Antisemiten und Israelkritiker führen neuen Propagandatrick ein

Mitchell Bard, The Algemeiner, 13. Juni 2019

Ein Luftbild des Tempelbergs in der Altstadt von Jerusalem. Foto: Wikimedia Commons

Die Kampagne zur Dämonisierung Israels und des jüdischen Volks ist nicht neu. Und Ehre, wem Ehre gebührt: Die Verleumder Israels und die Antisemiten haben einigen Erfolg gehabt sich Begriffe anzueignen, die von Juden und Israelunterstützern verwendet werden, wodurch sie Sprache gebrauchen, um die Realität zu verzerren und Formeln einzuführen, die Einseitigkeit gegen Israel schaffen.

Die Propagandisten haben jetzt einen neuen Ansatz angeführt – die Beschuldigung der Aufstachelung zu Gewalt – die sie ebenfalls von ihren Gegnern gelernt haben.

Um ein Beispiel für die Aneignung zu geben: Die Palästinenser bezeichnen jetzt diejenigen, die außerhalb Palästinas wohnen, als die „Diaspora“. Im Fall des jüdischen Volks war die Diaspora das Ergebnis der Exilierung aus ihrer Heimat Eretz Yisrael und der Vertreibung aus vielen ihrer angenommenen Heimatländer.

Derweil lebt die überwiegende Mehrheit der Palästinenser in „Palästina“, zumeist in ihren ursprünglichen Häusern. Eine Hand voll wurden vertrieben, aber die Mehrheit bleibt im selbstgesetzten Exil oder werden von ihren arabischen Brüdern verfolgt. Nahezulegen, es gäbe eine palästinensische Diaspora, ist ein Versuch ihre Notlage mit der der Juden gleichzusetzen.

Verweise auf „Islamophobie“ sollen dem dienen, was Propagandisten als Folge des Antisemitismus betrachten. Sie sind überzeugt, dass Juden Opponenten dadurch zum Schweigen bringen, dass sie sie des Antisemitismus beschuldigen und sie hoffen das muslimische Äquivalent werde muslimische Antisemiten schützen und Kritik am radikalen Islam und muslimischen Terroristen eliminieren.

Der größte Erfolg der Propagandisten dürfte darin liegen, dass sie die Medien und die internationale Gemeinschaft überzeugten den herabsetzenden Sprachgebrauch zu verwenden, der Israel in die Defensive drängte, indem die Geschichte, das Recht und die Politik gefälscht oder schief gestellt wurden. Darüber haben wir z.B. den Mythos der Vertreibung der palästinensischen Flüchtlinge, die orwellschen Angriffe auf Israel in der UNO und die Gleichsetzung israelischen Handelns mit der Apartheid in Südafrika.

Die uralten Regionen Judäa und Samaria sind in Orientierungspunkte bezüglich des Flusses Jordan verwandelt worden. Sie die „Westbank“ zu nennen soll ihre jüdische Geschichte und Charakter auslöschen.

„Siedler“ und „Siedlungen“ sind Begriffe, die auf Kolonisten und Usurpatoren angewendet werden. Denken Sie daran, wie anders der Eindruck wäre, wenn sie akkurater „israelische Bürger“ und „jüdische Gemeinden“ genannt würden.

Der vielleicht größte Propagandasieg ist „besetzte Gebiete“ gewesen. Israel „besetzt“ kein Territorium, das einst einem Palästinenserstaat gehörte. Der korrekte Begriff lautet „umstritten“. Das Büro für Menschenrechte des US-Außenministeriums hat endlich den Sachverhalt richtig gestellt, indem der Begriff aus dem jährlichen Bericht über die Region abgeschafft wurde.

Die Medien sind an der Übernahme dieses Sprachgebrauchs mitschuldig gewesen und sind weiter gegangen, indem sie das Wort „Terrorist“ für palästinensische Mörder scheuen. Für einen Großteil der Presse ist ein Mörder von Kindern in den USA ein Terrorist, aber ein Selbstmordbomber, der in Israel Kinder in die Luft jagt, ist ein „Militanter“. Al-Qaida ist eine Terrororganisation; die Hamas ist eine „Miliz“.

Dann haben wir natürlich die Taktik der „Großen Lüge“: Wenn du eine ungeheuerliche Lüge nur oft genug wiederholst, werden die Leute sie als Wahrheit akzeptieren. Beispiele dafür sind die Gleichsetzung von Israelis mit Nazis (ebenfalls eine Technik aus Opfern Täter zu machen) und Israel der „ethnischen Säuberung“ zu beschuldigen.

Die antiisraelischen Propagandisten gewinnen nicht immer. Israel ist zum Beispiel erfolgreicher darin gewesen seine Barriere als „Sicherheitszaun“ zu bezeichnen als die Gegner, die ihn als „Aparthiedmauer“ hinstellen. Pro-israelische Aktivisten sind erfolgreicher darin die Kampagne Boykott, De-Investitionen und Sanktionen (BDS) wahrheitsgemäß als antisemitisch zu definieren.

Juden und Israelis erkannten den Einfluss einiger der erwähnten Propaganda nicht oder verfehlten es sie zu schwächen; so sind sie gezwungen gewesen sie selbst zu übernehmen. Die Verwendung des Begriffs „Westbank“ ist alltäglich, selbst wenn wir es besser wissen, denn die Verleumder haben diejenigen, die „Judäa und Samaria“ sagen, erfolgreich als Extremisten hinstellen können, die gegen Frieden sind und ein „Großisrael“ anstreben.

Regelmäßig gerate ich in Streit mit Juden, die die Uhr zurückdrehen wollen. Sie glauben, wenn wir hart bleiben, können wir die rhetorisch die Oberhand behalten. Leider können wir verlorene Schlachten nicht neu kämpfen. Das Ziel besteht jetzt darin Israels Gegner und die Antisemiten daran zu hindern die zukünftige Diskussion durch Manipulation der Sprache zu formen.

Das bringt mich zur jüngsten Propagandazeile, die Israels Unterstützer nachahmt, die die Palästinenser in die Defensive gedrängt haben, indem sie dokumentierten, wie Palästinenser über die Medien, das Bildungssystem und öffentliche Politik (z.B. „Entlohnung für Mord“) zu Gewalt aufstacheln.

Diejenigen, die Israels Gegner und die Antisemiten schützen wollen, haben angefangen Kritiker – ohne Belege – zu beschuldigen, sie stachelten zu Gewalt auf und brächten Leben in Gefahr. Diese Taktik wurde eingeführt, nachdem die Abgeordnete Ilhan Omar (Demokraten, Minnesota) im März ihre antisemitischen Äußerungen machte. Senatorin Kirsten Gillibrand (Demokratin, New York) zum Beispiel gab zu, dass Omar antisemitische Sprachbilder verwendet haben könnte, verurteilte aber die Republikaner, sie würden „zu Gewalt aufrufen“.

Ein paar Wochen später, nachdem Omars Kommentar „irgendwelche Leute machten irgendwas“ zum 9/11 einen Aufschrei ausgelöst hatte, beschuldigte sie ihre Kritiker, sie würden „gefährliche Hetze“ betreiben. Senator Elizabeth Warren (Demokraten, Massachusetts) verteidigte sie und beschuldigte Trump „zu Gewalt gegen eine im Amt befindliche Kongressabgeordnete anzustacheln“, als er sie verurteilte.

Nachdem der Abgeordnete Lee Zeldin (Republikaner, New York) über die Bildung eines überparteilichen Kongressausschusses aus Schwarzen und Juden twitterte, lautete Linda Sarsours Antwort: „Unterdessen schießt ihr gegen die schwarze, muslimische Abgeordnete und palästinensisch-muslimische Abgeordnete und bringt ihr Leben in Gefahr“.

Rabbi Shmuley Boteach schaltete eine ganzseitige Anzeige in der New York Times, die den trügerischen Schein des Kommentars der Abgeordneten Rashida Tlaib (Demokraten, Minnesota) aufzeigte, die Palästinenser hätten ihr Land, ihre Würde und ihr Leben verloren – „im Namen des Versuchs nach dem Holocaust eine sicher Zuflucht für die Juden zu schaffen“. Vorhersagbar folgte ein Aufschrei, bei dem die üblichen Verdächtigen Tlaib verteidigten. Einer der hasserfülltesten Kritiker Israels, James Zogby, twitterte:

Das ist ein verlogener und gefährlicher Angriff auf Rashida Tlaib durch den Rechtsextremen Shmuley Boteach. Er schleust schmutziges Geld in Attacken wie Anzeigen wie diese, die die Wahrheit verzerren und das Leben von Menschen in Gefahr bringen. Das ist keine Anzeige, das ist Hetze. Schande über die New York Times dafür, dass sie sie brachte. Hände weg von Rashida.

Jeder, der es wagt Antisemiten zu kritisieren, kann jetzt davon ausgehen, dass ihm Aufstachelung zu Gewalt vorgeworfen wird. Es ist besonders alarmierend zu sehen, dass politische Persönlichkeiten diese üble Taktik anwenden, die es besser wissen müssten. Es ist eine der verachtenswertesten Strategien, die von antiisraelischen, antijüdischen Propagandisten übernommen wurden und es darf nicht zugelassen werden, dass sie die Norm wird, um Kritiker zum Schweigen zu bringen.

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Warum den Heuchlern Futter geben?

Innerhalb der letzten Woche ist mir aufgefallen, dass der eine oder andere (Blog, Kommentator) sich etwas missverständlich äußert, wenn es um antisemitische Übergriffe geht. Das problematische Phänomen lässt dazu neigen, könnte man meinen. Dumm aber, wenn die Schreiber selbst dafür sorgen, dass sie falsch interpretiert werden können, also denen, die ihnen übel wollen, die Munition besorgen.

„Nicht die Neonazis sind das Problem“, hatte ein „offizieller Jude“ (also: Vertreter eines jüdischen Vereins) gesagt. Daraus sind einige Stilblüten entstanden, die jetzt in einer Überschrift bei protect-israel.ch ihren Höhepunkt fanden: „Nicht die Nazis sind Schuld“ titelte Iceman am gestrigen Nikolaustag.

Unglücklicher kann man sich wohl kaum verformulieren. Wer den Text liest, merkt natürlich schon, wo der Autor steht und worum es geht: dass heutzutage der gelebte und manifestierte Antisemitismus in erster Linie von Jüngern des Propheten vom grünen Halbmond zu vermelden ist, weit mehr als von Neonazis. Das ist eine Tatsache und hat nichts mit Feindseligkeit gegenüber dem Islam zu tun. Was aus dieser Erkenntnis folgt, ist die zweite Frage.

Und hier setzen die „Kritker“ der islamkritischen Seiten und Autoren an. Sie haben selten den Nerv sich wirklich mit den Argumenten der Islamkritiker auseinanderzusetzen, sondern versuchen auf der emotionalen Schiene, auch und gerade mit unvollständigen Informationen, Stimmung zu machen. Eine Überschrift wie die bei protect-israel.ch spielt ihnen voll in die Hände.

Die Aussage, dass „die Nazis nicht Schuld“ sind, kann so eigentlich nicht stehen bleiben. Sie führt jeden Leser erst einmal in die Irre. Sie steht viel zu komplex im Netz, um eine vernünftige Aussage zu sein. Und selbst in Bezug auf das begrenzte Thema des heutigen Antisemitismus wäre sie in dieser Weise falsch. Denn die heutigen muslimischen Antisemiten haben bei den Nazis viel gelernt, ihren eigenen Judenhass „kultiviert“, ideologisch untermauert und bedienen sich der Bilder, Stereotypen und Methoden, die sie von den Nazis nicht nur in den 1930/40-er Jahren, sondern auch in den Jahrzehnten danach noch gelernt hatten (als Nazi-Ideologen in der arabischen Welt Zuflucht fanden und ihre Gastgeber mit allem versorgten, was die zu ideologisiertem Judenhass noch brauchten). Insofern sind die Nazis auch hier mit schuldig an dem, was sich beispielsweise auf Fußballplätzen abspielt.

Richtig ist, dass die (Neo-)Nazis hier nicht das Problem sind. Sie sind zum Glück eine Minderheit, die man in den Griff bekommen kann, wenn man sich des Problems ernsthaft annimmt. Das Problem sind die zunehmenden Zahlen judenfeindlicher Muslime, die diesem Judenhass zu jeder „passenden“ und unpassenden Gelegenheit freien Lauf lassen. Dieses Problem muss dargestellt, in den richtigen Rahmen gebracht und ihm gegengesteuert werden. Ohne falsche Rücksichtnahmen auf „kulturelle Hintergründe“ und Herunterspielen des Problems. Nennt das Problem beim Namen, aber bitte beim richtigen und ohne missverständliche Formulierungen.

Hierbei geht es nicht darum, auf Teufel komm raus zu vermeiden, was die Halal-Hippies und politisch korrekten Multikultis argumentativ ver- oder gar umdrehen könnten – das kann keiner vernünftig formulieren und es würde nicht gelesen. Es geht um so offensichtliche Fehlgriffe wie die oben angeführte Überschrift. Die Emotionalisierer entblößen ihr schräg-idiotisches Denken, wenn sie aus einer Aussage das Gegenteil ihres Inhaltes machen. Bei Munition wie „Nicht die Nazis sind Schuld“ brauchen sie nichts zu verdrehen, um ihr Schlachtfest erfolgreich zu gestalten.