Das Narrativ der „Siedlergewalt“ und die Knessetwahl

Wenn ein Israeli eine Straftat begeht, wird er oder sie verhaftet und vor Gericht gestellt. In der PA ist das Gegenteil der Fall: Dort werden diejenigen, die Juden töten als Helden bejubelt.

Ruthie Blum, Israel HaYom, 24. Oktober 2022

Der aktuelle Anstieg des palästinensischen Terrorismus, gekennzeichnet von täglich Dutzenden Fällen an Steinwürfen, Brandbomben, Messerangriffen, Autoramm- und Schießanschlägen, wurde letzte Woche von dem überschattet, was die Lokalpresse und bestimmte Politiker als nicht hinzunehmende „starke Steigerung der Siedlergewalt“ betonten.

Die Inbrunst, mit der Nachrichtenorgane und das „Jeder außer Bibi“-Lager – die Parteien im linken Spektrum, die darum wetteifern den ehemaligen Premierminister Benjamin Netanyahu nach der Wahl vom 1. November von der Rückkehr an die Macht abzuhalten – auf Geschichten von „Siedlern“ anspringen, die IDF-Truppen und Palästinenser angreifen, ist kaum zu beschreiben.

Nehmen wir z.B. das Aufeinandertreffen vom Donnerstag in Huwara bei Nablus.

Premierminister Yair Lapid etikettierte die Rowdys, die Steine auf palästinensische Fahrzeuge warfen und das Fallschirmjäger-Bataillon 202 der IDF mit Pfefferspray besprühten, wobei sie den Kommandeur und einen Soldaten verletzten, prompt als „gefährliche Kriminelle, die kurzerhand mit aller Härte verurteilt und der Gerechtigkeit zugeführt werden müssen“.

Sie „gefährden das Leben unserer Soldaten und schaden dem Staat Israel“, fügte er hinzu.

Verteidigungsminister Benny Gantz ging einen Schritt weiter und schrieb den Vorfall dem Verhalten seiner rechten Konkurrenten in der Religiös-Zionistischen Partei zu.

„Unverantwortliche Politiker, besonders [die Knessetmitglieder] Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich, motiviert von Nationalismus, betreiben eine Gewaltkampagne und stacheln zu Gewalt und Verbrechen gegen Westbank-Palästinenser und IDF-Kräfte auf“, erklärte er fröhlich. „Diese Leute könnten in Machtpositionen sein, wenn Netanyahu in der Lage ist die nächste Regierung zu bilden und das wird auf ihn zurückfallen“, heißt: sein Fehler sein, warnte er.

Es gibt ein zweifaches Problem mit dieser Äußerung – anders als sein Verweis auf Parlamentarier des Religiösen Zionismus als „diese Leute“. Erstens verurteilten alle Israelis, einschließlich der Leiter der Siedlungsgemeinden, den Angriff.

Zweitens: Hätte Gantz das Verteidigungsressort anders gehandhabt – eher mit eiserner Faust als mit der Ansicht, dass Frieden und Ruhe am besten mit Gesten des guten Willens sowie finanziellen Anreizen für palästinensische Araber erreicht werden – stünde Ben-Gvir wohl in den Umfragen nicht so gut da. Das ist aber eine unangenehme Wahrheit, die er als Zeichen beklagen kann und wird, die israelische Gesellschaft im Allgemeinen würde sich im Unrecht befindet, weil sie den Extremismus der liberalen Demokratie vorzieht.

Die Ironie ist atemberaubend. In dem Konflikt zwischen der palästinensischen Autonomiebehörde und Israel lehnt erstere die Werte der liberalen Demokratie ab und klammert sich an Extremismus; für letztere ist es umgekehrt.

Das soll nicht heißen, dass Israel keinen Anteil an gewalttätigen jüdischen Kriminellen hat. Aber wenn ein israelischer Zivilist oder Soldat in Judäa und Samaria oder sonstwo im Land einen Akt der Aggression gegen irgendjemanden begeht, wird er oder sie verhaftet und vor Gericht gestellt. In der PA ist das Gegenteil der Fall, wo diejenigen, die Israelis töten, als Helden bejubelt und ihre Familien mit Ehren und deftigen monatlichen Gehältern überschüttet werden.

Ein weiterer Punkt, den die Experten und Politiker bei jeder Gelegenheit nutzen, um „Siedlergewalt“ zu unterstreichen, versäumt es anzuerkennen, dass die Überzeugungen und Lehren der PA bekennen, der gesamte Staat Israel sei eine Siedlung. In der Tat unterscheiden sich, soweit es die Bosse in Ramallah und Gaza betrifft, die Bar-Hüpfer von Tel Aviv und die Besucher der Einkaufszentren in Haifa nicht von Juden, die in Efrat oder Tekoa leben. Und Lapid und Gantz sind nicht von Bibi und Ben-Gvir zu unterscheiden, außer im Ausmaß, in dem sie manipuliert werden können.

Als er über die beiden Flüche der Linken sprach, sagte der ehemalige Premierminister Ehud Barak letztes Wochenende in einem Interview, es sei nicht nur so, dass Netanyahu und Ben-Gvir „nur darauf warten, dass eine Mutter und ihre vier Kinder am Vorabend der Wahl ermordet werden; sie helfen dem auch“.

Seine verleumdenden Worte beinhalteten ein tragisches Häppchen Wahres. Das fragliche Duo muss nicht „darauf warten“, dass Palästinenser massakrieren oder „dabei helfen“.

Für jeden der blutigen Anschläge, die erfolgreich verübt wurden – wie das Einstechen auf einen jungen Mann in Jerusalem am Samstagnachmittag – wurden hunderte weitere vereitelt, dank der Wachsamkeit israelischer Sicherheitskräfte und durch die Gnade Gottes.

Das Phänomen ist heutzutage so alltäglich geworden, dass es kaum noch Schlagzeilen auf der Titelseite erhält. „Siedlergewalt“ hingegen wird groß herausgestellt. Der Grund dafür ist, dass sie selten vorkommt, nicht dass sie grassiert.

Zionisten-Kühe richten verheerende Schäden an arabischem Gras an

Elder of Ziyon, 10. April 2022

Palästinensische Medien berichten:

Siedler-Kühe grasten heute, Sonntag, regenbewässerte Feldfrüchte für Bürger im Bereich von Marmalah im nördlichen Jordantal.

Und der Menschenrechtsaktivist Aref Daraghmeh sagte: „Die Siedler ließen ihre Kühe in die regenbewässerten Feldfrüchte, die die Bürger auf Agrarland in Marmalah pflanzten, was zur Vernichtung der Bereiche führte.“

Das ähnelt auffällig einem Bericht aus dem Februar:

Im Verlauf der letzten zwei Wochen haben Siedler darauf gesetzt ihre Kühe auf die regenbewässerten Feldfrüchte in mehreren Bereichen des nördlichen Jordantals loszulassen, besonders Al Hadidiya, Makhoul und Samra.

Beachten Sie, dass die Artikel nicht sagen, dass die Kühe Weizen- oder Gerstenfelder abfraßen oder beschädigten. Nur „regenbewässerte Feldfrüchte“.

Was genau sind diese „regenbewässerten Feldfrüchte“?

Wenn dieses den Artikel begleitende Foto korrekt ist, dann kennt man „regebewässerte Feldfrüchte“ ansonsten als … Gras.

Klingt nicht wirklich bedrohlich, oder?

Die Herzen von Christen gewinnen

Hunderten christlicher Aktivisten, die hierher kommen, um denen zu helfen, die sie als unterdrückt betrachten, ändern die Bemühungen von Familien in Efrat ihre Fehlvorstellungen von Israel.

Ardie Geldman, MiDA, 29. Juni 2018

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Jüdische Siedler als menschliche Wesen wahrnehmen (Foto: Ardie Geldman)

Am Ben-Gurion-Flughafen kommen jedes Jahr hunderte propalästinensischer Aktivistengruppen an oder sie kommen aus Jordanien über die Allenby-Brücke ins Land. Zu verstehen, wer sie sind und wie sie indoktriniert werden ist ein wichtiger Schritt sie dazu zu bringen die Fehlinformationen infrage zu stellen, mit denen sie gefüttert werden und ihre Missverständnisse der hiesigen Probleme herauszufordern.

Israel erließ im Oktober 2017 ein Einreiseverbot für rund 20 ausländische NGOs, deren Aktivitäten als schädlich für die Sicherheit des Landes eingestuft werden. Trotzdem kommen hunderte andere in die Region, um Solidarität mit den Araber zu demonstrieren und die sogar offen ihre Feindschaft Israel gegenüber erklären; ihnen wird von den Behörden trotz allem Reisefreiheit gewährt, ebenso zu sagen, dass sie Israel für einen  faschistischen Staat halten.

As Gründer von iTalkIsrael, einer Initiative, ein Thinktank, der für Israel eintritt, spreche ich jedes Jahr mit rund 500 ausländischen Besuchern in Israel und der palästinensischen Autonomiebehörde. Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Diese Begegnungen, durchschnittlich zwei bis drei jede Woche, finden in meiner Stadt Efrat statt, einer Stadt, die die Mehrzahl dieser Besucher als im „besetzten Palästina“ liegend betrachtet.

Diese Delegationen kommen zumeist aus den Vereinigten Staaten und gehören in der Regel einer christlichen Gruppe an, obwohl sie entschieden nicht christlich-zionistisch sind. Die kleinere Zahl europäischer Gruppen, die ich treffe, definieren sich selbst als Organisationen für soziale Gerechtigkeit oder Menschenrechte und tendieren dazu jegliche religiöse Zugehörigkeit zu meiden.

Sie kommen nach Efrat, weil sie neugierig sind eine „illegale Siedlung“ zu besuchen und um die Gelegenheit zu haben einen „illegalen Siedler“ zu treffen. Manche kommen, um Informationen aus erster Hand über Siedlungen zu sammeln, die sie bei ihrer Rückkehr nach Hause in ihrem propalästinensischen Aktivismus unterstützen sollen. Manche kommen, um Siedler zu konfrontieren, mit denen sie sich treffen, womit sie diese unglücklich Person zu einem unfreiwilligen Sprecher von fast einer halben Million Juden erheben, die jenseits der Grünen Linie von 1949 leben. Sie fordern von ihm oder ihr Antwort zu dem Leiden, das den Arabern durch die „Besatzung“ zugefügt wird.

Ihre arabischen Gastgeber bieten im Allgemeinen keinen Kontext für die kontroverse Seite der Besuche, zu denen sie ihre Besucher bringen, insbesondere die berüchtigte „Mauer“ bei Bethlehem. Diese, Israels höchst erfolgreiche, wenn auch nicht unumstrittene Sicherheitsbarriere ist in Kombination mit verbesserter israelischer Geheimdienstarbeit dafür verantwortlich die Zahl der palästinensischen Selbstbordbomber praktisch auf Null gebracht zu haben, die zuletzt nach Israel eingedrungen waren. In den Jahren 2000 bis 2004 war die Zahl der Todesopfer auf 1.600 angewachsen.

Genauso sieht es mit der geteilten „Schuahda-Straße“ in Hebron aus. Bis sie zwischen den Juden und den Arabern geteilt wurde, war Hebrons Schuhada-Straße Ort zahlreicher Terroranschläge. Arabische Sprecher erwähnen gegenüber Besuchern nicht, dass der Anstoß für Israels zahlreiche Verteidigungsmaßnahmen der Notwendigkeit entspringen seine Bürger vor Terrorismus zu schützen. Stattdessen stellen sie diese in orwellscher Manier als Aggressionsmaßnahmen dar, während sie auch noch die schwersten Terroranschläge als „Widerstand“ bezeichnen.

Akzeptanz des voller Fehler steckenden Narrativs

Die Übernahme des „palästinensischen“ Narrativs innerhalb vieler ansonsten respektablen Kreise ist abhängig von der Naivität ab und davon, dass sie mit der Geschichte des Nahen Ostens nicht vertraut sind, besonders mit der des arabisch-israelischen Konflikts. Die Kombination aus Unschuld und Ignoranz ermöglicht es den „Palästinenser“-Sprechern Israel als mächtigen und übelwollenden Goliath und die „Palästinenser“ als den schwachen, schuldlosen kleinen David darzustellen.

Diese falsche Charakterisierung hilft Arabern und ihren Unterstützern bei der Verbreitung von Lügen und Halbwahrheiten, wobei letztere oft bereitwilliger akzeptiert werden, da sie ein Element Wahrheit beinhalten. Diese List ist besonders erfolgreich gewesen, seit sie dem erzterrorischen Führer der PLO, Yassir Arafat und seinen Handlangern von den Propagandachefs Russlands, Rumäniens und Nordvietnams in den frühen 1970-er Jahren auf der Höhe des Kalten Krieges erstmals gelehrt wurde. PLO-Sprecher wurden richtigerweise gelehrt, dass die meisten Zielgruppen niemals nach Beweisen fragen werden, da die Unterdrückten nicht lügen. Die sorgfältig ausgesuchten Szenen arabisch-palästinensischen Lebens, das tausenden Besuchern aus dem Ausland ständig als Zeugen vorgeführt werden, verleihen den Geschichten, die ihnen bereits erzählt wurden, Glaubwürdigkeit..

Die Wirkungslosigkeit von Vorträgen…

Nach Jahren des Sprechens mit Leuten, die nach Efrat kommen, die zum Zeitpunkt ihrer Ankunft das „palästinensische“ Narrativ akzeptiert haben, musste ich eingestehen, dass meine relativ kurzen, frontalen Vorträge vor solchen Gruppen, so ehrlich und feurig sie auch waren, kaum wirksam darin waren, das Denken von irgendjemandem zu verändern. Tage und Nächte in arabischen Häusern zu verbringen, mit Familien zu essen, in arabische Flüchtlingslager, Schulen und Krankenhäuser gebracht zu werden und Bauern bei der Oliven- oder Traubenernte zu helfen sind von Arabern verwendete Methoden das Herz der Menschen einzunehmen; von diesem Punkt an wird praktisch alles, was den Besuchern von „Palästinenser“-Sprechern über den arabsich-israelischen Konflikt gesagt wird, als Wahrheit angenommen.

Keine Beweise nötig. Die Unterdrückten, wie erwähnt, lügen nicht.

… und die Auswirkung auf die Erfahrung zum Leben in einer Gemeinde

Weil ich das erkannte, entwickelte ich vor mehreren Jahren iTalkIsrael, ein verlängertes Schabbat-Wochenend-Bildungsprogramm. Bis heute ist dieses Programm erfolgreich in das Programm „Nahost-Semester im Ausland“ von vier christlichen amerikanischen Colleges eingebunden worden, die in Amman, Kairo und Istanbul arbeiten. Die drei bis vier Tage, die diese College-Studenten in Efrat verbringen, sind nicht mit den bis zu drei Wochen vergleichbar, die einige ihrer Programme dem Leben mit Arabern widmen. Dennoch bietet die Erfahrung in Efrat manches bedeutungsvolle Gegengewicht. Beleg dafür ist die überwältigend positive Reaktion von mehr als 500 Evaluationen, die von Teilnehmern des Programms bis heute abgegeben wurden.

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Christliche und jüdische Jugendliche treffen sich in Efrat (Foto: Ardie Geldman)

Den Schabbat bei jüdischen Familien in Efrat verbringen

Die erste Komponente des Programms besteht aus einer Führung durch die Umgebung und Vorträgen von Einwohnern von Efrat und dem Gush Etzion mit Fachkenntnissen auf einer Reihe von Gebieten, darunter jüdische Religion, jüdische und israelische Geschichte, die Israelischen Verteidigungskräfte, Archäologie und sogar jüdischer Küche.

Es ist allerdings der zweite Teil des Programms, der Aufenthalt im Zuhause bei Familien in Efrat, das beständig das höchste Lob dieser christlichen Studenten hervorruft. Familien in Efrat tun nicht mehr als diesen Studenten ihre Häuser zu öffnen, so dass diese ihre Gastfreundschaft in einer offenen und nicht geprobten Umgebung genießen können. Was eindeutig den größten positiven Eindruck auf diese Studenten macht, ist die Erfahrung einen traditionellen Schabbat zu beobachten, fünfundzwanzig Stunden, die ausschließlich Gebet und religiösen Studien, Familie und Gemeinschaft und, was viele christliche Studenten herausstellen, aufwändigem Begehen des Feiertags gewidmet sind.

Der Höhepunkt ihres Besuchs ist ein freilaufender Dialog mit Englisch sprechenden Altersgenossen vor Ort, das samstagabends bei Pizza so viel man essen kann stattfindet. Das Experiment des Schabbat in einem jüdischen Heim bekräftigt die mit den Gastgebern und der Gemeinde Efrat geteilte Menschlichkeit und untergräbt die skurrilen Geschichten über „Siedler“, an die zu hören sie sich gewöhnt haben.

Emotion und Vernunft verbinden

Schon vor langer Zeit wurden die Araber gelehrt, dass die Unterstützung von Menschen zu gewinnen davon abhängt ihre Herzen einzunehmen; ihr Verstand wird dann bereitwillig folgen. So werben sie erfolgreich weiter Unterstützer, die Israel und die PA besuchen, an und stärken sie. Während die Israelis, vielleicht als Funktion ihrer kulturellen DNA, dazu tendieren kontroverse Themen eher kognitiv anzugehen und sich stark auf Fakten stützen, gewinnt das „palästinensische“ Narrativ weiter Anhänger mit ihrem Angebot menschlicher Emotionen.

Je eher Israel diesen Ansatz zum Werben für seine Botschaft übernimmt, desto eher kann Israel bei den Zuhörenden größeres Verständnis für seinen Haltung erzielen.

Über einen Fotografie-Kurs treffen sich israelische und palästinensische Kinder zum ersten Mal

In der Westbank sorgt das Koexistenzprogramm ROTS für eine wichtige Zusammenkunft von Teenagern aus dem Gush Etzion und dem nahe gelegenen Dorf Al-Khader

Brett Kline, The Times of Israel, 19. April 2017

Die Teenager sammeln sich um ihren Referenten Bruce, als sie ihren Fotokurs beginnen. Die Gruppe 13- bis 15-jähriger, zu gleichen Teilen jüdische Israelis aus der örtlichen Siedlung und Palästinenser von weiter runter an der Straße 60, meiden einander scheu.

Bruce stammt aus Denver (Colorado) und lebt jetzt in Jerusalem. Er klickt auf dem Computer durch Fotos und erklärt auf Englisch die optischen Techniken. Shaul Judelman, einer der Gründer und der Direktor von Roots (Wurzeln), übersetzt für die Kinder der Siedlungen Efrat und Alon Shwut simultan ins Hebräische, während Ghada, eine dynamische, lächelnde junge Dame aus dem Dorf Al-Khader in der Area A (rund 6 km entfernt) ins Arabische übersetzt.

Ghada Mutter hat betreibt die kleine Küche vor Ort, den sie die Ard oder das Land nennen. Sie spricht nur Arabisch, lernt aber hebräische und englische Worte, während sie Tee und Kaffee für die Dutzenden Besuchergruppen aus Israel, Europa und den Vereinigten Staaten macht.

„Sehr her, die optische Perspektive nach oben zu sehen ist toll“, fährt Bruce fort, „und diese nächste Foto bietet uns Distanz.“

Wenn sie die bekannten Worte in der Übersetzung hören, beginnen die Jugendlichen, zumeist Mädchen, sich zu entspannen und schauen einander zaghaft lächelnd an. Bruce weiß, was er tut. Innerhalb von Minuten sind die Kids dicht und behaglich um ihn herum versammelt.

Und dann ziehen sie los, sind paarweise im Grad, machen mit qualitativ hochwertigen Digitalkameras Fotos von einander und ihrer Umgebung. Sie lachen, während sie die Aufgabe erledigen Gefühle wie Angst, Wut und Glück in ihren Gesichtern einfangen.

Diese Zusammenkunft von Teenagern mag ziemlich gewöhnlich erscheinen. Aber die Chance dieser Nachbarn sich je zu treffen sind schwach.

„Das passiert nie“, sagt Judelman. „Nirgends in der Westbank treffen israelische Teenager und jüngere Kinder aus Siedlungen palästinensische Kiner aus nahe gelegenen Städten und Dörern. Sie leben in zwei verschiedenen, absurden Parallelwelten.“


Shaul Judelman sagt, ohne die von Roots gestützten gemischten Fotokurse würden die meisten dieser israelischen und palästinensischen Jugendlichen die andere Seite nicht treffen. (Brett Kline/Times of Israel)

Es gibt im ganzen Land verschiedene Koexistenzprogramme, darunter Kids4Peace, das Jugendliche aus Ost- und Westjerusalem und den umliegenden Dörfern und Siedlungen zusammenbringt, um den Glauben des jeweils anderen zu erkunden. Andere Programme wie Seeds of Peace bringen Teilnehmer zu Leiterausbildung an „neutrale“ Orte im Ausland.

Das Programm Roots jedoch hat ein bescheideneres Ziel: regelmäßige, gemeinsame Zeit in Kursen.

„Kids aus Familien in linken Gruppen aus Tel Aviv oder sonstwo haben im Verlauf der Jahre immer palästinensische junge Leute getroffen“, merkt Judelman an, der in der Siedlung Tekoa lebt. „Und wir haben nicht den Anspruch hier eine riesige Menge Menschen zu erreichen – bisher jedenfalls nicht. Aber die Kinder von Siedlern und Palästinensern in einer Kursstruktur wie dieser? Nie im Leben. Was Sie hier sehen ist ein erstes Mal.“

Und die Kids scheinen glücklich zu sein. „Das ist etwas Tolles“, sagt die 13-jährige Samia aus Al-Khader, einem Vorort von Bethlehem in Area A. Ihr Dorf liegt in einem Teil der Westbank, den Israelis nicht ohne Erlaubnis der Israelischen Verteidigungskräfte betreten dürfen. „Nein, ich habe vor dem hier nie mit einem Israeli gesprochen.“

„Sie ist echt süß“, sagte Maya (14 Jahre) aus Efrat. „Das ist toll. Nein, ich habe noch nie mit Palästinenser in meinem Alter gesprochen.“

Wegen dieser gleichartigen Reaktionen von Teenagern gewinnt die Initiative Roots – Schorashim in Hebräisch, Jedour in Arabisch – an Boden – und Spenden. Judelman und palästinensische Partenr, die Familie Abu Awad, der die 3 Dunam (3000 Qudratmeter) Land gehört, auf dem die Gruppe direkt neben der Schnellstraße 60 tagt, möchte unbedingt regelmäßige Arabisch- und Hebräischkurse für Kinder und Teenager anbieten.

Die meisten palästinensischen Kinder lernen Englisch, aber kein Hebräisch, weder in öffentlichen noch in Privatschulen. Einige Frauen und viele Männer lernen die Sprache durch Arbeit in Siedlungen oder dem Staat Israel. Einige Männer lernen Hebräisch in israelischen Gefängnissen.

Theoretisch lernen Israelis in der Schule etwas klassisches „Fuscha“-Arabsich, aber viele, wohl die meisten, kommen über „Hallo, wie geht es dir, was machst du?“ nicht hinaus.

„Es geht uns bisher nicht um die Entwicklung politischer Lösungen“, betont Judelman. „Aber wir glauben, dass die Sprache des anderen zu lernen Teil eines Aussöhnungsprozesses ist, ohne den man sich eine politische Lösung schwerlich vorstellen kann.“

Judelman selbst spricht Umgangsarabisch.

Sein Mentor in Tekoa, der verstorbenen Rabbi Menachem Froman, kehrte die klassische Maxime der ausschließlichen Eigentums am Land durch das jüdische Volk um und erkannte eine gemeinsame Zugehörigkeit an. Das Land gehört nicht dem jüdischen Volk, sagte er. Die Menschen gehören dem Land, die jüdischen und palästinensischen Menschen, auf Hebräisch und auf Arabisch.

Rabbi Menachem Froman mit Muslimen 2011 bei einem Gebet um Regen. (Foto: Yossi Zamir/Flash90)

Derweil verabschieden sich die Kinder des Fotokurses. Eltern kommen und holen sie ab, Männer mit Kippot aus Efrat und Frauen im Hijab aus Beit Ummar. Die meisten ignorieren einander höflich. Da Team aus Al-Khader steigt für die Fahrt nach Hause in Khaled Abu-Awwads SUV.

Alle Kids auf beiden Seiten sagen, sie sollen nächste Woche für die nächste Stunde wiederkommen – und sie wollen die Sprache der anderen lernen.

„Für uns besteht das wichtigste Ziel darin die Kids als Zielgruppe für einen Teil einer Aussöhnung zu erreichen“, erklärt Abu-Awwad. „Wir wollen ihnen die Mittel an die Hand geben, um in der Zukunft mit anderen Kids mit der Situation besser umzugehen, mit der Angst und der Wut, die definitiv Teil ihrer Realität sein werden.“

Zur Geschichte und Rolle der „Siedlungen“ (2): Wer ist ein „Siedler“?

Wer sind überhaupt „Siedler“? Dazu hat Arutz-7 eine interessante Aussage zu machen, die leider keine Ausnahme ist:

Arutz-7, 8. April 2002

Eine der oft wiederholten Forderungen, die die arabischen Staaten und andere an Israel stellen, ist die, die „Siedlungen“ abzuschaffen. Während die Menschen im Westen und liberale Israelis dazu tendieren, die „Siedlungen“ mit den jüdischen Städten und Orten zu identifizieren, die auf Teilen des 1967 im Sechs-Tage-Krieg eroberten Landes gegründet wurden, macht die arabische Presse häufig deutlich, dass eine solche Definition nur in Teilen richtig ist. Soll heißen: Die arabische Welt sieht natürlich die Juden in Judäa, Samaria und Gaza als „illegale Siedler“ an, aber das heißt nicht, dass die Juden in Haifa oder Tel Aviv oder Netanya keine „illegalen Siedler“ sind.

Als Teil einer allgemeinen Reportage über die internationalen Verurteilungen Israels, die der israelischen Antiterror-Offensive folgten, beschrieb die syrische Nachrichtenagentur einen jüngsten Terroranschlag in Haifa. Der Bericht legt den Anschlag fälschlicherweise nach Jaffa, aber er versäumte es nicht, den Juden, die irgendwo in Städten im Israel von vor 1967 leben, eine Benennung zu geben, die der Linie der allgemeinen arabischen Ansicht zu Juden entspricht, die in irgendeiner Stadt in Israel leben. SANA berichtet: „Früher am Tag wurden Dutzende Palästinenser durch israelische Besatzungstruppen getötet und verwundet, hunderte verhaftet und mindestens 14 israelische Siedler in einem Selbstmordanschlag in Jaffa getötet und mehr als 25 weitere verwundet.“