärung zugunsten der Gründung einer nationalen Heimstatt für das jüdische Volk in Palästina umzusetzen.“

Damals bestand „Palästina“ aus Israel (einschließlich Judäa, Samaria und dem Jordantal) sowie dem Territorium, das heute Jordanien ist.

Der Beschluss von San Remo wurde 1922 im Völkerbund-Mandat für Palästina verankert.

Die Präambel des Mandats bestätigte die Balfour-Erklärung und bestätigte erneut die historische Verbindung des jüdischen Volks zum Land Israel mit diesen Worten:

In Anbetracht dessen, dass die alliierten Hauptmächte … ferner übereingekommen sind, dass der Mandatar verantwortlich sein soll für die Verwirklichung der ursprünglich am 2. November 1917 durch die Regierung Seiner Britischen Majestät erlassenen und von den erwähnten Mächten anerkannten Deklaration zugunsten der Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, wobei klar verstanden ist, dass nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und die religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und die politische Stellung, deren sich die Juden in irgendeinem anderen Lande erfreuen, beeinträchtigen würde; und

dass dadurch die Anerkennung der historischen Verknüpftheit (historical connection) des jüdischen Volkes mit Palästina und der Grundlagen für die Wiedererrichtung seiner nationalen Heimstätte in diesem Lande erfolgt ist. (Hervorhebung hinzugefügt)

1923 wurde in Übereinstimmung mit Artikel 25 des Mandats eine Entscheidung getroffen das Mandat Palästina in zwei Instanzen zu teilen – „Palästina“ westlich des Jordan und „Transjordanien“, das mit der Zeit (1948) als Haschemitisches Königreich Jordanien anerkannt werden sollte. Die Vorkehrungen des Mandats zur Gründung der jüdischen nationalen Heimstatt, einschließlich durch Ansiedlung von Juden in dem Land, traf weiter auf das gesamte Gebiet westlich des Jordan zu. Die folgen Karte illustriert diese Teilung:

Während Artikel 80 der Charta der neu einberufenen Vereinten Nationen (die den Völkerbund ersetzen) die vom Mandat dem jüdischen Volk gewährten Rechte wahrte, ging die UNO in der Folge des Zweiten Weltkriegs erneut die Palästina-Frage an. Nach Betrachtung der verschiedenen vorgelegten Empfehlungen beschloss die Vollversammlung der UNO am 29. November 1947 die Resolution 181, bekannt als „Teilungsplan für Palästina“. Diese Resolution wollte das verbleibende Territorium Palästina in zwei neue Staaten teilen – einen jüdischen Staat und einen arabischen Staat – wobei die vorgesehenen neuen Grenzen der entstehenden Staaten in der folgenden Illustration zu erkennen sind:

Im Teilungsplan der UNO taucht kein Hinweis auf den Begriff „Westbank“ auf. Fakt ist: Bei der Ziehung der Grenzen des „arabischen Staates“ sagt die Resolution ausdrücklich: „Die Grenze auf dem Bergland westlich von Samaria und Judäa beginnt am Jordan“.

Während Repräsentanten des jüdischen Volks den Teilungsplan akzeptierten, lehnten ihn die arabischen Repräsentanten und die umliegenden arabischen Länder in seiner Gesamtheit ab und begannen aktive Vorbereitungen, um das gesamte Gebiet militärisch zu erobern. Die Reaktion der arabischen Repräsentanten und Länder machte die Umsetzung der Resolution 181 der UNO-Vollversammlung unmöglich und sie wurde nie vom UNO-Sicherheitsrat bestätigt.

Am 14. Mai 1948 erklärte Israel seine Unabhängigkeit ohne seine Grenzen festzulegen. Der neue Staat wurde sofort von einer Koalition aus 5 arabischen Staaten sowie von arabischen Kräften im ehemaligen Mandatsgebiet angegriffen, die zusammen anstrebten ihn auszulöschen. Die ägyptischen Streitkräfte griffen von Süden aus an, die libanesischen und syrischen von Norden und die jordanischen, begleitet von irakischen Kräften, griffen von Osten aus an.

Die jordanischen Streitkräfte attackierten und besetzten Judäa, Samaria und das Jordantal, die sie dann – zum ersten Mal – als „die Westbank“ bezeichneten. Die dieses Gebiet besetzenden jordanischen Streitkräfte zerstörten die bestehenden jüdischen Gemeinden und töteten oder vertrieben ihre Einwohner.

1949 schloss Israel „Waffenstillstands“-Abkommen mit den benachbarten arabischen Staaten. Die Waffenstillstandsvereinbarung mit Jordanien bestimmte, dass die gezogenen Demarkationslinien unter keinen Umständen als „Grenzen“ betrachtet werden dürfen.

So erklärte Artikel II der Waffenstillstandsvereinbarung:

Es wird zudem anerkannt, dass keine Vorkehrung dieser Vereinbarung in irgendeiner Weise die Rechte, Ansprüche und Haltung einer der Parteien hierzu einer endgültigen Friedensregelung der Palästinafrage vorgreifen soll; die Vorkehrungen dieser Vereinbarung sind ausschließlich durch militärische Überlegungen angeordnet.

Artikel VI.9 derselben Vereinbarung schreibt vor:

Die in den Artikeln V und VI dieses Abkommens definierten Waffenstillstandsabgrenzungslinien werden von den Vertragsparteien unbeschadet künftiger territorialer Siedlungen oder Grenzlinien oder der diesbezüglichen Ansprüche einer Vertragspartei vereinbart.

Die Waffenstillstandslinien sollten dann als „Grüne Linie“ bekannt werden.

Ein jordanischer Versuch Judäa, Samaria und das Jordantal zu annektieren wurde von der internationalen Gemeinschaft abgelehnt.

Artikel 24 der ursprünglichen Charta der palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) legte fest: „Diese Organisation [die PLO] übt keinerlei territoriale Souveränität über die Westbank im haschemitischen Königreich Jordanien, im Gazastreifen oder im Bereich von Himmah aus.“

Im Juni 1967 griff Jordanien Israel erneut an. In Verteidigung gegen den Angriff vertrieb Israel die jordanischen Besatzer und eroberte die Kontrolle über Judäa, Samaria und das Jordantal.

Mehrere Monate nach dem Ende des Sechstage-Krieges, am 22. November 1967, verabschiedete die NO die Resolution 242. Diese wird oft fälschlich so dargestellt, dass sie von Israel fordert sich auf die Grenzen von vor 1967 zurückzuziehen. Tatsächlich lautet sie wie folgt:

Der Sicherheitsrat,
mit dem Ausdruck seiner anhaltenden Besorgnis über die ernste Situation im Nahen Osten,
unter Betonung der Unzulässigkeit des Gebietserwerbs durch Krieg und der Notwendigkeit, auf einen gerechten und dauerhaften Frieden hinzuarbeiten, in dem jeder Staat der Region in Sicherheit leben kann,
ferner unter Betonung dessen, dass alle Mitgliedstaaten mit der Annahme der Charta der Vereinten Nationen die Verpflichtung eingegangen sind, in Übereinstimmung mit Artikel 2 der Charta zu handeln,

  1. erklärt, dass die Verwirklichung der Grundsätze der Charta die Schaffung eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen Osten verlangt, der die Anwendung der beiden folgenden Grundsätze einschließen sollte:
    i) Rückzug der israelischen Streitkräfte aus Gebieten, die während des jüngsten Konflikts besetzt wurden;
    ii) Beendigung jeder Geltendmachung des Kriegszustands beziehungsweise jedes Kriegszustands sowie Achtung und Anerkennung der Souveränität, territorialen Unversehrtheit und politischen Unabhängigkeit eines jeden Staates in der Region und seines Rechts, innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen frei von Androhungen oder Akten der Gewalt in Frieden zu leben;
  2.  erklärt ferner, dass es notwendig ist,
    a) die Freiheit der Schifffahrt auf den internationalen Wasserwegen in der Region zu garantieren;
    b) eine gerechte Regelung des Flüchtlingsproblems herbeizuführen;
    c) die territoriale Unverletzlichkeit und politische Unabhängigkeit eines jeden Staates der Region durch Maßnahmen zu garantieren, die auch die Schaffung entmilitarisierter Zonen einschließen;
  3. ersucht den Generalsekretär, einen Sonderbeauftragten zu ernennen, der sich in den Nahen Osten begeben soll, um mit den beteiligten Staaten Verbindung aufzunehmen und zu unterhalten, mit dem Ziel, eine Einigung zu fördern und die Bemühungen zur Herbeiführung einer friedlichen und akzeptierten Regelung im Einklang mit den Bestim-mungen und Grundsätzen dieser Resolution zu unterstützen;4.ersucht den Generalsekretär, dem Sicherheitsrat baldmöglichst über den Stand der Bemühungen des Sonderbeauftragten Bericht zu erstatten. [Hervorhebung hinzugefügt]

Die Resolution 242 verlangt von Israel nicht sich aus „allen besetzten Gebieten“ zurückzuziehen, sondern fordert einen gerechten und dauerhaften Frieden, der sowohl Abzug Israels aus „besetzten Gebieten“ als auch „Respekt für die und Anerkennung der Souveränität, territorialen Integrität und politischen Unabhängigkeit eines jeden Staates in dem Gebiet und ihr Recht in Frieden und sicheren sowie anerkannten Grenzen, frei von Bedrohung oder Gewaltakten zu leben“.

Frühere Entwürfe hatten zwar einen Rückzug Israels „aus den besetzten Gebieten“ vorgeschlagen, aber das Wort „den“ wurde in der vom Sicherheitsrat beschlossenen Endversion der Resolution gestrichen, um zu kennzeichnen, dass ein voller Rückzug Israels auf die 1949 eingerichteten Waffenstillstandslinien nicht gefordert ist.

Seit 1967 hat Israel Judäa, Samaria und das Jordantal über einen Militärbefehlshaber verwaltet. Im Gegensatz dazu wandte es seit kurz nach dem Sechstage-Krieg sein Zivilrecht auf umfangreiche Gebiete Jerusalems an.

Die Anwendung von israelischem Zivilrecht auf Judäa, Samaria und das Jordantal sollte nicht als „Annexion“ definiert werden, da sie nicht auf Kosten eines anderen Staates durchgeführt wird. Gemäß Rainer Hofmann in der Max Planck-Enzykolpädie für Internationales Recht bedeutet Annexion, „den gewaltsame Erwerb von Territorium durch einen Staat auf Kosten eines anderen Staates … Annexion steht im Gegensatz zur Übernahme von a) Terra Nullius [Latein für ‚Niemandsland‘],,,“ [Hervorhebung hinzugefügt]

Die historische und die moderne Schlacht um die Rückeroberung Jerusalems

Michael Freund, Jerusalem Post, 21. Mai 2020

Jede Stadt hat ihre Symbole, es können Wahrzeichen oder Logos sein, die unser Kopf hervorzaubert, wenn wir an eine bestimmte Metropole denken. Schon die einfache Erwähnung von New York, London oder Rom kann eine ganze Reihe visueller oder verbaler Bilder hervorrufen, was nicht nur viel über die Stadt selbst, sondern auch dazu offenbart, wie jeder von uns sie auf unsere eigene, einzigartige Weise wahrnimmt.

Jerusalem, dessen Befreiung und Wiedervereinigung durch Israel 1967 wir heute feiern, ist natürlich keine Ausnahme. Für manche ist es die Heilige Stadt mit der Westmauer, dem Grab von König David und anderen heiligen Orten. Für andere ist es der Sitz der Regierung Israels, Heimat der Knesset und Gastgeber einer Vielzahl internationaler Institutionen wie Yad Vaschem.

Tatsächlich ist Jerusalem für viele Leute Vieles, was Teil seiner Attraktivität und seiner Mystik ist. Wie aber viele von uns wissen ist es auch ein Ort, der irgendwie die inneren Tiefen unserer Seelen berührt, anders als irgendetwas anderes, das oft nur schwer auszudrücken ist.

Das ist Teil der Macht Jerusalems; es spricht uns als Individuen an, beschwört aber auch unser kollektives Gedächtnis als Volk.

Wenn ich über die Bedeutung dieses Datums, den 28. Tag des hebräischen Monats Iyar, nachdenke, als israelische Truppen die jordanische Besatzungsarmee besiegten und die Altstadt zurück unter jüdische Kontrolle brachten, fand ich mich daher immer wieder dabei, dass ich zu der Idee zurückkehre, dass sich die riesige und uralte Serie meta-historischer, konzentrischer Kreise schließt.

Auf einer einfachen Ebene würde das ziemlich offensichtlich erscheinen. Die Tatsache, dass man in Jerusalem über eine Stelle gehen könnte, an der einst König David stand oder Jeremiah eine Prophezeiung verkündete oder die Makkabäer Krieg führten, reicht als Grund aus, dass wir würdigen, wie gesegnet unsere Generation gewesen ist. Nach 1.900 Jahren Exil sind wir an unsere Quelle zurückgekehrt, um uns aus diesem Land nie wieder herausreißen zu lassen.

Ich denke aber, dass hier eine Kraft am Werk ist, die weit tiefgehender und inspirierender ist, die nicht nur zu jüdischer Geschichte eine Menge zu sagen hat, sondern auch zu jüdischem Schicksal.

Das wir am besten in einem Artikel zusammengefasst, dem ich am 30. Mai 1997 begegnete, in einer Ausgabe der heute untergegangenen Zeitung HaTzofeh, die die Geschichte von Yoram Zammusch erzählte, dem Soldaten, der nach seiner Befreiung die erste israelische Flagge auf dem Tempelberg hisste.

An diesem schicksalhaften Tag, dem 7. Juni 1967, feierte Zammusch, der als Kompaniechef im Bataillon 71 der IDF-Fallschirmbrigade diente, seinen 25. Geburtstag.

Es war ein Tag voller Bedeutung für seine Familie, denn an genau demselben Datum, an dem er 1942 geboren wurde, wurden 19 von Zammuschs Verwandten von den Deutschen im Ghetto Lodz in Polen ermordet, ihre Leichen in ein Massengrab geworfen.

Und hier war er, genau zweieinhalb Jahrzehnte später, und war dabei jüdische Soldaten in die Schlacht zur Zurückeroberung von Jerusalem zu führen.

Bedenken Sie die gruselige Ironie: Seine Verwandten in Europa waren mit Stacheldraht in ein Ghetto gesperrt worden, während Zammusch und seine Männer, als sie die Altstadt erreichten, „etwa acht Reihen Stacheldraht durchbrechen mussten“, um voranzukommen.

Im Viertel Beit Hakerem hatten Zammusch und seine Einheit im Haus der Familie Cohen ein vorübergehendes Hauptquartier eingerichtet. Als die Großmutter hörte, was sie planten, übergab sie Zammusch eine handgemalte Flagge, die sie herstellte, als sie 1947 Aliyah machte und sagte zu ihm: „Wenn du auf den Tempelberg und an die Westmauer kommst, hisse dort diese Flagge.“

So nahm Zammusch die Flagge und zog in den Krieg und verlor in vielen Stunden heftigem Kampf die Jordanier und verlor ein Drittel seiner Einheit. Schließlich rannte er, als er gefolgt von seinen Männern in die Altstadt vordrang, auf den Tempelberg, wo er als erstes ankam. „Sie nahmen den Berg ein“, hielt der Artikel in HaTzofeh fest, „und fand einige jordanische Soldaten, die sich im Felsendom versteckten.“

Auf die Bitte seine Gefühle in diesem Moment zu beschreiben, erinnerte sich Zammusch: „Ich fühlte, dass wir endlich eine Rechnung mit den Soldaten des Titus beglichen hatten. Es war das erste Mal, seit der Tempel von Titus zerstört wurde, dass Juden – und auch noch bewaffnete Juden – frei auf dem Tempelberg herumgingen. Plötzlich“, fügte er hinzu, „erinnerte ich mich an Oma Cohens Flagge und entfaltete sie auf dem Berg über der Mauer. Zweitausend Jahre Sehnen, Hoffnung, Planung und Liebe zu Jerusalem gingen diesem Moment voraus, zusammen mit dem Blut unserer besten Kämpfer.“

Als wäre das noch nicht bemerkenswert genug wird die Macht dieser Geschichte von einem Abschnitt im Talmud im Traktat Taanit (29a) weiter verstärkt, der die Zerstörung der zwei Tempel durch die Babylonier und die Römer beschreibt, die sich beide an einem Samstagabend ereigneten. Trotzdem sagten die Dienst habenden Leviten unerklärlicherweise das Tageslied für Mittwoch auf.

Warum, das wurde erst 1967 deutlich.

Rabbi Nachman Kahane von den Young Israel of the Old City erklärt, dass das Lied für Mittwoch in Psalm 94 steht; er beginnt mit den Worten: „Gott der Rache, HERR, Gott der Rache, erscheine!“

Die Leviten sahen, was geschehen würde und flehten in letzter Minute Gott an, die Eroberung Seines Heiligen Tempels zu rächen, daher entschieden sie sich das Tageslied für Mittwoch aufzusagen. Und, wie der Rabbi herausstellt, war der Tag, an dem die israelische Armee den Tempelberg befreite, der 7. Juni 1967, der natürlich – ein Mittwoch war. Zufall? Ich glaube nicht.

Die Befreiung der Hauptstadt Israels markiert eindeutig nicht nur die Vollendung eines persönlichen historischen Kreises für Yoram und seine Familie. Sie bedeutet auch die einer Reihe von größeren, kollektiven, einer Serie von Kreisen, die all diejenigen Juden einschließt, die sich die Zeitalter hindurch nach Jerusalem sehnten und für es beteten, aber nicht würdig waren es zu sehen.

Diese Kreise gehen durch die Jahrhunderte hindurch zurück bis zu diesen mutigen Leviten, die uns angesichts der Eroberung durch die Römer einen flüchtigen Blick in eine hellere Zukunft gaben.

Wenn Sie also das nächste Mal an Jerusalem denken, nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit und denken Sie über das Tägliche und Banale hinaus. Denn unter der Oberfläche liegt die Schönheit dieser sehr besonderen Stadt und ihrer Geschichte, wie die eines Kreises, in ihrer Ganzheit und Vollendung.

Der heilige Teil des Sechstage-Kriegs

Nassers Versprechen den jüdischen Staat ins Meer zu treiben, verunsicherte das Land. Syrien und Jordanien riefen die Mobilisation aus, um sich Ägypten bei dem vernichtenden Angriff anzuschließen.

Tzvi Fishman, Israel National News, 21. Mai 2020

Fallschirmjäger im Sechstagekrieg an der Mauer. (Foto: David Rubinger)

Während der jährlichen Feiern zum Yom HaAzmaut am Yeshivat Mercaz HaRavin Jerusalem etwa drei Wochen vor dem Sechstage-Krieg hielt haRav Tzvi Yehuda HaKohen Kook in der Jeschiwa Rosch eine starke und prophetische Rede an die Schüler und versammelten Gäste, in der er seine anfänglich von Schmerz geplagte Reaktion beschrieb, als er etwa zwanzig Jahre zuvor die Nachricht hörte, dass die Vereinten Nationen für die Teilung des Landes Israel stimmte und damit die Gründung eines gestutzten jüdischen Staates genehmigte. Während glückliche Israelis draußen auf den Straßen tanzten, saß er Zuhause, überwältigt von der Ankündigung, dass das Erbe von Haschem (Gott) und Jerusalem in Stücke geschnitten und geteilt worden war. Mit erhobener Stimme rief er: „SIE TEILTEN UNSER LAND!“ Jeder im Saal war still. „UND WO IST UNSER HEBRON? UND UNSER SCHECHEM? WO IST JEDER METER DES LANDES, DAS HASCHEM ALLEIN UNS VERERBTE?! HABEN WIR VERGESSEN, DASS DAS GANZE LAND UNSER IST?!“

Einer der Jeschiwa-Schüler, der verstorbnee HaRav Yehuda Hazani, schrieb die Worte seines Lehrers auf: „Yehuda hatte ein phänomenales Gedächtnis“, sagte seine Frau Hannah gegenüber der Jewish Press. „Nachdem er eine saubere Abschrift seines Gekritzels gemacht hatte, zeigte er sie HaRav Tzvi Yehuda für eine abschließende Durchsicht und dann arrangierte er seine Veröffentlichung in der Zeitung HaTzofet. Damals sprach niemand im Land von der Rückkehr nach Judäa und Samaria, auch nicht davon den Tempelberg zu erobern. Die Idee erschien wie verrücktes Science Fiction. Dann wurde sie drei Wochen später wahr.“

Damals, Ende Frühjahr 1967, befand sich Rabbi Schlomo Goren, der Oberrabbiner der Tzahal, in Australien, um Geld für Israel-Bonds einzuwerben, als er in einer lokalen Zeitung las, dass Ägyptens Präsident Nasser die nach Eilat führende Straße von Tiran gesperrt hatte. Auf Nassers Anweisung verließen die Friedensschutz-Truppen der UNO die Halbinsel Sinai und riesige Zahlen an ägyptischen Panzern und Infanterieeinheiten wurden entlang der israelischen Grenze stationiert. In der Gewissheit, dass die kriegerischen Handlungen zum Krieg führen würde, entschied sich Rabbi Goren zurück nach Hause, nach Israel zu fliegen. „In wenigen Wochen werde ich an der Kotel und auch auf dem Berg Sinai beten“, prophzeihte er einer gorßen Menschenmenge bei seinem Abschiedsauftritt in Australien.

In Israel war die Bevölkerung von Sorge und Verzweiflung ergriffen. Nassers Versprechen den jüdischen Staat ins Meer zu treiben, hatte das Land verunsichert. Die Armeen von Syrien und Jordanien waren mobilisiert, um sich Ägypten in einem vernichtenden Angriff anzuschließen. Israels Militärführung riet Premierminister Levi Eshkol, dem amtierenden Verteidigungsminister, zuerst zuzuschlagen, bevor Israels Streitkräfte einen tödlichen Schlag erhielten, aber der vorsichtige und alternde Politiker wollte der Administration in Washington Zeit geben Nasser zu überzeugen seine Streitkräfte zurückzuziehen und den UNO-Truppen zu erlauben in ihre Positionen zurückzukehren. Die obersten Militärs widersprachen; sie wollten das Schicksal des Landes nicht in fremde Hände legen, indem man sich auf Amerika verließ, es vor der Auslöschung zu bewahren.

Nach seiner Ankunft in Israel fuhr Rabbi Goren sofort zu einem Treffen mit dem Oberkommandierneden der IDF, Yitzhak Rabin, der ihn nervös informierte, dass die umgebenden arabischen Länder ihre Armeen zu einem umfassenden Angriff auf den winzigen jüdischen Staat bereit machten. Rabin sagte ihm, dass zwei Minister der National-religiösen Partei, die dagegen waren den Krieg zu führen – Mosche Haim Schapira und Zerach Warhaftig – Premierminister Levi Eschkol davon abhielten, die IDF-Streitkräfte loszuschicken. Rabin bat Rabbi Goren mit ihnen zu sprechen und sie zu überzeugen ihre Meinung zu ändern. „Nachdem ich selbst die Moral unserer Truppen gesehen habe“, antwortete der Armee-Geistliche in seiner entschiedenen und unabhängigen Art.

Der Journalist Avi Rath, der mehere Jahre damit verbrachte Rabbi Gorens Autobiografie „Mit Macht und Stärke“ zu editieren, sagte The Jewish Press, dass der ehemalige Oberrabbiner vor allem ein gewaltiger Thora-Lehrer war. „Immer hatte er Verse aus Thora, Tanach und Tehilim auf den Lippen und wenn er Israels Soldaten in die Schlacht begleitete, krönte ihn der Geist der Thora, der ihn erfüllte, mit einem überragenden Glauben, unermüdlicher Energie und Tapferkeit. Für ihn war der Krieg nicht nur eine Sache der Rettung Israels, er war – mit den Worten von König David – dazu da ‚dass die ganze Welt wissen soll, dass es in Israel einen lebendigen Gott gibt‘.“

Rabbi Goren reiste in den südlichen Negev, wo er die Kommandeure von Israels angespannten Battaillonen traf. Er erhielt widersprüchliche Berichte, die von optimistischen Siegeserwartungen und düsteren Vorhersagen, das Zögern der Regierung habe bereits die Gelegenheit vertan; er erteilte dem Armee-Rabbinat den Befehl sich darauf vorzubereiten tausende Gräber im gesamten Land auszuheben für den Fall, dass die Vorhersagen zu den furchtbaren Verlusten wahr werden sollten. Dann eilte er, erfüllt von der zunehmenden Kriegsgefahr, nach Tel Aviv, um sich mit den unwilligen religiösen Miistern zu treffen, die die Schuld für ihren Widerstand auf Yitzhak Rabin schoben, der, so behaupteten sie, auf die Frage nach Israels Erfolgsaussichten, eine Antwort verweigert hatte. Als er zu Rabin eilte, um ihn damit zu konfrontieren, fand Rabbi Goren einen gebrochenen Krieger vor. In seiner Autobiografie schreibt er, dass Ben Gurion, Rabins Mentor, die Zuverischt des jungen Oberkommandierenden gebrochen hatte, der ihn beschuldigte das gesamte Land zu gefährden und behauptete Israel allein könne niemals einen gemeinsamen Angriff der mächtigen und massiv aufgerüsteten Streitkräfte Ägyptens, Syriens und Jordaniens besiegen könne.

„Ben Gurions Worte hatten Rabin tief getroffen, was zu einem Nervenzusammenbuch führte“, vermerkte er. „Er zerfiel einfach. Die gesamte Armee war kriegsbereit und unser Oberkommandierender fiel auseinander.“

Um die Dinge noch kompolizierter zu machen, stolperte ein nervöser, unausgeschlafener und unschlüssiger Eschkol durch die Worte seiner Rede, was den Geist der Nation weiter aushöhlte. Bestürzt über Eschkols Verschleppungstaktik forderten die Menschen, dass der beliebte und charismatische Mosche Dayan zum Verteidigungsminister ernannt wird.

Als wäre er von einem göttlichen Geist besessen, telefoniert der IDF-Oberrabbiner mit Motti Hod, dem Oberkommandierenden der israelischen Luftwaffe, der ihm vesicherte, dass ein überraschender Erstschlag gegen Ägypten dessen gesamte Luftwaffe innerhalb von zwei Stunden lahmlegen würde. Rabbi Goren eilte zu einem weiteren Treffen mit Innenminister Mosche Haim Schapira und berichtete auf seine Bulldozer-Art, dass IDF-Kommandeure im Feld zuversichtlich an einen israelischen Sieg glaubten, wenn der Befehl sofort käme. Der Rabbi mit den blitzenden Augen nutzte seine gesamte leistungsstarke Thora-Überzeugungskraft die friedliebenden, religiösen Minister dahingehend zu beeinflussen eine kämpferischere Haltung einzunehmen. Schapira versicherte ihm, dass er die Ernennung von Mosche Dayan zum neuen Verteidigungsminister während der Treffen des Notfall-Kabinetts unterstützen würde, das in ein paar Stunden stattfinden sollte und dass er seinen Widerstand dagegen, Israels Soldaten in den Krieg zu schicken, aufgeben werde.

Weil er bei den Truppen sein wollte, wenn sie in den Gazastreifen und den Siani stürmten, fuhr Rabbi  Goren einmal mehr nach Süden, in den Negev. Bevor israelische Kampfjets aufstiegen, betrat der Oberrabbiner den Kommandobunker der Luftwaffe und verteitle das Gebet, das er geschrieben hatte, dazu eine persönliche Note an Motti Hod aus dem Buch Klagelieder, die ihn mahnte: „Verfolgt sie im Zorn und vernichtet sie unter dem Himmel des HErrn.“

Natürlich beeinflussten viele Faktoren Levi Eschkols Entscheidung in den Krieg zu ziehen und der Gesinnungswandel des vorher widerstrebenden Schapira war einer davon. Bei der offiziellen Ankündigung, dass der Krieg erklärt wurde, während Israels bestens ausgebildete Luftwaffe in den Himmel aufstieg, wurde Rabbi Gorens vorbereitete Rede an die Soldaten der Tzahal von „Kol Yisrael“ über Radios in jedes Haus und Büro im gesamten Land ausgestrahlt: „An diesem Tag des Sieges ist HaSchem mit euch, allen Soldaten der Armeen Israels, zu Land, zu Wasser und in der Luft, um euch im Kampf zum Triumph über unsere Feinde zu führen, die sich gegen uns erhoben haben, um uns zu vernichten. Lasst eure Herzen nicht wanken, denn HaSchem kämpft an eurer Seite, um euch zu retten…“

Innerhalb von Stunden und über die nächsten zwei mirakulösen Tage zerstörten die geschickten Piloten Israels komplett die Luftwaffen von Ägypten, Jordanien und Syrien, während entschlossene israelische Bodentruppen Nassers Battaillone im Gazastreifen und im Sinai zerschlugen, sich den Weg zum Suezkanal erkämpften. Als der Rauch sich über den dezimierten feindlichen Startbahnen und Schlachtfeldern lichtete, musste der israelische Premierminister Levi Eschkol eine Entscheidung treffen – Israels Armee-Befehlshabern in Jerusalem grünes Licht zu geben die Altstadt zu erobren oder den Waffenstillstand anzunehmen, den die Vereinten Nationen in aller Eile organisiert hatten, um die arabische Welt zu retten. Die Uhr tickte. Um vier Uhr morgens hatte Knessetmitglied Menachem Begin Levi mit einem Anruf geweckt, um ihn zu drängen in Jerusalem weiter zu kämpfen, bevor die Chance zur Rückholung des Tempelbergs und der Westmauer in Israels ewigen Besitz zurückzuholen, vertan sei. Durch Wochen des Drucks und eine tiefe, väterliche Sorge um sein kleines, belagertes Land bereits zermürbt, hatte der zunehmende internationale Druck auf Israel Levis Entschlossenheit weiter geschwächt. Seine obersten Militärs, der neue Verteidigungsminister Mosche Dayan, ein erholter Yitzhak Rabin, Uzi Narkiss und Chaim Bar-Lev warteten ungeduldig auf seine Anweisung, aber er war nicht sicher, das Amerika eine solche entscheidende und die Geschichte beeinflussende Entscheidung stützen würde, die die Jahrhunderte alte Überlegenheitsmythen des Christentums und des Islam so dramatisch anficht. Der rastlose Rabbi Goren eilte ins Rockefellder-Museum direkt gegenüber der Altstadtmauer, wo Mota Gurs Fallschirmjäger vom Auguste-Viktoria-Kloster auf dem Nordgipfel des Ölbergs unter jordanischem Feuer lagen. Obwohl israelische Soldaten im Kampf gegen eingegrabene jordanische Streitkräfte im Norden der Stadt am Ammunition Hill schwere Verluste erlitten, war der von Glauben erfüllte Rabbiner sicher – so wie HaSchem die Kiesel geleitet hatte, die den mächtigen Goliath zu Fall brachten, kämpfte der Ewige an der Seite der mutigen Soldaten der IDF. Gur sagte ihm, dass israelische  Divisionen zwar die Altstadt eingekesselt hatten, er aber Befehl von der Regierung hatte deren Tore nicht zu stürmen, damit nicht die ganze Welt sich gegen Israel erhebt. Die Vereinten Nationen hatten Druck auf Jordanien ausgeübt einen Waffenstillstand anzunehmen, aber der stolze König Hussein befahl derweil seinen Truppen weiter zu kämpfen. Mit feurigem Blick in den Augen bellte der Oberrabbiner der Armee den Befehlshaber der Fallschirmjäger an:

„Diese historische Gelegenheit Jerusalem und den Tempelberg zu befreien, ist in unsere Hand gefallen und du zögerst? Ich übernehme die Verantwortung. Komm mit mir und befreie die Altstadt. Wenn sie uns vors Kriegsgericht stellen, werde ich dich ins Gefängnis begleiten. Es ist eine Ehre bei der Befreiung Jerusalems zu sterben. Jetzt haben wir die Chance!“

Rabbi Gorens Referent, Rabbi Menachem HaKohen, der während des Krieges nicht von der Seite des IDF-Oberrabbiners wich, sagte gegenüber The Jewish Press, dass Gur den leidenschaftlichen Appell gutmütig akzeptierte, über die Lage witzelte, als ob er den zunehmenden Druck um sie herum mäßigen wollte; er versrpach den Schlagbohrer von Rabbiner mitzunehmen, wenn seine Truppen in die Stadt eindrangen.

Frustriert eilte Rabbi Goren nach Tel Aviv; dort fand er Yaacov Herzog, den engsten Berater des Premierministers und forderte, dass Levi Eschkol die Stunde nutzt.

„Ich war der Fahrer und Referent des Armee-Oberrabbiners“, berichtete Rabbi HaKohen. „Von Jerusalem bis Gaza, dann nach Tel Aviv, zurück nach Gaza, hinauf nach Jeruslaem, hinab nach Tel Aviv, zurück zur Befreiung der heiligen Stadt, dann weiter nach Kever Rachel, Kfar Etzion und Hebron. Die ganze Zeit über schlief er kaum. Sogar nachts hatte er eine tragbare Lampe im Auto, damit er die Gemara studieren konnte. Er lernte jeden Tag sieben Seiten Gemara, selbst während des Krieges. Er sprach auch oft mit mir, um sicherzustellen, dass ich am Steuer nicht einschlief, genau so, wie der Kohen HaGadol vor Yom Kippur die ganze Nacht wach gehalten wurde, indem ihm faszinierende Geschichten erzählt wurden. Wir witzelten sogar darüber, wie die Menschen auf unserer Beerdigung unser gedenken würden, sollten wir im Krieg getötet werden. Obwohl Rabbi Goren ein sehr ernster Talmid Chacham war, zitierte er Kohelet und sagte, es gebe eine Zeit zu weinen und eine Zeit zu lachen.“

Von Tel Aviv fuhr Rabbi  Goren zurück nach Gaza im Süden, rechtzeitig, um die 11. Division zu begleiten, als sie sich aufmachte den ägyptischen Streitkräften entgegenzutreten, die sich entlang der Grenze sammelten. Als die Einheit vorwärts brauste, traf ein Artilleriegeschoss das Auto des Kommandeurs des Rabbi. Alle Soldaten wurden mit ihm verwundet. Das Schofar, das er dabei hatte, wurde vom Feuer und der Hitze der Explosion verbrannt, zusammen mit der Mütze des Offiziers. Wie durch ein Wunder blieb die kleine Sefer Thora, die er dabei hatte, unversehrt. Er versorgte die Verletzten so gut er konnte, trug die blutenden Soldaten in die ankommenden Krankenwagen, griff sich einen Helm und drängte mit den Truppen vorwärtes, alles unter schwerem ägyptischem Feuer. Während die israelischen Panzer nach heftigen Kämpfen vorrückten, gaben die Feinde ihre Position auf und flohen panisch. „Ich sah mit eigenen Augen die Wahrheit der Verse ‚Fünf von euch werden hundert verfolgen und hundert von euch werden zehntausen verfolgen und eure Feinde werden vor euch durch das Schwert fallen.‘ Raschi vermerkt, dass die Mathematik kein genaues Verhältnis gibt und erklärt: ‚Man kann nicht ein paar, die die Gebote der Thora ausüben, mit vielen vergleichen, die sie ausüben.‘ Wir erfahren daraus, dass die Kriege Israels zu führen an und für sich Thora ist.“

בכירי צה“ל בירושלים במלחמת ששת הימים
צילום: ארכיון צה“ל במשרד הביטחון
Die Oberkommandierenden der IDF wähend des Sechstage-Krieges in Jerusaem (Foto: IDF-Archiv des Verteidigugnsministreriums)

Als die Sonne über dem Schlachtfeld unterging, beschloss Rabbi Goren nach Jerusalem zurückzukehren. Mitten in der Nacht kam er in der heiligen Stadt an, wo Explosionen und Gewehrfeuer die Luft in allen Teilen der Stadt erfüllten. Er eilte sofort zum Haus seines Schwiegervaters, des frommen Rabbi David Cohen, der als „Nazir“ bekannt war, und bat ihn, ihm das Schofar seiner Schul zu leihen. Rabbi Gorens Referent, Rabbi Menachem HaKohen, sagte der Jewish Press, dass er auf einem Stuhl stand und das Schofar aus seiner Aktentasche holte. Er lief zum Rockefeller-Museum, wo sie entdeckten, dass viele Soldaten von feindlicher Artillerie und den schweren Kämpfen in der Stadt getötet worden waren. Als er nach einer Stunde Schlaf in seinem Jeep aufwachte, erfuhr Rabbi Goren, dass Mota Gur am frühen Morgen einen Angriff auf das  Auguste Viktoria begonnen hatte. Unterstützt von israelischen Jets übernahmen zwei Divisionen der IDF, die aus unterschiedlichen Richtungen aufeinander zu arbeiteten, die Kontrolle über den strategischen Höhenzug, der von Osten Jerusalem überblickte. Da jordanische Heckenschützen von den Mauern der Altstadt auf anrückende israelische Soldaten schossen, sprang Rabbi Goren in seinen Jeep und fuhr in Richtung Löwentor, wobei er unterwegs einen „Tramper“ auflas, Yosi Ronen, den Tonmann des „Galatz“, des Radiosenders der Armee, der es schaffte die Klänge von Rabbi Gorens Schofar und Siegesrufe sowie den Gesang der Geschichte machenden Schlacht aufzunehmen. Als er endlich den Befehl erhielt die Altstadt zu befreien, führte Mota Gur eine Fallschirmjäger-Brigade den Ölberg hinab zum Tempelberg. Um 9:45 Uhr eröffenten israelische Panzer zum Lied „Jerusalem aus Gold“, das im ganzen Land im Radio lief, das Feuer auf das Löwentor, wobei sie einen Bus sprengten, der dort positioniert worden war, um das 15 Meter hohe Tor zu sperren. Unter ständigem Feuer von Heckenschützen stürmten die israelischen Soldaten vorwärts. Ein Panzer versuchte den Bus zur Seite zu schieben, blieb aber stecken. Während Rabbi Goren auf das Tor zulief, schrie ihn ein Hauptmann der Fallschirmjäger an, er solle an der Mauer bei den anderen Soldaten Deckung suchen, damit er nicht erschossen werde. Throarolle und Schofar in den Händen ignorierte der nicht zu bremsende Rabbiner den Befehl. „Ich bin der höchste anwesende Offizier“, antwortete er. „Haltet mich nicht auf!“ Er blies das Schofar so laut er konnte und führte den Vorstoß in die Altstadt an, kletterte über den im Tor steckengebliebenen Panzer  und rannte auf der anderen Seite weiter. „Die Schichinah, die nie die Steine der Kotel verließ, bereitete den Weg vor den Soldaten Israels, schützte sie mit ihrer Wolke der Herrlichkeit“, schrieb er später. Dann, wie in einem Traum, erreichte er das Tor, das zum Har HaBayit führte. Mit einem weiteren langen Blasen des Schofar rief er den Truppen hinter sich zu: „Im Namen HaSchems, befreit Jerusalem! Steht auf und erobert den Berg!“

Rabbi Yisrael Ariel, damals Schüler an der Jeschiwa Mercaz HaRav und heute Leiter des Temple Institute in Jerusalem, erreichte den Berg, nachdem dieser von den Fallschirmjähgern befreit wurde. „Meine Befehle lauteten den Dom des Schreins zu betreten und die Rotunde mit dem Grundstein zu bewachen“, sagte gegenüber The Jewish Press. „Die Tatsache, dass ich am Ort des Allerheiligsten stand, war wie eine spirituelle Explosion, deren Nachhall bis heute bei mir geblieben ist und alles inspirierte, was ich seitdem getan habe. Als ich hörte, dass zwei meiner Ältesten mit langen, weißen Bärten an der Kotel angekommen waren, war ich sicher, dass sie der Messias und Eliahu HaNavi sein mussten. Kurze Zeit später, nachdem ich die Erlaubnis erhielt mich der Menge an der Mauer anzuschließen, entdeckte ich, dass die zwei heiligen Ältesten meine Rabbiner waren, HaRav Tzvi Yehuda Kook un HaRav David Kohen, der heilige ‚Nazir‘.“

מלחמת ששת הימים
צילום: לע“מ
Der Sechstage-Krieg in Live-Bildern:
Foto: IDF-Archiv im Verteidigungsministerium

Zu Beginn des Krieges hatte Zvi Friedman mit den Truppen gekämpft, die die ägyptischen Panzer zum Rückzug aus Gaza gezwungen hatten. Er hetzte mit Rabbi Goren nach Jerusalem, um die Truppen in der heiligen Stadt zu stärken und fand sich auf dem Temeplberg wieder, als der Oberrabbiner der Armee eine Siegesansprache hielt, um HaSchem zu danken; diese hatte er in seiner Uniformtasche bereitgehalten. Friedman sagte The Jewish Press: „Wenn du die Wahrheit wissen willst, bedeutet es mir nichts, mich auf dem Tempelberg zu befinden. Niemand redete damals vom Tempelberg. Anders als heute war er nicht Teil unseres Vokabulars. Mota Gur rief: ‚Har HaBayit ist in unserer Hand!‘, aber ich muss leider sagen, dass die Araber dort immer noch das Sagen haben. Ich schaute auf Hannan Porat, einen jungen Fallschirmjäger und Schüler von Rabbi Tzvi Yehuda Kook und seine Augen glänzten vor Freude und Tränen, aber ich selbst fühlte nichts Besonderes, bis ich an der Kotel ankam.“

Etwas später standen die Befehlshaber Mota Gur, Uzi Narkiss und Verteidigungsminister Mosche Dayan unter den singenden und tanzenden Soldaten, als würden sie sich fragen, was sie mit dem Schatz tun sollten, der ihnen in die Hände gefallen waren. Rabbi Goren ging auf sie zu: „Warum sammeln wir nicht allen Sprengstoff, den wir haben ein und sprengen alle Schreine und Moscheen auf dem Berg, während wir noch die Chance dazu haben“, schlug er seinen ernsten und erschrockenen Zuhörern vor. In der Erkenntnis, dass er an der Kotel aufgeschlossenere Ohren finden würde, eilte er auf der Suche nach dem Weg zur Klagemauer los, die fast zwei Jahrzehnte lang für Juden tabu gewesen war. Sein bärtiger Adjutant Rabbi Menachem HaKohen, war in der Altstadt aufgewachsen und kannte den Weg. Ein paar Soldaten schlossen sich an und es dauerte nicht lange, bis sie vor einem verschlossenen Metalltor standen, das sie mit ihren Schultern eindrückten.

Rabbi Goren erzählt in seiner Autobiografie: „Als ich den engen Platz vor der Kotel erreichte, empfand ich einen großen Lichtblitz, der mich blendete. Ein Araber rannte aus dem gegenüber liegenden Tunnel und schob mir einen Stuhl unter, bevor ich vor Benommenheit umkippte.“

Müde, aber ekstatische Fallschirmjäger eilten dazu und nahmen die Steine der Mauer in die Arme. Über ihnen hängte ein weiterer Schüler der Jeschiwa Mercaz HaRav, Hauptmann Yoram Zammusch, die Davidstern-Flagge an eine Metallstange über der Kotel. Rabbi Goren blies das Schofar, hielt die Thora-Rollen fest und rezitierte Kaddisch für all die Gefallenen; alle Versammelten riefen „Amen!“. Der „Tramper“ vom Radiosender „Galei Tzahal“ war dabei und nahm all die euphorischen Gebete auf.

Rabbi Menachem HaKohen, der später Oberrabbiner der Moschawim und der Histadrut werden sollte, sagte The Jewish Press: „Seit das jüdische Volk geeint vor dem Berg Sinai stand, hat es keinen so absoluten Moment jüdischer Einheit gegeben. Juden in aller Welt, von Moskau bis in die Vereinigten Staaten, in Tel Aviv und Jerusalem, hörten unsere Gebete und antworten ‚Amen!‘“

Nachdem er die Flagge über den oberen Abschluss der Mauer gehängt hatte, bat Yoram Zammusch darum, dass sein Jeschiwa Rosh-Rabbiner Tzvi Yehuda Kook, zur Kotel gebracht wird.

„Rabbi Goren wies mich an sowohl Rabbi Kook als auch den ‚Nazir‘ in die Altstadt zu bringen“, erinnert sich Rabbi HaKohen. „Das Mist-Tor war noch nicht eingenommen, also nahm ich Zammuschs Jeep, der noch immer auf dem Tempelberg stand. Rabbi Goren entschied sich bis zur Mincha-Zeit zu warten, bevor er zum Herzlberg eilte, um sich um die Beerdigungsvorbereitungen für die vielen Gefallenen Soldaten der Tzahal zu kümmern; deshalb kehrte er zum heiligen Ort Beit HaMikdasch zurück, um Tehillim zu rezitieren und die Halacha zu nutzen, die es jüdischen Soldaten erlaubt den Boden des Mikdasch während der Eroberung des Tempelbergs zu betreten, die noch im Gang war. In der gesamten Altstadt gab es noch Heckenschützenfeuer. Er betete mit aller Kraft, im Hinterkopf, dass das Kever Rachel, der Kfar Etzion und Hebron noch nicht erobert waren und an deren Befreiung wollte er auch beteiligt sein.

Nachdem er den Jeep auf dem Weg auf den Tempelberg durch jubelnde Menschenmengen gefahren hatte, parkte Rabbi Menachem HaKohen auf dem Tempelberg und führte die beiden älteren Rabbiner in den engen Durchgang vor der Klagemauer, der inzwischen von Soldaten verstopft war: „Der fromme ‚Nazir‘ nahm die Steine der Kotel in den Arm und verharrte wie eingefrohren. HaRav Tzvi Yehuda wirkte überwältigt, als könnte er gar nicht begreifen, wo er war. Er schüttelte seine Orientierungslosigkeit und sein Staunen ab und begann zu weinen. Er bat Rabbi Goren ein Kapitel aus den Tehillim aufzusagen und ich blies das Schofar.“

„Diesen Tag zu vergessen ist unmöglich“, erinnerte isch Rabbi Tzvi Yehuda Kook in einer Rede, die er später an einem Jerusalem-Tag in der Jeschiwa Mercaz HaRav hielt. „Mit jeder Stunde wurden die Erwartungen größer. Einer unserer Schüler, der einberufen war, rannte während einer Kampfpause zurück zur Jeschiwa und verkündete, dass unsere Fallschirmjäger mit Hilfe des Allmächtigen bald die Kotel erreichen würden! Wenig später erschien ein bärtiger Offizier mit einer Nachricht von HaRav Goren. ‚Der Oberrabbiner der Armee lädt die Jeschiwa Rosch ein zur Kotel zu kommen“, verkündete er. ‚Ein gepanzertes Auto wartet vor der Tür.‘

HaRav David Cohen, der Nazir, schloss sich uns unterwegs an. Auch er war von einem Schwiegersohn HaRav Goren eingeladen worden. Das Auto der Armee kam durch die freudige Menge nur langsam voran, die auf die Straßen der Stadt drängte – tausende singende und tanzende Menschen. Viele von ihnen hatten angesichts der Befreiung Jerusalems Freudentränen in den Augen. Wir beteten nach neunzehnhundert Jahren Trennung das erste nationale Gebet an der Kotel, nicht als Einzelne, sondern als Repräsentanten des wiedergeborenen Medinat Yisrael [Staat Israel]. Das Gebet, das ein totales Festbleiben an HaSchem war. Alle Augen waren voller Tränen. Jeder sang den Pslam ‚Ein Lied des Aufstiegs: Als der HErr die Gefangenen Zions zurückführte, waren wir wie die Träumende.‘

Bevor wir die befreite Stadt verließen, wurde ich von Radio- und Fernsehreportern aus Israel und der ganzen Welt interviewt. Sie wollten meine Meinung zu dem wissen, was geschehen war. ‚Seht‘, sagte ich, ;wir verkündetn ganz Israel und der ganzen Welt, dass durch wir göttliches Gebot nach Hause zurückgekehrt sind in unsere Heilige Stadt. Von diesem Tag an werden wir uns hier nie mehr wegrühren! Wir sind nach Hause gekommen!“

מלחמת ששת הימים בתמונות חיות
צילום: ארכיון צה“ל במשרד הביטחון
Der Sechstage-Krieg in Live-Bildern:
Foto: IDF-Archiv im Verteidigungsministerium

Warum Geschichte immer noch wichtig ist: Der Sechstage-Krieg von 1967

David Harris, The Algemeiner, 4. Juni 2018

Das Kultfoto an der Westmauer kurz nach ihrer Befreiung im Juni 1967 (Foto: David Rubinger / GPO)

Führe Geschichte an und das kann Augenrollen auslösen.

Füge den Nahen Osten in die Gleichung ein und die Leute könnten beginnen wegzulaufen, nicht bereit in das scheinbar bodenlose Fass an Einzelheiten und Streitigkeiten zu fallen.

Diese Woche vor 50 Jahren brach der Sechstage-Krieg aus.

Während manche Kriege in Dunkelheit versinken, bleibt dieser bis heute so aktuell wie er es 1967 war. Viele seiner Kernfragen sind bis heute ungelöst.

Politiker, Diplomaten und Journalisten ringen weiter mit den Folgen dieses Krieges, denken aber selten über den Kontext nach, dessen sie sich oft nicht einmal bewusst sind. Doch ohne Kontext m dürften einige entscheidend wichtige Dinge keinen Sinn ergeben.

Erstens: Im Juni 1967 gab es keinen Staat Palästina. Es existierte nicht und es gab ihn nie. Seine Gründung, 1947 in der UNO vorgeschlagen, wurde von der arabischen Welt abgelehnt, weil das auch die Gründung eines jüdischen Staates an seiner Seite bedeutete.

Zweitens: Die Westbank und Ost-Jerusalem waren in jordanischer Hand. In Verletzung feierlicher Übereinkommen verweigerte Jordanien den Juden den Zugang ihrer heiligsten Orte in Ost-Jerusalem. Um alles noch schlimmer zu machen, schändeten oder zerstörten sie viele dieser Stätten.

Derweil stand der Gazastreifen unter ägyptischer Kontrolle, die den örtlich Ansässigen eine harsche Militärherrschaft auferlegte. Und die Golanhöhen, die regelmäßig genutzt wurden, um israelische Ortschaften unterhalb zu beschießen, gehörten zu Syrien.

Drittens: Die arabische Welt hätte jederzeit einen Palästinenserstaat in der Westbank, Ostjerusalem und dem Gazastreifen schaffen können. Das machten sie nicht. Es gab nicht einmal eine Diskussion darüber. Und arabische Führer, die heute eine so starke Verbindung zu Ostjerusalem vorgeben, besuchten es selten, wenn überhaupt. Es wurde als arabisches Kaff am Arsch der Welt betrachtet.

Viertens: Die Umgrenzung von 1967 zur Zeit des Krieges, die heute so viel in den Nachrichten ist, war nichts anderes als eine Waffenstillstandslinie, die auf 1949 zurückging – vertraut und bekannt als die Grüne Linie. Diese Grenzziehung wurde festgelegt, nachdem fünf arabische Armeen Israel 1948 mit dem Ziel angriffen den entstehenden jüdischen Staat zu vernichten. Sie scheiterten.

Die Waffenstillstandslinien wurden nach diesem Krieg gezogen, aber sie waren kein formellen Grenzen. Das konnten sie nicht sein. Die arabische Welt lehnte es selbst in der Niederlage ab Israels Existenzrecht überhaupt anzuerkennen.

Fünftens: Die palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) die den Krieg unterstützte, wurde 1964 gegründet, drei Jahre vor dem Konflikt, der 1967 ausbrach. Das ist wichtig, denn es macht klar, dass die PLO mit dem Ziel gegründet wurde Israel auszulöschen, nicht um einen Palästinenserstaat in der Westbank und dem Gazastreifen zu schaffen.

Denken Sie daran, dass die einzigen „Siedlungen“ 1964 Israel selbst waren.

Sechstens: In den Wochen vor dem Sechstage-Krieg erklärten Ägyptens und Syriens Führer wiederholt, dass der Krieg kommt und dass ihr Ziel darin bestand Israel von der Landkarte zu wischen. Es gab nichts Zweideutiges an ihren grauenerregenden Ankündigungen. 22 Jahre nach dem Holocaust sprach ein weiterer Feind von der Auslöschung der Juden. Das ist gut dokumentiert.

Die Geschichte ist gleichermaßen klar darin, dass Israel in den Tagen vor dem Krieg Jordanien über die UNO und die Vereinigten Staaten Nachricht zukommen ließ, mit der Amman gedrängt wurde sich aus dem anstehenden Konflikt herauszuhalten. Jordaniens König Hussein ignorierte den israelischen Appell und verband sein Schicksal an das Ägyptens und Syriens. Seine Streitkräfte wurden von Israel besiegt und der verlor die Kontrolle über die Westbank und Ostjerusalem. Er gestand später ein, dass er einen furchtbaren Fehler damit machte in den Krieg einzutreten.

Siebtens: Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser forderte, dass die UNO-Friedensschützer in der Gegend, die im Jahrzehnt zuvor eingesetzt wurden, um Konflikt zu verhindern, entfernt werden. Schändlicherweise gehorchte die UNO, ohne wenigstens höflich Israel zu konsultieren. Das ließ keine Pufferzone zwischen arabischen Armeen und israelischen Streitkräften in einem Land, das zwei Prozent der Größe Ägyptens hat und an seiner engsten Stelle nur 16km breit ist.

Achtens: Ägypten blockierte die israelischen Schifffahrtslinien ins Rote Meer, Israels einzigen See-Zugang zu Handelsrouten mit Asien und Afrika. Dieser Schritt wurde verständlicherweise von Jerusalem als Kriegsakt betrachtet. Die Vereinigten Staaten sprachen davon sich mit anderen Ländern zusammenzutun, um die Blockade zu brechen, aber am Ende handelten die USA leider nicht.

Neuntens: Frankreich, das Israels Hauptwaffenlieferant gewesen war, verkündete am Vorabend des Krieges ein Verbot von Waffenlieferungen. Das ließ Israel in potenziell großer Gefahr zurück, wenn ein Krieg sich in die Länge ziehen sollte oder Nachlieferungen von Waffen nötig werden sollte. Erst im nächsten Jahr sprangen die USA in die Bresche und verkauften Israel lebenswichtige Waffensysteme.

Und schließlich, nachdem es den Verteidigungskrieg gewann, hoffte Israel, dass seine neu eroberten Territorien, die es Ägypten, Jordanien und Syrien abnahm, die Grundlage für eine Land-für-Frieden-Vereinbarung sein würden. Es wurden Fühler ausgestreckt. Die formelle Antwort kam am 1. September 1967, als die arabische Gipfelkonferenz in Khartoum bekanntlich erklärte: „Nein zu Frieden, Nein zu Anerkennung, Nein zu Verhandlungen“ mit Israel.

Es sollten weitere „Nein“ folgen. Mit Betonung des Punktes wurde 20023 der saudische Botschafter in den USA im The New Yorker zitiert: „Es brach mir das Herz, das [PLO-Führer] Arafat das Angebot (einer von Israel mit amerikanischer Unterstützung 2001 vorgelegten Zweistaaten-Lösung) nicht annahm. Seit 1948 sagten wir jedes Mal, wenn wir etwas auf dem Tisch liegen hatten, Nein. Dann sagen wir Ja. Wenn wir Ja sagen, ist es nicht mehr auf dem Tisch. Dann müssen wir mit weniger klar kommen. Ist es nicht an der Zeit, dass wir Ja sagen?“

Heute gibt es Leute, die sich wünsche die Geschichte umzuschreiben.

Sie wollen die Welt glauben machen, dass es einst einen Palästinenserstaat gab. Gab es nicht.

Sie wollen die Welt glauben machen, dass es festgelegte Grenzen zwischen diesem Staat und Israel gab. Aber es gab nur Waffenstillstandslinien zwischen Israel und der von Jordanien kontrollierten Westbank und Ostjerusalem.

Sie wollen die Welt glauben machen, dass der Krieg von 1967 eine angriffslustige Handlung seitens Israels war. Es war ein Akt der Selbstverteidigung angesichts blutrünstiger Drohungen den jüdischen Staat zu überwältigen, ganz zu schweigen von der Seeblockade der Straße von Tiran, dem abrupten Abzug der UNO-Friedenstruppen und der Neustationierung ägyptischer und syrischer Truppen.

Alle Kriege haben Folgen. Dieser war keine Ausnahme. Aber die Aggressoren haben es versäumt die Verantwortung für das von ihnen angezettelte Tun zu übernehmen. Sie wollen die Welt glauben machen, dass der israelische Siedlungsbau nach 1967 das Schlüsselhindernis für einen Friedensschluss ist.

Aber der Sechstage-Krieg ist der klare Beweis, dass die Kernfrage darin besteht und immer bestanden hat, ob die Palästinenser und die arabische Welt das Recht des jüdischen Volkes auf einen eigenen Staat akzeptieren. Wenn sie das tun, dann haben alle anderen umstrittenen Dinge, so schwierig sie auch sein mögen, mögliche Lösungen. Aber ach, wenn sie das nicht tun, dann ist alles vorbei.

Diese Leute wollen die Welt glauben machen, dass die arabische Welt nichts gegen  Juden an sich hat, sondern nur gegen Israel. Doch die trampelten mit Hingabe alles Stätten nieder, die für das jüdische Volk heilige Bedeutung haben. Mit anderen Worten: Wenn es um den arabisch-israelischen Konflikt geht, wird die Vergangenheit auszublenden einfach nicht funktionieren.

Kann Geschichte sich vorwärts bewegen? Absolut. Israels Friedensverträge mit Ägypten von 1979 und Jordanien 1994 beweisen es. Gleichzeitig veranschaulichen aber die Lektionen des Sechstage-Krieges, wie hart und qualvoll der Weg sein kann; sie sind ernüchternde Erinnerung, dass, ja, Geschichte wichtig ist.

Wie Rabbi Goren im Alleingang Hebron eroberte

Eliana Rudee, Breaking Israel News, 3. Juni 2019

Da kamen alle Ältesten Israels zum König nach Chebron, und in Chebron schloss König David mit ihnen einen Bund vor dem HERRN, und sie salbten David zum König über Israel
(2. Samuel 5,3 – Zürcher Bibel)

Der Oberrabbiner des Militärs Schlomo Goren 1967 an der Westmauer kurz nach der Befreiung Jerusalems (Foto: Wiki Commons)

Während der Feiertag „Jerusalemtag“ am Sontag, 2. Juni mit viel Tamam begangen wurde, ist der heutige Tag [3. Juni – heplev] der 52. Jahrestag des „Hebron-Tages“, an dem die IDF die zweitheiligste Stadt mit einer packenden militärischen Eroberung befreite.

Die Geschichte hinter der Befreiung Hebrons im Sechstagekrieg ist nichts weniger als ein Wunder, denn ein einzelner israelischer Soldat, auch noch Rabbiner, eroberte die gesamte Stadt Hebron ohne einen einzigen Schuss abzugeben.

Am 8. Juni 1967 fuhr der Oberrabbiner (und General) der Israelischen Verteidigungskräfte, Rabbi Schlomo Goren, in die Stadt. Infolge eines Missverständnisses betrat er die Stadt vor den Streitkräften. Er war in dem Moment der einzige Jude in der Stadt. Ihn begrüßte die Ansicht weißer Laken, die überall in der Stadt von Dächern und aus Fenstern hingen. Er begriff, dass die Araber Hebrons von 1967 kapitulierten, Angst vor jüdischer Vergeltung hatten (Jahrzehnte zuvor hatten arabische Einwohner Hebrons 67 Juden massakriert).

Nach der jordanischen Kapitulation betraten Rabbi Goren und eine kleine Gruppe Soldaten das Machpela-Grab, um das Schofar zu blasen und aus der Thora zu lesen, so wie sie es 24 Stunden zuvor machten, als sie an der Befreiung der Westmauer in Jerusalem teilnahmen.

Nach Angaben des Hebron Fund „war das das erste Mal in 700 Jahren, dass es Juden, Christen und Nichtmuslimen erlaubt wurde die Höhle der Patriarchen und Matriarchen frei zu betreten und dort zu beten“, da der Zugang zu dem uralteb Gebäude von den Mameluken eingeschränkt worden war, die Jahrhunderte zuvor aus Ägypten eingedrungen waren und allen Juden, Christen und Nichtmuslimen verboten näher als auf der siebten Stufe zu beten.

Bis 1967 kontrollierten Muslime das Gebäude und ließen Juden ihre heilige Stätte nicht betreten – sie durften nur außerhalb der Machpela beten und sich nicht weiter als auf der berüchtigten „siebten Stufe“ der zum Grab führenden Treppe nähern. Diejenigen, die versuchten weiter als bis zur siebten Stufe zu gehen, wurden von den dort stationierten arabischen Wachen geschlagen.

Endlich waren Juden in ihr kostbares Hebron und zum Grab Machpela zurückgekehrt. Juden und Israelis betrachten den Tag als Beweis der Hand Gottes im Land. Nach Angaben von Rabbi Goren befahl ihm Verteidigungsminister Mosche Dayan, nachdem Goren eine israelische Flagge vor das Grab hängte und eine Sefer Torah hineinbrachte, die Flagge abzuhängen und die Sefer Torah zu entfernen, seine Schuhe auszuziehen, bevor er hineingeht, da der Ort eine Moschee gewesen war. Rabbi Goren lehnte das ab, also schickte Dayan einen Offizier nach Hebron , um die Objekte zu entfernen. Nachdem dieser Offizier auf dem Weg von Jerusalem bei einem Verkehrsunfall getötet wurde, nahm Dayan seine Anweisung die Schuhe im Grab auszuziehen zurück.

Heute besuchen jedes Jahr 700.000 Touristen Hebron, um einen Blick in die Vergangenheit zu werfen und selbst die Erneuerung der jüdischen Gemeinschaften in der Gegen zu sehen. Das ganze Jahr über sind Rundgänge durch das antike Hebron möglich; zu den beliebten stellen gehören Museen, Synagogen, archäologische Stätten und natürlich das Patriarchengrab.

Nach Angaben von Yischai Fleischer, dem internationalen Sprecher der jüdischen Gemeinschaft in Hebron, „ist Jerusalem theologisch – dort, wo Gott ist – und Hebron genealogisch – wo di eGründer unserer Nation Gott folgten und zum ersten Gemeinwesen im Land wurde. Auf gewisse Weise ist Hebron der Vorfahr Jerusalems und heute sind wir wieder dort.“

Fleischer sagte gegenüber Breaking Israel News: „So wie wir nach Jerusalem zurückkehrten, um dort zu leben, sind wir nach Hebron zurückgekehrt, wo wir eine Menge getan haben, umd das jüdische Leben zu normalisieren. Während Jerusalem für uns als unsere uralte Hauptstadt und Standort des Tempels wichtig ist, ist Hebron Davids erste Hauptstadt und der Sitz der Vorväter und –mütter.“

Fleischer gibt an, dass jemand, der Hebron besucht, wird etwas über „jüdische Kontinuität und Verbindung zum Volk, das alles begann“ lernen und fügt hinzu: „Das ist das wahre Geschenk Hebrons.“

Jedes Jahr besuchen rund 700.0000 Menschen Hebron, das etwa eine Autorstunde südlich von Jerusalem liegt.

Touristen wie Örtliche, die sich für Sightseeing und die Teilnahme an Gebetsdiensten mit erfahrenen und lokalen Führern interessiert sind, können eine Tour mit dem Hebron Fund buchen. Jede Woche fahren besondere Reisebusse von Jerusalem aus ab.

Zu Ehren des „Hebron-Tages“ feierte die jüdische Gemeinschaft von Hebron am Abend des 2. Juni und gedachte des 52. Jahrestages der Befreiung Hebrons. Die jüdische Gemeinschaft von Hebron feierte Yom Hebron mit Paraden, Hüpfburgen für Kinder, Essen und Spielen.

„Alle wissen das“ … aber alle liegen falsch

Vic Rosenthal, Abu Yehuda, 12. April 2019

Ich weiß nicht, wie oft ich es erlebt habe, dass Judäa und Samaria als „besetzte Palästinensergebiete“ bezeichnet und jüdische Siedlungen dort „nach internationalem Recht illegal“ genannt wurden. Aber die Gebiete sind nicht „palästinensisch“, sie sind nicht „besetzt“, jüdische Gemeinden dort sind nicht illegal und Israel unterdrückt keine Millionen Palästinenser, die auch dort leben.

Premierminister Netanyahus Versprechen Israels Souveränität auf die Siedlungen auszuweiten – übrigens nicht, „die Westbank zu annektieren“, wie so viele Schlagzeilen behaupten – hat die Debatte über diese Themen wieder angeheizt. Aber es hat sich nichts verändert. Hier ein paar beliebte, aber falsche Aussagen zu Judäa/Samaria und die jüdischen Gemeinden, die dort gegründet wurden:

1. Die „Westbank“ ist „palästinensisches Land“, das Israel besetzt hält

Judäa und Samaria waren, wie der Rest von Israel und Jordanien, vom 16. Jahrhundert bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Teil des Osmanischen Reichs. Nach dem Krieg stimmte der Völkerbund zu, diesen Teil des ehemaligen osmanischen Territoriums von Großbritannien treuhänderisch verwalten zu lassen, um die nationale Heimstatt des jüdischen Volkes zu werden. Großbritannien gab den östlichen Teil an Abdallah bin Hussein, als Belohnung für seine und seines Vaters, Scherif Hussein vom Hedschas, Hilfe während des Krieges; daraus sollte letztlich Jordanien werden. Das Land zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer, einschließlich dessen, was der Staat Israel werden sollte, mit Judäa/Samaria und dem Gazastreifen wurde das Mandat Palästina.

Die im Mandat lebenden Araber waren heftig gegen jüdische Souveränität eingestellt und die Briten, aus einer Kombination des Wunsches die Araber zu beschwichtigen, um die Gewalt einzudämmen (die gegen die Juden wie auch gegen die britischen Herrscher eingesetzt wurde), des Wunsches „Palästina“ aus strategischen Gründen unter ihrer Kontrolle zu halten und schierem Antisemitismus, ließen ihre Verantwortung dem jüdischen Volk gegenüber fallen und versuchten die jüdische Zuwanderung zu drosseln, während sie Araber aus den umliegenden Gebieten ins Land ließen.

Im November 1947 beschloss die UNO – die die Verpflichtungen des Völkerbundes übernommen hatte – eine Resolution (UNGA 181), die die Teilung des Mandats in einen jüdischen und einen arabischen Staat empfahl. Die palästinensischen Juden waren bereit einen gestutzten Staat zu akzeptieren (es wäre die zweite Verkleinerung des ursprünglich für die Juden vorgesehenen Landes gewesen), aber die palästinensischen Araber und die arabischen Staaten wollten, dass das ganze Gebiet unter arabischer Souveränität steht und lehnten die Resolution ab.

Es ist wichtig zwei Dinge festzustellen: Erstens hatte die Resolution, weil sie von der Vollversammlung und nicht vom Sicherheitsrat unter Kapitel VII der UNO-Charta beschlossen wurde, beratenden Charakter, keinen verpflichtenden. Und zweitens war sie, weil die Empfehlungen nie umgesetzt wurden, irrelevant.

Die Briten, nach dem Zweiten Weltkrieg erschöpft und der Angriffe der Juden wie der Araber auf ihre Besatzungskräfte müde, beendeten das Mandat im Mai 1948 und gingen nach Hause. Die Juden, die die Mandatszeit genutzt hatten, um all die für einen Staat nötigen Institutionen – eine Armee, ein Bildungssystem, eine Gewerkschaft, verschiedene Staatsunternehmen und weiteres –aufzubauen, riefen den Staat Israel auf dem ihnen durch die Teilungsresolution zugewiesenen Bereich aus. Die Araber, die dasselbe hätten tun können, machten es nicht. Sie verstärkten ihre Angriffe auf die Juden. Gleichzeitig drangen die Armeen von fünf arabischen Staaten auf das Gebiet vor, in der Absicht, den neuen Staat Israel zu vernichten und das Land für sich selbst zu erobern (und nicht einen Staat für die Palästinenser zu gründen!).

Der folgende Krieg endete 1949 mit einem Waffenstillstand. Die arabischen Staaten stimmten keinem dauerhaften Frieden oder der Anerkennung des jüdischen Staates zu, sondern unterschrieben ein Waffenstillstandsabkommen, das die Stellungen ihrer Truppen markierte. Diese Vereinbarungen legten ausdrücklich fest, dass die Waffenstillstandslinien keine Staatsgrenzen waren. Die Bereich Judäa/Samaria wurde von Jordanien und der Gazastreifen von Ägypten besetzt; Jordanien annektierte das von ihm besetzte Gebiet 1950 und nannte es „Westbank“ (Westufer). Das ist das erste Mal, dass dieser Name verwendet wurde, um das zu benennen, was vorher „Judäa und Samaria“ hieß.

Die arabische Invasion verletzte eindeutig die UNO-Charta; sie war „Einsatz von Gewalt gegen die territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit“ des Staates Israel und daher war die Annexion von Judäa und Samaria ebenfalls illegal. Nur Großbritannien (und möglicherweise Pakistan) erkannten sie an. Während des Krieges und danach beging Jordanien regelmäßig Kriegsverbrechen; es verletzte die Genfer Konvention, indem es die jüdische Bevölkerung aus den von ihm besetzten Gebieten ethnisch säuberte, jüdische Synagogen und Friedhöfe zerstörte und während der gesamten 19 Jahre seiner Besatzung keinen Zugang zu jüdischen und christlichen heiligen Stätten zuließ.

1967 planten die Araber erneut Israel zu vernichten und einige arabische Führer äußerten sogar Völkermordabsichten. Obwohl es stimmt, dass Israel den ersten Schuss abgab, wird allgemein akzeptiert, dass es sich um den Fall eines legitimen militärischen Erstschlags vor einem unmittelbar bevorstehen Angriff handelte und dass Israels Handeln gerechtfertigte Selbstverteidigung war. Der Krieg endete damit, dass Israel Judäa und Samaria sowie den Gazastreifen in Besitz hatte.

Es wird argumentiert, dass die UNO-Charta den Erwerb von Territorium durch Gewalt verbietet. Das ist nicht korrekt. Dort heißt es:

Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt. (Artikel 2, Abs. 4)

Aber dort heißt es auch:

Maßnahmen, die ein Mitglied in Ausübung dieses Selbstverteidigungsrechts trifft, sind dem Sicherheitsrat sofort anzuzeigen; sie berühren in keiner Weise dessen auf dieser Charta beruhende Befugnis und Pflicht, jederzeit die Maßnahmen zu treffen, die er zur Wahrung oder Wiederherstellung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit für erforderlich hält… (Art. 51)

Wenn Israels Handeln 1967 legal war, wie sieht dann der Status von Judäa und Samaria aus? Viele sagen, dass es sich um eine „kriegerische Besatzung“ handelt. Wenn dem so wäre, wäre es immer noch absolut legal, so wie die Besetzung Deutschlands durch die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg legal war. Aber wenn es eine Besatzung ist, wessen Territorium wird dann besetzt? Nicht Jordaniens, dessen Besitz der Gegend von Anfang an illegal war!

Die letzte Instanz, die Judäa/Samaria legitim in Besitz hatte, war das britische Mandat, das es nicht mehr gibt. Aber die einzige Staatsinstanz, die vernünftigerweise als Erbe der Grenzen des Mandats betrachtet werden kann, ist der Staat Israel. Da das Mandat zudem dazu gedacht wer eine nationale Heimstatt für das jüdische Volk zu gründen und wenn man den gut belegten Anspruch des jüdischen Volks als Eingeborene des Landes in Betracht zieht, ist es vertretbar die Ereignisse von 1967 als die Befreiung von Territorium zu betrachten, das illegal besetzt war und das jetzt wieder bei seinem legitimen Besitzer ist: Israel.

1988 gab König Hussein seinen Anspruch auf Judäa und Samaria zugunsten der PLO auf. Da aber Jordanien überhaupt keine legitimen Rechte an dem Gebiet hatte, war die Geste bedeutungslos.

Es stimmt, dass die palästinensischen Araber Judäa und Samaria besitzen wollen (ganz zu schweigen von Haifa und Tel Aviv) und dass es zahlreiche Mitglieder der UNO gibt, die ihnen aus religiösen, kulturellen, wirtschaftlichen und ja: antisemitischen Gründen beipflichten. Aber Wünsche machen die Waffenstillstandslinien von 1949 nicht zur Grenze und Wünschen macht die palästinensischen Araber nicht zu legitimen Erben des britischen Mandats, noch – trotz ihres kreativen Herangehens an Geschichte – zu Ureinwohnern des Landes Israel.

2. Siedlungen sind gemäß des Völkerrechts illegal

Das ist ein Liebling vieler Nachrichtenmedien und europäischen Regierungen, die den Drang verspüren, jeder Erwähnung der israelischen Siedlungen „die nach dem Völkerrecht illegal sind“ anzufügen. Doch selbst wenn man akzeptiert (was ich nicht mache), dass Israels Besitz von Judäa und Samaria eine kriegerische Besetzung darstellt, ist das übliche Argument, dass Siedlungen eine Verletzung der Vorkehrungen der Vierten Genfer Konvention gegen Bevölkerungstransfer in ein besetztes Territorium ist, schwach. Dieses Protokoll wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Absicht beschlossen, Handeln wie das der Deportation seiner jüdischen Einwohner im besetzten Polen durch Deutschland zu kriminalisieren und nicht freiwillige Besiedlung von öffentlichem Land zu verbieten (eine umfangreichere Abhandlung dieses Themas finden Sie hier). Es sollte vermerkt werden, dass der Genfer Konvention Ergänzungen hinzugefügt wurden (z.B. das „Zusatzprotokoll“ von 1977), die speziell auf israelische Politik abzielten, die aber von Israel und weiteren Staaten, darunter den USA, nicht ratifiziert wurden.

3. Israel unterdrückt in Judäa und Samaria Millionen Palästinenser

Als Israel und die PLO 1993 bis 1995 die Oslo-Vereinbarungen unterschrieben, kamen sie überein Judäa und Samaria in drei Gebiete aufzuteilen, die Areas A, B und C. Area A stand unter mit Sicherheits- und ziviler Kontrolle durch die Palästinenser, Area B (viel kleiner) unter palästinensischer ziviler und israelischer Sicherheitskontrolle und Area C unter voller israelsicher Kontrolle. In Area C befinden sich alle jüdischen Siedlungen. Mehr als 95% der palästinensischen Bevölkerung lebt in den Areas A und B, wo sie von der palästinensischen Autonomiebehörde (PA) regiert werden. Es stimmt zwar, dass Israels Sicherheitskräfte sich das Recht vorbehalten Area A zu betreten, um gesuchte Terroristen zu verhaften, aber die Palästinenser haben von der PA gewährte Bürger- und politische Rechte zu wählen und Ämter zu bekleiden. Es gibt palästinensische Gerichte und palästinensische Polizei, palästinensische Ministerien für Gesundheit, Finanzen, Arbeit usw. Es ist kaum fair zu nennen, wenn Israel für die Tatsache verantwortlich gemacht wird, dass die PA korrupt und diktatorisch ist und seit Jahren keine Wahlen abgehalten hat.

Schlussfolgerung

Premierminister Netanyahus Entscheidung israelisches Recht auf die Siedlungen in Area C auszuweiten, würde keinerlei Auswirkungen welcher Art auch immer auf die unter der Kontrolle der PA lebenden Palästinenser haben und es ändert den Status der Gebiete nicht, in der sie liegen. Israel wird Judäa und Samaria nie komplett aufgeben, obwohl es möglich ist, dass einige Teile davon eine autonome Instanz der Palästinenser werden. Aber – aus Sicherheitsgründen, aus keinem sonstigen Grund – könnte Israel nie einem souveränen arabischen Staat westlich des Jordan zustimmen, noch könnte es der Art massiven Abzugs und Abrisses von Siedlungen zustimmen, die man sich in der Zeit Obamas vorstellte. Die Idee, dass „Netanyahu die Zweistaatenlösung getötet hat“ ist albern. Die Zweistaatenlösung hat aus einfachen geostrategischen Tatsachen heraus nie gelebt.

Ist es nicht schön, dass sich das mit dem Völkerrecht deckt?