Foto der Woche: ein Lügen-Selfie

Pallywood – und alle machen mit, jedenfalls so lange, bis die Korrekturen niemanden mehr erreichen:

Der pal-arabische Rapper Tamer Nafar stellte Selfie ins Netz, zu dem er behauptete, es zeige ihn, wie er vor zwei israelischen Polizisten floh, die ihm Übles wollten. Es verbreitete sich rasend schnell. Der SPIEGEL teilte diese Behauptung ungeprüft direkt vom Facebook-Account des Schützen. Dann stellte sich heraus, dass alles gestellt war, die angeblichen Polizisten Bandkollegen des Musikers. Die Richtigstellung kam erst sehr viel später und bei weitem nicht so brüllend wie das Foto selbst. (Inhalte und Bild übernommen von boasinfo)

 

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Aber mal ganz ehrlich: Welcher Mensch, der tatsächlich auf der Flucht vor gewalttätigen anderen ist, würde auf diese Art noch ein Selfie machen können? Mit ein wenig gesundem Menschenverstand hätte jeder merken müssen, dass hier etwas nicht stimmt!

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Was ist da los? Die Medienmeute ist los…

Drei junge Israelis wurden von Terroristen entführt. Was bewegt die deutsche Qualitätsjournaille? n-tv sieht den Nahost-Konflikt „befeuert“ – nein, nicht durch die Entführung oder Handeln von Terroristen, sondern durch den Hashtag „#BringBackOurBoys“, die Internet-Aufmerksamkeitsinitiative gegen die Entführung!

ntv-hashtagBBOBUnd was ist problematisch an der Aktion? Die Palästinenser regen sich auf, das sei doch alles völlig unangemessen. Und diese Meinung von „palästinensischen Usern“ wird nicht etwa als das bezeichnet, was es ist, sondern der Eindruck erweckt, als hätten sie absolut recht sich so aufzuregen. Weil die Israelis/Juden ja allesamt viel schlimmer sind.

Richard Schneider von der tagesschau hat nur eine Erkenntnis – nicht, dass es da Terroristen gibt, die es zu bekämpfen gilt, sondern er kennt nur ein Problem und das bestehe darin, dass Netanyahu versuche politisches Kapital aus der Entführung zu schlagen. Und auch der SPIEGEL hat kein Problem auf die entführten Jungen zu verzichten, ganz zu schweigen von den besorgten Eltern. Stattdessen gibt es Bilder von Soldaten, die nach den Jungen suchen – natürlich wird das als schlimme israelische Übergriffe gegen Unschuldige inszeniert. Die tagesschau geht konsequent weiter den Weg der Desinformation und bezeichnet die tatsächlichen Opfer als „mutmaßlich entführt“ und „verschwunden“, Netanyahu könne keinen eindeutigen Hinweis auf eine Entführung präsentieren. Dass zu diesem Zeitpunkt längst bekannt ist, dass die Polizei einen dicken Fehler machte, als sie einen Anruf der Entführten empfing und für einen arabischen „Scherz“ hielt (um die Gesetzeshüter nutzlos zu beschäftigen), interessiert die deutsche Qualitätsjournaille einen Dreck. Das muss verschwiegen werden, sonst würden die tollen Einschätzungen ja in sich zusammenfallen und die Juden hätten tatsächlich richtig gehandelt.

Fehlt nur noch, dass irgendein Idiot Hebron zum neuen Lidice erklärt…
auch lesenswert:
– Ruhrbarone: n-tv: Mitgefühl schuld am Nahost-Konflikt
– tapfer im nirgendwo: #BringBackOurBoys
Die Meschuggestan-Protokolle: … dann lasst es einfach ganz sein!

Kommentar: Putzige Ansichten

Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 30. Januar 2014 (direkt vom Autor)

Mit einem untrüglichen Gespür für Mentalität und Kräfteverhältnisse in Israel hat die Spiegel-Expertin für den Judenstaat, Ulrike Putz, vom sicheren Beirut aus mitgeteilt, dass der Fortbestand der Koalition in Israel gefährdet sei. Weil sonst in der Welt, in Damaskus, Kiew, Washington und sogar bei der GroKo in Berlin alles ganz fürchterlich stabil ist, verdient ein wackelnder Hardliner wie Benjamin Netanjahu natürlich eine große Schlagzeile.

Der israelische Premier sei auf die Stimmen von Naftali Bennetts ultrarechter Partei angewiesen, schreibt Putz. Wahrscheinlich ist sie unfähig, vom feindlichen Libanon aus die Homepage der Knesset aufzurufen, um festzustellen, dass Netanjahu im Falle eines Rauswurfs der von Putz so bezeichneten “Siedlerpartei” Jüdisches Haus des Wirtschafts- und Handelsministers Naftali Bennett sogar mehrere Alternativen hätte, um sich eine Mehrheit im Parlament zu sichern.

Worum es bei der Krise zwischen Bennett und dem Premierminister ging, ist fast irrelevant, denn derartige Auseinandersetzungen sind in der israelischen Politik an der Tagesordnung. Schließlich wollen sich Politiker wie Parteien profilieren. Das ist auch in Deutschland so. Da aber alle an ihren Stühlen kleben, platzt nicht gleich die Koalition. Auch die Regierung stürzt nicht so schnell, wie sich Putz das vorstellt.

Kurz zusammengefasst: Netanjahu hat etwas behauptet, was die israelischen Rechten nicht akzeptieren konnten. Bennett beleidigte daraufhin den Premierminister. Der drohte mit der ultimativen Waffe: Entlassung Bennetts. Die Abschreckung wirkte. Bennett entschuldigte sich. So hätte er das nicht gemeint. Und Netanjahu akzeptierte vorhersehbar die vermutlich unaufrichtige Reue des Bennett. Die Krise ist überwunden und der Frieden in Israel ist wieder im Lot.

Nun bleibt noch die “schreckliche” Geschichte des Sohnes von Netanjahu, der – oh je – mit einer nicht-jüdischen, vermutlich blonden Schönheit aus Norwegen ausgeht. Putz scheint von Beirut aus besonders gute Beziehungen zu Israels ultraorthodoxen “Sittenwächtern” zu pflegen, die Netanjahu angeblich zu “nationaler Verantwortung” aufgerufen haben, dieses Treiben seines Sohnes zu unterbinden. Die Korrespondentin in Beirut scheint Israel mit der Hamas im Gazastreifen oder mit dem Treiben der “Sittenwächter” in Saudi Arabien zu verwechseln. Denn die Ultraorthodoxen sitzen heute in der Opposition und haben nicht viel zu sagen.

Auch wenn Netanjahu fähig ist, die ganze Welt auf den Kopf zu stellen, fragt sich, wie viel Macht er hat, seinem 23-jährigen Söhnchen vorzuschreiben, mit welcher Blondine der ins Bett steigen darf. Das ist ein Bereich, wo normalerweise sogar die “nationale Verantwortung” auf Grenzen stößt.

(C) Ulrich W. Sahm

Die US-Wahl und die Qualitätsjournaille (2)

(Vorbemerkung: Liebe Leser der NRhZ, eure Desinformanten lenken zwar voller Ekel auf diesen und einen weiteren Eintrag in meinem Blog, aber die feigen Säcke haben sich geweigert, auch noch einen dritten zuverlinken: https://heplev.wordpress.com/2010/11/03/die-us-wahl-und-die-qualitatsjournaille-bisschen-butter-bei-die-fische/. Warum wohl? Weil ihnen die Belege nicht passen, die zeigen, dass ich recht habe.)

Lokalradio heute Morgen als „Nachricht“: Der neue (republikanische) Mehrheitsführer (und damit designierte Parlamentspräsident) John Boehner hat schonmal das Kriegsbeil ausgegraben. Ohne Kompromisse ginge gar nichts mehr, sagte er.

Jetzt wird also die normalste Sache der Welt, wenn Mehrheiten sich ändern, als „Kriegsbeil“ bezeichnet. Weil es dem Oberstümper das Leben schwerer macht. Ähnliche Äußerungen seitens demokratischer Politiker in den USA schaffen es nicht einmal in die Medien. Und dass Obama zwar beim Amtsantritt das Gegenteil behauptete, dann aber tatsächlich das Kriegsbeil schwang – geschenkt, das ist keiner Erwähnung wert, schließlich richtete sich das gegen die Bösen.

Bei SPON wird „berichtet“, dass die Demagogen leichtes Spiel gehabt hätten – dazu ein Foto von (wem sonst) einer Tea Party. Ein „Politikstratege“ betont das noch einmal. Passt irgendwie nicht; wenn dieselben Leute vor zwei Jahren derart stark für Obama waren, dann müssen ja damals auch Demagogen unterwegs gewesen sein, anders ist das dumme Wählervolk dort drüben offenbar nicht zu beeinflussen.

In Düsseldorf gab es eine Wahl-Party von (dort lebenden) US-Demokraten – die im WDR natürlich das übliche linke Gewäsch verbreiten durften: Die Tea Party-Bewegung ist zu 99% weiß (= rassistisch) und alles richtet sich gegen Obama, weil er schwarz ist.

Rassismus der Obama-Gegner und Demagogie – die alleinigen Erklärungsmuster für das, was in den USA am Wahltag passierte. Wer sind hier die Demagogen? Und wer erinnert an diktatorische Regime und deren nicht einmal mehr grob vereinfachende, sondern verhetzende Erklärungsmuster für Probleme der geliebten Politik(er) in die Welt gesetzt werden? Wenn Selbstkritik der Verlierer nicht gefragt wird, sondern die Niederlage ausschließlich mit der Boshaftigkeit und üblen Machenschaften der anderen erklärt wird?

Wissen SPIEGEL-Leser mehr?

SPON liegt gaaanz weit vorne, könnte man meinen. Sie haben am 10. Februar 2010 die Story eines baden gehenden Busses einer niederländischen Firma, der in Schottland erprobt wird, wo eine Fähre über den Clyde eingestellt werden soll. Man kommt als Leser zu dem Schluss, dass das eine gaaanz tolle, einmalige Sache ist, die da erprobt wird.

Dumm nur, wenn eine einfache Google-Suche uns eines Besseren belehrt: Seit 1985 gibt es „Amphibus-Tours“ in Montreal, in Ottawa gibt es den Lady Dive Amphibus (dasselbe Modell wie in Montreal).

Jetzt könnte man anführen, dass es sich dabei um kleine Touristenbusse handelt. Oder dass das in Amerika ist, nicht in Europa. Wieder dumm gelaufen. Es gibt „le crocodile rouge“ in der Wallonie, das ebenfalls mit einem Amphibus wirbt (kleines Bild rechts).

Ja, wieder so ein kleines Touriteil! Nicht vergleichbar mit einem Linienbus. Na und?

Es geht nämlich noch weiter. Schon am 15. September 2009 konnte man auf xpatloop.com lesen, dass es in Budapest eine Stadtrundfahrt mit einem Amphibus gibt. Die Budapester Touristen-Information schrieb am 28. Dezember 2009 selbst etwas in der Werbung der Stadt. Das Teil ist ein kompletter Reisebus, so ausgestattet, dass er auch die Donau entlang schippern kann. Und das scheint ganzjährig zu geschehen, denn am Samstag, 13.02.2010 ist er mir bei Eiseskälte und kräftigem Wind an der Kettenbrücke vor die Linse geraten (ohne Robin hätte ich ihn übersehen):

Bleibt also nur noch eins übrig: Der Bus in Schottland wird wohl der erste Linienbus sein, der schwimmend ein Gewässer überquert. Aber würde man das aus dem Artikel der BILD-Zeitung für Intellektuelle erfahren können?

Verzerrter Spiegel: Amalek und SPON

Vorbemerkung: Marquardt-Bigman schreibt über die auf SPON eingestellte englische Übersetzung; der Druck-Artikel im Nr. 26/22.06.09 wird im Inhaltsverzeichnis mit „Droht ein Krieg zwischen Iran und Israel“ angekündigt und folgt auf den Seiten 104-107 unter dem Titel „Das Duell der Auserwählten“ und stand zur Zeit nicht online (ist inzwischen erfolgt). Der englische Teaser ist dort nicht vorhanden. Die Zitate aus dem Aufsatz sind der deutschen Printausgabe entnommen.

Petra Marquardt-Bigman, Jerusalem Post-blogs, 24. Juni 2009

Kein Zweifel, wenn es um die Dämonisierung Israels geht, dann ist das Rennen in vollem Gang – obwohl nicht völlig klar ist, ob die Ziellinie am Grund des Journalismus oder ganz oben in der Heuchelei angesetzt ist. Auf jeden Fall haben wir einen starken Bewerber: Unter dem Titel „Potenzial für die Apokalypse“ fragte das deutsche Nachrichten-Magazin Der Spiegel am Montag: „Ist Krieg zwischen Iran und Israel unvermeidlich?“ Die Einführung des langen Aufsatzes (etwa 4.000 Worte) liefert eine sensationalistische Zusammenfassung, um den Appetit der Leser zu wecken:

Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu und der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad mögen sehr verschieden erscheinen, aber sie sind in ihren apokalyptischen religiösen Visionen vereint. Ihr jeweiliger Glaube könnte sie auf einen Kollisionskurs mit möglicherweise fürchterlichen Folgen bringen.

Ich rieb mir ungläubig die Augen und las noch einmal – und noch einmal – aber das steht da so: Bibi Netanyahu, der säkulare Premierminister einer säkularen Demokratie, hat „apokalyptische religiöse Visionen“, die ihn irgendwie mit dem den Holocaust leugnenden, fanatisch religiösen Mahmud Ahmadinedschad „vereinen“, der gerade durch „göttliche Bewertung“ die Wiederwahl „gewonnen“ hat, weil der „oberste Führer“ der iranischen Mullahkratie das sagt.

Der Autor dieses Geschwafels ist offenbar ein altgedienter Journalist, Erich Follath, der als Experte dieser Art von Vergleich posiert, weil er Netanyahu ein paar Mal getroffen hat – erstmals 1976, kurz nachdem Yonatan Netanyahu in Entebbe getötet wurde – und er auch im Iran gewesen ist und sogar Mahmud Ahmadinedschad interviewte. Nun denn, der Mann muss wissen, wovon er redet!!!

Wie sich herausstellt, ist dies nicht das erste Mal, dass Follath seine Meinung zu einem Mitglied der aktuellen Regierung Israels von sich gibt: Angelegentlich des Besuchs von Avigdor Lieberman vor kurzem in Berlin machte sich Follath die Arbiet mit einer „Rede“ oder eher einer Vortrag aufzuwarten, von der er meinte, dass Deutschlands Außenminister ihn halten sollte, um seinen israelischen Kollegen zurechtzuweisen. Mehrere deutschsprachige Blogger haben diesen von Follaths Fantasie-Rede zur Schau gestellten unverfrorenen Hass und Antisemitismus kommentiert.

Diesmal hat sich Follath sehr bemüht kultivierter zu erscheinen:

Wer verstehen will, was Irans Präsident und Israels Premier umtreibt, welche Überzeugungen ihre Politik leiten, muss sich auf tiefreligiöse Konzepte einlassen, die Ahmadinedschad wie Netanjahu prägen du die sie fast zwangsweise aufeinanderprallen lassen: das islamische „Hakkami“, das jüdische „Amalek“. … hilft es auch ein wenig, die Akteure aus eigenem Erleben zu kennen und das Umfeld der Mächtigen bei zahlreichen Reisen nach Iran in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten recherchiert zu haben. Aus Puzzle-Teilen entsteht so ein Bild. Kein allumfassendes, alles erklärendes, aber immerhin ein Bild, das auf konkreter Spurensuche und Annäherung beruht.

Ist das nicht eindrucksvoll? Follath hat „das Umfeld der Mächtigen“ recherchiert! Da nun Follath glaubt, dass Netanyahu und Ahmadinedschad „Zwillinge im Geiste“ sind, lohnt es sich ein paar Glanzstücke seiner Beschreibung des „Umfelds“ des Mahmud Ahmadinedschad zu zitieren:

… dann lernte er mit Mitte zwanzig Mesbah Jasdi kennen und verfiel dem mystischen Fundamentalismus. Schon längst bekennt er sich nun wie sein Vorbild zur selben ultrareligiösen Schule des Schiitentums – in ihrem religiösen Fieber erinnert diese Hakkani-Gruppierung an die zelotischen Glaubenseiferer einer anderen Religion, der Wiedergeborenen Christen (zu denen sich auch Geroge W. Bush zählt).

Aha, George W. Bush ist auch Teil des Bildes… Nun, wie auch immer, nach Meinung Follaths traf Ahmadinedschad seinen „Mentor“ Masbah Jasdi jede Woche für ein „ideologisches tête-à-tête“ – und so beschreibt er Mesbah Jasdis Ansichten:

Ideologisch ist er ein ultrakonservativer Hardliner, ein Theoretiker der Radikalen, … Er propagiert ganz offen Selbstmordattentate, fordert die Vollstreckung des Mordaufrufs gegen den Schriftsteller Salman Rushdie, verlangt „das Blut jedes Menschen, der den Islam beleidigt“. Und er hält „die Zionisten“ für das Grundübel der Erde.

Zum Glück gibt es keinerlei Grund zur Sorge, denn, wie Follath herausstellt: „Ahmadinedschad, der Holocaust-Leugner und Israel-Hasser, hat immer wieder versichert, er wolle das ‚Zionisten-Gebilde‘ nicht militärisch angreifen.“ Natürlich kennt Follath auch Iran-Experten, die bestätigen werden, dass Ahmadinedschads angebliche Drohungen in Wirklickeit in „metaphysischer Art“ verstanden werden müssen.

So, das ist erledigt, was für eine Erleichterung. Oh nein, wartet – da ist immer noch dieser sehr, sehr Angst einflößende, unheimliche Bibi Netanyahu… Nicht, dass Follath irgendetwas Negatives über Bibi sagen würde, er zitiert lediglich andere, zum Beispiel den ehemaligen Sprecher des Weißen Hauses, Joe Lockhart; der „nannte den israelischen Premier ‚eines der anstößigsten Individuen…  einen Lügner und Betrüger‘“. Und dann ist da die „liberale und steht gut informierte israelische Tageszeitung Haaretz“, die berichtete: „Politiker, die in Verbindung mit Netanjahu stehen, sagen, er habe seinen Entschluss zur militärischen Zerstörung der iranischen Nuklearanlagen schon gefasst.“ Follath: „Und zwar unabhängig von der Zustimmung Washingtons.“

Offensichtlich kann Follath daher nur schlussfolgern: „Aber in der Frage der iranishen Atombomben wird Netanjahu aller Voraussicht nach knallhart bleiben. Auf einen Angriff zusteuern.“ Er ermerkt ebenfalls, dass Netanyahu „ein Verbleiben seines Gegenspielers Ahmadinedshad im Amt geradezu herbeizusehnen“ schient, „wie selbst die ‚FAZ‘ mit Bezug auf israelische Quellen befremdet konstatiert hat“. Auf der Suche nach einer Erklärung für all diese erstaunlichen Dinge, weist Follath seine Leser auf Jeffrey Goldberg hin: „Als der amerikanische Autor und Israel-Kenner Jeffery Goldberg kürzlich bei einem Netanjahu-Vertrauten nachfragte, wie sich diese Fixierung erklären lasse, sagte der nur: ‚Denken Sie an Amalek.‘“

Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass Sie bitte davon ausgehen sollen die Tatsache zu übersehen, dass diese überaus wichtige Bemerkung „Denken Sie an Amalek“ nicht von Netanyahu, sondern von einem „Vertrauten“ des Premierministers gemacht wurde. Kein Grund für Pedantismus hier, wirklich nicht. Nun, sind Sie bereit für das Einmaleins des Judentums zur Bedeutung von „Amalek“, mit freundlicher Genehmigung von Follath? Yallah, hier geht’s los:

Das ist der jüdische Begriff, der in unseligem Kontext zur islamischen „Hakkani“-Schule steht – ein spiegelbildliches Begriffspaar, das Krieg bedeuten könnte. Amalek ist im Wortsinn der Name des biblischen Enkels von Esau, der mit seinen Stammeskriegern aus Kanaan die Hebräer auf dem Weg ins Heilige Land Eretz Israel heimtückisch und unprovoziert überfalllen hat; Amalek meint im übertragenen Sinne die existentielle Bedrohung für das Judentum zu allen Zeiten, unter allen Umständen, durch alle Feinde. … Die Auseinandersetzung mit Amalek darf keine jüdische Generation vergessen, denn Amalek verkörpert das Böse, das Zerstörerische, das Schlechte an sich. Das gilt es zu bekämpfen, das ist für einen strenggläubigen Juden „Mizwat Asse“, ein Gebot der Tat – und laut manchen Deutungen der alten Schriften geht es noch um mehr, nämlich darum, die Urfeinde auszulöschen… Denn nach einem möglichen iranischen Nuklear-Erstschlag, so geht das apokalyptische jüdische Gedankengebäude, wird es einen Judenstaat nicht mehr geben. Im Zweifel also gegen den Angeklagten. [Im englischen Text heißt es hier: Mit anderen Worten: Es ist im Zweifelsfall besser zuerst anzugreifen.]

Wenn es also das „apokalyptische jüdische Gedankengebäude“ nicht gäbe, gäbe es kein wirkliches Problem mit einem iranischen Nuklearangriff auf Israel? Ich verstehe …

Wie erschreckend schäbig dieser Text wirklich ist, kann mit einem Blogpost hübsch illustrierte werden, den Gershom Gorenberg vor ungefähr vier Wochen schrieb, der Goldbergs Artikel aufnahm, der die verdächtige „Amalek“-Anspielung beinhaltete und versuchte die Bedeutung des Konzepts zu klären.

Es ist überflüssig zu erwähnen, dass Follath sehr davon profitiert hätte, hätte er diesen Eintrag gelesen. Einer der ersten Punkte, die Gorenberg zu recht betonte, ist der, dass es nicht Netanyahu selbst war, der auf Amalek verwies. Gorenberg vermerkte ebenfalls, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass Netanyahu dieses religiös inspirierte Konzept verwenden würde und er stellte heraus, dass Bibi als Sohn eines Historikers „dazu tendiert seine Metaphern aus der Geschichte zu nehmen“. Natürlich dachte Gorenberg, wie jeder, der etwas von Netanyahu weiß, sofort an die berühmte „Es ist 1938 und der Iran ist Deutschland“-Rede, die Netanyahu im November 2006 hielt.

Es ist nicht schwer zu verstehen, warum Follath es vorzieht diese Rede NICHT zu erwähnen… In der Tat ist es nicht nur die deutsche Geschichte, die jede Bezugnahme auf 1938 ein wenig ungemütlich gemacht hätte, sondern auch die Gegenwart: Immerhin macht Deutschland lebhaft Geschäfte mit dem Iran. Es ist schon ironisch, dass die deutschsprachige Ausgabe des SPIEGEL diese Woche einen Bericht bringt, der aufdeckt, dass unter allen westlichen Industrienationen Deutschland Irans größter Handelspartner ist, was es nach China zum zweitgrößten Exporteur in den Iran macht. Und wohlgemerkt: Der Bericht erklärt, dass deutsche Firmen gegen „voreilige“ Sanktionen gegen den Iran sind…

Aber warum sich um das deutsche Geschäfts-„Umfeld“ sorgen – schließlich gibt es „apokalyptische jüdische Gedankengebäude“, wegen derer man sich Sorgen machen muss!

„Israel droht der Hamas mit Krieg“

Wieder mal eine Glanzleistung deutschen Journalismus: „Israel droht Hamas mit Krieg“, schreibt der SPIEGEL. Na ja, wenigstens droht Israel nicht, wie es mal im Focus hieß, „mit Selbstverteidigung“.

Das ist schön, nicht wahr? Die Wochen zunehmenden Qassam-Regens bleiben außen vor, es hat lediglich „seit Freitag einige selbstgebaute Raketen“ gegen Israel gegeben. Und überhaupt: Israel hat das schon mit einem Luftangriff „geahndet“, bei dem ein „militanter Palästinenser“ ums Leben kam. Was wieder den „Kreislauf der Gewalt“ heraufbeschwört, weil die Terroristen Rache schwören.

Dafür fehlt zwar nicht die Erwähnung der jetzt betroffenen Terroristen zu Mahmud Abbas und seiner Fatah, aber die sind die niedlichen „Al Aksa-Brigaden“, die sich in Wirklichkeit „Al Aksa-Märtyrerbrigaden“ nennen (was dem deutschen Leser, aber auch dem schreibenden Journalisten offenbar weder inhaltlich noch von der Länge zumutbar ist) – deren sonst übliche Bezeichnung als die Moderaten und zur Friedensfraktion gehörenden bleibt diesmal aus; sie ist fehl am Platz, aber warum wird sie sonst nicht ausgelassen? Und wieso wird die beschworene „Vergeltung“ nur kurz erwähnt, während bei den Israelis ausführliche Details über deren „aggressive“ Äußerungen nie zu kurz kommen?

Immerhin bringen sie es noch fertig zu schreiben, dass „nach Angaben von Reuters“ seit Freitag „60 Raketen und Granaten auf israelisches Gebiet abgefeuert“ wurden. Das ist im SPIEGEL-Jargon eine „Bedrohung“ – die Anführungszeichen stammen nicht von mir, die stehen im Artikel, also ist die Bedrohung in Wirklichkeit keine, obwohl der verletzte Landarbeiter erwähnt wird. Kein Wort auch über das Einkaufszentrum in Sderot, wo eine reichlich größere Anzahl Israelis nur zufällig nicht zu Opfern wurden. Kein Wort auch darüber, dass es nun überhaupt nicht die Absicht der Terroristen ist, dass so wenige Israelis getötet und verletzt werden. Was die tun und sagen wird maximal im neutralen Tonfall geschrieben.

Bei den Israelis ist das grundsätzlich anders, da wird nicht nur jedes Wort auf die Goldwaage der moralischen Verurteilung gewuchtet, sondern mit allem hantiert, was bei den Terroristen immer fehlt. Während Livnis scheinbar markigen Worte noch mit dem bösen Zeigefinger quittiert werden, weil sie militärische Mittel nicht ausschließt, wird Netanyahus Forderung nach einer „aktiven Angriffspolitik“ (Anführungszeichen durch den SPIEGEL, weil anscheinend Zitat) gleich herausgehoben und bekommt einen eigenen Absatz. Vorschläge zu eventuellen Reaktionen der Israelis auf den nicht sonderlich erwähnenswerten Dauerbeschuss durch die Terroristen werden ausführlichst formuliert, während die Hamas wiederum nur mit „defensiven“ Äußerungen zitiert wird. Aggressor ist eindeutig Israel. Die Wortwahl bereitet den Boden für die Schreibe zum israelischen Großangriff auf die Zivilbevölkerung des Gazastreifens, von der wir dann demnächst lesen dürfen: unverhältnismäßig, übertrieben, kontraproduktiv.

Auch schon in der Darstellung der gegenseitigen Meinungen: „Die militanten Gruppen wollen mit ihren Raketenangriffen ein Ende der israelischen Blockade des Gaza-Streifens erzwingen. Israel nennt hingegen als Bedingung für eine Lockerung der Blockade einen vollständigen Stopp der Raketenangriffe.“

Wie denn nun? Kreislauf? Festgefahren in gegenseitigen Forderungen? Und Israel gibt nicht nach?

Wenn die „militanten Gruppen“ ihren Beschuss einstellen, dann ist auf der Stelle Ruhe. Das wissen sie selbst in der Brandstwiete – und könnten dazu endlich einmal einen Satz schreiben. Statt dessen werden die beiden Ansichten äquidistant als unversöhnliche Gegensätze gegenüber gestellt und damit der Eindruck erweckt, die armen „militanten Gruppen“ seien die Geschädigten der israelischen Boykott-Willkür. Die wehren sich nur.

Nun braucht man nicht zu glauben, dass der SPIEGEL alleine stünde in seiner Verbrähmung der Terroristen und der negativen Beschreibung Israels. Die FAZ kann’s genauso und ist wohl noch stolz darauf, dass sie so schön neutral schreiben: „Brüchig war die Waffenruhe zwischen der Hamas und Israel schon in den vergangenen Wochen.“ Und: „Nun werden wieder Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert, und die israelische Luftwaffe fliegt wieder ihre Vergeltungsangriffe.“ Klar, es darf keine schuldigen Palästinenser geben, wenn es nicht mindestens genauso schuldige Israelis gibt. Ein bereits vier Wochen seitens der so nicht benannten Terroristen geführter Krieg wird als „brüchiger Waffenstillstand“ hingestellt, damit der Leser keinen handfesten Grund für Israel erkennen kann sich zu wehren.

Das ist der Qualitätsjournalismus von heute in zweien der angesehensten Printmedien. Die sich damit zumindest in Sachen Nahost als pure Propagandablättchen erweisen. Wundert es diese Leute wirklich, dass Blogger ihnen kritische Fragen stellen? Dass die Qualitätspresse Wut erzeugt – bei Leuten, die sich immer wieder so was von moderat den Palästinensern gegenüber äußern und sich so sehr nach Frieden sehnen, dass sie bei Fragen nach Lösungen die militärische nicht akzeptieren möchten? Und dass man ihnen zeigen, wie ehrliche Berichterstattung aussehen kann? Nämlich so, dass nicht Israel „mit Krieg droht“, sondern die Terroristen den Krieg längst führen!

Kleine Nachfrage als Update: Haben wir von unseren Medien schonmal die Meldung bekommen, dass die Hamas Israel droht? Und was ist eigentlich schlimmer: die „Drohung“ mit Selbstverteidigung durch Israel oder die Drohung der Vernichtung des Staates Israel durch die Hamas? Das Ziel der Beseitigung einer Bedrohung oder das Ziel des Völkermords an den Juden?