Ein Treffen, ein Blogeintrag und die typischen Folgen

7. März 2010 um 13:47 | Veröffentlicht in Gesellschaftspolitik | 4 Kommentare
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Ilana Angel, die sich in der Regel mit Glamour und Promis beschäftigt, schrieb in ihrem Blog über ein zufälliges Treffen mit Sarah Palin. Sie ist politisch eine Gegnerin Palins. Aber sie stellte fest, dass Sarah Palin eine tolle Frau ist, ein prima Mensch. Nicht mehr und nicht weniger. Die Reaktionen auf diesen Eintrag sprechen für sich. Und wer da wie agiert, spricht Bände. Angel selbst reagiert recht souverän, wenn auch heftig:

Gestern schrieb ich einen Blogeintrag über ein Treffen mit Sarah Palin. Oh. Mein. Gott. Niemals zuvor hat es einen solchen Ausguss an Liebe und an Hass gegeben, sowohl für Sarah als auch für mich. Es hörte nicht auf und geht heute Morgen weiter.

Ich habe in meiner Zeit beim Jewish Journal eine Menge Leserkommentare erhalten, aber niemals habe ich so viel bekommen wie nach diesem Eintrag. Ich lade Sie ein, am Ende des gestrigen Artikels einen Blick auf einige dieser Kommentare zu werfen.

Stellen wir ein paar Dinge richtig: Ich bin Demokratin. Ich glaube an die Homoehe. Ich unterstütze weder Jagd noch Waffenbesitz. Ich werde für das Recht der Frau auf Abtreibung kämpfen. Ich bin Jüdin. Ich liebe Israel. Ich denke außerdem auch, dass Sarah Palin eine coole Dame ist.

Ich schrieb gestern keinen politischen Blogeintrag. Ich schrieb über eine zufällige Begegnung mit jemandem, die im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit steht, von der ich denke, dass sie interessant ist. Nur weil ich finde, dass ihre Politik Furcht einflößend ist, heißt das nicht, dass ich nicht finden kann, sie sei ein netter Mensch.

Konservative schrieben schnell und aufgebracht, um mich wissen zu lassen, dass sie den Mut meines Artikels respektieren, wenn man bedenkt, dass ich Sarah als Politikerin nicht unterstütze. Ich denke, es ist ein trauriger Tag für Amerika, wenn Menschen das Gefühl haben, sie müssten dich für Anständigkeit loben.

Linke schrieben, um mir zusagen, ich hätte mein Foto mit Hitler gemacht, verbrüdere mich mit dem Feind und sollte mich schämen. Sechs meiner „Freunde“ waren mit meinem Eintrag derart angewidert, dass sie mich auf Facebook „entfreundeten“.

Hört mal zu, Leute: Nur weil man sich mit einer Frau über Brillen, Handtaschen, Kinder und Partnersuche unterhält, heißt das nicht, dass man sich mit ihr zu einem Glass Kool-Aid zusammensetzt und alles aufgibt, an das man glaubt. Sarah Palin zu mögen ist keine Sünde. Sie als Politikerin zu beurteilen, statt als Menschen, ist es sehr wohl.

Ein „Demokrat mit Parteibuch“ schrieb, um mir zu sagen, ich würde zur Hölle fahren, mein jüdischer Sohn würde bald Jesus in sein Herz nehmen und dann seine schwangere Teenager-Freundin mit nach Hause bringen, wenn ich nur einen weiteren Augenblick auf das Gerede von Frau Palin hereinfiele. Diesem bezaubernden Schreiber sage ich: „Leck mich…“

Leute wurden übel, unfreundlich und – offen gesagt – unamerikanisch. Das war nur ein Blog-Eintrag! Ich habe weder die Partei gewechselt, noch einen Wolf aus einem Hubschrauber heraus erschossen oder mich entschieden Christ zu werden. Warum ist es für viele so schwer, zu welcher Religion oder politischen Partei gehört davon zu trennen, dass dieser jemand einfach ein Mensch ist?

Wir sind alle frei eine Meinung zu haben. Egal, was wir über Frau Palin denken oder wissen: Als jemand, die sie getroffen hat, aber gewiss nicht behauptet sie zu kennen, sage ich noch einmal, dass sie reizend ist; und niemand wird mich so drangsalieren, dass ich das anders sehe.

Ich hoffe, dass Sarah Palin niemals zur Präsidentin der Vereinigten Staaten gewählt wird. Ich hoffe, dass Sarah Palin weiß, dass sie in meinem Haus immer willkommen ist. Ich hoffe, dass Sarah Palin und ich eines Tages ein Bier zusammen trinken können, uns zusammensetzen und über unsere Kinder unterhalten und auf der Hochzeit ihrer Schwester tanzen.

All den Hassern: Ihr werdet in eurem Leben niemals Frieden finden, wenn es derart mit Hass gefüllt ist. Und noch etwas: Wenn Sarah zum Abendessen zu mir kommen sollte, werde ich ihr Kool-Aid anbieten! Vielleicht wird sie, wenn sie geht, nach Suppe mit Matze-Bällchen lechzen und die Bar Mitzvah ihres Sohnes planen!

Shabbat Shalom. Ich wünsche euch allen ein wunderbares Wochenende. Habt eure Kinder lieb, seit freundlich zu anderen und seht die Leute zuerst als Menschen. Ich hoffe, all eure Soldaten kommen bald, sicher und gesund nach Hause.

An Sarah Palin: Ich möchte noch einmal sagen, dass es ein Vergnügen war, Sie zu treffen. Egal, wie sagenhaft Ihre Prada-Stiefel sind, ich würde nie auch nur einen Tag in Ihren Schuhen verbringen und mit dem Hass klar kommen wollen, der gegen Sie geschleudert wird. Abgesehen davon haben Sie eine Menge Fans, die Sie unterstützen. Sie können stolz sein, da sie mir gegenüber freundlich waren und Sie von ihnen gut repräsentiert werden.

Ich mag für jetzt nicht weiter darüber reden und ich habe genug von Ausflügen in die Politik. Ich habe dieses Wochenende ein Date und vielleicht wird das das letzte erste Date meines Lebens sein. Ich bin nicht sicher, dass das möglich ist, aber ich glaube es könnte so sein und das ist schon die halbe Schlacht. Ich werde den Glauben immer behalten.

Es gibt miese Typen bei Linken, bei Konservativen, bei Liberalen und sonst überall. Es gibt anständige Menschen überall. Mir fällt leider auf, dass „links“ die Anständigen in der Minderheit sind. Zumindest hört und sieht man sie ziemlich selten. Und wenn man auf sie trifft, dann erfährt man, wie die Genossen mit ihnen umgehen – sie meiden, ausschließen, angreifen, zu Kollaborateuren erklären. Das konnte man schon bei Phyllis Chesler sehen, die auf einmal zum Bush-Fan, nicht mehr für Frauenrechte eintretend und Verräterin an der linken Sache erklärt wurde. Oder Alice Schwarzer (deren Meinungen und Ansichten ich nun überhaupt nicht teile), als sie sich gegen gewisse Praktiken des Islam, insbesondere des Hardcore-Islam aussprach und sich fragen lassen musste, ob sie nicht alle Prinzipien über Bord wirft, obwohl sie nur konsequent ihre Ansichten auch gegenüber muslimischen Haltungen vertrat. Man sieht es an anderen, die es wagen nicht alles und jeden zu verteufeln, der der linken Emotionalisierung gegen Andersdenkende nicht folgt.

„Links“ haben die Scharfmacher das Sagen. „Links“ werden Feindbilder aufgebaut. „Links“ wird nach dem Ausschließlichkeitsprinzip gedacht und gehandelt. Jedenfalls in der Mehrheit und in der Meinungsführerschaft. (Nicht, dass es das „rechts“ nicht auch gäbe. Aber es ist eine Minderheit, die das dort praktiziert.)

Das „Lustige“ daran: Diese Scharfmacher, die unbedingt die totale Führung und Herrschaft über die Meinungsbildung haben wollen, behaupten, dass z.B. Bush Amerika gespalten hätte. Gespalten haben die Linken, weil sei nicht nur ihrem Hass freien Lauf ließen, sondern auch die Totalität ihrer Ansichten auf eine Weise vertraten und bewarben, dass sie ihrer Anhängerschaft nur den Hass als legitime Reaktion übrig ließen. Diese Linken werfen anderen vor, sie würden eine Politik des „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ vertreten – während sie das nicht nur praktizieren, sondern auch jeden komplett vernichtet sehen wollen, von dem sie behaupten, er sei nicht auf ihrer Seite, ob das nun stimmt oder nicht. Und wir stehen wieder vor dem Phänomen, dass diese linke Toleranz nur so weit geht, wie man mit diesen Linken komplett übereinstimmt.

Das ist das Denken und Verhalten eines totalitären Unterdrückungssystems. Was diese Leute niemals zugeben werden. Sie werden behaupten die einzig wahren Demokraten und Freiheitler zu sein. Projektion ist alles. Das war (und ist) bei den Marxisten, Leninisten, Stalinisten, Faschisten und Nazis so. Und es findet sich auch beim Glauben der Leute mit der grünen Propheten-Fahne. Es passt zusammen, was sich gleichermaßen geriert. Nur, dass sich die Roten irgendwann wundern werden, wieso sie von den Grünen (nicht der Partei, die ist auch rot) unterjocht werden. Viel Spaß beim Aufwachen!

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