Richtig oder falsch: Merkels schamlose Verharmlosung

Der Mörder, der inzwischen als der 27jährige Stephan Balliet identifiziert wurde, ist ein weißer Rechtsextremist/Neonazi und keiner der vielen muslimischen Migranten, welche Angela Merkel willkommengeheißen hat.

Ruthie Blum, Jerusalem Post, 10. Oktober 2019 (übersetzt von Yvaine)

Angela Merkel nach ihrer Rede anlässlich des 80. Jahrestags der Reichskristallnacht in der Synagoge Rykestraße, Berlin, 9. November 2018. (Foto von Axel Schmidt/Reuters)

Am Mittwochabend wurden die Israelis durch die Nachricht eines bewaffneten Angriffs vor einer deutschen Synagoge und einem jüdischen Friedhof an Jom Kippur erschüttert.

Als alle hebräischen Fernsehsender mit ihrem 20:00-Uhr-Programm begannen – nach dem üblichen Sendestopp zu Ehren dieses höchsten und düstersten Feiertages im Judentum – gingen im ganzen Land Seufzer à la „jetzt geht das schon wieder los“ mit dem Festmahl einher, das das 25stündige Fasten beendete. Häufigkeit und Ausmaß antisemitischer Gewalt haben in Deutschland derart zugenommen, dass sie bereits Thema der internationalen Berichterstattung geworden sind. Dieser jüngste Vorfall, bei dem zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt wurden, kam also nicht völlig überraschend.

Ein weiterer vorhersehbarer Aspekt des Vorfalls – ein Mann in Armeekleidung mit einer GoPro-Kamera versuchte sich in die verschlossene und bewachte Synagoge zu schießen, um Juden zu massakrieren – war die Art und Weise, wie israelische Nachrichtensprecher wiederholt betonten, dass der Täter „ein gebürtiger Deutscher und kein Immigrant“ ist.

Anders gesagt: Der Mörder, der inzwischen als der 27-jährige Stephan Balliet identifiziert wurde, ist ein weißer Rechtsextremist/Neonazi und keiner der vielen muslimischen Migranten aus Nahost, welche Angela Merkel willkommen geheißen hat.

Ein solch eklatanter umgekehrter Rassismus von Nachrichtensprechern, Experten und linken Politikern in Israel unterscheidet sich nicht von dem, was ihre Kollegen anderswo zum Ausdruck bringen. Die Absicht ist klar: eine politische und damit moralische Unterscheidung zwischen zwei verschiedenen Formen des Judenhasses zu treffen.

Um diesen Punkt zu bekräftigen, hob ein israelischer Analytiker die Tatsache hervor, dass der Schütze, als dessen ursprüngliche Mission an den Sicherheitsvorkehrungen der Synagoge scheiterte, in ein Kebab-Restaurant in der Nähe ging. Dies sei ein Beweis, so der Analytiker, dass Neonazis Muslime genauso hassen wie Juden.

Aber der Zweck dieses Kommentars war nicht, das Offensichtliche zu wiederholen und den Zuschauern nochmals zu sagen, was sie ohnehin schon wissen – nein, der Zweck war, die Diskussion in eine bestimmte Richtung zu lenken, nämlich in die des so genannten „gefährlichen Aufkommens“ rechter Führer in Europa und Amerika wie z. B. Viktor Orban oder Donald Trump. Zudem soll die Schuld an diesem Antisemitismus unmittelbar auf ihre Schultern gelegt werden.

Diese unentschuldbare Taktik erlaubt jenen, die Erklärungen wie „psychische Erkrankung“ für jihadistische Judenmörder bieten oder die sie sonstwie entschuldigen, sich gegenseitig die Hände zu reichen, ohne den Antisemitismus zu verurteilen. So nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwochabend an einer Mahnwache in der Neuen Synagoge Berlin für die Opfer des Angriffs in Halle teil, die von Sawsan Chebli organisiert wurde, einer politischen Beamtin palästinensischer Herkunft.

Zur Rabbinerin der Neuen Synagoge, Gesa Ederberg, sagte Merkel: „Leider haben wir an Ihrem heiligen Tag etwas Schreckliches erlebt. Zwei Menschen wurden getötet, und es gab einen Angriff auf Juden in Deutschland. Mein Ziel und das aller Politiker ist es, alles zu tun, damit Sie sicher leben können. Und dieser Tag zeigt, dass es nicht genug war und dass wir mehr tun müssen.“

Rabbi Ederbergs Beitrag bestand darin, die „Zivilgesellschaft aufzufordern, sich jedem zu widersetzen, der den Begriff ‚Jude‘ als Beleidigung benutzt“, und „alle braunen Mächte“ zu bekämpfen.

Damit meinte sie natürlich keine Hautfarbe, was einem Anti-Migranten-Rassismus gleichkäme, sondern vielmehr die bekannte Kleidung der Nazis.

Natürlich sind Nazis legitime Ziele für den Zorn. Aber sie gehören einem ausgegrenzten Randsektor der deutschen Gesellschaft an. Können Merkel oder Rabbinerin Ederberg dasselbe über die antisemitischen Nahostler in ihrer Mitte sagen? Wohl kaum.

Man fragt sich, wie Merkel die in israelische Flaggen gehüllten Mahnwachenteilnehmer sah. Oder was diese umgekehrt über Merkel gedacht haben, wenn man bedenkt, wie sie die Aussagen des Kommandanten der islamischen Revolutionsgarden, General Hossein Salami, als „antiisraelische Rhetorik“ verharmlost hat, als er sagte, Israel müsse vernichtet werden und der iranische Staat sei in der Lage, „das finstere zionistische Regime von der Landkarte zu tilgen“.

Merkels schwache Reaktion – sanftmütiges Gemurmel über das Existenzrecht Israels – ergibt in Anbetracht ihrer Iranpolitik Sinn. Den Atomvertrag mit den Mullahs in Teheran von 2015 und den damit verbundenen Handel will sie unbedingt aufrechterhalten. Ebenso weigert sie sich, die Aktivitäten des wichtigen iranischen Erfüllungsgehilfen Hisbollah innerhalb deutscher Grenzen zu verbieten.

Dies erklärt, warum sie gleichsam nicht auf Salamis entsetzliches Dekret über den „zweiten Schritt“ der Revolution von 1979 reagierte, die die Herrschaft der Ayatollahs einleitete: die „globale Mobilisierung des Islam“.

Und es erklärt auch etwas noch Schockierenderes: nämlich die Teilnahme des Auswärtigen Amtes an einer Feier zum 40-jährigen Jahrestag der Islamischen Revolution in der iranischen Botschaft in Berlin. Es ist unglaublich, dass eine Regierung, deren Außenminister Heiko Maas behauptet, wegen der Gräueltaten in Auschwitz überhaupt erst Politiker geworden zu sein, solche Feiern sanktioniert, geschweige denn selbst daran teilnimmt!

Ebenso schockierend war das Glückwunschtelegramm, das Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Teheran geschickt hatte, um die Mullahs für ihre Revolution zu lobpreisen.

Diese Anbiederung europäischer Liberaler an das weltweit gefährlichste hegemoniale, genozidale und antisemitische Regime seit Hitler und Stalin ist einfach nur ekelhaft, vor allem anbetrachts der Tatsache, dass in Deutschland Holocaustleugnung und Nazisymbole verboten sind, Holocaustgedenkstätten und -museen im ganzen Land verbreitet sind, Holocaustbildung und Besuche in ehemaligen Konzentrationslagern zum Schulprogramm gehören und Tausende von jungen Israelis dort eine Wohnung genommen haben, um von staatlichen Zuschüssen zu profitieren und sich ins berühmte Berliner Nachtleben zu werfen.

Darüber hinaus hat Merkel erklärt, dass die Sicherheit der jüdischen Bevölkerung Priorität hat. In einem CNN-Interview im Mai sagte sie sogar: „Es gibt bis zum heutigen Tag keine einzige Synagoge, keine einzige Kindertagesstätte für jüdische Kinder, keine einzige Schule für jüdische Kinder, die nicht von deutschen Polizisten bewacht werden muss“.

Zirka eine Woche vor diesem Interview wurde der erste Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, öffentlich für seine Aussage gerügt, dass Juden, die ihre Kippot in der Öffentlichkeit tragen, gefährdet sind, da der Judenhass in Deutschland „sein hässliches Gesicht offener zeigt“.

Kleins Ermahnung folgte auf einen Bericht des Bundesinnenministeriums, wonach antisemitische Hassdelikte 2018 gegenüber dem Vorjahr um fast 20% zugenommen hatten und die Zahl der körperlichen Angriffe auf Juden auf 69 angestiegen war – 2017 waren es noch 37 gewesen.

Zur Rücknahme seiner völlig berechtigten Warnung gezwungen, forderte Klein „alle Berliner und Bundesbürger auf, ihre Kippot [am 1. Juni] zu tragen, wenn es neue unerträgliche Angriffe gegen Israel und Juden anlässlich des Al-Quds-Tages in Berlin gibt“, denn es könne nicht sein, dass Juden in einer freien und demokratischen Gesellschaft ihre Identität geheimhalten müssen.

Hoppla. Klein hätte das jedes Jahr stattfindende antizionistische Hassfest im Rahmen der Bekämpfung von Antisemitismus wahrscheinlich nicht erwähnen sollen. Merkel, die sich nicht einmal dazu durchringen kann, die Entschlossenheit des Iran, den jüdischen Staat zu vernichten, als antisemitisch zu bezeichnen, muss sicherlich über die Form verärgert gewesen sein, die Kleins Kehrtwendung zum öffentlichen Kippah-Tragen angenommen hat. Gute Deutsche, so glaubt sie, verdammen die Sünden ihrer Vergangenheit; sie wagen es nicht, sich mit heute aktuellen Sünden zu beschäftigen, die von politischer Korrektheit gefördert werden.

Das bringt uns wieder nach Israel, dessen Eliten oft unter einer ähnlich verzerrten Sichtweise von Antisemitismus als einer Krankheit leiden, die bei weißen Rassisten tödlicher und schlimmer ist, als wenn sie von Islamisten kommt. Eine solche Realitätsverzerrung ist besonders lächerlich in einem Land, das täglich von Jihadistenterror bedroht ist. Noch problematischer ist es allerdings, dass diese Sichtweise ins Bewusstsein gebürtiger Israelis sickert, denen die oben erwähnte falsche Unterscheidung zwischen angeblich „verschiedenen“ Arten von Judenhass eingetrichtert wird.

Ein gutes Beispiel für diese falsche Einstellung war Anfang September zu sehen, als israelische Studenten, die ein Semester in Polen zubrachten, vor einem Warschauer Nachtclub angegriffen wurden. Die Täter (die, wie sich herausstellte, aus Katar kamen) hörten sie Hebräisch sprechen, schrien „Befreit Gaza und f*** Israel!“ und schlugen danach zwei der Israelis zu Brei.

Der Zwillingsbruder eines der Opfer postete auf Facebook ein Foto seines Bruders im Krankenhaus und verurteilte dabei nicht die arabischen Angreifer, sondern die polnischen Augenzeugen, die den Israelis nicht zu Hilfe gekommen waren.

„Die Geschichte wiederholt sich“, schrieb Barak Kashpizky. „Polen stehen tatenlos daneben, während Menschen, die ‚nicht aus unserer Nation stammen‘, Juden bewusstlos prügeln.“

Am nächsten Tag sagte Kashpizky in Interviews mit israelischen Medien: „Ich glaube nicht, dass es antisemitisch war; es war nationalistisch.“

Für diesen Sabra ist das Wort „nationalistisch“ vertraut; im Hebräischen wird damit zwischen arabischem Terrorismus und anderen Gewaltverbrechen unterschieden. Tatsächlich besitzt dieser Mann, der inmitten von Juden aufgewachsen ist, kein Konzept und keine persönliche Erfahrung von Antisemitismus außer dem Holocaust und der Untätigkeit der Polen. Infolgedessen konnte er die Angreifer seines Bruders nicht als Antisemiten sehen, und er erklärte ihr bestialisches Verhalten als von antiisraelischem „Nationalismus“ motiviert.

Merkel, an der alles abprallt, hätte ihm zugestimmt.

Das Werben um weibliche Terroristen

Itamar Marcus, Palestinian Media Watch, 9. Oktober 2003 (Sonderbericht in der Jerusalem Post)

Einführung:
Letzte Woche wurden 19 Israelis von einer weiblichen palästinensischen Selbstmord-Terroristin getötet. Während die Medien wiederholt Überraschung über palästinensische Frauen als Selbstmord-Bomber ausdrückten, hat PMW dokumentiert, dass die PA in ihrer Werbung und Glorifizierung von Selbstmord-Terrorismus regulär auf Frauen ausgerichtet hat. Im folgenden Artikel, veröffentlicht in der Jerusalem Post vom Freitag, verfolgt PMW-Direktor Itamar Marcus die Geschichte der PA-Werbung um weibliche Selbstmord-Terroristen.

Text für die Jerusalem Post:

Die Helden einer Gesellschaft zu beobachten bietet Einsicht in deren Natur und Werte. Daher ist es erschreckend zu beobachten, wie die Palästinensische Autonomie diejenigen, die Juden umbringen einschließlich der weiblichen Terroristen –, in Helden und nachahmenswerte Beispiele verwandelt, besonders für Kinder.

Unmittelbar nach dem ersten Selbstmordanschlag durch eine Frau, Wafa Idris, am 27. Januar 2002, unternahm die PA eine öffentliche Indoktrinations-Kampagne bei ihren Frauen, damit diese sich als potenzielle Selbstmordbomber betrachten. Die Selbstmordbomberin Hanady Jaradat, die letzte Woche 19 Menschen ermordete [heplev: die Zahl ist inzwischen auf 20 gestiegen], ist ein Ergebnis dieser Indoktrination.

Unmittelbar nach dem Anschlag von Idris machten die offiziellen Strukturen der PA aus ihr eine Heldin und ihren Mord zu einer Tat, die nachgeahmt werden sollte. Innerhalb von Tagen veranstaltete die PA eine Demonstration zu ihren Ehren; junge Mädchen trugen Poster mit dem Bild von Idris und den Worten: „Die Fatah-Bewegung… rühmt mit großem Stolz die heldenhafte Märtyrerin Wafa Idris.“ [Al-Ayyam, 1. Februar 2002]

Innerhalb von Tagen erschienen in allen PA-Medien von Frauen geschriebene Artikel: „Raviha Diyav von der Palestinian Women Union betonte, dass die Teilnahme von Idris an dem Anschlag die Entschlossenheit der palästinensischen Frauen zeigt, als volle Partner an der Seite ihrer Brüder am nationalen Kampf teilzunehmen.“ (Al-Ayyam, 1. Februar 2002)

Die PA, als sie sah, dass Frauen weitaus einfacher die durch die israelischen Sicherheitsmaßnahmen durchschlüpfen konnten, schuf sofort ein Rahmenwerk für die Terror-Aktivität von Frauen: „Das Ziel dieser Brigade ist es, Angriffe auf die israelische Heimatfront durchzuführen. Die Truppe ist als Brigade zu Ehren der Märtyrerin Wafa Idris benannt worden.“ (Al-Quds, 1. März 2002)

Das von der PA kontrollierte Palestinian Television schloss sich sofort der Werbeaktion an. Es begann ein Musik-Video auszustrahlen, in dem eine Frau zu Hintergrundszenen mit extremer Gewalt sang; diese Frau wird plötzlich von einer bloßen Sängerin in eine Kriegerin verwandelt, die eine Kampfuniform trägt und von ihrem Wunsch singt, ebenfalls als Märtyrerin zu fallen: „Du wirst nicht gerettet, oh Zionist, vor dem Vulkan der Steine meines Landes. Ich werde sogar gerne als Märtyrerin fallen.“ (PA-TV, 10. März 2002)

Ein Konzert zur Ehre von Idris ist wiederholt gesendet worden, so noch am 24. Juli diesen Sommers. Das ist konstante Erinnerung – Wafa ist die palästinensische Heldin: „Meine Schwester Wafa … du hast das Märtyrertum gewählt, im Tod hast du unserem Willen Leben gebracht.“

All das führte zu einer Reihe meist erfolgloser Selbstmord-Attentate durch Frauen und schließlich zum Bombenanschlag durch Ayat al-Akhras in Jerusalem. Al-Akhras ist ein 17-jähriges Mädchen, unter dessen Opfer sich ein Mädchen im Teenager-Alter befindet.

Die PA machte dann aus diesen beiden erfolgreichen Mörderinnen ein Symbol für andere Mädchen. PA-Sommerlager für Mädchen wurden im letzten wie in diesem Jahr nach Idris und Akhras benannt. Das ist besonders Besorgnis erregend, da es für Kinder natürlich ist, dass sie andere Teenager, die geehrt werden, als Vorbild betrachten.

Idris ist so populär geworden, dass sogar Dinge, die nichts mit Terror zu tun haben, nun in ihrem Namen erscheinen: „Die Shabiba-Studentenvereinigung, die ‚Märtyrerin Wafa Idris-Zelle’ an der Offenen al-Quds Universität, feierte den Abschluss eines Kurses über Demokratie und Menschenrechte.“ (Al-Hayat al-Jadida, 11. August 2003)

Wichtig zu wissen ist, dass genauso, wie die PA den Selbstmord-Anschlag von Hanady Jaradat in der letzten Woche verurteilte, sie auch den Anschlag von Idris in Englisch verurteilte, während sie sie auf Arabischin eine Heldin verwandelte: „Die palästinensische Führung verurteilte am Sonntag scharf den Selbstmordanschlag, der in Westjerusalem statt fand…“ (WAFA, 27. Januar 2002)

Es ist traurig, dass diese Kampagne, aus Selbstmordbombern Vorbilder zu machen, Erfolg hat. In einem Interview nach den ersten beiden Selbstmord-Anschlägen durch Frauen diskutierten junge Mädchen im Fernsehen nicht die Bereitschaft, solche Gräueltaten zu begehen, sondern nur das Alter, in dem das getan werden sollte; die [19-jährige] Sabrine: „Es ist wahr, dass wir wegen der Kinder traurig sind, die starben, aber gleichzeitig müssen wir froh sein, denn die Schahide gehen ins Paradies. Ayat al-Akhras war 17, als sie sich sprengte. Ein Mädchen von 17 Jahren weiß sehr gut, was sie tut.“

Fernseh-Moderator: „Sabrine, bist du dafür oder dagegen?“

Sabrine: „Natürlich unterstütze ich die Sprengungen, das ist unser Recht. Vielleicht wird uns niemand mit uns fühlen, wenn man hört, dass Kinder sich in die Luft sprengen, aber das, das ist Heldentum.“

Moderator: „Sabrine, ist es selbstverständlich, dass Ayat al-Akhras sich sprengte?“

Sabrine: „Natürlich ist das selbstverständlich…“

Die [11-jährige] Walla: „Was sie über Ayat al-Akhras sagte – dass es ihr Recht war – da hat sie recht, dass sie es unterstützt… Ayat war ein Mädchen von 17 Jahren. Sie hätte mehr lernen können – ihre Ausbildung beenden. Dann, wenn keine Jungs mehr übrig sind und nachdem sie ihre Ausbildung beendet hat, kann sie Operationen ausführen.“ (PA-TV)

Auf der Grundlage des Handelns der PA in der Vergangenheit – und nicht auf ihren leeren Verurteilungen – wird die Terroristin und Mörderin Hanady Jaradat in die Ränge von Idris und Akhras eingereiht und Teil des PA-Lexikons der zu ehrenden Mörder, bewundert und nachgeahmt werden. Sie wird ein neues Vorbild für die kleine Walla und Sabrine werden. Und wir werden bald von Hanady Jaradat-Sommerlagern für Mädchen hören und dem neuen Hanady Jaradat-Kurs in Demokratie und Menschenrechten.

Aufwachen fällt schwer

Daniel Gordis, 25. Juni 2004 (online nicht mehr gefunden)

Vor langer Zeit hatte ich eine Freundin, deren Mutter nach langer Krankheit starb. Kurz nach dem Tod ihrer Mutter unterhielten diese Frau und ich uns darüber, wie es ihr ging. Ich erinnere mich immer noch, was sie sagte. „Weißt du, was für die liebste Tageszeit ist?“, fragte sie. „Die ersten Sekunden, wo ich wach bin. Die Sekunden, bevor ich mich erinnere.“

Ich war von diesem Bild beeindruckt, sowie sie das sagte, aber erst Jahre später verstand ich es vollständig, als die Intifada (oder, richtiger gesagt, der Krieg) sich auf ihrem Höhepunkt befand. Vermutlich 2002 und Anfang 2003. Wir wachten morgens auf und ich diesen ersten Sekunden zwischen dem Zeitpunkt als der Radiowecker und weckte und dem, als wir wirklich hörten, was gesagt wurde, konnten wir vergessen. Dass der Tag mit Beerdigungen gefüllt sein würde. Dass die Morgenzeitung Fotos der neuesten Opfer auf der Titelseite, oberhalb der Falz, zeigen würde. Dass die Nachrichten gelegentlich über den nationalen Verbrauch an Antidepressiva berichtete und fast immer verkündete, wo die „heißesten“ Warnungen vor Anschlägen dieses Tages vorlagen. In den ersten Sekunden des Tages, wenn der blass-blaue Himmel und der Jerusalemer Stein vor dem Fenster noch vor den Nachrichten registriert werden, war das Leben in Ordnung. Sehr in Ordnung. Diese wenigen ersten Sekunden lang.

Aber dann gewöhnten wir uns an das Leben im Krieg. Die Angst brauchte nicht mehr die wenigen Sekunden, um einzusetzen. Wie viele Israelis, gingen wir schlafen und dachten darüber nach und träumten davon. Und wachten damit auf. Sofort. Ohne jegliche Sekunden vor der Erinnerung. Sie war so allumfassend und dauerte so lange, dass es diese fließenden Sekunden am Morgen nicht länger gab.

Sie sind jetzt wieder zurückgekehrt, diese Sekunden, die es braucht um etwas zu begreifen, aber auf eine andere Weise. Seltsamerweise, so habe ich gemerkt, wache ich manchmal immer noch mit dem Gefühl der Angst auf und erkenne dann nach ein paar Sekunden – es ist inzwischen anders. Nicht vorbei, aber besser. Viel besser. Wenn es damals ein paar Sekunden dauerte, bis ich bemerkte, in welchem Chaos wir uns befanden, ist es nun umgekehrt. Jetzt brauchen wir diese Sekunden, um uns selbst daran zu erinnern, dass es viel weniger zu fürchten ist als es früher der Fall war. Ich ertappe mich dabei, dass ich mit einem instinktiven Gefühl einer düsteren Vorahnung aufwache, aber beim Aufwachen und Nachrichten hören sickert es plötzlich durch, dass das Schlimmste hinter uns liegen könnte.

In diesen Tagen drehen sich die Nachrichten, nun, nicht um Frieden, aber einige Schritte in Richtung Abkoppelung. Von dem, was wir hier erleben werden, das, was Frieden am nächsten kommt. Sharon, den die Welt als blutrünstigen, kompromisslosen Ideologen beschreibt, führt ein verletztes und verärgertes Land langsam und rührig aus dem Gazastreifen. Und Umfragen zeigen, dass die große Mehrheit der Israelis zufrieden damit sind. Wäre damals, 2002, kaum zu glauben gewesen.

Nicht, dass das Zuhören bei den Nachrichten sonderlich Spaß macht. Ein perfektes Beispiel von Anfang der Woche: Sie begannen mit Sharons (hoch kontroversem) Zeitplan für den (hoch kontroversen) einseitigen Rückzug. Dann ein Bericht, dass Bibi Netanyahus früherer Stabschef (damals, als Bibi Premier war) gesagt habe, die Siedler sollten legitim tödliche Gewalt gegen Soldaten benutzen könnten, wenn die kämen um sie abzutransportieren. Jetzt, berichten die Nachrichten, wird gegen ihn wegen Aufhetzung ermittelt (ein ernstes Verbrechen hier, seit Rabin ermordet wurde). Dann ein Bericht, dass die Armee im Geheimen (obwohl das offensichtlich nicht so geheim sein kann, wenn es in den Nachrichten kommt) Spezialeinheiten trainiert, die mit den Siedlern klar kommen und sie notfalls gewaltsam evakuieren können sollen.

Dann ein kurzer Überblick über die Kommentare von Peres vom Vorabend. „Wer braucht Sondereinheiten?“, wollte er wissen. „Sie wollen da nicht weg, dann lasst sie das. Lasst die Palästinenser sie bearbeiten. Warum sollten unsere Kinder Gefahr laufen Menschen da wegzuholen, wenn sie nicht kommen wollen? Wir ziehen einfach die Armee zurück und sie bleiben auf sich gestellt.“ Ja, klar. Aber ich habe das in letzter Zeit viele Leute sagen hören.

Dann gehen die Nachrichten zu „leichten“ Themen über. Ein zu früh geborenes Baby in Lebensgefahr, weil eine junge Kinderschwester versehentlich einen Ernährungsschlauch in die Vene des Babys eingeführt hatte, statt in seinen Bauch. Die Schwester wurde suspendiert und die Ärzte arbeiten daran, das Leben des Babys zu retten. Es wird erwartet, dass es ohne langfristige Schäden überleben wrid.

Der Streik der Bademeister geht weiter und bisher sind sechs Leute ertrunken, die an unbewachten Stränden schwammen. Da aber das Schuljahr zu Ende geht, wird erwartet, dass die Gerichte die Bademeister zurück zur Arbeit befehlen werden.

Ein Fußballfan wurde verurteilt, weil er 2001 bei einem Spiel „Tod den Arabern“ geschrieen hatte. Der Richter wies seine Behauptung zurück, dass das nur ein Gerede im Eifer des Gefechts gewesen sei. Ein weiteres Urteil wegen Hetze.

Und dann die nationale Hundegeschichte. Ein Pitbull, ein Kampfhund, der von einer Familie Zuhause gehalten wurde, griff die zweijährige Tochter an und tötete sie; der erste solche Vorfall in der Geschichte des Landes. Der Hund wurde vom Veterinäramt in Tel Aviv eingezogen und sollte am nächsten Tag eingeschläfert werden. Aber dann griff die Verteidigung ein. „Ein Hund, der Menschen frisst?“, fragten sie. „Wir könnten das brauchen.“ Auch die IDF wollte, dass die Hund ihnen übergeben würde, statt ihn einzuschläfern.

Was als furchtbar Tragödie begonnen hatte, wurde dann zu einer nationalen Komödie. Nur in Israel, sagen die Leute, konnte der Amtstierarzt von Tel Aviv einen gefährlichen Hund nicht töten, weil er möglicherweise im Kampf gegen den Terror genutzt werden könnte. Die Leute wussten nicht, ob sie lachen oder weinen sollten. (Heute ist wenigstens diese Geschichte vorbei – der Hund wurde gestern eingeschläfert.)

Es gibt mit den Morgennachrichten viel aufzunehmen. So viel, dass man den wichtigsten Teil vergessen könnte: dass dies die Nachrichten sind, die „normale“ Länder haben. Keine Nachverfolgung des Konsums von Antidepressiva mehr. Stimmt, es hat wieder einige Terrorwarnungen gegeben, aber sie sind vorbei und ich kenne niemanden, der seine Pläne ändert. Seit Februar, mit dem letzten gesprengten Bus, hat es in Jerusalem keine Anschläge gegeben. Seit März und dem Anschlag auf den Hafen von Aschdod keine größeren Anschläge in wichtigen zivilen Zentren. 2002 verging kaum eine Woche, manchmal nicht einmal zwei Tage, ohne schwere Verluste. Und jetzt sind Monate vergangen. Monate der Ruhe.

Sicher, das ist nicht perfekt. Es wird hier und da geschossen. Tali Hatuel und ihre vier Töchter, die am Tag der Likud-Abstimmung aus nächster Nähe im Gazastreifen in ihrem Auto erschossen wurden. Und andere. Aber es ist nicht zu leugnen, dass sich etwas entscheidend geändert hat. Elisheva und ich waren vor ein paar Tagen in der Emek Refa’im-Straße, dem Hauptanziehungspunkt in unserem Viertel. Die Straßen waren gedrängt voll und die meisten Sicherheitsleute schliefen mehr oder weniger. (Obwohl in diesem Land immer noch mehr Wachleute als Lehrer beschäftigt werden.) Wir gingen in ein Restaurant und der Wachmann schaut uns kaum an. Die Kellnerin wies uns einen Tisch bei der Tür an, was uns vor ein paar Monaten noch nervös gemacht hätte. Wir nahmen den Tisch ohne darüber nachzudenken. Mitten im Essen ging die Alarmanlage eines Ladens in der Nähe los. Der Wachmann ging los, um nachzusehen und verschwand. Niemand schien beunruhigt. Könnte es sein, dass etwas neues aufkommt?

Einige Leute haben ein starkes persönliches Interesse daran zu leugnen, das sich etwas geändert hat; sie wollen nicht aufwachen und den Unterschied sehen. Sie haben natürlich recht, dass, wenn alles ruhig ist, das nicht am mangelnden Bemühen der Terrororganisationen liegt. Erst gestern fanden die Sicherheitskräfte bei ihrer Suche in der Westbank zwei Gürtel, einen mit 10kg und einen mit 20kg [Sprengstoff]. Und gestern verhafteten sei auch drei Palästinenser auf dem Weg zu einem Anschlag in Jerusalem. Alltägliches. Wir fallen über sie her und wir haben viel bessere Informationen. Der Unterschied heutzutage ist, dass wir sie aufhalten.

Die israelische Linke will nicht zugeben, wie sehr sich die Lage gebessert hat, denn dann müssten sie zugeben, dass unsere Strategie wirkt. Der Sicherheitszaun, ein hässlicher Schatten auf den Hügeln der Westbank, und eine noch hässlichere Beton-Monstrosität bei Jerusalem und einigen anderen Orten funktionieren. Schlicht und einfach. Wenn sie nicht durchkommen, können sie nicht viel machen. Und mehr und mehr können sie nicht herein kommen.

Und wenn man beständig die Führung einer Organisation tötet, wird man irgendwann ihre Effektivität herabsetzen. Der Welt und der israelischen Linken und einer Hand voll IAF-Piloten mögen die „gezielten Tötungen“ (oder außergerichtlichen Exekutionen, wie die europäische Presse das nennt) nicht gefallen, aber sie wirken. (Man darf annehmen, dass, sollten amerikanische Soldaten bin Laden finden, er es auch nicht bis zur Gerichtsverhandlung schaffen könnte.) Die Hamas ist eine geschwächte Organisation. Genauso der Jihad. Sogar die Fatah. Sie sind schwer beschädigt – und nervös. Es mag keine populäre Vorgehensweise sein, außerhalb Israels wie auch im Inland, aber sie funktioniert. Man muss nur abends ausgehen, um den Unterschied zu spüren, den sie macht.

Die Rechte ist natürlich gleichermaßen besorgt, dass die Leute anfangen könnten zu glauben, dass der Krieg abebbt. Wie die Belagerungs-Mentalität entscheidend dafür ist, die Leute hier zu überzeugen, dass die Armee die Siedler nicht aus ihren Häusern holen sollte. (Nebenbei gesagt: Selbst die, die die Abtrennung unterstützen, müssen zugeben, dass der Schmerz, Familien aus ihren Häusern zu holen, nachdem Regierungen von Arbeitspartei und Likud sie gleichermaßen über Jahrzehnte ermutigten dorthin zu ziehen, herzzerreißend sein wird. Und dass es wahrscheinlich zu Gewalt kommen wird. Wir laufen einer anderen Art von Turbulenzen entgegen.) Anzudeuten, dass es „vorbei“ oder „fast vorbei“ ist, würde das Land also in Oslo-artige Zuversicht zurückwerfen und damit, die Angst haben sie, in alle Übereinkünfte, die damals nicht hätten getroffen werden sollen und sicher jetzt nicht wieder getroffen werden sollten.

Einige Palästinenser, mit denen ich mich neulich unterhielt, mögen ebenfalls den Gedanken nicht, dass alles vorbei ist. Sie sagen das nicht, aber wenn harsche Maßnahmen und einseitiger Abzug seitens Israel zu einer dramatischen Verringerung der Kämpfe – und der Toten – führen kann, dann wissen sie, dass es keine Verhandlungen geben wird. Sie werden nichts als Bauern im Schachspiel sein. Israel wird entscheiden und Israel wird handeln, fürchten sie. Genau. Hätten sich diese Gedanken im Oktober 2000 machen sollen, oder? Man sollte aber vermuten, dass sie daran gewöhnt sind, dass ihre Führer sehr, sehr krasse strategische Fehler machen. Immerhin haben sie mehr als ein paar nutzlose Kriege begonnen – 1946, 1947, 1967, 1973, um nur ein paar zu nennen. Warum glaubten sie, diesmal würde es anders sein? Was? Wir werden abhauen? Wohin denn?

Und selbst einige amerikanische Juden würden lieber das Gefühl der Krise beibehalten. Selbst, als die Lage sich hier beruhigte und sehr, sehr still sind, befand sich auf dem Israel-Umzug einer großen Stadt an der Ostküste Ende März das ausgebrannte Gerippe eines der Busse, in dem Menschen in einer israelischen Stadt eingeäschert wurden. Es gibt Orte für diese Busse, denke ich, denn die Geschichte des Terrors muss erzählt werden. In Den Haag. Bei der nächsten UNO-Konferenz zu Menschenrechten. Aber nicht bei einem Umzug zum Israel-Tag. Wollen wir, dass Tausende junge Amerikaner das als Erinnerung an Israel mitnehmen? Ausgebrannte Busse? Geschwärztes Metall? Wollen wir, dass die Kids denken, diese Freak-Show sei es, worum es mit dem jüdischen Staat geht?

Als eine Freundin letzte Woche Elisheva und mir separat schrieb und fragte, ob sie mit ihren Kindern zu dem Umzug gehen sollte, schrieben wir jeder einzeln zurück und fanden später heraus, dass wir beide dasselbe gesagt hatten: Geht hin. Habt Spaß und lasst euch zählen. Aber wenn ihr kurz vor dem Ende seid, dann geht raus. Nimm deine Kinder (die bisher noch nie in Israel waren) nicht mit in die Nähe des Busses. Es ist das Letzte, was sie bei einer solchen Parade sehen sollten.

Denn der Bus ist nicht das, was ihre Kinder sich in Israel verlieben lassen wird. Und so effektiv der Terror als Mittel zur Mobilisation gewesen ist, er ist nicht das, weswegen wir hier sind. Diejenigen von uns, die an diesem Ort leben, lieben ihn aus dem gleichen Grund, aus dem wir Menschen lieben. Denn mit ihnen sind wir vollständiger als wir je ohne sie sein können. Wenn die Stadt mit Plakaten gepflastert ist, die verkünden, dass der 26. Band der talmudischen Enzyklopädie jetzt gekauft werden kann, dann staune ich. Ich habe nie gesehen, dass in Los Angeles Plakate in der ganzen Stadt angeklebt wären, die das Erscheinen eines Buches ankündigen. Neue Filme, ja. Aber ein Buch? Nie. Nicht einmal Harry Potter.

Micha rief mich letzte Woche auf der Arbeit an um zu sagen, er brauche etwas Geld für das Treffen seiner Bnai Akiva-Jugendgruppe. Warum, wollte ich wissen. Weil sie ins Israel-Museum gingen, zur jährlichen Festwoche des hebräischen Buchs. Ein Haufen Fünftklässler, die absolut glücklich sind, auf eine Buchmesse zu gehen. Und er bestand darauf, Geld mitzunehmen – er hätte keinen Spaß, wenn er kein Buch kaufen könnte. Und dann zögerte er. „Ima ist nicht in der Stadt, Papa.“ Ich weiß, sagte ich ihm. (Ich weiß normalerweise, wenn meine Frau nicht da ist.) „Kann ich mit dem Bus zum Museum fahren?“ Ich zögerte einen Moment und wusste dann, dass es nur eine Antwort möglich war. Entweder hast du Vertrauen zu diesem Ort oder nicht. „Sicher, nimm den Bus“, sagte ich ihm. Er war erleichtert. Er wollte seinen Freunden nicht erzählen müssen, dass seine Eltern ihn nicht mit dem Bus fahren ließen. Diese Kinder denken nicht an ausgebrannte Busse, wenn sie an ihr Zuhause denken. Sie denken an Buchmessen im Museum. Amerikanische Juden könnten sich das merken.

Wenn ich Avi am Handy auf Hebräisch plappern höre und ihn dann so ganz nebenbei frage, mit wem er spricht, dann bin ich perplex, dass er den Namen von jemandem in Atlanta erwähnt. Zwei Kinder, deren Muttersprache Englisch ist und die rasend schnell in Hebräisch lachen und reden? In einer Sprache, die vor hundert Jahren praktisch niemand sprach? Und wenn ich ihn frage, warum sie Hebräisch sprechen, dann sieht er mich an als ob die Frage dumm ist. „Wir leben hier, oder?“ Bei Israel geht es für die von uns, die sich entschieden haben hierher zu kommen, um Wiedergeburt. Darum, ein verletztes Volk zu heilen. Um die Zukunft. Nicht um ausgebrannte Busse.

Ich war vor ein paar Tagen einen Abend in Ma’aleh Ha-Chamishah, einem Kibbutz rund 20 Minuten vor Jerusalem. Auf dem Weg ins Hotel zu dem Treffen bemerkte ich, dass es keinen Wachmann gab. Zum ersten Mal seit Jahren ging ich also in ein Hotel ohne durchsucht zu werden. Ein paar Stunden später, auf dem Weg zum Auto, kam ich an einer Lounge des Hotels vorbei, wo eine Gruppe älterer Leute saß und Karten spielte. Sie sprachen zwar Hebräisch, aber die auf ihre Unterarme tätowierten bläulich-lila Zahlen waren ein deutliches Zeichen, dass sie keine hier geborenen Israelis waren. Zwanzig Meter weiter checkte eine lange Schlange amerikanischer College-Schüler auf einer Geburtstagsreise ins Hotel ein und machten ziemlichen Radau. Die Karten spielenden Leute schien diese plötzliche Invasion nicht zu stören. Ich denke, dass wenn man da herkommt, wo sie her kommen, dann ist ein Trupp jüdischer Kids, selbst laute, selbst eine Busladung von Jugendlichen, die dringend eine Dusche brauchen, eine gute Nachricht.

Die Ruhe wird nicht anhalten, nicht so ganz. Wir wissen das. Es gab vor der ersten Intifada Terror und vor der zweiten auch. Es wird wieder Terror geben. Wir wissen das. Aber der nächste Anschlag, die nächsten Tragödien, werden nicht unbedingt das bedeuten, was wir wieder mittendrin in dem Ganzen sind. Er wird nur bedeuten, dass wir immer noch im Nahen Osten leben. Wir werden uns daran erinnern müssen.

Vor ein paar Monaten schrieb ich von unseren Taxifahrern und wie sie ihre Arbeit tun – ihrer Tochter bzw. Schwester, die im Café Moment vor zwei Jahren getötet wurde. Am Montagnachmittag wurde ein Aussichtspunkt nach ihr benannt, in Gilo, dem Viertel, indem sie aufwuchs und in dem ihre Familie immer noch wohnt.

Es war einer dieser prächtigen Tage in Jerusalem. Klarer, blauer Himmel, nicht zu heiß. Und ein völlig normaler Jerusalemer Nachmittag. Busse fuhren die Straßen rauf und runter. Leute in Autos auf ihrem Weg von der Arbeit nach Hause. Schulkinder, die herum hingen. Mütter, die die Kinderwagen direkt unter uns durch den Park schoben. Jungs, die mit ihren Fahrrädern durch den Park fuhren und die Zeremonie beobachteten. Und eine große Zuschauermenge bei der Einweihung des Denkmals.

Der Leiter der Zeremonie las die Zahlen vor. Seit September 2000 ist Jerusalem 591-mal angegriffen worden. Gilo, das Viertel, in dem wir sitzen, ist 180-mal angegriffen worden. Und 209 Einwohner Jerusalems sind getötet worden. Eine von Limors Freundinnen sprach darüber, wie die Tage und das Leben weiter gehen, aber sie und Limors Familie nicht mehr die Menschen sind, die sie einmal waren.

Aber das allgemeine Gefühl ist anders. Es gab bei der Feier Sicherheitsmaßnahmen, aber hauptsächlich, weil erwartet wurde, dass der Bürgermeister kam. (Er tauchte nicht auf – er hatte einen Termin mit einem chinesischen Geschäftsmann.) Und die Polizisten unterhielten sich mehr, als dass sie beobachteten. Erstaunlich, selbst mit ihrem Bild in der ersten Reihe und dem Schmerz ihrer Eltern immer noch so offenkundig, dass man manchmal nur schwer atmen konnte, sprach ein Familienmitglied von Limor von der Suche nach Frieden, der Hoffnung auf den Tag, an dem wir unsere Waffen weglegen können. Angesichts dieses Schmerzes und der Zahlen – immer noch der Traum von etwas anderem.

Und wenn man sich umdrehte und die Aussicht betrachtete, konnte man das breite Panorama der judäischen Berge sehen. Sandige, sanfte Hügel, die genau so aussehen, wie sie vor Jahrhunderten ausgesehen haben müssen. Eine Stadt aus der Antike, aber eine moderne Stadt. Eine verwundete Stadt, aber eine heilende. Eine Stadt, die sich einst hinter Barrikaden und Wachleuten duckte, wo aber die Kinder wieder auf ihren Fahrrädern fahren und Kinderwagen wieder durch die Parks geschoben werden. Eine Stadt, wo wir unsere Kinder in die Schule schicken und eigentlich nicht mehr daran zweifeln, dass wir sie am Ende des Tages wieder sehen.

Das sind dieselben Berge, die die Propheten gesehen haben müssen, oder? Könnten sie vielleicht dieselben Berge gewesen sein, die Zephania sah, als er ausrief (Zeph. 3,14-15):

Juble, Tochter Zion…
Freue dich und frohlocke von ganzem Herzen.
Der Herr hat … deinen Feind weggefegt…
du wirst kein Unglück mehr sehen.

Könnte das sein? Könnte es sein, dass auch dieser Traum langsam wahr wird? Könnte es sein, dass fast vier Jahre nach dem Beginn all dieser Dinge das Aufwachen wieder sicher ist? Könnte es sein, nur vielleicht, dass wir auch diesen Krieg gewonnen haben?

Die palästinensischen Terrorplanungs-Dokumente aus dem Orienthaus noch einmal betrachtet

Manfred Gerstenfeld interviewt Michael Widlanski (direkt vom Autor)

Das Orienthaus – auf Arabsich „Beit al-Sharq“ (Das Haus des Ostens) – war die strategische und politische Basis der Palästinensischen Befreiungsorganisation in Jerusalem. Der Gebäudeverbund gehörte Faisal Husseini und weiteren Mitgliedern der führenden arabischen Familie in Jerusalem. Aus diesem Komplex ein politisches, strategisches und logistisches Zentrum im Herzen der Hauptstadt Israels zu machen war eine unverfrorener Verstoß gegen die Vereinbarungen zwischen Israel und der PLO, die allgemein als „Die Oslo-Vereinbarungen“ bekannt sind.

Mit den Oslo-Vereinbarungen war es der PLO und der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) verboten innerhalb von Jerusalem zu agieren. Sie begannen jedoch auf der Stelle diese Vorkehrungen zu missachten. Husseini, Mitglied des 13-köpfigen PLO-Exekutivrats, nutzte den Orienthaus-Komplex als persönliche Machtbasis und stellte die Gebäude dem PLO-Vorsitzenden Yassir Arafat zur Verfügung.

Dr. Michael Widlanski ist Autor des Buches „Battle for Our Minds: Western Elites and the Terror Threat“ (Der Kampf um unsere Gemüter: Westliche Eliten und die Bedrohung durch den Terror)1. Er lehrt an der Bar Ilan-Universität und war Berater für strategische Angelegenheiten und Redakteur der Aufbereitung der Archive des Orient-Hauses der PLO durch Israels Ministerium für öffentliche Sicherheit.

Die Aktivitäten im Orienthaus wurden zum Stachel im Fleisch mehrerer israelischer Regierungen. Israel verzichtete auf ein Vorgehen gegen das Orienthaus, zum Teil wegen diplomatischen Drucks aus der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten.

Nach den fehlgeschlagenen Gesprächen zwischen Arafat und dem israelischen Premierminister Ehud Barak Mitte 2000 begann Arafat einen Terrorkrieg gegen Israel, den er die „Al-Aqsa-Intifada“ nannte. Ariel Sharon besiegte Barak bei den Wahlen im Februar 2001. Sharon ließ die israelische Polizei das Orienthaus erst nach dem Selbstmord-Bombenanschlag auf ein Restaurant in Jerusalem konfizsieren, bei dem 14 Menschen ermordet wurden. Mehr als 500.000 Dokumente, Tonbänder, Festplatten, Poster und Filme wurden in dem Komplex beschlagnahmt.

Der Minister für öffentliche Sicherheit, Uzi Landau, übernahm dann die Initiative zu studieren und aufzudecken, was im Orienthaus-Gelände tatsächlich stattgefunden hatte. Ich wurde zum Leiter des Teams bestellt, das sich damit beschäftigte. Die beschlagnahmten Dokumente malten ein düsteres Bild. Zu ihnen gehörten unterschriebene Botschaften Arafats und Husseinis, mit denen Mord befohlen und bezahlt wurde – was alles Jahre nach dem Schwur der PLO von Gewalt gegen Israel Abstand zu nehmen.

Die Papiere zeigten, dass Arafat die so genannte „Al-Aqsa-Intifada“ viele Monate im Voraus geplant hatte. Sie offenbarten auch, dass die Fatah – die Hauptkomponente der PLO – und die Hamas gemeinsame strategische Ziele haben, insbesondere die Vernichtung Israels, und nur in taktischen Dingen uneins sind.

Wir hatten nur vier Übersetzer, die an den 500.000 Positionen arbeiteten, die mehr als einen riesigen LKW-Anhänger füllten. Trotz der Zeit- und Budget-Limitierung fanden wir schnell heraus, dass das Material aus dem Orienthaus unglaublich wichtig war, da es Arafats Verhaltensmuster und seine Visionen für die Zukunft zeigte. Einige Dokumente zeigten, dass Arafat Hand in Hand mit Hamas-Führer Scheik Ahmed Yassin arbeitete; er schickte persönliche Briefe zur Koordination von Angriffen auf Israel an den Hamas-Führer.

Infolge der Tatsache, dass die Dokumente politisch so explosiv waren, gab Ariel Sharon Minister Uzi Landau nicht viel Unterstützung, höchstwahrscheinlich aus politischen Gründen. Sharon erkannte, dass das gefundene Material einen vernichtenden Schlag gegen die Oslo-Vereinbarungen und das sie leitende grundlegende Denken darstellte. Diese Dokumente zeigten, dass die PLO nie wirklich Interesse am Frieden mit Israel hatte. Sie demonstrierten zudem, dass die PLO der Hamas bezüglich dessen, wie man mit Israel umging, der Hamas weit näher stand, als Shimon Peres und Yossi Beilin – die Architekten der Oslo-Vereinbarungen – jemals zuzugeben bereit wären. Diese Botschaft wurde zwar der israelischen Presse und natürlich auch der amerikanischen und europäischen Presse niemals voll dargestellt, erreichte aber dennoch in einem gewissen Ausmaß die israelische Wählerschaft.

Es ist unmöglich zehn Jahre an Operationen und 500.000 Dokumente in ein paar Worten zusammenzufassen. Doch einige Beispiele daraus werden die wahren Absichten der Palästinenser illustrieren. Zum Beispiel drängt ein internes Dokument des palästinensischen Allgemeinen Geheimdienstes aus dem Jahr 1996 alle palästinensischen Offiziere wo und wann immer Waffen zu finden, die im Endkampf mit Israel genutzt werden können. Dieser Text wurde zur Verbreitung unter den Truppen massenhaft produziert. Mit Datum vom Dezember 1996 ist es ein Ruf nach Waffen gegen Israel – fünf Jahre vor dem Beginn des palästinensisch-israelischen Abnutzungskriegs, der als „Al-Aqsa-Intifda“ bekannt ist.

Ein weiteres gefundenes Dokument war Arafats handsignierte Bestätigung und Einführung zu einer Rede seines Sekretärs Taeb Abdel-Rahim im September 1999, mit der er Gewalt als Mittel Israel zu besiegen begrüßte.

Mehrere unterschriebene Dokumente aus dem Jahr 2000 zeigen, dass Husseini – der Arafats persönlicher Repräsentant in Jerusalem war – seine Angestellten drillte und seine Anwälte sorgfältig auf die „Intifada“ mit Israel vorbereitete, die im September desselben Jahres ausbrach. Darüber hinaus wurde eine von Arafat unterschriebene Liste für Zahlungen an palästinensische Terroristen und Mörder gefunden. Dazu gehörten seine handschriftlichen Änderungen, was die an jeden Mörder zu zahlenden Summen betrifft.

Wir konnten nicht einmal die Hälfte der Dokumente erfassen, weil weder die Zeit noch das Budget reichten. Doch sie schufen eine schwerwiegende Anklage gegen viele sogenannte palästinensische „Moderate“ wie Faisal Husseini und Bassam Abu-Sharif. Husseini war ein Terror-Planer und Zahlmeister; Abu-Sharif plant in einem der Dokumente Reporter in Jerusalem auf dieselbe Weise zu beschwatzen oder zu erpressen, wie die PLO es in Beirut in den 1970-er und 1980-er Jahren erfolgreich machte.

Abschließend ist es kein Zufall, dass die New York Times die Veröffentlichung der Dokumente ablehnte, obwohl ich als ihr ehemaliger Reporter ihnen einen Exklusiv-Knüller anbot. Einfach gesagt: Die Dokumente hätten den Ruf der New York Times und ihre Redaktionspositionen ausgehöhlt.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist der ehemalige Vorsitzender vom Jerusalem Center of Public Affairs.

 

1 Michael Widlanski: Battle for Our Minds: Western Elites and the Terror Threat. New York (Simon and Schuster), 2012.