Der deutsche Akademiker an der Indiana University, der die Muster des globalen Antisemitismus kartiert

Ben Cohen, The Algemeiner, 14. Juni 2019

Prof. Günther Jikeli vom Institute fort he Study of Contemporary Antisemitism der Indiana University (Foto: Michelangelo’s Photography)

„Sehr oft fangen Menschen mit negativen Gefühlen gegenüber Juden an und dann finden sie ideologische Rechtfertigungen für diese Gefühle“, erklärte der neu ernannte Professor Günther Jikeli von der Indiana University während eines ausführlichen Gesprächs mit dem Algemeiner letzten Donnerstag. „Sie suchen nach dem, was innerhalb ihrer eigenen Blase, ihrer sozialen Umwelt Sinn macht – es könnte von der Linken kommen, es könnte von der Rechten kommen, es könnten muslimische Extremisten sein, vielleicht sind es christliche Gruppen – und sie finden die Begründung dafür zu glauben, was sie glauben.“

Von seinem Hochsitz in der reizvollen College-Stadt Bloomington betreibt Jikeli eine der wichtigsten Forschungen der Ära nach dem Zweiten Weltkrieg zum Fortbestehen des Antisemitismus. Über eine rasant wachsende Datenbank aus Eins-zu-eins-Interviews sowie tausende, von seinem kleinen Forschungsteam gesammelten Posts in sozialen Medien, stellt Jikeli ständig sein Rohmaterial mit Hilfe der Antisemiten selbst zusammen. Die verschiedenen Kommentare und Beobachtungen in unterschiedlichen Kontexten haben es Jikeli ermöglicht zu studieren, wie antisemitische Gesinnungen gebildet werden, wie sie sich entwickeln und anpassen sowie den Grad des sozialen Einflusses, den sie zu einem bestimmten Zeitpunkt ausüben könnten.

In Deutschland geboren und ausgebildet, hat Jikeli die letzten Jahre damit verbracht am Institute for the Study of Contemporary Antisemitism (ISCA) der Indiana University in Bloomington to lehren und zu schreiben. Kurz nach er ISCA-Konferenz im März diesen Jahres wurde Jikeli zu ersten Inhaber der Ena B. Rosenfeld-Professur des Instituts ernannt – benannt zu Ehren der verstorbenen Ehefrau seines Gründers und Direktors Prof. Alvin Rosenfeld.

Wie wurde ein nicht jüdischer Deutscher eine universitäre Autorität zu Antisemitismus? Der in Köln aufgewachsene Jikeli sagte, er hatte allgemeine Sorge wegen Rassismus und Ungerechtigkeit, tendierte aber dazu zu glauben, dass Antisemitismus ein mit dem Nazi-Regime verbundenes Phänomen ist, nicht weiter auftritt. Als er in den 1990-er Jahren ins Studentenmilieu in Berlin eintrat, begann er das Auftreten antisemitischer Sprachbilder um sich herum zu bemerken, besonders bei politisch Linken. „Das war für mich eine weitere Überraschung“, sagte er.

Bei einer Gelegenheit, als er Schatzmeister der Studentenvereinigung war, trat eine Gruppe palästinensischer Studenten an ihn heran, die die Finanzierung von Flugblättern erbat, von denen Jikeli glaubte, dass sie eindeutig antisemitisch waren. „Schau, wenn du uns das Geld nicht gibst, dann gehen wir damit einfach zu den Nazis“, sagte ihm einer der Studenten sachlich.

„Ich war von dieser Bemerkung richtig getroffen“, sagte Jikeli. „Ich entschied mich zu untersuchen, warum diese Typen das Gefühl hatten etwas mit den Nazis gemein zu haben.“ Entsprechend wechselte er von Umweltstudien zu Antisemitismusforschung, erwarb 2011 an der TU Berlin seinen Doktortitel.

Die akademische Welt hat bei der Bekämpfung des Antisemitismus eine separate, wichtige Rolle zu spielen, argumentiert Jikeli. Mit die Gründung des ISCA, fuhr er fort, „hat Alvin [Rosenfeld] ein Zentrum geschaffen, das die antisemitischen Entwicklungen ernsthaft betrachtet, ohne alarmistisch zu sein und auch ohne das Problem herunterzuspielen.“

Das ISCA ist in der akademischen Welt zunehmend für seine Antisemitismus-Konferenzen bekannt, die alle zwei bis drei Jahre stattfinden; dort werden Wissenschaftler mit gewählten Politikern und Regierungsvertreten aus Europa, den USA und Israel zusammengebracht. Auf der diesjährigen Konferenz im März war die Hauptrednerin Katharina von Schnurbein, die für die Bekämpfung von Antisemitismus in den EU-Mitgliedstaaten verantwortliche Beamtin der Europäischen Kommission. Im Gespräch mit dem Algemeiner bei einem privaten Runden Tisch mit mehreren der Redner der Konferenz – darunter Jikeli – sagte von Schnurbein, dass der Ausbildung sowohl von Gesetzeshütern als auch der Justiz beim Erkennen, wann eine Tat antisemitisch ist, Priorität gegeben wird.

„Die nichtjüdische Zivilgesellschaft [in der EU] begreift zunehmend, dass Antisemitismus auch für sie eine Bedrohung ist“, fügte sie an. „Selbst wenn es sie nicht direkt bedroht, sollten sie ermutigt werden aufzustehen, wenn ihre Mitbürger unter einem solchen Druck stehen.“

Forschung wie die, die Jikeli durchführt, hat direkte Bedeutung für Regierungsvertreter sowie auch diejenigen europäischen Bürger, die anerkennen, dass Antisemitismus in ihrem Land ein Problem ist – was nach Angaben einer EU-Umfrage von Eurobarometer vom Dezember 2018 zwischen 62 und 81 Prozent der Befragten in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und Schweden bestätigten. Mit dem Aufzeigen der zahlreichen Quellen des Antisemitismus sowie einer Bandbreite an Ideologien, in die antisemitische Ausdrucksweisen oder Überzeugungen einfließen, fordert Jikelis Arbeit auch die Vertreter der Gesetzeshüter heraus, die weiter glauben, dass antisemitische Gewalttaten einzig die Domäne von Neonazi- und rechtsextremen Gruppen sind – eine Annahme, die besonders bei Polizisten in seiner deutschen Heimat vorherrscht.

Eines der aktuelleren Projekte Jikelis und Thema seines anstehenden Buches beinhaltet eine weiter gefasste Umfrage unter 150 syrischen Immigranten in Deutschland zu ihren Einstellungen gegenüber Israel und Juden. Sie wurde 2016/17 durchgeführt, zusammen mit einer subtilen, aber auffallenden Unterscheidung, wie Immigranten kurdischer und arabischer Herkunft jeweils Juden betrachten.

„Es war uns wichtig das Problem des Antisemitismus in dieser Bevölkerung zu untersuchen, ohne die syrischen Flüchtlinge n Deutschland zu dämonisieren“, sagte Jikeli. „Es gibt in Deutschland etwa 700.000 bis 800.000 Syrer, was bedeutet, dass sie heute die nach den türkischen und polnischen Gemeinschaften drittgrößte Minderheit im Land stellt. Rund 30 Prozent davon sind Kurden, die in Syrien schon sehr lange unterdrückt werden.“

Zu den historischen Verfolgern der zwei Millionen Kurden in Syrien hat die arabisch-nationalistische Ba’ath-Partei gehört, die der aktuelle Diktator Baschar al-Assad leitet. „Einige der Kurden, mit denen wir sprachen, erinnerten sich daran in der Schule geschlagen worden zu sein, wenn sie keine arabsich-nationalistischen oder antizionistischen Parolen riefen“, sagte Jikeli. „In dieser Gruppe gibt es sogar ein paar, die sogar projüdische und pro-israelische Einstellungen haben, Israel dafür bewundern, dass es dem arabischen Nationalismus Paroli bietet, von denen sie verfolgt wurden.“

Die Interviews demonstrierten allerdings in der Hauptsache den enormen Zugriff antisemitischer Verschwörungstheorien unter Syrern aller Gruppen. „Es gibt im syrischen Krieg so viele Akteure, aber immer noch wird geglaubt, dass Israel alle Kämpfe einfädelt“, stellte Jikeli fest.

Dieser Hang die Welt auf antisemitische Art zu interpretieren, wurde schon früh eingeprägt, sagte Jikeli. „Wenn man sich syrische Schulbücher ansieht, dann ist das die Art von Dingen, die ein Neonazis liebend gerne seine Kinder lehren würde“, bemerkte er. „In den 1920-er Jahren bereicherten sich Juden an der Wirtschaftskrise und dann kam Hitler und verteidigte die Deutschen gegen die Juden. Das steht so in ihren Geschichtsbüchern, also wundert es nicht, dass Menschen, die dieses Bildungssystem durchlaufen haben, diese alarmierenden Ansichten zu Juden, Israel, dem Zweiten Weltkrieg usw. haben.“

Nicht alle Überzeugungen waren gleich, betonte Jikeli. Ein Befragter – ein Professor für arabische Literatur – zitierte überzeugt aus den Protokollen der Weisen von Zion und war ehrlich erstaunt, als er darüber informiert wurde, dass der Text eine Fälschung der zaristischen Geheimpolizei im vorrevolutionären Russland war. Dementgegen sagte ein anderer Befragter – früher in seinem Heimatland ein erfolgreicher Modeverkäufer – da er jetzt in Deutschland sei, sähe er keinen Grund sich den antisemitischen Schmähungen anderer anzuschließen, schließlich nicht riskiere er verhaftet zu werden, weil der das nicht mache – in Damaskus ein plausibles Schicksal.

Jikelis aktuelle Bemühungen richten sich auf die Analyse der Muster von Online-Antisemitismus. Mit Konzentration auf Twitter gründet seine Forschung auf einer Auswahl von 10 Prozent aller Tweets in einem vorgegebenen Jahr. „Eine Menge Studien haben festgestellt, dass es jede Menge Online-Antisemitismus gibt, aber es ist immer noch eine Herausforderung, wenn es darum geht ihn zu quantifizieren“, sagte er. „Wenn du drei Milliarden Tweets hast und es dann alle 83 Sekunden einen antisemitischen Tweet gibt, könntest du zu dem Schluss kommen, dass das nicht sehr bedeutend ist. Es gibt bisher keine Studien, die mit Sicherheit quantifizieren und rückverfolgen können, also haben wir damit angefangen das zu tun.“

Auf Twitter, erklärte Jikeli, „betreiben wir Abfragen wie ‚Juden‘ oder ‚Israel‘ und wir bekommen alle Tweets, die diese Worte beinhalten. Wir können eine repräsentative Auswahl aus dieser Tweets generieren und sie dann manuell durchgehen. Wir könnten, sagen wir, 400 Tweets haben und wir können bestimmen, zu welchem Prozentsatz diese antisemitisch sind.“ Bei der Untersuchung von Tweets mit dem Wort „Israel“ sagte Jikeli, dass „elf Prozent davon antisemitisch oder mutmaßlich antisemitisch waren. Wenn man darüber nachdenkt, dann ist das ziemlich viel, etwa jeder zehnte Tweet.“

Entscheiden ist, dass Jikelis Online-Recherche auch eine Ermittlung beinhaltet, wer in den sozialen Medien die antisemitischen Schlüssel-Influencer sind.

„Diese Methode ist weit effektiver als einfach Befragungen durchzuführen, weil wir sehen können, wie Menschen mit antisemitischen Ansichten sich in einem Zeitabschnitt entwickeln“, schloss er.

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Gedankenverlorenes Territorium: Twitter entschuldigt sich für die Schließung eines Hamas-Accounts, nachdem dieses für eine Parodie gehalten wurde

„Wir hielten die Völkermord-Rhetorik auf dem fraglichen Account für eine überzogene Parodie.“

PreOccupied Territory, 9. Mai 2019

San Francisco, 9. Mai – Der Microblogging-Mediengigant Twitter kündigte heute an, dass er sich entschuldigt hatte und den Account der Islamistengruppe wiederherstellte, der den Gazastreifenführt und routinemäßig Terrorismus betreibt; es gab die irrtümliche Sperr des Accounts, dessen radikaler Ton und Inhalt die Firma zu dem Verdacht veranlasste es handele sich um einen Betrüger, der versuchte die Gruppe zu karikieren, um sie extremer erscheinen zu lassen.

Ein Twitter-Sprecher postete heute Morgen, dass die englischsprachige Seite des Hamas-Account ihre Aktivitäten jetzt wieder wie zuvor aufnehmen könne und erklärte, die Firma bedaure den Vorfall.

Twitter bemüht sich eifrig darum seine Nutzer vor Imitatoren zu schützen“, twitterte der Sprecher. „Manchmal geht unsere Tatkraft zum Erhalt der Authentizität unserer User über das hinaus, was absolut notwendig ist, wie in diesem Fall, in dem wir die völkermörderische Rhetorik des fraglichen Accounts für eine überzogene Parodie der Hamas hielten. Bei genauerer Untersuchung entdeckten wir, dass wir einen legitimen Account einer Terrorgruppe geschlossen hatten und machten die Sperre sofort rückgängig. Wir entschuldigen uns für die Vorverurteilung und werden unsere Prozesse überprüfen, um die Genauigkeit unserer Bestimmungen dazu zu verbessern, welche Accounts echt sind und welche Imitationen.“

Hamas nach ihre Twitter-Botschaften wieder auf, sobald sie die Nachricht von der Wiederherstellung des Accounts erhielt. „Die Zionisten haben es abermals verfehlt den Widerstand zu unterdrücken“, erklärte sie. „Wir danken unseren Freunden auf Twitter dafür, dass sie auf die Vernunft hörten und den Account wiederherstellten.“ Weitere Tweets versprachen blutige Rache an den Juden und forderten die sofortige Entfernung aller Einschränkungen, die Israel dem Gazastreifen auferlegt hatte, um Waffenschmuggel und –herstellung zu verhindern.

Die Begebenheit ereignete sich kurz nach einem Vorfall, bei dem Twitter zahlreiche Accounts geschlossen hatte, die nach Einschätzung der Firma die User verwirren und lgauben machen könnten echte Accounts zu sehen, die in Wirklichkeit den Namen einer Person, Gruppe oder Institution für Comedy oder Satire verwenden. Das bekannteste Beispiel der letzten Tage betraf einen Parodie-Account, der sich über die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez lustig machte; die meisten, wenn nicht alle geschlossenen Accounts scheinen sich über Persönlichkeiten oder Institutionen lustig zu machen, die im politischen Spektrum links stehen.

Experten sagen weitere solche Vorfälle voraus. „Es wird nicht einfacher Satire von Fakten zu unterscheiden“, stellte ein verifizierter Medienanalyst namens Hugh Jass fest. „Kein einfacher Algorythmus kann Parodien von Ernsthaftigkeit unterscheiden und selbst ein lebender Mensch, der das Material durchsieht, könnte es falsch bewerten. Verdammt, sogar Journalisten mit angeblich enormer Erfahrung bei der Überprüfung ihrer Quellen können das Offensichtliche übersehen.“

Wahrlich ein KZ…

gesehen auf twitter: Die Leute verhungern, sie sind eingepfercht, haben nichts… ? Ein Palli-Propagandist, der sonst immer tönt, wie schlimm es den Pallis geht, hat keine Hemmungen, das hier zu re-twittern. Zu blöde, um zu merken, dass er sich damit selbst widerlegt?

Amnestys Besessenheit mit den Juden geht weiter

Elder of Ziyon, 5. Februar 2019

Schon immer seit Amnesty International letzte Woche seinen wahrlich antisemitischen Bericht veröffentlicht hat, dass TripAdvisor s wagt Immobilien in jüdischem Eigentum in Judäa und Samaria anzubieten, wird dieser Bericht unaufhörlich auf Twitter gepuscht.

19 von 30 Tweets seitdem, verteilt über fast eine Woche, behandelten dieses Thema und alle anderen Menschenrechtsthemen der Welt sind dafür auf Eis gelegt worden.

Hier ist ein Diagramm, das die Themen der Amnesty-Tweets seit dem 30. Januar zeigt:

Wie nennt man das, wenn jemand von der Idee besessen ist, dass Juden – und nur Juden – die in ihrer historischen Heimat leben, nicht dieselben Rechte haben wie jeder andere Mensch auf dem Planeten?

Sicher nicht „Menschenrechte“.

Obamedien-Kloppe

DAS bringen unsere Medien nicht – und die tollen Trump-„Kritiker“ in den USA auch nicht: In den ersten zwei Monaten Monaten unter Trump wurden die Schulden der USA um 100 Milliarden Dollar verringert – nicht das Schuldenwachstum, sondern die Schulden selbst. (Seitdem ist der Schuldenstand gleich geblieben, also auch nicht wieder gewachsen, wobei der Verdacht geäußert wird, dass weiter Schulden abgebaut wurden, das aber in den Veröffentlichungen des „Sumpfs Washington“ nicht angeführt wird).

Obamanisten:

Die US-Demokraten lassen sich weiter auf ihre Versager-Führung:

„Entspannt euch… unsere scharfsinnige Führerin
wird sich schon was ausdenken.“

Der Hype um Trumps (bitte einsetzen…):

…die Russland-Connection: Was ist wirklich an Beweisen vorhanden?

links die Verdunkelung und Behinderung der Justiz durch Trump,
rechts die durch Obama/Hillary
(und nur zur Erinnerung: links wird ermittelt wie bescheuert, rechts nicht!)

Und sie versuchen immer weiter die tote Kuh zu melken:

Obamedien:

Mal sehen, wer hinter den Fake News steckt:

Oder auch so: Stimmt das? Oder hast du es auf CNN gehört?

Auf jeden Fall sieht die Glaubwürdigkeit von CNN so aus:

Aber CNN hält dagegen – mit „Bagdad Bob“:

„Wir bleiben der Name mit dem meisten Vertrauen in den Nachrichten.“

Der Donald:

Weshalb der Donald weiter seine mächtigste Waffe einsetzt:

Die Wirkung kann man auch so darstellen:

Und DAS hätte der Obamessias niemals gemacht, dazu war (und ist) er viel zu blasiert: Bie der Rückkehr aus Hamburg wollte Donald Trump seinen Hubschrauber besteigen. Dem Marine, der in Habt-Acht-Stellung davor stand, wehte der Rotor-Abwind die Mütze vom Kopf. Trump bückte sich, hob sie auf und setzte sie dem Marine wieder auf.

Stimmungsvolle Musik für den Jihad: YouTube hat Musiklisten die für ausländische Terrororganisationen und jihadistische Ideologien werben!

Alberto M. Fernandez, MEMRI, 5. Oktober 2015 (übersetzt von Cora)

Die sozialen Medien Amerikas haben in den letzten Jahren einige Fortschritte bei der Kontrolle ihrer Bereiche gemacht und Inhalte des Islamischen Staates und Al Quaeda entfernt. Facebook hat sich am meisten darin hervorgetan, offensichtlich terroristische Propaganda zu löschen um Leichtgläubige vor radikalisierenden Inhalten zu schützen. Bei Twitter gibt es noch eine Seite, auf der die Extremisten leicht zu finden sind und derzeit prahlen sie auch mit ihrer andauernden Präsenz dort.[1] Aber einige soziale Medien haben nach wie vor jede Menge Material, das, wenn es auch nicht die neuesten, modernsten oder bekanntesten Inhalte, die von ISIS verbreitet werden, doch genau diese Botschaften senden. Diese Inhalte reichen von religiösen Predigten, die die salafistische Sicht des Jihad verbreiten, bis hin zur Musik.

Die beständige Präsenz dieses Materials auf den Plattformen amerikanischer Medienfirmen unterstreicht die Herausforderung an die Algorithmen und die angeblichen Experten. Es ist nicht bekannt, welche Qualifikationen und Kriterien die Untersuchungskommitees derzeit haben und wie sie auf ihre Aufgabe vorbereitet werden – aber betrachtet man die deutlich gekennzeichneten Originale und deren hervorgestossenen Worte und Bilder, die jene Organisationen bewerben, die genau in diesem Moment Massenmorde, Vergewaltigungen und Zerstörungen in größtem Ausmaß verüben – dann machen sich beide abscheulicher krimineller Taten schuldig, und prahlen damit.

Die Europäische Union hat vor kurzem erst die Einrichtung einer Spezialeinheit bei Europol empfohlen, die Online-Inhalte, welche terroristische Handlungen glorifizieren, verfolgen und entfernen soll, aber das ist eine Mammutaufgabe.[2]

Ebenso wie man auf den Playlisten von YouTube alle möglichen Arten von Musik, diverse Künstler, Bands oder Komponisten findet, kann jeder Nutzer auch stundenlang jihadistische Musikvideos zuhören, die mit Bildern des Kampfes, der Verherrlichung der Anführer und Organisationen des Terrors und mit offensichtlicher Unterstützung von Gruppen wie ISIS oder Hamas unterlegt sind. Diese Playlisten sind Eigenproduktionen, liebevoll zusammengestellt von jugendlichen Enthusiasten und sie stützen sich ganz auf Individuen, die jene Videos posten und sie haben Namen wie „1.Khilifa Produktion“, „Söhne Bosniens“ oder „Weg zum Paradies 3“.

Eine Playliste hat den Titel „Populäre salafistische Jihad- und Nashidvideos“ und beinhaltet 152 Stücke, die von jemandem produziert wurden, der, nicht sehr verwunderlich, für den Hashtag #Salafijihadism[3] wirbt.

Diese Playliste beinhaltet nicht die berühmtesten und ausgefeiltesten Lieder des Islamischen Staates, sie tendieren eher ins Amateurhafte; die unterschiedlichen Materialien variieren auch in Bezug auf die technische und musikalische Qualität und Herkunft. Einige Videos zeigen hundert Bilder, andere dagegen hunderttausende. Einige sind gerade erst eingefügt worden, andere gibt es auf YouTube schon seit 5 Jahren und länger.

Anders als ISIS, die eifersüchtig nur für sich werben und die meisten anderen Gruppen als inakzeptabel erachten, enthält diese Playliste Inhalte, die ISIS, Al Quaeda, Hamas, verschiedene islamistische Rebellenfraktionen in Syrien und andere, eher lokale Jihadgruppen, verherrlichen.

Viele dieser Videos werden unter Titeln, wie: „Das wunderbare (Lied) der jihadistischen Nasheeds“ oder „das mutmachendste Jihadvideo“ angepriesen. Das unten gezeigte preist ISIS und beinhaltet auch eine Version des berüchtigten Mottos „baqiyya“ (hier, um zu bleiben), das bei Twitter für Pro-ISIS Nachrichten oft genutzt wird. Es scheint ein Teil der Bemühungen zu sein, die Nutzer der YouTube Videos auf die richtigen Hashtags auf Twitter zu führen.

Die meisten Musikvideos sind auf arabisch, aber einige haben englische Untertitel. Das untere ist mit dem Titel „Das allerschönste Nasheed. Lass uns gehen und kämpfen“ versehen.

Derzeit gibt es unterschiedliche Playlisten des salafistischen Jihad-Genres. Eine kurze, etwas einfache „Salafi Nasheed“ genannte und von Amir Faria erstellte, hat einige nun gelöschte Stücke in der Liste, wahrscheinlich weil sie die berühmtesten ISIS Lieder und eingebettete Bilder beinhaltet, die für den Islamischen Staat warben.[4]

Das kommt bei YouTube immer wieder vor; einige ISIS Videos werden entfernt, doch andere, von denen wohl angenommen wird, sie seien weniger verwerflich, bleiben. Obwohl sie ebenfalls für Organisationen werben, die köpfen, abschlachten kreuzigen und andere dazu ermutigt, das Gleiche zu tun. Viele der verbliebenen Lieder sind tatsächlich salafistische Jihadlieder, die die salafistisch-islamische Weltsicht unterstützen, ohne eine offensichtliche Verbindung zu den existierenden Terrorgruppen zu haben.

Eine andere Playliste, die mehr eine jugendliche Stimmung verbreitet, und kurz mit „Populäre Jihad-Videos und Nasheed“ übertitelt ist, beinhaltet 200 Lieder und umfasst ein großes Themengebiet. Die Playliste beginnt mir einem flotten Lied des Palästinensischen Islamistischen Jihads (PIJ) um dann mit Hymnen fortzufahren, die die Kämpfe in Tschetschenien und Syrien verherrlichen.[5] Bilder von Osama bin Laden, Abu Musa´ab Al-Zarquawi, dem ISIS Kommandanten Abu Omar Al-Shishani und andere tauchen immer wieder auf. Pferde, Schwerter, Gewehre und Löwen gibt es reichlich. Wie bei solchen Collagen häufig, wird ein Lied mit Bildern unterlegt, die aus anderen Medien – auch populären Kinofilmen, genommen werden. (Ridley Scotts Produktion „Königreich des Himmels“ von 2005 scheint einer der Favoriten zu sein.) Ein Jihad-Song benutzt sogar unpassenderweise den amerikanischen Weißkopfseeadler als Bild, um seine Sache zu promoten.

Bei einigen Liedern sind die Originale mit Untertiteln in den Sprachen Bahasa-Indonesisch (allgemeine Staatsprache Indonesiens), Deutsch oder Englisch versehen. Die Liste ist, um es gelinde auszudrücken, sehr vielseitig. Sie enthält sogar ein Musikvideo der libanesischen Terrorgruppe Hisbollah, dem Erzfeind aller salafistischen Jihadgruppen, wie ISIS (und natürlich ist die Hisbullah keine salafistische Gruppe). Zusätzlich zu einigen schiitischen Inhalten, hat diese Playliste auch Material, das wahrscheinlich „komödiantischen Zwecken“ dienen soll; es verbindet Ausschnitte von Hollywood-Explosionen mit echter ISIS-Musik (wie das berühmte Saleed al-Sawarim), den Geräuschen einer Schlacht und „Allahu akbar“ Rufen, die von echtem ISIS Material genommen wurden.

Anders als Twitter oder Archive.org[6] hat YouTube inzwischen einen relativ klaren Meldungsmechanismus, um terroristisches Material zu identifizieren und, hoffentlich, auch zu löschen. Das System braucht jedoch nach wie vor motivierte Privatleute, die diese Inhalte anzeiten und die aktuellen Richtlinien sind den privaten Nutzern noch völlig unbekannt. Sicher gibt es noch einige Grauzonen, die die Redefreiheit betreffen, die ins Spiel kommen. Doch betrachtet man sich die schiere Masse an Material, welches von den Ideologen von ausgewiesenen Terrororganisationen des Auslands (FTOs) offensichtlich unterstützt wird, so haben wir noch lange nicht diese sensible Zone erreicht.

[1] Washingtonexaminer.com/twitter-pressed-to-confront-terrorist-abuse/article/2559893.

[2] Europol.europa.eu/content/europol%E2%80%99s-internet-referral-unit-combat-terrorist-and-violent-extremist-propaganda

[3] Youtube.com/playlist?list=PLKLP7PDUxI8x0EKmNM4Hwdwwf5sMAjpyL

[4] Youtube.com/watch?v=2TCdmy-7-Xw&list=PLzAizDWpdDn8WjyLr23h9lQ8fT3vR45lT

[5] Youtube.com/playlist?list=PLrwdN9vtPRJ2QiQavnittoYh-UGph1bnS

[6] S. MEMRI Cyber and Jihad Lab report Who Is Posting Islamic State (ISIS) Materials On The San Francisco-Based Internet Archive (Archive.org) – And What Can Be Done About It?, 1. Juni 2015.