Judenfeindliche COVID-Theorien an der Spitze der schlimmsten Ausbrüche von Antisemitismus

„Antisemiten haben Juden für die Pest im Mittelalter bis zur Spanischen Grippe im Ersten Weltkrieg die Schuld gegeben“ und heute geben sie Juden auch die Schuld für COVID-19.

Benjamin Weinthal, Jerusalem Post, 29. Dezember 2020

In diesem auf Telegram am 15. März geteilten Bild wird der Coronavirus als Trojanisches Pferd der „globalistischen“ Juden dargestellt. (Foto: ADL/zur Verfügung gestellt)

Die Menschenrechtsorganisation Simon Wiesenthal Center (SWC) verkündete am Dienstag ihre Liste der Top Ten der Ausbrüche von Antisemitismus und Antiisraelismus des Jahres 2020, wobei allerlei Verschwörungstheorien, die Juden für die COVID-19-Pandemie die Schuld geben, ganz vorne liegen.

„Seit den frühesten Stadien der Pandemie im Februar 2020 haben Rechtsextreme auf allen Plattformen der sozialen Medien Juden und asiatische Amerikaner für den Virus verantwortlich gemacht“, schreib das Center; dabei zitierte es das Beispiel eines „Postings mit einem Bild, das den Titel ‚Holocough‘ [Holo-Husten] trug und das drängte: ‚Wenn du den Defekt hast, umarme jemanden. Verbreite die Grippe auf jeden Juden.‘“

Das Center sagte: „Antisemiten haben Juden für die Pest im Mittelalter bis zur Spanischen Grippe im Ersten Weltkrieg die Schuld gegeben. In den 1930-er Jahren verglich Nazi-Propaganda Juden mit Ungeziefer, das Seuchen verbreitete.“

Der zweite Platz ging an die soziale Medien-Plattform Telegram. „Neonazis, weiße Rassisten und viele andere gehen auf Telegram, einer Plattform mit wenig bis keinen Regeln oder Moderation der Inhalte. Die mörderische Atomwaffen Divison, ihr Nachfolger, der National Socialist Order [Nationalsozialistische Orden], die extremistische The Base, die Boogaloo Movement, die gewalttätige Nordische Widerstandsbewegung, die in vier skandinavischen Ländern am Yom Kippur jüdische Institutionen angriff, haben alle auf Telegram ein Zuhause gefunden“, schrieb das SWC und fügte hinzu: „Hamas und andere islamistische Terroristen mit Hass- und Gewalt-Agenden haben ebenfalls aktive Feeds, die auf ihre Feinde schießen.“

Louis Farrakhan, Führer der Nation of Islam, sicherte sich Platz drei. Sein Eintrag war beschriftet: „Pate des Hasses verbreitet Judenhass an neue Generationen.“ Er behauptete, Juden hätten versucht ihn mit „verstrahlten Samen“ zu vergiften.

Der vierte Platz ging an die Linksextremen und die Rechtsextremen in den USA für ihre „Schändungen, Brandstiftungen, gewalttätigen Angriffen auf Synagogen, während die Amerikaner von den Unruhen nach dem Tod von Floyd George erschüttert sind“. Das SWC schrieb: „Synagogen in Los Angeles und Oakland, Kalifornien und Kenosha (Wisconsin) wurden nach den Black Lives Matter-Protesten und den Tötungen von George Floyd und Jake Blake ins Visier genommen.“

Das klerikale Regime des Iran gewann Platz fünf, weil der ehemalige Oberste Revolutionsführer des Iran, Ayatollah Khomeini, die Endlösung der Nazis ins Feld führte.

In dem Eintrag hieß es: „Zur Verteidigung des [ehemaligen] Revolutionsführers benutzte Außenminister Mohammad Javad Zarif eine antisemitische Verleumdung, die von MEMRI dokumentiert wurde: ‚…Wie sieht unsere Lösung aus? Der ehrenwerte Führer [Kahmenei] hat die Lösung zum Ausdruck gebracht. Wir reden nicht davon die Kikes [Persisch: Johud] ins Meer zu werfen oder von einem militärischen Angriff oder Selbstmordoperationen. Der Führer hat gesagt, wie die Lösung aussieht und sie ist den Vereinten Nationen vorgelegt worden. Unsere Lösung ist eine Volksabstimmung..‘“

Das SWC sagte: „Deutschland und andere wichtige europäische Länder mit starken wirtschaftlichen Verbindungen zum Iran bleiben nach Khameneis Holocaust-Leugnung und Völkermord-Drohungen gegen das jüdische Volk stoisch still.“

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum Verbot jüdischen rituellen Schlachtens von Tieren wurde an Nummer sechs aufgeführt. „In einem Schritt, der an die Nazi-Zeit erinnert, bestätigte das EU-Gericht das Schächt-Verbot während der Antisemitimus ein Niveau erreicht, das seit vor dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr zu sehen war.“

Deutsche Kulturorganisationen, ein führender deutscher Diplomat, die Jungsozialisten und drei deutsche Bundestagsabtgeordnete belegten den siebten Platz. „Die deutsche Elite startet einen umfassenden Angriff, um die antisemitische BDS zu relegitimieren“, schrieb das SWC.

BDS ist die Abkürzung für die Kampagne Boycott, De-Investitionen, Sanktionen gegen Israel.

„Nach einem Jahr geheimer Treffen attackierte die sogenannte Vereinigung von Kulturinstitutionen, die aus mehr als zwei Dutzend der deutschen Who’s Who bestehen – darunter das Goethe-Institut, die Kulturstiftung des Bundes, das Deutsche Theater Berlin, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Berliner Filmfestspiele und das Einstein-Forum – den BDS-Beschluss des Bundestags als Verletzung der freien Meinungsäußerung.“

Der Abschnitt fährt fort: „All das mag helfen zu erklären, warum drei Bundestagsabgeordnete weiter die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft (DPG) unterstützen, die ebenfalls für BDS wirbt. Die sozialdemokratische MdB Aydan Özogus und der Grünen-MdB Omid Nouripur unterstützten 2013 eine parlamentarische Initiative zur Unterstützung der Etikettierung jüdischer Produkte aus der Westbank und seines proiranischen Regimes; sie machten das zusammen mit der Linken-MdB Christine Buchholz, die den ‚Widerstand‘ der Hisbollah gegen Israel verteidigt hat.“

Der Eintrag zu den MdBs fügte hinzu: „Sie alle sind taub für Proteste deutscher jüdischer Holocaust-Überlebender und Gemeindeleiter. Ihre Unterstützung geht sogar nach einer DPG-Reise-‚Kunst‘-Ausstellung weiter, zu der das Terroristen-Mantra der Forderung nach einem Ende Israels gehört, ‚From the river to the sea, Palestine will be free.‘“ (Vom Fluss bis zum Meer wird Palästina frei sein.)

Das SWC sagte, dass „die angesehene SPD-Jugendorganisation Sozialistische Jugend einen Solidaritätsbeschluss für den Jugendarm der Fatah, der Hauptfraktion der PLO, als ‚Schwesterorganisation‘ fasste. Bild berichtete, dass einige Demonstranten bei einer Demonstration der Fatah-Juden im Jahr 2018 Sprengstoffgürtel-Attrappen trugen und Parolen mit der Forderung nach Israels Vernichtung riefen.“

Platz acht ging an die „University of Illinois“ und ihr Versagen dem Hass entgegenzutreten und jüdische Studenten zu verteidigen, was fünf Jahre zurückgeht. Ein ranghoher Vertreter der Universität entfernte eine jüdische Studentin aus einer studentischen Wahlkommission, weil sie „jüdisch ist; ich musste sie ausschließen, weil sie parteiisch ist‘. Letztes Jahr gehörte zum Diversitäts-Training ‚Palästina und der große Marsch der Rückkehr: Palästinensischer Widerstand gegen 70 Jahre israelischen Terror.‘“

Die University of Southern California wurde ebenfalls auf Platz 8 gesetzt. „USC-Studenten führten eine aggressive Kampagne ‚IMPEACH MY ZIONIST **S‘. Jüdische Lehrende fanden sich an der UI nicht zugunsten jüdischer Studenten zusammen, aber die Säuberung dreier jüdischer Studenten aus hohen Gremien der Studentenvertretung an der University of Southern California (USC) spornten dutzende jüdischer Lehrender an, öffentlich Zionisten und den Zionismus zu verteidigen.“

Die gemeinnützigen Demokratischen Sozialisten Amerikas sicherten sich den neunten Platz, weil ihr „Partei-Fragebogen die antisemitische BDS und ein Verbot in den jüdischen Staat zu reisen einschließt“.

Der zehnte Platz ging an Daniel Jadue, den Bürgermeister von Recoleta, ein Teil der chilenischen Hauptstadt Santiago.

Jadue, Mitglied der kommunistischen Partei, könnte für das Präsidentenamt kandidieren wollen. Das SWC schrieb: „Unter Verwendung von städtischen Geldern zur Finanzierung von pro-BDS- und antiisraelischen Aktivitäten schoss Bürgermeister Jardue mit bösartigen Verleumdungen gegen die jüdische Gemeinde, die an die Protokolle der Weisen von Zion erinnern.“

Deutsche NGOs, Abgeordnete schaffen es auf die Wiesenthal-Liste der schlimmsten antisemitischen Ausbrüche 2020

Warnung vor „Re-Legitimierung“ gefährlicher antisemitischer BDS-Bewegung in Deutschland

Jerusalem Post-Mitarbeiter, 28. Dezember 2020

Blick in den Bundestag in Berlin während einer Sitzung, Deutschland, 1. Juli 2020 (Foto: Reuters/Fabrizio Bensch)

Die Nazijäger- und Menschenrechtsorganisatin Simon Wiesenthal Center hat einige deutsche Gruppen Kulturschaffender und Politiker als Teil ihrer Liste der Top 10 der schlimmsten Ausbrüche von Antisemitismus und Antiisraelismus für das Jahr 2020 genannt, hat die Jerusalem Post vor der Veröffentlichung der kompletten Publikation am Dienstag erfahren.

Das Wiesenthal Center schrieb in einer ihrer Top 10-Schlagzeilen: „Deutsche Elite startet einen totalen Angriff zur Wiederlegitimierung der antisemitschen BDS-Bewegung.“ BDS ist die Kampagne Boykott, De-Investitionen und Sanktionen, die sich gegen Israel richtet.

Der Eintrag für Platz 7 auf der Liste gibt an: „Nach einem Jahr geheimer Treffen attackierte die sogenannte Vereinigung von Kulturinstitutionen, die aus mehr als zwei Dutzend der deutschen Who’s Who bestehen – darunter das Goethe-Institut, die Kulturstiftung des Bundes, das Deutsche Theater Berlin, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Berliner Filmfestspiele und das Einstein-Forum – den BDS-Beschluss des Bundestags als Verletzung der freien Meinungsäußerung.“

In dem Abschnitt heißt es weiter: „Die Unterzeichner danken insbesondere Andreas Görgen, Generaldirektor des Außenministeriums für kulturelle Angelegenheiten und Kommunikation, „für Beratung und Diskussionsbeiträge“. Das SWC kritisierte Görgen früher schon dafür, dass er einen führenden Vertreter der BDS aus Südafrika in Schutz nahm.

Im April deckte die Post Görgens Tweets zur Unterstützung des BDS befürwortenden Akademikers Achille Mbembe auf und berichtete darüber; diesem wurde vorgeworfen den Holocaust zu bagatellisieren.

Die führende Nazi-Bekämpfungsorganisation stellte fest: „Ein ähnlicher Aufruf folgte von 900 Künstlern, Akademikern, Schriftstellern und anderen Kulturpersönlichkeiten, die den Anti-BDS-Beschluss ‚gefährlich‘ und ‚schädlich für die demokratische Öffentlichkeit‘ bezeichnete.“

Das Wiesenthal Center schrieb: „All dies könnte zu erklären helfen, warum drei MdBs weiterhin die antisemitische Deutsch-palästinensische Gesellschaft (DPG) unterstützen, die auch für die BDS wirbt.“

Das Wiesenthal Center tadelte die Organisation der Jungsozialisten (Jusos) wegen ihrer Unterstützung der Jugendgruppe der Fatah: „Währenddessen verabschiedeten die angesehene Jusos  – die sozialistische Jugendbewegung der SPD, einen Solidaritätsbeschluss  mit dem Jugendflügel der Fatah, der größten Fraktion der PLO, als ‚Schwesterorganisation‘. Bild berichtete, dass einige Protestler einer Demonstration der Fatah-Jugend 2018 nachgemachte Sprengstoffgürtel trugen und Parolen skandierten, die die Vernichtung Israels forderten.“

Das in Los Angeles ansässige SWC brachte angesichts der Reaktion auf den Anti-BDS-Beschluss Bestürzung zum Ausdruck, in der es heißt: „Vertreter Deutschlands bestätigen, dass antisemitische Hassverbrechen von Neonazis bis zu Islamisten weiterhin ihren alarmierenden Aufstieg fortsetzen. Fast ein Jahr nach dem Angriff auf die Synagoge von Halle wurde ein religiöser Schüler von einem Neonazi vor der Hamburger Synagoge schwer verletzt.

Aber keines dieser Hassverbrechen, noch die zunehmende Begrüßung einvernehmlicher Friedens-, Handels- und kultureller Verbindungen zwischen Israel und arabischen Staaten hielt die Schlüsseleliten davon ab den Beschluss des Bundestags kippen zu wollen, der BDS als antisemitisch bezeichnete“, hieß es vom Center.

Die Wiesenthal-Liste der Top Ten der Antisemiten mit dem Schützen von Pittsburgh

Schwedisches Krankenhaus, der britische Sänger Roger Waters und eine deutsche Bank schaffen es auf die Liste

Benjamin Weinthal, The Jerusalem Post, 25. Dezember 2018

Die prominente amerikanische Menschenrechtsorganisation Simon Wiesenthal Center verkündete am Dienstag ihre Top-Ten-Liste der schlimmsten Antisemitismus-Ausbrüche von 2018, einem Jar, das die meisten tödlichen Vorfälle von Judenhass in der Geschichte von Amerika erlebte.

Der Rechtsextremist Robert Bowers, dem vorgeworfen wird 11 Betende in der Pittsburgher Tree of Life-Synagoge massakriert und sechs weitere Personen verletzt zu haben, bekam den ersten Platz auf der Liste. Das Wiesenthal Center schrieb: „Bowers war bekennender Neo-Nazi“, und fügte hinzu: „Nur das Eingreifen des FBI vereitelte einen weiteren tödlichen Anschlag Anfang September au feine Synagoge in Toledo. Dieser Anschlag wurde von Damon Joseph geplant, einem fanatischen Konvertiten zum Islam und Anhänger von ISIS.“

Der radikale afroamerikanische Islamist Louis Farrakhan wurde als Nummer 2 aufgeführt; Anlass ist eine Rede, die er im Oktober in Detroit hielt. Der Führer der Nation of Islam sagte über Juden: „Ich bin nicht wütend auf euch, denn ihr seid dumm… Wenn sie also über Farrakhan reden und mich einen Hassenden nennen, tut ihr, was sie tun: bezeichnet mit als Antisemiten… Hört auf, ich bin gegen Termiten.“

Das Wiesenthal Center vermerkte: „Die 1930-er Jahre hindurch, vor dem Holocaust, dämonisierten die Nazi-Propaganda Juden fortlaufend als Ungeziefer und Ratten, in dem Streben die deutschen Juden in den Augen ihrer Nachbarn zu entmenschlichen.“

US-Universitäten verdienten sich den dritten unehrenhaften Platz; Grund sind „alarmierende antisemitische Anschläge auf amerikanischen Campussen“ nach dem Schüssen von Pittsburgh. Hakenkreuze, antisemitische Graffiti und Poster wurden am Teachers Colleage der Columbia University gefunden, an der Duke University, Cornell University, Penn State, University of California-Campussen in Berkeley und Davis sowie an den Colleges Vasser und Marist.

Der britische Labour-Parteichef Jeremy Corbyn erzielte den vierten Platz, weil er die Existenz jüdischen Lebens in Großbritannien gefährdet.

Die jüdische Parlamentsabgeordnete Dame Margaret Hodge sagte Corbyn im Juli: „Sie haben bewiesen, dass Sie Leute wie mich nicht in der Partei haben wollen … Es ist nicht das, was Sie sagen, sondern was Sie tun und mit ihren Taten haben Sie gezeigt, dass sie ein antisemitischer Rassist sind.“

Im selben Monat wie Hodges Anmerkung veröffentlichten drei führende jüdische Zeitungen des Königreichs eine gemeinsame redaktionelle Warnung vor „der existenziellen Bedrohung des jüdischen Lebens in diesem Land, die von einer Regierung Corbyn ausgehen würde“.

Wiesenthal klassifizierte die United Nations Relief and Works Agency (UNRWA) als Nummer 5 auf seiner Liste; die UNRWA-Aktivitäten „ermöglichen den „massivevn Kindesmissbrauch der Hamas mit einem ‚Friedens‘-Lehrplan, der Israel ausradiert“.

Die islamische Terrorgruppe Hamas „kontrollierte praktisch die Lehrergewerkschaft der UNRWA und Lehrer greifen auf soziale Medien zu, um Terrorismus gegen Israelis zu propagieren und ‚zionistische Hunde abzustechen‘“, schrieb das Zentrum.

„Die USA sind zu loben, weil sie weitere Zahlungen an UNRWA eingestellt haben, aber Deutschland, Japan und weitere Staaten hielten schnell mit erhöhten Spenden dagegen.“

Die US-Reiseunterkunftsfirma Airbnb kam auf den sechsten Platz, weil sie im Oktober ankündigte, sie würde 200 Stellen in israelischen Gemeinden in der Westbank aus den Reiselisten streichen. Arbnb bringt Reisende mit lokalen Haus- und Wohnungseigentümern für Kurzzeit-Vermietungen zusammen:

Wiesenthal schrieb: „Es gibt keinen Hinweis, dass Airbnb, die behaupten gegen BDS zu sein, seine interventionistische Diplomatie auf Zypern oder die zig anderen umstrittenen Gebiete überall in der Welt ausweitet.“ Das Wiesenthal Center drängte seine 400.000 Mitglieder ihre Reisen bei anderen zu buchen.

BDS ist die Abkürzung für die Kampagne „Boycott, Sanctions, Divestment“, die sich gegen den jüdischen Staat richtet.

Die deutsche Bank für Sozialwirtschaft kam auf Platz Nummer 7 auf der Liste, weil sie „sich auf die Seite der antisemitischen BDS-Leute stellt“ schrieb das Wiesenthal Center. Es sagte:

„Wenn es um Fragen bezüglich Antisemitismus und Bedrohungen des jüdischen Staates geht, erhält Deutschland eine Menge Aufmerksamkeit. In den letzten Jahren haben deutsche Städte, Firmen und Finanzinstitutionen anerkennenswerterweise die antisemitischen Fundamente von BDS erkannt und Interaktionen mit einer globalen Kampagne gemieden, die den Untergang des jüdischen Staats anstrebt.“

Wiesenthal fügte hinzu: „2018 besteht allerdings eine wichtige Finanzinstitution, die Bank für Sozialwirtschaft, darauf Geschäfte mit der radikalen ‚Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden im Nahen Osten‘ zu machen, die den Boykott des jüdischen Staates inständig gutheißt.“

Die Schwesterorganisation der Gruppe, Jewish Voice forPeace mit Sitz in den USA, war auf einer ihrer Konferenzen 2017 Gastgeber der verurteilten palästinensischen Terroristin Rasmea Odeh. Odeh war verantwortlich für einen Bombenanschlag auf einen Supermarkt in Jerusalem 1969, bei dem zwei Studenten der Hebräischen Universität getötet wurden.

Wiesenthal vermerkte: „Die ‚Jewish Voioce for Peace‘ erklärte, sie sei geehrt sie zu haben. Kein Wunder, dass Henryk Broder, ein hoch respektierter deutscher Kommentator, die Gruppe [Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in N ahost] als Antisemiten bezeichnete.“

Wiesenthal schrieb, dass die „deutsche LGBT-Organisation Magnus Hirschfeld, benannt nach einem Opfer des Holocaust, ihr Konto bei der Bank in Protest gegen deren BDS-Geschäftspolitik kündigte. Proteste aus der Führung des deutschen Judentums sind auf taube Ohren gestoßen, während zwei pro-israelische Organisationen in Deutschland – der Keren HaYesod und der Jüdische Nationalfond – ihre mit der Bank verbundenen Konten gekündigt und geschlossen haben.“

Bischöfin Gayle Harris sicherte sie Platz 8 mit ihren Erfindungen zur israelischen Verteidigungs- und Sicherheitspolitik. Sie behauptete, sie sei „Zeugin gewesen, wie ein israelischer Soldat ein dreijähriges arabisches Kinde auf dem Tempelberg in Jerusalem festgenommen und einen 15-jährigen palästinensischen Teenager in den Rücken geschossen habe“, schrieb das Wiesenthal Center.

„Nachdem das Wiesenthal Center die Behauptungen als Fälschungen entlarvt hatte, ruderte Harris – die Nummer 2 der Geistlichen der Episkopalen Kirche im Bundesstaat Massachussetts zurück; sie sagte, dass sie die Geschichten nur von einem Dritten [einem Palästinenser] gehört habe.“

Schwedens Karolinska Institut, in dem jedes Jahr die Nobelpreise für Medizin verkündet werden, wurde auf Platz 9 gesetzt, weil drei jüdische Ärzte dort systematisch diskriminiert wurden. Der leiter der Neurochirurgie des medizinischen  Zentrums hielt jüdische Ärzte davon ab ihren Patienten zu helfen und behinderte ihre Forschungsarbeit. Der Leiter der neurochirurgische Abteilung postete auf seiner Facebook-Seite „unverhohlene Antisemitismus“, sagte Wiesenthal. [Konkret wurden Juden/Israelis mit Nazis gleichgesetzt.]

Wir sind von er lethargischen Reaktion des Karolinska auf das Krebsgeschwür des Antisemitismus schockiert“, sagte Rabbi Abraham Cooper, der stellvertretende Dekan des Wiesenthal Center.

[Auf Platz 10 der Liste steht der Musiker Roger Waters, der vehement ablehnt, dass seine antijüdischen Aktionen antisemitisch seien und Antisemitismus umdefinieren will, so dass er Israel für antisemitisch erklären kann. Darüber hinaus ist der der prominenteste Vertreter der antisemitischen BDS-Bewegung und versucht – teilweise erfolgreich – massiven Druck auf andere Künstler auszuüben Israel – nicht die „Westbank“ – zu boykottieren.]

Die Auswahl der antisemitischsten Vorfälle 2016

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Es ist zur Tradition geworden, dass das Simon Wiesenthal Center am Jahresende eine Auswahl der wichtigsten antisemitischen Vorfälle veröffentlicht. Als die Liste 2010 erstmals erstellt wurde¸ war sie zwei Seiten lang.[1] Bis letztes Jahr hatte sie sich auf sechs Seiten verdreifacht.[2] Was 2016 angeht, gibt es zwei neue Aspekte. Der erste ist die breite Anerkennung einer Antisemitismus-Definition, die seit Mai gültig ist, nämlich die der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA).[3] Ihre Annahme erforderte die Zustimmung aller 31 demokratischen Mitgliedsstaaten.

Der zweite Aspekt ist, dass der vielleicht größte antisemitische Vorfall dieses Jahres Juden nicht einmal erwähnte. Durch dieses Fehlen wurde er extrem antisemitisch. 2016 nahm die UNESCO eine Resolution an, die den Tempelberg ausschließlich als Al-Haram Al-Sharif/Al-Aqsa-Moschee bezeichnet.[4] Damit schnitt sie Juden und Christen von der Bedeutung Jerusalems für ihre Religionen ab.

Dieses Jahr wird es für die Führungskräfte des SWC schwierig sein ihre Arbeit zu tun, denn es gab eine Vielzahl wichitger antisemitischer Vorfälle, aus denen sie aussuchen können. Ein paar Vorschläge könnten hilfreich sein. Die Black Lives Matter-Koalition (BLM) sollte weit oben auf der Liste stehen. Ihr Programm behauptet fälschlich, Israel sei ein „Apartheidstaat“, der Völkermord an den Palästinensern begeht.[5]

Ein weiterer Spitzenkandidat für die SWC-Liste ist Jeremy Corbyn, der linksextreme Parteichef der Britischen Labour Party. Unter seiner Führung hat der Antisemitismus sich in der Partei enorm ausgeweitet. Corbyn hat Hamas und Hisbollah als seine Freunde bezeichnet und es so viele Monate lang abgelehnt sich von dieser Äußerung zu distanzieren,[6] dass dies, nachdem er es schließlich machte, bedeutungslos geworden war.

Corbyn ernannte als seinen strategischen Berater Seumas Milne,[7] der ein Fürsprecher der Hamas ist.[8] Er gab zudem Kenneth Livingstone, dem berüchtigten Produzenten antisemitischer Verleumdungen, eine wichtige Position in der Partei.[9] Letzerer wurde später wegen antisemitischer Äußerungen suspendiert. Er sagte, Hitler habe den Zionismus unterstützt.[10] Als der wiet verbreitete Antisemitismus in der Partei offenbar wurde, wählte er eine ungeeignete Untersucherin zur Ermittlung des Sachverhalts, die einen höchst unprofessionellen Bericht erstellte.[11]

Corbyns Tun passt aber nicht in die IHRA-Definition. Das zeigt, dass diese in Bezug auf antiisraelischen Antisemitismus viel zu kurz greift und durch eine detailliertere Definition dieser Art des Antisemitismus ergänzt werden sollte.[12]

Es gibt weitere Kandidaten aus Großbritannien. Eine ist Malia Bouattia, die Präsidentin der National Union of Students (NUS). Der innenpolitische Ausschuss des Unterhauses verurteilte, dass sie die Universität Birmingham als „zionistischen Außenposten“ bezeichnete. Der Ausschuss sagte zudem, dass die National Union of Students es versäumt hat eine zunehmende Kultur des Antisemitismus an den Universitäten ernst zu nehmen.[13]

Das SWC wird auch zu entscheiden haben, ob man auf ihrer Liste wieder Menschen anführen will, die regelmäßig antisemitische Verleumdungen produzieren. Dazu gehört Baroness Tonge. Dieses Jahr hat sie gesagt, Israels Umgang mit den Palästinensern sei eine wichtige Ursache für das Aufkommen des Jihadismus und des islamischen Staates;[14] sie war Gastgeberin einer Veranstaltung im Oberhaus, bei der Juden für den Holocaust verantwortlich gemacht wurden und die britische Regierung die Aufforderung bekam sich für die Balfour-Erklärung von 1917 zu entschuldigen.[15]

Die muslimische Welt ist ein Hauptlieferant antisemitischer Wiederholungstäter. Einer davon ist der türkische Präsident Tayyip Recep Erdoğan. Eine Erklärung von 2016, die ihn qualifiziert, lautet gemäß einer Übersetzung von AFP: „Ich akzeptiere nicht, was Hitler machte und ich akzeptiere auch nicht, was Israel getan hat. Wenn es darum geht, dass so viele Menschen sterben, ist es nicht angemessen zu fragen, wer barbarischer war.“[16]

Angesichts des ungarischen Antisemitismus sollte mindestens ein Kandidat aus diesem Land auf die Liste kommen. Vielleicht sollte es die ungarische Regierung sein, denn sie verlieh Zsolt Bayer, dem antisemitischen Kolumnisten der Magyar Hirlap und Publizisten der konservativen Partei Fidesz das Ritterkreuz des ungarischen Verdienstordens, die dritthöchste Auszeichnung, die die Regierung für Leistungen verleiht.[17]

Keine jährliche Liste antisemitischer Verleumdungen kann ohne Kandidaten aus den skandinavischen Brutstätten der Scheinheiligkeit und des Antisemitismus vollständig sein: Norwegen und Schweden. Die drittgrößte norwegische Stadt, Trondheim, ist jetzt im Rennen als Kandidat für Europas Hauptstadt der antiisraelischen Version des Antisemitismus, weil sie beschloss Produkte aus den Siedlungen zu boykottieren.[18]

Kreise des SWC informierten mich, dass die schwedische Außenministerin Margot Wallström nur knapp der Liste antisemitischer Vorfälle des letzten Jahres entging. Dieses Jahr sollte sie definitiv darauf erscheinen, denn sie forderte eine Untersuchung, ob Israel außergerichtlicher Tötungen von Palästinensern während der jüngsten Terrorwelle schuldig ist. Der Parteichef von Yesh Atid, Yair Lapid, bezeichnete sie während einer Kundgebung in Stockholm ausdrücklich als Antisemitin.[19]

BDS ist ebenfalls ein jedes Jahr wiederkehrendes antisemitisches Phänomen. Siebzig Juden schrieben einen Brief an die New York Book Review, mit dem sie einen gezielten Boykott aller Waren und Dienstleistungen ausschließlich aus allen israelischen Siedlungen und aller Investitionen dort forderten.[20] Wegen ihres zweierlei Maßes, das ein Kernelement des Antisemitismus ist, wären sie ein stellvertretender Kandidat für die BDS-Liste.

Die oben angeführte Auswahl könnte den Führungskräften des SWC helfen. Das Problem besteht darin, dass sie nur einen kleinen Anteil der vielen Kandidaten enthält, die ihnen die Unehre verleiht auf die Liste zu kommen.

[1] http://www.wiesenthal.com/atf/cf/%7B54d385e6-f1b9-4e9f-8e94-890c3e6dd277%7D/TTASS.PDF

[2] http://www.wiesenthal.com/atf/cf/%7B54d385e6-f1b9-4e9f-8e94-890c3e6dd277%7D/TT_2015.PDF

[3] http://www.holocaustremembrance.com/sites/default/files/press_release_document_antisemitism.pdf

[4] http://whc.unesco.org/archive/2016/whc16-40com-19-en.pdf

[5] http://www.jta.org/2016/08/09/news-opinion/united-states/author-of-black-lives-matter-position-on-israel-defends-genocide-claim

[6] https://www.theguardian.com/politics/2016/jul/04/jeremy-corbyn-says-he-regrets-calling-hamas-and-hezbollah-friends

[7] https://heplev.wordpress.com/2016/05/23/jeremy-corbyn-der-antisemiten-legitimiert/

[8] http://www.theguardian.com/commentisfree/2012/nov/20/palestinians-have-right-defend-themselves

[9] https://heplev.wordpress.com/2016/05/23/jeremy-corbyn-der-antisemiten-legitimiert/

[10] http://www.bbc.com/news/uk-politics-36160135

[11] https://heplev.wordpress.com/2016/07/18/die-hoechst-unprofessionelle-untersuchung-des-britischen-labour-antisemitismus/

[12] https://heplev.wordpress.com/2016/09/19/die-gerstenfeld-definition-fuer-antiisraelischen-antisemitismus/

[13] http://www.independent.co.uk/news/education/nus-president-malia-bouattia-anti-semitism-parliament-home-affairs-select-committee-israel-a7363591.html

[14] http://jewishnews.timesofisrael.com/baroness-tonge-shares-article-about-jewish-power/

[15] http://www.dailymail.co.uk/news/article-3878392/Israel-condemns-shameful-House-Lords-event-audience-applauded-claims-JEWS-responsible-Holocaust.html

[16] http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/erdogan-turkish-president-israel-hitler-more-barbarous-gaza-interview-palestinians-decide- holocaust-a7431311.html

[17] hungarianspectrum.org/2016/08/19/zsolt-bayer-the-purveyor-of-hate-in-his-own-words/

[18] https://heplev.wordpress.com/2016/12/12/trondheims-fortwaehrender-israel-hass/

[19] http://www.jpost.com/Israel-News/Politics-And-Diplomacy/WATCH-Pro-Israel-demonstrators-battle-anti-Zionism-at-Swedish-rally-466231

[20] http://www.nybooks.com/articles/2016/10/13/economic-boycott-israeli-settlements/

Simon Wiesenthal Center stellt europäischen Hass auf Israel bloß

Rabbi Abraham Cooper, Associate Dean des Simon Wiesenthal Center (SWC), brachte am 13. November 2013 die Erkenntnisse aus Manfred Gerstenfelds Buch Demonizing Israel and the Jews (Dämonisierung Israels und der Juden) im Gespräch mit dem philippinischen Kardinal Luis Antonio Tagle, Erzbischof von Manila auf. Im Bild unten sieht man Rabbi Cooper bei der Übergabe des Buchs an den Kardinal. Es dokumentiert, dass 150 Millionen von 400 Millionen erwachsenen Europäern glauben Israel lösche die Palästinenser aus oder verhalte sich ihnen gegenüber wie die Nazis gegenüber den Juden.

RabbiHier+CardinalTagle

Während des Treffens vor ein paar Wochen, an dem 60 Mitglieder des Simon Wiesenthal Centers teilnahmen, brachte der Leiter des SWC, Rabbi Marvin Hier, das Thema beim Papst auf. Das Simon Wiesenthal Center hat Exemplare des Buchs an die Kardinäle und Erzbischöfe geschickt, die die Bischofskonferenzen diverser westeuropäischer Länder leiten

Rabbi Cooper hat die niederländischen Aspekte der Dämonisierung Israels, wie sie in dem Buch umrissen werden, bereits bei einem Treffen mit dem stellvertretenden Premierminister der Niederlande, Lodewijk Asscher, und kürzlich in einem Brief an Premierminister Mark Rutte angesprochen.

Naziverbrecher jagen – Operation Letzte Chance

Manfred Gerstenfeld interviewt Efraim Zuroff (direkt vom Autor)

„2002 starteten das Simon Wiesenthal Center Israel (SWC) und die Targum Shlishi-Stiftung in Florida die ‚Operation Letzte Chance‘ (OLC), um die Verfolgung von Nazi-Kriegsverbrechern – hauptsächlich im postkommunistischen Europa – zu unterstützen. Bis Ende 2011 hat sie die Namen von mehr als 600 Verdächtigen in 32 Ländern erbracht. Von diesen Namen wurden 102 örtlichen Staatsanwälten vorgelegt, 46 davon aus Litauen, 14 aus Lettland und 6 aus Deutschland.

Es gibt sechs Erfolgsebenen bei dem Versuch Nazi-Kriegsverbrecher der Gerechtigkeit zuzuführen: Den Kriminellen in den Medien zu entlarven, offizielle Ermittlungen der Regierung gegen den Verdächtigen zu erreichen, dass eine Anklage, einen Haftbefehl oder einen Auslieferungsantrag gegen ihn erlassen wird, ein Gerichtsverfahren gegen den Verdächtigen, eine Verurteilung vor Gericht und schließlich die Bestrafung des Verdächtigen.“

Efraim Zuroff
Efraim Zuroff

Der Holocaust-Historiker Dr. Efraim Zuroff ist Direktor des Simon Wiesenthal Center (SWC) in Israel und weithin als „der letzte Nazijäger“ bekannt. Er hat einen Großteil seines Berufslebens mit der Suche nach Nazi-Kriegsverbrechern und den für ihre Verurteilung benötigten Beweisen zugebracht, außerdem mit Lobbyarbeit bei oft störrischen Regierungen, damit die dies Leute strafrechtlich verfolgen. Zuroff hat mehrere Bücher veröffentlicht, deren jüngstes, Operation Last Chance; One Man’s Quest to Bring Nazi Criminals to Justice (Operation Letzte Chance: Die Suche eines Mannes, um Nazi-Verbrecher der Gerechtigkeit zuzuführen)1 den  Hintergrund des Projekts und ausführlich seine fünf wichtigsten Fälle darlegt.

Er sagt: „Die Bildungsaspekte des Programms wurden so gestaltet, dass die Menschen für die Geschichte des Holocaust sensibilisiert werden und die öffentlich Aufmerksamkeit sich auf die Fragen konzentrieren, die Menschen in diesen Ländern sich selbst stellen sollten. Die Antworten in den verschiedenen Ländern reichten von voller Unterstützung und Bewunderung bis zu eisernem Widerstand. Eine besondere öffentliche Reaktion, die im postkommunistischen Osteuropa recht verbreitet war, bestand darin OLC zu attackieren, weil sie sich nur auf Naziverbrechen konzentrierte, nicht auch auf kommunistische Verbrechen; und weil sie nutzte, was einige als sowjetische Methode ansahen, nämlich den Einsatz bezahlter Informanten.

Ein Großteil des Erfolgs der OLC hängt in erster Linie davon ab, ob die Regierung vor Ort Holocaust-Täter vor Gericht stellen will und es dort eine Wählerschaft gibt, die das Projekt unterstützt.

Die OLC wurde in den baltischen Staaten angestoßen, weil wir glaubten dort sei das Potenzial Informanten zu finden besonders groß. In diesen Ländern gab es jedoch keinen politischen Willen Täter gerichtlich zu verfolgen und praktisch keine Unterstützung vor Ort. Die einzig unterstützenden Menschen waren Einzelpersonen, die ihrer Zeit voraus waren. Sie verstanden, dass diese Frage für die Zukunft ihrer Länder von entscheidender Bedeutung ist.

Auch die Qualität der zu erhaltenden Informationen variiert von Land zu Land. Fast alle, die die Call Center kontaktierten, sind Nichtjuden gewesen. In Österreich schätze ich, dass unter den mehr als einhundert Anrufen, die wir erhielten, 90 bis 95 Porzent antisemitisch waren.“

Zuroff bemerkt: „Jede Regierung ist ein anderer Fall, abhängig von ihrer Einstellung zu den Bemühungen solche Kriminellen strafrechtlich zu verfolgen. In Deutschland z.B. trifft die OLC auf keinerlei offizielle Behinderung oder Opposition. In Osteuropa sind die ortsansässigen Authoritäten angesichts der Aussicht auf Erfolge unsererseits beim Auffinden nicht verfolgter einheimischer Nazi-Kriegsverbrecher kaum begeistert. Die Staatsanwaltschaft ist in der Regel ein Spiegel der Anschauung der lokalen Authoritäten ist. Kurz gesagt: Keine Regierung würde sich offen gegen das Projekt stellen, aber die von den Staatsanwälten eingebrachte Energie und Ressourcen sind ein weit genaueres Barometer für die dortigen Empfindungen.

Die OLC sah sich sogar einmal juristischen Schritten gegenüber, die sich auf Datenschutzgesetze Ungarns gründeten und den „Export“ von Information über ungarische Staatsbürger ins Ausland betrafen. Es blieb nur bei einer Drohung, die nie juristisches Vorgehen zur Folge hatte. Die OLC war in Ungarn sogar äußerst erfolgreich, was praktische Gesichtspunkte angeht, trotz der anfänglichen Zweifel zu unseren Erfolgsaussichten dort infolge der Besonderheiten der von ungarischen Nazi-Kriegsverbrechern und Kollaborateuren begangenen Verbrechen. Dies steht im Gegensatz zum Beispiel zu denen im Baltikum begangenen, wo die Zahl der Einheimischen, die sich aktiv an Massenmord beteiligten, ungewöhnlich hoch war.“

Zuroff erwähnt, dass 2011 „Operation Letzte Chance II“ begonnen wurde. „Sie konzentriert sich in erster Linie auf die Wachen der Todeslager und Personal der Einsatzgruppen. Sie können jetzt – in Folge der Verurteilung Demjanjuks im Mai 2011 in München – erfolgreich wegen Mittäterschaft belangt werden, auch ohne Beweise für ein konkretes Verbrechen an einem konkreten Opfer.“

Zuroff fasst die Erfolge der Operation Letzte Chance so zusammen: „Sie half bei der Identifizierung derer, die für furchtbare, während der Schoah begangene Verbrechen verantwortlich sind. Darüber hinaus konzentrierte sie die Aufmerksamkeit auf die sehr wichtige Rolle, die die ortsansässigen Helfer der Nazis spielten. Deren Mithilfe bei der Umsetzung der Endlösung war entscheidend, besonders in Osteuropa, wo die Beteiligung an Massenmord dazu gehörte. Angesichts der in die OLC investierten, sehr begrenzten Ressourcen sind die erzielten Ergebnisse relativ bedeutend gewesen.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Vorsitzender des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs.

1 Veröffentlicht bei Palgrave/Macmillan