Deutsche Medien berichten über einen Raketenangriff aus dem Gazastreifen auf Tel Aviv

Die Terroristen im Gazastreifen haben am späten Abend des 14. März den Konflikt wieder einmal weiter eskaliert. Zwei Raketen wurden auf den Großraum Tel Aviv geschossen. Beide richteten zum Glück – ganz entgegen der Absichten der Terroristen – keinen Schaden an. Die deutsche Qualitätsjournaille berichtet. Drei Beispiele:

Ein Wunder bei der Süddeutsche Zeitung: Die Reihenfolge des Geschehens stimmt schon in der Schlagzeile und den Inhaltspunkten darunter!

Natürlich beschäftigt sich die SZ zuvörderst mit dem israelischen Gegenschlag  und weidet diesen aus, bevor es ein klein wenig (unvollständige) Info zum arabischen Terrorismus gibt. Zitat:

Die israelischen Streitkräfte bestätigten auf Twitter Angriffe auf mehrere „terroristische“ Ziele, machten zunächst aber keine näheren Angaben dazu.

Wie gehabt: Israelische Angaben werden durch die Wiedergabeart in der Zeitung in Zweifel gezogen, die Anführungszeichen signalisieren dem Leser: Pass auf, hier kommt was, das nicht stimmt. Im Gegensatz dazu werden arabische Angaben teilweise zwar als solche gekennzeichnet, aber nicht gewertet – womit sie als glaubhaft etikettiert sind.

Und dann muss das Ganze am Ende garniert werden. Zuerst mit Informationen aus 2014 sowie den „teilweise gewaltsamen Protesten an der Gaza-Grenze“ (Hervorhebung: heplev), die natürlich ausschließlich mit den Opferzahlen aus dem Gazastreifen versehen sind; und zusätzlich mit einem Verweis auf einen anderen Artikel: Frauen im Nahost-Konflikt. „Es gibt keine Träume in Gaza“.

Es kann ja nicht sein, dass Israel das Opfer ist, die Araber müssen Opfer sein, nicht Täter.

BILD agiert ähnlich: Die Schlagzeile ist grundsolide, faktisch, genauer als in der SZ.

Auch danach folgt viel ausführliche Information über den israelischen Gegenschlag (von den Terroristen übernommen), bevor ein Video aus Tel Aviv während des Raketenangriffs der Terroristen samt Abwehrfeuer folgt und dann ein paar sehr kurze erläuternde Zeilen dazu.

Den Vogel schießt einmal mehr die tagesschau ab. Auf ihrer Internetseite findet sich die politisch passende/gewollte Desinformations-Schlagzeile:

„Im Gazastreifen“ fliegen Raketen. Sonst nicht? Die Inhaltsbeschreibung gibt zwar die Reihenfolge richtig wieder (Angriff auf Tel Aviv, Reaktion Israels), aber auch dort finden sich die üblichen Vokabeln, die Israel als Täter und schlimmer als die Terroristen darstellen: „holte umgehend zum Vergeltungsschlag aus und flog Angriffe“. Die Juden können ja nichts anderes als Rache nehmen und überreagieren. Zum Beispiel dadurch, dass „mehrere Ziele“ im „Gazastrafen“ bombardiert wurden. Tel Aviv wurde nicht bombardiert. Und ob „Gazastrafen“ ein harmloser Tippfehler ist, darüber könnte mancher gerne spekulieren.

Natürlich darf auch bei der tagesschau nicht fehlen, dass die israelische Kategorisierung der Ziele im Gazastreifen in Anführungszeichen gesetzt wird, um sie in Zweifel zu ziehen. Dass es „mindestens 4 Explosionen“ gegeben hat, „davon eine besonders schwere in der Stadt Gaza“, gibt dem Ganzen auch wieder den Anstrich der Übertriebenheit der israelischen Reaktion. Was sind 4 Explosionen, eine davon besonders schwer, schon gegen zwei harmlose Raketen?

Und auch hier wieder die Garnierung mit einer Rechtfertigung für den Terror durch das Einklinken eines Links zu einer „Zusatzinformation“:

Die Opfer sind die Araber. Nicht die Israelis. Die Juden sind die Täter. Das wird dem Medienkonsumenten-Michel auch bei Eskalationen durch die Terroristen immer schön eingehämmert.

Deutscher Beamter rügt große linke Zeitung wegen naziartiger Karikatur

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Nachdem in der Süddeutsche Zeitung (SZ) einmal mehr eine antisemitische Karikatur veröffentlicht wurde, behandelten die meisten Medien die darauf folgende Entwicklung fälschlich als isolierten Fall. Diese „progressive“ linke Zeitung ist eine der meistgelesenen Zeitungen Deutschlands. Die SZ wird zusammen mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung und Die Welt als eine der drei landesweiten Qualitätszeitungen betrachtet.

Am 15. Mai veröffentlichte die SZ eine Karikatur des 85-jährigen Dieter Hanitzsch. Dieser stellte den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu als die israelische Eurovisionssiegerin Netta Barzilay dar; er feiert den Sieg mit einer Rakete in der Hand, auf der sich ein Davidstern befindet. Hanitzsch zeichnete den israelischen Führungspolitiker mit übergroßer Nase, Ohren und Lippen, klassische antisemitische Stereotype.

Es gab viele negative Reaktionen. Ein paar Tage später schrieb Ernst Krach, Chefredakteur der SZ, dass die Karikatur zu Diskussionen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Zeitung geführt habe. Er erklärte, der Karikaturist behauptet, er habe nur Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken wollen, dass der Eurovisionswettbewerb 2019 in Jerusalem stattfinden wird. Krach fügte hinzu, dass man die Zeichnung jedoch auch anders verstehen und als antisemitisch ansehen könne. Die SZ entschuldigte sich; sie sagte, es sei ein Fehler gewesen sie zu veröffentlichen.[1][2] Nach einer solchen Erklärung wäre die Auseinandersetzung normalerweise beendet gewesen.

Doch auch der gerade ernannte deutsche Antisemitismus-Beauftragte Felix Klein reagierte. Er erklärte, dass die „von der Karikatur Verbindungen mit den nicht zu tolerierenden Zeichnungen der nationalsozialistischen Propaganda schuf. Selbst wenn Karikaturen satirisch und provokativ sind, hat dies eine rote Linie überschritten.“[3] Inzwischen hat der deutsche Presserat eine Ermittlung zur Karikatur in Gang gesetzt.[4]

Kleins Äußerung bedeutete, dass ein Regierungsvertreter die Mainstream-Zeitung SZ der Veröffentlichung von naziartigem Material beschuldigt. Die Zeitung trennte sich dann von Hanitzsch, der seit Jahrzehnten für sie arbeitete.[5] Der Karikaturist hatte in der Vergangenheit das Bundesverdienstkreuz erhalten.[6] Hanitzsch reagierte mit einer langatmigen Erklärung, weshalb seine Karikatur nicht antisemitisch sei. Er erwähnte auch, dass er Reaktionen erhielt, die besagten, dass seine Karikatur durchaus in die extremen Publikationen des Nazis Julius Streicher passten,[7] der bei den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt und gehenkt wurde.[8] Es bleibt Psychologen vorbehalten zu bewerten, wie sehr der Karikaturist von den Gedanken der Nazizeit beeinflusst wurde, die er im Schüleralter erlebte.

Die Bilanz des Schürens von antiisraelischem Hass durch die SZ ist weit wichtiger als dieser Einzelfall. Fakt ist, dass die Hetze der Zeitung eine lange Geschichte hat.[9] 2013 veröffentlichte die SZ eine Karikatur von Ernst Kahl mit einem Monster mit zwei Hörnern, das gerade essen wollte.[10] Die begleitende Bildbeschreibung lautete: „Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt.“

2014 erschien noch eine weitere antisemitische Karikatur in der SZ.[11] Burkhard Mohr zeichnete den jüdischen Facebook-Unternehmer Mark Zuckerberg als Kraken, der seine Tentakel ausstreckt, um die sozialen Medien zu kontrollieren. Der Karikaturist stellte Zuckerberg mit langer Nase und dicken Lippen dar, einmal mehr typische antisemitische Stereotype. Das Simon Wiesenthal Center reagierte mit der Erklärung, dass die Karikatur beweise, dass der Künstler antisemitisch ist.[12] Der Karikaturist bestritt, dass seine Zeichnung antisemitisch war und entschuldigte sich.

Der belgische Forscher Joel Kotek, führender Experte zu antisemitischen Karikaturen, hat beobachtet, dass arabische Karikaturisten Juden oft als bösartige Kreaturen wie Spinnen, Vampire oder Kraken darstellen. Er fügte hinzu, dass arabische Hassmotive manchmal in die westliche Gesellschaft sickern.[13]

All dies verblasst allerdings vor einem extrem abscheulichen, antiisraelischen Hassgedicht, das die SZ 2012 veröffentlichte. In diesem Gedicht behauptete der deutsche Literaturnobelpreisträger Günter Grass, dass Israel es darauf anlegt mit Atombomben Völkermord am iranischen Volk zu begehen. Der linke Dichter, der als junger Mann Mitglied der Waffen-SS war,[14] muss – genauso wie die SZ-Redakteure – gewusst haben, dass die Führer des Iran Israel mit Völkermord gedroht haben. Dennoch suggeriert er das Umgekehrte.

Das Gedicht wurde zum Symbol einer großen europäischen, progressiv antiisraelischen Perversität. Weitere fünf europäische linke Mainstream-Zeitungen veröffentlichten ebenfalls: die italienische La Repubblica,[15], der britische Guardian,[16], die spanische El-Pais,[17] die dänische Politiken[18] und die norwegischen Aftenposten.[19]

Rechter Antisemitismus wird in den deutschen Medien seit vielen Jahren aufgedeckt. Seit Dezember 2017, nach der Verbrennung einer selbstgemachten israelischen Flagge in Berlin durch deutsche Muslime, wird auch muslimischer Antisemitismus von führenden deutschen Politikern verurteilt.

In diesem Fall trat allerdings eine seltene Reaktion auf. Ein Beispiel des weit verbreiteten, progressiven Antisemitismus im deutschen Mainstream wurde von einem Regierungsvertreter verurteilt. Das ist umso wichtiger, als die SZ ein Standartenträger des Linksliberalismus in Deutschland ist.

Man sollte hoffen, dass der Tadel des Beauftragten gegen die SZ der Anfang einer weit systematischeren Offenlegung linksliberalen antiisraelischen Hassschürens ist. Es hat mehrere andere Zeitungen gegeben, die in diesem Bereich mit der SZ konkurrieren. 2012 führte das Simon Wiesenthal Center den Journalisten Jakob Augstein als einen der zehn führenden Antisemitismus Verübenden des Jahres weltweit.[20]

Die Annahme, dass Deutschland sich des Antisemitismus in weniger als 75 Jahren nach der Verübung eines Völkermords von solcher Bedeutung entledigen könne, ist eine Illusion. Die Auswirkungen manifestieren sich auf vielerlei Weise und in vielen Sektoren der deutschen Gesellschaft, einschließlich des linksliberalen Segments.

[1] http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/31630

[2] http://www.haaretz.com/israel-news/german-newspaper-apologizes-for-cartoon-using-anti-semitic-stereotypes-1.6094472

[3] http://www.welt.de/politik/deutschland/article176437583/Geschmacklose-Zeichnung-Antisemitismusbeauftragter-kritisiert-Sueddeutsche-Zeitung-scharf.html

[4] https://in.reuters.com/article/germany-antisemitism-cartoon/update-1-german-newspaper-drops-cartoonist-after-netanyahu-drawing-idINL5N1SP5WN

[5] meedia.de/2018/05/18/nach-streit-um-karikatur-sueddeutsche-zeitung-trennt-sich-von-zeichner-dieter-hanitzsch/
http://www.jta.org/2018/05/16/news-opinion/top-german-newspaper-apologizes-cartoon-using-anti-semitic-stereotypes

[6] http://www.jpost.com/Diaspora/Antisemitism-czar-slams-German-cartoon-as-Nazi-propaganda-556693

[7] http://www.haz.de/Nachrichten/Medien/Uebersicht/SZ-wirft-Karikaturisten-raus

[8] http://www.sueddeutsche.de/kolumne/in-eigener-sache-stereotype-und-klischees-1.3986184

[9] http://www.jpost.com/Diaspora/Antisemitism-czar-slams-German-cartoon-as-Nazi-propaganda-556693

[10] http://www.zeit.de/kultur/2013-07/sueddeutsche-zeitung-israel-karikatur

[11] http://www.jpost.com/printarticle.aspx?id=342412

[12] www.timesofisrael.com/cartoon-of-zuckerberg-called-anti-semitic/

[13] www.jcpa.org/article/major-anti-semitic-motifs-in-arab-cartoons/

[14] http://www.spiegel.de/international/nobel-prize-author-guenter-grass-i-was-a-member-of-the-ss-a-431353.html

[15] Günter Grass: Quello che deve essere detto. In La Repubblica, 4. April 2012; Ugo Volli: Poesia dedicata a Günter Grass; Andrea Tarquini: Una poesia contro Israele. L’ultima provoczione die Grass Le sue atomiche una minaccia; Adriano Prosperi: Se la storia viene capovolta in un brusio di responsabilità. In: Informazione Coretta, 4. April 2012.

[16] Günter Grass, “What Must Be Said,” The Guardian, April 5, 2012.

[17] Günter Grass, “Lo que hay que decir,” El País, April 4, 2012.

[18] Dokumentation: Læs Günter Grass’ digt. Politiken, 7. April 2012.

[19] Günter Grass: Det som må sies. Aftenposten, 8. April 2012

[20] http://www.wiesenthal.com/atf/cf/%7B54d385e6-f1b9-4e9f-8e94-890c3e6dd277%7D/TT_2012_3.PDF

Ein Bild lügt mehr als tausend Worte

Die deutsche Berichterstattung über Israel, den Nahen Osten und die Juden, am Beispiel der Süddeutschen Zeitung.

Von Heinz Schneier (Mai 2002)

(…) Mit über 450.000 verkauften Exemplaren wochentags und über 500.000 an Wochenenden ist die SZ eine der führenden deutschen Tageszeitungen, sie repräsentiert weitgehend den Mainstream der deutschen Publizistik. Auch die anderen deutschen Tageszeitungen – von Extrembeispielen abgesehen – erachten sich trotz weltanschaulicher Differenzen als weitgehend fortschrittlich und liberal und es werden diese Zeitungen es ebenso entschieden von sich weisen, wenn man ihnen Antisemitismus vorwirft, wie man dies auch von deutschen Politikern und Literaten gewohnt ist. (…)

Die inhaltliche Bewertung der Artikel am Beispiel der SZ hingegen ergibt, dass wohl bei der Darstellung von Juden und jüdischen Themen der Tatsache Rechnung getragen wird, dass der Antisemitismus offiziell als anrüchig und der Holocaust als verdammenswert gilt, die Nahostberichte und Kommentare aber einen eindeutig antisemitischen Charakter haben.

Diese Fixierung beschränkt sich nicht nur auf Printmedien: Laut dem Forschungsbericht vom 15.05.2002 der internationalen Fernsehagentur Medien Tenor beziehen sich in Deutschland (international überdurchschnittliche) 61% der internationalen Konfliktberichte im Fernsehen auf den Nahostkonflikt, davon haben 81% Israel als Hauptthema. Gemäß der Untersuchung „Media Perception of Israel in international TV-news programmes“ desselben Instituts, waren vom 01.10.01 – 31.03.02 von den in diesem Halbjahr in Deutschland ausgestrahlten Berichten über Israel 45,2% als negativ, 49,5% als neutral und nur 5,3% als für Israel positiv zu bewerten.

Wie ist tatsächlich diese Obsession mit einem Ländchen zu erklären, mit weniger als einem Drittel der Fläche Bayerns, in mehreren tausend Kilometern Entfernung, das auch im Nahen Osten nur 0,2% der Fläche belegt und nur etwa 3% der Bevölkerung der Region hat? Und wie zu den Juden, einem Völkchen von weltweit nicht mehr als 14 Millionen Menschen? Wieso drängen sich in diesem winzigen Israel mehr ausländische Korrespondenten (und mehr christliche Missionare) als auf dem gesamten afrikanischen Kontinent? Wieso beschäftigt die Europäer der Nahostkonflikt mehr als die Kriege in Europa, oder die mit weitaus mehr Menschenopfern verbundenen Konflikte in Kaschmir, Tschetschenien, Ruanda oder am Kongo und warum beschäftigen sich in Deutschland die Nachkommen der Sudetendeutschen, Schlesier oder der Ostpreußen mehr mit dem Schicksal der palästinensischen Flüchtlinge als mit dem eigenen, wo doch in beiden Fällen der Zeitpunkt der Flucht derselbe war? Zweifellos, für das Christentum – und zunehmend auch für die islamische Welt – ist das Judentum weder eine Religion, noch eine Nation, sondern eine paranoide Manie. (…)


Beispiel 1:

So personalisiert in unserer exemplarischen Darstellung der SZ vom 11.09.01 Heiko Flottau die Klischees der Not der Araber am Beispiel zweier Familien in der Altstadt von Hebron, sie werden von jüdischen Siedlern drangsaliert, die „sie vertreiben wollen“, sie und ihre Häuser werden von den „Siedlern“ mit Steinen beworfen, der Familienvater von fünf Kindern war früher Gastarbeiter bei den Israelis und leide nun bittere Not. Um die 480 jüdischen Siedler zu schützen, habe die Arme viele Soldaten um sie herum postiert und über die Araber der Altstadt eine Ausgangssperre verhängt, wodurch sie sich nicht einmal mit Lebensmittel versorgen könnten und hungerten.

Genannt werden aber nicht nur fiktive Persönlichkeiten, sondern auch Lars Tore Kieland, der norwegische Sprecher der Internationalen Beobachtergruppe, die das Hebronabkommen zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) zu beobachten hat. Dieser Herr Kieland habe sich bitter über die „Siedler“ beschwert, die ihn anspuckten und mit Steinen bewarfen.

Die Siedler seien erst nach der arabischen Niederlage von 1967 gekommen, weil sie behaupteten, dies sei altes jüdisches Gebiet. Die Juden wären 1929 aus Hebron geflüchtet, nachdem Araber 67 Juden umgebracht haben. Dabei verschwiegen sie, dass arabische Nachbarn etwa 2/3 der Juden versteckten, so dass nicht einmal alle ermordet wurden. Auch waren Juden eine kleine Minderheit und die Araber mussten sich vor der jüdischen Landnahme wehren, so dass ihnen keine andere Wahl bliebe, als die Juden zu erschlagen. Und da die SZ ihre Informationspflicht gegenüber ihren Leser ernst nimmt, unterlässt sie es auch nicht, sie aufzuklären, warum die „jüdischen Siedler“ nach 1967 nach Hebron zurückgekommen sind: Um sich zu rächen!. Deswegen habe auch ein Herr Baruch Goldstein im Februar 1994 „in der Moschee 29 Araber ermordet“, wonach er von den „betenden Muslimen getötet“ wurde.

Bei einer solchen Berichterstattung und dem ständig vorwurfsvollen Hervorheben, in Hebron lebten weniger als 500 Juden unter etwa 120.000 Arabern, deren Schutz nur durch massive Armeepräsenz gewährleistet werde, ist es nicht verwunderlich, dass der durchschnittliche deutsche Leser die Anwesenheit einer jüdischen Minderheit unter einer arabischen Mehrheit als etwas frevelhaftes empfindet. Folgerichtig nimmt er es dann auch nicht wahr, dass die in Israel lebenden Araber selbstverständlich nicht befürchten müssen, dass ihnen auch nur ein Haar gekrümmt werde, während das Leben eines jeden Juden in Gebieten mit islamischer Mehrheit nur durch massive Militärpräsenz gewährleistet werden kann.

Charakteristisch im Sinne der SZ Berichterstattung ist, dass anhand fiktiver Beispiele dargestellt wird, wie 20.000 Araber in der Innenstadt Hebrons aufgrund der Anwesenheit von den weniger als 500 Juden angeblich drangsaliert werden, aber unerwähnt bleibt, dass in den vorangegangenen 11 Monaten seit Beginn der zweiten Intifada, die Juden Hebrons ständig von arabischen Heckenschützen beschossen wurden. So wurden beispielsweise im Verlauf des Monats vor der Veröffentlichung des Artikels ein 11 Jähriger schwer und sein 21 jähriger Bruder leicht verletzt, als sie vor ihrem Wohnhaus standen. Nur die Ermordung der 10 Monate alten Shalhevet Pass in den Armen ihres Vaters im März 2001, lenkte die internationale Aufmerksamkeit auf die Realität des jüdischen Lebens in Hebron.

Auch die Darstellung der Auseinandersetzung mit der TIPH – der Temporary International Presence in Hebron – also der Internationalen Beobachterkommission für Hebron, ist gelinde gesagt unvollständig: Diese Kommission wurde 1994, unmittelbar nach dem Anschlag Baruch Goldsteins unter der Regierung Rabin gegründet, deren Aufgaben wurden danach im Jahre 1997 in einer Übereinkunft zwischen Israel und der PA bestätigt. Danach war es die Aufgabe der TIPH, Auseinandersetzungen zwischen den Parteien zu überprüfen und möglichst vorbeugend zu schlichten. Die 85 Mitglieder kamen aus Ländern, die beide Seiten als neutral akzeptierten, u.zw. Dänemark, Schweden, Norwegen, die Schweiz, Italien und die Türkei. Die vielversprechende Initiative erwies sich aber bald als unergiebig, denn die Araber bezeichneten die Kommission als ineffektiv, während die Juden ihr Parteilichkeit zugunsten der Palästinenser vorwarfen (worin wohl ausnahmsweise beide Seiten Recht behielten). Im Spätherbst 2000 eskalierten die Auseinandersetzungen zwischen der TIPH und den Juden in Hebron, die die Kommissionsmitglieder beschuldigten, der arabischen Seite Informationen über israelische Truppenbewegungen zugetragen zu haben, TIPH Mitglieder und deren Fahrzeuge wurden danach von jüdischen Kindern wiederholt mit Steinen beworfen und bespuckt.

Auch wenn dieses Verhalten verwerflich war, so haben Kommissionsangehörige danach durch eigene Erklärungen die jüdischen Vorwürfe in einer Weise bestätigt, wie sie ansonsten durch Dritte kaum beweisbar gewesen wären: In Schreiben der TIPH Mitglieder an die Außenministerien ihrer Länder erklärten Sie (unzutreffend), Ziel ihrer Mission sei es gewesen, ausschließlich die H2 Zone – also die unter israelischer Kontrolle stehende Zone in der Innenstadt von Hebron – zu überwachen und da ihnen dies unmöglich gemacht werde, „sei ihre Mission sinnlos geworden“.

Ferner erklärte Frau Saida Keller, die Schweizer Sprecherin der TIPH, in einem Interview mit der Washington Post, es sei das „Mandat der Organisation gewesen, der palästinensischen Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln und dies ist nun unmöglich geworden“. Der im SZ Artikel genannte Lars Tore Kieland (der in Wirklichkeit Kjerland heißt) bestätigte auf Anfragen von Journalisten, die Fahrzeuge der Kommission wären sporadisch auch von Arabern mit Steinen beworfen worden, aber „dies haben wir bei weitem nicht so ernst genommen, denn schließlich sei das für sie (die Araber) schon so etwas wie ein Volkssport geworden“.

Da die Juden ausschließlich von der H1 Zone aus beschossen wurden (den Teil Hebrons, der unter der Verwaltung der PA steht) – für die sich die TIPH mandatswidrig als unzuständig erachtete – und sie sich zugegebenermaßen nur als Interessenvertretung einer Seite empfand, führte sie den Israelis erneut vor, was sie von internationalen Beobachtergruppen zu erwarten haben.

Auch historisch ist die Darstellung im Zusammenhang mit der Ermordung eines Drittels der jüdischen Gemeindemitglieder im Jahre 1929 unzutreffend: Zu diesem Zeitpunkt hatte Hebron etwa 20.000 Einwohner, darunter etwa 200 Juden und 120 Samaritaner, deren Gemeinden und Synagogen kontinuierlich schon seit biblischen Zeiten in Hebron bestanden, auch lange bevor es in dieser Stadt Araber gab.

Beispiel 2:

Es ist offensichtlich, dass die SZ von ihren Korrespondenten eher einen stilistischen Aufbau erwartet, wie er in journalistischen Seminaren gelehrt wird, als historisch korrekte Darstellungen, mit Folgen, die sich etwa in angelsächsischen Ländern bestenfalls Boulevardzeitungen leisten dürften und die von grob fahrlässig falschen Darstellungen bis hin zu volksherhetzenden Geschichtsklitterungen reichen.

Eine dieser – im wahrsten Sinne des Wortes augenscheinlichsten – Peinlichkeiten unterlief der SZ in der Wochenendausgabe vom 16./17.12.2000. In Heiko Flottaus Bericht „Scheitern im Schatten britischer Kanonen“ berichtet er über ein „exotisch aussehendes Paar“, das bei den Versailler Friedensverhandlungen von 1919 auftrat: den Emir Feisal, Sohn des Scheriffen von Mekka und Chaim Weizmann, Präsident des Zionistischen Weltkongresses und später erster Präsident Israels. Dreispaltig wurden die beiden abgebildet: Chaim Weizmann und der spätere König Feisal von Saudi-Arabien.

Dabei handelte es sich bei dem Feisal, mit dem Weizmann verhandelte und dem späteren König von Saudi-Arabien um zwei verschiedene Personen: der erstere gehörte zum Clan der Haschemiten, dessen Beduinentruppen mit den Engländern im Ersten Weltkrieg gegen die Osmanen kämpften. Aus Dank wurde er später als König des neuen britischen Mandatgebiets Irak eingesetzt. Erst in den Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts begann der Reichsgründer Abdul Azziz ibn Saud die Eroberung des Hedschas und als sein Sohn Feisal im Jahre 1962 dritter König Saudi-Arabiens wurde, da war Chaim Weizmann bereits tot. Die beiden genannten Feisals gehörten daher auch unterschiedlichen Clans an, die bis 1958 Todfeinde waren.

Auch in diesem Artikel verabsäumte Heiko Flottau nicht auf die Ermordung der 67 Juden in Hebron im Jahre 1929 hinzuweisen, die er damit rechtfertigt, „weil sie (die Juden) die wirtschaftliche Existenz der palästinensischen Bewohner gefährdet hatten“.

Eine aktuellere Geschichtsklitterung leistete sich die SZ im Artikel vom 20.07.02 „Der kurze Triumph eines Volkshelden“, ebenfalls von Heiko Flottau: Demzufolge hat „am 23.07.1952 eine Gruppe von „freien Offizieren“ unter ihren damals 34-jährigen Anführer (Gamal Abdel) Nasser die marode ägyptische Königsmonarchie“ gestürzt. In Wirklichkeit wurden damals die „Jungen Offiziere“ von Mohammed Naguib geleitet, der nicht die Monarchie stürzte, sondern König Faruk zur Abdankung zwang und dessen Sohn Fuad als König einsetzte. Ein Jahr danach setzte Naguib König Fuad ab, rief die Republik aus und wurde ihr erster Präsident. Im Jahre 1954 entmachteten die „Jungen Offiziere“ im Rahmen eines internen Putsches Naguib und Nasser wurde der zweite Präsident Ägyptens.

Erfahren dürfen wir in diesem Artikel auch die wahren Ursachen des Suez-Krieges von 1956: Nicht die Verstaatlichung des Suez Kanals und die Militäraktion Frankreichs und Großbritanniens zur dessen Wiederbesetzung – der sich Israel anschloss – waren die Ursachen für den Krieg, (der israelische Verteidigungsminister Mosche) „Dayan wollte den Krieg“. Auch der Sechstagekrieg von 1967 war ein Krieg den „niemand wollte“ außer eben Mosche Dayan und er entstand dadurch, dass Dayan gezielt die Syrer provozierte, so dass Nasser „unter arabischen Druck die Vereinten Nationen bat, die Beobachter aus Ägypten abzuziehen“, auch sei die Verriegelung der Straße von Tiran – und damit die Blockade des Meereszugangs Israels nach Afrika und Fernost – für Israel nicht lebensbedrohend gewesen, da die Mittelmeerhäfen ja offen standen. Dabei können heutzutage Zeitungsartikel und Wochenschauen aus arabischen Ländern noch ohne erheblichen Aufwand eingesehen werden, in denen Nasser fanatisierten arabischen Massen aufruft, Israel auszulöschen und auch der hysterische „Tötet, tötet, tötet“ Radioaufruf des damaligen Königs Hussein von Jordanien, in dem er auch arabische Zivilisten aufforderte, Juden „auch nur mit Messern“ zu ermorden ist in die Geschichte eingegangen.

Herr Flottau beruft sich bei seinen revolutionären Geschichtserkenntnissen auf Avi Shlaim, einen der jüdischen „New Historians“, die eine neue Form des jüdischen Selbsthasses pflegen und arabische Presseorgane und sonstige antisemitische Publikationen mit revisionistischen Geschichtsversionen beliefern.

Weitergehende markante Ereignisse der Ära Nasser, insbesondere die Gründung der jeweils nach kurzer Zeit gescheiterten „Vereinigten Arabischen Republiken“ zwischen Ägypten und Syrien, beziehungsweise Ägypten und dem damaligen Nordjemen – ebenso wie die abenteuerlichen militärischen Eskapaden Nassers und den damit verbundenen Einsatz von Giftgasmunition im Nordjemen – werden nicht erwähnt, obwohl man bei der Kreativität des Herrn Flottau auch da hätte erwarten dürfen, dass Israel daran Schuld gewesen wäre.

Antisemitische Tendenz der Nahostberichterstattung deutscher Tageszeitungen nun wissenschaftlich belegt

Dass man über die Nahostberichterstattung der SZ – und die anderer führender deutscher Tageszeitungen – behaupten kann, sie „reproduzierten, so wie sie im Mediendiskurs gedeutet und bewertet werden, einen in Deutschland vorhandenen Antisemitismus und verfestigten ihn“, ist nun aufgrund einer Studie des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung der Universität Duisburg ermöglicht worden, die im Auftrag des Berliner Büros des American Jewish Committee eine wissenschaftliche Untersuchung der Berichterstattung in deutschen Printmedien über die Zweite Intifada durchführte, über die im Juni 2002 eine 32-seitige Zusammenfassung (wovon allein 3 ½ Seiten den Literaturhinweisen vorbehalten blieb) veröffentlicht wurde.

Das Institut überprüfte für die Zeit vom 28.09.2000 (dem Beginn der „zweiten Intifada“) bis zum 08.08.2001 sechs Tageszeitungen die der politischen Mitte zuzurechnen sind (die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Frankfurter Rundschau, die SZ, der Tagesspiegel, die Tageszeitung und Die Welt) und eine Wochenzeitschrift (Der Spiegel). Die Untersuchung konzentriert sich auf alle publizierten Texte zu vier Ereignissen, nämlich der s.g. Tempelberg Besuch Ariel Scharons am 28.09.00, den Tod des palästinensischen Jungen Mohammed al-Dura am 30.09.2000, die Lynchmorde an zwei israelische Soldaten in Ramallah am 12.10.00 und das Selbstmord Attentat vor einer Diskothek in Tel-Aviv am 01.06.01.

Darin gelangt die Studie zur Erkenntnis, dass die Nahostberichterstattung deutscher Printmedien von der Warte einer „rassistischen und ethnozentristischen Perspektive“ und einer „paternalistischen Überheblichkeit“ geführt wird. „Die Dargestellten werden aus einer vermeintlich unangreifbaren Position von Fortschrittlichkeit ….dargestellt“. Beide Parteien erführen „durch den Printmedien-Diskurs vornehmlich massive Negativzuschreibungen, jedoch mit unterschiedlichen Akzentsetzungen“, die „Kritik an beiden Seiten heißt jedoch nicht Ausgewogenheit“ sondern verlaufe eindeutig zu Lasten Israels.

Auch das Bild von den Palästinensern sei oft von „Antiislamischen Zuschreibungen“ geprägt, diese bieten „Anschlusspunkte dafür, die Gewalt als direkt vom Islam hervorgebracht zu interpretieren“. Demgegenüber sei die Israeldarstellung von „Antisemitischen Diskurselementen“ geprägt, „die in Deutschland offiziell tabuisiert sind“. Insbesondere bei der Beschreibung Ariels Scharons werden Bezeichnungen genutzt, die „Assoziationen zu bekannten antisemitischen Karikaturen“ hervorrufen. Insgesamt wird hervorgehoben:

– Scharons s.g. „Tempelbergbesuch“ wird einhellig als Auslöser der „zweiten Intifada“ bezeichnet, „dass dies Teil einer Strategie Arafats gewesen sein könnte, wird nicht angesprochen“.

– „jüdische Siedler“, Ariel Scharon und die israelische Armee werden durchgehend negativ dargestellt, wie auch stets mit abwertenden Eigenschaftswörtern bezeichnet: „radikale“, „militante“, „extremistische“ und „fanatische jüdische Siedler“, „Bulldozer“, „skrupelloser Machttaktiker“, „unnachgiebig“, „alter Haudegen“, „Schlächter“, „Krieger“, „gurrender Falke“, „Bulle“, „Kriegstreiber“, „oberster Brandstifter Israels“ und ähnliche Bezeichnungen für Scharon, über dem auch berichtet wird, Demonstranten hätten ihn „lauthals mit Hitler“ verglichen, ferner wird behauptet, er sei für die Massaker in Sabra und Schatilla verantwortlich. Israelische Soldaten und die israelischen Armee werden als „hart“, „erbarmungslos zurückschießende Soldaten“, „Besatzungstruppe“, „Kolonisten“ beschrieben, denen „exzessive Gewaltanwendung“, „brutale Besatzung“, „brutale Massaker am palästinensischen Volk“ zugeschrieben werden, auch werden bewusst religiöse Assoziationen hervorgerufen wie etwa „ein Trupp Soldaten stürmt wie eine Kohorte römischer Legionäre die Via Dolorosa“.

– Ereignisse wie der Tod des palästinensischen Jungen Mohammed-al-Dura werden unisono und ungeprüft der israelischen Seite angelastet, es wurde in diesem Zusammenhang auf die Zahl getöteter palästinensischer Minderjähriger hingewiesen, wobei die Schuld allein dem „brutalen Vorgehen der israelischen Armee“ zugeschrieben wurde. Hinweise auf ermordete jüdische Kinder werden relativiert wie „auf beiden Seiten immer mehr Kinder sterben, noch im Tod werden sie für die politische Propaganda missbraucht“.

– Der Lynchmord an zwei israelischen Soldaten in Ramallah am 12.10.2000 wurde als Reaktion der „aufgebrachten palästinensischen Menge“, auf „Scharons Provokation“ (den Besuch auf dem Tempelberg) und dem Tod Mohammed-al-Duras relativiert, die Berichterstattung wurde mit den „Vergeltungsmaßnahmen“ – also der Bombardierung der zwischenzeitlich geräumten Polizeistation in Ramallah durch die israelische Luftwaffe – gekoppelt. Die Lynchmorde werden in Chroniken eingeordnet durch die eine Eskalationslogik medial deutlich gemacht wird. „Die teilweise sehr drastische Visualisierung der Ereignisse trug ebenfalls mit dazu bei, die Eskalation des Konfliktes zu unterstreichen: Fotos von Steine werfenden …. Palästinensern stehen Bilder von israelischen Panzern und Kampfhubschraubern gegenüber, mit denen gleichzeitig die israelische Dominanz hervorgehoben wird“.

– Zur Kritik an Israel werden öfter israelische und palästinensische Kritiker/innen hinzugezogen, „eine Kritik von Palästinensern an der palästinensischen Politik ist dagegen nicht oder äußerst selten aufzufinden“. Israel wird öfter zugestanden ein demokratischer Staat zu sein, in dem auch kontroverse Meinungen vorherrschen, dabei werden aber nur Ansichten von Israelis zitiert, die im Widerspruch zur offiziellen Regierungspolitik stehen.

– Die Diskurselemente im Zusammenhang mit Israel sind eindeutig durch Begriffe des traditionellen europäischen Antisemitismus und des christlichen Antijudaismus geprägt, „insbesondere die Tatsache, dass die produzierten Texte mit ihren negativen Zuschreibungen immer Anschluss an deutsche historische und aktuelle Diskurse findet, ist zu berücksichtigen. Insofern sind solche Texte oftmals dazu geeignet, in deutschen Diskursen vorhandene antisemitische und rassistische Vorurteile zu reproduzieren oder auch erst herzustellen“.

Die Nahostberichterstattung der SZ im Vergleich zur Duisburger Medienanalyse

Ein Vergleich der veröffentlichten Kurzfassung dieser Medienanalyse mit der Nahostberichterstattung der SZ ergibt, dass die SZ dabei eher glimpflich davonkommt:

1) Während die SZ ebenfalls mit Fotos zum Nahostkonflikt aufwartet, wonach fast ausschließlich schwerbewaffnete israelische Soldaten unbewaffneten palästinensischen Zivilisten gegenüberstehen – ganz zu schweigen von den Fotos, die einzelne palästinensische Kinder zeigen, die Panzer mit Steine bewerfen (wohl wissend, dass sie dadurch keine Risiken eingehen) – werden die Karikaturen mit Stürmer Charakter, die in der SZ erschienen sind, im Bericht nicht erwähnt. Hervorzuheben wäre dabei z.B. die zwischenzeitlich berüchtigt gewordene Karikatur E.M. Langs vom 02.05.02, in dem Scharon vor einem Leichenberg, der von einem Bagger weggekarrt wird, die Mitglieder einer UN Beobachtermission zurückdrängt. Eine ähnliche Karikatur vom 16.05.02, zeigt zum Beispiel Scharon auf einem Brett, unter dem wohl ein Palästinenser dargestellt sein soll.

Generell sind in der deutschen Presse und insbesondere in der SZ – im Gegensatz etwa zu Tageszeitungen aus angelsächsischen Ländern – nur verunglimpfende Karikaturen über Israelis, aber keine über Palästinenser, islamische Terroristen oder korrupte arabische Politiker vorzufinden.

2) Die im Bericht zitierte Praxis jüdischen und israelischen Kommentatoren Raum zur Kritik an Israel einzuräumen wird von der SZ exzessiv genutzt, es werden dabei Autoren publiziert, die in Israel vollkommen unbekannt sind, wie etwa Cordelia Edvardson und auch von den renommierteren Autoren, wie etwa Moshe Zimmermann, kann behauptet werden, dass sie in Deutschland weitaus bekannter und häufiger publiziert werden, als in Israel.

Während Scharon von fast 2/3 der Wähler Israels zum Ministerpräsidenten gewählt wurde und er aufgrund repräsentativer Umfragen weiterhin als ebenso populär gilt, werden in der SZ ausschließlich jüdische und israelische Kommentatoren veröffentlicht, die die Regierung Scharon und ihre Politik diffamieren oder ihr zumindest höchst kritisch gegenüberstehen – womit dokumentiert wird, dass es der SZ nicht auf einer wahrheitsgetreuen Darstellung der Stimmung am Ort des Geschehens ankommt, sondern dass sie sich Methoden bedient, die bei antisemitischen Publikationen seit mehr als einem Jahrhundert nachweisbar sind, nämlich dem Zitieren – oft eigens dafür bezahlter – jüdischer „Zeugen“.

Unerwähnt blieb im Duisburger Bericht (in der veröffentlichten Kurzfassung) die Bedeutung der Leserbriefe, denen in der SZ eindeutig dieselbe Rolle zugedacht wird, wie den israelikritischen Artikeln jüdischer Autoren: Auch hier gibt die SZ vor, Ansichten Dritter vorzutragen, die nicht die Meinung der Redaktion wiederspiegeln, veröffentlicht aber so gut wie ausschließlich Leserbriefe, die Israel verunglimpfen – mit dem Unterschied, dass hier auf stilistische Feinheiten keine Rücksichten genommen werden müssen, da man sich mit den Ausfällen Dritter nicht identifizieren müsse.

Selbstverständlich soll hier nicht behauptet werden, dass diese unter dem Deckmantel der legitimen Israelkritik veröffentlichten Meinungen nicht tatsächliche Leserbriefe darstellten oder gar bestellt wären. Schließlich werden heute deutsche jüdische Gemeinden mit Briefen überhäuft, in denen es von unflätigen antisemitischen Pöbeleien nur so wimmelt und auch die Öffentlichkeitsabteilung der Israelischen Botschaft erhält an manchen Tagen bis zu 300 solcher Schreiben, Telefaxe und E-Mails, also bei weitem mehr, als die diplomatischen Vertretungen irgendeiner der in Deutschland akkreditierten Großmächte. Aber es gilt sowohl in Kreisen der jüdischen Gemeinde in München, wie auch in denen der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und der christlichen Freundeskreise Israels in Bayern, dass es absolut sinnlos sei, an die SZ einen Israel freundlichen Leserbrief zu schicken, denn dieser wird entweder nicht veröffentlicht, oder er wird soweit verkürzt und entstellt, dass er oft das Gegenteil von dem wiedergibt, was vom Versender beabsichtigt war.

Eine besondere Rolle wurde den Leserbriefen nach den Terrorangriffen in den USA am 11.09.2001 zugedacht: Im Duisburger Bericht gab es einen Hinweis auf eine vom Institut durchgeführte kursorische Analyse im Zeitraum vom 12.09.01 bis zum 19.09.01 in fünf Tageszeitungen, darunter der SZ, in denen auch die Meinung vertreten wurde, der Terror sei eine legitime Waffe der Schwachen, ferner werde sich „Scharon nun legitimiert fühlen, noch härter gegen die Palästinenser vorzugehen. Solche Spekulationen gingen in einzelnen Fällen sogar so weit, Israel eine Schuld oder zumindest eine Mitschuld an den Anschlägen in den USA zu geben“.

Die SZ hat bereits am 14.11.01 mit einem Artikel von Heiko Flottau, dessen ellenlanger Titel allen den Weg gewiesen hat wer denn immer schuld sei: Übertitel: „Der Kampf gegen den Terror: Der Fanatismus der Attentäter hat historische Ursachen“, Haupttitel: „Nahöstliche Verteufelung“ und Untertitel: „Terrorismus in der arabischen Welt wird heute oft religiös legitimiert – seine Geburtsstunde aber war der Kampf gegen die Gründung Israels“. Von da an übernahmen die Leserbriefe eine markante Rolle in dieser Diskussion – exemplarisch für eine größere Anzahl vergleichbarer Leserbriefe bis heute – etwa der Brief eines „85-jährigen Nazi-Gegners“ Prof.Dr. Halhuber vom 14.10.01, der auch Scharons Erklärungen mit Hitler Zitaten verglich, Israel Apartheid vorwarf und als Wurzel des Terrors bezeichnete.

3) Im Juli 2002 berichtete die SZ über den Gesetzesantrag im israelischen Parlament, Grundstücke des Jüdischen Nationalfonds, die mit Spenden von Juden aus aller Welt erworben und erschlossen wurden, nur an Juden zu überlassen (wobei die Darstellung in der SZ so verstanden werden konnte, dass arabische Staatsbürger Israels generell keine Immobilien mehr erwerben dürften). Darüber gab es in der SZ legitime Kritik, es wurde berichtet, dass der Gesetzentwurf von oppositionellen Abgeordneten als rassistisch bezeichnet wurde und er wurde in einem Feuilletonbericht von Moshe Zimmermann in der SZ auch entsprechend kommentiert.

Als im Frühjahr 2001 in Libanon ein Gesetz beschlossen wurde, wonach Palästinenser keine Immobilien mehr erwerben können und die Immobilien in ihrem Eigentum nicht vererben dürfen, so war darüber in der SZ nie eine Silbe zu lesen. Es kann auch davon ausgegangen werden, dass es dem durchschnittlichen SZ Leser unbekannt ist, dass die Palästinenser im Libanon mehr als 100 Berufsverboten unterliegen, so dass sie nicht einmal die Straßen ihrer Flüchtlingslager kehren dürfen und es blieb auch unerwähnt, dass im Frühjahr 2002 als Berufsverbot hinzugekommen ist, dass sie auch keine Taxichauffeure mehr sein dürfen. Ebenso wenig wird über den benachteiligten Status der Palästinenser in den anderen arabischen Bruderstaaten, wie etwa Saudi Arabien oder Kuwait berichtet.

Kaum einem SZ Leser dürfte bekannt sein, dass bis zum Friedensvertrag mit Jordanien es in diesem Land (einschließlich der annektierten Westbank) Arabern unter Androhung der Todesstrafe verboten war, Immobilien an Juden zu verkaufen und dass die PA dieses Gesetz mit übernommen hat und es auch ausführt.

Die Nahostberichterstattung der SZ und der deutschen Tageszeitungen ist daher höchst selektiv, die Leiden der Palästinenser werden nur im Zusammenhang mit Israel zitiert. Eindeutig geht es diesen Zeitungen dabei nicht um das Leiden der Palästinenser, sondern darum, dass die Israelis Juden sind.

Die Antisemitismuskritik der SZ im Falle der FDP und Möllemanns

Als der Antisemitismus zu einem der Hauptthemen des deutschen Frühlings des Jahres 2002 wurde, hat sich die SZ- und hier insbesondere ihr Redakteur Heribert Prantl – entschieden dafür eingesetzt, die Situation schon dadurch klarzustellen, dass die Dinge beim Namen genannt wurden. Insbesondere hat Heribert Prantl präzisiert, dass der behauptete Antisemitismus der FDP Oberen Westerwelle und Möllemann schon deswegen eine Unterstellung war, weil man dadurch bei diesen beiden Herren so etwas wie das Vorhandensein einer Gesinnung unterstellte und dass es nicht hinnehmbar sei, wenn in Deutschland österreichische Verhältnisse einkehrten und der Antisemitismus – auch unter dem Gewand der Israelkritik – zum Wahlkampfthema werde. Er hat auch in dankenswerter Weise auf die antisemitischen Ausfälle der Ostermarschierer hingewiesen, wobei diese Ereignisse ihren eigentlichen Platz nicht nur in den Kommentaren, sondern vorrangig auch in den Nachrichten der SZ und der sonstigen deutschen Tagespresse hätten finden müssen.

Allerdings gibt es auch da gelinde gesagt einige Widersprüche bei dem Einsatz gegen den Antisemitismus in der SZ und auch Herr Prantl entwickelte offensichtlich schon nach kurzer Zeit Angst vor der eigenen Courage – möglicherweise aufgrund der Reaktion, die sich im Zusammenhang mit den „Waschkörben“ an zustimmender Post zugunsten eines Möllemanns ergaben.

Während Herr Prantl noch am 15.04.02 brandmarkte, „schon lange nicht mehr war Judenhass, derzeit als Antizionismus verkleidet, in Deutschland so salonfähig wie heute“, so fühlt er sich im selben Artikel verpflichtet, dies dadurch zu relativieren, dass er von „berechtigter Kritik an Israel“ spricht. Dies steigert sich danach in den folgenden Artikeln und in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung des Ossietzky Preises an Uri Avnery am 06.05.2002 bezeichnet er Avnery als den „guten Israeli“, der „einer von denen (sei), die für ein anderes Israel stehen“. Nachdem er also das Israel, das anders ist als Herr Avnery, als seiner Achse des Bösen zugeordnet hat, behauptet er auch, Ariel Scharon sei für die Massaker in Sabra und Schatilla verantwortlich. Dass Scharon eine diesbezügliche Verleumdungsklage in den Vereinigten Staaten gegen eine dortige Zeitung bereits vor mehr als einem Jahrzehnt gewonnen hat, kann einen guten Deutschen eben nicht erschüttern.

Nichts versinnbildlicht so sehr die katastrophale Lage in der sich die Juden und Israel befinden, wie die Tatsache, dass diejenigen, die sich gegen den Antisemitismus einsetzen sich verpflichtet fühlen, dies dadurch zu relativieren, dass sie sich danach negativ über Israel äußern. Es bleibe dahingestellt, inwieweit jüdische Repräsentanten dazu beigetragen haben, indem sie ständig betonten, dass Kritik an Israel keinesfalls Antisemitismus sei, so dass man schon gelegentlich den Eindruck gewinnt, manch einer kritisiere Israel nur um zu beweisen, dass er kein Antisemit sei. Gerade aber die Nahostberichterstattung der SZ beweist, wie sehr Israelkritik auch Antisemitismus sein kann, denn die Maßstäbe, die die SZ bei der Kritik Israels ansetzt, werden bei der Bewertung vergleichbarer Situationen nicht herangezogen.

Wenn Heribert Prantl in „Juden in Kollektivhaft“ vom 17.05.02 erklärt, Möllemann lade alle Schuld an der Malaise in Nahost allein auf Israel und Scharon und wenn im SZ Kommentar „der Lonsdale Effekt“ über Möllemann angedeutet wird, er behaupte entschieden für das Existenzrecht Israels einzustehen, ermutige und verherrliche aber diejenigen, die Israel vernichten wollen, so ist beim besten Willen nicht erkennbar, worin sich dieses Verhalten Möllemanns von der Nahostberichterstattung der SZ im Allgemeinen und den Kommentaren eines Heiko Flottau insbesondere unterscheiden, bei dem ja bei jeder Gelegenheit die Schuldfrage eindeutig geklärt ist

Allein die in den letzten Jahren mindestens dreimal explizit wiederholte Behauptung Flottaus, die Juden Hebrons wären nicht deswegen getötet worden, weil Sie Juden waren, sondern weil sie Zionisten waren, ist bei weitem gravierender, als alles, was Möllemann je gesagt hat: Flottau rechtfertigt damit den Mord an jenen Juden, die es wagen, für sich und für das jüdische Volk in Anspruch zu nehmen, was für alle andere Völker eine Selbstverständlichkeit ist, nämlich Souveränität, eine eigene Heimat und das Selbstbestimmungsrecht. Es ist kein anderer Fall bekannt, in dem die SZ den Nationalismus als ein todeswürdiges Verbrechen an sich bezeichnet hat, weder im Fall des baskischen, des Südtiroler, des arabischen, pakistanischen oder jedweden anderen Nationalismus. Diese Behauptung Flottaus unterscheidet sich in nichts von den Behauptungen, die Juden wären nicht ermordet worden, weil sie Juden waren, sondern weil sie Christus getötet hätten, an der Pest, an vergifteten Brunnen, am verhexten Vieh, an blutenden Hostien oder an Ritualmorden schuld wären, weil sie Kapitalisten oder Kommunisten waren oder weil sie minderwertig wären. Vielleicht wäre es daher angemessener, Herr Prantl bereinigte vorab die Lage im eigenen Haus, bevor er die Splitter in den Augen anderer entfernt.

Der Artikel erschien in „Jüdisches Leben in Bayern“, der Publikation des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern.

Deutsche Zeitung benutzt Nazi-Sprache um Israel für palästinensischen Terrorismus verantwortlich zu machen

Einige deutsche Juden haben im Verlauf der Jahre ihre Abonnements der SZ wegen des vorgeworfenen zeitgenössischen Antisemitismus gekündigt

Benjamin Weinthal, Jerusalem Post, 30. Januar 2016

Berlin – Einem Artikel der in München ansässigen Süddeutsche Zeitung (SZ) wird vorgeworfen Nazi-Rhetorik nachzuahmen, indem er die Schuld für den palästinensischen Terrorismus direkt Israel aufbürdet.

Mit der Überschrift „Israel leidet an seinem Kreislauf der Rache“ zitierte der Israel-Korrespondent der Zeitung, Peter Münch, letzte Woche in einem Artikel aus einem Interview mit Said Zidani, einem palästinensischen Philosophie-Professor an der Al-Quds-Universität in Jerusalem; darin sagte dieser, dass Palästinenser Israelis nicht nur aus Verzweiflung ermorden, „sondern auch als Akt des Widerstands.“

Nach Angaben des Artikels laufen Zidanis Bemerkungen nicht auf eine Rechtfertigung der Gewalt hinaus. Antisemitismus-Experten sehen das anders.

„Solche Schlagzeilen projizieren klassische antisemitische Stereotype auf den jüdischen Staat“, sagte Prof. Monika Schwarz-Friesel der Jerusalem Post am Donnerstag. Schwarz-Friesel hat eine ausgiebige Studie zu antisemitischem Sprachgebrauch in Deutschland erstellt.

„Das Stereotyp der jüdischen Rache/Rachsucht ist ein uraltes judeophobes Konzept, das von den Nationalsozialisten artikuliert wurde“, sagte sie. Schwarz-Friesel zitierte die berüchtigte Posener Rede von SS-Chef Heinrich Himmler, wo er zur Auslöschung der europäischen Juden aufrief. Zusätzlich zu diesem Aufruf alle jüdischen Erwachsenen zu ermorden drängte Himmler auf die Eliminierung jüdischer Kinder, damit die keine Rache begehren.

Himmlers Worte lauteten: „Ich hielt mich nämlich nicht für berechtigt, die Männer auszurotten – sprich also, umzubringen oder umbringen zu lassen – und die Rächer in Gestalt der Kinder für unsere Söhne und Enkel groß werden zu lassen. Es musste der schwere Entschluss gefasst werden, dieses Volk von der Erde verschwinden zu lassen.“

Schwarz-Friesel, Professorin für Sprachwissenschaften an der Technischen Universität Berlin, sagte, die Schlüsselfrage sei: „Warum fährt das Editorial einer deutschen Zeitung damit fort beständig das Potenzial antisemitischer Gedanken und Gefühle in Schlagzeilen und Artikel zu Israel hervorzurufen und bleibt von aller Kritik der Rhetorik unbeeindruckt?“

Rabbi Abraham Copper, stellvertretender Dekan des Simon Wiesenthal Center, sagte der Post, das Zentrum „protestierte wegen der Mark Zuckerberg-Karikatur [in einer SZ-Ausgabe von 2014]. Ihre lauwarme Antwort konnte mich nicht überzeugen, dass sie sich nicht bewusst waren, dass der groteske Gebrauch einer nazimäßigen Darstellung als Tier offensichtlich unangemessen war und niemals das Tageslicht hätte erblicken dürfen. Nur ein voreingenommener Irrer würde Israels verzweifelte Versuche schwangere Mütter, Kinder und Alte vor Messer schwingenden palästinensischen Terroristen zu schützen, als ‚Kreislauf der Gewalt‘ bezeichnen“, sagte Cooper.

Die SZ veröffentlichte auf Facebook eine Karikatur von Zuckerberg als Krage mit großer Nase, der die Welt verschluckt. Die Karikatur wurde weithin als antisemitisch verurteilt. Der Zeichner, Burkhard Mohr, sagte damals: „Antisemitismus und Rassismus sind Ideologien, die mir völlig fremd sind.“ Er sei sich nicht bewusst gewesen, dass die Darstellung Zuckerbergs ein Problem sein könnte, „weil er Zuckerberg nicht als Juden betrachtet habe“.

Dr. Matthias Küntzel, ein Politikwissenschaftler aus Hamburg, der ausgiebig über modernen deutschen Antisemitismus geschrieben hat, sagte der Post: „Die Schlagzeile der SZ stellt nicht nur Israels Recht auf Selbstverteidigung in Frage, sondern nutzt gleichzeitig das antisemitische Stereotyp des ‚rachsüchtigen Juden‘, der angeblich von irrationalen und archaischen Motiven getrieben ist.“

Dr. Charles Small, ein Akademiker aus New York, der das Institute for the Study of Global Anti-Semitism and Policy beaufsichtigt, sagte in einem Interview: „Es entmutigend zu sehen, wie die SZ zunehmend antisemitische bildliche Ausdrucksweisen fördert. Der jüngste Trend besteht darin, den palästinensischen Terrorismus gegen Juden als zu erwartendes Ergebnis des Konflikts zu minimieren und zu rechtfertigen. Zusätzlich ist dem Premierminister Israels die Unterstützung der Migration von Bürgern nach Israel vorzuwerfen nicht durch Fakten untermauert und spiegelt eine Einseitigkeit gegen den jüdischen Staat. Das ist besonders fahrlässig, wenn im benachbarten Syrien Millionen Flüchtlinge geschaffen wurden und Hunderttausende in einem fürchterlichen, in die Länge gezogenen Konflikt massakriert worden sind. Der irrationale Fokus auf Israel ist daher ein für Journalisten ein um so unverantwortlicheres Verhalten“, sagte Small.

Smalls Institut, das Programme an der Oxford University in Großbritannien und an Universitäten in Paris, Kanada, den Vereinigten Staaten und Italien betreibt, fügte hinzu: „Zusätzlich hat die SZ über Karikaturen, die fähige israelische Bürger dämonisieren, klassische Formen des Hasses veröffentlicht und mit modernen Variationen die israelische Politik angegriffen. Berücksichtigt man diese „Kultur“ der SZ, dann überrascht es leider nicht, dass die sie es ablehnt eine volle Korrektur ihrer falschen und hasserfüllten Berichterstattung zu veröffentlichen.“

2013 brachte die SZ eine Karikatur von Israel als dämonischem Monster. Eine junge Frau wird dargestellt, wie sie dem Monster mit Hörnern, das ein Tranchiermesser in der Hand hält, Essen serviert. Die Bildbeschreibung lautet: „Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt. Israels Feinde halten das Land für einen gefräßigen Moloch.“

Deutschlands Presserat sagte, die Karikatur verletze den Pressekodex zu Diskriminierung. Peter Enno Tiarks, der Vorsitzende der Beschwerdebüros beim Presserat, sagte damals, die Karikatur sei „diskriminierend und trägt zu Vorurteilen gegen Israel und Juden bei“. Franziska Augstein, die für das Einbringen der Monster-Karikatur verantwortliche SZ-Redakteurin, versuchte eine vom American Jewish Committee beim Presserat eingereichte Beschwerde abzublocken. Die SZ schrieb, die Karikatur habe „nichts mit antisemitischen Klischees zu tun“, fügte aber hinzu, da „das Foto zu Missverständnissen führte, wäre es besser gewesen ein anderes Bild zu benutzen“.

Deidre Berger, Leiterin des Berliner Büros des AJC, sagte der Post am Freitag: „Inmitten einer langgezogenen Terrorwelle gegen israelische Bürger schreibt die Süddeutsche Zeitung einseitig die Schuld für die fortgesetzten Anschläge auf jüdische Zivilisten Israel zu. Statt die Gewalt klar als Terrorismus zu bezeichnen, werden die Anschläge trivialisiert, indem man sie mit israelischen Reaktionen auf Terror gleichsetzt. Dem Artikel fehlt journalistische Ausgewogenheit; er verlässt sich auf Behauptungen, die den Kontext der Terroranschläge umkehren und Palästinenser und israelische Araber als Opfer statt als Täter darstellen. Die genutzten Zitate und Beispiele schaffen das Bild einer nicht enden wollenden Gewaltspirale, die von angeblichen israelischen Rachemotiven angetrieben wird. Israelischen Antiterrorbemühungen Rachemotive zu unterstellen ist die Behauptung, dass Juden eine angeborene Lust auf Rache haben. Es ist ein gefährliches Märchen, Rache als Nationaleigenschaft zuzuschreiben. Stattdessen sollten wir Israel als in vorderster Front der Länder stehend betrachten, die sich Terrorismus entgegenstellen, um unsere gemeinsamen westlichen Grundwerte zu verteidigen“, sagte Berger.

Samuel Salzborn, ein führender Antisemitismus-Experte an der Universität Göttingen in Niedersachsen, sagte der Post, die SZ habe die Gründe auf den Kopf gestellt, indem sie „palästinensischen Terrorismus herunterspielt und Israel teilweise für den antisemitischen Terrorismus verantwortlich macht“. Er fügte hinzu, dass das „alte antisemitische Motiv, Juden seien wegen ihres Verhaltens für ihre Verfolgung verantwortlich zu machen, auf Israel als jüdischen Staat übertragen und damit das Opfer in einen Täter verkehrt wird“.

Einige deutsche Juden haben im Verlauf der Jahre ihre Abonnements der SZ wegen des dieses vorgeworfenen gegenwärtigen Antisemitismus gekündigt.

Grigori Pantijelew, der stellvertretende Leiter der Bremer jüdischen Gemeinde, sagte der Post, er kündigte sein Abo nach einem vergeblichen Versuch den SZ-Redakteuren die Schieflage der antiisraelischen Berichterstattung zu erklären. Pantijelew, der Workshops zu modernem Antisemitismus in Deutschland veranstaltet, schrieb eine ausführliche Analyse über die antiisraelische „Manipulation und einseitigen Artikel“ des verstorbenen Historikers Tony Judt in der SZ. „Ich sehe eine klare Position der SZ, die keine Freundschaft anstrebt, sondern vielmehr Feinschaft zwischen Juden und Deutschen anstrebt. Ich bedauere das zutiefst. Ich mache mir aber mehr Sorgen über die Leserschaft der SZ, die die Haltung der Redakteure toleriert. Mit tun die Leute leid, die die SZ lesen und nicht dagegen protestieren.“

Lala Süsskind, die ehemalige Leiterin der 10.000 Mitglieder starken jüdischen Gemeinde Berlins, nannte die Berichterstattung der Zeitung „sehr tendenziös“, weil sie „Israel immer als schlecht darstellt“.

Reinhard Schramm, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinschaft Thüringens, sagte, die Schlagzeile der SZ „förder Antisemitismus und ist insgesamt falsch und beleidigen“.

SZ-Artikel veranlassten 1949 einen der ersten Proteste von Schoah-Überlebenden gegen tödlichen Antisemitismus nach dem Holocaust.

Die Zeitung veröffentlichte 1949 einen Leserbrief von Adolf Bleibtreu – ein Pseudonym – in dem dieser sage, jetzt müssten die Amerikaner mit den Juden klarkommen und behauptete, die Amerikaner hätten ihm gesagt, es gebe Bedauern, „dass wir sie [die Juden] nicht alle vergast haben…“ Ein Foto des Protestes zeigt die Holocaust-Überlebenden, wie sie ein Transparent halten, auf dem steht: „Down with the Stürmer of 1949. The Süddeutsche Zeitung.” (Nieder mit dem Stürmer von 1949. Der Süddeutschen Zeitung) Der Stürmer war eine führende Nazizeitung, die Juden mit ihren antisemitischen Karikaturen und Artikeln dämonisierte.

In einem Telefoninterview mit der Post am Freitag sagte Torsten Weber, der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in München, die jüngste antiisraelische Schlagzeile überrasche nicht, weil sie „ein Fall von vielen“ ist. Er sieht „regelmäßige antisemitische Beiklänge“ in der Berichterstattung der Zeitung, sagte aber, die SZ habe keine antisemitische Politik. Im Fall des Artikels von Peter Münch sagte Weber, die DIG betrachte die Schlagzeile als „ein antisemitisches Stereotyp“.

Ulrich Werner Grimm, geschäftsführender Direktor der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Berlin, sagte der Post als Privatperson, nicht in Vertretung der Gesellschaft, dass „die Schlagzeile den alttestamentarischen ‚Rachegott‘ suggeriert, der ein klassischer Bestandteil eines antijüdischen/antisemitischen Vorurteilsmusters ist. Die Schlagzeile gibt dem folgenden Artikel eine antisemitische/antiisraelische Tendenz, die im Inhalt des Artikels nicht zu finden ist.“

Die SZ ist die größte großformatige Zeitung Deutschlands mit einer täglichen bezahlen Verbreitung von 367.924 Exemplaren im letzten Quartal 2015. E-Mails und telefonische Anfragen an die SZ-Chefredakteure Wolfgang Krach und Kurt Kister wegen Kommentaren zu den Vorwürfen des Antisemitismus wurden nicht beantwortet. Julia Bönisch, eine stellvertretende Chefredakteurin der SZ, lehnte es ab Anfragen der Post zu beantworten. Email-Anfragen an Peter Münch über die SZ wurden nicht beantwortet. Die ranghohen SZ-Redakteure Stefan Kornelius und Peter Lindner lehnten es ab E-Mail-Anfragen der Post zu beantworten.

Wo die Hetze überall zu finden ist

In der Süddeutschen Zeitung (Printausgabe vom 28.10.2009, S. 14) wird ein Buch besprochen, in dem von „Mauern als Grenzen“ geschrieben wurde. Oder wird nur aus dem Inhalt zitiert? Das wird nicht klar.

Klar wird: Es geht um Mauern überall auf der Welt und überall in der Geschichte. Und welche Mauer sucht die SZ zur Illustration aus? Natürlich die der Israelis gegen die Palästinenser.

Und während der gesamte Artikel nicht einmal die Länge dieser Mauer bemüht, darf bei der Bildunterschrift natürlich nicht fehlen, wie lang sie angeblich ist: „Bethlehem im Westjordanland: Kinder spielen Fußball vor dem Haus an der Separation Wall. Rund 750 Kilometer ist die Betonmauer lang, an manchen Abschnitten innerhalb der Städte bis zu acht Meter hoch.“

So toll Englisch dort mit hinein gebracht werden muss, so falsch sind die Angaben. Wie üblich mit einem Stück Wahrheit, denn innerhalb von bebauten Gebieten ist die Mauer tatsächlich bis zu acht Meter hoch. Warum? Weil sie den Terroristen die Möglichkeit nehmen soll über die Anlage hinweg weiter auf israelische Zivilisten zu können. Und deshalb stehen Mauern nur und ausschließlich an solchen Stellen.

Womit die „rund 750 Kilometer“ eine glatte Lüge sind. Die von unseren Medien plakativ ständig gerne weiter verbreitet wird, wider besseres Wissen. Weil es so schön plakativ und kurz ist? Wäre es wirklich zu viel verlangt zu differenzieren? Oder wird „Differenzierung“ nur von denen verlangt, die Israel unterstützen?

Nun gut, vielleicht kann man nichts anderes erwarten von einer Zeitung, deren Mitarbeiter nicht einmal Fußball von Basketball unterscheiden können. Wobei auch das wieder verkürzt ist: Der Junge im Hintergrund spielt seinen Ball mit dem Fuß, der im Vordergrund wirft seinen in einer eindeutigen Basketball-Haltung. Platz war wohl nicht genug, sonst hätte die „Information“ über die 750 Kilometer Beton nicht mehr hinein gepasst…

Was das vorgestellte Buch angeht, so habe ich mit anscheinend zentralen Aussagen leichte Probleme:

Kaum eine Mauer erfüllte ihren ersten, den realen Verteidigungszweck, besonders lang. (Ansonsten waren Mauern böswillige Werke, die ausgrenzen und einzäunen und die Freiheit abwürgen sollten. Aha.) Die Mauer der Amurriter gegen umherziehende Nomaden aus dem späten dritten Jahrtausend vor Christus hielt offenbar gerade einmal 30 Jahre, der römische Hadrianswall gegen die Pikten 160 Jahre, der Wall der Sassaniden gegen die Hunnen 100 Jahre. Da erscheint die vor zwanzig Jahren gefallene Berliner Mauer mit gerade einmal 28 Jahren fast wie ein Detail – zumindest in der Geschichte der Mauern.
Nur haben die Menschen nicht viel aus dieser Erkenntnis gelernt. Immer noch werden neue Mauern errichtet – gegen den so genannten Terror, gegen illegale Einwanderer, gegen verfeindete Völker wie das eigene: zwischen Israel und dem Westjordanland, zwischen den USA und Mexico, in Belfast, Zypern, in Korea, 18 000 Kilometer weltweit. Für wie lange?

Noch einmal: Es wird nicht klar, ob das von der Rezensentin Petra Steinberger stammt oder aus dem von Astrid Nunn herausgegebenen Buch. Was aber letztlich egal ist, es stand in der Süddeutschen und die muss sich die Kritik gefallen lassen:

Dass keine Mauer ihren Zweck lange erfüllte, ist reichlich relativ. Die 28 Jahre in Berlin sind nur im Rückblick und in sehr großen geschichtlichen Zusammenhängen „fast wie ein Detail“. Warum dann aber die 30 Jahre Mauer der Amurriter mehr als ein Detail sein sollen, bleibt eine Frage, die sich vielleicht nur mir stellt. Aber 160 Jahre oder 100 Jahre Effektivität würden den Israelis sicherlich erst einmal reichen. Ganz abgesehen davon, dass sie selbst die Mauer gar nicht auf Dauer haben wollen. Anderes zu behaupten ist eine spekulative Unterstellung. Allerdings könnte es dennoch nötig sein, dass die Mauer „bis in alle Ewigkeit“ existieren muss, um die arabischen Terroristen an der Umsetzung ihrer Berufung des Massenmords an Juden zu hindern. Diese Notwendigkeit ist aber etwas ganz anderes als sie zu wollen.

Perfide ist die Formulierung „gegen den so genannten Terror“. Sollte sich das auf Israel beziehen, dann ist das grenzenlose Hetze. Denn in Abrede zu stellen, dass der Terror der PalAraber Terror ist, negiert nicht nur die Natur dieses Terrors, sondern delegitimiert auch Israel und seine Verteidigung. Es unterstellt Israel ein Handeln, das es nicht an den Tag legt. Aber was will man von jemandem erwarten, die weder die Motivation der Maßnahme, noch die Effektivität oder gar das wahre Ausmaß der Sperranlage auch nur ansatzweise korrekt darstellt?