Das „Amselfeld“: Der 630 Jahre alte Grund dafür, dass Osteuropäer den Islam nicht mögen.

Raymond Ibrahim, 15. Juni 2019

Gemälde der Kosovo-Schlacht von Peter Radicevic, 1987

Warum Osteuropäer unwilliger sind muslimische Migranten aufzunehmen als ihre westlichen Gegenüber, kann zu den Umständen um eine ausschlaggebende Schlacht zurückverfolgt werden, die des Kosovo, die vor genau 630 Jahren, am 15. Juni 1389 stattfand. Darin kämpften muslimische Invasoren gegen osteuropäische Verteidiger oder die Vorfahren der vielen heutigen Osteuropäer, die dem Islam Widerstand leisten.

Weil der Jihad so alt ist wie der Islam, ist er von verschiedenen Völkern die Jahrhunderte hindurch (Araber im Nahen Osten, Mauren/Berber und Afrikaner in Spanien und Westeuropa usw.) betrieben worden. Das erfolgreiche Eindringen des Islam in Osteuropa wurde von den Türken betrieben, insbesondere von dem Stamm, der im westlichsten Anatolien (Kleinasien) siedelte und damit am nächsten an Europa, den osmanischen Türken, benannt nach ihrem Gründer Osman Bey. Als er 1323 im Sterben lag, lauteten seine Abschiedsworte an seinen Sohn und Nachfolger Orhan: „Verbreite den Islam mit deinen Waffen.“

Das machte sein Sohn dann auch; der Reisende Ibn Batutua, der Orhan einst in Bursa traf, beobachtete, dass obwohl der Jihaidist einige hundert byzantinische Festungen erobert hatte, „er nie einen ganzen Monat in einer Stadt blieb“, weil er „ständig gegen die Ungläubigen kämpft und sie belagert“. Christliche Städte fielen wie Dominosteine: 1329 Smyrna, 1331 Nicäa und 1337 Nicomedia. Bis 1340 befand sich ganz Nordwest-Anatolien unter türkischer Kontrolle. Inzwischen und um einen europäischen Zeitgenossen zu zitieren, „trennte die Feinde des Kreuzes und die Mörder der Christen, das sind die Türken, von Konstantinopel lediglich ein Kanal von drei oder vier Meilen.“

Bis 1354 schafften es die osmanischen Türken unter Orhans Sohn Suleiman die Dardanellen zu überqueren und die aufgegebene Festung Gallipoli zu besetzen, womit sie erstmals in Europa Fuß fassten. „Wo es Kirchen gab, zerstörte er sie oder wandelte sie in Moscheen um“, schreibt ein osmanischer Chronist: „Wo es Glocken gab, zerbrach Suleiman sie und warf sie ins Feuer. So gab es anstelle von Glocken Muezzine.“

Von allem christlichen „Dreck“ gereinigt, wurde Galliopoli, wie ein späterer osmanischer Bey prahlte, „der muslimische Hals, der jede christliche Nation verschlingt – der die Christen erstickt und vernichtet.“ Aus dieser zerfallenen, aber strategisch platzierten Festungsstadt begannen die Osmanen einen Terrorfeldzug durch das Land, immer in der Überzeugung, das Werk Gottes zu tun. „Sie leben vom Bogen, dem Schwert und Ausschweifungen, fanden Gefallen daran Sklaven zu nehmen, verschrieben sich Mord, Plünderung, Beutezug“, erklärte Gregory Palamas, ein orthodoxer Metropolit, der in Gallipoli gefangen genommen wurde; er fügte hinzu: „Und sie begehen nicht nur diese Verbrechen, sondern sie glauben sogar – was für eine Verirrung – dass Gott ihnen dafür Anerkennung zollt!“

Nach Orhans Tod 1360 und unter seinem Sohn Murad I. – dem ersten seiner Linie, der den Titel „Sultan“ annahm – begann der westwärts gerichtete Jiahd in den Balkan ernsthaft und war nicht aufzuhalten. Bis 1371 hatte er Teile Bulgariens und Mazedoniens in sein Sultanat annektiert, das nun Konstantinopel so umschloss, dass „ein Bürger das Reich einfach dadurch verlassen konnte, dass er durch die Stadttore ging“.

Es überrascht daher nicht, dass, als Prinzi Lazar von Serbien (geb. 1330) Murads Invasionskräfte 1387 besiegte, „es stürmischen Jubel der Slawen des Balkans gab. Serben, Bosnier, Albaner, Bulgaren, Wallach und Ungarn aus den Grenzprovinzen sammelten sich allesamt um Lazar wie nie zuvor, entschlossen die Türken aus Europa zu vertreiben“.

Murad reagierte auf diese Unverfrorenheit am 15. Juni 1389 im Kosovo. Dort kämpfte eine Koalition mit serbischer Mehrheit, verstärkt durch Kontingente aus Ungarn, Polen und Rumänien – zwölftausend Mann unter der Führung von Lazar – gegen dreißigtausend Osmanen unter der persönlichen Führung des Sultans. Trotz des anfänglichen Gusses türkischer Pfeile donnerte die serbische schwere Artillerie durch die osmanischen Frontlinien und brach den linken Flügel auf; die osmanische Rechte unter Murads älterem Sohn Bayezid schwenkte um und umfasste die Christen. Der chaotische Zusammenstoß ging Stunden weiter.

In der Nacht vor der Schlacht flehte Murad Allah an ihm „die Gunst zu erweisen für den wahren Glauben zu fallen, also um den Märtyrertod.“ Irgendwann gegen Ende der Schlacht wurde sein Gebet erhört. Nach Angaben der Tradition bot Miloš Obilić, ein serbischer Ritter, an zu den Osmanen überzulaufen; seine Bedingung war, dass ihm angeischts seines hohen Rangs erlaubt werde sich vor dem Sultan selbst zu ergeben. Sie brachten ihn vor Murad und nachdem Milos in falscher Unterwerfung niederkniete, stürzte er sich auf den muslimischen Kriegsherrn und rammte ihm einen Dolch tief in den Bauch (andere Quellen sagten: „mit zwei Stößen, die am Rücken wieder austraten“). Die ansonsten langsamen Wachen reagierten damit den Serben in Stücke zu hacken. Blutüberströmt und Blut spuckend lebte Murad lange genug, um zu sehen, wie sein Erzfeind, der inzwischen gefangen genommene Lazar, vor ihn gebracht, gefoltert und enthauptet wurde. Als kleiner Ausgleich mochte das ein Lächeln auf das Gesicht des sterbenden Märtyrers gebracht haben.

Murads Sohn Bayezid übernahm sofort das Kommando. „Seine erste Tat als Sultan bestand darin, über der Leiche seines Vaters den Tod seines Bruders durch Strangulation zu befehlen. Das war Jakub, sein Mitkommandeur in der Schlacht, der sich auf dem Feld einen Ruf und Beliebtheit bei seinen Truppen erworben hatte.“ Als Nächstes brachte Bayezid die Schlacht zu einem entscheidenden Ende; er warf alles, was ihm zur Verfügung stand, auf den Feind, was zum Abschlachten auch des letzten Christen führte – aber noch mehr seiner eigenen Leute in dem Prozess.

Auf das riesige Feld an Leichen strömten derart viele Vögel und schlemmten, dass die Nachwelt sich an den Kosovo als „Amselfeld“ erinnerte. Obwohl das praktisch ein Unentschieden war – oder bestenfalls ein Pyrrhus-Sieg für die Osmanen – fühlten die Serben, mit zu Beginn weniger Ressourcen am Start im Vergleich zum aufkommenden muslimischen Reich, den Schmerz stärker.

In den auf die Schlacht im Kosovo folgenden Jahren wurde die osmanische Kriegsmaschine unaufhaltbar: die Nationen des Balkan wurden von den Muslimen erobert – nachdem es ein Jahrtausend an Jihadkriegen widerstanden hatte, fiel Konstantinopel 1453 selbst dauerhaft an den Islam – und sie blieben Jahrhunderte lang unter osmanischer Herrschaft.

Das kollektive Gedächtnis der Osteuropäer für die nicht allzu weit zurückliegenden Erfahrungen mit und unter dem Islam sollten nie unterschätzt werden, wenn man bedenkt, warum sie im Vergleich zu ihren westlichen, liberalen Gegenübern beträchtlich skeptischer – wenn nicht regelrecht feindselig – dem Islam und seinen Migranten gegenüber sind.

So erklärte der ungarische Premierminister Victor Orbán einmal:

Wir wollen Frankreich, Belgien und alle anderen Länder nicht kritisieren, aber wir glauben, dass alle Länder ein Recht haben zu entscheiden, ob sie eine große Anzahl Muslime in ihren Ländern haben wolln oder nicht. Wenn sie mit ihnen zusammenleben wollen, können sie das. Wir wollen das nicht und ich denke wir haben das Recht zu entscheiden, dass wir keine große Zahl an muslimischen Menschen in unserem Land haben wollen. Die Folgen davon eine große Zahl an muslimischen Gemeinschaften zu haben mögen wir nicht, wie wir sie in anderen Ländern sehen und ich sehe keinen Grund dafür, dass irgendjemand sonst uns zwingen sollte Möglichkeiten zu schaffen in Ungarn auf eine Art zusammenzuleben, die wir nicht haben wollen… Ich muss sagen, wenn es um Zusammenleben mit muslimischen Gemeinschaften geht, sind wir die einzigen, die Erfahrung haben, denn wir hatten die Gelegenheit diese Erfahrung 150 Jahre lang durchzumachen.

Und diese Jahre – von 1541 bis 1699, als das islamisch-osmanische Reich Ungarn besetzte – sind reichlich bestückt mit Massakern, der Versklavung und der Vergewaltigung von Ungarn.

Europas Asyl-Schande

Raten Sie mal, wer den roten Teppich bekommt – und wer abgewiesen wird

Bruce Bawer, FrontPageMag, 28. August 2017

Vor drei Jahren stellte Aideen Strandsson, eine iranische Schauspielerin, die vom Islam zum Christentum übertrat in Schweden Antrag auf Asyl, weil Glaubensabfall in ihrem Heimatland mit dem Tod bestraft wird. (Fragen Sie mich nicht, warum ihr Name eher schwedisch als iranisch klingt.*) Diesen Sommer lehnten die schwedischen Behörden ihren Antrag ab. Sie waren voll darauf vorbereitet sie in den Iran – und damit den Tod – abzuschieben, als die ungarische Regierung einschritt und ihrer Aufnahme zustimmte. Das ist nur die Geschichte einer Einzelperson, aber sie beleuchtet den dramatischen Unterschied zwischen West- und Osteuropa, wenn es um Dinge geht, die in nicht allzu ferner Zukunft die Zukunft des Kontinents entschieden werden.

Schweden ist natürlich eines der westeuropäischen Länder, die Armeen von Muslimen begierig Asyl gewährt haben, die sich zwar als Flüchtlinge ausgeben, die aber in Wirklichkeit Wirtschaftsmigranten sind und begierig im Sozialstaat schnelles Geld machen. Ungarn gehört derweil zu den osteuropäischen Staaten, die es ablehnen Muslime aufzunehmen, aber bereit sind Christen anzunehmen.

In beiden Fällen ist die Logik klar. Westeuropäische Politiker und Bürokraten tendieren dazu postmoderne Multikulturalisten zu sein – in Schweden auf fanatische Weise. Für ihre eigene Zivilisation empfinden sie Verachtung und sie betrachten diese Verachtung als Beweis von Perfektion und Tugend. Sie haben aus unqualifiziertem Respekt für andere Kulturen einen Fetisch gemacht, egal wie wenig dies Kulturen die Beachtung eines anständigen Menschen auch verdienen mögen. Besonders lieben sie Kulturen, die ihre eigene Verachtung für den Westen teilen und daher gibt es keine Kultur, für die sie mehr Hochachtung zeigen als den Islam, der sich seit seiner Gründung im Krieg mit dem befand, was einmal die christliche Welt genannt wurde.

Die Postmodernisten leben natürlich in Ländern, die frei, wohlhabend uns sicher sind – oder es waren, bis sie anfingen sie zugrunde zu richten; und sie empfinden eine Verpflichtung ihr Glück mit so vielen Muslimen wie möglich zu teilen, selbst wenn das bedeutet, dass langfristig diese Freiheit, Wohlstand und Sicherheit vernichtet werden. Im Fall Schwedens ist dieser selbstzerstörerische Impuls derart stark, dass das Land sogar seine Arme für zurückkehrende ISIS-Terroristen geöffnet hat – und ihnen alle Geschenke gibt, um sie glücklich zu machen.

Wenn ein Muslim wie Strandsson zum Christentum übertritt, dann sind allerdings ist alles vorbei. Ihr Anderssein wird auf der Stelle ausgelöscht, getilgt, aufgehoben. Westliche Beamte, die reflexartig alles, was mit dem Islam zu tun hat, mit Zartgefühl und Respekt behandeln, übernehmen eine völlig entgegengesetzte Sicht eines Muslime, der zum christlichen Glauben übergetreten ist. Während sie den Islam, die Religion „des Anderen“, per Definition als rechtschaffen betrachten – als einen Glauben, dessen Anhänger automatisch wertgeschätzt, besänftigt und belohnt werden sollten – betrachten sie die Christenheit, den Glauben ihrer verachteten Kreuzritter-Vorfahren, als an sich bösartig, eine Religion der Eroberung und Unterdrückung. In den Augen der wahrhaft brennenden schwedischen Multikulturalisten ist jemanden wie Strandsson an einen Ort wie den Iran zurückzuschicken, um dort von den erbarmungslosen Vollstreckern des Scharia-Rechts brutal hingerichtet zu werden, nicht obszön unmorlisch, sondern eher die ultimative Geste des Respekts – und damit eine tugendhafte Handlung.

Was Osteuropa diesbezüglich so anders als Westeuropa macht, ist einfach: Es ist nicht postmodern. Es lehnt Multikulturalismus ab. Sein offiziellen Vertreter stehen perverserweise tatsächlich auf ihrer eigenen Seite. Da sie noch erlebt haben, wie das Leben unter dem sowjetischen Stiefel ist, haben sie die Freiheit noch nicht lange genug genossen, um sie als selbstverständlich anzusehen. Aus ihrer Sicht ist es ihre höchste Pflicht nicht den Interessen von Fremden aus fernen Ländern zu dienen, sondern die Freiheit, Kultur, den Wohlstand und die Sicherheit ihrer eigenen Völker zu bewahren – und denjenigen die Hand zu reichen, die ihre Hilfe brauchen und ihre Werte angenommen haben. „Verfolgte Christen aufzunehmen“, sagte Ungarns stellvertretender Premierminister Zsolt Semjén über den Fall Strandsson, „ist unsere moralische und zugleich verfassungsmäßige Plicht.“

Standssons Geschichte ist alles andere als einzigartig. Letzen September wurde berichtet, dass Sarmad Ozan, ein irakischer Ingenieur und christlicher Dekan, dessen Heimatstadt Mossul von ISIS überrannt und von Christen gesäubert worden war, in Großbritannien Asyl beantragt hatte, wo er studierte. Doch das Innenministerium lehnte seinen Antrag ab und wies ihn an nach Hause zurückzukehren. Da Ozan Christ ist und seine ehemaligen Nachbarn in Mossul alle ISIS-Anhänger geworden sind, kam die Entscheidung des Innenministeriums der Todesstrafe gleich. Er legte Berufung ein und wartet immer noch auf Antwort.

Dann erzählte im Februar Daniel Greenfield von FrontPage die Geschichte einer christlichen Familie aus dem Irak, denen von einer Kopftuch tragenden muslimischen Beamtin Asyl in Deutschland verweigert wurde, von denen offenbar viele in den Einwanderungsbehörden des Landes arbeiten. Der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach legte Beschwerde ein, wobei er es als lächerlich bezeichnete, dass eine Fromme Muslima in einer Position sein darf über die Asylanträge von Christen zu entscheiden, die aus der islamischen Welt fliehen; aber das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wies seine Bedenken zurück.

Unter Präsident Obama verfolgte die US-Regierung natürlich eine ähnliche Politik gegenüber Christen des Nahen Ostens. Zu Anfang 2015, berichtete die Daily Mail im September des Jahres, gewährten die USA 4.200 Muslime Asyl, aber nur 727 Christen. Lisa Jones von Christian Freedom International bestätigte, dass diese Zahlen „keinen Sinn machen“. „Das sind Menschen mit einer christlichen Kultur wie der unseren, die Schutz vor ISIS benötigen … Während viel mehr Muslimen hier Asyl gewährt wird, werden Christen systematisch ausgerottet.“ 2016 waren nach Angaben eines Berichts von Pew „rund 99 Prozent der in den USA aufgenommen syrischen Flüchtlinge Muslime, während weniger als 1 Prozent Christen waren“.

Als Donald Trump kurz nach seiner Amtseinführung ankündigte, dass er diese skandalöse Politik umkehren werde – christlichen Flüchtlingen vor muslimischer Verfolgung Vorrang geben und „extreme Überprüfung“ auf mögliche Jihadisten einführen würde – hätten alle zurechnungsfähigen, anständigen Amerikaner applaudieren müssen. Stattdessen reagierten Millionen empört auf das, was sie aufgrund ihrer Gehirnwäsche durch multikulturell gesinnte Nachrichtenmedien, Lehrer und Professoren als Ausdruck Fanatismus betrachteten – was einmal mehr bestätigte, dass der Islam, wenn er heute der Feind Nummer eins der westlichen Freiheit ist, die multikulturelle Indoktrination in unseren eigenen Rängen der potenteste Verbündete des Islam ist.

* Anmerkung heplev: Ich habe vor einiger Zeit irgendwo gelesen, dass sie diesen Familiennahme aus Dankbarkeit Schweden gegenüber angenommen hat, weil sie dort ihren Asylantrag stellen konnte.

Rückblick auf Netanyahus Ungarn-Besuch

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Premierminister Benjamin Netanyahus Staatsbesuch in Budapest vor kurzem – dem ersten eines israelischen Premierministers seit dem Sturz des Kommunismus – erhielt viel internationale Aufmerksamkeit. Die Medien berichteten von seinen Treffen mit dem ungarischen Premierminister Viktor Orbán sowie mit den Anführern der Länder der Visegard-Gruppe Ungarn, Polen, der Tschechischen Republik und der Slowakei. Allerdings konzentrierten die Medien sich in ihrer Berichterstattung nicht auf die wichtigsten Themen.

Orbán ist Parteichef die Mitte-Rechts-Partei Fidesz. Er erklärte in einer öffentlichen Äußerung nach dem Treffen mit Netanyahu, dass Ungarn gesündigt hatte, als es während des Zweiten Weltkriegs mit Nazideutschland kooperierte und die Juden nicht beschützt hatte.[1] Er sagte auch, dass Ungarn zukünftig alle seine Bürger beschützen würde.[2] Dennoch rühmte Orbán in der jüngsten Vergangenheit den langjährigen ungarischen Führer Miklos Horthy, einen Verbündeten Hitlers.[3]

Orbáns Äußerung zur Holocaust-Schuld seines Landes war politisch sowohl für ihn als auch für seine Partei wichtig. Solch ein Eingeständnis ungarischer Holocaust-Schuld war nichts Neues. Mehrere ungarische Premierminister, darunter Gyula Horn,[4] Péter Medgyessy[5] und Ferenc Gyurcsany[6] haben die Kriegsverbrechen zugegeben oder Entschuldigungen ausgesprochen.

In einer Studie aus dem Jahr 2013 erklärten 91% der jüdischen Ungarn, dass der Antisemitismus im Verlauf der vergangenen fünf Jahre zugenommen hat, ein höherer Prozentsatz als in den sieben anderen untersuchten Ländern. Neunzig Prozent der ungarischen Juden betrachteten Antisemitismus als ein Problem ihres Landes.[7] Der Antisemitismus hat seitdem nicht nachgelassen. Die rechtsextreme und antisemitische Partei Jobbik erzielte bei den Wahlen 2014 20% der Stimmen.[8] Ihr Parteichef Gabor Vona versucht jetzt die Partei etwas Richtung Mitte zu steuern, um vor den nächsten Wahlen im Jahr 2018 ein ernsthafter Konkurrent für Fidesz zu werden.[9]

Länder ändern ihre Kultur nicht leicht. Ungarn hat eine lange Geschichte des Antisemitismus, die viele Jahre vor ihre Kollaboration mit den Deutschen während des Holocaust zurückreicht.[10] Die kommunistischen Nachkriegsregime unterdrückten den Antisemitismus. Nach ihrem Sturz 1989 feierte er bald fröhliche Urstände. Doch obwohl es extremen verbalen Antisemitismus gibt, ist er größtenteils nicht gewalttätig geworden.[11] Das könnte sich aber auch ändern. Wie in den meisten europäischen Ländern müssen in Ungarn lebende Juden erkennen, dass der Antisemitismus ein integraler Bestandteil der europäischen Kultur ist. Seine Intensität variiert von Land zu Land. Und obwohl er bekämpft werden muss, ist der Antisemitismus viel zu sehr eingebettet, um ausgelöscht zu werden.

Die Plakat-Kampagne der ungarischen Regierung gegen den amerikanischen Milliardär George Soros hat viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Er wirbt für die Ansiedlung von Nahost-Flüchtlingen in Ungarn und anderen europäischen Ländern. Soros‘ Politik wird von der ungarischen Regierung als feindselig betrachtet.[12] Die Kampagne der Regierung wird auch von Antisemiten ausgenutzt, die Graffiti auf Werbetafeln malten. Im Ergebnis waren Ungarns Juden besorgt, dass die Kampagne von Antisemitismus umgeben werden könnte.

Manche Juden forderten Netanyahu auf seinen Besuch abzusagen. Ein israelischer Premierminister trifft viele Führungspolitiker, ohne dass dies andeutet, dass er mit ihrer gesamten Politik übereinstimmt. Netanyahu besuchte zum Beispiel die Niederlande. Das heißt nicht, dass er mit der fortgesetzten Weigerung der derzeitigen Regierung übereinstimmt zuzugeben, dass ihre Vorgänger während des Zweiten Weltkriegs gegenüber den Juden versagten. Genauso wenig muss Netanyahu die dortige massive, unkontrollierte Immigration durch Menschen aus muslimischen Ländern gut heißen, in denen Antisemitismus grassiert. Diese Immigration ist die seit dem Holocaust größte Bedrohung niederländischer Juden und Israels in dem Land.

Das ist nicht der einzige Besorgnis erregende Aspekt der niederländischen Wirklichkeit in Sachen Israel. Eine Studie der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2011 stellte fest, dass fast 30% der Niederländer der Äußerung „Israel führt einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser“ zustimmten .Die Zahl für Ungarn war mit 41% nicht viel anders.[13]

Der israelische Botschafter in Ungarn sprach sich gegen den Antisemitismus aus. Das israelische Außenamt erklärte die israelische Haltung in einer Erklärung, von der es sagte, sie solle „in keiner Weise die Kritik an George Soros delegitimieren, der Israels demokratisch gewählte Regierungen ununterbrochen untergräbt, indem er Organisationen finanziert, die den jüdischen Staat diffamieren und versuchen sein Recht auf Selbstverteidigung zu bestreiten“.[14]

Was das Treffen mit den Regierungschefs der Visegard-Länder angeht, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der Medien auf die scharfen Bemerkungen Netanyahus über Europa, der nicht erkannte, dass ein Mikrofon eingeschaltet war. Teile dieser Bemerkungen waren inhaltlich korrekt, selbst wenn sie anders formuliert worden wären, hätte er gemerkt, dass seine Äußerungen nicht mehr vertraulich waren.[15]

Der Grad des Antisemitismus in den Visegrad-Ländern variiert. 2014 stellte eine Studie der ADL in einer Reihe von Ländern 11 grundlegende Fragen zu klassischen antisemitischen Einstellungen. Sie fand heraus, dass 45% der Polen antisemitische Einstellungen hegen. In Ungarn betrug dieser Anteil 41%, in der Tschechei 13%. Für die Slowakei sind keine Daten verfügbar. Gefragt, ob Juden immer noch zu viel von dem sprechen, was ihnen im Holocaust widerfuhr, antworteten 62% der Polen mit Ja; bei den Ungarn stimmten 61% zu. 44% der tschechischen Bürger bejahten dieselbe Frage.[16]

2004 interviewte ich Mark Sofer, den stellvertretenden Generaldirektor des israelischen Außenministeriums. Damals waren die Visegrad-Länder gerade der EU beigetreten. Er sagte: „Die gängige Meinung sagt uns, dass der Beitritt dieser Länder zur EU für Israel positiv ist. Ausnahmsweise könnte die gängige Meinung durchaus recht haben.“[17] Das hat sich in der Tat als richtig erwiesen. Diese und andere zentraleuropäischen Länder unterstützen Israel oft in einer politisch regelmäßig feindlichen EU. Sie sind zudem für israelische Investoren wichtig.

Ein weiterer Grund, dass diese Länder nicht nur für Israel, sondern auch für europäische Juden wichtig sind, besteht darin, dass sie sich gegen Immigration stellen. Diese Immigranten sind zu einem großen Teil Muslime aus dem Nahen Osten. Brüssel und die Führer der europäischen Länder wissen sehr wohl, dass die meisten muslimischen Immigranten von Kind auf mit extrem antisemitischer Propaganda indoktriniert worden sind. Ein Berater des Europäischen Gerichtshofs will, dass die Anfechtung der Entscheidung des Europarats zurückgewiesen wird, dass EU-Mitglieder viele Asylsuchende aufnehmen müssen.[18]

Doch die Führer der EU kümmert das nicht. Anständig wäre es die muslimischen Immigranten nach Europa zu überprüfen, damit diese sogenannten liberalen Demokratien keine antisemitischen Immigranten aufnehmen. Da dies nicht gemacht wird, ist die Politik der Visegrad-Länder vorzuziehen keine Immigranten anzunehmen. So wird es in der Zukunft zumindest ein paar europäische Länder geben, in denen muslimische Hassverbreiter keine herausragende Rolle spielen werden.

[1] www.jpost.com/Israel-News/Politics-And-Diplomacy/Hungarian-PM-to-Netanyahu-We-have-zero-tolerance-of-antisemitism-500042

[2] www.jpost.com/Israel-News/Politics-And-Diplomacy/Hungarian-PM-to-Netanyahu-We-have-zero-tolerance-of-antisemitism-500042

[3] www.timesofisrael.com/israel-accepts-hungarys-clarification-over-pms-praise-for-nazi-allied-wwii-leader/

[4] Efraim Zuroff: Eastern Europe: Anti-Semitism in the Wake of Holocaust-Related Issues. Jewish Political Studies Review, Bd. 17, Nr. 1–2 (Frühjahr 2005), S. 63–79.

[5] Yifat Bacharach: Hungary Pledges to Search for Names of Holocaust victims. Yad Vashem Magazine, 34, 2004.

[6] www.dw.com/en/march-of-living-marks-holocaust/a-1575086

[7] http://fra.europa.eu/sites/default/files/fra-2013-discrimination-hate-crime-against-jews-eu-member-states-0_en.pdf, page 16

[8] www.independent.co.uk/news/world/europe/concerns-as-neo-nazi-jobbik-party-wins-20-of-hungary-vote-9244541.html

[9] www.bbc.com/news/world-europe-37976687

[10] http://jcpa.org/article/anti-semitism-in-hungary/

[11] www.bbc.com/news/world-europe-37976687

[12] www.jta.org/2017/07/09/news-opinion/israel-middle-east/israel-not-defending-soros-in-denouncing-campaign-against-him-foreign-ministry-clarifies

[13] library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf.

[14] www.jpost.com/Israel-News/Politics-And-Diplomacy/Netanyahu-faces-criticism-on-comments-about-Hungary-Soros-499263

[15] www.theguardian.com/world/2017/jul/19/eu-will-wither-and-die-if-it-does-not-change-policy-on-israel-netanyahu

[16] www.global100.adl.org/?_ga=2.257893131.1428442282.1500539303-1360487732.1494910929

[17] www.jcpa.org/israel-europe/ier-sofer-05.htm

[18] www.usnews.com/news/world/articles/2017-07-26/eu-court-advised-to-reject-hungary-slovakia-refugee-case

Ungarn: Holocaust-Leugnung, Hetze und Einschüchterung von Juden

Manfred Gerstenfeld interviewt Daniel Bodnar (direkt vom Autor)

Die Organisation TEV – deren Name mit Aktions- und Schutz-Stiftung übersetzt werden kann – wurde 2012 gegründet. Ihre Gründer sind die drei großen jüdischen Gemeinschaften: die Vereinigte Jüdische Gemeinde von Ungarn (die dem Chabad angehört) und zu der ich gehöre, der Bund der jüdischen Gemeinden in Ungarn – Mazsihisz, die neologisch ist – und die Sim Shalom-Reformgemeinschaft. Es bestand Bedarf für eine solche Organisation, weil es in Ungarn keine Daten gibt, die für eine vergleichende Analyse des Antisemitismus geeignet sind.

TEV begann Angriffe auf ungarische Juden entsprechend der vier Kriterien der OSZE zu beobachten: Gewaltverbrechen, Hass-Verbrechen, zu Handeln führendes Hassreden und Aufstachelung. All diese sind nach ungarischem Recht strafbar. Zusätzlich bietet TEV Opfern antisemitischer Taten juristische Hilfe.

Daniel Bodnar

Daniel Bodnar ist der Vorsitzende von TEV. Er wurde 1977 in Budapest geboren und studierte an der ELTE-Universität von Budapest. Er erhielt 1999 seinen M.A. Er war Price Fellow für politische Philosophie an der New School for Social Research in New York.

Derzeit ist die Hauptsorge der ungarischen Juden antisemitische Hetze und Holocaustleugnung im öffentlichen Diskurs sowie der Verfall des öffentlichen Diskurses. In der ersten Runde der Wahlen zur Nationalversammlung 2010 gewann die rechtsextreme und antisemitische Jobbik fast 17% der Stimmen. Sie ist mit 47 von 386 Sitzen die drittgrößte Partei in der Nationalversammlung. Mehrere ihrer Parlamentarier äußern sich extrem antisemitisch.

In den ersten sechs Monaten der Beobachtungsaktivitäten erstatteten wir in 27 Fällen Anzeige bei der Polizei. Sechzehn davon betrafen Holocaustleugnung und 11 antisemitische Hetze. Wir hatten keinerlei Anzeige wegen körperlicher Angriffe.

Die Gesetze gegen antisemitische Hetze in Ungarn gehören derzeit zu den besten in Europa. Das Problem besteht darin, dass die Behörden sie nicht anwenden. Noch schlimmer ist, dass das frühere Verfassungsgericht entschied, nur in Fällen direkter und klarer Gefahr gebe es einen Verstoß gegen die Aufhetzungsgesetze.

Gegen den Jobbik-Abgeordneten Marton Gyongyosi wurde Anzeige erstattet; dieser sagte 2012 in der Nationalversammlung, es sei „an der Zeit festzustellen, wie viele Menschen jüdischer Abstammung hier sind, besonders im ungarischen Parlament und der Regierung, die ein gewisses Risiko für die nationale Sicherheit Ungarns darstellen“. Die Staatsanwaltschaft entschied, dass dies nicht als Aufstachelung zu Hass gewertet werden könne. Das illustriert die Unzulänglichkeiten des ungarischen Justizwesens im Umgang mit wichtigen Fällen der Förderung von antisemitischem Hass.

Zusammen mit dieser Hetze der letzten sechs oder sieben Jahre ist die Qualität des öffentlichen rapide erodiert. Hassreden hat das ungarische Parlament und den öffentlichen Diskurs der Gesellschaft infiltriert. Im nationalen Lehrplan finden sich Texte von Autoren, die Nazis waren. Wir waren schließlich in der Lage zusammen mit zwei weiteren Unterhändlern der jüdischen Gemeinschaft zu erreichen, dass der neue Lehrplan eine Direktive enthalten soll, dass Lehrer erklären und kontextualisieren müssen, dass dies böse Menschen waren. Zusammen mit der ADL hatten wir den Erfolg, dass die Kuruc-Hassseite bei Facebook entfernt wurde. Sie ist seitdem nicht mehr für länger als jeweils ein oder zwei Tage wiedergekommen.

In Ungarn ist eine Hass-Infrastruktur aufgebaut worden. Man weiß nicht, wann und wie sie platzen wird. Gesetzgeber müssen auf die Realität des riesigen Hasses reagieren, der öffentlich vorangetrieben wird. Die derzeitige Regierung der mehrheitlich rechts von der Mitte angesiedelten Fidesz-Partei macht viele symbolische Gesten. Sie hat jedoch zweifellos unterschiedliche Ansätze und Sensibilitäten bezüglich Antisemitismus als die frühere sozialistische. Es ist unerlässlich, dass jede Regierung über symbolisches Handeln hinaus geht und die jüdische Gemeinschaft mit echten juristischen Mitteln ausstattet, um den Antisemitismus zu bekämpfen.

Es gibt in Ungarn schätzungsweise 100.000 bis 120.000 Juden. Fast alle davon sind entweder Holocaust-Überlebende oder deren Nachkommen. Juden sind in der ungarischen Politik lange Zeit politisch benutzt worden. Die Sozialisten nutzen die „Judenkarte“, indem sie sagten, die meisten Juden stimmten für sie. Diese Karte wird von der Rechten gewöhnlich zurückgespielt.

In einer Gesellschaft, in der es immer noch viele Tramuata aus der Vergangenheit gibt, bringt die extreme Rechte mehrere Behauptungen an. Eine betrifft das Stigma, dass in der Zeit des kommunistischen Regimes viele Parteiführer Juden waren und die meisten Juden die herrschende Partei unterstützten. Eine weitere ist, dass Juden dem ungarischen Staat gegenüber nicht loyal sind.

Ein wichtiges Problem besteht darin, dass die überwiegende Mehrheit der antisemitischen Vorfälle nicht berichtet wird. Menschen, die unter einem kommunistischen Regime lebten, sind in großem Maß zum Schweigen gebracht worden und diese Grundhaltung hält sich bis heute.

Bodnar schließt: Der derzeitige ungarische Antisemitismus ist hauptsächlich ein ideologischer und politischer. Wir begreifen, dass es sehr gefährlich werden kann, können aber nicht voraussagen, wozu es führen könnte. Heute richtet sich von der extremen Rechten verübte physische Gewalt in erster Linie gegen die 600.000 Mitglieder schwache Roma-Gemeinschaft. Viele glauben, ein größeres Hauptziel zu haben lenke Angriffe von ungarischen Juden ab. Doch der Rassismus und die Gewalt machen uns Sorgen. Die gegenwärtige Situation bietet keine Zusage einer besseren Zukunft, wenn sich nicht das juristische Rahmenkonzept zur Anwendbarkeit der Gesetze ändert.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.